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Ausgabe Oktober 2021

Magazin der
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Flüsse als
Netzwerk verstehen
Seite 6

Interview mit Rektor Märk Seite 4 ◼ Antikörper: Natur als Vorbild Seite 8 ◼

Die Schule als Ort, der öffnet Seite 12 ◼ Der Löwe auf der Hohen Birga Seite 16 ◼

Beilage zur Tiroler Tageszeitung www.uibk.ac.at


Tiroler Hochschultag
ONLINE 21
21.10 . 2021
Die Tiroler Hochschulen öffnen virtuell ihre Türen

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mit zusätzlichen Informationen


zu den Tiroler Hochschulen

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Inhalt Ausgabe Oktober 2021


Editorial

00
10
4 Gestärkt aus der Corona-Krise
Rektor Tilmann Märk fasst im Interview zusam-
men, wie die Universität die damit verbundenen
Schwierigkeiten gemeistert hat, und gibt Aus-
blicke auf die Zukunft.

6 Flüsse als Netzwerk


Der Ökologe Gabriel Singer erforscht die Kom-

Foto: Gerhard Berger


plexität von Fließgewässerökosystemen.

8 Der Natur nachgebaut


Eine Arbeitsgruppe um den Chemiker Klaus Liedl
arbeitet am Design therapeutischer Antikörper.

10 Gegen das Gasthaussterben


Die Initiative „#dufehlst – Tiroler Wirtshäuser
suchen DICH“ will dieser Entwicklung entgegen- Liebe Leserin, lieber Leser!
wirken.
Am 4. Oktober sind wir in das neue
12 Schule, die öffnet und damit bereits vierte Semester
Transnationale Netzwerke moralkonservativer während der Corona-Pandemie ge-
Akteure stehen im Fokus der Innsbrucker Sozi- startet. Die vergangenen drei Semester
ologin Kristina Stoeckl. haben allen, Lehrenden wie Studie-
renden, viel abverlangt, aber trotz der
14 Kindgerechte Wissenschaft für uns alle schwierigen Bedingungen

18
Im Projekt „Growing Ideas“ arbeitet die Bil- konnten diese durchaus mit Erfolgen
dungswissenschaftlerin Julia Nagy daran, Na- abgeschlossen werden. Aber auch wenn
turwissenschaft für Kinder ab fünf zu erklären. es in den vergangenen Monaten weit-
gehend gut funktioniert hat, aus der
16 Der Löwe auf der Hohen Birga Distanz zu lehren und zu lernen, lebt
Neue archäologische Grabungen auf der Hohen eine Universität auch von dem persön-
Birga gewähren einen umfassenden Einblick in lichen und direkten Austausch zwi-
das Leben der Räter während der Eisenzeit. schen WissenschaftlerInnen und ihren

20
Studierenden. Aus diesem Grund haben
18 Die Welt im Kleinen wir uns gut auf das neue Semester vor-
Das Dorf „Globo“ verkörpert mit seinen 100 Ein- bereitet und freuen uns, im Rahmen
wohnern die Weltbevölkerung. der gesetzlichen Vorgaben nun wieder
regen Betrieb in unseren Räumen zu
20 Mikrokosmos „Bögen“ haben. An unserer Universität gilt die
Neue Perspektiven auf die berühmteste Inns- 3-G-Regel – Zutritt zu den Gebäuden
brucker Ausgehmeile eröffnet die Ausstellung hat nur, wer getestet, geimpft oder ge-
„Gemma Bögen. Mikrokosmos Viadukt“. nesen ist. Zudem gilt in allen öffentli-
chen Bereichen, und solange Personen
21 Förderkreise 1669 in Bewegung sind, Maskenpflicht. Die-
Das Kuratorium hat entschieden, welche Ideen se Maßnahmen werden auch entspre-
aus dem Spendentopf unterstützt werden. chend kontrolliert. Wir gehen aber von
der entsprechenden Disziplin und der
Kooperationsbereitschaft aller Uni-
versitätsangehörigen aus. Jüngste Er-
gebnisse, die zeigen, dass der Anteil
IMPRESSUM der Geimpften unter Studierenden mit
über 80 Prozent wesentlich höher ist
wissenswert ­– Magazin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – 19. Oktober 2021 als im Rest dieser Altersgruppe, lassen
Herausgeber und Medieninhaber: Universität Innsbruck; Hersteller: Intergraphik GmbH.
Sonderpublikationen, Leitung: Frank Tschoner;
mich optimistisch in das neue Semes-
Redaktionelle Koordination: Susanne E. Röck, Christa Hofer. ter blicken. Ich wünsche Ihnen allen
Redaktion: Melanie Bartos, Christian Flatz, Christa Hofer, Stefan Hohenwarter, Lisa Marchl, Fabian einen guten Start in den Herbst und
Oswald, Susanne E. Röck, Miriam Sorko, Uwe Steger. bleiben Sie vor allem gesund!
Covergestaltung: Catharina Walli.
Foto Titelseite: Gabriel Singer.
Fotos Seite 3: iStock/FooTToo, teamGlobo/Studia Verlag Innsbruck, www.gemma-boegen.at. Univ.-Prof. Dr. Tilmann Märk
Anschrift für alle: 6020 Innsbruck, Brunecker Straße 3, Postfach 578, Tel. 0512 53 54-1000. Rektor der Universität Innsbruck
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Gestärkt aus
der Krise
Am 4. Oktober startete die Universität Innsbruck in Disziplinen beteiligt, von der Informatik
über die Chemie und die Astrophysik bis hin
das vierte Semester während der Corona-Pandemie. zu den Geo- und Geisteswissenschaften. Das
spiegelt die fachliche Bandbreite an exzel-
Rektor Tilmann Märk fasst im Interview zusammen, lenter Forschung wider, die an der Universi-
tät Innsbruck betrieben wird.
wie die Universität die damit verbundenen
Gut vorbereitet ins Wintersemester
Schwierigkeiten gemeistert hat, und gibt Ausblicke auf
die Zukunft.
Wie sehen die Pläne an der Universität Inns-
bruck für das kürzlich gestartete Winterse-
mester aus?
Märk: Wir haben uns gut auf das neue Se-
Wie ist die Universität aus Ihrer Sicht rückbli- mester vorbereitet, um mit möglichst viel
ckend durch die Pandemie und die damit ver- Präsenzunterricht sicher in das neue Win-
bundenen Einschränkungen gekommen? tersemester starten zu können. An unserer
Rektor Tilmann Märk: Dieses Virus hat uns Universität gilt die 3-G-Regel. Zutritt zu den
mit einer Intensität getroffen, die wir zu- Gebäuden hat nur, wer getestet, geimpft oder
nächst nicht für möglich gehalten haben. genesen ist. Zudem gilt in allen öffentlichen
Ganz besonders in Tirol hat es uns alle vor Bereichen, und solange Personen in Bewe-
große Herausforderungen gestellt, im Klei- gung sind, Maskenpflicht. Diese Maßnah-
nen wie im Großen. Was nun die Universi- men werden auch entsprechend kontrolliert.
tät Innsbruck betrifft, war es eine schwere, Zudem haben wir in der Startphase unter-
aber, wie sich aus heutiger Sicht zeigt, gänz- stützende Maßnahmen gesetzt: Ein Impf-
lich notwendige und richtige Entscheidung, angebot für alle Angehörigen der Universität
den Vorlesungsbetrieb sehr früh und kom- beispielsweise, das auch Studierende ohne
plett von Präsenzlehre auf digitale Formate österreichische Sozialversicherungsnum-
umzustellen. Wir waren hier die Ersten in mer in Anspruch nehmen können. Gleich-
Österreich, die diese Entscheidung mit un- zeitig bieten wir nach wie vor an den drei
serem sehr professionell agierenden Krisen- Universitätsstandorten Innrain, Technik
stab getroffen haben. Die vergangenen drei und SOWI kostenlose Antigentests für Stu-
Semester haben allen, Lehrenden wie Stu- Rektor Tilmann Märk. dierende und Mitarbeitende an. Wie lange
Foto: Uni Innsbruck
dierenden, viel abverlangt, aber trotz dieser das alles gut funktioniert, hängt natürlich
für uns alle schwierigen Bedingungen konn- von der Disziplin und der Kooperationsbe-
ten diese vergangenen drei Semester durch- reitschaft aller Uniangehörigen ab. Jüngste
aus mit Erfolgen abgeschlossen werden. So Ergebnisse, die zeigen, dass der Anteil der
hat sich beispielsweise sowohl die Zahl der das U-Multirank, ein multidimensionales Geimpften unter Studierenden mit über
Prüfungsaktivität als auch die der Studien- Ranking mit knapp 40 Indikatoren aus den 80 % wesentlich höher ist als im Rest dieser
abschlüsse um 3,5 % gesteigert. Bereichen Lehre, Forschung, Wissenstrans- Altersgruppe, lassen mich aber optimistisch
Der Bereich Lehre hat sich also auch während fer, Internationalität und Regionalität, be- in das neue Semester blicken.
der Pandemie positiv entwickelt, wie steht es stätigen die Qualität unserer Forschung
um die Forschung an der Universität Inns- und Lehre immer wieder. Auch im neuen Erfolgreiche Budgetverhandlungen
bruck? Exzellenzzentren-Programm des österrei-
Märk: Dank des hohen Engagements unserer chischen Wissenschaftsfonds FWF konn- Kürzlich haben Sie die Leistungsvereinba-
Forscherinnen und Forscher sind wir auch in ten wir bereits erste Erfolge erzielen: Drei rungen mit dem Bundesministerium für Bil-
diesem Bereich sehr erfolgreich durch die Lead-Anträge der Universität Innsbruck, die dung, Wissenschaft und Forschung abge-
Krise gekommen und gehen gestärkt aus ihr in unserem Schwerpunktsystem fest ver- schlossen, das über das Universitätsbudget
hervor. Die Zahl der Spitzenpublikationen ankert sind, greifen wichtige Forschungs- der nächsten Jahre entscheidet; mit welchem
hat sich erhöht und 2020 wurden sieben Pro- fragen aus den Themenbereichen Quanten- Ergebnis?
jekte der Universität Innsbruck mit einem physik, Klimaforschung und Ökonomie auf. Märk: Das Budget der Leistungsvereinba-
ERC Grant, die höchste Auszeichnung des Diese haben die erste Prüfungsphase bereits rung 2019–2021 war aufgrund der Einfüh-
Europäischen Forschungsrates, ausgezeich- bestanden, die endgültige Entscheidung fällt rung des Systems Studienplatzfinanzierung
net. Und auch die Zahl der eingeworbenen im Frühjahr 2023. Darüber hinaus sind Wis- wesentlich erhöht.
Drittmittel konnte 2020 auf den Rekordwert senschaftlerinnen und Wissenschaftler der Dieser erfolgte Einstieg in eine kapazi-
von 50 Millionen erhöht werden. Unabhän- Universität Innsbruck an weiteren Anträgen tätsorientierte, studierendenbezogene Uni-
gige, internationale Vergleiche, wie jüngst aus unterschiedlichen wissenschaftlichen versitätsfinanzierung mit den seitens des
5

Am 4. Oktober startete die


Universität Innsbruck in das
vierte Semester während der
Corona-Pandemie.
Foto: Uni Innsbruck

»Die vergangenen drei Inflation“ - fortzuführen und Freiräume für »Aufgrund unserer positiven
Semester haben allen strategisch wichtige Projekte zu schaffen. Kennzahlen in Forschung und
viel abverlangt, aber Welche Projekte sind das, was sind die The- Lehre konnten wir auch die
men der Zukunft an der Uni Innsbruck?
trotz dieser für uns alle Märk: Wichtige Themen, die uns neben un- jüngsten Verhandlungen über
schwierigen Bedingungen seren Hauptaufgaben der Lehre, Forschung die Leistungsvereinbarung
konnten sie durchaus mit und des Wissenstransfers beschäftigen, sind 2022–2024 unter den
Nachhaltigkeit, Diversität, Digitalisierung
Erfolgen abgeschlossen gegebenen Randbedingungen
und Internationalität. Diese vier Bereiche
werden.« stehen als Querschnittsmaterien in unserem sehr erfolgreich abschließen.«
TILMANN MÄRK Fokus. TILMANN MÄRK

Ministeriums verfolgten Zielen hinsichtlich International vernetzt


einer Qualitätsverbesserung in Lehre und und Wissenschaftler sowie Beschäftigte in
Forschung, einer Steigerung der prüfungs- Stichwort Internationalität: Die Universität der Verwaltung. Bereits in diesem Winter-
aktiven Studien, einer verbesserten Steue- Innsbruck ist seit 2019 Mitglied des interna- semester finden mit den Ringvorlesungen
rung und Planung der Kapazitäten sehe ich tionalen Netzwerkes Aurora. Was genau ist „Sustainability & Climate Change“ sowie
positiv. Aufgrund unserer positiven Kenn- Aurora und was sind die Ziele dieses Netz- „Doing Diversity in Higher Education“ zwei
zahlen in Forschung und Lehre – beispiels- werkes? Ringvorlesungen an der Universität Inns-
weise die Steigerung bei prüfungsaktiven Märk: Das Aurora-Netzwerk besteht aus bruck statt, die für alle Studierenden aus
Studien und Abschlüssen – konnten wir neun hervorragend ausgewiesenen euro- dem Aurora-Netzwerk zugänglich sind. Ein
auch die jüngsten Verhandlungen über die päischen Universitäten und wird seit 2020 erster besonderer Höhepunkt im Rahmen
Leistungsvereinbarung 2022–2024 unter auch von der EU als European University der letztgenannten Ringvorlesung findet
den gegebenen Randbedingungen sehr er- Alliance finanziell gefördert. Im Rahmen am 20. Oktober statt: In der Reihe „Aurora
folgreich abschließen. Die Herausforderung dieses Netzwerkes setzen wir auf intensive Talks“ wird der luxemburgische Außenmi-
in den nächsten zwei Jahren wird darin lie- Kooperationen mit ausgewählten Partnern nister Jean Asselborn zum Thema „Perspek-
gen, die bisher erfolgreich verfolgte aktive von Reykjavik bis Neapel. Von dieser Zusam- tiven für Europa“ sprechen.
und gestaltende Budgetpolitik trotz eines menarbeit profitieren alle an der Univer- Das Interview führte Susanne E. Röck
schwierigen Umfelds - Stichwort „erhöhte sität Studierenden, Wissenschaftlerinnen susanne.e.roeck@uibk.ac.at ◼
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Studierende im Raft auf


der unteren Vjosa bei einer
Exkursion im September 2021.
Fotos: Singer; Franz Oss

Flüsse als Netzwerk


verstehen
Bäche und Flüsse – und alles, was sie in ihrem Fluss möglicherweise stört –
stehen im Fokus des Interesses von Gabriel Singer. Der Ökologe erforscht die
Komplexität von Fließgewässerökosystemen auf der ganzen Welt und engagiert
sich mit seiner Expertise im Umweltschutz.

F
ließende Gewässer bilden in der Land-
ZUR PERSON schaft ein verzweigtes System aus
langen, dünnen Lebensadern. Fließ-
Gabriel Singer (*1976) studierte Biologie an der Universität Wien, gewässer sind immer Teil eines komplexen
wo er 2009 mit einem Doktorat in Ökologie abschloss. Ab 2013 war Netzwerkes aquatischer Lebensräume“, er-
er als Arbeitsgruppenleiter am Leibniz-Institut für Gewässeröko- klärt Prof. Gabriel Singer vom Institut für
logie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin tätig. Seine Arbeit wurde Ökologie. „Aus zahlreichen Zubringern zu-
mehrfach ausgezeichnet, seit 2016 forscht Gabriel Singer auf Basis sammengesetzt, bietet ein Flussnetzwerk
eines renommierten ERC-Starting Grants mit seiner Arbeitsgrup- einen kontinuierlichen Lebensraum für eine
pe an Ökosystemfunktionen in Flussnetzwerken. Seit Dezember Vielzahl von Organismen. Durch Beeinflus-
2019 ist Singer Universitätsprofessor für Aquatische Biogeochemie sung des Umlandes prägt und unterhält ein
am Institut für Ökologie. Im von der EU geförderten Horizon 2020 Projekt DRYvER be- Fluss weitere aquatische und semi-aqua-
schäftigt sich Gabriel Singer aktuell in einem internationalen Team mit den Auswir- tische Lebensräume in der Umgebung, wie
kungen von durch den Klimawandel veränderten hydrologischen Regimen auf Biodi- zum Beispiel Auenlandschaften.“ Fluss-
versität und Funktionen von Flussnetzwerken. netzwerke mit ihren vielfältigen Ökosyste-
men stehen im Mittelpunkt der Arbeit des
7

Gewässerökologen mit seinem 10-köpfigen


Team am Institut für Ökologie. In vielen Re-
gionen der Erde besitzen nur noch die we-
nigsten Flüsse und Bäche einen natürlichen
Lauf, unveränderten Wasserhaushalt oder
intakten Sedimenttransport – auch in Tirol.
Das Abflussregime, der natürlicherweise oft
variable Wasserstand, ist häufig stark durch
menschliche Beeinflussung verändert.
„Schwankungen in der Wassermenge, auch
wenn sie den Charakter größerer Störungen
in Form von Hochwasserwellen und Nied-
rigwasserzeiten haben, sind bis zu einem
gewissen Ausmaß normal und ermöglichen
Flüssen den Erhalt ihrer Lebensraumvielfalt
und natürlicher Funktionen wie Selbstreini-
In der Drift eines kleinen Baches
gung. Oft genug ist aber der Mensch invol-
wird Mikroplastik eingefangen.
viert, verändert Flussläufe durch Verbauung
und Begradigung und den Wasserhaushalt
durch Ausleitungen und Wasserkraftwerke“,
so Singer. Für ein Flussnetzwerk bedeuten
diese Einflussnahmen oft eine sogenann-
te Fragmentierung, deren Auswirkungen Lebenszyklus mehrmals ein Flussnetzwerk bensraum Fluss ist oftmals nicht mehr viel
auf die Lebensräume und ihre Artenviel- und sind somit ein Bindeglied zwischen Le- übrig“, gibt Gabriel Singer zu bedenken.
falt großteils unerforscht sind: „An vielen bensräumen – manchmal sogar zwischen „Wir haben zwei Herausforderungen, denen
Stellen sehen wir, dass der Verlust von frei den Ozeanen und Wäldern entlang von wir uns gleichzeitig stellen müssen: dem
fließenden Gewässern mit negativen Aus- kleinen Oberläufen. Gut erkennbar ist die- Klimawandel und dem Verlust an Biodiver-
wirkungen auf die biologische Vielfalt ver- se Verbundenheit auch an Stellen, wo Flüs- sität. Naturschutz darf dem Klimaschutz
bunden ist und teils irreversible Schäden an se ineinanderfließen: Allein schon aus der nicht geopfert werden, weil die Biodiversi-
den Ökosystemen mit sich bringt. Lebensge- unterschiedlichen Färbung und Trübe wird tät, die wir in unseren Lebensräumen ha-
meinschaften in und entlang der Flüsse sind ersichtlich, dass verschiedene Zusammen- ben, die wesentliche Versicherung gegen die
besonders stark vom Artensterben betroffen. setzungen aufeinandertreffen“, betont Sin- massiven künftigen Folgen des Klimawan-
Ein gezähmter Fluss büßt einiges an Vielfalt ger. Konnektivität besitzt aber nicht nur ei- dels ist.“ Singer sieht seine Arbeit im Span-
in seiner Funktion als Lebensraum ein.“ In ne räumliche Dimension: „Es geht nicht nur nungsfeld politischer und gesellschaftlicher
Österreich etwa ist die längste, nicht frag- um Kilometer, sondern auch um Zeit: Auch Entscheidungen und bringt seine Expertise
mentierte Strecke eines Flusses circa 60 Ki- die Veränderung der Dauer, wie lange Was- auch bei umstrittenen Projekten, beispiels-
lometer lang, nur noch 15 Prozent der Flüsse ser von A nach B braucht, nimmt Einfluss weise dem Kraftwerksbau an der Ötztaler
sind ökologisch intakt, mehr als die Hälfte auf den Lebensraum.“ Vor diesem Hinter- Ache in Tumpen/Habichen, ein. „Flüsse bie-
der heimischen Fischarten sind gefährdet. grund plädiert Gabriel Singer, auch den Bau ten auch Lebens-, Erholungs- und Erfah-
Einer der letzten großteils freifließenden von Kraftwerken mit Staudämmen und Ver- rungsraum für Menschen. Mir ist es wichtig,
Flüsse Europas ist die Vjosa, die in Grie- änderungen des Abflussregimes zu sehen: das Ökosystem Fluss nicht nur intellektuell
chenland entspringt und in Albanien in die „Kraftwerksbauten sind Eingriffe in kom- zu erfassen, sondern auch die emotionale
Adria mündet. In diesem fast unberührten plexe Ökosysteme. Wir müssen beginnen, Bedeutung zu erkennen. Beides lässt mich
Flussnetzwerk, in seiner gesamten Ausdeh- Auswirkungen nicht nur lokal, sondern auch für den Schutz dieser Ökosysteme für künf-
nung etwa der Größe des Inns bei Innsbruck regional auf Maßstab des gesamten Fluss- tige Generationen plädieren.“
entsprechend, forscht Singer seit mehre- netzwerkes zu verstehen. Denn der ‚grüne melanie.bartos@uibk.ac.at ◼
ren Jahren. Daraus erhofft sich das Team Strom‘ steht einer potenziell irreversiblen
nicht nur ein besseres Grundverständnis des Zerstörung von Ökosystemen gegenüber.“
komplexen Flussökosystems, sondern auch
Biodiversität Podcast „Zeit für
Erkenntnisse für möglichst erfolgreiche
Renaturierungsprojekte in stark vom Men-
schen beeinflussten Bächen und Flüssen des Im Angesicht des Klimawandels spitzt Wissenschaft“
Alpenraums. sich die Situation auch für Fließgewässer-
Ökosysteme zu. „Abflussregime werden in Gabriel Singer war zu Gast im Pod-
Verbundenheit Zukunft extremer ausfallen, sowohl Tro- cast der Universität Innsbruck, „Zeit
ckenheit als auch Überflutungen werden zu- für Wissenschaft“: Im ausführlichen
Wird das Abflussregime eines Flusses nehmen. Das steht außer Frage. Um dem be- Gespräch erzählt er mehr über seine
verändert, sind die Folgen nicht nur an Ort gegnen zu können, brauchen Flüsse Raum, Arbeit in der Natur und im Labor, die
und Stelle des Eingriffes zu verorten, son- an vielen Orten mehr, als wir ihnen in den Bedeutung von Wissenschaftskom-
dern betreffen durch unterbundenen Arten- letzten Jahren zugestanden haben. Oder an- munikation und Engagement im Um-
austausch und Ressourcentransport weite ders formuliert: Man kann einen Fluss nicht weltschutz – und was vom Kajakfah-
Teile des Gewässernetzwerkes. Es ist gera- domestizieren, man muss ihm eine gewisse ren für die Forschung gelernt werden
de die spezifische Ausgestaltung der Kon- Wildheit zugestehen. In den letzten 50 Jah- kann. Auch die Frage, wie grün „grü-
nektivität, also der Verbindung zwischen ren wurde viel begradigt und vereinheit­ ner Strom“ heute wirklich noch sein
den Lebensräumen, die Flusslebensräume licht, vor allem auch seitlicher Lebensraum kann, ist Thema in der 50. Episode:
zu solch speziellen und artenreichen Le- abgezwackt und dadurch der Abfluss be- uibk.ac.at/podcast/zeit
bensräumen werden lässt. „Viele Fischarten schleunigt. Das Wasser fließt zwar noch aus
durchwandern zum Beispiel im Laufe ihres den Bergen Richtung Meer, aber vom Le-
8

Die Baupläne der Antikörper von Haien und


Kamelen sind Vorbild für das Design von
erfolgsversprechenden Biologicals.
Fotos: iStock/Ramon Carretero, Chris Hepburn

Der Natur nachgebaut


Antikörper haben nicht nur eine große Bedeutung im menschlichen
Immunsystem, sie haben in den vergangenen 20 Jahren auch massiv an
Bedeutung als Therapeutika gewonnen. Eine Arbeitsgruppe um den Chemiker
Klaus Liedl arbeitet am optimalen Design therapeutischer Antikörper. Ihr Vorbild
dafür kommt aus der Natur.

A
ntikörper sind zentraler Bestandteil on von Antikörpern hat die pharmazeutische therapeutische Antikörper zum Einsatz“,
des menschlichen Immunsystems. Forschung dazu inspiriert, mithilfe moleku- erklärt Klaus Liedl. Der Universitätsprofes-
Die Proteine dienen dazu, eingedrun- larbiologischer Methoden sogenannte the- sor am Innsbrucker Institut für Allgemeine,
gene Antigene oder beschädigte Zellen ab- rapeutische Antikörper zu entwickeln. „Vor Anorganische und Theoretische Chemie be-
zufangen und sie so daran zu hindern, mit allem im Bereich der Onkologie und jüngst schäftigt sich gemeinsam mit seiner Mitar-
den Körperzellen zu interagieren oder in die auch in Zusammenhang mit der Therapie beiterin Dr. L. Monica Fernández-Quintero
Zellen einzudringen. Diese zentrale Funkti- gegen SARS-CoV-2 kommen immer häufiger und einem größeren Forschungsteam mit
9

der Weiterentwicklung und dem Design von erkrankungen und Erkrankungen des Zen- Für den durchschlagenden Erfolg ist von es-
therapeutischen Antikörpern. tralen Nervensystems. „Bis jetzt hat man sentieller Bedeutung, dass die Forschungs-
therapeutische Antikörper für Krankheiten gruppe in der Lage ist, ihre Rechnersysteme
Hoffnungsträger der Medizin entwickelt, deren Angriffspunkte an der selbst zusammenzubauen und an besonders
Zelloberfläche liegen – die also gut für die herausfordernde Problemstellungen anzu-
„Da Antikörper Proteine sind, enthal- Antikörper erreichbar sind. Um das Behand- passen. „So gelingt es uns, mit vergleichs-
ten sie per se keine toxischen Bausteine, lungsspektrum auszuweiten, müssen die weise wenig Geld mit Eliteuniversitäten
auch ihre Verweil- und damit Wirkdauer im Antikörper auch in die Zelle oder in das Zen- konkurrenzfähig zu sein“, so Liedl. Für das
Körper ist länger als bei klassischen Medi- trale Nervensystem eindringen können“, er- optimale Design der therapeutischen An-
kamenten aus kleinen chemischen Verbin- klärt Klaus Liedl. Hier kommt allerdings ein tikörper spielt auch ihre Flexibilität eine
dungen. Zudem können sie durch die mole- Nachteil der Antikörper ins Spiel: Es handelt wichtige Rolle. „Das Thema der Protein-
kularbiologische Auswahl relativ einfach für sich dabei um relativ große Moleküle. flexibilität beschäftigt mich in meiner Ar-
die Anwendung bei verschiedenen Krank- beitsgruppe schon seit vielen Jahren. Dabei
heiten hergestellt werden“, beschreibt Klaus Vorbild aus der Natur untersuchen wir, sehr vereinfacht erklärt,
Liedl die Vorteile. „Anders als klassische nicht nur die starre Struktur der einzelnen
chemische Wirkstoffe können sie allerdings In zwei voneinander völlig unabhängigen Proteine. Wir schauen uns auch die Kräfte
nicht oral eingenommen werden, sondern Fällen hat die Natur bereits viel einfachere an, die auf die einzelnen Atome im Protein
müssen gespritzt werden, um ans Ziel ihrer Antikörper entwickelt: „Antikörper sind so- wirken, und bewegen das Protein in Simu-
Wirkung zu gelangen.“ Auch wenn die Her- genannte Multidomänen-Moleküle. Sie be- lationen entlang dieser Kräfte. Dadurch er-
stellungs- und Behandlungskosten für die- stehen aus mehreren Domänen (siehe Abbil- halten wir ein sehr genaues Bild von der Fle-
se Form von Medikamenten noch sehr hoch dung). Antikörper von Haien und Kamelen xibilität des Proteins“, erklärt Klaus Liedl.
sind, überwiegen aufgrund des möglichen sind wesentlich kompakter aufgebaut als die „Diese Simulationen liefern uns wichtige
zielgenauen Designs und der guten Verträg- von Menschen. Vor allem in den Bereichen, Hinweise für das optimale Design der the-
lichkeit – vor allem im Bereich der Onkolo- in denen sie an das gewünschte Antigen bin- rapeutischen Antikörper, denn die Bindeei-
gie – klar die Vorteile, weshalb die pharma- den sollen, sind sie deutlich kleiner“, erklärt genschaften einzelner fast identischer Pro-
zeutische Industrie mittlerweile gleich viel Monica L. Fernández-Quintero. Diese gerin- teine können sich aufgrund ihrer Flexibilität
Umsatz mit Biologicals macht wie mit her- gere Größe und ihren einfacheren Bauplan stark unterscheiden.“
kömmlichen Medikamenten. machen sich die Wissenschaftler*innen zu-
Das Design der therapeutischen Antikör- nutze, um verbesserte therapeutische An- Täuschungsmanöver
per ist für ihren Einsatz dabei wesentlich, tikörper zu entwickeln. „Wir bauen soge-
denn nur wenn sie optimal an das für ihre nannte Nanobodies nach dem Vorbild dieser Ein weiterer Aspekt, den die
Wirkung vorgesehene Antigen binden, kön- Hai- oder Kamel-Antikörper“, beschreibt Chemiker*innen um Klaus Liedl erforschen,
nen sie ihre gewünschte Wirkung entfalten. die Chemikerin den komplizierten Vorgang. ist die sogenannte Humanisierung der the-
Krankheiten, bei denen man bereits sehr Bei der Kombination der einzelnen Domä- rapeutischen Antikörper. „Bevor therapeu-
gute Erfolge mit therapeutischen Antikör- nen gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, tische Antikörper zur Behandlung einge-
pern erzielt hat, sind diverse Krebsarten, wie die die Wissenschaftler*innen mithilfe von setzt werden können, müssen wir verhin-
Brust- oder Darmkrebs sowie Autoimmun- Graphics Processing Units (GPU) simulieren. dern, dass der Körper den Antikörper als
Hai- oder Kamel-Antikörper identifiziert.
Wäre dies der Fall, würde das Immunsystem
die Antikörper abbauen, noch bevor sie an
das gewünschte Ziel binden könnten“, er-
klärt Monica L. Fernández-Quintero. Des-
halb verwenden die Wissenschaftler*innen
nur den oberen Teil der Hai- oder Kamel-
Antikörper – also ihr wesentlich kleineres
Binde-Interface – und setzen dieses auf
molekularbiologisch veränderte mensch-
liche Antikörper, die dann die weitere Kom-
munikation mit den Zellen übernehmen. Da
dieser Vorgang natürlich auch etwas an den
Bindeeigenschaften der Antikörper verän-
dern kann, ist auch er Teil der Forschungs-
arbeit des Teams um Klaus Liedl. „Wir er-
forschen im Rahmen unserer Simulationen
nicht nur, wie dieser Umbau im Design die
Bindeeigenschaften verändert, sondern na-
türlich auch, wie wir die entsprechenden
Veränderungen nutzen können, um die
Wirkung der Nanobodies zu verbessern“,
beschreibt Liedl. Neben der Grundlagen-
forschung setzen die Chemiker*innen um
Klaus Liedl ihr Know-how auch im Rahmen
Die Abbildungen zeigen den Aufbau von Hai- und Kamel-Antikörpern im Vergleich zu verschiedener Kooperationsprojekte mit
einem menschlichen Antikörper. Die Antikörper der Haie und die des Kamels verfügen Pharmaunternehmen ein, denn therapeu-
über viel kompaktere Binde-Interfaces (oben) und bestehen aus wesentlich weniger Do- tische Antikörper sind die Hoffnungsträ-
mänen als der menschliche Antikörper. ger der Wirkstoffforschung, davon sind sie
Abbildung: M. Fernández-Quintero überzeugt.
susanne.e.roeck@uibk.ac.at ◼
10

Initiative gegen das


Gasthaussterben
Seit Jahren schließen immer mehr Gasthäuser in Tirol, darunter auch
Traditionsbetriebe. Die gemeinsame Initiative „#dufehlst – Tiroler Wirtshäuser
suchen DICH“ vom Land Tirol, der Standortagentur Tirol, der Tirol Werbung, der
Privatuniversität UMIT TIROL und der Universität Innsbruck will dieser Entwicklung
entgegenwirken. Auch Studierende tragen einen wesentlichen Teil dazu bei.

D
ie Geschichte des Gasthauses reicht haussterben ist die Rede, auch in Tirol. Für ne erfolgreiche Übernahme gelingen kann.
historisch gesehen weit zurück. Um Alexander Plaikner vom Institut für Strate- „In unserer Studie hat sich bestätigt, dass
1800 entwickelte sich schließlich die gisches Management, Marketing und Tou- vor allem der Fachkräftemangel, der demo-
Gastronomie in der uns heute bekannten rismus höchste Zeit, um den Ursachen da- graphische Wandel, aber auch einfach ein
Form. Und bis heute sind Gasthäuser wich- für genauer auf den Grund zu gehen. Im sich änderndes Freizeitverhalten der Bevöl-
tige Begegnungsstätten. Das ist vielen nicht Rahmen der Initiative „#dufehlst – Tiroler kerung Ursachen für das Gasthaussterben
zuletzt durch die Lockdowns in den ver- Wirtshäuser suchen DICH“ hat er unter- sind, mit denen sogar Traditionsbetriebe zu
gangenen zwei Jahren bewusst geworden. sucht, warum viele Gastronomiebetriebe kämpfen haben“, sagt Alexander Plaikner.
Trotzdem scheint das Gasthaus besonders schließen müssen, welche möglichen Aus- Die Corona-Pandemie hingegen war für viele
bedroht zu sein, vom regelrechten Gast- wege es aus dieser Situation gibt und wie ei- Gasthäuser überraschenderweise nicht nur

Auch in Tirol schließen immer


mehr Gasthäuser. Die Initiative
„#dufehlst – Tiroler Wirtshäuser
suchen DICH“ will das ändern.
Foto: iStock/FooTToo
11

Risiko, sondern auch Chance. „Während der


Lockdowns haben viele Betriebe auf Speisen
zur Abholung umgestellt und das hat sich
bewährt. Denn dazu musste zum Teil auch
die digitale Infrastruktur angepasst werden,
wovon diese Gasthäuser nun langfristig pro-
fitieren“, so Plaikner weiter. Ziel der Initia-
tive ist es, heimische Traditionswirtshäuser
zu erhalten und stillgelegte zu reaktivieren,
indem zum einen Angebotsanpassungen an
die sich veränderten Gästeanforderungen
entwickelt werden und zum anderen die
Übergabeprozesse optimiert werden.

Beitrag von Studierenden


In allen Phasen des Forschungsprojektes
hat Alexander Plaikner auch auf die Unter-
Theorie trifft Praxis in der Gasthausküche: Die Zwillinge
stützung seiner Studierenden gesetzt. So
Katharina und Barbara Weiskopf mit Studienleiter Alexander Plaikner
sind in den vergangenen zwei Jahren, seit
und den beiden Gastronomen Josef und Seppl Haueis im
dem Start der Forschungsinitiative, vier Ba-
Gasthof Gemse in Zams.
chelorarbeiten entstanden. Dabei hat er be-
Foto: Eiter
wusst Studierende der Betriebswirtschaft
gesucht, die einen Hintergrund in der Gas-
tronomie oder einem anderen Klein- oder
Mittelständischen Betrieb haben: „Wir for-
schen überwiegend qualitativ. In unserem tenfalls in der Gastronomie gesammelt hat für Digital Tourism am Institut für Strate-
Fall heißt das konkret, dass die Studieren- und weiß, wo man vielleicht besser noch- gisches Management, Marketing und Tou-
den direkt zu den betroffenen Gasthäusern mal nachhaken muss. Außerdem haben wir rismus übernommen hat und dort nun auch
gehen und mit den Wirtsleuten bzw. dem dadurch oft erfahren, in welchen Betrieben seine Dissertation schreibt.
Personal vor Ort sprechen. Da ist das Eis eine Schließung zur Option steht oder wo es
schnell gebrochen, wenn man selbst be- Schwierigkeiten bei der Übergabe gibt“, be- Gelungenes Beispiel der
reits Erfahrungen in einem Betrieb und bes­ tont Alexander Plaikner die Vorteile des gas-
Zusammenarbeit
tronomischen Hintergrunds. Katharina und
Barbara Weiskopf sind zwei der Studieren- Neben dem Erfolg seiner Studierenden
den, die ihre Bachelorarbeit im Rahmen der freut Plaikner sich auch über die Resonanz aus
Initiative erstellt haben. Mittlerweile sind der Bevölkerung. Seit dem Start von „#du-
beide Masterstudierende, haben eine An- fehlst“ wurden gut zwei Dutzend Wirtshäu-
stellung an der Universität und stehen nun ser in Tirol, die zur Übernahme bereitstehen,
kurz davor, die gemeinsam erarbeiteten For- betreut und interessierte Übernehmer*innen
schungsergebnisse in einem internationalen beraten. Das Gasthaus Peterbrünnl in Inns-
Buchband zu veröffentlichen. „Sowohl fach- bruck war das erste, das erfolgreich in neue
lich als auch persönlich haben wir von der Hände übergeben und wieder zum Leben er-
Mitarbeit an dieser Initiative sehr profitiert. weckt werden konnte. Nun dient es als Blau-
Uns ist dadurch der Stellenwert eines Wirts- pause für die folgenden Übernahmen im
hauses für das gesellschaftliche Leben erst Rahmen von „#dufehlst“. „Diese Entwick-
bewusst geworden – im Wirtshaus kommen lung zeigt uns, dass es hier auch tatsächlich
die Leute zusammen. Zudem hat uns unse- Bedarf bei den Betroffenen gibt. Jetzt ist es
re Forschung aufgezeigt, dass ein Gasthaus an uns, den Forschenden und den Partnern,
mit weit mehr als dem Fachkräftemangel weiterführende Strategien zu erarbeiten, um
und der großen Konkurrenz zu kämpfen dem Gasthaussterben entgegenzuwirken“,
hat“, berichten die Zwillinge. Das Engage- betont Plaikner. Die Initiative „#dufehlst –
ment und die Entwicklung seiner Studieren- Tiroler Wirtshäuser suchen DICH“ ist somit
den freut auch Alexander Plaikner: „Es liegt auf mehreren Ebenen ein gelungenes Bei-
mir besonders am Herzen, Studierenden die spiel dafür, wie Universität wirkt: Studieren-
Möglichkeit zu geben, ,hands on‘-Forschung de forschen mit und bekommen die Möglich-
zu betreiben und dabei Wissenschaft und keit, Gelerntes in der Praxis anzuwenden. Die
Praxis möglichst gut zu verbinden. Wenn Kooperation zwischen dem Land Tirol, der
sich daraus dann eine Publikation ergibt, Standortagentur Tirol, der Tirol Werbung, der
ist das natürlich toll.“ Plaikner legt großen Privatuniversität UMIT TIROL und der Uni-
Wert darauf, dass die Studierenden lang- versität Innsbruck vereint wichtige Akteure,
fristig von ihrem Einsatz profitieren. Der wenn es darum geht, aktiv an Lösungswegen
Betriebswirt und Psychologe hat selbst vor gegen das Gasthaussterben zu arbeiten. Und
seinen Studien eine kaufmännische Groß- wenn es durch „#dufehlst“ langfristig ge-
handelslehre absolviert und danach viele lingt, Wirtshäuser zu erhalten oder zu reak-
praktische Jahre in der Automobilindus­trie tivieren, profitiert letztendlich vor allem die
und in Nichtregierungsorganisationen ver- Bevölkerung davon.
bracht, bevor er das Projektmanagement lisa.marchl@uibk.ac.at ◼
12

Schule als Ort,


der öffnet
Transnationale Netzwerke moralkonservativer Akteure stehen
im Fokus der Innsbrucker Soziologin Kristina Stoeckl. Wie
dabei Homeschooling Teil ihrer Forschungsarbeit wurde und
wie sie den aktuellen Trend zum Heimunterricht in Österreich
einschätzt, erklärt sie im Interview.

Wie kamen Sie als Religionssoziologin und deutsche Familie hatte ihre Kinder u. a. auf- nanzielle Interessen – neben dem Rechts-
Russland-Forscherin zum Thema Homesch- grund ihrer religiösen Werte zuhause un- beistand werden auch Unterrichtsmateri-
ooling? terrichtet. Da in Deutschland – anders als alien verkauft –, andererseits handelt es sich
Kristina Stoeckl: Das Thema ist in meiner in Österreich – Schulpflicht und nicht nur klar um Lobbying-Arbeit für moralkonser-
Forschungsarbeit ganz unerwartet aufge- Unterrichtspflicht gilt, wurden die deut- vative Zwecke, die auch von entsprechenden
taucht. Ich beschäftige mich mit transna- schen Behörden tätig und haben der Familie Spendern unterstützt wird. Christliche
tionalen Netzwerken von moralkonser- in letzter Instanz sogar die Kinder für drei Homeschooler lehnen Unterrichtsprinzipien
vativen Akteuren. Dabei untersuchen wir Wochen entzogen. Die Familie wurde bei wie beispielsweise Gendergerechtigkeit und
Gruppen und Organisationen, die sich über dem darauf folgenden Rechtsstreit, der bis in Amerika auch die darwinsche Evolutions-
Nationen- und Religionsgrenzen hinweg vor den Europäischen Gerichtshof für Men- theorie ab. Einerseits öffnet ihrer Ansicht
vernetzen. Aus meiner Perspektive als Russ- schenrechte führte, von der amerikanischen nach Schule schon aufgrund des Lehrplans
land- und Orthodoxie-Forscherin war es be- Menschenrechtsorganisation „Alliance De- für Inhalte, die von den moralkonservativen
sonders interessant, dass Russland und auch fending Freedom International“ mit Sitz in Eltern nicht für gut befunden werden, ande-
die orthodoxe Kirche in diesen Netzwerken Wien vertreten. rerseits lehnen sie auch das soziale, diverse
zunehmend wichtige Rollen einnehmen. Eine weitere Gruppierung, die wir genauer Umfeld mit Mitschüler*innen ab, deren El-
Wir haben untersucht, wie Bewegungen zur untersucht haben, ist die „Homeschooling tern beispielsweise geschieden, alleinerzie-
Vermittlung konservativer Familienwerte, Legal Defence Association“, die die Anliegen hend oder homosexuell sind.
die Anti-Abtreibungsbewegung und Bewe- von Homeschooling-Familien in den USA
gungen gegen Genderrechte agieren. Dabei vertritt und seit rund zehn Jahren mit inter- Umdeutung von Menschenrechten
kam dann auch das Thema Homeschooling nationalen Kongressen bewusst eine trans-
auf unsere Agenda. nationale Vernetzung versucht. Derartige Sie sprechen in Ihrer Arbeit von einer Um-
Ist das Thema Homeschooling nicht eher im Kongresse fanden bereits in Berlin, in Rio deutung der Menschenrechte durch die mo-
linksalternativen Bereich der Gesellschaft zu oder zuletzt in Moskau statt. Letztere habe ralkonservative Homeschooling-Bewegung.
finden? ich mit meinen Doktorand*innen wissen- Was genau meinen Sie damit?
Stoeckl: Hier würde ich zwischen zwei Be- schaftlich beobachtet. Stoeckl: Lobbying-Organisationen für
wegungen unterscheiden: Das sogenann- Was ist das Ziel dieser Vernetzung, was sind christliche Homeschooler berufen sich häu-
te Unschooling ist tatsächlich eher im lin- die Motive dieser Organisationen? fig auf den Paragraf 26 der UN-Menschen-
ken Spektrum und im Alternativschulbe- Stoeckl: Einerseits geht es natürlich um fi- rechtskonvention, der besagt, dass Eltern
reich verortet. Hier geht es um die Idee, dass
Schule Kinder zu stark diszipliniert und in
ihrer freien Entwicklung einschränkt. Bei
den konservativen christlichen Homeschoo- ZUR PERSON
lern dagegen geht es um genau das Gegen-
teil: Hier stellt Schule einen Ort dar, der öff- Kristina Stoeckl hat in Innsbruck, Budapest und Florenz stu-
net und diese Öffnung wird als Bedrohung diert und ihre Post-Doc-Zeit als Marie S. Curie Fellow in Rom und
wahrgenommen. APART-Fellow der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
in Wien absolviert. Sie hat einen START-Preis des FWF (2015) und
Transnationale Vernetzung einen ERC-STARTING GRANT des European Research Council (2015)
erhalten, ist Mitglied der Jungen Akademie der Österreichischen
Wie gehen moralkonservative Homeschoo- Akademie der Wissenschaften und seit 2019 Leiterin des Instituts
ling-Gruppen vor, um sich zu vernetzen? für Soziologie an der Uni Innsbruck.
Stoeckl: Ein sehr gutes Beispiel für Vernet-
zung ist der Fall der Familie Wunderlich. Die
13

Schule, als ein pluralistischer Ort, der alle


Bereiche der Gesellschaft abdeckt, wird von
christlichen, wertkonservativen Gruppen
als Bedrohung für ihre Kinder angesehen.
Fotos: iStock/martinedoucet; Uni Innsbruck

das Recht haben, über die Ausbildung ihrer lar sind. Im Rahmen unserer Feldforschung änderte. Die aktuelle Debatte über Heim-
Kinder zu entscheiden. Dieser Artikel ist in Italien war es interessant zu sehen, dass unterricht berührt zentrale gesellschaft-
entstanden zur Zeit des Kalten Kriegs vor sich Eltern, die ihre Kinder aus christlichen liche und bildungspolitische Fragen, wie die
dem Hintergrund einer politischen Indok- Motiven zu Hause unterrichten, im Konflikt Aufteilung der Erziehungsarbeit innerhalb
trinierung in den Schulen und eines Verbots mit ihrem Bischof befinden. Die katholische der Familien, die Effizienz von Distance-
von religiöser Betätigung von Eltern und Kirche in Europa will ihren Platz im öffent- Learning und den Bildungsauftrag der öf-
auch eines Verbots von religiöser Erziehung lichen Raum behaupten, sie will nicht in die fentlichen Schule. Ich denke, dass es sich bei
durch Eltern. Dieser Artikel war also auch diesem Zuwachs an Schulabmeldungen um
ein Kommentar zu den Zuständen im kom- einen Mix aus Verunsicherungen bei den El-
munistischen Osten. Heute wird von kon- »Bei konservativen tern handelt: Einerseits gibt es sicher Angst
servativen Bewegungen die Bedeutung des christlichen Homeschoolern vor einer Pflicht-Impfung und Ablehnung
Artikels 26 umgedreht zu einem Kommen- stellt Schule einen Ort von Maßnahmen gegen die Pandemie, ande-
tar zu den Zuständen in westlichen Schu- rerseits haben Eltern aber sicher auch Angst
dar, der öffnet und diese
len, wo Unterrichtsprinzipien wie Diversität, vor einer Ansteckung. Zudem glaube ich,
Toleranz und Nicht-Diskriminierung in die Öffnung wird als Bedrohung dass diese hohe Zahl an Abmeldungen auch
Lehrpläne Eingang gefunden haben. Home- wahrgenommen.« eine Rechnung ist, die Schulen für schlech-
schooling ist nur ein Schauplatz dieser Be- te Distanzlehre erhalten. Ich kann mir ehr-
KRISTINA STOECKL
wegungen, das Recht auf gleichgeschlecht- lich gesagt aber nicht vorstellen, dass sich
liche Ehe, der Umgang mit Reproduktions- die Zahlen auf diesem Niveau einpendeln.
maßnahmen oder Euthanasie sind andere. Privaträume verschwinden. Diese Home- Sie werden mit der Zeit wieder zurückgehen
Die moralkonservative Themenpalette ist schooling-Tendenzen sind deshalb schon in auf das Niveau von vor der Pandemie. In die-
relativ breit. Im Kern geht es um die Frage, einem fundamentalistischen, rechten Rand sem Wintersemester halte ich gemeinsam
welche Werte in einer Gesellschaft gelten des katholischen Spektrums einzuordnen. mit Silke Meyer vom Institut für Europä-
sollen. Mit der Corona-Pandemie kam ein weiterer ische Ethnologie und mit Inputs von Vero-
Gibt es innerhalb dieser Bewegungen auch Grund dazu, warum Kinder von der Schu- nika Hofinger vom Institut für angewandte
Konflikte? le abgemeldet werden. Im aktuellen Schul- Rechts- und Kriminalsoziologie eine Lehr-
Stoeckl: Ja, diese Form des moralkonser- jahr haben sich die Zahlen der Schulabmel- veranstaltung zum Thema Homeschooling,
vativen Homeschoolings birgt vor allem dungen in Österreich mehr als verdreifacht. in der wir gemeinsam mit Studierenden das
innerhalb der Kirchen ein hohes Konflikt- Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein? empirische Feld, das durch die Erfahrung
potenzial. Die religiösen Homeschooler, die Stoeckl: Homeschooling und Distance- mit Homeschooling in Österreich neu ent-
wir erforscht haben, lehnen beispielsweise Learning waren in den letzten zwei Jahren standen ist, qualitativ bearbeiten.
auch konfessionelle Privatschulen ab, weil für sehr viele Menschen eine neue Realität,  Das Interview führte Susanne E. Röck
diese ihrer Meinung nach bereits zu säku- die ihren Alltag in wesentlichen Teilen ver- susanne.e.roeck@uibk.ac.at ◼
14

Kindgerechte
Wissenschaft
Im Projekt „Growing Ideas“ arbeitet die Bildungswissenschaftlerin Julia M. Nagy
daran, Naturwissenschaft für Kinder ab fünf zu erklären. Entstehen sollen zwei
Bücher, das erste zu Bauchweh und Verdauung ist kürzlich erschienen.

D
er Mensch stammt vom Affen ab und
von unserer Hirnkapazität nutzen wir
nur rund zehn Prozent, die restlichen
neunzig praktisch gar nicht. Kinder lernen
je nach Lerntyp am besten, manche mit vi-
suellen Methoden, andere wiederum, wenn
sie Inhalte anhören. Alles anerkannte Wis-
senschaft? Nein – ganz im Gegenteil, wie
Julia Magdalena Nagy vom Institut für Fach-
didaktik erklärt: „Es gibt eine ganze Reihe
an Fehlvorstellungen, die sich hartnäckig
15

halten und immer wieder aufs Neue weiter-


verbreitet werden, auch in Kindergärten und ZUR PERSON
Schulen. Menschen und heutige Affen haben
gemeinsame Vorfahren, aber wir stammen Julia M. Nagy (*1989) studierte in Innsbruck Biologie und Deutsch
nicht voneinander ‚ab‘, dass ein Großteil des auf Lehramt und absolvierte außerdem in Wien ein Masterstudi-
Gehirns nicht gebraucht wird, ist außerdem um in Verhaltens-, Neuro- und Kognitionsbiologie. Sie unterrich-
genauso widerlegt wie eine Typisierung von tet am Reithmanngymnasium in Innsbruck, arbeitet zusätzlich
Kindern oder auch Erwachsenen danach, an ihrer Dissertation an der Universität Innsbruck und wirkt im
wie sie Inhalte am besten aufnehmen.“ Wie Projekt „Growing Ideas“ mit, das sich zum Ziel gesetzt hat, wis-
Pädagog*innen diesen Fehlvorstellungen senschaftliche Inhalte für Kindergartenkinder aufzubereiten. Ge-
am besten begegnen können, dem ist Na- meinsam mit der Tiroler Illustratorin Bine Penz hat sie kürzlich im
gy im Projekt „Growing Ideas“ und in ihrer Rahmen von „Growing Ideas“ das Kinderbuch „Was mir mein Bauch erzählt“ für Kin-
Doktorarbeit auf der Spur. der zwischen fünf und acht Jahren beim Tyrolia-Verlag herausgebracht. Die beiden
arbeiten bereits am zweiten Band „Was mir mein Kopf erzählt“, der sich dem Gehirn
Von klein auf und den Mythen rund um den Kopf widmet.

„Ein wesentlicher Teil meiner Doktorarbeit


besteht darin, die angesprochenen Fehlvor- türlich begrenzt, aber es besteht trotzdem ausfällt oder Inhalte fehlerhaft vermittelt
stellungen überhaupt zu identifizieren – al- die Gefahr, dass sich alternative Vorstel- werden, setzt sich das oft bis ins Erwachse-
so herauszufinden, welche weit verbreiteten lungen, die zum Beispiel die Pädagog*innen nenalter fort. Und viele Kinderbücher arbei-
Fehlvorstellungen auch bei Pädagog*innen unbeabsichtigt weitergeben, in den Köpfen ten mit starker Vereinfachung, anatomisch
vorherrschen“, sagt Nagy, die auch selbst an von Kindern festsetzen.“ korrekt ist da oft wenig – stattdessen gibt es
einem Gymnasium unterrichtet. Dazu hat sie Hier setzt das Projekt „Growing Ideas“ Zeichnungen von Bäuchen mit aufgemaltem
Kindergartenpädagog*innen in Ausbildung an, bei dem Nagy neben ihrer Doktorar- traurigem Gesicht, wenn Bauchschmer-
und auch schon im Beruf Tätige ausführlich beit mitarbeitet: Zwei im Rahmen des Pro- zen gezeigt werden sollen“, sagt Julia M.
befragt. „In der Forschung ist bekannt, dass jekts entstehende Bücher vermitteln na- Nagy. Der nun erschienene Band „Was mir
Lernen durch bereits bestehende Vorstel- turwissenschaftliche Erkenntnisse kindge- mein Bauch erzählt“ wirkt diesen Klischees
lungen und existierendes Wissen beeinflusst recht, aber nicht kindisch, und wollen auch entgegen und zeigt liebevoll illustriert und
wird“, erklärt die PhD-Studentin. Wir neh- Pädagog*innen dabei unterstützen, diese wissenschaftlich recherchiert anhand ei-
men Inhalte hauptsächlich dann auf, wenn Inhalte wissenschaftlich korrekt wieder- ner Geschichte über den kleinen Toni, wo-
sie unseren schon bekannten Vorstellungen zugeben. „Growing Ideas“ wird von Univ.- her Bauchweh kommt und was man dagegen
entsprechen – unsere Vorstellungen werden Prof. Suzanne Kapelari geleitet, Partner tun kann. „Tonis Geschichte beginnt da-
nicht ersetzt, sondern erweitert oder ver- sind das Wissenstransferzentrum West, die mit, dass er wegen seiner Bauchschmerzen
ändert. „Auch Kinder halten an ihren Vor- Medizinische Universität Innsbruck, Klas- nicht einschlafen kann – und zeigt, warum
stellungen und Erfahrungen fest, um für sie se! Forschung, die Tyrolia und die Bundes- er vielleicht Bauchweh hat. Die Geschich-
unbekannte Phänomene in ihrer Umwelt zu bildungsanstalt für Elementarpädagogik in te ist als Vorlesegeschichte für Kinder ab
erklären. Zuerst sind diese Erfahrungen na- Innsbruck. Das Projekt soll das Interesse an fünf gedacht, dazu gibt es kindgerecht ge-
MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, schriebene Informationen auf jeder Dop-
Naturwissenschaft und Technik – schon im pelseite, mit denen Erwachsene Fragen der
Kindergartenalter wecken. „Gerade der erste Kinder beantworten können“, sagt Nagy.
Kontakt mit solchen Themen ist wichtig, Behandelt werden neben dem Verdauungs-
und wenn der für die Kinder unangenehm vorgang allgemein auch Lebensmittelun-
verträglichkeiten, der Einfluss der Psyche
auf den Bauch, aber auch Krankheiten wie
Magen-Darm-Grippe oder ein entzündeter
Blinddarm. „Das Buch wird auch in Kinder-
gärten in Leserunden zum Einsatz kommen
und soll Pädagog*innen dabei unterstüt-
zen, Antworten auf Kinderfragen geben zu
können, ohne selbst dabei unsicher sein zu
müssen. Damit fangen wir jetzt im Oktober
an.“

Zusatzmaterial
Neben dem Buch gibt es auf einer eige-
nen Website auch weiterführendes Materi-
al – sowohl für den Kindergarten als auch
für zuhause, die Bastelübungen sind leicht
durchzuführen. Als Nächstes soll das Kon-
zept auch für das Gehirn bzw. den Kopf um-
gesetzt werden: 2022 erscheint „Was mir
Toni liegt zu Beginn mit
mein Kopf erzählt“ mit kindgerechten In-
Bauchschmerzen im Bett.
Fotos: Bine Penz; Nagy
formationen zum Gehirn und der Widerle-
gung altbekannter Mythen – etwa dem mit
den 90 Prozent unbenutzter Hirnkapazität
oder den Affen als unseren Vorfahren.
stefan.hohenwarter@uibk.ac.at ◼
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Die Grabungsstelle Hohe Birga


hat 2021 sehr vielfältiges
Fundmaterial hervorgebracht.
Foto: Florian Müller

Wie der Löwe auf


die Hohe Birga kam
Neue archäologische Grabungen auf der Hohen Birga in Birgitz gewähren dank
moderner Forschungsmethoden einen umfassenden Einblick in das Leben der
Räter während der Eisenzeit.

D
ie Silbermünze ist unscheinbar, kaum dieser Siedlung auf der Hohen Birga, in der werden kann, auch bekannt als Räter. Dann
so groß wie ein 2-Cent-Stück. Flo- Mitte des Alpenraumes, ein reger Austausch geschah über mehrere Jahrzehnte nichts
rian Müller dreht sie in der Hand. stattgefunden hat. Unsere Funde weisen in mehr. Dass die Hohe Birga nicht in Verges-
„Auf dieser Seite sehen wir eindeutig ei- den Mittelmeerraum und in den Voralpen- senheit geriet, war der Verdienst des lokalen
nen Löwen“, sagt er. „Und das hier ist eine raum.“ Vereins „Archäotop Hohe Birga“, der neue
Artemis.“ Es handelt sich um eine keltische Forschungen ankurbelte und das archäolo-
Münze. Warum also ist eine griechische Lange Tradition
Göttin darauf zu sehen? „Die Griechen hat-
ten in Südfrankreich eine Stadt gegründet, Florian Müller ist assoziierter Professor
das heutige Marseille, und dort Münzen ge- am Institut für Archäologien der Universi-
prägt. Als die Kelten beschlossen, dass sie tät Innsbruck und leitet seit 2009 die Aus- Video-Tipp
auch Münzen haben wollten, orientierten grabungen auf der Hohen Birga. Forschun-
sie sich an dem griechischen Motiv, weil es gen dort haben bereits eine lange Tradition. Ein Forschungsvideo der Uni liefert
bereits bekannt war und akzeptiert wurde“, Oswald Menghin, Professor für Urgeschich- weitere interes-
erklärt Müller. Die Münze wurde bei Gra- te an der Universität Wien, besuchte im Jahr sante Einblicke in die
bungen auf der Hohen Birga gefunden, nur 1937 den Hügel bei Birgitz und stieß dort auf Arbeit der Innsbru-
wenige Kilometer von Innsbruck entfernt. Vertiefungen, die er bei ersten Grabungen cker Archäolog*innen
Sie liefert eine wichtige Erkenntnis über die als Überreste von Gebäuden identifizierte. auf der Hohen Birga:
dort gelegene 2000 Jahre alte Siedlung. „Es Bei Grabungen in den 1940er und 1950er Jah- youtube.com/uniinns-
zeigt sich mehr und mehr, dass wir es hier ren konnte dann eine ganze Siedlung aus der bruck
nicht mit einem kleinen, isolierten Bauern- jüngeren Eisenzeit freigelegt werden, die
dorf zu tun haben, sondern dass auch mit der Fritzens-Sanzeno-Kultur zugeordnet
17

gische Gelände für Besucher*innen zugäng- Häusern durchgeführt. Phosphate sind Salze gebrannt wurde. Bis auf ein abgebranntes
lich machte. Mit alten Grabungsunterlagen im Boden, die sich in Pflanzen anlagern und Haus konnten wir aber bislang keine Zerstö-
als Anhaltspunkt und neuen Forschungs- von Menschen und Tieren über die Nah- rung nachweisen. Wir stellen uns das Ende
methoden im Repertoire begaben sich die rung aufgenommen werden. Überschüssiges der Räter auf der Hohen Birga somit eher als
Archäolog*innen der Uni Innsbruck auf die Phosphat wird ausgeschieden und konzen- einen unspektakulären Prozess über einen
Suche nach neuen Erkenntnissen zum Leben triert sich wieder im Boden. „Im Idealfall längeren Zeitraum vor, in dem ihre Kultur in
der Räter auf der Hohen Birga. Was durchaus zeigt die Analyse dann über das Haus ver- der Römischen aufging.“
einige Herausforderungen mit sich brachte: teilt verschiedene Konzentrationen“, erklärt Zusammen mit dem Verein „Archäotop
Ein Großteil der Grabungen aus den vergan- Müller. „Daraus können wir schließen, wo- Hohe Birga“ und der Gemeinde Birgitz wird
genen Jahrzehnten wurde nie umfangreich für die Räume genutzt wurden, also ob es ein die Siedlung für die Öffentlichkeit erhal-
ausgewertet und publiziert, Teile der alten Lagerraum, Stall oder Wohnraum war. Diese ten. Wer das Gelände heute besucht, kann
Unterlagen galten lange als verschollen. Methode wurde in rätischen Häusern noch zwei rekonstruierte rätische Häuser be-
Im Sommer 2021 konzentrierten sich die nie ausprobiert und wir sind auf das Ergeb- sichtigen, sich von einem Audioguide über
Grabungen gezielt auf zwei Gebäude, die zu- nis sehr gespannt.“ das Gelände führen lassen und ein Muse-
letzt 1949 untersucht worden waren. „Diese um besuchen. Ein bis zwei Jahre lang sollen
sind ein schönes Beispiel für die Probleme Schmuck und Scherben die Grabungsarbeiten auf der Hohen Birga
mit der Altgrabungsdokumentation“, sagt noch dauern, danach wollen Florian Mül-
Müller. „Eines dieser Gebäude wird als stark Neben den freigelegten Häusern hat die ler und sein Team sich auf die Auswertung
zerstört beschrieben. Die heurigen Gra- Grabungsstelle Hohe Birga 2021 sehr viel- konzentrieren. Fundmaterial muss gerei-
bungen zeigen jedoch, dass noch sehr viel fältiges Fundmaterial hervorgebracht. Tier- nigt und inventarisiert, Zeichnungen an-
vorhanden ist. Wir haben einen massiven, knochen geben Aufschluss über Jagd und gefertigt werden, am Ende steht eine um-
komplett erhaltenen Gang, der in das Haus Viehhaltung, Pollenproben über den Acker- fangreiche wissenschaftliche Publikation.
hineinführt, und konnten alle Außenmauern bau, Keramikgefäße zeigen das charakteris- Die Grabungen enden, damit auch zukünf-
finden und dokumentieren. Im Grunde kön- tische Muster der Räterkultur. Dazu kom- tige Archäolog*innen dort die Möglichkeit
nen wir mittlerweile den gesamten Grund- men Werkzeuge aus Eisen, eine Lanzenspit- haben, mit fortgeschrittenen Methoden zu
riss und das Aussehen dieses Gebäudes sehr ze, Schmuckgegenstände aus Bronze, ein neuen Erkenntnissen zu gelangen. So wie
gut rekonstruieren.“ In einem abgebrannten kleiner Ring, Gewandnadeln sowie ein Stück die Archäolog*innen heute die Arbeit aus
Haus haben sich Holzbalken im verkohlten Bergkristall. Andere Funde wiederum zei- den 1940ern und 1950ern weiterführen und
Zustand erhalten, die dendrochronologisch gen, dass die Menschen auf der Hohen Birga korrigieren, werden dann auch ihre Ergeb-
untersucht werden können. Bei dieser Me- gut vernetzt waren - darunter auch die kel- nisse mit dem neuesten Stand der Wissen-
thode werden die Jahresringe von Bauholz tische Silbermünze aus dem süddeutschen schaft auf die Probe gestellt. „Das Ziel je-
mit denen von anderen Bäumen aus der Re- Raum. „Mittlerweile kommen wir sehr nah der archäologischen Forschung muss es
gion verglichen. Durch schwankende kli- an die Lebensweise einer Kultur ohne eige- sein, sich den Menschen der Vergangenheit
matische Bedingungen verändern die Ringe ne Texte heran“, sagt Müller. Und wie sind zu nähern“, sagt Müller. „Wenn es durch
ihre Breite und zeigen ein charakteristisches die Räter verschwunden? „Mit der Erobe- unsere Arbeit auf der Hohen Birga gelingt,
Muster, mit dem das Alter des Fundes sehr rung des zentralen Alpenraums durch die für den konkreten Zeitraum der jüngeren
genau bestimmt werden kann. Im neuen Römer im Jahr 15 vor Christus endet auch Eisenzeit in Tirol ein paar neue Aspekte
Mikroarchäologischen Labor des Instituts die Fritzens-Sanzeno-Kultur“, sagt Müller. aufzuwerfen, dann wäre unser Ziel er-
für Archäologien werden auch Phosphatana- „Lange wurde vermutet, dass die Hohe Birga reicht.“
lysen an Bodenproben aus den freigelegten im Zuge der römischen Eroberung nieder-  fabian.oswald@uibk.ac.at ◼

Diese keltische Silbermünze wurde auf der Hohen Birga gefunden.


Sie zeigt die griechische Göttin Artemis und einen Löwen.
Foto: Florian Müller
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Anhand von Grafiken wird Bewusstsein für


unterschiedliche Lebensrealitäten geschaffen.
Grafik: teamGlobo/Studia Verlag Innsbruck

Die Welt im Kleinen


Im Dorf „Globo“ leben exakt 100 Menschen. Sie verkörpern die
Weltbevölkerung und dienen als Ausgangspunkt für persönliche
Geschichten, die zum Nachdenken anregen.

E
s ist eine einzigartige Idee, die es in reitungen in ihrer Generalversammlung die Wer lebt nun in dem Dorf Globo? Es sind 100
dieser Form kein zweites Mal auf der „Nachhaltigen Entwicklungsziele“ (SDGs) Menschen, verteilt auf die Regionen Nord-
Welt gibt. Andreas Exenberger, Ste- verabschiedeten. Jedes Kapitel des Buches amerika (5), Lateinamerika (8), Europa (10),
fan Neuner und Josef Nussbaumer brechen wurde einem der siebzehn Ziele gewidmet. Afrika (16) und Asien (61). Diese Personen
komplexes Zahlenmaterial herunter und Durch informative Beschreibungen und wohnen in einer kleinen Gemeinschaft recht
stellen die Welt dar, als ob sie nur aus hun- Grafiken werden unterschiedliche Perspek- nah beieinander und haben viel miteinan-
dert Einwohner*innen bestünde. Vor knapp tiven auf die verschiedenen Lebensreali- der zu tun, es gibt aber auch einiges, was
zehn Jahren veröffentlichten sie aus diesem täten eröffnet. „Unser Ziel war es nicht nur, sie voneinander trennt. Sie heißen Atlanta,
Grund das Buch „Unser kleines Dorf“. Um die Zahlen zu aktualisieren, sondern eine Hue oder Davao und verkörpern individu-
auf dem aktuellen Stand zu bleiben und den neue Struktur zu schaffen und unser Anlie- elle Schicksale, die aber stellvertretend für
weltweiten Veränderungen gerecht zu wer- gen greifbarer zu machen. Den Menschen im die Weltbevölkerung stehen. Um komplexe
den, entschieden sich die Autoren für eine Dorf haben wir zumindest ein statistisches Sachverhalte nachvollziehbarer und die Si-
völlig umgestaltete Neuauflage. Als Basis Gesicht gegeben und wir binden sie als Per- tuation vergleichbarer zu machen, entwi-
diente nun das Jahr 2015, in dem die Ver- sonen in das Geschehen ein“, erklärt Wirt- ckelten die Autoren auch eine fiktive Wäh-
einten Nationen nach mehrjährigen Vorbe- schafts- und Sozialhistoriker Exenberger. rung namens „Oro“; ein Oro entspricht da-
19

bei ziemlich genau der Kaufkraft von einem


Euro. Dem Nordamerikaner Austin stehen
311 Oro am Tag zur Verfügung, während das
afrikanische Mädchen Goma mit 1 Oro aus-
kommen muss. Zudem werden Aussagen zur
Bildung, zur Gesundheit und dem Zugang zu
Nahrung getroffen. Die biografischen Pro-
file der Menschen im Dorf können auch dazu
genützt werden, die Welt im Kleinen nach-
zustellen. Auf diese Weise werden kom-
plexe Sachverhalte zusammengeschrumpft
und für die Leser*innen greifbarer. „Den
Bewohner*innen wurden ein Gesicht, eine
Geschichte, ein Name und eine Art stati-
stische Biografie verliehen. Die Leser*innen Die Autoren des Buches (von links):
können so eine emotionale Bindung auf- Josef Nussbaumer, Andreas Exenberger
bauen und die Zahlen anhand menschlicher und Stefan Neuner.
Schicksale begreifen. Wir haben uns dabei Foto: Uni Innsbruck
stets darum bemüht, Vorurteilen vorzu-
beugen“, sagt Betriebs- und Volkswirt Ste-
fan Neuner. Um die Geschichte des Buches
zu verstehen, ist kein Vorwissen nötig. Die
globalen Herausforderungen unserer Zeit zahlungskräftige Kundschaft im Dorf und bar. Durch das Globo Dinner wird aber nicht
wurden ansprechend verpackt und sollen oft auf Kosten der zehn Personen, die auf nur Bewusstsein für Unterschiede geschaf-
alle Altersgruppen gleichermaßen anspre- das Meer als Lebensgrundlage angewiesen fen, sie werden auch spürbar, zumindest ein
chen. Im alten Buch stand ein Mensch für sind. Es mangelt oft am richtigen Manage- bisschen“, verdeutlicht Nussbaumer.
60,8 Millionen, im neuen für 73,5 Millionen. ment, sowohl beim Fischfang wie auch beim Mit Projekten, Veranstaltungen und ihrer
„Es sollte aber nicht vergessen werden, dass Meeresschutz. Publikationstätigkeit möchten die Autoren
solche statistischen Durchschnitte niemals nachhaltige Denkprozesse in Gang setzen.
echte Menschen darstellen, denn niemand Wissen vermitteln „Das Dorf Globo steckt voller Hoffnung und
ist Durchschnitt, sondern jede und jeder ist dient als Basis für mögliche Lösungsansätze.
eine einzigartige Persönlichkeit mit einer in- Durch den Verein teamGlobo sollen die Die Leser*innen können sich ein eigenes Bild
dividuellen Geschichte“, betont Exenberger. Bewusstseinsbildung, die Bildungsarbeit von der Welt schaffen. Globale Problemstel-
und die Forschung im Hinblick auf globale lungen wie Umweltverschmutzung, Armut
Begreifbar machen Ungerechtigkeiten vorangetrieben werden. und Klimaschutz eröffnen unterschiedliche
Um diese Themen jungen Menschen näher- Betrachtungsweisen“, so Nussbaumer. Durch
„Es ist ein Versuch, die Welt abzubilden. zubringen, wurde die GloboSchule ins Leben das Dorf Globo wird klar, was Ungleichheit
Als Grundlage dienen empirische Daten, gerufen. Im Rahmen dieses Bildungspro- bedeutet, welchen Sinn die Nachhaltigkeits-
die ein realistisches Bild ermöglichen“, er- jekts werden in ganz Tirol spannende Work- ziele der Vereinten Nationen haben und was
läutert Wirtschafts- und Sozialhistoriker shops in Schulen abgehalten, es gibt auch jeder Mensch dazu beitragen kann, um die
Josef Nussbaumer. Die meisten Erwach- eine langjährige Kooperation mit der Jungen Welt zu einem besseren Ort zu machen.
senen gehen mehreren beruflichen Tätig- Uni der Universität Innsbruck. Dabei wer- miriam.sorko@uibk.ac.at ◼
keiten nach, ein großer Teil ist noch in der den die teilnehmenden Kinder und Jugend-
Landwirtschaft beschäftigt. Es gibt luxuri- lichen aktiv eingebunden. „Die Biografien
ös ausgestattete Häuser ebenso wie solche der Dorfbewohner*innen und die Landkar-

Buch: GLOBO Eine neue


ohne Internetzugang oder auch nur Sani- ten dienen als Ausgangspunkt für eine lehr-
täranlagen. In Globo hat nur die Hälfte der reiche Interaktion, bei der man sich in das
Bewohner*innen eine Zahnbürste und nur Leben der Menschen in Globo hineinverset- Welt mit 100 Menschen
wenig mehr haben zuhause eine Möglich- zen kann“, erklärt die Pädagogin Christi-
keit, sich die Hände zu waschen. Für manche ne Rainer und fügt hinzu: „Es wird ein Be- Andreas Exenberger, Stefan Neu-
Menschen ist die Verfügbarkeit von Energie wusstseinsbildungsprozess in die Wege ge- ner und Josef Nussbaumer befassten
selbstverständlich, andere leben noch mit- leitet. Die Kinder und Jugendlichen werden sich erneut mit der Frage, was wä-
ten in der prä-fossilen Welt. Auch das Meer zum aktiven Nachdenken angeregt.“ Bereits re, wenn die Welt aus einem Dorf mit
spielt im Dorf eine wichtige Rolle, wobei die beim ersten Buch haben sich die Autoren 100 Menschen bestünde. Entstan-
Fische immer weniger werden. Trotzdem dazu entschlossen, den Reinerlös aus dem den ist ein lehrreiches Buch für Jung
wird kräftig weitergefischt, vor allem für die Verkauf für karitative Zwecke zu spenden. und Alt, in dem umfassendes Zah-
Allein seit Vereinsgründung wurden bereits lenmaterial unterhaltsam erläutert
rund 230.000 Euro gesammelt und verschie- wird. Die Lebensbedingungen der
Verlosung denen karitativen Organisationen zur Ver-
fügung gestellt. Auch in Zukunft möchte
Dorfbewohner*innen werden dies-
mal anhand der siebzehn nachhaltigen
Worauf gehen die Namen der der Verein teamGlobo informative Veran- Entwicklungsziele der Vereinten Nati-
Dorfbewohner*innen zurück? Unter staltungen organisieren. Am 18. Jänner wird onen erläutert. Anhand farbiger Gra-
allen Antworten verlosen die Autoren erneut ein Globo Dinner im Innsbrucker fiken, persönlicher Schicksale und von
drei Exemplare des Buches „GLOBO Haus der Begegnung stattfinden. An diesem Bildern werden komplexe Sachverhalte
Eine neue Welt mit 100 Menschen“. Abend entscheidet ein Los darüber, wie viel übersichtlich dargestellt. Erschie-
Weitere Infos und Teilnahme unter: Essen auf den Tellern der Teilnehmer*innen nen ist das Werk im Verlag Studia in
www.teamglobo.net landet. „Dadurch wird die weltweite Unge- Innsbruck.
rechtigkeit bei der Ernährung nachvollzieh-
20

Mikrokosmos „Bögen“:
1700 Meter Innsbruck
Neue Perspektiven auf die berühmteste Innsbrucker Ausgehmeile eröffnet
die Ausstellung „Gemma Bögen. Mikrokosmos Viadukt“: Zwei Semester haben
sich Ethnologie-Studierende der Uni Innsbruck mit den berühmt-berüchtigten
„Bögen“ beschäftigt und ihre Beobachtungen in einer multimedialen Schau
zusammengestellt.

D
ie Viaduktbögen sind in Innsbruck
und darüber hinaus vor allem für ih-
re Nachtlokale bekannt. Dass dieser
Teil der Landeshauptstadt noch viel mehr
zu bieten hat, zeigen nun Studierende der
Uni Innsbruck in einer Ausstellung, die –
selbstredend – in einem Viaduktbogen zu
finden ist. In einem zweisemestrigen Lehr-
forschungsprojekt unter der Leitung von Dr.
Oliwia Murawska haben sich Studierende
der Europäischen Ethnologie diesem faszi-
nierenden Mikrokosmos der Stadt ethno-
grafisch angenähert. „Der sich über 1700
Meter entlang der Ing.-Etzel-Straße erstre-
ckende Bogenviadukt präsentierte sich uns Ethnologie-Studierende
als vielschichtiger Raum, in dem drastische als Forscher*innen in den
Gegensätze widerspruchsfrei zu einer Ein- Innsbrucker Bögen.
heit verschmelzen“, sagt Oliwia Murawska Foto: www.gemma-boegen.at

Öffnungszeiten vom Institut für Geschichtswissenschaften


und Europäische Ethnologie. „In Pandemie-
ihre Wahrnehmungen. Dabei entstanden
vielfältige Eindrücke in Text und Bild, wie
Die multimediale Schau „Gemma Zeiten traten neue Facetten der Bögen zum etwa die Beschreibung von Johannes Klo-
Bögen. Mikrokosmos Viadukt“ ist bis Vorschein wie die ungewohnte Menschen- cker zeigt: „Einige in der Ferne Grölende,
4. November 2021 im Innsbrucker Via- leere und Stille, die aber auch einen Blick auf durch die leeren Straßen der Bögen Wan-
duktbogen 25, Ingenieur-Etzel-Straße, die kleinen, unscheinbaren Dinge erlaubten. delnde, von nächtlichen Abenteuern Rück-
zu sehen. Öffnungszeiten: mittwochs, Die Studierenden ließen sich auf die Bögen kehrende oder noch danach Suchende fügen
donnerstags und freitags 15 bis 18 Uhr. ein und hielten dieses Flüchtige des gelebten sich in die ruhige, angenehme, regnerische,
Der Eintritt ist frei. Website: www. urbanen Raumes in Wahrnehmungsberich- nächtliche, nostalgische Atmosphäre ein.“
gemma-boegen.at ten und mit Kameras fest“, beschreibt die Die Studentin Anisa Schlichtling schreibt
Sonderöffnungszeiten/Führungen Ethnologin die Arbeit der insgesamt 23 Stu- in ihrem Wahrnehmungsbericht ebenfalls
auf Anfrage: gemma-boegen-ethnolo- dentinnen und Studenten. über ihre Eindrücke: „Grau in grau, Stein
gie@uibk.ac.at auf Stein stehen die Viaduktbögen bestän-
Das Projekt wird unterstützt durch Gehend forschen dig erdend als verbindendes Element zwi-
das Vizerektorat für Forschung der schen den Bewohner*innen der Stadt. Der
Universität Inns- „Gemma Bögen“ entstand passend zum tiefe Bariton der durchfahrenden Züge, der
bruck, ÖBB-Immo- Titel auch im Gehen: Um das Material zu erhe- über meinem Kopf rattert und im Unterleib
bilien, Otto Wulz, ben, nahmen die Studierenden die Perspek- vibriert, offenbart die primäre Funktion der
p.m.k. (Plattform tive „ethnografischer Stadtgänger*innen“ Bogenmeile als pulsierende Mobilitätsader.“
mobile Kulturiniti- ein und arbeiteten mit Bild- und Videoauf- Ein „Gemma Bögen“ der besonderen Art
ativen) und Contra- zeichnungen. Im sogenannten „Modus des ist noch bis zum 4. November vor Ort und
punkt Kulturkol- Gehens“ – einer ethnografischen Wahrneh- jederzeit auf der begleitenden Homepage
lektiv. mungstechnik – setzten sie sich selbst als möglich.
Forschungsinstrument ein und beschrieben melanie.bartos@uibk.ac.at ◼
21

Kuratorium vergibt
Fördermittel
Der Förderkreis 1669 der Universität Innsbruck unterstützt wissenschaftliche
Projekte durch unbürokratische und motivierende Anschubfinanzierung.

E
Wir freuen uns sehr, dass wir seit Juni nde Juni hat das Kuratorium des För- von weiblichen Studierenden in den Man-
2021 den Kreis der Unterstützer*innen derkreises 1669 entschieden, wel- gelfächern Mathematik, Informatik und
wieder erweitern können. Wir begrü- che Ideen aus dem Spendentopf von Technik bis hin zur Erweiterung des Hori-
ßen folgende neue Mitglieder in un- 2020 unterstützt werden. Dank großzügiger zonts unserer Studierenden durch Gastpro-
serer Runde: Unterstützer*innen erhalten 19 Projekte ei- fessuren oder zur Entwicklung der Block-
ne unkomplizierte und motivierende An- chain-Technologie für den Tourismus.
schubfinanzierung. Die Fördermittel kom- Informationen zu den Projekten:
men verschiedensten Projekten zugute: Vom short.uibk.ac.at/foederkreis-projekte2020/
Schutz der Bienenvölker über die Förderung ulrike.rubner@uibk.ac.at ◼

Gerhard Ber- Alexander


ger, Berger Gutmann,
Beteiligungs Gutmann GmbH
GmbH

Bernhard Pes- Jochen Czelecz,


koller, Holly Peryton
Kaffeesysteme Advisory GmbH
GmbH
Fotos zvg.

Peter Lang,
Rotho Blaas srl
Für das Kuratorium (vorne v. l.): Andrea Durnthaler – D. Swarovski KG, Eduard Fröschl
Alumni und Privatpersonen, die – Fröschl AG & Co KG, Claudia Berghofer – ADLER-Werk Lackfabrik J. Berghofer
seit Juni 2021 dabei sind: Christian GmbH, alle Nordtirol; Tilmann Märk – Rektor der Universität Innsbruck, Uli Rubner
Falkensammer, Helmut Lamprecht, – Vorsitzende Kuratorium, Christof Oberrauch – Technicon AG, Südtirol, Monika
Sigurd Lehmann-Tolkmitt, Micha- Froschmayr – Weinberg Bauträger & Projektentwicklungs GmbH, Nordtirol;
el Pock, Thomas Pühringer, Werner (hintere Reihe v. l.): Daniela Gruber - Förderkreisbüro, Friedrich Gaigg - Büro des
Rudolph, Andreas Weithaler Rektors, Christoph Murrer – Plansee-Gruppe, Nordtirol
Foto: Uni Innsbruck

Interessiert? Werden Sie Förder*in


Die Mitglieder des Förderkreises unterstützen die Universität Innsbruck gemeinsam in einem Netzwerk, als Brücke in die Gesellschaft,
sowohl ideell als auch materiell. Wenn Sie mehr über den Förderkreis erfahren wollen, kontaktieren Sie uns bitte unter Tel.: 0 512/507-
38554, E-Mail: foerderkreis1669@uibk.ac.at – weitere Infos: www.uibk.ac.at/foerderkreis1669
22

20 Jahre Junge Uni


Im September 2001 wurde an der Universität Innsbruck die erste Kinderuni
in Österreich gegründet. Seitdem haben 150.000 Kinder und Jugendliche die
zahlreichen interaktiven Programme besucht.

D
as Konzept der Jungen Uni laute-
te von Anfang an „Kinder und Ju-
gendliche von 5 bis 19 Jahren für
Wissenschaft und Forschung begeistern“.
In kleinen Workshops arbeiten die jungen
Besucher*innen mit pädagogisch geschul-
ten Wissenschaftler*innen aller 16 Fa-
kultäten zusammen und erhalten so einen
authentischen Einblick in die Welt der For-
schung. „Hands on“, „Learning by doing“
und wechselseitige Wissenschaftsvermitt-
lung auf Augenhöhe stehen dabei im Vor-
dergrund.
Nach mittlerweile 20 Jahren zeigt sich
eine beeindruckende Bilanz: Über 150.000
junge Menschen besuchten die 2.150 durch-
geführten Veranstaltungen der Jungen Uni.
Im Jahr sind das durchschnittlich 7.500
Von links nach rechts: Stadträtin Elisabeth Mayr,
Besucher*innen. Vor allem auch die gute
Junge-Uni-Leiterin Silvia Prock und Vizerektor
und enge Zusammenarbeit mit den Schulen
Bernhard Fügenschuh bei der Pressekonferenz
und der Bildungsdirektion hat zum Erfolg
zu 20 Jahren Junge Uni.
beigetragen – in den 20 Jahren besuchten Foto: Uni Innsbruck
2.660 Schulklassen die Programme der Jun-
gen Uni. „Die Universität ist stolz darauf,
dass vor 20 Jahren in Innsbruck die Idee der
ersten Kinderuni Österreichs entstand. Wir Menschen mit Wissenschaft und Forschung sagt Bernhard Fügenschuh, Vizerektor für
haben schon damals erkannt, dass es eine vertraut zu machen und zu zeigen, wie Lehre und Studierende der Universität Inns-
Zukunftsaufgabe der Universität ist, junge Wissen dokumentiert und vermittelt wird“, bruck.

Tagung zum Thema 50 Jahre


Elementarpädagogik Soziologie
M it über hundert Wissenschaftler*innen
und Expert*innen aus der Praxis fand
der Uni Innsbruck. „Die 2. Innsbrucker Fach-
tagung beleuchtete mit Bildungsverläufen in
D as Institut für Soziologie an der Uni-
versität Innsbruck begeht 2021 sein
50-Jahr-Jubiläum. Am 14. Oktober feierte
am 24. September die 2. Innsbrucker Fachta- Kindergarten und Grundschule ein überaus das Institut diesen Anlass im Rahmen eines
gung zur Elementarpädagogik statt. Veran- wichtiges pädagogisches Thema; dies gilt be- Festaktes. Dabei führte Bettina Mahlert
staltet wurde die Tagung, die das Interesse von sonders auch im Hinblick auf die Förderung in die Soziologische Forschung in der Ge-
Fachleuten aus dem gesamten deutschspra- von Kindern aus sozioökonomisch benach- schichte des Instituts ein, Heinz-Jürgen Nie-
chigen Raum fand, von der Uni Innsbruck und teiligten Familien und aus Familien mit be- denzu behandelte die Soziologie in der Leh-
der Pädagogischen Hochschule Tirol (PHT). stimmten Migrationshintergründen. Die Ta- re an der Universität Innsbruck. Eine Podi-
„Die Tagung ist ein sehr gutes Beispiel für gung hat zudem einen bedeutsamen Beitrag umsdiskussion mit den Institutsmitgliedern
die exzellente Zusammenarbeit der Universi- zur Weiterentwicklung der österreichischen zu den Aufgaben der Soziologie in der heu-
tät Innsbruck mit den Pädagogischen Hoch- Forschungs- und Bildungslandschaft geleis- tigen Gesellschaft rundete das Programm
schulen im Verbund Lehrer*innenbildung tet, indem sie zentrale Forschungsfragen, ab. Im Rahmen des Festaktes präsentierten
West. 2015 ist es uns an der Uni gelungen, die Forschungsergebnisse und Forschungslücken Hannah Jordan, Anna Larl und Institutslei-
erste Professur für Erziehungswissenschaft anspricht“, so Univ.-Prof. Dr. Wilfried Smidt, terin Kristina Stoeckl auch eine Festschrift,
mit dem Schwerpunkt frühe Bildung und Er- Leiter des Instituts für Psychosoziale Inter- die Einblick in die Gründungsgeschichte und
ziehung in Innsbruck einzurichten. Eine Pio- vention und Kommunikationsforschung und Entwicklung der Soziologie in Innsbruck
nierleistung, deren Bedeutung spätestens in Inhaber der Professur für Erziehungswissen- während der vergangenen Jahrzehnte gibt
Zeiten der Pandemie mehr als deutlich wur- schaft mit dem Schwerpunkt frühe Bildung und die aktuelle Forschung und Lehre am
de“, erklärt Univ.-Prof. Tilmann Märk, Rektor und Erziehung an der Uni Innsbruck. Institut würdigt.
23

Ö 30-Faszinosum Ötzi Sprache für


Quantencomputer
U nter dem Titel „Ö 30 – Faszinosum Öt-
zi“ bringt die mobile Kinderuni >schatz.
truhe< unter der Leitung von Elisabeth
Rastbichler jungen Menschen die vielsei-
tige Geschichte des Mannes aus dem Eis
I n Zusammenarbeit mit IBM, Microsoft
und Amazon Web Services hat die Univer-
sität Innsbruck im September ein Gremium
im Jubiläumsjahr näher. Am 20. September gegründet, das die Entwicklung der Assem-
war das Team anlässlich des 30. Jahrestages blersprache OpenQASM für Quantencom-
des Fundes in der Volksschule Lans zu Gast. puter lenken und deren Verbreitung fördern
Der Jubiläumsworkshop fand am Weltkin- soll. Auf der Assemblersprache basierende
dertag aufgrund der Corona-Situation und Quantencompiler übersetzen Computer-
stellvertretend nur in einer Schule statt. Im programme in eine für die Maschinen les-
Winter 2020/21 war dem Besuch ein Online- bare Form. „Eine Assemblersprache macht
Aufruf der mobilen Kinderuni vorausgegan- Programme für den Computer ausführbar“,
gen, Fragen rund um Ötzi an die Universität erklärt Philipp Schindler vom Institut für
zu schicken bzw. in kreativer Art und Weise Experimentalphysik der Universität Inns-
Elisabeth Rastbichler
darzustellen, was Kinder daran fasziniert. bruck. Die Befehle des Programmes, das in
vermittelt die Faszination
Die Ergebnisse werden in einer Schlussver- einer für den Menschen lesbaren Sprache
Ötzi mit dem Projekt
anstaltung zu Ötzi 30 ¾ (im Juni 2022) an entwickelt wird, werden dabei in Anwei-
>schatz.truhe< seit über
der Universität Innsbruck ausgestellt und in sungen für die Maschine übersetzt. Schind-
zehn Jahren.
einem Kinderbuch präsentiert. Die VS Lans Foto: >schatz.truhe</Uni Innsbruck
ler ist Gründungsmitglied eines Gremiums,
schickte die ersten Fragen und gewann den das die Quanten-Assemblersprache Open-
Workshop. QASM zum Standard für Quantencomputer
machen möchte. „Es geht darum, ein Binde-

Uni Innsbruck bildet


glied zwischen Software und der noch expe-
rimentellen Hardware zu schaffen“, erklärt
der Experimentalphysiker.

Chemieingenieure aus
I n der chemischen Industrie, den Material-
wissenschaften und in Pharmaunterneh-
men sind Chemieingenieure gefragte Fach-
wiesenen Experten für unseren neuen For-
schungsbereich gewinnen können“, sagte
Rektor Tilmann Märk bei der Antrittsvorle-
kräfte. Die Universität Innsbruck setzte mit sung von Kai Langenbach am 11. Oktober im
der Einrichtung des Instituts für Chemie- Centrum für Chemie und Biomedizin (CCB)
ingenieurwissenschaften und des gleich- in Innsbruck. „Durch die finanzielle Un-
namigen Masterstudiums einen neuen For- terstützung des Landes Tirol und das En-
schungs- und Ausbildungsschwerpunkt. Das gagement der ADLER-Werk Lackfabrik, die
Land Tirol unterstützt diese wichtige Initi- ebenfalls eine Stiftungsprofessur finanziert,
ative mit einer Stiftungsprofessur, die mit können wir hier in Innsbruck ein neues, zu-
dem Verfahrenstechniker Kai Langenbach kunftsweisendes Lehr- und Forschungsge-
besetzt werden konnte. „Mit Kai Langen- biet etablieren, von dem die Region in Zu-
Christian Huck.
bach haben wir einen international ausge- kunft sehr profitieren wird.“ Foto: Huck

Chemiker
ausgezeichnet
C hristian Huck, Universitätsprofessor am
Institut für Analytische Chemie und Ra-
diochemie der Uni Innsbruck, wurde Ende
September anlässlich der Scix-2021-Kon-
ferenz in Providence für seine herausra-
genden Forschungsleistungen und Beiträge
Rektor Tilmann Märk,
auf dem Gebiet der analytischen Chemie mit
Kai Langenbach
Fokus auf Schwingungsspektroskopie der
Abteilungsvorstand
diesjährige Fellow-Award der Society of Ap-
Rainer Seyrling vom
plied Spectroscopy (SAS) verliehen. Die SAS
Land Tirol und
ist die weltweit bedeutendste Vereinigung
Dekan Hubert Huppertz (v. l).
Foto: Uni Innsbruck
für Spektroskopie mit Sitz in den USA und
zeichnet jährlich außerordentliche Leis-
tungsträger aus.
hautnah
19. Oktober, 18.30 Uhr 11. November 2021, 19 Uhr
Ringvorlesung: Die NS-Medizin, ih- Verortung und Perspektiven im Alpen-
re Kontexte und Nachgeschichte: das 20. Oktober, 12.30 Uhr Tourismus
Beispiel von Burghard Breitner (1884- Aurora Talks: Perspektiven für Eu- Es diskutieren: Ambros Gasser, Harald
1956) ropa! Im Gespräch mit dem luxem- Pechlaner, Rike Stotten. Moderation: Ma-
Die Leopold-Franzens-Universität Inns- burgischen Außenminister Jean ria Retter; Veranstalter: WuV – ARBEITS-
bruck und die Medizinische Universität Asselborn KREIS WISSENSCHAFT & VERANTWORT-
Innsbruck stellen sich mit Unterstützung In Kooperation mit dem luxem- LICHKEIT. Infos zu diesem und weiteren
der Stadt Innsbruck im Rahmen einer burgischen Honorarkonsul für Tirol Terminen: www.uibk.ac.at/wuv/ Die Bä-
Online-Ringvorlesung einem herausfor- und Vorarlberg begrüßt die Univer- ckerei - Kulturbackstube, Dreiheiligen-
dernden Kapitel der Innsbrucker NS- sität Innsbruck den Außenminister straße 21 a, Innsbruck
Geschichte. Neben Studierenden beider des Großherzogtums Luxemburg,
Innsbrucker Universitäten ist eine brei- Jean Asselborn, zu einem Vortrag 16. November, 18 Uhr
te Öffentlichkeit eingeladen, an den Vor- samt Podiumsdiskussion unter dem 68. Innsbrucker Gender Lecture: Was
trägen im Wintersemester 2021/22 teil- Titel „Perspektiven für Europa!“. wissenschaftliche Experimente über
zunehmen. Weitere Termine und Link: Die Veranstaltung ist Teil der Ring- Diskriminierung bei der Stellenbeset-
short.uibk.ac.at/ns-medizin vorlesung „Cultural Encounters and zung verraten
Conflicts: Doing Diversity in High- Mit Univ.-Prof.in Dr.in Doris Weichsel-
27. und 28. Oktober er Education“ im Rahmen der Au- baumer (Institut für Frauen- und Ge-
Bild, Ton, Sprachtransfer – Aktuelle rora European Universities Alliance schlechterforschung, Johannes Kepler
Tendenzen der Audiovisuellen Überset- und wird in Kooperation mit dem Universität Linz). Hörsaal 5 ¾, Campus
zung Forschungsschwerpunkt „Kultu- Innrain, Innrain 52 e, Innsbruck
Internationale und interdisziplinäre On- relle Begegnungen – Kulturelle
line-Tagung des Instituts für Translati- Konflikte“ organisiert. Livestream: 30. November, 17.30 Uhr
onswissenschaft. Teilnahme für alle In- bit.ly/auroratalks Frankreich-Tag 2021
teressierten via Zoom möglich. Weitere Der interdisziplinäre Frankreich-Schwer-
Informationen und Anmeldung unter punkt der Universität Innsbruck verleiht
bit.ly/bild-ton-sprachtransfer die Frankreich-Preise 2021. Die Veranstal-
4. bis 6. November tung wird auch gestreamt. Weitere Infos:
28. Oktober, 19 Uhr Ver-/Störende Orte www.uibk.ac.at/frankreichschwerpunkt/.
Staat · Religion · Gesellschaft Eine von Institut für Zeitgeschichte und Claudiana, Herzog-Friedrich-Straße 3,
Start der Vortragsreihe der fünf Länder- Archiv für Bau.Kunst.Geschichte der Uni- Innsbruck
zentren der Universität Innsbruck zum versität Innsbruck in Zusammenarbeit mit
Thema Staat · Religion · Gesellschaft mit der Kunstuniversität Linz und dem Haus
dem Vortrag „Canada’s Secularism Rift“ der Geschichte Österreich veranstalte Ta-
von Daniel Marc Weinstock (McGill Uni- gung beschäftigt sich mit dem Umgang Alle Links finden
versity). Die Vorträge werden live ge- mit NS-kontaminierten Gebäuden. Wei- Sie hier:
streamt. Weitere Infos und Link: bit.ly/ tere Infos zu Programm und Anmeldung: https://www.uibk.ac.at/
staatreligiongesellschaft bit.ly/verstoerendeorte linklist/

Corona verstehen.
Die Pandemie aus der Sicht der Geistes-, Kultur- und


Sozialwissenschaften / Take 2
21. – 22.
OKTOBER
Universität Innsbruck, Kaiser-Leopold-Saal
Hybride Präsenzveranstaltung mit Livestream

Wissenschaftler*innen beleuchten die Covid-19-Pandemie, die


unterschiedlichen Erfahrungen und Narrative, die vielfältigen Folgen
und Auswirkungen und werfen so Schlaglichter auf Corona als ein
© BfÖ 2021

gesellschaftliches, politisches, kulturelles und wirtschaftliches Phänomen.

Weitere Infos und Programm:


www.uibk.ac.at/congress/corona-verstehen/

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