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Nr. 13 Februar 2011 – Österreichische Post AG, Info.

Mail Entgelt bezahlt

Magazin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Astronomiejahr 2009
DieFaszination
reinigende Kraft
Universum
des Föhns

Währungskrise Hochkultur
Nicht der Euro war in Innsbrucker Archäologen
Gefahr, sondern die Zah- sind den Geheimnissen
lungsfähigkeit einzelner Mesopotamiens auf der
Länder. Spur.

Seite 18 Seite 10

Beilage zur Tiroler Tageszeitung www.uibk.ac.at


Dienstag, 15. Februar 2011 3

editorial

Foto: www.mariorabensteiner.com
inhalt F E B R U A R 2 0 11

4 S c h ä t z e a u s d e r To n n e
Ei n e n g e n a u e n B l i c k a u f u n s e r e n A b f a l l u n d s e i n e
Ve r w e r t u n g w i r f t U n i v.- P r o f. A n ke B o c k r e i s .
Liebe Leserin, lieber Leser!

4 6 D y n a m i k d e r L u f t ve r s c h m u t z u n g
D i e Ko m p l e x i t ä t d e r We t t e r l a g e n i n A l p e n t ä l e r n
Ich hoffe, Sie sind gut ins neue Jahr gestartet. Die
Universitäten und Hochschulen stehen auch heuer
b e e i n f l u s s t d i e Ko n ze n t r a t i o n d e r S c h a d s t o f f e . vor den bekannten großen Herausforderungen: Nach
wie vor liegt unsere Zukunft im Hinblick auf die not-
wendigen Ressourcen ein wenig im Nebel. Trotz der
8 Tr i n kg e l d
allgemein beschworenen Notwendigkeit von bestens
„D e r R e s t i s t f ü r S i e .“ Tr i n kg e l d i s t m e h r a l s e i n
ausgebildeten jungen Menschen, um die Zukunft un-
G e s c h e n k . E s s t r u k t u r i e r t s o zi a l e B e z i e h u n g e n . seres Landes und unserer Region zu sichern, ist man
an den verantwortlichen Stellen (noch) nicht bereit,
10 D e r b a b y l o n i s c h e Tu r m z u B o r s i p p a hier entsprechend zu investieren. Daher müssen wir
S e i t ü b e r 3 0 J a h r e n f ü h r t d i e U n i v e r si t ä t I n n s b r u c k Hochschulen gemeinsam daran arbeiten, unter den
gegebenen Rahmenbedingungen das möglichst
Ausgrabungen an der Ruine Birs Nim-rud durch.
Beste zu erreichen. Ein Schritt in diese Richtung war
die Gründung der Tiroler Hochschulkonferenz vor

14 12 E r l e s e n e s T i r o l
M i t d e r „L i t e r a t u r- L a n d - K a r t e T i r o l“ s c h l i e ß e n
F o r s c h e r l e t z t e L ü c ke n i n d e r K a r t e d e s L a n d e s .
zwei Jahren. Die VertreterInnen der Tiroler Hochschu-
len treffen sich hier regelmäßig, um gemeinsam über
die notwendigen Entwicklungen zu diskutieren, sich
abzustimmen und die vorhandenen Ressourcen mög-
lichst synergetisch zu nutzen. Ich bin sehr zuversicht-
14 Ku l t u r ve r m i t t l u n g
lich, dass sich aus dem einstigen Nebeneinander ein
I n d e r Cl a u d i a n a i n I n n s b r u c k w u r d e d a s e r s t e gemeinsamer Weg entwickeln wird.
R u s sl a n d ze n t r u m Ö s t e r r e i c h s e r ö f f n e t . Mit Südtirol und Vorarlberg haben wir zudem Nach-
barn, die unser Spektrum in Forschung und Lehre per-
16 M o d e r n e Wa l d a n a l y s e fekt ergänzen können. Wenn es uns nun auch gelingt,
entsprechend nachhaltige Partnerschaften zu schlie-
U m w a l d ö ko l o g i s c h e F r a g e n k l ä r e n z u kö n n e n ,
ßen, dann haben wir für Westösterreich ein entschei-
s e t ze n F o r s c h e r a u f L a s e r s c a n n i n g .
dendes Ziel erreicht. Natürlich spielt die Universität
Innsbruck als größte Bildungs- und Forschungsein-
18 H e r b e i g e r e d e t e K r i s e richtung der Region in diesem Prozess eine wichtige
Rolle. Dessen sind wir uns bewusst und diese Verant-

16
A u sl ö s e r d e r Eu r o - K r i s e w a r e n B a n ke n , d i e d u r c h
e i n e n St a a t s b a n k r o t t b e t r o f f e n g e w e s e n w ä r e n . wortung wollen und werden wir auch übernehmen.
Sie sehen also, es gibt viel zu tun für uns. In diesem
Sinne wünsche ich uns ein erfolgreiches Jahr 2011.
20 Hart und weich zugleich
S c h n e c ke n v e r f ü g e n ü b e r e i n e s p e z i e l l e Fä h i g ke i t : Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle
S i e kö n n e n g i f t i g e M e t a l l e i n i h r e m Kö r p e r b i n d e n . Rektor der Universität Innsbruck

Impressum
wissenswert – Magazin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – 15. Februar 2011

Gründungsherausgeber: Komm.-Rat Joseph S. Moser, April 1993 †; Herausgeber: Gesellschafterversammlung der Moser Holding AG; Medieninhaber (Verleger): Schlüsselverlag
J. S. Moser Ges. m. b. H.; Hersteller: Intergraphik Ges. m. b. H.; Sonderpublikationen, Leitung: Stefan Fuisz; Redaktion: Melanie Bartos, Michaela Darmann, Eva Fessler,
Christian Flatz, Christa Hofer, Gabriele Rampl, Daniel Sailer, Uwe Steger, Frank Tschoner, Christina Vogt; Covergestaltung: Stephanie Brejla, Catharina Walli, Fotos Titelseite:
Shutterstock, AP/Probst, Allinger-Csollich; Fotos Seite 3: Shutterstock, Uni Innsbruck, Paul Stampfl.

Anschrift für alle: 6020 Innsbruck, Ing.-Etzel-Straße 30, Postfach 578, Tel. 53 54-0, Beilagen-Fax 53 54-3797.
4 Dienstag, 15. Februar 2011

Schätze aus der Tonne


Einen g enau en B lick auf un seren A bfall und seine Ver wer tung
wir f t Univ. - Prof. A nke B o ckrei s . Sie b efa sst sich auch mit d er Frage,
ab wann A bfall wie d er zum Pro duk t wir d.

Aus den Augen, aus dem


Sinn – für viele verschwin-
det der Müll einfach nur in
der Tonne. Abfall ist aber
nicht wertlos, sondern
wertvoller Rohstoff.
Alles andere als schmutzig ist
das Geschäft mit dem Müll. Wel-
che Schätze in unserem Abfall
stecken, damit befasst sich Univ.-
Prof. Anke Bockreis, Wissenschaft-
lerin am Institut für Infrastruktur
(Arbeitsbereich Umwelttechnik)
der Universität Innsbruck. Dass
Müll nicht gleich Müll ist, das
weiß jeder von uns. Schließlich
trennen wir seit Jahren unseren
Abfall und der Weg zu den Wert-
stoffinseln gehört zum Alltag.
Schaut man sich die Abfallmen-
gen an, dann steckt jede Menge
Potenzial darin. Insgesamt 56,3
Millionen Tonnen Abfall sind im
Jahr 2008 in Österreich angefal-
len. „Den größten Teil macht mit
rund 45 Prozent Aushubmaterial
aus, wovon 60 Prozent wieder-
verwendet werden. Rund sieben
Prozent fallen auf Abfall aus Haus-
halten sowie haushaltsnahen In-
dustrie- und Gewerbebetrieben“,
erläutert Bockreis die Zahlen.
Wachsende Müllmengen
Dass Mülltrennung nicht un-
bedingt zu einer Verringerung
der Abfallmengen führt, zeigt ei-
ne andere Prozentzahl: Vergleicht
man die Abfallmengen aus Haus-
halten in den Jahren 2004 und
2008, dann zeigt sich eine Steige-
rung der Gesamtabfallmenge um
elf Prozent. „Dabei ist der Rest-
müllanteil jedoch in etwa gleich
geblieben“, unterstreicht Bock-
reis: „Ein Plus von 5,3 Prozent
gab es bei Sperrmüll, ein Plus von
20 Prozent hingegen bei Verpa-
ckung und biogenem Material.“
Insgesamt wurden 50 Prozent der
Haushaltsabfälle wiederverwertet,
35 Prozent wurden einer ther-
Millionen Tonnen von Plastikmüll landen jährlich in Gewässern. mischen Behandlung zugeführt,
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Mit den Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, sorgsam umgehen und unseren Lebensraum damit schützen. Fotos: Shutterstock (3), Hofer

zehn Prozent mechanisch-biolo- seien entsprechend günstiger. nennt Bockreis ein Beispiel.
gisch bearbeitet und der Rest de- Wie wichtig es ist, Müll zu ver- Ein Abfallbereich, der hohe
zuR peRson
poniert. meiden bzw. wiederzuverwen- Zuwachsraten aufweise, ist jener
Welche Substanzen im Müll den, zeige sich beim Kunststoff. der Elektroaltgeräte. Diese zu re-
sind als Rohstoff überhaupt in- „Kunststoff ist extrem lange halt- cyceln sei nicht nur wegen der
teressant? Oder anders gefragt: bar. Bis zu 400 Jahre kann es dau- enthaltenen belastenden Stoffe
Wann wird Abfall wieder zum Pro- ern, bis er abgebaut ist“, betont wichtig, sondern auch wegen der
dukt? Wie Bockreis betont, hängt Bockreis. Dazu komme die Ver- Wertstoffe. „Im Jahr 2008 wurden
dies von verschiedenen Kriterien schmutzung in jenen Ländern, weltweit 1,3 Milliarden Handys
ab. Eine wesentliche Rolle spielen die über kein adäqates Abfallsys- ausrangiert. Diese Menge ent-
dabei der künftige Verwendungs- tem verfügen. „Pro Jahr landen hält 325 Tonnen Silber, 31 Ton-
zweck, die Qualität sowie die laut UNO außerdem 6,4 Milli- nen Gold, 12 Tonnen Platin und
Nachfrage. Diese spiegelt sich di- onen Tonnen Müll im Meer, 90 12.000 Tonnen Kupfer, was einem anke bockReis
rekt in den Preisen für Prozent davon ist Plastik. Die Gesamtwert von 1,5 Milliarden
die Rohstoffe
aus dem Müll
wider. „Die
riesigen Müllstrudel im
Atlantik und Pazifik
sind inzwischen
Euro entspricht“, nennt Bockreis
konkrete Zahlen. Allerdings: Allein
in Europa werden nur 40 Prozent
A nke Bockreis hat seit
dem Jahr 2009 die Pro-
fessur für Abfallbehandlung
Preise für ja hinlänglich be- der Elektroaltgeräte korrekt re- und Ressourcenmanagement
die Ton- kannt“, verweist cycelt. Angesichts des Werts, der an der Universität Innsbruck
ne Alt- Bockreis auf die in diesen Geräten steckt, lohne es inne. Bockreis ist Bauinge-
Problematik. sich jedoch eindeutig, diese ent- nieurin und promovierte im
Der Müll sprechend zu nutzen: „Einerseits Themenbereich der Überwa-
schwimmt bleiben die Rohstoffe im Land, chung von Flächenbiofiltern.
d a b e i andererseits werden Lebens- und Zwischen 1996 und 2009
nicht Umweltqualität nicht belastet“, war sie Mitarbeiterin am Ins-
nur im unterstreicht Bockreis. titut WAR, Fachgebiet Abfall-
Meer, technik der TU Darmstadt.
er ge- Städte als Bergwerke Dort befasste sie sich insbe-
langt Angesichts steigender Roh- sondere mit biologischen so-
a u c h stoffpreise wird laut Bockreis der wie mechanisch-biologischen
in den Wert unseres Abfalls anders be- Abfallbehandlungsverfahren
Nahrungs- wertet werden. Weiters werden sowie deren Emissionserfas-
kreislauf. Lö- sich auch die Rohstoffquellen ver- sung und -minderung.
sungsansätze ändern. „Urban Mining“ ist eines
papier für den Um- der Schlagworte in diesem Zusam-
liegen gang mit Plas- menhang, das die Stadt als „Berg- künftigen Abfallsystems müsse in
etwa zwi- tikmüll gebe es be- werk der Zukunft“ sieht, in dem erster Linie aber die Vermeidung
schen 80 und 130 Euro“, nennt reits, wobei Vermeidung etwa Häuser oder Straßen als Res- von Müll sein, gefolgt von Ver-
Bockreis ein Beispiel. Bei Kunst- an erster Stelle stehen müsse. „Ein sourcenquelle gesehen werden. wertung und – als kleinstem Teil
stoff liegen die Preise noch hö- erster Schritt ist etwa das Verbot Künftig werde man sich auch De- – korrekter Beseitigung. Nur so
her – laut Bockreis bei bis zu von Einweg-Einkaufssackerl wie ponien genau auf vorhandene könne man ökologisch und res-
2000 Euro pro Tonne PET-Gra- es bereits seit 2009 in Frankreich Wertstoffe ansehen („Landfill sourcenschonend agieren.
nulat. Ballenware und Mahlgut und nun auch in Italien gilt“, Mining“). Wichtigstes Ziel eines christa.hofer@tt.com
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Schadstoffstudie im Inntal: Die hohe Konzentration der Schadstoffe ist mit freiem Auge sichtbar.

Die Dynamik der


Luftverschmutzung
D ie Komp lexit ät d er Wet terlagen in Alp ent älern hat einen ent scheidenden
Einflu ss auf die Konzentration d er Scha d stof fpar tikel in d er Luf t .

In den Wintermonaten er- Wissenschaftspreis der Stadt Inns- so genannter Hangwinde aus. warme Luft und transportiert so
reicht die Verschmutzung bruck ausgezeichnet. „Von Inte- Diese Winde, die für talförmige Schadstoffe weiter.“ Hier spricht
resse waren weniger die Ursachen Landschaften wie das Inntal ty- man von einer „Dichteströmung“
der Luft in Tirol ihren Hö-
der Luftverschmutzung, sondern pisch sind, können zu einer pa- (Typ 2).
hepunkt. Forscher des Ins- vielmehr die Frage, welche Wet- radoxen Situation führen, erklärt
tituts für Meteorologie und terverhältnisse für den Trans- Gohm: „In höheren Lagen, in Föhn kommt zu Hilfe
Geophysik der Universität port und damit das Ausmaß der denen man sich eigentlich sau- Besonders die Stadt Innsbruck
Umweltbelastung für die Bevöl- berere Luft erwarten würde, kann befindet sich im Winter häufig
Innsbruck gingen der Be- kerung ausschlaggebend sind“, die Belastung im Laufe des Tages in einem „Kaltluftsee“, d. h. die
weglichkeit der Schadstoffe erklärt Gohm das Ziel der preis- zunehmen, da die Feinstaubteil- Temperaturen sind im Tal nied-
auf den Grund. gekrönten Studie, die Teil seiner chen durch Hangwinde vertikal riger als in höheren Lagen. Da
Habilitationsschrift ist. Anhand hinauftransportiert werden.“ sich Schadstoffe in bodennah-
Anfang Dezember ver- von Beobachtungen im Inntal an Besonders in Tälern herrschen er kalter Luft besonders gut hal-
gangenen Jahres wurde Ass.-Prof. vier Wintertagen konnte der Ge- häufig horizontale Temperaturun- ten, kann Föhn Abhilfe schaffen.
Dr. Alexander Gohm vom Institut birgsmeteorologe drei verschie- terschiede vor, die Druckunter- Setzt sich der warme Wind über
für Meteorologie und Geophysik dene Typen des Luftschadstoff- schiede verursachen. „Um diese die kalte Schicht hinweg („Föhn-
für seine Forschungsarbeiten zum transportes ausmachen. Druckunterschiede auszugleichen, durchbruch“), nimmt die Sau-
Transport von Luftschadstoffen Der erste Typ (siehe Grafiken) kriecht die durch Schadstoffe an- berkeit der Luft innerhalb kür-
am Beispiel des Inntales mit dem zeichnet sich durch die Aktivität gereicherte kalte Luft unter die zester Zeit wieder zu, da sich die
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Talatmosphäre durchmischt und nalen Computermodell möglich,


Schadstoffe abtransportiert wer- das die Strömungen in der Talat-
den. „Kann der Föhn bis zum Bo- mosphäre veranschaulicht und
den durchgreifen, hat er auf die in dieser Form bisher noch nicht
Luftgüte einen äußerst positiven vorlag – besonders nicht am Bei-
Einfluss“, beschreibt Gohm eine spiel eines Tales. Ganz im Gegen-
gute Eigenschaft des hierzulande teil zur üblichen stationären Mes-
eher unbeliebten Warmwinds. In sung der Luftgüte: Diese Messsta-
diesem Zusammenhang spielen tionen verzeichnen immer wieder
allerdings auch räumliche Unter- Schwankungen in der Intensität
schiede eine wichtige Rolle. Dass der Luftverschmutzung, die ohne
es in Innsbruck bedingt durch den ein Wissen um die Dynamik des
Föhn sehr stürmisch zugeht, aber Luftschadstofftransports kaum in-
beispielsweise in Schwaz mehr terpretiert werden können. Um
oder weniger Windstille herrscht, diese Variationen zu verstehen,
ist ein nur allzu bekanntes Phäno- „muss man daher auch sehen,
men. Gohm und sein Team sind dass die Konzentration der Luft-
in einem mit speziellen Messgerä- schadstoffe nicht nur davon ab-
ten ausgestatteten Flugzeug ent- hängt, wie viele Fahrzeuge ge-
lang der Talachse geflogen und rade auf der Autobahn fahren,
stellten dabei Unregelmäßigkeiten sondern auch ganz stark von der
fest. Aufgrund der komplexen meteorologischen Situation“, be-
Talstruktur kann der Föhn nicht tont Gohm. Denn bei gewissen
überall gleichzeitig durchbrechen, Wetterlagen, wie zum Beispiel bei
es kommt zum Vor- und Rück- starkem Föhn oder Regen, hat
wärtstransport unterschiedlicher selbst ein sehr großes Verkehrs-
Luftschichten (Typ 3). „Wenn der aufkommen keine Schadstoffspit-
Föhn schwächer wird, greift die zen zur Folge.
schadstoffbelastete Schicht wie-
der durch, wird er stärker, geht Sensibilisierung als Ziel
sie wieder zurück.“ Die Grenzen Dem gegenwärtig üblichen An-
satz zur Interpretation von Schad-
stoffmessung liegt ein konzeptio-
nelles Modell zugrunde, das von
einer flachen Landschaft ausgeht.
Die meteorologische Situation im
alpinen Bereich ist allerdings im
Vergleich zum Flachland wesent-
lich dynamischer und macht da-
her auch komplexere Messungen
und Rechenmodelle erforderlich.
„In konventionellen Modellen
«In konventionellen Model- werden Topographie und lokale
len werden Topographie und Windsysteme nicht adäquat be-
lokale Windsysteme nicht rücksichtigt“, erklärt Gohm die
Ungenauigkeiten jener Modelle,
adäquat berücksichtigt.» die heute meist Anwendung fin-
Alexander Gohm Foto: Uni Innsbruck den. Die Forscher des Instituts für
Meteorologie und Geophysik ver-
zwischen schadstoffarmer und folgen allerdings keineswegs die
schadstoffreicher Luft sind somit Absicht, die gegenwärtigen Mo-
wetterbedingten Variationen un- delle zu kritisieren oder für nichtig
terworfen. zu erklären. Denn die dreidimen-
Eine Besonderheit der Studie sionale Darstellung des Schad-
Gohms liegt in der Methodik zur stofftransportes durch Ferner-
Erfassung der Daten. Die Wissen- kundungsmethoden oder Com-
schaftler verwendeten für ihre putermodelle ist mit enormem
Messungen die so genannte Li- Arbeitsaufwand und dementspre-
dar-Technik (engl. Light detection chend hohen Kosten verbunden –
and ranging), eine auf Laser ba- in der Praxis zur täglichen Bestim-
sierte Fernerkundungsmethode, mung und Prognose der Schad-
die anhand von Vertikalschnitten stoffbelastung daher (noch) nicht
durch die Atmosphäre von einem anwendbar. „Die Ergebnisse un-
Flugzeug aus genaue Daten über serer Arbeit sollen für die Komple-
die Konzentration von Partikeln xität der Thematik sensibilisieren Drei Typen des Schadstofftransportes: Schadstofftransport durch
liefert. Weiters war eine Systema- und zu weiteren Untersuchungen Hangwinde (oben), Transport durch Dichteströmung (Mitte), Vor- und
tisierung des Luftschadstofftrans- anregen“, so Gohm. Rückwärtstransport (unten). Dunkel eingefärbte Flächen markieren
portes mit einem dreidimensio- melanie.bartos@uibk.ac.at eine hohe Schadstoffbelastung. Grafiken und Foto: Alexander Gohm
8 Dienstag, 15. Februar 2011

Die soziale Seite


des Trinkgeldes
Mit der sozialen B e d eutung d e s G eld e s und in sb e sond ere d e s
Trinkg el de s hat sich die I nn sbrucker For scherin Silke M eyer
au seinanderge set z t .

Trinkgeld ist mehr als die alltäglicher Vorgang in Restau- ums Trinkgeld beweisen diese ropäische Ethnologie. Wie Meyer
reine Übergabe von Geld. rants, Cafés, im Hotel, beim Frisör Ambivalenz. erklärt, sei der Begriff „trinckgelt“
oder nach der Taxifahrt. Trotz der schon im großen Wörterbuch der
Es ist freiwillig und doch Beziehungsbarometer
„Normalität“, die mit dem Ge- Gebrüder Grimm verzeichnet. Sie
verpflichtend, Belohnung ben und Nehmen von Trinkgeld Mit der sozialen Bedeutung definieren den Begriff mit einer
oder auch Bestrafung. in unserer Gesellschaft verbunden des Geldes und damit auch des „kleineren Geldsumme für außer
ist, ist der Vorgang oft mit Unsi- Trinkgeldes befasst sich Dr. Sil- der Regel geleistete Dienstver-
„Stimmt so.“ „Behalten Sie den cherheit verbunden. Ein Blick ins ke Meyer vom Institut für Ge- richtung, ursprünglich zum Ver-
Rest.“ Trinkgeld zu geben, ist ein Internet und die vielen Tipps rund schichtswissenschaften und Eu- trinken (bibale), auch Biergeld
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genannt“. Die Wurzeln des Trink- es auch heute noch. „Während Es scheint so, dass ein Gast, der zur person
gelds dürften weit zurückreichen, Trinkgeld zu geben in Europa als nur einmal kommt, sich durch ein
und es strukturierte seither soziale freiwillige Gabe gesehen wird, ist höheres Trinkgeld von dieser Ver-
Beziehungen. „Das Geben und dies in den USA eigentlich nicht pflichtung freikauft. Das zeigt sich
Nehmen von Trinkgeld ist Teil mehr der Fall, da das Trinkgeld meist auch im Urlaub, in dem oft
eines komplexen kulturellen Zei- als Bestandteil des Lohns gesehen ein höheres Trinkgeld gegeben
chen- und Bedeutungssystems“, wird. In Japan wiederum wird wird als zu Hause“, erklärt Meyer.
erläutert die Wissenschaftlerin. „Es Trinkgeld als beleidigend emp- Das Mehr an persönlicher Nähe
gibt Aufschluss über den Geben- funden“, macht Meyer aufmerk- führe zu einem Weniger beim
den und den Nehmenden und sam. Trinkgeld: „Als Beispiel ließe sich
über die Beziehung zwischen den Wie sehr Trinkgeld soziale Be- der Italiener um die Ecke anfüh-
beiden.“ Trinkgeld ist laut Meyer ziehungen widerspiegelt und ren, der zum guten Bekannten
aus diesem Grund auch mehr als geworden ist. Er bringt die Rech-
die reine Übergabe von Geld. „Es nung und rundet sie leicht ab – silke meyer
ist freiwillig und dennoch ver-
«Trinkgeld wird nicht für die verweigert also das Trinkgeld zu-
pflichtend, Belohnung oder auch
Bestrafung und es war zusätzlich
auch immer wieder ein politisches
üblichen kosten, sondern
für besondere Ausgaben
gunsten einer freundschaftlichen
Beziehung“, ergänzt Meyer. S ilke Meyer studierte
Kunstgeschichte, Anglistik
und Volkskunde/Europäische
Thema“, schildert Meyer. genutzt.» Besondere Verwendung Ethnologie an den Universi-
Silke Meyer Die besondere Rolle des Trink- täten Tübingen, Münster und
Verpönt und verboten gelds spiegelt sich für die Wis- Sheffield. Nach der Promotion
Während des Nationalsozialis- von diesen beeinflusst wird, zeigt senschaftlerin aber auch darin im Jahr 2002 war die Wissen-
mus hatte Trinkgeld den Ruf des Meyer an einigen Beispielen auf. wider, wie es verwendet werde. schaftlerin als Hochschullekto-
Unehrenhaften und galt als unver- „Trinkgeld erhielten immer die „Auf die Frage, wofür denn das rin am German Department
einbar mit dem Berufsethos des Angestellten, nicht jedoch der Trinkgeld genutzt werde, ant- der Nottingham University
Kellners. In der Sowjetunion wur- Wirt, da es ein Ritual der Abgren- worteten die meisten gleich: tätig. Seit 2010 ist sie Univer-
de Trinkgeld als vorrevolutionäre zung zwischen Gast und Personal Fast alle verwenden es für Aus- sitäts-Assistentin am Institut
Unsitte gesehen. In der DDR war ist“, stellte die Wissenschaftlerin gaben außerhalb der alltäglichen für Geschichtswissenschaften
es sogar verboten. „Noch in den im Rahmen ihrer Untersuchungen Finanzgeschäfte. Trinkgeld wird und Europäische Ethnologie
1950er-Jahren gab es fest. Die Höhe des Trinkgelds also nicht für das Bezahlen der der Universität Innsbruck. Ihre
in Deutschland mora- verändert sich auch, wenn Miete oder der Stromrechnung Forschungsschwerpunkte sind
lische Bedenken“, er- sich eine soziale Bezie- genutzt, sondern für Extras – fürs Ökonomische Anthropologie,
klärt die Forscherin. hung etabliert hat. Ausgehen, Urlaub oder Dinge, Stereotypen, Nation und nati-
„So hieß es, dass „Stammgäs- die man sich sonst nicht leisten onale Identität sowie ethnolo-
das ,weibliche te ho- würde. Etwa ein teureres Klei- gische Bildwissenschaft.
Bedienungsper- dungsstück“, betont Meyer. Mit-
sonal davon unter werde das Trinkgeld so-
abgehalten gar vom Gehalt getrennt
werden müs- aufbewahrt. „Das
se, sich auf
unsittliche
heißt,
100
dass
Euro
Europäische
Weise zu- damit nicht Ethnologie
sätzliche gleich 100
Einnah-
men zu
verschaffen‘ “,
Euro sind.“
Diese beson-
dere kulturelle
D as Fach Europäische Eth-
nologie an der Universität
Innsbruck erforscht die Kultur
berichtet Meyer: Bedeutung des des Alltags in Europa, wobei
„Es hieß, die Kellnerinnen Geldes spiegle sich kulturelle Phänomene von der
müssten bis zu einem auch in anderen Be- frühen Neuzeit bis zur Gegen-
gewissen Maß ihre reichen wider. „Allein wart thematisiert werden. Da-
,weibliche Ehre dem trin- der Aufwand, der be- bei stellt der überregionale und
geldberechtigten Erwerb trieben wird, um etwa epochenübergreifende Ver-
opfern‘ .“ Unterschiede nach Geldgeschenke – zum gleich ein wichtiges methodi-
Kulturen bzw. Ländern gibt Beispiel für das Geburts- sches Prinzip dar.
tagskind oder Hochzeits-
paar – zu verpacken, macht
dies sichtbar“, nennt Silke Meyer
ein Beispiel. „Geld ist also mehr
S chwerpunkte in Wissen-
schaft und Lehre sind
unter anderen ökonomische
als das bloße Instrument, das Anthropologie, Theorie und
den früheren direkten Tausch- Methodologie der Europäi-
norieren die handel ersetzt hat. So anonym schen Ethnologie; regionale
Arbeit des Kell- es genutzt werden kann, um Pro- Kulturanalyse; Europäisierungs-
ners mit einem dukte oder Dienstleistungen zu und Globalisierungsprozesse;
moderaten bis bezahlen, so sozial aufgeladen ist Kulturanalyse des „kulturellen
Geld ist nicht gleich Geld. normalen Trink- es im Alltäglichen, im unmittel- Erbes“ („Cultural Heritage“) so-
Besonders, wenn es als Ge- geld, aber auch baren Umfeld geblieben“, betont wie Tourismus- und Migrations-
schenk überreicht wird. damit, dass sie Meyer. forschung.
Fotos: Shutterstock (2), Hofer wiederkommen. christa.hofer@tt.com
10 Dienstag, 15. Februar 2011

Noch immer ist er be-


trächtliche 50 Meter hoch.
Vor 2500 Jahren ragte der
siebenstufige Tempelturm
(Ziqqurrat) stolze 80 Meter
empor.
Seit über 30 Jahren führt die
Universität Innsbruck Ausgra-
bungen an der Ruine Birs Nimrud
in Borsippa (Irak) durch. Unter der
Altorientalistin Helga Trenkwalder
und dem Archäologen Wilfrid
Allinger-Csollich waren schon in
den Jahren zuvor Grabungen im
Irak durchgeführt worden – u. a.
im Rahmen des Hamrin und des
Eski-Mosul-Staudammprojektes.
Zusammen mit der irakischen An-
tikenverwaltung wurde 1980 das
internationale Projekt „Verglei-
chende Studien Borsippa-Baby-
lon“ initiiert. Durch Grabungen

«Unterhalb des neubabylo-


nischen Turmes befindet sich
ein älterer Turm, der vermut- Der Stufenturm von Borsippa: Er war Nabû, dem Gott der Schreibkunst und Weisheit, geweiht. Foto: Kuntner

lich ins beginnende zweite

Der babylonische
Jahrtausend v. Chr. datiert.»
Sandra Heinsch
und Untersuchungen an der
noch etwa 50 Meter hohen Ziq-
qurrat sollte auf archäologischem
Wege Form und Wesen des Stuf- Gut 15 Kilometer vom le gendären B abylon ent fernt lie gt
enturmes rekonstruiert werden.
die antike St adt B or sippa . Seit 19 8 0 führ t die Uni Inns -
Vom Krieg unterbrochen
Bis ins Jahr 2000 gruben die bruck dor t archäologische Unter suchungen zur Er for schung
Innsbrucker trotz der Kriege jedes
Jahr im Irak. Mit dabei waren je
der G eschichte M esop ot amiens im 1. Jt . v. Chr. durch.
drei bis vier Studierende und Ver-
messer, hinzu kamen die einhei- dann aber durch die Kriegswirren wurde im Jahre 2004 Österreichs sives Mauerwerk aus gebrannten
mischen Grabungsarbeiter. In den in ihrer Grabungsarbeit bis heute erste archäologische Fieldschool Lehmziegeln, im Kern wurden
Jahren 2002/03 wandten sich die unterbrochen. Das bedeutet je- gegründet, die Ausgrabungen in luftgetrocknete Lehmziegel ver-
Wissenschaftler der Erforschung doch keineswegs auch eine Un- Armenien, Georgien und im Iran wendet. „Die Bautechnik ist ex-
des Stadtgebietes zu, wurden terbrechung der Forschung. unternimmt. zellent. Der Turm ist ein Meister-
Seit 2007 widmen sich Sandra werk der Bauausführung“, lobt
Heinsch und Walter Kuntner vom Antiker Bauablauf Kuntner. Rekonstruiert wurde
Archäologische Fachbereich für Vorderasiatische
Archäologie am Institut für Alte
„Eines der Hauptanliegen der
Grabung in Borsippa war der Stu-
«Die Bautechnik ist
Schule im Orient Geschichte und Altorientalistik der fenturm“, erklärt Walter Kuntner.
exzellent. Der Turm ist ein
wissenschaftlichen Auswertung Große Teile des Turmes wurden

S andra Heinsch und Walter


Kuntner arbeiten am Zent-
rum für Alte Kulturen und leiten
und Publikation der Grabungser-
gebnisse. Durch ihre Kooperation
mit der Deutschen Orient-Gesell-
freigelegt und anhand der bau-
technischen Befunde die Bauvor-
gänge rekonstruiert. „Die span-
Meisterwerk der
Bauausführung.»
seit 2007 Österreichs einzige schaft, die ihnen Zugang zu den nenden Fragen waren: Wie war Walter Kuntner
Archäologische Schule im Ori- über 100 Jahre alten Unterlagen die Baustelle organisiert und wie
ent, die Ausgrabungen in Ar- der Ausgrabungen Robert Kolde- waren die Bautrupps angeord- der Stufenturm bislang vorrangig
menien, Georgien und im Iran weys in Babylon gibt, können sie net“, berichtet Kuntner. Heu- anhand von schriftlichen Quel-
umfasst. Die internationale Ar- ihre Untersuchungen nun verstärkt te weiß man, dass die Basis des len. Allinger-Csollich hat nun ein
chäologische Schule ist für Stu- auch auf Babylon ausdehnen. Turmes beträchtliche 90 mal 90 System erarbeitet, mit dem er
dierende und Interessierte offen Um die Tradition der Vorderasia- Meter betrug. Der Turm selbst ist anhand der Verlegetechnik der
(Kontakt: vai@uibk.ac.at). tischen Archäologie als grabendes eine zweischalige Konstruktion: Ziegel erstmalig eine auf archä-
Fach im Orient weiterzuführen, Mantel und Oberbau sind mas- ologischen Befunden beruhende
Dienstag, 15. Februar 2011 11

Die Grabung in
Borsippa
S eit 1980 gräbt die Univer-
sität Innsbruck in Borsippa
im heutigen Irak. Projektleite-
rin war über viele Jahre Helga
Trenkwalder, unterstützt vom
wissenschaftlichen Grabungslei-
ter Wilfrid Allinger-Csollich. Bis
ins Jahr 2000 fanden trotz der
Kriege im Land fast jedes Jahr
Grabungskampagnen von zwei
bis drei Monaten statt. 2002
und 2003 grub das Team vor-
läufig zum letzten Mal in Bor-
sippa. Seitdem verhindert die
Sicherheitslage im Irak weitere
Kampagnen.
Seit der Pensionierung der al-
ten Grabungsleitung betreu-
en Sandra Heinsch und Walter
Kuntner das neue Babylon-
Borsippa-Projekt. Neben der
Auswertung der Grabungser-
gebnisse von Borsippa arbeiten
Arbeiter graben am Ezida-Tempel. Seine Geschichte konnten die Forscher aufdecken. Foto: Allinger-Csollich sie derzeit an der Neubewer-
tung der Ausgrabungen in Ba-

Turm zu Borsippa
bylon. Sobald die Sicherheits-
lage im Irak es zulässt, werden
sie die Grabungen wieder auf-
nehmen.

Rekonstruktion vorlegen kann. konnten den gesamten 100 Me- richtet Heinsch. Auch der Bereich
Laut seinen Ergebnissen hatten die ter langen und 80 Meter breiten zwischen Turm und Tempel wirft
beiden untersten Stufen ei- Grundriss freilegen. Daraus ergab noch Fragen auf, wo das Ton-
ne Höhe von jeweils 10 sich, dass „der heute bekannte tafelarchiv des Ezida-Tempels ge-
und 20 Meter, die Ezida-Tempel nicht aus der legen haben könnte“, erklärt die
weiteren fünf Zeit Nebukadnezars II. Forscherin.
Stufen wuch- stammt, sondern eine
sen dann seleukidische Neu- Weitere Forschung
gleichmä- gründung ist“, Wie kann es weitergehen mit
ßig zu ei- weiß Kuntner. der Forschung in Borsippa? „Die
ner Ge- „Das Fortbeste- Auswertungen der Ausgrabungen
samthöhe hen der babylo- sind am Laufen. Die bisher getä-
des Turmes von nischen Tempel tigten Ergebnisse sind von aller-
80 Meter an. Bislang bis weit in den größter Bedeutung. Wir haben
war man hingegen stets Hellenismus viele Parallelen zwischen Bor-
von einer monumentalen 30 konnte auch sippa und Babylon festgestellt,
Meter hohen untersten Stufe aus- an den Heiligtümern die wichtige bautechnische und
gegangen. von Babylon nachgewiesen wer- chronologische Rückschlüsse zie-
Die Innsbrucker Forscher konn- den“, betont Heinsch. hen lassen und eine Neubewer-
ten noch weitere Erkenntnisse ge- tung der Geschichte Babyloniens
winnen. „Unter dem neubabylo- Palast und Bibliothek ermöglichen“, erklären Heinsch
nischen Turm Nebukadnezars II. Erste Grabungen im Stadtge- und Kuntner. Auch was die Gra-
liegen Reste eines älteren Turmes. biet von Borsippa brachten Wohn- bungen angeht, geben sie sich
Seine Bautechnik weist in das aus- häuser aus der Partherzeit zutage, optimistisch: „Wir stehen im Kon- Oben: An der westlichen Ecke des
gehende dritte oder beginnende doch weit spannender scheint takt zu unseren Ansprechpartnern Turms legten die Forscher einen
zweite Jahrtausend vor Christus“, den Forschern die Frage, was sich im Irak. Sobald es möglich ist, Tiefschnitt an, um tiefere Bau-
berichtet Heinsch. unter dem Hügel Ibrahim el-Chalil werden wir die Grabungen fort- schichten zu ergründen. F.: Kuntner
Viele Jahre investierten die verbirgt. „Umfassende Grabungen setzen. Unser Wunsch ist dabei, Links: Die Rekonstruktion des
Wissenschaftler auch in die Erfor- in diesem Bereich wären interes- die Archäologische Schule auch Stufenturmes nach Wilfrid Allin-
schung des Ezida-Tempels, der sant, da hier möglicherweise eine im Irak zu etablieren.“ ger-Csollich sieht eine niedrigere
neben der Ziqqurrat liegt. Sie Palastanlage verborgen liegt“, be- christina.vogt@tt.com unterste Stufe vor. Rek.:Allinger-Csollich
12 Dienstag, 15. Februar 2011

Erlesenes Tirol
Prof. J ohann Holzner und Mag. Iri s Kathan vom B renner - A rchiv wollten
herau sfind en , wie Autorinnen und Autoren au s dem I n - und Au sland ihren
Aufent halt im L and g enut z t hab en , um die sen zu literari sieren.

Mit der „Literatur-Land-


Karte Tirol“ schließen Prof.
Johann Holzner und Mag.
Iris Kathan letzte Lücken in
der Karte des Landes Tirol.
„Wir sind auf die Berge gestie-
gen und sind auch wieder hinab-
gestiegen, wir haben dort droben
die seltsam stille Luft ein- und
ausgeatmet und dabei das Wild
im Walde geärgert. Das waren
schöne Ferien!“ – so beschreibt
Ödön von Horváth am 15. März
1930 seinen Aufenthalt in Hinter-
hornbach – „einem der finstersten
Winkel des heiligen Landes Tirol“
– in seinem Text „Souvenir de Hin-
terhornbach“. Neben Horváth ha-
ben zahlreiche andere Autorinnen
und Autoren Tirol aufgesucht und
in ihren Werken, Essays und Erin-
nerungen festgehalten. Manche
von ihnen waren wie Goethe auf
der Durchreise, andere machten
in Tirol Urlaub. Was Reisende von
damals und heute jedoch verbin-
det, ist wohl das Interesse für die
Kultur des Landes, die Landschaft,
die Berge, die Flüsse und das Le-
ben der Einheimischen. Prof. Jo-
hann Holzner und Mag. Iris Ka-
than vom Brenner-Archiv wollten
diese Sichtweisen näher kennen
lernen und herausfinden, wie Au-
torinnen und Autoren aus dem
In- und Ausland ihren Aufenthalt
im Land genutzt haben, um die-
sen zu literarisieren.
Entstanden sind aus dem Pro-
jekt die „Literatur-Land-Karte Ti-
rol“ und eine im Internet frei zu-
gängliche Datenbank mit Texten
von über 65 Autorinnen und Au-
toren. Darunter finden sich Texte
von Niccolo Macchiavelli, Ernest
Hemingway, Ludwig Ganghofer,
„Nach Kufstein kommen die Städte Schwaz und Hall, hübsch gelegen; dann Innsbruck, das einen eminent langwei- Johann Wolfgang von Goethe,
ligen Eindruck macht. Einen desto beßren machte die Bouillon mit Leberknödel seines Bahnhofs.“ – Das schrieb Heinrich Heine, Robert Musil, Erich
Theodor Fontane am 3. Oktober 1874 in sein Tagebuch. (Quelle: Literatur-Land-Karte Tirol) Foto: Roland Mühlanger Kästner, Alois Hotschnig – um nur
Dienstag, 15. Februar 2011 13

einige zu nennen. „Man kann in


unserer Datenbank sowohl nach
Orten als auch nach Namen von
Autorinnen und Autoren suchen“,
erklärt Iris Kathan.
Sichtweisen entdecken
„Unser Hauptziel ist es, festzu-
halten, wie sich die Grenzen zwi-
schen der realen Welt und der fik-
tionalen Welt in den Büchern und
Texten verwischen“, beschreibt
Holzner einen der Grundgedan-
ken für die Initiierung der „Litera-
tur-Land-Karte Tirol“. Kathan, die
sich tagtäglich mit jenen Schrift-
stücken auseinandersetzt, stellt
fest, dass „Literaten von den Dar-
stellungen, die uns vertraut sind,
abweichen. Ihre Beschreibungen
schärfen aber auch unseren Blick
für Vertrautes“. Gemeinsam mit
weiteren Kolleginnen aus dem
Forschungsinstitut Brenner-Archiv
sucht Kathan in literarischen Tex-
ten nach Ortsbezügen zu Nord-,
Süd- und Osttirol. „Wir berück-
sichtigen bei unserer Recherche-
Arbeit natürlich nicht nur Texte
von bekannten Autorinnen und
Autoren, sondern auch Texte von
unbekannten. Wir studieren eine Prof. Johann Holzner und Mag. Iris Kathan stillen mit ihrem Projekt den Durst nach Hintergrundwissen bei
Unmenge von Schriftstücken, um Touristen und Einheimischen. Foto: Eva Fessler
interessante Bezüge herauszufin-
den. Unsere intensive Lektürear- terwäldlerisch. Mit dem Beginn Tirol Schauplatz. Vielfach wird Prof. Holzner. „Wir nehmen diese
beit soll für die Nutzerinnen und des Fremdenverkehrs nimmt es als das schroffe Land der Ber- Texte mit ebendiesen Inhalten in
Nutzer der ,Literatur-Land-Karte dieses Vorurteil ab. In seinem ge charakterisiert, das fasziniert. unserem Verzeichnis nicht auf.“
Tirol‘ gleichzeitig eine Lektüre- Werk „In der Wildnis“ beschreibt Und dennoch, häufig ist es gera-
anregung sein“, ergänzt Holzner der Tiroler Autor Adolf Pichler de die in den Gebirgen bildhaft Schwierige Finanzierung
und streicht den hohen Arbeits- eindrücklich den Beginn des Tou- gewordene Enge, die zum Aus- „Unsere Zweifel, auf mangeln-
aufwand hervor. rismus in Tirol: „Noch vor wenig bruch reizt. In der „Blut-und-Bo- des Interesse zu stoßen, wurden
Jahren sah man auf der Straße von den-Literatur“ wird Tirol wegen bald widerlegt“, freuen sich Holz-
Das Bild Tirols Kreuth nach Achenkirch oft wo- seiner „unbefleckten Schönheit“ ner und Kathan: „Der Wissen-
Die in den verschiedensten chenlang kein anderes Fuhrwerk, und „Urtümlichkeit“ missbraucht. schaftsfonds, die Kulturabteilung
Jahrhunderten entstandenen als die breiten Wägen mit groß- Zahlreiche Schriftstücke zeugen des Landes und die Tourismus-
Texte zeichnen ein sich wandeln- en Bastkörben, worin man Kohlen davon – „die Schwelle zur nati- verbände finden diesen Zugang
des Bild von Tirol. Selbst in den zum Hochofen zu Jenbach liefer- onalsozialistischen Ideologie war zur Kultur der Region höchst in-
1930er-Jahren galten Tirolerinnen te. Hier und da zog ein verirrter bei christlich-konservativen Au- teressant. Auch die Touristen des
und Tiroler vielfach noch als hin- Handwerksbursch fechtend von toren in der Regel gering“, weiß 21. Jahrhunderts erfreuen sich
einem abgelegenen Bauernhof nicht nur an klassischen ‚Tiroler-
zum andern, unbehelligt von der abenden’. Der Durst nach Hinter-
Gendarmerie, die damals statt der grundwissen bei Touristen und
Infos über die Strolche harmlose Wanderer be- Literarischer Einheimischen ist groß.“ Den-
lästigte(...). Jetzt ist es anders ge- noch muss Holzner feststellen:
Literatur-Land-Karte worden. Elegante Equipagen rol- Stadtführer „Die Finanzierung dieses groß an-
len im Sommer vorüber, Schwär- gelegten Unternehmens fällt doch

W ie kann man die „Lite-


ratur-Land-Karte Tirol“
fördern? Indem man Mitglied
me von Touristen, den Plaid um
die Schulter, trotten daher und
bemühen sich, älplerisches Jodeln
I nnsbruck: Ein literarischer
Stadtführer. Dieser aus dem
Projekt entstandene Stadtführer
wesentlich schwerer als erwartet;
die Gemeinden halten sich vor-
nehm zurück.“ Auch heuer wer-
beim Brenner-Forum wird und mit kreischender Kehle nachzuäf- regt zum Entdecken bekannter den Holzner und Kathan ein FWF-
die „Literatur-Land-Karte Tirol“ fen.“ Adolf Pichler kommentiert und unbekannter Winkel an. Projekt beantragen, um die in Ös-
unterstützt: Nähere Infos: www. dieses Treiben folgendermaßen: Ausgewählte Texte begleiten terreich einzigartige Landkarte zu
uibk.ac.at/brenner-archiv/bren „Ich danke jedoch Gott stets, den Leser auf fünf verschiede- vervollständigen.
ner_forum/. Telefonisch können daß es noch Winkel gibt, wohin nen Stadtrundgängen zu den daniel.sailer@uibk.ac.at
sich Interessierte im Sekretariat sich der Troß moderner Naturbe- Sehenswürdigkeiten Innsbrucks
des Brenner-Archivs informie- schnüffler nicht verläuft, um Lan- aber auch in die Peripherie der WEITERE INFORMATIONEN
www.uibk.ac.at/ipoint/
ren: 0 512/507-45 01. geweile loszuwerden.“ Landeshauptstadt. uni-konkret/
In unzähligen Handlungen ist
14 Dienstag, 15. Februar 2011

Russland ist in Tirol nun durch ein Länderzentrum an der Universität vertreten. Foto: istockphoto.com

Ein Stück Russland in Tirol


I n d er Tiroler L and e shaupt st a dt wur d e da s er ste Ru sslandzentrum
Ö sterreich s eröf fnet . A l s Tref fpunk t für alle Ru sslandintere ssier ten
wer d en die Räumlichkeiten d er Clau diana in d er I nn sbrucker A lt st adt
künf tig genut z t wer d en.

In Zusammenarbeit mit der ders eindrucksvoll im Bildungssek- steht die Möglichkeit, im Rahmen Alma Mater: „Das Russlandzent-
in Moskau ansässigen Stif- tor beobachten. Mehrere hundert des Wirtschaftsstudiums Sprach- rum steht Schulen und anderen
Studierende beschäftigen sich im kurse aus dem Bereich Wirt- Bildungseinrichtungen, an denen
tung „Russkyj Mir“ bietet
Rahmen ihres Studiums an der schaftsrussisch zu belegen. Die Russisch unterrichtet wird, zur
die Universität Innsbruck Universität Innsbruck mit Russ- Sprache ist allerdings nicht nur in Verfügung.“ In diesem Sinne ver-
den Tirolerinnen und Ti- land. Anbieter in der Russischaus- den Lehrplänen der Hochschulen steht sich das Russlandzentrum
rolern Zugang zur Sprache bildung sind nicht nur das Institut vertreten: In Tirol wird bereits an als Treffpunkt für alle an Russland
für Slawistik und das Institut für elf Schulen Russisch unterrichtet – interessierten Tiroler und ihre rus-
und Kultur Russlands. Translationswissenschaft (Über- Tendenz steigend. Prof. Ingeborg sischen Mitbürger.
setzer- und Dolmetscherausbil- Ohnheiser, wissenschaftliche Lei-
Das Interesse der heimischen dung), sondern auch das für alle terin des Zentrums und Vorstand Zusammenarbeit
Bevölkerung an Russland hat in zugängliche Internationale Spra- des Instituts für Slawistik, sieht die Die Einrichtung des Russland-
den letzten Jahren stetig zuge- chenzentrum (ISI) der Universität Aktivitäten des Zentrums somit zentrums hat innerhalb der Uni-
nommen – das lässt sich beson- Innsbruck. Darüber hinaus be- auch außerhalb der Innsbrucker versität zu intensiveren Koopera-
Dienstag, 15. Februar 2011 15

tionen verschiedener Disziplinen


geführt. Ein äußerst positiver Ne-
beneffekt, wie Ohnheiser betont:
„An der Universität Innsbruck gibt
es in Ausbildung und Forschung
mehr Beziehungen zu Russland,
als zunächst angenommen wer-
den könnte.“ Im kommenden
Sommersemester wird es daher ei-
ne interdisziplinäre Ringvorlesung
zum Thema „Russland heute“ ge-
ben, in der interessante Aspekte
aus den Bereichen Geographie,
Wirtschaft, Politik, Kultur und Ge-
schichte behandelt werden. An-
fang April wird beispielsweise der
Innsbrucker Astrophysiker Mag.
Gernot Grömer vom Österrei-
chischen Weltraumforum anläss-
lich des 50. Jahrestages des ers-
ten bemannten Weltraumfluges
durch Juri Gagarin einen Vortrag
im Russlandzentrum halten.
Umfassende Ausstattung
Alle der weltweit durch die Stif-
tung „Russkyj Mir“ eingerichteten
Zentren können ein breites An-
gebot von Bildungs- und Kultur-
programmen nutzen. Die Räum-
lichkeiten des Zentrums in der
Innsbrucker Altstadt sind mit ei- Russische Sprache, Literatur und Kultur stehen im Innsbrucker Russlandzentrum im Mittelpunkt. Foto: Uni Innsbruck
ner umfassenden Bibliothek und
Mediathek ausgestattet: Mehr als
900 Bücher und 300 Datenträger Mehrere Computer-Arbeitsplätze staltungen vorgesehen. Um die tung – eine verstärkte Präsenz der
stehen den Nutzern momentan ermöglichen das „Schmökern“ Zusammenarbeit mit jenen Schu- russischen Sprache und Kultur in
zur Verfügung. Die Sammlung in den zahlreichen elektronischen len Tirols, an denen Russisch un- der Tiroler Öffentlichkeit ist somit
wird durch die Stiftung „Russkyj Lehrwerken und Lexika. Überdies terrichtet wird, auszubauen, ist sicher.
Mir“ laufend erweitert werden, bieten virtuelle Reiseführer die für Schülerinnen und Schüler ei- melanie.bartos@uibk.ac.at
zeichnet sich allerdings bereits Gelegenheit, sich beispielsweise ne „Russisch-Olympiade“ ange-
jetzt durch große Vielfalt aus: Das auf einen Stadtrundgang durch dacht. „Gerade junge Menschen,
Spektrum reicht von Kinder- und St. Petersburg zu begeben. die sich im Zuge ihrer Ausbildung
Jugendliteratur bis hin zu Enzyklo-
pädien und Nachschlagewerken.
Für das Jahr 2011 sind bereits
zahlreiche Aktivitäten und Veran-
mit Russland beschäftigen, sol-
len dadurch in die Aktivitäten des
Das Russlandzentrum
Russlandzentrums miteingebun- an der Uni Innsbruck
den werden“, betont Bernhard
Die Russkyj Mir
Foundation
der Stiftung zeigte sich über ein
Russlandzentrum im „Herzen der
Alpen“ sehr erfreut, zeichnet es
Köll, einer der Leiter des Zentrums
und selbst Russischlehrer. Daher
wurden bereits alle Lehrerinnen
D ie Räumlichkeiten in der
Innsbrucker Altstadt sind
öffentlich zugänglich. Alle In-
sich doch durch die unmittelbare und Lehrer Tirols, die Russisch teressierten sind herzlich ein-

D ie in Moskau ansässige Stif-


tung „Russkyj Mir“ wurde
2007 gegründet und unterstützt
Nachbarschaft zu anderen Län-
derzentren der Universität und
gute Kooperationsmöglichkeiten
unterrichten, zu einem Informa-
tionsgespräch mit anschließender
Besichtigung des Russlandzen-
geladen, sich in der Bibliothek
und Mediathek über Russland
zu informieren. Das Zentrum
weltweit die Beschäftigung mit aus. Gemeinsame Vorhaben sind trums eingeladen. ist seit Anfang Februar täglich
der russischen Sprache und auch mit dem Russischen Zent- geöffnet, die genauen Öff-
Kultur. Eine besondere Aufga- rum in Meran geplant. Verstärkte Präsenz nungszeiten werden auf der
be kommt dabei den russischen Aber nicht nur am Bildungs- Homepage bekannt gegeben.
Zentren zu, die „Russkyj Mir“
bisher in über 30 Ländern Euro-
pas, Asiens, des Nahen Ostens,
D as russische Wort „mir“
hat mehrere Bedeutungen:
Neben „Frieden“ oder „Welt“
sektor will sich das Zentrum für
russische Sprache und Kultur
verstärkt einbringen: „Wir planen
Die Leitung des Zentrums ha-
ben MMag. Agnes Tauscher
und MMag. Bernhard Köll inne.
Amerikas (Nord-, Mittel- und kann es auch im Sinne von „Ge- Veranstaltungen in Kooperation Kontakt: Claudiana, Herzog-
Lateinamerika) und Afrikas ein- meinschaft“ verstanden werden. mit dem Literaturhaus am Inn so- Friedrich-Straße 3, 1. Stock,
gerichtet hat. Das Innsbrucker „Russkyj Mir“ umfasst also die wie dem Leokino bzw. Cinemato- 6020 Innsbruck; Telefon:
Zentrum ist das 69. Russlandzent- weltweite Gemeinschaft all jener, graph“, erklärt Agnes Tauscher, 0512/507-34600, Mail: russ
rum weltweit und das erste in die sich mit Russland beschäf- die gemeinsam mit Bernhard landzentrum@uibk.ac.at,
Österreich. Die bei der Eröffnung tigen. Nähere Informationen: Köll das Russlandzentrum lei- Homepage: www.uibk.ac.at/
in Innsbruck anwesende Leitung www.russkiymir.ru tet. Mehrere viel versprechende russlandzentrum
Projekte sind bereits in Vorberei-
16 Dienstag, 15. Februar 2011

Der Wald muss


durch den Laserscan
Die UNO erklär te 2011 zum internationalen Jahr des Waldes, um auf dessen
Bedeutung aufmerk sam zu machen. Auch der „Wald - Check “ hat den Wald im
Fokus – ein Projek t , das bisherige Waldinventuren ef fizienter machen soll.

Um waldökologische Fra-
gen zu klären und nach-
haltige Strategien zur Nut-
zung der Ressource Wald
zu entwickeln, braucht es
zuverlässige Daten. Bei de-
ren Ermittlung wird zuneh-
mend auf moderne Verfah-
ren wie das Laserscanning
gesetzt.

Einen Hauch von Skandina-


vien verbreitet die „Holzkam-
mer Österreichs“, der Kobernau-
ßer Wald, der sich als eines der
größten zusammenhängenden
Waldgebiete Mitteleuropas vom
Hausruck- bis zum Innviertel er-
streckt. Wie im Amazonas wähnt
man sich in den wasser- und
lichtdurchfluteten Pappel- und
Weidewäldern der Donau-Auen,
während der berühmte Bann-
wald von Hallstatt seit hun-
derten Jahren den mittlerweile
UNESCO-geschützten Stadtkern
vor Lawinen, Muren und Stein-
schlag bewahrt. Die Wälder, die
mit 47 Prozent Flächenanteil
knapp die Hälfte Österreichs be-
decken, beeindrucken nicht nur
durch ihre landschaftliche Schön-
heit, sondern haben darüber hi-
naus viele Funktionen. Sie stellen
den nachhaltigen Rohstoff Holz
zur Verfügung, reinigen die Luft,
filtern das Wasser, regulieren das
Klima und schützen vor Naturge-
fahren. Eine beeindruckende Res-
source, die es zu erhalten gilt.
Der Wald als Ökosystem
Der Wald ist also weit mehr als
eine Ansammlung von Bäumen.
Im Rahmen des internationalen Jahres des Waldes rufen die Bundesforste zur Wahl der sieben Waldwunder Öster- Er ist ein lebendiges System, und
reichs auf. Nominiert sind auch die über 40 Meter hohen Douglasien am Manhartsberg in Niederösterreich. Foto: Kovacs jeder Teil darin hat seine besonde-
Dienstag, 15. Februar 2011 17

Im Rahmen von Waldinventuren werden auch Bohrkernproben entnommen, für das projekt „Wald-Check“ wurde ein Raster über ganz Vorarlberg gelegt,
um Aufschluss über den Zustand des Waldes zu erhalten. Fotos: Stampfl auf dem sich alle 100 meter ein potenzieller stichprobenpunkt befindet.

re Funktion – man spricht in die- erkundung und GPS, die dabei lich kann man das nicht mit einer in Tirol und Vorarlberg oder die
sem Sinne vom Wald als Ökosys- helfen, traditionell durchgeführte traditionellen Forstinventur wie kleinräumigen Auswirkungen des
tem. „All diese Zusammenhänge, Waldinventuren zu unterstützen. der österreichischen Waldinven- Klimawandels ergeben. Die Lan-
die bestehen, und die Prozesse, Seit Neuestem werden dafür auch tur vergleichen“, gibt der Öko- desregierungen seien an einer
die da ablaufen, und inwiefern dreidimensionale Laserverfahren loge zu bedenken. „Schließlich weiteren Zusammenarbeit jeden-
sich das durch den Klimawan- eingesetzt. Mit dem so genannten werden dabei flächendeckend falls sehr interessiert.
del verändert, ergeben interes- Airborne Laserscanning werden in ganz Österreich 130 Parame- michaela.darmann@tt.com
sante, wissenschaftliche Frage- digitale Oberflächen- und Gelän- ter aufgenommen. Beim Wald-
stellungen“, betont Paul Stampfl demodelle erstellt und aus den Check hingegen haben wir das ZuR peRson
vom Institut für Ökologie der Uni Daten Einzelbäume verortet und auf vier bis fünf Parameter und
Innsbruck. Welche Auswirkungen Baumarten bestimmt. Ein hoch- einen Standort mit einem Radius
haben globale Veränderungen modernes Verfahren, von dem von zehn Metern reduziert.“ Al-
auf die Verfügbarkeit der Ressour- man sich zuverlässige Informati- lerdings soll der Wald-Check an
ce Wald und deren Funktionen? onen verspricht, um mit weniger mehreren, genauer gesagt an et-
Und was passiert mit der Wald- Aufwand als bisher mehr über wa 200, Standorten durchgeführt
fläche, wenn Almen aufgelassen den Zustand des Waldes und des- und als Dauermonitoring-System
werden? Fragen über Fragen, sen Entwicklung zu erfahren. Das etabliert werden. Und zwar auf
die es für die Ökologen zu klären Problem sei nämlich, dass es vor einem Raster, das über ganz
gilt. allem im kleinräumigen Bereich Vorarlberg gelegt wurde und auf
Auch Paul Stampfl setzt sich keine wirklich guten Daten gibt. dem sich alle 100 Meter ein po-
am interdisziplinären Forschungs- tenzieller Stichprobenpunkt befin-
zentrum „Ökologie des Alpi- Schüler auf Waldinventur det. In einem sehr engen Abstand
nen Raumes“ intensiv mit die- Genau hier, an diesem Defi- also, wodurch sich eine sehr gute pAul stAmpfl
sen Fragen auseinander. Sein zit der Verfügbarkeit von detail- Datenbasis ergibt.
Fachbereich sind aber geo- lierten und umfangreichen Re- „Der Hintergrund dieses Pro-
graphische Informationssysteme
– sprich Technologien wie Fern-
ferenzdaten, setzt das Projekt
Wald-Check an. „Dabei handelt
es sich um ein Pilotprojekt, das
jektes ist zum einen, die Wald-
ökologie vermehrt in die Schu-
len zu bringen“, meint Stampfl.
P aul Stampfl wurde 1970
in Bregenz geboren und
studierte neben Ökologie
wir seit vergangenem September „Zum anderen sollen mit Hilfe auch Geographie und Um-
Internationales Jahr mit Schülern in der Modellregi-
on Vorarlberg mit Unterstützung
der Technologien, die uns heute
zur Verfügung stehen, aufwän-
welttechnik. Seit 2008 ist er
am Institut für Ökologie der
des Waldes mehrerer Landesabteilungen dige Waldinventuren erleichtert Universität Innsbruck als wis-
durchführen“, erklärt Stampfl. und im Endeffekt auch billiger senschaftlicher Mitarbeiter

W ährend jedes Jahr weltweit


130.000 km2 Wald verloren
gehen, nimmt die Fläche in Öster-
Konkret sollen die Schüler un-
ter Anleitung von Experten auf
einem engmaschigen Stichpro-
werden. Derzeit gebe es zwar nur
in Vorarlberg Standorte. Langfris-
tig sei es aber durchaus möglich,
tätig – seit 2009 auch am
Zentrum für Klimaanpas-
sungstechnologien „alpS“.
reich ständig zu – in den letzten benraster waldkundliche Proben diese auf größere Regionen wie Einer seiner Fachbereiche um-
25 Jahren um rund 111.000 ha aufnehmen und erfassen. An- Tirol auszuweiten. „Die Schu- fasst Geoinformationstechno-
(220.000 Fußballfelder). Die Ak- schließend sollen diese analy- len bilden ja auch ein gewisses logien (Fernerkundung, GPS,
tivitäten im internationalen Jahr siert und waldökologische sowie Netzwerk und so könnte man so- GIS), die er auch im Rah-
des Waldes sollen dazu beitra- waldkundliche Messgrößen auf- gar europaweit sehr schnell ent- men des Forschungsprojektes
gen, die ökologische, ökonomi- bereitet werden – sodass man sprechende Informationen sam- „Wald-Check“ mit ausgewähl-
sche und soziale Bedeutung der kleinräumige Informationen er- meln.“ Darüber hinaus könnten ten Schulen in der Modellre-
heimischen Wälder in den Mittel- hält, mit denen in der Folge auch sich aus dem Projekt auch Ergeb- gion Vorarlberg zum Einsatz
punkt des Interesses zu rücken. flächendeckende Aussagen ge- nisse im Hinblick auf die ener- kommen lässt.
troffen werden können. „Natür- getische Nutzung von Biomasse
18 Dienstag, 15. Februar 2011

Turbulenzen sollten
Ende 2011 vorbei sein
Nach dramatischen Ret tung sak tionen 2010 sollten wir heuer den geordneten
B ankrot t mehrerer Euro -St aaten sehen. Wird da s gut und transparent ge -
handhabt , ist es für alle die b este L ösung, b etont Univ.- Prof. Jürgen Hub er.

Die so genannte Euro-Krise


wurde laut Universitäts-
professor Jürgen Huber
herbeigeredet. Auslöser
waren Banken, die durch
einen Staatsbankrott im
Jahr 2010 betroffen gewe-
sen wären.

In einem Dorf leben zwei Bau-


ern – der eine arbeitet fleißig von
früh bis spät und spart den Ge-
winn, den er dabei erwirtschaftet.
Der andere lässt es sich gut ge-
hen, arbeitet wenig und konsu-
miert stattdessen täglich im Gast-
haus, wo er anschreiben lässt.
Eines Tages fordert der Wirt sein
Geld – um festzustellen, dass der
Bauer viel mehr schuldet, als er
hat. Da kommt der Bürgermeister
und sagt: „Macht nichts, dann
soll der fleißige, sparsame Bauer
zahlen, immerhin sind wir eine
Dorfgemeinschaft.“
Finanzlobby flüsterte ein
So illustriert Universitätspro-
fessor Jürgen Huber vom Institut
für Banken und Finanzen die Vor-
gänge um die „Euro-Krise“ 2010.
Damals wurde, wie er sagt, unter
dem Mantel der „europäischen
Solidarität“ verkündet, dass der
gut wirtschaftende Norden, allen
voran Deutschland, Griechenland
und andere überschuldete Euro-
Länder „retten“ müsste, weil sonst
der Euro in Gefahr wäre. Politiker
verkündeten dies lauthals – viel-
leicht durchaus in gutem Glau-
ben. Huber meint aber, es stehe
zu befürchten, dass sie dabei auf
Einflüsterungen der Finanzlobby-
isten hörten: Denn tatsächlich war
der Euro nie in Gefahr, sondern
Nicht der Euro war in Gefahr, sondern die Zahlungsfähigkeit einzelner Länder. Foto: dpa nur die Zahlungsfähigkeit einzel-
Dienstag, 15. Februar 2011 19

ner Länder. Dies hätte aber einige weder weitere EU-Hilfe oder eine
Banken hart getroffen, denn im „Umschuldung.“ Dieser schöne
Frühling 2010 waren es vor allem Begriff entspricht dem, was bei
deutsche und französische Groß- einem Unternehmen ein Zwangs-
banken, die griechische Staatsan- ausgleich wäre. So eine Umschul-
leihen hielten – laut Huber rund dung ist für Griechenland wohl
100 Milliarden Euro. Wäre Grie- unausweichlich und wäre schon
chenland damals bankrott ge- im Frühling 2010 die sauberste
gangen, hätten die Banken wohl und beste Lösung gewesen. Hu-
etwa die Hälfte dieses Geldes ver- ber meint, die Entscheidung für
loren. Verluste von 50 Milliarden Rettungspakete und gegen die
Euro wären für die noch von der Umschuldung sei damals eine po-
Finanzkrise gebeutelten Banken litische, nicht eine ökonomische
aber kaum zu verkraften gewe- Entscheidung gewesen: Es war
sen. Da aber ein weiteres Banken- den Banken gelungen, die Politik
rettungspaket dem Steuerzahler von der Notwendigkeit der Ret-
nicht mehr zuzumuten war, wur- tung Griechenlands – die tatsäch-
de eine Euro-Krise herbeigeredet. lich eine Rettung der Banken war
Hastig wurden Rettungspakete – zu überzeugen.
geschnürt (110 Milliarden für
Griechenland, 90 Milliarden für EZB würde Verlust tragen
Irland). Mittlerweile ist ein Jahr ver-
gangen und die Banken hatten
genug Zeit, sich auf einen Bank-
«Wäre Griechenland damals rott Griechenlands und eventuell
bankrott gegangen, hätten anderer Staaten einzustellen: Be-
die banken sehr viel Geld sonders exponierte Banken konn-
ten ihre griechischen Staatsan-
verloren.» leihen verkaufen oder dafür Ver-
Jürgen Huber sicherungen (so genannte CDS,
siehe Box) kaufen. Durch die nied-
Laut Huber bestehen die Ret- rigen Finanzierungskosten bei der
tungspakete aus Haftungen und Europäischen Zentralbank (EZB) Universitätsprofessor Jürgen Huber rechnet damit, dass Griechenland
Krediten mit wenigen Jahren machte der Bankensektor euro- noch heuer Konkurs anmelden wird. Foto: dpa
Laufzeit, die mit 5 bis 8 Prozent paweit 2010 sehr hohe Gewinne
verzinst sind. Dieses Zinsniveau und konnte so seine Kapitalreser- nehmen nach dem Konkurs meist zUr person
können sich die ohnehin über- ven massiv aufstocken. Daher sind nicht mehr existiert und seine
schuldeten Staaten auf Dauer nun Verluste leichter zu verkraften. werthaltigen Teile von anderen
nicht leisten. Darüber hinaus be- Schließlich hat die EZB von den Unternehmen aufgekauft werden,
nötigen sie zur Rückzahlung der Banken viele griechische Staats- existiert ein Staat natürlich weiter.
Kredite aus dem Rettungspaket anleihen gekauft, um deren Kurs Er kann auch nicht von einem an-
schon bald neue Kredite, da sie zu stützen, so dass die höchsten deren Staat übernommen wer-
noch immer hohe Budgetdefizi- Verluste bei einem Konkurs Grie- den – auch wenn Huber es als
te haben. Da private Kapitalgeber chenlands mittlerweile die EZB reizvolles Gedankenspiel bezeich-
weiterhin nicht bereit sind Grie- tragen würde. Für sie ist das kein net, dass Griechenland etwa von
chenland oder auch Irland Geld Problem ist, da sie Geld drucken Norwegen übernommen würde. JürGen HUber
zu geben, benötigen diese ent- kann. Huber rechnet für 2011 mit Dies ist natürlich nicht möglich.

Internationale
einem Konkurs Griechenlands, da Vielmehr ist ein Staatskonkurs mit
die Banken, nachdem sie ihre Ri- dem Zwangsausgleich eines Un-
CDS – Credit siken minimiert haben, nicht mehr ternehmens zu vergleichen, d. h.

Default Swap
dagegen intervenieren werden.
Laut dem Uniprofessor sind die
ein großer Teil der Schulden (z. B.
50 Prozent) wird ersatzlos gestri- Karriere
CDS-Spreads (siehe Box) ein guter chen, die anderen Schulden mit

E in CDS (Credit Default Swap)


ist eine Ausfallversicherung
für Finanzprodukte (zum Bei-
Gradmesser für die Konkurswahr-
scheinlichkeit, also die Höhe der
Versicherungsgebühren für einen
längerer Laufzeit und niedrigeren
Zinsen beibehalten. Für Griechen-
land würde der Schuldenstand
S eit Oktober 2010 ist Jür-
gen Huber Vorstand des
Instituts für Banken und Fi-
spiel für Staatsanleihen). Durch Zahlungsausfall Griechenlands. wohl von derzeit 140 Prozent der nanzen an der Uni Innsbruck.
Zahlung einer regelmäßigen Diese sind derzeit höher als je gesamten Wirtschaftsleistung auf Der Wirtschaftswissenschaftler
Prämie (des „CDS-spread“) ist zuvor, auch wesentlich höher als etwa 70 Prozent halbiert. Das wä- lehrte als Gastprofessor an der
man gegen Kursverluste im im Frühling 2010. Das zeigt, dass re zwar immer noch höher als das Yale University (USA) sowie an
Falle des Zahlungsausfalls, z. B. die Marktteilnehmer zunehmend Maastricht-Kriterium von 60 Pro- der Ramkhamhaeng Univer-
aufgrund eines Staatsbank- mit einem Konkurs rechnen und zent, aber durch die geringeren sity (Thailand). Als Gastlektor
rotts abgesichert. Je höher der diesen natürlich in ihren Transak- Schulden hätte Griechenland eine hielt der gebürtige Oberöster-
CDS-spread desto höher ist das tionen berücksichtigen. gute Chance seine Staatsfinanzen reicher Vorträge an der Gadja
Ausfallsrisiko. Für Griechenland Huber erläutert, dass man sich nachhaltig in Ordnung zu bringen Mada University (Indonesien)
sind sie derzeit höher als jemals den Konkurs eines Staates anders – immer vorausgesetzt, es wird sowie an der Vietnam Natio-
zuvor. als den eines Unternehmens vor- verantwortungsvoll gewirtschaf- nal University (Vietnam).
stellen muss: Während ein Unter- tet. frank.tschoner@tt.com
20 Dienstag, 15. Februar 2011

Durch ihre Lebensweise ist die Weinbergschecke mit ihrer chemischen Umgebung viel stärker im Austausch als zahlreiche andere Bodentiere.

Weich und hart zugleich


Schne cken ver fü g en üb er eine b e sond ere Fähigkeit : W ie ein österreichi sch -
spani sche s F or scher team herau sfand , können sie gif tig e M et alle binden und
ihren Körp er auf die se Wei se entgif ten.
Schnecken sind einzigar- äußerst widerstandsfähig gegen- spanisches Forscherteam unter die Hälfte ihrer rund 43.000 Ar-
tige Stoffwechselkünstler: über Umweltstress sind Land- Innsbrucker Leitung nun heraus- ten hat sich von Meeres- zu Land-
schnecken. So können sie zum gefunden. bewohnern entwickelt. An Land
Ihr Organismus kann zwi-
Beispiel giftige Metalle in großen Schnecken stammen aus dem erfolgreich bestehen konnten
schen lebenswichtigen und Mengen binden und entgiften. Meer. Ihre Form haben sie im sie dank zahlreicher Anpas-
giftigen Metallen unter- Ein evolutionärer Trick ist einer Laufe ihrer Entstehung vor 600 sungen. „Schnecken haben einen
scheiden. der Gründe dafür, weshalb die Millionen Jahren bis heute nur ge- evolutionären Trick der Sonder-
Weichtiere so hart im Nehmen ringfügig verändert, ihre Lebens- klasse vollbracht“, sagt Prof. Rein-
Keineswegs weichlich, vielmehr sind. Das hat ein österreichisch- weise allerdings sehr wohl. Etwa hard Dallinger von der Abteilung
Dienstag, 15. Februar 2011 21

Ökophysiologie des Institutes für


Zoologie der Universität Inns-
bruck, der Leiter des Forschungs-
teams.
Die Anpassung ans Land brach-
te für Schnecken die Notwendig-
keit mit sich, mit erhöhten und
variablen Metallkonzentrationen
umgehen zu müssen. „Metalle
sind ja natürliche Bestandteile der
Erdkruste. Bei jedem Regenguss
erhöht sich die Verfügbarkeit von
Metall-Ionen im Boden sprung-
haft. Im Gegensatz zu ihren Ver-
wandten im Meer hatten Land-
schnecken aber nun nicht mehr
ausreichend Wasser zur Verfü-
gung, um unerwünschte Metalle
aus ihrem Körper zu spülen. Ihr
Organismus passte sich an und
entwickelte intrazelluläre Mecha-
nismen, um mit erhöhten und
variablen Metallbelastungen um-
zugehen“, erklärt Dallinger.
Blaublütig und selektiv Weinbergschnecke und Umweltgefahr durch das Schwermetall Cadmium (rote Kugeln). Gegen Schwerme-
Schnecken benötigen für zent- talle, wie Cadmium, aktiviert die Weinbergschnecke ein effizientes Gen zur Metallentgiftung und Stressbe-
rale Stoffwechselvorgänge das wältigung. Fotos: Reinhard Dallinger/Fotomontage: Adolf Sandbichler; istockphoto.com
Spurenelement Kupfer, so z. B.
auch für den Sauerstofftransport Tieren binden Metallothioneine Sequenzen. Schnecken regulieren
im Blut. Aus diesem Grund ist relativ unspezifisch Kupfer, Cad- laut des Ergebnisses der Arbeits- zUr perSon
Schneckenblut nicht wie das ei- mium und Zink gleichzeitig“, er- gruppe als Resultat dieser erfolg-
senhaltige, menschliche Blut rot, klärt der Zoologe. Im Gegensatz reichen evolutionären Anpassung
sondern hellblau. Das für ihren dazu ist es den Landschnecken so ihren Metall-Stoffwechsel. Sie
Stoffwechsel notwendige Kupfer im Lauf der Evolution gelungen, können in ihrer Mitteldarmdrü-
können die Tiere in ihren Zellen die Metallothioneine in ihrem Or- se, die in Leistung und Funktion
festhalten und speichern. Gleich- ganismus weiter zu entwickeln, in etwa mit der menschlichen Le-
zeitig können sie Überschüsse um so gewissermaßen die Spreu ber vergleichbar ist, große Men-
vom Weizen zu trennen. Sie besit- gen giftiger Metalle binden und
zen insgesamt drei verschiedene entgiften. Dieser Umstand macht
«Schnecken haben Metallothionien-Varianten: eine, die Tiere besonders widerstands- reinhard dallinGer
einen evolutionären Trick die Kupfer bindet, eine, die Cad- fähig gegenüber Schwermetallbe-
der Sonderklasse voll-
bracht.»
mium und Zink bindet, und die
wenig selektive Urform. „Diese
genetischen Varianten, Isoformen
lastungen.
Nischen-Adaption
R einhard Dallinger schloss
1978 sein Doktoratsstu-
dium mit Spezialisierung in
Reinhard Dallinger genannt, unterscheiden sich von- Metalloproteine – zu denen den Bereichen Zoologie und
einander durch den Austausch auch die Metallothioneine gehö- Mikrobiologie ab. Nach zahl-
anderer giftiger Metalle binden einzelner Aminosäuren“, führt ren – sind für zahlreiche physio- reichen Forschungs- und
und entgiften, ohne dass dies Dallinger aus. logische Prozesse lebenswichtig. Lehraufenthalten an renom-
den für Landschnecke lebens- Ausgangspunkt dieser Ent- Ihre Synthese und Metallbindung mierten Universitäten im In-
wichtigen Kupferstoffwechsel wicklung war ein evolutionärer unterliegen bei allen Organismen und Ausland habilitierte sich
beeinträchtigt – eine Fähigkeit, Vorgang, der als Genduplikati- denselben chemischen Regeln. Dallinger im Jahr 1989 am
die sie von anderen Tieren un- on bezeichnet wird. Dabei ent- „Einerseits haben wir zentrale Institut für Zoologie, wo er –
terscheidet: „Prinzipiell verfügt stand zunächst eine identische Erkenntnisse über einen prinzi- unterbrochen von weiteren
jeder Organismus über Metallo- Kopie eines bereits vorhandenen piellen Mechanismus der Metall- Auslandsaufenthalten – seit-
thioneine. Dabei handelt es sich Metallothionein-Gens. Darauf Selektivität bei Metalloprotei- her forscht und lehrt. 1997
um eine ganz besondere Klasse folgte eine evolutionäre Abwand- nen gewonnen“, streicht Dallin- wurde er zum außerordent-
von Schutzproteinen, die sehr lung, die zur Herausbildung der ger hervor. „Andererseits ist die lichen Universitätsprofessor
viele Aminosäuren mit Schwefel- beiden metall-spezifischen Vari- Landschnecke mit ihrer Fähigkeit ernannt, seit 1997 leitet er
atomen enthalten, die wiederum anten führte. „Die ausgeprägte zur Metallentgiftung ein inte- die Arbeitsgruppe Molekula-
Metalle binden können“, erklärt Metall-Selektivität der beiden ressanter Fall evolutionärer Ni- re Physiologie und Umwelt-
Dallinger. Die Crux an diesen Isoformen wird ausschließlich schen-Adaption.“ Das mit Jah- toxikologie. Die befruchten-
speziellen Proteinen: In ihrer Ur- durch Abwandlung von Amino- resende 2010 abgeschlossene de Wechselwirkung zwischen
form binden sie nicht nur die für säuren erreicht, die nicht selbst Forschungsprojekt wurde vom ös- Grundlagenforschung und
den Organismus notwendigen an der Metallbindung beteili- terreichischen Wissenschaftsfonds angewandter Forschung ist
Metalle, sondern alle Metalle, die gt sind“, so der Wissenschaftler, (FWF) gefördert. ein zentrales Anliegen seiner
ein ähnliches Bindungsverhal- über das Ergebnis des detaillierten eva.fessler@uibk.ac.at Forschungen.
ten aufweisen. „Bei den meisten Vergleichs von Aminosäure- Gabriele Rampl
22 Dienstag, 15. Februar 2011

US-Stipendium für
Quantenforscher Schwindel erregende
Ingenieurskunst
Für die Erforschung grundle-
gender Fragen der Physik erhielt
Prof. Gregor Weihs vom Institut
für Experimentalphysik vor kurzem
ein Stipendium des Foundatio-
nal Questions Institute (FQXi) in Rund um die Welt entste-
Cambridge, USA. Gemeinsam mit hen neue Bauwerke mit
dem Wiener Theoretiker Caslav
immer gewagteren Kon-
Brukner will Weihs mögliche Mo-
difikationen der Quantentheorie struktionen. Forscher und
experimentell überprüfen. Praktiker diskutieren in Inns-
Die Quantentheorie hat in den bruck die aktuellen Entwick-
vergangenen 100 Jahren die Phy-
sik revolutioniert und wesentlich
lungen.
zu einem besseren Verständnis
der Funktionsweise der Materie In Dubai wurde im Vorjahr der
beigetragen. Dennoch lässt auch mit 828 Metern höchste Wolken-
die Quantentheorie manche Fra- kratzer der Welt, Burdsch Chalifa,
gen offen. Weihs und Brukner fertig gestellt. Im angrenzenden
wollen nun in theoretischen Stu- Abu Dhabi entstand der am stärks-
dien und an quantenoptischen ten geneigte Turm der Erde, das
Experimenten überprüfen, ob sol- Capital Gate. Und auf der Yas-
che Modifikationen sinnvoll sind. Insel vor Abu Dhabi wurde ein
„Wenn sich zeigt, dass diese alter- Ferrari-Themenpark errichtet, des-
nativen Beschreibungen mit der sen Mittelpunkt das mit 200.000
Natur in Einklang sind, würde das Quadratmetern größte Raumfach-
den Weg zu einer vereinheitlich- werkgebäude der Welt bildet. Die-
ten Theorie öffnen“, sagt Weihs. se Superlativen sind nur dank weit
fortgeschrittener Ingenieurskunst
möglich. Der Baustatik kommt da-
bei eine besondere Rolle zu.
In der kommenden Woche tref-
fen einander über 250 Statikex-
perten aus Wissenschaft und Pra-
xis in Innsbruck, um die aktuellen
Entwicklungen im konstruktiven
Ingenieurbau zu diskutieren. Mit
dabei sind auch Ingenieure, die
an Bauwerken wie dem Capital Der schiefe Turm von Abu Dhabi: Capital Gate. Foto: ADNEC
Gate oder der Ferrari World betei-
ligt waren. „Die schnelle Entwick- Modelle in die Tragwerksanalyse tiven Ingenieurbaus“, sagt Prof.
Preisträgerin Kerstin Hazibar mit lung von Baustoffen, Konstrukti- erfordern einen intensiven Infor- Günter Hofstetter vom Institut für
Rektor Töchterle. Foto: Michaela Fessel onen und Bauverfahren sowie die mations- und Gedankenaustausch Grundlagen der Bauingenieurwis-
starke Einbindung numerischer auf allen Gebieten des konstruk- senschaften der Uni Innsbruck.
Ausgezeichnete
Forschungsarbeit
Bereits zum 10. Mal wurde En-
Umweltpreis für Wiesenmeisterschaft
de des vergangenen Jahres der Unter der wissenschaft- für die Erhaltung der Biodiversität
Preis für frauen- und geschlechts- lichen Leitung von Prof. Ul- in Südtirol zu leisten. Dem Projekt
spezifische Forschung vergeben. wurde kurz vor Jahresende der
rike Tappeiner vom Institut
Mag.a Kerstin Hazibar erhielt die EUREGIO-Umweltpreis 2010 für
Auszeichnung für ihre Diplomar- für Ökologie wurde 2010 in die besten Ideen und Projekte für
beit zum Thema „Flucht – Migra- Südtirol eine Wiesenmeis- die Umwelt verliehen. Die tradi-
tion – Illegalisierung“. Die Preis- terschaft durchgeführt. tionelle Berglandwirtschaft ist ein
trägerin rekonstruiert darin die wesentlicher Grundbaustein für
Lebensgeschichten von Frauen Ziel dieser Meisterschaft war die Vielfalt der Kulturlandschaft
mit äußerst prekärem Aufent- es, bei den direkt betroffen Land- in Südtirol. Dies hat direkte po-
haltsstatus – eine Forschungs- wirten und der breiten Öffent- sitive Auswirkungen auf die Bio-
aufgabe, die sie laut Laudatorin Mit einem Projekt soll auf die Be- lichkeit auf kreative Weise das diversität – so zählen traditionell
Prof. Erika Thurner mit „sehr gu- deutung extensiv bewirtschafte- Bewusstsein für den hohen Wert bewirtschaftete Bergmähder zu
ten und reifen wissenschaftlichen ter Wiesen aufmerksam gemacht extensiv bewirtschafteter Wiesen den artenreichsten Ökosystemen
Leistungen“ meisterte. werden. Foto: suedtirolfoto.com/H. Rier zu stärken und so einen Beitrag Europas.
Dienstag, 15. Februar 2011 23

Preis für
Zivilrechtler
Simon Laimer vom Institut für
Zivilrecht wurde im Dezember in
Wien mit dem Wissenschaftspreis
der „Dr. Alois Mock Europa“-Stif-
tung ausgezeichnet. Der junge
Wissenschaftler, der nach einem
Jahr an der Universität Heidelberg
nun wieder am Institut für Zivil-
recht der Universität Innsbruck
tätig ist, wurde für seine rechts-
vergleichende Doktorarbeit zum
Vertragsrecht geehrt.
Innovationspreis für Erwachsenenbildung
Landesrätin Beate Palfrader überreichte Ende Jänner erstmals den neu geschaffenen Bildungsinnovationspreis, der
innovative Projekte in der Erwachsenbildung fördert. Die Universität Innsbruck ist an beiden Siegerprojekten beteiligt.
Auszeichnung für
Die mit jeweils 2500 Euro dotierte Auszeichnung erhielten Andreas Exenberger, Josef Nussbaumer und Stefan Neuner
von der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik für ihr Projekt „Unser kleines Dorf Globo“ sowie die Volkshochschule
jungen Physiker
Tirol und die Universität Innsbruck für ihr gemeinsames Weiterbildungsformat „uni•com – Wissen für alle“. Im Bild Für herausragende For-
LR.in Beate Palfrader mit den Preisträgern Josef Nussbaumer, Andreas Exenberger, Verleger Markus Mayr und Stefan schungen auf dem Gebiet der Ex-
Neuner sowie Ronald Zecha, Silvia Caramelle und Vizerektorin Margret Friedrich (von links). Foto: Land Tirol perimentalphysik erhielt Hanns-
Christoph Nägerl im Januar den
Rudolf-Kaiser-Preis 2010. Es ist
dies die mit 35.000 Euro höchst-

Internationaler
dotierte Auszeichnung für deut-
sche Nachwuchsphysiker. Nägerl
und sein Team vom Institut für
Experimentalphysik sind internati-

Ansturm auf die


onal führend bei der Erforschung
ultrakalter Quantengase. Diese
gelten als ideales Modellsystem für
die Erforschung quantenphysika-

Winter School
lischer Phänomene. Hanns-Chris-
Wein stand im Mittelpunkt eines toph Nägerl studiert deren Eigen-
Projektseminars. Foto: MEV schaften seit über zehn Jahren
und war an einigen weltweit be-

An der Uni Innsbruck star- passungen genauso gesprochen


Wein spricht achteten Durchbrüchen auf die-
sem Forschungsgebiet beteiligt.
tete eine internationale wie über die Möglichkeiten trans-
nationaler Verwaltungsstrukturen.
alle Sprachen Mit seiner Forschungsgruppe
ist es Nägerl kürzlich erstmals ge-
Weiterbildungsveranstal-
Das Programm der ersten Woche Gemeinsam mit zehn Partnern lungen, ein Quantengas von che-
tung zu Föderalismus und wurde an der Universität Inns- aus vier Ländern entwickelt die misch gebundenen Molekülen
Governance. bruck abgehalten und widmete Universität Innsbruck Sprachlehr- zu erzeugen und die Teilchen
sich vor allem staatstheoretischen materialien für Weinbäuerinnen quantenmechanisch vollständig
Schon im Vorjahr war der An- und politischen Fragen. In der und Weinbauern in Europa. Be- zu kontrollieren. Zahlreiche Ver-
drang zur ersten „Winter School zweiten Woche wechselten die reits zum zweiten Mal wurden in öffentlichungen in den Fachzeit-
on Federalism and Governance“ Teilnehmer an die EURAC Bozen, diesem Semester auch Studieren- schriften Nature und Science zeu-
– einem Gemeinschaftsprojekt wo insbesondere Fragen aus der de im Rahmen eines Projektsemi- gen von der großen internationa-
der Universität Innsbruck und der Praxis im Mittelpunkt standen. nars in diese Arbeit eingebunden. len Beachtung, die die Arbeiten
EURAC Bozen – sehr groß. Heuer „Die wachsende Bedeutung Begleitet von Prof. Eva Lavric und von Nägerl und seinem Team
bewarben sich an die 600 Interes- der grenzüberschreitenden Zu- Dr. Angelo Pagliardini vom Ins- erfahren.
sierte aus aller Welt für die Teil- sammenarbeit in der Europaregi- titut für Romanistik entwarfen
nahme an diesem hochkarätigen on Tirol-Südtirol-Trentino macht sie Übungen und Lektionen in
Weiterbildungsprogramm. Insge- diesen Raum zum idealen Stand- Deutsch, Französisch, Italienisch
samt 30 herausragende Teilneh- ort für dieses Weiterbildungsange- und Spanisch, drehten einen Film
merinnen und Teilnehmer aus al- bot“, erklärte Prof. Anna Gamper über ihre Arbeit und organisierten
len Kontinenten diskutierten zwei vom Institut für Öffentliches Recht, Veranstaltungen. Zum Semester-
Wochen lang in Innsbruck und Staats- und Verwaltungslehre der abschluss fand in der Innsbrucker
Bozen über die grenzüberschrei- Universität Innsbruck. Gemeinsam Claudiana ein gemeinsames Event
tende Zusammenarbeit aus rechts- mit Prof. Günther Pallaver vom Ins- unter dem Motto „Wein spricht
wissenschaftlicher und politikwis- titut für Politikwissenschaft und alle Sprachen“ statt. Bei Filmvor-
senschaftlicher Sicht. Dabei wurde Prof. Francesco Palermo von der führung und Weinverkostung re-
über die rechtlichten Rahmenbe- EURAC Bozen hatte sie das Pro- flektierten die Studierenden die Rudolf-Kaiser-Preisträger Hanns-
dingungen und notwendige An- gramm organisiert. geleistete Arbeit. Christoph Nägerl. Foto: Uni Innsbruck
ve ra n s t a l t u n g s t i p p s

22. Februar, 21 Uhr Botanischer Garten Innsbruck,


Uni konkret Sternwartestraße 15a
Die Radiosendung ist live auf
Freirad 105,9 zu hören. 31.März, 19 Uhr
http://www.uibk.ac.at/ipoint/ Eröffnung der Ausstellung
uni-konkret/ „Hetären.Blicke – Klischees
und Widersprüche“
1. März 2011, 19 Uhr Sonderausstellung zur Prostituti-
Ausstellungseröffnung on in der Antike. Ort: Archäo-
und Buchpräsentation logisches Museum, ATRIUM
WEITERBAUEN AM LAND – Zentrum für Alte Kulturen, Lan-
Die Ausstellung dokumentiert ger Weg 11
die Vielfalt und auch den Zwie-
spalt von Restauration, Umbau 11. April, 9 bis 11 Uhr
oder Neubau im ländlichen Montagsfrühstück zum Thema:
Raum. Laufzeit: 2. März und 15. „Einmischung, aber schnell!
April. Ort: Archiv für Baukunst im Ausstellung über Bauen am Land. Foto: Archiv für Baukunst Kunst und Tagespolitik“
Adambräu (Lois-Welzenbacher- Antonio Fian und Konrad Paul
Platz 1), Ebene 6 In der Auftaktveranstaltung wird 21. März, 9 bis 11 Uhr Liessmann im Gespräch mit
das neu eröffnete Russlandzent- Montagsfrühstück zum The- Martin Sexl. Eine Kooperation
4. März 2011, ab 10 Uhr rum sowie die Stiftung „Russkyj ma: subversive sex sale? zwischen dem Literaturhaus am
„Die GmbH & Co KG nach Mir“ näher vorgestellt. Mehrere Literarische Aneignungen des Inn, dem Denkpanzer und der
OGH 2 Ob 225/07p – eine thematische Blöcke zu Geogra- Obszönen Abteilung für Vergleichende Lite-
Kapitalgesellschaft?“ phie, Politik, Wirtschaft, Sprache Waltraud Mittich und Mieze raturwissenschaft. Ort: Literatur-
Vorträge im Rahmen der Jahres- und Kultur Russlands werden im Medusa im Gespräch mit Julia haus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5
tagung der Gesellschaftsrecht- Mittelpunkt der Veranstaltungen Prager. Eine Kooperation zwi-
lichen Vereinigung Österreichs; stehen. Ort: Claudia-Saal, Alt- schen dem Literaturhaus am Inn, 14. April, 2011, 18.15 Uhr
es referieren Eveline Artmann, stadt Innsbruck (Herzog-Fried- dem Denkpanzer und der Abtei- „Bedeutende europäische
Hanns F. Hügel, Martin Karol- richstr.3) lung für Vergleichende Literatur- Ereignisse und ihre Auswir-
lus, Hans-Georg Koppensteiner, wissenschaft. Ort: Literaturhaus kungen auf lokaler Ebene am
Friedrich Rüffler sowie Ulrich 15. März, 20 Uhr: am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Beispiel des Stilfser Jochs“
Torggler. Ort: Aula, Universität Der Schriftsteller Joseph Stock Es referieren Dipl.-Ing Heinz Kö-
Innsbruck, Innrain 52 Zoderer liest aus dem Roman nig und Dipl.-Ing. Dr. Gottfried
„Die Farben der Grausamkeit“. 22. März, 19.30 Uhr Otepka über geodätische und
7. März, 19 Uhr Einführung: Johann Holzner Ausstellungseröffnung: „Im andere technische Maßnahmen.
Beginn der Veranstaltungsrei- Ort: Literaturhaus am Inn, Josef- Schatten der Pinie“ – Susanne Ort: Hörsaal HSB 6 der Baufa-
he „Russland heute“ Hirn-Straße 5, 10. Stock Loewit. Ort: Gewächshäuser kultät