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S III Jonastal
Ein mörderisches und höchst mysteriöses Bauvorhaben der NS im Dritten Reich
Autoren/Kurse:
Bickel, C. Luck, S.
D 12 I Ma 12 I
Schule: Betreuer:
Heinrich-Ehrhardt-Gymnasium, Zella-Mehlis Frau B. Vogt Seminarfachbetreuerin Herr
K.- P. Schambach Außenbetreuer der GTGJ e. V.
eingereicht am
04. November 2003 (überarbeitete Fassung)
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Vorwort
Vorwort
Die Erstellung dieser Seminarfacharbeit war mit einigen Problemen verbunden,
brachte uns aber gleichzeitig viele neue Erkenntnisse. Zunächst haben wir dieses
Thema aus einer gewissen Distanz betrachtet und vor Allem die Rätsel faszinierten
uns. Es war jedoch auch von Anfang an klar, dass gerade auf diesem Gebiet, das
einen der finstersten Teile deutscher Geschichte darstellt, die bisher geleistete
Aufklärungsarbeit völlig unzureichend ist. Anfangs kamen uns die wildesten
Spekulationen zu Ohren, die es zunächst einzuordnen galt. Bereits vor der Wahl des
unseres Themas hatten wir uns einen kleinen Grundstock an Wissen angeeignet und
beschlossen zunächst noch mit zwei anderen Gruppenmitgliedern das Thema
,,Jonastal" zu unserem Seminarfachthema zu machen. Dies wurde zunächst nicht
nur von den Lehrern sehr kritisch beäugt, auch viele Mitschüler zeigten sich über
die Wahl dieses Themas erstaunt. Trotzdem war unsere Entscheidung für uns zu jeder
Zeit unverrückbar, obwohl auch die Lektüre der ersten Bücher darauf hindeutete,
wie vielschichtig das Projekt im Jonastal gewesen ist. Es handelt sich dabei
beileibe nicht nur um eine bloße Baustelle, wie es sie gegen Kriegsende in
Deutschland mehrfach gab, sondern vor allem um einen Ort der mit unermesslich
vielem menschlichem Leid verbunden ist. Den Menschen, die diesem tausendfache Leid
und den unmenschlichen Entbehrungen des Häftlingsalltags, des tausendfachen
Sterbens und der psychischen Zerstörung ausgesetzt waren ist unsere Ausarbeitung
gewidmet. Sie haben ein würdiges Gedenken verdient und müssen endlich darüber
aufgeklärt werden, wofür sie all diese Qualen erleiden mussten. Die Arbeit in der
Gruppe funktionierte anfangs gut, es stellte sich jedoch das Problem, eine/n
geeignete/n Fachbetreuer/in zu finden, was sich zunächst schwierig gestaltete, da
alle uns bekannten Geschichtslehrer/innen bereits mehrere Gruppen betreuten. Mit
Hilfe von Frau Zimmermann jedoch konnte der Kontakt zwischen Frau Vogt und uns
hergestellt werden. Sie erklärte sich sofort bereit, unsere Gruppe zu betreuen, da
sie auch ein persönliches Interesse an der Aufarbeitung der Geschichte rund um das
Jonastal zeigte. Die Gruppe begann sich an die weitere Arbeit zu machen, was
jedoch nicht immer reibungslos gelang. Besonders zur Jahreswende 2002/2003 waren
wir und besonders Sebastian Luck aufgrund unserer politischen Aktivitäten, damit
beschäftigt über die Junge Union und die Schülervertretung Einfluss auf die
politischen Entscheidungen zu nehmen, denen zufolge unser Gymnasium aufgegeben
werden sollte. Es entbrannte ein regelrechter ,,Kampf" um die Schule,
worunter jedoch die Aktivität bei der Erstellung der Seminarfacharbeit litt. Es
konnte jedoch Ende Februar ein Erfolg verbucht werden, indem unsere Schule durch
den Kreistagsbeschluss erhalten blieb. Im Anschluss daran erkannten wir, dass nun
wieder die schulische Leistung im Vordergrund stehen musste. Es begannen sich
jedoch neue Probleme abzuzeichnen. Die Schülerfirma befand sich im Aufbau und
Marco Fieber beschloss aufgrund seiner Stellung als stellvertretender Chef
zusammen mit anderen Gesellschaftern seine Seminarfacharbeit über das
Schülerunternehmen schreiben. Wir ließen ihn gewähren, da wir keine Streitigkeiten
und Spannungen innerhalb der Gruppe riskieren wollten, die sich wohl unvermeidlich
ergeben hätten. Trotzdem haben wir den Beschluss Marco Fiebers sehr bedauert. Doch
dieser Verlust war nicht der einzige Rückschlag der uns im vergangenen Schuljahr
treffen sollte. Dominik Losse konnte nicht die erforderlichen schulischen
Leistungen vorweisen und verließ daher die Schule. Damit war unsere Gruppe von
ursprünglich vier auf nunmehr zwei Mitglieder geschrumpft, was die schwierige
Aufgabe die es zu bewältigen gab nicht vereinfachte. Trotzdem beschlossen wir,
möglichst den Großteil der vielen Themen, die mit dem Bauvorhaben im Jonastal in
Verbindung stehen abzuarbeiten. Dies setzte eine intensivierte Forschungsarbeit
und ein effektives Forschungssystem voraus. Deswegen begannen wird mit der
Aufstellung von
Vorwort konkreten Plänen. Wir besuchten das Archiv der Gedenkstätte Buchenwald und
bekamen erstmals durch schriftliche Zeugenaussagen einen Überblick über die
menschliche Dimension dieses Bauvorhabens. Die folgenden Archivbesuche fanden
getrennt statt, was die Anzahl der Fehltage verringern sollte. Die Forschung
begann richtiggehend interessant zu werden. Zu einem besonders wichtigen Termin
entwickelte sich der Vorortbesuch im Jonastal im Sommer 2003. Durch Herrn
Schambach und einige andere Mitglieder der Geschichts- und Technologiegesellschaft
Großraum Jonastal e.V. bekamen wir einen interessanten Rundgang durch diese
historische Stätte geboten, der immer wieder unerklärliche Überraschungen
hervorbrachte. Diese warfen Fragen auf, die bisher niemand beantworten konnten. Es
erscheint für einen außenstehenden Betrachter höchst verwunderlich, wie eine alte
Stollenanlage (die als solche nicht einmal mehr ohne Weiteres zu erkennen ist),
die von Amerikanern, Russen und verschiedenen Schatzsuchern schon durchsucht und
nur aufgrund einer spektakulären Fehlinformation bekannt geworden ist, welche
jedoch schnell widerlegt wurde, solch eine Anziehungskraft entwickeln kann. Es
gibt ganze Internetdomänen, die sich mit diesem Thema beschäftigen und eine große
Anzahl von Büchern, die von Autoren unterschiedlichster Art geschrieben wurden.
Für uns bestand das Problem zunächst darin, die spärlichen Fakten (es gibt kaum
Aufzeichnungen) zu untersuchen und uns ein eigenes Urteil über die Vermutungen,
die einige Forscher äußern, zu bilden. Eine der am weitesten verbreiteten
Ansichten ist, dass im Jonsatal Atomwaffen konzipiert wurden. Solche Aussagen
scheinen jeglicher Aussage zu entbehren, genauso wie andere Vermutungen, z.B. über
die Präsenz von 500 betriebsbereiten Kampfpanzern in unterirdischen Hallen, was
trotz aller Ernsthaftigkeit und Demut vor den Opfern wie ein Scherz klingt. Es
konnte nicht das Ziel dieser Arbeit sein, solche Rätsel zu lösen. Dies ist auch
nahezu unmöglich, da sehr viele Qualifikationen vonnöten wären. Vielmehr war es
das Ziel, möglichst viel über das Stollensystem und andere Bauten und
Einrichtungen im Jonastal herauszufinden und aufgrund von eigenen Forschungen
persönliche Rückschlüsse zu ziehen und eine kritische, fundierte
Auseinandersetzung mit solchen Behauptungen zu erreichen. Als eine vertane Chance
sehen wir an, dass der Jonastalforscher Thomas Mehner trotz eines vereinbarten
Interviewtermins nicht anzutreffen war. Er ist einer der härtesten Verfechter der
Theorie über das Vorhandensein einer deutschen Atomwaffe. Seine Aussagen hätten
für die Seminarfacharbeit dienlich sein können. Auch kann die Zusammenarbeit mit
staatlichen Stellen als teilweise mangelhaft angesehen werden. In einigen Archiven
konnte gar fast der Eindruck aufkommen, dass eine Information der Besucher
überhaupt nicht erwünscht ist. Im Archiv in Gotha beispielsweise verwies die
Mitarbeiterin ständig auf eine Publikation von Frau Raschke, die im Auftrag der
Landeszentrale für politische Bildung eine Broschüre herausgegeben hat. Die
Mitarbeiterin schien nicht verstanden zu haben, dass es auch auf eigene
Forschungen ankommt und blockte den Wunsch nach Akten über das Jonastal stets ab.
Insgesamt jedoch lief die Materialsammlung positiv ab und das Schreiben der Arbeit
konnte in Angriff genommen werden, was durch häufige Konsultationen untereinander
trotz einer größeren räumlichen Distanz reibungslos funktionierte.
Vorwort Wir möchten uns an dieser Stelle bei folgenden Personen und Institutionen:
Frau Bettina Vogt (Seminarfachbetreuerin) Herr Klaus- Peter Schambach
(Außenbetreuer) Das Archiv der Gedenkstätte Buchenwald Der Geschichts- und
Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e.V. Herrn Ullrich Brunzel Und allen
anderen, die uns bei der Erstellung dieser Arbeit unterstützt haben. recht
herzlich für die Unterstützung bei diesem schwierigen Unterfangen bedanken.
Sebastian Luck Schwarza / Zella-Mehlis im November 2003 Cedric Bickel
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 2 2.1 2.2 2.3 3 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 4 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 5 5.1 5.2 5.3 6 6.1
6.2 6.3 EINLEITUNG ________________________________________________________ 1 DIE
HISTORISCHE EINORDNUNG _____________________________________ 3
Kriegswende_________________________________________________________ 3
Auswirkungen auf die Rüstungs- und Kriegsindustrie im NS Deutschland ________ 4
Geheimprojekte im ,,Schutz und Trutzgau" Thüringen ________________________ 5
SONDERBAUVORHABEN S III_________________________________________ 6 Der Deckname S
III ___________________________________________________ 6 Voraussetzungen
_____________________________________________________ 7 Der Bau in chronologischer
Abfolge ______________________________________ 8 Person Hans Kammler
________________________________________________ 12 Nutzung und Verwendung von S
III im 3. Reich____________________________ 14 HÄFTLINGSLAGER S III
_____________________________________________ 15 Errichtung des Lagers S III und
Verbindungen zum KZ Buchenwald ___________ 15 Verwendungszweck
__________________________________________________ 17 Leben im Lager des
Schreckens_________________________________________ 19 Vernichtung durch
Arbeit______________________________________________ 23 Ein kurzer Epilog: Mahnung
und Verpflichtung ____________________________ 26 DAS ENDE VOM GEHEIMPROJEKT S III
______________________________ 27 Einmarsch amerikanischer Truppen und
Kriegsende_________________________ 27 Stollenkomplex im Jonastal zur sowjetischen
Besatzungszeit__________________ 34 Stollenanlage in der Gegenwart
_________________________________________ 37 LEGENDEN UND RÄTSEL VOM JONASTAL
___________________________ 40 Aufarbeitung der Geschichte um das Jonastal
______________________________ 40 Das Bernsteinzimmer und andere Beuteschätze des
3. Reichs _________________ 44 Projekt zum Bau einer Atombombe
______________________________________ 48
Inhaltsverzeichnis 7 FAZIT
______________________________________________________________ 54
ZEITTAFEL _____________________________________________________________ 56
BIOGRAPHISCHE AUFZEICHNUNGEN ___________________________________ 57
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS ____________________________________________ 59
QUELLENVERZEICHNIS ________________________________________________ 60
AUTORENVERZEICHNIS ________________________________________________ 64
EIDESSTATTLICHE VERSICHERUNG ____________________________________ 65 ANHANG
_______________________________________________________________ 66
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Einleitung
1 Einleitung
,,Wenn irgendein Teil unseres deutschen Vaterlandes verdient, durch Wort und Bild
verherrlicht zu werden, so ist es unser Thüringen. Seine Natur von seltener
Lieblichkeit und Mannigfaltigkeit, eines bis in die ältesten Zeiten des
Germanentums zurückreichende, vielfach vom Schleier der Sage umwobene Geschichte
(...)." Diese Zeilen schrieben vor mehr als einem Jahrhundert die Herausgeber
des Buches ,,Thüringen in Wort und Bild". Seither hat sich viel verändert,
doch Landschaft und Natur blieben in der typischen Weise bestehen. So scheint
Jeder, der die aus Richtung Arnstadt kommende Landstraße durch das Jonastal
befährt, um Jahrhunderte in eine friedliche Idylle zurück versetzt zu werden.
Weiche, wohl geformte Hügel, Fichtenwälder und die Unberührtheit der Natur
vermitteln eine friedliche, fast trügerische Ruhe (siehe Abb. 1). Urplötzlich
taucht dann aber wie aus dem Nichts auf der Westseite des Tales ein verwüsteter
Steilhang auf, der durch Betonüberreste, Rohre und sonstigen Rückständen der
Zivilisation entstellt ist. Auch lassen sich erste verschüttete Stollen vermuten.
Was hat es mit diesem Tal auf sich? Hundert Meter weiter werden wir fündig. Ein
Denkmal zur Erinnerung an die im Zeitraum zwischen Ende 1944 und Anfang 1945
Tausenden ermordeten KZ-Häftlinge steht am Straßenrand. Hier in diesem friedlichen
Tal sollen Tausende KZ Häftlinge ihr Leben gelassen haben? Ganz richtig unter
bestialischsten Arbeitsbedingungen ,,gruben" sich die Häftlinge unter
unzähligen grausamen Leiden und furchtbaren Qualen drangsaliert durch SS Terror
und Verfolgung in das Bergmassiv des Jonastals (siehe Abb. 2). Die Meisten
verloren ihr Leben hierbei. ,,Kümmern Sie sich nicht um die menschlichen Opfer.
Die Arbeiten müssen vorankommen, und das in möglichst kurzer Zeit."1 Dies
soll der SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Dr. Ing. Hans Kammler 1943
anlässlich einer Besichtigung eines seiner Bauvorhaben gesagt haben. Jener
Generalmajor sollte auch ab Ende 1944 unweit der thüringischen Städte Ohrdruf und
Arnstadt im Jonastal mit dem Bau eines Führerhauptquartiers beauftragt werden. So
begannen unter Leitung des Sonderstabs Kammler ab November 1944 die mörderischen
Arbeiten in dem Bergmassiv des Jonastals unter dem untypischen Decknamen S III.
Die nötig gewordenen Häftlinge wurden aus dem eigens dafür errichteten Lager S III
für die bestialischen Arbeiten herangezogen. Später sollte den Meisten
überlebenden Häftlingen dieses als eines der barbarischsten und grausamsten Lager
in Erinnerung bleiben. Warum all diese Qualen und Grausamkeiten? Für was wurde
hier jenseits der großen NSZentren wie Berlin und Nürnberg geschuftet? Sollte hier
nur ein Führerhauptquartier unter vielen entstehen oder befinden sich in den
Stollen wertvolle Kunst- und Beuteschätze? Gab es gar geheime
Wunderwaffenprojekte? Diese Fragen stellten sich auch für unsere
Seminarfachgruppenmitglieder zeitlich weit vor der eigentlich geplanten
Seminarfacharbeit. So hatten wir schon frühzeitig einen auf Grundlage des eigenen
Interesses basierenden Themenbezug. Vor allem das eigene Interesse sich mit der
Problematik des Jonastals auseinanderzusetzen, was vielfach schon im Vorfeld durch
die Lektüre einschlägiger Literatur geschah, sollte uns letztendlich auch dazu
veranlassen, die Geschichte des Jonastals zur NS-Zeit als globales Thema unserer
anstehenden Seminarfacharbeit festzulegen. Wir wollten einfach mehr über die
Vorgänge im Jonastal wissen. Anfänglich standen unsere bescheidenen
Nachforschungen im Schwerpunkt darin,
1
ZEIGERT, D.: 2003, S. 9
-1-
Einleitung über vielzähligen Rätseln von Kunst und Beuteschätzen, Wunderwaffen
oder dem letzten Führerhauptquartier in diverser Literatur nachzuspüren. Jedoch
kamen wir bald zu der Erkenntnis, dass jene Rätsel nur einen Teil der Geschichte
des Jonastals beinhalteten, die vor allem wilden Spekulationen unterlag. So
kristallisierte sich immer mehr heraus, dass zur ansatzweisen Lösung von jenen
Rätseln ein fundiertes Grundwissen zwingende Vorraussetzung war, um zwischen
Spekulation und tatsächlichen Indizien im weiteren Verlauf unserer stetig
zunehmenden Forschungsarbeit unterscheiden zu können. Vielmehr trat auch das
unbeschreibbare Leiden der Häftlinge nach ersten intensiveren Recherchen zum
Vorschein, worauf wir bei der nachfolgenden Forschungsarbeit viel wert legen
sollten. Denn dies, so schätzten alle ein, war bei unseren ersten
Auseinandersetzung mit dem Thema ,,Stollenkomplex im Jonastal" viel zu kurz
gekommen. Wir schworen uns schon damals, nicht den vermeintlich gleichen Fehler in
unserer Darstellung in der zukünftigen Seminarfacharbeit zu machen. Dem
Häftlingsleiden sollte eine zentrale Bedeutung zukommen. Nach dieser ersten Phase,
der Verschaffung eines Überblicks in diverser Fach- und populärwissenschaftlicher
Literatur, folgte eine intensive Forschungsarbeit, die bis zum heutigen Tag
anhielt und die materielle Grundlage für unsere Seminarfacharbeit bilden sollte.
So wurden in fast alle regionalen und landesweiten Archiven (HStA Weimar, StA
Gotha, Rudolstadt, Buchenwaldarchiv, ...) mit Ausnahme dem Kreisarchiv Arnstadt,
welches sich leider im Umzug befand, die Informationen zum Jonastal beinhalten,
tiefgründige Nachforschungen und Recherchen angestellt. Auch knüpften wir Kontakt
zu einer Vielzahl möglicher Stellen (TA, TW, GTGJ & Jonastalforschern ..), die
uns bei der Erforschung des Themas Jonastal zu Seite stehen konnten und auch
wertvolle Informationen lieferten wie beispielsweise Informationen aus Akten aus
den Bundesarchiven und National Archiven. Insgesamt lohnte sich der unheimliche
Aufwand, wie die gesammelten Materialien zeigen. So bildeten diese auch den
Grundstock für die Auseinadersetzung mit dem nochmals neu definierten Themen.
Letztendlich entschieden wir uns bei der Themenaufstellung nicht nur auf die
Stollenanlage im Jonastal selbst einzugehen, sondern das Thema auf das Bauvorhaben
S III, welches auch die nähere Umgebung der Stollenanlage abdeckt (Raum Arnstadt
OhrdrufGotha) mit in unsere Betrachtung einzubeziehen. Letztendlich entstand
hierdurch ein umfassenderer Einblick und so konnten tief greifende Verknüpfungen
hergestellt werden. Hierbei soll wie der Thementitel schon sagt - das
Sonderbauvorhaben einmal aus Sicht der grausamen und mörderischen Häftlingsleiden
beleuchtet werden und Rückschlüsse im allgemeinhistorischen Kontext gezogen
werden. Auf der anderen Seite sollen die mysteriösen Vorfälle, die mit dem
Bauvorhaben S III einhergehen untersucht und auf den Wahrheitsgehalt anhand von
Inidziennachweisen überprüft werden. Ziel der nachfolgenden Darstellungen soll
sein, eine möglichst objektive Einschätzung der mit dem Bauvorhaben S III im
Jonastal einhergehenden Vorfälle zu liefern. Dennoch soll bei der
Auseinandersetzung mit der Geschichte des Jonastals nicht vernachlässigt werden,
Ungereimtheiten nachzuspüren bzw. aufzudecken. Ein reger Diskussionsanstoß ist
durchaus erwünscht. Auch sehen wir es im Rahmen des Objektiven durchaus vertretbar
an, provokante Fragen aufzustellen und alte Thesen in Frage zu stellen. Neben
dieser Aufarbeitungsfunktion zur mystischen Geschichte des Jonastals gilt die
Auseinandersetzung mit den Häftlingsleiden als Herzstück unserer Arbeit. So soll
anhand detaillierter Nachforschungen im Buchenwaldarchiv das grausame Leben der
Häftlinge im Außenlager S III rekonstruiert werden und Rückschlüsse auf die
Opferzahlen gezogen werden. Dieses Kapitel dient der Aufarbeitung der seit Jahren
wenig beachteten Leidensgeschichte der Häftlinge in S III.
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-2-
Die historische Einordnung
2 Die historische Einordnung
2.1 Kriegswende
Mit dem Amtsantritt Adolf Hitlers veränderte sich die politische Situation in
Deutschland gravierend. Besonders in der Außenpolitik gelang es dem Diktator
schnell, die in der Zeit der Weimarer Republik gewachsene, zaghafte Annäherung an
die Siegermächte des 1. Weltkrieges zu zerstören. Bereits am 14. Oktober zog sich
Deutschland von der allgemeinen Abrüstungskonferenz in Genf zurück und trat am 21.
des selben Monats aus dem Völkerbund aus.2 Nach diesen Schritten war es Hitler nun
möglich, ohne internationale Kontrolle und vertragliche Bindungen die Aufrüstung
Deutschlands zu forcieren. Die ersten Weichen in diese Richtung wurden mit der
Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935 gestellt. Mit einer
Armee von 500.000 Mann und der neuen Luftwaffe3 war es Hitler nun möglich,
Ansprüche an andere Nationen zu stellen, ohne deren militärische Überlegenheit
fürchten zu müssen. Eines der primären Ziele des Diktators war der so genannte
Pangermanismus, d.h. die Vereinigung aller Deutschen in einem gemeinsamen
,,Reich", wobei das vorrangige Interesse auf Österreich und der
Tschechoslowakei lag. Der Versuch diese beiden Staaten dem deutschen Reich
einzugliedern, war bereits mit ernsthaften Konfrontationen gegenüber den
Siegermächten des 1. Weltkrieges verbunden. Zwar wollte der Generalstab der
Wehrmacht keinen Krieg wagen, doch Hitler ließ sich von der Verfolgung seiner
persönlichen Ziele nicht abbringen. Bei der militärisch-nachrichtentechnischen
Absicherung der Expansion des Reiches wird das Gebiet Ohrdruf und
Truppenübungsplatz (TrÜbPl), der im weiteren Sinne ein zwischen den Städten
Arnstadt, Ohrdruf und Gotha gelegenes Gebiet umfasst, für die Machthaber
interessant. Bereits Mitte der dreißiger Jahre wurde Thüringen durch den Gauleiter
Fritz Sauckel als ,,Schutz- und Trutzgau" bezeichnet, eine Rolle die es unter
Beweis zu stellen galt. Bereits am 13. Juli 1934 wurde der Befehl erteilt, dass
nahe Ohrdruf eine unterirdische Nachrichtenanlage erbaut werden sollte.4 Der
Baubeginn wird auf 1936 datiert, die Fertigstellung erfolgte am 27.10.1938. Der
Bau dieser europaweit modernsten Anlage ihrer Art, dem Nachrichtenamt 10
,,Olga", dass eine Zweigstelle des Hauptnachrichtenamtes ,,Zeppelin" in
Zossen war, verdeutlicht die Bedeutung die Thüringen noch zukommen sollte,
speziell dem Gebiet rund um das Jonastal.5 Mit dem am 01.09.1939 begonnenen 2.
Weltkrieg rückte jedoch Thüringen vorerst aus dem Blickpunkt der militärischen und
politischen Führung Deutschlands hinaus, was sich unter anderem durch den Bau
weiterer Nachrichtenzentralen in den Randgebieten des Reiches zeigte. Mit den
ersten Erfolgen in den ,,Blitzkriegen" der Wehrmacht entfernte sich die Front
zunehmend vom Reich, insbesondere nach dem Überfall auf die Sowjetunion am
22.06.1941. Die Lage änderte sich jedoch mit dem deutschen Angriff auf das
südrussische Zentrum Stalingrad, dem heutigen Wolgograd. Es gelang zwar deutschen
Angreifern nach langen Märschen durch die Steppe am 14.09.1942 in die Stadt
einzurücken, was jedoch den
2 3
Vgl. Der zweite Weltkrieg Bd. 1: 1979/89, S.16 Vgl. Ebenda 4 Vgl. FÄTH, H.: 2002,
S. 12 f. 5 Vgl. o. A. : http://mitglied.lycos.de/ohrdruf/Photo/Olga2.jpg
(15.10.2003)
3
Die historische Einordnung Grundstein zur ersten großen Niederlage der deutschen
Armee im Ostfeldzug legte. Mitte November gelang es der Roten Armee die 6.
deutsche Armee in Stalingrad einzukesseln, was eine lange und verlustreiche
Kesselschlacht einleitete, die bis zum 31.01./ 02.02. 1943 dauerte. Die gesamte 6.
Armee unter Generalfeldmarschall Paulus wurde aufgerieben und Deutschland erlebte
eine bis dato unbekannte Niederlage. Dieser Vorgang wird heute von einer Vielzahl
von Historikern als die entscheidende Kriegswende neben dem Kriegseintritt der USA
am 07.12.1941 angesehen. Das Blatt begann sich zu wenden.6 Seit Anfang 1943 war
die Wehrmacht an fast allen Fronten zum Zurückgehen oder zur Kapitulation
gezwungen (Russland seit der Niederlage in Stalingrad, Nordafrika mit der
Niederlage in der Schlacht um Tunis am 05.05.1943 7 und in Italien mit der
alliierten Landung auf Sizilien am 10.07.1943 8, was jedoch in der Heeresführung
vorerst keine großen Reaktionen hervorrief. Besonders Hitler glaubte stets, dass
es möglich sein würde, die Situation wieder zu ändern. Die Lage veränderte sich
jedoch dramatisch mit dem immer schnelleren Vordringen der Roten Armee im Osten
und der alliierten Landung am 06.06.1944 im Westen. Der Abstand zwischen West- und
Ostfront wurde immer geringer und die alliierten Luftwaffen konnten der deutschen
Industrie und Zivilbevölkerung immer stärkere Schäden zufügen. Am 20.11.1944
erreichten die Alliierten den Rhein bei Hüsingen9 und Mitte Januar 1945 standen
sowjetische Truppen in Ostpreußen10. Durch diesen Umstand wurde Thüringen für die
militärische Führung wieder interessant, insbesondere der Thüringer Wald mit
seiner militärisch vorteilhaften Lage, die sich für die Nutzung als Rückzugs- und
Verteidigungsraum eignete. Einige Forscher vertreten die Meinung, dass Thüringen
als eine Art ,,Restreich" genutzt werden sollte, was sich anhand der
Verlegung vieler hoher Stäbe nach Thüringen nachvollziehen lässt.
2.2 Auswirkungen auf die Rüstungs- und Kriegsindustrie im NS Deutschland
Nach dem Sieg der Briten in der ,,Luftschlacht um England" in den Jahren
1940/41 konnte die alliierte Luftwaffe die Lufthoheit über Europa gewinnen. Seit
diesem Zeitpunkt lag die Initiative bei den westlichen Mächten, die mit vielen
Neuentwicklungen die Reichweiten ihrer Flugzeuge extrem steigern konnten. Im März
1943 kam es zur ersten großen Offensive der britischen Royal Navy gegen
Deutschland, wovon zunächst Fabriken und U-Boothäfen betroffen waren. Die
Luftwaffe konnte mit ihren ohnehin geschwächten Luftstreitkräften kaum Widerstand
leisten, so dass die Engländer 1942 nur 4% ihrer Flugzeuge verloren, 1944 gar nur
2,2%11. Die deutsche Rüstungsindustrie und Zivilbevölkerung waren den
Luftangriffen folglich nahezu ungeschützt ausgesetzt. Dies erkannten auch die
Strategen im Rüstungsministerium unter dem Reichsminister für Rüstung und
Kriegssproduktion Albert Speer (1942-1945).12 Die einzige Möglichkeit den fast
täglich stattfindenden Angriffen von alliierten Flugzeugen zu entgehen, war die
Verlegung von Produktionsstätten für Waffen, Munition und Treibstoffen in den
Untergrund von Deutschland (natürliche Höhlen, Bergwerksstollen und neu zu
schaffende Anlagen). Diese
6 7
Vgl. Der zweite Weltkrieg Bd. 1: 1979/89, S. 271 ff. Vgl. Der zweite Weltkrieg Bd.
3: 1979/89, S. 12 8 Vgl. Ebenda, S. 36 9 Vgl. Ebenda, S. 197 10 Vgl. Ebenda, S.
312 11 Vgl. Der zweite Weltkrieg Bd. 2: 1979/89, S. 236 12 Vgl. Der zweite
Weltkrieg Bd. 3: 1979/89, S. 391
4
Die historische Einordnung Unternehmungen fanden unter hohem Erfolgs- und
Zeitdruck statt, da sich ab Sommer 1943 die amerikanische Luftwaffe ebenfalls an
den massiven Luftschlägen gegen das deutsche Reich beteiligte. Die
Zivilbevölkerung sowie die Industrieanlagen waren nun auch tagsüber nicht mehr vor
Angriffen sicher, da die amerikanische Radar- und Nachrichtentechnik feindliche
Jäger und Flak-Stellungen erkennen und umfliegen konnte, was noch außerhalb der
britischen Möglichkeiten lag und daher britische Angriffe nur nachts zuließ.
2.3 Geheimprojekte im ,,Schutz und Trutzgau" Thüringen
Thüringen eignete sich wegen seiner geografischen und zentralen Lage besonders für
die unterirdische Verlegung von Fabriken, die der Herstellung von Kriegsmitteln
dienten. In diesem Abschnitt sollen einige der bekanntesten Verlagerungsprojekte
kurz vorgestellt werden. Zu den bekanntesten unterirdischen Fabriken in Thüringen
gehörte die V-Waffenfabrik nahe Niedersachswerfen (Nordhausen). Dieses Projekt
erhielt den Namen ,,Mittelwerke GmbH". Unter massivem Häftlingseinsatz wurden
die vorhandenen Stollen schnell erweitert und neuer Produktions- und Lagerraum
durch das Vorhaben Mittelbau im Berg geschaffen. Das Häftlingslager, in dem die
Zwangsarbeiter interniert waren, wurde später vom Konzentrationslager Buchenwald
unabhängig und als eigenständiges KZ Dora geführt. Der Einsatz der Häftlinge
begann bereits am 28.08.1943. In dem Stollenkomplex unter dem Kohnsteinmassiv
kamen ca. 15.000 Zwangsarbeiter zu Tode, vornehmlich durch Unterernährung und
Entkräftung. Die gesamte Anlage war in 15 Monaten fertig gestellt, was auf eine
große Bedeutung schließen lässt. Die gesamte Endfertigung der V2, V1 und später
von Flugzeugkomponenten erfolgte unterirdisch, lediglich die Bauteile mussten
unter Tage gebracht werden. Anfang April 1945 wurde das Gebiet von amerikanischen
Truppen befreit und die Fertigung vorerst beendet. Verantwortlich für dieses
Bauvorhaben war der SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, Dr. Hans
Kammler, dem auch das Kommando über das Bauvorhaben im Jonastal unterstand. Diese
Persönlichkeit, die in den letzten Kriegsjahren zu den höchsten Männern im dritten
Reich zählte, soll im Kapitel ,,Das Sonderbauvorhaben S III" genauer
betrachtet werden.13 Ein weiteres wichtiges Projekt der Fertigung moderner
Waffensysteme waren die ,,REIMAHG" Werke nahe Kahla in Ostthüringen. Dort
sollten in einer riesigen Stollenanlage monatlich bis zu 1.500 der neuen
Düsenflugzeuge vom Typ Me 262 gefertigt werden,14 um die deutsche Luftwaffe, die
ihre strategische Initiative nach der Niederlage in der Luftschlacht um England
verloren hatte, wieder zu stärken. Es handelte sich dabei um ein Prestigeprojekt
des Reichsmarschalls. Zur Serienfertigung der Me 262, dem modernsten Flugzeug der
damaligen Zeit, ist es jedoch nie gekommen, lediglich Prototypen waren fertig
gestellt. Ein Einsatz dieser Flugzeuge hätte den Krieg noch unnötig verlängern
können. Auch andere Vertreter deutscher Hochtechnologie wurden aus Kummersdorf
(bei Berlin) in das thüringische Gebiet verlegt. Die Atomforschergruppe des
Heereswaffenamtes um Dr. Kurt Diebner richtete sich im Keller einer Grundschule in
Stadtilm ein.15 Dort waren Geräte aufgebaut, mit denen die Wissenschaftler
umfangreiche Forschungen anstellen konnten.
Abschnittswechsel (NÄchste Seite)
13 14
Vgl REMDT, G. : http://www.geocities.com/CapeCanaveral/1325/raetsel.txt
(03.10.2003) Vgl. Ebenda 15 Vgl. MEHNER, T.: 2002, S. 54 f.
5
Sonderbauvorhaben S III
3 Sonderbauvorhaben S III
3.1 Der Deckname S III
Aufgrund der auf einer geheimen Tagung der nationalsozialistischen Führung sowie
hoher Offiziere und Industriellen am 10.08.1944 im Hotel ,,Maison Rouge" in
Strassburg wurde eine neue Strategie entwickelt, die der eingangs erläuterten
militärischen Lage Rechnung tragen sollte. Allen Anwesenden war klar, dass
Deutschland den Krieg nicht mehr gewinnen konnte und daher Maßnahmen ins Auge
gefasst werden mussten, eine Handlungsfähigkeit von politischer und militärischer
Führung des Dritten Reiches zu ermöglichen sowie den Krieg zu verlängern und ein
feindliches Vordringen zu erschweren. Zusammengefasst wurden diese Maßnahmen unter
dem Code ,,ALRZ"- Auflockern, Lähmen, Räumen und Zerstören.16 Diese Begriffe
können folgendermaßen definiert werden: Auflockern: ,,Dezentralisation und
Verlegung von Industrie- und Forschungsanlagen und Führungsstäben",
Lähmen: ,,Unbrauchbarmachung von Industrie- und Verkehrsanlagen durch Demontage
wichtiger Elemente"17. Unter Räumen ist das Zurückziehen von Bevölkerung und
Militär aus bedrohten Gebieten zu verstehen und unter Zerstören die Taktik der
,,verbrannten Erde", die dem Feind keine funktionsfähigen Anlagen überlassen
sollte und durch gezielte Zerstörung von Verkehrswegen, insbesondere von Brücken
und Tunneln ein Vorrücken von feindlichen Truppen unterbinden sollte. Unter der
Tarnbezeichnung S III wird das gesamte Bauvorhaben im Jonastal bezeichnet. Über
die exakte Bedeutung dieser Abkürzung gibt es jedoch viele Spekulationen, die
unter dem 6. Gliederungspunkt Legenden und Rätsel vom Jonastal genauer untersucht
werden sollen. Im eigentlichen Sinne kann man unter S III die angefangenen Stollen
sowie alle zugehörigen Häftlingslager zusammenfassen. Welchem Zweck dieses
Bauvorhaben dienen sollte, ist bis heute nicht restlos geklärt und einer
offiziellen Verlautbarung zufolge war die Errichtung eines weiteren
Führerhauptquartieres der ausschlaggebende Grund. Ein solches Bauvorhaben, in dem
der politische und militärische Führer des deutschen Reiches untergebracht werden
sollte, hätte eine Reihe von Voraussetzungen gestellt, die das Gebiet, welches für
den Bau anvisiert war, zu erfüllen hatte. Über die Bedeutung der für die
Bauarbeiten gebrauchten Abkürzungen herrscht teilweise große Verwirrung. Ein
häufig verwendetes Wort ist ,,OLGA". Bereits mit dem Bau des Nachrichtenamtes
10 in Ohrdruf wurde dieser Begriff verwendet. Es handelte sich hierbei auch um die
Geheimbezeichnung der Stadt Ohrdruf. Später zur Zeit der Verlagerungen in das
thüringische Gebiet wurde immer vom Raum ,,OLGA" gesprochen, der den ganzen
Bereich, in dem Arbeiten oder Verlagerungstätigkeiten in Thüringen stattfanden,
bezeichnete. Es kann hergeleitet werden, dass es sich tatsächlich um
Tarnbezeichnung für Ohrdruf handelt: Weimar hieß ,,Werner", Schmalkalden
erhielt die Bezeichnung ,,Siegwart", Gotha hieß ,,Günther" und Ilmenau
wurde ,,Ilse" genannt. Warum aber die Bezeichnung Olga auf den gesamten Raum
angewendet worden ist, bleibt unklar. In Nordhausen wurden die Objekte Mittelwerk,
Mittelbau und Dora mit 3 unterschiedlichen Bezeichnungen klassifiziert. S III war
vermutlich die Bezeichnung der Lager und der Bauvorhaben für den Raum Olga und den
Standort Olga für ein FHQ. Noch mysteriöser verhält es sich mit S III. Es ist
keine genaue Abgrenzung möglich. Einereits wird mit S III das Außenlager des KZ
Buchenwald in Ohrdruf bezeichnet, aber auch die
16 17
Vgl. REMDT, G.: http://www.geocities.com/CapeCanaveral/1325/raetsel.txt
(03.10.2003) Vgl. Ebenda
6
Sonderbauvorhaben S III gesamten Bauvorhaben im Jonastal werden unter S III
zusammengefasst. Über die Bedeutung dieses Kürzels gibt es widersprüchliche
Angaben. Die SS hatte verschiedene Gruppen A, B, C, und S. Es könnte sich hier ein
Hinweis finden, da die Gruppe S für Bauvorhaben Zuständigkeiten besaß. Es ist
allerdings nicht geklärt, ob es Objekt mit der Bezeichnung S I bzw. S II gibt, die
in einem Zusammenhang mit den Bauvorgängen im Jonastal standen bzw. Parallelen
aufwiesen. Es ist jedoch erwiesen, dass der Führungsstab, der für die Errichtung
dieser Anlagen zuständig war, mit S III bezeichnet wurde, was aber die Frage nach
der Bedeutung von S III in Bezug auf das Lager Ohrdruf aufwirft. Eine weitere
Theorie besagt, dass S III die Kurzform für eine Tempo- oder Dringlichlkeitsstufe
SSS einer Sonderbaumaßnahme war, um Vorrang vor allen anderen Vorhaben zu
verdeutlichen und gleichzeitig die notwendige Sicherheit bzw. Geheimhaltung zu
erreichen. Außerdem finden sich in Akten vom 03.01.1940 Hinweise auf ein Kenwort
Speer III für einen Transport zum Truppenübungsplatz Ohrdruf. Andere Quellen gehen
davon aus, dass sich S III als Sonderbauvorhaben III oder Sonderinspektion III
ableiten lässt - jedoch ist bisher noch nichts bewiesen.
3.2 Voraussetzungen
Das Jonastal eignete sich wegen seiner geologischen und geographisch zentralen
Lage besonders für die Errichtung von militärisch wichtigen Einrichtungen. Die
relativen Höhenunterschiede betragen bei einer äußerst geringen Breite des Tales
von lediglich 200 bis 300 Metern maximal 120 Meter. Das Tal ist somit besonders
vor Fliegersicht geschützt. Außerdem gibt es relativ wenige Zugangswege. Mit
Kraftfahrzeugen kann man den Bereich des Tales, in dem gebaut wurde, nur über die
Landstraße Arnstadt- Crawinkel erreichen, die während der Bauarbeiten für jeden
öffentlichen Verkehr gesperrt war. Dadurch konnten die Anlagen mit geringem
Aufwand geheim gehalten werden. [Wiederholung und Zeilenumbruch gelöscht] Das Tal
befindet sich nahezu in der Mitte Deutschlands und war zur damaligen Zeit noch
sehr weit von den Fronten entfernt, die allerdings immer weiter nach Deutschland
hinein brandeten. Der Verlust dieses Tales lag für Deutschland noch in weiter
Ferne. Besonders die militärstrategischen Voraussetzungen des Thüringer Waldes
waren ebenfalls optimal für eine Verteidigung. Er stellt eine schwer zu
überwindende Grenze zwischen den bedeutenden Regionen Franken, mit großen
Industriestädten wie Würzburg oder Waffenstädten wie Suhl und Zella-Mehlis und der
Region Mittelthüringen/ Thüringer Becken mit großer landwirtschaftlicher Bedeutung
dar. Das ,,stark zertalte Mittelgebirge"18 mit seinen tiefen Einschnitten und
Tälern erlaubte eine Blockierung der wenigen natürlichen Passiermöglichkeiten mit
relativ geringen militärischen Kräften. Es gibt jedoch auch viele andere Aspekte,
die bei der Entscheidung eine weitere unterirdische Einrichtung zu bauen, eine
große Rolle gespielt haben. Dazu gehört u. a. das Vorhandensein des
Nachrichtenamtes 10 in Ohrdruf, dass eine optimale Abdeckung mit
nachrichtentechnischen Möglichkeiten im gesamten Großraum Jonastal gewährleistete
und das modernste Nachrichtenzentrum in ganz Europa darstellte. Außerdem befindet
sich der auch heute noch genutzte Truppenübungsplatz Ohrdruf in unmittelbarer Nähe
des Jonastals. Dort waren umfangreiche Möglichkeiten zur Einquartierung von Bau-
und Planungsstäben sowie eine große Freifläche für die Errichtung eines
Häftlingslagers vorhanden. Diesem Umstand kommt eine besondere Bedeutung zu, da
das gesamte Bauvorhaben aufgrund des hohen menschlichen Aufwandes nur durch
Häftlinge bewerkstelligt werden konnte. Nähere Informationen zum Häftlingslager
und dem Leben in diesem ,,Lager des Schreckens" finden sich im
Gliederungspunkt 4- ,,das Häftlingslager S III."
18
Aus: ,,Die große Bertelsmann Lexikothek" Bd.14, S. 196
7
Sonderbauvorhaben S III Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die geologischen
Voraussetzungen im Jonastal. Der Fels eignete sich hervorragend für die Errichtung
unterirdischer Anlagen. Die Kalkfelsen bestehen aus versteinerten
Meeresablagerungen, die einige Millionen Jahr alt sind. Sie werden daher als
Muschelkalkfelsen19 bezeichnet. Das besondere an diesem Gesteinsmaterial ist, dass
äußerst wenige Versteinerungen vorhanden sind. Bei diesem Material, das sich
erheblich von dem im Thüringer Wald üblichen Granit- oder Felsgestein
unterscheidet, ist ein Stollenvortrieb relativ einfach zu bewerkstelligen. Das
Gestein kann sehr leicht gebrochen und abtransportiert werden und hat ein
vergleichsweise geringes Gewicht. Es mußte jedoch schnell ausbetoniert werden, da
sich große Bruchstücke schnell von der Decke oder den Seitenwänden lösen konnten.
Auch zur heutigen Zeit ist dies erkennbar, was wir bei einer Begehung im Jonastal
auch feststellen konnten. Große Brocken des Gesteins liegen auf dem Boden und
weitere Fragmente an der Decke eines ca. zwanzig Meter langen Stollens oberhalb
der Baustelle.
3.3 Der Bau in chronologischer Abfolge
Die deutsche Führung hatte bereits früh den Wert des thüringischen Raumes für das
Errichten von kriegswichtigen Anlagen erkannt. Mitte der dreißiger Jahre des
zwanzigsten Jahrhunderts wurden Studien im Auftrag der Heeresleitung der Wehrmacht
(später Oberkommando der Wehrmacht -> OKW) durchgeführt, für die Thüringen auf
seine kriegswirtschaftliche Verwendbarkeit hin untersucht wurde. Im Jahre 1936
wurde durch Prof. Dr. Ernst Naumann eine geologische Untersuchung auf dem
Truppenübungsplatz Ohrdruf durchgeführt. Es liegen außerdem Berichte über weitere
Untersuchungen in der Umgebung des Jonastals vor.20 Am 27.10.1938 wurde das
Nachrichtenamt 10 in Ohrdruf fertig gestellt. Nach diesem Zeitpunkt verschwand der
Großraum Jonastal vorläufig aus dem militärischen Blickpunkt. Erst als die
Niederlage Deutschlands auch für den Großteil der Regierung als unabwendbare
Tatsache angesehen wurde, begann man sich wieder des Thüringer Waldes zu besinnen.
Am 24.08.1944 kommt es zu einem Gespräch zwischen dem Chef des
Wehrmachtsführungsstabes, Generaloberst Alfred Jodl, und dem Wehmachtsadjutantem
beim Führer, Oberst Gustav Streve. Bei dieser Unterredung wurde erstmals die Frage
nach einem FHQu im ,,Raume Mitteldeutschland, Thüringen und Harz"
aufgeworfen, es sollte ein ,,Führerentscheid" herbeigeführt werden.21 Im
September 1944 begannen erste Bauarbeiten im Jonastal, Anfang November wurde die
Verbindungsstraße zwischen Crawinkel und Arnstadt geschlossen. Der Chef der
Bauvorhaben, Gerrit Oldeboershuis, datiert den Anfang des Häftlingseinsatzes auf
den 10.11.1944.22 Einige zeitliche Angaben erscheinen äußerste unlogisch. Bei der
oben genannten Unterredung zwischen den Spitzen der Wehrmacht wurde die Frage
aufgeworfen, ob in Mitteldeutschland ein FHQu errichtet werden sollte. Es sollte
jedoch ein sog. ,,Führerentscheid" herbeigeführt werden. Das heißt, es gab zu
diesem Zeitpunkt keinen Befehl Bauarbeiten anzufangen. Trotzdem wurden in den
letzten Monaten des Jahres 1944 umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt. Die
entsprechende Meldung, dass ein FHQ errichtet werden sollte, traf bei den
Dienstellen der Wehrmacht am 09.03.1945 ein. Der General Wilhelm Burgdorf schrieb:
,,Auf Befehl des Führers hat Reichsführer SS (Heinrich Himmler- Anmerkung durch
Verfasser) im
19 20
Vgl. o. A. : http://www.webarchiv-server.de/pin/archiv00/2000ob34.htm (03.10.2003)
Vgl. MEHNER, T.: 2002, S. 34 21 Vgl. FÄTH, H.: 2002, S. 12 22 Vgl. o. A.:
http://www.einbeck1.de/JONASTAL/Fragen/fragen.html (03.10.03)
8
Sonderbauvorhaben S III Raume Ohrdruf den Ausbau einer neuen Unterkunft FHQu
übernommen. Mit der Durchführung ist SS- Obergruppenführer Kammler beauftragt
worden."23 Erst zu diesem Termin wird der Zweck ,,Führerhauptquartier"
erstmals erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt wurde aber an den Stollen schon fünf Monate
lang gearbeitet. Es stellt sich daher die Frage, was bis zu diesem Zeitpunkt der
Zweck dieses Bauvorhabens war. Diese und andere derartige Fragen sollen unter dem
Kapitel ,,Rätsel und Legenden vom Jonastal" genauer untersucht werden. Der
Bau verlief ohne größere Zwischenfälle und die eingebundenen Personen, zum größten
Teil Häftlinge aber auch Zivilarbeiter, wurden jedoch über den Zweck des gesamten
Bauvorhabens nicht informiert. Dies gaben verschiedene Zeugen in mehreren
Publikationen zu Protokoll. Verschiedene Bereiche der Baustelle waren nur mit
verschiedenen Ausweisen zu erreichen. Jeder eingesetzte Arbeiter hatte also stets
nur auf die ihm zugewiesene Arbeit zu achten und diese gewissenhaft zu erfüllen.
Einzig der Verwendungszweck als Führerhauptquartier wurde erwähnt, was auch den
alliierten Geheimdiensten bekannt war. Zu einer grausigen Ironie der Geschichte
entwickelte sich der Zeitplan, den sich die Verantwortlichen gesteckt hatten. Man
wollte das gesamte FHQu bis zum 20.04.1945, Hitlers 56. Geburtstag,
fertigstellen24. Die dort eingesetzten Häftlinge und Zwangsarbeiter mussten
praktisch zwangsweise der Person, auf deren Befehl ihnen die Freiheit genommen
wurde und sie unter unmenschlichen Qualen zu leiden hatten, ein
,,Geburtstagsgeschenk" errichten. Schon allein dieser Umstand kann als ein
bedeutendes Indiz auch für die seelisch moralische Grausamkeit der
nationalsozialistischen Diktatur angesehen werden. Der ehrgeizige Zeitplan konnte
jedoch selbst unter massivstem Häftlingseinsatz nicht gehalten werden. Für ein
Ausweichquartier wurde der Brandleitetunnel an der Eisenbahnstrecke
ErfurtMeiningen vorläufig zum FHQu genutzt. Die SS quartierte zu diesem Zweck eine
Nachrichteneinheit Mitte März 1945 im Bahnhof von Oberhof ein und plante die
Errichtung von Flak-Stellungen auf den Bergen in diesem Gebiet. Des Weiteren
sollten Stollen im Tunnel gebaut werden. In diesem Tunnel sollten die Sonderzüge
des ,,Führers" abgestellt und Wasserleitungen verlegt werden. All diesen
Vorhaben kam jedoch die Befreiung von Oberhof am 04.04.1945 zuvor. Es ist zu
diesem Punkt noch anzumerken, dass Hitler selbst nie die Absicht hatte, Berlin zu
verlassen. Er und sein getreuster Paladin, Joseph Goebbels zogen es vor, in den
Trümmern von Berlin eine Götterdämmerung ganz im nationalsozialistischen Stil zu
inszenieren. Er stimmte jedoch zu, dass bestimmte Stäbe und Ministerien verlagert
werden durften. Dies geschah auch nachdem am 26.02.1945 der Befehl ausgegeben
worden war, Teile des OKH in den Raum ,,Olga" zu verlegen25. Bereits vorher
waren andere wichtige Stäbe und Ministerien nach Thüringen umquartiert worden, da
Berlin von einer Einkesselung durch die Sowjets bedroht war. Ein Beispiel ist die
Unterbringung des großdeutschen Rundfunks in Luisenthal oder des Oberbefehlshabers
West, Albert Kesselring in Friedrichroda. Im Golfhotel in Oberhof war das
Propagandaministerium untergebracht. Vermutlich hat auch Hitler selbst den
Großraum Jonastal im März 1945 besucht. In einem Brief an den Buchautor Thomas
Mehner schrieb der Stollenbauingenieur Bern Adolf Freier im Jahre 1999, dass das
FHQu fertig gestellt war und vom 22.03. bis 02.04.1945 durch Hitler genutzt wurde.
Dabei soll auch eine Konferenz stattgefunden haben, bei der Hitler sowie hohe
Generäle und Forscher anwesend waren. Am 02.04. soll Hitler wieder zurück nach
Berlin geflogen sein.26Am 29.03.1945
23 24
Vgl. FÄTH, H.: 2002, S. 12f. Vgl.
http://www.geocities.com/CapeCanaveral/1325/raetsel.txt (03.10.2003) 25 Vgl. FÄTH,
H.: 2002, S. 13 f. 26 Vgl. MEHNER, T.: 2002, S.82
9
Sonderbauvorhaben S III wurde jedoch schon der Befehl zur ,,Auflockerung" des
OKH gegeben, was sich in Richtung ,,Serial" nach Berchtesgaden absetzte.
Nachweislich ist Ohrdruf am 05.04. von den Amerikanern besetzt worden. Erst am
12.04. betraten die Amerikaner offiziell das Jonastal selbst. Zu weiteren
baulichen Einrichtungen ist anzumerken, dass Eisenbahntrassen zum Transport von
Häftlingen und Baumaterial errichtet werden mussten. Der Truppenübungsplatz
Ohrdruf wurde bereits während des Ersten Weltkrieges als Standort für ein
Kriegsgefangenenlager genutzt. Zu diesem Zweck wurde auch von Crawinkel aus eine
Feldbahn (60 cm Spurweite) errichtet, die noch während des Zweiten Weltkrieges
genutzt werden konnte. Die ehemalige Trasse ist auch heute noch teilweise zu
erkennen (z.B. an der Verbindungsstraße CrawinkelArnstadt im Bereich der
Abzweigung Espenfeld und direkt vor den ehemaligen Baustellen). Vor den Stollen
gab es jeweils einen kleinen Güterbahnhof. In die Stollen selbst wurden ebenfalls
Gleise gelegt, die zum Abtransport des Abraumes benutzt wurden. Weitere Quellen
sprechen davon, dass eine Schmalspurbahn (90 cm Spurweite) von Arnstadt aus
ebenfalls in Richtung Jonastal verlegt und betrieben wurde. Am Bahnhof von
Crawinkel soll noch heute ein fester Bahndamm existieren, der in die Wälder
verläuft, obwohl dort nie eine offizielle Eisenbahnlinie vorhanden war.27 Im
folgenden Abschnitt soll die Gliederung der Baustäbe etwas näher untersucht
werden. Oberster Leiter aller Bauvorhaben dieser Art war der Reichsführer SS
Heinrich Himmler. Wie bereits bei dem Befehl Nr. 340/45 vom 09.03.1945 erwähnt,
hat Himmler die Durchführung übernommen. Mit der Ausführung der Maßnahmen wurde
der SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Dr. Ing Hans Kammler
beauftragt.28 Er bekam einen eigenen Sonderstab. Der wichtigste Stab für das
Jonastal war der Führungsstab S III. Er bestand aus einem zugeordnetem und einem
internen Teil. Im internen Teil waren zusammengefasst: Personalabteilung,
Abwehrstelle, Planungsbüro, Einkauf, Vermessungsabteilung, Kartenstelle,
Nachrichtenstelle, Telegrafenbaudienst, Kurierstelle, Fahrbereizschaft, Bauhof,
Bergwerk, Verwaltung und das Quartieramt. In diesen Einrichtungen liefen die
wichtigsten Vorgänge ab und es wurden zentrale Entscheidungen getroffen. Die
zugeordneten Teile waren: Bauleitung Fiebinger (Wien), Baustab Heese, zugl.
Baustab II, Baustab II, IV/V VIVIII ,Bewachungsbataillon, Baupionierkompanie, zwei
Kompanien der TENO (Technische Nothilfe) sowie Verbindungskommandos zu Luftwaffe,
FHQu, DAF und Hitlerjugend. (siehe Tabelle 1 Bauleitungen) Es soll jedoch noch
weitere Baustäbe gegeben haben. Dazu soll u.a. ein SS-Baustab im Gasthof
,,Klipper" auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf sowie ein ziviler Baustab in
Luisenthal, die untereinander jedoch nicht in Verbindung standen, existiert haben.
Der SSBaustab soll vorwiegend für den Häftlingseinsatz und die Sicherung der
Anlagen und der Ausführung in sachgemäßer Qualität zuständig gewesen sein, während
der zivile Baustab für die bergmännischen Fragen und die Zivilarbeiter
verantwortlich war.29 Ziel des nun folgenden Abschnittes ist es, die vorhandenen
Anlagen im Jonastal genauer zu beschreiben. Insgesamt bestand die Anlage aus 25
bekannten Stollen. Mittlerweile sind alle davon verschlossen. Lediglich kleinere
Löcher für Fledermäuse wurden noch offen gelassen. Während einer Begehung im
Sommer des Jahres 2003 war festzustellen, dass Absperranlagen von einigen Stollen
schon mehrfach das Ziel von Einbrüchen geworden waren.
27 28
Vgl. o. A.: http://home.t-online.de/home/home-delta-press/tal~1.htm (03.10.2003)
Vgl. MEHNER, T.: 2002, S.82 29 ZEIGERT, D.: 2003, S. 85
10
Sonderbauvorhaben S III Um ein Bild über die gesamte Anlage zu geben, sei vorher
erwähnt, dass es einfacher ist, die ,,herkömmliche" Zählweise zu benutzen, da
die meisten Stollenpläne so nummeriert sind. Unter ,,herkömmlicher" Zählweise
ist die Nummerierung von Crawinkel aus in Richtung Arnstadt zu verstehen. Das
heißt, Stollen 1 befindet sich in Richtung Crawinkel, Stollen 25 in Richtung
Arnstadt. Es gibt mittlerweile Theorien, die davon ausgehen, dass die richtige
Zählweise genau umgekehrt ist, d.h. es wurde von Arnstadt kommend in Richtung
Crawinkel gezählt. Die Anlage kann in vier Objekte untergliedert werden. Das erste
Objekt ist der Bereich der Stollen 1-12 (siehe Abb. 5). Die Stollen 1-5 haben
untereinander keine Verbindung. Sie haben vermutlich nur zur Lagerung von Material
und Maschinen gedient. Zwischen den Stollen 6-12 gibt es einen durchgehenden
Verbindungsgang. Sie führen tiefer in den Berg hinein, als die Stollen 1-5 (siehe
Abb. 3). Zwischen Stollen 11 und 12 gibt es ca. 110 Meter im Berg einen weiteren
angedeuteten Verbindungsgang, der jedoch nicht durchgängig ausgeführt und in der
Mitte unterbrochen ist. Die Stollen 6 und 7 sowie 10 und 11 haben ca. 20 Meter
hinter ihrem Eingang ebenfalls schmale Verbindungsgänge. Stollen 12 beschreibt
nach ca.150 Metern noch einen scharfen Knick nach rechts. Das zweite Objekt
beinhaltet die Stollen 13-15. Diese Stollen weichen extrem von den anderen ab.
Während die übrigen Stollen jeweils sehr gerade in den Berg verlaufen, beschreibt
Stollen 14 eine Kurve. Außerdem ist er der längste Gang der gesamten Anlage mit
insgesamt 176,5 Metern Länge. An seinem Ende zweigt er jeweils 6 Meter nach links
und rechts ab. Es kann angenommen werden, dass eventuell eine Verbindung zu
Stollen 12 geplant war, der wie oben beschrieben an seinem Ende ca. 10 Meter in
Richtung Stollen 14 abzweigt. Ein möglicher Verbindungsgang wäre nahezu
geradlinig. Ebenfalls auffällig ist bei diesem Gang, dass er an der Stelle, an der
er die Rechtskurve beschreibt, zwei kleine, abbiegende Gänge besitzt, die nach ca.
10 Metern zusammentreffen und einen sehr kurzen gemeinsamen Fortsatz bilden. Eine
weitere Besonderheit hat auch Gang Nr. 13. Er ist nur sehr kurz und soll nach
Angaben von Günther Remdt30 bereits 1944 eingebrochen sein. Über eventuelle Opfer
oder Verschüttete konnte nichts in Erfahrung gebracht werden. Stollen Nr. 15 ist
ebenfalls ungewöhnlich gebaut. Um in den Hauptstollen zu gelangen, muss man erst
einen sehr kurzen Gang durchqueren, der eine kurze Verbindung zum ca. 100 Meter
langen Stollen besitzt. Der Hauptstollen hat keine direkte Verbindung ins Freie.
Die beiden anderen Objekte können klar voneinander unterschieden werden. Sie sind
jedoch ähnlich gebaut. Objekt 3 besteht aus den Stollen 16- 20. Die Gänge mit den
Nummern 17 und 19 sind nur sehr kurz. Sie sind mit jeweils einem Nachbarstollen
verbunden. Dies könnte darauf hinweisen, dass sie als Hauptausgänge dienen
sollten, falls die Eingänge der anderen Stollen verschüttet werden. Die Stollen
16, 18 und 20 verlaufen gerade in den Berg hinein und sind ca.100 Meter lang. Sie
sind durch einen Verbindungsgang nach ca. 50 Metern und einem weiteren Querstollen
an ihrem Ende verbunden, welcher ca. 30 Meter auf beiden Seiten des Objektes nach
links bzw. rechts verläuft. Es war eventuell geplant, auch diesen Gang mit den
schon angesprochenen kurzen Quergängen an den Enden der Stollen 12 und 14 zu
verbinden und somit eine Verknüpfung zwischen allen vier Objekten zu haben. Eine
andere Auffälligkeit bei Objekt 3 sind die im hinteren Bereich angeordneten
abzweigenden Gänge, die jedoch nur an einer Stelle verbunden sind. Objekt Nr. 4
besteht ebenfalls aus fünf Gängen. Sie tragen die Nummern 21- 25. Dieses Objekt
ist ähnlich aufgebaut wie Nr. 3. Es gibt einen Verbindungsgang nach 50 Metern,
zwei voneinander unabhängige Querstollen nach ca. 70 bzw. 75 Metern. Am Ende der
drei
30
Gerhard Remdt wird zitiert in FÄTH, H.: 2002
11
Sonderbauvorhaben S III durchgehenden Gänge mit den Nummern 21, 23 und 25 (die
Stollen 22 und 24 sind genauso angelegt wie 17 und 19- sie erscheinen lediglich
als ,,Notausgänge") gibt es auch einen Verbindungsstollen, der in westlicher
Richtung wieder ca. 15- 20 Meter ,,übersteht". Eine Besonderheit ist jedoch,
dass dieser besagte Stollen an einer Stelle aus unbekanntem Grund unterbrochen
ist. Es ist aber offensichtlich, dass eine Verbindung zum Querverbindungsgang des
Objektes Nr. 3 geplant war. Wären all diese möglichen Verbindungsgänge vorhanden,
hätte man eine durchgehende Verknüpfung von Stollen 6 bis Stollen 25 erreicht Die
Beschreibung entstand auf Grundlage einer nach dem Krieg angefertigten Zeichnung
des Arnstädter Architekten Kott, die eventuelle Sprengungen durch die SS, die mit
ziemlicher Wahrscheinlichkeit durchgeführt wurden, nicht berücksichtigt. Außerdem
vermaß er die Stollen im Auftrag der Roten Armee. Von Fachleuten wird diese
Zeichnung jedoch oftmals als mit großen Fehlern behaftet angesehen. Für einen
berufsmäßigen Architekten sollen sie sogar ,,schlampig" angefertigt sein.
Thomas Mehner wirft in seinem Buch die Vermutung auf, dass diese Fehler von den
Russen beabsichtigt in ,,Auftrag gegeben" wurden. Trotzdem stellt diese
Quelle die einzige Möglichkeit dar, einen Überblick über die Stollen zu bekommen,
da andere Zeichnungen aufgrund der Zerstörungsmaßnahmen nicht angefertigt werden
konnten. In Anbetracht der Verschiedenheit der Objekte kann man eventuell davon
ausgehen, dass die Nummern 3 und 4 (Stollen 16-25) als FHQu konzipiert wurden. Die
symmetrische Anlegung und die kurzen Wege, die durch relativ viele
Verbindungsstollen erreicht wurden, sprechen zumindest dafür. Im Bereich des
Stollenkomplexes gibt es noch weitere Anlagen, die in der offiziellen Zählung
nicht auftauchen. Zum einen ein kleiner Stollen, 200 Meter von Stollen 25 in
Richtung Arnstadt entfernt mit einem Ausmaß von 3x3 Metern. Seine Funktion ist
unbekannt.31 Außerdem gibt es ca. 15 Meter oberhalb und 50 Meter westlich von
Stollen 1 einen weiteren Eingang, der ca. 8 Meter in den Berg vorgetrieben wurde.
In seinem Buch ,,1945- Thüringens Manhatten Project" geht der Autor Harald
Fäth auf die eventuelle Funktion dieses Stollens ein. Er geht davon aus, dass es
eine Flak-Stellung gewesen sein könnte, schränkt aber ein, dass ein Transport von
Munition auf diese große Höhe sehr schwer gewesen sein könnte. Diese Vermutung ist
zu widerlegen. Während einer Begehung im Sommer 2003 erkannten wir deutlich 3
Betonplateaus, die höchstwahrscheinlich Fundamente für eine Art Seilbahn gewesen
sein könnten. An den talseitigen Enden dieser Betonplateaus sind deutlich
Einkerbungen zu sehen, die von einem Stahlseil stammen könnten, dass sich über
einen längeren Zeitraum dort eingeritzt hat. Das Ende dieser Transporteinrichtung
war genau auf dem Niveau, das auch von LKW erreicht werden konnte. Ein Transport
von Baumaterial und/ oder Munition war also eventuell doch möglich. In dem kurzen
Stollen an sich befinden sich kreisrunde Löcher an der Decke, die ursprünglich
etwas getragen haben könnten. Klaus-Peter Schambach von der Geschichts- und
Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e.V. deutete an, dass es sich auch um
einen eventuellen Bewetterungsschacht für die weiter unten gelegenen Stollen
gehandelt haben könnte.
3.4 Person Hans Kammler
Hans Kammler war gegen Kriegsende vermutlich zum dritthöchsten Mann im
nationalsozialistischen Staat aufgestiegen. Seine Tätigkeiten als Verantwortlicher
für die VWaffenproduktion und bombensicheren Untergrundverlagerungen sind zu einem
großen Anteil Schuld am Leid und am Tod vieler Häftlinge und Zwangsarbeiter. Am
26.08.1901 wurde Hans Friedrich Karl Franz Kammler in Stettin geboren. Er
absolvierte 1919 sein Abitur
31
Vgl. FÄTH, H.: 2002, S.16
12
Sonderbauvorhaben S III an einer höheren Schule und erlernt den Beruf des
Baumeisters. Am 14.06.1930 heiratete er seine Frau Jutta. Aus dieser Ehe gingen
insgesamt sechs Kinder hervor, von denen jedoch zwei sehr früh verstarben. Am
01.03.1932 tritt Kammler der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1 011 855) und wird später
Sachbearbeiter einer Behörde im Gau Berlin. Am 20.05.1933 tritt er der SS mit der
Nummer 113619 bei. Er wird in kurzer Zeit Unterscharführer und Untersturmführer.
Bis Mitte 1938 erreicht er den Dienstrang eines Sturmbannführers. 1940 wechselt er
vom Reichsluftfahrtministerium zur Waffen-SS. Am 01.08.1940 bekommt Dr.Ing. Hans
Kammler eine Indienstellung beim Verwaltungs- und Wirtschaftshauptamt der SS. Ab
Juli 1941 beteiligt er sich am Aufbau des Vernichtungslagers Majdanek. Im Dezember
1941 wird die Amtsgruppe C gegründet. Diese ist zuständig für Waffen-SS, Polizei,
Allgemeine SS, Adolf-Hitler-Schulen, Nationalpolitische Erziehungsanstalten,
Konzentrationslager, Rüstungswerke (Ober- und Unterirdisch) und die Beseitigung
von Bombenschäden. Im Jahre 1943 beginnt er die Arbeit an seinem wichtigsten
Projekt - Dem Aufbau der Denkfabrik in Pilsen. Kammler richtet in den Skoda-Werken
bei Prag eine ,,Geheime Denkfabrik" ein, in der deutsche Wissenschaftler mit
Hochdruck an Geheimwaffen der 2. Generation arbeiteten. Es gelang ihm, die
Arbeiten so geheim zu halten, dass selbst Hitler und Göring von den Vorgängen in
Pilsen nicht informiert gewesen sein sollen. Eine Aufgabe dieser
,,Denkfabrik" war z.B. der Bau der berüchtigten ,,Flugscheibe". Im Jahre
1943 wird er Beauftragter für die Abtragung des Warschauer Ghettos, das bei dem
verzweifelten Aufstand seiner Einwohner gegen die deutschen Besatzer nahezu
vollständig zerstört wurde. Am 01.03.1943 wird Hans Kammler Mitglied im so
genannten ,,Jägerstab" im Reichsrüstungsministerium unter Albert Speer. Ihm
oblag die Verlagerung von Produktionsanlagen unter die Erde. Am 25.07.1943 wird
Kammler Sonderbeauftragter für den Bau der Produktion der A 4 (V2) Rakete, nachdem
Hitler der Serienfertigung dieser Waffen zu einem Projekt mit höchster
Dringlichkeitsstufe erklärte. Am 20. August 1943 übertrug Hitler den Oberbefehl
für die A4-Fertigung dem Reichsführer-SS, Heinrich Himmler. Einen Tag später teilt
Himmler mit, dass er als verantwortlichen Leiter Dr. Ing. Hans Kammler eingesetzt
hatte. Im März 1944 wird der SS-,,Sonderstab Kammler" in Berlin-Grunewald,
Taunusstraße 8 eingerichtet. Seine Aufgabe war die Verlagerung von
Industriebetrieben unter die Erde um so die teilweise kriegswichtigen Betriebe vor
Bombenangriffen der alliierten Luftwaffen zu schützen. Am 4. August wird Kammler
SS- Gruppenführer. Nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20.07.1944 versucht er
ständig seine Macht auszubauen und seinen Einfluss zu vergrößern. Am 06.08.1944
wurde er mit sämtlichen Vollmachten über die Durchführung aller Maßnahmen
ausgestattet, die die Erreichung der Einsatzfähigkeit der V 2 betrafen. Albert
Speer versuchte dies noch zu ändern, was ihm jedoch nicht gelang. Am 24.09.1944
wurde Kammler durch Himmler für seinen Einsatz, den er als Verantwortlicher für
den Einsatz der V 1 und V 2 (seit 06.09.1945) geleistet hat, das Eiserne Kreuz
Erster und Zweiter Klasse verliehen. Wenig später, am 29.11.1944, wurde ihm
das ,,Deutsche Kreuz in Gold" durch den ,,Führer" zugesprochen. Nach
einer weiteren Beförderung zum SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS
wurde er am 23.03.1945 zum Bevollmächtigten für Strahlflugzeuge ernannt. Am
17.04.1945 schickte er ein Telegramm an das Hauptamt als letztes Lebenszeichen
Kammlers, um dessen Verbleib sich viele Legenden ranken. Sie reichen von einem
Selbstmord in der Tschechei (er sprach perfekt tschechisch) über einen Tod in
Österreich bis hin zu einer Flucht nach Südamerika. Bewiesen ist keine dieser
möglichen Erklärungen32.
alle Informationen über Hans Kammler wurden einer 2002 im Internet erschienen
Publikation von Florian Massinger und Klaus-Peter Schambach von der Geschichts-
und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e.V. entnommen
32
13
Sonderbauvorhaben S III
3.5 Nutzung und Verwendung von S III im 3. Reich
Das gesamte Bauvorhaben S III sollte höchstwahrscheinlich der ,,Auflockerung"
des Raumes Berlin dienen. Das bedeutet, dass wichtige Stäbe und Ministerien von
der Reichshauptstadt in neue Unterkünfte verlegt werden sollten. Dafür sollte die
geschaffenen Räume wohl dienen. Von den bekannten Stollen war jedoch keiner
definitiv fertig und somit mussten für die Ministerien und Stäbe Ersatzunterkünfte
gesucht werden. Einige Beispiele sind die Beanspruchung des Golfhotels in Oberhof
durch Hans Kammler für Gäste des Führers und des Reichsaußenministers (Quelle:
Bundesarchiv NS19_763_p003 nach Klaus-Peter Schambach). Reichsmarschall Göring
wollte für sich das Schloss Reinhardsbrunn und den Reichsbahntunnel Friedrichroda
reservieren und fernmeldetechnisch ausbauen lassen. Das Oberkommando der Luftwaffe
am 22.02.1945 nach Weimar-Nohra verlegt. Diese Beispiele zeigen, wie sehr
Thüringen gegen Kriegsende durch die Machthaber beansprucht wurde. Die
Nichteinhaltung des Zeitplanes brachte viele Stäbe und Ministerien in Bedrängnis
und zwang sie, sich in schlecht ausgerüsteten Notunterkünften niederzulassen, die
keinerlei Schutz vor Luftangriffen boten. 33
Abschnittswechsel (NÄchste Seite)
33
ZEIGERT, D.: 2003, S. 279 ff.
14
Häftlingslager S III
4 Häftlingslager S III
Das dunkelste Kapitel der Geschichte des Raumes zwischen Arnstadt, Ohrdruf und
Crawinkel spielte sich gewiss in dem fünfmonatigen Bestehen des Häftlingslagers S
III ab. Schon daraus erwächst für uns noch heute eine tiefe Verantwortung, diese
Kapitel Geschichte nicht zu verdrängen oder zu leugnen, sondern konsequent zu
ihrer Aufarbeitung beizutragen. In diesem Sinne soll auch das nachfolgende Kapitel
Häftlingslager S III stehen. Es soll fast vergessene bzw. wenig beachtete Leiden
der Häftlinge aufarbeiten und zur Erinnerung mahnen.
4.1 Errichtung des Lagers S III und Verbindungen zum KZ Buchenwald
4.1.1 Erste Vorraussetzungen und Vorbereitungen
Grundlage für die spätere Nutzung und Errichtung des Lagers S III bildete, dass
schon ab 1914 im Zuge des beginnenden I. Weltkriegs auf dem Truppenübungsplatz
Ohrdruf eingerichtete Kriegsgefangenenlager. Nach Kriegsende und den harten
Bestimmungen des Versailler Friedensvertrags für die neu ausgerufene Weimarer
Republik wurden 1919 die auf dem nördlichen Teil befindlichen Baracken veräußert
und im Juni des darauf folgenden Jahr 1920 wurden auf Befehl des
Reichswehrministeriums ebenfalls die Restbaracken abgerissen. Mit der
Machtübernahme durch die Nationalsozilisten am 30. Januar 1933 und der damit
fokussierten Rüstungs- und Wehrpolitik, wandelte sich die Rolle des
Truppenübungsplatzes und ehemaligen Kriegsgefangenenlager wiederum komplett. So
wurden schon 1940 im Nordlager wiederum zwei identische Teilbereiche mit insgesamt
20 Holzbaracken von jeweils 42,50 m Länge und 12,50 m Breite mit zugehöriger
Bewachungsinfrastruktur errichtet, welche ursprünglich für eine Belegungsstärke
für 1.920 Mann vorgesehen waren (siehe Abb. 6). Zur Jahreswende 1941/42 wurde
zusätzlich das aus 2 Holzbaracken bestehende ,,Russenlager" eingerichtet. Das
noch existierende Südlager bestand fast ausnahmslos aus Pferdeställen der
Kavallerielager I und II aus Zeiten des I. Weltkriegs. Interessant ist der Aspekt,
dass bereits 1942 Kriegsgefangene im Nord- und Russenlager untergebracht waren.34
Hatten sie schon erste Vorbereitungen für das spätere Lager S III getätigt oder
gar mit ersten Baumaßnahmen im Jonastal und Umgebung begonnen? Hierüber schweigen
jegliche Akten, nicht einmal die ungefähre Häftlingszahl ist bekannt. Am 4.
November 1944 musste die Wehrmacht letztendlich das Gebiet räumen. Ein
Vorauskommando unter Leitung des Kommandanten Hermann Pister des KZ Buchenwald
begann in aller Eile mit dem sofortigen Umbau des ehemaligen
Kriegsgefangenenlagers Ohrdruf zu einem Konzentrationslager unter Oberbefehl
wiederum der SS. 35 Auffällig ist, dass ab jenem Zeitpunkt die Post des Lager S
III im Gegensatz zu vergleichbaren Lagern über eine im Sommer 1944 eingerichtete
Schließfachnummer 337 des weit entfernten Postamts Gotha lief und jeglicher
Geheimhaltung unterlag (siehe Abb. 20).36 War den Verantwortlichen schon zu jenem
Zeitpunkt klar, was sich in den fünf Monaten des Bestehens abspielen sollte? Die
Zuständigkeit für die Zuteilung von KZ-Häftlingen für den Arbeitseinsatz bei dem
Sonderbauvorhaben S III wurde durch die Amtsgruppe C (Bauwesen) und Amtgruppe W
(Wirtschaftliche Unternehmen) im SS Wirtschaftsverwaltungshauptamt (WVHA)
gesteuert. Die Abwicklung des Arbeiteinsatzes der ihn zugewiesenen Häftlinge
übernahm der Baustab
34 35
Vgl. SCHMIDT, P.: 2003, S. 36 f. Vgl. IMT, NO 2327 36 Vgl. Archiv Buchenwald, 62-
79-14, Aussprache mit Willibald Burkhardt
15
Häftlingslager S III Heese in Zusammenarbeit mit der Lagerführung des KZ-
Außenkommandos S III, welche wiederum der Kommandantur des KZ Buchenwald
unterstand, welche ihrerseits der Amtsgruppe D (Konzentrationslager) im SS
Wirtschaftsverwaltungshauptamt (WVHA) unterstand. 37 Der Sonderbaustab Kammler
behielt jedoch die übergeordnete organisatorische Kontrolle über die Verteilung
der Häftlinge auf seine Bauprojekte sowie deren Einsatz nach Befehl vom Himmler,
Reichsführer der SS (siehe Abb. 38).38 Aufgrund der sehr zersplitterten und
unzähligen Organisationszuständigkeiten der SS für das Lager S III, ist zu
schlussfolgern, dass die Führungskräfte vor Ort, wie der Leiter des Führungsstabs
Gerrit Oldeboershuis und Lagerkommandant Edmund Breuning (ab Januar 1945) sowie
untergeordnete SS- Kräfte große Freiheiten in ihrer Handhabung hatten und demnach
neben dem Sonderbaustab Kammler mit seinen außerordentlichen Befehlskompetenzen,
in der größten Verantwortung für die schrecklichen Geschehnisse im Lager S III
stehen (siehe Abb. 21).
4.1.2 Ausbau des Lagers zum KZ Außenkommando S III
Am 19. November 1944 traf der erste größere Häftlingstransport im Bahnhof von
Ohrdruf ein. Seit dem wurden massenhaft immer mehr Häftlinge zum Arbeitseinsatz
nach S III deportiert. Sie kamen aus Buchenwald, Sachsenhausen, Stutthof, Plaszow,
Flossenbürg, Natzweiler, Dachau, Auschwitz und anderen KZ. Im Widerspruch zur
Haager Landkriegsordnung von 1929 befahl sogar die Amtgruppe D des SS-WVHA seit
Ende 1944 besonders ,,viele kräftige" Kriegsgefangene besonders aus Osteuropa
für die Arbeiten in den Stollen ins Lager S III zu schaffen.39 40 Folglich
befanden sich neben einem bunten Nationalitätengemisch aus Belgiern, Franzosen,
Italienern und Deutschen vornehmlich Russen, Polen, Jugoslawen und Ungarn im KZ.41
Die Unterbringung der Häftlinge erfolgte unter katastrophalen Zuständen in den bis
dahin unveränderten großen Nord- und Südlager. Erst um die Jahreswende 1944/45
entstanden direkt bei Kilometerstein 7 aus dem HJ Zeltlager bei Espenfeld und bei
Crawinkel zwei neue Teillager, wodurch sich der Anmarschweg zur Baustelle im
Jonastal erheblich verkürzte. Das Nordlager fungierte seit dem als Krankenlager
mit Schonungsblöcken, wodurch die meisten Häftlinge im Südlager untergebracht
waren. Zwischen Ende Januar und Anfang März 1945 musste nun wiederum das Südlager
geräumt werden, aufgrund der offensichtlich einsetzenden Verlegungsmaßnahmen von
Teilen des OKH nach Ohrdruf. Die Häftlinge wurden nun im Zeltlager bei Espenfeld
und in den Bunkern der Munitionsanstalt (Muna), welche an das Teillager Crawinkel
angegliedert wurden, untergebracht (siehe Abb. 34 & Abb. 35 & Abb. 36).42
Indes wuchs das Lager S III binnen weniger Zeit rasch an. Aufgrund der
zersplitterten und unzähligen Organisationszuständigkeiten der SS versagte schon
nach kurzer Zeit der Verwaltungsapparat, so dass eine Registrierung der in
Massentransporten herbei gekarrten Häftlinge nicht mehr möglich war. Erst Heilig
Abend 1944, als die Häftlinge seit Eröffnung des Lagers zum ersten und letzten Mal
nicht zur Arbeit ausrücken mussten, fand die SS Zeit, eine Registrierung der
Häftlinge durchzuführen. Danach befanden sich von 10.555 Häftlingen 4.837 im
Nordlager und 5.718 im Südlager. Nach der Untersuchung der Zugänge bis zum 18.
Dezember 1944 ergibt sich eine Gesamtzahl von 12.649 Häftlingen. Die Differenz zur
Zählung am 24. 12 1944 (10555 Häftlinge) von 2094 ist nicht auf die schlechte
Arbeit der Lagerverwaltung zurückzuführen, sondern es ist davon auszugehen das in
knapp einem Monat
37 38
Vgl. ZEIGERT, D.: 2003. S. 108 Vgl. BA, IG- Farben - Prozeß, Nbg. Dok. NI 638,
Aussage G. Lörner 39 Vgl. BUECK, B.: 1960, S. 248 40 Vgl. Ebenda, S. 249 41 Vgl.
RASCKE, H.: 2003, S. 19 f. 42 Vgl. Ebenda, S. 20 f.
16
Häftlingslager S III 2094 Tote zu beklagen waren, wobei die Zahl der Opfer
durchaus höher sein kann, da nicht alle Zugänge aus anderen KZ in dieser Zeit und
danach rekonstruieren werden konnten. Die Größenordnung von circa 11.000
Häftlingen im Lager S III hielt sich etwa bis zur letztendlichen Einstellung der
Arbeiten am 3. April 1945.43 Schlussfolgernd kann unter realistischen Berechnungen
anhand der Zugänge von KZ nach S III davon ausgegangen werden, dass in der Zeit
des Bestehens des Lagers S III 26095 Häftlinge zum Einsatz kamen (siehe Tabelle 2
Häftlingstransporte ins S III).44Andere Quellen, die sicherlich übertrieben
wirken, gehen von 50.000 bis 60.000 Häftlingen, die zum Einsatz kamen, aus.45
(siehe Interview 2 am 15. 10. 2003 mit Klaus-Peter Schambach, Vorstand GTGJ e. V.)
Durch die tausende Zugänge von Häftlingen aus anderen Konzentrationslagern
spitzten sich die ohnehin chaotischen inneren Verwaltungszustände so dramatisch
zu, so dass folglich die Verantwortung über das Lager S III Anfang Januar 1945 in
die Führung des KZ Buchenwald überging.46 Erst seit dem zählt S III als eines der
81 Außenlager des KZ Buchenwald und wird seit dem als KZ -Außenkommando S III
geführt.
4.2 Verwendungszweck
4.2.1 Arbeitslager
Nach Aussage von Arbeitseinsatzführer im KZ Buchenwald Albert Schwartz diente das
Außenlager S III dazu, ,,alle verfügbaren Arbeitskräfte für den Bau eines geheimen
Führerhauptquartiers in der Nähe von Ohrdruf" aufzunehmen, um ,,dieses
Bauvorhaben in kürzester Zeit mit Häftlingen durchzuführen."47 Folglich kann
auf den ersten Blick mit Fug und Recht behauptet werden, dass das Außenkommando S
III mit der Aufgabe vertraut war, dass Sonderbauvorhaben S III durch die
Häftlingsbereitstellung und den gezielten Häftlingseinsatz in die Realität
umzusetzen und damit als Arbeitslager der wirtschaftlichen Nutzbarmachung der
Arbeitskraft der Häftlinge diente. Gehen wir jedoch von dem Aspekt der in den fünf
Monaten geleisteten Arbeit in Form der bisher bekannten höchstens 3 km langen
Stollenanlage aus, so ergeben sich bisher unbeantwortete Fragen bezüglich des
Verwendungszwecks des Außenlager S III sowie des Häftlingseinsatzes. Aus
unabhängigen Berichten von Bauplanungsbüros sowie Geologen ist zu entnehmen, dass
für die 2-3 km lange Stollenanlage unter den gegebenen Arbeitsbedingungen nur etwa
1000 bis höchstens 2000 Arbeiter gebraucht wurden. Es kamen jedoch
durchschnittlich 11.000 Häftlinge bei den Bauvorhaben zum Einsatz. Ausgehend vom
Faktor 1,0 für das Leistungsvermögen des deutschen Arbeiter wurde das Potenzial
der Häftlinge, welche auf den Baustellen praktisch ausnahmslos Handarbeit zu
leisten hatten, vom Sonderbaustab Kammler schon 1941 pauschal mit nur 0,5
eingestuft. Übertragen auf die dargestellten Zahlen, hieße dies, dass 2.000 bis
höchstens 4.000 Häftlinge für die Realisierung der Stollenanlage im Jonastal
gebraucht wurden. Selbst wenn von einem realistischen Faktor 0,333, wie in
Einzellfällen von Baufirmen gegen Ende des Krieges bewertet wurde, ausgegangen
wird, mussten 3.000 bis allerhöchstens 6.000 Häftlinge ausgereicht haben, um die
Stollenanlagen im Jonastal zu errichten.48 Angemerkt sei noch, dass beim
Bauvorhaben S III mit bis zu 2.500 deutschen Arbeitskräften oder einer Quote von ¼
der Häftlingsstärke, ein
Vgl. Ebenda Berechnet nach: BUECK, B.: 1960, S. 80 f, 249, 281 & o. A.:
Konzentrationslager Buchenwald, Bd. I, 1949, S. 126 45 Vgl. König H.J.: In: Stadt-
Echo SPEZIAL. 2002, S. 6 46 Vgl. Archiv Buchenwald, 82-15-1, Eidesstattliche
Erklärung Heinrich Barnewald, 47 BUECK, B.:1960,S. 248 48 Vgl. BA-MA, RL 2-V/17,
Anlage 246
44 43
17
Häftlingslager S III auffällig hoher Anteil ziviler Kräfte eingesetzt wurde, die
ebenfalls zur Unterstützung des Bauvorhabens beitrugen.49 Folglich stellt sich die
Frage, welcher Verwendung die mindesten 5.000 bis 8.000 restlichen Häftlinge
dienten. Bemerkenswerte Aufschlüsse liefert auch ein Vergleich zwischen dem
Bauvorhaben S III im Jonastal sowie dem Schwesterobjekt Riese in Schlesien, welche
beide die Errichtung eines FHQu zum Ziel haben sollte. So ist äußerst auffällig,
dass in beiden Objekten eine vergleichsweise hohe Zahl von Häftlingen zum Einsatz
kam. Die durchschnittliche Lagerstärke beim Objekt Riese bewegt sich um die 13.300
Häftlinge, beim Außenkommando S III sind es etwa um die 11.000 Häftlinge. Jedoch
gibt es zwischen beiden Objekten riesige unterschiede im bisher bekannten
baulichen Fortschritt bis Kriegsende. Beim Objekt Reise wurden in etwa der
doppelten Zeit reale 24 km Stollenvortriebe geleistet. Umgerechnet bedeutet dies,
dass beim Bauvorhaben S III im Jonastal 12 km Stollenvortrieb vorzufinden sein
müssten. Dies stellt allerdings nur eine Mindestangabe dar, weil beim Bauvorhaben
Riese wesentlich mehr zusätzliche Baumaßnahmen, wie viele oberirdische Anlagen, 58
km Straßen, 6 Brücken ... errichtet wurden. Wird zusätzlich die
Vortriebsgeschwindigkeit im Kalkstein, wie er im Jonastal zu finden ist,
mindestens doppelt so hoch angesetzt wie bei Arbeiten im Granit bei Riese, so
könnten beim Bauvorhaben S III in der vorhandenen Zeit circa 24 km Stollen
entstanden sein. Bekannt sind aber im bisher 2-3 km!50 Schon aus diesem
Ansatzpunkt heraus scheint es unmöglich, dass rund 11.000 Häftlinge nur
verhältnismäßig lächerliche 2-3 km Stollenvortrieb leisteten. Es ist von daher
fast mit Sicherheit auszugehen, dass weitere Baumaßnahmen stattgefunden haben
müssen oder ein Grossteil der errichteten Anlagen bisher nicht bekannt ist (siehe
Interview 1 am 13. 10. 2003 mit Ullrich Brunzel, Buchautor). Eventuell wurden die
Häftlinge auch zur Produktion von kriegswichtigen Gütern eingesetzt, wie etwa zur
Raketen oder Atomforschung oder anderer Hochtechnologieprojekten. Jedoch bewegen
wir uns hier bereits im Raum der Spekulationen und Vermutungen über den tieferen
Zweck und die Aufgaben des Vorhabens S III (siehe letztes Kapitel).
4.2.2 Terror- und Vernichtungslager
Neben der ökonomischen Nutzbarmachung der Arbeitskraft der Häftlinge in
Arbeitslagern vor allem gegen Kriegsende, dienten Konzentrationslager wie das
Außenkommando S III erstrangig als Instrument des Terrors: nach innen, zur
grausamen Strafe und später auch zur Vernichtung von Häftlingen, wie es im
Außenkommando S III in einer zuvor nie bekannten Art und Weise auf das grausamste
praktiziert wurde. nach außen, zur Abschreckung gegenüber der Bevölkerung, welches
aufgrund der bestialischen Grausamkeit beim Außenkommando S III sicher nicht
gewollt war, vielmehr sollten die schrecklichen Geschehnisse der Geheimhaltung
unterliegen. Die furchtbarste Funktion, soviel sei schon vorweg gesagt, nahm das
Außenkommando S III letztendlich durch die Kopplung des Instruments der
wirtschaftlichen Nutzbarmachung der Arbeitskraft der Häftlinge sowie dem
Instrument des inneren Terrors in Form des barbarischen Prinzips ,,Vernichtung
durch Arbeit" an. Als erster ausgehender Indiz für diese These soll die
Aussage, dass ,,der Häftlingseinsatz auf den Baustellen der Organisation Todt und
der Kammlerstäbe 1944/45 (...) allgemein als Musterbeispiel für die Vernichtung
durch Arbeit", gelten.51 Im Nachfolgenden soll anhand der Darstellung des
schrecklichen Lebensalltags sowie in einer gesonderten Betrachtung diese These
begründet werden.
49 50
Vgl. Archiv Buchenwald, KL Buchenwald und Haftanstalten, 66, Schreiben vom
12.1.1945 Vgl. FÄTH, H.: 1998, S. 35 ff. 51 GRIEGER, M.: In: HEß, T. / SEIDEL,
T.A. (Hrsg.): 1995, S. 43 ff.
18
Häftlingslager S III
4.3 Leben im Lager des Schreckens
Anhand zahlreicher Zeugenaussagen von Häftlingen, welche die unmenschlichen und
inhumanen Lebensumstände in den Häftlingslagern um das Bauvorhaben S III
überlebten, sowie Aussagen von Zivilangestellten und Wehrmachts- / SS Angehörigen
und letztlich auch Aussagen der regionalen Bevölkerung, lässt es sich teilweise
rekonstruieren, welches Leid und Elend sich tatsächlich bei den Bauvorhaben im
Jonastal abgespielt haben. Wenn auch sicherlich einige Aussagen und Berichte
teilweise übertrieben wirken, was nicht verwunderlich ist, da die Häftlinge die
für ihre Leiden Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen wollten, so ergeben sich
doch vielzählige Übereinstimmungen der Aussagen, an deren Wahrheitsgehalt nicht
gezweifelt werden dürfte und welche zu nachfolgenden Darstellung dienen. Bei der
nachfolgenden Darstellung des schrecklichen Lebensalltags sei bewusst auch darauf
hingewiesen, dass wir es für moralischer Erachten, die Worte die das Leiden der
Häftlinge widerspiegeln, nicht eigens zu interpretieren oder in unsern Worten
wiederzugeben, sondern dem Leser einen emotional direkteren Eindruck durch die
wörtliche Wiedergabe der jeweiligen Aussagen versuchen zu vermitteln.
4.3.1 Außenkommando S III ein Lager des Schreckens
Die Lager um das Bauvorhaben S III gehörten bekanntermaßen der Kategorie 3 der
Schutzhaftlager (KZ) an, in die vor allem Juden, besonders gefährliche politische
Gegner, als auch Kriminelle und Homosexuelle eingeliefert wurden. Ihre Rückkehr
war nicht erwünscht.52 Schon im Stammlager KZ Buchenwald war zu jener Zeit 1944/45
das Außenlager S III, als eines der grausamsten und schrecklichsten Lager bekannt
und gefürchtet. So berichtete der Überlebende Fred Wander: ,,Im Lager Buchenwald
hatten die Worte Crawinkel und Ohrdruf einen unheimlichen Klang. Keiner von uns
wusste etwas Genaues über diese Außenlager. Niemand war von dort zurückgekehrt.
Als ich im Januar 1945 in einen der vielen Transporte geriet, von Buchenwald fort,
hörte ich wieder flüstern: Crawinkel! (...). Schon beim Einmarsch [gemeint ist das
Lager Crawinkel] sahen wir außerhalb des Stacheldrahts die offenen Leichenhaufen
brennen. Sie brannten Tag und Nacht. Das Leichenträgerkommando kam nicht nach, die
Toten aus den Bunkern, von den Bettstellen herunter, vom Appellplatz weg und wo
immer sie lagen, zu holen."53 Auch der polnische Kriegsgefangene Leon Kolenda
umschrieb seine Eindrücke mit folgenden Worten: ,,Hier begann für mich, für
hunderte und später für tausende Häftlinge der schwerste und tragischste Abschnitt
meines Lebens."54 Ähnlich schreckliche Eindrücke dürften die tausenden
anderen Häftlinge bei ihrer Ankunft gesammelt haben, wie es aus vielzähligen
Aussagen und Berichten hervor geht, die nach der Befreiung durch amerikanische
Truppen aufgezeichnet wurden, hervor. Aber das Menschenunwürdigste sollten sie
noch erleben den Lebensalltag im Lager des Schreckens.
4.3.2 Der Tagesablauf
Der Tagesablauf begann schon ca. gegen 3 Uhr in der Frühe mit einem ,,meist zwei
Stunden lang [Morgenappell, auch bei eisester Kälte im Winter Anm. d. Verfassers]
(...), unentwegt musste man schnurgerade stehen, ohne ein Wort zu
sprechen."55 Fehlte ein Häftling, konnte sich der Appell auf den gesamten
Morgen ausstrecken, wobei es gerade im Winter zu enorm vielen Erfrierungen und
Todesfällen kam. So schätzt der Häftling Gyula Csermak ein, dass 40 % der Opfer
von Strafappellen und den damit verbundenen Strapazen, Schlägen,
52 53
Vgl. REMDT, G. / WERMUSCH, G.: 2003, S. 42 f. WANDER, F.: o. T. In: Märkische
Volksstimme, 19. März 1966 54 Archiv Buchenwald 31/1053 55 OZVTG 387
19
Häftlingslager S III Demütigungen und Grausamkeiten durch die SS Wachmannschaften
waren.56 Nach dem Appell ging es anfänglich in verriegelten Möbelwagen oder LKWs,
später, als die Beförderung von Häftlingen zu teuer war, zusammengepfercht mit der
1944 errichteten Feldbahn oder zum Großteil im Laufschritt zu den bis zu 20
Kilometer entfernten Arbeitplätzen, wo die Häftlinge schon müde, zermürbt und
arbeitsunfähig ankamen oder auf dem Weg dort hin ihren Erfrierungstod erlagen57.
Nach der kräftezehrenden Arbeit beim Gleis-, Straßen- und Stollenbau die circa 10
bis 12 Stunden dauerte, in der Ziegelei sogar 14 Stunden, traten die
Häftlingskolonnen gegen 16 bis 17 Uhr den Rückweg an. Danach fand der abendliche
Zählappell statt, der sich bis 20 Uhr oder noch länger hinauszögerte und mit den
gleichen entsetzlichen Schikanen wie dem morgendlichen Zählappell verbunden war.
In den letzten Kriegswochen wurde die Arbeitszeit gar auf 21 bis 22 Uhr
ausgestreckt, wodurch die Ruhephase der Häftlinge nochmals erheblich kürzer
wurde.58 Die Arbeitzeit im Stollen betrug in den ersten Wochen acht Stunden.
Demnach wurde in drei Schichten gearbeitet. Ab Januar wurde nur noch in zwei
Schichten zu je 12 Stunden gearbeitet. Mit zunehmend sich nähernder Frontlinie
wurden die Arbeitszeiten weiter verschärf, welches zu einer zusätzlichen
körperlichen und seelischen Entkräftung der Häftlinge führte. Der Tod war folglich
ihr ständiger Begleiter.
4.3.3 Die Nahrungsversorgung
Die Nahrungsversorgung war der Arbeit entsprechend in einen Normalverpflegungssatz
und eine Schwerarbeiterzulage gestaffelt. Demnach sollten nach dem Rundschreiben
des KZ Buchenwald Nr. 23 vom 13. Oktober 1944 Schwerarbeiter wöchentlich 546 g
Fleisch oder Fleischwaren, 228 g Fett, 3900 g Brot, 17 g Getreidenährungsmittel,
80 g Zucker, 100 g Marmelade, 100 g Quark, 37 g Kaffee-Ersatz, 800 g Frischgemüse,
5000 g Kartoffeln, 450 g Gemüsesalat und 0,25 l Frischmilch erhalten.59
Normalarbeiter mussten eine erhebliche Kürzung um circa die Hälfte der
Nahrungssätze gegenüber Schwerarbeitern hinnehmen. Jedoch sind derartige
Zahlenwerte mit äußerster Vorsicht zu genießen, die zwar auf dem Papier standen,
aber in der Lagerrealität keine Anwendung gefunden haben dürften. Das Gegenteil
war der Fall katastrophale Ernährungslage und Hunger standen auf der
Tagesordnung. So berichtet Endre Kun übereinstimmend mit anderen
Häftlingsaussagen, dass die Tagesration aus 1 Liter Rübensuppe, 150 200 g Brot,
20 g Margarine und zu viert einen Löffel voll Marmelade oder Quark bestand (siehe
Abb. 24 & Abb. 25).60 ,,Wenn diese Hungerei bei der schweren Arbeit im
Jonastal noch zwei Wochen länger angedauert hätte, hätte kein einziger die
Strapazen überleben können", 61 meint Sandor Braunstein.
4.3.4 Die Kleidung und Unterbringung
So karg die Nahrungsrationen ausfielen, so wurde auch bei Kleidung und
Unterbringung für die Häftlinge gespart. Die Kleidung bestand aus dünnem
Drillichzeug. Viele Häftlinge besaßen weder Schuhe noch Holzpantinen. Sie
umwickelten sich deshalb ihre Füße mit alten Lappen und Draht, um im Winter Appell
und Fußmärsche zu überstehen. Hinzu kam, dass es keine Zeit und Möglichkeiten für
die tägliche Hygiene gab. Monatelang mussten die Häftlinge Tag und Nacht die
gleiche Kleidung tragen. In die Baracken, welche für 120 Personen berechnet waren,
wurden 300 bis 400, zum Teil sogar 600 bis 800 Mann zusammengepfercht. Während in
den ersten Wochen 2 Mann auf einer Holzpritsche mit einer Decke schliefen, gab es
für Neuankömmlinge keine Decken mehr und nur Lagerstätten auf der Erde oder dem
Betonfußboden. Es gab keine Heizung, kein neues Stroh und das
56 57
Vgl. OZVTG 326 Vgl. OZVTG Protokoll Laslo Fischer, ohne Nr. 58 Vgl. RASCHKE, H.:
2003, S. 25 f. 59 Vgl. Thüringisches HStA Weimar, KL Buchenwald und Haftanstalten,
71 a, Bl. 2, 4. 60 Vgl. OZVTG 327 61 OZVGT 1616
20
Häftlingslager S III vorhandene war blutig und voller Läuse. In den wenigen
Ruhestunden plagte das Ungeziefer die Häftlinge und sorgte zusätzlich für die
Verbreitung von Krankheitserregern und Seuchen.62 So war es nicht selten, dass ein
Häftlingsblock so überfüllte war, dass einige Häftlinge gezwungen waren ,,die
ganze Nacht zu stehen, weil sie nicht einmal Platz hatten, sich hinzusetzen."
So tauschten manche ihren letzten Nahrungsrest gegen ein ,,kleines Plätzchen"
zum Schlafen ein.63
4.3.5 Die medizinische Versorgung
Die medizinische Versorgung war ebenfalls vollkommen unzureichend. Der Mangel
setzte schon beim Personal ein und zog sich bis hin zum Nichtvorhandensein an
wichtigen Medikamenten, Verbandsmaterial und Vieles mehr. Es gab im Januar 1945
nur 22 unzureichend ausgebildete Häftlingsärzte. Das entsprach einem minimalen
Versorgungsgrad im Durchschnitt von einem Arzt auf circa 450 Häftlinge, welche
schwerste Handarbeit bei unwidrigsten Arbeits- und Lebensverhältnissen zu
verrichten hatten. Auch bestand offensichtlich kein Interesse, den Krankenbestand
gering zu halten. So wurden keine nennenswerten Maßnahmen wenigsten zur minimalen
Hilfe durch den Lagerarzt Dr. Werner Greunuß unternommen.64 Die grauenhaften
Zustände spiegelten sich im Krankenlager und Schonungsblock wieder keine Decken,
keine Kleidung, keine Heizung, keine ärztliche Hilfe, und zu allem Elend noch
Hunger, denn die Kranken erhielten mit 100 g Brot und etwas Rübensuppe die
geringste Verpflegung im Lager, wie einige Häftlinge berichteten, welche die Hölle
überlebten.65 Die Folgen waren zerstörerisch. So wies der offizielle Bericht des
Standortarztes der Waffen-SS Weimar an den Lagerkommandanten von Buchenwald vom
31. März 1945 aus, dass sich 945 Häftlinge im Krankenlager und 622 Häftlinge im
Schonungslager Ohrdruf sowie 274 bzw. 148 Schonungskranke im Lager Crawinkel bzw.
Zeltlager Espenfeld befanden. Hinzu kamen 187 invalide Häftlinge (siehe Abb. 22).
Dies sind bei einem Häftlingsstand von 10249 rund 20 % nicht arbeitfähige
Personen, die faktisch dem sicheren Tod überlassen wurden.66 Jene Zahl spricht
schon für sich allein, wobei noch hinzugefügt werden muss, dass die Häftlinge im
Allgemeinen große Angst hatten sich krank zu melden, da fortab ihre
Überlebenschancen noch geringer waren. So weißt etwa der Wochenbericht des
Standortarztes der Waffen-SS Weimar an den Lagerkommandanten von Buchenwald für
die vorhergehende Woche 207 Tote aus. Zu diesen Toten aus den Krankenbaracken und
Schonungsblöcken müssen noch jene hinzugezählt werden, die während der
Zwangsarbeit in den Stollen oder Gleisbauarbeiten oder dem Terror der SS durch
Entkräftung erlagen. Häftlinge wie Oszkar Adler berichteten sogar von einem
Massensterben in den Krankenbaracken, wobei in nur drei Tagen etwa 500 Tote nach
Buchenwald überführt wurden.67 Ähnlich berichtete György Kunstädter über die
Schonungsblöcke, wonach allein in einem Schonungsblock täglich 30 bis 40 Menschen
starben.68
4.3.6 Folter und Terror durch die SS
Zu den alltäglichen Leiden kamen Qualen durch Folter und Terror durch das SS
Bewachungspersonal. Neben Strafen wie Baumhängen, Stehbunker, Strafappell,
Essensentzug oder den Prügelbock, auf dem die Häftlinge mit Armeen und Beinen
angebunden wurden und jeden Schlag mitzählen mussten, da sonst die Tortur
wiederholt wurde, zeichnete sich das SS Bewachungspersonal durch eine zunehmende
Aggressivität und Brutalität mit näher rückender Frontlinie aus. So war das
Händereiben zum Wärmen oder
62 63
Vgl. OZVGT 192, 731, 3068, 3469 OZVGT 3048 64 Vgl. ZEIGERT, D.: 2003, S. 105 65
Vgl. OZVGT 3251 , 326 66 Vgl. Archiv Buchenwald, 62-79-11 67 Vgl. OZVTG 3048 68
Vgl. OZVTG 2760
21
Häftlingslager S III Geflüster zum Mitgefangenen schon Anlass zum Prügeln. ,,Die
zu Krüppel geschlagenen Gefangenen wurden in ein Auto geworfen und ins Lager
zurückgebracht. Hier wurden sie in einen Stall geworfen. In diesem Stall lagen
ihre an Ruhr und Typhus erkrankten Kameraden (...)."69 Besonders Appelle
nutzte die SS zu Kollektivstrafen. Als einmal fünf Zigeuner auf dem Weg zur Arbeit
geflohen waren, befahl die SS den etwa 800 Häftlingen, sich zur Strafe stundenlang
in den Schnee zu legen. Wer sich bewegte wurde blutig geschlagen. Die Bestrafung
wurde an 3 Tagen wiederholt. Es gab viele Tote und Kranke.70 Auch die Crawinkler
Köchin Toni Böttner berichtete von den Grausamkeiten der SS, nachdem sie
Häftlingen bei der Arbeit zusah (siehe Abb. 26 & Abb. 27): ,,Einer von ihnen
brach plötzlich, wahrscheinlich vor Erschöpfung, zusammen. Ein Kapo mit
Gummiknüppel und einem großen Hund kam und schlug auf den Mann ein, richtete ihn
auf und wollte ihn zum Weitermachen antreiben. Aber der Häftling brach immer
wieder zusammen. Darauf hin hetzte der Kapo den Hund auf den Gequälten. Was nun
kam erschütterte mich. Der Hund riss dem Menschen mit den Lumpen seiner Kleidung
Fleischfetzen aus dem Körper. Gleichzeitig befahl der Kapo anderen Häftlingen ein
Loch in die Straße zu graben. Dann warf man den zerfetzten Körper des Häftling in
das Loch, kratzte es zu und führte die Straßenwalze darüber. Ein Menschenleben war
vernichtet -ausgelöscht."71 Ähnliche grausame Szenen spielten sich, wie aus
vielzähligen Berichten hervorgeht, täglich ab.
4.3.7 Die Ursachen
Die Ursachen des enormen Arbeitstempos, der völlig unzureichende Versorgung und
Mangelwirtschaft und nicht zuletzt auch die Schikanen und der Terror der SS sind
sehr vielschichtig und zeigen eine eigene Spezifität. Diese gab es zwar in
Ansätzen auch in anderen Lagern auf deutschem Gebiet, aber sie erreichten nie jene
Dramatik. Damit sind sie eine wesentliche Grund für das schrecklich inhumane
Leben, die Leiden und Qualen der Häftling im berüchtigten und gefürchteten Lager S
III. Als erste primäre Ursache kann angesehen werden, dass das Bauvorhaben S III
sowie das zugehörige Lager in größter Eile vorbereitet wurden, ohne über die
notwendigste Logistik und Infrastruktur wie ausreichende Häftlingsbaracken,
Wasser- und Energiezufuhr, Versorgungsstützpunkte für Nahrung und Medizin zu
verfügen. ,,SS-Standartenführer Mauer wollte jedoch beweisen, dass dieses
Bauvorhaben in kürzester Zeit mit Häftlingen durchzuführen wäre."72 Zum
zweiten ist hier die allgemein nachlassende Versorgungslage im gesamten 3. Reich
infolge der ,,totalen Kriegswirtschaft" ab 1943 zu nennen, welche sich im
besonderen Maße auf die Nahrungsmittel- und Medizinzuteilung an die
Konzentrationslager und ihre Außenlager auswirkte. Davon waren insbesondere die
Verwaltungskategorie 3 der Schutzhaftlager (KZ) wie das Außenkommando S III am
stärksten betroffen. Zum dritten förderten die chaotischen Verwaltungszustände in
S III, die durch die schnelle Errichtung der Lager, den ständigen Zugängen von
Häftlingen vollkommen überfordert waren und nicht zuletzt unter einer sehr
zersplitterten und unzähligen Organisationszuständigkeiten der SS gehemmt gewesen
sein dürfte, so dass auf Grundlage ungenauer Belegungsstärke und Zuständigkeiten
folglich ungenaue oder keine Anforderung an Lebensmitteln, Kleidung, Medizin usw.
an das Versorgungsamt gestellt wurden, welche die schon bestehenden Engpässe
erheblich vergrößerten.
69 70
OZVGT 327, Bericht Endre Kun Vgl. OZVGT 327, Bericht Endre Kun 71 Archiv
Buchenwald , 62-79-3, Aussage Toni Böttner 72 BUECK, B.: 1960, S. 256
22
Häftlingslager S III Zum vierten ist auch davon auszugehen, dass aufgrund der
chaotischen Umstände im Lager S III insbesondere die Nahrungsmittelversorgung der
Korruption sowohl des Lagerpersonals als auch der Häftlingshierarchie unterlag,
wodurch die Häftlinge nicht in vollem Umfang die gelieferten Nahrungsmittel
erhalten haben dürften. Ähnliches gilt auch für weitere unabdingbare Güter zum
Überleben wie etwa Bekleidungsstücken, Hygiene- oder medizinische Artikeln und
Schlafplätzen. Letztlich spielte der Zeitdruck der auf der Lagerführung während
der gesamten Bauarbeiten lastete eine erhebliche Roll. Dieser wurde in einer
brutalen und grausamen Weise auf die Lebens- und Arbeitbedingungen der Häftlinge
übertragen. So kannte die Brutalität der SS mit näher rückender Frontlinie keine
Grenzen mehr. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass es im
Außenkommando S III keinen ausgebauten Selbstschutz der Häftlinge gab, wie
beispielsweise im Stammlager Buchenwald, in dem politische Häftlinge
Lagerfunktionen innehatten, innehatten.73 Dieser Umstand begünstigt natürlich den
Terror und Brutalität durch die SS, jedoch aber auch Kriminalität unter den
Häftlingen selbst.
4.3.8 Die Folgen
Enormes Arbeitstempo, die völlig unzureichende Versorgung und die Mangelwirtschaft
und nicht zuletzt auch die Schikanen und der Terror der SS forderten ihren
menschlichen Tribut, so dass binnen kurzer Zeit tausende Häftlinge den quälenden
Strapazen körperlich und seelisch erlagen. Bevor die Rangierlisten vom Dezember
1944 in Buchenwald ,,durchgearbeitet werden konnten, kamen am 12. Januar 1945 aus
S III 1400 vollständig erschöpfte Häftlinge nach Buchenwald zurück. Sie gaben dem
Lager einen ersten erschütternden Eindruck über die grauenhaften Zustände bei
Ohrdruf. Von den 1400 Häftlingen waren mehr als 200 bei ihrer Ankunft am Bahnhof
Buchenwald (...) bereits verstorben. (...). Die nächsten Transporte
,verschrotteter' Arbeitskräfte schickte die SSFührung nicht mehr nach Buchenwald,
sondern nach dem Konzentrationslager BergenBelsen, wo ihre endgültige Vernichtung
in der Einsamkeit der Lüneburger Heide vermutlich unauffälliger und rascher
durchzuführen war."74 (siehe Abb. 28 & Abb. 23)
4.4 Vernichtung durch Arbeit
4.4.1 Erste Rückschlüsse
Die katastrophale Versorgungslage im Lager S III war den obersten SS-Instanzen
bekannt. So musste Heinrich Barnewald, der im Stammlager Buchenwald als
Verwaltungsführer wirkte, zugestehen, dass in S III die ,,Verpflegung der
Häftlinge bei weitem nicht sichergestellt war, auch die Bekleidung war mehr als
kümmerlich."75 Wenn demnach ... 1. die obersten Instanzen von der
Mangelwirtschaft und Verwaltungsdefiziten in S III wussten und keinerlei
Gegenmaßnahmen für eine bessere Versorgung der Häftlinge trafen, denn nur
verhältnismäßig gut versorgte Häftlinge konnten auch effektiv arbeiten, ist zu
schlussfolgern, dass der Führungsstab S III eine Verlangsamung des angeblich
dringlichen Bauvorhabens in Kauf nahm. Andernfalls hätte mehr Wert auf gesunde und
kräftige Arbeiter durch ausreichende Versorgung mit lebenswichtigen Gütern gelegt
werden müssen.
73 74
Vgl. RASCHKE, H.: 2003, S. 48 BUECK, B.: 1960, S. 256 75 Buchenwaldarchiv, 82-15-
1/2, Eidesstattliche Erklärung Heinrich Barnewald
23
Häftlingslager S III 2. bestand offensichtlich kein Interesse daran, den
Krankenbestand niedrig zu halten oder gar an Krankheiten leidende, eingearbeitete
Häftlinge wieder zu Kräften zu führen, die alle samt bei den Bauvorhaben S III
hätten wichtige Arbeiten verrichten können. 3. nach eidesstattlicher Erklärung des
SS Hauptsturmführers und Arbeitseinsatzführers im KZ Buchenwald Albert Schwartz,
dass Bauvorhaben S III ,,in größter Eile vorbereitet wurde, obwohl alle
zuständigen Stellen wussten, dass so ein Vorhaben längere Zeit in Anspruch nehmen
würde. (...). Es stellte sich schon nach kurzer Zeit heraus, dass die Kräfte
keineswegs ausreichten, um ein derartiges Bauvorhaben in der befohlenen Zeit
durchzuführen."76 So musste es von Anfang an jeder in Ansätzen realistisch
denkenden Person klar gewesen sein, dass eine tatsächliche Realisierung des
Bauvorhabens bis Kriegsende ausgeschlossen war, denn in jenen Wintermonaten
1944/45 erreichten die Westalliierten die Vorkriegsgrenzen des Deutschen Reichs.
Die totale Niederlage rückte immer näher. Warum wurde dann trotz allem das
Arbeittempo unter noch stärkeren Leiden und Qualen der Häftlinge erheblich
verschärft? Aus diesem Argumentationskomplex erhärtet sich zunehmenden die
Vermutung, dass das Lager S III nicht nur der versuchsweisen Realisierung des
Bauvorhabens S III diente, sondern dem grausamen Ziel der Vernichtung von
Menschen, nach dem wirtschaftlich rentableren Prinzip für die
nationalsozialistischen Machthaber ,,Tod durch Arbeit" im Gegensatz zu den in
den in reinen Vernichtungslagern wie Auschwitz oder Treblinka praktizierten
wirtschaftlich unrentablen Prinzip ,,Tod durch Vernichtung", folgte (siehe
Abb. 39).
4.4.2 Der Beweis
Der zeitgenössische Gebrauch des Wortes ,,Vernichtung durch Arbeit" ist nur
vereinzelt überliefert. So etwa 1942 bezogen auf die Behandlung der an die SS
auszuliefernden Strafgefangenen durch Goebbels und Himmler. Bekannter ist die
sinngemäße Anweisung des Chefs des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes Pohl an die
KZ-Kommandanten 1942, der Arbeitseinsatz der Häftlinge müsse "im wahrsten
Sinne des Wortes erschöpfend" sein. Ähnliche Intentionen wurden auf der
Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 mit der Äußerung ,,natürliche
Verminderung" der jüdischen Arbeitskraft formuliert.77 Die aufgeworfene
These, Funktion des Außenlagers S III war neben dem Bauvorhaben die physische und
psychische Ausrottung der Systemgegner oder rassisch Fremdartigen nach der
vollständigen Nutzung ihrer Arbeitskraft, soll nachfolgend anhand des Kriteriums
der Begriffsmerkmale ,,Vernichtung durch Arbeit" begründet werden. So
bezeichnet Vernichtung durch Arbeit ,,die Bedingung der Zwangsarbeit, die auf den
massenhaften Tod der Zwangsarbeiter abzielt oder diesen in Kauf nahm [wie es im
Lager S III augenscheinlich der Fall war Anm. d. V.]. Insbesondere im Rahmen des
Programms der Judenvernichtung [Außenlager S III wurde auch als ,,Jüdisches
Außenkommando"78 bezeichnet Anm. d. V.] beschreibt Vernichtung durch Arbeit
eine Methode des Massenmordes. Die hohe Sterberate von Häftlingen während und
infolge des Arbeitseinsatzes durch Hunger, Erschöpfung, Misshandlung, Krankheit
und Mord sowie die regelmäßige Selektion der Arbeitsunfähigen, die in
Schonungsblocks, in denen die Häftlinge regelrecht verendeten, verlegt oder
unmittelbar zur Vernichtung abtransportiert wurden,(...). Als ein Kriterium für
Vernichtung durch Arbeit ohne Beweis entsprechender programmatischer Anweisungen,
kann sicherlich die Abnahme der durchschnittlichen Überlebenszeit auf wenige
Wochen und Monate gelten, wie es z.B. bei den Arbeiten im Steinbruch und
Bauarbeiten von Stollen und Bunkern für die Untertage-Verlagerung von
Fabriken" der Fall war."79 Dieser
76 77
BUECK, B.: 1960, S. 256 Vgl. SCHMIDT, M.: Vernichtung durch Arbeit. In: BENZ, W.:
2002, S. 241 f. 78 BUECK, B.: 1960, S. 253 79 SCHMIDT, M.: In: BENZ, W.: 2002, S.
241
24
Häftlingslager S III konkrete Hintergrund des furchtbaren Massenmordens und
Sterbens bei den grausamen Stollenarbeiten ist fast in identischer Weise auch auf
das Außenlager S III zutreffend, wovon zahlreiche Häftlingsaussagen bezeugen. So
schildert ein deutscher Häftling die Grausamkeiten der vernichtenden Arbeit: ,,So
ging es Tag für Tag, und viele, die den Tag noch halbwegs überstanden hatten,
brachen abends zusammen und starben elend. So starben bei einer Gesamtbelegschaft
von 3000 bis 4000 täglich 50 bis 60 Häftlinge. Was spielt das für eine Rolle?! Es
wurde immer wieder neues Menschenmaterial herangeschafft."80 Endre Kun
mutmaßte die Todesfälle auf 150-200 täglich.81 Bela Eber meinte gar, dass
wöchentlich 800 bis 1000 Menschen im Außenlager S III umgekommen wären.82 Sandor
Guttmann bezeichnete Ohrdruf gar als Vernichtungslager.83 Insgesamt scheinen vor
allem die letzteren Zahlen sehr hoch gegriffen, aber sicher aus Sichtweise der
ungarischen Juden, die ungeheuer große Menschenverluste hinnehmen mussten sicher
gerechtfertigt (siehe Abb. 24 & Abb. 25 & Abb. 23). Spätestens ab Anfang
1945 wurden, wie in der Begriffsdefinition benannt, ebenfalls invalide und
arbeitsunfähige Häftlinge aus dem Kranken- und Schonungslager vom Außenkommando S
III, demnach so genanntes ,,verschrottetes Arbeitsmaterial", in
Vernichtungstransporten zu einem Grossteil in das KZ Bergen-Belsen deportiert, wo
sie in dessen Krematorien den sicheren Tod fanden (siehe Abb. 14 & Abb. 28).
Die Angaben zu den Vernichtungstransporten schwanken bis hin zu Höchstzahlen von
4884 Häftlingen.84 Der Umfang dieser oder etwaig anderer Transporte ist aufgrund
der chaotischen Verwaltungszustände im Außenlager S III sowie fehlender und
lückenhafter Transport- und Registrierungslisten nicht eindeutig bekannt. Auch
fehlen eindeutige Dokumente über die Häftlingszuweisungen, die der ersatzweisen
Zuführung an das Lager S III dienten. Umso weniger ist es nicht verwunderlich,
dass die Gesamtopferzahl im Außenlager S III in den Viereinhalbmonaten des
Bestehens verschiedenen Spekulationen unterliegt. So gehen realistische Quellen
von etwa 7.000 Opfern aus85, dem sind jedoch noch ca. 1.500 / 2.700 Opfer der
letzten Kriegstage sowie 5.500 ungeklärte Schicksale der Todesmärsche86 sowie
unter jeweiliger Annahme 4884 Häftlinge der Vernichtungstransporte zuzurechnen, so
dass sich eine Gesamtopferzahl von fast bis zu 16.000 Toten ergibt (siehe
Interview 2 am 15. 10. 2003 mit Klaus-Peter Schambach, Vorstand GTGJ e. V.).
Neuste Quellen sprechen gar von weit über 20.000 Ermordeten.87 Folglich scheint es
unbestreitbar, das es sich beim Häftlingseinsatz beim Außenkommando S III um
Vernichtung durch Arbeit handelt, es vielmehr noch ein Musterbeispiel hierfür
darstellt. Aber das ganze Ausmaß der bestialischen Katastrophe sollte erst mit
Befreiung durch die 3. (US) Armee unter General Patton zu Tage treten.
Abschließend ist festzustellen, dass dem KZ Außenlager S III angesichts der
bestialischen Grausamkeiten und furchtbaren Schrecken, die sich dort in der kurzen
Zeit des Bestehens abgespielt haben, nicht die angemessene Bedeutung in der
Geschichtsschreibung zugemessen wird. Dies mag zum einen an der im Verhältnis zu
andern Konzentrationslagern geringen Gesamthäftlingszahl wie auch am nur knapp
fünfmonatigen Bestehen des Lagers liegen. Gleichzeitig spielt natürlich der
Aspekt, der überhaupt geringfügigen Aufarbeitung der Geschichte um das Jonastal
sowie des Geheimprojekt S III eine beachtliche Rolle. Betrachten
80 81
BUECK, B: 1960, S. 282 Vgl. OZVTG 327 82 Vgl. OZVTG 323 83 Vgl. OZVGT 855 84 Vgl.
o. A.: Konzentrationslager Buchenwald, Bd. I, 1949, S. 126 85 Vgl. RASCKE, H.:
2003, S. 53 86 Vgl. 5.1.3 Befreiung des Häftlingslager S III durch die 3. (US)
Armee S.32 87 Vgl. ZORN, G.: In: Stadt-Echo SPEZIAL. 2002, S. 6
25
Häftlingslager S III wir jedoch, die unbeschreibliche bestialischen Einzelleiden
jedes einzelnen Häftlings, so stellt das Außenkommando S III mit einer
Sterblichkeitsquote von mehr als 60 % eines der, wenn nicht gar das barbarischste
Häftlingslager im damaligen 3. Deutschen Reich dar.88 Es ist sogar von einer
Sterblichkeit von 80 % unter den ungarischen Juden die Rede.89 Selbst das KZ
Mittelbau-Dora, welches angeblich kein annäherndes Beispiel in Europa hatte, weißt
bei allem Leiden mit einer Sterblichkeit von fast 50 % eine vergleichbar geringere
Quote auf.90 Demnach hat das KZ Mittelbau- Dora jetzt ein vergleichbares Beispiel
in Europa das Außenkommando S III. Nun gilt es diesem in unserem Gedenken und
Erinnerung den entsprechenden im Sinne der Opfer würdigenden Platz einzuräumen.
4.5 Ein kurzer Epilog: Mahnung und Verpflichtung
Was bleib, ist der eigentliche (Größen-)Wahn, der symptomatisch für den gesamten
SS Staat steht. Ohne Rücksicht auf eine nur in annähernde tatsächliche
Realisierbarkeit oder gar Notwendigkeit des Bauvorhaben S III ,,gruben" sich
tausende Häftlinge unter unzähligen grausamen Leiden und furchtbaren Qualen
drangsaliert durch SS Terror und Verfolgung in das Bergmassiv des Jonastals. Hier
zeigte sich das wahre und ganze Gesicht der fanatischen faschistischen Ausbrut in
ihrer gesamten monströsen rassenideologischen Abart. Hier vollzog sich der
Abschied von über Jahrhunderte langsam erkämpften demokratischen
Rechtstattlichkeit und freiheitlichen Grund und Menschenrechten, der Rückfall in
eine nie da gewesene abscheuliche Barbarei und Sadismus der Menschheitsgeschichte.
Verlust von Freiheit und Mündigkeit der Menschen, Entrechtung und Diskriminierung,
totaler Verfügungsanspruch einer Rasse, Machtgier und ungeahnter Skrupel
verschmelzen hier mit der systematisch geplanten und auf wirtschaftlichen Gewinn
kühl kalkulierten physischen und psychischen Vernichtung ganzer ,,wertlos
gewordener" Volksstämme durch erbarmungslose Arbeit in dem Stollensystem des
Jonastals. Was bleibt, ist aber auch tiefes Zusammengehörigkeitsgefühl,
Solidarität, Hilfe und Aufopferung zwischen den Häftlingen selbst im Angesicht des
Todes. Hier wurden Tugenden und Werte wie Nächstenliebe, Entbehrung für den
Mitmenschen, Friede und Güte, die Philosophen über Jahrhunderte in den Menschen zu
suchen schienen, täglich zwischen Häftlingen, aber auch Lagerpersonal und
Bevölkerung unter der Maßgabe sich selbst in Gefahr zu begeben, praktiziert. Hier
wurde Menschen unter grausamsten Umständen zu einer moralischen Einheit
zusammengeschweißt, denn eins verband sie alle die Ohnmacht und der Widerstand
gegen die teuflische Barbarei der primitiven ,,SS Fanatiker". Am Ende bleibt
ein Denkmal - die Erinnerung an das eine Außenlager S III und dass es sich im
grundlegenden Kern um keinen Einzelfall gehandelt hat, es hier vielmehr symbolisch
für die Millionen Opfer des NS Terrors steht. Daraus erwächst gerade für das
deutsche Volk eine ungeheure Verantwortung im Umgang mit jenem dünsternsten
Kapitel unserer Geschichte. Heute gilt es den Mut zu fassen, die richtigen Lehren
aus der Vergangenheit zu ziehen, aber auch nicht in Lethargie oder Erstarrung in
Anbetracht der entsetzlichen Geschichte zu verfallen. Mahnung und Verpflichtung
sind die scheinbar ,,simplen" Schlagworte. Hierbei ist nicht nur das deutsche
Volk, sondern die gesamte Menschheit gefordert denn es handelt sich auch um ein
Stück epochaler Weltgeschichte.
Abschnittswechsel (NÄchste Seite)
88 89
berechnet aus Gesamthäftlingszahl (26095) und Opferzahl (16000) Vgl. KOGON, E.:
1947, S. 311 90 Vgl. NEANDER, J.: 2000, S. 173
26
Das Ende vom Geheimprojekt S III
5 Das Ende vom Geheimprojekt S III
Zu Beginn der zweiten Märzhälfte des Jahres 1945 standen die alliierten
Streitkräfte am Rhein und an der Oder bereits auf deutschem Vorkriegsterritorium.
Die deutschen Kampfverbände sahen sich kaum noch in der Lage, den Streitkräften
der Anti-HitlerKoalition wirksam entgegenzutreten. Vielmehr verwickelten sie sich
in einen aussichtslosen Endkampf. Das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft
und damit zwangsläufig auch für ihre Geheimprojekte rückte unaufhaltsam näher. Im
nachfolgenden Kapitel soll resultierend beleuchtet werden, was mit dem
Geheimprojekt S III in jenen letzten Kriegstagen geschah und wie sich die
amerikanischen, später auch sowjetischen Besatzer angesichts der brisanten
Hinterlassenschaften in jenem Gebiet verhielten.
5.1 Einmarsch amerikanischer Truppen und Kriegsende
5.1.1 Schneller Vorstoß der 3. (US) Armee nach Thüringen
Noch am Abend des 22. März 1945 hatten erste Teile der 3. (US) Armee den Rhein bei
Oppenheim überquert und knapp neun Tage später in Windeseile am 31. März 1945 die
Westgrenzen des ,,Schutz- und Trutzgaus" Thüringen erreicht. Als Anlass für
die Vorstoßrichtung der 3. (US) Armee unter General George S. Patton, die in
übereilter Weise direkt auf den Thüringer Wald, vielmehr noch auf den Raum Gotha-
Ohrdruf- Arnstadt, ausgerichtet war und damit weit der eigentlichen Frontlinie der
Westalliierten voraus verlief, können sicherlich die Aussagen des
Ordonnanzoffizier beim Chef der WehrmachtNachrichtenverbindungen (namentlich nicht
bekannt) gelten gemacht werden. Schon am 19.3. 1945, zu einem Zeitpunkt als die
Frontlinie noch großteilig jenseits des Rheins verlief, berichtet der
festgenommene deutsche Oberleutnant aus seinem Kenntnisstand heraus über ein
Geheimprojekt im Raum Arnstadt.91 Wie aus dem Reports- und
MilitärgeheimdienstAufklärungsprotokoll (After Action Report) des Hauptquartiers
der 4. (US) PzDiv hervorgeht, ist den amerikanischen Truppen damit erstmals
bekannt geworden, dass im Raum Gotha Ohrdruf - Erfurt Arnstadt hohe Dienststellen
des 3. Reichs untergebracht werden sollten. Es ist auch die Rede von einem für
diesen Raum arbeitendes Kommunikationszentrum bei Ohrdruf (siehe Abb. 29).92 In
dem ergänzenden Bericht (G2 Periodic Report 221) der Aufklärung wurden dann jene
Orte aufgeführt, welche die zu verlagernden Reichseinrichtungen aufnehmen sollten
(siehe Abb. 30). In diesem Bericht wird auch zum ersten mal benannt, dass Hitler
plante, mit seinen unmittelbaren Umgebung (wahrscheinlich Goebbels, Göring,
Keitel, Jodl und Dönitz) ein noch nicht fertig gestelltes etwa 3 Kilometer
westlich von Arnstadt gelegenes Hauptquartier mit dem Decknamen S III zu beziehen.
Es wird erwartet, dass Himmler in S III zu Hitler stoßen soll.93 Folglich kann
angenommen werden, dass das oberste Hauptquartier der alliierten Streitkräfte
(SHAEF) und die 12. Heeresgruppe, der Pattons 3. (US) Armee angehörte, durchaus im
Bilde waren, welch große Bedeutung dem Raum um Arnstadt und Ohrdruf für die
nationalsozialistischen Machthaber beigemessen wurde. Dies war der entscheidende
Auslöser für Patton zur Modifizierung seines Operationsplanes. Im Rahmen der ihm
erteilten Vorgaben, befahl er den Angriff auf das abseits der ursprünglichen
Hauptstoßrichtung gelegene Ziel Ohrdruf mit der Intention, ,,die Eroberung
Ohrdrufs sei die größte Chance der Weltgeschichte, sich mit Lorbeeren zu
bedecken".94 Welche handfeste Hoffnung Pattons sich hinter dieser Äußerung
versteckte, bleibt uns verborgen. Es kann davon Ausgegangen werden, dass Patton
die benannten
91 92
Vgl. ZEIGERT, D.: 2003, S. 115 ff. Vgl. NA, RG 407, 604-CC A-0.3, After Action
Report der Kampfgruppe `A' der 4. (US)PzDiv vom 30.5.1945 93 Vgl. NA, RG 407,
Kriegstagebuch der 80. (US)InfDiv, Anhang 2 zum G-2 Periodic Report Nr. 211, 3.4.
1945 94 PATTON, G.: 1950, S.202
27
Das Ende vom Geheimprojekt S III Führungseinrichtungen sowie Hitler auf der
Wachsenburg bei Arnstadt oder andere NSGrößen im Raum Arnstadt-Ohrdruf-Gotha
vermutete. Eines bleibt gewiss. Durch die Aussagen des festgenommenen
Ordonnanzoffiziers beim Chef der WehrmachtNachrichtenverbindungen wurde der
Verstoß der Amerikanischen Truppen auf den ,,Schutz und Trutzgau" Thüringen,
insbesondere den Raum Arnstadt-Ohrdruf-Gotha erheblich beschleunigt, so dass das
Geheimprojekt S III früher als geplant mit der neuen Situation der schnell
vorrückenden, feindlichen Truppen konfrontiert wurde, was zwangläufig ein
schnelleres Ende zur Folge hatte (siehe Abb. 37).
5.1.2 Das Ende der geheimen Kommandosache S III
Seitdem die 3. (US) Armee unter General Patton unaufhaltsam in Richtung ,,Schutz
und Trutzgau" Thüringen vordrang, mussten der Grossteil der kaum aus Berlin
in Ohrdruf eingetroffenen Stäbe und Truppenteil des OKH nach dem
Auslagerungsbefehl Nr. 71/45 vom 12.2.1945 erneute ausweichen, um die verlegten
Teile des OKH nicht in die Hände der vorrückenden Westalliierten fallen zu lassen.
So fand auf Befehl des Chefs der Führungsgruppe im Generalstab des Heeres General
Hans Krebs vom 29. März 1945 buchstäblich in letzter Minute die erneute Verlegung
von Teile des OKH in den Raum Serial (Südostbayern als Alpenfestung) statt.95 Auch
der Lagerkommandant des Führerhauptquartiers Gustav Streve und sein Stab setzen
sich einen Tag später am 30. März 1945 mit der Kolonne F (Führer-Kolonne) nach
Berchtesgaden ab. Wo sich danach der noch zum SS-Obergruppenführer und General der
Waffen-SS beförderte Verantwortliche für das Bauvorhaben S III Hans Kammler als
einer der Hauptschuldigen für die Grausamkeiten im Häftlingslager befand, ist bis
heute ungeklärt. Die Vermutungen reichen von Mord in Prag über freiwilligen Suizid
bis hin zur Flucht nach Argentinien.96 Folglich ist damit festzustellen, dass die
für das Geheimprojekt S III zuständigen NS-Größen wie Streve oder Kammler sich
schon frühzeitig von ihre Zuständigkeit lossagten, um sich statt dessen in
Sicherheit zubringen oder nicht offensichtlich in direkter Verbindung mit den
schrecklichen Vorgängen im Außenkommando S III gebracht zu werden. Die
Wachmannschaften und untergeordneten Kräfte vor Ort blieben sich hingegen selbst
überlassen. Nachdem Gotha schon am Vormittag des 4. April 1945 kampflos an die
schnell vorrückende 4. (US) Panzerdivision der 3. (US) Armee übergeben worden war,
stießen erste Streitkräfte noch am Nachmittag auf Ohrdruf vor. Nach Brechen des
deutschen Widerstandes wurde die Stadt am Abend durch die US-Truppen größtenteils
eingenommen. Am darauf folgenden Tag, den 5. April, besetzen erste Teile des 355.
(US) Infanterieregiment den Truppenübungsplatz bei Ohrdruf. Sie waren die Ersten,
die das verlassene Nordlager des Außenkommando S III betraten.97 Schon am 5. April
berichtete ein deutscher Zivilist von unterirdischen Munitionslagern und
Abschussplätzen für V-Waffen im Raum Crawinkel.98 Am gleichen Tag spricht ein
aufgegriffener Pole von einem KZ bei Crawinkel, dessen Häftlinge in einer gut
getarnten Fabrik gearbeitet hätten. Dort sollen V1-Fluggeräte hergestellt und mit
V3 Waffen experimentiert worden sein.99 Ein gefangen genommener deutscher Soldat
wollte gehört haben, dass aus dem Raum Crawinkel eine neuartige Waffe zum Einsatz
käme und sich in dieser Region bei der Munitionsanstalt geheim unterirdische
Flugzeughallen befänden.100 Demnach dürfte sich bei den US-Truppen der Eindruck
gefestigt haben, dass sich im Raum Crawinkel ein wichtiger deutscher
Rüstungsstandort befinden könnte. Zugleich bestand weiterhin die Vermutung, dass
sich 3 km von Arnstadt das Führerhauptquartier Hitlers
95 96
Vgl. BA-MA, RH 2/306, Bl. 107 f. Vgl. REMDT, G. / WERMUSCH, G.: 2003, S. 66 97
Vgl. ZEIGERT, D.: 2003, S. 165 ff 98 Vgl. G-2 Journal 4. (US) PzDiv, 5.4.1945,
Eintrag 19.00 Uhr B-Zeit 99 Vgl. Ebenda, Eintrag 65 100 Vgl. G-2 Periodic Report
4. (US) PzDiv, Nr. 177
28
Das Ende vom Geheimprojekt S III befinden könnte, was sich nach dem Bericht des in
Innsbruck tätigen Spion Frederick Mayer noch einmal bestätigen sollte. ,,Er
schickte am 3. April 1945 eine Nachricht an seine gesetzliche Dienstelle, in der
er berichtete, er habe von einem österreichischen Stabsoffizier, welcher das
Führerhauptquartier am 21. März 1945 verlassen hatte, erfahren, dass das
,Ausweich-FHQu' nicht der Obersalzberg sei, sondern sich bei Ohrduf in Thüringen
befände."101 Auf ihrer Suche nach diesem deutschen Führungszentrum entdeckten
die US Truppen im Schloss des Staatsrates Mühlberg und auf dem Truppenübungsplatz
Ohrdruf ansehnliche Fernmeldeeinrichtungen (Amt 10), so dass umgehend
Spezialkräfte der Enemy Equipment Intelligence Service (EEIS) zur technischen
Untersuchung der Anlagen angefordert wurde.102 Das was sie eigentlich suchten,
blieb ihnen laut Archivaussagen verborgen. Warum musste dann aber die 3. (US)
Armee ab dem 5. April befehlsgemäß auf der Linie Meiningen - Ohrdruf - Gotha -
Mühlhausen über eine Woche lang in ihrer erreichten Position verharren, wenn es
doch angeblich keinen entscheidenden Widerstand deutscher Truppen oder andere
wichtigen Vorkommnisse in dieser Region gab?103 Vielmehr noch - die 3. (US) Armee
hätte nach General Pattons Intention noch viel weiter vordringen müssen. So geht
aus dem Aufklärungsbericht des XII. (US) Armeekorps vom 7. April hervor, das
Hitler vor ungefähr einer Woche in Oberhof gesehen worden sei. Der deutsche
Generalstab habe einschließlich der Quartiere für Göring und Goebbels in dem
Gebirgsschlupfwinkel ,,Die Schmücke" südlich von Oberhof eine Unterkunft
gefunden. Dort hätten sich zuletzt am 30. März hochrangige Parteigrößen
aufgehalten.104 Andere Berichte, die den US Streitkräften ebenfalls vorlagen,
sprechen davon, dass Hitler sich vor zwei Wochen in seinem Sonderzug im
Brandleitetunnel südlich Oberhof aufgehalten habe.105 Hinzu kommen
unterschiedliche Meldungen, dass das OKW bis zum 27.3. in Friedrichroda
untergebracht gewesen sei und dass später am 4.4. in einem Lazarett bei Bad Berka
eingerichtet wurde. Es ist auch die Rede von unverändert genutzten militärischen
Anlagen unmittelbar westlich von Arnstadts gelegenen Eulenberg.106 Warum packte
die 3. (US) Armee nicht die Gelegenheit beim Schopfe, in den etwa nur 15 km
entfernten Raum Oberhof vorzudringen, um verlegte Teile des OKW sowie führende
Parteigrößen zu stellen? Oder gab es nach obigen Zeugenaussagen doch im Jonastal
bei Arnstadt sowie bei Crawinkel Rätselhaftes, welches die US Streitkräfte in der
Region festhielt? Zahllose Ungereimtheiten treten in den letzten Tagen vor dem
Ende vom Geheimprojekt S III auf, die ungelöst scheinen. Die nachfolgende
Darstellung soll aus deutscher und amerikanischer Sichtweise den Versuch erbringen
zu beleuchten, was sich in den letzten Kriegstagen wirklich im Raum Arnstadt
Ohrdruf - Gotha abgespielt haben mag. Aus deutscher Sichtweise: ,,Am fünften April
hatte die 4. Panzerdivision die Städte Gotha, Ohrdruf und Mühlberg endgültig unter
ihre Kontrolle gebracht. (...). Ich nahm an, mit den Korpskommandeuren einer
Meinung zu sein, dass der Dritten Armee nichts mehr im Weg" stände, meint
Patton im Hinblick auf die Eroberung des Raumes um Arnstadt.107 Dies sollte sich
jedoch als entscheidender Trugschluss erweisen, denn als Pattons Truppen nach
schon erheblich härterem deutschen Widerstand bei Holzhausen am 5. April in die
Wachsenburg Einzug halten, sollte über das Schicksal von Arnstadt noch nicht
entschieden sein. Thüringens Gauleiter Fritz Sauckel veranlasste schon am 3. April
die Veröffentlichung eines
101 102
PERSIER, J.: 1979, S. 218 Vgl. KTB 4. (US) PzDiv, G-2 Journal 4.4.1945, 23.30,
Eintrag Nr. 37 103 Vgl. PATTON, G.: 1950, S. 205 104 Vgl. G-2 Periodic Report XII-
(US) Corps, Nr. 236 vom 7.4.1945 105 Vgl. NA, RG 165, CSDIC(UK), SIR 1583 vom
29.3.1945 106 Vgl. G-2 Journal 87. (US) InfDiv, vom9.4. 1945, Eintrag 45,57,
jeweils mit Anlage 107 PATTON, G.: 1950, S. 279 ff.
29
Das Ende vom Geheimprojekt S III ,,Kampfappells" mit der Überschrift ,,Durch
Nacht zum Licht, durch Kampf zum Sieg" im Arnstädter Anzeiger ,,Die
Henne".108 Dieser Aufruf sollte augenscheinlich durch ein letztes Aufgebot
aus Hitlerjugend, Volkssturm und gar Kriegsinvaliden sowie dem gleichzeitigen
Befehl der militärischen Führung an die dortigen deutschen Truppenteile, unter
allen Umständen den nördlichen Zugang zum Jonastal über Arnstadt zu halten, um der
noch anwesenden nationalsozialistischen Führungsriege des Geheimprojektes S III
nötige Zeit zu verschaffen. So fiel letztendlich Arnstadt erst gegen Mittag des
10. Aprils fast kampflos nach Verhandlungen von Frau Cläre Werner von der
besetzten Wachsenburg aus in die Hände der 3. (US) Armee.109 Probleme bereitete
trotz Einnahme von Ohrdruf entgegen den bisherigen Darstellungen und Meinungen
auch der Raum Crawinkel, womit der zweite Zugang zum Jonastal versperrt blieb. So
geht aus den Aufzeichnungen von Percy S. Schramm im Kriegstagebuch des
Oberkommandos der Wehrmacht hervor, dass von der 6. SS-Gebirgsjägerdivision die
südlichen Zugänge ins Jonastal über Crawinkel bis zum letzten verteidigt wurden
und damit wiederum der noch anwesenden nationalsozialistischen Führungsriege des
Geheimprojektes S III Zeit verschafft.110 Auch aus dem Tagebuch des US-Soldaten Al
Maranda geht hervor, dass es bereits am 2. April ,,Probleme mit der SS" gab
und ,,eine Menge" amerikanischer Panzer vernichtete wurden.111 Selbst trotz
Abwurf von 500-Pfund-Bomben auf den Ort Crawinkel am 9. April schienen sich dort
weiterhin deutsche Kräfte zu halten. Erst am 11. April konnte das 345. (US)
Infanterieregiment den Ort Crawinkel besetzten.112 Damit waren die Kämpfe im Raum
Arnstadt - Ohrdruf Crawinkel beendet. Neuste Untersuchungen sprechen davon, dass
sich Reste der 11. Panzerdivision in Crawinkel zur Verteidigung festgesetzt
hatten.113 Fassen wir beide Betrachtungen zusammen, ergibt sich, dass der Vorstoß
der 3. (US) Armee in den Raum Jonastal vermutlich circa eine Woche lang durch
erbitterte Kämpf deutscher Truppen verhindert wurde. Damit wurde den noch vor Ort
für das Bauvorhaben S III verantwortlichen Führungspersonen Zeit verschafft,
Spuren des Geheimprojektes zu verwischen. Leider lässt sich nur erahnen, was zu
dieser Zeit wirklich geschah, da nur wenige Zeugenaussagen vorliegen. So berichtet
der Elektromonteur Edmund Möller: ,,Außerdem befahl er uns [gemeint ist ein SS-
Offizier Anm. d. V.], sechshundert Meter Kabel zu empfangen und die Stollen zu
sprengen. Wir lehnten das ab, obwohl wir wussten, dass etwa fünfzehn Meter hinter
jedem Stolleneingang jeweils eine Sprengladung angebracht war. Für den Fall eines
Falles wie man sich ausdrückte." 114 Weiterhin berichtet der Häftling Georg
Link: ,,Eines weiß ich genau: In den Stollen wurde von der SS gesprengt, bevor der
Amerikaner kam."115 Folglich ist festzustellen, dass eventuell die SS kurz
vor Einrücken der US Streitkräfte redlich damit beschäftigt war, die Stollen und
vermutlich auch andere errichtete Anlagen zu sprengen. Aus diesem Ansatzpunkt
heraus, könnte die unter Punkt 4.2.1 Arbeitslager (S. 17) aufgestellte These, dass
mehr als die 2-3 km langen Stollen aufgrund der hohen Häftlingszahl vorhanden sein
müssen, belegt werden. Die Stollen wurden von der SS im Inneren gesprengt. Dadurch
sind von außen betrachtet keine weiteren Stollen sichtbar. Im Inneren jedoch kann
daher ein weit verzweigtes Stollensystem mit eventuellen Höhlräumen vermutet
werden, zumal die SS in einer Woche, in welcher die 3. (US) Armee aufgehalten
wurde, genügend Zeit hatte ausreichende Sprengungen vorzunehmen. Es ist auch
durchaus möglich, dass unterirdisch errichtete Anlagen nicht direkt am Steilhang
im Jonastal, sondern
108 109
Vgl. REMDT, G. / WERMUSCH, G.: 2003, S. 70 Vgl. Ebenda, S. 73 f. 110 Vgl. SCHRAMM,
P.:. In: Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Band VI, 1961, S. 1221
ff. 111 FÄTH, H.: 1999, S. 182 f 112 Vgl. S-2 Journal 345. (US) InfRgt,
10.4./11.4. 1945, Eintrag 21 113 Vgl. ZEIGERT, D.: 2003, S. 172 114 Archiv
Buchenwald, 62-79-1/2, Aussage Edmund Möller 115 Archiv Buchenwald, 62-79-1/2,
Aussage Georg Link
30
Das Ende vom Geheimprojekt S III im Raum Arnstadt - Crawinkel gesprengt wurden.
Was die SS kurz vor Ende des Geheimprojekt S III mit diesen Sprengungen vertuschen
wollte, bleibt hier im Dunklen. Gab es eventuell ein fertig gestelltes
Führerhauptquartier oder gar eine Geheimwaffenfabrik bzw. Forschung? Das ist reine
Spekulation. Aus amerikanischer Sichtweise: Als die US Streitkräfte am 4. April
1945 Ohrdruf erreicht hatten, schien sie das Jonastal sechs Tage lang nicht zu
interessiere, obwohl am südlichen Taleingang bei Crawinkel Gefechte stattgefunden
hatten. Erst am 10.4. marschierten die Streitkräfte in einer Zangenbewegung um das
Tal herum und trafen sich wieder in Arnstadt auf jener Straße, die an der
unterirdischen Stollenanlage vorbeiführt. Die US-Soldaten, die hier vorbeigekommen
sein dürften, schienen nach Truppenberichtsaussagen von den Stollenanlagen keine
Kenntnis genommen zu haben..116 Durch diese Zangenbewegung hatte das 354. (US)
Infanterieregiment der 89. Infanteriedivision schon am 10.4. 1945 Gossel und
Espenfeld fast kampflos besetzt und der unmittelbar westliche Eingang in das
Jonastal war folglich schon lange frei. Von Verteidigung des Tals auf dieser Seite
fehlte jede Spur. Warum dann nicht schon viel früher diese Zangenbewegung
angeordnet wurde, bleibt offen. Warum nicht viel früher in das Tal hineingestoßen
wurde, bleibt genauso offen. Erst am Vormittag des 12.4. 1945 stieß das 345. (US)
Infanterieregiment der 89. Infanteriedivision merkwürdiger weise aus entgegen
liegender südlicher Richtung von Crawinkel nach Überwindung des deutschen
Widerstandes in das Jonastal vor. Meldungen über die Existenz einer Stollenanlage
im Jonastal gingen demnach erst am 12.4. bei den Kommandostäben ein, wobei schon
längst ein Geheimobjekt mit dem Decknamen S III bekannt war. Dieses Regiment hatte
einen SS- Mann aufgegriffen, welcher angab, zur Bewachungsmannschaft derjenigen
Zwangsarbeiter gehört zu haben, die dort zum Bau eines Führerhauptquartiers
Hitlers eingesetzt wurden.117 In dem in vermutlich für diesen Zeitraum einzigen
vom 12.4. 1945 vorliegenden Aufklärungsbericht wird durch die 345. (US)
Infanterieregiment vermeldet, dass es sich hierbei um eine ausgedehnte
unterirdische Anlage in den Berghängen nördlich der Straße Crawinkel Arnstadt
handelt. Die knappe Meldung endet mit der Bemerkung, die Anlage ist nicht
vollendet.118 Wird bedacht, dass S III das erste Konzentrationslager war, welches
von US-Truppen befreit und von hochrangigen Militärs wie den späteren US-
Präsidenten und Oberbefehlshaber des westlichen Expeditionskrops Eisenhower,
Oberbefehlshaber der 12. Heeresgruppe Bradley und Patton am 12.4. besichtigt
wurde, so müsste eine ganze Reihe von Aufklärungsberichten der US-Streitkräfte
vorliegen. Fehlanzeige. Einwandfrei ist in den amerikanischen Akten das Zeltlager
bei Espenfeld dokumentiert. Hierüber existieren Filmaufnahmen und detaillierte
Untersuchungsberichte. Jedoch wird darin, wie ähnlich beim Nordlager, nicht
dokumentiert, dass die Häftlinge ihr Leben bei einem mörderischen Projekt im
Jonastal lassen mussten. Es wird auch nicht die Frage gestellt, wofür die Lager
überhaupt errichtet wurden. Dagegen war den US-Militär hinlänglich bekannt, dass
sich im Jonastal bei Arnstadt ein Geheimvorhaben mit dem Decknamen S III befand.
In den Dokumenten findet sich auch keinerlei Aussagen über den Nachmittag des 12.
April 1945, an dem General Eisenhower und seine Stab beabsichtigten, die
Stollenanlage aufzusuchen. So existiert beispielsweise auch ein
Bestandsverzeichnis der Luftbilder vom 9. Januar. Es gibt eindeutige Hinweise
dafür, dass auch das Jonastal und seine Umgebung fotografiert wurden. Doch gerade
diese Luftbildaufnahmen sind aus dem Archiv entfernt worden. Ähnliches geschah mit
Luftbildern,
116 117
Vgl. MEHNER, T.: 2002, S. 36 Vgl. ZEIGERT, D.: 2003, S. 172 f 118 Vgl. G-2 Journal
87. (US) InfDiv, 12.4.1945, Eintrag 55, 16.40 Uhr
31
Das Ende vom Geheimprojekt S III die nach der Eroberung des Jonastals angefertigt
wurden.119 Besonders interessant ist der Aspekt nach Recherche von Herrn Mehner,
dass in den Akten der Aufklärungstruppe der 89. Infanteriedivision ausgerechnet
die Eintragungen zwischen dem 8. April, 13.35 Uhr und dem 11. April, 19.35 Uhr
fehlen. Es handelt sich dabei um jenen Zeitabschnitt, in dem sie das Tal erkundet
haben müssten.120 Es ist davon auszugehen, dass die US Streitkräfte ein massives
Interesse hatten, gewisse brisante Informationen nicht ans Tageslicht kommen zu
lassen, so dass vermutlich gar Dokumente und Aktenbestände auf verräterische
Informationen gefiltert wurden. Noch heute scheinen diese Informationen jeglicher
Geheimhaltung durch die USBehörden zu unterliegen. Wie sonst ist nach der 50
jährigen Sperrfrist über die Einsicht in die brisanten Dokumenten, nochmals ein 30
jähriger ,,Fluch des Schweigens" über die Dokumente verhängt worden.
Spekulationen über diesen Grund gibt es viel. Resultierend kann jedoch aufgrund
des enormen Interesses und Aufwandes, der dieser Geheimhaltung bis zum heutigen
Tag unterliegt, davon ausgegangen werden, dass es sich um höchstbrisante
Ereignisse in den letzen Tagen des Geheimprojektes S III sowie der Eroberung des
Raumes Arnstadt - Ohrdruf - Gotha gehandelt haben muss, die uns noch heute
berühren. Was sich wirklich in den letzten Tagen des Geheimprojektes S III auf
deutscher wie auch auf amerikanischer Seite abspielte, bleibt uns damit bis heute
verborgen. Hierüber lässt sich nur spekulieren. Einigen dieser Spekulationen soll
im nachfolgenden Kapitel Rätsel auf den Grund gegangen werden.
5.1.3 Befreiung des Häftlingslager S III durch die 3. (US) Armee
Auch für das Häftlingslager S III hatten die unter General Patton in wenigen Tagen
eilig vom Rhein nach Thüringen vorstoßende 3. (US) Armee erhebliche Konsequenzen.
Am 1. April begann damit die Evakuierung des Lagers nach Buchenwald. Nach letzter
Zählung vom 26. März sollen sich zu diesem Zeitpunkt 13.726 Häftlinge im gesamten
Lager befunden haben.121 Resultierend wurden mit diesem Datum die Arbeiten im
Jonastal beendet. Das Ende des Bauvorhaben S III war gekommen. Auch das zugehörige
errichtete Außenlager S III sollte sich nur einige Tage länger halten, bis es zur
Befreiung durch die 3. (US) Armee kam. Bereits im Februar 1945 gab Hitler in einem
Geheimbefehl die Anweisung, dass kein Häftling den alliierten Streitkräften lebend
in die Hände fallen sollte. Den Befehlen folgend sollten die Häftlinge der
Außenlager in die Stammlager überführt werden. Auch sollten so gut wie keine Toten
zurückgelassen werden. Folglich wurden die im Häftlingslager S III, die in den
Tagen zuvor vergrabenen Leichen, die nicht mehr nach Buchenwald transportiert
werden konnten, ausgegraben und verbrannt.122 Weniger der noch Lebenden hatten das
Glück, auf Fahrzeugen nach Buchenwald gebracht zu werden. Die Meisten wurden zu
Fuß auf kilometerlangen Umwegen nach Buchenwald getrieben, da die Frontlinie aus
Richtung Westen über Gotha, Erfurt und Weimar immer näher kam. Besonders grausam
verfuhr die SS mit den Häftlingen aus dem Nordlager (Krankenlager). Hier wurden
die marschunfähigen Kranken auf den Appellplatz getrieben und mit MGs
niedergeschossen.123 Es ist davon auszugehen, dass ein Grossteil der rund 1500
Häftlinge, die sich nach der Darstellung im Kapitel Häftlingslager am 31. März
1945 im Krankenlager befanden, ermordet wurde (siehe Abb. 10 & Abb. 13). So
berichtet etwa Rolf Baumann von den letzten Tagen im Außenkommando S III und dem
nachfolgenden Todesmarsch nach Buchenwald: ,,Am 4. April kam der
Evakuierungsbefehl und wir traten einen Marsch mit unbekanntem Ziel an. Wir gingen
70 km auf Umwegen nach Buchenwald. Die letzten Häftlinge bekamen keine Verpflegung
mehr. Wir waren drei volle
119 120
Vgl. FÄTH, H.: 1998, S. 96 f. Vgl. MEHNER, T.: 2002, S. 36 121 Vgl. o. A.:
Konzentrationslager Buchenwald, Bd. 1,1949 , S. 65 122 Vgl. Amerikanische Armee
(Hrsg): In: Hessische Post:, Nr. 1 vom 28.4.1945 123 RASCHKE, H.: 1968, S. 47
32
Das Ende vom Geheimprojekt S III Tage unterwegs und kamen kaputt und zermürbt an.
Kranke und Schwache, die unterwegs nicht mehr so mit konnten, wurden durch
Genickschuss liquidiert. Erwähnenswert ist noch, dass bereits unterwegs einige
Angehörige der SS diese Abzeichen abnahmen, um gegebenenfalls nur als
Wehrmachtsangehörige zu gelten."124 Weiterhin wird von dem Buchenwaldhäftling
Eugen Kogon ergänzt: ,,Auf der Straße von Weimar nach Buchenwald allein, der
letzten kurzen Wegstrecke, lagen am 5. April 74 Häftlinge in ihrem Blut, während
vorher Hunderte durch aufgehetzte HJ, ja sogar durch Frauen niedergeknallt worden
waren."125 (siehe Abb. 15) Die Zahlenangaben über die bei den Todesmärschen
vom Außenlager S III nach Buchenwald aufs grausamste Weise ermordeten Häftlinge
unterliegen sehr starker Schwankungen in den Aussagen. Dies ist darauf
zurückzuführen, dass es von den Häftlingen, die jeweils in zweihundert Mann
Kolonne vom Außenkommando S III weggetrieben wurden, schwer zu überblicken war,
wie viele der Häftlinge den Liquidierungen zum Opfer fielen. Auch nachfahrende
LKWs luden die toten Häftlinge auf oder verscharrten diese notdürftige am
Straßenrand. Fest steht jedoch, dass zwischen dem 4. -7. April 9900 Häftlinge aus
dem Außenkommando S III in Buchenwald eintrafen und nach jenen Angaben 2700
Häftlinge unterwegs erschossen und erschlagen wurden.126 Von denen, die nach
Buchenwald kamen, setzte die SS mit der Begründung, die Häftlinge seien nur
vorübergehend im KZ Buchenwald untergebracht worden, erneut 1500 Häftlinge in
Richtung KZ Flossenbürg und 4000 Häftlinge in Richtung KZ Dachau in Marsch.127 Das
Schicksal dieser 5500 Häftlinge ist bisher ungeklärt. Viele sollen unter
furchtbarsten Umständen bei diesen Todesmärschen ihr Leben gelassen haben. Die
anderen 4400 im KZ Buchenwald angekommen Häftlinge, konnten sich mit den anderen
21.000 Buchenwaldhäftlingen am 11. April 1945 noch vor Ankunft der alliierten
Streitkräfte selbst befreien. Damit war der barbarisch grausame Spuck der
faschistischen Machthaber für die ehemaligen KZ-Häftlinge beendet. Der 5. April
1945 gilt mit dem Einmarsch des 355. (US) Infanterieregiments der 89. (US)
Infanteriedivision auf dem verlassenen Nordlager als Tag der Befreiung für das
Außenkommando S III.128 Es war das erste Konzentrationslager, welches die US
Streitkräfte auf deutschem Boden vorfanden. Jedoch besichtigte der späteren US-
Präsidenten und Oberbefehlshaber des westlichen Expeditionskrops Eisenhower,
Oberbefehlshaber der 12. Heeresgruppe Bradley und Patton erst am 12. April 1945
die grausigen Hinterlassenschaften des Außenkommando S III im dortigen Nordlager
(siehe Abb. 7). Was sie dort vorfanden übertraf bei weitem ihre fürchterlichsten
und bestialischsten Erwartungen. Auspeitschungstische, Foltergeräte,
Leichenbaracken Krematorium, alles barbarische Hinterlassenschaften der SS (siehe
Abb. 8). So berichtet Patton später: ,,In einem Schuppen fanden wir weiter vierzig
völlig nackte Leichen, die die letzten Stadien der Auszehrung aufwiesen. Diese
Leichname waren mit Kalk bespritzt aber offenbar nicht, um sie zu vernichten
sondern um den Gestank zu vermindern, (...). Als sich unsere Truppen näherten,
hielten es die Deutschen für angezeigt, die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen.
Sie zwangen daher die Insassen, die kürzlich beerdigten Leichname auszugraben und
eine Art Riesenrost aus Eisenbahnschiene auf einem Ziegelfundament zu bauen. Die
Leichen wurden darauf gelegt und der Versuch gemacht, sie zu verbrennen. Es
misslang jedoch. Ganz unwillkürlich dachte man an ungeheuerliche kannibalische
Orgien. Die Grube unter dem Rost war mit einer grünlichen Flüssigkeit, aus der
Arme, Beine und ganze Körperteile
124 125
BUECK, B.: 1960, S. 282 KOGON, E.: 1947, S. 306 126 Vgl. BUECK, B.: 1960, S. 80
127 Vgl. RASCHKE, H.: 1968, S. 48 128 SOHN, C.:
http//:www.89infdivww2.org/ohrdruf2/html (4.10.03)
33
Das Ende vom Geheimprojekt S III ragten."129 Über ähnliche bestialische
Anblicke berichtet auch Bradley: ,,Der Geruch von Tod überwältigte uns. (...).
Mehr als 3.200 nackte Körper waren in seichte Gräben geworfen worden. (...). Läuse
krochen über die gelbe Haut ihrer scharfen Knochenrahmen. Auch hatten Häftling die
Eingeweide der Toten für Nahrung herausgerissen."130 (siehe Abb. 11, &
Abb. 12) Von ähnlichen abscheulichen Anblicken berichteten auch eine Vielzahl der
Angehörigen der 89. (US) Infanteriedivision auf ihrer Webseite als auch in
verschiedener Literatur. Eisenhower soll angesichts der barbarischen Eindrücke
geäußert haben, das wer vor dem Krieg nicht wusste, für was er kämpft, es jetzt
mit Sicherheit weiß (siehe Abb. 9).131 Angesichts des schnellen Vorrückens der US-
Streitkräfte musste die SS auch das Außenkommando S III sehr zügig räumen, wodurch
eine Vielzahl von Spuren des brutalen Schreckens auf diesem Gelände nicht
beseitigt werden konnten. So ist zu erklären, dass die US Truppen bei ihrem
Einmarsch das ganze Ausmaß des barbarischen SS-Staats aufgezeigt bekamen, welches
für sie wie ein Schock gewesen sein muss. Dank dieser Tatsache, konnten jedoch das
dort vorgefundene Schrecken und Leiden aufgedeckt und als Mahnung an die
Weltgemeinschaft weitergeleitet werden. Andererseits betrieben die US-Streitkräfte
natürlich auch ein Stück Propaganda mit den vorgefundenen Außenkommando S III, was
durch die Vielzahl extra eingeflogener Journalisten eindeutig belegt wird. Als
Besatzungstruppen folgten ab Mitte April 1945 das VIII. Armeekrops mit
Kommandostab in Weimar. Die Hauptaufgabe dieser Truppe bestand darin, die
provisorische Militärregierung beim Herstellen und Erhalten der Öffentlichen
Ordnung zu unterstützen. Außerdem waren zehntausende von Zwangsarbeitern zu
erfassen zu sammeln und auch zurückzuführen. Dazu wurde im Truppenlager Ohrdruf
ein Sammellager eingerichtet, die festgesetzten Deutschen in dem als ,,Camp Nr.
94" bezeichneten Nordlager interniert.132 Da die Stollen offen zugänglich und
insbesondere Baugeräte und Baumaterial zurückgelassen worden waren, wurde das
Landratsamt Arnstadt angewiesen, einen Einwohner der nahe gelegenen Ortschaft
Gossel als ,,Betreuer" einzusetzen. In Crawinkel fungierte außerdem ein
ehemaliger Bauleiter als, Untertreuhänder für beschlagnahmtes Vermögen in
Thüringen.133
5.2 Stollenkomplex im Jonastal zur sowjetischen Besatzungszeit
5.2.1 Besetzung durch die Rote Armee
Mit dem 2. Juli 1945, dem Tag der Besetzung des nach der Potsdamer Konferenz
zugesprochenen Besatzungsgebietes durch die sowjetischen Streitkräfte, änderte
sich für das Jonastal alles schlagartig. Bereits am 7. Juli forderte der
kommissarisch eingesetzte Bürgermeister des Ortes Gossel vom Landratsamt, umgehend
den als ,,Betreuer der früheren Baustelle Jonastal" eingesetzten Einwohner
Arnold S. abzurufen, da er seit 1933 der NSDAP angehörte.134 Wenige Tage später
wurden die Bürger im Namen der neuen Besatzungsbehörde aufgefordert, mit Hacke und
Schaufel versehen, zwecks Erfüllung einer Pflichtarbeit im Gemeindebüro zu
erscheinen. Mit diesen Arbeitseinsätzen, die sich mit dem Abtransport von
Baumaterial der ehemaligen Baustelle Jonastal beschäftigten, begann eine sich bis
in das Jahr 1946 erstreckende Heranziehung von Ortsbewohnern zur Demontage der
Baustelleneinrichtung und allem den Sowjets nützlich Erscheinenden. Allein im
Januar 1946 leisteten 80 Gosseler und 16 Einwohner Espenfelds 4.088 Stunden
zwangsweise Arbeit für
129 130
PATTON, G.: 1950, S. 211 ff. BRADLEY,O.N.:
http//:www.89infdivww2.org/ohrdruf/gram6.htm (4.10.03) 131 Vgl. Ebenda 132 Vgl.
ZEIGERT, D.: 2003, S. 173 f. 133 Vgl. Thür. HStA Weimar, Bestand Strabag, Nr.
75/502, Schreiben der Strabag - Weimar vom 21.8.1945 134 Vgl. Kreisarchiv
Arnstadt, Bestand Gossel, Nr. 414
34
Das Ende vom Geheimprojekt S III die Sowjets, was 510 Arbeitstagen zu jeweils acht
Stunden entsprach. Die Arbeiten müssen so erschöpfend gewesen sein, dass beim
Landratsamt schließlich nochmals 30 ehemalige Mitglieder der NSDAP für
Unterstützungsarbeiten anfordert wurden (siehe Abb. 31).135 Im Spätsommer 1945
setzten außerdem die Abbauarbeiten der im Jonastal entstandenen Gleisanlagen der
Feldbahn- und Schmalspurbahn sowie auch von normalspurige Gleisen ein (vermutlich
bei Crawinkel Anmaßung Autoren).136 Nachdem der Arnstädter Architekt Ernst Kott
im Oktober und November 1945 umfangreiche Pläne und Erläuterungsberichte im
Auftrag der Sowjets über die Stollenanlage im Jonastal angefertigt hatte und die
Demontage abgeschlossen war, wurden die Eingänge in die Stollenanlage im Jonastal
im Winter 1946/ 47 gesprengt.137 Was sich im ehemaligen Häftlingslager um diese
Zeit abgespielt haben mag, ist wenig geklärt. Nur der Umstand, dass zwischen 1945
und 1953 außer Fundamentresten, Kanalisation und Feuerlöschteich fast alles völlig
abgerissen wurde, ist bekannt. Letzten Endes galten diese gesamten Maßnahmen den
aus dem Gebiet gezogenen Reparationsleistungen sowie der Vernichtung von
Hinterlassenschaften der Nationalsozialisten. Ob die sowjetische Militärführung
über die geheimnisvollen Vorgänge im Raum Arnstadt Ohrdruf Gotha Bescheid
wusste, lässt sich anhand der wenigen vorliegenden Dokumente nicht nachvollziehen,
zumal die russischen Archive noch nicht ausreichend zugänglich sind. Hinzu kommt
die Annahme, dass selbst die US-Truppen in ihrer 3 monatigen Besetzung alle
verräterischen Spuren hätten vernichten können, um den ,,Bolschewismus" keine
Geheiminformationen in die Hände fallen zu lassen. Wie der Abtransport der
Reichsbank- und Museumsschätze aus dem Kalischacht von Merkers wie auch anderer
Wert- und Produktionsgüter, die sich in der den Sowjets zugesprochenen Zone
befanden, zeugt auch die Demontage der wichtigsten Teile der Anlagen zur A4-
Fertigung in Norhausen vom Engagement der US-Spezialisten in diesem Gebiet.
Einziger Anhaltspunkt für den Kenntnisstand der Sowjets ist das Wissen um die
schrecklichen Leiden der Häftlinge, wovon das bereits am 7.9. 1958 unter
sowjetischer Beteiligung aufgestellte Mahnmal im Jonastal zeugt.138
5.2.2 Aufarbeitung der Geschichte durch die DDR-Behörden
Erst in einer ideologisch initiierten Kampagne wurde durch die DDR-Behörden Anfang
der 60er Jahre mit der Aufarbeitung der NS Geschichte des Jonastals scheinbar
begonnen. 1964 wurde die Jugendbrigade ,,IX Weltfestspiele" im RFT
Fernmeldewerk Arnstadt und einer Klasse in der I. Polytechnischen Oberschule in
Arnstadt ein Forschungsauftrag erteilt. Es handelte sich hierbei um die Geschichte
der regionalen Arbeiterbewegung, in der das Bauvorhaben S III eine herausragende
Rolle spielte.139 Parallel gingen 1965 an den Kulturbund des Bezirkes Suhl
(Höhlenforschung), der sich 1961 zur Bezirksfachgruppe Speläologie Südthüringen
zusammengeschlossen hatten, der Auftrag mit der Erforschung der unterirdischen
Objekte bei Arnstadt. Als Fachgruppenleiter wurde der spätere Buchautor Ullrich
Brunzel bestimmt. Hintergrund der plötzlichen vermeintlichen
,,Aufklärungsaktion" war, wie sich später herausstellte, eine gegen den
damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke (1959-69) eingeleitete
Verleumdungskampagne unter Leitung der Agitationskommission beim Zentralkomitee
der SED, Albert Norden.140 Dabei stützte sich Norden auf dubioses
Belastungsmaterial, das eigens gezielt beim Ministerium des Inneren in
Zusammenarbeit mit dem Politbüro des Zentralkomitees der SED und der Abteilung
Agitation beim Ministerium für Staatssicherheit angelegt wurde. Durch eine
geplante
135 136
Vgl. ZEIGERT, D: 2003, S. 183 Vgl. Thür. HStA Weimar, Bestand Strabag, Nr. 75/502,
Schreiben der Strabag Weimar vom 21.8.1945 137 Vgl. Buchenwaldarchiv 62-79-13,
Pläne und Erläuterungsberichte von Baumeister Ernst Kott, Arnstadt vom
Oktober/November 1945 138 Vgl. Kreisarchiv Arnstadt, Sammelakte Jonastal 139 Vgl.
MAYER E./MEHNER T.: 2001, S. 209 140 Vgl. BRUNZEL, U.: 1992, S. 5 ff.
35
Das Ende vom Geheimprojekt S III Verfälschung der Dokumente wurde eine ,,Lübke-
Affäre" inszeniert, die Lübke als ,,KZBaumeister" diffamierte und
letztendlich zum Ziel hatte, das imperialistische Ausland wie die BRD als
nationalsozialistisch in ihren Machtstrukturen zu bezeichnen.141 Diese durch die
SED-Führung eingeleitete Verleumdungskampagne sollte mittels eines riesigen
Presserummels glaubwürdig verkauft werden (siehe Abb. 32). So ist es nicht weiter
verwunderlich, dass zwischen dem Jahr 1965 bis 1967 eine Vielzahl von dubiosen
Berichten in der Regionalpresse (Arnstädter Echo) und der überregionalen Presse
(Freies Wort, Das Volk oder Leipziger Volksstimme) erschienen. Derartige
Mitteilungen fanden letztendlich sogar Verbreitung bis in die sowjetische Presse.
So berichtete etwa die Komosmolskaja Prawda 1967 über die Stollenanlagen im
Jonastal. Jedoch triefteten die Berichterstattung und die Forschung immer weiter
weg vom eigentlichen Ziel, der Verleumdung Lübkes. So kamen unglaublichen
Berichtsmeldungen zustande, wonach es ein vollkommen fertiges Führerhauptquartier
mit allem erdenklichen Luxus sowie Rüstungsbetriebe, Startplätze für VRaketen und
Großsender angelegt wurden. Eine regelrechte Schatzsuchereuphorie stand kurz vor
dem Ausbrechen. Nachdem schon diverse Recherchen stattgefunden hatten, wurde jener
Forschungsauftrag nochmals erneuert und durch die FDJ- sowie SED-Kreisleitung in
schriftlicher Form übergeben. Involviert waren auch Personen vom Rat des Kreises
sowie Mitarbeiter mehrerer Zeitungen. Wie unschwer erkennbar ist, hatte zu dieser
Zeit der Forschungsauftrag bereits eine größere Dimension angenommen. Dann geschah
etwas Seltsames! Schlagartig mussten dann jedoch 1967 die Erkundungs- und
Forschungsarbeiten durch die ,,Höhlenforscher" abgebrochen werden. Diese
Maßnahmen wurden unter anderem damit begründet, dass sowjetische Stellen einer
Weiterführung nicht zustimmen würden. Das von Ullrich Brunzel erstellte Thüringer
Höhlenkataster erklärten zentrale Stellen zur Verschlusssache. Erst nach
Streichung der Jonastalobjekte konnte Herr Brunzel mit den Katasterunterlagen
weiter arbeiten (siehe Interview 1 am 13. 10. 2003 mit Ullrich Brunzel,
Buchautor).142 Auf Anweisung der Geschichtskommission der SED-Kreisleitung
Arnstadt mussten in der Zeit vom 5. bis 12. Oktober 1968 alle Unterlagen zum
Jonastal eingesammelt und bei der SED-Kreisleitung abgegeben werden. Auch die in
ein Brigadetagebuch eingetragenen Gesprächesinformationen, die aus Befragungen mit
Häftlingen zusammengetragen wurden, waren darunter. Insgesamt soll es sich um 53
teils sehr wichtige Aussagen, aber auch um andere Materialien wie Berichte,
Bauaufzeichnungen etc gehandelt haben. Der nach dem plötzlichen
,,Aufarbeitungsende" abgegebene Bericht umfasste insgesamt 342 Seiten.
Abschließend war zu erfahren, dass die SED Kreisleitung Arnstadt auch nur eine
Vollstreckungsfunktion übernahm, denn die Jonastal-Unterlagen mussten an den
Oberst und Militärattache Fritz Schörnig weitergeleitet werden, der sie dann mit
nach Berlin nahm.143 Bis heute gilt der umfangreiche Abschlussbericht der SED-
Kreisleitung Arnstadt als verschollen, wie dies aus verschieden Archivaussagen
hervorgeht.144 Merkwürdig ist auch der Umstand, dass während der
Forschungsarbeiten zum Jonastal seitens der SED Kreisleitung untersagt wurde, mit
der Gedenkstätte KZ Buchenwald zusammenzuarbeiten. Es sollte dort sowieso keine
Unterlagen geben. Das eindeutige Gegenteil ist der Fall.
141 142
Vgl. MORSAY, R.: 1996, S. 505 ff. Vgl. BRUNZEL, U.: 1992, S. 7 143 Vgl. MAYER
E./MEHNER T.: 2001, S. 209 144 Vgl. Mitteilung Thür. HStA Weimar vom 7.9.2000;
Thür. StA Rudolstadt vom 19.4.2001, KrsA Arnstadt vom 31.7. 2001
36
Das Ende vom Geheimprojekt S III Erst 1988 schienen die Behörden wieder Interesse
an einer Erkundung der unterirdischen Anlagen zu zeigen. Hinter der Begründung,
geeignete Verwahrungsmaßnahmen zur Herstellung der öffentlichen Sicherheit an den
Objekten ergreifen zu wollen, verbarg sich jedoch die vom Rat des Bezirks Erfurt
gelenkte Recherche nach dem Verbleib des Bernsteinzimmers. Zuerst wurden die
Stollen 1-15 erkundet.145 Als die erwähnte Untersuchung der Bergsicherung Erfurt
im Dezember zu der Forderung führten, den Zugang zu den Stollen 21 bis 25
freizulegen und eine auf das Aufspüren von Bernstein ausgerichtete Hundestaffel
einzusetzen, wurde dies von dem damaligen 1. Sekretär der SED Bezirksleitung
Erfurt verhindert. Die Leiterin des Buchenwaldarchivs Frau Stein berichtete, das
die Bezirksstelle der Staatssicherheit in Erfurt damals nach den Zeichnungen von S
III verlangte. Danach war von der Aktion nichts mehr zu hören. Für sie ist es
genauso unerklärlich, das die grausamen Geschehnisse im größten Außenlager des KZ
Buchenwald nicht einmal ansatzweise aufgearbeitet wurden.146 Hingegen war es fast
eine Staatsdoktrin in der DDR, alle nationalsozialistischen und faschistischen
Untaten aufzuspüren und abzustrafen. Weshalb es in den vier Jahrzehnten DDR nie
eine Kooperation mit der Sowjetunion in diesen brisanten Fragen gab, bleibt
genauso ungeklärt. Gründe lassen sich nur ansatzweise deuten. Die bei der
ideologisch initiierten Aufklärungskampagne gegen den Bundespräsidenten Lübke zu
Tage tretenden Erkenntnisse über das Geheimprojekt S III, bargen eine zu große
Brisanz, als das sie an das Tageslicht der Öffentlichkeit treten durften. So ging
schon aus ersten ehemaligen Häftlingsbefragungen und Anwohnerbefragungen hervor,
dass im Raum Arnstadt Ohrdruf Gotha seltsame Aktivitäten und Gerüchte vom
bevorstehenden Einsatz von Wunderwaffen, welcher Art auch immer, die Runde
machten. Damit mussten den Verantwortlichen der DDR-Staatssicherheit sowie SED-
Parteiführung klar gewesen sein, dass sie ein heißes Eisen in den Händen hatten.
Dabei war es völlig egal, ob sich die Indizien für diese Wunderwaffen im Laufe der
Forschung erhärten sollten oder nicht. Ziel war es einzig und allein, erst gar
keine Diskussion über diese Eventualitäten unter der Bevölkerung aufkommen zu
lassen. Es wurde zu Recht befürchtet, dass eine Aufarbeitung zu erheblichen
unkalkulierbaren Problemen mit der Sowjetunion im Hinblick auf die letzten
Kriegstage sowie die ersten Jahre der sowjetischen Besatzungszeit geführt hätten.
Die heute geöffneten Staatsarchive der DDR sowie wieder auftauchende Protokolle
bieten zumindest einen weiteren Forschungsansatz, die Gründe des Handelns der SED-
Führungen zu untersuchen. Eins steht zumindest fest. Die Gründe stehen
unweigerlich in Zusammenhang mit den rätselhaften letzten Tagen des
Geheimprojektes S III und den Ungereimtheiten um den Einmarsch der US-Truppen und
dem Verbleib verschiedenster Kunst- und Archivgütern.
5.3 Stollenanlage in der Gegenwart
1991 fanden nochmals Hohlraumerkundungen der Stollen 16 bis 20 statt, die jedoch
zu ähnlichen Erkenntnissen führten, wie die Erkundungen vom Jahr 1988. Es ergaben
sich keine Hinweise auf verdeckte Hohlräume. Bereits Ende November 1991 ließ die
Bergsicherung dann das Gelände um den Trümmerhang weiträumig absperren und überall
Verbotschilder mit der Aufschrift ,,Militärisches Übungsgelände" aufstellen.
Die fünf bekannten Zugänge zu dem Stollensystem wurden mit Gittern verschlossen,
um die in den Hohlräumen beheimateten Fledermäuse in ihrer biologischen Entfaltung
nicht zu stören. In diesem Zusammenhang sei anzumerken, dass das Jonastal seit
1991 Umweltschutzgebiet und Trinkwasserschutzgebiet
145 146
Vgl. ZEIGERT, D.: 2003, S. 183 Vgl. REMDT, G. / WERMUSCH, G.: 2003, S. 115 ff.
37
Das Ende vom Geheimprojekt S III zugleich ist, wodurch Nachforschungen durch
Bohrungen erheblich erschwert wurden (siehe Abb. 18).147 Drei Tage nach den
dubiosen Äußerungen vom ehemaligen russischen Präsidenten, dass sich das
Bernsteinzimmer im Jonastalstollen befindet, wurde der verantwortliche Offizier
auf dem Truppenübungsplatz Hauptmann Alexej Jegorow von der Berliner Zeitung am
25. November 1991 interviewt. Auf die Frage ob sich irgendetwas in den Stollen
oder auf dem Truppenübungsplatz befindet, entgegnet er: ,,Mystika, alles Mystik;
ein paar Tage und alles hier ist Deutschland. Sucht nur, sucht und schickt's uns
hinterher"148. Tatsächlich sollte die Aussage von Boris Jelzin eine wahre
Goldgräberstimmung im Jonastal auslösen, die bis heute abgeflacht anhält. So war
insbesondere die erste Hälfte der 90iger Jahre von Schatzsuchern im Jonastal
gekennzeichnet, die nur wenig zur eigentlichen Aufarbeitung der Geschichte
beitrugen. Am 3. Dezember 1991 gab der Vizechef der für die Räumungsarbeiten im
Jonastal zuständige Lothar Dörnbrack zu verstehen: ,,Da unten ist nichts. Ich war
in allen zugänglichen Hohlräumen. Sie sind leer."149 Tage später sollte dann
doch eine Inspektion der noch nicht geöffneten Stollengruppe 21-25 stattfinden.
Stolze 23000 DM hatte das Land Thüringen für schwere Räumgeräte bereitgestellt.
Gefunden wurde jedoch nichts. Im Sog der allgemeinen Schatzsuche-Begeisterung nach
dem Bernsteinzimmer, hatte die Landesregierung für 1992 70000 DM bereitgestellt.
Letztendlich war dies alles raus geworfenes Geld, denn gefunden wurde wiederum
nichts. Nur der Mythos vom Bernsteinzimmer sollte sich weiter ungebrochen halten.
Die Schatzsucher ließen sich dadurch jedoch nicht beirren und warteten sehnsüchtig
auf den Abzug der russischen Truppen. 1991 wurde der Übungsplatzplatz von Russland
an das Bundesverteidigungsministerium übergeben und ab 1993 wurde er durch die
Bundeswehr übernommen, was seinen Status als Sperrgebiet erhielt. Dies ist auch
notwendig, da der Platz noch heute durch Munition und Altlasten verseucht ist. Es
gibt sogar laut Aussage von KlausPeter Schambach einen Bereich auf dem Gelände,
den sogar Soldaten wegen großer Lebensgefahr nicht betreten dürfen. Somit ist eine
durch Abenteuerlust verursachte, unprofessionelle Schatzsuche nicht nur illegal
sondern auch lebensgefährlich (siehe Abb. 17 & Interview 2 am 15. 10. 2003 mit
Klaus-Peter Schambach, Vorstand GTGJ e. V.). Um den Schatzsuchern zumindest
ansatzweise das Wasser abzugraben, wurden im Laufe der 90iger Jahre alle noch
offenen Stollen mit Betonkapseln versiegelt. Bis vor kurzem war einzig und allein
noch Stollen 14 nicht versiegelt worden, was allerdings seit Juli 2003 auch
nachgeholt wurde, da die Kosten für die Sicherung und die Geduld der
verantwortlichen Stellen weit über das normale Maß hinaus überschritten wurden
(siehe Abb. 19).150 Als bisher extremster Schritt erweist sich ein Vorhaben der
Naturschutzbehörden und der Kreisverwaltung des Ilmkreises, wonach die Landstraße
durch das Jonastal für den Verkehr geschlossen werden soll. Auch dies wird unter
anderem mit dem Umweltschutz begründet. Schon jetzt ist die Straße für schwere
Fahrzeuge voll gesperrt. Eine weitere, wichtige Begründung ist der
Trinkwasserschutz, da sich in diesem Bereich das Einzugsgebiet für das
Trinkwasserwerk Schönbrunn für Arnstadt befindet und die Asphaltdecke rissig und
durchlässig geworden ist, ohne weiter vom katastrophalen Zustand der Brücken zu
berichten. Eine Instandsetzung ist nach Aussage der Verantwortlichen zu teuer. Mit
dem Schritt der Strassenumverlegung müssten jedoch viele Bürger in den Dörfern
Gossel und Espenfeld
147 148
Vgl. Ebenda, S. 120 ff. Berliner Zeitung, 26. November 1991 149 Freies Wort, 4.
Dezember 1991 150 Vgl. Arnstadter Stadtecho Ausgabe April 2003
38
Das Ende vom Geheimprojekt S III extreme Umwege auf ihrem Weg zu Arbeit auf sich
nehmen bzw. eine andere Straße als Ersatz neu- oder ausgebaut werden. Ob der
finanzielle Aufwand ein solches Vorhaben rechtfertigt, ist fraglich. Auch während
einer Informationsveranstaltung in Gossel am 20.05.2003 sowie zum Themenabend in
Gossel am 26.09.2003 ist dieses Problem zur Sprache gekommen. Die Bürger der
betroffenen Gemeinden sind über das Vorhaben erschreckt und lehnen es ab. Es
erscheint fast so, als sollten die Menschen aus dem Tal ferngehalten werden. So
ist selbst zur heutigen Zeit eine Aufarbeitung der Geschichte um das Jonastal
nicht erwünscht oder was sonst wollen die staatlichen Behörden mit all diesen
Vorhaben, die fast Schikanen darstellen, bezwecken? Das nachfolgende Kapitel wird
sich hiermit nochmals detaillierter befassen.
Abschnittswechsel (NÄchste Seite)
39
Legenden und Rätsel vom Jonastal
6 Legenden und Rätsel vom Jonastal
6.1 Aufarbeitung der Geschichte um das Jonastal
Der Großraum Jonastal zählt zu den rätselhaftesten Gegenden in Deutschland. Auf
unzähligen Webseiten wird teilweise ernst und fundiert aber auch spekulativ und
sensationslüstern versucht, eine Aufklärung zu erreichen. Zu Beginn muss
untersucht werden, warum dieses unscheinbare, idyllische Tal tagtäglich
Schatzsucher aus ganz Deutschland und dem Ausland anzieht. Zum ersten Mal wurde
der breiten Öffentlichkeit das Jonastal bekannt, nachdem der damalige russische
Präsident Boris Jelzin einer spektakulären Falschmeldung zum Opfer fiel. Im
November 1991 befand sich Jelzin auf einem Staatsbesuch in Deutschland und sagte
in einer Rede: ,,Ich weiß, wo das Bernsteinzimmer ist."151 Während dieser
Rede brachte er den sowjetischen Truppenübungsplatz Ohrdruf ins Gespräch, in
dessen unmittelbarer Nähe sich das Stollensystem befindet. Der Verbleib des
Bernsteinzimmers ist eines der größten Rätsel der Nachkriegsgeschichte und heizt
immer wieder Spekulationen an. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sofort nach
dieser Meldung ganze Heerscharen von Journalisten und Schatzsuchern im Jonastal
und am Truppenübungsplatz eintrafen und Untersuchungen anstellen wollten. Die
russischen Soldaten, die dort stationiert waren, nahmen die plötzliche Aufregung
verwundert zur Kenntnis. Sie berichteten von mindestens 300 möglichen Verstecken
in Ostdeutschland. In einer Pressemeldung der dpa vom Mai 2003 wird ein
abrückender Fallschirmjäger mit folgenden Worten zitiert: ,,Nix finden, Mystika,
alles Mystika. Sucht nur, sucht, und schickt ´s uns hinterher." 152 Diese
Aussagen lassen darauf schließen, dass das Gelände bereits von den Sowjets
durchsucht worden ist. Die Existenz der Stollen war den Besatzungstruppen bekannt
und Nachforschungen bzw. Untersuchungen sind mit großer Wahrscheinlichkeit
durchgeführt worden. Trotz allem sind im Laufe der Zeit immer neue Gerüchte und
mögliche Begebenheiten aufgetaucht, was angesichts der feststehenden Tatsachen
recht überraschend ist. Wird die Lage sachlich betrachtet, erscheinen alle
Forscher und (Hobby)-Historiker als nicht glaubwürdig. Im Jonastal gibt es 25
verschlossene Stollen, die laut offizieller Verlautbarung als FHQu konzipiert
waren, aber aufgrund des schnellen Vormarsches der dritten US-Armee unter General
Patton im Ende März 1945 aufgegeben wurden. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von
Aspekten, die auch Skeptiker nicht entkräften können. Ziel des folgenden Kapitels
soll es sein, einige dieser Umstände zu beschreiben und Erklärungsversuche zu
finden. Vorher muss jedoch ein anderer wichtiger Punkt behandelt werden - die
Aufarbeitung der Geschichte. Es ist festzustellen, dass die Amerikaner bis heute
nicht daran interessiert sind, ihren Beitrag für dieses schwarze Kapitel der
deutschen Geschichte zu leisten. Es gibt keine befriedigenden Antworten auf die
Frage, wofür so viele Menschen ihr Leben verloren haben. Die Aufzeichnungen der
89. Infanteriedivision der U.S. Streitkräfte sind in der brisanten Zeit
151
152
vgl. REUTH, R.-G.: 1998, S. 9 o. A. : http://www.google.de/search?
q=cache:ejntSSolq0gJ:spbmos.homestead.com/files/Berlin.pdf (03.10.2003)
40
Legenden und Rätsel vom Jonastal zwischen dem 08.04.1945 13.35 Uhr und dem
11.04.1945 19.35 fehlen komplett. In diesem Zeitraum jedoch muss genau der
Begehung des Jonastales stattgefunden haben. Andere wichtige Akten wurden nach
Ablauf der 50-jährigen Sperrfrist für weitere 30 Jahre gesperrt.153 Zu diesem
Zeitpunkt wird fast kein Zeitzeuge mehr am Leben sein, v.a. kein Häftling mehr,
der sich erinnern kann. Es gab jedoch auch viele Andere, die ebenfalls Forschungen
anstellten wie z.B. die Staatssicherheit der DDR. 1962 gab es eine sehr starke
Forschungstätigkeit durch Paul Enke, der sogar ein Buch verfasste, welches heute
als Standardwerk über das Bernsteinzimmer gilt. Die Staatssicherheit vernahm zu
diesem Zeitpunkt alle Personen, die ausfindig gemacht werden konnten und in
irgendeinem Zusammenhang mit dem Jonastal standen. Darunter war auch die Burgfrau
der Veste Wachsenburg, Cläre Werner154, deren Aussagen besonders viel Aufsehen
erregte und die im letzten Jahr leider verstorben ist. In der heutigen Zeit
scheint bei den staatlichen Stellen ebenfalls kein wirkliches Interesse vorhanden
sein, zur Aufklärung beizutragen. Das Jonastal wurde zum Naturschutzgebiet
erklärt, unter anderem wegen einer seltenen Grashüpferart. Ulrich Brunzel sagte
(siehe Interview 1 am 13. 10. 2003 mit Ullrich Brunzel, Buchautor), dass
staatliche Institutionen keinerlei Unterstützung anbieten würden. Einige Aktionen
in den letzten Jahren erwecken tatsächlich sogar den Anschein, dass der Staat eher
versucht, etwas zu verbergen als zu enthüllen. So wurden beispielsweise Bäume im
Bereich der ehemaligen Stollenanlage gerodet, angeblich um die Natur zu schützen.
Nicht ganz nebensächlich ist dabei wohl auch der Aspekt, dass es jetzt möglich
ist, von der Landstraße aus Einsicht in das Gelände zu erlangen. Dort fahren nach
Aussagen von Hobbyforschern und Personen, die illegal das Gelände betreten haben,
Einheiten der Feldjäger (Militärpolizei) und die Landespolizei oftmals Steife.
Angeblich sollen auch Autokennzeichen notiert werden, was jedoch nicht nachweisbar
ist.155 Als extrem radikaler Schritt erweist sich ein Vorhaben der
Naturschutzbehörden und der Kreisverwaltung des Ilmkreises, wonach die Landstraße
durch das Jonastal für den Verkehr geschlossen werden soll. Auch dies wird mit dem
Umweltschutz begründet. Schon jetzt ist die Straße für schwere Fahrzeuge gesperrt.
Eine angeführte Begründung ist, dass in diesem Bereich das Trinkwasser für
Arnstadt entspringt und die Asphaltdecke rissig und durchlässig geworden ist. Eine
Instandsetzung ist angeblich zu teuer. Mit diesem Schritt müssten jedoch viele
Bürger in den Dörfern Gossel und Espenfeld extreme Umwege auf ihrem Weg zu Arbeit
in Kauf nehmen bzw. eine andere Straße als Ersatz neuoder ausgebaut werden. Ob der
finanzielle Aufwand ein solches Vorhaben rechtfertigt ist fraglich. Auch auf einer
Informationsveranstaltung in Gossel ist dieses Problem zur Sprache gekommen. Die
Bürger der betroffenen Gemeinden sind über das Vorhaben erschreckt und lehnen es
ab. Es erscheint fast so, als wollte man die Menschen aus dem Tal fernhalten, was
aber auch zur Folge hätte, dass das Mahnmal nicht mehr mit dem KFZ zu erreichen
wäre und viele Menschen, die zu diesem Ort kommen und trauern wollen, dies nicht
mehr können. Während einer Begehung im Jonastal im Sommer 2003 hielt z.B.
plötzlich ein niederländisches Fahrzeug vor dem Mahnmal an und ein altes Ehepaar
stieg aus. Sie verharrten längere Zeit schweigend vor der Gedenktafel und baten
uns in nahezu perfektem Deutsch, dass Auto zur Seite zu fahren, damit sie
wegfahren können. Es kann sich bei dem Mann um einen ehemaligen Häftling gehandelt
haben, da er sehr bedrückt wirkte. In dieser schwierigen
154 155
vgl. MEHNER, T. 2002, S. 90 ff. die Namen der Person werden aufgrund ihres
illegalen Verhaltens geheim gehalten, sind dem Verfasser aber bekannt
41
Legenden und Rätsel vom Jonastal Situation haben wir darauf verzichtet, die beiden
Herrschaften anzusprechen. Das Mahnmal im Jonastal ist ein Ort der Erinnerung und
muss auch dafür erhalten bleiben. Es gibt jedoch auch Privatpersonen, die
wirkliches Interesse zeigen, und sich zum Zweck der Aufarbeitung von unheilvoller
Geschichte zusammengeschlossen haben. Am 16.06.2001 wurde zu diesem Zweck die
Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e.V. in Arnstadt
gegründet. In einer Erklärung werden Ziele und der Zweck des Vereines
angesprochen: ,,Noch immer gibt es im Jonastal trotz intensiver Forschungsarbeit
viele ungeklärte Rätsel, um die sich aufgrund der hohen Geheimhaltungsstufe der
Bauarbeiten im Dritten Reich Vermutungen, Geschichten und Legenden ranken. Diese
mit dem Bau von Sondervorhaben verbundene Geschichte während des zweiten
Weltkrieges nahe Arnstadts hat nun mehrere geschichtsinteressierte Heimatfreunde
veranlasst, einen gemeinnützigen Verein zu gründen. Der Verein wird sich mit der
Aufarbeitung der Geschichte um diese Sonderbauvorhaben und den damit verbundenen
tausendfachen Schicksalen der hier eingesetzten Häftlinge beschäftigen.
Zehntausende KZ- Häftlinge überlebten die Knochenarbeit und den Terror der SS
nicht. Gleichrangig aber will der Verein auch den Spuren einer deutschen
Hochtechnologie nachgehen, die auch ins Jonastal führen. Davon gehen einige
Experten aus, die sich mit dieser Geschichte des geplanten Führerhauptquartiers
und seiner Umgebung schon beschäftigt haben. Eines der Hauptziele des Vereins wird
der Wiederaufbau einer Gedenkstätte zur Erinnerung, zum Gedenken und vor allem zur
Mahnung an diese Schicksale sein."156 Der Verein hat schon umfangreiche
Forschungsarbeiten durchgeführt. Der derzeitige Vorsitzende ist Herr Johannes Alt.
Der Verein wird jedoch auch kritisch beäugt. In seinem Vorstand befanden sich bis
vor Kurzem die größten Verfechter des Vorhandenseins einer deutschen Atombombe wie
z.B. Thomas Mehner und Martin Stade. Und es kann nicht abgestritten werden, dass
die Aussagen dieser Personen vollkommen haltlos klingen. (Deutsche Atombomben
sollen gebaut worden sein und unter Tage noch 174 einsatzbereite Flugscheiben
stehen). Im Magazin ,,DER SPIEGEL" erschien Mitte 2003 ein Artikel, in der
die Gesellschaft sehr kritisch beurteilt wird. So wird beispielsweise geschrieben:
,,Kaum zur Vernunft zu bringen sind freilich die selbst ernannten Atomexperten. Da
ist etwa Thomas Mehner, Vorstandsmitglied der so genannten Jonastal-Gesellschaft
und Autor des Buchs ,Das Geheimnis der deutschen Atombombe': Mehner ist überzeugt,
dass die Deutschen und nicht die Amerikaner die erste Atombombe bauten. Und dass
die noch immer unter thüringischer Erde schlummern könnte."157 Diese
Schreibweise wertet den Verein relativ stark ab und einige Zeilen später wird
folgendes zum Ausdruck gebracht: ,,zusammen ergeben sie [es wurden Bauteile für
eine Wünschelrute aufgezählt Anm. d. V.] eine passable Wünschelrute, mit der
Martin Stade - Autor des Buchs ,Vom Bernsteinzimmer in Thüringen und anderen
Hohlräumen' - gern Geschichtsinteressierte durch das Jonastal führt. Stade,
selbstverständlich Beisitzer im Vorstand der Jonastal-Gesellschaft, hat Wissen,
das sonst niemand hat."158. In dieser Reportage werden nahezu alle
Aktivitäten herabgewürdigt, aber auch auf ein grundlegendes Problem der
Forschungsanstrengungen im Jonastal eingegangen: Die wenigen vorhandenen Quellen
werden von den Verfechtern solcher Theorien sehr weitläufig ausgelegt oder
Zeugenaussagen, die eigene Theorien stützen, als unangreifbar dargestellt, bzw.
Kritiken schroff zurückgewiesen, im Gegenzug aber anders lautende Aussagen als
falsch dargestellt. Die Zurückhaltung von staatlichen Stellen wie auch von
Historikern fördert solches Verhalten noch zusätzlich.
156 157
o. A.: In: Arnstädter Stadtecho Spezial, 2002, S. 2 WINTER, S.:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,260679,00.html (03.10.2003) 158 Ebenda
42
Legenden und Rätsel vom Jonastal
6.2 Das Bernsteinzimmer und andere Beuteschätze des 3. Reichs
6.2.1 Die Vorgeschichte
Am 31. Mai 2003 wurde im Rahmen der 300-Jahr-Feiern von Sankt Petersburg der
Öffentlichkeit das neu rekonstruierte Bersteinzimmer im Katharinenpalais in
Zarskoje Selo übergeben. Das Bernsteinzimmer, eine äußerst prächtige
Wandverzierung aus Bernstein, welches schon als 8. Weltwunder bezeichnet wurde,
gehört zu den modernen Mythen unserer heutigen Zeit. So ist es nicht besonders
verwunderlich, das Kunstfahnder und Schatzsucher seit nun mehr einem halben
Jahrhundert nach dem berühmtberüchtigten Bernsteinzimmer suchen. In heutiger
Währung wäre das Bersteinzimmer wohl 130 Millionen Euro wert. Geschichtlich
gesehen wurde es von 1701 bis 1711 für den preußischen König Friedrich I.
angefertigt und später im Berliner Stadtschloss eingebaut. König Friedrich Wilhelm
I. schenkte es 1717 dem russischern Zaren Peter dem Großen als Gegenleistung für
55 über 2 Meter große russische Soldaten, die so genannten langen Kerls. Das
Bernsteinzimmer kam in Kisten verpackt im Frühjahr 1717 in Sankt Petersburg an.
Von dort transportieren es Gardesoldaten im Jahre nach Zarskoje Selo, wo es in
einen Saal des Katharinenpalais eingebaut wurde. Das Bernsteinzimmer befand sich
dann bis zum Kriegsausbruch des II. Großen Vaterländischen Kriegs 1941 (Angriff
Hitlers auf die Sowjetunion) im Museumskomplex des ehemaligen Katharinenpalais in
der Stadt Puschkin bei Leningrad. Als sich die deutschen Truppen 1941 Leningrad
näherten, war nicht mehr genug Zeit, um jene Bersteinwände abzumontieren und in
Sicherheit zu bringen. Nach der Eroberung Zarskoje Selos durch die deutschen
Truppen wurde das Bernsteinzimmer demontiert und auf Veranlassung vom Gauleiter
von Ostpreußen Koch nach Königsberg transportiert, wo es im Herbst 1942 eintraf.
Die Bernsteinwände schmückten dort einen Raum des Königsberger Schlosses, welches
der nationalsozialistischen Propaganda diente. Nachdem sich das Kriegsblatt 1944
engültig gewendet hatte und durch mehrere britische Luftangriffe die Stadt
Königsberg als auch das Schloss schwer beschädigt wurde, veranlasste der Direktor
des Preußischen Museums, Dr. Alfred Rohde, eine Luftschutzsicherung für wichtige
Kunst- und Kulturgüter, wozu auch das Bernsteinzimmer zählte. In Kisten verpackt,
wurde das Bernsteinzimmer in die Kellerräume des Nordflügels des Schlosses
gebracht. Als die sowjetischen Truppen die Stadt Königsberg am 9. April 1945
einnahmen, war das Bernsteinzimmer verschwunden.159 160 Hier verliert sich die
offizielle Spur des Bernsteinzimmers, ein Mythos begann zu wachsen.
6.2.2 Der Weg des Bernsteinzimmers nach Thüringen
Bis heute ist der Verbleib des Bernsteinzimmers völlig unklar. Drei Möglichkeiten
wurden seit dem geprüft: seine Verbrennung, der Verbleib in Königsberg und der
Abtransport in das deutsche Restreich. Angesichts allein über 300 möglicher
Verstecke in Ostdeutschland ist es kaum möglich, alle Varianten des
geheimnisumwitterten Vorgangs um das Bernsteinzimmer aufzudecken und zu
analysieren. 161 Ziel der nachfolgenden Darstellung soll von daher sein, den Weg
des Bernsteinzimmers in den ,,Schutz und Trutzgau" Thüringen so gut wie
möglich zu rekonstruieren, um damit eine fundierte Grundlage für die Betrachtung
zu schaffen, ob sich das Bernsteinzimmer oder eventuell auch andere Kunst- und
Beuteschätze im Raum ArnstadtOhrdruf-Gotha befunden haben könnten. Bei dieser
Darstellung müssen jedoch schon erhebliche Fragezeichen gesetzt werden. Der
Gauleiter Koch hatte lange nach dem Krieg ausgesagt, dass das Bernsteinzimmer mit
anderen Kunst- und Kulturgütern aus Königsberg fortgeschafft wurde - wohin wusste
er
159 160
Vgl. o. A.: http://www.brockhaus.de/index2.html?service/aktuell/030515.html
(04.10.03) Vgl. BRUNZEL, U.: 1995, S. 105 ff. 161 Vgl. MOMMERT, W.:
http://new.orf.at/030530-63282/63285txt_story.html (03.10.03)
43
Legenden und Rätsel vom Jonastal angeblich nicht. Auch geht die allgemeine
Geschichtsschreibung heute davon aus, dass zumindest Teile des Kunstwerkes aus
Königsberg abtransportiert wurden. Bereits am 12. Januar meldete Dr. Rohde, dass
er dabei sei, das Bernsteinzimmer transportfähig in Kisten zu verpacken. Wenige
Tage später sollen dann mindestens 25 große Kisten auf dem Schlosshof gestanden
haben. Jedoch schränkte die im Januar begonnen sowjetische Großoffensive eine
umfangreiche Evakuierung von Kunstgütern auf dem Landweg in das deutsche Restreich
erheblich ein. Eine im Februar erfolgte Gegenoffensive der deutschen Truppen schuf
unter unzähligen Verlusten wiederum eine Verbindung nach Königsberg. Damit könnte
ein Abtransport auf dem Landweg noch im Februar erfolgt sein, denn schon am 9.
Februar 1945, so wird berichtet, sollen die zusammengeraubten Kunstschätze und das
Bernsteinzimmer des Gauleiters Koch mit 3. LKWs angeblich in Weimar eingetroffen
sein. Diese Kunstschätze wurden nach der Einlagerung in das Thüringer Landesmuseum
dann von dem Direktor Dr. Walter Scheidig einzeln registriert. Seinen Angaben
zufolge wurde der größere Teil der Kunstschätze, unter anderem auch das
Bernsteinzimmer, Anfang April mit unbekanntem Ziel abtransportiert.162 Auch der
Bernsteinzimmerforscher und ehemaliger Oberstleutnant der Staatssicherheit Dr.
Paul Enke ging ebenfalls davon aus, dass zumindest Teile des Bernsteinzimmers von
Königsberg nach Weimar transportiert wurden. Dabei stützt er sich auf eine weitere
Aussage eines Antiquars aus Weimar. Dieser sah nach eigener Aussage die 3 LKWs mit
einem Möbelwagen ankommen, über dessen Verbleib jedoch wenig bekannt ist. Weitere
Spuren führen zuvor nach Friedrichroda.163 Damit ist das Weimar als Dreh- und
Angelpunkt für das Bernsteinzimmer in Thüringen festzuhalten (siehe Abb. 33).
Neben dem Gauforum in Weimer richten sich weitere Vermutungen auch auf das Schloss
Reinhardsbrunn bei Friedrichroda, das Seeberggebiet bei Gotha, das Waldgebiet bei
Ilmenau und nicht zuletzt die Stollenanlagen im Jonastal. Letztmalig taucht das
Bernsteinzimmer in der literarischen Auseinadersetzung in Schloss Reinhardsbrunn
bei Friedrichroda auf. Demnach ganz in der Nähe der Stollenanlagen.
6.2.3 Das Bernsteinzimmer im Jonastal
Wie bereits erwähnt, überraschte der damalige russische Präsident Boris Jelzin
überraschte die Deutschen am 22. November 1991 mit der Nachricht, er wisse, wo
sich die Kisten mit dem Bernsteinzimmer befänden. So war in seinem Statement die
Rede von dem Gelände eines sowjetischen Flugzeugplatzes im thüringischen Ohrdruf,
das ,,Projekt Olga", das unterirdische angebliche ,,letzte
Führerhauptquartier" im thüringischen Jonastal. Wie sich später herausstellte
hatte Jelzin seine Informationen offensichtlich aus der Moskauer Zeitung
,,Rabotschaja Tribuna", deren Redakteur Alexander Nadscharow am 19. November
1991 das ,,Ergebnis sechsundvierzigjähriger Forschung" nach dem verbleib des
Bernsteinzimmers verkündete. ,,Bernsteinzimmer gefunden" hieß die fette
Schlagzeile. Der Redakteur kündigte an, in einer Artikelserie die Zusammenhänge
offen zu legen.164 Wie sich jedoch später auf genaue Nachfragen hin zeigen sollte,
konnte der genannte Nadscharow seine Informationen allerdings nicht beweisen. Mit
hoher Wahrscheinlichkeit hatte er sie bei einer WesteuropaReise aufgeschnappt, auf
der er zum ersten Mal vom Bernsteinzimmer im Jonastal hörte. So bezog Nadscharow
seine Informationen höchst wahrscheinlich aus dem im September 1991 erschienen
Buch ,,Die Bernsteinzimmer-Saga", womit er die Hypothesen der beiden Autoren
Remdt und Wermusch aufgriff, die zum ersten Mal schriftlich den Zusammenhang
Jonastal Bernsteinzimmer festhielten. Folgen wir den Ausführungen der beiden
Autoren, so beziehen sich diese bei ihren Recherchen auf eine Person namens Rudolf
Wyst; der sich 1959 bei der
162 163
Vgl. BRUNZEL, U.: 1995, S. 112 ff. Vgl. REMDT, G. / WERMUSCH, G.: 2003, S. 90 164
Vgl. LEMERT,T.:
http://dpa.fuldaerzeitung.de/html/thema/01schichte_Die_Suche_nach_dem_
Bernseitnzimmer.htm (03.10.03)
44
Legenden und Rätsel vom Jonastal DDR-Zeitschrift ,,Freie Welt" gemeldet
hatte. Er wüsste etwas über das Bernsteinzimmer, so seine Aussage. Wie sich
herausstellen sollte, hatte Rudolf Wyst eine alte Kartentasche seines Vaters
gefunden, welche bereits erheblich gelitten hatte, nach dem sie mehrere Jahre
unter einem Kohlenhaufen lag. Wyst behauptete später, er konnte sich die
wesentlichen Informationen von Sturmbannführer Gustav Wyst (Vater) einprägen und
habe anschließend die Tasche verbrannt.165 Für Gerhardt Remdt waren zwei
Ansatzpunkt von wesentlicher Bedeutung. Ein empfangener Befehl und eine bestätigte
Befehlsausführung. Empfangener Befehl: ,,Voraussichtlich gilt für Königsberg bald
Unternehmen Grün. Deshalb haben Sie die Aktion Bernsteinzimmer durchzuführen und
es in das Ihnen bekannte BSCH zu bringen .... Nach Ausführung der Operation sind
Zugänge zu tarnen und Gebäude zu sprengen."166 Bestätigte
Befehlsausführung: ,,An Transporterführer. 30 Kisten Bernsteintafeln und Kisten
der Bernsteinsammlung lt. Befehl des RSHA ausgeführt. Aktion Bernsteinzimmer
beendet. Zugänge befehlsgemäß getarnt. Sprengung erfolgt. Opfer durch
Feindtätigkeit. Melde mich zurück."167 Die Zeitung ,,Freie Welt"
vermittelte Wyst aufgrund der von ihm erzählten Geschichte weiter an den
sowjetischen Geheimdienst KGB, wo er seine Aussagen schließlich auch zu Protokoll
gab. Hierbei entstand der lange unbedacht gebliebene Fehler mit dem BSCH, wie
Remdt und Wermusch richtig vermuten. Wyst soll damals von B III gesprochen haben.
Die Russisch übersetzten Aussagen wurden dann abgetippt, wobei gewohnheitsmäßig
für die römische Zahl III der kyrillische Buchstabe SCH benutzt wird. Folglich kam
es bei der deutschen Rückübersetzung zu BSCH, wobei eigentlich B III gemeint war.
Die Version, dass auf dem von Rudolf Wyst gefunden Papier nicht B III, sondern S
III gestanden haben könnte, ist daher durchaus realistisch. Auch Formulierungen,
wie Zugänge befehlsgemäß getarnt und gesprengt, haben durchaus einen Bezug zum
Jonastal. Gerade dies hatte sich vermutlich vorher im Jonastal ereignet, als das
Tal am 12. April 1945 offiziell in die Hände der US-Truppen viel. Auch gehörte der
Sturmbannführer dem Postschutz an, so dass seine Anwesenheit im Raum Ohrdruf, wo
sich die fernmeldetechnisch genutzte Zentrum Amt 10 befanden, nicht verwunderlich
erscheint. Dort konnte er in den Wirren des Krieges und Zusammenbruchs zuverlässig
seine Meldung absetzen. Auch die Tatsache, dass der Code B III nur ein einziges
Mal auf den halbvermoderten und schwer entzifferbaren Seiten stand, ist ein
weiterer Indiz für die Verwechslung mit S III.168 Letztendlich versucht der
Buchautor Thomas Mehner diese Aussagen mit gewagten Fakten und Zeitgeschehnissen
zu füllen. Er geht davon aus, dass Albert Popp im Februar die Kunstsammlung und
das Bernsteinzimmer von Königsberg nach Weimar gebracht hatte. ,,Die Kunstsammlung
Kochs kam nachweislich am 9. Februar 1945 im Landesmuseum Weimar an. (...). Das
Material wurde verstaut und bleibt bis zum 9./10. April unangetastet. In dieser
Zeit tauchte Albert Popp mit einem LKW mit schweizer Fahne auf, lud den größten
Teil auf, um dann mit unbekanntem Ziel davonzufahren. Das wurde auch höchste Zeit,
denn Weimar wurde am 12. April durch die Alliierten besetzt. Die zurückgebliebenen
Gegenstände konnten später eindeutig identifiziert werden sie stammten aus der
Sammlung des Gauleiters Erich Koch. Zur gleichen Zeit wurde ein aus 126 Kisten
bestehender Transport
165 166
Vgl. WERMUSCH, G.: 1991, S. 12 ff. REMDT, G. / WERMUSCH, G.: 2003, S. 92 167
Ebenda, S. 92 168 Vgl. Ebenda, S. 92 f.
45
Legenden und Rätsel vom Jonastal aus Königsberg (oder Danzig) nach Schloss
Reinhardsbrunn (bei Friedrichroda) gebracht. Am 3./4. April 1945 wurden diese
Kisten abgeholt ebenfalls von Albert Popp, der kurz darauf auch in Weimar aktiv
werden sollte. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Albert Popp die endgültige
Einlagerung der Koch-Kunstsammlung vornahm, und dass an diesen Ort auch das
Bernsteinzimmer gelangte. Albert Popp informierte dann Gustav Wyst und dieser das
Reichssicherheitshauptamt über die erfolgreich abgelaufene Aktion, die vielleicht
gar nicht soweit von Reinhardsbrunn bzw. Weimar entfernt endete."169 So zieht
Mehner Rückschlüsse, dass es sich beim Einlagerungsort aufgrund der Nähe zu
fernmeldetechnischen Einrichtungen der Reichspost (Amt 10) durchaus um die
Stollenanlage im Jonastal handelte. Die vermeintliche Verwechslung von B III und S
III in den Berichten kam zustande, da der Raum OLGA 2 Decknamen trug.
6.2.4 Die ,,Tatsachen"
Ob die Ereignisse tatsächlich so abliefen, ist nicht an handfesten Quellen und
auch nicht durch die sehr dubiosen Wyst-Berichte vom B III, nachweisbar. Diese
liegen noch nicht einmal schriftlich vor. Demnach handelt es sich nur um Indizien
und keine Beweise. Auch ist es kaum vorstellbar, dass das so genannte 8.
Weltwunder in einem dunklen Stollen im Jonastal von einer unbedeutenden Person
versteckt wurde. Der langjährige Höhlenforscher und Buchautor Ullrich Brunzel
meint hierzu, dass er alle begehbaren Stollen schon 1966 selbst erkundet habe und
es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in den bekannten Anlagen
das Bernsteinzimmer befindet (siehe Interview 1 am 13. 10. 2003 mit Ullrich
Brunzel, Buchautor).170 Die im Jahr 1988 durch den Rat des Bezirks Erfurt
betriebenen Erkundungen des Jonastals (Stollen 1 - 15) nach dem Kunstobjekt
Bernsteinzimmer blieben ebenfalls ohne nennenswerten Erfolg. Jedoch ist darauf
hinzuweisen, dass Leo Micklitz vermutete, dass einige der vorgefundenen
Geröllberge schon in den Stollen 6, 8 und 10 das Ergebnis von Sperrsprengungen
durch die SS gewesen sein könnten. Ebenfalls verbirgt Stollen 12 ein Geheimnis.
Bei einer Begehung des Stollens 12 ist eine Nebenstelle festzustellen, dessen
Zugang verbrochen und damit künstlich versprengt worden war. Auch ist in den
Stollen 16-20 auffällig viel Schutt zu entdecken, welcher von Sprengungen stammen
könnte. Hinzu kommt, dass die Stollengruppe 21 bis 25 jeder geplanten Betrachtung
durch extra ausgerichtete Hundestaffeln außen vor blieb. Der Rat des Bezirks
Erfurt verbot eine weitere Untersuchung und Freilegung dieser Stollengruppe aus
unerklärlichen Gründen. Befürchteten sie, dass etwas anderes entdeckt werden
würde? Reine Spekulation. Jedoch soll diese Aussage noch einmal die in Kapitel
5.1.2 [Das Ende der geheimen Kommandosache S III S. 28] getroffene These
unterlegen, dass zum Ende des Geheimprojektes S III die SS Sprengungen und
Tarnmaßnamen vorgenommen hat. Was die SS verbergen wollte, lässt sich in Ansätzen
aus vielen überlieferten Berichten ableiten. So geben Anwohner zu Protokoll, dass
geheimnisvolle Transporte, die im Frühjahr 1945 in den Bahnhöfen von Ohrdruf und
Crawinkel eintrafen und von dort per LKW in das Jonastal gebracht wurden,
stattgefunden haben.171 Demnach könnten diese Güter dann in den Stollen
eingesprengt wurden sein. Auch gab der Stollenbauingenieur Adolf Bernd Freier
unumwunden zu, Gutachten für Einlagerungsobjekte im Raum OLGA erstellt zu haben
und damit eine ganze Zeit lang beschäftigt gewesen zu sein. Er benannte dabei eine
ganze Reihe von Ortschaften, worunter
169 170
MEHNER, T.: 2002, S 215 f. Vgl. BRUNZEL, U.: 1995, S. 118 171 Vgl. REMDT, G. /
WERMUSCH, G.: 2003, S. 95 ff.
46
Legenden und Rätsel vom Jonastal sich ein Grossteil der an das Jonastal
angrenzenden Gemeinden befand - ein weiterer Indiz für Einlagerungsstätten im
Jonastal.172 Um welche Güter es sich dabei handelte, bleibt offen. Eins scheint
auf jeden Fall klar. Gegen Ende des Krieges wurden nicht nur Kommando- und
Führungsstäbe in den ,,Schutz und Trutzgau" Thüringen sowie andere Südgebiete
verlagert. Mit ihnen kamen auch unschätzbar wertvolle Archive, Akten, Kunst- und
Kulturgüter. Die nationalsozialistische Führungsriege dachte, selbst in Hinblick
auf den schlechtesten Ausgang des Krieges (bedingungslose Kapitulation), könnten
sich kleine souveräne Provinzen wie Teile Thüringens oder Bayerns in ihrer
Selbstständigkeit halten und später mit dem Neuaufbau des Großdeutschen Reiches
beginnen. Als solide Grundlage sollten hierfür wichtige Kunst, Kultur und
Beuteschätze eingelagert werden. Auch galt es, den Alliierten keine Geheimakten
über die barbarischen Untaten der NS-Zeit als auch erforschte Hochtechnologien zu
überlassen. Konkret bedeutete dies für den Raum Olga, dass das Hauptkrops der
Heeresführung, einschließlich ihrer unschätzbaren Archive hier her verlegt wurde.
Hinzu kommt, dass 2 Wagons der Schätze des Tannenberg-Denkmals sowie der Wagen von
Compiegne in den letzten Tagen des Kriegs auf dem Bahnhof von Ohrdruf bzw. zuletzt
in Crawinkel standen.173 Ebenfalls gab es bis Ende März umfangreiche Verlagerungen
von Material der Reichskanzlei und Parteikanzlei auch in den ,,Schutz und
Trutzgau" Thüringen, bevorzugt in den Raum OLGA. Auch zeugen die Funde im
Kalischacht in Merkers oder andernorts in Thüringen eindrucksvoll von diesen
vorgenommenen Verlagerungs- und Einlagerungsmaßnamen. Angesichts dieser Tatsachen
scheint es durchaus möglich, dass auch Kunst-, Kulturschätze und Archivbestände in
die Stollen im Jonastal oder andere im Rahmen des Geheimprojektes S III erbauten
Objekten eingelagert wurden (siehe Interview 1 am 13. 10. 2003 mit Ullrich
Brunzel, Buchautor). Dies ist sicherlich eine der relevantesten Spekulationen.
Auch finden sich Indizien für Beuteschätze. Ob sich hierunter das Bernsteinzimmer
befand, ist stark anzuzweifeln. Dies schon allein aufgrund der tausenden Hinweise
über das Versteck des Bernsteinzimmers in ganz Europa, worunter der beschriebene
Fall nur einen von Vielen darstellt. Folgende Annahmen müssten dazu auch erfüllt
sein: 1. 2. 3. 4. 5. Das Bernsteinzimmer wurde nicht in Königsberg verbrannt oder
eingelagert. Das Bernsteinzimmer wurde nach Thüringen gebracht. Ein gewisser
Gustav Wyst war am Transport und der Einlagerung beteiligt. Die Einlagerung im
Jonastal hat stattgefunden. Die US-Truppen haben diese nicht in den Stollen
entdeckt und abtransportiert.
Allein bei jedem einzelnen Punkt gibt es vielfältige historisch und zeitliche
Unterzweigungen, so dass ein enorm großer Zufall es gewollt hätte, dass das
Bernsteinzimmer letztendlich seine Weg in das Jonastal gefunden hätte. Vor allem
der letztere Punkt spielt eine bisher unerforschte Rolle. So ist zwar vielseitig
bekannt, dass die US-Truppen die Technologie und Forschungsergebnisse von
Wunderwaffen wie der V 2 in ihr Heimatland schafften. Genauso ist es aber auch
möglich, dass aufgespürte Materialien aus Kunst- und Akteneinlagerungsstätten in
die USA überführt wurden - natürlich alles unter größter Geheimhaltung. Dies
könnte auch in den letzten rätselhaften Tagen des Kriegs im Jonastalraum der Fall
gewesen sein. Demnach befindet sich das Bernsteinzimmer vielleicht gar in US-
Amerikanischer Hand, entwendet aus dem Jonastalstollen! Diese provokante These
172 173
Vgl. MEHNER, T.: 2002, S. 198 Vgl. KRATSCH, G.: In: Geheimnis Jonastal, 2002, S.
25 f.
47
Legenden und Rätsel vom Jonastal soll nicht weiter kommentiert werden. Sie soll
nur aufzeigen, was es alles für Möglichkeiten für den wahrhaftigen Verbleib des
Bernsteinzimmers gibt. Was bleibt, ist eine Schatzsuchereuphorie und
Goldgräberstimmung die durch eine unbedachte Äußerung vom ehemaligen russischen
Präsidenten Boris Jelzin im Jonastal ausgelöst wurde. Ob dies zur wirklichen
Aufklärung der rätselhaften Vorgänge im Jonastal, insbesondere des
Häftlingsleidens beitragen konnte, bleibt zweifelhaft.
6.3 Projekt zum Bau einer Atombombe
6.3.1 Das Projekt
Eines der hartnäckigsten und am meisten verbreiteten Gerüchte ist die Auffassung,
dass die deutsche Atomforschung im Großraum Jonastal Einrichtungen unterhielt und
das Stollensystem riesige Ausmaße besitzt, mit vielen, weit verzweigten Gängen,
die zugesprengt wurden. Die gesamte Anlage sollte zur Produktion von Atomwaffen
dienen und im März 1945 haben angeblich 2 Atomtests auf dem Truppenübungsplatz
Ohrdruf stattgefunden. Besonders die Buchautoren Thomas Mehner und Harald Fäth
vertreten in ihren Publikationen die Ansicht, dass das deutsche Reich Atombomben
besessen haben soll. Eine der wichtigsten Stützen für die Ansicht Mehners ist ein
Brief eines am Bauvorhaben beteiligten Ingenieurs mit dem Namen Adolf-Bernd
Freier. Im Jahre 1999 traf dieser Brief ein. Sein Inhalt lässt sich folgendermaßen
zusammenfassen: 1. Es gab weitere sechs Stollen mit den Nummern 25 31 und die
Zählung erfolgte beginnend aus Richtung Arnstadt (25 = 1). 2. Es gab einen
unterirdischen Bahnhof mit vier Gleisen. 3. Es gab Anlagen zur Produktion von
Flugscheiben, Raketen, technische Atomforschungsanlagen und ein Schwerwasserwerk.
In diesem Objekt soll angeblich der Generatorstrom vom Amt 10 genutzt worden sein.
4. Das Objekt ,,Burg" wird in 4 Anlagen unterteilt: einem FHQu, einer
Anlage ,,Olga" und einem Scheinobjekt um den Häftlingseinsatz rechtfertigen
zu können. 5. Die Atombombe war am 02.07.1944 fertiggestellt, am 04.03.1945 wurde
die erste Atombombe gezündet, wobei viele Häftlinge ums Leben kamen. 6. Hitler war
vom 22.03. bis 02.04.1945 im fertig gestellten FHQu174 Diese Aussagen können als
sensationell bezeichnet werden, würden sie der Realität entsprechen. Es ist jedoch
auch anzumerken, dass Freier aus ,,Sicherheitsgründen" keine genauen Angaben
macht. Während der Begehung im Jonastal konnte jedoch nichts Derartiges
festgestellt werden. Einzig ein Wasserbehälter nahe der Stollen, auf dem Niveau
der Straße ist etwas verwunderlich. Auf Luftbildaufnahmen aus der damaligen Zeit
ist lediglich ein weißer Fleck zu sehen. Über die Verwendung dieses Behälters ist
nichts bekannt und es ist jedoch unbestritten, dass Atomanlagen große Mengen von
Kühlwasser benötigen, um arbeiten zu können. Es gibt im Wald weiterhin an
verschiedenen Stellen aus dem Boden herausragende Rohre und Abflussschächte, deren
Zweck unbekannt ist. Es gibt jedoch auch einfache mögliche Erklärungen für das
Vorhandensein dieser Abflüsse. Rund um die Baustelle waren Barackenlager angelegt
und jede Baracke hat sanitäre Anlagen und das Abwasser musste schließlich
abgeleitet werden. Somit könnte so mancher Abfluss erklärbar werden.
174
Vgl. MEHNER, T.: 2002, S.75 ff.
48
Legenden und Rätsel vom Jonastal Eine weitere Frage die sich stellt, wenn der
Gedanke an riesige unterirdische Anlagen weiter gedacht wird, ist die Frage nach
dem Abraum. Als Beispiel für die Veranschaulichung dieses Problems seien die
riesigen Gesteinsberge zwischen Suhl und Zella-Mehlis erwähnt, die aus dem Abraum
der Autobahntunnel entlang der A 71 bestehen. Eine mögliche Lösung für dieses
Problem ist, den entstehenden Abraum in der Umgebung der Baustelle zu verteilen
und somit eine künstliche Erhöhung des Bodens zu erreichen. Dafür konnte während
des Termins vor Ort ein deutlicher Hinweis erkannt werden. In der Nähe des oben
genannten Flüssigkeitsbehälters steht das Fundament eines abgerissenen Hauses.
Dort hat sich offenbar ein Schatzsucher illegal auf die Suche nach einem irgendwie
gearteten unterirdischen Objekt gemacht und einen ca. 10 Meter langen und 2,5
Meter tiefen Graben ausgebaggert (vermutlich mit einem Kleinbagger). An den
Rändern war genau die Schichtung des Bodens zu erkennen. Im Normalfall ist die
Anordnung: Fels/ Gestein Sedimente- Mutterboden mit Bewachsung. Es war jedoch zu
erkennen, dass sich am unteren Ende des Grabens älterer Mutterboden befand,
darüber eine Gesteinsschicht und bis oben wieder Mutterboden, welcher von Wurzeln
durchzogen ist. Diese Anordnung ist völlig unüblich und könnte auf eine groß
angelegte Erdbewegung hinweisen. Es ist möglich, dass an dieser Stelle gegraben
wurde oder Abraum abgelagert wurde. Teile des Abraums sollen auch mit der
Schmalspurbahn abgefahren worden sein. 175 Eine weitere Person, auf deren Aussagen
sich viele Untersuchungen stützen, ist die ehemalige Burgfrau der Wachsenburg,
Frau Cläre Werner. In ihren Aussagen kommt zum Ausdruck, dass der Turm der Burg
als Beobachtungs- und Befehlsstand während des Tests von zwei Atombomben genutzt
wurde. Diese Tests sollen erstmals am 04.03.1945 stattgefunden haben, mit einer
Leuchtwirkung ,,Hell wie hundert Blitze". Eine weitere Detonation soll am
21.03. stattgefunden haben.176 Vor den Tests sei jedes Mal Luftalarm ausgelöst
worden, um die Bevölkerung in die Keller zu zwingen und somit eine Entdeckung zu
unterbinden. Angeblich soll bei diesen Alarmen kein Flugzeug in der Nähe gewesen
sein, was aber durch eine Tagebucheintragung von Margarethe Behr widerlegt wird,
die im ,,Arnstädter Stadtecho Spezial" veröffentlicht wurde. Am 20.03.1945
findet sich folgende Eintragung: ,,Mit Bomben und Bordwaffen auf den Zug Erfurt-
Arnstadt, es besteht jetzt immer öffentliche Luftwarnung. Die ständige Anwesenheit
der feindlichen Jäger beunruhigt alle sehr, das heißt, ihre eventuelle Absicht und
Aufgabe. Die Tiefflieger bleiben bis zum Einmarsch der Amerikaner über der Stadt,
am 10. April 1945."177 Diese Aussage weist darauf hin, dass sich sehr wohl
Flugzeuge über der Region befunden haben. Es drängt sich die Frage auf, warum die
Anlage im Jonastal nicht angegriffen wurde, obwohl die Alliierten informiert
waren, dass dort eventuell Waffen produziert wurden. Es wäre zumindest möglich
gewesen, die Infrastruktur zu zerstören und somit einen Weiterbau zu unterbinden.
Gleiches gilt für den Truppenübungsplatz Ohrdruf. Es war den Amerikanern bekannt,
dass in den Kasernen von Ohrdruf SS-Einheiten untergebracht waren. Angeblich
sollte ein starkes unterirdisches Magnetfeld Motoren beeinflussen und Flugobjekte
zum Absturz bringen können.178. Es gibt praktisch keine greifbaren, wertvollen
Hinweise auf eine Atomwaffenfabrik im Jonastal. Alle Schlussfolgerungen sind
lediglich aufgrund von Zeugenaussagen gezogen wurden. An dieser Stelle soll auf
eine ausführliche Diskussion, ob Deutschland die Atomwaffe besessen hat,
verzichtet werden. Dem interessiertem Leser seien dazu die Publikationen von
Thomas Mehner und Harald Fäth empfohlen, die zwar relativ subjektiv, teilweise
sogar spekulativ untersuchen, ob Deutschland die Atombombe besessen hat, aber ein
eigenständiges Urteil des Lesers ermöglichen. An dieser Stelle eine ausführliche
175 176
vgl. Ebenda vgl. Ebenda 177 MEHNER, T.: In: Arnstädter Stadtecho Spezial , 2002,
S. 16 178 REMDT, G.: http://www.geocities.com /CapeCanaveral/1325/raetsel.txt
(04.10.03)
49
Legenden und Rätsel vom Jonastal Auseinandersetzung einzubringen, würde den Rahmen
der Arbeit sprengen. Es sollen lediglich einige Fakten und mögliche Folgerungen
erwähnt werden. Es ist nachweisbar, dass es Atomforschungen in Deutschland gab.
1938 gelang es den Physiker Prof. Otto Hahn und Prof. Strassmann die Grundlagen
zur Kernspaltung zu legen, indem sie Uranatome mit Neutronen bestrahlten. Im April
1939 schreibt der Physiker Georg Joos, dass die Kernspaltung möglich wäre. In der
Mitte des Jahres 1939 wurde ein eigenes Referat ,,Kernphysik" des
Heereswaffenamtes gegründet. Die Zentrale dieses Referates befand sich in
Kummersdorf bei Berlin. Bereits Anfang Dezember 1939 wurde durch den Physiker
Heisenberg erstmals die Möglichkeit einer Atomwaffe mit enormer Sprengwirkung zum
Ausdruck gebracht. Um hoch angereichertes Uran U-235 zu gewinnen, wird schweres
Wasser, sog. Deuteriumoxid (D2O), benötigt. Es gab jedoch in Europa nur eine
Fabrik, die schweres Wasser produzierte. Sie befand sich in Norwegen, ca. 120 km
westlich von Oslo. Sie hieß (und heißt heute auch noch) ,,Norsk Hydro". Mit
der Besetzung Norwegens durch Deutschland fiel diese Fabrik in deutsche Hände. Sie
musste sofort verstärkt weiter produzieren. Einen weiteren guten Ausgangspunkt
erlangte die deutsche Atomforschung mit der Eroberung Belgiens ebenfalls 1940.
Eine dortige Firma war größter Uranexporteur der Welt und besaß riesige Bergwerke
im Kongo. Mit dem Einmarsch in Frankreich konnte sogar ein Zyklotron, ein für die
Forschung äußerst wichtiges Instrument, erobert werden. Damit ergab sich eine
positive Ausgangslage für Deutschland. Trotzdem wurde das Atomprogramm offiziell
1942 per Erlass des Reichsmarschalls Göring wegen seiner großen Entwicklungsdauer
eingestellt. Trotzdem kam es im selben Jahr, am 06.06. zu einem Gespräch zwischen
hochrangigen deutschen Militärs und bedeutenden Atomforschern. Die Generäle sind
von den Möglichkeiten einer Atombombe fasziniert, wobei der finanzielle Aufwand
keine Rolle spielte. Es entstanden vorerst zwei Forschergruppen. Eine, die sich
vorrangig um Dr. Diebner mit den militärischen Einsatzmöglichkeiten beschäftigte
und eine die mehrheitlich die zivile Komponente untersuchte um Dr. Heisenberg in
Haigerloch. Dies war nach Ansicht amerikanischer Geheimdienste die am weitesten
fortgeschrittene Forschergruppe gewesen und erreichte nicht ansatzweise US-Niveau.
Es gab jedoch noch weitere Gruppen von SS und Reichspost (bekannt sind vor allem
die Forschungen Baron Manfred von Ardennes). Die SSUntersuchungen, die in der
Tschechei stattfanden, unterlagen der Aufsicht von Dr. Kammler (!). Einen großen
Rückschlag erlitt die deutsche Atomforschung mit der Zerstörung des
Schwerwasserwerks in Norwegen am 27./28.02.1943 durch alliierte Bomber, was jedoch
nicht zwingend ein Ende des Atomprogramms bedeutete, da die Anlage nach Aussage
Albert Speers in Deutschland wieder aufgebaut worden sei und große Reste des D2O
auf dem Landweg nach Deutschland gebracht worden waren, wofür es jedoch keine
Beweise gibt. Sollte diese Aussage der Wahrheit entsprechen, stellt sich die
Frage, wohin die Anlage verbracht wurde. Als ein möglicher Verlagerungsort wird
der Großraum S III angegeben. Angeblich soll nahe des Nachrichtenamts 10 ein
riesiges Kraftwerk erbaut worden sein, was ,,eine Stadt wie Berlin mit Strom
versorgen könnte"179. Ein weiterer, merkwürdiger Umstand ist die verbitterte
Verteidigung des Kraftwerkes in Mittelhausen (bei Erfurt), dass den Großraum
Jonastal mit Strom versorgte. Nach Aussage des Verlagsinhabers Heinrich Jung soll
es massive Kämpfe um dieses Umspannwerk gegeben haben. Da Erfurt Tage später als
das Jonastal befreit wurde stellt sich die Frage, wofür der Strom für das Jonastal
noch benötigt wurde, obwohl es längst besetzt war.
179
Aussage eines Offiziers gegenüber dem US- Soldaten Cibuzar, zitiert in FÄTH, H.:
2002, S.160
50
Legenden und Rätsel vom Jonastal Die einzigen verlässlichen Stützen für alle
Theorien sind prinzipiell nur die Zeugenaussagen, auf die sich alle Hobbyforscher
stützen, die aber im Vergleich mit den in die Projekte irgendwie einbezogenen
Menschen nur einen beschränkten Wert haben, da es Tausende andere Personen gibt,
die solche Beobachtungen nicht zu Protokoll gegeben haben. Dafür ist aber
teilweise das harte Vorgehen des SS schuld, die teilweise gezielt die Mitwisser
unter den Häftlingen und in den eigenen Reihen tötete. 180 Weiterhin ist
festzustellen, dass bei Messungen auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf, im Bereich
in dem die Tests stattgefunden haben, im letzten Jahr eine erhöhte Strahlung
festgestellt wurde, die jedoch unter den gesetzlichen Grenzwerten liegt. Es gibt
weiterhin nur sehr wenige, schriftliche Anordnungen und Befehle, was darauf
zurückzuführen ist, dass diese meist mündlich gegeben bzw. nach zwei Stunden
vernichtet werden mussten. Eines der wenigen, wirklich aussagekräftigen Indizien
ist eine Karte von New York, auf der die Auswirkungen eines Bombenabwurfs in
Zerstörungsradien angegeben sind. Diese Radien entsprechen nahezu exakt den
Zerstörungsflächen, die der Bombenabwurf auf Hiroschima verursacht hatte. Zum
eventuellen Projekt zum Bau einer Atombombe und deren Test im Großraum Jonastal
ist kaum etwas überliefert. Es gibt lediglich spärliche Hinweise darauf aber keine
Beweise. Es ist daher einfach, die Hobbyforscher als ,,Spinner"
abzuqualifizieren und ein solches Projekt für unmöglich zu erachten. Tatsächlich
klingen die Aussagen teilweise unglaubwürdig und sind sogar manchmal mit einem
Pathos behaftet, aber bis zu einem bestimmten Punkt sind die Forschungsergebnisse
der Hobby-Historiker nachvollziehbar. Die einzige Lösung bestände in einer
massiven Aufklärung durch staatliche Stellen verbunden mit Grabungen, um endlich
Klarheit zu gewinnen und die Glorifizierung dieser Forschungen zu unterbinden.
6.3.2 Die ,,fehlenden" Stollen
Zu den sich am hartnäckigsten haltenden Gerüchten zählt die vermeintliche Existenz
der Stollen 26-31, die auf solch eine Weise verschlossen sein sollen.
Zeilenumbruch eingefügt Vorerst muss aber geklärt werden, wie die richtige
Zählweise erfolgen muss, um die Realität wiederzugeben. Wie bereits unter dem
Kapitel ,,Das Sonderbauvorhaben S III" erwähnt, wurde bei der Beschreibung
der Anlage die allgemein anerkannte Zählweise in der Richtung Crawinkel-Arnstadt
von Nr. 1 bis 25 angewendet, wie sie vom Architekten Kott eingeführt wurde. Es
häufen sich jedoch die Berichte, dass die richtige Zählung genau in der
Gegenrichtung erfolgte. Dies sagt u.a. Adolf- Bernd Freier (in seinem Brief an Th.
Mehner) aus. Er berichtete von fünf weiteren Stollen in Richtung Crawinkel, die
mit den Buchstaben A-G bezeichnet wurden. 181Sollte dies der Wahrheit entsprechen,
müsste es sich um eine von den bekannten Stollen unabhängige Anlage handeln, da
auf Fotografien, die unmittelbar nach Kriegsende gemacht wurden, eindeutig Zahlen
erkennbar sind, mit denen die vorangetriebenen Stollen bezeichnet wurden.
180 181
Vgl. FÄTH, H.: 2002 S. 130 ff. vgl. MEHNER, T.: 2002 S.76
51
Legenden und Rätsel vom Jonastal Es gibt weitere Augenzeugenberichte, wonach
einige Stollen bereits mit luxuriöser Ausstattung und moderner Technik
ausgestattet waren. So berichtete z.B. der Elektriker Edmund Möller aus Gehren-
Jesuborn: ,,Bei meinen Arbeiten in den Stollen sah ich große Stahltüren, die
ständig geschlossen gehalten wurden. Auch wir als Elektriker sind hier nicht
reingekommen". Ein anderes Beispiel ist der Bericht Karl Zehnels aus
Ichtershausen, der über ,,(...) unterirdischen Konferenzräume, Befehlsstände und
große Hallen(...)" berichtet, oder Eduard Herms aus Ohrdruf: ,,Große Teile
des Stollenssystems waren bereits gekachelt und mit Fließen ausgelegt.".
Ähnliches berichten auch ein gewisser Herr K.W. und Traude Schleichhardt.182 Diese
voneinander unabhängigen Aussagen stehen im völligen Widerspruch zur offiziellen
Geschichtsschreibung. Sollten sie der Wahrheit entsprechen, wäre dies wohl eine
Sensation.
6.3.3 Andere Rätsel
Es gibt noch eine große Anzahl weiterer Legenden, die sich um den Großraum
Jonastal ranken. Bei dem Vororttermin im Sommer 2003 wurde durch die begleitenden
Mitglieder des Jonastal-Vereins der Weg durch ein dichtes Gestrüpp aufgezeigt.
Nach ca. 5 Minuten war ein großes Loch zu entdecken, dass offenbar von
Schatzsuchern und/ oder Kennern der Rätsel gegraben wurde. Einige Mitglieder des
Vereins wussten zu berichten, dass der Gang mindestens 40 Meter lang war und eine
weitere Durchquerung wegen der Instabilität unmöglich war. Der Schacht ist sehr
professionell gebaut und hat sogar abstützende Holzpfähle. Es wurde weiterhin
ausgesagt, dass in einem Depot im Inneren dieses Schachtes ungeöffnete
Bierflaschen standen (mit dem Verfallsdatum 1994). Die Personen, die den Schacht
gegraben haben sollen, sind angeblich festgenommen worden (sie sollen wohl immer
nachts gearbeitet haben). Das ungewöhnliche an dieser Grabung ist, dass sie genau
in die entgegengesetzte Richtung zu den bekannten Stollen, in Richtung Gossel
verläuft. Dies ist insoweit verwunderlich, als dass keine offiziellen Dokumente
oder Berichte über dort eventuell abgelaufene Bauvorhaben vorliegen. Es kam jedoch
zur Sprache, dass eine solch riskante und aufwendige Grabung durch einen gesunden
Menschenverstand nur zu rechtfertigen ist, wenn wirklich Hinweise vorliegen. Nach
der Festnahme haben die Grabungen aufgehört. Es gibt andere Menschen, die schon
oftmals Bußgelder zahlen mussten bzw. von Streifen aufgegriffen worden sind und
ihre Forschungen trotzdem fortsetzten. Dies ist jedoch nicht die einzige
Ungereimtheit, die heute noch sichtbar ist. Ebenfalls am Gegenhang befindet sich
eine Steintreppe, die aufwärts verläuft, sich aber im Nichts verliert. Außerdem
ist das Fundament für einen dort aufgebauten Generator sehr massiv ausgeführt, was
darauf schließen lässt, dass er dort längere Zeit stehen bleiben sollte und nicht
nur solange, wie sich dort die Baustelle befand. Bei der Begehung des Bereiches
über den bekannten Stollen war ebenfalls am Gegenhang inmitten von älteren,
dunklen Bäumen eine rechteckige Fläche von jüngeren, hellen Bäumen zu erkennen.
Dies könnte auf eine Tarnmaßnahme oder aber auf eine Rodung und einen
darauffolgenden neuen Bewuchs schließen lassen. Zum Abschluss sollen noch einige
andere Berichte aus der Umgebung des Jonastales erwähnt werden:
182
REMDT, G.: http://www.geocities.com/CapeCanaveral/1325/raetsel.txt (03.10.2003)
52
Legenden und Rätsel vom Jonastal Eine Hamburger Erkundungsfirma will bei der
Reliefgebung auf dem Truppenübungsplatz eine riesige Rakete entdeckt haben, die
mit Atomsprengköpfen bestückt sein sollte. Gefunden wurde jedoch nichts.183 Martin
Stade behauptet, dass sich im Untergrund noch 174 (!) so genannte Flugscheiben
befinden sollen (ähnlich eines Ufos).184 Einer unbekannten Quelle zufolge sollen
sich in riesigen unterirdischen Hallen noch 480-520 (!) Kampfpanzer befinden.185
Es gibt anonyme Berichte über seltsame Lichterscheinungen, die unbekannten
Ursprungs sind. Die Telefonanlage im angeblich fertig gestellten FHQu soll noch
funktionsfähig sein und die Nummer folgendermaßen lauten: 03624/1200500. Es gibt
Berichte, dass unter dieser Nummer ständig besetzt ist. Bei einem Versuch am
02.11.2003 jedoch war unter dieser Nummer kein Anschluss bekannt.186 All diese
Spekulationen sollen an dieser Stelle unkommentiert bleiben und dem Leser zu
selbständiger Nachforschung anregen, um sich ein eigenes Bild machen zu können.
Abschnittswechsel (NÄchste Seite)
183 184
Vgl. o. A.: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,260679,00.html (03.10.2003) Vgl.
Ebenda 185 Vgl. o. A.: http://www.tour-de-ost.de/news/news.php?newsid=515
(03.10.2003) 186 o. A. http://www.factorfake.de/printout97.html (03.10.2003)
53
Fazit
7 Fazit
Wenn es auch angedacht war, so konnte Hitler selbst bei optimistischsten
Betrachtungen, sein geplantes Führerhauptquartier in der Stollenanlage des
Jonastals wohl nicht mehr beziehen. Damit war das maßgebliche Ziel des
Sonderbauvorhabens S III, die Errichtung eines Hauptquartiers zum Schutz des
Führers, fehlgeschlagen. Maßgeblich für die vorausgehende Betrachtung war jedoch
der Umstand, dass zu dem Zeitpunkt, als sich die militärische Lage für das 3.
Reich rapide verschlechterte und sich die Fronten seinen Grenzen bereits
bedrohlich genähert hatten, ein in der Nachbetrachtung unsinniger und von Anfang
an zum Scheitern verurteilter Auftrag mit dem Bauvorhaben S III, dem Bau eines
Führerhauptquartiers im Raum Arnstadt Ohrdruf Gotha, erteilet wurde. Zumal es
sich nicht um das erste Führerhauptquartier im 3. Reich gehandelt hatte. Ähnliche
Ansätze die andernorts sogar schon 1943 eingeleitet wurden, scheiterten zum
Großteil ebenfalls kläglich. Was dennoch die NS-Größen veranlasste, diese schon
mit Baubeginn im November 1944 zum Scheitern verurteilte Sonderbauvorhaben trotzt
allem mit einer beängstigenden Verbissenheit voranzutreiben, scheint in der
Hierarchie des skrupellosen NSStaates selbst begründet zu liegen. So waren
maßgebend die Auseinadersetzungen um die Baukompetenzen zwischen Himmlers SS und
der zu dieser Zeit im deutschen Kriegsbau führenden Organisation Todt.
Letztendlich setzte sich die SS gegenüber der OT durch und erhielt die Bauleitung
für das Führerhauptquartier, jedoch nur unter der Prämisse einer
schnellstmöglichen Fertigstellung. Das Angebot Himmlers, die infolge des Krieges
nicht mehr ausreichend verfügbaren deutschen Arbeitskräfte durch KZ-Häftlinge zu
ersetzen und mit ihrem schonungslosen Einsatz zugleich die zu erwatenden Lücken
bei der Bereitstellung von Baumaschinen und weiteren Geräten zu schließen, stieß
bei Hitler auf breite Zustimmung. So bot Kammler die Plattform für die Expansion
der SS im Bausektor mit Hilfe des Einsatzes von KZ-Häftlingen. Fortan sollte damit
die Person Kammler sowie sein Sonderstab die Szene beherrschen, aber genauso
verantwortlich für die barbarische Leiden der Häftlinge bei dem Bauvorhaben sein.
Umso unmöglicher die Realisierung eines Bauvorhabens, umso energischer wurde zur
Sache gegangen. Umso mörderischer die Arbeit war, umso mehr Häftlinge mussten ihr
Leben lassen. Die eigentliche Bedeutung des Wahns lag darin, dass ohne Rücksicht
auf eine nur eine annähernde tatsächliche Realisierbarkeit oder gar Notwendigkeit
des Bauvorhabens S III sich tausende Häftlinge unter unzähligen grausamen Leiden
und furchtbaren Qualen drangsaliert durch SS Terror und Verfolgung in das
Bergmassiv des Jonastals ,,gruben". Eine Brutalität und abscheuliche
Barbarei, die die Menschheitsgeschichte zuvor nie gesehen hatte, trat zu Tage.
Werte wie Nächstenlieb, Hilfsbereitschaft, Friede und Güte galten nichts mehr.
Hier zeigte sich das wahre und ganze Gesicht der fanatischen, faschistischen
Ausbrut in ihrer gesamten monströsen rassenideologischen Abart. Verlust von
Freiheit und Mündigkeit der Menschen, Entrechtung und Diskriminierung, totaler
Verfügungsanspruch einer Rasse, Machtgier und ungeahnter Skrupel verschmelzen hier
mit der systematisch geplanten und auf wirtschaftlichen Gewinn kühl kalkulierten
physischen und psychischen Vernichtung ganzer ,,wertlos gewordener"
Volksstämme durch erbarmungslose Arbeit in dem Stollensystem des Jonastals. Nicht
zu unrecht muss das Außenkommando S III als Musterbeispiel für die ,,Vernichtung
durch Arbeit" angesehen werden und fortan als eines der schrecklichsten
Arbeitslager im NS-Reich, wenn nicht gar im damaligen vom Faschismus bedrohten
Europa, angesehen werden. Angesichts dieser Tatsache erwächst für uns noch heute
eine gewaltige Verantwortung. Eine Verantwortung zum Mahnen und Verpflichten,
insbesondere gegenüber den mehr als 15.000 54
Fazit Toten der mörderischen viereinhalb Monaten andauernden Höllenarbeiten. So
muss es gerade in diesem Hinblick auf die vielzähligen Rätsel von Wunderwaffen,
Beuteschätzen und allerlei Mythen unsere oberste Priorität sein, dass Leiden der
Häftlinge bei jeder Betrachtung in den Vordergrund zu stellen. Es darf nicht
unsere Absicht werden, vermeintliche technologische Großleistungen wie
Wunderwaffen preisen zu wollen oder gar zu glorifizieren und jenem Mythos von
Beute- und Kunstschätzen den Sprung über die Häftlingsleiden zu gewähren. Die
Forschungsarbeit auf dem Gebiet des Geheimprojektes S III sowie dem zugehörigen
Außenlagers darf nicht Legendenbildnern, Schatzsuchern oder gar einer
Goldgräberstimmung weichen. Hier stehen alle in der Verantwortung selbst der
scheinbar außenstehende Käufer im Buchladen. Und das es noch etwas zum erforschen
gibt, ist beim Geheimprojekt S III so augenscheinlich wie bei keinem anderen
vergleichbaren Projekt. So wurde die geheimnisumwitterte Historie bisher nur in
populärwissenschaftlicher Literatur versucht aufzuarbeiten oder Hobby- und
Regionalforscher überlassen - bisher mit nur mäßigem Erfolg. Hingegen hat sich
noch kein hauptberuflicher Historiker ausgiebig mit dem Geheimprojekt S III
beschäftigt. So ist auch der Mangel an wirklich sachlich fundierten Informationen
zu begründen. Dieser Umstand begünstigt jedoch so genannte Legendenbildner. Bei
einer weiteren verantwortungsvollen Aufarbeitung ist unserer Ansicht nach vor
allem auch die Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e.V.
gefragt. Möge sie die objektiv auf die tatsächliche Wahrheit fokussierte
Aufarbeitung und Erforschung der Geschichte um die Ereignisse im Großraum Jonastal
während des 3. Reiches vorantreiben und sich nicht von Möglichkeiten der
kommerziellen Ausschlachtung des Mythos in deren Bann ziehen lassen. Bücher über
das Jonastal gibt es mittlerweile genügend Fakten und Beweise sind leider
Mangelware. Mögen sie sich die GTGJ e.V. gegen die Mehners und Fäths dieser Welt
durchsetzten. Letztlich gilt es auch von Seiten der Behörden mehr Bereitwilligkeit
zur Aufarbeitung der Geschichte des Raumes Jonastal zu zeigen. Aufzuarbeiten gibt
es angefangen von dem unbeschreiblichen Häftlingsleiden bis hin zu den mysteriösen
letzten Kriegstagen genügend. So spielte sich ganz in unserer heimatlichen Nähe,
eine der barbarischsten Schrecken und gleichzeitig, wenn Ansatzpunkte wie die
Wunderwaffenforschung zur Atombombe oder VWaffen und Einlagerungen von
Kunstschätzen nur im Ansatz stimmen, epochale technische und militärische
Weltgeschichte ab. Dies alles in einem kleinen Tal bei Arnstadt. Hier muss es
einfach noch mehr zum erforschen und entdecken geben. Hierbei sind vor allem die
neugeöffneten russischen Archiv sowie auch die Archive der ehemaligen DDR-Behörden
eine gute Ausgangsquelle, die weitreichende Ansatzpunkte für Nachforschungen
geben. Jedoch erst, wenn auch die Nationalen Archive der USA den nochmaligen
30jährigen Bann des Schweigens von den Akten zum S III nehmen, wird sich
allmählich die rätselhafte Geschichte des Jonastalsraums von selbst auflösen. Bis
dahin werden Spekulationen über die unterirdischen Anlagen im Jonastal selbst die
objektive und fachliche Forschungsarbeit zwangsläufig bestimmen. Hoffen wir, dass
die amerikanischen Behörden im Sinne der ermordeten Häftlinge handeln und zur
Aufklärung und Aufarbeitung ihrer Geschichte tatkräftig beitragen mögen. Eines der
meistverwendeten Zitate von seriösen Forschern ist bis dahin: ,,Solange nichts
bewiesen ist oder konkrete, unangreifbare Hinweise vorliegen, können wir bei der
´Geheimsache` Jonastal lediglich von einem nicht fertig gestellten Stollensystem
mit 25 Stollen ausgehen, für dessen Errichtung viele unschuldige Menschen ihr
Leben verloren haben." Leider nicht mehr, aber auch nicht weniger. 55
Zeittafel
Zeittafel
24.08.1944 26./27.09.1944 28.09.1944 02.11.1944 Nov. 1944 Ende Dez. 1944 Jan. 1945
25.01.1945 30.01.1945 06.02.1945 07.02.1945 08.02.1945 13.02.1945 15.02.1945 Mitte
Febr. 1945 16.02.1945 19.02. 1945 22.02.1945 26.02.1945 27.02.1945 08.03.1945
09.03.1945 17.03.1945 29.03.1945 03.04.1945 04.04.1945 05.04.1945 12.04.1945
Apr./Mai 1945 Juli 1945 Winter 1946/47 1966/67 Ende 1989 1991 Jodl will
Entscheidung herbeiführen, ob im Raum Mitteldeutschland, Thüringen und Harz ein
neues FHQu zu errichten sei Himmler spricht mit Hitler über neues FHQu in
Wildflecken (Rhön) Himmler beauftragt Kammler mit den Erkundungen Himmler
besichtigt mit Oberst Streve und Kammler den TrÜbPl Ohrdruf Erste
Häftlingstransporte nach Ohrdruf, Verlagerung Baustab S III Häftlingszahl für S
III überschreitet 10.000 Luftwaffenadjutant Hitlers, Oberst Below fliegt nach
Ohrdruf und bewertet Baufortschritt als gering Im Auftrag des Ingenieurbetriebs
Fiebinger, Wien weist das Projekt als als Bauvorhaben aus dem Rüstbauprogramm aus.
Hitler untersagt jede Debatte über ein ,,Ausweichen" Hitler stimmt Verlegung
eines kleinen Teils von jedem Ministerium vielleicht nach Oberhof zu Goebbels,
Lammers und Bormann einigen sich auf Evakuierung von wichtigen Führungskräften-
und Materialien nach Thüringen Es wird trotz täglicher Intervention des OKL auf
Verlegung keine Entscheidung getroffen Die Verlegung des OKL wird vorbereitet
Bormann hält Berlin für nicht bedroht Chef des WFSt trifft keine Entscheidung auf
FHQu Kammler beansprucht Gästehaus in Oberhof für Hitler und Ribbentrop
Verlegungsbefehl für Teile des OKL nach Wasserburg/Inn Weitere Teile des OKL
verlegen nach Weimar- Nohra Chef des Generalstabes ordnet Verlegung von Teilen des
OKH von Zossen nach Ohrdruf an Erste Transporte des OKH Richtung Ohrdruf Hilter
genehmigt langsames ,,Heraussickern" bedeutender Stäbe aus Berlin Burgdorf
berichtet über Ausbau der FHQ- Unterkunft im Raum Olga Weitere Teile des OKH nach
Ohrdruf Befehl zum Abtransport des OKH von Ohrdruf nach Berchtesgaden Einstellung
der Bauarbeiten an SIII Die Amerikaner erreichen Ohrdruf Einrichtung eines
Gefechtstands der US- Armee in Ohrdruf Um 17.40 Uhr wird die Entdeckung der
Stollenanlagen gemeldet US- Armee erhält weitere Hinweise über teilweise
unterirdische Bauvorhaben im Raum Ohrdruf SMAD verpflichtet Bürger von Gossel zu
Demontagearbeiten Sowjets sprengen Zugänge zur Stollenanlage
Desinformationskampgagne gegen Bundespräsident Lübke,, DDR Behörden untersuchen
unversehrten Teil Letzte Untersuchung der ruinösen Untertageanlage durch Rat des
Bezirks Erfurt angeordnet Hohlraumerkundung im Auftrag der thüringischen
Landesregierung und Verschluss verbliebener Zugänge
nach ZEIGERT, D.: 2003, S. 278
56
Biographische Aufzeichnungen
Biographische Aufzeichnungen
Bormann, Martin (1900- 1945); Landwirt. 1927 Mitglied der NSDAP, 1933 Reichsleiter
der NSDAP und Stabsleiter bei Hitlers Stellvertreter Heß, 1941 Chef der
Parteikanzlei, 1943 Sekretär Hitlers und dessen ,,Graue Eminenz". Beim
Ausbruchsversuch aus der Reichskanzlei ums Leben gekommen. Bradley, Omar (1893-
1981) amerik. General Oberbefehlshaber 12. Armeegruppe, Nelson maßgeblich an
Bildung der Nato beteiligt Eisenhower, Dwight (1890-1969) amerik. General und
Präsident Oberbefehlshaber über David alliierte Truppen in Nordafrika 1944
Kommando über Landung in Normandie, 1945 Entgegennahme der dt. Kapitulation,
Oberbefehlshaber der US- Armee in Deutschland 1950-52 Oberbefehlshaber über Nato-
Streitkräfte1952-1960 Präsident der USA Himmler, Heinrich (1900- 1945)
[Selbstmord]; Diplomlandwirt. 1925 Mitglied der NSDAP, 1929- 1945 Reichsführer SS,
1936 Chef der dt. Polizei, 1943 Reichsinnenminister, 1944 Befehlshaber des
Ersatzheeres. Schuf die Waffen SS neben der Wehrmacht, entschiedener Organisator
der Vernichtung der Juden (,,Endlösung"). 1945 wegen eigenständiger
Bemühungen um eine Kapitulation von Hitler von aller Ämter enthoben und aus der
NSDAP ausgeschlossen. Hitler, Adolf (1889-1945) [Selbstmord in Berlin]; Mitglied
der NSDAP 1919, Beteiligung am Hitlerputsch 1920, 8 Monate Haft, Reichskanzler
1933, 1934 totaler Führer, 1939 Entfesselung des 2. Weltkrieges, 1941 Oberster
Heeresführer, Jodl, Alfred (1890- 1946) [hingerichtet]; Generaloberst. 4.2.1938
Chef des Wehrmachtsführungsamtes, 1.10. 1938 Artilleriekommandeur 44 (Wien),
1.9.1939-1945 Chef Wehrmachtsführungsamt/-stab. Kammler, Hans (1901-1945)
[gerichtliche Todeserklärung]; Architekt, Dr. Ing., Obergruppenführer und General
der Waffen SS. 1932 Mitglied NSDAP, 1933 angehöriger der SS. Seit 1924 im
Preußischen Staatsdienst, 1928 Regierungsbaumeister, ab 1931 tätig in der Leitung
des Gaues Groß- Berlin. 1941 Baudirektor der Luftwaffe, wurde K. 1942 von Himmler
als Chef der Amtsgruppe C (Bauwesen) in das neu geschaffene Wirtschafts- und
Verwaltungshauptamt der SS berufen. Seit 1943 führende Beteiligung am Ausbau
unterirdischer Produktionsstätten für die Rüstungsindustrie. Neben einer größeren
Zahl weiterer Sonderaufgaben war K. 1945 verantwortlich für die Fertigung und den
Einsatz der V- Waffen. Am 9.5.1945 südlich von Prag ums Leben gekommen, vermutlich
Selbstmord. Keitel, Willhelm (1882-1946)[hingerichtet], Generalfeldmarschall. 1935
Chef des Wehrmachtsamtes im Reichskriegsministerium, 1938-1945 als Chef des
Oberkommandos der Wehrmacht zur ständigen Umgebung Hitlers gehörend,
geringschätzig als ,,Lakeitel" bezeichnet. Oldeboershuis, Gerrit (1895- ?),
Maurergeselle, 1936 städtischer Werkmeister, 1938 Bürgermeister. 1939
ehrenamtlicher Leiter eines NSDAPKreisgerichtes. 1928 Eintritt in die NSDAP, 1931
in die SS; seit 1937 Träger des goldenen Parteiabzeichens, 1939 Sturnbannführer.
Aufgrund freiwilliger Meldung 1943 Übernahme in die Waffen-SS 57
Biographische Aufzeichnungen und Polizei ,,Reich West", 1944
,,bevorzugt" zum Hauptsturmführer der Reserve ernannt, Auszeichnung mit dem
Kriegsverdienstkreuz I. Klasse mit Schwertern. Chef der Sonderinspektion III
im ,,Sonderstab Kammler", leitete den (Bau-) Führungsstab beim Projekt S III.
1955 durch ein franz. Gericht zu 12 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, begnadigt.
Patton, George Smith 1885-1945 amerikanischer General, Panzerstratege, Kämpfte in
Nordafrika 1943 in Sizilien, 1944/45 Oberbefehlshaber der 3. USArmee in Frankreich
und Süddeutschland, nach Kriegsende Militärgouverneur in Bayern, Tod durch
Verkehrsunfall in Mannheim Saukel, Ernst (1894-1946); Seemann. 1922 Mitglied der
SA, 1923 der NSDAP; Friedrich (Fritz) 1927- 1945 Gauleiter, 1932
Ministerpräsident, 1933 Reichsstadthalter in Thüringen, 1939
Reichsverteidigungskommissar im Wehrkreis IX, 1942 Generalbevollmächtigter für den
Arbeitseinsatz. Speer, Albert (1905-1981), Architekt, Prof., Stararchitekt
Hitlers. 1937 Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, 1938 mit dem Bau der
neuen Reichskanzlei beauftragt. 1942 Nachfolger Todts als Reichsminister für
Rüstung und Kriegsproduktion; 1946 zu 20 Jahren Haft verurteilt. Streve, Gustav
(1938-?) Oberst. 1936 als Hauptmann (E) in die Wehrmacht übernommen, 1942
Kommandant, 1944 Lagerkommandant des Führerhauptquartiers. In den Augen von
Goebbelsein ,,nervöser Hysteriker" (1944), hatte nie begriffen, dass ,,die
Führung Telefone und Anschlüsse brauchte". Todt, Fritz (1891-1942)
[Flugzeugabsturz]; Ingenieur. 1922 Mitglied der NSDAP, 1933 ,,Generalinspektor für
das dt. Straßenwesen", 1934 Leiter des Amtes Technik , 1938
,,Generalbevollmächtigter der Bauwirtschaft" (Westwallbau). Initiator der
amtlich nicht registrierten ,,Organisation Todt" , 1940-1942 Reichsminister
für Bewaffnung und Munition. U.a. verantwortlich für den Bau der
Verteidigungsanlagen an der Atlantikküste. und mehrerer FHQu. Stellte Baufirmen
einschließlich deren Personal und Gerätepark in den Dienst der Kriegsführung.
58
Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
AK BA BA-MA ChGenSt FHQu Flak Fm Fü FüNachrRgt GB GenKdo GenSt HNW Hqu HstA IMT
InfDiv Kdt KFA KTB Lw NA NSDAP OB OKH OKL OKW OT PzDiv REIMAHG RFSS Rgt RMRuK RPD
RPM RSD SIII SB SS StA TrT WaSS WFA WFSt WNV WVHA Armeekorps Bundesarchiv, Berlin-
Koblenz Bundesarchiv, Millitärarchiv, Freiburg Chef des Geberalstabes
Führerhauptquartier Flugabwehrkanone Fernmeldezentrale Führung Führungs-
Nachrichtenregiment (Ebene OKH,OKW) Generalbevollmächtigter Generalkommando
Generalstab Heeres-Nachrichtenwesen (einschl. Aufklärung) Hauptquartier
Hauptstaatsarchiv Internationales Millitärtribunal Infanterie Division Kommandant
Kriegsfernmeldeabteilung (beim OKW) Kriegstagebuch Luftwaffe Nationales Archiv
(USA) Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei Oberbefehlshaber Oberkommando
des Heeres Oberkommando der Luftwaffe Oberkommando der Wehrmacht Organisation Todt
Panzerdivision Reichswerke Hermann Goering Reichsführer SS Regiment
Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion Reichspostdirektion
Reichspostministerium Reichssicherheitsdienst Sonderinspektion III
Sonderbeauftragter Schutzstaffel Staatsarchiv Truppenteil Waffen-SS
Wehrmachtsführungsamt (bis 1940) Wehrmachtsführungsstab (ab 1940)
Wehrmachtsnachrichtenverbindungen Wirtschaft- und Verwaltungshauptamt der SS
59
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Quellenverzeichnis
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61
Quellenverzeichnis
Dokumente
Archiv der Gedenkstätte Buchenwald
31/1053 62-79-1/2, Aussage Edmund Möller 62-79-1/2, Aussage Georg Link 62-79-11
62-79-13, Pläne und Erläuterungsberichte von Baumeister Ernst Oktober/November
1945 62-79-14 , Aussprache mit Willibald Burkhardt 62-79-3, Aussage Toni Böttner
82-15-1, Eidesstattliche Erklärung Heinrich Barnewald, 82-15-1/2, Eidesstattliche
Erklärung Heinrich Barnewald KL Buchenwald und Haftanstalten, 66, Schreiben vom
12.1.1945
Kott, Arnstadt vom
Protokolle aus der Landesversammlung für jüdische Religion und Geschichte,
Jüdisches Museum, eingelagert im Buchenwaldarchiv unter 62-79-14
OZVTG Protokoll Laslo Fischer, ohne Nr. OZVGT 192 Ernö Feldmann OZVTG 323 Bela
Eber OZVGT 326 Gyula Csermak OZVTG 326 Gyula Csermak OZVGT 327 Endre Kun OZVTG 387
Ignac Abramovics OZVGT 731 Ödön Friedmann OZVGT 855 Sandor Guttmann OZVGT 1616
Sandor Braunstein OZVTG 2760 Jozef Marton OZVGT 3048 Ozkar Adler OZVGT 3068 Bela
Hegyi OZVGT 3251 Miklos Feder OZVGT 3469 Tibor Katz
Thür. Hauptstaatsarchiv Weimar
Bestand Strabag, Nr. 75/502, Schreiben der Strabag - Weimar vom 21.8.1945 Bestand
Strabag, Nr. 75/502, Schreiben der Strabag Weimar vom 21.8.1945 KL Buchenwald und
Haftanstalten, 71 a, Bl. 2, 4. Mitteilung vom 7.9.2000
Kreisarchiv Arnstadt
Bestand Gossel, Nr. 414 Sammelakte Jonastal Schreiben vom 31.7. 2001
62
Quellenverzeichnis
Deutsches Bundesarchiv
IG- Farben - Prozeß, Nbg. Dok. NI 638, Aussage G. Lörner RH 2/306, Bl. 107 f. RL
2-V/17, Anlage 246
National Archiv, Washington D.C.
G-2 Journal 4. (US) PzDiv, 5.4.1945, Eintrag 19.00 Uhr B-Zeit G-2 Journal 4. (US)
PzDiv, 5.4.1945, Eintrag 65 G-2 Journal 87. (US) InfDiv, 12.4.1945, Eintrag 55,
16.40 Uhr G-2 Journal 87. (US) InfDiv, vom9.4. 1945, Eintrag 45,57, jeweils mit
Anlage G-2 Periodic Report XII- (US) Corps, Nr. 236 vom 7.4.1945 G-2 Periodic
Report 4. (US) PzDiv, Nr. 177 KTB 4. (US) PzDiv, G-2 Journal 4.4.1945, 23.30,
Eintrag Nr. 37 RG 165, CSDIC(UK), SIR 1583 vom 29.3.1945 RG 407, 604-CC A-0.3,
After Action Report der Kampfgruppe `A' der 4. (US)PzDiv vom 30.5.1945 RG 407,
Kriegstagebuch der 80. (US) InfDiv, Anhang 2 zum G-2 Periodic Report Nr. 211, 3.4.
1945 S-2 Journal 345. (US) InfRgt, 10.4./11.4. 1945, Eintrag 21
Sonstige Dokumente
Berliner Zeitung, 26. November 1991 Freies Wort, 4. Dezember 1991 Internationales
Militärtribunal, NO 2327 Schreiben vom Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt vom
19.4.2001
Abbildungsnachweis
Archiv der Gedenkstätte Buchenwald Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde
Gotha Thüringer Landesvermessungsamt Kreisarchiv Arnstadt Archiv des eh. KZ
Bergen-Belsen National Archiv, Washington D.C. Dieter Zeigert.: Hitlers letztes
Refugium. München, Literareon im Herbert Utz Verlag GmbH, 2003 NEANDER, J.: Hat in
Europa kein annäherndes Beispiel. Berlin, Metropol, 2002 Abb.: Umschlag, 2 - 5, 20
-27, 36 Abb.: 8 - 13 Abb.: 7 Abb.: 31 Abb.: 28 Abb.: 29 - 30, 35, 37 Abb.: 1, 6,
34 Abb.: 38
BLfpB: Der Nationalsozialismus. Das bittere Abb.: 14, 39 Ende. Band 3 1939-45.
München, Oldenbourg Verlag, 1993 Eigenes Archiv Abb.: 15 - 19, 41 - 42
63
Autorenverzeichnis
Autorenverzeichnis
1 2
2.1 2.2 2.3
EINLEITUNG .......................................................................
....................VON S. LUCK DIE HISTORISCHE
EINORDNUNG ...............................................VON C. BICKEL
Kriegswende Auswirkungen auf die Rüstungs- und Kriegsindustrie im NS Deutschland
Geheimprojekte im ,,Schutz und Trutzgau" Thüringen
3
3.1 3.2 3.3 3.4 3.5
SONDERBAUVORHABEN S III.......................................................VON
C. BICKEL
Der Deckname S III Voraussetzungen Der Bau in chronologischer Abfolge Person Hans
Kammler Nutzung und Verwendung von S III im 3. Reich
4
4.1 4.2 4.3 4.4 4.5
HÄFTLINGSLAGER S
III ......................................................................VON S.
LUCK
Errichtung des Lagers S III und Verbindungen zum KZ Buchenwald Verwendungszweck
Leben im Lager des Schreckens Vernichtung durch Arbeit Ein kurzer Epilog: Mahnung
und Verpflichtung
5
5.1 5.2 5.3
DAS ENDE VOM GEHEIMPROJEKT S III ........................................VON S.
LUCK
Einmarsch amerikanischer Truppen und Kriegsende Stollenkomplex im Jonastal zur
sowjetischen Besatzungszeit Stollenanlage in der Gegenwart
6
6.1 6.2 6.3
LEGENDEN UND RÄTSEL VOM JONASTAL.............VON S. LUCK/C. BICKEL
Aufarbeitung der Geschichte um das
Jonastal
.......................................................................von C.
Bickel Das Bernsteinzimmer und andere Beuteschätze des 3.
Reichs ................................................ von S. Luck Projekt zum
Bau einer
Atombombe.........................................................................
..............von C. Bickel
7
FAZIT.............................................................................
............................VON S. LUCK
Abschnittswechsel (NÄchste Seite)
64
Eidesstattliche Versicherung
Eidesstattliche Versicherung
Hiermit versichern wir, dass wir die vorliegende Seminarfacharbeit selbstständig
und ohne unerlaubte Hilfe verfasst und keine anderen als die angegebenen
Hilfsmittel benutzt haben. Insbesondere erklären wir, dass alle wörtlichen und
sinngemäßen Übernahmen aus anderen Werken als solche kenntlich gemacht sind.
Schwarza, d. 04.11.2003 ________________________________ Ort, Abgabedatum
gez. Luck
______________________ Sebastian Luck
Zella-Mehlis, d. 04.11.2003 ________________________________ Ort, Abgabedatum
gez. Bickel
______________________ Cedric Bickel
Abschnittswechsel (NÄchste Seite)
65
Anhang
Anhang
Abb. 1
Übersichtskarte...................................................................
.............................................I Abb. 2 Blick auf die Stollenanlage
im
Jonastal .........................................................................
I Abb. 3 Blick auf die Stolleneingange Nr. 3 und Nr.
4 ...............................................................II Abb. 4
Stolleneingänge 1 bis
7.................................................................................
..................II Abb. 5 Blick in Richtung Stollengruppe 1-
12............................................................................II
Abb. 6 Baracken des Nordlagers
1941..............................................................................
....... III Abb. 7 Luftbild des Nordlagers im Frühjahr
1945................................................................... III Abb. 8
Amerikanischer Feldsanitäter in der Leichenbaracke des
Nordlagers ......................... IV Abb. 9 Besichtigung des Nordlagers am 12.
April 1945 durch Eisenhower ........................... IV Abb. 10 Häftling aus
dem Krankenlager, die kurz vor der Evakuierung erschossen wurden .. V Abb. 11
Provisorische Verbrennungsstätte des
Nordlagers ...................................................... V Abb. 12
Provisorische Verbrennungsstätte des
Nordlager....................................................... VI Abb. 13 Tote
Häftlinge aus dem Krankenlager die vor der Evakuierung erschossen wurden VI Abb.
14 Vernichtungstransport ins KZ Bergen-
Belsen ..........................................................VII Abb. 15
Mahntafel des Todesmarsches vom S III nach
Buchenwald.....................................VII Abb. 16 Denkmal für die
Ermordeten Häftlinge vom Außenkommando S III..................... VIII Abb. 17
Warnschild der Bundeswehr im
Jonastal ................................................................ VIII
Abb. 18 Hinweisschild auf das Umwelt- und Trinkwasserschutzgebiet
Jonastal................... IX Abb. 19 Stollen Nr. 14 im
Inneren ..........................................................................
................. IX Abb. 20 Befehl zur Einrichtung des Postfaches 337 in Gotha
für das S III.............................. X Abb. 21 Die SS-Bewacher des
Außenkommandos S III.......................................................... XI
Abb. 22
Krankenbilanz ....................................................................
.......................................XII Abb. 23 Häftlingsaussagen 623 und 387
(OZVTG) ............................................................. XIII Abb. 24
Häftlingsaussage von 327 (OZVTG) Teil
I............................................................. XIV Abb. 25
Häftlingsaussage von 327 (OZVTG) Teil
I.............................................................. XV Abb. 26 Bericht
von Toni Böttner Teil
I...............................................................................
XVI Abb. 27 Bericht Toni Böttner Teil
II................................................................................
....XVII Abb. 28 Transportlisten Überstellung Häftlingen in das KZ Bergen-
Belsen .................... XVIII Abb. 29 After Action
Report............................................................................
..................... XIX Abb. 30 G-2 Periodic Report
211...............................................................................
............ XX Abb. 31 Zwangsarbeit zu Demontagearbeiten an der Baustelle im
Jonastal ........................ XXI Abb. 32 Legenden 1966 ("Das
Volk" ,
9.2.1966) ...............................................................XXII Abb.
33 Bernsteinzimmer im Weimarer
Gauforum.............................................................XXII Abb. 34
Führungsstab S III und die Lagerbereiche des Außenkommandos S III..............
XXIII Abb. 35 Lager- und Baustellenbereich des Projektes S
III ................................................ XXIII Abb. 36 Handskizze
eines Häftlingslager im Bausstellenbereich Jonastal ........................ XXIV
Abb. 37 US-Vorstoß nach
Thüringen ........................................................................
........ XXIV Abb. 38 Organisationsstruktur des Systems der
Konzentrationslager .................................XXV Abb. 39 "Vernichtung
durch
Arbeit" .....................................................................
..............XXV Interview 1 am 13. 10. 2003 mit Ullrich Brunzel,
Buchautor............................................ XXVI Interview 2 am 15. 10.
2003 mit Klaus-Peter Schambach, Vorstand GTGJ e. V. ...........XXVIII Tabelle 1
Bauleitungen......................................................................
................................. XXIX Tabelle 2 Häftlingstransporte ins S
III ..............................................................................
...XXX
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