Sie sind auf Seite 1von 2

Analyse der Struktur von Micha 6,1-8 Juni 2014

Exegese AT
Benjamin Lizinger

I. Strukturmerkmale im hebräischen Text:


Alle Wörter in dunkel-blau sind in der Qal Form mit Imperativ.
Qal Perfekt und Imperfekt Formen sind in Grün dargestellt.
rmE+ao hw"ßhy>-rv,a] taeî an"-¨ W[m.vi 1

`^l<)Aq tA[ßb'G>h; hn"[.mî;v.tiw> ~yrIêh'h,-ta, byrIå ~Wq…


#r<a'_ ydEs.måo ~ynIßta' he 'w> hw"ëhy> byrIå-ta, ‘~yrIh' W[Üm.vi 2

(Hithpael) `xK'(wt
: .yI laeÞr"f.yI-~[iw> AMê[-; ~[i ‘hw"hyl;( byrIÜ yKiä
Bis hier haben die Qal Formen in der Imperativ Form (Aufforderung) dominiert.
Nun taucht das Hiphil Perfekt auf, mit dem Handlungen in der Vergangenheit beschrieben werden.
` ybi( hnEï[] ^yti_ael.h, hm'äW ^ßl. ytiyfiî['-hm, yMi²[; 3

^yti_ydIP. ~ydIÞb'[] tyBeîmiW ~yIr:êc.mi #r<a,äme ‘^yti’li[/h yKiÛ 4

, yMiª[; `~y")r>miW !roðh]a; hv,Þmo-ta, ^yn<ëp'l. xl;äv.a,w",


5

rA[=B-. !B ~['äl.Bi Atßao hn"ï['-hm,W ba'êAm %l,m,ä ‘ql'B' #[;ªY"-hm; ‘an"-rk'z>


(Qal Infinitivus constr.) `hw")hy> tAqïd>ci t[;D:Þ ![;m§l ; . lG"ël.GIh;-d[; ‘~yJiVih;-!mi
Die Wörter in rot sind nun in Piel impf. Und das eine Wort in braun ist in Niphal impf.
Somit ist ab hier wieder ein Wechsel in der Redeform zu erkennen.
~Ar+m' yheäl{ale @K:ßai hw"ëhy> ~DEäq;a] ‘hM'B; 6

`hn")v' ynEïB. ~yliÞg"[]B; tAlêA[b. WNm,äD>q;ah] ;


!m,v-'_ ylex]n:) tAbßb.rI)B. ~yliêyae ypeäl.a;B. ‘hw"hy> hc,Ûr>yIh] 7

`yvi(p.n: taJ;îx; ynIßj.bi yrIïP. y[ivê .Pi ‘yrIAkB. !TEaÜ h, ;


Hier sieht man wieder einen Wechsel zum Hiphil, das Erste in Perfekt From und das Zweite Verb ist in Infinitiv.
Aber vor allem tauchen jetzt Verben in Qal infintivus constr. auf.
^ªM.mi vrEäAD hw"ùhy>-hm'(W bAJ+-hm; ~d"Þa' ^±l. dyGIïhi 8

p `^yh,(l{a/-~[i tk,l,Þ [;ncEï .h;w> ds,x,ê tb;h]aäw; > ‘jP'v.mi tAfÜ[]-~ai yKiä
II. Story: Offensichtlich geht es hier in diesem Abschnitt um ein Streitgespräch zwischen dem
HERRN, der auch durch den Propheten Micha vertreten wird und dem Volk Israel,
das sich in Vers 6 und 7 mit dem lyrischen Ich zu erkennen gibt. Gott, der HERR
habe gute Dinge für sein Volk vollbracht und letztlich auch sein Versprechen
gehalten, dass Er es in das verheißene Land bringen wird.
Aber dennoch war es dem HERRN nicht treu und begann eine Sünde nach der
anderen. Das Volk fragt nun ironisch, was es denn tun kann um die Schulden von
Gott erlassen zu bekommen. Anscheinend zweifeln sie daran, dass
Opferdarbringungen genügen und der HERR Gefallen daran hat. Diese Zweifel sind
auch gewiss berechtigt, denn Gott hat mehr Gefallen daran, wenn sein Volk das
Rechte tut und die Güte liebt. Es soll im Gegensatz zu dem was in Kap. 3,2 steht, das
Gute lieben und auch Gutes tun, anstatt immer Böses zu tun und dafür dann
„scheinheilig“ Opfer zu bringen.
III. Beobachtungen:
Aus dem Inhalt heraus lässt sich deutlich eine vierteilige Gliederung erkennen. In
den ersten beiden Versen finden wir zuerst die Anklage Gottes. Die Absicht mag
dabei ein Aufruf zum Streitgespräch sein. Verse 3 bis 5 geben die Verteidigung
Gottes an. Diese ist als Erinnerung an das Volk gerichtet, sodass sie an die Treue
Gottes gedenken und sich an seine guten Taten erinnern, die er für sein Volk
vollbracht hat. Und der dritte und letzte Block; Verse 6 bis 7 beschreiben die
Reaktion der Israeliten, die sich anscheinend Gedanken um Buße und Reue machen,
jedoch ironisch danach fragen, ob Opfer genügen und dem HERRN gefallen. Die
Antwort zum Schluss in Vers 8 geht dann genau auf diese Frage ein und gibt eine
Stellungnahme des Propheten aus der Sicht Gottes.

VI. Struktur mit Autorenanalyse und Inhaltsanalyse:


Vers Text expliziter Autor Was?
1a Hört doch, was der HERR sagt: Micha Aufforderung an das Volk
1b „Mache dich auf, führe einen Rechtsstreit Gott, der HERR (Anklage) Aufruf zum
vor den Bergen und lass die Hügel deine Streitgespräch von Gott
Stimme hören!“
2 Hört, ihr Berge, den Rechtsstreit des Micha Zeugenaufruf und
HERRN, und ihr Uralten, ihr Grundfesten Einsetzung des
der Erde! Denn der HERR tritt in einen Streitgesprächs
Rechtsstreit mit seinem Volk, und mit Israel
wird er sich auseinandersetzen!
3 „Mein Volk, was habe ich dir angetan, und Gott, der HERR Rhetorische Frage mit
womit habe ich dich ermüdet? Sage aus Vorwurf und Aufruf zur
gegen mich! Anklage
4&5 Ja, ich habe dich aus dem Land Ägypten Gott, der HERR Rechtfertigung Gottes mit
heraufgeführt und aus dem Haus der den guten Taten, die er für
Sklaverei erlöst; und ich habe Mose, Aaron das Volk brachte.
und Mirjam vor dir her gesandt. Mein Volk,
denk doch daran, was Balak, der König von
Moab, beratschlagt, und was Bileam, der
Sohn des Beor, ihm antwortete, denk an den
Übergang von Schittim bis Gilgal, damit du
die gerechten Taten des HERRN erkennst!“
6&7 “Womit soll ich vor den HERRN treten, Volk Israel in Antwort und gleichzeitig
mich beugen vor dem Gott der Höhe? Soll einer kollektiven ironische Frage an den
ich vor ihn treten mit Brandopfern, mit Ich Form HERRN.
einjährigen Kälbern? Wird der HERR Hinwendung zu Gott und
Gefallen haben an Tausenden von Widdern, Frage nach Reue und
an Zehntausenden von Bächen Öls? Soll ich Umkehr
meinen Erstgeborenen geben für mein
Vergehen, die Frucht meines Leibes für die
Sünde meiner Seele?“
8 „Man hat dir mitgeteilt, o Mensch, was gut Micha Antwort stellvertretend für
ist. Und was fordert der HERR von dir, als (zwischen dem den HERRN. Aufruf zur
Recht zu üben und Güte zu lieben und Volk und Gott Rechtschaffenheit und Güte
demütig zu gehen mit deinem Gott?“ urteilend)