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Widerstand von Landwirten und Naturschützern

Die Angst um Hasen, Vögel und verdichteten Boden könnte das Eidgenössische zu Fall bringen

Von Christian Horisberger

Aesch. Soll das Eidgenössische 2022 im Baselbiet stattfinden können, müssen die Schwinger den Naturschutz und die Landwirte ins Boot holen. Die stellen sich aber weiterhin quer. «Wir waren schon immer prinzipiell gegen Grossveranstaltungen im Grünen», sagt Su- sanna Schürch. «Wir finden es nachhaltiger, bei Grossanlässen auf bestehende Strukturen zurückzugreifen oder halt auch mal darauf zu verzichten. Jetzt, wo es um unser Land geht, werden wir von der Überzeugung erst recht nicht abrücken.» Susanna Schürch und ihr Mann Christian bewirtschaften einen grossen Teil der landwirtschaftlichen Fläche, welche die Schwinger fürs Eidgenössische ins Auge gefasst haben.

Was die Studie ergeben hat, ist der Bäuerin schnuppe. Die gewaltige Infrastruktur aus dem Boden zu stampfen, und das für drei Tage, sei «Blödsinn». Deshalb gebe es für sie darüber auch nichts zu diskutieren. Auch über Schadenersatz müsse man nicht reden, da kein Land zur Verfügung gestellt wird.

Einer Vororientierung der Schwinger extra für die Landwirte und Grundeigentümer am vergangenen Samstag blieben die Schürchs aber nicht nur aus diesem Grund fern: Die Einladung dazu sei erst am Vortag bei ihnen eingetroffen, sagt die Bäuerin «etwas gar knapp». Ebenfalls zu kurzfristig war die Einladung für Immobilien Basel-Stadt als Grundeigentümerin, wie Geschäftsleiter Rolf Borner sagt. Man werde stattdessen in Gesprächen mit dem Pächter, der Projektgruppe und dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain eruieren, welche Auswirkungen der Festbetrieb auf das Kulturland hätte, erklärt Borner auf Anfrage. Durch starke Beanspruchung könne verdichteter Boden über längere Zeit nicht kultivierbar sein und nichts mehr abwerfen. Der Ertrag aber sei die Existenzgrundlage des Pächters. «Darüber können wir nicht einfach hinwegschauen», hält Borner fest.

Nach dem Wissen von Suzanne Oberer, Präsidentin von BirdLife Schweiz und Vorstandsmitglied von «Hopp Hase», hat sich der Boden unter dem «9. Stadion» beim Bad Bubendorf zur Fussball-EM 2008 in der Schweiz erst nach mehreren Jahren vollständig erholt. Für Oberer spricht aber ein anderer Punkt gegen Aesch: Landwirte und Naturschutz hätten während 20 Jahren viel Zeit sowie öffentliche und private Gelder in die ökologische Aufwertung des Gebiets gesteckt. Dies würde mit dem Schwingfest zunichtegemacht, ist sie überzeugt. Eine vorübergehende Umsiedlung der grössten Hasenpopulation des Kantons, wie von den Schwingern vorgeschlagen wurde, sei undenkbar: «Hasen kann man nicht beliebig umsiedeln.»

Fachmann importiert Auch Urs Chrétien, Geschäftsführer Pro Natura Baselland, zweifelt an einem gemeinsamen Weg mit den Schwingern. Dass die Initianten einen Biologen aus dem Kanton Graubünden auftreiben mussten, der ihre Interessen vertritt, sage einiges. «Ich interpretiere die Auswirkungen dieses Schwingfests auf die Natur völlig anders.»

Reinachs Gemeindepräsident Urs Hintermann wollte zur Studie konkret nicht Stellung nehmen, ehe er «das Parteiengutachten» im Detail studiert hat. Er stehe dem Schwingfest kritisch gegenüber, weil damit Natur und Kulturland beeinträchtigt würden. «Ich habe den Eindruck, man versucht durchzustieren, dass das ganze Fest in Baselland stattfindet anstatt in der Grenzlage beider Basel also im Joggeli.» Befremdet zeigt sich Hintermann, dass seine Gemeinde von den Schwingern nie offiziell kontaktiert worden sei. Nicht nur Aesch, ebenso Reinach, ja die ganze Birsstadt sei direkt betroffen. «Offiziell wissen wir aber von nichts.» Er erwarte, von den Schwingfest-Promotoren kontaktiert zu werden, um kritische Punkte diskutieren zu können.

Keine Stellungnahme ist vorderhand vom Kanton zu erhalten. Erst müssten Gespräche mit den Landwirten stattfinden. Dabei dürfte der Kanton eher auf der Seite der Schwinger stehen: Der Regierungsrat hatte die Machbarkeitsstudie mit Swisslos-Geldern mitfinanziert, und Sportamtchef Thomas Beugger ist in der Machbarkeitsstudie in Zwilchhosen abgebildet.

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