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Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion Dezember 2017


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cadastre
F  achzeitschrift für das schweizerische Katasterwesen

Wertzuwachs und Werterhalt: Die amtliche


Vermessung dient unserem Wohlstand.

swisstopo
wissen wohin

ÖREB-Server (pyramid_oereb) Der ÖREB-Server ist ein hoch konfigurierbarer und generischer Prozessor,
der aus den bereitgestellten Geobasisdaten und Rechtsvorschriften der öffentlich-rechtlichen Eigentums-­
beschränkungen (ÖREB) einen DATA-Extract erzeugt. Er wurde als «Pyramid Plugin» entwickelt und ist als
4

Open-Source-Software frei verfügbar. ► Seite 8


Stockwerkeigentum: Alles, was Recht ist! Gemäss Artikel 667 ZGB erstreckt sich das Eigentum an
Grund und Boden nach oben in den Luftraum und nach unten in das Erdreich, soweit für die Ausübung des
Eigentums ein Interesse besteht. Im Projekt «Digitale Dokumentation Stockwerkeigentum (DigDok StWE)»
wird erarbeitet, welche Rechte heute betreffend Stockwerkeigentum dokumentiert und wie sie zukünftig in
der amtlichen Vermessung abgebildet werden können. ► Seite 16
Open Government Data – Der Kanton Zürich geht online Das Geografische Informationssystem des
Kantons Zürich verwaltet eine riesige Menge von raumbezogenen Daten, welche die kantonale Verwaltung
zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben in hoher Qualität erfasst und verarbeitet. Ab Anfang 2018 werden
diese Geodaten nun unter Open Government Data veröffentlicht. ► Seite 14
Standards für den Datenaustausch im Objektwesen Ein reibungsloser Datenaustausch ist eine Grund-
voraussetzung für ein funktionierendes E-Government. Der Verein eCH hat eine Reihe von Standards publi-
ziert. ► Seite 12

Schweizerische Eidgenossenschaft Bundesamt für Landestopografie swisstopo


Confédération suisse www.swisstopo.ch
Confederazione Svizzera
Confederaziun svizra
cadastre Nº 25, Dezember 2017

Inhalt

Wertzuwachs und Werterhalt: Die amtliche


Editorial3
Vermessung dient unserem Wohlstand.

Fachbeiträge

  «Basel tickt anders» – auch in Sachen Publikationsorgan im Rahmen
der Einführung des ÖREB-Katasters  4 –  7


  ÖREB-Server (pyramid_oereb)  8 – 10
Die neue Informationsbroschüre der amtli-

  Monitoring des volkswirtschaftlichen Nutzens der Daten der
4 5

chen Vermessung der Schweiz: Wert und


Nutzen in Bild und Botschaft.
amtlichen Vermessung 2016  11


  Standards für den Datenaustausch im Objektwesen  12 – 13


  Open Government Data – Der Kanton Zürich geht online  14 – 15


  Stockwerkeigentum: Alles, was Recht ist!  16 – 21

Impressum cadastre

  Think Tank «Dimension cadastre»: Ein aussergewöhnliches Abenteuer
Redaktion: geht zu Ende 22  –  23
Karin Markwalder, Elisabeth Bürki G
­ yger
und Marc Nicodet ►
  SwissGeoLab – ein erstes Jahr voller Begegnungen mit der Schweizer Jugend!  24 – 25
Auflage:
1600 deutsch  /  700 französisch
Erscheint: 3 x jährlich Mitteilungen
Adresse der Redaktion: ►
  Neu festgeschrieben: die Fortbildung der im Geometerregister eingetragenen
Bundesamt für Landestopografie
Ingenieur-Geometerinnen und Ingenieur-Geometer  26
swisstopo
Geodäsie und Eidgenössische
Vermessungsdirektion

  Neu patentierte Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer 2017 –
Seftigenstrasse 264 Patentübergabe in feierlichem Rahmen  27
3084 Wabern
Telefon 058  464 73 03 ►
  Informationsbroschüre «Die amtliche Vermessung der Schweiz: eine Basis für
infovd@swisstopo.ch Sicherheit und Wohlstand.»  28
www.cadastre.ch

  Empfehlung für die Anwendung geometrischer Transformationsmethoden in
der amtlichen Vermessung  29
ISSN 2297-6086
ISSN 2297-6094 ►
  Informationsveranstaltung ÖREB-Kataster 2017: Rückblick  30 – 31


  Neue Steuergruppe BIM – Geodaten  32


  Kreisschreiben und Express: jüngste Veröffentlichungen  32


Veranstaltungen und Weiterbildung

  Staatsexamen 2018 zur Erlangung des Geometerpatents  33


  Kolloquien des Bundesamtes für Landestopografie swisstopo 2018 33


  Spirgarten 2018  34


  Seminar «Öffentliches Recht und Verwaltungsrecht»  34


  GEOSummit: Nationale Messe und Kongress der GEO-Welt 35

Legende

  Amtliche Vermessung

  ÖREB-Kataster

  Allgemeine Artikel

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cadastre Nº 25, Dezember 2017

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, schen Bund und Kantonen», ist derzeit in Vernehmlassung bei den
Kantonen. Trotzdem muss unser Führungssystem uns zum Beispiel
Seit einiger Zeit zeigen sich in diversen Re-­ ermöglichen, noch reaktionsfähiger zu werden. Wir müssen schnel-
gionen Europas – Katalonien, Lombardei, ler auf die Marktbedürfnisse reagieren können, als wir es heute tun.
­Venetien, Schottland, um nur jene mit der Und, in Übereinstimmung mit der Aussage des kanadischen Bot-
grössten Medienpräsenz zu nennen – Unab- schafters: Wir sollten die zahlreichen Erfahrungen aus den Kantonen
hängigkeitsgelüste und Versuche, sich vom und die vielfältigen Kompetenzen, die in engem Kontakt zum Markt
Zentralstaat zu emanzipieren. entwickelt wurden, besser nutzen.
Auch in der Schweiz wird unser Grundprin- Die globalen Phänomene, die derzeit unsere Gesellschaft und Welt-
zip – unser berühmter Föderalismus – immer wieder analysiert wirtschaft durchschütteln, wie die digitale Revolution, der durch
und hinterfragt. Ende Oktober fand in Montreux die 5. Nationale GAFA (Akronym der Webgiganten Google, Apple, Facebook und
­Föderalismuskonferenz mit über vierhundert Vertreterinnen und Amazon) verkörperte Übertritt ins digitale Zeitalter, die Uberisierung,
­Vertretern aus Politik, Bildung und Wirtschaft statt. Beleuchtet die Entstehung von Big Data, die Neugestaltung vieler Prozesse
­wurde die zentrale Fragestellung «Wird die Schweiz in 50 Jahren durch die Blockchain-Technologie oder auch die Implementierung
­immer noch föderalistisch sein?». Die Konferenzteilnehmenden von BIM (Buidling Information Modelling), treffen auch uns mit
­befassten sich zwei Tage lang mit historischen Wendepunkten und ­voller Wucht; wir müssen angemessene Antworten darauf finden.
aktuellen Be­wegungen, welche die Entwicklung des Föderalismus Entsprechende Denkansätze werden übrigens auch vom Think Tank
beeinflussen, diskutierten über die Zukunft des historischen Drei- «Dimension Cadastre» in seiner jüngsten Publikation «Die vorge-
stufenmodells, über den Einfluss der globalen Herausforderungen zeichneten Wege der Digitalisierung» dargelegt. Die Publikation ist
auf die föde­ralistischen Strukturen sowie über die Bedeutung diesem «cadastre» beigelegt.
des Föderalismus für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der
Keiner der jetzigen Partner im schweizerischen Katasterwesen kann
Schweiz. Sie kamen schliesslich zu folgendem Ergebnis, das als «Er-
sich den anstehenden Aufgaben allein stellen. Genau deshalb er-­
klärung von Montreux» festgehalten wurde: «Der Föderalismus:
geben die Aussagen von Bundesrätin Sommaruga vollkommen Sinn:
die Stärke der Schweiz».
Gespräche und verstärkte Zusammenarbeit sind unabdingbar, um
Die grosse Mehrheit der Teilnehmenden betonte die äusserst posi-­ all diese Herausforderungen zu bewältigen. Gerade um den Dialog
tiven Aspekte des Föderalismus. Von den vielen Aussagen politischer mit den Kantonen aufzunehmen, wurden diese vom Bundesamt
Vertreter sind vor allem zwei besonders erwähnenswert. Für Ehren- für Landestopografie swisstopo Ende September zu einem «Geoin-
gast Stéphane Dion, derzeitiger Botschafter von Kanada (eines der formationstag» eingeladen. Dabei wurde die Notwendigkeit, die
grössten föderalistischen Länder der Welt) in Berlin und Sonderge- amtliche Vermessung durch verbesserte Zusammenarbeit und Ver-
sandter für die Europäische Union, ist der Föderalismus «ein zutiefst meidung von Doppelspurigkeiten zu stärken, weitgehend aner-
humanes System, das es ermöglicht, gemeinsames Handeln und un- kannt. All dies muss Teil einer gross angelegten, strategischen Vision
terschiedlichste Erfahrungen miteinander zu verbinden»; und Bun- werden, die auf dem Service public-Gedanken basiert. Denn be-
desrätin Simonetta Sommaruga betonte, dass es ohne Debatte kei- stimmte Geodaten sind tatsächlich von übergeordnetem öffentli-
nen Föderalismus geben kann. chen Interesse und müssen weiterhin in der Verantwortung des
Während zweier Tage wurde also dem Föderalismus «der Puls ge- Staates bleiben. Ausserdem sollten die Behörden auf allen Ebenen
fühlt» – und es zeigte sich, dass er quicklebendig ist. Aber auch, (Bund, Kantone, Städte und Gemeinden) zusammen mit Fachleuten
dass er sich weiterentwickeln, anpassen und sich ständig hinterfra- an dieser Entwicklung beteiligt sein, um in den Augen von Politik
gen muss, um dem Zahn der Zeit, internationalem Druck und glo- und Öffentlichkeit an Legitimität zu gewinnen.
balen Herausforderungen standzuhalten. Die ersten Diskussionsgrundlagen für eine Umsetzung einer neuen
Doch was hat das mit unserer Tätigkeit zu tun? Nun, das schweize- Form der Zusammenarbeit sind nun gelegt, dieses Thema wird im
rische Katasterwesen illustriert die föderalistische Struktur auf per- nächsten Jahr prioritär angegangen. Es ist eine spannende Heraus-
fekte Weise. Doch obwohl wir seit über 100 Jahren so funktionie- forderung; ich bin überzeugt, dass es uns gemeinsam durch einen
ren, müssen auch wir unsere Handlungsweise im institutionellen konstruktiven und intensiven Dialog gelingen wird, ein optimales
Rahmen überdenken, damit wir uns besser an die gesellschaftliche Führungssystem zu finden.
Entwicklung anpassen und darauf reagieren können.
Nun wünsche ich Ihnen allen und Ihren Familien und Angehörigen
Die Funktionsweise der beiden Verbundaufgaben zwischen Kanto- frohe Weihnachten und ein gutes und glückliches Neues Jahr!
nen und Bund – die amtliche Vermessung und der Kataster der
­öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen – wird im jüngsten Marc Nicodet, pat. Ing.-Geom.
Bericht der Eidgenössischen Finanzverwaltung nicht in Frage ge- Leiter Bereich «Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion»

stellt. Dieser, als Antwort auf die Motion «Aufgabentrennung zwi-

3
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

«Basel tickt anders» – auch in Sachen


Publikationsorgan im Rahmen der Einführung
des ÖREB-Katasters

Im Rahmen des Schwergewichtsprojekts «Publikationsorgan» wurde das Zusammenspiel des


Katasters der öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen (ÖREB-Kataster) mit dem Publi-
kationsorgan in rechtlicher Hinsicht – sowohl die kantonale wie die Bundesgesetzgebung be-
treffend – geprüft. Die daraufhin entwickelte «Basler Lösung» wird nachfolgend vorgestellt.

Einleitung Lancierung des Schwergewichtsprojekts zum


In der Verordnung des Bundes über den Kataster der ­Publikationsorgan
­öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen Zur Vertiefung der vorstehend beschriebenen und wei-
­(ÖREBKV) ist in Artikel 16 vorgesehen, dass die Kantone terer rechtlicher Fragestellungen im Zusammenhang mit
vorsehen können, dass dem Kataster für einzelne öf- dem ÖREB-Kataster als Publikationsorgan wurde auf
fentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen die Funk- ­Anregung des Grundbuch- und Vermessungsamts des
tion als amtliches Publikationsorgan zukommt.1 Diese Kantons Basel-Stadt (GVA) durch das Bundesamt für
Gesetzesbestimmung war nun wiederum unter anderem Landestopografie swisstopo im August 2016 das Schwer-
Anlass dafür, dass im Schrifttum zum Geoinformations- gewichtsprojekt SGP17-BS in Auftrag gegeben. Das
recht von Teilen der Lehre die Ansicht vertreten wird, GVA, namentlich Herr Dr. Amir Moshe, Grundbuchver-
dass der Kataster der öffentlich-rechtlichen Eigentums- walter und Leiter Recht des GVA, und Herr Prof. Dr. Tho-
beschränkungen (ÖREB-Kataster) lediglich dann seine mas Sutter-Somm, Ordinarius für Zivilrecht und Zivil-­
volle Wirkung entfalten könne, wenn dem Eintrag der prozessrecht an der Universität Basel, sollten im Rahmen
öffentlichen-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen des genannten Schwergewichtsprojekts das Zusammen-
im ÖREB-Kataster im Sinne des absoluten Eintragungs- spiel des ÖREB-Katasters mit dem bestehenden Publika-
prinzips des Grundbuchs (Art. 972 Abs. 1 ZGB) eine kon- tionsorgan, dem Kantonsblatt, und den Einfluss des
stitutive Wirkung und mithin rechtsbegründende Wir- ÖREB-Katasters als Publikationsorgan auf die kantonale
kung zukäme.2 Folgte man nun diesem Teil der Lehre, Fachgesetzgebung analysieren. Allfällige Widersprüche
so bestünde ein offensichtlicher Widerspruch zu der Vor- zum Bundesrecht, insbesondere zu Artikel 680 Absatz 1
schrift von Artikel 680 ZGB, die da besagt, dass öffent- ZGB, sollten aufgezeigt und Lösungsansätze erarbeitet
lich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen ohne Eintra- werden.
gung im Grundbuch bestehen3, mit der Folge, dass dem
Der Projektverlauf des Schwergewichtsprojekts zum
Eintrag in das Grundbuch in Anlehnung an das relative
­Publikationsorgan gestaltete sich wie folgt:
Eintragungsprinzip bloss aber immerhin (vgl. Art. 656
• Einleitung des Projekts mit Projektbeschrieb am
Abs. 2 ZGB) deklaratorische Wirkung zukommt. Vor dem
18. August 2016 unter dem Titel «Rechtliche Abklä-
Hintergrund der in der Lehre postulierten Prämisse, dass
rung zum ÖREB-Kataster als Publikationsorgan»
der ÖREB-Kataster zum Grundbuch komplementär sei 4
• Kick-off-Sitzung am 16. September 2016 mit den
oder vice versa sowie dass die öffentlich-rechtliche Eigen-
­Teilnehmern S. Rolli, Prof. Dr. Th. Sutter-Somm,
tumsbeschränkungen unbestritten gesetzliche Eigen-
Dr. A. Moshe, Ch. Käser und D. Kettiger, an welcher
tumsbeschränkungen im Sinne von Artikel 680 Absatz 1
­namentlich Vorgehen, Meilensteine und Finanzie-
ZGB sind, muss letztere Vorschrift unweigerlich auch für
rungsfragen besprochen worden sind
den ÖREB-Kataster zur Anwendung gelangen.
• Erste Informationsveranstaltung in Olten am 8. No-
1
Vgl. den Wortlaut von Art. 16 ÖREBKV: «Die Kantone können vorschrei- vember 2016, an welcher Dr. A. Moshe einen Vortrag
ben, dass dem Kataster für bestimmte öffentlich-rechtliche Eigentums- mit dem Titel «Eine juristische Aussenansicht, ins-­
beschränkungen die Funktion als amtliches Publikationsorgan zukommt.»
2
besondere i. S. ÖREB-Kataster als Publikationsorgan»
So etwa Huser, Publikation von Eigentumsbeschränkungen – neue Re-
geln, in: Baurecht (4 /  2010), S. 169 ff., S. 175; in diesem Sinne auch
­gehalten hat
Steinauer, Droit de la construction et systèmes d’information du terri- • Erstellung eines Factsheets 5 durch Dr. A. Moshe, das
toire, in: Gauchs Welt, FS für Peter Gauch, 2004, S. 917 ff., S. 927; die wichtigsten Thesen und Fragestellungen zusam-
HUSER, Baubeschränkungen im Grundbuch, in: Baurecht 2016, S. 197
ff., S. 205; a. M. Jeannerat / Moor, PraxKomm. RPG: Nutzungsplanung, menfasste und erste Lösungsansätze skizzierte
Art. 14 RPG N 84. • Erstes Review des Schwergewichtsprojekts am
3
Statt vieler Rey/Strebel, BS-Komm., Art. 680 ZGB N 2; Schmid /  Hürliann- 20. März 2017
Kaup, Sachenrecht, Rz. 688; Von Fischer Lehmann, HandKomm. ZGB,
Art. 680 ZGB N 2 f.
4 5
Vgl. etwa Arnet, KurzKomm. ZGB, Art. 962 ZGB N 4; Schmid-Tschirren, Factsheet i. S. ÖREB-Kataster, insbesondere Publikationsorgan vom
Neuerungen im Immobiliarsachenrecht, in: AJP/ PJA 2012, S. 1503 ff., 7. März 2017, abrufbar unter www.gva.bs.ch /geoinformation.html  
S. 1509; vgl. auch Art. 16 Abs. 1 GeoIG. ÖREB-Kataster  Dokumente.

4
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Entwurf

Kantons-  /Amtsblatt ÖREB-Katasterportal

P H
Geometrie und
Öffentliche Auflage Publikation Verweis
Rechtsvorschriften
Basler Lösungsmodell
schematisch

P H
Festsetzung / Geometrie und
Publikation Verweis
Genehmigung Rechtsvorschriften

P Projektiert R H
Geometrie und
R Rechtskräftig Rekursfrist
Rechtsvorschriften
H Historisiert

• Informationsveranstaltung in Bern am 27. April 2017 zum Kantonsblatt oder vice versa verwendet. Die prak-
mit einem Referat von Dr. A. Moshe zum Thema tische Umsetzung richtet sich dabei nach folgender
­«Juristische Aspekte betreffend ÖREB-Kataster, ins-­ ­Kaskade:
besondere Publikationsorgan»6 • In einem ersten Schritt werden die die öffentlich-­
• Zweites Review des Schwergewichtsprojekts am rechtlichen Eigentumsbeschränkungen begründenden
31. Mai 2017 Rechtsvorschriften vor Eintritt der Rechtskraft bzw.
• Einreichung des Schlussberichts von Herrn Dr. Amir ­deren Vollstreckbarkeit mit einem Verweis auf den
Moshe am 28. Juli 2017 7 an swisstopo als Auftrag-­ ÖREB-Kataster im digitalen Kantonsblatt publiziert.
geber und Genehmigung des Schlussberichts durch • Parallel dazu erfolgt der Eintrag der Geometrie der
die swisstopo in Person von Herrn Ch. Käser und ­öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkung mit den
­Abschluss des Projekts am 4. August 2017. korrelierenden, bereits vorliegenden Rechtsvorschrif-
ten und gesetzlichen Grundlagen im ÖREB-Kataster-
Basler Lösungsmodell zum Publikationsorgan portal mit dem Vermerk, dass es sich dabei um einen
Der als Ergebnis des Schwergewichtsprojektes SGP17-BS noch nicht definitiven Eintrag handelt. Die Fachämter
ausgearbeitete Lösungsansatz, welcher in seinen Grund- sind dabei frei zu entscheiden, ob sie nach der Publi-
zügen bereits in dem von Herrn Dr. Amir Moshe am kation im Kantonsblatt bzw. vor dem noch nicht defi-
7. März 2017 erstellten Factsheet aufgezeigt worden war, nitiven Eintrag im ÖREB-Kataster die jeweiligen Geo-
wurde von der Projektleitung ÖREB-Kataster Basel-Stadt metrien und  /oder Rechtsvorschriften nochmals vom
sowie im Anschluss an das 1. Review vom 20. März 2017 ÖREB-Katasterportal entfernen oder diese bis zum
von den Herren Christoph Käser, Daniel Kettiger und ­Eintritt der Rechtskraft als provisorischen Eintrag im
Prof. Dr. Thomas Sutter-Somm als sehr guter und prakti- ÖREB-Kataster belassen wollen.
kabler Lösungsweg befunden. • Sobald die öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschrän-
kungen in Kraft getreten bzw. vollstreckbar sind, wer-
Der Kanton Basel-Stadt verzichtet darauf, den ÖREB-Ka-
den diese in einem zweiten Schritt von der zuständi-
taster als (zusätzliches) Publikationsorgan zu verwenden.
gen Fachstelle im ÖREB-Kataster auf definitiv gesetzt.
Vielmehr werden die die öffentlich-rechtlichen Eigen-
• Sämtliche Dokumente (Rechtsvorschriften und gesetz-
tumsbeschränkungen begründenden Rechtsvorschriften
liche Grundlagen) und publizierte Geometrien werden
wie bis anhin im Publikationsorgan, dem Kantonsblatt
historisiert und sind somit jederzeit öffentlich einseh-
des Kantons Basel-Stadt, publiziert. Ab dem 1. Januar
bar.
2019 wird das Kantonsblatt des Kantons Basel-Stadt
­digital betrieben8 und nicht mehr wie bislang in analo- Die Grafik dient der Veranschaulichung des obenge-
ger Form. Der ÖREB-Kataster wird dabei als Hilfsmittel nannten Lösungsmodells des Kantons Basel-Stadt.

6
  Vgl. Präsentation «Juristische Aspekte betreffend ÖREB-Kataster, insbe-
sondere Publikationsorgan» vom 27. April 2017, abrufbar unter:
www.gva.bs.ch/geoinformation.html  ÖREB-Kataster  Präsentationen.
7
Vgl. Schlussbericht zum Schwergewichtsprojekt i. S. ÖREB-Kataster Nr.
SGP17-BS (Publikationsorgan) vom 28. Juli 2017, abrufbar unter:
www.gva.bs.ch/geoinformation.html  ÖREB-Kataster  Dokumente
8
Vgl. Regierungsratsbeschluss Nr. P160479 vom 24. Januar 2017 zum
­Publikationsgesetz des Kantons Basel-Stadt.

5
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Vorteile des «Basler Lösungsmodells» als reine Informationsplattform einerseits und dem


Im folgenden Kapitel sollen die mannigfachen Vorteile rechtsbegründenden Publikationsorgan in Gestalt des
des «Basler Lösungsmodells» betreffend die Anwen- Kantonsblatts andererseits stattfindet. Diese Unter-­
dung des Publikationsorgans im Rahmen der Einführung scheidung wiederum hat Auswirkung auf zahlreiche
des ÖREB-Katasters skizziert werden: rechtliche G­ egebenheiten wie etwa betreffend die
rechtliche Wirkung des ÖREB-Kataster, die zur Anwen-
a) Bundesrechtskonformität und marginale Anpas- dung gelangenden Haftungsnormen – während für
sung bestehender Fachgesetzgebung die Katasterführung im engeren Sinn die bundesrecht-­
Ein wichtiger Vorteil des «Basler Lösungsmodells» in der liche Haftungsnorm von Artikel 18 GeoIG zur Anwen-
Verwendung des ÖREB-Katasters als ergänzendes Hilfs- dung gelangt, finden für alle übrigen Handlungen
mittel zum Kantonsblatt oder vice versa besteht insbe- ­betreffend der ÖREB-Kataster die Staatshaftung des
sondere darin, dass dieser Lösungsansatz bundesrechts- Kantons Basel-Stadt Anwendung – und die massge-­
konform ist und im Einklang mit Artikel 680 Absatz 1 benden gesetz­lichen Rechtsvorschriften.
ZGB steht.
e) Verwendung nur eines Publikationsorgans
Ferner dürfte ein weiterer gewichtiger Vorteil sein, dass
Der Bund sieht eine Lösungsvariante vor, bei welcher
durch die Basler Lösung – im Unterschied zur Lösung
für den ÖREB-Kataster zwei Rollen vorgesehen sind.
des Bundes – nur eine marginale Anpassung der Fach-
­Einerseits soll der ÖREB-Kataster als Informationssystem
gesetzgebung notwendig ist. Bei der Umsetzung der
verwendet werden, in welchem die rechtskräftigen Da-
bundesrechtlichen Lösung, bei welcher dem ÖREB-Kata-
ten einer öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkung
ster dingliche Wirkung zukommt, müssten hingegen
publiziert werden. Andererseits soll der ÖREB-Kataster
viele Fachgesetze und -verordnungen angepasst wer-
als Publikationsorgan für gewisse öffentlich-rechtliche
den.
Eigentumsbeschränkungen fungieren können. Dies wür-
de bedeuten, dass es zwei Publikationsorgane, eines
b) Reiner Informationscharakter des
für die öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen
ÖREB-Katasters
(ÖREB-Kataster) und eines für alles andere zu Publizie-
Wie bereits in der Botschaft zum GeoIG 9 statuiert,
rende (Kantonsblatt) geben würde. Eine solche Konstel-
kommt dem eigentlichen ÖREB-Kataster reiner Informa-
lation entspricht nicht der nötigen Rechtssicherheit und
tionscharakter zu, ohne Rechtswirkungen für die in
Benutzerfreundlichkeit, welche mit Einführung des
­diesem geführten öffentlich-rechtlichen Eigentumsbe-
ÖREB-Katasters erreicht werden sollten. Um dies zu ge-
schränkungen zu begründen.10
währleisten, bräuchte es beispielsweise einen Disclaimer
im herkömmlichen Publikationsorgan, welcher auf den
c) Gleichbehandlung sämtlicher öffentlich-recht-­
ÖREB-Kataster verweist. Da im Kanton Basel-Stadt auf
licher Eigentumsbeschränkungen
die Verwendung verschiedener Publikationsorgane
Nach dem hier postulierten Lösungsansatz kommt sämt-
­verzichtet wird, werden Abgrenzungsschwierigkeiten
lichen öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen
vermieden und die Benutzerfreundlichkeit, die nötige
einheitlich, sei es, dass sie im Grundbuch eingetragen
Rechtssicherheit sowie die Transparenz weiterhin ge-
sind, sei es, dass sie im ÖREB-Kataster geführt werden,
währleistet.
eine rein deklaratorische und mithin nicht rechtsbegrün-
dende Wirkung zu, sodass im Unterschied zu Teilen der
Lehre eine heterogene Behandlung der öffentlich-recht- Exkurs: Die zwei unterschiedlichen Funktionen
lichen Eigentumsbeschränkungen (deklaratorische im des ÖREB-Katasters
Grundbuch und konstitutive im ÖREB-Kataster) gerade In der Botschaft zum GeoIG, den rubrizierten gesetzli-
vermieden werden kann. chen Vorschriften und der gängigen Literatur ist ohne
jegliche Differenzierung gängig von dem ÖREB-Kataster
d) Führung nur eines (Informations-)Katasters die Rede. So wird denn wie bereits erwähnt in Arti-­
Ein weiterer gewichtiger Vorteil des «Basler Lösungs- kel 16 ÖREBKV bloss und nichts aussagend festgehalten,
modells» dürfte sein, dass bei diesem konsequent eine dass die Kantone für bestimmte öffentlich-rechtliche
Trennung zwischen dem eigentlichen ÖREB-Kataster ­Eigentumsbeschränkungen vorschreiben können, dass
dem Kataster die Funktion eines Publikationsorgans zu-
9
kommt. Im Verlaufe des Schwergewichtsprojekts zum
Bundesgesetz über Geoinformation (Geoinformationsgesetz, GeoIG),
SR 510.62 Publikationsorgan hat sich alsdann herausgestellt, dass
10
Vgl. Botschaft zum GeoIG, BBl 2006, S. 7856 es nicht bloss einen ÖREB-Kataster gibt, sondern deren

6
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

zwei bzw. dieser zwei unterschiedliche Funktionen mit Schlussbemerkungen


unterschiedlicher Wirkung innehat. Die Notwendigkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit
und Wirksamkeit des ÖREB-Katasters ist aus konzeptio-
Wie bereits an anderem Ort erwähnt und in der Bot-
nellen Überlegungen sowie nicht zuletzt in Anlehnung
schaft zum GeoIG festgehalten11, ist der ÖREB-Kataster
an die Erfahrungsberichte der Pilotkantone zweifellos zu
eine betreffend öffentlich-rechtliche Eigentumsbe-
bejahen.12 Betreffend die Wirksamkeit und die Funktion
schränkungen zum Grundbuch komplementäre Infor-
des ÖREB-Katasters muss – wie bereits eingehend im
mationsplattform. Wenn nun ein Teil der Lehre die
Rahmen des Schwergewichtsprojekts SGP17 des Kan-
­Ansicht vertritt, dass dem ÖREB-Kataster in der Funktion
tons Basel erörtert – stringent zwischen dem eigentlichen
als Publikationsorgan – im Unterschied zum Grund-­
obligatorischen ÖREB-Kataster in Gestalt einer Informa-
buch – rechtsbegründende Wirkung zukäme, so wird
tionsplattform und dem fakultativen ÖREB-Kataster in
gerade verkannt, dass nicht etwa der eigentliche ÖREB-
Gestalt eines rechtsbegründeten Publikationsorgans dif-
Kataster Rechtswirkung generiert, sondern das flankie-
ferenziert werden, da diese Unterscheidung wiederum
rende Publikationsorgan wiederum in Gestalt des
massgebende Auswirkung auf die zwei unterschiedli-
­ÖREB-Katasters.
chen Funktionalitäten des ÖREB-Katasters hat sowie auf
Aufgrund des Gesagten gilt es, mithin strikt den ÖREB- die Anwendbarkeit der Artikel 17 GeoIG13 (Fiktion der
Kataster als eigentliche Informationsplattform einer-­ Kenntnis des Inhalt des ÖREB-Katasters) und Artikel 18
seits und den ÖREB-Kataster als rechtsbegründendes GeoIG (Haftung), die beide nur auf den ÖREB-Kataster
­Publikationsorgan andererseits auseinander zu halten. in seiner Funktion als Informationsinstrument Anwen-
Den Gesetzesredaktoren und der rubrizierten Literatur dung finden. Der Bund bzw. swisstopo hat auf diese
ist diese notwendige und wichtige Differenzierung ­Erkenntnisse aus dem Schwergewichtsprojekts SGP17
­gerade noch nicht geglückt. Vollzieht man nun konse- des Kantons Basel reagiert und veranlasst, dass diese
quent diese Trennung von Informationsplattform und ­gewichtige Unterscheidung in der aktuell in Revision be-
Publikationsorgan, so steht die bundesrechtliche Lö- findlichen ÖREBKV neu zum Ausdruck kommt.
sung (swisstopo) denn auch nicht im Widerspruch zur
Vorschrift Artikel 680 Absatz 1 ZGB, da die die öffent- Amir Moshe, Dr. iur.
lich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen begründen- Grundbuch- und Vermessungsamt des Kantons Basel-Stadt
amir.moshe@bs.ch
den Rechtsvorschriften im Rahmen des ÖREB-Katasters
als Publikationsorgan rechtskräftig werden, um dann
eine logische Sekunde später in den ÖREB-Kataster als
Informationssystem transferiert zu werden.

Bei der Lösung des Bundes (swisstopo), der sich gemäss


der Review-Sitzung vom 31. Mai 2017 auch andere
­Kantone wie der Kanton Genf bedienen werden, scheint
es fraglich, ob diese doch gewichtige Trennung von
­Informationssystem und Publikationsorgan in der Praxis
konsequent und klar vollzogen werden kann. Gelingt
diese Unterscheidung nicht oder nur unvollständig, so
hätte dies wiederum insbesondere betreffend die Haf-
tung einschlägige Konsequenzen, da für die Kataster-
führung im engeren Sinn die bundesrechtliche Haftungs-
norm von Artikel 18 GeoIG zur Anwendung gelangt,
hingegen für alle übrigen Handlungen – wie auch alle
rechtlichen Handlungen betreffend das Publikations-­
organ – betreffend der ÖREB-Kataster die kantonale
Staatshaftung Anwendung findet.

12
Vgl. Schwenkel /  Knubel / Schwegler / Rieder, ÖREB-Kataster: Ergebnisse
der Evaluation 2016  / 2017, in: «cadastre» (24  /  2017), S. 8 f.
13
Dieses Prinzip entspricht der Vorschrift von Art. 970 Abs. 4 ZGB, welche
die Fiktion der Kenntnis des Grundbucheintrags regelt; vgl. statt vieler
11
Vgl. Botschaft zum GeoIG, BBl 2006, S. 7856. Schmid /  Hürlimann-Kaup, Sachenrecht, Rz. 459 f.

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Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

ÖREB-Server (pyramid_oereb)

Der ÖREB-Server ist ein hoch konfigurierbarer und generischer Prozessor, der aus den bereit-
gestellten Geobasisdaten und Rechtsvorschriften der öffentlich-rechtlichen Eigentumsbe-
schränkungen (ÖREB) einen DATA-Extract erzeugt. Er kann Daten aus verschiedenen Quellen
entgegennehmen und gemäss den Bundesvorgaben aufarbeiten. Der ÖREB-Server wurde
als «Pyramid Plugin» entwickelt und ist als Open-Source-Software frei verfügbar.

Einleitung Was bietet der ÖREB-Server?


Im Kanton Basel-Landschaft wird der Kataster der öf- Der ÖREB-Server (pyramid_oereb) ist in der Lage:
fentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen (ÖREB- • Aufrufe der vom Bund vorgegebenen Webdienste4
Kataster) in der bestehenden kantonalen Geodatenin- GetEGRID, GetCapabilities, GetVersions und
frastruktur implementiert. Die Systemumgebung basiert GetExtractByld zu beantworten;
weitestgehend auf Open-Source-Komponenten wie • Daten aus verschiedenen Quellen entgegenzunehmen
u. a. PostGIS, GeoMapFish, Mapserver und Pyramid. Die (Datenbanken, Dateien in verschiedenen Formaten,
Geobasisdaten der ÖREB-Themen, deren Zuständigkeit Webservices);
gemäss Artikel 8 Absatz 1 GeoIG1 beim Kanton und den • die entgegengenommenen Daten zu verschneiden
Gemeinden liegt, werden in kantonalen Geodatenmo- und gemäss Rahmenmodell aufzubereiten;
dellen in einer zentralen PostGIS-Datenbank verwaltet • JSON- und XML-Extracts gemäss der entsprechenden
und über Darstellungsdienste (GeoView BL, GeoWMS Bundesvorgabe5 auszuliefern.
BL) und einen Download-Dienst (GeoShop BL) zugäng-
Er wird mit einer Standardkonfiguration ausgeliefert,
lich gemacht. Für die Verwaltung der Rechtsvorschriften
die an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann.
wird OEREBlex2 von Sitrox eingesetzt.
Der ÖREB-Server wird als Open-Source-Software unter
Was für die Umsetzung des ÖREB-Katasters noch fehlte,
der «BSD 2-Clause License»6 bereitgestellt.
war eine allgemein nutzbare, generische Open-Source-
Komponente, die sich um die Anbindung der Daten,
Schnittstellen
­deren Aufarbeitung gemäss Rahmenmodell und die wei-
Die grundlegenden Schnittstellen des ÖREB-Servers sind
sungskonforme Ausgabe als DATA-Extract kümmert.
in Abbildung 1 dargestellt.
Für die nachgelagerte Ausgabe des DATA-Extracts als Die Schnittstellen, die der ÖREB-Server zur Verfügung
PDF-Auszug oder für die Darstellung als dynamischer stellt, spiegeln die in den Bundesvorgaben festgelegten
Auszug stehen mittlerweile verschiedene Softwarekom- Webservices wieder. Besonders interessant sind diese,
ponenten zur Verfügung, welche im Rahmen früherer um zum Beispiel eine grafische Benutzeroberfläche wie
Schwergewichtsprojekte3 entwickelt wurden. den Smart Client an den Server «anzuschliessen».

Nach Konsultation der GeoMapFish-Usergruppe wurde Eine spezielle Schnittstelle ermöglicht die Verknüpfung
entschieden, unter der Leitung des Kantons BL durch eines «Print-Service» mit dem ÖREB-Server. So wird
die Kantone BL und NE mit Unterstützung der Firma es möglich, dass der ÖREB-Server bei der Anfrage eines
Camptocamp einen hoch konfigurierbaren und gene-­ Auszugs mit dem Format-Parameter «PDF» nach der
rischen ÖREB-Server zu entwickeln, der die erwähnte Aufbereitung des DATA-Extracts über einen eingebauten
­Lücke in der Verarbeitungskette schliesst. Die Kantone Proxy den externen Print-Service anspricht, welcher den
Basel-Stadt, Jura, Schwyz, Tessin und Zug bekundeten generierten statischen Auszug an den ÖREB-Server
grosses Interesse am Projekt und sicherten eine finan- ­zurückschickt. Die Auslieferung des PDF-Auszugs wird
zielle Beteiligung zu. Das Vorhaben wurde zudem als dann wiederum vom ÖREB-Server übernommen.
Schwergewichtsprojekt beim Bundesamt für Landesto-
pografie swisstopo eingereicht und am 23. März 2017 4
Weisung «ÖREB-Kataster – ÖREB-Webservice (Aufruf eines Auszugs)»
genehmigt. vom 1. Oktober 2016
5
Weisung «ÖREB-Kataster – DATA-Extract» vom 1. Oktober 2016
6
Software unter BSD-Lizenz darf frei verwendet werden. Es ist erlaubt,
sie zu kopieren, zu verändern und zu verbreiten. Einzige Bedingung ist,
dass der Copyright-Vermerk des ursprünglichen Programms nicht ent-
1
Bundesgesetz über Geoinformation (GeoIG), SR 510.62 fernt werden darf. Somit eignet sich unter einer BSD-Lizenz stehende
2
Schwergewichtsprojekt SGP7 des Kantons Thurgau Software auch als Vorlage für kommerzielle (teilproprietäre) Produkte.
3
SGP15 – XML2PDF (NW / OW), SGP11 – Smart-Auszug (Kanton BE) (Definition gemäss Wikipedia)

8
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Data Access - Elemente austauschbar


Renderer
JSON XML PDF-Proxy

Core - konfigurierbar
XML JSON

</> {..}

GetEGRID
GetExtractById

Webservices
XML JSON PDF GetVersions GetEGRID
</> {..}
XML JSON

</> {..}
GetCapabilities
YAML
GetCapabilities
z.B.: Smart-Client GetExtractById

Aufbereitung
Processor
XML JSON

</> {..}

(spricht Source an)


GetVersions
Exclusion Real

Readers
Address Municipality Glossary
of Liability Estate
Reader Reader Reader
Reader Reader
Angebot von Diensten
ÖREB-Server
(pyramid_oereb) Anbindung von
Diensten/Daten Exclusion Real

(am Beispiel der Standarddatenbank)


Address Municipality Glossary PLR
of Liability Estate
PDF Source Source Source Source
Source Source
Adressen

Daten
PLR PLR
Exclusion Real Models Models
z.B.: GeoAdmin Address Municipality Glossary Topic 1 Topic 2
of Liability Estate
API Search Model Model Model PLR PLR
z.B.: Mapfish-Print, Model Model Models
Topic 3
Models
Topic X

XML2PDF A
B
C
Legende

aber durch Script erzeugbar


KGDI
z.B.: pyconizer

Nicht Inhalt des Servers,


Standard DB
PLR PLR
Exclusion Real Schema Schema
Address Municipality Glossary Topic 1 Topic 2
of Liability Estate
Table Table Table PLR PLR
z.B.: OEREBlex Table Table Schema
Topic 3
Schema
Topic X

© Clemens Rudert

Abbildung 1 links: Die Eine weitere Schnittstelle erlaubt es, die Rechtsdoku- ÖREB-Themen mit dem angefragten Grundstück und
grundlegenden Schnitt-
mente direkt aus OEREBlex zu beziehen. übernimmt die Aussortierung von nicht relevanten Tref-
stellen des ÖREB-Servers
fern. Dabei handelt es sich um beim Verschnitt entstan-
Abbildung 2 rechts: Systemarchitektur dene Kleinstflächen und kurze Linienstücke, die unter
Schema der Systemarchi-
tektur
Der ÖREB-Server wurde unter der Maxime entwickelt, dem festgelegten Grenzwert liegen. Dieser kann in den
möglichst in verschiedenen Systemumgebungen einsetz- allgemeinen Projektkonfigurationen definiert werden.
bar zu sein. Daraus ergab sich die in Abbildung 2 sche-
matisch dargestellte Architektur. Readers
Die Reader dienen als Abstraktionsschicht zu den Sour-
Für jeden der vier Webservices (GetVersions, GetCapabi-
ces. Sie bedienen die jeweiligen festen Schnittstellen-
lities, GetEGRID und GetExtractById) wird mit Linien in
funktionen der Sources. Sie sind damit die Übergangs-
zugehöriger Farbe dargestellt, woher die Informationen
schicht zum Datenlayer.
für die Aufbereitung einer Antwort bezogen werden.
In einer groben Annäherung kann man sagen, dass sich
Sources
die Applikationsschichten im roten Bereich (Core) mit
Eine Source ist immer eine speziell auf eine Datengrund-
der Bereitstellung der festen Bundesvorgaben befassen,
lage abgestimmte Komponente. Am Beispiel aus Ab-­
während der grüne Bereich die auf die unterschiedlichen
bildung 2 ist also die «Address-Source» an ein «Model»
Systemumgebungen anpassbaren «Datenlayer» um-
geknüpft, um seine Daten aus einer Datenbank zu lesen.
fasst.
Denkbar wäre hier aber auch eine Source, welche d ­ irekt
• Die Komponenten im rot dargestellten Kernbereich
eine im Fileverzeichnis abgelegte Datei im CSV-Format 7
sind mehrheitlich konfigurierbar. Diese Konfigurations-
liest.
möglichkeiten beschränken sich jedoch auf allgemeine
Einstellungen (Beispiele dazu finden sich im Abschnitt
Renderer
«Konfiguration und Erweiterbarkeit»).
Hat der Prozessor alle Daten gesammelt und aufberei-
• Die Elemente im grünen Bereich sind komplett konfi-
tet, liefert er diese an den Webdienst zurück. Jedem
gurier- und auch austauschbar. Um einzelne Kompo-
Webdienst sind Renderer zugeordnet. Diese sorgen da-
nenten (Sources, Models) durch eigene auszutauschen,
für, dass der zum jetzigen Zeitpunkt noch «formatlose»
sind Programmierkenntnisse in Python erforderlich.
ÖREB-Extract in das vom Client angefragte Format kon-
Die Standard-Datenbank ist nicht Inhalt des ÖREB-Ser- vertiert wird.
vers, kann aber durch ein mitgeliefertes Skript erzeugt
werden. Konfiguration und Erweiterbarkeit
Der ÖREB-Server ist über eine YAML-Konfigurations-­
Prozessor datei hoch konfigurierbar. Neben allgemeinen Einstel-
Als zentrale Komponente schnürt der Prozessor alle In- lungen (Projektionssystem, Proxykonfigurationen etc.)
formationen aus den konfigurierten Datenquellen zu-
sammen. Er errechnet den Verschnitt aller konfigurierten 7
CSV steht für «Comma Separated Values»

9
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

werden in dieser Datei für jedes ÖREB-Thema diverse Installation


Parameter (Datenbankverbindung, Toleranz für Flächen- • Ausführliche Anleitungen zur Installation und Konfi-
verschnitt, Sprache etc.) konfiguriert. Diese Konfigura-­ guration des ÖREB-Servers:
tionen ermöglichen eine optimale Einpassung in die https: //camptocamp.github.io /pyramid_oereb /doc  /
kantonale I­nfrastruktur. So lässt sich beispielsweise auch installation.html
steuern, welche Datenbankverbindung oder welches
• Der Source-Code ist
«Model» verwendet werden soll, um die Liegenschaften
º auf GitHub öffentlich zugänglich:
abzurufen.
https: //github.com /camptocamp /pyramid_oereb /
Müssen zusätzliche (kantonale) ÖREB-Themen durch
releases
den ÖREB-Server verarbeitet werden, stehen mehrere
º oder als Python Package auf dem Python Package
Konfigurationsmöglichkeiten zur Auswahl. Im einfachs-
Index (PyPI) publiziert:
ten Fall – bei Verwendung der Standard-Datenbank-
https: //pypi.python.org /pypi /pyramid_oereb
struktur – kann mit einem mitgelieferten Skript das ent-
sprechende «Model» erzeugt werden. Danach ist das
Betriebsorganisation
zusätzliche ÖREB-Thema noch in der Konfigurationsda-
Das abgeschlossene Projekt wurde am 21. August 2017
tei einzutragen. Falls das einzufügende «Model» sehr
an die Firma Camptocamp übergeben, welche fortan für
stark von der Standard-Datenbankstruktur abweicht, be-
die Wartung, Weiterentwicklung und den Support ver-
steht die Möglichkeit, eine eigene Source zu schreiben
antwortlich ist.
und diese in der YAML-Datei einzubinden. Zum Schrei-
Es wurde vereinbart, dass neue Major Releases mit neuen
ben einer Source sind Programmierkenntnisse in Python
Features halbjährlich und Minor Releases (vorwiegend
erforderlich.
Bugfixing) monatlich veröffentlicht werden.
In der Standardkonfiguration werden die Rechtsdoku-
Ein «Project Steering Committee (PSC)» sorgt dafür,
mente aus der zugrundeliegenden Datenbank gelesen.
dass der ÖREB-Server langfristig gemäss den vorgegebe-
Um die Rechtsdokumente direkt aus OEREBlex beziehen
nen Rahmenbedingungen weiterentwickelt wird und
zu können, wird die im Funktionsumfang enthaltene
die technischen Komponenten aktuell bleiben. Das PSC
«OEREBlexSource» konfiguriert.
besteht aus Mitgliedern der Kantone BL, NE und ZG
Die Gebäudeadressen werden in der Standardkonfigu- ­sowie Vertretern von Camptocamp.
ration ebenfalls aus der zugrundeliegenden Datenbank
Als weiteres Unterstützungsgefäss wurde eine Usergrup-
gelesen. Will man aber die Adressen nicht immer in der
pe gebildet. Mitglieder sind zu Beginn Vertreter der
Standard-Datenbank nachführen, so besteht die Mög-
­sieben am Projekt beteiligten Kantone. An deren Treffen
lichkeit, über die Source «AddressGeoAdminSource»
werden u. a. die halbjährigen Releases vorgestellt und
den Adressdienst des Geoportals des Bundes zu verwen-
die Finanzierung der Weiterentwicklungen geregelt.
den.

Zurzeit müssen die ÖREB-Themen des Bundes in die Fazit


Standard-Datenbank importiert werden. Die Bereitstel- Mit dem ÖREB-Server liegt nun eine weitere frei verfüg-
lung einer Source, um den Feature Service für die Bun- bare Komponente für die Umsetzung des ÖREB-Katas-
desdaten einzubinden, ist geplant. ters vor, welche die vorgelagerten Prozesse für den dy-
namischen und statischen Auszug abwickelt und diesen
Grundsätzlich lassen sich auf dem «Datenlayer» nahe­­­
den benötigten Input liefert.
zu alle Elemente konfigurieren und erweitern. Dies
macht den ÖREB-Server für den Einsatz in verschiedens- Der ÖREB-Server ist so gebaut, dass er sehr flexibel ist
ten Infrastrukturen einsetzbar. und nach Belieben angepasst und erweitert werden
kann. Somit kann er problemlos auch in andere System-
Technologie umgebungen eingebunden werden.
Der ÖREB-Server wurde auf Python-Basis als Pyramid
Plugin entwickelt. Dabei wurde auf die Kompatibilität Ruth Albrecht, dipl. Geographin
sowohl zu Python 2.7 als auch zu Python 3.5+ geachtet. Jean-Marc Buttliger, dipl. Ing. FH
Clemens Rudert, dipl. Ing. FH
Amt für Geoinformation Kanton Basel-Landschaft, Liestal
support.gis@bl.ch

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Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Monitoring des volkswirtschaftlichen Nutzens der


Daten der amtlichen Vermessung 2016

Die Ergebnisse des Monitorings des volkswirtschaftlichen Nutzens der Daten der amtlichen Vermessung (AV) 2016
liegen vor. Es wurde zum zehnten Mal durchgeführt.

Am Monitoring 2016 haben alle Kantone Nachführungsaktivitäten in der AV


Die wichtigsten Kennzahlen für 2016
­sowie das Fürstentum Liechtenstein teilge- Die Zahl der Grenz- und Gebäudemutatio- (in Klammern der Vergleich mit 2015)
nommen. Im Folgenden die wichtigsten nen hat 2016 ebenfalls leicht abgenommen.
Umfang der amtlichen Vermessung
­Ergebnisse. Es wurden insgesamt 54 911 Mutationen Anzahl Liegenschaften: 4  027 838 (0.0 %)
(–  4.0 %) durchgeführt, davon 14 644 Grenz- Anzahl Gebäude: 3 063 357 (+1.1%)

Umfang der AV mutationen (–  9.3 %) und 40 267 Gebäude- Personal


in Nachführung der AV
Die Gesamtzahl der Liegenschaften liegt Ende mutationen (–1.9 %).
tätige Personen: 2960 (– 2.4 %)
2016 bei 4 027 838, was praktisch der Zahl Die Einnahmen aus den Nachführungsaktivi-
Nachführungsaktivitäten
von 2015 entspricht. Drei Kantone (FR, GR, täten sind um 1.8 % auf CHF 97.9 Millionen Anzahl Grenzmutationen: 14 644 (–   9.3 %)
SO) melden einen Rückgang von 0.7 – 1.8 % zurückgegangen, was einem durchschnittli- Anzahl Gebäudemutationen: 40 267 (–  1.9 %)
gegenüber dem Vorjahr, während praktisch chen Preis pro Mutation von CHF 1784 ent- Umsatz (in CHF): 97.9 Mio. (–  1.8 %)
Umsatz pro Mutation (in CHF): 1784 (+2.4 %)
alle anderen Kantone eine Zu­nahme von spricht (Vorjahr: CHF 1738).
Benutzung der Daten
ca. 0.2 – 0.6 % verzeichnen. Über die ganze Gebühreneinnahmen (in CHF): 5.1  Mio. (–  23 %)
Anzahl Grenzmutationen

Schweiz gesehen, sind von dieser Gesamtzahl 50 000


Anzahl Gebäudemutationen
Anzahl Datenbezüge: 158 699 (–  2.6 %)
96.8 % aller Liegenschaften in die AV aufge- 45 000 Datenbezüge analog: 27  %
40 000 Datenbezüge digital: 73  %
nommen worden (Vorjahr: 96.5 %). Dabei 35 000

­haben nun 17 Kantone die 100%ige Flächen- 30 000


25 000

deckung erreicht, aus weiteren sechs Kanto- 20 000 zügen verschiebt sich damit weiter in Rich-
nen werden über 98 % gemeldet, während
15 000
10 000
tung digital: 27/  73 % (Vorjahr 32 / 68 %).
bei den letzten drei Kantonen der Vollständig- 5000
0
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Daniel Steudler, pat. Ing.-Geom.
keitsgrad für Liegenschaften noch zwischen Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
84 – 91 % liegt (Vorjahr zwischen 86 – 89 %). swisstopo, Wabern
daniel.steudler@swisstopo.ch
Die Anzahl der in die AV aufgenommenen Benutzung der Daten
Gebäude ist weiter leicht gestiegen auf Der Trend zu weniger
Total Gebühreneinnahmen (in Mio.Gebühreneinnahmen
Fr)

3 063 357; hier basieren die Angaben von 14.0


hat sich 2016 weiter fortgesetzt. Die Ein-
noch zwei Kantonen auf Schätzungen. 12.0
nahmen bleiben mit insgesamt CHF 5.1 Mil-
10.0
lionen (– 23 %) deutlich unter denjenigen
Anzahl der in der Nachführung der AV 8.0 Anzahl Grenzmutationen
vom Vorjahr.
Anzahl Gebäudemutationen

­tätigen Personen Der


6.0
50 000
Bezug von Daten hat 2016 erstmals seit
45 000
Der Personalbestand hat weiter leicht abge- Beginn
4.0
40 000
dieser Statistik abgenommen
nommen und liegt Ende 2016 bei 2960 Per-
35 000
2.0
(158 699,
30 000 –  2.6 %). Der Bezug von analogen
sonen (– 2.4 %). Die prozentuale Verteilung Daten
0.0
25 000
hat stark abgenommen (42 987,
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
20 000
dieser in der Nachführung der AV tätigen –17  
15 000
%) abgenommen, während der Bezug
­Personen nach Amtsstufe und Berufsgattung 10 000

von
5000 digitalen Daten immer noch zunimmt,

ist in den folgenden beiden Abbildungen er- 0


wobei2007sich 2008die2009Zunahme
2010 2011 2012 zu verlangsamen
2013 2014 2015 2016

sichtlich. scheint (115 712, +1.4 %). Das Verhältnis


7.0 %
6.2 % zwischen analogen und digitalen Datenbe-
12.3 %
16.2 %
Total Gebühreneinnahmen (in Mio. Fr)
13.6 % 14.0
18.0 %
12.0
86.8 %
39.9 %
10.0

8.0

kantonale Verwaltungen patentierte  / r Ingenieur-


6.0
andere öffentliche Geometer  / in
Stellen Ingenieur  / in 4.0

Privatbüros Geomatiker  / in resp. 2.0


Geomatiktechniker  / in
0.0
Lernende 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016

administratives Personal

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Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Standards für den Datenaustausch


im Objektwesen

Ein reibungsloser Datenaustausch ist eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes


E-Government. Der Verein eCH hat eine Reihe von Standards für den Datenaustausch im
Objektwesen publiziert.

Damit ein Prozess durchgängig über Verwaltungsgrenzen


Mit den Standards eCH-0129 und eCH-0131 wurden
hinweg funktioniert, braucht es eine Zusammenarbeit.
Praxistests durchgespielt und die Tauglichkeit nach-
Und damit die Systeme von verschiedenen Verwaltungs-
gewiesen. Damit ist eine Alternative zur «Schnitt-
einheiten in einem durchgängigen Prozess miteinander
stelle für den Datenaustausch zwischen der amtlichen
zusammenarbeiten können, braucht es eine hohe Stan-
Vermessung und dem Grundbuch (AVGBS)» gege-
dardisierung. Diese beiden Komponenten sind in einem
ben. Gemäss Artikel 12 Absatz 2 TGBV 2 sind an Stelle
föderal aufgebauten Staat wie der Schweiz unerlässlich
der AVGBS gleichwertige Übertragungsalternativen
für die digitale Verwaltung. Für beide wurden die Struk-
zulässig. Die eCH-Standards erfüllen diese Vorausset-
turen geschaffen: Für die organisatorische Ebene, also
zung. Aufgrund der breit abgestützten Erarbeitung
die Zusammenarbeit, schafft E-Government Schweiz mit
können die eCH-Meldungen nicht nur vom Grund-
der Beteiligung von Bund, Kantonen und Gemeinden
buch, sondern auch von allen anderen interessierten
den Rahmen. Für die Standardisierung gibt es den Verein
Partnern genutzt werden.
eCH. E-Government Schweiz hat die Erarbeitung ent-
sprechender Standards durch den Verein eCH als eines
seiner strategischen Ziele für die Periode 2017 – 2019 Die folgende Grafik soll symbolisch und nicht abschlies-
festgelegt. send einerseits die verschiedenen Datenbanken als
­«stehende Fässer», welche teilweise redundante Inhalte
Die eCH-Fachgruppe Objektwesen hat nun eine erste
führen müssen, und andererseits mit den «rollenden
Serie von Standards erarbeitet, welche Mitte 2017
Fässchen» den Datenaustausch kreuz und quer zwischen
­formell freigegeben wurden. Einige weitere Standards
den Datenbanken darstellen.
sind noch in Erarbeitung.

Freigegebene eCH-Standards aus dem Bereich Objektwesen:


– eCH-0127 Glossar Objektwesen GWR
– eCH-0129 Datenstandard Objektwesen
– eCH-0131 Meldungen der amtlichen Vermessung an Dritte Vermessung Gebäude-
– eCH-0132 Objektwesen – Domäne Versicherung versicherung
– eCH-0133 Objektwesen – Domäne Steuern
– eCH-0134 Grundbuchmeldungen an Dritte
– eCH-0178 Datenstandard notarielle Grundbuchbelege
Diese liegen in Deutsch und Französisch vor und sind kostenlos
abrufbar auf www.ech.ch. Grundbuch Bau-
verwaltung
In Bearbeitung sind zurzeit:
– eCH-0206 Mutationsmeldungen aus dem GWR1 an Dritte
– eCH-0211 Baugesuch
– eCH-0216 Nachführung GWR durch Bauverwaltungen
Steuern Schätzungen
Zurückgestellt ist vorläufig die Überarbeitung von:
– eCH-0130 Objektwesen – Domäne Bauwesen

Mit diesen Standards kann die historisch gewachsene


Flut proprietärer Schnittstellen der verschiedenen Part- Eine zentrale Forderung bei der vorgesehenen Einfüh-
ner auf eine einheitliche Basis gestellt werden. Die rung des neuen Datenmodells für die amtliche Vermes-
­Standards erlauben einerseits die weitgehende Automa- sung (DM.flex) war und ist es, dass die Kundenbedürf-
tisierung von Meldungen an Fremdsysteme, ausgelöst nisse (so weit noch verlangt) weiterhin erfüllt werden
durch «Ereignisse», wie beispielsweise den «Vollzug können. Das ist auch mit den eCH-Standards gewähr-
­einer Grenzmutation im Grundbuch». Andererseits er- leistet. Voraussetzung ist natürlich, dass keine relevante
lauben sie mittels «base deliveries» den periodischen inhaltliche Reduktion bei der amtlichen Vermessung2
Abgleich der verschiedenen Datenbanken. 1 ­vorgenommen wird. Dasselbe gilt sinngemäss für alle

1 2
GWR steht für das Gebäude- und Wohnungsregister des Bundesamtes Technische Verordnung des EJPD und des VBS über das Grundbuch
für Statistik. (TGBV), SR 211.432.11

12
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Partner im Objektdatenaustausch: Es kann nur geliefert


werden, was vorhanden ist. Es ist aber grundsätzlich
­alles, was vorhanden ist, den Dritten verfügbar zu ma-
chen, soweit dies mit dem Datenschutz vereinbar ist.
eCH entwickelt Standards im Bereich E-Government
Bei der vorgesehenen Flexibilisierung der amtlichen Ver-
für eine effiziente digitale Zusammenarbeit zwischen
messung dürfte eine allenfalls notwendige Anpassung
Behörden, Unternehmen und Privaten. eCH baut auf
der eCH-Schnittstellen einfacher sein, als bei der AVGBS,
die Zusammenarbeit privater und öffentlicher Partner.
weil dazu keine Verordnungsänderung notwendig ist.
Fachgruppen stellen sicher, dass die Standards mit
Allerdings arbeitet auch eCH nach exakt vorgegebenen
hoher Qualität und frei von Einzelinteressen entwi-
Genehmigungsprozessen und damit verbundenen Fris-
ckelt werden. Christian Dettwiler ist Leiter der Fach-
ten für die einzelnen Prozessschritte.
gruppe «Objektwesen».
Allen Schnittstellen ist gemeinsam, dass immer mindes-
tens zwei Partner davon betroffen sind. Das gilt für die eCH Verein für E-Government Standards
eCH-Standards umso mehr, als damit eine breite An- Geschäftsstelle:
wendung vorgesehen wird, im Gegensatz zu den bishe- Mainaustrasse 30
rigen bilateralen Schnittstellen. Um diese Herausforde- Postfach
rung zu meistern, dürfte es notwendig sein, pro Kanton 8034 Zürich
ein Einführungskonzept zu erarbeiten und die Realisie-
Telefon: 044 388 74 64
rung danach als Projekt in einem relativ kurzen Zeitrah-
E-Mail: info@ech.ch
men abzuwickeln.
Web: www.ech.ch

Christian Dettwiler, pat. Ing.-Geom.


Leiter eCH-Fachgruppe Objektwesen
christian.dettwiler@tg.ch

13
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Open Government Data – Der Kanton Zürich


geht online

Das Geografische Informationssystem des Kantons Zürich (GIS-ZH) verwaltet eine riesige Menge
von raumbezogenen Daten, welche die kantonale Verwaltung zur Erfüllung ihrer gesetzlichen
Aufgaben in hoher Qualität erfasst und verarbeitet. Ab Anfang 2018 werden diese Geodaten
nun unter Open Government Data (OGD) veröffentlicht.

Die Publikation und Bereitstellung von Behördendaten – Kanton Zürich über sogenannte Basisdienste angeboten.
mit und ohne Raumbezug – birgt ein grosses Potential, Dazu gehören die Bereitstellung von Geodiensten
das bis dato im Kanton Zürich aufgrund bestehender (WMS, WFS, WCS) nach OGC-Standard sowie ein Zu-
Beschränkungen nur teilweise ausgeschöpft werden gang zur umfassenden Geometadatenbank «GeoLion».
konnte. Für die Geodaten hat der Kanton Zürich seine Die Abteilung Geoinformation im kantonalen Amt für
Gesetzesgrundlagen revidiert und kann diese ab Januar Raumentwicklung stellt diese Basisdienste kostenlos
2018 unter Open Government Data (OGD) veröffent-­ und ohne Nutzungseinschränkungen zur Verfügung.
lichen. OGD bezeichnet die offene Zugänglichkeit und
freie Wiederverwendung von Behördendaten, sofern Zwei marktfördernde Mehrwertdienste
­dadurch keine Datenschutz-, U ­ rheberrechts- oder Infor- Leistungen, die über die reinen Basisdienste hinausge-
mationsschutzbestimmungen verletzt werden. Aktuell hen, werden im Kanton Zürich als Mehrwertdienste
erfüllen über 200 Geobasis­datensätze des Kantons ­bezeichnet und können von jedermann angeboten wer-
(Kat. II und III) diese Kriterien. Einer der wichtigsten Geo- den. Stellt der Staat Mehrwertdienste bereit, tritt er in
basisdatensätze, der nun frei genutzt werden kann, ist den freien Markt ein und schmälert das Mehrwert-Po-
der Grunddatensatz der amtlichen Vermessung. Neben tential von anderen Anbietern. Der Kanton Zürich bietet
den Geodaten werden auch zahlreiche weitere Behör- dennoch zwei wichtige Mehrwertdienste kostenlos an,
dendaten, insbesondere die­jenigen des Statistischen die er als marktfördernd betrachtet:
Amtes, zugänglich gemacht. • einen Datenshop-Dienst und
• die Integration des Datenshop-Dienstes in den
Basisdienste: kostenlos und uneingeschränkt kantonalen GIS-Browser.
Damit die Geodaten die Anforderungen für OGD erfül-
len, müssen sie in offenen Formaten und in maschinen- Der Datenshop-Dienst ist eine serviceorientierte Archi-
lesbarer Form vorliegen. Dieses Grundangebot wird im tektur, um geprüfte Geodaten zu beziehen. Über diesen

Abbildung: Freie Zugäng-


lichkeit und kostenlose
Nutzer
Nutzung des kantonalen
Angebots (rot markiert)
Dritte
Marktpreis

– Applikationen
– Datenshops
– Auswertungen
– Beratungen
Web Map Service (Darstellungsdienste)

– etc.
Web Coverage Service (Rasterdaten)

Web Feature Service (Vektordaten)

GIS Browser
Datenbezüge via
Datenshop-Dienst
kostenlos

Datenshop-Dienst
– Nutzerformate (ITF, DXF, SHP, ...)
– Nutzermodelle (MOpublic, GEOBAU, ...)
Mehrwertdienste – Räumliche Ausschnitte
kostenlos
Files

Basisdienste

Kantonale Geodateninfrastruktur (geprüfte Publikation)


z. B. Publikationsdatenbank ROFA, AV Interlis-Files, Publikation ÖREB-Kataster, ...

14
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Dienst können Geodaten in verschiedenen Formaten Bestellungen an den Datenshop-Dienst erfolgen von
und räumlichen Ausschnitten automatisch als Datei ­einer Drittapplikation aus (z.B. ein kommunales WebGIS)
zum Download bezogen werden. Diese Grundfunktio- und werden von einer zentralen Applikation basierend
nalitäten kann jeder Dritte, der Mehrwertdienste in auf FME-Server gesteuert. Der Datenshop-Dienst selbst
­diesem Bereich anbieten will, nutzen und muss sie nicht verfügt weder über ein User Interface noch über eine
selber entwickeln. Hinzu kommt, dass die Daten so Benutzerverwaltung. Die Informationen zu den Geoda-
­immer von der originalen Publikationsdatenbasis bezo- ten, welche für die Bestellabwicklung notwendig sind,
gen werden. werden direkt aus der Geometadatenbank «GeoLion»
bezogen. Die bestellten Geodaten werden in der Folge
Mit dem GIS-Browser maps.zh.ch steht der Bevölkerung
von der ermittelten Datenquelle im gewünschten For-
schon heute ein modernes Werkzeug zur Verfügung,
mat und Ausschnitt aufbereitet und zusammen mit dem
um verschiedene Geodaten zu visualisieren. Die Integra-
ebenfalls dynamisch erstellten Datenbegleitdokument
tion des Datenshop-Dienstes erweitert die Funktiona-­
über den kantonalen Dienst WebTransfer ZH an die
lität des GIS-Browsers und ermöglicht einen einfachen,
­E-Mail-Adresse des Bestellers gesandt.
kostenlosen Datenbezug. Mit wenigen Klicks können
Geodatensätze der angezeigten Karte im gewählten Der Kanton Zürich ist überzeugt, dass er mit diesem
Ausschnitt an eine E-Mail-Adresse geliefert werden. Da- kombinierten Angebot aus Basis- und Mehrwertdiensten
bei ist keine Registrierung nötig und die Auslieferung eine solide Basis für einen volkswirtschaftlichen Mehr-
­erfolgt in der Regel innert weniger Minuten. nutzen legt und so den freien Markt in der Geoinforma-
tionsbranche stärkt und fördert.
Datenshop-Dienst schweizweit einzigartig
Weiterführende Informationen zum Thema Open
Der Datenshop-Dienst bildet zusammen mit der Geo-
Government Data im Kanton Zürich finden Sie unter:
metadatenbank «GeoLion» das eigentliche Herzstück
www.geoportal.zh.ch /opendata
der Datenbereitstellung und ist in dieser Form schweiz-
weit einzigartig. Er kann über eine standardisierte
Bernard Fierz, pat. Ing.-Geom.
­REST-Schnittstelle von jedermann eingebunden und Baudirektion Kanton Zürich, Amt für Raumentwicklung
­genutzt werden. Alle Daten können so immer von der bernard.fierz@bd.zh.ch
ursprünglichen Publikationsdatenbasis des Kantons
in korrekten Datenmodellen und mit aktuellen Meta­-­­
informationen bezogen werden.

15
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Stockwerkeigentum: Alles, was Recht ist!

Gemäss Artikel 667 ZGB1 erstreckt sich das Eigentum an Grund und Boden nach oben in den
Luftraum und nach unten in das Erdreich, soweit für die Ausübung des Eigentums ein Interesse
besteht. Die «Strategie der amtlichen Vermessung für die Jahre 2016  –  2019» des Bundesamtes
für Landestopografie swisstopo sieht vor, die amtliche Vermessung in die dritte Dimension zu
entwickeln. Im Projekt «Digitale Dokumentation Stockwerkeigentum (DigDok StWE)» wird erar-
beitet, welche Rechte heute betreffend Stockwerkeigentum dokumentiert und wie sie zukünftig
in der amtlichen Vermessung abgebildet werden können.

Die beauftragte Arbeitsgruppe hat ihren F­ okus als ers- lichen Geoinformationssysteme (mit Ausnahme jener
tes – ausgehend von der Praxis – auf die Beschreibung der Kantone Genf und Neuenburg) geführt und deshalb
der rechtlichen Verhältnisse bei Stockwerkeigentum nicht lokalisiert werden können. Dieser Zustand wird in
­gelegt. Sie ergänzt dadurch die Praxisschilderungen ­vieler Hinsicht den Ansprüchen im digitalen Zeitalter
«Stockwerkeigentum im Kanton Genf» in der Fachzeit- nicht mehr gerecht.
schrift «cadastre» Nr. 20 vom April 2016.
Grundstücke und amtliche Vermessung
Ausgangslage Die Verwaltung der Liegenschaften, der selbständigen
Aus der von der Arbeitsgruppe im Jahr 2016 bei den und dauernden Rechte (Baurecht) sowie der Bergwerke
Kantonen durchgeführten Umfrage geht hervor, dass (Art. 655 Abs. 2 Ziff. 1– 3 ZGB) in der amtlichen Vermes-
schweizweit ca. 1.2 Millionen Stockwerkeinheiten im sung hat sich bewährt.
Grundbuch eingetragen sind – rund ein Fünftel der Die vierte Art von Grundstücken, die Miteigentumsan-
in der Schweiz vorhandenen Grundstücke – Tendenz teile an Grundstücken (Art. 655 Abs. 2 Ziff. 4 ZGB), wer-
­steigend. Der geometrische Nachweis des Stockwerk-­ den bis anhin in der amtlichen Vermessung nicht oder in
eigentums befindet sich heute – wenn überhaupt – einzelnen Kantonen nur rudimentär mittels Registratur
­ausschliesslich in den Belegen des Grundbuchs in Form der Grundstücknummer erfasst.
eines Aufteilungsplans, der sich auf die Grundlagen von
Architekten stützt. Einzige Ausnahme ist der Kanton Miteigentumsanteile an Grundstücken
Genf, der seit 2014 Stockwerkeigentum in einem vor- Praktisch bedeutsam sind die Miteigentumsanteile an
gegebenen Datenmodell verwaltet. Zwei Drittel der Grundstücken vor allem für Stockwerkeigentum
­Kantone haben sich entschieden, die Belege zu scannen, (Art. 712a bis 712t ZGB), wo sie durch Sonderrechte
damit die Aufteilungspläne w­ enigstens am Computer1 an einzelnen Wohnungen oder Teilen von Gebäuden
abgerufen werden können. Das führt dazu, dass Stock- ­zugewiesen sind. Miteigentumsanteile werden als
werkeigentumseinheiten in keinem der heute öffent- ­Stockwerkeigentum ähnlich behandelt wie Liegenschaf-

Abbildung 1: Grundstücke
gemäss Artikel 655 ZGB
Grundstücke
und deren geometrischer
Nachweis in der amtlichen
Vermessung und im Grund-
buch selbstständige und dauernde
Miteigentumsanteile an
Liegenschaften Rechte (SDR), soweit flächen- Bergwerke
Grundstücken
massig ausgeschieden

Quellenrecht,
Stockwerk- gewöhnliches
Baurecht Konzessionsrecht,
eigentum Miteigentum
weitere

Amtliche Amtliche Amtliche Amtliche


Grundbuch Grundbuch
Vermessung Vermessung Vermessung Vermessung

1
Schweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB), SR 210

16
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Abbildung 2: Stockwerk-
begründung auf Liegen-
schaft 2525 (rote Linie)

Abbildung 3: Stockwerk-
begründung auf Baurecht
(3000), (rot gestrichelte
­Linie)

Abbildung 4: Die Bestand- 2 3


teile bei einer Stockwerk-
begründung
ten und Baurechte. Dies obwohl es sich streng genom-
men nicht um Eigentum, sondern um ein Nutzungsrecht
handelt.

Denn was das Gesetz «Stockwerkeigentum» nennt, ist


im Allgemeinen besser unter dem Namen «Eigentums-
wohnung» bekannt. B ­ eide Begriffe vermitteln den Ein-
druck, als ob hier Eigentum an einem Stockwerk bezie-
hungsweise an einer Wohnung bestehe. Dies ist aber
ungenau. Richtig ist vielmehr, dass bei dieser speziellen
Form von Grundeigentum den Stockwerkeigentümern
ein bestimmter rechnerischer Anteil am ganzen Gebäu-
de und Boden (gemeinsames Grundstück), auf dem es
steht, gehören – sie sind Miteigentümer (Art. 646 ff
ZGB). Sie sind somit durchaus Eigentümer «ihrer» Woh-
nungen. Diese gehören aber nicht jedem a­ llein, son- 4
dern gleichzeitig allen Stockwerkeigentümerinnen und
Legende:
Stockwerkeigen­tümern. Das Spezielle beim Stockwerk-
örtlich / räumlich bestimmte Sonderrechte (Wohnung plus Neben-
eigentum ist, dass die einzelnen Eigentümer an «ihrer» räume), rot umrandet;
Wohnung ein Sonderrecht haben, nämlich das Recht, gemeinsame Rechte an den gemeinschaftlichen Objekten des
­Miteigentumsgrundstücks, blau um­randet;
diese alleine zu verwalten, zu nutzen und auch baulich
Sondernutzungsrechte, die gemeinsame Flächen  /  Räume belasten,
zu ­ändern.2 orange umrandet
Selbständiges Miteigentum, in StWE-Begründung insbesondere
Stockwerkeigentum (StWE) bei den Autoeinstellplätzen, violett umrandet.

Wenden wir uns nach dieser rechtswissenschaftlichen


Ausführung den verschiedenen Rechten zu, welche wir Da die Garage 15a in der Abbildung 3 nicht auf dem
für die Dokumentation in der amtlichen Vermessung Baurecht (3000) steht, wird sie bei der Stockwerkbe-
kennen müssen. gründung auf Baurecht (3000) auch nicht berücksich-
Stockwerkeigentum kann auf einer Liegenschaft ­ tigt.
(Abb. 2) oder auf einem Baurechtsgrundstück (Abb. 3)
Das Stockwerkeigentum nach Art. 712 ZGB umfasst:
begründet werden. A ­ lles, was sich auf diesem Stamm-
A Örtlich  / räumlich bestimmte Sonderrechte
grundstück befindet, ist bei der Stockwerkbegründung
(Wohnung plus Nebenräume);
zu behandeln.
B Gemeinsame Rechte an den gemeinschaftlichen
Wird, wie in Abbildung 3 dargestellt, auf der Liegen-
­Objekten des Miteigentumsgrundstücks;
schaft 2525 ein Baurecht (3000) begründet, wird die-­
C Sondernutzungsrechte, die gemeinsame Flächen  / 
ses – und nicht die «darunterliegende» Liegenschaft
Räume belasten;
2525 – das Stammgrundstück der StWE-Begründung
D Selbständiges Miteigentum, in StWE-Begründung
sein, gleich wie die Gebäude 15, 17 und 17a rechtlich
insbesondere bei den Autoeinstellplätzen.
nicht auf der Liegenschaft 2525, sondern auf dem
­Baurecht (3000) erstellt werden. In Abbildung 4 sind die oben erwähnten B ­ estandteile
dargestellt und farblich hervorgehoben. Sie werden
nachfolgend im Detail erläutert.
2
 Seite 619 aus «ZGB für die höhere Ausbildung», Walter Noser, Patrick
Strub, Karin Flüe, Hanneke Spinatsch, ISBN 978-3-85569-951-3

17
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

A Sonderrecht B Gemeinschaftliche Objekte


Gegenstand des Sonderrechts (Art. 712b Abs. 1 ZGB) Die gemeinschaftlichen Objekte (in den Abbildungen 7
können einzelne Stockwerke oder Teile von Stockwerken bis 10 blau dargestellt) sind Teil des gemeinsamen
sein, die als Wohnungen oder als Einheiten von Räumen Grundstücks und gehören eigentumsrechtlich allen Mit-
zu geschäftlichen oder anderen Zwecken mit eigenem eigentümern. Sie sind erforderlich, damit das Gebäude
Zugang in sich abgeschlossen sein müssen, aber ge- bestehen bleibt, seine Funktion erfüllen kann und nach
trennte Nebenräume umfassen können. Ein Sonderrecht aussen als Einheit in Erscheinung tritt.
benötigt (mindestens) einen eigenen Zugang ( ).
Das Gesetz bestimmt in Artikel 712b Absatz 2 ZGB,
­welche Teile eine gemeinschaftliche Zweckbestimmung
haben und deshalb nicht als Sonderrecht ausgeschie-
den werden können.

1. Der Boden der Liegenschaft bzw. des Baurechts, kraft


dessen gegebenenfalls das Gebäude erstellt wird.

Abbildung 5: Sonderrechte Wohnung W1 und W2 (jeweils rot umrandet)


mit eigenem Zugang

Zu den Sonderrechten gehören die Räume und Innen-


wände der jeweiligen Wohnung, in Abbildung 5 sind Abbildung 7: Gemeinschaftliches Objekt (blau) – Boden der Liegenschaft
dies W1 und W2: «Was man in einer Stockwerkwoh- 2525, auf dem die Gebäude 15, 15a und 17 und 17a (Einstellhalle) er-
richtet sind
nung sieht, gehört zum Sonderrecht». Zum selben
­Sonderrecht gehören normalerweise weitere in sich ge-
2. Die Bauteile, die für den Bestand, die konstruktive
schlossene Einheiten wie Keller, Estrich und /oder Auto-
Gliederung und Festigkeit des Gebäudes oder der
einstellplatz.
Räume anderer Stockwerkeigentümer von Bedeutung
sind oder die äussere Gestalt und das Aussehen des
Gebäudes bestimmen.

Abb. 8: Gemeinschaftliche Objekte – Die statischen Elemente eines Gebäu-


Abbildung 6: Vier Sonderrechte – W = Wohnung, K = Keller des (Bauteile) wie Stützen, Boden, Decke, Dach

18
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Abbildung 9: Gemein- 3. Anlagen und Einrichtungen, die auch den anderen


schaftliche Objekte (blau) –
Stockwerkeigentümern für die Benutzung ihrer Räu-
Bauteile wie A­ ussenwand,
Fenster, Lichtschacht, In- me dienen.
nenwand, Leitungsschacht

Abbildung 11: Sondernutzungsrechte


Legende: Terrassen (A),
Gartensitzplätze (B),
Parkplätze unterirdisch (C),
Parkplätze oberirdisch (D),
Parkplätze auf dem Dach (E)

Abbildung 10: Gemeinschaftliche Objekte (blau) – Anlagen und Ein-­ Abbildung 12: Selbständiges Miteigentum an Stockwerk-
richtungen wie Treppenhaus, Lift, Waschküche, Heizung eigentum, begründet auf StWE-Autoeinstellplatz

C Sondernutzungsrecht durch nachträgliche Beschlussfassung der Stockwerk-­


Aufgrund der Tatsache, dass gewisse Teile zwingend eigentümerschaft) bestimmt und mit den Sonderrechten
­gemeinschaftlich sind und nicht zu Sonderrecht ausge- verbunden werden. Diese Rechte lassen sich – anders als
schieden werden können, haben sich in der Praxis die die Dienstbarkeiten – dem Hauptbuch des Grundbuchs
sogenannten ausschliesslichen Nutzungsrechte ein-­ selber nicht einzeln entnehmen.
gebürgert. Sie werden auch besondere N ­ utzungsrechte
oder eben Sondernutzungsrechte genannt. Dieses vom D Selbständiges Miteigentum
Gesetz nicht vorgesehene Institut ermöglicht es der Bei einer Stockwerkbegründung kann die Vergabe von
Stockwerkeigentümergemeinschaft, beispielsweise wie Autoeinstellplätzen wie oben gezeigt mit Sondernut-
in Abbildung 11 dargestellt, Terrassen (A), Gartensitz- zungsrechten geregelt werden. Eine spezialisierterer An-
plätze (B), Parkplätze unterirdisch (C) und oberirdisch (D) satz geschieht über ein selbständiges Miteigentum unter
oder auf dem Dach (E) einzelnen Stockwerkeinheiten Anlehnung an Artikel 646 Absatz 3 ZGB, nach welchem
zur Nutzung zuzuweisen. So werden sonderrechtsähn-­ ein Miteigentümer seinen Anteil veräussern und ver-
liche Verhältnisse geschaffen.3 pfänden kann.
Solange sich die Sondernutzungsrechte auf dem ge- Die Einstellhalle wird in Abbildung 12 als Sonderecht aus-
meinsamen Miteigentumsgrundstück – hier Liegenschaft geschieden und darauf werden Einstellplätze als selbstän-
2525 – befinden, können sie im Begründungsakt (oder diges Miteigentum begründet. Diese Miteigentumsantei-
3
Seite 626 aus «ZGB für die höhere Ausbildung», Walter Noser, Patrick le können im Grundbuch als Grundstücke aufgenommen
Strub, Karin Flüe, Hanneke Spinatsch, ISBN 978-3-85569-951-3 werden (siehe blau umrandete Flächen in Abb. 10).

19
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Spezialfall Grunddienstbarkeit Stammgrundstück Nr. 2525 und gemeinschaftliche


In der Praxis werden Rechte im Sinne der Sondernut- ­Objekte
zungsrechte alternativ auch als Grunddienstbarkeit Bei einem Grundstück, das in Miteigentumsanteile in
­begründet. Ein Grund dazu mag sein, dass letztere im der Form von Stockwerkeigentum aufgeteilt ist, sind
Grundbuch angemerkt sind und damit im Hauptbuch ­zusätzlich zu den bestehenden Einträgen (Nummer,
angezeigt werden. Das bedeutet ein Gewinn an Trans- ­EGRID, Gültigkeit, Fläche etc.) diejenigen der gemein-
parenz. schaftlichen Objekte der Arten Boden, Bauteil sowie
­Anlage und Einrichtung zu erfassen.

StWE Nr. 5001
Es besteht aus den StWE-Teilen Wohnung 1 als Sonder-
recht, Keller K1 als Nebenraum, B1 und C1 als Sonder-
nutzungsrecht.

StWE Nr. 5006
Dieses Sonderrecht beinhaltet eine Garagenbox. Darin
werden die selbständigen Miteigentümergrundstücke
(SM) 5007 und 5008 begründet, welche im Begrün-
dungsakt zum Beispiel den Sonderrechten 5003 und
5004 zugeschlagen werden.

Grunddienstbarkeit DB1
DB1 ist die Grunddienstbarkeit zu Gunsten des Sonder-
rechts 5002 und zu Lasten 2525.

Abbildung 13: Grunddienstbarkeiten als Alternative zu den Sondernut-


zungsrechte (s. Abb. 11)

Erläuterungen anhand eines fiktiven Beispiels

Abbildung 15: Darstellung der Rechte im fiktiven Beispiel

Weitere Arbeiten der Arbeitsgruppe «Digitale Do-


kumentation Stockwerkeigentum (DigDok StWE)»
Die obigen Ausführungen zeigen, dass für die Bearbei-
tung des Themas «Stockwerk­eigentum» das Rechts-­
verständnis zentral ist. Für eine künftige digitale Doku-
mentation der Rechte ist eine Zusammenarbeit zwischen
den verschiedenen Fachbereichen Grundbuch, Immo-­
bilienrecht und amtliche Vermessung unerlässlich. Die
Arbeitsgruppe ist entsprechend zusammengesetzt (siehe
Kasten).
Die Arbeitsgruppe hat eine Analyse der Rechtsgrundla-
gen durchgeführt, um die notwendigen rechtlichen An-
passungen für die Dokumentation von Stockwerkeigen-
tum in der amtlichen Vermessung abzuklären.
Prof. Amédéo Wermelinger, ein an­erkannter Sachen-
rechtsspezialist, schreibt z­ urzeit eine Stellungnahme, in
der er die Überlegungen der Arbeitsgruppe kritisch hin-
Abbildung 14: Fiktives Beispiel terfragt.

20
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Als nächsten Schritt wird die Arbeitsgruppe eine techni- Nachweis der verschiedenen Rechte betreffend Stock-
sche Empfehlung inklusiv Datenmodell DM.STWE für werkeigentum im GIS.
die Dokumentation des StWE und Erstellung des Auftei- • Digital zugängliche Dokumentation des Stockwerk-­
lungsplans ausarbeiten. Diese Empfehlung wird mittels eigentums, unter anderem relevant für eine erste
zwei Pilotprojekten auf Machbarkeit und Praxistaug-­ ­Beurteilung der Finanzierung.
lichkeit überprüft. In den P­ ilotprojekten wird ebenfalls • Homogene Dokumentation und einheit­liche Darstel-
­untersucht, mit welchen Kosten für die Erfassung des lung der verschiedenen Rechte im aus den Daten ab-
StWE in der amtlichen Vermessung zu rechnen ist. Diese geleiteten Aufteilungsplan.
Arbeiten wurden gestartet und sollen bis Ende 2018 • 3D-Visualisierung der offiziell dokumentierten Eigen-
­abgeschlossen werden. tumsverhältnisse z. B. nutzbar als Verkaufsdokumenta-
tion.
Offene Punkte • Georeferenzierte digitale Daten als Ausgangsdaten für
Im Rahmen der laufenden Arbeiten ist die Arbeitsgrup- die Planung von Unterhaltsarbeiten und Renovationen
pe auf Punkte gestossen, welche von ihr angestossen der heute in die Jahre gekommenen ersten StWE-Bau-
werden, mehrheitlich aber nicht mit dem Projekt «Digi- ten.
tale Dokumentation Stockwerkeigentum» abschlies- • Auffinden der StWE-Einheiten im öffentlichen GIS für
send gelöst werden können: Notare und sonstige Interessierte.
• Es muss geprüft werden, ob der Aufteilungsplan in • Vereinfachung der Aufgaben der Verwaltung durch
Zukunft rechtlich aufgewertet werden soll, damit ihm Verknüpfung der Information mit weiteren offiziellen
sowohl grundbuchrechtlich aber auch schuldrechtlich Registern wie z. B. GWR (Gebäude- und Wohnungs-­
eine erhöhte Beweiskraft zukommt. register).
• Der Aufteilungsplan ist heute nicht in jedem Fall zwin- • Die Ansprüche von Artikel 667 ZGB werden zumindest
gend zu erstellen, was zu überdenken ist. Insbeson- bezüglich Stockwerkeigentum erfüllt.
dere wenn ihm eine erhöhte Beweiskraft zukommt,
Die erwähnten Pilotprojekte werden bis Ende 2018
muss er als obligatorisch erklärt werden.
durchgeführt. In einer der nächsten Ausgaben von
• Die zukünftige Rolle der amtlichen Vermessung muss
­«cadastre» wird ein Artikel über die notwendigen recht-
noch geklärt werden:
lichen Anpassungen für die Dokumentation von Stock-
º Wer ist für die Dokumentation des Stockwerkeigen-
werkeigentum in der amtlichen Vermessung folgen.
tums zuständig? Die I­ngenieur-Geometerinnen und
-Geometer sind aufgrund ihrer langjährigen Erfah-
Patrick Reimann, pat. Ing.-Geom.
rungen bei den Liegenschaften dazu prädestiniert. Amt für Geoinformation des Kantons Basel-Landschaft
º Welche Daten werden durch die amtliche Vermes- patrick.reimann@bl.ch
sung geliefert? Im Begründungsakt sind nebst der
Helena Åström Boss, pat. Ing.-Geom.
räumlichen Ausscheidung der Anteil jedes Stock- Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
werks am Wert des gemeinsamen Grundstücks in swisstopo, Wabern
helena.astroem@swisstopo.ch
Bruchteilen mit einem gemeinsamen Nenner
(Art. 712e ZGB) anzugeben. Wird diese Wertquote
zukünftig durch die AV festgelegt?
• Mit Building Information Modeling (BIM) besteht ein Mitglieder der Arbeitsgruppe «DigDok StWE»:
wertvolles Instrument, welches die Koordination zwi- • Helena Åström Boss, swisstopo, Leitung
schen der Architektur und amtlichen Vermessung in • Marcel Frei, Amt für Raumentwicklung des Kantons
Zukunft vereinfachen kann. Dazu werden Standards Zürich
und Schnittstellen auch auf Seite Bau benötigt. • Meinrad Huser, Huser Bau- und Immobi­lienrecht, Zug
• Laurent Niggeler, Direction de la mensuration officielle
DMO des Kantons Genf
Nutzen und Ausblick
• Maria-Pia Portmann, Eidgenössisches Amt für Grund-
Wird für die Begründung von Stockwerkeigentum eine
buch- und Bodenrecht (EGBA)
3D-Dokumentation in der amtlichen Vermessung erstellt, • Patrick Reimann, Amt für Geoinformation des Kantons
entstehen gesamtwirtschaftlich interessante Verbesse- Basel-Landschaft
rungen und Zusatznutzen, welche das Grundbuch, das • Stefan Stucki, Grundbuchamt Emmental  /  Oberaargau
Notariat, das Immobilienwesen und besonders auch die • Carla Thoma, Acht Grad Ost AG, Ingenieure und Geo-
Eigentümer überzeugen dürften: meter, Schlieren
• Widerspruchsfreier und vollständiger geometrischer

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Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Think Tank «Dimension cadastre»: Ein ausser-


gewöhnliches Abenteuer geht zu Ende

Der Think Tank «Dimension cadastre» startete seine Arbeiten im 2013 und wird sie Ende 2017
abschliessen. Der Bericht «Grenzen überschreiten», das «SwissGeoLab» und ein Seminar für
nationale Politikerinnen, Politiker und Medienleute waren die Marksteine der vergangenen fünf
Jahre. Nun enden für die Mitglieder die ungewohnten Erfahrungen und Herausforderungen,
die mit dem Wirken eines Think Tanks einhergingen.

2012 – die Amtliche Vermessung Schweiz feierte ihr


«Les innovations sont presque toujours le fait d'explorateurs indivi-
100-Jahr-Jubiläum – wurde der Think Tank «Dimension duels ou de petits groupes, et presque jamais celui de bureaucraties
cadastre» lanciert. Damals wollten die Konferenz der importantes et hautement structurées.»
kantonalen Vermessungsaufsichten (KKVA), heute Laurent Niggeler inspiriert von Harold J. Leavitt
­CadastreSuisse, und die Eidgenössische Vermessungs-­
direktion, heute Bereich «Geodäsie und Eidgenössische Der Think Tank «Dimension cadastre» nahm am
Vermessungsdirektion» eine Diskussion darüber an-­ 16. Januar 2013 seine Arbeiten auf … wir blicken auf
stossen, wie die rasante Entwicklung der neuen Techno- die fünf Arbeitsjahre zurück:
logien, die wachsende Bedeutung des Internets, die
Zunächst ging es darum zu lernen, wie ein Think Tank
­Demokratisierung der Geodaten und die sozialen Netz-
funktioniert: Es werden Ideen entwickelt, die Beteiligten
werke das Katasterwesen beeinflussen. Sie gaben bei
befinden sich in einem permanenten «Brainstorming».
Avenir Suisse eine Studie in Auftrag, um Antworten
Ein für Nichteingeweihte verwirrendes Umfeld, denn
auf diese Fragen zu finden. Grundlage bildeten sechs
­unsere Diskussionen gingen oftmals in alle Richtungen,
Arbeitsthesen und Interviews mit Verantwortlichen aus
bevor sie in einer genaueren Idee mündeten. Wir fass-
der Bundesverwaltung und kantonalen Stellen.
ten daraufhin die ersten Schlussfolgerungen und Vor-
«Ein Think Tank für die amtliche Vermessung war visionär. Die Er- schläge in einer Publikation mit dem Titel «Grenzen
kenntnisse daraus sind einzigartig und fordern unseren Berufsstand überschreiten» zusammen. Diese wurde im Mai 2014
heraus. Nun braucht es Entscheide und Taten.»
auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch ver-­
Peter Dütschler öffentlicht. Diese erste Publikation hatte zum Ziel, die
Berufswelt für die gesellschaftlichen Veränderungen
Die sechs Thesen lauteten1: zu sensibilisieren.
1. Gebiete werden dreidimensional betrachtet. Hinsichtlich fehlendem Nachwuchs in unserer Berufs-
2. Gebiete haben eine historische Entwicklung. welt führten die Diskussionen zur Idee, einen mobilen
3. Gebiete überlappen sich in Bezug auf funktionale Experimentierraum zum Thema Geomatik zu schaffen
­Aspekte. (siehe Beitrag auf Seite 24). Das «SwissGeoLab» wurde
4. Eigentum wird gemeinschaftlich und auf mitbe-­ in Rekordzeit aufgebaut und am GEOSummit im Juni
stimmende Art genutzt. 2016 erstmals präsentiert – die letzten E­ xperimente
5. Die Realität wird erweitert, insbesondere durch jene wurden am Vortag der Eröffnung installiert! Diese zwei-
neuen Dienstleistungen, die von der Bevölkerung te Massnahme hatte zum Ziel, auf die Probleme bezüg-
selbst entwickelt und hinzugefügt werden. lich Nachwuchs zu reagieren.
6. Die Wissensdimension («knowledge society») wird
immer bedeutsamer. «Die Entwicklung von Zukunftsperspektiven ist zentraler Bestandteil
einer richtungsweisenden Planung. Wenn nur verwaltet wird, wer-
Die Studie beinhaltete schlussendlich vier Vorschläge: den hoffentlich zwar administrative Abläufe effizienter gestaltet,
Vorschlag 1: Von Geoinformationssystemen hin grundlegende Prozesse aber nicht hinterfragt.»

zu Raumwissenssystemen Daniel Steudler


Vorschlag 2: Gründung eines Think Tanks
Vorschlag 3: Eine IP-Adresse pro Parzelle Die in den vergangenen 18 Monaten geführten Dis-­
Vorschlag 4: Hin zu neuem Wissen: eine Gefahr kussionen hatten im Fokus, die politische Welt für die
für die Führungselite Digitalisierung der Gesellschaft und deren Einfluss auf
unsere Berufswelt zu sensibilisieren. In der Beilage zu
dieser Ausgabe der Fachzeitschrift «cadastre» finden
1
Dimension cadastre – Vision der amtlichen Vermessung, Sie die dazu veröffentlichten (letzten) Empfehlungen des
«cadastre» Nr. 10, Dezember 2012, S. 4 Think Tanks detailliert beschrieben. Anfangs Dezember

22
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

2017 organisierte der Think Tank zudem ein Seminar


«Il vero viaggio di scoperta non consiste nel cercare nuove terre,
mit Politikerinnen und Politikern, um diese Empfehlun- ma nell'avere nuovi occhi».
gen gemeinsam zu erörtern. Ziel dieser dritten Aktion
Cristiano Bernasconi inspiriert von Marcel Proust
war, die politische Welt auf die Herausforderungen
­unserer Berufswelt im Zusammenhang mit der Digitali-
Ich hatte das Privileg, diesen Think Tank an der Seite un-
sierung der Gesellschaft aufmerksam zu machen.
seres Moderators und Hauptagitators, Xavier Comtesse,
Beim Durchlesen obiger Zeilen und besonders der im zu organisieren und die gesellschaftlichen Veränderun-
2012 formulierten Thesen und Vorschläge fällt auf, dass gen mit den Mitgliedern des Think Tanks zu debattieren:
vor fünf Jahren Begriffe wie Internet der Dinge (engl. Cristiano Bernasconi, Bertrand Canelle, Peter Dütschler,
IoT, Internet of Things), Blockchain, BIM, Deep Learning, Olivier Glassey, François Golay, Jean-Christophe Guélat,
Watson etc. kaum bekannt waren. Diese rasanten Ent- Thomas Jarchow-von Büren, Roger Matter, Cédric
wicklungen in der digitalen Welt führten dazu, dass sich ­Moullet, Adrian Mühlematter, Marc Nicodet, Laurent
die Richtung der Diskussionen in der Gruppe auch im- Niggeler, Béatrice Simos-Rapin, Daniel Steudler, Pierre-
mer wieder veränderte. Wir trafen uns in diesen fünf Alain Trachsel und Carmen Vega-Orozco. Fridolin Wicki
Jahren rund 30 Mal, etwa sechs Mal pro Jahr, und und Roland Pfäffli waren in der ersten Zeit des Think
­nahezu bei jeder Sitzung zeigten sich uns neue Akteure, Tanks dabei. Ihnen allen sei an dieser Stelle herzlich für
neue Apps und neue Herausforderungen. Das machte ihr Mitwirken gedankt!
es nicht ganz einfach, jeweils über mehrere Monate eine
Richtschnur einzuhalten. Diese raschen Veränderungen Robert Balanche, Ing. HES dipl. en géomatique
Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
bedeuteten für unsere Empfehlungen auch, dass, wenn
swisstopo, Wabern
wir uns über deren Aussagen geeinigt, sie redigiert und robert.balanche@swisstopo.ch
übersetzt hatten, manche bei der Publikation schon fast
überholt waren.

Bestellung
E-Mail an infovd@swisstopo.ch unter
Angabe von:

• Postadresse
• Anzahl gewünschter Exemplare
• Sprache (Deutsch, Französisch, Italienisch
und Englisch)

23
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

SwissGeoLab – ein erstes Jahr voller


Begegnungen mit der Schweizer Jugend!

Schülerinnen und Schüler, die Spass haben, Lehrpersonen, welche die Experimente mit ihren
Klassen wiederholen wollen, unzählige Besuche und erfolgreiche Kooperationen – dies sind
nur einige positive Rückmeldungen nach dem ersten Jahr des SwissGeoLabs!

SwissGeoLab: ein mobiles Labor, ganz der Geo-­ Während diesen zwei Tagen kamen mehr als 250 Schü-
matik gewidmet lerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II mit der
Das SwissGeoLab wurde vom Think Tank «Dimension Geomatik, deren Technologien und beruflichen Möglich-
Cadastre» ins Leben gerufen, eine Gruppe aus Fach- keiten in Berührung. Nach dieser ersten positiven Erfah-
kräften des Bundesamtes für Landestopografie rung konnten die Entwickler des Labors gelassener der
­swiss­topo, der Konferenz der kantonalen Kataster-­ ersten Etappe in der Westschweiz entgegenblicken. Mit
dienste CadastreSuisse, der Ingenieur-Geometer Begeisterung wurde das SwissGeoLab am 26. September
Schweiz IGS zusammen mit Vertreterinnen und Ver-­ 2016 im Gymnase intercantonal de la Broye (GYB) in
tretern der Hochschulen. ­Payerne offiziell vorgestellt. Wir hätten uns jedoch nicht
erträumt, welchen Erfolg das SwissGeoLab haben würde.
In der ganzen Schweiz unterwegs sein, damit Schüle-­
rinnen und Schüler sowie interessierte Bürgerinnen und Schon über ein Jahr ist nun das SwissGeoLab unter-
Bürger die Welt der Geomatik auf eine originelle und wegs. Es hat nicht nur die gesetzten Ziele vollständig er-
lehrreiche Art erleben können: Das ist die Mission des füllt, sondern all unsere Erwartungen übertroffen. Im
SwissGeoLabs. Unsere Berufsgruppe ist der breiten Öf- Bildungsbereich wird das Labor von vielen Schülerinnen
fentlichkeit nach wie vor wenig bekannt, obwohl unsere und Schülern zusammen mit ihren Lehrpersonen be-
Spitzentechnologien von allen genutzt werden. Unsere sucht. Die Vielfalt der Experimente erlaubt es ihnen, ihre
Berufe bieten eine umfassende Ausbildung mit einer Unterrichtsfächer (wie zum Beispiel Geografie, Ge-
Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten. schichte, Mathematik, Physik, Informatik etc.) mit der
Geomatik zu verbinden. Die Schülerinnen und Schüler
Provisorische Bilanz einer erfolgreichen Reise zeigen sich interessiert, haben Spass und lernen spielend
Das SwissGeoLab kam testweise beim GEOSchoolDay dank einfachen und modernen Mitteln, die sie ohne
2016 im Rahmen des GEOSummit in Bern zum Einsatz. Mühe bedienen können. Die Reaktionen und Kommen-

Abbildung 1: Roadmap –
durchgeführte Etappen
(grau), aktuelle Etappe (rot),
geplante Etappen (orange).

24
Fachbeiträge cadastre Nº 25, Dezember 2017

Abbildung 2: Am Sandkas- tare der Lehrpersonen und deren Schülerinnen und SwissGeoLab rasch verbreitet, und die Anzahl Anfragen
ten haben die Jugendlichen
Schüler werden berücksichtigt, um die Übungen und nach Besuchen und längeren Aufenthalten des Labors
besonders Spass und ler-
nen spielend. ­Arbeitsblätter der diversen Experimente laufend anzu- steigen laufend.
passen und zu verbessern.
Die nächsten Etappen
Auf fachlicher Seite schafft das SwissGeoLab die Mög-
Bis Anfang Januar 2018 befindet sich das SwissGeoLab
lichkeit zur erfolgreichen Vernetzung des Fachbereichs
noch in Nyon, bevor es dann verschiedene Orte im Kan-
Geomatik mit dem öffentlichen Bildungswesen. Dabei
ton Thurgau besucht und schliesslich am GEOSchoolDay
entsteht sowohl eine verbindende Zusammenarbeit zwi-
2018 in Bern sein wird. Und weiter? Möchten Sie das
schen den Fachkräften des öffentlichen und privaten
SwissGeoLab auch zu sich holen? Besuchen Sie unsere
Sektors, die gemeinsam die Experimente des Labors be-
Website für mehr Informationen: www.swissgeolab.ch.
gleiten, als auch mit den Schulen, die den Kontakt zu
den Schülerinnen und Schülern gewährleisten. Folglich
Carmen D. Vega Orozco, PhD. sc. environnement
wird das Labor auf verschiedene Arten genutzt: von Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
­längerfristigen Aufenthalten bei schulischen Einrichtun- swisstopo, Wabern
gen bis hin zu kurzen Etappen für spezifische Aktivitäten
im Zusammenhang mit dem Beruf, wie zum Beispiel an
Berufsmessen oder anderen Ausstellungen. Das
­SwissGeoLab zeigt sich so von seiner polyvalenten Seite,
passt es sich doch den verschiedenen Veranstaltungen
an.

Überall hinterlässt das SwissGeoLab ein verlockendes


Bild dieser Berufsgruppe. Eine steigende Nachfrage nach
Lehrstellen ist eines der positiven Effekte dieses Kon-
zepts. Es ist noch zu früh, um in der Geomatik einen all-
fälligen Einfluss des Labors auf die Berufswahl zu mes-
sen. Wir hoffen aber trotzdem, dass die universitären
Bildungsinstitutionen in den kommenden Jahren eine
höhere Anzahl an Studierenden feststellen können, wel-
che diesen Weg fortsetzen möchten.

Zu guter Letzt kann man die Resonanz dieses Projekts


in den lokalen Medien nicht übersehen. Dank der
­Reportagen und Artikel hat sich das Interesse für das

25
Mitteilungen cadastre Nº 25, Dezember 2017

Neu festgelegt: die Fortbildung der im Geometer-­


register eingetragenen Ingenieur-­Geometerinnen
und Ingenieur-Geometer

Die im Geometerregister eingetragenen Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer haben


­verschiedene Berufspflichten zu erfüllen. Dazu gehört auch die Pflicht, sich kontinuierlich
­fortzubilden. Das Reglement über die Fortbildung der Ingenieur-Geometerinnen und Ingenieur-
Geometer legt die minimalen Anforderungen an diese Fortbildung fest.

Die Berufspflichten der im Geometerregister eingetra- Das Reglement in Kürze


genen Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer sind in • Umfang der Fortbildung
Artikel 22 Absatz 1 GeomV1 geregelt. Jede im Geometerregister eingetragene Person ist ver-
Insbesondere verpflichtet die Verordnung die Ingenieur- pflichtet, sich mindestens 16 Stunden pro Kalender-
Geometerinnen und Ingenieur-Geometer, ihre beruf- jahr fortzubilden. Ein Tag entspricht 8 Stunden.
lichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten durch • Inhaltder Fortbildung (Fortbildungskriterien)
kontinuierliche Fortbildung zu vertiefen, zu erweitern Als Fortbildung gilt jedes Angebot, dessen Inhalt sich
und zu verbessern: auf mindestens einen Themenkreis des Staatsexamens
(Art. 9 GeomV) bezieht.
Geometerverordnung • Form der Fortbildung, Fortbildungskategorien
Artikel 22 Berufspflichten Die Institutionen, deren Bildungsangebote als Fortbil-
… dungsveranstaltung gelten, sind im Reglement ebenso
g. Sie vertiefen, erweitern und verbessern ihre beruflichen
Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten durch kontinuier-
näher umschrieben wie die Kategorien der fachspezifi-
liche Fortbildung. schen Bildungsaktivitäten.

• Bestätigung / Zertifikat
der Fortbildung
Die Fortbildung muss durch den Anbieter bestätigt
Die Berufspflicht der «kontinuierlichen Fortbildung» ist werden. Die Angaben auf der Bestätigung sind im
jedoch nicht nur eine Pflicht, sondern für die selbststän- ­Reglement näher umschrieben.
dige Ausführung von Arbeiten der amtlichen Vermes-
• Kontrollorgan
sung ein Muss.
Es obliegt der für die Vermessungsaufsicht zuständi-
In Absprache mit der Fachstelle des Bundes – die Eidge- gen kantonalen Behörde, ob regelmässig oder punk-
nössische Vermessungsdirektion2 – sowie der Konferenz tuell eine Überprüfung der im Geometerregister ein-
der kantonalen Katasterdienste CadastreSuisse hat die getragenen Personen vorgenommen werden soll.
Eidgenössische Kommission für Ingenieur-Geometerin- • Aufbewahrungsfrist
nen und -Geometer ein Reglement über die Fortbildung Die im Geometerregister eingetragene Person ist ver-
der Ingenieur-Geometerinnen und Ingenieur-Geometer pflichtet, die Bestätigungen/Zertifikate während fünf
erstellt3. Dieses legt die minimalen Anforderungen an Jahren aufzubewahren.
die Fortbildung der im Geometerregister eingetragenen
Ingenieur-Geometerinnen und Ingenieur-Geometer fest, Das Reglement tritt per 1. Januar 2018 in Kraft und gilt
unabhängig davon, ob diese nun in der amtlichen Ver- für alle im Geometerregister 4 eingetragenen Personen.
messung aktiv sind oder nicht.
Georges Caviezel, pat. Ing.-Geom.
Präsident Eidgenössische Kommission für
Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer
geometerkommission@swisstopo.ch

1
Verordnung über die Ingenieur-Geometerinnen und Ingenieur-Geome-
ter (Geometerverordnung, GeomV), (SR 211.432.261)
2
Art. 40 Verordnung über die amtliche Vermessung VAV, SR 211.432.2 4
www.cadastre.ch /av  Organisation  Geometerregister  Abschnitt
3
www.cadastre.ch /av  Organisation  Berufspflichten «Zugang zum Geometerregister (Abrufverfahren)»

26
Mitteilungen cadastre Nº 25, Dezember 2017

Neu patentierte Ingenieur-Geometerinnen und


­-Geometer 2017 – Patentübergabe in feierlichem
Rahmen

Eine Ingenieurin und acht Ingenieure dürfen neu den Titel «Patentierte Ingenieur-Geomete-­
rin» resp. «Patentierter Ingenieur-Geometer» tragen. Sie wurden am 15. September 2017
nach erfolgreich abgeschlossenem Staatsexamen im Hotel Bellevue Palace in Bern patentiert.

Mit der Patenterteilung und vorbehältlich des Eintrags


im Register für Ingenieur-Geometerinnen und -Geo-­
meter sind sie nun berechtigt, in der ganzen Schweiz
amtliche Vermessungen durchzuführen.

Die Patente wurden durch Georges Caviezel, Präsident


der Eidgenössischen Kommission für Ingenieur-Geome-
terinnen und -Geometer, und Marc Nicodet, Leiter des
Bereichs «Geodäsie und Eidgenössische Vermessungs-­
direktion» des Bundesamts für Landestopografie swiss-
topo, überreicht.

An der Patentfeier waren zudem Dr. Fridolin Wicki, Di-


rektor des Bundesamtes für Landestopografie swisstopo
anwesend sowie Thomas Frick, Präsident des Berufsver-
bandes der Ingenieur-Geometer Schweiz (IGS), Petra
Hellemann, Präsidentin geosuisse, Patrick Reimann, Präsi-
Abbildung (von links nach In Anwesenheit von rund 80 Personen fand am 1 ­ 5. Sep- dent CadastreSuisse und Hansueli Würth, Vizepräsident
rechts):
tember 2017 im Hotel Bellevue Palace in Bern die feier- Geo+Ing. Sie und die zahlreichen Familienangehörigen,
Steven Grivel, Grégory
Steiner, Pascal Jourdan, liche Übergabe der Patenturkunde an die erfolgreichen Freundinnen und Freunde, Arbeitgeber sowie Mitglieder
Vanessa Chevallier, Milo Absolvierenden des Staatsexamens statt. Eine Ingenieurin und Experten der Geometerkommission zollten den er-
Pozzi, Pascal Inauen, folgreichen Prüflingen ihren Respekt.
Giacomo Sani, Joachim
und acht Ingenieure dürfen ab sofort den Titel «Paten-
Nicod, Martin Andreas tierte Ingenieur-Geometerin» resp. «Patentierter Ingeni- Hauptredner der Patentfeier war Dr. Urs Marti, ausge-
Wehrli eur-Geometer» tragen: wiesener Experte im Bereich der geodätischen Landes-
Foto: Georges Caviezel
Chevallier Vanessa, Leysin vermessung beim Bundesamt für Landestopografie. Mit
Grivel Steven, Estavayer-le-Lac seinem Referat «Höhenbestimmung – nicht immer so
Inauen Pascal, Rorschach einfach, wie es scheint» verstand er es, eine sehr techni-
Jourdan Pascal, Vevey sche Materie auf unterhaltsame Art den anwesenden
Nicod Joachim, Chenaux Gästen näher zu bringen.
Pozzi Milo, Cadempino Der anschliessende Aperitif bot Gelegenheit, nochmals
Sani Giacomo, Camorino Erfahrungen und Anekdoten auszutauschen und die
Steiner Grégory, Sorens ­Feierlichkeiten in geselliger Runde ausklingen zu lassen.
Wehrli Martin Andreas, Bülach Der feierliche Rahmen in unmittelbarer Nachbarschaft
Nach Erlangung des Mastertitels und mindestens zwei zum Bundeshaus wurde allseits sehr geschätzt.
Jahren Berufserfahrung, in denen Kenntnisse in den vier Wir gratulieren der patentierten Ingenieur-Geometerin
Themenkreisen «Amtliche Vermessung», «Geomatik», und den patentierten Ingenieur-Geometern herzlich: Sie
«Landmanagement» und «Unternehmensführung» ge- dürfen stolz darauf sein, diesen Titel zu tragen! Für ihre
wonnen werden müssen, verbrachten die Kandidatin berufliche Zukunft wünschen wir ihnen viel Erfolg und
und die Kandidaten drei intensive Examenswochen im auch für den privaten Weg alles Gute.
nationalen Sportzentrum in Magglingen. Dieses Zent-
rum – im Internet angepriesen als Quelle «sportlicher Georges Caviezel, pat. Ing.-Geom.
und geistiger Spitzenleistungen in inspirierender Umge- Präsident der Eidgenössischen Kommission für
Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer
bung» – eignet sich bestens für die Durchführung des
geometerkommission@swisstopo.ch
Staatsexamens, werden doch von den Kandidatinnen
und Kandidaten ebenfalls Höchstleistungen verlangt.

27
Mitteilungen cadastre Nº 25, Dezember 2017

Informationsbroschüre «Die amtliche Vermessung


der Schweiz: eine Basis für Sicherheit und Wohl-
stand.»

Die neu konzipierte Informationsbroschüre vermittelt einen Überblick über Wert und Nutzen
der amtlichen Vermessung in der Schweiz.

Ein grosser Teil der Bevölkerung weiss nicht, was amtli- werden. Diese Aufgaben, Datengewinnung, -aktualisie-
Ein Printprodukt
mit Wert che Vermessung ist oder bringt sie allenfalls mit Grund- rung und -verarbeitung, werden von zahlreichen Fach-
Eine gedruckte Bro- stücksgrenzen, die vermessen werden, in Verbindung. leuten mit unterschiedlichen Berufen und Ausbildungs-
schüre kann abgegeben
Aber amtliche Vermessung hat einen weitreichenderen wegen wahrgenommen – auch darüber gibt die Bro-
werden. Als fassbares
­
Objekt verkörpert sie Nutzen für jeden Einzelnen und unsere Gesellschaft: schüre Auskunft.
einen Wert, etwas, das amtliche Vermessung ist eine Basis für Sicherheit und
Bestand hat. Diese Bot- Die Broschüre vermittelt einen Überblick, ohne sich ins
Wohlstand.
schaft passt bestens Detail zu verlieren. Ziel ist, die amtliche Vermessung
zur amtlichen Vermes-
Die neu konzipierte Informationsbroschüre zeigt nicht ganz allgemein zu erklären und Lust auf mehr Infor-­
sung: Was hier an Leis-
tungen erbracht wird, nur den Wert der amtlichen Vermessung als Garantin mationen zu wecken – mit QR-Codes sowie Links auf
dient als Basis, um des Grundeigentums auf. Sie stellt mit grossformatigen www.cadastre.ch, dem Portal des schweizerischen
­Werte und Nutzen zu
schaffen, die Bestand
Fotos und Botschaften den Zusammenhang der amt-­ ­Katasterwesens. Diese neue Publikation ist in Deutsch,
haben. Mit der Verbin- lichen Vermessung zu wesentlichen Pfeilern unseres Französisch, Italienisch und Englisch erhältlich und für
dung zur Website Wohlstandes her: zu Sicherheit – Eigentumsgarantie und alle Interessierten kostenlos.
www.cadastre.ch wird
ebenso der digitalen
Planungssicherheit – sowie zu Innovation und zu Le- Liebe Fachleute, es ist nun an Ihnen, diese neue Publika-
­Information Rechnung bensqualität. In all diesen Bereichen werden die zuver- tion als Werbemittel einzusetzen, sei dies an Berufsbil-
getragen: auch dies lässigen Daten der amtlichen Vermessung genutzt. dungsmessen oder Gewerbeausstellungen, sei dies zum
entspricht der amtli-
chen Vermessung als Auflegen und Abgeben im Geometerbüro oder für Lehr-
Die Broschüre zeigt ebenfalls auf, dass die Infrastruktur
­
Lieferantin digitaler kräfte als Anschauungsmaterial in Schulklassen. Nutzen
Geoinformationen. «Amtliche Vermessung» – im über 100-jährigen Zusam-
Sie die Broschüre und machen Sie Werbung für Ihren
menspiel von Privatwirtschaft und öffentlicher Hand –
Beruf und die amtliche Vermessung!
eine Daueraufgabe ist: Die Schweiz ändert fortwährend
ihr Gesicht. Es ist Aufgabe der amtlichen Vermessung,
Elisabeth Bürki Gyger
aktualisierte Daten bereitzustellen. Nur so kann der ge- Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
samte Nutzen der amtlichen Vermessung ausgeschöpft elisabeth.buerki-gyger@swisstopo.ch

Bestellung

Innovation: Die amtliche Vermessung ermöglicht E-Mail an infovd@swisstopo.ch


Fortschritt – etwa in der Stadtentwicklung. unter Angabe von:
• Postadresse
• Anzahl gewünschter Exemplare
• Sprache (Deutsch, Französisch,
Italienisch und Englisch)
Die Auslieferung erfolgt ab Mitte
Januar 2018.
Amtliche Vermessung Schweiz 2017

Die amtliche Vermessung der Schweiz:


eine Basis für Sicherheit und Wohlstand.

wohin

wissen

swisstopo

Schweizerische Eidgenossenschaft
Confédération suisse
Confederazione Svizzera
Confederaziun svizra

Bundesamt für Landestopografie swisstopo


www.swisstopo.ch

2 3

28
Mitteilungen cadastre Nº 25, Dezember 2017

Empfehlung für die Anwendung geometrischer


Transformationsmethoden in der amtlichen
Vermessung

Der bisherige Leitfaden aus dem Jahre 2008 wurde inhaltlich und redaktionell überarbeitet
und liegt nun neu als Empfehlung in deutscher und französischer Fassung vor.

Die Empfehlung für die Anwendung geometrischer Ein Literaturverzeichnis und eine Liste mit Abkürzungen
Transformationsmethoden in der amtlichen Vermessung schliessen die Empfehlungen ab.
hat eine unveränderte Zweckbestimmung und ding-­
Die neue Empfehlung für die Anwendung geometrischer
liche Wirkung: Sie soll die Benutzerinnen und Benutzer
Transformationsmethoden in der amtlichen Vermessung
unterstützen bei der Entzerrung von Vermessungswer-
kann als PDF-Datei auf dem Portal des schweizerischen
ken mit Spannungen und bei der geometrischen Inte-
Katasterwesens www.cadastre.ch  Service & Publika-­
gration von Geodaten verschiedenster Bestimmungsart
tionen  Publikationen heruntergeladen werden.
und aus verschiedensten Bezugsrahmen mit den Daten
Dort sind auch alle Abbildungen für Vorträge und Schu-
der amtlichen Vermessung.
lungszwecke in hoch aufgelöster Form als ZIP-Datei ab-
Die Erneuerungsarbeiten umfassten eine Aktualisierung rufbar.
der ersten drei Kapitel «Benutzerhinweise», «Einlei-
Ziel der Autoren ist es, dass leitende Angestellte und
tung», «Typologie der Fälle» auf die aktuelle Situation,
Projektverantwortliche sowie Lehrende und Lernende,
wobei die Problemanalyse besonders die Entstehung
welche mit der Umsetzung von geometrischen Entzer-
der aktuellen Bezugsrahmen und den Wechsel zwischen
rungen betraut sind, in der Empfehlung viele Grund-­
älteren zu ihnen thematisiert. Es ist wichtig zu verste-
sätze, Schlüsselerkenntnisse und methodische Hinweise
hen, wie die Bezugsrahmen entstanden sind und welche
für ihre Arbeit finden. Sie mögen dadurch rascher und
Eigenschaften sie haben, um vorhandene Geodaten
wirkungsvoller zu einem qualitativ hochstehenden und
­optimal zu überführen.
wirtschaftlich optimalen Ergebnis gelangen.
Das vierte Kapitel «Aufzählung der Methoden» ist die
theoretische Basis für die geometrische Homogenisie- Beat Sievers, pat. Ing.-Geom.
rung von Geodaten und erklärt die Algorithmen und sievers-frey@bluewin.ch

­deren Eigenschaften. Es wurde ergänzt um die in der


geodätische Softwareserie des Bundesamtes für Landes-
Zusammensetzung des Redaktionsteams
topografie swisstopo neu programmierten Transforma-
Das Redaktionsteam setzte sich aus Mitarbeitenden von
tions- und Interpolationsmethoden. ­swisstopo, Andreas Schlatter, Markus Scherrer, Jérôme Ray und
­Elisabeth Bürki Gyger und den A­ utoren des Leitfadens aus dem
Das vollständig erneuerte fünfte Kapitel «Aufzählung
Jahre 2008 zusammen: Raymond Durussel, Laurent Huguenin
der Systeme und Programme» beschreibt die aktuell und Beat Sievers. Letzterer koordinierte zudem die Erneuerungs-
häufig eingesetzten Softwaresysteme und Programme. arbeiten.

Kapitel 6 «Fallweise unterschiedliche Bearbeitung» er-


läutert Lösungsansätze und Grundsätze zur Integration
von Geodaten verschiedenster Herkunft und Qualität.
Das «Allgemeine Entscheidungsschema» in Kapitel 6.1.3
dürfte für technische Bearbeitende hilfreich sein.
Die weiteren Unterkapitel von Kapitel 6 enthalten Er-
kenntnisse aus vielen vergangenen Vermessungsopera-
ten hinsichtlich der Bearbeitung und Beurteilung von
künftigen Erneuerungen. Neben Vektordaten wird auch
die Integration von Rasterdaten und Punktwolken kurz
behandelt.

Das Kapitel 7 «Beispiele und Erfahrungen» beschreibt


Konkretes aus aufgearbeiteten alten Vermessungswerken
(grafisch, halbgrafisch, Bonne'sche Projektion  Zylin-
derprojektion) sowie aus der Zeit des Bezugsrahmen-
wechsels LV03  LV95. Auch hier sind wertvolle und an-
wendbare Erkenntnisse aufgeführt.

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Mitteilungen cadastre Nº 25, Dezember 2017

Informationsveranstaltung ÖREB-Kataster
2017: Rückblick

Die Informationsveranstaltung vom 8. November 2017 zum Thema «Digital first! – Der ÖREB-
Kataster fördert digitale Geschäftsprozesse» führte zu angeregten Diskussionen. Der Para-­
digmawechsel hin zu volldigitalen Abläufen und rechtsgültigen Daten ist eine grosse Heraus-
forderung, bei welcher der Kataster der öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen
(ÖREB-Kataster) erste Schritte vollzieht, weitere Schritte aber noch umsetzen muss.

Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der • rechtsgültigerKatasterinhalt,


­ganzen Schweiz trafen sich am 8. November 2017 im • weitere Zusatzinformationen wie laufende Änderun-
Hotel Arte in Olten zum Thema «Digital first» und dem gen und
Trendthema «Digitalisierung». Die durch das Bundes- • Zusatzfunktionen wie amtliches Publikationsorgan
amt für Landestopografie swisstopo, KKGEO1 und wurden thematisiert. Zudem wurde auf das Neben- und
­CadastreSuisse  2 gemeinsam durchgeführte Veranstal- Miteinander von Grundbuch und ÖREB-Kataster bei den
tung widmete sich einerseits dem Stand der Einführung Anmerkungen eingegangen.
des Katasters der öffentlich-rechtlichen Eigentumsbe-
Daniel Kettiger, freischaffender Rechtsanwalt /  Mag. rer.
schränkungen (ÖREB-Kataster) und andererseits gene-
publ., führte dann in die Zusatzfunktion «amtliches
rell der Digitalisierung in der Verwaltung. Der ÖREB-­
­Publikationsorgan» ein. Er zeigte auf, wie unterschied-
Kataster ist ein exemplarisches Vorhaben dazu. Neben
lich die Entstehungsprozesse, die öffentliche Auflage
den technischen Herausforderungen führt dies auch zu
und die Publikation bei den 17 ÖREB-Themen geregelt
vielen rechtlichen Fragestellungen, was wie gemacht
ist und was bei der Erweiterung mit der Zusatzfunktion
werden muss, damit den Daten die Rechtsverbindlich-
amtliches Publikationsorgan zu beachten ist.
keit zugesprochen werden kann.
Dr. Amir Moshe, leitender Jurist beim Grundbuch- und
Laurent Niggeler, Kantonsgeometer Genf, gab einen
Vermessungsamt Basel-Stadt, zeigte die elegante Basler-
Einblick in die vielen Arbeiten, die im Kanton Genf zum
Lösung zum amtlichen Publikationsorgan auf. Dank dem
Thema digitale Verwaltung laufen. Ein Hauptanliegen
digitalen Amtsblatt können bei öffentlichen Auflagen
ist dabei, dass alle Geschäftsbeziehungen der Verwal-
von ÖREB direkte Verlinkungen ins ÖREB-Katasterportal
tung mit den Kundinnen und Kunden (Privaten und Fir-
mit den projektierten ÖREB vorgenommen werden.
men) vollständig digital abgewickelt werden können.
Dabei ist Building Information Modelling (BIM) der star- Dr. Fridolin Wicki, Direktor swisstopo, gab einen Über-
ke Treiber bei der Digitalisierung der ganzen Bautätig- blick über das Thema «Digitalisierung». Bei Bund und
keiten und damit auch bei den Baubewilligungen. Dazu Kantonen gibt es verschiedenste Aktivitäten und Initiati-
genügt eine PDF-Baueingabe nicht, sondern es geht um ven, die den digitalen Geschäftsverkehr mit allen stark
die zusätzliche Modelldatenabgabe, die automatisiert fördern wollen. Mit dem ÖREB-Kataster erfolgt eine bei-
geprüft werden kann. spielhafte digitale Zusammenarbeit über alle föderalen
Stufen und mit den verschiedensten Fachstellen, mit
Damit der Paradigmawechsel in der Verwaltung vollzo-
dem Ziel, den Benutzerinnen und Benutzern diese Infor-
gen werden kann, braucht es entsprechende gesetzliche
mation einfach, schnell und zuverlässig zugänglich zu
Grundlagen. Beim ÖREB-Kataster bestehen diese im
machen. Als erwünschter Nebeneffekt hat auch die Ver-
GeoIG3 und in der ÖREBKV 4. Prof. Dr. Sutter-Sohm, Ordi-
waltung selber die gleichen Informationen für ihre eige-
narius für Zivilrecht und Zivilprozessrecht der Universität
nen Tätigkeiten einfacher zur Verfügung.
Basel, führte aus, dass die bestehenden gesetzlichen
Grundlagen zwar gut sind, aber mit den Praxiserfahrun- Yves Maurer, Raumplaner beim Bundesamt für Raum-
gen der letzten Jahre doch einer Revision und Präzisie- entwicklung, motivierte die Planerinnen und Planer
rung bedürfen. Die bessere Unterscheidung in stark, die neuen digitalen Möglichkeiten in der Geoin-
formation auch für die Raumplanung einzusetzen.
1
KKGEO: Konferenz der Kantonalen Geoinformationsstellen ­Etliche Kantone haben dazu schon sehr gute Initiativen
2
CadastreSuisse: Konferenz der kantonalen Katasterdienste ­ergriffen. Voraussetzung dazu sind über die ganze
3
Bundesgesetz über Geoinformation (Geoinformationsgesetz, GeoIG), Schweiz harmonisierte Daten.
SR 510.62
4
Verordnung über den Kataster der öffentlich-rechtlichen Eigentums-­
beschränkungen (ÖREBKV), SR 510.622.4

30
Mitteilungen cadastre Nº 25, Dezember 2017

Ab dem Jahr 2020 sollen schweizweit 17 ÖREB-Themen


in den kantonalen ÖREB-Katasterportalen einfach zu-
gänglich sein. Es existieren aber bedeutend mehr öffent-
lich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen. Deshalb
­wurde in einem Schwergewichtsprojekt Kandidaten für
weitere ÖREB-Themen gesucht. Marc Iskandar, Geo-­
matikingenieur beim Kanton Jura, stellte den Stand der
Arbeiten vor. Die Basis bilden die Geobasisdatensätze
gemäss Anhang 1 GeoIV 5. Zudem wurde der Aufnahme-
prozess für neue ÖREB-Themen nach Bundesrecht ent-
worfen.

Nach dem Mittagessen fanden die Workshops statt.


In kleineren Gruppen wurde angeregt über die neuen
ÖREB-Themen, die Standardwerkzeuge (Tools) für den
ÖREB-Kataster, den Nutzen harmonisierter Raument-
wicklungsdaten und das amtliche Publikationsorgan
­diskutiert.

Am Nachmittag gab Dr. Bastian Graeff vom Kanton Uri


einen Überblick über den Einführungsstand und die
­kantonalen Lösungen. Er zeigte die verschiedenen Orga-
nisationsformen und die kantonalen Erweiterungen mit
zusätzlichen ÖREB auf. Dann stellte er kurz die Haupt-
ergebnisse der Schwergewichtsprojekte vor zu 3D-ÖREB,
dem gemeinsamen Grundbuch- und ÖREB-Auszug,
den projektierten ÖREB und schloss mit einem Blick über
die Landesgrenze zu den Einführungsbestrebungen im
Fürstentum Liechtenstein.

Anschliessend stellte Jean-Marc Buttliger, Leiter GIS-


Fachstelle des Kantons Basel-Landschaft, konkret ihre
Lösung und die angetroffenen Herausforderungen vor.
Er zeigte ganz klar, dass es hauptsächlich ein Organi-­
sationsprojekt ist. Es sind prozessuale Regelungen über
die verschiedenen Prozessschritte – von der Erstaufnah- Ausblick und fragte sich, was zur Weiterentwicklung des
me der Daten pro Thema bis zur Datenprüfung vor der ÖREB-Katasters zu einem Rechtskataster oder zu einem
Genehmigung – zu treffen, damit die rechtsgültigen Raumkataster nötig sei.
ÖREB publiziert werden können. Die Einführung des
Insgesamt war es eine sehr gelungene Veranstaltung
ÖREB-Katasters stellt damit eine exzellente Gelegenheit
und wir freuen uns schon auf die Fortsetzung im
dar, um die digitalen Geobasisdaten in die Geschäfts-
­nächsten Jahr, am Dienstag, 13. November 2018 in der
prozesse zu integrieren, die Prozesse zu überdenken und
Welle 7 in Bern.
zu optimieren sowie die Zusammenarbeit zwischen den
Dienststellen zu festigen.
Christoph Käser, dipl. Ing. ETH
Mit einem kurzen Überblick über den Stand des Erreich- Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
swisstopo, Wabern
ten und der anstehenden nächsten Schritte gab Marc
christoph.kaeser@swisstopo.ch
Nicodet, Bereichsleiter «Geodäsie und Eidgenössische
Vermessungsdirektion», swisstopo, einen Einblick in die
geplante Weiterentwicklung des ÖREB-Katasters ab
2020. Zum Schluss wagte er noch einen längerfristigen

5
Verordnung über Geoinformation (Geoinformationsverordnung, GeoIV),
SR 510.620

31
Mitteilungen cadastre Nº 25, Dezember 2017

Neue Steuergruppe BIM – Kreisschreiben und Express:


Geodaten jüngste Veröffentlichungen

Die Digitalisierung der Baubranche schreitet voran und Kreisschreiben


beeinflusst auch die Geomatik. Die technischen Entwick- für wichtige Präzisierungen von gesamtschweizerisch
lungen im Bereich BIM (Building Information Modelling) anwendbaren rechtlichen Vorschriften
eröffnen neue Formen der fachbereichsübergreifenden  Datum Thema
Zusammenarbeit. Um dieses Potenzial zu nutzen, müs-
    20. 10. 2017 Kreisschreiben ÖREB-Kataster Nr. 2017  / 02
sen Arbeitsprozesse überprüft und Schnittstellen neu Weisung «ÖREB-Kataster — ÖREB-Webservice
definiert werden. (Aufruf eines Auszugs)»
Änderung vom 01.11. 2017
Die neu gegründete Steuergruppe «BIM – Geodaten»
hat zur Aufgabe, diese Entwicklungen innerhalb der     20. 10. 2017 Kreisschreiben ÖREB-Kataster Nr. 2017  / 03
Weisung «ÖREB-Kataster — DATA-Extract»
Geomatikbranche zu koordinieren und voranzutreiben. Änderung vom 01.11. 2017
Geleitet wird die zehnköpfige Gruppe von Matthias
Widmer, Vizepräsident des Schweizerischen Verbands
für Geomatik und Landmanagement geosuisse, ein Express
Fachverein des Schweizerischen Ingenieur- und Archi- für allgemeine Informationen und Umfragen
tektenvereins SIA.  Datum Thema

Mitglieder der Steuergruppe konnten an der Erarbei-     07. 09. 2017 AV-Express 2017 /  06
Monitoring des volkswirtschaftlichen Nutzens der
tung des SIA Merkblatts 2051 Building Information AV-Daten – Resultate 2016 und Fragebogen 2017
­Modelling (BIM) – Grundlagen zur Anwendung der
­BIM-Methode mitwirken und h ­ aben dabei Erfahrungen     24. 11. 2017 ÖREB-Kataster-Express 2017 /  05
Jahresbericht «ÖREB-Kataster» 2017 erstellen –
und Anliegen der Geomatik eingebracht. Dieses tritt
Auftrag an die Kantone
auf den 1. Januar 2018 in Kraft. Es kann bei der SIA
­bezogen werden.

Helena Åström Boss, pat. Ing.-Geom.
Im Auftrag der Steuergruppe «BIM – Geodaten»
helena.astroem@swisstopo.ch

32
Veranstaltungen cadastre Nº 25, Dezember 2017

Staatsexamen 2018 zur Kolloquien des ­Bundes-­­


Erlangung des ­Geometer- amtes für ­Landestopografie
patents swisstopo 2018

Die anwendungs­orientierte Prüfung Die Kolloquien von swisstopo


Schweizerische Eidgenossenschaft
swisstopo
umfasst die Themenkreise «Amtliche umfassen Vorträge zu ausge-
Confédération suisse
Confederazione Svizzera
Confederaziun svizra

Vermessung», «Geomatik», «Land-


Eidgenössisches Departement für Verteidigung,
wählten Themen aus den Fachgebieten Vermessung,
Bevölkerungsschutz und Sport VBS
management» und «Unternehmensführung».
Bundesamt für Landestopografie swisstopo Topografie, Kartografie und Landesgeologie sowie
von KOGIS (Koordination, Geo-Information und Ser-
2018 tritt ein neuer Prüfungsmodus in Kraft1. Die Prü-
vices).
fungsdauer des Staatsexamens wird – unter Beibehaltung
des Prüfungsniveaus – von drei auf zwei Wochen gekürzt. Die unten aufgeführten Veranstaltungen sind öffent-
lich und finden jeweils freitags, 10.00 – 11.30 Uhr
Dem Themenkreis A «Amtliche Vermessung» wird mehr
bei swisstopo an der Seftigenstrasse 264 in Wabern
Gewicht verliehen: Die Feldprüfung wird neu immer im
statt.
Themenkreis A durchgeführt.
Aus organisatorischen Gründen verzichten wir hier
Zudem gibt es die Möglichkeit, eine der vier Themenkreis-
auf die Publikation der genauen Kolloquiendaten.
prüfungen (schriftlich und mündlich) um ein Jahr zu ver-
Das aktuelle Veranstaltungsprogramm ist abrufbar
schieben. Diese wird zeitvariable Prüfung genannt. Mit der
unter www.swisstopo.ch /colloquium.
Anmeldung muss die Kandidatin resp. der Kandidat mit-­
teilen, ob sie bzw. er von der Möglichkeit der zeitvariablen
Januar 2018
Prüfung Gebrauch machen will und falls Ja, in welchem
• Direttissima 2.0 – Eine Reise durch die Schweiz
Themenkreis die Prüfung im darauffolgenden Jahr abgelegt
mit dem Abenteurer Thomas Ulrich
wird. Eine Abmeldung ist nur für das Staatsexamen als
• Mehr als Landeskarten – Auf Schatzsuche bei
Ganzes zulässig. Die zeitvariable Prüfung muss zwingend
­swisstopo
im darauffolgenden Jahr abgelegt werden.

März 2018
Agenda Staatsexamen 2018
• map.revision.admin.ch: Der Revisionsdienst wird
1. Woche: 20. bis 24. August 2018
­öffentlich
2. Woche: 27. bis 31. August 2018
• Die Bedeutung von Zeitreihen in der geodätischen
Patentfeier: 7. September 2018
Landes- und Ingenieurvermessung*
Das Staatsexamen 2018 findet im Bundesamt für Sport • Auswertung von Satellitendaten für Schweizer
in Magglingen statt. Kunden – NPOC use cases*

Die Anmeldung muss zwingend folgende Dokumente


April 2018
­umfassen:
• Eine andere Dimension – 3D web Geodienste*
• Anmeldeformular (www.cadastre.ch  /anmeldung),
• Fotogrammmetrie beim Tunnelvortrieb im Mont
• Lebenslauf mit Foto,
Terri Felslabor – Berührungsfreie digitale Tunnel-­
• Anerkennungsentscheid oder Gesuch um Anerkennung
dokumentation*
der theoretischen Vorbildung,
• swissBUILDINGS3D – alle Gebäude der Schweiz
• Nachweis der Berufspraxis.
in 3D*
Sie ist bis spätestens 31. März 2018 per Post (Post­stempel • Satellitengestützte Radarinterferometrie für
zählt) an folgende Adresse zu richten: die Schweiz*
Sekretariat der Eidgenössischen Kommission für
Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer Bundesamt für Landestopografie swisstopo
c  /o Bundesamt für Landestopografie
Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
Seftigenstrasse 264
3084 Wabern
* Eine Fortbildung für Ingenieur-Geometerinnen und -Geo-
Zusätzliche Informationen finden Sie auf www.cadastre.ch/ meter im Rahmen deren Berufspflichten (Art. 22, GeomV),
geometer   Anmeldung Staatsexamen empfohlen durch die Kommission für Ingenieur-Geometerin-
nen und -Geometer
Eidgenössische Kommission für
Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer

1
vgl. «cadastre» Nr. 24, August 2017

33
Veranstaltungen cadastre Nº 25, Dezember 2017

Spirgarten 2018 Seminar «Öffentliches Recht


und Verwaltungsrecht»

Ziel des Spirgartentreffens ist der Geomatik und Landmanage-


offene Informationsaustausch ment befassen sich mit
über den aktuellen Stand der Nor- der Sicherung des p­ rivaten
mierung und Standardisierung in Grundeigentums. Sie folgen den Regeln des Grund-
der Geoinformationstechnologie zwischen GIS-Fachleu- buch- und Vermessungsrechts und ermöglichen die
ten der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirt- rechtmässige Führung der Register und Kataster, die pri-
schaft. vate Rechte, aber auch öffentlich-rechtliche Schranken
festhalten. Geomatikfachleute können verantwortlich
Das nächste Spirgartentreffen findet statt am für die Registerführung sein oder Informationen zur
Aufnahme in öffentlichen Registern liefern. Sie müssen
22. März 2018, 9.30 – 12.30 Uhr
die Verwaltungsabläufe kennen und den Handlungs-
im Kongresszentrum Spirgarten – Zürich Altstetten
umfang der Verwaltungsverantwortlichen einschätzen
Das Hauptthema wird später definiert. können.

Das Programm finden Sie ab ca. Februar 2018 auf Der Berufsverband IGS Ingenieur-Geometer Schweiz
www.interlis.ch / spirgarten. führt im Juni 2018 in Zürich ein 2-tägiges Seminar durch
mit folgenden Schwerpunkten:
Schauen Sie vorbei: neue Teilnehmerinnen und
• Grundlagen
Teilnehmer sind herzlich willkommen!
• Staatsorganisation
• Staatliches bzw. verwaltungsrechtliches Handeln
Geodäsie und
• Verfahrensgarantien und Freiheitsrechte: eine Über-
Eidgenössische Vermessungsdirektion
sicht

Das Seminar richtet sich insbesondere an Betriebsinha-


berinnen und -inhaber, an leitende Mitarbeitende aus
der Privatwirtschaft (IGS-Büros, Notariate) und der
­öffentlichen Verwaltung im Bereich Geomatik, Raum-
planung und Landmanagement, an Geomatikingenieu-
Eine Fortbildung für Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer rinnen und Geomatikingenieure in Vorbereitung auf
im Rahmen deren Berufspflichten (Art. 22, GeomV), empfohlen
das Staatsexamen für den Erwerb des Patents als Inge-
durch die Kommission für Ingenieur-Geometerinnen und -Geo-
meter nieur-Geometerin oder -Geometer sowie an Nachfüh-
rungsgeometer als frei Schaffende oder als Angestellte
der ö
­ ffentlichen Hand (mit und ohne hoheitliche Befug-
nisse).

Alle weiteren Details: www.igs-ch.ch  


Bildung.

Ingenieur-Geometer Schweiz IGS

Eine Fortbildung für Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer


im Rahmen deren Berufspflichten (Art. 22, GeomV), empfohlen
durch die Kommission für Ingenieur-Geometerinnen und -Geo-
meter

34
Veranstaltungen cadastre Nº 25, Dezember 2017

GEOSummit: Nationale Messe und


Kongress der GEO-Welt

Die nächste 3-tägige Veranstaltung findet vom 5. bis 7. Juni 2018 in Bern statt. Es werden
Eine Fortbildung für
Ingenieur-Geomete- wiederum rund 2000 Teilnehmende erwartet.
rinnen und -Geome-
ter im Rahmen de-
ren Berufspflichten
(Art. 22, GeomV),
Als Leistungsschau für neue Technologien und als Platt- • Neu findet die Messe im 1. Stock statt. Die Halle 1.2
empfohlen durch die form für Innovationen prägt der GEOSummit gesell- ist attraktiver und befindet sich räumlich näher bei
Kommission für In-­ schaftsrelevante Themen. Die Veranstaltung erzeugt da- den Kongresssälen.
genieur-Geometerin- mit eine positive Wirkung auf den Wirtschaftsstandort • Ein lockeres Hallenkonzept überzeugt mit Begeg-
nen und -Geometer
Schweiz. nungszonen in unmittelbarer Nähe der Ausstellungs-
stände.
Unter dem Motto «Der digitale Lebensraum – Lösungen
• Kongress- und Messebesuchende können sich neu
für eine Welt im Wandel» sind Plenumsveranstaltungen,
zentral in der Messehalle verpflegen.
Fachvorträge und Workshops zu den folgenden Themen
• Das «FutureLab»: Eine Erlebniswelt für Innovationen
in Vorbereitung:
in der Messehalle.
• Augmented Reality: Virtuell ergänzte Welt
• UAVs: Drohnen sind mehr als ein Spielzeug Die Webseite www.geosummit.ch vermittelt weitere
• GeoBigData / OpenData / Crowdsourcing: Wie nutzen ­Informationen über das Programm sowie die Anmelde-
wir dies besser? möglichkeiten.
• Remote Sensing: Terrestrisch über Drohne bis Satellit
Wer laufend informiert werden möchte, kann sich für
• 3D: Über und unter dem Boden
den Newsletter registrieren. Monatlich werden die
• Raumplanung: Digital unterstützte Prozesse der
­neusten Entwicklungen und Programmpunkte bekannt-
­Zukunft
geben.
• BIM: Wie verbinden wir die Innen- und Aussenwelt
der Planung?
Verein GEOSummit, Bern
Folgende Neuigkeiten machen den GEOSummit 2018 info@geosummit.ch

zu einer attraktiven Plattform für Wissensaustausch und


Networking:

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Schweizerische Eidgenossenschaft
Confédération suisse
Confederazione Svizzera
Confederaziun svizra

Eidgenössisches Departement für Verteidigung,


Bevölkerungsschutz und Sport VBS
Bundesamt für Landestopografie swisstopo