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Institut für Bau- und

Infrastrukturmanagement
Professur für Infrastrukturmanagement
Prof. Dr. Bryan T. Adey

Projektmanagement
Qualitäts- und Risikomanagement
Dr. Max Kersting
HS 2015
Projektmanagement-Kurs
Lernziele und Themen der heutigen Vorlesung

Lernziele:
 Verständnis für Qualität erhalten
 Verständnis für Risiko erhalten
 Im Projekt die Qualität sicherstellen und das
Risiko beherrschen
Themen:
 Begriffe – Qualität
 Qualitätsmanagement
 Begriffe – Risiko
 Risikomanagement – RMP
 Modellierung
 Analyse
 Handlungsoptionen
 Überwachung und Kontrolle

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Qualitätsmanagement
Begriffe – Qualität

Qualität (ISO 9000:2005)


 ist die Gesamtheit von Merkmalen einer Qualität/
Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte Leistung
und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen.
Qualitätsmanagement (Hoyle, 2009)
 koordinierte Aktivitäten eine Organisation zu
Kosten Termine
dirigieren und im Bezug auf Qualität zu
kontrollieren
Qualitätskontrolle (ISO 9000:2005)
 ist ein Prozess zur Erhaltung von
Qualitätsstandards. Sie vermeiden und
korrigieren Veränderungen der Qualität eines
Produktes, so dass die Ergebnisse die
Bedürfnisse und die Erwartungen der Kunden
erfüllen.
Projektqualität
 die Erfüllung der Projektanforderungen unter
angemessener Berücksichtigung der Anliegen
der Gesellschaft

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Qualitätsmanagement
Planung

Wann:
 bereits in der Vorstudie beginnen und
nach der Systemeinführung enden.

Was:
 Die Ziele der Prüfungen und der
Prüfungsplan

Bemerkung:
 Es muss ein Gleichgewicht bestehen
zwischen
• der Menge sowie dem Aufwand der
Prüfungen und
• den erwarteten Ergebnissen.

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Qualitätsmanagement
Prüfungskategorien

Vorstudie Hauptstudie Detailstudie Systembau Systemeinführung

Anforderungen an Systemtests
und -bewertungen werden bestimmt
z.B. Bewertung von
Baumodellen auf
ausgewiesenem
Prüfgelände Bewertung des
z.B. Bewertung von Systems während des
Prototyp- und Betriebs
Baumodellen
Effektivität der Systembewertung

z.B. Bewertung von (Produktion


- konstruktiven Modellen Probenahme)
- Bedienungsmodellen, Typ 4
- Systemkomponenten, Überprüfung
- Versuchsaufbauten,
- Rapid Prototypes

z.B. Bewertung von Typ 3


analytischen Überprüfung
Modellen

Typ 2
Überprüfung

Typ 1
Überprüfung
Analytisch

Benjamin S. Blanchard / Wolter J. Fabrycky, Systems Engineering and Analysis, 5. Edition, 2011, S. 167

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Qualitätsmanagement
Projektbezogenes Qualitätsmanagement – PQM

 Qualitätserzeugung aller am Projekt Beteiligten

 Gemeinsames Qualitätsverständnis

 Verbesserung der Planungsprozesse und Projektergebnisse

 Für eigene Verantwortungsbereiche und auch für die Nahtstellen zu


den Bereichen Anderer

 Vertragliche Verpflichtung

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Qualitätsmanagement
PQM – Wer und Wann im Projektablauf

 PQM betrifft alle Beteiligten


Bewertung von
Projektstand Projektgrundlagen Geltungsbereich Risikofaktoren

Vorstudien Projektierung Ausschreibung Realisierung

Phasen

Auftrag Projektsteuerung Massnahmen

Q-Lenkungsplan
Q-Lenkungsplan Berichtswesen
Bauherr überwachen

Auftrags- Angebot QM- QM-Ver-


QM-Plan Prüfung
Planer analyse Konzept einbarung

Auftrags- Angebot QM- QM-Ver-


QM-Plan Prüfung
Ausführende analyse Konzept einbarung

Prüfobjekt Prüfkriterium Art der Prüfung Intensität/Häufigkeit


Anforderungen Massnahme Zuständigkeit H.R. Schalcher, Projektmanagement, 5. Sem HS 2009, 2009, S.108

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Risikomanagement
Begriffe – Risiko

Risikofaktortypen

Chancen

• Positive Wirkung
• zugehörige Risiken sind
zu vermehren.

Gefahren

• negative Wirkung
• zugehörige Risiken sind
zu vermindern.

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Risikomanagement
Begriffe – Risiko

Risikofaktortypen

Chancen

• Positive Wirkung
• zugehörige Risiken sind Gruppenübung (3-5min):
zu vermehren. Findet Beispiele für Chancen und Gefahren

Gefahren

• negative Wirkung
• zugehörige Risiken sind
zu vermindern.

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Risikomanagement
Begriffe – Risiko
Risikofaktoren sind externe und
Risiko interne Faktoren, die den Grad
 ist ein Mass für die Wahrscheinlichkeit und der Erfüllung der Projekt-
die Konsequenz der Nicht-Erreichung der anforderungen beeinflussen.
Projektziele.
2 Wochen Regen
 hat zwei Komponenten für ein gegebenes
Ereignis:
• Die Eintrittswahrscheinlichkeit des
Risikofaktors j
http://projects.ajc.com/gallery/view/metro/weather/tornado-
• Die Konsequenzen des Auftretens des watch-0326/15.html

Risikofaktors j Termineinhaltung der


Lieferanten
 bezeichnet hauptsächlich unseren Mangel an
Kenntnis in Bezug auf zukünftige Ereignisse.

http://www.webstercountyia.org/Engineer/Bellville%20Bridge%
20Project/Bellville%20Pictures%5CBeam%20Delivery.jpg

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Risikomanagement
Berechnung
Risikofaktoren sind externe und
Risiko interne Faktoren, die den Grad
n
Ri   w j  Aij
der Erfüllung der Projekt-
anforderungen beeinflussen.

j 1 2 Wochen Regen

Ri = Risiko bezüglich der Projektanforderung i


z.B. Einhaltung des Projekt-Enddatums

wj = Eintrittswahrscheinlichkeit des
Risikofaktors j
http://projects.ajc.com/gallery/view/metro/weather/tornado-
z.B. 2 Wochen Regen, 2 Wochen watch-0326/15.html

Verzögerung der Balkenlieferung


Termineinhaltung der
Aij = Konsequenzen bezüglich der Lieferanten
Projektanforderung i infolge des
Risikofaktors j
z.B. 1.5 Wochen Verschiebung des
Projekt-Enddatums

http://www.webstercountyia.org/Engineer/Bellville%20Bridge%
20Project/Bellville%20Pictures%5CBeam%20Delivery.jpg

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Risikomanagement
Begriffe – Risiko

Risikostrategie
 Legt die Strategie fest, wie mit Risiken umgegangen wird, falls die
Projektziele voraussichtlich nicht erreicht werden können.

Risikotoleranz
 Fähigkeit eines Entscheidungsträgers Risiko zu akzeptieren

Risikomanagementplan (RMP)
 ein Dokument, mit dem probiert wird die relevanten Risikofaktoren zu
identifizieren, die entsprechende Risiken abzuschätzen und die
Risikostrategien festzulegen

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Risikomanagement
Erstellung des RMP

Inhalt
 Ziele
 Definitionen
 Annahmen
 Werkzeuge und Techniken
 Risikokategorien
 Organisatorische Rollen und Verantwortungen
 Kommunikationsanleitungen
 Verhaltensweisen (Regeln)

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Risikomanagement – RMP
Prozess

Erstellung des RMP

Modellierung

Analyse

Bestimmung der Handlungsoptionen

Überwachung und Kontrolle

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Risikomanagement – RMP
Modellierung
Umsystem

System

Projektanforderungen

Innere Risikofaktoren

Äussere Risikofaktoren

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Risikomanagement – RMP
Modellierung

Projektphasen
Anstoss
Vor-, Haupt-, Systembau Systemeinführung
(Projekt-
Detaistudie (Ausführung) und Abschluss
genehmigung)

Proje
ktrisi
ko

Konsequenzen
Risiken (CHF)

(CHF)
que n ze n
K o n se

H. Kerzner, Project Management, 10. Edition, 2009, S. 756


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Risikomanagement – RMP
Modellierung

 Identifikation der Risikofaktoren: Prüfung jedes Projektbereichs und


kritischer Prozesse

Beispiel Anstoss Vor-, Haupt-, Systembau Systemeinführung


(Projektgenehmigung) Detailstudie (Ausführung) (Abschluss)

Beispiele Risikofaktoren pro Projektlebenszyklus

· Keine verfügbaren · Kein Risiko- · Ungelernte · Schlechte Qualität


Fachexperten management Arbeitskräfte
· Inakzeptabel für
· Schlechte Definition · Hastige Planung · Verfügbarkeit des Kunde
des Problems Materials
· Schlechter · Ausführungs-
· Keine Machbarkeits- Baubeschrieb · Streiks änderungen
studie
· Unklare · Wetter · Finanzprobleme
· Unklare Ziele Leistungsdefinition
· Änderungen im
· Einkäufe (durch · Keine Management- Anwendungsbereich
Ausschreibung) unterstützung
· Änderungen im
· Schlechte Zeitplan
Rollendefinition
· Regulatorische
· Unerfahrenes Team Anforderungen
· Arbeits- und
Umweltschutz-
bestimmungen
· Keine
Kontrollsysteme

H. Kerzner, Project Management, 10. Edition, 2009, S. 756

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Risikomanagement – RMP
Modellierung – Klassifikation

 Risikofaktoren und Risiken können auf beliebige Art und Weise klassifiziert
werden, z.B.

• Kosten, Fast immer berücksichtigt

• Termine,

• Leistung,

• Unternehmen,

• Finanzierung,

• Politisch.

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Risikomanagement – RMP
Modellierung – Detaillierungsgrad

Detaillierungsgrad
 nur so tief, dass der Entscheidungsträger zu Folgendem in der Lage ist:

• Verständnis der Bedeutung der Risikofaktoren

• Verständnis der Ursachen der Risiken

• Auswahl der Massnahmen, um, falls nötig, die Risiken zu verändern

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Risikomanagement – RMP
Modellierung – Betrachtungsweise
Die Betrachtungsweise basiert
 auf dem PSP

 auf den notwendigen Prozessen


http://www.midminnesotaconcrete.com/images/pourin
g_concrete_large.jpg
(z.B. Entwurf, Herstellung)

 auf jeder Anforderung

http://www.cege.ucl.ac.uk/__data/assets/image/0018/3
654/structures.jpg

http://www.corrosion-club.com/images/rebar3.jpg

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Risikomanagement – RMP
Analyse

Der Prozess der Abschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit und der


Konsequenzen aller unerwarteten Sachen, die geschehen könnten.

 Der Ansatz ist abhängig von der Datenverfügbarkeit und den Anforderungen.

Qualitative Ansätze Quantitative Ansätze

• Relativ allgemeine oder subjektive • Relativ genaue Abschätzungen von


Abschätzungen von Eintrittswahrscheinlichkeiten und
Eintrittswahrscheinlichkeiten und Konsequenzen
Konsequenzen
• z.B. Erwartete Werte,
• z.B. Befragungen, bei denen Entscheidungsbäume,
Teilnehmer Risiken von Simulationen.
verschiedenen Ereignissen als tief,
mittel oder hoch einschätzen sollen.

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Risikomanagement – RMP
Analyse – Qualitativ – Skala
Nominalskala Objekttypen:
Brücke,
• Alle möglichen Ausprägungen werden zwar unterschieden,
können aber nicht in eine Rangfolge gebracht werden. Gebäude,
Tunnel,
Stützmauer
Ordinalskala gewöhnlich verwendet
• Zwischen den Ausprägungen besteht eine natürliche Zufriedenheit
Rangordnung.
• Die Ausprägungen haben jedoch keine kardinale Bedeutung, da - nicht zufrieden
die Skala-Intervalle nicht bekannt sind - zufrieden
- sehr zufrieden
Intervallskala
• Die Ausprägungen dieses Skalenniveaus lassen sich quantitativ Celsius,
mittels Zahlen darstellen.
• Die Skala hat aber keinen natürlichen Nullpunkt Datum

Ratioskala
Kelvin,
• Wie Intervallskala, aber mit einem natürlichen Nullpunkt. Alter

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Risikomanagement – RMP
Analyse – Quantitativ

Schlüsselkonzepte für eine gute quantitative Analyse

• Das Modell sollte validiert werden.


Die Entwicklung eines
• Die Entwicklung ist nicht immer
akkuraten Modells einfach

Die Verwendung von


• Dies kann voreingenommene
akkuraten
Informationen enthalten, die schwierig
probabilistischen
zu eliminieren sind.
Informationen

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Risikomanagement – RMP
Bestimmung der Handlungsoptionen

 Ist der Prozess, der die


Handlungsoptionen zur Reduktion auf
eine akzeptable Ebene identifiziert,
evaluiert und auswählt.

 Kategorien von Handlungsoptionen


• Akzeptanz der Risiken
• Vermeidung der Risiken
• Verringerung der Risiken
• Transfer der Risiken

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Risikomanagement – RMP
Bestimmung der Handlungsoptionen

 Auswirkungen nach der Durchführung einer Handlungsoption

Handlungsoption Möglicher Nutzen Risikofaktor Konsequenzen


Beispiel - Handlungsoptionen für den Projektmanager, um

Überstunden Höhere Kosten,


Kürzerer Terminplan Mehr Fehler
machen längerer Terminplan
Höhere Kosten, da
Zusätzliche
bei einem Projekt mehr Gewinn zu machen.

Kürzerer Terminplan Personal mehr lernen


Ressourcen
muss
Parallel-Arbeit Kürzerer Terminplan Höhere Kosten
Reduzierter Kürzerer Terminplan Unzufriedene Keine zukünftige Arbeit
Arbeitsumfang / Tiefere Kosten Kunden mehr
Anstellen günstiger
Tiefere Kosten Mehr Fehler Längerer Terminplan
Arbeitskräfte
Andere
entwickeln
Outsourcen Kürzerer Terminplan Zukünftig verlorene
technische
kritischer Arbeit / Tiefere Kosten Arbeit
Kenntnisse
und Kontakte

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Risikomanagement – RMP
Bestimmung der Handlungsoptionen

Gründe für die Ablenkungen von der theoretisch besten Handlungsoption

Kosteneffizienz

Persönlicher Menge und


Nutzen für
den Projekt- Qualität der
manager Informationen

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Risikomanagement – RMP
Beobachtung und Kontrolle

 Ist der Prozess, der

• systematisch die Wirksamkeit der Handlungsoptionen hinsichtlich der


Risiken verfolgt und gegenüber etablierten Kennzahlen evaluiert,
sowie

• Empfehlungen für weitere Modifikationen ermöglicht.

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Risikomanagement – RMP
Abhängigkeiten zwischen Risikofaktoren

 Manchmal werden Risikofaktoren (nicht Handlungsoptionen) priorisiert:


• Es sind nicht immer ausreichend Ressourcen vorhanden, um alle Risiken
zu behandeln.

Vor der Durchführung


einer Handlungsoption Termin-
Risiko

Gesamt- Leistungs-
Kosten- Risiko Risiko
Risiko

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Risikomanagement – RMP
Abhängigkeiten zwischen Risikofaktoren

 Manchmal werden Risikofaktoren (nicht Handlungsoptionen) priorisiert:


• Es sind nicht immer ausreichend Ressourcen vorhanden, um alle Risiken
zu behandeln.

Nach der Durchführung


einer Handlungsoption Termin-Risiko

Gesamt-
Kosten-Risiko Risiko
Leist.-
Risiko

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Risikomanagement – RMP
Anmerkungen zum RMP

Auswirkungen eines RMP:


• schafft ein Verständnis für die Risikofaktoren und die entsprechende
Risiken,
• stellt ein Früh-Warnungssystem zur Verfügung, so dass, wenn nötig,
Gegenmassnahmen durchgeführt werden können, und
• gibt klare Anleitung für das Management

Wichtig: Aufwand-Nutzen muss gerechtfertigt sein!

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