Sie sind auf Seite 1von 8

IHK-Prüfung Teil I – PKU 1612/1701

Ausgangssituation
Sie sind Personaldienstleister bei der Ultra-Zeitarbeit. Sie bieten Zeitarbeit, Personal-
vermittlung und Interims Management an.

Aufgabe 1

a) Sie rufen bei einem Kunden an und der Mann in der Telefonzentrale sagt, es
gibt keinen Bedarf. Nennen Sie zwei Möglichkeiten die Sie haben, den rich-
tigen Ansprechpartner zu ermitteln

Antwort 1a: Ansprechpartner ermitteln (4Pkt.)

• Unternehmenswebsite
• Personalverantwortlichen erfragen
• persönlich vorbeifahren und Ansprechpartner erfragen
• Kontaktperson in Stellenanzeigen raussuchen
• soziale Netzwerke für Business- Kontakte (Xing, Linkedin usw.)

Aufgabe 1b:

b) Sie möchten neuen Kunden akquirieren. Sie bekommen Referenzen von Kun-
den aus derselben Branchen. Nennen Sie 2 Vorteile, wie Sie solche Empfeh-
lungen bei anderen Kunden einsetzen können.

Antwort 1b: Vorteile, Referenzen beim Kunden einsetzen (3Pkt.)

• Vertrauen schaffen bei Akquise – Gespräch mit Neukunden


• Argumentation für Qualität bei ähnlichen Einsätzen
• Hinweis auf Referenzen erleichtert Terminvereinbarung
• Branchenkenntnis zeigen, Erfahrung
• Zuverlässigkeit (andere Kunden „bürgen“ für uns)

Aufgabe 1c:

c) Nennen Sie die vier Phasen des Kundengesprächs in der richtigen Reihen-
folge. (5 Pkt.)

Antwort 1c: Phasen des Kundengesprächs

• Kontaktphase
• Informationsphase
• Präsentationsphase
• Abschlussphase
Aufgabe 2

a) Füllen Sie die Tabelle im Bearbeitungsbogen aus.

Arbeitnehmerüberlassung Werkvertrag
Vertragliche Grundlage AÜG (Arbeitnehmerüberlas- BGB (Werkvertrag) § 631 ff.
sungsvertrag)
Bereitstellung geeigneter Ar- Rechtzeitige, mängelfreie
Hauptpflicht PDL beitskräfte (Überlassung ~) „Herstellung“ des Werkes
(Erfolg)
Hauptpflicht Kd. Zahlung der vereinbarten Ver- Abnahme des bestellten
gütung (Stg.verrechnungssatz Werkes und Zahlung der
für geleistete Stunden) vereinbarten Vergütung
Haftung Auswahlverschulden (Auswahl gesamtschuldnerische Haft-
der geeigneten Arbeitskräfte) ung für Menge, Zeit und
Qualität)
Verantwortung für ASi PDL und Kunde Auftraggeber

Aufgabe 2b:

b) Erläutern Sie drei Aspekte zur Vermeidung illegaler Arbeitnehmerüberlassung


beim Werkvertrag.

Antwort 2b: 3 Aspekte zur Vermeidung illegaler Arbeitnehmerüberlassung


siehe Blaues Buch, S. 120

• klare Trennung in der Arbeitsorganisation


• Zahlung bei Erfolg, nicht Arbeitszeit
• Kundenunternehmen hat kein Weisungsrecht (Direktionsrecht) gegenüber
den Mitarbeitern des PDL
• Unternehmer-Risiko trägt der Werkvertragsnehmer
• Material und Arbeitsmittel stellt der PDL

Aufgabe 2c:

c) Welche zwei Risiken gibt es für den Kunden und PDL beim Abschluss
Werkvertrag gegenüber AÜV

Antwort 2c: Risiken und PDL beim Werkvertag gegenüber der ANÜ

• „Betriebsübergang“ siehe Blaues Buch, S. 213


◦ Arbeitsverhältnisse gehen auf Kunden über (oder
PDL)
◦ Arbeitnehmer übernimmt alle wesentlichen Betriebs-
mittel wie Maschinen, Anlagen, Gebäude usw.)
◦ wesentliche Teile der Belegschaft und Nutzung sämt-
licher immatrieller Mittel wie Know How, Kunden-
stamm, Lizenzen etc.
• Qualitätsmängel des „Werkes“ (Risiko für den Kunden)
• Kosten für PDL (Zahlung bei Erfolg/ Risiko für PDL)
• Verlust von Know How beim Kunden › Abhängigkeit vom PDL
Aufgabe 2d:

d) Beschreiben Sie je einen Preisbestandteil bei beiden Verträgen!

Antwort 2d: Preisbestandteile AÜV Preisbestandteile Werkvertag

• Lohnkosten Personalkosten
• Lohnnebenkosten
• Verwaltungskosten (Overhead) < siehe hier
• Gewinnzuschlag
• auftragsbezogene Kosten (PSA...)

Aufgabe 3:

a) Nennen Sie vier Aspekte, die eine Gefährdungsbeurteilung enthalten muss.

Antwort 3a: siehe Rotes Buch, S. 249 + 309


• Arbeitsstätte
• Arbeitsmittel
• Arbeitsorganisation
• Arbeit Leistender (Beschäftigter)

Aufgabe 3aa:

aa) Vier Gefährdungen, die bei der Bestückung von Hochregalen auftreten
können.

Antwort 3aa:

• Kisten können herunterfallen


• Ausrutschen auf dem Weg zur Gabelstapler
• Hand quetschen zwischen zwei Kisten
• Person wird vom Gabelstapler überfahren
• schlechte Beleuchtung
• Brandgefahr

Aufgabe 3ab:

ab) Mitarbeiter von uns wird von einem Baumarkt-Mitarbeiter gebeten,


ihm zu helfen mit dem Gabelstapler (der andere Mitarbeiter stellt sich
auf die Gabel und stürzt ab) > wer haftet:

Antwort 3ab: BG

Aufgabe 3b:

b) Nennen Sie vier Merkmale der Schadenshaftung.

Antwort 3b: vier Merkmale der Schadenshaftung


• Vorliegen eines vertraglichen oder gesetzlichen Schuldverhältnisses
(Werkvertrag)
• Pflichtverletzung des Schuldners
• Schuldner ist verantwortlich für Pflichtverletzung (muss diese
vertreten)
• Eintritt eines nachweisbaren Schadens
Schaden
Schadensersatz: Anspruch ergibt sich aus Schuldverhältnis (oder kraft Gesetzes)
(Pflichtverletzung)
Vertretenmüssen = Verschulden (Vorsatz/ Fahrlässigkeit)
Pflichtverletzung muss kausal (ursächlich) für Schaden und Höhe des Schadens sein

Schadensersatz
• Voraussetzungen für Schadensersatzansprüche sind
• das Vorliegen eines vertraglichen oder gesetzlichen Schuldverhältnisses
• Pflichtverletzung des Schuldners,
• der Eintritt eines nachweisbaren Schadens

Vertragliches Schuldverhältnis
BGB § 280: Schuldverhältnis zwischen beiden
Schaden
Pflichtverletzung
Kausalität: Pflichtverletzung muss zum Schaden geführt haben
Vertretenmüssen

Haften für Sachschaden > AN (Werkunternehmer) – dieser kann von seinemAG ggf.
Freistellung verlangen (AN-Haftung)
> Werkunternehmer haftet für Erfüllungsgehilfen
• Schuldverhältnis (Werkvertrag)
• Pflichtverletzung des AN
• Vertretenmüssen (vorsätzlich/fahrlässig d. AN) >wird
dem Werkunternehmer zugerechnet ohne Entlastungsmöglichkeit)
• Pflichtverletzung muss zum Schaden geführt haben
Problem: Nachweis, dass Pflichtverletzung zum
Schadens
Nachweis, dass Pflichtverletzung zum Schaden in dieser Höhe

Unterschied zwischen Erfüllungs- und Verrichtungsgehilfen

§ 822 und §278


§ 823

Personenschäden = gemeinsame Arbeitsstätte

Personenschaden AN des Werkunternehmers nicht = § 106 SGB VII nur bei


Vorsatz
Werkunternehmer nicht

Aufgabe 3c: siehe Rotes Buch, S. 305

c) Ein anderer Mitarbeiter von uns stürzt vom Hubwagen beim Nutzen als
Roller. Beim Einlenken schlagen die Räder zu weit, so dass der Wagen
umstürzt. Der Mitarbeiter bricht sich das Handgelenk und wird ins Kran-
kenhaus gebracht. Erläutern Sie zwei Maßnahmen, die Sie neben dem
Kunden unmittelbar einleiten müssen.

Antwort 3c:
• Unfallort besichtigen
• auftragsbezogene Unterlagen sichten
• Berufsgenossenschaften Kunden und PDL informieren
• Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit informieren
• Prüfung auf Abweichungen vom vertraglich vereinbarten Rahmen/Werk

Aufgabe 3d:

d) Nennen Sie zwei Maßnahmen, um solche Unfälle in Zukunft zu vermeiden.

Antwort 3d:
• neue Sicherheitsunterweisungen für alle Mitarbeiter
• Anweisung zum Arbeitsplatz Hubwagen kein (Roller)
• Hinweis am Hubwagen (kein Roller!)
• Betriebsanweisung als Anhang (Hubwagen ist kein Roller)
• regelmäßige Besuche vor Ort, Überwachung der Anweisungen

Aufgabe 3e:

e) Nennen Sie vier Vorteile eines Managements für den Arbeitsschutz (AMS)

Amtwort 3e: Siehe Rotes Buch, S. 329

• Unternehmen zeigt, dass es die Verantwortung für den Arbeitsschutz


im Betrieb übernimmt
• Integration des Arbeitsschutzes in bestehendes QM-System möglich
• AMS beinhaltet Transparenz und Beteiligung aller Beteiligten
(Motivation der AN, sich für den Arbeitsschutz zu engagieren)
• Kostensenkung durch kontinuierliche Verbesserung des
Arbeitsschutzes
• Zertifizierung des AMS sind ein Qualitätsmerkmal für den PDL und
wichtig für das Marketing
Aufgabe 4a:

a) Sie überprüfen eine Nachkalkulation, ob der im Vorfeld kalkulierte Ge-


winn im Rahmen eines Werkvertrages mit der Baufit GmbH erzielt wurde.
Vor Durchführung des Werkvertrages haben Sie mit einem Gewinn von
22.500 € kalkuliert.

Folgende Daten:
Vergütung pro bestückten Regalmeter 47,60 €
Befüllte Regalmeter im gesamten 1080 Regalmeter
Auftragszeitraum
Mindervergütung Fehlbestückung 6,30 €
(pauschal)
Aufgetretene Fehlbestückung 230
Personalkosten pro Mitarbeiter 3.150,00 €
Eingesetzte Mitarbeiter 6
Auftragsbezogene Kosten 2.270,00 €

Aufgabe 4b:
b) Der Kunde verhält sich im Telefonat uns gegenüber sehr reserviert und
bemängelt Schwierigkeiten bei der Ausführung des Auftrages.
Nennen Sie vier Aspekte, die sie bei der Kundenbeschwerde berück-
sichtigen sollten. (4 Pkt.)

Antwort 4ab:

• Beschwerden als Chance


• Aktives Zuhören
• Beschwerde ernstnehmen/ Verständnis zeigen
• Sachverhalt klären (mglst. Objekt, alle Seiten hören)
• Lösungen vorschlagen (z.B. Rabatt)
• individuell auf Kunden + Situation reagieren, keinen Standard-Floskeln
• Lösungsvorschläge vom Kunden einholen
• keine „falschen“ Versprechungen
• keine vorschnellen Be- und Entschuldigungen

Aufgabe 4bb: Sie wollen die Abwanderung des Kunden verhindern und ihn langfristig
zu binden. Nenne Sie zwei geeignete Maßnahmen. (4 Punkte)

Antwort 4bb: Abwanderung des Kunden verhindern und ihn langfristig binden
(2 Maßnahmen)

• fester, persönlicher Ansprechpartner


• 24h/7d Erreichbarkeit
• Rahmenvertrag
• Cross-Selling (weitere Dienstleistungen)
• häufige Kundenbesuche
• Sonderkonditionen für Folgeverträge

Aufgabe 4c:
Sie konnten den trotz der Beschwerde zur weiteren Zusammenarbeit
überzeugen. Nennen Sie neben den Kontaktdaten des Kunden und An-
sprechpartner fünf weitere Informationen, die Sie zur Erstellung eines
entsprechenden Angebotes brauchen. (5 Punkte)

Antwort 4c:
• Qualifikationen
• Anzahl der benötigten Mitarbeiter
• Ort und Dauer des Einsatzes
• Tätigkeitsbezeichnung
• ASI-Vereinbarung/ PSA (Wer übernimmt die Kosten?)
• Arbeitszeiten
• Fahrkosten speziell
• arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen/ Tauglichkeit

Aufgabe 5:

Sie sind Personalreferent bei der Baufit Gmbh (Kunde). Ihr Standort ist Flensburg. Für
dort benötigen Sie eine kaufmännische Kraft. Für den norddeutschen Raum brauchen
Sie Fach- und Führungskräfte. Der Kunde möchte eine kaufmännische Mitarbeit zur
Personalvermittlung.

a) Kriterien für einen PDL-Vergleich


Ultra Zeitarbeit PersoNow
10 Jahre Erfahrung PV, Erfahrung PV, 5 Jahre Erfahrung Zeitarbeit
später Zeitarbeit
Befristete Erlaubnis Unbefristete Erlaubnis
Helfer, Fachhelfer, kaufmännisch Fach- und Führungskräfte, kaufm. MA
Deutschlandweite ANÜ Regionale ANÜ

Aufgabe 5a:
Angebotsvergleich: Erläutern Sie drei Aspekte, für welches Vermittlungs-
angebot Sie sich entscheiden.

Aufgabe 5b:
Erläutern Sie, welche Aussagen (2 Aussagen) eine Unbedenklichkeitsbe-
scheinigungen beinhalten.

Antwort 5b: Informationen aus Unbedenklichkeitsbescheinigung

• Informationen über ordnungsgemäße Abführung der SV-Beiträge


• Lohnsteuerzahlungen beim Finanzamt
• Beiträge zur Berufsgenossenschaften

Aufgabe 5c: Gründe für eine Personalvermittlung

Antwort 5c:
• Know How des Vermittlers zum Arbeitsmarkt
• Übernahme des Personalbeschaffungsprozesses
• Zeitersparnis der Mitarbeiter zur Personalabteilung
• volles Vermittlungshonorar neu bei Erfolg (> Kosten entstehen nur
bei der Vermittlung)
• Branchenkenntnis der Personalvermittlung nutzen

Aufgabe 5d:
PersoNow: Sie bekommen 5 Mitarbeiter vorgestellt, drei können aus-
gesucht werden. Es fallen 25% der Vermittlungsprovision sofort bei der
Arbeitsvertrag-Unterzeichnung an, wenn die Mitarbeiter ½ Jahr im Kun-
denunternehmen gearbeitet haben, die Restsumme von 75%.
Anderer Anbieter:
Angebotsvergleich: Erläutern Sie, für welchen der beiden PDL Sie sich
entscheiden und warum?

Antwort 5d: PersoNow


• mehr Profile
• keine Kosten für Profile
• nur 25% Honorar bei Arbeitsvertrag-Abschluss, 75% nach 6 Mona-
ten

Aufgabe 5e:
Drei Aspekte, die bei vorheriger Überlassung vor Übernahme die Vor- und
Nachteile von „try and hire“ aus der Sicht der drei Beteiligten Anbieter,
Kunde und Personal.
Antwort 5e:

Vorteile Nachteile
Anbieter PDL • Höherer Umsatz (ANÜ + • PDL verliert Mitarbeiter
Vermittlungshonorar) – Rekrutierung nötig
• Kundenbindung
Kunde • verlängerte Probezeit • höhere Kosten (evt.)
• eventuell niedriges Vermitt- • Risiko, dass der Mitar-
lungshonorar beiter kündigt oder wird
ausgetauscht
Mitarbeiter • Chancen auf Einstieg in • Unsichere Situation >
„festes“ Arbeitsverhältnis geringe aus Unterneh-
beim Kunden men > geringe Motiva-
• bei Nicht-Übernahme bleibt tion
ein Arbeitsverhältnis beim • Stress
ZAU