Sie sind auf Seite 1von 1

Kritische MIN-Studierende

Allein friedliche Ziele und nur zivile Zwecke


Der Fakultätsrat hat eine Zivilklausel beschlossen
„Wir Europäer, wir Deutsche, wir müssen mehr tun für die eigene Sicherheit, wir müssen da mehr investieren“.
„Von der Leyen unterstützt Trumps Ruf nach Aufrüstung“, von der Leyen, FAZ, 16.2.2017.

„Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das
alte Leben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!“
Dann gibt es nur eins! Wolfgang Borchert, 1947.

Militärische Überlegenheit biete Sicherheit? Drohge- der militärischen Forschungsfrage-stellung schlicht um


bärden seien Mittel rationaler Politik? Krieg sei eine die Frage geht: Für wen arbeite ich? Möglicherweise
„ultima ratio“? – Soll denn aus der Geschichte nichts gebe es auch Grau-Bereiche, aber, bezugnehmend auf
gelernt werden? den Informatiker und Gesellschafts-kritiker Joseph
Nicht nur Herr Trump, sondern beispielsweise auch Weizenbaum, sollte man leicht unter-scheidbares
Frau von der Leyen (die sicherlich viel kultivierter ist) durchaus unterschiedlich behandeln. Ein anderer
ist weit entfernt von zivilen Auffassungen. Für eine betonte, dass die Zivilklausel ein gemeinsamer Schutz
menschenwürdige Entwicklung der Welt müssen vor ablehnenswerten „Angeboten“ ist. Wiederum ein
bessere Auffassungen ambitioniert vertreten werden. anderer legte dar, dass er befürwortet, wenn
Wissenschaftler, statt vereinzelt von Auftraggebern
Weil es auf die Zivilisationsentwicklung sehr über den Tisch gezogen zu werden, sich mit der
ankommt, hat der Fakultätsrat der MIN-Fakultät über Zivilklausel in der Hand mehr unter Kollegen über
mehrere Sitzungen diskutiert, wie es gelingen kann, gemeinsame vernünftige Ambitionen verständigen. Am
dass die Wissenschaften eindeutig zu einer friedlichen wichtigsten sei deshalb ausgehend von der Zivilklausel
Ent-wicklung der Welt beitragen. Beraten wurde dafür die Stärkung des Bewußtseins für die Problematik.
die verbindliche zivile Ausrichtung bereits der Frage- Außerdem spielte eine Rolle, dass Forschungs-
stellungen sowie der Anwendung aller wissenschaft- ergebnisse aktuell wesentlich profitgetrieben bzw.
lichen Praxis (Zivilklausel). Im Spannungsverhältnis machtpolitisch motiviert verwertet werden. Die
zwischen einerseits der Verantwortung und erforder- Wissenschaft solle daher selbst ein Faktor sein, gerade
lichen Freiheit der Wissen- dies zu ändern.
schaft, die Würde des Der Beginn kann sein, dass
Menschen zu verwirklichen die Beteiligten sich diesem
(Grundgesetz, Artikel I und Problem neu stellen. In die-
V), und andererseits den sem Sinne ist der Beginn
Forderungen von Financ- gemacht. Die zivile Ent-
iers, Auftraggebern und wicklung der Welt ist eine
politischen Akteuren kam- dauerhafte gemeinsame
en dabei ganz unterschied- Aufgabe.
liche Auffassungen zu
Tage. Die Zivilklausel wurde mit
elf Für-Stimmen, vier
Wenige fanden das Mili- Gegenstimmen und einer
tärische in der Welt richtig. Ebenfalls wenige drangen Enthaltung in der Satzung der Fakultät verankert:
darauf, dass auch nebulöse Aufträge anzunehmen nicht
verpönt sein dürfe. Mehrheitlich wurde für eine „Die MIN-Fakultät will allein zu friedlichen Zielen
Zivilklausel argumentiert, weil alle Frieden brauchen beitragen und nur zivile Zwecke erfüllen. Ihre Mit-
und man sich gegenseitig Klarheit verschaffen muß, glieder richten deswegen Forschung und Entwicklung,
um auch wirklich nur zu Friedlichem beizutragen. Studium und Lehre auf zivile Fragestellungen und
Beispielsweise vertrat ein Mitglied des Fakultätsrats, Anwendungen aus.“
dass es angesichts der für die Entwicklung von Zivilklausel der MIN-Fakultät, beschlossen am 1.2.2017
Zielerfassungs-Software erforderlichen Eindeutigkeit

V.i.S.d.P.: Tobias Berking, An der Verbindungsbahn 8, 20146 Hamburg.