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Abdel Rahem, Mohammed


Assistent an der Sektion für
Islamwissenschaft in Deutsch
Sprachen- und Übersetzungsfakultät
Al-Azhar Universität - Kairo

Engel im Islam
Die Engel (Arabisch: al-mala´ika) sind nach der islamischen Darstellung mächtige gewaltige und
aus Licht geschaffenen Gestalten, die hauptsächlich in den Himmeln wohnen. Das Wort al-malai´ka
wird im Koran ausdrücklich in ungefähr 54 Stellen erwähnt. Auch in den Überlieferungen vom
Propheten Muhammad ist die Rede von al-mala´ika sehr viel. Von den Koranstellen und
Überlieferungen kann man u. a. die Eigennamen der Engel, ihre Natur, ihre Aufgaben, ihre
Gestalten und ihre Beziehung zu Gott und Menschen wissen.
Der Glaube an die Existenz der Engel gehört zu den sechs Säulen des islamischen Glaubens. Diese
Säulen sind, wie sie in einer prophetischen Überlieferung genannt werden, der Glaube an Gott, an
seine Engel, an seine Schriften, an seine Propheten, an den jüngsten Tag und an die
Vorherbestimmung vom Guten und Bösen. Wenn im Islam von diesen sechs Säulen die Rede ist,
dann setzt der Islam voraus, dass der Muslim von etwas Bestimmtes mit seinem Herzen überzeugt
sein muss, und handelt sich nicht um bloße Aussage. In der Reihenfolge dieser sechs Säulen kommt
der Glaube an die Engel direkt nach dem Glauben an Gott selbst, was bedeutet, dass der Glaube an
die Existenz von Engeln im Islam als sehr wichtig eingestuft wird. Laut dem Koran ist derjenige,
der daran nicht glaubt, abgeirrt. Im Koran heißt es: „Wer nicht an Gott, seine Engel, seine Bücher,
seine Gesandten und den Jüngsten Tag glaubt, der ist weit abgeirrt“ (4,136). Da wir die Engel nicht
sehen, nicht wahrnehmen können, haben die Muslime nur den Koran und die Überlieferungen des
Propheten Mohammed als einzige Quellen für irgendwelche Erkenntnisse über die Natur und
Wesen der Engel, über ihre Eigenschaften, ihre Aufgaben und ihre Beziehung zu Gott und
Menschen …usw.
Ich werde jetzt diese Elemente im Lichte der genannten Quellen behandeln, beginnend mit den
Eigennamen der Engel:
Im Koran werden eigene Engel erwähnt: Gabriel (Arab. gibril) und Michael (Arab. mikal) werden
zusammen in einem Vers genannt: " Wer auch immer zum Feind wurde gegen Gott und Seine
Engel und Seine Gesandten und Gabriel und Michael, so ist wahrlich Gott den Ungläubigen ein
Feind." Dieser Koranvers wurde dem Propheten offenbart, als eine Gruppe von den Juden Gabriel
als ihr Feind und Michael als ihr Freund bezeichneten. Von Michael ist keine weitere Rede im
Koran. Aber Gabriel wird noch in einigen Versen als Geist und in anderen als Geist der Heiligkeit
genannt, insbesondere da, wo der Koran über das Leben Marias und die Geburt Jesu spricht. Ich
betone, Gabriel wird als Geist der Heiligkeit und nicht als der heilige Geist erwähnt.
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Israfeel ist der Engel der Trompete. Er bläst die Trompete bzw. das Horn zweimal mit Erlaubnis
Gottes. Beim ersten Mal sterben alle lebenden Geschöpfe als Zeichen des jüngsten Gerichts und
beim zweiten wachen alle wieder auf. Dieses Geschehen wird im Koran ohne Benennung des
Israfeel zehn Mal erwähnt. Nur vom Propheten Muhammed kannten die Muslime diesen Namen.
Der Koran erzählt aber noch einmal vom Engel Malik als Herr der Höllenengel: "Sie werden rufen:
"O Malik, lass deinen Herrn ein Ende mit uns machen!" Er wird aber sagen: "Ihr bleibt für immer
darin" (43/77). Der Herr der Paradiesengel heißt aber al-Radwan. Der Name kommt doch nicht im
Koran vor, sondern in einigen prophetischen Überlieferungen.
Als Schutzengel, die die Taten des Menschen beobachten und aufschreiben, werden Raqeeb und
Ateed im Koran genannt. Der Koranvers lautet: "er (der Mensch) spricht kein Wort aus, ohne dass
neben ihm Raqeeb und Ateed sind" (50/18). Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass Raqeeb
und Ateed keine Engelnamen sind, sondern zwei Eigenschaften des jeden Engels der Beiden. Mit
Raqeeb ist Wächter und mit Ateed ist bereit gemeint. Demzufolge bedeutet der Vers "Er spricht
kein Wort aus, ohne dass neben ihm ein Wächter wäre, der stets bereit (ist, es aufzuzeichnen)"
Des Weiteren werden auch im Koran zwei Engel genannt, nämlich: Harout und Marout, die Gott
zur Zeit Salamons an die Menschen im Gestalt von zwei Männer schickte. Harout und Marout
sollen den Glauben der Menschen prüfen. Der Koranvers besagt:
"Und sie folgten dem, was die Satane während der Herrschaft Salomos vortrugen; doch nicht
Salomo war ungläubig, sondern die Satane waren ungläubig; sie brachten den Menschen die
Zauberei bei sowie das, was den beiden Engeln in Babel, Harut und Marut, herabgesandt wurde.
Die beiden jedoch haben niemanden etwas gelehrt, ohne dass sie gesagt hätten: ""Wir sind nur eine
Versuchung, so werde nicht ungläubig!" (1/102)
Der Prophet Muhammad berichtete auch von zwei Engeln, die Munker und Nakeer heißen. Sie
befragen den Verstorbenen in seinem Grab nach seinem Gott und seiner Religion und dem
Propheten, der zu seinem Volk geschickt wurde. Je nach der Antwort, die der Verstorbene, von
seinen weltlichen Taten beeinflusst, gibt, sagen ihm Munker und Nakeer Bescheid über seinen
erwarteten Platz, entweder im Paradies oder in der Hölle.
Letztlich ist für den Muslimen Esrael als Name des Todesengels weit bekannt. Der Name kommt
zwar nicht im Koran vor, doch berichten sehr wenige Überlieferungen von ihm.
Die islamische Religion kennt somit durch ihre eignen Quellen nur elf Engelnamen: Gibril, Mikal,
Israfeel, Malek, Raqeeb und Ateed, Harut und Marut, Munker und Nakeer und Esrael.
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Dazu ist noch im Koran die Rede von einigen Engelgruppen je mit bestimmter Aufgabe, wie zum
Beispiel die Acht Engel, die im jüngsten Gericht den Thron Gottes tragen: "… und acht von ihnen
werden an diesem Tag über sich den Thron deines Herrn tragen." (69/17), und die neunzehn
Höllenwächter an einem der Höllentore namens Sakar. Erwähnt werden auch die Paradieswärter,
die die Gläubigen begrüßen und ihnen die Pforten des Paradies öffnen. Was die Gesamtanzahl der
Engel betrifft, gibt der Koran den Bescheid, dass nur Gott die Zahl der Engel weiß.

Ich komme jetzt zu den Eigenschaften der Engel, die Körperlichen oder sozusagen
Schöpfungsbezogenen sowie die Sittlichen:
Die Engel sind, wie der Prophet Muhammad berichtet, aus Licht erschaffen, und haben dem
koranischen Wortlaut entsprechend Flügel. Einige haben zwei Flügel, andere haben vier. Es auch
diejenigen, die drei haben. Gott lobt sich selbst im Koran, indem er sagt: "Gepriesen sei Gott, der
Schöpfer der Himmel und der Erde, Der die Engel zu Boten machte mit zwei, drei und vier Flügeln!
ER fügt der Schöpfung hinzu, was ER will. Gewiss, Gott ist über alles allmächtig" (35/1). Jede
Gruppe Engel hat je nach der ihr von Gott vorgeschrieben Aufgabe bestimmte körperliche
äußerliche Eigenschaften. Die Höllenwächter sind z.B. nach dem Wortlaut des Koran stark und
streng "Ihr Gläubigen! Schützt euch und eure Angehörigen vor dem Höllenfeuer, dessen Brennstoff
Menschen und Steine sind! Darüber herrschen harte und strenge Engel" (66/6). Zwar ist im Koran
von den Eigenschaften der Paradiesengel keine Rede, doch kann man davon ausgehen, dass sie
nicht brauchen streng und gewaltig zu sein. Solange das Paradies das Haus der wohltätigen
Menschen ist, müssen die sich darin befindenden Engel im Vergleich zu den Höllenwächter
gegenteilige äußerliche Form und Gestalt haben. Das kann man auch aus den Namen beider Gruppe
schlussfolgern. Al-Radwan ist der Name des Paradiesengels und ist von der arabischen Wurzel
"radiya" abgeleitet und bedeutet "mit etwas zufrieden sein". Hingegen nennt der Koran die
Höllenwächter "zabaniya". Der Begriff kommt aus dem arabischen Wort "zabana". Das heißt "stark
schieben". Schließlich kann man sagen, dass jeder Engel bzw. jede Engelgruppe Name und
Eigenschaften trägt, die, wie gesagt, mit ihren Aufgaben in Einklang sind.
Traditionell sind die Engel in der Vorstellung der Menschen ein gutes Beispiel der Schönheit. Der
Koran erzählt seinerseits im Zusammenhang der Geschichte Joseph, wie die Frauen diesen
Propheten als sehr schön wie die Engel bezeichneten: „Allâh bewahre! Das ist kein Mensch, das ist
nichts als ein edler Engel.” (Yûsuf:31). Zu den Eigenschaften der Engel lehrt der Islam noch, dass
sie weder als männlich noch als weiblich beschrieben werden dürfen. Der Koran weist die
Behauptungen der zur Zeit des Propheten Muhammad lebenden Atheisten zurück, dass die Engel
weibliche Geschöpfe sind. Es wurde auch berichtet, dass die Juden, die damals viele Streitfragen
mit dem Prophet Muhammad diskutierten, die Engel als Töchter Gottes bezeichneten. Der Koran
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verneint in vielen Versen nachdrücklich die Richtigkeit dieser Aussagen: " Hat denn euer Herr euch
mit Söhnen bevorzugt und für Sich Selbst Töchter unter den Engeln genommen? Ihr erlaubt euch
ein gewaltiges Wort." (17/40), Anderer Vers lautet: " Die Engel, die die Diener des Barmherzigen
sind, machen sie zu weiblichen Wesen. Haben sie etwa zugesehen, als sie erschaffen wurden? Ihre
Aussagen werden aufgeschrieben, und sie werden sich dafür verantworten." In Anlehnung an diese
und ähnliche Verse lehrt der Islam, dass man den Engel weder als weibliche noch als männliche
Schöpfung bezeichnen darf. Zwar lehnt die Verse nur die erste Eigenschaft ab, doch stellt der Koran
eine entscheidende Frage, ob die Menschen das Erschaffen der Engel gesehen hatten. D.h. Gott
erschuf die Engel auf eine Art und Weise und in einer Form bzw. einem Gestalt, wovon die
Menschen keine Ahnung haben.
Die muslimischen Gelehrten sind darüber eins, dass die Engel nicht essen nicht trinken. Sie haben
diese Meinung aus einer koranischen Geschichte geschlussfolgert. Der Koran erzählt, dass einige
Engel in Gestalt von Menschen den Prophet Abraham besuchten. Abraham legte ihnen Essen vor.
Ihre Hände streckten sich aber nach dem essen nicht aus. Abraham begriff dabei, dass sie Engel
sind.
Der Koran betont auch, dass die Engel den Menschen in der eignen, echten Form nicht erscheinen,
sondern nur in Menschengestalt. Mit anderen Worten, die Menschen können sie mit ihren Sehkraft
nicht erfassen. Die Atheisten verlangten vom Propheten Muhammad als Zeichen seiner
Wahrhaftigkeit, dass Gott ihnen einen Engel als Boten schickt. Die koranische Antwort lautet:
"Wenn Wir den Engel entsandt hätten, hätten WIR ihm ebenfalls (die Gestalt) eines Menschen
gegeben, so wären sie in der gleichen Verwirrung, der sie sich jetzt aussetzen." (6/9). Wirklich sind
die Engel für den Menschen nicht sichtbar. Die Natur beider Geschöpfe hindert das gänzlich. Die
Engel sind aus Licht erschaffen, und die Menschen können das Licht mit ihren bloßen Augen nicht
sehen. Sie sehen im Licht aber nicht das Licht, sonst könnten wir mit unseren Augen zwischen den
verschiedenen Arten der Strahlen unterscheiden. Daher verleiht Gott den Engel ein Menschenbild,
wenn er sie zu einem Menschen schicken wollte. Über Maria erzählt der Koran: "und Wir schickten
ihr Unseren Geist (Gabriel), und er erschien ihr in der Gestalt eines vollkommenen Menschen"
(19/17).
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Zu den Eigenschaften der Engel gehört auch, dass sie sich übernatürlich sehr schnell von einem ort
zum anderen bewegen können. Man liest in der islamischen Tradition, dass der Prophet Muhammad
manchmal nach etwas gefragt wurde und gleichzeitig darauf die Antwort von Gabriel bekam. Aus
anderen Geschichten anderer Propheten schließt man auch das gleiche. Diese Schnelligkeit kann
man auch aus der folgenden Geschichte ziehen: Einmal besuchte der Todesegel Esrael den
Propheten Salomon und fand bei ihm einen Mann. Esrael sprach mit Salamon und blickte
gleichzeitig erstaunt auf dem Mann da. Nachdem der Engel wegging, fragte der Mann den
Propheten Salamon über ihn. Dieser antwortete, dass der Besucher der Todesengel war. Der Mann
erschrak und bat Salamon: „Befiehl dem Wind, o gütiger Salomo, dass er mich von hier nach Indien
bringe, weit weg, damit der Todesengel mich hier nicht finden mag." Salomo befiehlt dem Wind,
ihn rasch ins tiefste Indien zu tragen, über Land und Meer.
Am nächsten Tag kam Esrael zu Salomo. Salomo befragt ihn, warum er am vorigen Tag den Mann
bei ihm erstaunt angeschaut hat? " Er spricht: „Ich war verwundert, ihn hier zu sehen, in deiner
Stadt, denn gerade hatte Gott mir befohlen, ihn in Indien zu holen."
D.h. der Engel musste in sehr kurzer Zeit von Syrien, wo der Prophet Salamon lebte, nach Indien
fliegen. Das darf man nicht ablehnen, weil wir über andere Welt sprechen, die ihre eigne Natur und
ihre eigenen Maßstäbe hat. Mit unseren Normen und Wertbestimmungen können wir auch nur
unsere menschlichen Angelegenheiten messen.
Was die Sitten der Engel anbelangt, stellt die islamischen Lehre fest, dass sie sich gegen Gott auf
keinen Fall auflehnen und demzufolge unfehlbar sind. Es heißt im Koran: "die sich gegen Gott in
dem, was er ihnen befohlen hat, nicht auflehnen, vielmehr tun, was ihnen befohlen wird." (66/6)
Dies führt man darauf zurück, dass die Engel keine Willensfreiheit haben, wie die Menschen.
Einige Gelehrten sind hingegen der Meinung, dass nur die Boten unter den Engeln, d.h. nur
diejenigen, die Gott an seine Propheten schickt, unfehlbar sind. Als Beweis führen sie die
Geschichte von Adam und dem Satan, der sich dem Befehl Gottes widersetzte, sich vor Adam zur
Ehrung niederzuwerfen. Die meisten Gelehrten weisen diese Auffassung zurück, und meinen, dass
der Satan, den der Koran Iblis nennt, nicht zu den Engeln gehörte. Der Koran selbst sagt: "Da
warfen sie sich (alle) nieder, außer Iblis. Der war (einer) von den Dschinn." (18/50). Darauf wird
doch geantwortet, dass das im Vers genannte Dschinn, wozu Iblis gehörte, eine Art bzw. eine
Untergruppe von den Engeln selbst, da Gott, wie es dem Wortlaut des Koran zu entnehmen ist,
seinen Befehl nur an die Engel richtete, nämlich, dass sie sich Adam, dem ersten Menschen,
niederzuwerfen. Also, ob alle Engel oder nur einige davon unfehlbar sind, ist in der islamischen
Glaubenslehre eine bestrittene Frage.
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Des Weiteren sind die Engel gemäß dem Koran vornehm und rechtschaffen. Sie führen ihr Gebet zu
Gott auf eine ordentliche Art und Weise. Sie stehen in Reihen und geben kein Wort vor sich außer
mit Erlaubnis Gottes. Der Prophet Muhammad verlangte von seinen Anhängern beim Gebet, sich in
Reihen nebeneinander zu stellen, wie die Engel im Himmel. Diese Darstellung drückt der Koran in
vielen Stellen aus. Z. B. beschreiben die Engel sich selbst und sagen: "Wir sind es, die sich, um
Gott zu dienen, in Reihen aufstellen. Und wir sind es, die (Gott) preisen." (37/165-166)

Gabriel, dem Engel der Offenbarung, werden hervorragenden sittlichen Eigenschaften zuteil, wie
die Vortrefflichkeit, die Mächtigkeit und die Treue. Er ist auch derjenige, dem die anderen Engel
Gehorsam leisten. Er hat somit eine besondere Stellung im Koran. All diese Eigenschafen werden in
der folgenden Koranischen Stelle genannt: "Er (der Koran) ist die Aussage eines edlen Boten, der
beim Herrn des Thrones über (große) Gewalt verfügt und Macht (und Ansehen) hat, dem gehorcht
wird und der vertrauenswürdig ist." (81/19-21) Die Treue Gabriels und seine Macht und Stärke
kommen auch in anderen Versen zum Ausdruck. Die prophetischen Überlieferungen berichten, wie
Gabriel hunderte Flügel hat. Der Koran erzählt auch vom starken Körperbau Gabriels: " Gelehrt hat
(es) ihn einer, der über große Kräfte verfügt, dessen Macht sich auf alles erstreckt."(53/5-7).
Gabriel wird meistens bei der Rede von den Engeln ausgenommen und mit seinem Eigennamen
genannt. In vielen Zusammenhängen kommt die Rede vor: "die Engel und Gabriel" bzw. "die Engel
und der Geist". Als Zeichen des absoluten Vorrangs wird doch sein Name in manchen Stellen vor
den anderen Engeln erwähnt. Z. B. sagt der Koran über den Propheten Muhammad: "So steht Gott,
sein Beschützer, ihm bei, desgleichen Gabriel und die rechtschaffenen Gläubigen. Auch die Engel
werden ihm dann Beistand leisten." (66/4) In einem andern Vers: "Am Tag (des Gerichts), da der
Geist und die Engel in einer Reihe (vor Gott) stehen werden". (78/38)
Nun komme ich zu den Aufgaben der Engel. Wie gesagt berichten die islamischen Quellen von
Engeln, die von Gott mit unterschiedlichen Aufgaben betraut werden. Die höchste Aufgabe unter
diesen ist es, Botschaften von Ihm den Propheten zu vermitteln. Gabriel ist am meisten damit
beauftragt. Das schließt doch nicht aus, dass Gott andere Engel zu Boten macht. Im Koran steht
beispielsweise, dass die Engel zu Zacharias im Tempel kamen und ihn Johannes verkündeten.
Michael ist der Engel der Wolken und des Regens, d.h. er hat die Aufgabe, die Wolken zu einem
bestimmten Ort zu tragen und die Regen über ein bestimmtes Gebiet fällen zu lassen. Michael, der
noch viele Helfer hat, kontrolliert mit Gottes Erlaubnis die Menge des Regens. Der Todesengel
Esreel hat den Auftrag, das Leben der Geschöpfe zu dem von Gott bestimmten Zeitpunkt zu
beenden, indem er die Seele aus dem Körper herauszieht. Esraeel hat auch wie Michael viele
Helfer, auch Helferengel genannt. Er wird auch vor dem Tag des Gerichts die Seele der anderen
Engel mit Erlaubnis Gottes nehmen. Am Ende befiehlt ihm Gott, das Gleiche mit sich selbst zu tun.
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Ohne Helfer aus den Engeln hat Israfeel die Aufgabe, ins Horn zu blasen, damit alle Lebenden am
Ende der Welt zu sterben. Dann bläst er noch mal, damit alle Verstorbenen wieder aufzustehen.
Israfeel ruft dann die Menschen und leitet sie zum Gericht. Dann folgen die Menschen ohne
Abweichung den Engel. Es steht im Koran: "Am Jüngsten Tag werden alle dem Rufer geradewegs
folgen müssen, ohne abweichen zu können. Alle Stimmen werden vor Dem Barmherzigen demütig
leise sein, so dass du nur Flüstern vernimmst." (20/108). Zu den Aufgaben der Engel gehört noch,
dass sie Gott beten und ihn um Vergebung für die Menschen bitten.
Raqeeb und Ateed, die der Koran als ehrenwerten Schreiberengel bezeichnet, begleiten den
Menschen und zeichnen seine Teten und Aussagen auf: Der Engel zur Rechten der Menschen
schreibt die guten Handlungen nieder, sobald der Mensch sie tut. Der Engel zur Linken, der die
schlechten Taten und Aussagen niederschreibt, wartet doch eine Weile vor der Aufzeichnung mit
der Hoffnung, dass der Mensch Reu darüber äußert. In diesem Falle schreibt der Engel nichts.
Andere Engel sprechen für die Menschen Bettgebete, begleiten und unterstützen sie bei guten
Handlungen, bei der Erlangung von Wissen, beim Gebet, bei gemeinschaftlichen Koranrezitationen
usw. Der Prophet Muhammad soll gesagt haben, dass die Engel ihre Flügel als Zeichen der Freude
und Zufriedenheit über diejenigen ausstrecken, die sich mit dem Wissen beschäftigen. Das bedeutet,
dass die Engel Kontakt mit den Menschen bzw. der Natur haben. Weil die Menschen ihrerseits
diesen Kontakt konkret nicht wahrnehmen, ist er und bleibt für immer einseitig.
Die Beziehung der Engel zu Gott beschränkt sich doch nicht bloß auf das Beten und die Verehrung.
Die im Koran erwähnte Geschichte von Adam zeigt auf mögliche Diskussionen zwischen Gott und
seinen Engeln sowie auf Meinungsunterschiede unter den Engeln selbst. Der Koran erzählt, dass
Gott den Engeln von der Neuerschaffung auf der Erde mitteilte, was sie zunächst nicht guthießen,
und zwar mit dem Grunde, dass daraus nur Korruption und Unruhe auf der Erde wird. Der Koran
berichtet auch, wie sie untereinander darüber uneins waren. Der Vers lautet: "Ich habe durch die
Offenbarung kein Wissen über die obersten der Engel, als sie miteinander stritten" (39/69). Wenn
der Koran in anderer Stelle sagt, dass Gott am Jenseits auch zwischen den Engeln richten werde, so
darf man vermuten, dass weitere Meinungsverschiedenheiten in anderen Situationen bestanden
haben bzw. bestehen können.
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Schließlich möchte ich noch erwähnen, dass die Wissenschaftler der Glaubenslehre uneinig sind
über die Frage: Wer ist bei Gott besser und beliebter: die Engel oder die Propheten?
Eine Gruppe meint, dass die Propheten bei Gott vor den Engeln bevorzugt sind. Sie stützt sich vor
allem auf die Geschichte Adams, wobei die Engel befohlen waren, sich vor Adam niederzuwerfen.
Gott lehrte Adam dazu die Namen der Dinge, die die Engel auch nach dem Wortlaut des Koran
nicht kannten. Darüber hinaus sind die Propheten trotz aller verführerischen Dinge auf der Erde
unfehlbar. Somit müssen sie mit ihrem Kampf gegen die Triebe und Begierden besser sein als die
Engel, die in ihrem Glauben nicht geprüft werden.
Andere Gruppe ist hingegen der Meinung, dass die Engel besser sind als die Propheten. Sie bezieht
sich auf den Vers: "Da flüsterte ihnen der Satan (böse Gedanken) ein … und er sagte: ""Euer Herr
hat euch diesen Baum nur verboten, (um zu verhindern) dass ihr zu Engeln werdet oder (sonst) zu
Wesen, die ewig leben"" (2/20). Die Theologen schließen daraus, dass Adam und Ewa vom
verbotenen Baum aßen, nur um Engel zu sein, d .h. um eine bessere Stellung zu erlangen. Zum
Weiteren Beweis führen sie den Vers: "Jesus Christus wird es nicht aus Hochmut ablehnen, Gottes
Diener zu sein; auch nicht die Gott nahestehenden Engel." (4/172) Die Theologen meinen, dass die
wörtliche Steigerung "auch nicht die Engel" eine Rede von höherer Stellung aufweist. D. h. auch
nicht die Engel, die besser sind, können Hochmut haben. In der Tat hat jede Gruppe sowohl ihre
eigne Argumente als auch ihre Antworte auf die Beweisen der anderen Gruppe, was die Frage bis
jetzt dahinstehen lässt.
Ich bin soweit; vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit

Abdel Rahem, Mohammed


Münster, den 10.09.2007