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BRAUNE/HEIDERMANNS GOTISCHE GRAMMATIK

SAMMLUNG KURZER
GRAMMATIKEN GERMANISCHER
DIALEKTE

BEGRÜNDET VON WILHELM BRAUNE

HERAUSGEGEBEN VON
THOMAS KLEIN, INGO R E I F F E N S T E I N
U N D H E L M U T GNEUSS

A. HAUPTREIHE N R . l
B R A U N E / H E I D E R M ANNS
GOTISCHE GRAMMATIK
MIT LESESTÜCKEN U N D WÖRTERVERZEICHNIS

MAX NIEMEYER VERLAG TÜBINGEN


2004
GOTISCHE GRAMMATIK
MIT LESESTÜCKEN U N D WÖRTERVERZEICHNIS

VON
WILHELM BRAUNE

20. AUFLAGE
NEU BEARBEITET VON F R A N K H E I D E R M A N N S

MAX NIEMEYER VERLAG TÜBINGEN


2004
Mit 2 Abbildungen auf einer Tafel

1. Auflage 1880
2. Auflage 1882
3. Auflage 1887
4. Auflage 1895
5. Auflage 1900
6. Aiiflage 1905
7. Auflage 1909
8. Auflage 1912
9. Auflage 1920
10. Auflage 1928
11. Auflage 1939
12. Auflage 1947
bearbeitet von Karl Helm
13. Auflage 1952
14. Auflage 1953
15. Auflage 1956
16. Auflage 1961
17. Auflage 1966
bearbeitet von Ernst A. Ebbinghaus
18. Auflage 1973
19. Auflage 1981

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National-


bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de
abrufbar.

ISBN 3-484-10852-5 Gewebe


ISBN 3-484-10850-9 Kart. Ausg.

© Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2004


http://www.niemeyer.de
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung
außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des
Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Über-
setzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektroni-
schen Systemen. Printed in Germany.
Satz: pagina GmbH, Tübingen
Druck: AZ Druck und Datentechnik, Kempten
Einband: Norbert Klotz, Jettingen-Scheppach
VORWORT

Nach zwei Jahrzehnten ist eine Neuauflage der Gotischen Grammatik fällig
geworden; keine bisherige Ausgabe hat länger vorgehalten. Die Rezensio-
nen zu den Bearbeitungen durch meinen Vorgänger Ebbinghaus haben
nicht nur viel Lob ausgesprochen, sondern auch manch förderliche Kritik
beigesteuert. Ich lasse eine Liste der mir bekannt gewordenen Besprechun-
gen folgen. 16. Aufl.: F. G. Banta, ZDP 81 (1962), 349f.; S. Grosse, ASNSL
198 (1961/62), 391 f.; O. F. Jones, JEGP 61 (1962), 667 ff.; M. Marache,
EG 17 (1962), 181; G. Redard, Kratylos 6 (1961), 207f.; Th. Schumacher,
Germanistik 3 (1962), 208f.; St. Sonderegger, IF 68 (1963), 231 ff. -
17. Aufl.: F. J. Goergens, Orbis 17 (1968), 187ff. - 18. Aufl.: J. Udolph,
IF 80 (1975[76]), 303f. - 19. Aufl.: Anneliese Bammesberger, PBB 105
(1983), 421 ff.; A. Liberman, GL 22 (1982), 121 f.; G.Neumann, KZ 95
(1981), 312ff.; J. Udolph, IF 93 (1988), 371 f.; N.Wagner, BNF N.F. 17
(1982), 65 ff.
Ein Rezensent der 19. Auflage verkündete euphorisch: „Gotische
Grammatik has reached a stage of perfection at which stylistic improvement,
bibliographical additions, and elimination of the few factual errors are no
longer a very urgent matter". Nach gründlicher Durchsicht des Buches kann
ich diese Einschätzung nicht ganz unterschreiben. Durch die an unzähligen
Stellen angebrachten inhaltlichen und bibliographischen Einschübe haben
Übersicht und Klarheit gelitten. Andererseits fanden sich unerwartet viele
inhaltliche Lücken, Inkonsistenzen und Versehen. Da der Verlag dankens-
werterweise eine elektronische Fassung der Grammatik hergestellt hat, war
ich in die Lage versetzt, die überfallige formale Durcharbeitung anzugehen.
Ich habe mich bemüht, den Wildwuchs in den Abkürzungen zu bereinigen;
es ist einiger Aufwand getrieben worden, um die Zitierweise einerseits zu
vereinheitlichen, andererseits klarer zu gestalten. Ältere Literaturangaben,
die sich auf einzelne Wörter beziehen, habe ich meist durch Hinweise auf
Feist ersetzt, wenn sie dort auch zu finden sind. Die überwiegend noch von
Braune stammenden Hinweise auf Rezensionen konnten entfallen, da sie
auch in Mossés Bibliographie verzeichnet sind.
Der Gotischen Grammatik kommt heute eine zweifache Aufgabe zu:
Einführungsseminaren dient sie als Lehrbuch, der Forschung als Referenz-
werk. Für den ersten Zweck stehen auch andere Hilfsmittel zur Verfügung
(§ B4); es gibt aber kein weiteres Buch, das einigermaßen vollständig und
aktuell über die Diskussion und die Literatur zu den einzelnen grammati-
schen Phänomenen orientiert. Auch in anderer Hinsicht besitzt die Gotische
Grammatik eine doppelte Funktion: sie wendet sich gleichermaßen an Ger-

V
Vorwort

manisten wie an Indogermanisten. Damit ist die Zielrichtung der Neube-


arbeitung vorgegeben: klare und lückenlose Präsentation der Fakten, um-
fassende Dokumentation der Forschung unter Einbeziehung der Sprach-
geschichte.
Die äußere Darstellung hat verschiedene Neuerungen erfahren. Die Aus-
wahlbibliographie, die zuvor zwischen Grammatik und Lesestücke einge-
schaltet war, folgt nun direkt auf das Abkürzungsverzeichnis. Damit ist
nicht nur eine Verbindung der bibliographischen Abkürzungen mit der Bi-
bliographie hergestellt, sondern zugleich die Auflistung der Texteditionen
an die Darstellung der Quellenlage herangerückt. Bibliographie und Ein-
leitung haben im Interesse der Übersichtlichkeit und zur Vereinfachung der
Zitierung eine jeweils eigene Paragraphenzählung erhalten, versehen mit
dem Kennbuchstaben Β bzw. E. Der Gebrauch des Asterisks ist an die
gängige Praxis angeglichen. Überall, wo es darauf ankommt, sind Phoneme,
(Allo)phone und Grapheme als solche kenntlich gemacht. Der Deutlichkeit
halber sind sämtliche Bedeutungsangaben (sowohl in der Grammatik als
auch im Wörterverzeichnis) von einfachen Anführungszeichen " umschlos-
sen. Generell habe ich mich bemüht, grammatische Phänomene anhand
tatsächlich belegter Formen zu exemplifizieren. Verschiedentlich (etwa in
der i- und der n-Deklination) sind die Beispielwörter in den Flexionstabellen
durch besser bezeugte Lexeme ersetzt worden. Wo es der Platz zuließ, habe
ich für seltenere Erscheinungen nicht wie bisher nur Beispiele, sondern
sämtliche Belege gebucht (z.B. Vokativ, Nebenformen der w-Deklination,
Zahlwörter, Dual, Passiv). Hier wie sonst habe ich in höchstem Maße von
Snaedals unentbehrlicher Konkordanz (§ B7,j) profitiert.
Vor allem sollte das Buch natürlich inhaltlich aktualisiert und an den
aktuellen Forschungsstand herangeführt werden. Hier galt es ungezählte
Literaturnachweise nachzutragen, die teilweise weit vor das Jahr 1980 zu-
rückreichen. In der Einleitung war auf Neufunde, neue Editionen und neue
Erkenntnisse über die Sprachdenkmäler hinzuweisen; die Darstellung der
inschriftlichen Überlieferung erforderte stärkere Eingriffe. Die Lautlehre ist
von überholten Ansätzen (Tenues aspiratae, Reduktionsstufe, Schallana-
lyse) befreit worden. In der Frage einer Quantitätsopposition (§§ 2a, 28)
sowie in der Beurteilung der antevokalischen Digraphe <ai> und <au> (§§ 22,
26) bin ich zu den älteren Auffassungen zurückgekehrt. Im Schatten von
skadus mußte die Regel über die Behandlung von w (§ 42) neugefaßt werden.
Das got. Zeichen <x> hat einen eigenen Paragraphen erhalten (§ 58a). Hin-
zugekommen ist eine Übersicht über das Phonemsystem, aufgeteilt in
Vokale (§ 28) und Konsonanten (§ 78a). In der Flexionslehre sind u.a. die
Feminina auf -jô- (§ 96 ff.) differenzierter behandelt, die Abschnitte über
die konsonantischen Restklassen (§ 114 ff.) ausgebaut worden. Personal-
pronomen und Possessivpronomen haben eine konsistentere Darstellung
erhalten; zu diesem Zweck mußten die §§151 und 152 vertauscht werden.

VI
Vorwort

Die Kapitel zur Komparation (§ 135 ff.) und zu den Adjektivadverbien


(§ 210ff.) wurden überarbeitet. Die Behandlung des Verbalsystems war mit
neueren Forschungsergebnissen abzugleichen. Lesestücke und Wörterver-
zeichnis wurden überprüft und neugestaltet. Um die Orientierung in dem
historisch gewachsenen Buch zu erleichtern, habe ich am Ende ein Sach-
register hinzugefügt.
Den weiteren Weg habe ich in den Akten des Heidelberger Kolloquiums
Neue historische Grammatiken (Hrsg. Anja Lobenstein-Reichmann und
Oskar Reichmann, Tübingen 2003) vorgezeichnet. Die größte Hürde auf
dem Weg zu einer konsistenten Neugestaltung bildet das starre Paragra-
phenkorsett. Daher ist für eine künftige 21. Auflage vorgesehen, einmalig
eine neue, stringente Zählung einzuführen, die dann wieder für lange Zeit
Bestand haben soll. Mit Blick auf die angesprochene Doppelfunktion sollen
germanistische und indogermanistische Erläuterungen deutlicher (z.B.
durch Siglen) voneinander abgehoben werden. Fest eingeplant ist ein ei-
gener Abschnitt zur Wortbildung, für den Antje Casaretto (Köln) dankens-
werterweise ihre Mitwirkung zugesagt hat. Bezüglich eines Syntaxkapitels
hat ein Rezensent geurteilt: „To add a short summary at this late date would
be a dubious makeshift; the best solution would be a companion volume."
Ich vertrete im Gegenteil die Ansicht, daß das Buch, gerade in seiner Rolle
als Studiengrammatik, durch eine Einführung in die gotische Syntax sehr
gewönne. Das Fundamentalproblem der Gotistik - das Fehlen einer au-
thentischen griechischen Vorlage - ließe sich durch Konzipierung als primär
beschreibende Syntaxlehre entschärfen; erklärende Hinweise auf Überein-
stimmungen oder Abweichungen vom Vorlagetext könnten in Anmerkun-
gen verwiesen werden.
Es bleibt die angenehme Pflicht der Danksagungen. Thomas Klein und
Ingo Reiffenstein, die mir die Neufassung der Grammatik angetragen ha-
ben, danke ich für Mut und Vertrauen. Ein herzlicher Dank geht an David
Landau für die Überlassung von CD-ROMs mit einem digitalisierten Fak-
simile des Codex argenteus und für die Erlaubnis zur Publikation von
Abb. 1, ebenso an die Universitätsbibliothek in Uppsala, die die Digitali-
sierung ermöglichte. Eine große Hilfe waren Christian T. Petersens Sup-
plement zur Bibliographia Gotica und seine einschlägigen Internetseiten.
Ich bedanke mich bei Birgitta Zeller-Ebert und Wolfgang Herbst vom Max
Niemeyer Verlag für die Bereitstellung einer Datei und die stets hervor-
ragende Zusammenarbeit. Last but not least danke ich Jutta Herminghaus
für Korrektur und moralische Unterstützung.

Köln und München Frank Heidermanns


März 2003

VII
AUS DEM VORWORT ZUR 19. AUFLAGE

Als Wilhelm Braune vor 100 Jahren seine Gotische Grammatik veröffent-
lichte, wollte er damit dem Mangel an einer kurzen, verläßlichen Einfüh-
rung in das Bibelgotische abhelfen, die dem Studenten für Vorlesungen und
Übungen wie auch zum Selbststudium das nötige Material der Grammatik
nebst einer repräsentativen Auswahl von Texten an die Hand gebe. Unter
diesem Gesichtspunkt ist das Buch in den folgenden Auflagen von ihm
selbst (bis zur 9. Aufl. von 1920), später von Karl Helm (bis zur 15. Aufl. von
1956), und dann von mir weitergeführt worden. Braune selbst sprach im
Vorwort der ersten Auflage von einem ,Abriß', womit die Begrenzung des
Buches nicht nur im äußeren Umfang, sondern auch im Inhalt deutlich
umschrieben ist: die Einführung in das Bibelgotische ist der alleinige Zweck;
der Ausblick auf Sprachvergleichung und Sprachgeschichte, die nicht Auf-
gabe dieses Buches sind, kann nur durch Literaturnachweise in Auswahl
angedeutet werden.
In der Anlage ist das Buch seit seinem ersten Erscheinen nahezu unver-
ändert geblieben (vgl. die Vorworte zur 10. und 16. Aufl.). Hier habe ich die
alphabetisch geordnete Bibliographie zur Syntax fortfallen lassen, da sie nur
das dupliziert, was in Mossés Bibliographie in weit brauchbarerer Form
geboten wird. Der eingesparte Platz ist anderem zugute gekommen.
Inhaltlich ist das Buch von Auflage zu Auflage dem jeweiligen Stande der
Forschung folgend gründlich durchgearbeitet worden. In der vorliegenden
Auflage hat das Entgegenkommen von Herausgeber und Verleger verschie-
dene Veränderungen ermöglicht, die m. E. schon seit geraumer Zeit not-
wendig waren. Sie finden sich meist in den Kapiteln über Schrift und Laut-
lehre, doch auch anderwärts. Ganz besonders dringlich schien es mir, die
belegten von den unbelegten Formen säuberlich zu trennen; das ist gerade
im Bibelgotischen besonders wichtig, und ich habe nun (wie ich hoffe) alles
Unbelegte durch * oder [ ] gekennzeichnet [...]. Lediglich in den Paradigmen
und bei den die Klasse beschreibenden Verbbeispielen der §§ 172 ff. habe ich
aus pädagogischen Gründen davon abgesehen. Auch die Nachweise von
belegten Formen sind, wo es mir nötig schien, angeführt oder vermehrt;
hierin weiterzugehen, wie ich es mir gewünscht hätte, verbietet der Umfang
[...].

State College, Pa. Ε. A . Ebbinghaus


Dezember 1979

VIII
INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Abkürzungen der Handschriften und Texte XIII
Abkürzungen der Bibelstellen XIII
Grammatische Abkürzungen XIV
Zum Gebrauch der Symbole XV
Abgekürzt zitierte Zeitschriften und Reihen XVI
Abgekürzt zitierte Festschriften und Gedenkschriften . . . . XVIII
Abgekürzt zitierte Bücher XX
AUSWAHLBIBLIOGRAPHIE (§§ B l - B l l ) XXIV
EINLEITUNG
Kapitel I. Die Goten und ihre Sprache (§§E1-E4) 3
Kapitel II. Die Quellen der gotischen Sprache (§§ E5-E20) . . . 6
LAUTLEHRE
Kapitel I. Die Schrift (§§1-2) 19
Kapitel II. Die Vokale (§§2a-26) 27
Anhang: 1 r m η (§27) 47
Kapitel III. Übersicht über den gotischen Vokalismus 48
A. Phonologisches System (§28) 48
B. Historisches System (Ablautreihen) (§§29-36) 49
Kapitel IV. Die Konsonanten (§37) 54
A. Sonoranten 54
1. Halbvokale (§§38^5) 54
2. Liquide (§§46-47) 59
3. Nasale (§§48-50) 60
B. Geräuschlaute (§50a) 61
1. Labiale (§§51-56) 62
2. Velare (§§57-68) 66
3. Dentale (§§69-78) 73
Kapitel V. Übersicht über den gotischen Konsonantismus . . . . 81
A. Phonologisches System (§78a) 81
B. Regelmäßige Lautveränderungen (§§ 79-82) 82
FLEXIONSLEHRE
Kapitel I. Deklination der Substantive 87
A. Allgemeine Vorbemerkungen 87
1. Formenbestand (§§83-85) 87

IX
Inhaltsverzeichnis

2. Formenbildung und Flexionsklassen (§§ 86-88) . . . 88


3. Zur nominalen Komposition (§ 88a) 89
B. Vokalische (starke) Deklination 90
1. α-Deklination (§§89-95) 90
2. ô-Deklination (§§96-98) 95
3. ¿-Deklination (§§99-103) 97
4. «-Deklination (§§ 104-106) 100
C. Konsonantische Deklination 103
1. n-Deklination (schwache Deklination) (§§ 106a—113) 103
2. Reste anderer konsonantischer Klassen (§§114-118) 107
D. Deklination der Fremdwörter (§§119-120) 111
Kapitel II. Deklination der Adjektive (§121) 114
A. Starkes Adjektiv (§§122-131) 114
B. Schwaches Adjektiv (§132) 121
C. Deklination der Partizipien (§§ 133-134) 122
D. Steigerungsformen des Adjektivs 123
1. Komparativ (§§ 135-136) 123
2. Superlativ (§137) 124
3. Unregelmäßige Steigerung (§§ 138-139) 125
Kapitel III. Zahlwörter (§ 139a) 127
A.Kardinalzahlen (§§ 140-145) 127
B.Ordinalzahlen (§146) 130
C. Andere Zahlarten (§§147-149) 131
Kapitel IV. Pronomina (§ 149a) 132
A. Personalpronomina und Reflexivpronomen
(§§ 150-151) 132
B.Possessivpronomina (§152) 133
C.Demonstrativpronomina (§§ 153-156) 134
D.Relativpronomina (§§ 157-158) 136
E. Interrogativpronomina (§§ 159-161) 137
F. Indefinitpronomina (§§ 162-166) 138
Kapitel V. Konjugation 141
A.Allgemeines (§§ 167-168) 141
B. Starke Verben 144
1. Flexion der starken Verben (§§ 169-170) 144
2. Bildung der Tempusstämme (§§171-182) 149
C. Schwache Verben (§183) 155
1. Flexion des schwachen Präteritums (§184) . . . . 157
2. Bildung und Präsensflexion der schwachen Verben
(§§ 185-195) 158
D. Reste besonderer Verbalbildungen 167
1. Präteritopräsentien (§§196-203) 167
2. Das Verb'sein' (§204) 170
X
Inhaltsverzeichnis

3. Das Verb'wollen' (§205) 171


4. Verschiedene Besonderheiten (§§206-209) 172
Kapitel VI. Unflektierbare Wörter (§209a) 175
A. Adjektivadverbien (§§210-212) 175
B. Sonstige Adverbien (§§213-215) 177
C. Adverbiale Partikeln (§216) 178
D. Präpositionen und Präfixe (§§217-217a) 178
E.Konjunktionen (§218) 180
F.Interjektionen (§219) 181
LESESTÜCKE
A. Aus dem Evangelium des Matthäus 185
B. Aus dem Evangelium des Markus 192
C. Aus dem Evangelium des Lukas 212
D. Aus dem zweiten Korintherbrief 218
E. Aus der Skeireins 230
WÖRTERVERZEICHNIS 233
SACHREGISTER 271

XI
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abkürzungen der Handschriften und Texte


Cod. Ambros. A
Β
C = Die Codices Ambrosiani A B C D E(§§E9, Ell).
D
E
Cod. arg. = Codex argenteus (§ E6, a und b).
Cod. Carol. = Codex Carolinus (§ E7).
Cod. Giss. = Codex Gissensis (§ E8).
Cod. Taur. = CodexTaurinensis(§E10).
Cod. Vat. Lat. 5750 = Codex Vaticanus Latinus 5750(§Ell).
Cod. Vindob. 795 = Codex Vindobonensis 795 (§ E14).
Got. Veron. = Die got. Bruchstücke in Cod. bibl. capítol. Veron. 51
(49)(§E15).
Kai. = Das got. Kalenderbruchstiick (§ E12).
Skeir. = Skeireins (§ Ell).
Urk. Arezzo = Die got. Verkaufsurkunde von Arezzo (§ E13).
Urk. Neapel = Die got. Verkaufsurkunde von Neapel (§ E13).

Abkürzungen der Bibelstellen


Eph. = Epheser-Brief
Gal. = Galater-Brief
Jh. = Johannes-Evangelium
Kol. = Kolosser-Brief
Kor. = Korinther-Briefe
Lk. = Lukas-Evangelium
Mk. = Markus-Evangelium
Mt. = Matthäus-Evangelium
Neh. = Nehemias-Brief
Phm. = Philemon-Brief
Php. = Philipper-Brief
Rom. = Römer-Brief
Ths. = Thessalonicher-Briefe
Tim. = Timotheus-Briefe
Tit. = Titus-Brief
Alle Bibelzitate nach Streitberg, Die gotische Bibel I.
Alle Skeireinszitate nach Bennett, The Gothic Commentary on the Gospel of John;
die Zahlen bezeichnen Blatt und Spalte.

XIII
Abkürzungsverzeichnis

Grammatische Abkürzungen
a.a.O. = am angegebenen Ort
Adj. = Adjektiv
Adv. — Adverb
ae. = altenglisch
afrs. = altfriesisch
ahd. = althochdeutsch
aisl. = altisländisch
A(kk). = Akkusativ
Akt. = Aktiv
an. = anomal
A(nm). - Anmerkung
as. = altsächsisch
D(at). = Dativ
Dekl. = Deklination
dens., ders., dies. = denselben, derselbe, dieselbe
Du. = Dual
ebd. = ebenda
Ev. - Evangelium
f., Fem. — Femininum
FIN. - Flußname
Fs. = Festschrift
G(en). = Genitiv
germ. = germanisch
got. — gotisch
gr(iech). - griechisch
Gs. - Gedenkschrift
Hrsg. = Herausgeber
Hs. - Handschrift
idg. - indogermanisch
Ind. = Indikativ
Inf. — Infinitiv
Instr. = Instrumental
intrans. = intransitiv
Ipv. = Imperativ
Jh. = Jahrhundert
Kard. = Kardinalzahlwort
Kompar. = Komparativ
Kompos. = Kompositum
Konj. = Konjunktion
lat. - lateinisch
Lit. - Literatur
LN. - Ländername
m., Mask. = Maskulinum
mhd. = mittelhochdeutsch
mnl. mittelniederländisch
n., Ntr. - Neutrum
nhd. neuhochdeutsch
N(om). = Nominativ
ON. = Ortsname

XIV
Abkürzungsverzeichnis

Opt. = Optativ
Ord. = Ordinalzahlwort
Part. = Partizip
Pass. = Passiv
Perf. = Perfekt
PN. = Personenname
Präp. = Präposition
Präs. = Präsens
Prät. = Präteritum
Pron. = Pronomen
s(ch)w. = schwach
st. = stark
Subst. — Substantiv
Superi. = Superlativ
s.v(v). = sub voce (vocibus)
trans. = transitiv
u.ö. = und öfter
Vb. = Verb
V(ok). = Vokativ

Zum Gebrauch der Symbole


* Ein Asterisk v o r einer Form signalisiert, daß sie nicht bezeugt ist: erstens
bei erschlossenen Wörtern (*Gutans § El A.l), zweitens bei unbelegten Pa-
radigmastellen, die sich nicht eindeutig rekonstruieren lassen (*laian oder
*lauan § 22 A.2). - Ein Asterisk h i n t e r einer Form signalisiert, daß es sich
um eine Paradigmastelle handelt, die (im Gegensatz zu anderen Formen)
zufällig nicht belegt ist, sich aber problemlos ergänzen läßt: vor allem bei
zitierten Normalformen (Nom.Sg. bzw. Inf.) in der Grammatik und im
Wörterverzeichnis (flsks* § 91; ritman* § 32).
t Ein Kreuz vor einer Form signalisiert, daß die Überlieferung in irgendeiner
Hinsicht problematisch ist (unsichere Lesung, Konjektur) oder eines Kom-
mentars bedarf (Lateinschrift). Das Kreuz wird auch eingesetzt zur Kenn-
zeichnung unhistorischer, nur der Argumentation zuliebe vorgenommener
Ansätze.
I Ein senkrechter Strich markiert ein Zeilenende (bei diplomatischer Wie-
dergabe der handschriftlichen Überlieferung).
// Schrägstriche dienen zur Kennzeichnung von Phonemen.
[] Eckige Klammern umschließen (Allo)phone und phonetische Angaben.
<> Spitze Klammern umschließen Grapheme.
'' Bedeutungsangaben sind der Deutlichkeit halber konsequent durch ein-
fache Anführungszeichen markiert.
„" Doppelte Anführungszeichen umschließen Zitate.
< lautlich entwickelt aus
> lautlich entwickelt zu

XV
Abkürzungsverzeichnis

Abgekürzt zitierte Zeitschriften und Reihen


ABäG = Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik.
ADA = Anzeiger für deutsches Altertum. Berlin. Vgl. ZDA.
AFLLS = Annali della Facoltà di lingue e letterature straniere. Bari.
AGI = Archivio Glottologico Italiano.
AION = Annali dell'Istituto Universitario Orientale di Napoli, Sezio-
ne Germanica. Napoli.
AJGLL = American Journal of Germanie Linguistics and Literatures.
AJP = The American Journal of Philology. Baltimore.
AL = Acta Linguistica Academiae Scientiarum Hungaricae. Buda-
pest.
ANF = Arkiv för Nordisk Filologi. Kristiania (später Lund).
ASNSL = Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literatu-
ren („Herrigs Archiv"). Braunschweig.
ASNSP = Annali della Scuola Normale Superiore di Pisa.
BB = Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen („Bez-
zenbergers Beiträge"). Göttingen. Vgl. KZ.
BNF = Beiträge zur Namenforschung. Heidelberg.
BSL = Bulletin de la Société de Linguistique de Paris. Paris.
CIL = Cahiers de l'Institut de Linguistique de l'Université Catholi-
que de Louvain.
FL = Folia linguistica.
FLH = Folia linguistica histórica.
EG = Études Germaniques.
Germ = Germania. Vierteljahrsschrift für deutsche Altertumskunde.
Wien.
GHÀ = Göteborgs Högskolans Arsskrift. Göteborg.
GL = General Linguistics. Lexington.
GR = The Germanic Review. New York (Columbia Univ.).
GRM = Germanisch-Romanische Monatsschrift. Heidelberg.
HS = Historische Sprachforschung (Historical Linguistics). Göttin-
gen. - Fortsetzung von KZ (s.u.).
Idg. Jb = Indogermanisches Jahrbuch. Straßburg (später Berlin).
IF = Indogermanische Forschungen. Straßburg (später Berlin).
IF Anz = Anzeiger für indogermanische Sprach- und Altertumskunde.
Straßburg (später Berlin).
IncL = Incontri linguistici.
JEGP = Journal of (seit 1903: English and) Germanic Philology.
Urbana (Illinois).
JIES = Journal of Indo-European Studies.
Jsb = Jahresbericht über die Erscheinungen auf dem Gebiete der
germanischen Philologie. Leipzig (später Berlin).
JTS = The Journal of Theological Studies.
KZ = Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Ge-
biete des Deutschen, Griechischen und Lateinischen („Kuhns
Zeitschrift"). Berlin (später Göttingen). Ab Bd. 23: Zeitschrift
für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der
indogermanischen Sprachen. - Ab Bd. 41 vereinigt mit BB
(s.o.). - Ab Bd. 101 fortgeführt als HS (s.o.).
LB = Leuvense Bijdragen.

XVI
Abkürzungsverzeichnis

Lg = Language. Journal of the Linguistic Society of America. Balt-


imore.
Litbl = Literaturblatt für germanische und romanische Philologie.
Heilbronn und Leipzig.
MASO = Meijerbergs Arkiv för Svensk Ordforskning. Göteborg.
MGS = Michigan Germanic Studies.
MLN = Modern Language Notes. Baltimore.
MPh = Modern Philology. Chicago.
MSL = Mémoires de la Société de Linguistique de Paris.
MSS = Münchener Studien zur Sprachwissenschaft. München.
MSt = Mediaeval Studies. Toronto.
Neophil = Neophilologus.
NGWG = Nachrichten von der (kgl.) Gesellschaft der Wissenschaft ...
zu Göttingen, Phil.-hist. Klasse.
NOWELE = North-Western European Language Evolution.
NTBB = Nordisk tidskrift för bok- och biblioteksväsen.
NTS = Norsk Tidsskrift for Sprogvidenskap. Oslo.
NTSt = New Testament Studies.
PBB = Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur
(„Pauls und Braunes Beiträge"). Halle. Von Bd. 77 (1955) bis
Bd. 100 (1979) sowohl Halle als auch Tübingen (letztere für
diesen Zeitraum durch den Zusatz -T bezeichnet).
PhQ = Philological Quarterly. Iowa City.
PMLA = Publications of the Modern Language Association of Ame-
rica. Bryn Mawr.
RALinc = Atti dell'Accademia Nazionale dei Lincei, Rendiconti, Classe
di scienze morali, storiche e filologiche. Roma.
RBPH = Revue belge de philologie et d'histoire.
RGA = Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Hrsg. Jo-
hannes Hoops. 4 Bände. Straßburg 1911-19.
RGA 2 = dass., 2. Aufl. Hrsg. Heinrich Beck/Dieter Geuenich / Heiko
Steuer. Bd. 1 ff. Berlin/New York.
RIL = Rendiconti dell'Istituto Lombardo di Scienze e Lettere, Clas-
se di lettere e scienze morali e storiche. Milano.
S'.-S5. = Supplemente zu Mossé Β. (§ Bl).
Sb. = Sitzungsberichte.
Speculum = A Journal of Mediaeval Studies. Cambridge.
Sprachw = Sprachwissenschaft. Heidelberg.
SSL = Studi e saggi linguistici.
StG = Studia Germanica.
StL = Studia Linguistica.
StN = Studia Neophilologica.
StPh = Studies in Philology.
TNTL = Tijdschrift voor Nederlandsche Taal- en Letterkunde. Leiden.
TPS = Transactions of the Philological Society. Oxford.
VJ = Voprosyjazykoznanija.
WuS = Wörter und Sachen. Heidelberg.
WZUJ = Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Univer-
sität Jena.
ZCP = Zeitschrift für celtische Philologie. Tübingen.
ZDA = Zeitschrift für deutsches Altert(h)um (ab Bd. 19: und deutsche
Literatur). Berlin. - Ab Bd. 19 mit ADA (s.o.) vereinigt.

XVII
Abkürzungsverzeichnis

ZDP = Zeitschrift für deutsche Philologie. Halle (später Berlin).


ZDS = Zeitschrift für deutsche Sprache.
ZDW = Zeitschrift für deutsche Wortforschung. Straßburg.
ZNW = Zeitschrift für neutestamentliche Wissenschaft.

Abgekürzt zitierte Festschriften und Gedenkschriften


Fs. Banta = Semper idem et novus. Festschrift for Frank G. Banta. Hrsg.
Francis G. Gentry. Göppingen 1988.
Fs. Beck = Studien zum Altgermanischen. Festschrift für Heinrich Beck.
Hrsg. Heiko Uecker. Berlin/New York 1994.
Fs. Behrens = Festschrift für Dietrich Behrens. Jena/Leipzig 1929 (Zeit-
schrift für französische Sprache und Literatur, Suppl. 13).
Fs. Bonfante = Scritti in onore di Giuliano Bonfante. Brescia 1976.
Gs. Brandenstein = Studien zur Sprachwissenschaft und Kulturkunde. Gedenk-
schrift für Wilhelm Brandenstein (1898-1967). Hrsg. Man-
fred Mayrhofer [u.a.]. Innsbruck 1968.
Fs. Buyssens = Linguistique contemporaine. Hommage à Eric Buyssens.
Hrsg. Jean Dierickx/Yvan Lebrun. Bruxelles 1970.
Fs. Collitz = Studies in Honor of Hermann Collitz. Presented by a group of
his pupils and friends on the occasion of his seventy-fifth
birthday, February 4, 1930. Baltimore 1930 (Neudruck: New
York 1969).
Gs. Dal = Gedenkschrift für Ingerid Dal. Hrsg. John Ole Askedal et al.
Tübingen 1988.
Fs. Damsteegt = Studies voor [Β. C.] Damsteegt. Hrsg. G. R. W. Dibbets et al.
Leiden 1981.
Fs. Derolez = Studies in Honour of René Derolez. Hrsg. Anne-Marie
Simon-Vandenbergen. Ghent 1987.
Fs. Dostert = Papers in Linguistics in Honor of Léon Dostert. Hrsg. Wil-
liam M. Austin. The Hague 1967.
Fs. Elmevik = Frân götarna till Noreens kor. Hyllningsskrift till Lennart
Elmevik. Stockholm 1996.
Fs. Falk = Festskrift til Hjalmar Falk. Oslo 1927.
Fs. Fourquet = Mélanges pour Jean Fourquet. Hrsg. P. Valentin/G. Zink.
München/Paris 1969.
= Fragen und Forschungen im Bereich und Umkreis der ger-
Fs. Frings manischen Philologie. Festgabe für Theodor Frings zum 70.
Geburtstag. Berlin 1956.
= Befund und Deutung. Zum Verhältnis von Empirie und In-
Fs. Fromm terpretation in Sprach- und Literaturwissenschaft. Festschrift
für Hans Fromm. Hrsg. Alfred Ebenbauer. Tübingen 1979.
Fs. Hammerich = Festgabe für L. L. Hammerich aus Anlaß seines 70. Geburts-
tages. Kopenhagen 1962.
Fs. Hoenigswald = Festschrift for Henry Hoenigswald. Hrsg. George Cardona/
Norman H. Zide. Tübingen 1987.
Fs. Jónsson = Festskrift til Finnur Jónsson. Kopenhagen 1928.
Fs. Klingenberg = Germanic Dialects: Linguistic and Philological Investiga-
tions. [Heinz Klingenberg zum fünfzigsten Geburtstag.] Hrsg.
Bela Brogyanyi/Thomas Krömmelbein. Amsterdam/Phil-
adelphia 1986.

XVIII
Abkürzungsverzeichnis

Fs. Knobloch = Sprachwissenschaftliche Forschungen. Festschrift für Johann


Knobloch. Hrsg. Hermann Ölberg et al. Innsbruck 1985.
Fs. Krause - Indogermanica. Festschrift für Wolfgang Krause zum 65. Ge-
burtstage am 18. September 1960 von Fachgenossen und
Freunden dargebracht. Heidelberg 1960.
Fs. Kunstmann = Middle Ages - Reformation - 'Volkskunde'. Festschrift für
John G. Kunstmann. Chapel Hill, N. C. 1959.
Fs. Lehiste = In Honor of Ilse Lehiste. Hrsg. R. Channon/L. Shockey.
Dordrecht 1987.
Fs. Marcq Philologische Forschungen. Festschrift für Philippe Marcq.
Hrsg. Yvon Desportes. Heidelberg 1994.
f's Mastrelli = Studi linguistici e filologici per Carlo Alberto Mastrelli. Hrsg.
Luciano Agostiniani et al. Pisa 1985.
Fs. Mazzuoli = Studi sulla cultura germanica dei secoli IV-XII. In onore di
Porra Giulia Mazzuoli Porra. Hrsg. Maria Amalia d'Aronco et al.
Roma 1988/90.
Fs. Mogk = Festschrift Eugen Mogk. Halle 1924.
Fs. Mossé = Mélanges de linguistique et de philologie. Fernand Mossé in
memoriam. Paris 1959.
Fs. Narten = Anusantatyai. Festschrift für Johanna Narten zum 70. Ge-
burtstag. Hrsg. Almut Hintze/Eva Tichy. Dettelbach 2000.
Fs. Nolte Studies in Germanic Languages and Literatures in Honor of
Frederick Otto Nolte. St. Louis 1963.
Fs. Noreen = Nordiska studier tillägnade Adolf Noreen. Uppsala 1904.
Fs. Palmer = Studies in Greek, Latin, Italic, and Indo-European Linguis-
tics. Offered to Leonhard R. Palmer on the occasion of his
seventieth birthday June 5, 1976. Hrsg. Anna Morpurgo
Davies/Wolfgang Meid. Innsbruck 1976.
Fs. Pokorny = Beiträge zur Indogermanistik und Keltologie. Julius Pokorny
zum 80. Geburtstag gewidmet. Hrsg. Wolfgang Meid. Inns-
bruck 1967.
Fs. Polomé = Languages and Cultures. Studies in honor of Edgar C. Polo-
mé. Hrsg. Mohammad Ali Jazayery/Werner Winter. Berlin
1988.
Gs. Rehder = Vistas and Vectors. Essays honoring the memory of Helmut
Rehder. Hrsg. Lee B. Jennings/George Schulz-Behrend. Aus-
tin, Texas 1979.
Fs. Risch = o-o-pe-ro-si. Festschrift für Ernst Risch zum 75. Geburtstag.
Hrsg. Annemarie Etter. Berlin/New York 1986.
Fs. Rosenfeld = Aspekte der Germanistik. Festschrift für Hans-Friedrich
Rosenfeld. Hrsg. Walter Tauber. Göppingen 1989.
Gs. Sagen Gedenkschrift für Trygve Sagen. Hrsg. Sverre Dahl et al. Oslo
1979.
Gs Scaflidi Feor ond neah. Scritti di filologia germanica in memoria di
Abbate Augusto Scaffidi Abbate. Hrsg. Patrizia Lendinara/Lucio
Melazzo. Palermo 1983.
Donum natalicium Schrijnen. Verzameling van opstellen door
Fs. Schrijnen = oud-leerlingen en bevriende vakgenooten opgedragen aan
Mgr. Prof. Dr. Jos. Schrijnen bij gelegenheid van zijn zestig-
sten veijaardag 3 Mei 1929. Nijmegen/Utrecht 1929.
Grippe, Kamm und Eulenspiegel. Festschrift für Elmar See-
Fs. Seebold = bold zum 65. Geburtstag. Hrsg. Wolfgang Schindler / Jürgen
Untermann. Berlin/New York 1999.
XIX
Abkürzungsverzeichnis

Fs. Sehrt Germanic Studies in Honor of Edward Henry Sehrt. Hrsg. F.


A. Raven/W. K. Legner/J. C. King. Coral Gables, Fla. 1968.
Fs. Serra = Raccolta in onore di Giandomenico Serra. Napoli 1959.
Fs. Sievers = Germanica. Eduard Sievers zum 75. Geburtstag. Halle 1925.
Fs. Springer = Germanic Studies in Honor of Otto Springer. Hrsg. Stephen
J. Kaplowitt. Pittsburgh 1978.
Fs. Starck = Taylor Starck Festschrift. Hrsg. Werner Betz et al. London/
The Hague/Paris 1964.
Fs. Streitberg = Streitberg-Festgabe. Leipzig 1924.
Fs. S trunk = Verba et structurae. Festschrift für Klaus Strunk zum 65. Ge-
burtstag. Hrsg. Heinrich Hettrich et al. Innsbruck 1995.
Fs. Szemerényi = Comparative Historical Linguistics: Indo-European and Fin-
no-Ugric. Papers in honor of Oswald Szemerényi. Hrsg. Bela
Brogyanyi/Reiner Lipp. Amsterdam/Philadelphia 1993.
Fs. Tecehi Miscellanea di studi in onore di Bonaventura Tecchi. A cura
dell'Istituto italiano di studi germanici. Roma 1969.
Fs. Viëtor Festschrift Wilhelm Viëtor. Marburg 1910 (Die neueren Spra-
chen 1910, Ergänzungsheft).
Fs. Weinhold Festgabe an Karl Weinhold. Leipzig 1896.
Fs. Windekens Studia etymologica Indoeuropaea memoriae A. J. van Win-
dekens (1915-1989) dicata. Hrsg. Lambert Isebaert. Leuven
1991.
Fs. Windisch Festschrift Ernst Windisch zum 70. Geburtstag am 4. Septem-
ber 1914 dargebracht von Freunden und Schülern. Leipzig
1914.

Abgekürzt zitierte Bücher


Ae.Gr. = Karl Brunner, Altenglische Grammatik. Nach der angelsäch-
sischen Grammatik von Eduard Sievers. 3., neubearb. Aufl.
Tübingen 1965.
Ahd.Gr. = Althochdeutsche Grammatik von Wilhelm Braune. 14. Aufl.
bearb. von Hans Eggers. Tübingen 1987.
Aisl.Gr. = Adolf Noreen, Altisländische und altnorwegische Gramma-
tik. 4. Aufl. Halle 1923. (Neudruck: Tübingen 1970.)
Bahder, = Karl von Bahder, Die Verbalabstracta in den germanischen
Verbalabstracta Sprachen ihrer Bildung nach dargestellt. Halle 1880.
Bammesberger, = Alfred Bammesberger, Die Morphologie des urgermanischen
Nomen Nomens. Heidelberg 1990.
Bammesberger, = Der Aufbau des germanischen Verbalsystems. Heidelberg
Verbalsystem 1986.
Bennett = William Holmes Bennett, The Gothic Commentary on the
Gospel of John: skeireins aiwaggeljons jsairh iohannen. A De-
cipherment, Edition, and Translation. New York 1960.
Bernhardt = Ernst Bernhardt, Vulfila oder die gotische Bibel (§ B2,c).
Bethge = R. Bethge, Gotisch (§ B3,c).
Brugmann = Karl Brugmann, Grundriß der vergleichenden Grammatik
der indogermanischen Sprachen. 2. Bearb. Straßburg. 1.1897;
11,1. 1906; 11,2. 1911; 11,3. 1913.
Coetsem/Kufner = Toward a Grammar of Proto-Germanie. Hrsg. Frans van
Coetsem/Herbert L. Kufner. Tübingen 1972.

XX
Abkürzungsverzeichnis

Darms = Georges Darms, Schwäher und Schwager, Hahn und Huhn.


Die Vfddhi-Ableitung im Germanischen. München 1978.
Dietrich, Ausspr. = Franz Dietrich, Ueber die Aussprache des Gothischen waeh-
rend der Zeit seines Bestehens. Eine sprachgeschichtliche Ab-
handlung nebst einem kritischen Anhang ueber die Namen
des Jornandes. Marburg 1862.
Dietrich, Skeir. = Ernst Dietrich, Die Bruchstücke der Skeireins herausgegeben
und erklärt. Straßburg 1903 (Texte und Untersuchungen zur
altgermanischen Religionsgeschichte, Texte II).
Feist = Sigmund Feist, Vergleichendes Wörterbuch der gotischen
Sprache (§ B8,f).
Friedrichsen, = G.W.S. Friedrichsen, The Gothic Version of the Epistles.
Epistles A study of its style and textual history. London 1939.
Friedrichsen, = The Gothic Version of the Gospels. A study of its style and
Gospels textual history. London 1926.
Friesen = Otto von Friesen, Om Läsningen av Codices gotici Ambro-
siani. Uppsala/Leipzig 1927.
Friesen/Grape = Otto von Friesen/Anders Grape, Om Codex argenteus, dess
tid, hem och öden. Uppsala 1928.
Gabelen tz/Loebe= H. C. v. d. Gabelentz/J. Loebe, Ulfilas (§ B2,a).
Gaebeler = W. Gaebeler, Die griechischen Bestandteile der gotischen
Bibel. ZDP 43 (1911), 1-118.
Grdr. Grundriß der germanischen Philologie. Hrsg. Hermann Paul.
2. Aufl. Straßburg. I. 1901; II. 1901 ff.; III. 1900.
Grienberger = Theodor von Grienberger, Untersuchungen zur gotischen
Wortkunde (§ B8,d).
Griepentrog = Wolfgang Griepentrog, Die Wurzelnomina des Germanischen
und ihre Vorgeschichte. Innsbruck 1995.
Grimm = Jacob Grimm, Deutsche Grammatik. Bd. I-IV. Neuer ver-
mehrter Abdruck. Gütersloh 1890-1898.
Haröarson, Prät. = Jon Axel Haröarson, Das Präteritum der schwachen Verba
auf -yia im Altisländischen und verwandte Probleme der alt-
nordischen und germanischen Sprachwissenschaft. Innsbruck
2001.
Heidermanns, Frank Heidermanns, Etymologisches Wörterbuch der ger-
EWGP manischen Primäradjektive. Berlin/New York 1993.
Henzen Walter Henzen, Deutsche Wortbildung (§ B6,l).
Hirt, H U Hermann Hirt, Handbuch des Urgermanischen. Teile I—III.
Heidelberg 1931, 1932, 1934.
Hirt, Idg.Gr. Indogermanische Grammatik. Bd. I-VII. Heidelberg
1921-1937.
Jacobsohn I/II Hermann Jacobsohn, Zwei Probleme der gotischen Lautge-
schichte. I: Gotisch saian. KZ 47 (1916), 83-94. - II: Zum
gotischen Satzsandhi. KZ 49 (1920), 129-218.
Jellinek Max Hermann Jellinek, Geschichte der gotischen Sprache
(§B3,g).
Kieckers Ernst Kieckers, Handbuch der vergleichenden gotischen
Grammatik (§ B3,h).
Kluge Friedrich Kluge, Nominale Stammbildungslehre (§ B6,k).
Kluge, Conj. Beiträge zur Geschichte der germanischen Conjugation.
Straßburg 1879.

XXI
Abkürzungsverzeichnis

Kluge, Got. = Die Elemente des Gotischen (§ B3,e).


Kluge/Seebold = Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache.
24. Aufl. bearbeitet von Elmar Seebold. Berlin/New York
2002.
Krahe/Seebold = Historische Laut- und Formenlehre des Gotischen (§ B3,p).
Krause = Wolfgang Krause, Handbuch des Gotischen (§ B3,r).
Lehmann = Winfred P. Lehmann, A Gothic Etymological Dictionary
(§ B8,g).
Lehmann, = Gothic and the reconstruction of Proto-Germanie (§ B4,l).
Reconstr.
Leumann = Manu Leumann, Lateinische Laut- und Formenlehre. Mün-
chen 1977.
Luft = Wilhelm Luft, Die Umschreibungen der fremden Namen bei
Wulfila. KZ 35 (1897), 291-313.
Lühr, = Rosemarie Lühr, Expressivität und Lautgesetz im Germani-
Expressivität sehen. Heidelberg 1988.
Marchand = James W. Marchand, The Sounds and Phonemes of Wulfila's
Gothic. The Hague/Paris 1973.
Marchand, Got. = Gotisch (§ B4,j).
Meid = Wolfgang Meid, Wortbildungslehre (§ B6,m).
Meyer = Leo Meyer, Die gothische Sprache (§ B5,b).
Mossé = Fernand Mossé, Manuel de la langue gotique (§ B3,k).
Mossé Β. = Bibliographia Gotica. Dazu die Supplemente S1. - S5. (§ Bl).
Noreen, Ltl. = Adolf Noreen, Abriß der urgermanischen Lautlehre. Straß-
burg 1894.
Petersen = Christian T. Petersen (Hrsg.), Gotica Minora. Miscellanea de
Lingua Ulfilae collecta. Hanau 2002.
Pokorny = Julius Pokorny, Indogermanisches etymologisches Wörter-
buch, 1. Band, Bern/München 1959.
Prokosch = Eduard Prokosch, A Comparative Germanie Grammar. Phil-
adelphia 1939. (Neudruck: Ann Arbor, Mich., 1958.)
Scardigli, Goten = Piergiuseppe Scardigli, Die Goten. Sprache und Kultur.
München 1973.
Schaffner = Stefan Schaffner, Das Vernersche Gesetz und der innerpara-
digmatische grammatische Wechsel des Urgermanischen im
Nominalbereich. Innsbruck 2001.
Schmidt, Neutra = Johannes Schmidt, Die Pluralbildungen der Indogermani-
schen Neutra. Weimar 1889.
Schönfeld = M. Schönfeld, Wörterbuch der altgermanischen Personen-
und Völkernamen. Heidelberg 1911.
Schulze, Kl. Schr.= Wilhelm Schulze, Kleine Schriften. 2., durchgesehene Auflage
mit Nachträgen herausgegeben von Wilhelm Wissmann. Göt-
tingen 1966. (Schulzes Aufsätze sind durchweg nach den Kl.
Sehr, zitiert.)
Schwyzer = Eduard Schwyzer, Griechische Grammatik I. München 1939.
(5., unveränd. Aufl. 1977.)
Seebold = Elmar Seebold, Vergleichendes und etymologisches Wörter-
buch der germanischen starken Verben. The Hague/Paris
1970.
Seebold, Pron. = Das System der Personalpronomina in den frühgermanischen
Sprachen, Göttingen 1984.

XXII
Abkürzungsverzeichnis

Snaedal = Magnus Snsedal, A Concordance to Biblical Gothic (§ B7,j).


Streitberg § = Wilhelm Streitberg, Gotisches Elementarbuch (§ B3,f)·
Streitberg I/II = Die gotische Bibel (§ B2,e).
Streitberg, UG = Urgermanische Grammatik. Heidelberg 1896. (Neudruck:
Heidelberg 1943.)
Szemerényi = Oswald Szemerényi, Introduction to Indo-European Linguis-
tics. Translated from „Einführung in die vergleichende
Sprachwissenschaft" (4th edition, 1990) with additional notes
and references. Oxford 1999.
Trutmann, Adj. = Albertine Trutmann, Studien zum Adjektiv im Gotischen.
Berlin/New York 1972.
Wilmanns = Wilhelm Wilmanns, Deutsche Grammatik (§ B3,d).
Wrede, Ostg. = Ferdinand Wrede, Über die Sprache der Ostgoten in Italien.
Straßburg 1891.
Wrede, Wand. = Über die Sprache der Wandalen. Straßburg 1886.
Wrede/Heyne = Stamm-Heyne's Ulfilas (§ B2,d).
Zupitza, Gutt. = Ernst Zupitza, Die germanischen Gutturale. Berlin 1896.

XXIII
AUSWAHLBIBLIOGRAPHIE

§B1. I. B i b l i o g r a p h i s c h e H i l f s m i t t e l zum Got. (vgl. Mossé Β. 243f.;


S1. 169; S 5 . 306).

a) Fernand M o s s é , Bibliographia Gotica. A Bibliography of Writings on the


Gothic Language to the End of 1949. MSt 12 (1950), 237-324 (zitiert als Mossé
Β.).
b) F. M o s s é , dass., First Supplement, Corrections and Additions to the Middle
of 1953. MSt 15 (1953), 169-183 (zitiert als S1.).
c) F. M o s s é f / James W. Marchand, dass., Second Supplement, Corrections and
Additions to the Middle of 1957. MSt 19 (1957), 174-196 (zitiert als S2.).
d) Ernst A. E b b i n g h a u s , dass., Third Supplement, Additions to the End of
1965. MSt 29 (1967), 328-343 (zitiert als S3.).
e) E. A. E b b i n g h a u s , dass., Fourth Supplement, Additions to the End of 1972.
MSt 36 (1974), 199-214 (zitiert als S4.).
f) Christian T. Petersen,dass., Fifth Supplement, Corrections and Additions to
the Middle of the Nineties. MSt 59 (1997), 301-356 (zitiert als S5.).

II. B i b l i o g r a p h i s c h e H i l f s m i t t e l zum Germ.

g) Carl Heinrich H e r r m a n n , Bibliotheca Germanica. Verzeichniss der vom Jah-


re 1830 bis Ende 1875 in Deutschland erschienenen Schriften über altdeutsche
Sprache und Literatur nebst verwandten Fächern. Halle/S. 1878.
h) Fritz L o e w e n t h a l , Bibliographisches Handbuch zur deutschen Philologie.
Halle/S. 1932.
i) Thomas L. M a r k e y / Robert L. K y e s / Paul T. R o b e r g e , Germanie and
its Dialects: a Grammar of Proto-Germanie. III: Bibliography and indices.
Amsterdam 1977.

§ B2. A u s g a b e n d e r g o t i s c h e n B i b e l (vgl. Mossé Β. 255f.; S 1 .172; S 2 .178;


S 3 . 330).
Über die Erstausgaben der einzelnen Codices s. die Anm. zu §§ E6-E10.
Über die älteren Ausgaben, die heute fast nur noch historischen Wert besit-
zen, vgl. Bernhardt (s.u. unter c) LXIII f. sowie Karl von Bahder, Die deut-
sche Philologie im Grundriß, Paderborn 1883, 44ff. Jetzt sind für das Stu-
dium der got. Sprache folgende Ausgaben von Wichtigkeit:

a) H. C. von der G a b e l e n t z / J. L o e b e , Ulfilas. Veteris et Novi Testamenti


Versionis Gothicae Fragmenta quae supersunt. Vol. I, Textum continens;
Vol. II, pars prior, Glossarium Linguae Gothicae continens; pars posterior,
Grammaticam Linguae Gothicae continens. Leipzig 1843-1846 (Neudruck:
Hildesheim 1980). Wenn auch die Textausgabe in Bd. I veraltet ist, so bleiben
doch das Wörterbuch, Bd. 11,1, und die Grammatik, Bd. 11,2, durch die reich-
haltigen Materialsammlungen von höchstem Wert (zitiert als Gabelentz/
Loebe).

XXIV
Auswahlbibliographie §B3.

b) Für die Feststellung der handschriftlichen Überlieferung sind wichtig die Le-
sungen von A. Uppström, nach denen er genaue Textabdrucke veranstaltet hat:
Anders U p p s t r ö m , Codex Argenteus si ve sacrorum evangelionim versionis
Gothicae fragmenta quae iterum recognita adnotationibusque instructa per
lineas singulas ad fidem codicis, additis fragmentis evangelicis Codicum
Ambrosianorum et tabula lapide expressa. Uppsala 1854.
D e r s., Decern Codicis Argentei rediviva folia cum foliis contiguis et inter-
mediis. Uppsala 1857.
D e r s . , Fragmenta Gothica Selecta ad fidem Codicum Ambrosianorum
Carolini Vaticani. Uppsala 1861.
D e r s . , Codices Gotici Ambrosiani sive epistularum Pauli Esrae Nehemiae
versionis goticae fragmenta, quae iterum recognovit, per lineas singulas de-
scripsit, adnotationibus instruxit. Stockholm 1864-1868.
Dazu sind heranzuziehen die Lesungen der Codd. Ambros. durch W. Braun bei
Streitberg 1,481-488. Ferner Otto ν. F r i e s e n , Om läsningen av Codices gotici
Ambrosiani. Uppsala/Leipzig 1927; E b b i n g h a u s , GL 25 (1985), 72f.
c) Einen kritisch hergestellten Text mit kritisch-exegetischen Anmerkungen und
Beifügung eines rekonstruierten griech. Textes gibt Ernst B e r n h a r d t , Vulfila
oder die gotische Bibel. Halle 1875 (zitiert als Bernhardt).
d) Handausgabe von Wulfilas Bibelübersetzung, ohne griech. Text, mit Glossar
und Grammatik von F. L. S t a m m , Ulfilas oder die uns erhaltenen Denkmäler
der gotischen Sprache. Paderborn 1858. Seit der 3. Aufl. (1865) bearbeitet von
M. H e y n e , seit der 9. Aufl. (1896) von M. H e y n e und F. W r e d e ; seit der
11. Aufl. (1908) unter dem Titel: Stamm-Heyne's Ulfilas, oder die uns erhalte-
nen Denkmäler der gotischen Sprache. Text, Grammatik, Wörterbuch. Neu
hrsg. von Ferdinand W r e d e . Zuletzt 13./14. Aufl. Paderborn 1920 (zitiert als
Wrede/Heyne).
e) Kritische Ausgabe von Wilhelm S t r e i t b e r g , Die gotische Bibel. I. Teil: Der
gotische Text und seine griechische Vorlage. Mit Einleitung, Lesarten und Quel-
lennachweisen sowie den kleineren Denkmälern als Anhang. Heidelberg 1908;
7. Aufl. mit einem Nachtrag von Piergiuseppe S c a r d i g l i , Heidelberg 2000. -
II. Teil: Gotisch-griechisch-deutsches Wörterbuch. Heidelberg 1910; 2. Aufl.
1928. Vollständige Ausgabe mit rekonstruiertem griech. Text nach der Rezen-
sion von Konstantinopel, Paralleldruck der mehrfach überlieferten got. Stücke
und kritisch-exegetischen Anmerkungen, wichtig vor allem durch die Verwen-
dung der Lesungen Brauns (s.o. unter b). Der II. Teil enthält das nach wie vor
beste got. Handwörterbuch, das durch reiche Stellenangaben und genaue An-
führung der griech. Entsprechungen ein für die meisten Zwecke ausreichendes
Hilfsmittel bietet (zitiert als Streitberg I/II).
f) Andere Textausgaben: Ernst B e r n h a r d t , Die got. Bibel des Vulfila und die
Skeireins. Halle 1884 (Textabdruck der großen Ausgabe [s.o. unter c] mit kur-
zem Glossar). - G. H. B a l g , The First Germanic Bible Translated from the
Greek by the Gothic Bishop Wulfila ... and the Other Remains of the Gothic
Language. With an introduction, a syntax, and a glossary. Milwaukee 1891.

A η m. 1. Über Separatausgaben der Skeireins s. § Ε11 Α. 1.

Ü b e r g r e i f e n d e G r a m m a t i k e n (Laut- und Flexionslehre) (vgl. Mossé § B3.


Β. 272-295; S 1 .174-178; S 2 .182-188; S 3 .333-338; S 4 .204-208; S 5 .319-330).

a) G a b e l e n t z / L o e b e (§B2,a)II,2, 1-107.
b) W r e d e / H e y n e (§B2,d) 283-375.

XXV
§B3. Auswahlbibliographie

c) R. B e t h g e , Gotisch. In: Ferdinand D i e t e r , Laut- und Formenlehre der


altgermanischen Dialekte. Leipzig 1898-1900. (21-35: Vokalismus; 193-214:
Konsonantismus; 391-408: Konjugation; 568-602: Deklination. - Zitiert als
Bethge.)
d) Wilhelm W i l m a n n s , Deutsche Grammatik. Gotisch, Alt-, Mittel- und Neu-
hochdeutsch. I3 Lautlehre (1911), II2 Wortbildung (1899, Neudruck 1922),
111,1.2 Flexion (1906, 1909). Straßburg (zitiert als Wilmanns). - Zu Bd. II
(Wortbildung) existiert ein Wortregister von Rolf J o e r e s , Coburg (im Selbst-
verlag) 1997 (darin 14-34: Gotisch).
e) Friedrich K l u g e , Die Elemente des Gotischen. Eine erste Einführung in die
deutsche Sprachwissenschaft. Straßburg 1911 (zitiert als Kluge, Got.).
f) Wilhelm S t r e i t b e r g , Gotisches Elementarbuch. 5./6. Aufl. Heidelberg 1920
(zitiert als Streitberg §).
g) Max Hermann J e l l i n e k , Geschichte der gotischen Sprache. Berlin/Leipzig
1926 (zitiert als Jellinek).
h) Ernst K i e c k e r s , Handbuch der vergleichenden gotischen Grammatik. Mün-
chen 1928. (2., unveränderte Aufl. München 1960. - Zitiert als Kieckers.)
i) A. G. v a n H a m e l , Gotisch Handboek. 2. Aufl. Haarlem 1931.
j) Ernst G a m i l l s c h e g , Historia linguistica de los Visigodos. Rivista de filologia
española 19 (1932), 117-150, 229-250.
k) Fernand M o s s e , Manuel de la langue gotique. Paris 1942.-Nouvelle édition.
Paris 1956. (2. Aufl. zitiert als Mossé.)
1) Joseph W r i g h t , Grammar of the Gothic Language. Second Edition with a
Supplement to the Grammar by O. L. S a y c e . Oxford 1954.
m) M. M. G u c h m a n , Gotskij jazyk. Moskva 1958.
n) B. M. Z a d r o z n y i , Porivnjal'na fonetika i morfolohija got'skoji movy. L'viv
1960.
o) William H. B e n n e t t , An Introduction to the Gothic Language. Elementary
grammar, reference grammar, specimen texts, and glossary. Ann Arbor 1965
(1. Aufl. von Bennett, § B4,g).
p) Hans K r ä h e , Historische Laut- und Formenlehre des Gotischen. Zugleich
eine Einführung in die germanische Sprachwissenschaft. 2. Aufl. von Elmar
S e e b o l d . Heidelberg 1967 (zitiert als Krähe/Seebold),
q) Carlo Alberto M a s t r e l l i , Grammatica Gotica. Mailand 1967 (Neudruck
1992).
r) Wolfgang K r a u s e , Handbuch des Gotischen. 3. Aufl. München 1968 (zitiert
als Krause).
s) Ivan Pu d i e , Gotski jezik. I: Istorijska gramatika. Beograd 1972.
t) Elio D u r a n t e , Grammatica Gotica. Firenze 1974.
u) Ana A g u d A p a r i c i o / M. Pilar F e r n á n d e z Á l v a r e z , Manual de lengua
gótica. 2. Aufl. Salamanca 1988.
v) Irmengard R a u c h , The Gothic Language. Grammar, genetic provenance and
typology, readings. New York u.a. 2003.
A n m . 1. Zur Feststellung einzelner grammatischer Tatsachen sind von Nutzen
die Schriften von Johan Hendrik G a l l é e , Gutiska (I.) Lijst van gotische
woorden, wier geslacht of bulging naar analogie van andere gotische woorden,
of van het oudgermaansch wordt opgegeven, Haarlem 1880; dazu Nachträge in
TNTL 1 (1881), 220ff. - II. De adjektiva in het gotisch en hunne suffixen,
Utrecht 1882.

XXVI
Auswahlbibliographie § B6.

I. E i n f ü h r u n g e n u n d E l e m e n t a r b ü c h e r (Auswahl): §B4.
a) Joseph Wright, A Primer of the Gothic Language. With grammar, notes and
glossary. 2. Aufl. Oxford 1899.
b) Friedrich von der Ley en, Einführung in das Gotische. München 1908.
c) Hermann J a n t z e n , Gotische Sprachdenkmäler. 6. Aufl. Leipzig 1929.
d) Heinrich Hempel, Gotisches Elementarbuch. 4. Aufl. Berlin 1966.
e) Wolfgang Β innig, Gotisches Elementarbuch. 5., völlig neubearbeitete Auf-
lage der Darstellung von Heinrich Hempel. Berlin/New York 1999.
f) Enrico C a m p a n i l e , Introduzione alla linguistica germanica. I: Il gotico.
Napoli 1970.
g) William H. B e n n e t t , An Introduction to the Gothic Language. Parti: Ele-
mentary grammar, readings, glossary. Ann Arbor 1972 (3. Aufl. von Bennett,
§ B3,o).
h) Subhadra Kumar Sen, A Gothic Primer. Calcutta 1979.
i) Jan de Vries, Elementair Gotisch. Muiderberg 1982.

II. K n a p p e S k i z z e n (Auswahl):
j) James W. M a r c h a n d , Gotisch, in: Kurzer Grundriß der germanischen Phi-
lologie I, Hrsg. L. E. Schmitt, Berlin 1970,94-122 (zitiert als Marchand, Got.),
k) Orrin W. R o b i n s o n , Gothic, in: Old English and its Closest Relatives, A sur-
vey of the earliest Germanic languages, Stanford, Calif. 1992, 43-68.
1) Winfred P. L e h m a n n , Gothic and the reconstruction of Proto-Germanie, in:
The Germanic Languages, Hrsg. E. König/J. van der Auwera, London/New
York 1994,19-37 (zitiert als Lehmann, Reconstr.).
m) Petra M. Vogel, Minimalgrammatik des Gotischen. Göppingen 1995.
n) Rüdiger S c h m i t t , Gotische Sprache, RGA2 12 (1998), 458^61.

Wichtige Arbeiten zur L a u t l e h r e (für Lit. zur Phonologie des Got. s. § 28 § B5.
A.2):

a) D i e t r i c h , Ausspr. (1862).
b) Leo Meyer, Die gothische Sprache. Ihre Lautgestaltung insbesondere im
Verhältniss zum Altindischen, Griechischen und Lateinischen. Berlin 1869.
(Sprachvergleichende Behandlung der got. Lautlehre mit vollständigem Mate-
rial. - Zitiert als Meyer.)
c) Die Behandlung der got. Lautlehre in Adolf H o l t z m a n n , Altdeutsche Gram-
matik. Bd. 1,1. Leipzig 1870.
d) J a c o b s o h n 1/11(1916/20).
e) William H. B e n n e t t , The phonemic status of Gothic w, h, q. Lg 35 (1959),
427-432.
0 William H. B e n n e t t , The stress patterns of Gothic. PMLA85(1970), 463-472.
g) M a r c h a n d (1973).
h) Asbury Wesley J o n e s , Gothic Final Syllables. A new look at the phonological
and morphological developments from Germanic. Diss. Chapel Hill (Univ. of
North Carolina) 1979.

I. Während der Flexionslehre kaum separate Darstellungen gewidmet wor- § B6.


den sind, existieren mehrere Abhandlungen zur got. W o r t b i l d u n g s -

XXVII
§B6. Auswahlbibliographie

l e h r e (vgl. Mossé Β. 295ff.; S1. 178f.; S2. 189; S3. 338; S4. 208f.; S5.
330f.). Zur Komposition s. § 88a A.4, zur Präfigierung § 217a A.3.
a) G a b e l e n t z / L o e b e (§ B2,a) 11,2, 108-135.
b) J e l l i n e k (§B3,g) §§206-239.
c) M o s s é (§B3,k)§§ 163-215.
d) G u c h m a n (§B3,m) 194-213.
e) Hans-Jürgen S c h u b e r t , Die Erweiterung des bibelgotischen Wortschatzes
mit Hilfe der Methoden der Wortbildungslehre. München 1968.
f) Karin W e b e r , Derivation der Substantiva im Gotischen. Diss. Jena 1991.
g) Antje C a s a r e t t o , Nominale Wortbildung der gotischen Sprache. Die Deri-
vation der Substantive. Diss. Köln 2002.

II. Die folgenden vergleichenden Wortbildungslehren schließen das Got.


mit ein:
h) Wegen der Materialfülle noch immer wichtig ist G r i m m , Bd. II und III.
i) W i l m a n n s , Bd. II (mit dem Wortregister von Rolf J o e r e s , s. § B3,d).
j) B r u g m a n n 11,1.
k) Friedrich K l u g e , Nominale Stammbildungslehre der altgermanischen Dialek-
te. 3. Aufl. Halle 1926 (zitiert als Kluge).
1) Walter H e n z e n , Deutsche Wortbildung. 3. Aufl. Tübingen 1965 (zitiert als
Henzen).
m)(Hans K r ä h e /) Wolfgang M e i d , Germanische Sprachwissenschaft III:
Wortbildungslehre. Berlin 1967 (zitiert als Meid).

§B7. Übergreifende Arbeiten zur L e x i k o g r a p h i e (vgl. Mossé Β. 309-319;


S 1 .180ff.; S 2 .191 ff.; S 3 .340ff.; S 4 .210ff.; S 5 .340-349. - Ebbinghaus, GL 23
[1983], 202ff.; 25 [1985], 218ff. [Nachdruck in Petersen 2002]). Für etymo-
logische Schriften s. § B8.
a) Das Wörterbuch bei G a b e l e n t z / L o e b e (§B2,a) 11,1. Nach dem got. Al-
phabet angeordnet, mit zahlreichen Stellenangaben; am Schluß ein griech.-got.
Wörterbuch.
b) Ernst S c h u l z e , Gothisches Glossar. Mit einer Vorrede von J. Grimm. Mag-
deburg 1847 (Neudruck: Hildesheim/New York 1971). Reichhaltiges got. Wör-
terbuch mit vollständigen Stellenangaben und Anführung der griech. Entspre-
chungen. - Auszug (ohne Stellenangaben, aber unter Berücksichtigung der Ety-
mologie und Benutzung der Uppströmschen Lesungen, mit einer durch Wort-
und Formenverzeichnisse nützlichen Flexionslehre): Gotisches Wörterbuch
nebst Flexionslehre von E. Schulze. Züllichau 1867.
c) Wilhelm S t r e i t b e r g s Gotisch-griechisch-deutsches Wörterbuch (§ B2,e).
d) und e) Die Glossare in den Ausgaben von W r e d e / H e y n e (§ B2,d) und Balg
(§ B2,f).
f) Joseph R. P u r y e a r , Jr., A Greek-Gothic Lexicon and Concordance to the
New Testament. Diss. Nashville, Tenn. 1965.
g) Brian T. R e g a n , Dictionary of the Biblical Gothic Language. Phoenix 1974.
h) Felicien de T o l l e n a e r e / Randall L. J o n e s , Word-Indices and Word-Lists
to the Gothic Bible and Minor Fragments. Leiden 1976. Die Listen sind ohne
Rücksicht auf grammatische Formen rein alphabetisch angeordnet, die Grund-
lage bildet Streitbergs Ausgabe.

XXVIII
Auswahlbibliographie § B9.

i) Gerhard K ö b l e r , Gotisches Wörterbuch. Leiden [u.a.] 1989. Umfangreiches


Wörterbuch mit vollständigen Stellenangaben, Belegzahlen, Übersetzungsglei-
chungen u.a.
j) Magnús Snaedal, A Concordance to Biblical Gothic. Bd. I: Introduction,
Texts; Bd. II: Concordance. Reykjavik 1998. Lemmatisierte Konkordanz, die
sämtliche Belege mit grammatischer Bestimmung im jeweiligen Kontext aufli-
stet (zitiert als Snaedal; römische Seitenzahlen beziehen sich auf Bd. I, arabische
auf Bd. II).

Wörterbücher und Untersuchungen zur E t y m o 1 o g i e : § B8.

a) Lorenz D i e f e n b a c h , Vergleichendes Wörterbuch der gothischen Sprache.


Bd. I-II. Frankfurt 1851 (Neudruck: Wiesbaden 1967).
b) Sigmund F e i s t , Grundriß der gotischen Etymologie. Straßburg 1888.
c) C. C. U h l e n b e c k , Kurzgefaßtes etymologisches Wörterbuch der gotischen
Sprache. Amsterdam 1896. - 2. verbesserte Aufl. 1900. - Dazu ergänzende Ab-
handlungen von Uhlenbeck: PBB 27 (1902), 113-136; 30(1905), 252-327;
TNTL 25 (1907), 245-306.
d) Theodor von G r i e n b e r g e r , Untersuchungen zur gotischen Wortkunde.
Wien 1900 (zitiert als Grienberger).
e) Ferdinand H o l t h a u s e n , Gotisches etymologisches Wörterbuch. Mit Ein-
schluß der Eigennamen und der gotischen Lehnwörter im Romanischen. Hei-
delberg 1934 (Neudruck: Heidelberg 2002).
f) Sigmund F e i s t , Vergleichendes Wörterbuch der gotischen Sprache mit Ein-
schluß des Krimgotischen und sonstiger zerstreuter Überreste des Gotischen.
3. Aufl. Leiden 1939 (zitiert als Feist).
g) Winfred P. L e h m a n n , A Gothic Etymological Dictionary. Based on the third
edition of „Vergleichendes Wörterbuch der Gotischen Sprache" by Sigmund
Feist. Leiden 1986 (zitiert als Lehmann).

Weitere lexikalische und etymologische Arbeiten: § B9.


Walter W. S k e a t , A Mœso-Gothic glossary, with an introduction, an outline of
Mœso-Gothic grammar, and a list of Anglo-Saxon and old and modern English
words etymologically connected with Mœso-Gothic. London/Berlin 1868.
G. H. Balg, A comparative glossary of the Gothic language with especial referen-
ce to English and German. Mayville (und Halle) 1887-89.
J. H e i n s i u s , Nederlandsch-Gotische woordenlijst, Groningen 1893.
H.W. Ve 11 e η, Studies in the Gothic Vocabulary with especial reference to Greek
and Latin Models and Analogues, JEGP 29 (1930), 332-351, 489-509.
Oskar P r i e s e , Deutsch-gotisches Wörterbuch. Nebst einem Anhange, enthaltend
eine sachlich geordnete Übersicht des gotischen Wortschatzes und eine Samm-
lung von Redensarten und Sprüchen. 3. Aufl. Halle 1933.
Robert Allen F o w k e s , Gothic Etymological Studies. New York 1949.
Jan de Vries, De Gotische Woordenschat vergeleken met die van het Noord- en
Westgermaans, LB 66 (1956/57), 5 ff.
Hans-Jürgen S c h u b e r t , Die Erweiterung des bibelgotischen Wortschatzes
(§ B6,e).
Brian T. R e g a n , The Gothic Word, New findings in the vocabulary of biblical
Gothic. Albany 1972.
Bernard D e v l a m m i n c k / Guy J u c q u o i s, Compléments aux dictionnaires éty-
mologiques du gotique, Tome 1 (A-F), Louvain 1977 (dazu Jucquois, CIL 4
[1977], 141 ff.).

XXIX
§B9. Auswahlbibliographie

Peter A n r e i t er, Rückläufiges Wörterbuch des Bibelgotischen. Ein Entwurf.


Innsbruck 1987.
Elfriede S t u t z , Gotische Lexikographie, in: Wörterbücher, Ein internationales
Handbuch zur Lexikographie, Hrsg. F. J. Hausmann et al., Bd. II, Berlin 1990,
1908ff.

§B10. Arbeiten zur S y n o n y m i k :

Friedrich G r ü n w a l d , Zur gotischen Synonymik. I. Teil: Die Verba dicendi


(Separatabdruck aus dem Jahresbericht 1909/10 der deutschen Staatsrealschule
in Karolinenthal) Prag; II. Teil (ebd. 1911/12).
A. H r u b y , Zur Synonymik des Substantivs in den gotischen Evangelien (Jahres-
bericht des k. k. Staatsrealgymnasiums in Triest, 1911).
Richard G r o e p e r, Untersuchungen über gotische Synonyma (Teil A: Religiöses
Leben). Diss. Berlin 1917.
Josef C o n r a d i , Zur Synonymik des Substantivs und Adjektivs in den got. Evan-
gelien und Episteln. Diss. Bonn 1918.
S c h u l z e , Kl. Sehr. 554ff. (Ausdrücke für 'Menge, Volk' usw.).
Necip Û ç o k , Über die Wortgruppen weltanschaulichen und religiösen Inhalts in
der Bibelübersetzung Ulfilas. Diss. Heidelberg 1938.
Friedrich F r o d i , Gotische Wortfelder. Diss. Erlangen 1951.
Monique B a r a s c h , A Study of Synonymy and Lexical Statistics in Gothic. Diss.
New York 1973.

§ B l l . Literatur zur gotischen S y n t a x (vgl. Mossé Β. 299ff.; S 1 . 179f.; S 2 . 189f.;


S 3 . 338f.; S 4 . 209; S 5 . 331-339. - Petersen [s.u. unter h]).

I. Gesamtdarstellungen:

a) G r i m m , Bd. IV, Syntax des einfachen Satzes.


b) G a b e l e n t z / L o e b e (§B2,a)II,2, 136-293.
c) S t r e i t b e r g §§234-370.
d) M o s s é §§216-267.
e) G u c h m a n (§ B3,m), §§ 239-268.
f) Ronald N. W e r t h , A Structural Syntax of the Gothic Gospels of Luke and
Mark. Diss. Cornell Univ., Ann Arbor 1966.
g) Wayne Eugene H a r b e r t , Gothic Syntax. A Relational Grammar. Diss. Ur-
bana, 111. 1978.
h) Christian T. P e t e r s e n , Das Corpus Goticum als Gegenstand syntaktischer
Abfragemuster. Erstellt auf der Basis des EUROTYP Word Order Question-
naire. Nebst einer vollständigen Bibliographie zur gotischen Syntax. Diss. Kiel
1999.

II. Kürzere, für den Anfänger nützliche, z.T. auf selbständiger Forschung
beruhende Abrisse der got. Syntax:
i) T. Le M a r c h a n t D o u s e , An Introduction Phonological, Morphological,
Syntactic to the Gothic of Ulfilas. London 1886. 208-268.
j) Ernst B e r n h a r d t , Kurzgefaßte gotische Grammatik. Anhang zur gotischen
Bibel des Vulfila. Halle 1885. §§ 131-194.

XXX
Auswahlbibliographie § Β11.

k) W r e d e / H e y n e (§B2,d)§§ 227-280.
1) Balg (§B2,0 222-292.

III.Die got. Syntax ist eingehend berücksichtigt in den vergleichenden Dar-


stellungen der germ, und idg. Syntax:
m) Berthold D e l b r ü c k , Vergleichende Syntax der indogermanischen Sprachen.
Bd. I—III. Straßburg 1893-1900 (= Brugmann, Grundriß der vergleichenden
Grammatik der indogermanischen Sprachen, 1. Aufl. Bd. III-V).
n) Otto B e h a g h e l , Deutsche Syntax. Bd. I-IV. Heidelberg 1923-1932.
o) H i r t , HU III: Abriß der Syntax, Heidelberg 1934.

XXXI
2 . ψθΐ m s> sv eÏN h m i hk t) my ^u h

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Abb. 1. Cod. arg. fol. 5r (Mt. 6,9-16). Von David Landau (Univ. Tampere) zur
Verfügung gestellte Photographie auf der Basis des Faksimile (s. § E6 A.2),
etwa 'h der natürlichen Größe. Beispiel für den (jüngeren) S-Typ.
• ••j" . •• . tW0HÍ3ittuá»u.n>jdi»tt" : : UUIUMIHI m m i ^ j e u i ^ 1 n o •u.ieuiil·

liL.fcl.'ÜMí ¡1.1 ijj ¡ ¿. ^ S i J . II» V'j^W' ·"·*""'


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|>n||i «H»*Ml|lluiiHt(>.i|4Mivv>pim jiïxli, >(XU.VQnil X o u i t j Q J ^ ^ u L ,
.m ι ι IMJHII··· i-fijM.iil} ure>:r>ii «roMajnBenl)«»ni»uaJnu
' '«l.utj j .^.Ij <uut tujlittOi^nt Mjtit.1 ul'uîuimlotih lAj j unkurtu >ψ/ιιι i
"•'r»j> ....,; t.'i' .Jiml I*) .IT j.í:^ . . U í t H i M O n ¡ i^.ptüJ
«ilj •.>·.».. . ,γ l'iu.»>il |.l,U>jn.upjjnyí1UlWWi.IllJ > )m, I.Mraili.U.M , .„up

Abb. 2. C o d . A m b r o s . Β, pag. 121. P h o t o g r a p h i e des Originals, etwa 6 0 % der


natürlichen G r ö ß e . Beispiel f ü r den (älteren) Σ-Typ; der got. Text ist durch
den (in umgekehrter Richtung) übergeschriebenen lat. Text nur schwer zu
erkennen.
EINLEITUNG
KAPITEL I.

Die Goten und ihre Sprache

Die got. Sprache ist die Sprache des germ. Volkes der Goten (Γούτωνες, § El.
Guiones). Wohl im frühen 3. Jh. spalteten sich diese in zwei Stämme, die
in alter Überlieferung als Ostrogotae und Visigotae, heute allgemein als Ost-
und Westgoten bezeichnet werden (s. Anm. 2) und die in der Völkerwan-
derungszeit eine nicht unbedeutende geschichtliche Rolle spielten. Mit dem
Untergang des Ostgotenreiches in Italien und des Westgotenreiches in Spa-
nien verschwinden die Goten aus der Geschichte.
A n m . 1. Der Name der Goten ist in seiner germ.-got. Form als *Gutans (vielleicht
auch *Gut6s) anzusetzen, also mit t, nicht (mit Kremer, PBB 8 [1882], 447 nach
J. Grimm) mitp (das <tk> in lat. Gothi, <9> in gr. γόθοι, γότθοι, γόθθοι ist eine ab dem
3. Jh. auftretende rein graphische Neuerung). In got. Überlieferung belegt ist erstens
die Form gutani auf dem Goldring von Pietroassa (§ E17), die in der Regel als Gen.Pl.
*gutanê interpretiert wird (W. Krause, Die Runeninschriften im älteren Futhark,
Göttingen 1966, 91 ff.); zweitens der Dat. ana gutpiudai έν γοτθία, in Gothia, Kai. 8
(Friedrichsen, MLR 22 [192η, 90f.; Feist 226f. mit Lit.). Formal identisch mit dem
Gotennamen ist der η-Stamm altschwed. Guti Sg. (Beiname), Gutar PI. (Einwohner
Gotlands). - Lit. zu Form, Flexion und Etymologie des Namens: Schönfeld 120ff.;
Streitberg § 5 A.l-3; Jellinek § 1; Krause § 3; Mossé § 8; Mossé Β. 252f.; Andersson,
Fs. Elmevik (1996), 33ff.; ders., Namn och Bygd 84 (1996), 5ff.; ders., RGA 2 12
(1998), 402 f.

A n m . 2. Die von Jordanes (Get. XIV) nach Ablabius vorgetragene und auch in
neuerer Zeit nicht selten vertretene Auffassung der Namen (Austro- >) Ostro-
got(h)ae (-i) als 'Ost'-goten und Visi- (Vesi-)got(h)ae (-i), Ουισίγοτθοι als 'West'-
goten beruht auf früher Volksetymologie. Der Name der Visigotae lautet nach älterer
Überlieferung Visi ( Vesi) und hat nichts mit dem germ. Wort für 'West(en)' zu tun. -
Lit. zu Austro-, Ostro-: Schönfeld 38 f. (mit Lit.); Feist 381; Krause §6,1; zu Visi-:
Schönfeld 267f. (mit Lit.); Feist 568; Krause a.a.O.; ferner Mossé Β. 252f.; s. § 138
A.l.

Nach der Abwanderung der Goten aus Südrußland verblieb ein kleiner Teil § E2.
des Volkes in der Krim, wo ihr Name im Namen der kirchlichen Eparchie
Gothia bis 1779 erhalten blieb. - In den Jahren 1560-1562 berichtet der
flandrische Gelehrte und Diplomat Ogier Ghislain de Busbecq (1522-1592)
anläßlich einer Gesandtschaft zur türkischen Pforte in Konstantinopel von
„germanischen" Einwohnern in der Krim, doch bleibt er unentschieden, ob
sie „Gothi an Saxones" seien. Er teilt eine Liste von 86 Wörtern mit, von
denen die meisten durchaus germ. Charakter tragen. Von germanistischer
Seite wird seit langer Zeit fast einstimmig angenommen, daß Busbecqs
Material Reste des in der Krim überlebenden Gotischen (sogen. K r i m -
g o t i s c h ) darstelle. Bewiesen ist das nicht. Angesichts der Lage des Mate-
rials und der sonstigen Nachrichten, die wir über Gothia und die Krim

3
§ E2. Einleitung - 1 . Die Goten und ihre Sprache

besitzen, ist in der Frage der Beurteilung des „Krimgotischen" äußerste


Vorsicht geboten.

A n m . 1. Lit. (s. Mossé Β. 271): Augerii Gisleni Busbequii D. Legationis Turcicae


epistolae quatuor, Paris 1589. - P. S. Pallas, Bemerkungen auf einer Reise durch die
südlichen Statthalterschaften des Russischen Reichs II, Leipzig 1801, bes. 363f.;
W. Tomaschek, Die Goten in Taurien, Wien 1881; F. A. Braun, Die letzten Schick-
sale der Krimgoten, St. Petersburg 1890; R. Loewe, Die Reste der Germanen am
Schwarzen Meere, Halle 1896; A. A. Vasiliev, The Goths in the Crimea, Cambridge,
Mass. 1936; Kluge, Got. llOff. (und Grdr. I, 515ff.); Jellinek §§ 5, 16, 77, 109, 175,
192 Anm.; Krause §22; Philippson, PMLA 58 (1943), 564f.; van de Velde, LB
(1964),3, 102ff.; (1965),1, 63ff.; Molinari, IncL 2 (1975), 97ff.; MacDonald Stearns,
Jr., Crimean Gothic. Analysis and etymology of the corpus, Saratoga, Calif. 1978;
ders., Das Krimgotische, in: Germanische Rest- und Trümmersprachen, Hrsg.
H. Beck, Berlin/New York 1989,175ff.; J. Tischler, Neu-und wiederentdeckte Zeug-
nisse des Krimgotischen, Innsbruck 1978; O. Gronvik, Die dialektgeographische
Stellung des Krimgotischen und die krimgotische „cantilena", Oslo 1983; ders., PBB
117 (1995), 9ff.; F. I. Nucciarelli, Il testo del glossario gotico di Crimea, Perugia
1983; H0st, ZDA 114 (1985), 41 ff.; A. Rousseau (Hrsg.), Sur les traces de Busbecq et
du gotique, Lille 1991.

§ E3. Die Goten gehören zu einer Gruppe germ. Stämme, die man nach ihnen oft
als die „got. Gruppe" oder mit dem älteren Plinius (Hist. nat. IV, 99) als die
„wandilische Gruppe" (Wandilier; Vandili, Βανδίλοι) bezeichnet. Bedeu-
tendere Glieder dieser Gruppe sind neben den Goten die Gepiden, Wan-
dalen, Burgunder, Heruler, Rugier und Skiren. Diese saßen zu Anfang un-
serer Zeitrechnung im nordöstlichen Mitteleuropa etwa von der Elbe bis
östlich der Weichsel. Ihre Sprachen müssen nah verwandt gewesen sein (vgl.
Prokop III, 2, 1-5), doch sind vom Gotischen abgesehen nur äußerst spär-
liche sprachliche Reste erhalten (s. Anm. 2), so daß sich eine genauere Be-
urteilung der Verwandtschaftsverhältnisse zwischen diesen Sprachen ver-
bietet. D a ß diese enge Sprachverwandtschaft im allgemeinen als alt ange-
sprochen werden könne, ist unwahrscheinlich; man wird vielfach mit jün-
gerer gegenseitiger Beeinflussung zu rechnen haben (Jellinek § 10).

A n m . 1. Literatur:
a) zur Urheimatfrage: E. C. G. Oxenstierna, Die Urheimat der Goten, Leipzig/
Stockholm 1948; R. Hachmann, Die Goten und Skandinavien, Berlin 1970 (mit rei-
cher Lit.); Penzl, IF 90 (1985), 147ff.;
b) zu Ethnographie, Archäologie und Geschichte: Bremer, Grdr. III, 825ff.;
E. Schwarz, Germanische Stammeskunde, Heidelberg 1956, 83ff.; Mossé Β. 249ff.;
L. Schmidt, Die Ostgermanen, 2. Aufl. München 1941,195 ff. ; E. A. Thompson, The
Visigoths in the Time of Ulfila, Oxford 1966; ders., The Goths in Spain, Oxford 1969;
N. Wagner, Getica, Untersuchungen zum Leben des Jordanes und zur frühen Ge-
schichte der Goten, Berlin 1967; D. Claude, Geschichte der Westgoten, Stuttgart
1970; J. Orlandis, Historia de España: La España Visigótica, 1977; L. Hermodsson,
Goterna, Ett krigarfolk och dess bibel, Stockholm 1993; P. Heather, The Goths,
Oxford 1996; Bierbrauer, RGA 2 12 (1998), 407ff.; Pohl, ebd. 427ff.; H. Wolfram, Die
Goten, 4. Aufl. München 2001;

4
I. Die Goten und ihre Sprache §E4.

c) zur Religionsgeschichte (Heidentum und Bekehrung): K. Helm, Altgermanische


Religionsgeschichte II, Heidelberg 1937, Iff.; Κ. D. Schmidt, Die Bekehrung der
Germanen zum Christentum (1937ff.), 199fF.; Mosse Β. 252; E. A. Thompson oben
unter b); Scardigli, La conversione dei goti al cristianesimo, Settimane di studio del
Centro Italiano di studi nell'alto medioevo (Spoleto) 14 (1967), 47ff., 471 ff.; Schä-
ferdiek, R G A 2 12 (1998), 453 ff.

A n m . 2. Unsere Kenntnis der übrigen ostgerm. Sprachen beschränkt sich fast aus-
schließlich auf Eigennamen in nichtgerm. Überlieferung. Eine Sonderstellung nimmt
allenfalls das Wandalische ein, dem einzelne Textfragmente zugeschrieben worden
sind:
a) ein Syntagma froia arme 'Herr, erbarme dich' (dazu Tiefenbach, HS 104 [1991],
251 ff.);
b) das sogen, „gotische Epigramm" (§ E19) ist von Scardigli, PBB-T 96 (1974), 17ff.
für wandalisch erklärt worden.

W i r stellen hier die gotische ( o d e r wandilische) V ö l k e r g r u p p e s p r a c h l i c h §E4.


als O s t g e r m a n e n den übrigen G e r m a n e n v ö l k e r n (sprachlich Nord-
und W e s t g e r m a n e n ) gegenüber.
F ü r einige der zur ostgerm. G r u p p e gehörigen V ö l k e r ist eine engere
Verwandtschaft mit den N o r d g e r m a n e n ethnologisch gut begründet. Für
das V o l k der G o t e n dürfte das kaum zutreffen. Sprachliche Gemeinsam-
keiten des G o t . mit d e m Nordgermanischen sind (gegenüber solchen des
G o t . mit d e m Westgerm.) meistens stark überschätzt w o r d e n . D i e o f t als
stärkstes Beweismittel für eine got.-nordische Spracheinheit herangezogene
parallele „Verschärfung" (§ 68,2) liegt i m N o r d i s c h e n weit später als im G o t .
( A i s l . G r . § 227; Τ . E. Karsten, Germanisch-finnische Lehnwortstudien,
Helsingfors 1915, 151; E. Haugen, D i e skandinavischen Sprachen, H a m -
burg 1984,138). Es empfiehlt sich, das G o t . als Repräsentanten des Ostger-
manischen und die skandinavischen Dialekte als N o r d g e r m a n i s c h der west-
germanischen Sprachgruppe gesondert gegenüberzustellen.

A n m . 1. Die Gliederung der germ. Sprachen ist Aufgabe der vergleichenden germ.,
nicht der got. Grammatik. Aus der umfangreichen Lit. zu der in älterer und auch in
neuerer Zeit stark umstrittenen Einteilungsfrage:
a) über die alte Ansicht, die, Nord- und Ostgermanen zusammenschließend, diese als
Ostgerm. den Westgerm. gegenüberstellte, vgl. H. Zimmer, Z D A 19 (1876), 393 ff.;
Braune, PBB 9 (1884), 546ff.; Kluge, Grdr. 1,420ff.; Noreen, ebd. 521 f.; Kossinna,
IF 7 (1896), 276ff., wozu Brate, Z D W 12 (1910), l l l f f . ; Bremer, Grdr. III, 809ff.;
R. Loewe, Die ethnische und sprachliche Gliederung der Germanen, Halle 1899;
K. Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde IV, Berlin 1900, 121; Jellinek § 8ff.
b) Neueres: W. Streitberg, Geschichte der indogermanischen Sprachwissenschaft
11,2, Berlin/Leipzig 1927, 9ff.; E. Schwarz, Goten, Nordgermanen, Angelsachsen,
Bern/München 1951; Krause §30ff., wozu Penzl, Lg 30 (1954), 414; Philippson,
Symposium 3 (1954), 18ff.; Adamus, Germanica Wratislaviensia 7 (1962), 115ff.;
ders., Kwartalnik Neofilologiczny 9 (1962), 373ff.; L. Rösel, Die Gliederung der
germanischen Sprachen nach dem Zeugnis ihrer Flexionsformen, Nürnberg 1962;
Kufner, in: Coetsem/Kufner (1972), 71 ff.; T. L. Markey, Germanic Dialect Group-
ing and the Positioning of Ingvaeonic, Innsbruck 1976 (mit reicher Bibliographie
79-84); Η. F. Nielsen, The Early Runic Language of Scandinavia, Heidelberg 2000.

5
KAPITEL II.

Die Quellen der gotischen Sprache

§ E5. Unsere Kenntnis der got. Sprache ist durch die Überlieferungslage in vieler
Hinsicht sehr eng begrenzt. Von der Sprache der Ostgoten liegen ausschließ-
lich Namen in fremder Überlieferung vor (vgl. Wrede, Ostg.). Vom West-
gotischen besitzen wir abgesehen von einigen kleineren und kleinsten Denk-
mälern nur einen umfangreichen Text, der, was für die sprachliche Beurtei-
lung wesentlich ist, von e i n e m Verfasser herrührt: die Fragmente einer
Bibelübersetzung, die mit Sicherheit dem westgot. Bischof Wulfila zuge-
schrieben wird. Wulfila wurde wahrscheinlich im Jahre 311 n. Chr. geboren
und starb 382 oder 383 in Konstantinopel. Er wurde 341 zum westgot.
Bischof geweiht und war von da an bis zu seinem Tode Bischof des Teiles der
Westgoten, der sich 348 unter dem Druck der Christenverfolgung unter
seiner Führung von den heidnischen Westgoten trennte und von Kaiser
Constantius unter Aufnahme in das röm. Reich südlich der D o n a u in Nie-
dermösien Wohnsitze zugewiesen erhielt (Moeso-Goten, Goti minores).

A n m . 1. E. A. Thompson, The Visigoths in the Time of Ulfila, Oxford 1966; Scar-


digli, Goten. - Lit. über Wulfila:
a) Namensform Wulfila, Ulfila, Ulfilas usw.: Streitberg § 8 A.l; Jellinek§ 7; MosséB.
254,4; Ebbinghaus, GL 11 (1971), 14f.; Schäferdiek, BNF N. F. 25 (1990), 267ff.;
Ebbinghaus, HS 104 (1991), 236ff.;
b) Leben und Tätigkeit: Abdruck der Quellen über Wulfila bei Streitberg I, XII-XXV.
Ferner Streitberg §§ 6-8; Mossé Β. 253 f.; Lippold, Paulys Realencyclopädie der Clas-
sischen Altertumswissenschaft, Neue Bearb. 11,17 (1961), 512ff.; Schäferdiek, Zs. f.
Kirchengeschichte 90 (1979), 253ff.; Ebbinghaus, GL 32 (1992), 95ff.;
c) Todesjahr des Wulfila: Streitberg § 8 A.3,4; Mosse Β. 254,2;
d) Wulfilas dogmatische Stellung (Arianismus): Streitberg I, 371 (Anm. zu Php. 2,6);
Streitberg §9; Mossé Β. 254f.; Mirarchi, AION 19 (1976), 165ff.; Simonetti,
Romanobarbarica 1 (1976), 297ff.; Schäferdiek, Zeitschrift für antikes Christentum
6 (2002), 320 ff;
e) Wulfilas Siegel: Henning, ZDA 49 (1908), 146ff.; Fiebiger, PBB 38 (1913), 564f.;
Gardthausen, PBB 48 (1924), 448ff.

Die Überlieferungslage legt es nahe, die Quellen des Got. in zwei Gruppen
einzuteilen:
1. Fragmente von Wulfilas Bibelübersetzung (§§ E6-E10), alle aus dem 5.
oder 6. Jh.;
2. Quellen außerhalb der wulfilanischen Bibelübersetzung (§§ E l 1-E20).
A n m . 2. Lit. zu Überlieferung und Literatur des Got.: Sonderegger, Gotische
Literatur, in: Geschichte der Textüberlieferung der antiken und mittelalterlichen
Literatur, Bd. II, Hrsg. G. Ineichen et al., Zürich 1964, 721 ff.; E. Stutz, Gotische
Literaturdenkmäler, Stuttgart 1966; dies., Codices Gotici, RGA 2 5 (1984), 52ff.;
W. Griepentrog, Zur Text- und Überlieferungsgeschichte der gotischen Evangelien-

6
1. Fragmente von Wulfilas Bibelübersetzung § E6.

texte, Innsbruck 1990; Scardigli, Zur Typologie der gotischen Handschriftenüberlie-


ferung (mit 9 Tafeln), Fs. Beck (1994), 527ff.; ders., RGA 2 12 (1998), 448ff; Ebbing-
haus, The Gothic documents: their provenance and age, NOWELE 31/32 (1997),
101 ff.

1. Fragmente von Wulfilas Bibelübersetzung

a) C o d e x a r g e n t e u s auf der Universitätsbibliothek in Uppsala (Sign. §E6.


D G . 1). Der Codex enthielt ursprünglich auf 336 Blättern die vier Evan-
gelien in der Reihenfolge der „westlichen" Bibelüberlieferung: Matthäus,
Johannes, Lukas, Markus. D a v o n sind noch erhalten 187 Blätter (über
ein weiteres Blatt s. unten b). D a s Pergament der Handschrift ist pur-
purgefarbt, die Schrift in Silber- und Goldbuchstaben ausgeführt. Der
Text ist von zwei Schreibern geschrieben worden: Matthäus und Johan-
nes von „Hand I", Lukas und Markus von „Hand II".

A η m. 1. Das Luk.-Ev. zeigt vielfach Sprachformen, die von denen der übrigen Texte
abweichen; vgl. §§ 7 A.2; 14 A.3; 56 A. 1; 62 A.3; 67 A.2; 74 A.l; 88a A.2; 105 A.2; 204
A. 1; 210 Α. 1. Die Besonderheiten wurden lange Zeit dem Einfluß ostgotischer Schrei-
ber zugeschrieben (vgl. Wrede, Ostg. 200 f.); der Geschichte der Handschriften nach
haben wir aber mit westgotischen Schreibern in Frankreich zu rechnen. Die sprach-
lichen Eigenheiten des Luk.-Ev. weisen eher auf durch uneinheitliche Überlieferung
der Evangelien entstandene Dialektmischung; vgl. ZDP 31 (1899), 93ff.; 43, 30ff.;
Jacobsohn I; Wilmart, Revue biblique 36 (1927), 44-61; Friedrichsen, Gospels 23,
243; Marchand, Dialect Characteristics in our Gothic Mss., Orbis 5 (1956), 141 ff.

A n m . 2. Erster Druck des Cod. arg. durch Franciscus Junius, Dordrecht 1665 (in
den got. Buchstaben nachgebildeten Lettern). Frühe Pionierarbeit zum Cod. arg.:
F. A. Knittel, Einige kritische Bemerkungen über Ulphilas gothische Uebersetzung
der Evangelien, Allgemeine Bibliothek der biblischen Litteratur 7,5 (1796), 783-830
(Nachdruck in Petersen [2002]). Über die Entdeckung des Cod. arg. und frühe Stu-
dien des Got. vgl. R. van de Velde, Handelingen der Koninkl. Zuidnederl. Maat-
schappij voor Taal- en Letterk. en Gesch. 15 (1961), 296-308. - Faksimile des Cod.:
Codex argenteus Upsaliensis jussu Senatus Universitatis phototypice editus (a O. v.
Friesen et A. Grape), Upsaliae 1927. - Grundlegende Untersuchung der Handschrift
und ihrer Geschichte: Friesen/Grape (1928). Vgl. ferner Friedrichsen, The Silver Ink
of the Codex argenteus, JTS 31 (1930), 189ff.; Mosse Β. 257; T. Kleberg, Codex
argenteus, The Silver Bible at Uppsala, 2. Aufl. Uppsala 1958; J.-O. Tjäder, in: Studia
Gotica, Hrsg. U. E. Hagberg, Stockholm 1972,144ff; dens., NTBB 61 (1974), 51 ff;
Andersson-Schmitt, NTBB 62/63 (1975/76), 16ff; L. Munkhammar, The Mystery of
the Thousand Years, The hidden history of Codex argenteus, in: Petersen (2002).

b) Ein im Jahre 1970 im D o m zu Speyer aufgefundenes Pergamentblatt,


Eigentum des Domkapitels zu Speyer („ S p e y r e r F r a g m e n t " ) . N a c h
dem Fundbericht des Entdeckers F. Haffner (s. Anm. 3) ist das Blatt
purpurgefärbt und enthält in der für Cod. arg. charakteristischen Silber-
und Goldschrift das Ende des Markusevangeliums. D i e Einrichtung des
Blattes, die Art der Schrift und die Tatsache, daß sich der Text genau an

7
§ E6. Einleitung - II. Die Quellen der gotischen Sprache

den Abbruch von fol. 335 (187^ des Cod. arg. anschließt, machten es
bereits sehr wahrscheinlich, daß es sich um das bisher verschollene
fol. 336 des Cod. arg. handelt (Ebbinghaus, G L 13 [1973], 96fT.); zur
Sicherheit erhoben wurde diese A n n a h m e durch die Feststellung über-
einstimmender Wurmlöcher (Tjäder, N T B B 61 [1974], 51 ff.).
A n m . 3. Fundbericht von Haffner, Pfälzer Heimat, Jahrgang 22 (1971), 1 ff. Aus-
gaben der Vorderseite des Blattes: Stutz, KZ 85 (1971), 85ff.; Scardigli, Studi Ger-
manici Ν. S. 9 (1971), 5ff.; Szemerényi, Lg48 (1971), Iff. Ausgabe der Rückseite:
Garbe, ZDA 101 (1972), 225f. (unzureichend); Stutz, KZ 87 (1973), I f f ; Ebbing-
haus, GL 20 (1980), 209ff. - Weitere Lit.: Scardigli, Goten (Anhang II); Pollak, ZDP
92 (1973), 61 ff.; 93 (1974), 125ff.; Tjäder, NTBB 61 (1974), 51 ff. (mit Lit.); Uhi/
Schömann, Archivalische Zeitschrift 71 (1975), Iff. (mit Lit. und guten Abbildun-
gen); Andersson-Schmitt, NTBB 62/63 (1975/76), 16ff.; B. Thiebes, Das Speyer-
Fragment des Codex Argenteus, Speyer 1978; Hermodsson, StN 59 (1987), 231 ff.;
Streitberg(/Scardigli) I, 50 Iff.

§E7. C o d e x C a r o l i n u s auf der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel


(Cod. Guelf. 64 Weiss.). Ein codex rescriptus, vier Blätter umfassend, der
Stücke aus dem 11. bis 15. Kapitel des Römerbriefes enthält. D e m got. Text
steht ein lateinischer zur Seite (Bilingue).
A n m . 1. Erster Druck durch den Entdecker Franz Anton Knittel, Braunschweig o. J.
[1762] (in den got. Buchstaben nachgebildeten Lettern). - Mossé Β. 260f. - Faksi-
mile: H. Henning, Der Wulfila der Bibliotheca Augusta zu Wolfenbüttel, Hamburg
1914 (sehr flüchtig hergestellte Ausgabe mit Lichtdrucken der Handschrift). Muster-
gültige Edition mit Faksimile und eingehendem Kommentar: C. Falluomini, Der
sogenannte Codex Carolinus von Wolfenbüttel, Wiesbaden 1999.

§E8. C o d e x G i s s e n s i s früher auf der Universitätsbibliothek in Gießen (Sign.


Handschrift Nr. 651/20). D i e Handschrift ist 1945 durch Hochwasser im
Safe der Dresdner Bank in Gießen, wohin sie aus Sicherheitsgründen wäh-
rend des 2. Weltkrieges gebracht worden war, vernichtet worden (vgl. Gun-
del, Libri 6 [1955], 53). Sie bestand aus einem Pergamentdoppelblatt (die
Seiten 1, 2, 15, 16 eines Quaternio) und enthielt spärliche, für die Textge-
schichte jedoch äußerst wichtige Bruchstücke einer got.-lat. Bibelbilingue
(got. Lk. 23,11-14; 24,13-17; lat. Lk. 23,2-6; 24,5-9).
A n m . 1. Die Handschrift kam 1907 in Ägypten ans Licht. Sie wurde zuerst kritisch
herausgegeben und behandelt von Glaue/Helm, ZNW 11 (1910), 1-38 (mit Abbil-
dung; Nachdruck in Petersen [2002]). Vgl. Burkitt, JTS 11 (1910), 611 f.; ZDP 43
(1911), 379f.; Rühl, ZNW 12 (1911), 85ff; Marchand, JEGP 56 (1957), 213ff.;
Ebbinghaus, GL 29 (1989), 276ff. - Mossé Β. 262,E. - Entgegen der 19. Aufl. dieses
Buches ist das Negativ der angeblich einzigen Photographie keineswegs verschollen.
„Vielmehr befinden sich im Papyrusraum der Gießener Universitätsbibliothek so-
wohl ein Negativ als auch mehrere Photographien der Handschrift" (P. A. Kuhl-
mann, Die Gießener literarischen Papyri und die Caracalla-Erlasse, Gießen 1994,196
A.91; Nachdruck in Petersen [2002]). Der Codex ist gelegentlich zu Unrecht als Pa-
limpsest angesprochen worden; die Seiten 2 und 15 sind nicht überschrieben, auf den
Seiten 1 und 16 ist kein Text übergeschrieben, sondern lediglich Federproben, die
teilweise got. Buchstaben ähnlich sehen. Die betreffenden Seiten waren offensichtlich
beschabt, aber nicht sachgemäß abgerieben (vgl. Kuhlmann 197).

8
1. Fragmente von Wulfilas Bibelübersetzung § ElO.

C o d i c e s A m b r o s i a n i , vier Fragmente, codices rescripti, auf der Biblio- § E9.


teca Ambrosiana in Mailand:
I. Cod. Ambros. A (Sign. S. 36 parte superiore) umfaßt 102 Blätter, davon
zwei Blattseiten unlesbar und 12 leer. Er enthält Bruchstücke der Briefe
an die Römer, Korinther, Epheser, Galater, Philipper, Kolosser, Thes-
salonicher, an Timotheus, Titus, Philemon (in dieser Reihenfolge).
A n m . 1. Uber den dazugehörigen Cod. Taur. s. § E10; über das in dieser Hand-
schrift enthaltene Kalenderbruchstück s. § E12.

II. Cod. Ambros. Β (Sign. S. 45 parte superiore) umfaßt 77 Blätter, davon


zwei Blattseiten leer, und enthält Bruchstücke der Briefe an die Korin-
ther (den 2. Korintherbrief vollständig), Epheser, Galater, Philipper,
Kolosser, Thessalonicher, an Timotheus, Titus.
III. Cod. Ambros. C (Sign. J. 61 parte superiore) umfaßt 2 Blätter mit
Bruchstücken aus dem Evangelium des Matth. (Kapitel 25-27).
IV. Cod. Ambros. D (Sign. G. 82 parte superiore) umfaßt 3 Blätter mit
Bruchstücken aus Nehemias (Kapitel 5-7).
A n m . 2. Die Texte sind zuerst herausgegeben worden von C. O. Castiglione in fünf
aufeinanderfolgenden Ausgaben, Mailand 1819-1839 (s. Mosse Β. 261 [Nr.
264-268]). - Edition: C. T. Zietlow, The Gothic Text of Romans, a Decipherment,
Edition, and Translation, Diss. Univ. of Michigan, Ann Arbor 1969. - Faksimile
(unter Einschluß des Cod. Taur., s. § E10): Wulfilae codices Ambrosiani rescripti
epistularum evangelicarum textum exhibentes phototypice editi et prooemio in-
structi a Jano de Vries, I. Textus, II. Cod. A et Taurinensis, III. Cod. B. C. D., Turin/
Florenz 1936. - Die Texte von A und Β decken sich teilweise, was für die Textkritik
wesentlich ist, vgl. ZDP 5 (1874), 186ff.; 30 (1898), 433ÍT.; Friesen (1927). - Mossé Β.
261 f.; van den Hout, Scriptorium 6 (1952), 91 ff.; Marchand, Got. 101 f.; Ebbing-
haus, GL 21 (1981), 85 ff.; 25 (1985), 72f.

A n m . 3. Zu Cod. Ambros. E s. § E l l .

C o d e x T a u r i n e n s i s , vier sehr stark beschädigte Blätter auf der Univer- § ElO.


sitätsbibliothek zu Turin; Codex rescriptus. Die Blätter gehörten ursprüng-
lich zu Cod. Ambros. A. Sie enthalten spärliche Bruchstücke aus den Ga-
later- und Kolosserbriefen, die sich mit den in Cod. Ambros. Β enthaltenen
Stücken decken.
A n m . 1. Erste Ausgabe von Maßmann, Germ 13 (1868), 271-284. - Zu Faksimile
und Literatur s. § E9 A.2.
A n m . 2 . Über das Verhältnis der got. Bibelübersetzung zu ihren Quellen (s. Mossé
Β. 262 f.):
a) Altes Testament: OhrlofT, ZDP 7 (1876), 251 fT.; Kauffmann, ZDP 29 (1897),
306ff.; E. Langner, Die gotischen Nehemia-Fragmente, Progr. Sprottau 1903; Joh.
Mühlau, Zur Frage nach der gotischen Psalmenübersetzung, Diss. Kiel 1904; Streit-
berg I, XXXI-XXXV.
b) Neues Testament: Kauffmann, ZDP 29 (1897), 306 ff.; 30(1898), 145ff.; 31 (1899),
178ff.; 32 (1900), 305ÍT.; 35 (1903), 433ff.; 43 (1911), 401 fT.; dazu Streitberg, Grdr.
II, 23ff.; Wrede, ADA 29 (1905), 329ff.; Wrede/Heyne IXff., XXIIIf.; Streitberg I,

9
§ ElO. Einleitung - II. Die Quellen der gotischen Sprache

XXXV-XLVI; ders. § 12; ders., RGA 4, 570f.; die Kontroverse zwischen Jülicher,
Kauffmann und Lietzmann: ZDA 52 (1910), 365ff; 53 (1912), 369ff.; 56 (1919),
249ff.; ZDP43 (1911), 118fF.; P. Odefey, Das gotische Lukasevangelium, (Diss. Kiel)
Flensburg 1908; W. Linke, Das gotische Markusevangelium, Diss. Berlin 1920; be-
sonders Friedrichsen, Gospels (1926); ders., Epistles (1939); ders., The Greek Text
Underlying the Gothic Version of the New Testament. The Gospel of St. Luke, Fs.
Mossé (1959), 161 ff.; ders., Gothic Studies, Oxford 1961; ders., NTSt 9 (1962/63),
39 ff. („Gotica Veronensia"); ders., The Gothic Text of Luke in its Relation to the
Codex Brixianus (f) and the Codex Palatinus (e), NTSt 11, 281 ff.; T. Hansen, Über
gewisse rhythmische Tendenzen im Codex Argenteus, Bergen/Oslo 1961; Pollak,
ZDP 91 (1972), 49ff.; Stutz, in: Die alten Übersetzungen des Neuen Testaments, die
Kirchenväterzitate und Lektionare, Hrsg. K. Aland, Berlin/New York 1972, 375ff.;
B. M. Metzger, The Early Versions of the New Testament (1977), 375ff. (mit Bei-
trägen von Friedrichsen); W. Griepentrog, Zur Text- und Überlieferungsgeschichte
der gotischen Evangelientexte, Innsbruck 1990; Schäferdiek, RGA 2 12 (1998), 445 ff.
- Vgl. ferner § BIO zur Synonymik.

2. Quellen außerhalb der wulfilanischen Bibelübersetzung

§ E l l . Fragmente einer Erläuterung des Johannesevangeliums, die von ihrem er-


sten Herausgeber H. F. M a ß m a n n Skeireins aiwaggeljons pairh Johannen
(= Erläuterung des Evangeliums nach Johannes) und seitdem kurz S k e i -
r e i n s genannt werden. Es handelt sich hierbei um den bedeutendsten und
umfangreichsten Text neben der Bibelübersetzung. D a s Werk ist nicht Wul-
fila zuzuschreiben (s. Anm. 2); o b es sich u m ein Original oder eine Über-
setzungsarbeit handelt, ist unentschieden; über den ursprünglichen U m f a n g
ist nichts Sicheres bekannt. - Erhalten sind 8 Blätter; es handelt sich u m
einen Codex rescriptas (nur Blatt 6V ist nicht überschrieben). D i e Blätter
1, 2, 5, 6, 7 = Codex Ambrosianus E (Sign. E. 147 parte superiore) auf der
Biblioteca Ambrosiana in Mailand; die Blätter 3, 4, 8 = Codex Vaticanus
Latinus 5750 auf der Biblioteca Vaticana in R o m .

A n m . 1. Ausgaben: Erste kritische Ausgabe mit Untersuchungen von H. F. Maß-


mann, München 1834 (Nachdruck in Petersen [2002]). Der Text ist mit enthalten in
den Ausgaben der got. Bibel von Gabelentz/Loebe, Wrede/Heyne, Bernhardt, Balg,
Streitberg (hier unter Verwendung der Neukollation der Mailänder Blätter durch W.
Braun, ZDP 31 [1899], 429-451). - Spätere Separatausgaben: E. Dietrich, Die Bruch-
stücke der Skeireins hrsg. und erklärt, Straßburg 1903; E. A. Kock, Die Skeireins,
Text nebst Übersetzung und Anmerkungen, Lund/Leipzig 1913. Neuausgabe auf-
grund von Neukollation: William H. Bennett, The Gothic Commentary on the Gos-
pel of John: skeireins aiwaggeljons J)airh iohannen. A Decipherment, Edition, and
Translation, New York 1960. - Vgl. Mossé Β. 263f. - R. del Pezzo, La Skeireins:
Testo, traduzione, glossario, Napoli 1973.

A n m . 2. Zuerst traten Maßmann und Krafft (Kirchengeschichte der germanischen


Völker I, 348 ff.) für Verfasserschaft des Wulfila ein; ihnen folgten Dietrich, Skeir.
LXXV und neuerdings H. Eichner bei Griepentrog (1990) [§ E10 A.2], 33 A.72. Je-
doch indizieren die starken sprachlichen Abweichungen der Skeireins von Wulfilas

10
2. Quellen außerhalb der wulfilanischen Bibelübersetzung § E14.

Bibel das Gegenteil, so daß diese Theorie heute meistens abgelehnt wird; vgl. Streit-
berg, Literar. Zentralbl. 1903,1124f.; Behaghel, Litbl 1903,193 ff.; Jellinek, ADA 29
(1904), 281fT.; Schönbach, Österr. Litbl 13,175; Ehrismann, ZDP 38, 382ff.; Lenk,
Die Syntax der Skeireins, PBB 36 (1910), 237-306; Mossé § 17,2; Krause § 12; Helm,
PBB 80(1958), 201 ff.; Ebbinghaus, MLN 75 (1960), 339fT.; Bennett, The Function of
Present Participial Constructions in the Skeireins, Fs. Mossé (1959), 32ff.; Hofmann,
Zum Gebrauch der Partizipien in der Skeireins, Fs. Krause (1960), 24ff.; del Pezzo
Costabile, Il lessico della Skeireins, AION 20 (1977), 213ff.; Ebel, Zur Folge SVO in
der Skeireins, Sprachw 3 (1978), 49ff.; Schäferdiek, ZDA 110 (1981), 175ff.; ders.,
RGA 2 12 (1998), 450f.
Wesentliche Arbeiten zur Textkritik aufgrund von Neukollation lieferte Bennett,
PMLA 65 (1950), 1263-1281; 69 (1954), 655-676; Annales Universitatis Saraviensis
4 (1955), 73-88; PMLA 72 (1957), 555-562. Vgl. ferner die wesentlichen Arbeiten von
Friedrichsen: Gothic Notes, Medium Aevum 21,184 ff.; ferner NTSt 8,43ff.; 9,44 ff.;
10, 368ff., 499ff.; 16, 277ff. - Wesentliche ältere Lit. und Ausgaben weitgehend bei
Bennett, passim; vgl. Mossé Β. 264.

Ein Bruchstück eines g o t i s c h e n K a l e n d e r s , das auf Seite 196 des Cod. § E12.
Ambros. A (= S. 405 der got. Handschrift) erhalten ist (zur Handschrift vgl.
§ E9,1).
A n m . 1. Zuerst gedruckt zusammen mit den alttestamentlichen Stücken und den
Matthäusbruchstücken aus den Codd. Ambros. von Castiglione, Mailand 1819. Das
Kalenderbruchstück ist in den Ausgaben der got. Bibel mit enthalten. - Darüber
gehandelt haben: J. Grimm, GGA 1816, 729-734 (= Kl. Sehr. 4, 381 fT.); ebd. 1820,
393-408 (= Kl. Sehr. 4,125 ff.); Achelis, ZNW 1 (1900), 308-335; Delehaye, Analecta
Bollandiana 31 (1912), 161-300; Loewe, ZDA 59 (1922), 245-290; Friedrichsen,
MLR 22 (1927), 90ff.; Wrenn, MLN 25 (1930), 188ff.; Streitberg 1,472-474; Guten-
brunner, ZDP 83 (1964), 257flf.; Schwab, Helikon (Messina) 7 (1967), 357ff.; Mar-
chand, Got. 97f.; Ebbinghaus, GL 15 (1975), 36ff. (Neuausgabe); ders., JTS N. S. 27
(1976), 140ff.; ders., JEGP77(1978), 183ff.; Lacy, GL 20 (1980), 99ff.; Reichert, in:
Germanische Rest- und Trümmersprachen, Hrsg. H. Beck, Berlin/New York 1989,
119ff.; Schäferdiek, ZNW 79 (1988), 116fT.; ders., RGA 2 12 (1998), 451 ff.

Zwei V e r k a u f s u r k u n d e n . Die eine, Papyrus, um 551, früher in Raven- § E13.


na, jetzt in der Bibliothek in Neapel. Die zweite, Papyrus, früher im D o m -
archiv in Arezzo, verloren, ist nur aus dem Faksimile und Teilabdruck in
G. B. Doni, Inscriptiones antiquae, Florenz 1731, 496 bekannt (vgl. Joh.
Chr. Zahn, Versuch einer Erläuterung der gothischen Sprachüberreste in
Neapel und Arezzo, Braunschweig 1804, 80ff.).
A n m . 1. Erste Ausgabe der Neapeler Urk.: Sabbatini d'Anfora, Il Vetusto Calen-
dario Napoletano V, Neapel 1745, 104-106 (in schlechten got. Lettern). Abbildung:
J.-O. Tjäder, Die nichtliterarischen lateinischen Papyri Italiens aus der Zeit 445-700,
Bd. III: Tafeln, Lund 1954, Taf. 116ff.-Zum Text der Urkunden vgl. Wrede, ADA29
(1905), 337ff.; Holthausen, ZDP48 (1920), 269; Mossé Β. 267f.; Scardigli, Fs. Tecchi
(1969), Bd. I, 16ff.; dens., Goten 269ff. (mit Lit.); Penzl, Names 25 (1977), 8ff.; del
Pezzo, AION n.s. 2 (1992), 51 ff.; Snsdal, in: Petersen (2002).

Der C o d e x V i n d o b o n e n s i s 795 (oft ungenau „Salzburg-Wiener Al- §E14.


kuin-Handschrift" genannt) vom Anfang des 9. Jh.s enthält: auf fol. 20 r ein
unvollständiges got. Alphabet (bis zum Buchstaben u); auf fol. 20 v einige

11
§ E14. Einleitung - II. Die Quellen der gotischen Sprache

Abkürzungen, zwei unvollständige Alphabete des Σ-Typs (vgl. § 1; eines


davon, das „Wiener Alphabet", ist nur aus dieser Handschrift bekannt) mit
nebenstehenden Buchstabennamen (s. Anm. 1), einige got. Sätze aus dem
Luk.-Ev. mit darübergesetzter phonetischer (ahd.) Umschrift (s. § 2 A.3),
einige phonetisch-orthographische Bemerkungen und eine Reihe von Zah-
len (hier der einzige Beleg des Zahlzeichens für '900').
A n m . 1. Erste Ausgabe mit (jedoch unzureichendem) Faksimile durch W. Grimm,
Wiener Jbb der Litteratur 43 (1828), 1-42; s. auch Gabelentz/Loebe 11,2, Tafel. Vgl.
ferner A. Kirchhoff, Das gothische Runenalphabet, 2. Aufl. Berlin 1854, 20ff.;
Grienberger, PBB 21 (1896), 192ff.; W. Luft, Studien zu den ältesten germanischen
Alphabeten, Gütersloh 1898, 76ff.; A. Kisch, Versuch einer neuen Erklärung der in
der Alkuinhandschrift Nr. 795 der k. u. k. Hofbibliothek in Wien enthaltenen goti-
schen Fragmente, Progr. Prag-Neustadt 1902, 33-48; Jellinek § 12; Mossé § 17, 5a;
Krause §§ 13,48. Vgl. Mossé B. 2 6 8 , C . - D a ß die Buchstabennamen nicht die got. des
4. Jh.s repräsentieren, stellte fest J. Bloomfield, Saga-Book of the Viking Club 12,
177fr., 209 ff. - Vgl. Ebbinghaus, Fs. Springer (1978), 93 fT. (mit Neukollation); dens.,
GL 23 (1983), 48f.; Rotsaert, Gs. Scaffidi Abbate (1983), 367ff.; Wagner, HS 107
(1994), 262 fT.

§E15. Die „ G o t i c a V e r o n e n s i a " . In einer lat. Homiliensammlung des Bi-


schofs Maximinus finden sich zu Anfang fast jeder Homilie als Marginalien
kurze Hinweise auf das Thema in got. Sprache und Schrift, meist Bibel-
zitate. Die Pergamenthandschrift, Cod. bibl. capítol. Veron. LI (49) aus
dem 5.16. Jh. in Verona, ist in schlechtem Zustand, die got. Sätze sind z.T.
stark abgeschabt.
A n m . 1. Teilabbildung bei Lowe, Codices Latini Antiquiores, IV, Nr. 504. Lesungen
von Mayeul Lang bei Streitberg 1,489ff; eine vollständige und fehlerfreie Ausgabe
liegt noch immer nicht vor. - Vgl. von Kraus, ZDA 66 (1929), 209ff.; Gothein, ZDA
67 (1930), 207; Marchand, JEGP 56 (1957), 215ff.; Friedrichsen, NTSt 9 (1962/63),
39ff.; Marchand, NTSt 19 (1972/73), 465ff.; R. Gryson, Le recueil arien de Vérone,
The Hague 1982, 77ff.; Snasdal, in: Petersen (2002).

§ E16. Bei Ausgrabungen auf dem Friedhof von Hács Béndekpuszta (Ungarn) sind
in einem Grab Fragmente eines B l e i t ä f e l c h e n s gefunden worden, das
(anscheinend beidseitig) got. Buchstaben trägt. Das Grab wird anhand
einer Brosche in das letzte Drittel des 5. Jh.s datiert. Ursprünglich war das
Bleitäfelchen gefaltet und besaß die Ausmaße eines Quadrates mit ca.
5,5 cm Kantenlänge. Offenbar versuchten Grabräuber, es auseinanderzu-
falten; dabei zerbrach es in eine unbestimmte Zahl kleiner Stücke. Einige
Teile konnten im Zuge der Ausgrabung geborgen werden, doch eine unbe-
kannte Anzahl ist verloren. Bedauerlicherweise wurden die Bruchstücke nur
von einer Seite fotografiert. Die Fragmente ergeben für Grammatik und
Wortschatz des Got. nichts Neues; Harmatta (s. Anm. 1) hat eine Reihe von
zwölf Buchstaben mit dem Passus [in na]min pe[i]namm[a], pan[zei atgaft
mis] Jh. 17,11 identifiziert. Der Text ist aber paläographisch von höchster
Bedeutung; er stellt das älteste Dokument mit Wulfilas Alphabet dar, und
zwar mit beiden Schrifttypen (§ 1,E).

12
2. Quellen außerhalb der wulfilanischen Bibelübersetzung § E17.

A η m. 1. Lit. : Salamon, Mitteilungen des archäologischen Instituts der ungarischen


Akademie der Wissenschaften 7 (1977[78]), 34ff.; Székely, ebd. 41 ff.; A. Lengyel /
G. T. B. Radan (Hrsg.), The Archaeology of Roman Pannonia, Budapest/Lexing-
ton 1980 (Plate 157a); Ebbinghaus, GL 29 (1989), 79ff.; Kiss, Acta Antiqua Hun-
garica 36 (1995), 275ff.; Harmatta, Acta Antiqua Hungarica 37 (1996), Iff.; Scar-
digli, RGA 2 12 (1998), 405,456; Streitberg(/Scardigli) I, 507ff.

A n m . 2. Einige Inschriften sind zu Unrecht für das Got. reklamiert worden:


a) Auf einem Verputzstück, das durch Ausgrabungen in dem 785 gegründeten Klo-
ster Brunshausen zutage gefördert wurde, will W. Krause (in: Studien zur europäi-
schen Vor- und Frühgeschichte, Hrsg. M. Claus / W. Haarnagel / K. Raddatz, Neu-
münster 1968, 349ff.) eine Inschrift in einer angelsächsisch beeinflußten karolingi-
schen Unziale erkennen. Diese soll das Wort uaipia enthalten, das er als ein got.
Subst. *waipja 'Jäger' ansieht (Krause § 21).
b) Über die mittelindischen Inschriften in buddhistischen Höhlenheiligtümern (zwei
in Junnar, eine in Karle), in denen got. Eigennamen gesucht wurden, vgl. W. Wüst,
Goten in Indien?, in: F. Altheim, Geschichte der Hunnen III, Berlin 1961, 141-189
(mit vollständiger Lit.); Marchand, Got. 96; R. Schmitt, RGA 2 12 (1998), 406f. Die
Namen sind ganz sicher nicht gotisch.

Uber die got. R u n e n i n s c h r i f t e n vgl. Marstrander, De gotiske rune- §E17.


minnesmaerker, NTS 3 (1929), 25-157; H. Arntz / H. Zeiß, Die einheimi-
schen Runendenkmäler des Festlandes I, Leipzig 1939, 19-97 (dort voll-
ständige Bibliographie bis 1938); H. Arntz, Handbuch der Runenkunde,
2. Aufl. Halle 1944, 115ff.; W. Krause, Die Runeninschriften im älteren
Futhark, Göttingen 1966, Nr. 32,33,41; Krause §§ 19,20;Euler,NOWELE
6 (1985), 3ff.; Ebbinghaus, G L 30 (1990), 207ff.; K. Düwel, Runenkunde,
3. Aufl. Stuttgart/Weimar 2001, 31 f.
Auf dem „Lanzenblatt von Kowel" (Ukraine, 3. Jh.) steht ein Personen-
name, der meist tilarids gelesen wird. Wegen des Nominativ-s wird die In-
schrift dem Ostgerm, zugerechnet; allerdings bleiben Lesung und Deutung
umstritten. Vgl. Marstrander (s.o.), 25ff.; Arntz/Zeiß (s.o.), 19ff.; Must,
Lg 31 (1955), 493ff.; Ebbinghaus (s.o.), 207f.
Der „Goldring von Pietroassa" (Rumänien, Anfang 5. Jh.) trägt eine in
vieler Hinsicht umstrittene Inschrift, die lange Zeit als gutaniowihailag ge-
lesen wurde (zu gutani s. § El A. 1, zu hailag s. § 21 A. 1). Neuerdings wird an
der Stelle der o-Rune, wo der Ring gebrochen ist, eine 7-Rune für wahr-
scheinlicher gehalten. Die ältere Lit. bei Arntz/Zeiß (s.o.), 52-54, und Krau-
se, Die Runeninschriften (s.o.), Nr. 41; vgl. ferner: Ebbinghaus (s.o.), 208ff.;
Nedoma, Sprache 35 (1991), 226ff.; Reichert, ebd. 235ff. (mit reicher Lit.).
A n m . 1. Zwei andere Runeninschriften sind möglicherweise got., gestatten aber
vorerst keine sichere sprachliche Bestimmung:
a) Der „Spinnwirtel von Le{cani" (Rumänien, 4. Jh.) trägt eine Inschrift, die wegen
des Fundortes in der Regel für got. gehalten wird, obwohl auch skandinavische
Herkunft in Frage kommt. Krause (KZ 83 [1969], 153ff.)las den zweizeiligen Text als
idonsufthe \ rao. Die Lesung ist unhaltbar (Ebbinghaus [s.o.], 210ff.), doch konnte in
Lesimg, Deutung und sprachlicher Zuweisung bislang keine Einigkeit erzielt werden;
neuere Vorschläge bei Düwel (s.o.), 31.

13
§ E17. Einleitung - II. Die Quellen der gotischen Sprache

b) Die „Runenschnalle von Pforzen" (Landkreis Ostallgäu, Ende 6. Jh.) enthält eine
Inschrift, die etwa folgendermaßen gelesen wird: aigil andi aïlrun \ Itahu gasokun.
Korrekte Segmentierung vorausgesetzt, weist andi 'und' auf das Ahd.; gasokun,
offensichtlich eine Verbalform, wird teilweise als got. angesehen, wäre aber auch mit
frühem Ahd. vereinbar. Vgl. den Sammelband: Pforzen und Bergakker, Neue Un-
tersuchungen zu Runeninschriften, Hrsg. A. Bammesberger, Göttingen 1999.

§ E18. Die große Zahl got. E i g e n n a m e n , die in griech. und mehr noch in lat.
Quellen vorliegt, gibt wichtige Aufschlüsse über die Sprache. Das Material
ist verwertet von Dietrich, Ausspr.; A. Bezzenberger, Über die Λ-Reihe der
gotischen Sprache, Göttingen 1874,7ff.; Kremer, PBB 8 (1882), 445ff.; vgl.
ferner Höfler, PBB-T 79 (1957), 161 ff.; Mitzka, ZDA 96 (1967), 247ff.;
Ebbinghaus, GL 19 (1979), 69ff.; Reichert, in: Germanische Rest- und
Trümmersprachen, Hrsg. H. Beck, Berlin/New York 1989, 119ff.; Scardi-
gli, RGA 2 12 (1998), 403 f.
Das reiche westgot. Namenmaterial aus spanischen und portugiesischen
Urkunden wurde zusammengestellt von Meyer-Lübke, Sb. Wiener Ak., 149
(Wien 1904); vgl. auch E. Gamillscheg, Romania Germanica I, Berlin/
Leipzig 1934, 302-399; M.-Th. Morlet, Les noms de personne sur le terri-
toire de l'ancienne Gaule du Vie au Xlle siècle, Bd. I, Paris 1968. Für in-
schriftliches Material s. José Vives, Inscripciones cristianas de la España
Romana y Visigoda, Barcelona 1969. Eine umfassende Dokumentation und
Analyse bieten J. M. Piel / D. Kremer, Hispano-gotisches Namenbuch, Hei-
delberg 1976 (mit weiterer Lit.). Eine monographische Behandlung der ost-
got. Namen gab Wrede, Über die Sprache der Ostgoten in Italien, Straßburg
1891. Über die altgerm. Namen s. Schönfeld (1911) sowie H. Reichert,
Lexikon der altgermanischen Namen, Wien 1987/90. - Vgl. Mossé Β. 314f.

A n m . 1. Über Wörter got. Ursprungs in den roman. Sprachen vgl. Holthausen,


Gotische Wörter im Romanischen, Fs. Behrens (1929), 106ff. (unzureichend); dens.,
Got. etym. Wb. (§ B8,e); W. Meyer-Lübke, Romanisches etymologisches Wörter-
buch, 3. Aufl. Heidelberg 1935, 1161 ff. Eine aktuelle Zusammenstellung und Be-
wertung ist dringend erforderlich. - Zu den Untersuchungen von Dietz über die
romanische Rezeption got. Lehnwörter mit <ai> und <au> (Sprachw 24 [1999], 127-156,
453-489) s. §§ 21 A.1,25 A.l.

§ E19. Einige anscheinend gotische (doch s. § E3 A.2) Wörter finden sich in dem
lat. Gedicht „de conviviis barbarie", dem sog. g o t i s c h e n E p i g r a m m .
Es handelt sich um einen Trinkspruch; der Text lautet (nach A. Riese, An-
thologia Latina I, Leipzig 1894, 221, Nr. 285): inter eils goticum scapia
matzia ia drincan \ non audet quisquam dignos edicere uersus (vgl. § 21 A.l).
A n m . 1. Darüber gehandelt haben: Maßmann, ZDA 1 (1841), 279ff.; A. Grabow,
Ein gotisches Epigramm, Progr. Oppeln 1880; Luft, ADA 23 (1897), 392ff.; Möller,
ADA 25 (1899), 103f.; van Helten, PBB 29 (1904), 339ff; Streitberg §§ 5,15; Krause
§ 17; s. Mossé Β. 268,D. Vgl. ferner Scardigli, PBB-T 96 (1974), 17ff.; Ebbinghaus,
GL 30 (1990), 75ff.; Huld, MGS 16 (1990), 120ff.

14
2. Quellen außerhalb der wulfilanischen Bibelübersetzung § E20.

B. Bischoff hat 1984 einige got. Eintragungen bekanntgemacht, die sich im § E20.
Pariser Ms. Lat. 528 (um 850) auf fol. 7 Γ finden ( „ G o t i c a P a r i s i n a " ) .
Es handelt sich um sieben biblische Personennamen in lat. Schrift (die ersten
sechs stammen aus der Genealogie in Lk. 3,23 ff., außerdem Petrus); dar-
übergesetzt ist die jeweilige Aussprache (vgl. § 2 A.4). Darüber hinaus ste-
hen am Seitenende die neun Buchstaben uwofplawd in Wulfilas Alphabet
mit ihrer lat. Entsprechung; dabei ist das erste w mit lat. u, das zweite w mit i
(s. Anm. 2), das p mit t überschrieben.
A n m . 1. Vgl. B. Bischoff, Ein karolingisches Denkmal des Gotischen (zweite Hälfte
des neunten Jahrhunderts), in: Anecdota novissima, Texte des 4. bis 16. Jahrhun-
derts, Stuttgart 1984, 256ff.; Scardigli, RGA 2 12 (1998), 406; W. Binnig, Gotisches
Elementarbuch, Berlin/New York 1999, 139f.; Streitberg(/Scardigli) I, 514f.
A n m . 2. Zur Wiedergabe von w durch ι vgl. Didimus für gr. Δίδυμος Jh. 11,16
(§9A.l).

15
LAUTLEHRE
(Mosse Β. 280-288; S1. 175ff.; S2. 184ff.; S3. 335f.; S4. 205ff.; S5. 321 ff.)
KAPITEL I.

Die Schrift
(Mossé Β. 280ff.; S . 175f.; S2. 184f.; S3. 335; S4. 205f.; S5. 321 f.)
1

A. Die im 4./5. Jh. schreibenden griech. Kirchenhistoriker Philostorgius, § 1.


Sokrates und Sozomenos berichten übereinstimmend, daß der got. Bischof
Wulfila (s. § E5) zur Aufzeichnung seiner Bibelübersetzung eine eigene
Schrift erfunden habe.
A n m . 1. Τότε δέ και Ούλφίλας ό των Γότθων έπίσκοπος γράμματα έφεΰρε
Γοτθικά· κα'ι τάς θείας γραφάς εις τήν Γότθων μεταβαλών, τους βαρβάρους
μανθάνειν τά θεία λόγια παρεσκεύασεν. (Sokrates IV,33, Hrsg. W. Bright [Oxford
1893], 210; vgl. Philostorgius 11,5; Sozomenos VI,37.) Weitere diesbezügliche alte
Nachrichten bei Streitberg I, XIII-XXV; ferner Schwentner, Agrippa von Nettes-
heim über Ulfilas, WuS 21 (1940), 227f.

B. Tatsächlich sind alle bekannten Denkmäler der got. Sprache (mit Aus-
nahme der in §§ E17-E20 genannten) in verschiedenen Varianten einer al-
phabetischen Schrift überliefert, die sich paläographisch aus einer einzigen
Grundform herleiten lassen. Unter Annahme der erwähnten alten Nach-
richten schreibt man diese Grundform allgemein dem Wulfila zu. Dem-
entsprechend sind diese nicht überlieferte Grundform und die daraus ent-
wickelten Schriftformen der vorliegenden Texte zusammenfassend als
W u l f i l a s S c h r i f t ( A l p h a b e t ) zu bezeichnen.
A n m . la. Die Bezeichnungen „Wulfilas Schrift" und „Wulfilas Alphabet" sind ge-
genüber den weithin gebräuchlichen Bezeichnungen „Gotische" oder „Visigotische"
Schrift („Gotisches Alphabet" usw.) aus Gründen der Eindeutigkeit der paläo-
graphischen Terminologie vorzuziehen; vgl. Ebbinghaus, GL 19 (1979), 18f. Streng-
genommen läßt es sich nicht beweisen, daß Wulfila tatsächlich der Urheber dieser
Schrift gewesen ist, doch liegen keine Gründe vor, die alten Nachrichten anzuzwei-
feln; vgl. Lendinara, GL 32 (1992), 217ÍT.

C. Die in den Handschriften vorliegenden Varianten von Wulfilas Schrift


lassen sich zunächst nach der Verwendung der Nasalabkürzung (s. Anm. 7)
und der Form des s in zwei Typen gruppieren. Der eine Typ verwendet
Nasalabkürzung der griech. Schreiberpraxis entsprechend nur für η und hat
ein s, dessen Form der des ε-förmigen Sigma entspricht. Wir bezeichnen
diesen Typ als „Σ-Typ". Der zweite Typ verwendet die Nasalabkürzung der
lat. Schreiberpraxis entsprechend für m und η und hat ein s, das dem lat.
unzialen s entspricht. Diesen Typ bezeichnen wir als „S-Typ".
A n m . 2. Die bis zur 18. Aufl. auch hier verwendete, weithin gebräuchliche Bezeich-
nung der beiden Typen als Typ I und Typ II ist jetzt aufgegeben, s.u. unter E mit A.3a.

19
§1- Lautlehre -1. Die Schrift

D. Wie sich zeigen läßt, steht von diesen Typen der Σ-Typ Wulfilas ur-
sprünglichem Alphabet näher als der S-Typ und ist daher älter. Der jüngere
S-Typ ist aus ihm unter lat. Einfluß entwickelt.
A n m . 3. Der älteren Forschung war nur der S-Typ bekannt, der in den schon früh
entdeckten Codices arg. und Carol. (§E6f.) vorliegt. Mit der Entdeckung der
Codices Ambros. (§ E9) wurde der Σ-Typ bekannt. Darauf hingewiesen hat zuerst
H. F. Maßmann (Skeireins aiwaggeljons Jjairh Üohannen, München 1834, IXf.; Fra-
bauhtabokos oder Die gothischen Vrkunden von Neapel und Arezzo, Wien 1838,
6 f.), dem jedoch das richtige Altersverhältnis zwischen diesen Typen noch entging. -
Lit.: Gabelentz/Loebe 11,2, § 12; Friesen/Grape 87ff.; Friedrichsen, JTS 31 (1930),
189ff.; Fairbanks/Magoun, Speculum 15 (1940), 315f.; 16(1941), 122; Marchand,
Got. 106 f.

E. Während die bisherige Forschung alle vorliegenden Schriftformen der


got. Handschriften lediglich nach den oben unter C angeführten Kriterien
auf zwei Typen, einen älteren und einen jüngeren, verteilen wollte, zeigen
neuere Untersuchungen, daß dies den Tatsachen nicht gerecht wird. In der
Tat läßt sich nur der S-Typ als ein einheitlicher Typ erkennen, wobei die in
den entsprechenden Handschriften vorliegenden Varianten lediglich als
individuelle Ausführungen durch die Schreiber (Hände) anzusehen sind.
Der Σ-Typ dagegen liegt in mehreren, deutlich zu unterscheidenden Ent-
wicklungsformen oder Untertypen vor (doch s. Anm. 3a), nämlich:
1. den Alphabeten von Cod. Ambros. Β (vgl. Abb. 2), D und Got. Veron.;
2. den Alphabeten der Marginalien von Cod. Ambros. A und B;
3. dem ersten Alphabet auf fol. 20v des Cod. Vindob. 795 („Wiener Al-
phabet");
4. dem Alphabet der Urk. Neapel, wozu wohl auch das der verlorenen Urk.
Arezzo gehört haben mag.
Der S-Typ liegt vor in den Codices arg., Carol., Giss., Ambros. A, C, E,
Taur. und Vat. Lat. 5750. Das Bleitäfelchen von Hács Béndekpuszta (§ E16)
zeigt Spuren von beiden Schrifttypen.
A n m . 3a. Die Tatsache, daß der Σ-Typ von Wulfilas Alphabet in mehreren Unter-
typen vorliegt, ist erst in jüngerer Zeit beachtet worden. Die paläographischen und
schriftgeschichtlichen Untersuchungen über Wulfilas Alphabet sind noch nicht ab-
geschlossen, und die obige Unterscheidung von vier Untertypen ist zunächst nur als
eine vorläufige anzusehen. Uber das Altersverhältnis zwischen den vier Untertypen
läßt sich zur Zeit nichts Sicheres aussagen. - Lit.: die in Anm. 3 genannten Titel;
ferner Ebbinghaus, Fs. Springer (1978), 93ff.; ders., Journal of the Department of
English I (Calcutta 1978/79), 34ff.; ders./Wentzler, GL 17 (1977), 155ff.

F. Die Tabelle auf S. 21 gibt in 5 Kolumnen zuerst den Zahlwert von Wul-
filas Buchstaben, dann die Alphabete von Cod. Ambros. B, Cod. Vindob.
795 („Wiener Alphabet") und Cod. arg. (Hand I; vgl. § E6,a), zuletzt die
Umschreibung.

20
I. Die Schrift §1.

,, Cod. Ambros. Cod. Vindob. Cod. arg. XT ,


Zahlwert _ _nc 0 .f Umschnft
Β 795 Hand I

1 A > κ a

2 tí ü κ b

3 Γ Γ Γ g
4 Λ V d

5 F c-; 6 e

6 υ u υ q
7 y. t ζ

8 h η h h

9
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30 X Λ Χ 1

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y y V w

500
P ι- Ρ f

600 X + χ X

700 C) o u ο h;

800 Ä ft SL o

900 t -

21
§1. Lautlehre - 1 . Die Schrift

A n m . 4. Über die Transkription von Wulfilas Buchstaben ist erst in neuerer Zeit
Einheitlichkeit erzielt worden. Zur Umschreibung des 6. Buchstabens wurde früher
kv, kw oder qu statt q angewendet (s. § 39 A.3); für den 9. Buchstaben wurde früher th
statt des heute gebräuchlichen (den altengl. Runen entlehnten)p angewendet; für den
25. Buchstaben benutzte man früher hv, hw (so noch Wrede/Heyne § 74) oder w
(Germania 1 [1856], 129) statt des künstlich geschaffenen Zeichens h ; für den 24.
Buchstaben wird wie hier χ oder gr. χ angewendet. Aus drucktechnischen Gründen
werden auch heute noch gelegentlich th und hv verwendet.

A n m . 5. Wie das griech., so dient auch Wulfilas Alphabet als Zahlensystem. Stehen
die Buchstaben als Zahlzeichen, so werden sie in verschiedener Weise gekennzeich-
net: 1. der Buchstabe erhält einen waagerechten Strich übergesetzt, è = '5'; 2. er erhält
außerdem einen waagerechten Strich untergesetzt, J = '60'; 3. er steht zwischen zwei
Punkten und hat einen waagerechten Strich darüber, .ib. = '12'. Ebenso behandelt
werden die ausschließlich als Zahlzeichen begegnenden Zeichen für '90' und '900'.
Weitere Einzelheiten bei Gabelentz/Loebe 11,2, § 14; Friesen/Grape 75ff.; Ebbing-
haus, GL 15 (1975), 38.

A n m . 6. Der 10. Buchstabe ist wie im griech. Alphabet durch zwei Formen vertre-
ten, i'und ι. Das i'steht: 1. im Wortanlaut (île, ïddja) und im mit i anlautenden Grund-
wort von Verbalkomposita (usïddja,fraïtip); 2. im Wortinneren im Silbenanlaut nach
Vokal (sauïl, saiïp, tauï). Sonst, d.h. im Silbeninlaut und -auslaut, steht i. Die Unter-
scheidung ist in diesem Buch nur in besonderen Fällen kenntlich gemacht. Lit.:
Wrede/Heyne § 3 A.5; Schulze, Kl. Sehr. 484,491; Streitberg, IF 24 (1909), 174ff.

A n m . 7. L i g a t u r e n und A b k ü r z u n g e n sind in den Handschriften relativ sel-


ten. Über Ligaturen und Monogramme s. Gabelentz/Loebe 11,2, § 17,5d; Friesen/
Grape 48f., 50f., 98f. Von den Abkürzungen begegnen nur die Nasalabkürzungen
häufiger (s.o. unter C): im Σ-Typ wird nur das η ausgelassen, wofür ein waagerechter
Strich über den vorangehenden Buchstaben gesetzt wird (päs = pans, Php. 2,29 B). Im
S-Typ werden m und η ausgelassen, wobei Cod. Ambros. C für beides einen waage-
rechten Strich setzt, während A und E für m unter diesen Strich einen Punkt setzen,
der in Cod. Carol, und arg. mit dem Strich verläuft. Weiteres bei Gabelentz/Loebe
11,2, § 17; Friesen/Grape 94fT.; Bennett 27ff.

Als K o n t r a k t i o n e n erscheinen regelmäßig in allen Handschriften die Nomina


sacra *gup, ïesus, *xristus,frauja\ folgende Formen sind belegt:

N. Φ ius (S-Typ: Ts) xus (S-Typ: xs) fa


V. iu XU
G. gt>s iuis xaus fins
D. gt>a iua, iu xau, xu fin
A. gt> iu xu,xau fan, fn
Einmal findet sich der Nom.Pl. gpa (Gal. 4,8 Α; Β fehlt). In der Komposition begeg-
net Dat.Sg. gpaskaunein 'Gottesgestalt' (Ph. 2,6); dagegen ist schwerlich als Kom-
positum anzusehen gp blostreis 'Gott (Akk.) Verehrend (Nom.)' (Jh. 9,31). Über *gup
s. § 94 A.3. Als profaner Name wird ïesus (z.B. Kol. 4,11), als profanes Wort frauja
(z.B. Mt. 21,dì) ausgeschrieben. Mk. 13,22 zeigt den ausgeschriebenen Nom.Pl.
galiugaxristjus ψευδόχριστοι 'falsche Christusse'. - Weiteres über die kontrahierten
Nomina sacra bei Gabelentz/Loebe 11,2, § 17,5b; Hench, PBB 21 (1896), 562ff;
L. Traube, Nomina Sacra, München 1907, 271 ff.; Friesen/Grape 50; Ebbinghaus,
JEGP 60 (1961), 477ff.

22
I. Die Schrift §1-

A n m . 8. Die Abtrennung einzelner Wörter voneinander ist den got. Handschriften


fremd (scriptio continua). Enger zusammengehörige Satzteile und ganze Sätze werden
durch Zwischenräume und über der Grundlinie stehenden Punkt gegeneinander ab-
gesetzt (vgl. Abb. 1, Zeile 1, 2 usw.); bei größeren Sinnabschnitten wird auch Dop-
pelpunkt angewendet (vgl. Abb. 1, Zeile 2 v.u.). Im allgemeinen füllen die got. Schrei-
ber ihre Zeilen von Anfang bis Ende. In einigen Handschriften jedoch steht jedes
Kolon in einer Zeile für sich, was als kolometrische (oft fälschlich als stichometrische)
Schreibung bezeichnet wird. Kolometrisch sind die Codices Giss., Carol, und
Ambros. A von fol. 17Γ-47Γ (Rom. 6,23 bis l.Kor. 4,7). - Über Interpunktion, Pa-
ragraphierung, Bezeichnung von Zitaten usw. vgl. Gabelentz/Loebe 11,2, § 17; ZDP
38 (1906), 382ff.; 43(1911), 402ff.; 48(1920), 7flf.; Braun, GRM 5 (1913), 370 ff;
Friesen/Grape 99ff; Bennett 29ff.

A n m . 9. Die W o r t b r e c h u n g am Zeilenende ist für die got. Handschriften unter-


sucht worden von Hechtenberg-Collitz, JEGP 6 (1906), 72-91 (nicht immer zuver-
lässig) und davon unabhängig von Schulze, Kl. Sehr. 483-496, 549f.; über Wort-
brechung in Skeir. s. Jellinek, ADA 29 (1904), 284 und Bennett 28 f. Aus dem Ma-
terial ergeben sich gewisse Regelmäßigkeiten, die jedoch nicht überschätzt werden
sollten. Es zeigt sich z.B., daß Digraphe für Vokal nie getrennt werden (afai\aik)\ daß
einfacher Konsonant zur folgenden Zeile gehört (pa\ta, sai\hip). Bei zwei Konsonan-
ten wird zwischen diesen getrennt (sok\jandans), jedoch schwankt das Verfahren bei h
oderp plus Liquida und bei Muta plus Liquida, wobei Cod. arg. dahin tendiert, diese
Verbindungen in die folgende Zeile zu stellen, Cod. Ambros. Β sie häufiger trennt. Bei
drei Konsonanten gehört im allgemeinen der letzte zur folgenden Zeile (gaprafs\tei),
jedoch wird in den Gruppen beliebiger Konsonant plus Muta oder p plus Liquida
gewöhnlich nach dem ersten Konsonanten getrennt. Das j als letzter Teil mehrkon-
sonantiger Verbindungen gehört allgemein zur folgenden Zeile. Komposita werden
in der Regel nach der Morphologie getrennt, d.h. in der Kompositionsfuge (ga\swalt,
ufar\ist); ebenso wird die Reduplikation behandelt (skai\skaid). Die Verbindungen
mit enklitischen -ei, -u werden nicht etymologisch getrennt (pa\tei, pizo\zei; sijai\du,
skul\du), während bei enklitischem -uh die Brechung schwankt (Jvarji\zuh, saha\zuh;
qap\uh,par\uh). - Aus der Wortbrechung, wie sie in den Handschriften vorliegt, haben
Hechtenberg-Collitz und besonders Schulze weitgehende Schlüsse auf die Silbenbil-
dung in Wulfilas Sprache ziehen wollen, worin ihnen andere gefolgt sind (vgl. Streit-
berg, IF 24 [1909], 177ff.; Jellinek § 45). Dagegen ist von E. Hermann, Silbenbildung
im Griechischen und in den anderen indogermanischen Sprachen, Göttingen 1923,
287 ff. berechtigter Einspruch erhoben worden; vgl. auch Marchand, JEGP 56
(1957), 222ff. - Zu Worttrennung und Silbenbildung in Wulfilas Sprache vgl. Venne-
mann, ZDA 116 (1987), 165ff.; Frey, IF 94(1989), 272ff.

G. Es ist allgemein anerkannt, daß Wulfilas Alphabet keine eigentliche Er-


findung, sondern eine U m f o r m u n g und Anpassung von älterem alphabeti-
schem Material darstellt; dies wird schon durch die Form und Reihenfolge
der Buchstaben, ihre Verwendung als Zahlzeichen u.a.m. nahegelegt. Wäh-
rend die älteste Forschung das griech. Alphabet als alleinige Grundlage für
Wulfilas Buchstaben annahm, hat man später zusätzlich das lat. Alphabet
und die germ. Runen als Quellen herangezogen. Der Anteil dieser drei al-
phabetischen Systeme an Wulfilas Alphabet ist von verschiedenen Seiten
sehr unterschiedlich beurteilt worden; während nun wohl Einigkeit darüber
herrscht, daß das griech. Alphabet jedenfalls als die Grundlage angesehen

23
§1. Lautlehre - 1 . Die Schrift

werden muß (z.B. Mossé § 19; Krause § 47), bleibt doch die Frage, welches
der drei Systeme jeweils die einzelnen Buchstaben geliefert hat, bis in die
jüngste Zeit umstritten.

A n m . 10. A. Kirchhoff, Das gothische Runenalphabet, 2. Aufl. Berlin 1854, nimmt


Adaptierung des griech. Alphabets auf Grundlage der got. Runen an. Die Runen als
einzige Grundlage nahm an J. Zacher, Das gotische Alphabet Vulfilas und das
Runenalphabet (1855). L. Wimmer, Die Runenschrift (1887) leitete 17 Zeichen vom
griech., 8 vom lat. Alphabet, 2 von den Runen her, wogegen Mensel, MPh 1 (1903),
457ff. wieder stärkeren Einfluß der Runen annahm. W. Luft (Studien zu den ältesten
germanischen Alphabeten, Gütersloh 1898, 61 ff.) Schloß die Runen aus, wogegen
von Friesen (RGA 2 [1913flf.], 306ff.) das lat. Alphabet möglichst auszuschließen
sucht.
Lit.: C. J. S. Marstrander, NTS 1 (1928), 85-179 passim; Jellinek §§ 19-24; Her-
mann, NGWG 1930, 126ff.; H. Arntz, Handbuch der Runenkunde, 2. Aufl. Halle
1944, 177ff. (19 Zeichen griech., 6 lat., 2 runisch); Gutenbrunner, PBB 72 (1950),
500 ff. (Mischung einer „Latino-graeca" und einer „Runo-graeca"); Mossé § 19 f.
(19 Zeichen griech., 3 lat., 2 runisch, 3 lat. oder runisch); Krause § 46ff. (20 Zeichen
griech., 2lat., 5runisch); Marchand, PBB 77 (1955), Iff.; ders., ZDA 86 (1955),
256ff.; Marchand, Got. 107ff.; L. A. Viehmeyer, The Gothic Alphabet: A Study and
Derivation, Diss. Univ. of Illinois 1971; Marchand 13ff.; Gendre, Fs. Bonfante
(1976), Bd. I, 309ff.; Cercignani, IF 93 (1988), 168ff.; Scardigli, RGA 2 12 (1998),
455 ff.

H. Die Tatsache, daß Wulfilas eigene Schrift, d.h. das Originalalphabet des
Σ-Typs, nicht überliefert ist, erschwert zwar die Beantwortung der Frage
nach dem Alphabet, das Wulfila zur Vorlage genommen haben muß, macht
sie aber nicht unmöglich. Im Anschluß an die Ausführungen von Boüüaert
und Ebbinghaus (s. Anm. 11) wird hier die Annahme der Mischung meh-
rerer alphabetischer Systeme abgelehnt und als Wulfilas einzige Grundlage
eine griechische Kursive des 4. Jh.s angenommen. Nur für den derivativen
S-Typ steht aufgrund der Nasalkürzung für m und der Form des s Einfluß
der lat. (unzialen) Schrift fest.

A n m . l l . J . Boüüaert, Oorsprong en Vorming van het gotisch Alphabet, RBPH 28


(1950), 423ff.; Ebbinghaus, The Origin of Wulfila's Alphabet, GL 19 (1979), 15-29;
ders., The Study of Wulfila's Alphabet, Journal of the Department of English I
(Calcutta 1978/79), 34-39.

§ 2. Wulfilas Alphabet besteht aus 27 Zeichen. Von diesen sind zwei, das 18. und
das 27., nur Zahlzeichen ohne phonetischen Wert (s. § 1 A.5). Es bleiben
demnach 25 Zeichen, zu denen sich die vier Digraphe (Buchstabenverbin-
dungen) <ei>, <iu>, <ai> und <au> gesellen, für die der Lautwert und dessen
sprachgeschichtliche Entwicklung zu ermitteln sind. Für die meisten dieser
Zeichen sind die Lautwerte für die Zeit der Entstehung von Wulfilas
Bibelübersetzung so weit bekannt, wie das für eine ausgestorbene Sprache
möglich ist. Bei einer geringen Anzahl von Graphemen und Digraphen ist
jedoch der Lautwert bis heute umstritten.

24
I. Die Schrift §2.

Zur Feststellung der Lautwerte hat sich die Forschung verschiedener


Mittel bedient, die je nach den Ansichten der einzelnen Autoren für sich
oder in wechselnden Verbindungen benutzt worden sind (vgl. auch Mar-
chand, Got. 109 ff.):
1. die für das 4. Jh. zu ermittelnde Aussprache der griech. Laute und Laut-
verbindungen;
2. die Wiedergabe griech. und lat. Wörter und N a m e n in den got. Hand-
schriften;
3. die Wiedergabe got. N a m e n in griech. und lat. Handschriften des
4 . - 8 . Jh.s;
4. die Lautentwicklungen in den übrigen germ. Sprachen;
5. Schwankungen in der Wiedergabe einzelner Laute in den got. Hand-
schriften sowie andere grammatische Erscheinungen, die die Texte dar-
zubieten scheinen;
6. die Methoden von Sievers' Intonationsforschung, die teils im Zusam-
menhang mit den unter 5. genannten Erscheinungen, teils davon unab-
hängig, besonders von Streitberg auf das got. Material angewendet wor-
den sind.

A n m . 1. Die genannten Mittel für die Erforschung der Aussprache von Wulfilas
Gotisch sind von höchst unterschiedlichem Wert. Hier werden die unter 1., 2. und 3.
angeführten Mittel als die grundsätzlich wesentlichsten angesehen; dagegen wird
dem Studium der unter 5. angeführten Erscheinungen eine untergeordnete Bedeu-
tung beigemessen, weil hier der Einfluß späterer Schreiber ins Spiel kommt. Das
Ergebnis der unter 4. genannten Vergleichung mit anderen germ. Sprachen ist, je-
denfalls früher, oft stark überschätzt worden. Von der Entwicklung germ. Laute in
den west- und nordgerm. Sprachen auf deren Entwicklung im (Ostgerm.-)Gotischen
zu schließen, ist methodisch verfehlt. Die Ergebnisse der Sieversschen Schallanalyse
(6.) werden hier, wie allgemein, abgelehnt (und auch nicht länger zitiert), da sich die
ihr zugrunde liegende höchst individualistische Methodik jedem kritischen Zugriff
entzieht (vgl. Wrede/Heyne Xlf.; Güntert, Fs. Schrijnen [1929], 488).

A n m . 2. Lit. zur Aussprache:


a) Griech. und Lat.: E. Seelmann, Die Aussprache des Lateins, Heilbronn 1885;
F. Blass, Die Aussprache des Griechischen, 31888; Schwyzer (1939), bes. 162f.,
169-414; E. H. Sturtevant, The Pronunciation of Greek and Latin, 21940; Leumann
(1977), bes. 3-254; W. S. Allen, Vox Latina, Cambridge 21978; ders., Vox Graeca,
Cambridge '1987;
b) Got.: W. Weingärtner, Die Aussprache des Gothischen zur Zeit des Ulfilas, Leip-
zig 1858; Dietrich, Ausspr. (1862); Gabelentz/Loebe 11,2, §§ 19-56; Penzl, JEGP 49
(1950), 217-230; Vennemann, Lg 47 (1971), 90fT. (mit Lit.); Antonsen, in: Coetsem/
Kufner (1972), 117ff.; Beck, IF 78 (1973), 113ff.; Marchand (1973). - Zur Wie-
dergabe von Namen in antiken Texten: Marchand, Names 7 (1959), 167ff.; ders.,
Orbis 5 (1956), 141 ff.; zur got. Transkription griech. Wörter: Solari, RALinc 29
(1974), 353 ff.; ders., RIL110 (1976), 167ff. Über schwankende Schreibungen: Mosse
Β. 280-288.

25
§2. Lautlehre - 1 . Die Schrift

A η m. 3. Einige alte, bruchstückhafte Hinweise zur Aussprache des Got. finden sich
auf fol. 20v im Cod. Vindob. 795 (§ E14). Der Text lautet wie folgt (die got. Wörter
sind kursiv gesetzt, die spitzen Klammern (} umschließen eine Emendierung [s.u.]):
uuorthun .otan .auar euang-eliü ther lucan.
waurjjun u ^ a n . afar aiwaggeljo J>airh lokan
uuorthun auar thuo iachuedant ia chuatun.
waur^un afarjw jahqejjun
ubi dicit/.genuit. j. ponitur | ubi gabriel .g. ponunt & alia his sim. | ubi aspirationë
(dicunt (oder producunt) h ponitur (oder ponunt)). ut dicitur | gahlibeda .jahlíbaida. \
diptongon .ai. p(ro) e.longa | p(ro) ch .q. ponunt.
Edition und Kommentar bei Streitberg 1,475 ff. Das Alter dieser Bemerkungen bleibt
zunächst unbestimmt. Zur Erklärung W. Grimm, Kl. Sehr. 3, 85 ff.; A. Kirchhoff,
Das gothische Runenalphabet, 2. Aufl. Berlin 1854, 20ff.; von Grienberger, PBB 21
(1896), 192 ff. (die Emendierung dort 197); W. Luft, Studien zu den ältesten germa-
nischen Alphabeten, Gütersloh 1898,76ff.; A. Kisch, Versuch einer neuen Erklärung
der in der Alkuinhandschrift Nr. 795 der k. u. k. Hofbibliothek in Wien enthaltenen
gotischen Fragmente, Progr. Prag-Neustadt 1902, 33-48; Jellinek § 12; Baesecke,
DVjs. 23 (1949), 177ff.; Krause §§ 13,48; Ebbinghaus, Fs. Springer (1978), 93 ff. (mit
Neukollation); ders., GL 21 [1981], 20; 23 [1983], 48f.

A η m. 4. Auch die Eintragungen auf fol. 71v des Pariser Ms. Lat. 528 (§ E20) geben
entsprechende Hinweise. Für sieben lateinschriftliche Personennamen wird die Aus-
sprache angegeben: Laiueis pro Leuis, Mailkeis pro Melcis, Zauraubabelis pro Zo-
robabelis, Airmodamis pro Ermodamis, Simaion pro Simeon, Aileiaizeris pro Eliezer,
Paitrus Petrus.

26
KAPITEL I I .

Die Vokale

I. Zur Wiedergabe einfacher Vokale werden folgende Zeichen benutzt: §2a.


<a>, <e>, </>, <o>, <t/>, <w> (nur in griech. Wörtern, s. § 39 mit A.2); <ei>, <ai>, <au>.
Diese Zeichen geben primär die Vokalqualität an; die V o k a l q u a n t i t ä t
bleibt (wie im Griech.) unbezeichnet.
A n m . 1. Vgl. Streitberg§ 34; Gaebeler26ff., 44ff.; Mossé§ 24,6; Ebbinghaus, GL 19
(1979), 22; 21 (1981), 20. - Anders z.B. Jellinek, ADA 49,4ff.; ders. § 44 Anm.
A n m . la. Langvokale werden niemals durch Doppelschreibung markiert. Eine Fol-
ge zweier gleicher Vokalzeichen kann nur über die Silbengrenze hinweg, d.h. an der
Morphemfuge auftreten. Möglich ist dies nur bei <a> und <e>: ga-arman*, pize-ei usw.
(für silbenanlautendes ι wird nach § 1 A.6 <i> geschrieben, die Folgen <oo> und <uu>
kommen aus morphologischen Gründen nicht vor).

II. Es war lange Zeit allgemein üblich, für das Got. Kurz- und Langvokale
aufgrund der historisch-vergleichenden Grammatik anzusetzen. Seit einiger
Zeit wird aber zunehmend die Auffassung vertreten, Langvokale seien im
wulfilanischen Got. entweder nicht funktionell oder gar nicht mehr vorhan-
den gewesen.
A n m . 2. Gegen die Annahme von (funktioneller) Länge z.B. Marchand, GL 1
(1955), 85f.; Lg 33 (1957), 236; Hamp, Lg 34 (1958), 359f.; Szemerényi, KZ 93
(1979), 114; vgl. Marchand 91 ff. Für Länge wiederum Vennemann, Lg 47 (1971),
90ff. (mit reicher Lit.); Beck, IF 78 (1973), 113ff.; Moulton, Fs. Hoenigswald (1987),
281 ff.; Schmitt, RGA 2 12 (1998), 459.

III. Zwei Phänomene geben widersprüchliche Hinweise auf die Vokalquan-


tität. Die „Brechung" von i und u (§§ 20,24), die nur auf etymologisch kurze
Vokale, nicht auf Langvokale wirkt (vgl. weihs Adj., pûhta Prät.), indiziert
eine intakte Quantitätsopposition. Dagegen sprechen die Schreibungen <e>
für <i> (§§ 9 A.2, 10 A.6) und <o> für <u> (§§ 11 A l, 14 A.3, 15 A.3) sowie die
umgekehrten Schreibungen <i> für <e> (§7 A.3) und <u> für <o> (§§12 A.l,
13 A.l) für einen Kollaps der Quantitäten. Aber beide Argumente sind
durch chronologische Unsicherheiten belastet: die Brechung kann in vor-
wulfilanische Zeit fallen, die Schreibvarianten dürften nachwulfilanischen
Schreibern anzulasten sein (Erscheinungen wie Sievers' Gesetz [§ 44,c] stam-
men aus vorgerm. Zeit und sagen für die got. Vokallängen nichts aus).
Zwar läßt sich die Existenz von Langvokalen in Wulfilas Sprache nicht
stringent beweisen: es fehlt an Indikatoren für eine systematische, phono-
logisch relevante Quantitätsopposition noch zur Zeit der Bibelübersetzung.
Es gibt jedoch auch keine schlagenden Argumente gegen den getrennten
Ansatz von Kurz- und Langvokalen. Die sprachvergleichende Evidenz so-

27
§ 2a. Lautlehre - II. Die Vokale

wie die Orthographie des zeitgleichen Griech. sprechen gemeinsam dafür,


daß in Wulfilas Got. ebenso wie in allen anderen altgerm. Sprachen durch-
aus eine Quantitätsopposition existierte, daß diese aber - dem Vorbild des
Griech. folgend - in der Schrift nicht zum Ausdruck gebracht wurde. Eine
Übersicht über die Vokalphoneme bietet § 28.
In der vorliegenden Auflage dieses Buches werden in Grammatik und
Wörterverzeichnis (nicht aber in den Texten) Vokale got. Wörter germ. Her-
kunft als lang bezeichnet, wenn ihnen eine historische Länge zugrunde liegt;
bei Fremdwörtern und -namen werden (abgesehen von Flexionssilben) kei-
ne Längenbezeichnungen angebracht.
A n m . 1. Uber die Unterscheidung von ài und ais. § 20f.,überáuundaús. § 24 f. Zur
Notation von <e> und <o> mit Zirkumflex s. § 6a A. 1.

§ 3. Got. <α> bezeichnet in den meisten Fällen ein kurzes lai (§ 4), selten auch ein
langes /a:/ (§ 5). Ob mit dem quantitativen ein qualitativer Unterschied ver-
bunden war, läßt sich nicht ermitteln. Vgl. Marchand 74.
A n m . 1. Kurzes α in griech. und lat. Namen und Lehnwörtern bei Wulfila: z.B.
Annas Ά ν ν α ς , Akaja 'Αχαΐα, barbar[us] βάρβαρος (Kol. 3,11), aggilus άγγελος;
Akk. karkara lat. career, Dat. sabana lat. sabanum.

A n m . 2. Got. Namen in griech. und lat. Überlieferung: z.B. Άθανάριχος -


Athanaricus, Άλάβιρος - Alavirus, Άμαλαφρίδα - Amalafri(g)da (ostgot.).

§ 4. Das k u r ζ e /a/ ist in allen Stellungen häufig. Es setzt fort: a) in Wurzelsilben


germ, kurzes a (< idg. a, o, a); - b) in Mittel- und Endsilben außerdem auch
germ, unbetontes e vor r (Streitberg § 38,2; s.u. § 114 A.3); - c) im Auslaut ist
es in großem Umfang aus Langvokal, nasaliertem Langvokal oder Di-
phthong entstanden (Streitberg § 39; Krause §§ 70, 73). Beispiele:
a) W u r z e l s i l b e n : idg. a: aljis* (lat. alius) 'anderer', tagr* 'Träne', aha
(lat. aqua) 'Fluß', akrs 'Acker', alan* 'sich nähren', hajjan* 'heben',
saltan* 'salzen', haldan 'hüten', waldan 'herrschen'; - idg. o: ahtau (lat.
octo) 'acht', gasts 'Fremder', hapar 'wer von zweien', awistr* 'Schafstall'
(zu ahd. ou, lat. ovis 'Schaf, Ahd.Gr. §219 A.3), bandi 'Fessel', barn
'Kind', saggws* 'Gesang'; alle Präterita Sing, der III. bis V. Ablautreihe:
band* 'ich band', bar 'er trug', gaf* 'ich gab'; - idg. s: fadar 'Vater', staps
'Ort'.
b) M i t t e l - u n d E n d s i l b e n : z.B.piudans 'König' (dazupiudanôn); Ad-
jektive auf -ahs (unbarnahs § 124,d), Part. Prät. gibans* (§ 134), Part.
Präs. gibands (§ 133); Kompositionsvokal in figgragulp (§ 88a); - fadar
'Vater', aftarô 'von hinten'; hapar 'wer von zweien', unsar, izwar (§ 152);
Lehnwörter: karkara Akk. 'Gefängnis' (lat. career), lukarn 'Leuchte' (lat.
lucerna).

28
e §6.

c) A u s l a u t : daga (Dat.Sg. § 90), waúrda (NAP1. § 93), giba (NASg. § 96),


atta (Nom.Sg. § 107), hairtôna (NAP1. § 109); - blindammo, blindaría,
blinda, blindata* (st. Adj. § 123); - imma, ina, ita, ija, meina (Pronomina,
§ 150ff.); - nima* (l.Sg. Präs. Ind.); nimaima*, nimaiwa*, nimaina (1.P1.,
Du., 3.P1. Opt.); haitada (Passiv § 170); sôkida (sw. Prät. § 184); - Adver-
bien: auf -ba, z.B. harduba (§ 210); auf -a, z.B. nêha, inna, ana (§ 213).

A n m . 1. Vor Enklitika und in anderen engen Verbindungen wird unbetontes -a


elidiert, z.B. pata ist > palist, *pata ei > patei\ so pan-uh, pamm-uh, pamm-ei; kar-ist
(§ 204 A.3), wiss-uh, hazj-up-pan 1 .Kor. 11,2 (< *hazja-uh-pan, § 62 A.3). - Vortonig
fallt a im Prät. von fra-ïtan* (wegen des folgenden ê?): fret, frêtun; dagegen aber
fra-atjari*: fra-atjau l.Kor. 13,3 (Wrede, ADA 29 [1905], 329 A.l).

A n m . 2. Der Wandel a > u in ainummêhun (6 Belege, keine Gegenbeispiele) gegen-


über ainamma wird aus dem Zusammenwirken von mm und ganz schwacher Be-
tonung erklärt (Kock, ANF 39 [1922], 275ff.; Krause § 65,1); es fehlt allerdings an
Parallelen.

A n m . 3. Zu <a> als Bestandteil von <ai> und <au> s. § 21 bzw. § 25.

Weit seltener steht got. <a> für einen fremden oder einen ererbten L a n g - § 5.
v o k a l /a:/.
a) In f r e m d e n Namen und Fremdwörtern: Silbanus (lat. Silvänus),
Peilatus, aurati* (lat. orärium, vgl. Grienberger 37; Kluge, PBB 35 [1909],
569), *faskja (lat.fascia, vgl. ahâ.faasgv, Feist 143 mit Lit.), spaikulatur
(lat. speculätörem; Jellinek § 242).
b) In einigen g o t . Wörtern (s. Anm. l):fâhan'fangen' (ahd.fâhan), gafäh*
'Fang' (Schulze, Kl. Sehr. 548); hähan* (redupl. Vb.) 'hängen', hâhan*
(sw. Vb.) 'hangen', faurhâh, faûrahâh 'Vorhang', gahâhjô 'zusammen-
hängend'; pâhta (Prät. zu pagkjan 'denken'), andapâhts 'bedächtig';
brähta (Prät. zu briggan 'bringen'); framgähts* 'Fortschritt', unatgähts*
'unzugänglich'. Dazu nochpâhô* 'Lehm' (ahd. dâha), unwâhs* 'untadel-
haft' (ae. wöh 'böse').

A n m . 1. In den unter b) aufgeführten Wörtern ist -äh(-) durch Nasalschwund mit


Ersatzdehnung aus germ. *-anh- entstanden (§ 50 A.l).
A η m. 2. Auch das a des aus lat. -ärius entlehnten Suffixes -areis (§ 92) wird allgemein
als lang angesehen; vgl. Kluge, Grdr. I, 354,504; Wilmanns II, 283; Henzen 158 (mit
Lit.).

Das Zeichen <e> bezeichnet einen geschlossenen (nach i hin liegenden) §6.
e-Laut. Über die Quantität s. Anm. 1 sowie §§ 7, 8 , 9 A . l , 10 A.6; vgl. Mar-
chand 75.
A n m . 1. In Namen und Wörtern aus dem Griech. steht <e> regelmäßig für η (doch
vgl. §§ 9 A.l, 16 A.l) und ist demgemäß als lang anzunehmen: z.B. Gabriel, Kefas,
Nom.Pl. Kretes Κρήτες, aikklesjô έκκλησία. - In 6 Fällen steht <e> für gr. i:

29
§6. Lautlehre - II. Die Vokale

Laudekaion Kol. 4,16 Β (gegen Laudeik- Kol. 4,13.15.16 Λαοδικ[ε]ία usw.); TWkekus
Kol. 4,7 Β (gegen Twkeik- Kol. 4,7 A; Eph. 6,21 B; 2.Tim. 4,12 Α Τυχικός);
paissalaunekaium 2.Ths. Β Überschr. (gegen paissalauneik- 2.Ths. A Überschr.;
2.Ths. 1,1 AB; Php. 4,16 B; 2.Tim. 4,10 AB Θεσσαλονίκη usw.); ailoe Mk. 15,34
αίλωι; Punteau l.Tim. 6,13 AB (gegen Puntiau Mt. 27,2; Lk. 3,1 Πόντιος);
Nekaudemus Skeir. 2,2 (gegen Neikaudaimau Skeir. 8,3 Ν[ε]ικόδημος, s. § 16 A.l);
dazu vielleicht auch ^Naem (aus <maem gebessert) Lk. 7,11 Ναϊμ. Angesichts der
Überlieferungslage kann man hier vielleicht an Schreibfehler <e> statt <ei> denken
(Luft 302; Gaebeler 7, 24). - Ausnahmslos steht <e> für gr. ε in dem Lehnwort
aiwaggeljd εύαγγέλιον und seinen Verwandten aiwaggeli, aiwaggelista, aiwaggeljan*.
Entgegen allgemeiner Annahme bezeichnet <e> hier keinen langen, sondern einen
geschlossenen kurzen Vokal [e]. Der Gegensatz zu dem offen gesprochenen ε des
Griech. hängt mit der Entlehnung über lat. evangelium zusammen: franz. évangile
weist mit seinem i auf einen geschlossenen e-Laut (Ebbinghaus, GL 33 [1993], 220 f.).
Ahnlich ist die viermalige e-Schreibung in Formen von aggilus zu erklären (§ 9 A.2). -
Isoliert steht <e> in G. Iaredis (Lk. 3,37) Ίαρεδ (vielleicht Angleichung an germ.-got.
Namen auf *-rëd(us), vgl. Bethge § 19,2). - Lit.: Gaebeler 55ff.; Streitberg § 19,2;
Schulze, Kl. Sehr. 512ff.

A n m . 2. In lat. Überlieferung gotischer Namen wird langes ê durch <e> wiederge-


geben, vom 6. Jh. an jedoch mit zunehmender Häufigkeit durch </>: Reccaredus,
Theodoredus/Theodoridus (got. *-rêps), RicimeruslRicimirus (got. *-mêrs); vgl. Bre-
mer, PBB 11 (1886), 7fT.; Wrede, Wand. 92f. - In griech. Überlieferung erscheint z.B.
der Name des Ostgoten * Valamêr zunächst als Βαλάμερ (Akk.), Βαλάμηρος (5. Jh.),
später als -μειρος.
§ 6a. In (germ.-)got. Wörtern setzt <e> zwei verschiedene lange e-Laute fort, wes-
halb hier die Bezeichnung ê gebraucht wird (s. Anm. 1):
1. das alte offene /ae:/ (germ, ê,, nord- und westgerm. in Stammsilben ä, vgl.
Ahd.Gr. § 34, Aisl.Gr. § 53; s. Anm. 2);
2. das alte geschlossene /e:/ (germ. ë2, ahd. ê>ea> ia> ie, Ahd.Gr. § 35 ff.).
A n m . 1. Da <e> im Got. immer einen Langvokal bezeichnet und (abgesehen von den
in § 6 A.l beschriebenen Fällen) nicht in Opposition zu einem kurzen geschlossenen
[e] steht, kann in der Transkription auf den Zirkumflex verzichtet werden. Dies ist im
vorliegenden Buch in den Lesestücken auch der Fall; in der Grammatik selbst wird
der Zirkumflex aus didaktischen Gründen beibehalten. Dasselbe gilt entsprechend
für die Bezeichnung des <o> durch ô (§ 12).
A n m . 2. Lit. zum Schicksal von ê, in den germ. Sprachen: Bennett, Lg 26 (1950),
232fr.; Cercignani, KZ 86 (1972), 104 ff.; Koivulehto, PBB 103 (1981), 167ff., 333ff.;
Nielsen, in: Runische Schriftkultur in kontinental-skandinavischer und -angelsäch-
sischer Wechselbeziehung, Hrsg. K. Düwel, Berlin/New York 1994, 117ff.

§ 7. D a s dem germ, ê, (= ahd. â) entsprechende ê findet sich sehr häufig:


a) in reduplizierenden Verben, z.T. mit ô ablautend (§§ 179, 181): grêtan,
lêtan*, slêpan*;
b) im Plur. Prät. der IV. und V. Ablautreihe (§ 33 A . l ) : sêtum* (zu sitan
'sitzen'), nêmum (zu niman 'nehmen'), êtum* (zu itan 'essen') und im Sing.
Prät./ré/ Lk. 15,30 (§ 176 A.3);
c) in Ableitungen von den unter b) genannten Verbalstämmen, z.B. anda-
nêms 'angenehm', anda-nêm 'Annahme', ga-têmiba 'geziemend', uz-êta*
'Krippe';

30
e §7.

d) in anderen Wörtern wie jêr* 'Jahr', lêkeis 'Arzt', ména 'Mond', mêrjan
'verkünden', qêns 'Ehefrau', mana-sêps 'Welt' (Menschen-Saat) usw.;
e) in Bildungssilben: fahêps 'Freude', 2.Sg. Ind. Prät. sw. Vb. -dès (nasidês*
§ 184);
f) vermutlich in der charakteristisch got. Endung -ê des Gen.Pl. der meisten
Deklinationen, z.B. dagê, anabusnê;
A n m . 1. Zum vielumstrittenen Ursprung dieser Endung s. van Helten, PBB 27
(1893), 570ff; 35 (1909), 273ff.; Brugmann, IF 33 (1913), 272ff; Wood, StPh 20
(1923), 107f.; Jellinek §111,3; Vendryes, IF 45 (1927), 364ff.; Sehrt, Fs. Collitz
(1930), 95ff.; Bazell, JEGP 36 (1937), 1ff.;Must, Lg 28 (1952), 219ff; Groselj, Lin-
guistica 6 (1964), 85f.; Morgenroth, PBB 87 (1965), 328ff.; Lehmann, Fs. Dostert
(1967), 108 ff.; Krause § 122; Kurylowicz, Gs. Brandenstein (1968), 87; Bech, Lingua
23 (1969), 55ff; A. W. Jones, Gothic Final Syllables [§ B5,h], 64ff.; Shields, LB 68
(1979), 257ff.; Fullerton, MGS 9 (1983), 113ff.; Eska, IF 93 (1988), 186ff.; Shields,
AJGLL 9 (1997), 239ff.; Markey, JEGP 100 (2001), 57ff. (Nachdruck in Petersen
[2002]).

g) in sonstigen Auslautsilben: in den Dativen hammêh, harjammêh,


ainummêhun (§§ 163-166) und den Instrumentalen pê, tvê (§§ 153, 159);
in Partikeln und Adverbien wie swê, unté, hidrê (§ 211 A.2).
A n m . la. In der Stellung vor Vokal erscheint ein <ab statt des nach den anderen
germ. Sprachen zu erwartenden got. ê; s. § 22.
A n m . 2. In rund 65 Fällen (Marchand, Orbis 5 [1956], 144 mit A. 1) ist <ei> für dieses ê
geschrieben (vgl. § 17 A.l). Die Fälle erscheinen etwas gehäuft im Luk.-Ev.: 58 qeins
Nom.Sg. und andere Kasus, wovon 16 in Lk. (gegen qêns, z.B. Lk. 1,5 2,5); von
fahêps·. Lk. 2,10faheid, Lk. 8,13 faheidai gegen Lk. 10,Π fahêdai, Jh. 16,22fahêd\ von
aflêtan: Formen mit <ei> Mt. 9,6, Lk. 5,11.20 16,18 gegen 45 Formen mit <e> (9 in
Luk.); vonfralêtan: Formen mit <ei> Lk. 2,29, Mk. 15,19 gegen 28 Formen mit <e> (9 in
Luk.); von grêtan: mit <ei> Jh. 11,33 16,20, Mk. 14,72, Lk. 7,38 gegen 11 mit <e> (4 in
Luk.); 2.Kor. 8,12 gagrêftai Β: gagreiftai Α.
Lit.: Grienberger 83 f.; Uhlenbeck, PBB 30 (1905), 279; Braune, Litbl 1908, 328;
Gaebeler 38f.; Vennemann, Lg48 (1972), 863ff. Nach Hirt (PBB 21 [1896], 159f.)
sollen viele <ei> vor j, i, ei erscheinen; anders Kock (KZ 36 [1900], 583; IF 30 [1912],
244ff.), wonach ê > ei als jüngere Entwicklung besonders eintritt: 1. vor ki (Palatal-
umlaut: leikeis), 2. in minderbetonter Silbe (faheid), 3. in betonter Silbe nach zwei-
facher Konsonanz (greitan\ auch qeins, das nach § 59 A.2 jedoch einfachen Konso-
nanten hat; vgl. Marchand 50f.). Keine der bisherigen Erklärungen wird allen Be-
legen gerecht; vielleicht treffen mehrere Faktoren zusammen.

A n m . 3. In 20 Fällen (Marchand, Orbis 5 [1956], 146 mit A.l) findet sich statt dieses
ê auch <» (etwas gehäuft im Luk.-Ev.), z.B. birusjôs Lk. 2,41; qipeina 8,56 9,21;
tawidideina 6,11; duatsniwun Mk. 6,53; vgl. Hirt, PBB 21 (1896), 160. Für wripus
'Herde' (nur Lk. 8,33) wird wegen ae. wrœô gewöhnlich ^wrêpus konjiziert (BB 3,114;
Pokorny 1151).
A n m . 4. Umgekehrt wird statt/und ei auch <e> geschrieben (§§ 10A.6,17A.1).-Zu
Anm. 2-4 vgl. Wrede, Ostg. 161 sowie § E6 A.l.

31
§8. Lautlehre - II. Die Vokale

§ 8. Das dem germ. ë2 entsprechende got. ê findet sich nur in zwei germ.-got.
Wörtern: hêr 'hier' (vgl. das Pron. hi-, § 155) und fera 'Seite' (vgl. ahd .fiara-,
Etymologie unklar), außerdem in dem alten Lehnwort Krêks 'Grieche' (s.
Jellinek § 42; Gusmani, StG 9 [1971], 20ff.). Dazu kommt das ê von mes*
'Tisch', welches meist aus lat. mensa (lat. f, vgl. Leumann § 152 c,d) her-
geleitet wird (Feist 355f.; Belardi, Fs. Mastrelli [1985], 65ff.).

A n m . 1. Lit. zur Genese von ë2: Brugmann 1,206f.; Bethge§§ 6,33; ADA 28 (1902),
21; Janko, IF 20 (1906), 229ff.; van Helten, IF 23 (1908), 92ff.; Streitberg § 57; Lüdt-
ke, Phonetica 1 (1957), 157 ff.; Connolly, PBB 101 (1979), 1 ff.; Fr. van Coetsem, The
Vocalism of the Germanic Parent Language, Heidelberg 1994, 98 ff.; ders.,
NOWELE 31/32 (1997), 423 ff.

§ 9. Das Zeichen <i> (bzw. <i>, § 1 A.6) bezeichnet einen ¡-Laut, der offener war als
der durch <ei> bezeichnete z'-Laut (§ 16); dieser Laut setzt allgemein einen
kurzen Vokal fort. Vgl. Marchand 75.
A n m . 1. Ingriech. Wörtern und Namen gibt <i>gr. ι wieder, z.B. Zsrae/Ίσραήλ, Isak
Ίσα(α)κ, doch s. auch §§ 16 A.l; 43 mit A.2. - Selten steht <i> als langes [i:] für gr. η
(vgl. § 6 A.l), z.B. Dat. Aunisimau Όνησίμψ Kol. 4,9 AB (hier könnte griech.
Distanzassimilation η - 1 > ι - 1 vorliegen), Dat. Bipaniïn Βηθανίαν Mk. 11,1 (gegen 7
Bep-)\ vgl. Luft 302f.; van Helten, IF 14 (1903), 60ff.; Gaebeler 21. - In Didimus
Δίδυμος Jh. 11,16 steht <(> für gr. υ (vgl. § E20 A.2). - In griech. und lat. Überlieferung
wird got. ι durch ι bzw. i wiedergegeben, z.B. Φριτίγερνος, Fritigemus (*fripi-),
Φριδερίχ, Frideric(h)us.

A n m . 2. Got. </> für gr. ε in aggilus άγγελος und in Makidonja (18 Maki- gegen 1
Make-, 2 Makai-), das mit „volkstümlicher" Entlehnung begründet worden ist (Gae-
beler 13f., 21,49, 54ff.), dürfte auf Entlehnung über das Lat. beruhen. Im Falle von
aggilus weist die viermalige Schreibung mit <e> statt <i> (Lk. 9,26 15,10; Rom. 8,38 A;
Gal. 4,14) jedenfalls auf Entlehnung aus lat. angelus (mit geschlossenem [e], parallel
zu aiwaggeljô, vgl. § 6 A. 1).

A n m . 3.Einen l a n g e n Laut bezeichnet das <i> in got. Wörtern, wenn es ausnahms-


weise für ê (§ 7 A.3) oder für ei (§ 17 A.3) geschrieben wird; vgl. Vennemann, Lg 48
(1972), 863ff.

A n m . 4. Got. <i> neben <ei> in Esalas (Mk. 7,6 u.ö.) gegenüber Esaeias (Jh. 12,39 u.ö.)
beruht auf dem griech. Wechsel αϊ : αει.

§ 10. In Stamm- und Mittelsilben ist das got. i aus mehreren idg. Lauten ent-
wickelt: 1. aus idg. e > germ, ë, das a) schon germ, vor Nasal + Konsonant
oder vor i, j, zu i wird und so im Got. außer vor r, h, h (s. § 20) erhalten
bleibt, b) got. außer vor r,h,h>zui wird; 2. aus idg. i, das got. außer vor r, h,
h erhalten bleibt; 3. vereinzelt tritt idg. e (das die Entwicklung unter 1.
mitmacht) ein, um schwer sprechbare Schwundstufen zu beseitigen (§§ 33
A.l, 34 A.2; bis zur 19. Aufl. dieses Buches wurde hierfür ein „Reduktions-
vokal" idg. b angesetzt).

32
i §10.

1) i - idg. e (ahd. ¿'oder i, vgl. Ahd.Gr. §§ 28-30), im Präs. der st. Verben der
III.-V. Ablautreihe (§§ 32-34) niman (ahd. nëman), giban (ahd. gëban),
giba (ahd. gëba), itan 'essen', hlifari* 'stehlen', ferner in swistar (ahd.
swëster), fìdwór 'vier'; bindan* (ahd. bintan), midjis* 'der mittlere', gifts
'Gabe', wailaqiss 'Segen'.
2) i = idg. i (ahd. i, Ahd.Gr. § 31), z.B. lists* ' L i s t \ f i s k s * 'Fisch', is 'er', wissa
'ich wußte', -skritnan* 'zerreißen' (intrans.); Plur. Prät. und Part. Prät.
der st. Verben der I. Ablautreihe (§ 30); bitun*, bitans* (zu beitan*),
stigun*, stigans* (zu steigern*), lipuri*, lipans* (zu leipan*).
3) i im Part. Prät. der st. Verben der V. Ablautreihe: gibans*, lisans*,
qipans*.
A n m . 1. Der Übergang e > i gilt im allgemeinen als ein „spontaner" Lautwandel.
Dagegen vertritt Sverdrup die Ansicht, e sei zunächst nur vor i, j, u der folgenden
Silbe und vor Nasal zu ι geworden, in anderen Stellungen beruhe das i auf Analogie;
vgl. NTS 1 (1928), 189ff.; 4 (1930), 471 fT.; Lg 28 (1952), 339fT.
A n m . 2. Auslautendes i ist a) gekürzt aus langem fin der 3.Sg. Opt. Prät. nêmi und
im Nom.Sg. einiger langstämmiger Feminina wie bandi (§ 96); - b) vokalisiert aus in
den Auslaut geratenem -j im NASg. der neutralen ya-Stämme (kuni, § 95) und im
Akk.Sg. der entsprechenden Maskulina (hari, § 92,b). In der Flexion wechseln die
unter a) und b) genannten i mit inlautendem j (§ 45); - c) sonstige auslautende i
verschiedener Herkunft in ni, bi, si, hiri.
A n m . 3. Auslautendes i wird vor folgendem i eines enklitischen Wortes elidiert in
nist (< ni-ist), sei (< si-ei), niba (< ni-iba); vgl. §§ 4 A. 1,204 A.3.
A n m . 4. Vor h, h und r wird i zu ai „gebrochen", vgl. § 20.
A n m . 5 Die Folge <ip findet sich in ija 'eam\prija 'tria\frija- (Nom.Sg. freis § 126
A.2) 'hei', frijón 'lieben', fijan 'hassen', sijum 'wir sind' usw. (s. § 204 A.l), Part. Prät.
Ntr. uskijanata 'gekeimt' (§ 172 A.2) u.a. Statt <//> wird seltener einfaches <i> geschrie-
ben, z.B. 1 χfiandgegen 5x fljand, 12x sium gegen 35χ sijum (§ 204 A.l) usw. Auffällig
häufig ist die Schreibung ohne ψ in friapwa 'Liebe': 65 Belege (in verschiedenen
Kasus), wozufriapwamildjai Rom. 12,10, gegen 26 frijapw-; vgl. dazu W. Begemann,
Das schwache Präteritum der germanischen Sprachen, Berlin 1873, 9Iff.; Jacob-
sohn I.

A n m . 6. In 16 Fällen (Marchand, Orbis 5 [1956], 146 mit A.2) ist <e> statt ¿geschrie-
ben, z.B. usdrebi Mk. 5,10, seneigana l.Tim. 5,1 B, swekunpamma Lk. 8,17,filegrja
'Höhle' Lk. 19,46 (neben filigrja Mk. 11,17; s. Grienberger 67), ne Jh. 18,40. Vgl.
Grimm 1,30 A.2; Wrede/Heyne 289f. Das zweite <e> im PN. Werekan Akk. (Kai. 7) ist
wohl ebenso zu beurteilen; die Menologjen haben Ούήρ(ι)κας (vgl. Schönfeld 261). -
In drei Fällen steht <ei> für i: usdreibeina Mk. 9,18, kunnei Jh. 17,23, andbahtei I.KOT.
4,1 A {andbahti B).
A n m . 7. Zu /' im Diphthong iu s. §§ 18, 19.
A n m . 8. Über Scheidung der beiden i (= ahd. ë und i) in ostgot. Namen s. Wrede,
Ostg. 162; ZDP 31 (1899), 95.

33
§11. Lautlehre - II. Die Vokale

§ 11. D a s Zeichen <o> steht für einen n a c h u hin liegenden o-Laut, der geschlos-
sener w a r als das durch <au> repräsentierte o f f e n e [o] bzw. [o:] (§ 24ff.); vgl.
M a r c h a n d 75 f.
A n m . 1. In griech. Wörtern und Namen gibt <o> regelmäßig ω wieder und ist somit
als lang zu beurteilen, z.B. ailoe αϊλωι, Gen. Kosamis Κωσαμ, Iohannes 'Ιωάννης.
Weit seltener steht <o> für gr. o, z.B. D. Antiokjai Άντιόχειαν Gal. 2,11 (gegen
Antiaukiai 2.Tim. 3,11 AB, vgl. Gaebeler 14f., 83); zu Aiodian Εύοδίαν Php. 4,2 AB
s. Schulze, Kl. Sehr. 516; durchgehend in Makidonja Μακεδονία, Makidoneis (nach
Schulze, Kl. Sehr. 529 im Suffix an Rumoneis* angeglichen; s. § 9 A.2). Ganz selten
steht <o> für gr. ου: Gen. Sairokis Σερούχ Lk. 3,35, Akk. Lokan (transkribiert Lucan)
Cod. Vindob. 795, fol. 20v (s. Gaebeler 24). - Für griech. und lat. Schreibung westgot.
Namen fehlt sicheres Material, doch vgl. ostgot. * Tötila: Τωτίλας, Τουτίλας;
T(h)ot(h)ila, Tutila.

A n m . 2. <o> steht in got. Wörtern öfter für (kurzes) u (§ 14 A.3).

§ 12. G o t . o setzt germ, langes ô fort ( = ahd. uo, s. A h d . G r . § 38 ff.), in d e m die idg.
L a n g v o k a l e ä u n d δ zusammengefallen sind, w e s h a l b es hier als ó bezeichnet
wird (s. § 6a A . l ) . Es ist in allen Stellungen häufig:
1) in W u r z e l s i l b e n : a) < idg. ä: brôpar 'Bruder', stòma m . 'Grundlage'; -
b) < idg. δ: blâma* 'Blume', fôtus 'Fuß', die Präterita der VI. R e i h e (§ 35)
und z.T. die der ê/ô-Reihe (§ 36): and-hôf, ga-dôf, af-slôh, Plur. and-hôfun
usw.; lailôt, lailôtum; - der ursprüngliche Vokalismus v o n bôka 'Buch-
stabe' u n d frôps 'klug' ist unklar;
2) in E n d u n g e n u n d a u s l a u t e n d : a ) < idg. ä: N o m . P l . gibôs, schw. Ver-
ben II salbôn, salbôda, saibó-, Pron. F e m . h>ô,pô, sô\ hanô-h, ainnô-hun; -
b) < idg. δ: N o m . P l . dagôs\ Gen.Pl. F e m . gibó*, qinônô; Adverbien auf -ó
(§ 211); im auslautenden -ô im N A S g n . der « - S t ä m m e (Typ haírtó), vgl.
Bammesberger, N o m e n 169.

A n m . 1. Statt eines 6 wird viermal <«> geschrieben (Marchand, Orbis 5 [1956], 147):
uhtêdun 'sie fürchteten' Mk. 11,32 (zu ôg); sunjus Eph. 1,13 A (sunjôs B); supuda
Mk. 9,50 (zu supôn* 'würzen', vgl. gasupôda Lk. 14,34); einmal gakrotuda cruv-
θλασθήσεται Lk. 20,18 (mit Grienberger 86, Feist 187, Pokorny 391 zu ga-krôtôn*;
anders Streitberg § 23 A: verschrieben für *gakrutoda). In ostgot. Namen steht häufig
<«> für ô, s. Wrede, Ostg. 164.

A n m . 2. In der Stellung vor Vokal erscheint ein <au> anstelle eines ursprünglichen ô
(§26).
A n m . 3. In der Flexion von fort, Gen. funins 'Feuer' wechselt ó mit u (§ 118). Die in
früheren Auflagen nach Streitberg 1,490 und von Kraus, ZDA 66 (1929), 210 ange-
führte Lesung t/v« (Akk.), Got. Veron. XVIII, ist falsch; eine von Marchand freund-
licherweise überlassene Photographie der Stelle zeigt deutlich fon.

34
u §14.

u
Das Zeichen <«> bezeichnet in den meisten Fällen ein kurzes /u/ (§ 14), § 13.
seltener auch ein langes /u:/ (§ 15). Möglicherweise wurde der Kurzvokal
offener gesprochen als der Langvokal (§ 28); beweisen läßt sich das nicht.
Vgl. Gaebeler 26 f.; Marchand 75.
A n m . 1. <«> vertritt in Fremdwörtern regelmäßig gr. ου, z.B. Iudaius'Ιουδαίος. Öfter
aber steht es auch in unbetonter Silbe für gr. o, z.B. diabaulus Jh. 6,70, diabaulau Jh.
8,44 gegen 12 diabul- διάβολος; aber apaustaulus (etwa 40 Belege in verschiedenen
Kasus) gegen apaustuluns Lk. 6,13, apaustulu Php. 2,25 άπόστολος (vgl. § 120 A.3);
A. paintekusten l.Kor. 16,8 AB (keine anderen Belege) πεντηκοστή; durchgehend
Iairusalem, Iairusaulwma 'Ιερουσαλήμ, 'Ιεροσόλυμα. Vgl. Luft 301; Bethge 29;
Gaebeler 22, 32f„ 56f.
A n m . 2. Selten steht <u> für <5 (§ 12 A.l); zu <u> für àu s. § 105 A.2.

Sehr häufig setzt got. u einen kurzen w-Laut fort. Dieser ist zweifachen § 14.
Ursprungs:
a) Er entspricht altem idg. u: juk* 'Joch', sunus 'Sohn', drus 'Fall', usdrusts*
'das Fallen', fralusts 'Verderben', fra-lusnan* 'verlorengehen'; - im Plur.
Prät. und Part. Prät. der starken Verben der II. Reihe (§ 31), z.B. gutum*,
gutans*, fra-lusum*, -lusans; - im Auslaut, z.B. Endungen der
M-Deklination (handus, handu, § 104ff.), pu 'du', nu 'jetzt', -u Frage-
partikel (§ 216).
b) Er ist im Germ, aus idg. silbischem ¡, r, ni, η entwickelt („/ sonans" usw.,
vgl. § 27 A.l; dazu Banta, Linguistics6 [1964], 29ff.): wulfs 'Wolf, wulla*
'Wolle', gaqumps* 'Zusammenkunft', gulp* 'Gold', swumfsl 'Teich',
hunda Pl. Ί00', sibun '7', taíhun ΊΟ\ fulls 'voll', un- Privativpräfix; -
im Plur. Prät. und Part. Prät. der starken Verben der III. Reihe (§ 32):
bundum*, bundans; - im Part. Prät. der Verben der IV. Reihe (§ 33):
numans*, stulans*, trudans* (dazu auch Präs. trudan 'treten'), brukans*
(mit us-bruknan* 'abgebrochen werden').
A n m . 1. Vor ableitendeny'-Suffixen fällt stammauslautendes u aus, z.B. ga-hardjan*
'härten' (zu hardus), us-agljan* 'bedrängen' (zu aglus*), manwjan 'bereiten' (zu
manwus), ufarassjan 'vermehren' (zu ufarassus*); s. Meyer 325 f. In ufar-skadwjan*
'beschatten' und dem von gaskadweins* 'Beschattung' vorausgesetzten *ga-skadwjan
(zu skadus 'Schatten') liegt ursprünglicher iva-Stamm vor (§§ 42,3, 91 A.3), vgl. Jel-
linek, ZDA 36 (1893), 268f.; Streitberg, Fs. Windisch (1914), 225f. - Ü b e r u neben w
vgl. §42.
A n m . 2. Vor h (h) und r wird kurzes uzaaú „gebrochen", vgl. § 24. - In anderen
germ. Sprachen bezeichnet der Terminus „Brechung" abweichende Vorgänge, z.B. im
Ahd. die Senkung eines u zu o vor einem a der Folgesilbe.
A n m . 3. Etwa lOmal (meist im Luk.-Ev.) ist u durch <o> wiedergegeben (Marchand,
Orbis 5 [1956], 147 mit A.l): fraistobnjô Lk. 4,13, widowô 7,12, ainomêhun 8,43, sunjos
'Söhne' 16,8 (vgl. Bernhardt LIV), ushôfon 17,13, lauhmoni 'Blitz' 17,24,
gawondôndans 20,12; dazu noch faiho 'Geld' Mk. 10,23, aljakonjai Eph. 2,19 AB. -
Hierher wohl auch aldomin 'Greisenalter' Lk. 1,36 (§ 139 A.2); kaum jedoch afdôbn
'verstumme' Lk. 4,35 neben afdumbn Mk. 4,39.

35
§14. Lautlehre - II. Die Vokale

A η m. 4. In Formen von ga-laufs* 'wertvoll' (Braune, Litbl 1908,327; Heidermanns,


EWGP 365) begegnet zweimal <u> statt <au>: ungalubamma Rom. 9,21 (neben
galaubamma), galubaim 1 .Tim. 2,9 Β (A gal"ubaim mit nachgetragenem α). Hier liegt
kein Lautwandel vor, sondern der Stamm von (brôpra-)lubô* 'Liebe'. Auch die Va-
riation zwischen u und au im Sing, der «-Deklination ist kein lautliches Phänomen
(§ 105 A.2).

§ 15. Seltener steht got. <«> für langes /u:/; dieses wird hier mit û bezeichnet. Zwei
Fälle sind zu unterscheiden:
a) Es setzt den idg. Langvokal ü fort: ût 'hinaus' (ûta usw.), hraiwa-dûbô*
'Turteltaube', runa 'Geheimnis' (ga-rûni, bi-rûnains*), rûms 'geräumig'
(ur-rûmnan*), faúr-múljan* 'das Maul verbinden', brûps* 'junge Frau'
(nhd. Braut), gud-hüs* 'Gotteshaus', skûra 'Schauer', hlûtrs* 'lauter', fûls
'faul', pûsundi Ί000', brûkjan 'brauchen' (Prät. brûhta, Adj. brûks),
hûhjan* 'aufhäufen' (oder mit *-unh- nach Absatz b, s. Streitberg § 65,2),
hrûkjan* 'krähen' (s. PBB 6 [1879], 379; Grienberger 120), us-lûkan 'öff-
nen' (§§ 31 A . l , 173 A.2), ferner im Suffix -düps wie mikildûps (§ 103; vgl.
PBB 6 [1879], 380).
b) Es ist bei Ausfall von η vor germ, h aus kurzem u gedehnt (§§ 5,b, 50 A. 1):
pûhta (Prät. zu pugkjan* 'dünken'), pûhtus* 'Gewissen', Adj. -pûhts,
hûhrus 'Hunger' (huggrjan* 'hungern'), jûhiza 'jünger' ( z u j u g g s * ) , bi-ûhts
'gewohnt' (s. Heidermanns, E W G P 639), ûhtwô* 'Morgendämmerung',
ûhteigs*, ûhtiugs* 'rechtzeitig'.

A n m . 1. In einigen Fällen ist die Quantität des u umstritten. Mit langem /u:/ sind
anzusetzen *mûks (in mûka-môdei* 'Sanftmut', s. Heidermanns, EWGP 415),
prûts-fill 'Aussatz' (vgl. aisl. prútinn 'geschwollen', ae. prüstfell, PBB 9 [1884], 254;
Feist 503; aber Persson, BB 19,268). Dagegen haben wohl kurzes /u/ kunawida 'Fes-
sel' (Pokorny 397; aber ZDP 27,445f.; Grienberger 143) und lun* (luns*7) 'Lösegeld'
(Feist 338; Pokorny 682; aber nach Brugmann I, 112 mit [u:]). Ganz unsicher sind
anabusns 'Gebot' (PBB 9 [1884], 152; 10 [1885], 497; Brugmann 11,1,289; Feist 41 f.;
Pokorny 151), hnupô (2.Kor. 12,7 A; hnutô Β) σκόλοψ, 'spitzer Pfahl' (Grienberger
118; Feist 266; Pokorny 563), lesus oder -ûs (s. § 120 A.lb; Streitberg § 66 Anm.;
Wrede/Heyne § 176 A.l; Ebbinghaus, GL 11 [1971], 152 A.l), jus 'ihr' (§ 150 A.2),
sutis (1 .Tim. 3,3 AB; Überlieferung problematisch) 'mild' (für /u:/ J. Schmidt, KZ 26
[1882], 380; Grienberger 203; Uhlenbeck, PBB 30 [1905], 311; für /u/ Braune, Litbl
1908, 328; Streitberg § 65 A.2; vgl. Mayrhofer, KZ 71 [1954], 74f.; 73 [1956], 116f.).
Auch fidar- und -uh werden von einigen mit /u:/ angesetzt (vgl. § 24 A.2).

A n m . la. In ju-pan Mk. 15,44 und pu Mt. 11,3, Lk. 7,19.20 wird meist langes [u:]
(aus ju, pu + Fragepartikel -u, § 216 A.l) angenommen (Schulze, Kl. Sehr. 589ff.);
dagegen Jones, Fs. Kunstmann (1959), 208ff.; ders., Orbis 14 (1965), 393ff.

A n m . 2. In dem alten Lehnwort Ruma* 'Rom', Rumoneis* 'Römer' (nur Rumai


2.Tim. 1,17; Gal. Unterschr. A; Rumonim Rom. Unterschr.) gibt <u> = /u:/ das lat. δ
wieder (auch ahd. as. Ruma). Vielleicht auch û = gr. ω in spaikulatûr σπεκουλάτωρ
Mk. 6,27; Iuse Ίωση Mk. 6,3. Vgl. Luft 306; Gaebeler 22; Jellinek §§ 242, 245 f.
A n m . 3. <o> für langes /u:/ nur in ôhteigô 2.Tim. 4,2 B (ûhteigô A).
A n m . 4. Über <au> vor Vokalen anstelle eines ursprünglichen û s. § 26,b.

36
ei §17.

ei

Mit <ei> wird der Laut des geschlossenen (langen) [i:] bezeichnet, im An- § 16.
schluß an das Griech., das zu Wulfilas Zeit ebenfalls das ει bereits als [i:]
aussprach.

A η m. 1. In griech. Wörtern gibt <ei> regelmäßig ει wieder, das niemals durch got. <i>
ausgedrückt wird. Außerdem aber entspricht <ei> überwiegend dem griech. ι in offener
Silbe (vor einfachen Konsonanten), wo dieses als geschlossenes (langes) [i:] aus-
gesprochen wurde; z.B. Teimaupaius Τιμόθεος, Neikaudemus* Ν(ε)ικόδημος (nur
Neikaudaimau Skeir. 8,3, s. § 6 A.l). In 10 Fällen wird auch gr. η durch <ei> wieder-
gegeben, z.B. Kwreirtaius* Κυρηναΐος, Auneiseifaurus* Όνησίφορος. Vgl. Luft
302f., 304; van Helten, IF 14 (1903), 60f.; Gaebeler 21, 22f., 39,41 f. und bes. 44f.

A n m . 2. Häufig wird <ei> für got. ê geschrieben, s. § 7 A.2.


An m. 3. In der Anfangszeit der Germanistik war für <ei> mit diphthongischer Aus-
sprache gerechnet worden (Grimm I, 40). Gegen diese Auffassung, die auch durch
sprachgeschichtliche Gründe widerlegt wird, s. J. Schmidt, Zur Geschichte des Idg.
Vocalismus I, Weimar 1871,48; Litbl 1886,485; Brugmann I, 189.

In got. Wörtern kommt <ei> in Stamm-, Mittel- und Endsilben vor. Es ent- § 17.
spricht meist germ. I, in dem idg. f u n d ei zusammengefallen sind: im Präs.
der starken Verben der I. Reihe (§ 30; hier überwiegend idg. ei), z.B. beitan*
'beißen', steigern*·, - in sonstigen Wurzelsilben, z.B. foeila* 'Zeit', eisarn*
'(Eisen)fessel', leipu* 'Obstwein', skeirs 'klar'; weis 'wir', meins, peins', - sehr
häufig in Suffixen und Endungen, z.B. Adj. auf -eigs und -eins (vgl. lat. -icus
und -ïnus) wie mahteigs, aiweins* 'ewig', N o m i n a actionis auf -eins (laiseins
'Lehre'), N G S g . der mask. ya-Stämme hairdeis 'Hirt', laisareis 'Lehrer',
Nom.Pl. der i-Dekl. gasteis (idg. ei), Opt. Prät. nêmeis (idg. Î); - auslautend
in Feminina auf ei: managei (§ 113), im Imperativ sôkei usw. (§ 186), in der
Relativpartikel ei (§ 157) nebst den damit gebildeten Zusammensetzungen.
In einer kleinen Zahl von Fällen ist germ. Γ (unter Ausfall von « vor germ.
h) aus kurzem i gedehnt (§ 50 A. 1 ): leihts* 'leicht', peihs 'Zeit', peihô* 'Don-
ner'. Zu den starken Verben leihan, peihan, preihan*, weihan s. § 172 A.5.
A n m . 1. In etwa 38 Fällen (Marchand, Orbis 5 [1956], 145 mit A.l) wird langes /i:/
durch <e> wiedergegeben, z.B. aketis Mt. 27,48 (akeitis Mk. 15,36); wêhsa Mk. 8,26.27;
akê Gal. 2,14; izê Mk. 9,1, Lk. 8,13.15 u.ö.; s. Hirt, PBB 21 (1896), 161; Kock, IF 30
(1912), 250f.; Vennemann, Lg 48 (1972), 863ff. Ebenso birêkjai Lk. 8,23 'gefährdet'
neben bireikjai 1 .Kor. 15,30 A, dazu bireikei* 'Gefahr', achtmal mit ei in 2.Kor. 11,26
Β (Griepentrog, HS 104 [1991], 108 ff). - Entgegen Grienberger 112 gehört der Akk.
hêpjôn 'Kammer' Mt. 6,6 nicht hierher, vgl. Feist 254, Pokorny 586. - Mit Bremer,
PBB 11 (1886), 32; Grienberger 39 wird häufig auch das dreimal mit <e> überlieferte
awêpi (Nom., Akk. Jh. 10,16,1 .Kor. 9,7; Gen. 1 .Kor. 9,7) hierhergestellt (s. Feist 70;
Pokorny 784). Jedoch kann das ê hier durchaus alt sein; vgl. Schmidt, Neutra 70 A.2;
Bammesberger, MSS 34 (1976), 5 ff.

A n m . 2. Neben sinteins* 'täglich', sinteinô 'immer' (etwa 50 Belege) steht 2.Kor.


11,28 Β eine Form, die ursprünglich als tseiteina geschrieben war; doch ist an dem
ersten <ei> ungeschickt gebessert, wohl um es zu <in> zu ändern.

37
§17. Lautlehre - II. Die Vokale

A n m . 3. Neben gabeigs 'reich' (gabei 'Reichtum'), das 6mal im Luk.-Ev., ferner in


2.Kor. 8,9 Β (= gab igs A) und Eph. 2,4 steht, steht häufiger gabigs (13mal), dazu
gabigaba Adv. Kol. 3,16, gabigjan* 'bereichern' 2.Kor. 6,10 AB, gabignan* 'reich
werden' Lk. 1,53, 2.Kor. 9,11 Β (vgl. Brugmann 11,1, 489, 495; Feist 175 mit Lit.).
Neben Akk.Sg.fulleip 'Fülle' Mk. 4,28 steht Kol. 2,16 ein Gen.Pl.fullipê νουμηνίας
(dazu Ebbinghaus, Sprachw 4 [1979], 106 ff.). - Nur ganz vereinzelt (und wohl feh-
lerhaft) wird in Nebensilben <i> statt <ei> geschrieben: silubrinaizê Mt. 27,3, andbahtip
Jh. 12,26, laisaris Lk. 6,40, wisandin Mk. 11,11,1 .Tim. 1,4 A (wisandein B; vielleicht
auch Skeir. 7,2).
A n m . 4. ei wechselt mit ij (§ 10 A.4) in eis neben ija (§ 151 ), freís neben frija (§ 126
A.2), keinan* neben uskijanata Lk. 8,6 (§ 172 A.2); vgl. preis* (§ 140 A.2). - Über ei
neben ji s. § 44,c.
A n m . 5. Über ei neben i in fremden Namen s. § 9 A.4.

iu

§ 18. /iu1 ist der einzige Diphthong des Got. (§ 28). Es handelt sich um einen
fallenden Diphthong, in dem i als betonter Vokal, u als Halbvokal gespro-
chen wird, /iu/ setzt meist den idg. Diphthong eu fort, der erste Bestandteil
entspricht also dem auf idg. e zurückgehenden got. i (§ 10,1).
A n m . 1. Die Lateiner geben got. iu durch <eu>, <eo> wieder: Theudis, Theodoricus. Vgl.
hierzu Wrede, Wand. lOOf.; dens., Ostg. 167; ZDP 31 (1899), 95.
A n m . 2. In folgenden Formen ist <iu> zweisilbig: sium usw. (§ 10 A.4), niu, biugitai
Lk. 18,8 (mit Fragepartikel u: ni-u, bi-u-gitai§ 216), ni-un 'neun' (so Lk. 15,4, vgl. §§ 1
A.7,141), stiur 'Stier' (§ 78 A.2). Vgl. auch bi-ûhts 'gewohnt' mit langem Iu:/ (§ 15,b).
A n m . 3. Jones, Lg 34 (1958), 353ff., Hamp, ebd. 359ff. und Durante, AFLLS 6
(1975), 205 ff. haben versucht, für «u> monophthongische Aussprache [y] zu erweisen;
vgl. dazu Ebbinghaus, JEGP 59 (1960), 597ff.; Jones, JEGP 61 (1962), 73ff.;Bennett,
Linguistics 32 (1967), lOf.; Ebbinghaus, GL 11 (1971), 99f.; Marchand 76.

§ 19. iu ist normaler Präsensvokal der II. Ablautreihe (§ 31): biugan* 'biegen',
-biudan* 'bieten', tiuhan 'führen'. - In anderen Wörtern z.B. piuda 'Volk',
dius* 'Tier', liuhap 'Licht', diups* 'tief, siuks 'krank', niujis 'neu', iup 'auf-
wärts'. - In Suffixen und Endungen kommt iu normalerweise nicht vor; zu
dem vereinzelten Beleg ûhtiug 'rechtzeitig' l.Kor. 16,12 Β (neben ühteigs*)
s. Feist 515 mit Lit.
A n m . 1. Im Silbenauslaut kann iu aus iw entstanden sein, mit dem es deshalb in der
Flexion wechselt: weina-triu 'Weinstock' neben Dat.Pl. triwam 'Holz'; anaqiujan
'beleben' neben Prät. mipgaqiwida (§ 42,2); vgl. Bennett, Linguistics 32 (1967), 5ff.In
siuns 'Gesicht' geht iu auf älteres *iw zurück, dessen w auf Labiovelar beruht.

ai

§20. Der Digraph <ai> steht im Got. (nach griech. Vorbild) für einen offenen
e-Laut [ε] bzw. [ε:]; vgl. Marchand 74 ff. Historisch gesehen setzt er mehrere
etymologisch verschiedene Laute des Idg. und Germ. fort.

38
ai §20.

I. <α/> entspricht einem idg.-germ. kurzen e oder i (= ahd. ë oder i). In diesen
Fällen ist der Laut zweifellos kurz; wir bezeichnen ihn hier durch einen
Akzent auf dem i: ai. Der Vokal ai findet sich:
1. vor den Konsonanten r, h und h, die vorhergehendes kurzes i in offenes e
(phonet. [ε]) verwandeln („Brechung", s. Anm. 1), z.B. airpa 'Erde',
wairpan 'werfen', bairhts* 'hell', widuwairna* 'Waise'; faihu 'Vermögen'
(ahd. fihu 'Vieh'), maihstus* 'Mist', raihts 'recht', taihun '10', praihun
Plur. Prät. zu preihan 'drängen'; salivan 'sehen';
2. in der Reduplikationssilbe (§ 178 ff.), z.B. haihait, af-aiaik, lailôt, salso
(s. A n m . 4);
3. wahrscheinlich in der Konjunktion aippau 'oder' (= ahd. ëddo Ahd.Gr.
§ 167 A . l l ) , s. Cercignani, JIES 12 (1984), 329ff. (mit reicher Lit.); vgl.
ferner J. E. Härd, Mnd. 'oder', 'oft' und Verwandtes, Stockholm 1967;
Lühr, M S S 34 (1976), 77ff.

A n m . 1. Vor h, h, r steht fast ausnahmslos ai statt i. Meist wird angenommen, jedes


germ, ë sei zunächst zu got. i verengt worden. Demgegenüber vertreten einige schon
lange die Ansicht, daß germ, ë in der Stellung vor h, h, r im Got. erhalten geblieben
und nur germ, i zu got. ai „gebrochen" worden sei. Vgl. Osthoff, PBB 13(1888), 417;
Kock, PBB 23 (1898), 511 ff.; Bremer, IF 26 (1910), 148ff.; Collitz, JEGP 6, 253 ff.;
Hirt, HU I, § 33; Paul, PBB 6 (1879), 82ff.; Bennett, Lg 28 (1952), 339ff. - Weitere
Lit.: ZDP 34,45ff; van Haeringen, Neophil 7 (1922), 181 ff; Sverdrup, NTS 1 (1928),
189ff; Ramat, StG 5 (1967), 365ff.
Nur in folgenden Wörtern steht vor h, r regelmäßig i: nih 'und nicht, neque', Airi
'her! komm her!', Dual hirjats, Plur. hirjip (§ 219). Außerdem findet sich einmal (Mt.
9,16) das Wort par'his (mit darüber nachgetragenem i); es wird vielfach, doch wenig
überzeugend, als Verschreibung von *niujis der Vorlage erklärt (vgl. Lk. 5,36; Mk.
2,21; vgl. TNTL 47, 5), doch läßt sich auch falsche Besserung eines verschriebenen
*pairhis annehmen. Jeder Fall erfordert eine gesonderte Erklärung. - Lit.: Paul, IF 4
(1895), 334f.; Litbl 1895, 217; Luft, ZDP 30 (1897), 426ff; Ehrismann, ZDP 31
(1899), 384; Kluge, ZDW 10 (1908), 64f.; Trautmann, BB 29, 309; van Wijk, IF 24
(1909), 36f.; Brugmann, IF 33 (1913), 173 f.; Loewe, PBB 41 (1916), 295ff; Streitberg
§ 50 (doch vgl. 3./4. Aufl. §49); Jacobsohn II 168ff„ 200ff; Holthausen, ZDP 48
(1920), 268 f.; van Haeringen, Neophil 7 (1922), 181 ff; Jellinek § 82; Heffner, JEGP
28 (1929), 343ff.; Güntert, Fs. Schrijnen (1929), 488ff; Krause § 61,5; Ebbinghaus,
GL 19 (1979), 30ff.; 21 (1981), 19; Cercignani, JIES 12 (1984), 315ff.

A n m . 2. Nicht j e d e s ai vor A, h, r ist ai, es kann auch der germ. Diphthong /ai/
vorliegen (hier als ei bezeichnet, vgl. § 21), z.B. Prät.Sg. páih (wie ur-rais), aber Plur.
ga-paihup (wie ur-risun § 30), áih 'ich habe', äihts* 'Eigentum', háihs* 'einäugig', dir
'früh' (ahd. er), sdir 'Schmerz' (ahd. ser), áirus* 'Bote'. Die Entscheidung, ob ài oder
ai vorliegt, können in den meisten Fällen nur die übrigen germ. (bzw. idg.) Sprachen
liefern.

A n m . 3. In got. Namen gibt die griech. und lat. Orthographie das ai durch ε, e
wieder, z.B. Έρμενάριχος, Ermanaricus = got. *Airmanareiks, Ermenberga - got.
*Airminbaírga. Vgl. Wrede, Ostg. 162.
A n m . 4. Der Lautwert [ε] für alle Reduplikationssilben kann als Analogie nach
lautgesetzlichen Formen wie haihait erklärt werden, aber auch auf proklitischer Stel-
lung beruhen. Vgl. H. Osthoff, Zur Geschichte des Perfects im Indogermanischen,

39
§20. Lautlehre - II. Die Vokale

Straßburg 1884, 276ff.; Brugmann 11,3, 24, 480ff.; Krause §61,4; Bennett, Lg 43
(1967), 661 ff.; dens., in: Coetsem/Kufner (1972), 112f.; Cercignani, KZ 93 (1979),
126fT.; Ebbinghaus, GL 31 (1991), 177ff.
A n m . 5. In den Wörtern baitrs* 'bitter', jains 'jener', waila 'wohl' ist mit Blick auf
ahd. bittar, jener, wëla das <ai> vielfach auf alten Kurzvokal zurückgeführt worden.
Tatsächlich liegt in baitrs* und jains alter Diphthong vor; für waila allerdings fehlt es
nach wie vor an einer plausiblen Erklärung. Vgl. Cercignani, JIES 12 (1984), 322ff.
(mit reicher Lit.).
A n m . 6. Nach Schulze, Kl. Sehr. 525f. wäre ai anzusetzen in haipnó Έλληνίς Mk.
7,26, in Umbildung von gr. τα έθνη; vgl. Feist 237f. (mit älterer Lit.); Lehmann 172f.
A n m . 7. Die tab statt a der Kompositionsfuge in Cod. A (§ 88a A.2) sind vielleicht
nur Schreibfehler. Anders Schütte, ZDA 70 (1933), 121 ff., der hier jüngere Sprach-
formen mit Umlaut annimmt.

§ 21. II. <ai> entspricht dem germ. Diphthong ai (< idg. oi, ai), der im Ahd. als ei
(ai) oder ê (Ahd.Gr. §§ 4 3 , 4 4 ) , im As. als ê, im Aisl. als ei vertreten ist. Im
folgenden bezeichnen wir dieses ai als ài, w o es mit ai (§ 20) verwechselt
werden kann. Der Lautwert, den dieser Digraph wiedergibt, ist bis in die
jüngste Zeit umstritten. Wir sehen darin einen Monophthong, und zwar
einen offenen, sehr wahrscheinlich langen e-Laut [ε:]; andere halten ài für
einen Diphthong [at],
A n m . 1. In der älteren Forschung herrschte fast ausnahmslos die Ansicht, es handle
sich um einen Diphthong, doch schon bei Gabelentz/Loebe 11,2, § 28 wird Mono-
phthong angenommen.
a) Für die Geltung als D i p h t h o n g werden hauptsächlich folgende Argumente
angeführt: 1. Die Tatsache, daß der entsprechende Laut in anderen germ. Sprachen
z.T. als Diphthong auftritt, was natürlich nichts beweist. - 2. Das Wort hailag (= ahd.
heilag) in der Runeninschrift des Ringes von Pietroassa (§ E17); doch bleibt es frag-
lich, ob diese Inschrift westgot. ist; ferner ist die Datierung äußerst unsicher, und falls
sie wirklich, wie von einigen angenommen, bis ins 3. Jh. hinaufzuverlegen (und tat-
sächlich westgot.) wäre, könnte sie nichts für die Sprache Wulfilas aussagen. - 3. Das
lat. Gedicht „de conviviis barbaris" (§ E19) enthält das Wort eils, das im Metrum
zweisilbig gelesen werden muß; doch kann das Gedicht auf ein vorwulfilanisches
Got. weisen (Ebbinghaus, GL 30 [1990], 75ÍT.). - 4. Die Wiedergabe got. Eigenna-
men mit germ. Diphthong ai bei lat. Schriftstellern durch <ai>, <ei>. Hierbei ist jedoch
zweierlei zu beachten: erstens sind solche Schreibungen traditionell und zählebig,
repräsentieren also gewöhnlich einen älteren Sprachzustand; zweitens setzen sich
vom Ende des 4. Jh.s an statt <ai>, <ei> die Schreibungen <e>, <i> durch (Gizericus bei
Jordanes). - 5. Die Substitution von westgot. ai durch a bei Entlehnungen ins Ok-
zitanische und Iberoromanische: während der Diphthong ai in den aufnehmenden
Sprachen nicht zur Verfügung stand und daher substituiert werden mußte, wäre (im
Falle monophthongischer Aussprache) die Rezeption durch roman. ( möglich ge-
wesen (Dietz, Sprachw 24 [1999], 453ff.). Die wenigen einschlägigen Lehnwörter
vermögen die direkt das Bibelgot. betreffende Evidenz der Umsetzung griech. Wörter
(s.u.) nicht zu erschüttern; sie werden sich mit der von Dietz (ebd. 152) als Ausweg
angedeuteten Annahme eines Dialektunterschieds innerhalb des Westgotischen er-
klären lassen. Vgl. § 25 A.l zur Rezeption von westgot. au.
b) Für die Geltung des ài als M o n o p h t h o n g spricht in erster Linie die Organisa-
tion von Wulfilas Alphabet und Orthographie; αι in seinem Musteralphabet gibt stets

40
ai §21.

einen offenen ¿-Laut wieder. Es muß berücksichtigt werden, daß Wulfila verschie-
dene Möglichkeiten zur Verfügung standen, einen qualitativen Unterschied zwischen
Vokalen wiederzugeben, wie er zwischen einem offenen [ε:] und einem Diphthong
besteht; vgl. Hirt, HU I, § 39; Marchand 63 f., 83. Außerdem wird das αι (phonet. [ε:])
griech. Wörter und Namen regelmäßig durch <ai> wiedergegeben (§ 23). Vgl. ferner die
Aussagen in § 24 ff. über monophthongisches <au>.

A n m . 2. Aus der äußerst umfangreichen Literatur über diese Frage seien angeführt:
a) für die Geltung als Diphthong: Kluge § 35a; Streitberg § 34,7; Jellinek § 40; Wrede/
Heyne § 21ff.;Krahe/Seebold §§ 7,15; Krause §§ 49,2,56,2; Sehrt, Fs. Frings (1956),
1 ff.; Lehmann, Reconstr. 23;
b) für die Geltung als Monophthong: Gabelentz/Loebe 11,2, § 28; W. Scherer, Zur
Geschichte der deutschen Sprache, 2. Aufl. Berlin 1890, 202; Hirt, Idg.Gr. I, § 108;
ders., HUI, §31,2; Mosse §25ff.; Bennett, Lg25 (1949), 15ff; Penzl, JEGP 49,
225ff.;Marchand 63f., 83; ders., PBB 81 (1959), 436ff; van der Lee, Fs. Hammerich
(1962), 125ff.; Bennett, Linguistics 32 (1967), 5ff.; Wienold, FL 3 (1969), 134ff.;
Beck, IF 78 (1973), 113ff.; R. J. E. d'Alquen, Gothic Aland AU, The Hague/Paris
1974.

Dieses got. ai geht in der überwiegenden Zahl aller Fälle auf idg. oi und ai
zurück, die in germ, ai zusammenfielen. Es begegnet an allen Stellen des
Wortes. Beispiele:
Für die Stammsilben: mit idg. oi: im Prät. Sing, der I. Ablautreihe (§ 30),
z.B. bait* (nur and-bait) 'ich biß' (zu beitan*), Staig* (nur at-, us-staig) 'ich
stieg' (zu steigan*) usw., wait 'ich weiß' (§ 197); in ains 'ein', hlaifs 'Brot',
staiga* 'Pfad', laisjan 'lehren'; - mit idg. ai (z.T. unsicher): haitan 'heißen',
maitan* 'schneiden', skaidan 'scheiden', aiws* 'Zeit'; hails 'Heil', dails* 'Teil'
(für die Stellung vor h, fv, r vgl. § 20 A.2).
In Flexionssilben erscheint in- und auslautend ai (verschiedener Her-
kunft) im Gen.Sg. der /-Deklination mahtais usw. (§ 102), im starken Adj.
gôdaizôs usw. (§ 123), im Opt. Präs. qipais usw., in der III. schw. Konjuga-
tion (§ 191) habais, habaida', - auslautend im Dat.Sg. der fem. ô- und i-
Stämme: gibai, mahtai; im DSgf., NPlm. des starken Adj. blindai-, in der
3.Sg. Opt. nimai; ferner in den einsilbigen Wörtern pai NPlm. 'diese', twai
'zwei', bai 'beide', jai 'ja', sai 'siehe!', wai 'wehe'.

A n m . 3. Uber das aus germ, ai (aus idg. Kurz- und Langdiphthongen) in Flexions-
silben entstandene got. αι wurde verschiedentlich gesondert gehandelt und seine Gel-
tung als Monophthong in vielen oder allen Fällen gefordert, ohne dabei durchweg
Monophthongierung auch in haupttonigen Silben anzunehmen. Vgl. W. Scherer,
Zur Geschichte der deutschen Sprache, 2. Aufl. Berlin 1890,200,529f.; Hirt, PBB 18
(1894), 284. Gesondert behandelt von Jones, Gothic αϊ in Inflectional Syllables, Lg 32
(1956), 633 ff.; Marchand 95.

A n m . 4. Über ostgot. Monophthongierung: Wrede, Ostg. 165; ZDP 31 (1899), 94f.

A n m . 5. ai und aj wechseln in wai 'wehe', wai-dêdja 'Übeltäter' und wajamêrjan


'lästern'; aiws* 'Zeit' und ajukdûps* 'Ewigkeit'; bai und bajöps 'beide' (§ 140 A.l); vgl.
Bennett, Linguistics 32 (1967), 5ff.

41
§22. Lautlehre - II. Die Vokale

§ 22. III. Eines besonderen Kommentars bedarf das vor Vokal stehende <ai> der
redupl.-ablautenden Verben (§ 182) saian 'säen' und waian* 'wehen' (ähn-
lich <au>, § 26). Bei altem Diphthong wäre vor Vokal ein Übergang zu aj
zu erwarten; jedoch entspricht diesem <ai> ein etymologisches ë in got.
manasêps 'Menschheit', ebenso im Ahd. â (nicht ei): säen, wâen (Ahd.Gr.
§ 359 A.3). M a n m u ß also von Formen mit germ. ël ausgehen.
Die beste Erklärung ist die von Braune bis zur 9. Aufl. dieses Buches
vorgetragene (s. A n m . 3): das geschlossene [e:] von *sëan, *wêan ist vor
Vokal zu offenem [ε:] geworden, das durch <ai> wiedergegeben ist (vgl. § 23);
so auch N T S 4 (1930), 469; Ebbinghaus, G L 19 (1979), 32.

A n m . 1. Vor dem i der Endung (3.Sg. Präs. saiïp, § 1 A.6) stehen im Cod. arg. und in
A Formen mit j (vgl. § 44 A.3): saijip Mk. 4,14; saijip 2.Kor. 9,6 A (= saiïp B); Gal.
6,7.8 A (= saiïp Β). Dagegen steht vor a nur einmal j in saijands Mk. 4,14. Vgl. hierzu
Bremer, PBB 11 (1886), 75f.; Grienberger 178; Kluge, Fs. Viëtor (1910), 106ff.;
Jacobsohn I.

A n m . 2. Entsprechend sind zu beurteilen das nur einmal im Präs. belegte faian*


'tadeln' (faianda Rom. 9,19) sowie *laian 'schmähen', falls zu dem Prät. lailôun (Jh.
9,28) das Präs. wirklich so und nicht als *lauan (Bremer, PBB 11 [1886], 56) oder
*lôjan anzusetzen ist; vgl. Feist 319; Grienberger 146; Streitberg § 71; Seebold 188,
324. Auch das <ai> in armaiô (BB 7, 210; Bremer, PBB 11 [1886], 74) gehört in diese
Gruppe.

A n m . 3. Helm war ab der 10. Aufl. dieses Buches von./-Bildungen germ. *sëjan,
*wëjan ausgegangen, wobei germ, ëj vor Vokal durch Verschiebung der Silbengrenze
zum Diphthong ai verkürzt worden sei (anders Jellinek § 85: è vor Vokal diphthon-
giert). Die Annahme ist abzulehnen, weil sie der sonst zu beobachtenden got. Regel
über die Behandlung von Diphthongen vor Vokal widerspricht. Auch Jacobsohns
Beobachtungen über den Gebrauch des j in Schreibungen wie saijip, saijands
(s. Anm. 1) weisen nicht auf diphthongische Geltung, da das y nach Palatalvokal als
sekundärer Gleitlaut aufgefaßt werden kann: [se:(j)an], [we:(j)an]. Um altes j kann es
sich nicht handeln: bei den Verba pura ist intervokalisches j gemeingerm. geschwun-
den (G. I>órhallsdóttir, The Development of Intervocalic *j in Proto-Germanic, Diss.
Cornell Univ. 1993).

A n m . 4. Vgl. über die lautliche Geltung der hier in Rede stehenden <αι> besonders
Bremer, PBB 11 (1886), 51 ff.; Brugmann I, 284; Wrede, Wand. 99, der in diesem <ai>
mit Holtzmann das kurze αϊ erblicken wollte; Noreen, Ltl. 35 f.; van Helten, PBB 21
(1896), 467ff.; ders., IF 14 (1903), 62ff.; Gaebeler 52f.; für diphthongisches ai Jacob-
sohn I; Streitberg § 71; Wrede/Heyne § 22a; Krause § 58.

§ 23. D a ß der got. Digraph <ai>, wie es die in § 22 angeführte Erklärung verlangt,
sowohl kurzes als auch langes e (phonet. [ε] bzw. [ε:]) bezeichnen kann, geht
aus seiner Vertretung griech. Laute hervor. Es steht regelrecht <ai> = gr. ε:
aikklesjô εκκλησία, Aileisabaip 'Ελισάβετ (-θ), Baiailzaibul Β ε ε λ ζ ε β ο ύ λ ,
Gainnesaraip Γεννησαρέτ; ebenso = gr. αι (phonet. [ε:]): Idumaia Ί δ ο υ μ α ί α ,
Haibraius Ε β ρ α ί ο ς , hairaiseis αιρέσεις usw. Selten entspricht got. <ai> auch
dem griech. η, z.B. Hairodiadins Gen. zu Ή ρ ω δ ί α ς Mk. 6,17, Neikaudaimau
Skeir. 8,3 Ν ( ε ) ι κ ό δ η μ ο ς (gegenüber Nikaudemus Jh. 7,50), und vor Vokal

42
au §24.

Aieirins Ή ι ρ ά N e h . 6,18 (neben Eeiramis N e h . 7,35), Osaiin 'Ωσηέ R o m .


9,25. Vgl. Luft 304; Gaebeler 21, 37.

au

Der Digraph <au> steht im Got. für einen offenen o-Laut [o] bzw. [o:]; vgl. § 24.
Marchand 76. Historisch gesehen setzt er mehrere etymologisch verschie-
dene Laute des Idg. und Germ. fort.
I. <au> bezeichnet im Got. einen offenen o-Laut, der sich unter bestimmten
Bedingungen (s.u.) aus germ, kurzem u entwickelt hat und zweifellos kurz
ist. Wir bezeichnen das <au> in diesen Fällen mit einem Akzent auf dem u: αύ
(zur Unterscheidung von dem du aus § 25). D i e Entsprechung dieses Lautes
im Ahd. ist o oder u (Ahd.Gr. § 32).
D a s au steht in got. Wörtern vor r und h (tv) und ist hervorgegangen aus
kurzem u, welches vor diesen Lauten zu [o] „gebrochen" wird; z.B. waúrms
'Schlange', haúrn* 'Horn', baúrgs (ahd. bürg) 'Stadt', undaúrni-mats* 'Mit-
tagessen' (as. undorrì), waurd 'Wort', (us-)waúrpum Plur. Prät. zu wairpan
'werfen' (vgl. § 32), saúhteis* Pl. 'Krankheiten' (ahd. suht), daühtar 'Toch-
ter', GP1. aùhsnê Ochsen', taúhun Plur. Prät. zu tiuhan 'führen' (§31),
baühta Prät. zu bugjan* 'kaufen'.

A n m . 1. Vor anderen Lauten als r und h (für b fehlen Belege) ist das Brechungs-
produkt au nicht nachzuweisen. Die Verben bi-sauljan* 'beflecken', bi-saulnan* 'sich
beflecken' und uf-bauljan* 'aufblasen' führen sicher auf Diphthong (Feist 94f., 511
mit Lit.). Vor diesem Hintergrund ist auch für auftô 'etwa, vielleicht' schwerlich αύ
(Feist 63 mit Lit.), sondern alter, mit dem u in uftô Mt. 27,64 ablautender Diphthong
anzusetzen (Cercignani, JIES 12 [1984], 336f.).

A n m . 2. a) Kurzes «ist vor h immer zu αύ geworden, außer in dem enklitischen-(u)h


'und'. Während dieses nach kurzem betonten und nach langem Vokal oder Di-
phthong als -h auftritt: sa-h, ni-h, nu-h, pái-h, wiljáu-h, h/arjanô-h, hô-h (aber hôuh
2.Κ.ΟΓ. 6,15.16, s. § 164 A.4), erscheint es nach Konsonanten als -uh, wobei bei
mehrsilbigen Wörtern ein auslautendes kurzes a abgeworfen wird: z.B. haz-uh
(§ 164), pammuh (= *pamma uh, § 154), iddjuh Jh. 18,3; Lk. 7,6 (= *iddja uh), qipuh Mt.
6,29; Lk. 9,27 (= *qipa uh). Hier könnte die Brechung in unbetonter Silbe unterblie-
ben sein; wahrscheinlich ist aber -(u)h die direkte Fortsetzung von idg. *-k*e. Vgl.
Persson, IF 2 (1893), 212ff.; Grdr. I, 501; Bethge 24f„ 27; van Helten, IF 14 (1903),
83 f.; Wrede/Heyne § 18 A.2; Streitberg §§ 52 Α., 168; Feist 514 (mit Lit.); Lindeman,
NTS 21 (1967), 144 f t ; Klein/Condon, TPS 91 (1993), 1 ff.; Mottausch, NOWELE 38
(2001), 37ff.- Nur zusammengerückt ist duhê 'warum?'. - Die sonstigen u, die vor h
stehen, sind sämtlich lang, z.H.pûhta (vgl. § 15).
b) Vor r steht u einige Male in unbetonten Silben (§ 13 A.l), nämlich in got. *fldur-
'vier' (§ 141 A.l) sowie in den Fremdwörtern spaikulatur Mk. 6,27 (oder -ûr, s. § 15
A.2) und paúrpura* 'Purpur' (paurpurai Mk. 15,17.20, paurpaurai Lk. 16,19). Vgl.
Paul, IF 4 (1895), 334; Luft, ZDP 30 (1898), 426; 31 (1899), 97; Gaebeler 25f., 57 f.;
Streitberg § 52,b. - Nicht hierher gehört das Präfix ur- (in ur-reisan, ur-runs usw.), das
erst zu einer Zeit, als die Brechung nicht mehr wirksam war, aus *uz- assimiliert ist
(§ 78 A.4).

43
§ 24. Lautlehre - II. Die Vokale

A n m . 3. Nicht j e d e s au vor h und r ist aus u hervorgegangen, es kann auch der


germ. Diphthong /au/ zugrunde liegen; in solchen Fällen, wo Verwechslung mit aú
nahe liegt, bezeichnen wir den Laut durch einen Akzent auf dem a: âu (vgl. § 25). âu
liegt z.B. vor in häuhs* 'hoch', täuh* (nur at-, bi-, ga-, us-táuh) Prät. zu tiuhan (aber
Plur. taühun § 31), gäurs 'betrübt' (dazu ahd. gôrag und wohl auch got. gaunôn 'kla-
gen'; vgl. Grienberger 96; Uhlenbeck, PBB 30 [1905], 282; Feist 208; Heidermanns,
EWGP 235). Auch in nauh 'noch' kann alter Diphthong vorliegen, s. Brugmann,
IF 33 (1913), 175; Cercignani, JIES 12 (1984), 335f.

A n m . 4. Über das au, das in den Endungen der u-Deklination für u eintritt, vgl. § 105
A.2.

A n m . 5. Das griech. o wird regelrecht durch <au> wiedergegeben, z.B. apaustaulus


απόστολος, alabalstraun άλάβαστρον, Barpaulaumaius* Βαρθολομαίος, Pauntius*
Πόντιος. In aurkeis* (oder aürkjus*, nur Gen.Pl. aúrkjé Mk. 7,4.8) 'Krug' (aus lat.
urceus) liegt dem aii das offene lat. u (vgl. Hermes 6,281 ff.) zugrunde, doch vgl. auch
Holthausen, IF 32, 337 (zu lat. orca). Ebenso geht das aü in Saur Σύρος (lat. Surus)
nebst Ableitungen und in paurpaura* πορφύρα nicht auf gr. υ, sondern auf lat. u
zurück. Vgl. Luft 296, 303; Schulze, Kl. Sehr. 529f.; Bethge 27 A.l; Grdr. I, 514. -
Got. aú ist in lat. und griech. Schriftstellern durch o, später auch durch u (ου) wieder-
gegeben, vgl. Thorismodus (5. Jh.), Thorismuth, Thorismudus, Θουρισμούθ (6. Jh.,
got. etwa *paüris-)\ in ostgot. Namen entspricht lat. o, Thorisa (Wrede, Ostg. 76,165).

§ 25. II. <au> entspricht, außer vor h und r (doch z.T. auch vor diesen: § 24 A.3)
dem germ. Diphthong au, der im Ahd. als au, ou oder ô (Ahd.Gr. §§ 4 5 , 4 6 ) ,
im As. als ô, im Aisl. als au vorliegt. Wo eine Unterscheidung von aú nötig
ist, wird dieser Laut im folgenden durch âu bezeichnet.
Wir nehmen an, daß germ, au in der Sprache Wulfilas zu einem offenen,
sehr wahrscheinlich langen o-Laut [o:] monophthongiert war, der durch den
Digraph <au> bezeichnet wurde. Diese Ansicht ist nicht unbestritten, und bis
in die jüngste Zeit halten einige an der Annahme fest, das v o m germ, au
hergeleitete wulfilanische <au> repräsentiere einen Diphthong [au],
A n m . 1. Die ältere Forschung war fast ausnahmslos der Ansicht, got. âu repräsen-
tiere einen Diphthong, doch ist Widerspruch gegen diese Ansicht schon bei Gabe-
lentz/Loebe 11,2, § 29 zu finden. Die Frage ist hier fast gleich gelagert wie bei ài (§ 21).
a) Für die Geltung als D i p h t h o n g wird hauptsächlich geltend gemacht: 1. Die
Tatsache, daß in den übrigen germ. Sprachen an der etymologisch entsprechenden
Stelle meist Diphthong steht, was ohne Beweiskraft ist. - 2. Die Wiedergabe got.
Namen mit germ, au durch <au> bei lat. Schriftstellern. Die ακ-Schreibungen gelten
jedoch nur für die ältere Zeit, während sich um 400 Schreibungen mit <o> durchsetzen
(um 300 Austrogoti, um 400 Ostrogotih)í); hierbei ist zu berücksichtigen, daß Schrei-
bertradition zählebig ist und die Schreibungen Lautwandel einer fremden Sprache
nur mit Verzögerung widerspiegeln. - 3. Die Vertretung von westgot. au durch den
Diphthong au bei Entlehnungen ins Altprovenzalische, obwohl (im Falle mono-
phthongischer Aussprache) eine Rezeption durch roman, ç möglich gewesen wäre
(Dietz, Sprachw 24 [1999], 127 ff.). Hierfür gilt dasselbe wie für die Behandlung von
westgot. ai (§ 21 A.l): wir haben mit Dialektunterschieden innerhalb des Westgot. zu
rechnen.
b) Als sicherstes Argument für die Aussprache des au als Μ o η o p h t h o η g [o:] und
nicht als Diphthong ist die Tatsache zu betrachten, daß gr. αυ (mit konsonantischem
υ) im Bibelgot. durch <aw> und nicht durch <au> repräsentiert wird: Pawlus Παύλος.

44
au §26.

Auch die späte Urkunde von Neapel hat kawtsjôn für lat. au, was allerdings für die
Sprache Wulfilas nichts beweisen kann.
A n m . 2. Aus der umfangreichen Literatur über diese Frage seien angefühlt:
a) für die Erhaltung des Diphthongs: Kluge § 36a; Streitberg §§ 34,8,74; Jellinek § 41 ;
Wrede/Heyne § 25ff.; Sehrt, Fs. Frings (1956), 1 ff.; Krahe/Seebold §§ 7, 15; Krause
§§49,2, 56,4;
b) für Monophthong: Gabelentz/Loebe 11,2, § 29; Marchand 76; ferner die § 21 A.2
angeführte Literatur.
c) Über Monophthongierung des äu bei den Ostgoten s. Wrede, Ostg. 165 f.; Jellinek,
ZDA 36 (1893), 273 A.2.

Dieses got. au geht in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle auf idg. ou
und au zurück, die in germ, au zusammengefallen sind. Es begegnet in allen
Stellungen. Beispiele:
Für die Stammsilben: mit idg. ou: im Prät. Sing, der II. Ablautreihe
(§31), z.B. -baup (nur ana-,faur-baup) 'ich bot' (zu -biudan* 'bieten'),plauh*
(nur ga-, unpa-plauh) 'ich floh' (zu pliuhan 'fliehen'); in laugnjan* 'leugnen',
daupjan 'taufen', galaubjan 'glauben', galaubeins 'Glaube', raups* 'rot',
daupus 'Tod'; - mit idg. au: aukan* 'vermehren', ausò Ohr'; -hlaupan* 'lau-
fen', stautan* 'stoßen'; haubip 'Haupt', augô 'Auge'.
In Flexionsendungen und auslautend erscheint au in der «-Deklination
Gen.Sg. sunaus (idg. ou), Dat.Sg. sunau (idg. eu) und in ahtau 'acht' (idg. öu).
Die Herkunft des -au ist strittig bei den Verbalformen l.Sg. Opt. Präs.
nimau, Prät. (and-)nêmjau, 3.Pers. Ipv. at-steigadau, lausjadau, liugandau,
Opt. haitaidau (s. Anm. 6).

A n m . 3. Das u in au wechselt vor Vokal mit w (vgl. §42), z.B. taujan Prät. tawida
'tun', mawi G. maujôs 'Mädchen', sniwan* Prät. snau(-h) 'eilen'; vgl. Bennett, Lin-
guistics 32 (1967), 5 ff.
A n m . 4. In der u-Deklination steht für äu öfter u (§§ 24 A.4, 105 A.2).
A n m . 5. Zweisilbig ist wohl das <au> zu lesen, das durch Anfügung der enklitischen
Fragepartikel -u (§ 216 A.l) entsteht, z.B. ja-u 'ob' (§ 216), ga-u-laubjats; desgleichen
in Fremdnamen wie G. Naumis Ναούμ, Kafarnaum Καφαρναούμ (Bethge 23).
A η m. 6 [früher § 26a], Die ältere Forschung hat das -au im Opt. und Ipv. auf langes
*-δ zurückgeführt, indem sie die Imperative mit lat. Formen wie legitö zusammen-
stellte und den Ursprung des optativischen -au in alten Konjunktivformen auf idg.
*-äm (germ. *-öm > *-ö > got. -au) suchte; vgl. Brugmann, IF 39 (1921), 51 ff.; Streit-
berg, UG§ 222 f. (mit Lit.). Vermutlich beruht die l.Sg. Opt. auf germ. *-aiu(rt) <idg.
*-οί-ψ, der Ausgang dau kann eine Partikel -u enthalten. - Ältere Lit. bei Jellinek
§ 183; dazu ferner Jones, Lg 34 (1958), 33ff.; Krause §§ 216, 217,4; Markey, StL 26
(1972), 42ff.; Marchand 95; Bammesberger, GL 21 (1981), 79ff.; Suzuki, IF 89
(1984), 169ff.; Benediktsson, NOWELE 1 (1983), 31 ff.; ders., Fs. Lehiste (1987),
307 fT.

III. Ähnlich dem <ai> in § 22 ist das <au> vor Vokal in den folgenden zwei § 26.
Wortgruppen zu beurteilen, w o in etymologisch zugehörenden Wörtern und
Formen 6 bzw. û auftritt.

45
§26. Lautlehre - II. Die Vokale

a) Neben got. und germ, ô: (ga-)stauida Prät. zu stôjan 'richten', staua* f.


'Gericht', staua m. 'Richter'; taujan (Prät. tawidä) 'tun', taui n. 'Tat'
neben Dat. tôja,fulla-tôjis 'vollkommen', ubil-tôjis 'übeltäterisch' (wohl
mit germ. *öw, s. Feist 475); af-mauidai Part. Prät. 'erschöpft' zu *af-
môjan, af-dauidai 'geplagt' zu *af-dôjan; sauil 'Sonne' (germ. *s5wil(a)-,
s. Feist 412; Haröarson, Prät. 38 f.).
b) Neben û der übrigen germ. Sprachen: trauan (ahd. trûên) 'trauen', bauan
(ahd. bûan) 'wohnen', bnauan* (ahd. nüan, aisl. \g]núa) 'zerreiben'. Vgl.
auch § 179 A.2.
Auch hier ist die beste Erklärung diejenige, die von Braune bis zur 9. Aufl.
dieses Buches vertreten wurde (s. Anm. 4): da hier <aw> nicht in aw übergeht
(s. § 25 A.l) und da in verwandten Formen Monophthong auftritt, ist auch
dieses <au> als Monophthong zu betrachten, und zwar als die Länge zu au,
d.h. als offener langer o-Laut [o:] - im Gegensatz zu dem geschlossenen,
nach û hin liegenden Laut, der im Got. durch <o> bezeichnet wird. Demnach
ist folgende Regel aufzustellen: im Got. sind sowohl ô als auch û vor Vokal in
<au> (= [o:]) übergegangen. Fälle wie sauil erklären sich durch die Annahme,
daß noch vorher zwischen germ, δ und Vokal ein w geschwunden ist (*söwil
> *sö'il > [so:il]), s. § 42 A.3; vgl. Möller, ADA 20 (1894), 117 f.
A n m . 1. Braunes Erklärung erhält dadurch mehr Gewicht, daß auch gr. ω, das sonst
regelrecht durch <o> wiedergegeben wird, vor Vokalen als <au> erscheint: Nauel Νωέ
(Gaebeler 10). Die Lesungen aus Neh., die dasselbe für ου zeigen sollen (Banauis
Βανουί, Bagauis Βαγουέ Neh. 7,15.19), sind zu unsicher für eine solche Schlußfolge-
rung. Vgl. dazu Luft 305f., 310; Bethge 26 A.l, 34f.; van Helten, IF 14 (1903), 62f.;
Gaebeler 53 f.

A n m . 2. ô vor dem Vokal u findet sich jedoch in den Präteritalformen waiwôun (zu
waian*, § 182) und lailôun (zu *Iaian oder *lauan, §§ 22 A.2, 179,4) sowie in fvóuh
2.Kor. 6,15.16 (§§ 24 A.2, 164 A.4). In diesen Fällen ist ô analogisch erhalten geblie-
ben; vgl. Bremer, PBB 11 (1886), 74 A.2; Haröarson, Prät. 36.
A n m . 3. Nach au steht in den Handschriften <i>, dazwischen liegt also eine Silben-
grenze (sauïl, bauïp § 1 A.6).
A n m . 4. Helm war ab der 10. Aufl. dieses Buches von Formen mit Langvokal + w
ausgegangen, woraus durch Verschiebung der Silbengrenze und Verkürzung der
Diphthong au entstanden sei (auch hier Jellinek § 86 f. und Krause § 59 z.T. anders:
ô und « vor Vokal diphthongiert). Die Annahme ist aus zwei Gründen abzulehnen:
1. das im Ahd. und Aisl. auftretende û müßte als Tiefstufe neben der dem Got.
zugrunde liegenden Hochstufe öw betrachtet werden, obwohl Ablautvarianten sonst
selten nach Sprachen verteilt sind; 2. auch hier bleibt der dann zu erwartende Wandel
des au zu aw vor Vokal aus. - Die frühere über diese Frage erwachsene Literatur
findet sich bei Noreen, Ltl. 34; vgl. noch Wrede/Heyne § 26a; van Helten, PBB 21
(1896), 467; dens., IF 14 (1903), 62ff.; Brugmann I, 332f.; Gaebeler 52f.; Idg. Jb 4,
178; Streitberg § 75; Krause § 59; Haröarson, Prät. 24-36.

46
Anhang: 1 r m η §27.

Anhang: 1 r m η

In einer Anzahl got. Formen erscheinen /, r, m, η postkonsonantisch im


Auslaut (stikl, akr, [smakka-]bagm, fraihri) oder postkonsonantisch vor -s
(stikls, akrs, maipms, taikns)\ hier ist durchweg ein alter Suffixvokal aus-
gefallen (z.B. akrs < germ. *akraz). Die belegten Formen sind zusammen-
gestellt bei Schulze, Kl. Sehr. 551 f.
1. Nach der von Braune in der 1. Aufl. dieses Buches vertretenen und seit-
dem weitgehend angenommenen Meinung sind /, r, m, η in diesen Fällen
sonantisch und silbebildend (also got. akrs, usw.). Braunes Ansicht grün-
det sich vor allem auf die Verhältnisse in den westgerm. Sprachen, wo wie
z.T. auch im Nordgerm, sich ein neuer Vokal zwischen dem Konsonan-
ten und /, r, m, η entwickelt (z.B. ae. sticel, ahd. akkar, as. mêôom, ahd.
zeihhari).
A n m . 1. Vgl. Ahd.Gr. § 65; Ae.Gr. § 152; Brugmann 1,251 f., 385,928; Sievers, PBB
52 (1928), 148; ferner R. Liehl, Mittelvokale und Mittelvokallosigkeit vor m, η, 1 und
r in den ältesten altsächsischen und althochdeutschen Sprachdenkmälern, Diss. Frei-
burg/Br. 1913. - Diese einzelsprachlich entstandenen silbischen Sonanten sind zu
unterscheiden von den idg. Lauten /, r, rp, i}, denen im Germ, ein u-Vokal vorge-
schlagen wurde (§ 14,b).

2. Abweichend stuft Krause (§§91,1,94,2) in diesen Stellungen nur r, nicht


aber /, m, η als silbebildend ein. Er gründet seine Ansicht einerseits auf die
Verhältnisse im Nordgerm. (Krause, KZ 55 [1928], 312f.), andererseits
auf das Verhalten von germ. *-z nach r im Got. (§ 78 A.2).
A n m . 2. Für unsilbischen Charakter des auslautenden / könnte die Schreibung
<pwalh> Skeir. 2,2 'Bad' (für pwahl*, vgl. Dat. pwahla Eph. 5,26) sprechen; wenn hier
sprachwirkliche Metathese vorhegt, weist diese nach Schulze, Kl. Sehr. 553 auf ein-
silbige Aussprache.

3. Braunes Ansicht, bereits angezweifelt von Kluge, Grdr. I, 511, wurde


abgelehnt von Schulze, Kl. Sehr. 551 ff., und Ebbinghaus, JEGP 69
(1970), 580ff.: es gibt keine hinreichenden Gründe für die Annahme
silbebildender Qualität dieser Laute im Got. Vgl. noch Sagen, Gs. Sagen
(1979), 11 ff.

47
KAPITEL I I I .

Übersicht über den gotischen Vokalismus

A. Phonologisches System

§ 28. Die got. Vokale sind im Vorhergehenden nach den Graphemen vorgeführt
worden. Jetzt ordnen wir sie nach der Systematik der P h o n e m e . Dabei
legen wir die Opposition offen : geschlossen zugrunde, die offenbar bei der
Einrichtung von Wulfilas Alphabet und Orthographie maßgeblich gewesen
ist. Geschlossene Vokale sind stets lang, offene Vokale können kurz oder
lang sein (s. Anm. 1). Bei dieser Sicht ergibt sich folgendes Schema (zu den
Konsonanten s. § 78a):
Offene Vokale Geschlossene Vokale
11/ =<i> (§9 f.) Ii:/ = <ei> (§ 16f.)
/ε/ /ε:/ = <ai> (§20ff.) le:/ =<e> (§6ff.)
/a//a:/ = <a> (§3 ff.)
hl h:l =<au> (§24ff.) lo:l =<o> (§11 ff.)
ΙυΙ = <«> (§13 f.) /u:/ =<κ> (§15)

Diphthonge
/iu/ =<iu> (§18 f.)
Zur Illustration folgen ausgewählte (Quasi-)Minimalpaare:
/I/ - Ii:l wis 'Meeresstille' Mt. 8,26 - weis 'wir' Mt. 6,12 u.ö.
Ii:l-Ie:l wein 'Wein' Mt. 9,17 u.ö. - wen Akk. 'Hoffnung' Rom. 15,4
u.ö.
/e:/ - /ε:/ pê 'dadurch' Skeir. 4,4 - pai 'die' Mt. 5,46 u.ö.
/ε/ - /ε:/ ga-taíhun 'sie verkündeten' Mt. 8,33 u.ö. - ga-täih 'er verkün-
dete' Lk. 14,21 u.ö. (§ 20 A.2)
/ a / - / a : / pahands 'schweigend' Lk. 1,20 - pâhôns 'des Lehms' Rom.
9,21
hl - h:l ga-taúhun 'sie führten' Mt. 27,2 u.ö. - ga-täuh 'er führte' Lk.
4,9 (§ 24 A.3)
h:/ - /o:/ tauja 'ich tue' Jh. 8,28 u.ö. - tôja 'Werke' Jh. 8,41 (§ 26,a)
/o:/ - /u:/ brôpar 'Bruder' Mt. 5,23 u.ö. - brûp Akk. 'junge Frau' Mt.
10,35
l\J/ - /u:/ runa 'dem Lauf Lk. 8,43, Mk. 5,25 - runa 'Geheimnis' Eph.
3,3 u.ö.
A n m . 1. Zur Annahme einer systematischen Quantitätsopposition in Wulfilas Spra-
che vgl. § 2a und die dort angeführte Lit.

48
Β. Historisches System (Ablautreihen) §29.

A η m. 2. Zur Phonologie des Got. allgemein s. M. Joos, Statistical Studies in Gothic


Phonology, Diss. Univ. of Wisconsin 1940; Moulton, Lg24 (1948), 76ff.; Penzl,
JEGP 49 (1950), 217ff.; Bennett, Fs. Starck (1964), 19fF.; Stutterheim, Lingua 21
(1968), 443 ff.; Marchand, Got. 112ff.; P. Beade, Gothic Phonology, A Generative
Approach, Diss. Cornell Univ., Ann Arbor 1971; Marchand (passim); R. J. Schmie-
rer, Theoretical Implications of Gothic and Old English Phonology, Diss. Univ. of
Massachusetts 1977. - Zum got. Vokalsystem s. Vennemann, Lg 47 (1971), 90ff.;
Marchand 95; Wurzel, AL 25 (1975), 263ff.; Cercignani, Fs. Klingenberg (1986),
121 ff. - Zur Monophthongierung von germ, /ai/ und /au/ s. § 21ff.bzw. § 25ff.

B. Historisches System (Ablautreihen)


Vom historisch-etymologischen Standpunkt aus lassen sich die got. Vokale § 29.
wie die der anderen germ. Sprachen in einige Reihen zusammenfassen. Die
Vokale einer solchen Reihe wechseln in den zu derselben Wurzel gehörenden
nominalen und verbalen Bildungen untereinander, nicht aber mit reihen-
fremden Vokalen. Ihre Verwandtschaft ist keine phonetische, sondern eine
historische. Es liegt kein durch einzelsprachliche Bedingungen verursachter
Lautwandel vor, wie z.B. bei der got. „Brechung" (§§ 20,24) oder bei dem im
Got. fehlenden west- und nordgerm. Umlaut, sondern ein Lautwechsel, der
bereits dem Indogerm. angehört. Seine Erklärung ist also zunächst Sache
der vergleichenden indogerm. Grammatik. Dieses Phänomen nennen wir
nach J. Grimms Vorgang (Gramm. [1. Aufl.] I, 543) A b l a u t , die Reihen
selbst A b l a u t r e i h e n . Der Ablaut begegnet sowohl in den Wurzel- oder
Stammsilben der Wörter als auch in Bildungselementen, Suffixen und En-
dungen.
Unter den verschiedenen Erscheinungen des Ablauts haben wir zwei Ar-
ten zu unterscheiden: quantitativen Ablaut oder A b s t u f u η g (z.B. lat. tego
- tëgula) und qualitativen Ablaut oder A b t ö n u n g (z.B. lat. tego - toga).
Bei der A b s t u f u n g unterscheiden wir: 1. Die Vollstufe (V), auch als
Hochstufe bezeichnet, mit kurzem oder ursprünglich langem Vokal unter
idg. Starkton. 2. Die gedehnte Vollstufe, kurz Dehnstufe (D) genannt, mit
dem Vokal der Vollstufe als Länge; sie begegnet nur bei kurzvokalischer
Vollstufe. 3. Die Schwundstufe (S), auch Nullstufe oder Tiefstufe genannt,
bei Schwund des Vokals durch Tonlosigkeit.
Bei der A b t ö n u n g sind zu unterscheiden: 1. Die Abtönungsstufe (A),
auch o-Stufe genannt, d.h. der abgetönte Vollstufen vokal. 2. Die gedehnte
Abtönungsstufe (DA), d.h. der Vokal der Abtönungsstufe als Länge.
A n m . 1. Zur Bezeichnung der einzelnen idg. Ablautreihen benutzt man den Vokal
von Voll- und Abtönungsstufe, z.B. e/o-Reihe.
A n m . la. Der bis zur 19. Aufl. dieses Buches beibehaltene Ansatz einer Reduk-
tionsstufe ist jetzt aufgegeben. Es handelt sich nicht um einen zweiten phonetischen
Schwächungsgrad, sondern um analogische Einführung von Vollstufenvokalen (vgl.
§ 10,3).

49
§ 29. Lautlehre - III. Übersicht über den gotischen Vokalismus

A n m . 2. Die Schwundstufe wird auf Reduktion in unbetonter Silbe zurückgeführt.


Zur Erklärung der Dehnstufe und der Abtönung bestehen mehrere, oft in scharfem
Gegensatz zueinander stehende Theorien. Eine klare und kritische Übersicht über die
gesamte Frage gibt Szemerényi 111 ff. - Weitere Lit.: Hirt, Idg.Gr. II (1921); H. Krä-
he, Germanische Sprachwissenschaft I, Berlin 71969, §§ 50-57; Prokosch §§ 44-47;
W. P. Lehmann, Proto-Indo-European Phonology, Austin 1952; Leumann, IF 61
(1952), 1 ff.; J. Kurylowicz, L'apophonie en indo-européen, Wroclaw 1956; ders.,
Indogermanische Grammatik II: Akzent, Ablaut, Heidelberg 1968; R. D. Fulk, The
Origins of Indo-European Quantitative Ablaut, Innsbruck 1986.

Als Beispiel für das Auftreten der Ablauterscheinungen diene die in den
verschiedenen idg. Sprachen gut belegte Wurzel des Wortes für 'Fuß'. Sie
gehört der idg. e/o-Reihe an, die auch den germ.-got. ablautenden Verben
der Klassen I-V zugrundeliegt.
idg.: einzelsprachlich:
V ped- lat. Gen.Sg./>e<Äi
A pod- gr. Akk.Sg. πόδα
D pëd- lat. Nom.Sg. pës (< *pëd-s)
DA pöd- got. Nom.Sg.fôtus
S pd- avest. Akk.Sg. fra-bdsm 'Vorderfuß' (< *-pd-)

Für die germ. Sprachen, so auch für das Got., ist der Ablaut von besonderer
Wichtigkeit. Er ist hier in besonderer Weise systematisiert worden und bil-
det u.a. die Grundlage für die Tempusbildung der danach benannten ablau-
tenden und reduplizierend-ablautenden Verben. Die folgende Aufzählung
von Beispielen für den Ablaut im Got. schließt sich deshalb an die Klassen
dieser Verben an.
Man unterscheidet sechs Klassen ablautender und eine Klasse redupli-
zierend-ablautender Verben. Die Klassen I-V der ablautenden Verben be-
ruhen auf der idg. e/o-Reihe. Ihre Verschiedenheit ist durch die verschiede-
nen, dem ablautenden Vokal folgenden Konsonanten bedingt. Der Klasse
VI liegen verschiedene idg. Ablautmuster zugrunde (§ 35 A. 1). Die redu-
plizierend-ablautenden Verben der Klasse VII zeigen einen germ.-got. Ab-
laut ë : ô. Vom germ.-got. Standpunkt sind daher sieben Ablautreihen zu
unterscheiden.
A n m . 3. Über die Verteilung der einzelnen Ablautstufen auf die Verbalformen s.
§171 ff.
A η m. 4. Es ist zu beachten, daß nicht jeder Ablaut in den idg. Einzelsprachen auf das
Idg. zurückgeht. Besonders im Germ., und hier besonders in der Stammbildung der
ablautenden Verben, ist vieles auf Analogie begründet; s. Brugmann, IF 32 (1913),
179ff.; Streitberg, UG §95ff.; Hirt, Idg.Gr. II, §200ff. et passim; dens., H U H ,
§ 115 ff. Die nachfolgenden Beispiele sind vom Standpunkt des Germ.-Got. aus zu-
sammengestellt ohne Rücksicht darauf, ob es sich im einzelnen um alten, d.h. idg.
Ablaut handelt oder um germ. Neuerung.

50
Β. Historisches System (Ablautreihen) §32.

I. Reihe. Dem ablautenden idg. e folgt der Halbvokal i. § 30.


idg. V ei A oi Si
germ. V i A ai Si
got. V ei A ai S Hai (s. Anm. 1)
Beispiele: V ur-reisan, A -rais, S -ristm, -risans* 'aufstehen', A ur-raisjan
'aufstehen machen', S ur-rists* 'Auferstehung'; - V peihan, A pàih,
S paihum*, païhans 'gedeihen'; - A wait 'ich weiß', S witum, V weitwôds*
'Zeuge', S mipwissei 'Gewissen', witubni* 'Kenntnis'; - A lais 'ich weiß',
laisjan 'lehren', V lubja-leisei 'Giftkunde', S lists* 'List'.
A n m . 1. Das ι in dieser Reihe beruht auf idg. i (s. § 10,2), das ai entsteht nach § 20.

II. Reihe. Dem ablautenden idg. e folgt der Halbvokal u. § 31.


idg. V eu A ou Su
germ. Y eu A au SM
got. V iu A au Sulaú (s. Anm. 2)
Beispiele: V giutan*, A gaut*, S gutum*, gutans* 'gießen', S us-gutnan* 'sich
ergießen'; - V liugan*, A laug*, S lugum*, lugans* 'lügen', V liugn* 'Lüge',
liugnja 'Lügner', A ana-laugns* 'verborgen', laugnjan* 'leugnen'; - V liufs*
'lieb', A ga-laufs* 'kostbar' (§ 14 A.4), ga-laubjan 'glauben', ga-laubeins
'Glaube', S brôpra-lubô* 'Bruderliebe', lubains* 'Liebe' (Friedrichsen,
Epistles 251); - V siuks 'krank', S saúhteis* Pl. 'Krankheiten'; - V driusan*
'fallen', driusô* 'Abhang', A drausjan* 'fallen machen', S drus 'Fall'.
A n m . 1. In einer Anzahl zu dieser Reihe gehörender Wörter tritt im Germ, langes ü
auf, besonders im Präs. einiger ablautender Verben Kl. II. Das einzige got. Verb dieses
Typs ist -lukan (ga-lûkan* 'verschließen', us-lûkan 'öffnen'; vgl. aisl. lúka, ahd. -lûhhan
'schließen'). Die ältere Forschung hatte hier überwiegend mit schwundstufigen
„Aoristpräsentien" gerechnet, deren kurzes u in Analogie zu dem f aus Kl. I gedehnt
worden sei; vgl. Brugmann 11,3, 128; Hirt, Idg.Gr. II, §§ 122, 152ff.; dens., HU II,
§ 133; Prokosch § 46,b; Fr. van Coetsem, Das System der starken Verba und die Pe-
riodisierung im älteren Germanischen, Amsterdam 1956, 69; Kurylowicz, Fs. Four-
quet (1969), 157 ff. Tatsächlich dürfte es sich um einen im Kern ererbten Typ handeln,
dessen ü durch idg. Laryngal gedehnt ist (Vine, KZ 98 [1985], 60ff.). - Über anabusns
'Gebot', das von einigen mit û angesetzt und hierhergestellt wird, s. § 15 A. 1.

A n m . 2. Das u in dieser Reihe beruht auf idg. u (s. § 14, a), das aü entsteht nach § 24.

III. Reihe. Die Stämme in dieser Reihe haben nach dem ablautenden idg. e § 32.
stets zweifache Konsonanz, und zwar meistens Liquid oder Nasal (Ν) nebst
einem weiteren Konsonanten (K), der ebenfalls Liquid oder Nasal sein
kann. Dazu treten einzelne Fälle mit anderer Doppelkonsonanz, bei denen
der Liquid vor dem ablautenden Vokal steht.
idg. V eNK AoNK S ΝΚ
germ. V iNΚ AaNK SuNK
got. V iN ΚI airΚ A aNK S uNKIaúrK (s. Anm. 1)

51
§32. Lautlehre - III. Übersicht über den gotischen Vokalismus

Beispiele: V bindan*, A band*, Sbundum*, bundans 'binden', Κ bandi


'Band', bandja 'der Gefangene', V ga-binda* 'Band', S and-bundnan* 'los
werden', ga-bundi* 'Band'; - V rinnan* 'laufen', rinnô* 'Gießbach',
A -rannjan* 'laufen lassen', S runs 'Lauf; - V -wairpan, A -warp,
S -waúrpum, -waúrpans 'werfen', us-waúrpa 'Auswurf; - V -paírsan* 'ver-
dorren', S ga-paúrsnan* 'dürr werden', paúrsus 'dürr', paúrstei* 'Durst'; -
V drigkan 'trinken', A dragkjan* 'tränken', dragk* 'Trank', S af-drugkja
'Trinker', PI. drugkaneins 'Gelage'; - V priskan* 'dreschen', A gaprask*
'Ausdrusch'.
A n m . 1. Das f in dieser Reihe entsteht aus idg. e nach § 10,1. Das u entsteht nach
§ 14,b aus idg. sonantischen Liquiden oder Nasalen. Über ai s. § 20,1; über au s. § 24.
§ 33. IV. Reihe. Dem ablautenden idg. e folgt einfacher Liquid oder Nasal (Ν).
In dieser und der folgenden Reihe sind die besonders für die Stammbildung
der ablautenden Verben der Klassen IV und V wesentliche Dehnstufe (ge-
dehnte Vollstufe, idg. ë) sowie der Vokalismus des Part. Prät. zu beachten.
idg. VeN AoN D ëN SΝ
germ. V eN AaN Ό ëN S uN
got. ViN/aír AaN D êN S uNlaúr (s. Anm. 1)
Beispiele: V niman, A nam, D nêmum, S -numans 'nehmen', D anda-nêms
'angenehm', anda-nêm n. 'das Empfangen', S -numja 'der Nehmer', anda-
numts 'Annahme'; - V baíran, A bar, D bêrum, S -baúrans 'tragen', A barn
'Kind', D bêrusjôs (Pl.) 'Eltern', S fruma-baûr 'Erstgeborener'; - V ga-
timan* 'ziemen', A ga-tamjan 'zähmen', D ga-têmiba 'geziemend'.
A n m . 1. Zum Prät. der IV. und V. Ablautreihe s. Sverdrup, Fs. Falk (1927), 317ff.;
Matzel [1970], in: Gesammelte Schriften, Heidelberg 1990,1 ff.; Bammesberger, NO-
WELE 27 (1996), 33 ff.; Mottausch, NOWELE 36 (2000), 45 ff. Das fin dieser Reihe
ist nach § 10,3 aus idg. e entstanden. Über ai s. § 20,1. Das u in dieser Reihe entsteht
aus idg. silbischem Sonanten (§ 14,b). Über au. s. § 24.
A n m . 2. Zu dieser Reihe gehört auch mit einfachem Liquid vor dem ablautenden
Vokal V brikan*, A brak, D [brêkum], S -brukans* 'brechen', A brakja 'Ringkampf,
S ga-bruka* 'Brocken', us-bruknan* 'abgebrochen werden'. - Hierher auch S trudan
'treten', s. § 175 A.2.

§ 34. V. Reihe. Dem ablautenden idg. e folgt einfacher Konsonant (Κ), der nicht
Liquida oder Nasal ist.
idg. V eK AoK D ëK V eK
germ. V eK AaK D ëK Y eK
got. V iK/aíh AaK D êK V iKlaíh (s. Anm. 2)
Beispiele: Vgiban, Aga/, Dgêbun, V-gibans 'geben', Vgiba 'Gabe',
A gabei 'Reichtum' (Feist 175f.; Schubert [§B6,e] 45); - V sitan 'sitzen',
A satjan* 'setzen', D anda-sêts* 'verabscheuungswürdig'; - V -mitan 'mes-
sen', mitón 'ermessen', mitaps* 'Maß', D us-mêt* 'Lebensführung'; - V ga-
nisan 'genesen, gerettet werden', ga-nists 'Rettung', A ga-nasjan 'retten'.

52
Β. Historisches System (Ablautreihen) §36.

A η m. 1. Auch V salivan, A sah, D sêtvum, V -saihans 'sehen' gehört in diese Reihe,


dazu siuns 'Gesicht' (§§ 19 Α. 1,42 A.3).
A n m . 2. Zur V. Ablautreihe vgl. Kortlandt, NOWELE 19 (1992), 101 ff. sowie die
Lit. in § 33 A. 1. Das i der Vollstufe in dieser Reihe ist aus idg. e entstanden, s. § 10,3.
Im Part. Prät. ist die Vollstufe analogisch eingeführt, um schwer sprechbare Anlaut-
gruppen wie f g i - zu vermeiden, liber ai s. § 20,1.

VI. Reihe. In dieser Reihe zeigt sich im Germ.-Got. ein Wechsel zwischen § 35.
kurzem a und langem ô (vgl. § 171). Dem ablautenden Vokal folgt meist ein
einfacher Konsonant.
Beispiele: wakan* 'wachen' (s. §177 A.l), ga-waknan* 'erwachen',
wahtwô* 'Wache' : wôkains* 'das Wachen'; - f r a p j a n (Prät./ro/») 'verstehen',
frapi* 'Verstand' : frôps 'klug\frôdei* 'Verstand'; - -hafjan (Prät. -hôf) 'he-
ben', ufar-hafnan* 'sich überheben' : dazu vielleicht un-ga-hôbains* 'Unent-
haltsamkeit' (doch s. Feist 229f.); - agis 'Furcht', un-agands 'furchtlos',
us-agjan 'erschrecken' : ôg 'ich fürchte (mich)', ôgjan 'in Furcht versetzen'; -
sakan 'streiten', sakjô* 'Streit' : un-and-sôks* 'unwiderleglich' (Heider-
manns, EWGP 528), dazu vielleicht sôkjan 'suchen', sôkns* 'Streitfrage,
Untersuchung' (Feist 407,442; Kluge/Seebold 897).
A n m . 1. Hinter dem einheitlichen germ.-got. Ablautschema a : ô können sich ver-
schiedene idg. Ablaute verbergen, da idg. a, o, 3 zu germ.-got. a und idg. ä und ö zu
germ.-got. ô geworden sind (s. §§ 4, 12). Bei den in diese Reihe gehörenden ablauten-
den Verben liegen weitgehend germ. Neubildungen vor. Vgl. Brugmann, IF 32
(1913), 179ff.; Hirt, Idg.Gr. IV, § 118 et passim; Prokosch §§ 54,b,d, 60f.; Kortlandt,
NOWELE 23 (1994), 69ff.

VII. Reihe. Ein Wechsel zwischen ê und ô findet sich in den sogenannten § 36.
reduplizierend-ablautenden Verben: -lêtan - lailôt usw.; saian (< *sëan, § 22)
- salso usw., vgl. § 180ff.
A n m . 1. Dieser Reihe liegt wohl der idg. Ablaut V ë : Α δ zugrunde. In der Verbal-
flexion der übrigen germ. Sprachen zeigt sich nur in altschwed. lot (: dän. lodi) noch
ein Rest davon (ASNSL 141, 66f.). In der Wortbildung dagegen tritt dieser Ablaut
weit deutlicher zutage, z.B. (germ, ë : ô > ahd. â : ô, uo) ahd. tât f. : tön, tuon 'tun'; -
knâan 'kennen' : knôt, chnuat f. 'Geschlecht'. Vgl. PBB 11 (1886), 262ff.

53
KAPITEL I V .

Die Konsonanten

§ 37. Die als Konsonanten fungierenden Laute lassen sich einteilen in S o n o r a n -


ten (§§38-50) und G e r ä u s c h l a u t e (§§50a-78). Danach entfallen von
den got. Konsonantenzeichen (s. § 2) auf die Sonoranten: w,j, l, m, n, r; die
übrigen bezeichnen Geräuschlaute. Eine Übersicht über die Konsonanten-
phoneme bietet § 78a.

A. Sonoranten

1. Halbvokale
§ 38. Germ, w und j sind konsonantische Realisierungen der Vokale u und i, die
sich in der Position vor Vokal ergeben. Daraus resultiert im Got. ein Wech-
sel zwischen u und w bzw. i und j, je nach der Stellung im Wort und der
dadurch bedingten Funktion der Laute als Vokal oder als Konsonant. Diese
konsonantischen u und i (sogenannte „Halbvokale"), die in manchen an-
deren Sprachen graphisch nicht von vokalischen u und i geschieden sind,
haben im Got. besondere Zeichen: <w> und <j>.

w
§ 39. Das Zeichen des got. Alphabets, das wir durch <w> wiedergeben, ist nach
Form und alphabetischer Stelle das griech. υ. Dieses vertritt es auch durch-
weg in griech. Fremdwörtern. Es wird also geschrieben Pawlus Παύλος,
Daweid Δαυ(ε)ίδ, aiwaggeljô εύαγγέλιον, paraskaiwe παρασκευή. Aber
nicht nur in diesen Verbindungen αυ, ευ, in denen gr. υ damals wohl schon
spirantische Geltung hatte, wird got. <w> geschrieben, sondern auch für
alleinstehendes gr. υ, also in vokalischer Funktion, z.B. Swmaion Συμεών,
swnagoge συναγωγή. Die meisten Textausgaben verwenden in letzterem
Falle für gr. υ statt <w» das Zeichen <y> (Symaion, synagoge).
A n m. 1. Bemerkenswert, doch nicht beweisend für Wulfilas Sprache, ist got. kawtsjô
(= lat. cautio) in der Urkunde aus Neapel (§ E13). Vgl. Wrede, Ostg. 166; Jellinek,
ZDA 36 (1893), 273; Grienberger 140. - Ü b e r Pawlus (Jellinek, ZDA 36 [1893], 269f.)
> span. Pablo s. Loewe, PBB 44 (1920), 187; Jellinek § 91 A.2.
A n m . 2. Auch gr. οι, das im 3./4. Jh. zu [y:] monophthongiert worden war (vgl. E. H.
Sturtevant, The Pronunciation of Greek and Latin, 2 1940, § 51 f.), wird durch got. <w>
wiedergegeben in fwnikiska Φοινίκισσα Mk. 7,26, in Iwstrws έν λύστροις 2.Tim. 3,11
AB. Zu den durch <w> transkribierten griech. Zeichen vgl. Luft 303, 307ff.; Gaebeler
24 f.

54
Α. Sonoranten - 1. Halbvokale §42.

A n m . 3. Früher wurde das got. Zeichen meist als <v> transkribiert. Wegen der
(ursprünglichen) Geltung als Halbvokal (s. § 40) ist die Verwendung von <w> aber
vorzuziehen. Vgl. Braune, PBB 12 (1887), 216ff.

A n m . 4. Die Geminata « » tritt nur in den Fremdnamen Aiwwa, Laiwweis,


Laiwweiteis auf. Uber die Entwicklung von germ, ww zu got. ggw s. § 68,2.

In got. Wörtern hatte <w> ursprünglich die lautliche Geltung des Halbvokals § 40.
u (= engl. w). Verschiedentlich wurde für die Zeit des Wulfila spirantische
Aussprache postuliert, jedoch weisen mehrere Indizien auf halbvokalische
Geltung (vgl. die Lit. in Anm. 1). Die unterschiedliche Behandlung von
auslautendem w und j (waürstw, aber kuni) ist nicht phonetisch, sondern
morphologisch begründet (§ 42,3).

A n m . 1. Lit.: Jellinek, ZDA 36 (1893), 266ff.; van Helten, ZDA 37 (1893), 121 ff.;
Jellinek, ZDA 41 (1897), 369f.; ADA 28 (1902), 23; van Helten, IF 14 (1903), 69ff.;
Streitberg §35,1; Krause §88; Sturtevant, GR 32 (1957), 314ff.; Bennett, Lg 35
(1959), 427flf.; Jones, Lg 36 (1960), 508ff.; Marchand 77f.; Vennemann, in: Phono-
morphology, Hrsg. E. Gussmann, Lublin 1985, 206ff.; Barrack, in: Insights in Ger-
manic Linguistics II, Hrsg. I. Rauch / G. F. Carr, Berlin/New York 1997, 1 ff.
A n m . 2. Bei lateinischen Schriftstellern wird w in got. Eigennamen gewöhnlich
durch <uu> wiedergegeben: Uuilia, Uualamir\ häufig erscheint aber auch < Ubr. Ubadila
(= * Wadila), Ubadamirus (= * Wadamêrs) usw. Griech. Schriftsteller geben das an-
lautende got. w meist durch οΰ wieder (z.B. Οΰάνδαλοι; Οίιήρ(ι)κας = * Wéreka,
Kai. 7), aber auch durch β (z.B. Βάνδαλοι). Vgl. Dietrich, Ausspr. 77ff.; Wrede,
Wand. 102, Ostg. 167 f.

Got. w steht im A n l a u t häufig, meist vor Vokal: z.B. wasjan* 'kleiden', §41.
witan 'wissen', wiljan 'wollen', wair 'Mann', warmjan* 'wärmen'; - auch vor
/ und r, z.B. wlits 'Angesicht', wrikan* 'verfolgen', wrôhjan 'anklagen',
wruggô* 'Schlinge'.
w kommt auch nach den anlautenden Konsonanten t, d,J>, s vor, z.B. twai
'zwei', dwals 'töricht',pwahan 'waschen', swistar 'Schwester'.
Auch im I n l a u t steht w meist vor Vokal, z.B. awistr* 'Schafstall',
saiwala 'Seele', ûhtwô* 'Morgendämmerung', taihswô 'rechte Hand', nidwa
'Rost'; hneiwan 'sich neigen', siggwan 'singen'; - auch vor j, z.B. hnaiwjan*
'erniedrigen' (s. § 42).
A n m . 1. Früher wurden auch q und b als Verbindungen eines w mit k und h aufge-
faßt. Inzwischen hat Bennett (Lg 35 [1959], 427 ff.) klargestellt, daß es sich bei q und
fv um einfache Phoneme (labialisierte Velare) handelt (vgl. §§ 59 A.2,63 A. 1). Daß die
Entsprechungen im Hochdeutschen genauso behandelt werden wie die got. Konso-
nantengruppen tw, gw usw., bei denen inlautend das w ausfallt (z.B. got. ûhtwô*,
siggwan = ahd. ûhta, singan, ebenso got. sigqan*, saítvan = ahd. sinkan, sehan), ist für
die Geltung der g o t . Zeichen ohne Belang.

In der Stellung a ) i m A u s l a u t , b ) vor konsonantisch anlautenden Suffixen § 42.


und Endungen, c) vorj erfahrt w eine je nach Kontext verschiedene Behand-
lung, die überdies von der Entwicklung des anderen Halbvokals j (§ 44 f.)
abweicht. Die Grundregel lautet, daß w immer dann zu u vokalisiert wird,

55
§42. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

wenn dies phonologisch möglich ist u n d wenn keine analogischen Kräfte


entgegenstehen. Die Entwicklung hängt nicht von der Quantität der voran-
gehenden Silbe(n) ab, sondern von dem davorstehenden Laut (vgl. § 89 Α. 1 ;
anders noch in der 19. Aufl. dieses Buches). Im einzelnen ergibt sich folgen-
de Vertretung:
1. Nach kurzem a oder i ist w zu u geworden, weil es sich mit diesen zum
Diphthong verbinden konnte; diese Regel setzt eine Zeitstufe voraus,
zu der au noch diphthongisch gesprochen wurde: a) im Auslaut: snau-h
l.Ths. 2,16, faur-snau Mk. 14,8, ga-snau Rom. 9,31 (3.Sg. Prät. zu
sniwan* 'eilen' § 176 A.2); weina-triu 'Weinstock' (Dat.Pl. triwam 'Holz'),
entsprechend anzusetzen kniu* 'Knie' (Dat. kniwa § 94 A. 1); - b) vor dem
-s des Nom.: naus 'der Tote' Lk. 7,12.15 (PI. naweis); qius 'lebendig' Rom.
7,9 (PI. qiwai), entsprechend anzusetzen pius* 'Diener' (Pl. piwôs § 91
Α.3) (zu lasiws s. Anm. 1); vor kons. Suffixen: ga-qiunan* 'lebendig wer-
den'; siuns 'Gesicht' (zu saihan, s. § 19 A. 1); sniumjan* 'eilen', sniumundô
'eilig' (zu sniwan*)·, - c) vor j: z.B. gawi 'Gau', Gen. gaujis Lk. 15,15; hawi
'Heu', Dat. hauja Skeir. 7,2; mawi 'Mädchen', Gen. maujôs Lk. 8,51 ;piwi
'Magd', Gen. piujôs Lk. 1,48 u.ö.; taujan 'tun' (häufig), Prät. tawida,
entsprechend anzusetzen straujan* 'streuen' neben Prät. strawidêdun;
ana-qiujan 'lebendig machen' 2.Tim. 1,6 AB, Prät. mip-ga-qiwida.
2. Nach den Langvokalen <ai> [ε:] oder ê ist w durchweg erhalten (zu ô vgl.
Anm. 3): a) im Auslaut: Akk. aiw 'Zeit' (häufig); fraiw 'Same' (häufig);
hlaiw 'Grab' Mt. 27,66, Mk. 16,5; Akk. mari-saiw 'See' Lk. 8,22.23.33;
ga-spaiw Jh. 9,6 (Prät. zu speiwan 'speien'); Akk. lêw 'Gelegenheit' Rom.
7,8.11, 2.Kor. 5,12 AB; - b) vor dem -s des Nom.: snaiws 'Schnee' Mk.
9,3; - c ) vor j: hnaiwjan* 'erniedrigen'; alewjô sw. Adj. η. 'Ö1-' Lk. 19,29,
alewjin Mk. 11,1; ga-lêwjan 'verraten' Jh. 6,71 u.ö.; skêwjan* 'wandeln'
Mk. 2,23; Dat.Pl. taihun-têwjam 'zehnreihig' l.Kor. 15,6.
3. Nach Konsonanten sollte w in den genannten Stellungen zu u vokalisiert
sein (vgl. § 45 überj). Es gibt allerdings nur einen einzigen nachweisbaren
Fall, nämlich den «-Stamm skadus 'Schatten' (§ 105,c), der ausweislich
der Ableitungen ga-skadweins* und ufar-skadwjan* sowie der außergot.
Entsprechungen (ahd. scato) ursprünglich der wa-Deklination angehörte
(§§ 14 A.l, 91 A.3). Dieser Flexionswechsel ist nur bei einem mask.
wa-Stamm möglich (*skadwaz > *skaduz): im Fem. fehlen die lautlichen
Voraussetzungen (Typ triggwa § 97 A.l); die Neutra finden bei den ntr.
«-Stämmen keine Heimat, weil diese eine unproduktive Restklasse
darstellen (§ 106). Die ntr. wa-Stämme (§94 A.l) sind deshalb in der
wa-Klasse verblieben; sie haben das im Obliquus vorhandene w ana-
logisch verallgemeinert: gaidw 'Mangel' Php. 2,30 AB; Akk. piwadw
'Knechtschaft' Gal. 4,24; waúrstw 'Werk' Jh. 6,29 u.ö.
4. Auch sonst ist nach Konsonant das w unverändert erhalten, und zwar
überall aus Systemgründen:

56
Α. Sonoranten - 1 . Halbvokale §43.

a) im Auslaut: bei dem ntr. Adj. triggw 'wahr' (5 Belege) kam ein Über-
tritt in die «-Klasse nicht in Betracht, weil deren u nach § 131 nicht mit w,
sondern mit j alterniert; das Prät. us-blaggw Jh. 19,1 übernimmt den
Wurzelauslaut v o n bliggwan* 'schlagen', desgleichen fra-walw Lk. 8,29
denjenigen von wilwan 'rauben'; - b) vor dem -s des N o m . : triggws 'treu,
zuverlässig' (häufig; s.o.); - c) vor j: arwjô Adv. 'umsonst' (§ 211); ufar-
skadwjands Part, 'beschattend' Mk. 7,9 (s.o.); hier hätte sich durch
Vokalisierung des w die Silbenzahl vermehrt.
Vgl. Jellinek, Z D A 36 (1893), 277; A . Walde, D i e germanischen Auslaut-
gesetze, Halle 1900, 157 ff.; Anglia, Beiblatt 22 (1911), 261.
A η m. 1. Es gibt also keine Folge awj, iwj, im Auslaut kein aw, iw oder aws, iws (vgl.
Nom.Pl. sunjus, Gen. suniwé). Die einzige Ausnahme ist lasiws 'schwach' (nur 2.Kor.
10,10; daneben lasiwôstai l.Kor. 12,22): die lautgesetzliche Form flasjus wurde ver-
mieden, weil eine Alternation u/w nicht zu den u-Adj. paßt (s.o. zu triggw). Vgl.
Jellinek, ZDA 36 (1893), 277; Grienberger 145; Sturtevant, JEGP 24 (1925), 195f.;
Feist 322.
A n m . 2. Statt des früher angesetzten f usskawjan 'nüchtern machen' ist 2.Tim. 2,26
AB usskarjaindau zu lesen. Nach dem Adj. Nom.Pl. unskawai l.Ths. 5,8 'nüchtern'
(s. § 124 A.3) ist statt usskarjan* jedoch auch fusskaujan konjiziert worden (Bethge
203, Grienberger 228; Braune, Litbl 1908, 327; dagegen Streitberg § 89 A.2; Heider-
manns, EWGP 486,490); vgl. auch Feist 523, 534f.
A n m . 3. Nach germ, δ ist antevokalisches w geschwunden, anschließend hat sich δ
im Hiat zu <au> [o:] entwickelt (§ 26).

j
D a s Zeichen ψ gibt oft gr. ι vor Vokalen wieder, z.B. Akaja 'Αχαία, Marja § 43.
Μ α ρ ί α , Judas Ι ο ύ δ α ς , Iskarjotes Ι σ κ α ρ ι ώ τ η ς . Häufiger aber, und in vielen
Wörtern neben <j>, wird für gr. ι vor Vokalen got. <i> gebraucht, z.B.
Iskariotes, Zakarias, Gabriel, ludas.
D a s Zeichen φ hat in der Aussprache des Got. wahrscheinlich die Gel-
tung des konsonantischen i, nicht den Lautwert unseres spirantischen j
gehabt (Streitberg § 35,2; Marchand 78; Barrack, in: Insights in Germanic
Linguistics II, Hrsg. I. Rauch / G. F. Carr, Berlin/New York 1997,1 ff.).
A n m . 1. Lehnwörter aus dem Lat. mit got. j sind: *faskja m. oder *faski n. (nur
Dat.PI. faskjam Jh. 11,44; s. Feist 143) fascia, urtkja* uncia (Urk. Arezzo), kawtsjô
(§ 39 A.l), laiktjô lectio. Inplapja* πλατεία (nur Gen.Pl. plapjô Mt. 6,5; *platija nach
Grienberger 170) hat lat. platea eingewirkt; vgl. Feist 383.
A n m . 2. Die Transkription von gr. ι vor Vokal durch </> bedeutet eine Anpassung an
das gesprochene Got. (Gaebeler 23, 50ff., 54f., 59f.). Während die heiligen Namen
Jesus und Maria die griech. Schreibung beibehalten, herrscht ψ in eingebürgerten
Lehnwörtern wie aikklesjô έκκλησία und Makidonja Μακεδονία (vgl. § 9 A.2), eben-
so wie Marja für Μαρία (mit germ. Akzent) nur steht, wo nicht die Gottesmutter
gemeint ist, doch s. § 120 A.5 (vgl. Ahd.Gr. § 225 A.2). In Antiokjai(Dat., Gal. 2,11 Β)
Άντιόχειαν vertritt </> gr. ει (über <o> für gr. o s. § 11 A.l); daneben Antiaukiai (Dat.,
2.Tim. 3,11 AB).

57
§44. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

§ 44. Bei einheimischen Wörtern kommt j im Anlaut und im Inlaut vor.


a) Beispiele für a n l a u t e n d e s j: jah 'und', jêr* 'Jahr', ju 'schon', juk*
'Joch 'Jus (§ 15 A. 1) 'ihr'. In anlautenden Konsonantengruppen kommt j
nicht vor, weder als erster noch als zweiter Bestandteil.
b) Im I n l a u t bildet j nach § 1 A.9 stets den Silbenanfang. Es steht nach
Vokalen und nach Konsonanten, aber stets vor Vokalen, nie vor Kon-
sonanten, z.B. midjis* 'der mittlere', niujis 'neu', frauja 'Herr',prija Ntr.
'drei', bajôps 'beide', lagjan 'legen', arbja 'Erbe', prafstjan* 'trösten',
waúrstwja 'Arbeiter'.
c) Ein Wechsel zwischen ji und ei, der seine Ursache in Verschiedenheiten
der Wortstruktur hat, ist im Got. so geregelt, daß ji nach kurzer Tonsilbe
und unmittelbar nach langem Stammvokal steht, dagegen ei nach langer
geschlossener Tonsilbe und nach Nebensilben („Sievers' Gesetz",
s. Anm. 1). Betroffen sind drei Flexionsklassen: 1. die maskulinen Subst.
und Adj. auf-ya- (§§ 9 2 , 1 2 5 ff.): harjis, niujis, aber hairdeis, wilpeis; 2. die
feminineny'o-Stämme (§ 96 ff.): wrakja, aber bandi, 3. die schwachen Ver-
ben der I. Klasse (§ 185): lagja, lagjis*, lagjip; stôja, stôjis, stôjip, aber
sôkja, sôkeis*, sôkeip*·, sandja, sandeip*\ mikilja, mikileip. - D o c h ist
analogisch ji statt ei regelmäßig in der «-Deklination (§§ 108 A.2, 132
A . l ) durchgeführt, meist auch bei den neutraleny'a-Stämmen (§ 95 A . l ) .

A n m . 1. Neuere Lit. zu Sievers' Gesetz im Got. und Germ.: Vennemann, Lg47


(1971), 108ff.; Beade, Lingua 30 (1972), 449ff.; E. Seebold, Das System der indo-
germanischen Halbvokale, Heidelberg 1972; Rice, Nordlyd (Tromsa) 21 (1994),
78 ff.; Ch. M. Barrack, Sievers' Law in Germanic, New York u.a. 1998; ders., in: New
Insights in Germanic Linguistics I, Hrsg. I. Rauch / G. F. Carr, New York u.a. 1999,
31 ff.; S. Palviainen, Sievers' Law in Gothic, A synchronic and diachronic analysis,
Lic. Helsinki 2001.

A n m . 2. Statt des inlautenden <i/> vor Vokalen wird öfter nur <i> geschrieben (§ 10
A.5).

A n m . 3. In der Flexion von saian begegnet sporadisch ein ψ (saijip neben saiip), vgl.
§ 22 A.l,3. Auch in fremden Namen steht im Cod. arg. zuweilen überleitendes ψ
zwischen zwei i, z.B. Bepanijin Lk. 19,29, Jh. 12,1 neben Bepaniin zu Bepania
Βηθανία, Abijins Gen. Άβιά Lk. 1,5; in Β vor ai bzw. e in Akaïjai Άχαϊςι 2.Kor. 1,1,
Akaïje 'Αχαίας 1 .Kor. 16,15. Vgl. Bethge 209; Schulze, Kl. Sehr. 535f.; Jacobsohn I. -
Statt freihals steht in A dreimal freijhals: 2.Kor. 3,17 (freihals B); Eph. 3,12; Gal. 2,4.
Die Schreibungen zeigen an, daß h hier nur schwach artikuliert wurde (vgl. § 61);
Gaebeler 12f., 40f. erklärt sie als jüngere Schreibervarianten.

A n m . 4. Eine Geminata <//> kommt im Got. nicht vor. Über die Entwicklung von
germ, jj zu ddj s. § 73 A. 1.

§ 45. Ein j, das durch die Auslautgesetze in den A u s l a u t geraten ist, erscheint
stets als i (§ 10 A.2), z.B. kuni 'Geschlecht', Dat. kunja; taui 'Tat', Dat. tôja.

A n m . 1. Über den Wechsel von aj und ais. § 21 A.5; über das Schicksal von auslau-
tendem w s. § 42.

58
Α. Sonoranten - 2. Liquide §47.

2. Liquide

l
l (= idg. I) ist im Got. in allen Positionen häufig (zum Laut vgl. Marchand § 46.
77). Beispiele:
a) a n l a u t e n d : laggs* 'lang', laúhmuni* 'Blitz', liuhap 'Licht';
b) i n l a u t e n d : nach Vokal wiljan 'wollen', aljis* 'anderer'; nach Konso-
nant blâma* 'Blume';
c) a u s l a u t e n d : nach Vokal mèi 'Zeit, Stunde', skal 'soll, muß'; nach Kon-
sonant hunsl 'Opfer' (s. Anm. 1).
Die Geminata <//> (s. Anm. 3) liegt z.B. vor in *fill 'Fell, Haut',/«//i 'voll',
wulla* 'Wolle'. Sie kann auch durch Assimilation des auslautenden -h von
jah an folgendes / entstehen (§ 62 A.3): jal-laggei Eph. 3,18 A (=jah laggei Β
'und die Länge'); jal-liban 2.Kor. 1,8 A (= jah liban Β 'und leben').
Anm. 1. Uber die Frage eines silbebildenden / in hunsl Opfer', stikls 'Kelch',
swumfsl 'Teich', tagl* 'Haar' usw. s. § 27.
A η m. 2. Got. </> entspricht gr. λ. Zugesetzt ist es in einmal überliefertem alabalstraun
balsanis άλάβαστρον μύρου 'Salbengefäß aus Alabaster' Lk. 7,37: entweder nach
Horn, ASNSL 155 (1929), 249 volksetymologisch an das nachfolgende Wort balsan
'Salbe' angeschlossen, oder einfach durch balsan ausgelöster Schreibfehler; kaum mit
Ebbinghaus, GL 21 (1981), 19 durch „assimilatory increase" wie in lat. ballista > ital.
baléstra 'Armbrust' u.a.

Anm. 3. In sigljô 'Siegel' (lat. sigillum) 1 .Kor. 9,2,2.Tim. 2,19 wird die lat. Geminata
<//> aufgrund ihrer palatalen Aussprache durch got. dp wiedergegeben (§110; vgl.
auch Sturtevant, JEGP 39 [1940], 458f.). Daraus ist zu schließen, daß der got. Ge-
minata db eine andere Aussprache zukam; die Wiedergabe von gr. δδ durch <//> in
Gen. Fallasuris Φαδδασσουρ Neh. 7,41 könnte auf spirantische Geltung weisen (wie
bei kymr. II).

r
r (- idg. r) kommt im Got. in allen Positionen häufig vor (zum Laut vgl. § 47.
Marchand 77; R. M. Runge, Proto-Germanic kl, Göppingen 1974). Bei-
spiele:
a) a n l a u t e n d : raihts 'recht', rôdjan 'reden, sprechen';
b) i n l a u t e n d : nach Vokal bairan 'tragen'; nach Konsonant baprô 'wo-
her?';
c) a u s l a u t e n d : nach Vokal brôpar 'Bruder',fîdwôr 'vier'; nach Konso-
nant silubr 'Silber' (s. Anm. 1).
Die Geminata <m begegnet in folgenden Wörtern: fairra 'fern' (mit
fairraprô 'von ferne'), qairrus 'sanftmütig', and-staúrran* 'murren'; außer-
dem in den Fremdnamen Gaumaurra (Anm. 4) und Sarra* (Dat.Sg. Rom.
9,9). In fidur-ragini*,fair-rinnan*, ufar-ranneins* steht die Geminata an der
Kompositionsfuge (zum Typ ur-reisan s. Anm. 3). Sie kann auch durch As-

59
§ 47. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

similation des auslautenden -h von jah an folgendes r entstehen (§ 62 A.3):


jar-ragin 2.Kor. 8,10 A (= jah ragin Β 'und der Rat').
A n m . 1. Über die Frage eines silbebildenden r z.B. in akrs 'Acker', brôprs, brôpr
(GDSg. zu brôpar 'Bruder', § 114), maúrpr 'Mord', silubr 'Silber' usw. s. § 27.

A n m . 2. Vor r werden kurzes /' und u zu ai bzw. au „gebrochen" (§§ 20, 24).

A n m . 3. Über r, das durch Assimilation aus ζ entstanden ist, s. § 78 A.4; vgl. auch
§ 24 A.2.

A n m . 4. Nur scheinbar steht <r> für gr. λ in Airmodamis Έλμωδάμ Lk. 3,28, wo ein
griech. Wechsel λ > ρ zugrunde liegt (vgl. dazu Οΰρφίλας z.B. bei Philostorgius
gegenüber Ούλφίλας bei Sokrates, Sozomenos, Theodoret), s. Schwyzer 213; Eb-
binghaus, GL 11 (1971), 14f. - Einmaliges Gaumaurjam (Dat., Mk. 6,11) gegenüber
Gaumaurra Γόμορρα Rom. 9,29 dürfte ebenfalls auf griech. Vorbild beruhen
(Ebbinghaus, GL 12 [1972], 169f.).

3. Nasale

m
§ 48. m (- idg. m) findet sich in allen Stellen des Wortes (zum Laut vgl. Marchand
77). Beispiele:
a) a n l a u t e n d : mizdô 'Lohn', ména 'Mond';
b) i n l a u t e n d : ams* 'Schulter', guma 'Mann';
c) a u s l a u t e n d : nam 'nahm', in Endungen Dat.Pl. dagam usw., 1.P1.
nimam, nêmum usw.
Die Geminata <mm> liegt z.B. vor in swamms* 'Schwamm' (vgl. § 80 A.l),
wamm* 'Fleck' und im pronominalen Dat.Sg. imma, blindammo. Sie kann
auch durch Assimilation des auslautenden -h von jah an folgendes m ent-
stehen (§ 62 A.3): jam-mundôp Php. 3,17 A (=jah mundôp Β).
A n m . 1. Über die Frage eines silbebildenden m in maipms (Mk. 7,11) 'Geschenk',
bagms 'Baum' usw. s. § 27.

I)

§ 49. η (= idg. n) ist in allen Positionen häufig (zum Laut vgl. Marchand 77).
Beispiele:
a) a n l a u t e n d : nahts 'Nacht', niujis 'neu', ni 'nicht';
b) i n l a u t e n d : kuni 'Geschlecht', ains 'ein';
c) a u s l a u t e n d : laun* 'Lohn', niun 'neun', vielfach in der Flexion (Dat.Sg.
attin, Inf. niman, 3.PI. Prät. nêmun usw.).
Die Geminata <nn> ist häufig, z.B. brinnan* 'brennen', rinnan* 'laufen', kann
'ich weiß', kannjan 'bekannt machen', manna 'Mensch', brunna 'Brunnen',
minniza 'kleiner'. Im Auslaut und vor j bleibt <««>, aber vor anderen Kon-
sonanten wird es vereinfacht (s. § 80): kant, kunpa (zu kann), urrant (2.Sg.

60
Β. Geräuschlaute § 50a.

Prät. zu -rinnan*), brunsts (zu brinnan*), ur-runs '(Sonnen)aufgang' (zu


-rimari*). Es kann auch durch Assimilation des auslautenden -h von jah an
folgendes η entstehen (§ 62 A.3): jan-ni Mt. 25,42 u.ö. (= jah ni); jan-nauh
1 .Kor. 15,17 A (= jah nauh).
Α η m . 1. Uber die Frage eines silbebildenden η in anabusns 'Gebot', taikns 'Zeichen',
rign 'Regen' usw. s. § 21.

Vor tautosyllabischem Velar wurde η zu dem velaren Nasal [g], Dieser wird § 50.
im Got. (im Anschluß an die griech. Schreibweise) durch <g> (<gg>) bezeichnet
(zu Weiterem s. § 67).
A n m . 1. Dieser Nasal schwindet im Germ, vor χ (got. A), wobei der vorangehende
Vokal nasaliert und gedehnt wird (sogen. Ersatzdehnung), vgl. §§ 5,b, 15,b, 17. Die
Nasalierung schwindet erst einzelsprachlich, wie z.B. das Altengl. und das Altnord,
zeigen (vgl. Streitberg, U G § 93; Ae.Gr. § 80; Aisl.Gr. § 50). Ob die ersatzgedehnten
Vokale im Got. noch nasaliert waren, läßt sich nicht feststellen. Vgl. Brugmann 1,382;
Wrede/Heyne § 29 A . l .

B. Geräuschlaute

Die idg. Verschlußlaute haben sich in den germ. Sprachen durch Verände- § 50a.
rung ihrer Artikulationsart zu verschiedenen Geräuschlauten (d.h. Ver-
schlußlauten oder Reibelauten) entwickelt. Da dieser Vorgang die germ.
Sprachen in ihrer Gesamtheit gegenüber den übrigen idg. Sprachen kenn-
zeichnet, nennt man ihn die „Germanische Lautverschiebung". Sie besteht
darin, daß die idg. Tenues zu stimmlosen Spiranten (Reibelauten) wurden,
die idg. Medien zu Tenues und die idg. aspirierten Medien zu stimmhaften
Spiranten.
Bei der Lautverschiebung sind zwei (ihrerseits regelmäßige) Sonderfälle
zu berücksichtigen. Die erste Ausnahme betrifft die Stellung nach Spirans:
in den Lautgruppen sp, sk, st, ht, f t bleibt die Tenuis unverschoben (vgl. § 81
A.3).
Der zweite Sonderfall ist der „grammatische Wechsel", der durch K. Ver-
ner (KZ 23 [1877], 97-130) seine Erklärung fand („Vernersches Gesetz"). Er
besteht darin, daß unter bestimmten Bedingungen (s. die genaue Formulie-
rung in Anm. 2) die stimmlosen Spiranten des Germ. f , h (χ), β sowie das
ererbte s in die entsprechenden stimmhaften Spiranten 6, g, d, ζ übergehen.
Die sich daraus ergebende Verschiedenheit im Lautstand zusammengehö-
render Wörter und Wortformen (Wechsel zwischen/und b, h und g,p und d,
s und z) spielt im Got. nur noch in der Wortbildung eine größere Rolle,
während sie in der Verbalflexion, wo andere germ. Sprachen konservativer
sind (s. Ahd.Gr. § 100 ff.), nur noch in wenigen Resten (vgl. parf§ 56 A.4,
aih § 203 mit A.2) vorhanden, im übrigen durch Ausgleich zugunsten des
stimmlosen Lautes beseitigt ist (Lit. s. Anm. 1).

61
§ 50a. Lautlehre - IV. Die K o n s o n a n t e n

D i e f o l g e n d e Tabelle bietet in der ersten Spalte die idg. Laute, in der


zweiten die entsprechenden germ.; w o zwei germ. Laute angegeben sind,
zeigt der zweite die Sonorisierung n a c h d e m Vernerschen Gesetz. In d e n
Beispielen sind zur Veranschaulichung des idg. Lautstands soweit wie m ö g -
lich lateinische Wörter gewählt (vereinzelt zeigt der lat. Lautstand leicht z u
erkennende Wandlungen); den germ. Lautstand verdeutlichen got. Wörter.
D i e jeweils relevanten Laute sind in den Beispielen fett gedruckt.

idg. germ. Beispiele


Ρ / pater fadar
6 Septem sibun
k h cornu kaum*
$ δάκρυ tagr*
t Ρ tres preis*
a pater fadar
b Ρ lubricus sliuparì
g k ego ik
d t edo itan
bh b fero bairan
g" $ hostis gasts
dh a θύρα daur
s s sex (x = k+s) saihs
ζ aes aiz

A n m . 1. Lit. über Verners Gesetz im Got. (zum Germ. s. Anm. 2): F. A. Wood,
Verner's Law in Gothic, Germanic Studies II (Chicago 1895), 5-26; Prokosch, JEGP
11, Iff.; Streitberg § 131ff.; Jellinek §64; Krause § 101 ff.; van Bakel, TNTL 89
(1973), 52ff.; Milroy, in: Papers from the 5th International Conference on Historical
Linguistics (Hrsg. Ahlqvist 1982), 223ff.; Suzuki, IF 99 (1994), 217ff. (dazu§ 79 A.3);
Woodhouse, PBB 120(1998), 194ff.; 122(2000), 187ff.

A n m . 2. Die alle Umstände genügend berücksichtigende Fassung des Vernerschen


Gesetzes ist erst durch Paul, PBB 6 (1879), 538 ff., gegeben worden; wir formulieren es
in Anlehnung daran folgendermaßen:
Die nach der germ. Lautverschiebung vorhandenen vier stimmlosen Spiranten f x p s
sind in- und auslautend zu den entsprechenden stimmhaften Spiranten h g âz so-
norisiert in stimmhafter Nachbarschaft, wenn der unmittelbar vorhergehende Vokal
nicht nach der ursprünglichen idg. Betonung den Hauptton trug.
Aus der neueren Lit. über Verners Gesetz im Germ, (zum Got. s. Anm. 1): Moul-
ton, Lg 30 (1954), 3ff.; E. Rooth, Das Vernersche Gesetz in Forschung und Lehre
1875-1975, Lund 1974; Koivulehto/Vennemann, PBB 118 (1996), 163 ff.; Page, PBB
120 (1998), 175ff.; Schaffner (passim).

1. L a b i a l e

§ 51. D a s Zeichen ψ> gibt den stimmlosen Verschlußlaut (gr. π ) wieder. Dieser
entspricht in got. Wörtern, außer in der idg. Lautgruppe sp, d e m idg. b u n d
ist nicht sehr häufig.

62
Β. Geräuschlaute - 1. Labiale §53.

a) Im A n l a u t fehlt er in echt germ. Wörtern so gut wie ganz; weitaus die


meisten der vorkommenden Wörter sind entweder offensichtlich ent-
lehnt oder doch etymologisch dunkel und der Entlehnung verdächtig:
plinsjari* 'tanzen', plats* 'Lappen', ana-praggan* 'bedrängen', paida*
'Rock\puggs* 'Geldbeutel', peika-bagms* 'Dattelpalme', pund* 'Pfund',
plapja* 'Straße' (§43 A.l), pistikeins* πιστικός, paürpura* 'Purpur'. -
Die anlautende Verbindung (idg.) sp z.B. in sparwa* 'Sperling', speiwan
'speien', spillôn* 'verkünden', spinnan* 'spinnen'.
b) I η - und a u s l a u t e n d ist ρ in echt got. Wörtern vorhanden, z.B. slêpan*
'schlafen', greipan 'greifen', hôpan 'sich rühmen', ga-skapjan* 'erschaf-
fen', us-hlaupan* 'aufspringen', diups* 'tief, wairpan 'werfen', hilpan 'hel-
fen', skip* 'SchifF, iup 'aufwärts'.
A n m . 1. Gr. π, lat. ρ werden durch got. ψ> wiedergegeben, z.B. paraskaiwe (Mk.
15,42), kapillôn 'das Haar beschneiden' (l.Kor. 11,6) zu lat. capillus, Gen.Pl.
skaurpjônô (Lk. 10,10) lat. scorpio.

A n m . la. Die Geminata φρ> tritt nur vereinzelt auf. Der Beleg <wippja> Jh. 19,2
enthält wohl sprachwirkliche Geminata (Vergleichsmaterial bei Lühr, Expressivität
361), die durch Kontamination in wipja* 'Kranz' (§ 97a) eingedrungen ist. Außerdem
liegt <pp> vor in den griech. Namen Filippus Φίλιππος (§ 52) und Arkippus*
"Αρχιππος.

A n m . 2. In der Wortbildung erscheint vor t statt ρ ein/(vgl. § 81): gaskafts 'Ge-


schöpf (zu gaskapjan*), hôftuli 'Ruhm' (zu h/ôpan). Dies gilt jedoch nicht vor dem-t
der 2.Sg. Prät. der starken Verben (vgl. § 170 A.2).

/
Got. </> entspricht in Fremdwörtern dem griech. φ, z.B. Filippus Φίλιππος, § 52.
Kajafa Καϊάφας (Luft 296). Lat. Schriftsteller geben got. / durch </> wie
auch durch <ph> wieder (Dietrich, Ausspr. 75), z.B. Atavulfus, Atavulphus,
Άτάουλφος (= * Apawulfs7). Es wird weithin angenommen, daß das g o t . /
b i l a b i a l e r und nicht labiodentaler Spirant gewesen ist; die griech. und lat.
Umschreibungen lassen darüber jedoch nichts erkennen.
A n m . 1. Vgl. Wrede/Heyne § 58; Streitberg § 35,3. Als labiodental betrachtet d a s /
JeUinek, ZDA 36 (1893), 275f.; vgl. dazu ADA 31 (1907), 2; Marchand 35.

a) Im A n l a u t i s t / i n got. Wörtern häufig, z.B.fôtus 'Fuß', fadar 'Vater', § 53.


flôdus 'Flut',/α/Λ« 'Vermögen', fûls 'i&\iY,frôps 'verständig', frius* 'Käl-
te';fîdwôr 'vier'.
b) Im I n l a u t ist nur eine geringe Anzahl von/vorhanden, z.B. hlifan*
'stehlen', hafjan* 'heben', hiufan* 'klagen', hamfs* 'verstümmelt', lôfa
'flache Hand', ufar 'über', afar 'nach'. Vor Konsonanten z.B. luftus*
'Luft', wulfs 'Wolf.
c) Auch im A u s l a u t ist altes / recht selten (s. Anm. 1): (and-)hôf (zu
hafjan*), parf 'ich bedarf; fimf 'fünf.

63
§53. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

A n m . 1. Meistens geht got./auf germ./zurück. Im Auslaut und vor Nom.-j ist es


aber häufig aus got. <b> [b] erwachsen, z.B. gaf zu giban usw. („Auslautverhärtung",
s· § 56).
A n m . 2. Inlautende/vor t (n) anstelle von b (§ 56 A.5), vor t auch anstelle von ρ (§ 51
A.2).

A n m . 3. Ausfall des/zwischen Konsonanten in flmtiguns (Lk. 16,6) und auch in


swumsl (neben swumfsl), s. § 82 Α. 1.
A n m . 4. <ff> tritt nur unter Sonderbedingungen auf: a) in der präfigierten Verbal-
form af-falht 'du hast verborgen' (Lk. 10,21); b) in dem Fremdwort aiffapa έφφαθά
'öffne dich' (Mk. 7,34).

§ 54. <b> entspricht dem griech. ß, z.B. barbarus βάρβαρος, Iakobus Ι ά κ ω β ο ς ,


Akk. Iakob 'Ιακώβ. Die Aussprache des griech. β war die eines stimmhaften
labialen Spiranten. Meist wird angenommen, daß got. b im Inlaut nach
Vokalen die Geltung eines stimmhaften (bilabialen) Spiranten habe, da-
gegen im Anlaut und inlautend nach Konsonanten den stimmhaften Ver-
schlußlaut bezeichne. Diese Ansicht ist auf dem Wechsel -b- : -/begründet
(„Auslautverhärtung", § 56 A . l ) ; der Wechsel kann jedoch durchaus älter
sein als die Sprache Wulfilas.
A n m . 1. In lat. Wörtern gibt got. <6> sowohl lat. ν wieder als auch lat. b: Silbanus
Silvanus, tNaubaimbair November; anakumbjan cumbere, kubitus* cubitus.
A n m . 2. In got. Namen bei lat. Schriftstellern wird got. b anlautend durch lat. <¿»
wiedergegeben (z.B. Amala-berga, Hildi-bald), inlautend herrscht dagegen lat. <v> vor
(z.B. Liuva, Erelieva, Silva).
A n m . 3. Zur lautlichen Geltung des got. b vgl. Dietrich, Ausspr. 71; Paul, PBB 1
(1874), 148ff.; Wrede, Ostg. 169; Jellinek, ZDA 36 (1893), 275. Hench (JEGP 1
[1897], 45ff.) wollte auch inlautend nach /, r das got. b als Spiranten fassen. Vgl.
Bethge 780; Streitberg §§ 35,8, 123; Jellinek § 29; Marchand 76.

§ 55. Got. b kann im Anlaut nur auf idg. b\ in anderer Stellung auf ¿ / o d e r (nach
dem Vernerschen Gesetz, s. § 50a mit A.2) auf ρ zurückgehen. Beispiele:
a) für den A n l a u t : bairan 'tragen', beitan* 'beißen', -biudan* 'bieten',
bôka 'Buchstabe' (γράμμα); brikan* 'brechen', brôpar 'Bruder', brûkjan
'brauchen'; uf-blêsan* 'aufblasen', blôma* 'Blume'; bnauan* 'zerreiben';
b) für den I n l a u t : Huba (sw. m. Adj.) 'lieb', ga-laubjan 'glauben', graban
'graben', sibja* 'Verwandtschaft', orbi 'Erbe', kalbô* 'junge Kuh'. -
haubip ' K o p f , sibun 'sieben', haban 'haben', skaban 'schaben', liban 'le-
ben', bi-raubôn* 'rauben', salbôn 'salben'; - h l a i b i s (Gen. zu hlaifs) 'Brot'.
A n m . 1. Schwund des i in der Lautfolge mbr wurde verschiedentlich angenommen
bei dem häufig (auch mit Komposita) belegten timrjan* 'bauen' (wozu timreins*,
timrja 'Zimmermann'), woneben nur 2mal timbrjan (Lk. 14,28.30): da die übrigen
germ. Sprachen hier b zeigen (aisl. timbr, ae. timber, ahd. zimbar 'Bauholz'), galt
dieses als alt. Tatsächlich liegt eine germ. Neubildung mit der Folge mr vor, die im

64
Β. Geräuschlaute - 1. Labiale §56.

Got. erhalten geblieben ist (vgl. Feist 478; Kieckers § 79,2); älteres mr führt im Germ,
über mbr zu mpr (Heidermanns, EWGP 100). - Ausgelassen ist b einmal in Mamrês
2.Tim. 3,8 A (= Mambrês Β) Μαμβρής (nach Streitberg §31 „umgekehrte Schrei-
bung").
A n m . 2. <bb> kommt nur in Fremdwörtern vor, z.B. abba άββά, sabbato σαββάτφ.
Außerdem gibt es 3 Belege für eine Assimilation des auslautenden -h von jah an
folgendes b (§62 A.3): jab-bi Gal. 3,29, jab-biudis l.Kor. \Q,2\, jab-brusts 2.Kor.
7,15 A.

Im A u s 1 a u t und vor dem .9 des Nominativs (für die Stellung vor dem t der § 56.
2.Sg. Prät. fehlen Belege) bleibt <b> nach Konsonanten (/, m, r) erhalten, weil
es dort früh zum Verschlußlaut geworden ist; dagegen ist nach Vokalen das
hier spirantisch gebliebene <b> in den entsprechenden stimmlosen Spiranten/
gewandelt („Auslautverhärtung"). Also giban 'geben', Prät. 1.3.Sg. gaf, 2.
gaft, 2.Sg. Ipv. gif:; hlaifs 'Brot', Akk.Sg. hlaif Nom.Pl. hlaibôs; - aber lamb
'Lamm', dumbs 'stumm', -swairban* 'wischen', Prät. bi-swarb.
A n m . 1. Die Regel „auslautendes/für inlautendes b nach Vokalen" zeigt in unseren
Texten einige Ausnahmen, aber die überwiegende Anzahl der dazu passenden Belege
beweist die Gültigkeit der Regel, die phonetisch begründet ist und in as. geban/gaf
liobolliof (aber lamb) ein treffendes Analogon hat. Die abweichenden Fälle mit b im
Auslaut, im ganzen 20, stehen nur in bestimmten Teilen der Quellen (5 im Luk.-Ev., 4
im Joh.-Ev., 4 in den Ths.-Briefen, 4 in der Skeireins; in sämtlichen übrigen Texten
nur je 1 in Mrk., 1 .Tim. und Eph., vgl. die Belege bei Streitberg, IF 18 [1906], 396). Sie
finden sich ferner nur nach langem Stammvokal oder in unbetonter Silbe (twalib).
Man darf die anomalen b wohl dem Urtext absprechen und sie den jüngeren Schrei-
bern der betreffenden Stücke zuweisen. Auch in der aus dem 6. Jh. stammenden
Urkunde von Arezzo ist Gudilub geschrieben. - Vgl. auch das in § 74 A.l über den
Wechsel zwischen d und p Bemerkte.
Die Ausnahmen sind im Verb selten, nur grob Lk. 6,48 und ga-dôb Skeir. 3,3 (zum
Adj. gadôb s.u.); - d i e Formen mit/sind belegt in gaf, gaft, gi/(sehr häufig);je einmal:
us-grôf Mk. 12,1 (zu graban), swaif (τα sweiban*), -skauf (zu -skiuban*). Zu -dreiban
wird also das Prät. -draij* lauten. - Zu bilaif Kai. 8 wird, falls es sich um ein finîtes
Verb handelt, der Inf. als *bi-leifan (statt *bi-leiban, wie meist geschieht) anzusetzen
sein; vgl. Feist 91 (mit Lit.); Pokorny 670; Schwab, Helikon (Messina) 7 (1967),
357fr.; Lacy, GL 20 (1980), 99ff.; Suzuki, HS 106 (1993), 129ff. Ganz anders Schme-
ja, PBB 120 (1998), 355fT. (< *bi-hlaifs 'Mitbruder', vgl. ga-hlaiba* 'Kamerad').
Im Nomen ist nur hlaifs häufiger belegt: Nom. hlaifs lOmal: Jh. 6,33.35.
41.48.50.51,58 (2mal); 1 .Kor. 10,16.17, dxaihlaibs Lk. 4,3; Akk. hlaif I9mal (5 hlaib);
- twalif'zwölf (12mal gegen 2 twalib), danach auch ainlif* (zu ainlibim Mk. 16,14;
l.Kor. 15,5 A).
Danach setzt man gewöhnlich an die Nominative *stafs 'Stab' (nur Dat.Pl. stabim
'Elemente'), laufs* 'Blatt' (nur Akk. lauf und laubös, vgl. § 91 A.6), daufs* 'taub' (nur
daubata), ga-laufs* 'kostbar' (nur galaubamma 2x,filugalaubis, galaubaim), ga-döfs*
'passend' (lx gadôf gegen 6x gadôb), liufs* 'lieb' (nur mehrsilbige Formen belegt;
liubai, liuba, liubana usw.). Als Wulfilas Form ist auch anzusetzen piufs* (= as. thiof)
'Dieb', obwohl der Nom. zufallig nur als piubs (Jh. 10,10 12,6; l.Ths. 5,2.4) belegt ist,
neben piubôs (2x), piubê.

65
§56. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

A η m. 2. Im Gegensatz zu der in Anm. 1 vorgetragenen Auffassung sucht Wrede § 58


A.l das Schwanken aus der Natur des b und / zu erklären; Streitberg § 25 will mit
Sievers den Anlaut des folgenden Wortes für das gelegentliche Auftreten von auslau-
tendem b (ebenso von dund z) verantwortlich machen. - Vgl. auch § 74 A.l.

A n m . 3. Unter die Regel fallen auch die Präp. af und uf, welche vor vokalisch
anlautender, enklitischer Partikel b aufweisen: ab-u, ub-uh-wôpida Lk. 18,38. In der
nominalen Komposition dagegen s t e h t f . af-étja 'Fresser' (z.B. Mt. 11,19), uf-aipeis*
'vereidet' (vgl. us § 78 A.4).

A n m . 4. Nach r steht regelmäßig auslautend b: biswarb Lk. 7,38.44, Jh. 11,2 12,3,
fveilahairb 2.Kor. 4,17, gapaúrbs Tit. 1,8, parb (Adj.) Php. 2,25. Vgl. ZDA 54, 10f.;
Streitberg § 35 A. 15. - Scheinbare Ausnahme ist parf 'ich bedarf zum Plur. paúrbum;
aber parf hat germ./(§ 53), das mit dem b des Plur. in grammatischem Wechsel steht
(s. Ahd.Gr. § 101); vgl. § 50a. - Auch aflifnan* 'übrigbleiben', PI. laibós 'Überbleibsel'
zeigen grammatischen Wechsel.

A n m . 5. In der Wortbildung steht/vor t sonstigem b gegenüber (§ 81): -gifts* 'Gabe'


(Lk. 1,27 fragibtim ist Schreibfehler, vgl.fragiftim Lk. 2,5; s. Sturtevant, GR 6 [1931],
68),paurfts 'Bedürfnis'. Vor« kann/oder b stehen: einerseits aflifnan*, ufarhafnan*,
andererseits ibns*, stibna, afdaubnan*, drôbnan; das Suffix -ubni wechselt mit -ufni
(Kluge, Grdr. 1,508): fraistubni* 'Versuchung', aber waldufni 'Gewalt' (vgl. § 79 A.4).

2. Velare

§ 57. Got. <b entspricht in Fremdnamen und Lehnwörtern gr. κ, lat. c, z.B. Kefas
Κ η φ ά ς , aikklesjô έκκλησία, laiktjô lectio. Got. <k> vertritt in griech. Wör-
tern in der Regel auch χ, z.B. Kaurazein Χ ο ρ α ζ ε ί ν , arkaggilus* ά ρ χ ά γ γ ε λ ο ς ;
zu got. <x> für gr. χ s. § 58a.
A n m . 1. Labialisiertes k (kw) hat im Got. ein eigenes Zeichen: <φ (§ 59).
A n m . 2. Auf vorwulfilanischer Entlehnung beruht die Wiedergabe des gr.-lat. g
durch got. k in marikreitus* μαργαρίτης margarita und Kréks Graecus. Vgl. Kossin-
na, Fs. Weinhold (1896), 27ff.; Luft 294f.; Behaghel, ZDW 4 (1903), 250f.; Loewe,
KZ 40 (1906), 550ff.; Thumb, ZDW 7 (1906), 264; Feist 314, 346f.

§ 58. In got. Wörtern geht k, außer in der idg. Lautgruppe sk, auf idg. g zurück. Es
ist in allen Stellungen häufig:
a) a n l a u t e n d : kniu* 'Knie', kaum* 'Getreide', kuni 'Geschlecht', kalds*
'kalt', kaürus* 'schwer', kiusart* 'prüfen', kalbô* 'Kalb';
b) i n l a u t e n d : brikan* 'brechen', aukan* 'mehren', akrs 'Acker', reikeis*
'mächtig', mikils 'groß', waúrkjan 'wirken', laikan* 'springen', uf-rakjan*
'aufrecken';
c) a u s l a u t e n d : ik 'ich', mik ' m i c h \ j u k * 'Joch'.
A n m . 1. <kk> kommt nur vor in den Lehnwörtern aikklesjô 'Kirche', sakkus* 'Sack',
smakka* 'Feige' (vgl. Feist s.w.) sowie in den Fremdnamen Raibaikka 'Ρεβέκκα und
Zakkaius Ζακχαΐος (daneben Gen.Sg. \Zaxxaiaus, s. § 58a A.2). - In einem Fall ist

66
Β. Geräuschlaute - 2. Velare §59.

kk durch Assimilation eines auslautenden -h an folgendes k entstanden (§ 62 A.3):


nukkannt (< *nuh könnt) l.Kor. 7,16 A.
A n m . 2. In der Wortbildung erscheint vor t statt des k ein h (§ 81), z.B. sauhteis*
'Krankheiten' (nur im Pl., neben Sg. siukei, zu siuks), wahtwô* 'Wache' (zu wakan*),
brühta (Prät. zu brükjan), pähta (zu pagkjan). Dies gilt jedoch nicht vor dem -t der
2.Sg. Prät. von st. Verben auf k (z.B. wakan*, aukan*, têkan*), für die es an Belegen
fehlt: hier ist *wôkt usw. anzusetzen, s. § 170 A.2.

Hin und wieder verwenden die Handschriften für gr. χ nicht das Zeichen <k> § 58a.
(§ 57), sondern oc>; der Lautwert ist offenbar der acA-Laut [χ] (vgl. § 65).
Dies geschieht stets in der Abkürzung xs usw. 'Christus' (§ 1 A.7), auch in
galiugaxristjus (Mk. 13,22); ferner vereinzelt in griech. Namen und Wörtern
(z.T. hebräischen Ursprungs): Gen.Sg. Zaxariïns (Lk. 3,2, neben Zakarias
Ζ α χ α ρ ί α ς in verschiedenen Kasus, z.B. Lk. 1,5.12.13.21.40.59), Αχαΐα
Α χ α ΐ α (2.Kor. 9,2 Β, neben Akaja A), Gen.Sg. Saixaineiins Σεχενίου (Neh.
6,18); pasxa π ά σ χ α (Jh. 6,4 18,28.39, neben paska Mt. 26,2; Lk. 2,41; Mk.
14,12.14; l.Kor. 5,7 A), Akk.Sg. aiwxaristian εύχαριοτίαν (2.Kor. 9,11 B;
A fehlt).
Vgl. Wrede, Ostg. 54; Luft 297; Gaebeler 19f., 48ff.; Jellinek §28;
Ebbinghaus, Fs. Nolte (1963), 3 ff.
A n m . 1. In einem Fall steht got. <x> für gr. κ: Xreskus Κρήσκης 2.Tim. 4,10 A
(Krispus B).
A n m . 2. Für <xx> gibt es nur einen unsicheren Beleg, nämlich den Gen.Sg.
^Zaxxaiaus Neh. 7,14; sonst wird gr. Ζακχαως durch Zakkaius wiedergegeben (§ 58
A.l).

1
Das dem griech. Digamma entstammende Zeichen <q> entspricht in lat. §59.
Wörtern dem qu (qartus Rom. 16,23); auch seinem Lautwert nach kommt es
dem lat. qu gleich, das einen labialisierten fc-Laut, also einen einfachen, nicht
positionsbildenden Konsonanten darstellt. Sprachgeschichtlich setzt das q
echt gotischer Wörter den idg. Labiovelar g- fort.
A n m . 1. Daß q als zweifache Konsonanz gewirkt habe (vgl. §7 A.2), ist ausge-
schlossen; Bennett, Lg 35 (1959), 427ff. erweist Iql in klarer Beweisführung als Pho-
nem. - Vgl. noch ZDP 12 (1881), 481 f.; ADA 28 (1902), 24; Streitberg, IF 14 (1903),
495 ff. (got. <q> Verbindung von k mit stimmlosem w); Marchand, ZD A 86 (1956),
269; Sen, NOWELE 36 (2000), 67 ff.
A n m . 2. Neben <φ wird das got. Zeichen auch mit <kw> oder <kv> transkribiert, weil
ihm in den verwandten germ. Sprachen eine Konsonantenverbindung entspricht, die
sich als ein k mit eng angeschlossenem iv-Laut darstellt und durch zwei Zeichen
wiedergegeben wird: im Ae. durch <cw>, im Aisl. durch <kv>, im Ahd., Mhd., Nhd.
durch <qu>. Also got. qipan 'sagen' = ae. cweöan, aisl. kveöa, ahd. quedan. Der Laut-
wert des got. <q> wird dadurch nicht berührt.

67
§60. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

§ 60. Beispiele für q:


a) a n l a u t e n d : qinô 'Frau', qius, Plur. qiwai 'lebendig', -qairnus 'Mühle',
qiman 'kommen';
b) i n l a u t e n d : naqaps 'nackt', aqizi 'Axt', riqis 'Finsternis', sigqan*
'sinken';
c) a u s l a u t e n d kommt qnur in folgenden Fällen vor: sagq 'sank' Lk. 4,40,
ga-saggq Mk. 1,32, bi-stagq 'Ansturm' Lk. 6,48.49, bi-stugq 'Anstoß'
Rom. 14,13. Hier ist es stets durch ein Paradigma gestützt.
A n m . 1. Iql steht im Got. niemals vor Konsonant, mit alleiniger Ausnahme des
Halbvokals j (dasselbe gilt für Λν/, § 64 Α. 1): DPlf. hnasqjaim 'weich' Mt. 11,8 (2x),
Lk. 7,25; sagqjan* 'senken' 1 .Tim. 6,9 AB; ga-stagqjan* 'anstoßen' Lk. 4,11. Das nur
Lk. 8,6 belegte qrammi¡>a 'Feuchtigkeit' ist angesichts von aisl. krammr 'halbge-
schmolzen' als Fehler für *krammipa einzustufen (Kluge, Conj. 44; Feist 391; Hei-
dermanns, EWGP 354). Die Randglosse fsuqnis 1 .Tim. 5,23 A ist nicht sicher zu lesen
(Snsedal XXVI).

h
§ 61. Got. h ist (über einen stimmlosen Spiranten, s. § 50a) auf idg. k zurück-
zuführen. Man setzt meistens im Wortanlaut vor Vokal Aussprache als
Hauchlaut an, in allen anderen Stellungen aber als Spirant (schwächer als
der nhd. ac/i-Laut), also im Anlaut vor Konsonanten (hl, hn, hr), im Inlaut
zwischen Vokalen (hier aber wohl ganz schwach artikuliert), vor und nach
Konsonant und im Auslaut (vgl. die Assimilationen § 62 A.3 und die Bre-
chung §62 A.l). Das Ausfallen der Transkriptionen vom Got. ins Lat.
(Anm. 1) und vom Griech. ins Got. (Anm. 2) macht eine genauere Be-
schreibung des h zunächst schwierig; doch s. Marchand 77.
Die Aussprache von got. <Λ> wird kontrovers beurteilt; vgl. ZDA 41,
371 f.; Bethge 201 f.; Streitberg §35,5; Janko, Prager deutsche Studien 8
(1908), 59ff.; de Vries, TNTL 49, 199ff.; Moulton, Lg 30 (1954), 3ff.;
Ebbinghaus, GL 21 (1981), 259ff.
A n m . 1. Die Römer geben got. h durch ihr <A> wieder (z.B. Hildibald, Hildericus),
lassen es aber auch manchmal weg (z.B. Ariamirus); vgl. Dietrich, Ausspr. 77. Wegen
der schwankenden Schreibung des h im Lat. lassen sich jedoch hieraus keine Schlüsse
auf die Artikulation oder etwaige Lautentwicklung im Got. ziehen.
A n m . 2. In einigen griech. Wörtern scheint anlautendes got. h den Spiritus asper
wiederzugeben, z.B. Haibraius Εβραίος, Herodes Ηρώδης; andererseits wird der
Spiritus asper sehr oft unbeachtet gelassen, so stets in Iairusaulwma 'Ιεροσόλυμα,
Esaïas (meist Ησαΐας). Da der Spiritus asper zur Zeit des Wulfila im Griech. nicht
mehr gesprochen wurde, erklärt sich dieser Gebrauch des got. <A> durch Anschluß
an die Schultradition und die Tradition der alten lat. Bibel. Vgl. Luft 310ff.; Schulze,
Kl. Sehr. 516f.; Streitberg § 20,9; Gaebeler 16ff.
A n m . 3. Im Inlaut zwischen Vokalen ist, der lat. Bibel folgend, zuweilen bei fremden
Namen <A> eingeschoben, z.B. Iohannes Ιωάννης, Abraham 'Αβραάμ. Vgl. Tegnér,
Tidskr N. R. 6 (1884), 304ff.; ADA 23 (1897), 331; Luft 312; Gaebeler 17.
A n m . 4. Das labialisierte h hat im Got. ein eigenes Zeichen: <b> (§§ 63, 64).

68
Β. Geräuschlaute - 2. Velare §62.

Beispiele für h:
a) a n l a u t e n d : haúrn* 'Horn', hana 'Hahn', hairtô 'Herz', hawi 'Heu',
hails 'heil', hunda N o m . P l . 'hunderte', -haßan 'heben'; - anlautende Ver-
bindungen: hlaifs 'Brot', hliuma 'Gehör', hlifan* 'stehlen', hlûtrs* 'lau-
ter', hlahjan* 'lachen', hnaiws* 'niedrig', hrains 'rein', hrôpjan 'rufen',
hrôt* 'Dach';
b) i n l a u t e n d : faihu 'Vermögen', taihun 'zehn', ga-teihan* 'berichten',
tiuhan 'führen', saihs 'sechs', naht s 'Nacht', liuhtjan* 'leuchten', fllhan
'verbergen', swaihra 'Schwiegervater';
c) a u s l a u t e n d : jah 'und', -uh 'und' (vgl. § 2 4 A.2), -täuh (zu tiuhan)·, -
auslautende Verbindungen: pairh 'durch', alh (zu alhs 'Tempel'), -falh (zu
filhan).

A n m . 1. Uber „Brechung" des i und u vor h s. §§ 20,24; vgl. auch Howell, Fs. Banta
(1988), 27ff.

A n m . 2. Vor h ist Nasal bereits im Urgerm. mit Ersatzdehnung ausgefallen: fâhan


(aus *fanhan),pühta (aus *punhta) usw. (vgl. §§ 50 A.l, 5,b, 15,b, 17).

A n m . 2a. In auhumists 'der höchste' ist h vielleicht zwischen zwei u-Vokalen a u s /


dissimiliert; ähnlich aúhns* 'Ofen', falls mit h < / ( § 139 A.la mit Lit.).

A n m . 3. Auslautendes h in -uh (oder -h § 24 A.2), jah, nih, nuh kann an den Anlaut
des folgenden Wortes assimiliert werden. In den Evangelien (Cod. arg.) und in Cod. Β
geschieht dies jedoch nur selten und nur vor Partikeln oder Pronomina, die mit p
anlauten; häufig dagegen, und auch vor anderen Konsonanten, in Cod. A und Skeir.,
z.B. wasuppan (= wasuh-pan 'aber es war') Mk. 1,6, sumaippan (= sumaih-pan 'aber
einige') Mt. 26,67, sijaippan (= *sijaih-pan 'aber es sei') Mt. 5,31, jappé (= *jah-pé 'und
wenn'), nippan (= *nih-pan 'und nicht'); - vor a n d e r e n Konsonanten in A: jalliban
(= jah liban Β 'und leben') 2.Kor. 1,8, jarragin (= jah ragin Β 'und der Rat') 2.Kor.
%,\0,jammundôp (= jah mundôp Β 'und seht a u f ) Php. 3,17, nukkannt (= *nuh könnt
'denn weißt du') l.Kor. 7,16, jaggatraua (= jah gatraua 'und ich vertraue') Rom.
14,14, jaddu (= jah du 'und zu') 2.Kor. 2,16,jabbrusts (=jah brusts Β 'und das Herz')
2.Kor. 7,15, ausnahmsweise auch im Cod. arg., aber nur im Luk.-Ev.: janni (=jah ni)
Lk. 7,32, nissijai (= *nih sijai) Lk. 20,16. Vgl. dazu Janko, Prager deutsche Studien 8
(1908), 61 ff.; Jacobsohn II 132ff.

A n m . 4. h ist im Auslaut einigemal ausgefallen (vgl. PBB 15 [1891], 277; Janko,


Prager deutsche Studien 8 [1908], 70): harjanô Skeir. 4,2 (statt harjanôh), harjô Mk.
15,6 (statt harjôh), hammê Gal. 5,3 (statt hammêh), h/aparammê Skeir. 5,4 (§ 166),
hileiku Eph. 1,18 (statt Ivileikuh); aber inu, in A oft statt inuh, ist vielleicht ursprüng-
lich (Sturtevant, GR 8 [1933], 207).
Vor Konsonant fehlt h in folgenden Fällen: als Mk. 15,38 (statt alhs 'Tempel', s.
Griepentrog 35 f.), drausnós Skeir. 7,4 (neben drauhsnôs Jh. 6,12, zu drauhsna* 'Brok-
ken'), ganipnands Mk. 10,22 (vgl. aisl. hnipna 'traurig werden'), hiuma Lk. 6,17 8,4
(sonst hiuhma 'Menge'), liuteip Mt. 5,15 (zu liuhtjan* 'leuchten'), pairwakands Lk.
6,12 (neben pairhwakandans Lk. 2,8), uswaúrts 2.Kor. 9,9 (statt uswaúrhts*, z.B.
uswaurhtana Lk. 10,29); hierher auch 'fweinnas 'trunksüchtig' l.Tim. 3,3, Tit. 1,7,
falls < *wein-nahs 'mit reichlich Wein' (Wagner, HS 115 [2002], 90ff.). Diese Fälle in
ihrer Vereinzelung werden im allgemeinen als Verschreibungen aufgefaßt und von

69
§62. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

den meisten Herausgebern getilgt, doch in der Summe weisen sie auf schwache
Artikulation des h und dadurch verursachte Assimilation (vgl. §§ 65, 82 A. 1).
Auch überschüssiges h kommt vereinzelt vor: z.B. gawaúrhtai Eph. 3,18 AB (statt
fgawaurtai, hyperkorrekt auf gawaúrkjan bezogen, s. § 209 A.3), snauh l.Ths. 2,16
(st. snau, doch vielleicht angehängtes -uh § 24 A.2). Vgl. Bernhardt Llllf.; Bethge 210;
H. Pipping, Neuphilol. Mitteilungen (Helsingfors) 1904, 148 ff.
A n m . 5. In der Wortbildung findet sich h anstelle von k vor t (§ 58 A.2), ebenso
anstelle von g, sowie grammatischer Wechsel von h und g (§ 66 A.l).

h
§63. Das Zeichen <h» bezeichnet einen dem Got. eigenen Laut, welcher im
Griech. und Lat. keine Entsprechung findet. Das got. Zeichen steht im Al-
phabet an der Stelle des griech. ψ und ist von ihm abgeleitet, s. Marchand,
Z D A 86 (1956), 274f.; Ebbinghaus, G L 19 (1979), 25f. Es steht für einen
labialisierten Α-Laut, vgl. Bennett, Lg 35 (1959), 427ff.
A n m . 1. Das got. Zeichen wurde früher vielfach mit <Av> oder <hw> umschrieben.
Dem lag die Annahme zugrunde, daß das Zeichen nicht ein, sondern zwei Phoneme
repräsentiere, nämlich Ixwl, da die übrigen germ. Sprachen in entsprechenden Wör-
tern (wenigstens im Anlaut) <hw>, <hu> oder <Av> zeigen, z.B. got. heits*: ahd. hwTz, ae.
hwlt, aisl. hvitr 'weiß'. Gegen diese Ansicht sprechen mehrere Gründe: a) <h> wird nie
als <hw> verschrieben. - b) <h> wird nie zur Wiedergabe von in der Komposition
zusammentreffenden -h und w- verwendet (pairhwakandans Lk. 18,38, doch ist hier-
bei bis zu einem gewissen Grade die etymologische Schreibung zu berücksichtigen,
vgl. Litbl 50,403). - c) h wird in der Reduplikation als einfacher Konsonant behan-
delt (haihôp § 178). - d) Das als zweiter Bestandteil von h angenommene [w] verhält
sich völlig anders als das got. w (§ 39): in isolierten Formen schwindet es auslautend
(nih), bei analogischer Bewahrung wird es im Auslaut (sah) oder vor Konsonant
(saht) nie vokalisiert (§ 64,c); zudem begegnet es nur tautosyllabisch nach h. - Lit.:
Streitberg, IF 14 (1903), 495ff.; ZDP 12,481 f.; Braune, PBB 12 (1887), 218ff.; ADA
28 (1902), 25; ADA 31 (1907), 2; Litbl 1909, 90; Streitberg § 35,6; Marchand 77;
Cubbin, KZ 91 (1977), 304 ff.

§ 64. Sprachgeschichtlich entspricht h einem idg. labiovelaren k- (lat. qu). Es


findet sich im Got. fast nur vor Vokal (s. Anm. 1). Beispiele:
a) a n l a u t e n d : has 'wer', hairnei* 'Schädel', hairban* 'wandeln', heila
'Zeit', hôpan 'sich rühmen', heits* 'weiß', haiteis 'Weizen';
b) i n l a u t e n d : aha 'Fluß', saihan 'sehen', leihan 'leihen',peihô* 'Don-
ner', nêha 'nahe', aiha-tundi* 'Dornstrauch';
c) inlautend vor Konsonant und a u s l a u t e n d ist h nur erhalten, w o ana-
logischer Einfluß vorliegt (Anm. 1): saht, sah, saih (zu saihan), nèh
'nahe'; dagegen ist die Labialisierung in isolierten Formen auslautend
geschwunden: nih 'und nicht' (lat. ne-que), wohl auch -uh (§ 24 A.2).
A n m . 1. Ihil steht niemals vor Konsonant, außer vorj (dasselbe gilt für Iql, § 60 A. 1 ):
nêhjandans Lk. 15,1, wai-fairhjandans Mk. 5,38. In der 2.Sg. Prät. saht (s.o.) ist h
durch den Einfluß verwandter Formen geschützt (§ 170 A.2). - In leihts* 'leicht' liegt
kein innergot. Wandel von h > h vor; vielmehr hat der idg. Labiovelar g** seine
Labialisierung schon vor- oder frühgerm. verloren (Feist 326; Heidermanns, EWGP
373 f.).

70
Β. Geräuschlaute - 2. Velare §66.

A n m . 2. Ihil bewirkt wie /h/ „Brechung" eines vorangehenden i (§62 A.l); für u
fehlen Belege.

g
<g> entspricht dem griech. γ, auch in der Geltung als velarer Nasal (vgl. §§ 50, § 65.
67), z.B. swnagoge* συναγωγή, aggilus άγγελος. - Die Aussprache des got.
g war im Anlaut wohl die eines stimmhaften Verschlußlauts; für Inlaut und
Auslaut ist teilweise auch mit spirantischer Aussprache zu rechnen. Das
Problem besteht darin, daß auslautendes <g> im Gegensatz zu <b> und <d>
nicht der „Auslautverhärtung" (§§ 56,74) unterliegt. Deren Ausbleiben, das
zu einer kontroversen Debatte Anlaß gab (s. Anm. 2), läßt sich aber mit
dem Fehlen eines stimmlosen Korrelats begründen: das h kam als Hauch-
laut bzw. schwach artikulierter Reibelaut (vgl. § 62 A.4) dafür nicht in Be-
tracht; das auf die Wiedergabe von gr. χ beschränkte Zeichen co (§ 58a)
beweist gerade, daß dem Got. der Laut [χ] fehlte. Folglich dürfte <g>, parallel
zu <b> und <d>, nach Konsonanten als Verschlußlaut, nach Vokalen als Reibe-
laut einzustufen sein.

A n m . 1. Lat. und griech. Schriftsteller gaben g in got. Namen durch <g> (<γ>), aber
auch durch <c> wieder, z.B. Caina neben Gaina (Jordanes), Γαϊνας (4. Jh.),
Commundus (= Gummundus); im Inlaut ist es, besonders vor /', oft geschwunden, z.B.
Eila (neben Agila, Egila), Aiulf (= Agiulf), Athanaildus (= Athanagildus), vgl. Diet-
rich, Ausspr. 73 f.

A n m . 2. Zur phonetischen Geltung des in- und auslautenden <g> s. Jellinek, ZD A 41


(1897), 370f.; Moulton, Lg 30 (1954), 3ff.; Marchand 76; Ebbinghaus, G L 21 (1981),
259 ff.; Roberge, PBB 106 (1984), 325 ff. Überwiegend wird es als Spirant gefaßt, vgl.
Streitberg § 35,9; Wrede/Heyne § 72; s. auch van Helten, IF 14 (1903), 74f.; Janko,
Prager deutsche Studien 8 (1908), 69f. - Jellinek (PBB 15 [1891], 276ff.; ZDA 36
[1893], 85; doch vgl. ADA 31 [1907], 1) Schloß auf Aussprache des in- und auslau-
tenden <g> als Media affricata, Wilmanns (I2, 37) auf Geltung als Verschlußlaut (aber
I 3 , 39, 200 auf spirantische Geltung). - Für den Inlaut kann man sich auf die lat.
Umschreibungen berufen (vgl. besonders Wrede, Ostg. 173 f.).

g geht in got. Wörtern im Anlaut stets auf idg. g\ in anderen Stellungen auf § 66.
idg. gh oder (nach dem Vernerschen Gesetz, s. § 50a mit A.2) auf k zurück.
Es ist in allen Stellungen häufig. Beispiele:
a) a n l a u t e n d : gasts 'Fremder', guma 'Mann', gulp* 'Gold', gôps 'gut',
giutan* 'gießen', greipan 'greifen', graban 'graben';
b) i n l a u t e n d : agis 'Schrecken', wigs 'Weg', ga-wigan* 'bewegen', steigan*
'steigen', ligan* 'liegen', pragjan* 'laufen'; augô 'Auge', tagr* 'Träne',
tigus* 'der Zehner', aigum 'wir haben'; - im Suffix: mahteigs 'mächtig',
môdags 'zornig'; - nach Konsonanten balgs* 'Schlauch', tulgus 'fest',
bairgan* 'bergen', azgô* 'Asche' (über η + g s. § 67);
c) im A u s 1 a u t bleibt <g> (zumindest graphisch) unverändert: ôg 'ich fürch-
te (mich)', mag 'ich kann', wig (Akk. zu wigs 'Weg') usw.

71
§66. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

A n m . 1. Vor suffixalem t wechselt g mit h (§ 81), z.B. mahts, mahta (zu mag), ôhta (zu
ôg), baúhta (zu bugjan* 'kaufen'), brähta (zu briggari)\ aber die 2.Sg. zu mag erscheint
stets in der Form magt (§ 170 A.2). - In einigen Fällen steht g in grammatischem
Wechsel mit h (§ 50a): taihun '10' und tigus* 'Zehner', filhan 'verbergen' und fulgins*
Adj. 'verborgen', faginôn 'sich freuen' und fahéps 'Freude', huggrjan* 'hungern' und
hährus 'Hunger', juggs* 'jung', Kompar. jûhiza; über den Wechsel in áih - aigum,
aihum s. § 203 A.2.

§ 67. <g> dient nach griech. Vorbild (vgl. Schulze, Kl. Sehr. 262 f.; Klio 22, 404)
auch in got. Wörtern zur Bezeichnung des velaren Nasals (s. § 50). Beispiele:
tog]: laggs* 'lang', briggan 'bringen', tuggô 'Zunge', flggrs* 'Finger',
gaggan 'gehen';
[ijk]: drigkan 'trinken', pagkjan 'denken', pugkjan* 'dünken';
foq]: igqis 'euch beiden', sigqan* 'sinken', stigqan 'stoßen'.

A η m. 1. Der velare Nasal [η] wird vor g regelmäßig durch <g> bezeichnet; nur einmal
steht <gg>: atgagggand Mt. 9,15, was die Herausgeber als Fehler beseitigen. In der
Urkunde von Arezzo begegnet der Akk.Pl. killigggans (für skilliggans Urk. Neapel).
Vor k, q dagegen steht häufiger <gg>: gasaggq Mk. 1,32, driggkip Jh. 6,54, iggqis Mt.
9,29; in Cod. Β ist das die Regel. In drei Fällen ist [rj] anscheinend unbezeichnet:
fauragagjins (= -gaggj-) Lk. 8,3, fauragagjan Lk. 16,1, unmanarigwai 2.Tim. 3,3 A
(= -riggwai Β) άνήμεροι, s. § 68,1 (in gaag\ hvein Skeir. 1,3 ist das fehlende <g> nachge-
tragen). Der Gedanke, daß hier <g> für den velaren Nasal [g] stehe und also ein
Lautwandel [gg] > [g] vorliege, läßt sich mit diesen wenigen Belegen allerdings nicht
stützen. Vgl. Bernhardt LI.

An m. la. Nicht hierher gehört die durch Assimilation entstandene Folge <gg> wie
z.B. in jaggatrauada (< *jah gatrauada) Rom. 14,14, vgl. § 62 A.3.

A n m . Ib. In der Kompositionsfuge bleibt der dentale Nasal η erhalten: piudan-


gardi, un-galaubeins*; in-kilpô, un-kunps\ un-qênips*, un-qêps*.

A n m . 2. Allein im Luk.-Ev. begegnet einige Male die lat. Schreibung des velaren
Nasals durch <«>, z.B. bringip 15,22, pank 17,9, inqis 19,31. Dazu noch unkja* (lat.
uncia) in der (allerdings späteren) Urkunde von Arezzo.

§ 68. Besonders zu beachten ist die graphische Verbindung <ggw>. Sie ist historisch
verschiedenen Ursprungs.
1. Sie setzt germ. *ygw fort, wie etwa in aggwus* 'eng' (ahd. engi, aisl. çngr,
Akk. çngvari), siggwan 'singen' (ahd. singan, aisl. syngva), saggws* 'Ge-
sang'. Hierher auch un-manariggws* 'ungezähmt, wild' (urspr. 'für den
Menschen nicht leicht', zu ahd. ringi 'leicht, gering', s. Heidermanns,
EWGP 445f. mit Lit.; anders Grienberger 228).
2. Ein zweites <ggw> ist aus urgerm. *ww entstanden („Verschärfung",
s. Anm. 1); ihm steht im Westgerm, uw (vgl. Ahd.Gr. §§112, 113), im
Aisl. gg(v) gegenüber. Z. B. triggws 'treu' (ahd. triuwi, aisl. tryggr),
bliggwan 'schlagen' (ahd. bliuwan), glaggwô, glaggwaba, Adv. zu einem
Adj. *glaggws 'genau' (ahd. glauwêr, aisl. glçggr; s. § 131 A.2), skuggwa
'Spiegel' (aisl. skyggja, zu ahd. scouwôn).

72
Β. Geräuschlaute - 3. Dentale §69.

Die Aussprache dieser historisch verschiedenen Folgen <ggw> ist umstritten.


Allgemein wird angenommen, das <ggw> unter 1. sei seinem Ursprung ge-
mäß als [r)gw] aufzufassen, also [aggwus] usw. Das aus *ww entstandene
<ggw> scheint jedoch langes (geminiertes) g + w wiederzugeben, also
[bliggwan] usw.; in diese Richtung weist nicht nur die altnord. Entwicklung
zugg(v), sondern auch die parallele Folge <ddj> (§ 73 Α. 1). Die durchgehende
Schreibung des velaren Nasals als <g> (<gg>, <gb, <gq>, s. § 6 7 A . l ) spricht
nicht dagegen (anders noch in der 19. Aufl. dieses Buches). Vgl. Marchand
60, 77; dens., G L 1 (1955), 79ff.

An m. 1. a) Uber die germ. Verschärfung („Holtzmanns Gesetz") und die dadurch


entstandenen got. Folgen <ggw> und <Mp (§ 73 A.l): F. O. Lindeman, Les origines
indo-européens de la „Verschärfung" germanique, Oslo 1964 (mit der gesamten
älteren Lit.; außerdem: Chhimsky, Xenia Pragensia [1929], 339ff.). - Neuere Lit.:
Kurylowicz, Lg 43 (1967), 445ff.; Lindeman, NTS 23 (1969), 25ff.; Cathey, StL 24
(1970), 56ff.; Polomé, Fs. Buyssens (1970), 177ff.; Tanaka, La linguistique 6 (1970),
65ff.; Jasanoff, MSS 37 (1978), 77ff; Suzuki, JIES 19 (1990), 163ff.; Fulk, Fs. Sze-
merényi (1993), 341 ff.; Davis/Iverson, in: Germanic Linguistics, syntactic and dia-
chronic, Hrsg. R. L. Lippi-Green / J. C. Salmons, Amsterdam/Philadelphia 1996,
103ff.; L. C. Smith, Göttinger Beiträge zur Sprachwissenschaft 1 (1998), 75ff.; Page,
Diachronica 16 (1999), 297 ff.
b) Über die ostgot. Namen Triggua, Trigguilla s. Wrede, Ostg. 78 ff; über romanische
Evidenz für got. <ggw> s. Brosman, IF 76 (1971), 165ff.

3. D e n t a l e

Got. Φ hat den Lautwert von gr. τ; es entspricht, außer in den Lautgruppen § 69.
st, f t und ht, etymologisch dem idg. d. In got. Wörtern ist es in allen Stellun-
gen häufig:
a) a n l a u t e n d : tunpus* 'Zahn', triu* 'Holz', tuggô 'Zunge', tagr* 'Träne',
taihun 'zehn', twai 'zwei', ga-tamjan 'zähmen', trauan 'trauen';
b) i n l a u t e n d : watô 'Wasser', hairtô 'Herz', baitrs* 'bitter', itan 'essen',
giutan* 'gießen', sitan 'sitzen', witan 'wissen';
c) a u s l a u t e n d : wait 'ich weiß', at 'zu', wit 'wir zwei'.

A n m . 1. Die Geminata <;/> steht in atta 'Vater' und in dem wahrscheinlich nicht
germanischen skatts 'Geld' (Feist 429; Kluge/Seebold 795); ferner in der Komposi-
tionsfuge (at-têkan, at-tiuhan) sowie in dem Fremdnamen Mattapius*.
A n m . 2. Vor einem/der Wortbildung oder der Flexion steht s statt <(§ 81), z.B. 2.Sg.
Prät. waist (zu wait), haihaist (zu haitan), sw. Prät. gamôstedun (zu ga-môtan*),
kaupastêdun (zu kaupatjan); diese st sind sämtlich unursprünglich und erst analogisch
an die Stelle von í í getreten, das in wissa (Prät. zu witan) erhalten ist (s. § 81). Die
Folge ss ist nur vor Vokal zu erwarten; vor Konsonant ergibt sich st: blôstreis 'An-
beter' (zu blötan).

73
§69. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

A η m. 3. Fünfmal ist fälschlich <p> für t geschrieben: gaparhips Gal. 2,11; aflêpanda
Mk. 2,9; afleipandans (für aflêtandans) Lk. 5,11; witups (für wituts) Mk. 10,38;
usblöpeinai Β (usblôteinai A) 2.Kor. 8,4. Die Erscheinung weist auf Aspiration in
spätgot. Zeit (Bethge 208). - Dagegen ist die durchgehende Schreibung Aileisabaip
'Ελισάβετ (8mal) wohl durch lat. Elisabeth zu erklären, vgl. Gaebeler 16.

§ 70. Got. φ> entspricht dem griech. θ (z.B. Pomas Θωμάς, G. Napanis Ν α θ ά ν ,
Mappaius* und Matpaius* Ματθαίος); seine lautliche Geltung war die eines
stimmlosen dentalen Spiranten, entsprechend dem stimmlosen th im heuti-
gen Englisch. Auch das griech. θ bezeichnete schon damals, wie noch heute
im Neugriech., einen solchen Laut.

A n m . 1. Bei griech. Schriftstellern wird got. p durch <9> wiedergegeben, z.B.


Θευδέριχος. Bei lat. Schriftstellern ist got. p meist uh, z.B. Theodoricus,
Theodomirus, doch steht öfter auch einfaches <f> dafür (Teudericus, 6. Jh.). Vgl. Wre-
de, Wand. 104, Ostg. 170 ff. - Auch einige neuere Drucke geben das p durch <th>
wieder (§ 1 A.4).

A n m . 2. Für inlautendesp steht in Eigennamen bei griech. und lat. Schriftstellern


neben <th> oft <d>, was auf spätere Sonorisierung schließen läßt (Φρεδίγερνος,
Fridigernus); vgl. Wrede, Ostg. 171.
A n m . 3. Über den Lautwert des germ.-got. p vgl. Braune, IF 4 (1894), 341 ff.; über
das Verhältnis von got. p zu gr. θ s. Marchand, PBB 77 (1955), 490-494.

§ 71. p ist in got. Wörtern sehr zahlreich; es geht im Anlaut und Inlaut (meist vor
Vokal) auf idg. t zurück:
a) im A n l a u t : pulan 'dulden', uf-panjan* 'ausdehnen', paúrsus 'dürr',
paúrstei* 'Durst', pata 'das', pu 'du', preis* 'drei', pwahan 'waschen';
b) im I n l a u t : brôpar 'Bruder', tunpus* 'Zahn', wiprus ' L a m m \ frapjan
'verstehen', anpar 'anderer', hapar 'welcher von beiden', wairpan 'wer-
den', qipan 'sagen';
c) vor Nominativ-j und im A u s l a u t (neben inlautendem p): piup 'das
Gute' (Gen. piupis), qap (zu qipan), aips* 'Eid', Dat. aipa. Meist aber ist
ein p in diesen Stellungen erst aus <d> „verhärtet" (§ 74).
A n m . 1. <pp> kommt erstens vor in aippau 'oder' (§20), appan 'aber', mippan-ei
'während'; zweitens durch Assimilation aus h-p in duppê, nippan usw. (s. § 62 A.3);
schließlich in dem Fremdnamen Mappaius* (neben Matpaius*).
A n m . 2. Anlautendes pl- in pliuhan, plaúhs, plahsjan*, ga-plahsnan*, ga-pláihan,
plaqus entspricht west- und nordgerm./?-. Während einige hier dem Got. die Bewah-
rung des germ. Lautstandes zuschreiben wollen und unter Annahme eines Wandels
idg. tl- > germ.-got. pl- einen west- und nordgerm. Lautwandel pl- > ß- annehmen
(Kieckers § 44; Hirt, HU I, § 54b; Krause § 38,3), hat bereits Noreen, Ltl. 197f. diese
Annahme als unbegründet zurückgewiesen; ihm folgten Zupitza, Gutt. 131 und Pro-
kosch §29d. Grundsätzlich G. Nordmeyer, Lg 11 (1935), 216-219: die Etymologie
der betreffenden Wörter weist eindeutig auf idg. pl- (> germ, β-); der Wandel von
germ, β- > got. pl- sei speziell der Sprache Wulfilas eigen. Gegenüber diesen Fällen

74
Β. Geräuschlaute - 3. Dentale §73.

von pi- < germ./7- findet sich in 5 Wörtern got./7- < germ. fl-·. flahtom, Dat.Pl., 1 .Tim.
2,9 (ahd. flehtan)\flauteip, 3.Sg. Ind. Präs., l.Kor. n,A,flautai, Nom.Pl. mask., Gal.
5,26 (ahd.flaozzan);flôdus,Nom.Sg. mask., Lk. 6,49 (as., ae.flöd);faiflôkun, 3.P1.
Ind. Prät., Lk. 8,52 (ae./Zöcan). Das hier erhaltenefl- will Nordmeyer ostgot. Einfluß
zuschreiben, der auch sonst für sprachliche Eigentümlichkeiten in Lk. und den Epi-
steln angenommen wird (vgl. § E6 A.l); so noch Mossé § 48, A.3. Dagegen läßt sich
geltend machen, daß neben fl- auch pl- in Lk. und den Episteln begegnet (gaplahsnan
Lk. 1,29); vgl. Marchand, Orbis 5 (1956), 149f. - K. Matzel (Sprache 8 [1962], 220ff.)
erklärt den Übergang fl- > pl- aus dem Zusammenwirken des got. alveolaren / und
der im Stammauslaut der betreffenden Wörter stehenden h, hs, q.
Der Gegenstand wird weiterhin ausgiebig diskutiert: Salmons/Iverson, Dia-
chronica 10 (1993), 87ff.; Davis/Iverson, HS 107 (1994), 155ff.; Kjellmer, Word 46
(1995), 207ff.; Woodhouse, HS 108 (1995), 102f.; Davis/Iverson, HS 109 (1996),
276ff.; Woodhouse, HS 111 (1998), 296ff.; Nilsson, NOWELE 35 (1999), 53ff.; M. J.
Jones, Word 53 (2002), 1 ff.
A η m. 3. Die s anstelle vonp vor t, z.B. 2.Sg. Prät. qast (zu qipan), warst (zu wairpan),
ufsnaist (Lk. 15,30 zu sneipan* 'schneiden'), sind wie die s für / in § 69 A.2 zu be-
urteilen (s. § 81).
A n m . 4. <d> für inlautendesp steht in weitwôdida 'Zeugnis(ablegung)' Skeir. 4,3.

d
Das Zeichen <d> ist von gr. δ hergeleitet. Gr. δ war im 4. Jh. weitgehend (außer § 72.
in der Folge νδ) stimmhafter post- oder interdentaler Spirant geworden ([ö] =
engl, stimmhaftes th). Es wird weithin angenommen, daß auch das got. Zei-
chen im Inlaut nach Vokal einen solchen Spiranten bezeichne, während es im
Anlaut und im Inlaut nach Konsonant stimmhafter dentaler Verschlußlaut
[d] sei. Diese Annahme stützt sich auf den Wechsel von postvokalischem d mit
p im Auslaut oder vor dem Nominativ-s („Auslautverhärtung", § 74). Der
got. Wechsel könnte aber auch einen früheren Sprachzustand reflektieren;
dann wäre das einst vorhandene [ö] in der Sprache Wulfilas zum Verschluß-
laut geworden (so Streitberg § 35,8 A.2). - Vgl. Marchand 76 f.

d geht in got. Wörtern im Anlaut stets auf idg. dh, in anderen Stellungen auf § 73.
idg. dh oder (nach dem Vernerschen Gesetz, s. § 50a mit A.2) ι zurück. Es ist
in allen Stellungen häufig:
a) a n l a u t e n d : daiir 'Tor, Tür', daúhtar 'Tochter', dal* 'Tal', dawns 'Ge-
ruch', daddjan* 'säugen', ga-daúrsan 'wagen', driusan* 'fallen', dwals*
'töricht';
b) i n l a u t e n d : nach Vokal: sidus 'Sitte', wadi 'Wette', midjis* 'der mittlere',
widuwô 'Witwe', -biudan* 'bieten'; fadar 'Vater', frôdei 'Verstand' (zu
frôps, frôdamma 'klug'), fidwôr 'vier', pridja 'der dritte', piuda 'Volk',
Suffix -ida z.B. in aupida 'Wüste' (§ 79 A.4); - nach Konsonant: bindan*
'binden', hairda 'Herde', waldan 'herrschen', mizdô 'Lohn', gazds 'Sta-
chel'; gahugds* 'Verstand', gards 'Haus', hardus 'hart', hunda 'hunderte',
pund 'Pfund' (aus lat .pondo), and'an, a u f , kalds* 'kalt'.

75
§73. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

A n m . 1. <dd> steht in got. Wörtern nur in der Verbindung tddp, welcher aisl. <ggj>,
westgerm. <//> entspricht; zugrunde liegt urgerm. yy, das wie urgerm. ww im Ost- und
Nordgerm. eine „Verschärfung" erfahrt: (baürgs-, grundu-)waddjus 'Mauer' (aisl.
veggr), daddjan* 'säugen', twaddjê (Gen. zu twai 'zwei', aisl. tveggia, ahd. zwei[i\o),
iddja 'ich ging'. Nach twaddjê ist zu bai (§ 140 A.l) ein Gen. *baddjê (aisl. beggja) zu
erschließen. Das got. Wort für 'Ei' kann man als *addi (aisl. egg) erschließen, zu dem
sich dann „krimgot." ada 'Ei' stellen würde. Vgl. die § 68 A.l angeführte Literatur. -
In einem Fall ist <dd> durch Assimilation des auslautenden -h von jah an folgendes d
entstanden (§ 62 A.3): jad-du 2.Kor. 2,16 A.

A n m . 2. In griech. Namen findet sich <dd> für gr. δδ (Addeins τοϋ Άδδεί, Aidduins
Έδδουά); dagegen für gr. δ in dreimaligem Gaddarene (Gen.Pl., Lk. 8,26.37; Mk.
5,1) zu gr. Γαδαρηνός; auch hier ist griech. Vorbild möglich.

§74. Im A u s l a u t und vor dem Nominativ-s bleibt <d> nur nach Konsonanten
erhalten, weil es dort früh zum Verschlußlaut geworden ist, z.B. und, nimand
3.PI. Präs., gards, skulds, gazds, gahugd Akk. (§ 73). Dagegen ist nach Vo-
kalen das hier spirantisch gebliebene <d> in denselben beiden Fällen in den
entsprechenden stimmlosen Spiranten p gewandelt („Auslautverhärtung").
Die große Masse der got. auslautenden p sind solche aus inlautendem <d>
entstandene, die geringere Zahl sind alte, auch inlautende p (§ 71,c).
Beispiele: s taps, Gen. stadis 'Ort' (aber staps*, Dat. stapa 'Gestade');
haubip, haubidis ' K o p f ; liuhap, liuhadis 'Licht'; frôps, frodammo 'klug',
gôps, gôdis 'gut'; ana-baup Prät. zu -biudart*; bidjan 'bitten', Prät. bap\ - alle
Part. Prät. zu schw. Verben, z.B. daupips, daupidai; lapôps, lapôdai; ferner
a l l e p in den Verbalendungen der 3.Sg. und 2.P1., z.B. nimip, nêmup, atgêbeip;
Adverbien wie hap 'wohin'; die Präp. mip 'mit'. - Vor vokalisch anlauten-
den Enklitika tritt die Auslautverhärtung nicht ein; vgl. Verbalformen mit
-uh (-m): qipid-uh, witaid-uh, wileid-u\ Adverbien mit -ei: pad-ei 'wohin'
(§213). D i e Stimmhaftigkeit kann nicht erst durch die Enklise bewirkt sein,
denn altes p bleibt vor Enklitika stimmlos (z.B. qap-uh). Folglich ist die
Auslautverhärtung jünger als die Enklise.

A n m . 1. Der Wandel des auslautenden d zu ¡> ist in unserer Überlieferung bisweilen


unterblieben. Daß dies nicht dem ursprünglichen Text des Wulfila angehört, sondern
nur eine Abweichung der Schreibung von der Normalform darstellt, bezeugt der
Umstand, daß das auslautende d ungemein häufig nur im Luk.-Ev. steht, besonders
in den zehn ersten Kapiteln, nicht ganz selten auch im Joh.-Ev., seltener in den
anderen Büchern. Beispielsweise aus dem 6. Kap. des Luk.-Ev. sind anzuführen:
samalaud 34, gôds 35.43, gôd43, mitads 38, die Partizipien gamanwids 40 und gasulid
48 und besonders häufig Verbalformen: taujid 2, ussuggwud 3, faginôd, laikid 22,
habaid 24, usbairid45 u.a. (Verzeichnis der Belege bei Streitberg, IF 18 [1906], 396ff.).
- Da das Luk.-Ev. überhaupt jüngere Sprachformen zeigt (§ E6 A. 1), ist auch hierin
eine spätere Entwicklung der got. Sprache zu sehen, die durch einzelne Schreiber in
unsere Texte hineingetragen worden ist (Ähnliches in ostgot. Namen, s. Wrede, Ostg.
171). Darüber hinaus wird man auch mit Dialektmischung teils in den Vorlagen, teils
vielleicht schon für die Sprache Wulfilas rechnen müssen; vgl. Marchand, Orbis 5
(1956), 141 ff.

76
Β. Geräuschlaute - 3. Dentale §75.

Zur Erklärung dieses jüngeren d (und ebenso des b für/, § 56 Α. 1, sowie des ζ für s,
§78 A.l) vgl. Bethge 200, 406, der Angleichung an den Inlaut annimmt, ferner
Hench, JEGP 1,49ff. und dazu Bethge, Jsb 1897,173f.; im Grunde ebenso Lg 30,4
A.10; JEGP 49, 223; Marchand 48 f.; etwas abweichend Wrede/Heyne § 63 Anm.
(ausi, d, b junge ostgot. Verschlußlaute) und dazu van Helten, IF 14 (1903), 71 ff. -
Andere, schwerlich annehmbare Auffassungen: Litbl 1885,276 und Streitberg §§ 25,
116; ders., IF 18 (1906), 383ff.; ders., IF 24 (1909), 175ff.; IF 27 (1910), 287ff.;
Braun, GRM 5 (1913), 367ff. (nimip und *nimid „Satzdubletten": die mit d auslau-
tenden Formen ursprünglich nur vor stimmhaftem Anlaut; dagegen Jacobsohn II
129ff.). Kock (ZDA 25 [1881], 226ff.; KZ 36 [1900], 571 ff.) beobachtet, daß diese d
für p am häufigsten sind nach unbetonten Vokalen (z.B. mitads), nach dem betonten
Vokal nur, wenn dieser lang oder ein Diphthong ist, selten dagegen nach kurzem
betonten Vokal (z.B. mididdjêdun Lk. 7,11; mipiddjêdun Lk. 14,25). Er schließt dar-
aus, daß spätgot. Sonorisierung der auslautenden p und/unter Einfluß des Akzents
stehe, der nach kurzem Vokal am stärksten, in den übrigen Fällen schwächer gewesen
sei. Dagegen Bethge, Jsb 1900,30ff. - Kluge, Got. 26 erklärt die d für p überwiegend
als Schreibirrtümer. Vgl. auch Wilmanns I, 199ff.; Jellinek § 69; Marchand 48f.

A n m . 2. Das auslautende p kann als regelmäßig gelten; es ist auch in Wörtern


anzusetzen, bei denen nur Formen mit inlautendem d belegt sind: biups*, biudis
(1 .Kor. 10,21) 'Tisch', raups* (raudai Sk. IIIc, 8f.) 'rot', usdaups* (usdaudana 2.Kor.
8,22) 'eifrig', gamaips* (gamaidans Lk. 4,19) 'verkrüppelt', môps* (môdis Lk. 4,28)
'Zorn', knôps* (knôdai Php. 3,5) 'Stamm'. Man wird daher auch garaips* 'angeord-
net', unlêps* 'arm' ansetzen, wofür nur Formen mit in- und auslautendem d (garaid
Lk. 3,13) bzw. nur mit inlautendem d (unlêdja 2.Kor. 8,9) überliefert sind.
Nur mit auslautendem d (ds) mehrfach belegt: Nom.Pl. galiugaweitwôds (Lk.
18,20) 'falscher Zeuge', Akk.Sg. weitwôd(2.Kor. 1,23 AB); zweimal gariuds (l.Tim.
3,2, gariud Php. 4,8) 'ehrbar'; nur mit auslautendem d sind belegt: braid (Mt. 7,13,
ntr.) 'breit', grid (Tim. 3,15, Akk.) 'Schritt', afskaiskaid Gal. 2,12 (Prät. zu skaidan);
nur mit d vor dem s des Nom.: missadêds Rom. 11,12 'Missetat', wôds Mk. 5,18
'wütend'. Auch in diesen Fällen wird man für die Sprache Wulfilasp für d anzusetzen
haben.

A n m . 3. Nicht mit diesem auslautendenp für stimmhaftes d ist es zu verwechseln,


wenn neben Wörtern mit d andere von gleicher Wurzel mit p stehen (grammatischer
Wechsel, vgl. § 50a mit A.2), z.B. *frôd- (Nom.frôps) 'klug',frôdei* 'Klugheit', aber
frapi 'Verstand', frapjan* 'verstehen'; *sad- (Nom. *saps, A. sap Lk. 16,21) 'satt', aber
ga-sôpjan 'sättigen'; sandjan 'senden', aber *sinp(s) m./n. 'Gang' (nur in iterativen
Zahlen wie prim sinpam, vgl. § 149). - Über Wechsel zwischen d und p in Suffixen
s. § 79 A.4.

A n m . 4. Nur selten steht p, wo inlautendes d erwartet wird: unfrôpans Gal. 3,3.


Vermutlich ist gpa Gal. 4,8 in *guda, gpaskaunein Php. 2,6 in *gudaskaunein aufzu-
lösen (§ 94 A.3).
A n m . 5. In Cod. Β ist nicht selten das dder Partizipialendung -ands geschwunden,
während A die Form mit daufweist, z.B. galeipans l.Tim. 1,3 (= galeipands A); in A
nur unagans l.Kor. 16,10 (= unagands B). Zur Erklärung vgl. § 82 A.l. - Umgekehrt
schreibt Β auch zweimal -ands für -ans: 2.Kor. 10,18; l.Tim. 2,13; dazu Lk. 10,2;
2.Kor. 9,4 (A). Vgl. Bethge 209f., 780; Bernhardt zu Tit. 1,6.

Im schwachen Präteritum erscheint der Dental (s. §§ 183 A.l, 209 Α. 1) nach § 75.
Vokal und nach /, η als d: nasida*, habaida·, skulda, munda. Bei velarem und
labialem Stammauslaut erscheint er als t, vor welchem der Stammauslaut

77
§75. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

als Spirans h,f auftritt: pâhta, brâhta, pûhta, brûhta, waúrhta, baúhta, ôhta,
mahta, áihta, paurfta. Bei dentalem Stammauslaut tritt lautgesetzlich ss ein
(wissä), das in kaupasta*, môsta*, daúrsta* durch st ersetzt ist. Das p von
kunpa steht nicht für d, sondern beruht auf idg. t. In keinem Fall ist für das
Got. ein Lautwandel von dzut(p) anzunehmen.
Die zugehörigen Verbaladjektive (Part. Prät.) stimmen im Dental mit
den Präteritalformen überein: einerseits nasips*, habaips*, skulds, munds,
andererseits -waúrhts*, baúhts*, mahts, bi-naúhts*, paúrfts, kunps. Vgl.
§§187 A.l, 197ff., 208,209.

A η m. 1. In Wortbildung und Flexion wechselt d mit s. Die vorkommenden Fälle -


2.Sg. Prät. anabaust Lk. 14,22 (zu -biudan*), Akk.Pl. gilstra 'Steuer' (Rom. 13,6, zu
-gildan), anabusns (-«-?) 'Gebot' (zu -biudan*) - sind ebenso zu beurteilen wie die
Fälle in § 69 A.2. Vgl. § 81.

§76. s ist stimmloser dentaler Spirant und entspricht lautlich und sprach-
geschichtlich idg. s. In got. Wörtern ist 5 ungemein häufig, besonders im
Anlaut. Beispiele:
a) a n l a u t e n d : vor Vokal: sunus 'Sohn', sitan 'sitzen'; - vor Konsonant:
skadus 'Schatten', speiwan 'speien', standan 'stehen', straujan* 'streuen',
slêpan 'schlafen', smalista (l.Kor. 15,9) 'der kleinste', snutrs* 'weise',
swaihra 'Schwiegervater';
b) i n l a u t e n d : kiusan* 'prüfen', wisan 'sein', wasjan* 'kleiden', pûsundi
'tausend', gasts 'Fremder', fisks* 'Fisch', asneis 'Lohnarbeiter', hansa
'Schar', hunsl 'Opfer', paúrsus 'dürr';
c) a u s l a u t e n d (vgl. Anm. 2): gras Akk. 'Gras', hals Akk. 'Hals', was 'er
war' (dazu wasuh 'und er war'), suns 'sogleich' (dazu sunsei, sunsaiw);
2.Du. auf -ts, z.B. gaggats 'ihr beide geht'; vgl. Bethge 204.

A n m . 1. Die Geminata <ss> (zur Entstehung s. § 81 mit A.2,3) ist recht häufig, z.B.
hasset* 'Strenge', gaqiss* 'Verabredung', wissa (Prät. zu wait), Suffix -assus
(piudinassus 'Königreich' usw., vgl. § 105,a). Sie kommt im Got. nur nach Vokal vor;
nach Konsonant wäre Vereinfachung zu erwarten (so vielleicht in hunsl 'Opfer',
s. Kölligan, HS 115 [2002], 101). - In nasseinais l.Ths. 5,8 ist <ss> für einfaches s
verschrieben; über <ss> für gr. σ in lassen Rom. 16,21 s. Ebbinghaus, GL 12 (1972),
169.

A n m . 2. Auslautendes s ist in der Mehrzahl der Fälle nicht direkte Fortsetzung des
idg. s, sondern aus einem nach Verners Gesetz (§ 50a mit A.2) aus s sonorisierten ζ
durch die got. „Auslautverhärtung" wieder stimmlos geworden. Besonders in der
Flexion ist auslautendes s meist Vertreter dieses ζ (vgl. § 78). Über Wegfall des Nom.-i
s. § 78 A.2.

A n m . 3. Über 5 anstelle von t, p, d vor dem Konsonanten t s. §§ 69 A.2, 71 A.3,


75 A.l.

78
Β. Geräuschlaute - 3. Dentale §78.

A η m. 4. Über den phonetischen Unterschied zwischen den Spiranten s und¡¡ vgl. die
Lit. in § 70 A.3.

Ζ
<z> entspricht in Wörtern griech. Ursprungs dem <ζ>, z.B. Gen. Zaibaidaiaus § 77.
Ζεβεδαίου, Gen.Pl. azwmê άζύμων Mk. 14,12. Der Lautwert des <z> ist der
dem s entsprechende stimmhafte Laut, also stimmhafter dentaler Spirant
(phonet. [z]). Diesen Laut bezeichnete damals auch schon (wie im Neu-
griech.) das griech. <ζ>.
A n m . 1. Inpraizbwtairei* (3 verschiedene Kasus) πρεσβυτέριον und G. Aizleimis
χοΰ Έσλίμ (Lk. 3,25) entspricht <z> dem griech. σ, das in dieser Stellung stimmhaft ist.
Vgl. Luft 298; Gaebeler 19, 43. - Über <z> = gr. σ in der got. Flexion griechischer
Namen s. § 79 A.2. - Einmaliges <zz> für ζ in Lazzaru Lk. 16,23 ist wohl phonetische
Umschrift, s. Ebbinghaus, GL 12 (1972), 169.

a) z ist in got. Wörtern (abgesehen von der Position vor Konsonant) stets § 78.
nach dem Vernerschen Gesetz aus idg. s sonorisiert; es steht dement-
sprechend nie im Α η 1 a u t.
b) Häufig ist ζ im I η 1 a u t ; es kommt vor nach Vokal sowie nach den Kon-
sonanten /, r, n, m (in bijandzup-pan 'darüber hinaus' [§ 133 A.5] auch
nach d). Beispiele: azêtaba 'gern', hazjan 'loben', hazeins 'Lob', dius*,
Dat.Pl. diuzam 'Tier', hat is, D. hatiza 'Haß', hatizôn* 'zürnen'; vor Kon-
sonant: gazds 'Stachel', huzd 'Schatz', mizdô 'Lohn', razda 'Sprache',
azgô* 'Asche', fairzna 'Ferse', marzjan* 'ärgern', talzjan* 'belehren'; -
Komparative: maiza, Pl. fròdozans (Lk. 16,8), alpiza (Lk. 15,25) usw.;
Pronominal- und Adjektivformen, z.B. izwara, pizôs, pizê, niujaizôs
(2.Kor. 3,6); 2.Sg. Pass., z.B. haitaza (Lk. 1,76).
c) A u s l a u t e n d e s z i s t dagegen zu s geworden („Auslautverhärtung",
vgl. § 79). Die meisten der got. -s, insbesondere diejenigen in der Flexion,
sind aus germ, ζ entstanden. Wenn dagegen eine enklitische Partikel an-
getreten ist, bleibt das ζ erhalten, z.B. das -s des Nominativs: has 'wer?',
aber hazuh (dagegen wasuh mit altem s, § 76,c); is 'er', aber izei 'welcher';
Adj. ains 'eins', ainzu l.Kor. 9,6; - us 'aus', aber uzuh uzu; dis- 'zer-',
dizuh-pan-sat Mk. 16,8; - pôs NPlf., pôzuh\ weis 'wir', weizuppan (§ 150
A.2a); - wileis 2.Sg., wileizu Lk. 9,54; - Kompar.-Adv. mais 'mehr',
maiza; äiris 'früher', áirizans* 'Vorfahren'; usw. (vgl. die Belege bei
Streitberg, IF 18 [1906], 388). Als Ausnahmen beachte man sumsuh
1 .Kor. 7,7, sumansup-pan Eph. 4,11 (2mal) und bidjandansup-pan Mt. 6,7
(§ 133 A.5); vgl. Streitberg, IF 24 (1909), 177; dens. § 116 A.2.
A n m . 1. Vereinzelt ist im Auslaut <z> statt <s> geschrieben: aiz '(Erz)münze' Mk. 6,8;
mimz 'Fleisch' l.Kor. 8,13; minz 'weniger' 2.Kor. 12,15 Β (sonst mini); Mosez2.Kor.
3,13 A (sonst Moses, § 79 A.2); riqiz 'Finsternis' Mt. 6,23, Jh. 12,35, Eph. 5,8 (neben
riqis, Gen. riqizis, § 115a). Vgl. Kock, KZ 36 (1900), 578, Wrede/Heyne XIII; Streit-
berg § 25 und oben § 74 Α. 1. - Eine andere Auffassung der auslautenden i für ζ hält
Wilmanns 1,200 für möglich.

79
§78. Lautlehre - IV. Die Konsonanten

A η m. 2. Die Endung -s (< *-z) des Nom.Sg. fallt in zwei Fällen weg: 1. nach s (ss, ζ):
drus m., D. drusa 'Fall', swês, D. swêsamma Adj. 'eigen', laus, Pl. lausans 'los', us-síass
f., G. usstassais 'Auferstehung'; 2. nach r, wenn ein kurzer Vokal unmittelbar vor-
hergeht: wair, Pl. wairôs 'Mann ',frumabaitr 'Erstgeborener', Saúr 'Syrer', hapar 'wer
von zweien', anpar 'der zweite', unsar 'unser' (zu ga-faurs 'ehrbar' s. § 124 A.l);
dagegen bleibt s nach r nach langer Silbe: hors 'Ehebrecher', skeirs 'klar', swêrs
'geehrt', gâurs 'betrübt' (stiur 'Stier' hat kein -s, weil es nach Schulze, Kl. Sehr. 483,
496 zweisilbig ist, vgl. § 18 A.2). Hierher auch akrs usw., wo freilich Braune und
andere silbisches r für die Erhaltung verantwortlich machen (§ 27).
Lit.: Brugmann I, 934; Wrede, Ostg. 177ff.; Hirt, PBB 23 (1898), 329; Kock,
KZ 36 (1900), 579ff.; Jsb 1900, 31ff.; ADA 28 (1902), 21'; Streitberg § 115; v. d.
Meer, PBB 42 (1917), 337 f.; Boer, Neophil 6 (1921), 228ff.;Loewe, KZ 48 (1918), 93;
Neckel, KZ 50 (1922), 218; Jellinek §75; Heffner, JEGP 29 (1930), 319ff.; NTS 4
(1930), 470; Adolf, ZDP 55 (1930), 257ff.; JEGP 69, 580ff. - Später, besonders
ostgot., schwindet das Nom.-s in weiterem Umfang (Wrede, Ostg. 177ff.; Wagner,
BNF N. F. 19 [1984], 145ff.);vgl. dazu in den Urkunden: Gudilub (Arezzo), Ufìtahari
(Neapel).

A n m . 3. Ein Nebeneinander von ζ und .s findet sich im Prät. von slêpan* 'schlafen':
saislêp (Mt. 8,24; Lk. 8,23; l.Ths. 4,14), aber gasaizlêp (Jh. 11,11; l.Kor. 15,6); -
ferner bei den Neutra auf -is (Gen.Sg. agisis, aber Gen.Pl. hatizê), s. §§ 79 A.4, 115a.
A n m . 4. Das ursprüngliche ζ der Präp. us wird bei Präfigierung an folgendes r
assimiliert (vgl. §24 A.2), z.B. urruns '(Sonnen)aufgang', urreisan 'aufstehen',
urrûmnan* (urrûmnôda 2.Kor. 6,13) 'sich erweitern'; einmal auch in präpositioneller
Stellung: ur riqiza 2.Kor. 4,6. - Sonst behält us in der Komposition stets diese Form,
z.B. usagjan* 'erschrecken', usbeidan* 'erwarten' (vgl. § 56 A.3). Nur in uzôn (Mk.
15,37.39, Prät. zu uz-anan* 'aushauchen') und uzêtin (Dat. zu uzêta* 'Krippe') Lk.
2,7.12.16 begegnet ζ statt s vor Vokal.

A n m . 5. Wenn us vor ein mit st beginnendes Wort tritt, so wird bisweilen nur ein s
geschrieben: ustaig Mk. 3,13 (neben 4 usstaig zu us-steigan), ustôp Lk. 8,55 10,25
(neben 8 usstôp), ustandip Mk. 10,34 (us-standip Mk. 9,31), ustassai Lk. 14,14
(usstassai Lk. 2,34). - Vgl. mit twis- (§ 149 A.2): twistandands 2.Kor. 2,13 Β
(= twisstandands A), twistasseis Gal. 5,20 A (= twis-stasseis B); mit dis-: diskritnôda
Mt. 27,51 (dis-skritnôda Mk. 15,38). Für sp fehlt ein Analogon.

80
KAPITEL V .

Übersicht über den gotischen Konsonantismus

A. Phonologisches System

Die got. Konsonanten sind im Vorhergehenden nach den Graphemen vor- § 78a.
geführt worden. Jetzt ordnen wir sie nach der Systematik der P h o n e m e .
Dabei ergibt sich folgendes Schema (zu den Vokalen s. § 28):
Labiale Dentale Velare Labiovelare
stl. Plosive /p/ (§51) Ιϋ (§69) IkJ (§ 57f.) Iql (§59f.)
sth. Plosive/ Ibi (§ 54ff.) Idi (§ 72 ff.) Igl (§65 ff.)
Spiranten
stl. Spiranten /f/ (§ 52 f.) φ / (§70f.) Ihl (§61 f.) /hV (§63f.)
stl. Sibilanten /s/ (§76)
sth. Sibilanten /z/ (§ 77 f.)
Nasale /m/ (§48) Ini (§49 f.)
Laterale ZV (§46)
Vibranten Irl (§47)
Halbvokale /w/ (§ 39 ff.) /j/(§43ff.)
Zur Illustration der Spiranten und Sibilanten folgen ausgewählte (Quasi-)
Minimalpaare:
Iii-Ibi hafanana 'gehoben' Mk. 2,3-haban 'haben' Lk. 8,18 u.ö.;
parf'ichbedarf Lk. 14,18, l.Kor. 12,21 -parbai'demMangel'
Php. 4,11 (§56 A.4)
/J>/-/d/ piupa 'dem Guten' Rom. 12,21 - piuda 'Volk' Jh. 18,35, Lk.
7,5;
hunp 'Fang' Eph. AS-hunda 'hundert' Lk. 7,41 u.ö.
/h/-/g/ hauh Ntr. 'hoch' Mk. 9,2 - daug 'es nützt' 1 .Kor. 10,23,2.Tim.
2,14;
maht Ntr. 'möglich'Jh. 10,35 u.ö.-magt 'du kannst' Mt. 5,36
u.ö. (§§66 A.l, 170 A.2)
Isl-IzJ naseins 'Rettung' Lk. 19,9, Rom. 13,11 -hazeins 'Lob' l.Kor.
4,5,2.Kor. 8,18;
wasuh 'war aber' Mt. 8,30 u.ö. - hazuh 'jeder' Mt. 5,22 u.ö.
A n m . 1. Ein in Einzelheiten abweichendes Schema bietet Marchand 94; u.a. fehlen
dort die Labiovelare Ihil und /q/, weil sie als Phonemverbindungen eingestuft sind

81
§ 78a. Lautlehre - V. Übersicht über den gotischen Konsonantismus

(zum Phonemcharakter von Λυ/ und Iql s. §§ 41 Α. 1 ; 59 A.2; 63 Α. 1). - Zur Phono-
logie des Got. allgemein vgl. die in § 28 A.2 genannte Lit. Zu den got. Geräuschlauten
s. Moulton, Lg 31 (1954), Iff.; G. I. Alexander, Fortis and Lenis in Germanic, Bern
u.a. 1983, 32 ff.

B. Regelmäßige Lautveränderungen

§ 79. Das Got. verwandelt die stimmhaften Spiranten b, d, ζ in die entsprechen-


den stimmlosen Laute f,p, s, wenn sie in den Auslaut treten, und vor dem s
des Nominativs („Auslautverhärtung", vgl. §§ 56,74, 78). Dagegen bleibt g
im Auslaut graphisch unverändert (§§ 65 A.2, 66). Vgl. Bethge 199ff.; Wil-
manns 1,191 ff.
A η m. 1. Auch die b, d, ζ sind im Auslaut zuweilen erhalten geblieben, und zwar sehr
selten ζ (§ 78 A.l), dagegen b und ¿besonders häufig in gewissen Partien, die auch
sonst jüngere Formen zeigen (§§ 56 A.l, 74 A.l, 78 A.l). Diese Ausnahmen, die für
alle drei Fälle einheitlich zu beurteilen sind, könnten auf sprachwirklichem Ausgleich
beruhen, aber auch lediglich etymologische Schreibungen darstellen; vgl. die in §§ 56
A.2, 74 A.l genannte Literatur.
A n m . 2. Bisweilen ist nach Analogie des got. Wechsels auch in fremden Namen ini.
b, d, ζ statt ausl./,/>, s (= φ, θ, σ) eingetreten. So zu Moses Μωσης stets Gen. Mosezis,
einmal Dat. Moseza 2.Tim. 3,8 AB (öfter Mose)·, ebenso die Gen. Faraizis Φαρές,
Asabis Άσάφ (vgl. auch Gen. Iosezis, Iaissaizis zu gr. Ίωση, Ίεσσαί). Zu /αϊβ/Ίωσηφ
neben (7) Iosefìs, losefa einmal (Skeir. 2,1) Ioseba. Ferner Sedis (Σήθ) Lk. 3,38 und
Lodis Lk. 17,28.32. Dazu auch ein Nom. Lod Lk. 17,29, dem doch wohl gr. Λώθ, lat.
Loth, nicht Λώτ zugrundeliegt (Luft 296; Wrede/Heyne XIII), mit Übertragung des d
in den Auslaut, so wie auch neben 18 Nom. Akk. Moses einmal Mosez steht (2.Kor.
3,13 A, Moses B). - Vgl. Gaebeler 20, 51 ff.

A n m . 3. Suzuki (IF 99 [1994], 217ff.) will die weitgehende Beseitigung des gram-
matischen Wechsels (§ 50a) auf die Auslautverhärtung zurückführen; der Ansatz
scheitert sowohl an chronologischen als auch an phonologjschen Erwägungen.
A n m . 4. In unbetonten Silben, meist nach kurzem Vokal, wechseln im Got. öfter die
Spiranten b, d, ζ und / , p, s derart, daß bei stimmlosem Anlaut der vorhergehenden
Silbe b, d, z, dagegen bei stimmhaftem/, p, s stehen (Spirantendissimilation, „Thur-
neysens Gesetz"). Daher fraistubni*, fastubni*, witubni*, aber waldufni, wundufni*
(§§ 56 A.4, 95, 98); wratôdus*, manniskôdus*, aber gabaurjôpus*; aupida, wairpida
gegenüber sonstigem -ipa (z.B. mildipa*, mêripa, aber auch diupipa, hauhipa); -
Neutra auf -is (§ 115a): Dativ hatiza, riqiza, aber agisa, rimisa; arfvaznôs, aber
hlaiwasnôs. Von einem ähnlichen Wechsel zwischen g und h sind Spuren vorhanden,
z.B. stainahs* gegenüber wulpags*, aber auch môdags usw. - Zu walisa* 'recht, lauter'
s. § 135 A.la.
Lit.: DLZ1897,177f. (Wrede/Heyne XIV); Thurneysen, IF 8 (1897), 208 ff.; Hirt,
PBB 23 (1898), 323 ff.; Streitberg, IF 14 (1903), 493 fT., 497; ders., IF 18 (1906), 404ff.;
ders. § 117; K. Brugmann, Das Wesen der lautlichen Dissimilationen (Sb. der sächs.
Ges. 27), 175f.; Streitberg, Fs. Windisch (1914), 226; Jacobsohn II 191; Jellinek § 63;
Hirt, HU I, § 62; Flickinger, Papers from the Regional Meetings of the Chicago
Linguistic Society 17 (1981), 67ff.; Roberge, IF 88 (1983), 109ff.; Suzuki, PBB 114
(1992), 28ff.; Woodhouse, PBB 120 (1998), 194ff.; 122 (2000), 187ff.

82
Β. Regelmäßige Lautveränderungen §81.

Als (graphisch verdoppelte) G e m i n a t e n k o m m e n im G o t . vor besonders die § 80.


Liquide u n d N a s a l e / (§ 46), r (§ 47), m (§ 48), η (§ 49), s o d a n n s (§ 76 A . l ) ;
v o n anderen K o n s o n a n t e n n u r vereinzelte Fälle: ww (39 A.4), kk (§ 58 A . l ) ,
XX (§ 58a A.2), tt (§ 69 A . l ) , pp (§ 71 A . l ) , dd (§ 73 A . l ) . Die häufigeren gg
(§§ 67, 68) sind z.T. anderer Art.
Die D o p p e l k o n s o n a n t e n bleiben im Auslaut u n d vor d e m Nominativ-.?
erhalten: skatts, fulls, kann, urrann, gawamm R o m . 14,14, wailaqiss 2.Kor.
9,5. Ebenso bleiben sie vor j, z.B. fulljands M t . 27,48, skattjam Lk. 19,23,
kannjan E p h . 1,9; vor anderen K o n s o n a n t e n werden sie jedoch in der Regel
vereinfacht: kant 2.Sg. (zu kann, vgl. § 199; der einfache N a s a l in kunpa ist
j e d o c h ursprünglich), urrant Jh. 16,30, ur-runs m., D a t . urrunsa ' A u f g a n g '
(zu rinnan*). - Die F o r m e n des schw. Verbs fullnan* zeigen überwiegend -II-,
seltener -/-, z.B. E p h . 3,19 fullnaip BJulnaip A . Vgl. G r d r . I, 507; Jellinek
§76.
A η m. 1. Zuweilen finden sich in den Handschriften fehlerhafte Doppelschreibungen
wie allh Lk. 2,46, dreimal gageiggaidêdjau 1 .Kor. 9,20-22 zu ga-geigan* (Grienberger
81 f.). Auch einfache Schreibungen doppelter Laute kommen vor, z.B. wisêdun Lk.
2,43, mit Wortbrechung inbran\jada Jh. 15,6 (aber gabrannidai Kai. 9), statt swamm
Mt. 27,48 swam Mk. 15,36. - Sie werden meist als Fehler von den Herausgebern
beseitigt; vgl. Bernhardt LVII; Bethge 206. Doch ist bei den einfachen Schreibungen
doppelter Laute eine Untersuchung von Fall zu Fall notwendig, da sie innergot.
Lautentwicklungen repräsentieren können, vgl. auch MLN 75, 341 f.

F ü r die Veränderungen der K o n s o n a n t e n vor Dentalen k a n n m a n v o m got. § 81.


S t a n d p u n k t aus folgende ganz mechanische Regel aufstellen (doch vgl. die
sprachgeschichtliche Erläuterung in A n m . 3):
Vor den Dentalen d, p, t gehen alle labialen Geräuschlaute (Verschluß-
laute u n d Spiranten) in / über, alle velaren in h, alle dentalen in s; der a n
zweiter Stelle stehende Dental geht aus dieser Verbindung stets als t hervor
(doch s. A n m . 2).
Beispiele: ga-skapjan*, ga-skafts (§ 51 A.2); *paúrban, paúrfta\ giban,
fragifts* (§ 56 A . l ) ; - siuks, saúhteis* Pl.; pagkjan, pâhta (§ 58 A.2); mag,
mahta (§ 66 A. 1); - wait, waist (§ 69 A.2); waírpan, warst (§ 71 A.3); -biudan*,
ana-baust (§ 75 A. 1).
A n m . 1. Ausgenommen sind magt (2.Sg. zu mag, §§ 170 A.2, 203) und gahugds*
'Verstand' (Bammesberger, Lg 45 [1969], 532 ff.), ferner die Verbindung zd in gazds,
huzd, mizdô, razda (§ 78,b).
A n m . 2. In einigen alten Formen erscheint statt st lautgesetzliches ss, z.B. wissa zu
wait, gagiss zu qipan (§76 A.l). Vgl. Kögel, PBB 7 (1880), 171 ff.; PBB 9 (1884),
150ff.; Braune, IF 4 (1894), 341ff.
A n m . 3. Die im Text vom Standpunkt der deskriptiv-got. Grammatik aus gegebene
Regel bedarf vom vergleichend-historischen Standpunkt aus einer anderen Formu-
lierung, da hier keine innergot. Lautübergänge vorliegen, sondern Reflexe urgerm.
und indogerm. Lautverhältnisse; vgl. Grdr. I, 368f.; Brugmann I, 628, 699f.; Streit-
berg § 127ff.; dens., UG § 120; J. Görtzen, Die Entwicklung der indogeimanischen
Verbindungen von dentalen Okklusiven ..., Innsbruck 1998. Es handelt sich um fol-
gende Vorgänge:

83
§81. Lautlehre - V. Übersicht über den gotischen Konsonantismus

a) Wo im Idg. an stammschließenden Labial oder Velar in der Wortbildung der


Dental t antritt, ergeben sich die idg. Gruppen pt, kt. Diese Lautgruppen gehen im
Zuge der germ. Lautverschiebung in f t , xt über und treten got. als f t , ht auf
(s. § 50a).
b) Dentaler Stammauslaut + Dental ergibt vorgerm. ss (vgl. lat. sessum < *sed-to-),
das im Got. z.T. so erhalten ist (vgl. wissa), meist aber unter paradigmatischem
Druck durch st ersetzt ist: *waiss > waist (nach namt).

§ 82. Assimilationserscheinungen zeigt das Got. nur bei h (§ 62 A.3) und bei us
(§78 A.4).
A n m . 1. Als eine Art Assimilation läßt sich auch die in den übrigen germ. Sprachen
ebenfalls häufige Erscheinung betrachten, daß von drei (oder mehr) zusammentref-
fenden Konsonanten einer, meist der mittlere, in der gesprochenen Sprache schwin-
det (vgl. Aisl.Gr. § 281, Ahd.Gr. § 99 A.3). Die Schriftsprache verdeckt diesen Vor-
gang gern durch sogenannte etymologische Schreibung und läßt ihn nur in einzelnen,
dann fehlerhaft erscheinenden Schreibungen erkennen, z.B. swumsl (Jh. 9,7) gegen
swumfsl (Jh. 9,11); uswaurts (2.Kor. 9,9 B) gegen uswaurhtais (2.Kor. 9,10 B);
pairwakands (Lk. 6,12) gegen pairhwakandans (Lk. 2,8); Akk.Pl. drausnôs (Skeir. 7,4)
gegen drauhsnôs (Jh. 6,12); fhaiftais (Php. 1,15), haifteis(l .Tim. 6,4 B) gegen haifsteis
(A) zu haifsts* 'Streit' (vgl. mit verschiedener Vereinfachung aisl. heipt, ae. hast, afrs.
haest; s. Streitberg § 104, doch Aisl.Gr. § 291 A.2); die Partizipialendung -ans gegen
-ands (§§ 62 A.4, 75 A.5; Marchand 46). Vereinzelt sind auch Wortfolgen betroffen:
2.Sg. Prät. atgaf mis Jh. 18,9 (für atgaft mis Jh. 17,4 u.ö.); Gen.Sg. managein flskê Lk.
5,6 (sonst manageins); firn tiguns Lk. 16,6 (wogegen etwa flmftaihunim Jh. 11,18).
Auch die Vereinfachung von Doppelkonsonanten vor Konsonanten (§§ 80, 78 A.5)
gehört zu diesem Vorgang. In einigen Fällen bietet die Uberlieferung ausschließlich
die vereinfachte Form, so z.B. in waurstw 'Werk' (< *waurhstw, häufig) und den
dazugehörigen Ableitungen (in waurswa Jh. 6,28 noch weiter reduziert); ebenso wohl
(*-numpts >) andanumts Rom. 11,15 (dazu 3x -numtais Lk. 9,15; l.Tim. 1,15 4,9),
doch ist hier die geringe Zahl der Belege zu berücksichtigen. Vgl. Wilmanns I, 131;
II, 331; Streitberg § 31b; Bahder, Verbalabstracta 72; Marchand 46f., 53f.

A n m . 2. Einem vorhergehenden r wird ζ im Inlaut nicht assimiliert, z.B. afmarzeins


'Betrug' (Mk. 4,19); zum Auslaut vgl. § 78 A.2.

84
FLEXIONSLEHRE
KAPITEL I.

Deklination der Substantive


(Mossé Β. 288-290; S1. 177; S2. 187f.; S3. 337; S4. 207; S5. 326f.)

A. Allgemeine Vorbemerkungen

1. Formenbestand
D i e got. Deklination umfaßt, wie die der übrigen altgerm. Sprachen, drei § 83.
Genera: M a s k u l i n u m , N e u t r u m und F e m i n i n u m .
A n m . 1. Das Neutrum steht in allen Deklinationsklassen formal dem Maskulinum
sehr nahe und unterscheidet sich von ihm nur in Nom. und Akk. beider Numeri.
A n m . 2. Die Genusunterscheidung fehlt nur bei dem persönlichen Pronomen der
1. und 2. Person nebst Reflexivum (§ 150) sowie bei den adjektivischen Zahlwörtern
'4'-Ί9'(§141).

Zwei Numeri, S i n g u l a r und P l u r a l , sind in der got. Deklination vor- §84.


handen.
A n m . 1. Der D u a l , der in der indogerm. Grundsprache Paarigkeit anzeigte, ist
innerhalb der got. Deklination nur noch beim Personalpronomen der 1. und 2. Per-
son erhalten (§ 150). Zum Dual im Verb vgl. § 167,4 mit A.7.

D i e got. Deklination umfaßt vier Kasus: N o m i n a t i v , G e n i t i v , D a t i v , §85.


A k k u s a t i v . Außerdem ist im Singular einiger Deklinationsklassen für
die Anrede ein V o k a t i v vorhanden, der dann meist mit dem Akkusativ
übereinstimmt; sonst ist der Vokativ meist mit dem Nominativ zusammen-
gefallen.
A n m . 1. Der got. Dativ ist der Vertreter mehrerer indogermanischer Kasus (Dativ,
Lokativ, Instrumental); vgl. B. Delbrück, Synkretismus, Straßburg 1907. Vom In-
strumental des Neutrums sind in der Pronominaldeklination noch einige Reste vor-
handen: pê (§ 153 A.l), hê (§ 159 A.l). Ehemalige Lokative sind haimai (§ 103 A.4)
und Rumai (§ 120 A.2a).
A n m . 2. In den folgenden Paradigmen ist der Vok. nur dann besonders angesetzt,
wenn er vom Nom. verschieden ist. Wo ein Vok. nicht angesetzt wird, ist er entweder
nicht belegt, oder er stimmt mit dem Nom. überein; vgl. z.B. zu § 96 Vok. mawi Lk.
8,54; zu § 107 Vok. frauja Lk. 2,29; zu § 114 Vok. fadar Gal. 4,6; zu § 132 Vok.
unhrainja Mk. 5,8. Die mit spezieller Vok.-Endung belegten Formen sind verzeichnet
in§§91 A.2a, 92 A.5, 101 A.la, 103 A.7, 105 A.2, 115 A.2, 120A.lb.

87
§86. Flexionslehre -1. Deklination der Substantive

2. Formenbildung und Flexionsklassen


§ 86. Bei den Flexionsformen des Substantivs haben wir den Flexionsstamm und
die Kasusendungen zu unterscheiden. Die Endungen sind nur teilweise nach
den Flexionsklassen verschieden, im Germ, überdies durch die Auslaut-
gesetze stark reduziert. Sie geben kein Einteilungsprinzip ab; was in histo-
rischer Zeit als charakteristische Endung erscheint, ist meist der mit der
Endung verschmolzene Ausgang des Flexionsstammes.
Die Beschaffenheit des Flexionsstammes - obwohl auch dieser im Germ,
in vielen Fällen unkenntlich ist - stellt hingegen für das got. Substantiv noch
ein brauchbares Einteilungsprinzip dar. Man unterscheidet danach voka-
lische und konsonantische Deklination, je nachdem, ob der Flexionsstamm
durch Antreten eines vokalisch oder eines konsonantisch auslautenden Ele-
mentes (Suffixes) an die Wurzel bzw. das Grundwort gebildet ist (Szeme-
rényi 155 ff.). Hinzu tritt die kleine Gruppe der Wurzelnomina, die kein
Suffix aufweist (§ 115b ff.).
§ 87. Von den k o n s o n a n t i s c h e n Stämmen (vgl. Jellinek § 125) ist im Got. die
Klasse der «-Stämme (Stämme auf -an-l-in-, -ôn-, -ein-, § 107 ff.) sehr reich
entwickelt; von sonstigen konsonantischen Deklinationsklassen sind nur
noch einige Reste erhalten (§ 114ff.). Die «-Deklination wird seit J. Grimm
(Gramm. [1. Aufl.] I, 131 ff.) auch s c h w a c h e D e k l i n a t i o n genannt.
§88. An v o k a l i s c h e n Deklinationsklassen (vgl. Jellinek § 113) gibt es vier:
Stämme auf a, ó, i, u. Danach unterscheiden wir die a-, ô-, i- und «-Dekli-
nation. Die Stammvokale zeigen sich in allen Klassen noch deutlich im Dat.
und Akk.Pl.: dagam, dagans; - gibôm, gibôs; - gastim, gastins; - sunum,
sununs. Die vokalische Deklination wird seit J. Grimm (a.a.O.) auch s t a r -
ke D e k l i n a t i o n genannt.
A η m. 1. Von den vier vokalischen Deklinationen stehen die a- und ô-Deklination in
engerer Verbindung: die α-Deklination enthält nur Maskulina und Neutra (dags,
waúrd), die ô-Deklination nur Feminina (giba). Im Adjektiv bilden beide ein Para-
digma (§ 122). Man faßt deshalb beide auch zu einer Klasse zusammen und nennt
diese dann «-/¿-Deklination.
A n m . 2. Das a der germ. α-Stämme geht auf idg. o, das ô der ö-Stämme auf idg. ä
zurück. Also entspricht die got. α-Deklination der griech.-lat. zweiten oder
o-Deklination (griech. Mask, -ος, Ntr. -ov; lat. -us, -um), die got. ô-Deklination der
griech.-lat. ersten oder ά-Deklination. Deshalb wird in der germ. Grammatik häufig
auch nach dem idg. Stand die Bezeichnung „o-Deklination" für die Mask, und
Neutra, „ä-Deklination" für die Feminina angewendet. Zur got. i'-Deklination ist die
lat.-griech. Deklination der Wörter wie turris, πόλις, zur got. u-Deklination die lat.
4. Deklination (manus) zu vergleichen.

88
Α. Allgemeine Vorbemerkungen - 3. Zur nominalen Komposition § 88a.

3. Zur nominalen Komposition


Als erste Glieder v o n K o m p o s i t a gehen die Substantive ( u n d Adjektive) in § 88a.
d e r Regel auf einen Vokal aus, den Vokal der K o m p o s i t i o n s f u g e , d e r bei d e n
a-, /-, « - S t ä m m e n meist mit d e m S t a m m v o k a l identisch ist; z.B. a-Dekl.:
fìggra-gulp, hunsla-staps*, himina-kunds*, fulla-tôjis; - z'-Dekl.: gasti-gôps*,
naudi-bandi*·, - w-Dekl.: fótu-baúrd, hardu-haírtei*, fdu-waúrdei*. Die
ό - S t ä m m e h a b e n dagegen stets -a als K o m p o s i t i o n s v o k a l , z.B. airpa-
kunds*, hleipra-stakeins*. Bei d e n y a - S t ä m m e n h a b e n in d e r Regel die k u r z -
silbigen den A u s g a n g -ja, die langsilbigen a b e r -/ (vgl. § 44): z.B. wadja-
bôkôs, alja-kuns; arbi-numja, aglaiti-waúrdei; e b e n s o pûsundi-faps (§ 101) zu
d e m y'ô-Stamm pûsundi (§ 145). Die gleiche Verteilung scheint bei den A d -
verbien a u f -ba vorzuliegen (§ 210 A.3).
D i e an- u n d ¿ « - S t ä m m e ersetzen d e n A u s g a n g -an, -ort d u r c h einfaches
-a: z.B. guma-kunds*, fruma-baúr, wilja-halpei, qina-kunds*, auga-daúró*.
Bei mari-saiws* liegt nicht d e r e / n - S t a m m marei (§§ 99,113), s o n d e r n d e r alte
n e u t r a l e /-Stamm *mari z u g r u n d e (vgl. K r e m e r , P B B 8 [1882], 410).
A n m . 1. Der Kompositionsvokal ist im Got. bisweilen geschwunden; vgl. Seebold,
KZ 82 (1968), 69fT. Am häufigsten bei α-Stämmen: z.B. wein-drugkja (gegen weina-
triu, weina-basi* usw.), gtid-hûs* (Streitberg, IF 27 [1910], 156; gegen guda-faúrhts,
guda-lausai, gpa-skaunein), laus-qiprs*, laus-handus* (gegen lausa-waúrds*), piudan-
gardi, hàuh-pûhts, ain-falps*, piu-magus (statt *piwa- § 91 A.3). - Bei ya-Stämmen:
vielleicht (doch s. Feist 378) niu-klahs (gegen niuja-satips*), frei-hals, aglait-gastalds
(gegen aglaiti-waúrdei). - Bei i-Stämmen: brüp-faps, put-haürn* (Kremer, PBB 8
[1882], 411).

A n m . 2. Bei einigen Wörtern finden sich Abweichungen im Kompositionsvokal:


piupi-qiss* (Stamm *piupa-) l.Kor. 10,16 A; anda-laus* (statt *andja-) l.Tim. 1,4 A
(gegen andi-laus* B); hrainja-hairts* (statt *hraini-) Mt. 5,8; zum /-Stamm gards ist in
Kompos. garda- die Normalform (§ 101 A.4): garda-waldands Mt. 10,25, Lk. 14,21;
mipgarda-waddju Eph. 2,14 Β (aber midgardi-w. A), Kremer, PBB 8 (1882), 432,
Grienberger 162. Vgl. auch brôpra-lubôn Rom. 12,10 A (gegen brôpru-lubôn l.Ths.
4,9 B). - Die meist dem Cod. A angehörenden Abweichungen scheinen jüngere,
vielleicht ostgot. Formen zu sein, vgl. die Namen der Urkunden (z.B. Gudilub Arezzo,
Sunjai-fripas Neapel) und Wrede, Ostg. 184; die ai der Kompositionsfuge in lausai-
waúrdai Tit. 1,16 A (= lausa-w. B) und seinai-gairnai (statt seina-g. ) Glosse zu 2.Tim.
3,20 A sind vielleicht nur durch Vorausirren auf den Wortauslaut verschuldete
Schreibfehler, doch s. Schütte, ZDA 70 (1933), 121 ff.

A n m . 3. Zu den sonstigen konsonantischen Stämmen sind belegt: brôpru-lubô*


(§ 114 Α. 1), vgl. die vorige Anm.; baürgs-waddjus Genitivkompos. (§116; JEGP 57,
230f.); nahta-mats* (§116); zu *mann- (§117): mana-sêps, mana-maúrprja, un-
mana-riggws* (vgl. § 68,1 mit Lit.) und (wohl nach Anm. 1) man-leika. - Die zu alten
ί-Stämmen (s. § 115a) gehörenden sigis-laun, prüts-fill (Meyer 174) könnten auch auf
α-Stämme (mit Verlust des a nach Anm. 1) bezogen werden.
A η m. 4. Lit. über die got. Komposita: Kremer, PBB 8 ( 1882), 371^160; Wrede, Ostg.
183ff.; Bethge 568f.; Johansson, Fs. Noreen (1904), 455^85; Brugmann 11,1,49ff.;
Kroesch, MPh 5 (1907/08), 377ff.; Streitberg § 233; Jellinek § 95; A. L. Rice, Gothic
Prepositional Compounds in their Relation to their Greek Originals, Philadelphia

89
§ 88a. Flexionslehre -1. Deklination der Substantive

1932; Grewolds, KZ 60 (1933), 1ff.;61 (1934), 145ff.; Ambrosini, ASNSP Ser. 2,24
(1955), 260ff; 27 (1958), 225; Meid § 20ff; Seebold, KZ 82 (1968), 69ff.; Toporova,
VJ 38,1 (1989), 64ff.; V. Dolcetti Corazza, Fs. Mazzuoli Porro (1988/90), 115ff;
dies., La Bibbia gotica e i bahuvrîhi, Alessandria 1997.
A n m . 5. Zur Betonung der got. Nominalkomposita s. §217a A.l.

B. Yokalische (starke) Deklination

1. α-Deklination
§ 89. Die got. α-Deklination enhält nur Maskulina und Neutra. Man unterschei-
det reine α-Stämme, ya-Stämme und wa-Stämme. Vgl. Jellinek § 114ff.;
Krause § 119ff.; Bammesberger, Nomen 35ff.
A n m . 1. Die wa-Stämme, die nur in wenigen Wörtern vertreten sind, zeigen im Got.
ziemlich unbedeutende Abweichungen von den reinen α-Stämmen (§§91 A.3,93,94
A.l). Anders als bei denya-Stämmen hängen die Besonderheiten nicht von der Quan-
tität der Wurzelsilbe ab, sondern von dem vor dem w stehenden Laut (§ 42).

Maskulina
§ 90. Paradigmen der Maskulina: a) reine α-Stämme (§ 91): dags 'Tag' (aus germ.
*daga-z < idg. *-o-s, § 88 A.2), hlaifs 'Brot' (< *xlaiba-z); - b) ya-Stämme
(§ 92): hairdeis 'Hirt', harjis 'Heer'. - Zu den wa-Stämmen s. § 91 A.3.
Sing. Nom. dags hlaifs hairdeis harjis
Gen. dagis hlaibis hairdeis harjis
Dat. daga hlaiba hairdja harja
Akk. dag hlaif hairdi hari* (§ 92 A.5)
Vok. dag hlaif hairdi hah* (s.o.)

Plur. Nom. dagôs hlaibôs hairdjôs harjôs


Gen. dagê hlaibé hairdjê harjê
Dat. dagam hlaibam hairdjam harjam
Akk. dagans hlaibans hairdjans harjans
§ 91. Wie dags, das in allen Kasusformen belegt ist, flektieren sehr viele Masku-
lina:
a) einzelne Bildungen (meist Konkreta) zu starken Verben, z.B. wigs 'Weg'
(ga-wigan* 'bewegen'); Subst. wie daigs 'Teig' {digan* 'kneten') könnten
auch ¿-Stämme sein (Anm. 1);
b) zahlreiche ererbte bzw. isolierte Subst., z.B. aips* (Gen. aipis) 'Eid',
fisks* 'Fisch', fugls* 'Vogel', himins 'Himmel', skalks 'Knecht', stains
'Stein', tains* 'Zweig', waúrms (Akk.Pl. waúrmans Mk. 16,18) 'Schlange',
wulfs 'Wolf.
Wörter wie hlaifs (in allen Formen belegt) zeigen „Auslautverhärtung" des
inlautend stimmhaften Spiranten (vgl. § 79).

90
Β. Vokalische Deklination - 1. α-Deklination §92.

A n m . 1. Die Deklination dieser Mask, ist mit der /-Dekl. im ganzen Sing, und im
Gen.Pl. (zum Ursprung von -ê s. §7 A.l) identisch (§99). Nur der NDAP1. ent-
scheidet über die Zugehörigkeit; Maskulina, von denen diese Pluralkasus nicht belegt
sind, können daher nicht sicher eingeordnet werden. Viele Wörter werden unter
Berufung auf andere germ. Sprachen als α-Stämme eingestuft; z.B. akrs 'Acker',
biups* (Gen. biudis § 74 A.2) 'Tisch', maipms 'Geschenk', maúrgins 'Morgen', mêgs
'Schwiegersohn', snaiws 'Schnee'.

A n m . 2. Wörter, die nicht im Nom.Sg. oder im NAP1. belegt sind, können entweder
Mask, oder Ntr. sein, z.B. Gen. akeitis 'Essig', Dat. stapa 'Gestade', Akk. atisk 'Saat,
Saatfeld'. Bei einigen dieser Wörter geben syntaktisch kongruierende Adjektive Si-
cherheit. Andere werden nach dem Zeugnis der übrigen germ. Sprachen als Mask,
angesetzt; z.B. aúhns* 'Ofen' (nur Akk.Sg. Mt. 6,30), môps* 'Zorn' (Gen. môdis § 74
A.2), slêps* 'Schlaf, wôkrs* 'Zins'. Der allein belegte Akk. tweifl 'Zweifel' (Skeir. 2,2)
kann Mask, oder Ntr. sein, vgl. ahd. zwîval, mnl. twivel m./n.

A n m . 2a. Der Vok.Sg. liegt nur vor in skalk Lk. 19,17.22 undpiudan Mk. 15,18.

A n m . 3. Nach den Regeln über in- und auslautendes w (§42) wird zu den allein
belegten tiG¥\.piwôs,piwê 'Knecht' der Nom.Sg. als pins*, AVSg. als piu* angesetzt;
vgl. piu-magus 'Knecht' (§ 88a A. 1). Der ehemalige wa-Stamm skadus 'Schatten' ist in
die «-Klasse übergetreten (§§ 14 A.l, 105,c); dasselbe ist für alle mask. wa-Stämme
mit postkonsonantischem w zu erwarten (§ 42,3). Weil der im Speyrer Fragment
überlieferte Dat.Sg. farwa 'Gestalt' Mk. 16,12 (dazu Hamp, IF 78 [1973], 141 ff.;
ders., NOWELE 4 [1984], 51f.) keine «-Flexion aufweist, muß er als Ntr. nach § 94
A.l eingestuft werden. Diejenigen mask. wa-Stämme, in denen w nach Langvokal
steht, zeigen keine Abweichung; als solche kommen nur snaiws (Anm. 1) und viel-
leicht aiws* (Anm. 5) in Betracht.

A n m . 4. Nach § 78 A.2 fällt das -s des Nom.Sg. ab in freihals 'Freiheit' 2.Kor. 3,17
(Dat. -halsa), stiur 'Stier' Neh. 5,18, waír 'Mann' (7 Belege). Danach setzt man an
Nom.Sg. ans* 'Balken' (Dat. anza Lk. 6,41.42.42), hals* 'Hals' (Akk. hals Lk. 15,20),
ga-baúr* 'Festmahl' (Nom.Pl. gabaurôs Gal. 5,21). Ob der Akk.Pl. amsans 'Schulter'
Lk. 15,5 hierher gehört (Nom. ams*) oder n-Stamm ist (Nom. amsa*), bleibt zwei-
felhaft. Zu GDSg. kaisaris, kaisara ist sicher Nom.Sg. kaisar* (ohne -s) anzunehmen.
- Lit.: Jellinek, ZDA 37 (1893), 319; Grienberger 200; Dietrich, Skeir. 28; Wrede/
Heyne Xlllf.; Streitberg §§ 76 A.2, 235 Α.; Idg. Jb 4, 205.

A n m . 5. Zwei α-Stämme sind durch eine Mischflexion charakterisiert, sie zeigen im


Plur. auch ¿-stämmige Formen. 1. wêgs 'Welle' Mt. 8,24, D. wéga Lk. 8,24, Pl. N.
wêgôs Mk. 4,37, D. wêgim Mt. 8,24, keine weiteren Belege. 2. aiws* (?), GDASg.
aiwis, aiwa, aiw (zahlreich), Dat.PI. aiwam (7 Belege), A. aiwins Mt. 6,13, keine wei-
teren Belege. - Zu einem Nebeneinander von ja- und i-Flexion s. § 92 Α. 1, von ô- und
/-Flexion s. § 103 A.l,4, von u- und i-Flexion s. § 105 A.l.

A n m . 6. Wie hlaifs auch laufs* 'Blatt' (Nom.Pl. laubös φύλλα Mk. 13,28). Das
daneben belegte lauf φύλλα Mk. 11,13 ist wohl nicht als Akk.Sg. hierzu (vgl. § 56
A.l), sondern mit H. Zimmer (Die Nominalsuffixe A und Ä in den germanischen
Sprachen, Straßburg 1876, 208) als kollektives Ntr. 'Laub' aufzufassen.

Dieya-Stämme zerfallen aufgrund eines regelmäßigen Wechsels vonji und ei § 92.


(Sievers' Gesetz, s. § 44,c) in zwei Klassen:
a) wie haírdeis (belegt NGSg., NDAP1.) flektieren die lang- und mehrsil-
bigen ya-Stämme: z.B. asneis 'Lohnarbeiter', andéis 'Ende' (s. Anm. 1),

91
§92. Flexionslehre -1. Deklination der Substantive

haiteis 'Weizen', sipôneis 'Schüler', faúra-mapleis 'Vorsteher', die Wörter


auf -areis (oder -âreis, s. § 5 A.2; Kluge §§ 8, 9; Ahd.Gr. § 200 A.l) wie
laisareis 'Lehrer', bôkareis 'Schriftgelehrter' u.a.;
b) wie harjis (NGSg.) flektieren die kurzsilbigen ya-Stämme: so sicher nur
noch nipjis 'Verwandter' (NSg., NAP1.; vgl. nipjô § 112);
c) ob die Komposita anda-stapjis* 'Widersacher' (belegt nur -stapja,
-stapjôs, -stapjam) und silba-wiljis* 'Freiwilliger' (Anm. 4) als kurzsilbig
oder als langsilbig behandelt werden, bleibt in Ermangelung eindeutiger
Belege unentscheidbar (ebenso bei den ja-Adj. grinda-frapjis* und
sama-frapjis*, § 126).
A n m . 1. andéis 'Ende' bildet Rom. 10,18 den Akk.Pl. andins nach der i-Dekl. (vgl.
§91 A.5).

A n m . 2. Nur im Plur. gebraucht wird pai bêrusjôs 'die Eltern' (§ 33); vgl. Feist 87f.
(mit Lit.); Bammesberger, PBB 117 (1995), 3ff.

A n m . 3. Nach Akk.Pl. hlijans 'Hütten' (Mk. 9,5) kann man den Nom.Sg. als hleis*
(wie freís § 126 A.2) ansetzen (H. Zimmer, Die Nominalsuffixe A und À in den ger-
manischen Sprachen, Straßburg 1876, 308) oder als hlija* nach § 107 (Grienberger
117). - Zu Akk.Sg. mêki 'Schwert' (Eph. 6,17) setzt man gewöhnlich nach dem Aisl.
und Ae. den Nom.Sg. als mêkeis* an (vgl. Szemerényi, KZ 93 [1979], 1 lOff.).

A n m . 4. Der nur einmal belegte Nom.Pl. silbawiljôs 'Freiwillige' (2.Kor. 8,3) ist als
Subst. einzustufen; vgl. Ebbinghaus, GL 14 (1974), 156 mit Lit.

A n m . 5. Die unbelegten AVSg. der kurzsilbigen ja-Stämme werden als hart* ange-
setzt. Der Vok.Sg. der langsilbigenya-Stämme liegt nur vor in laisari (häufig) und leiki
Lk. 4,23 (zu lêkeis).

Neutra
i 93. Paradigmen: a) reine α-Stämme: waúrd 'Wort', haubip 'Kopf (§ 94); - b)
ννα-Stämme: triu* 'Holz' (§ 94 A.l);-c)ya-Stämme: kuni'Geschlecht' (§ 95).
Sing. Nom. waúrd haubip triu kuni
Gen. waúrdis haubidis triwis kunjis
Dat. waúrda haubida triwa kunja
Akk. waúrd haubip triu kuni

Plur. Nom. waúrda haubida triwa kunja


Gen. waúrdé haubidê triwê kunjê
Dat. waúrdam haubidam triwam kunjam
Akk. waúrda haubida triwa kunja

¡94. Die Zahl der nach waúrd (in allen Formen belegt) gehenden Neutra ist
ungemein groß, z.B. blôp (Gen. blôpis) 'Blut', gras (Gen.Pl. grasé) 'Gras',
gulp* 'Gold', hatirn* 'Horn', juk* 'Joch', jêr* 'Jahr', maürpr 'Mord', sdir
'Schmerz', sauil 'Sonne', silubr* 'Silber', wein 'Wein'; - ehemalige s-Stämme
(§ 115a), z.B. agis 'Furcht', ahs 'Ähre', hatis 'Haß' (s. Anm. S),peihs 'Zeit'; -
Deminutiva auf -ein, z.B. gaitein* 'Zicklein' (Kluge § 57ff.; H. Osthoff,

92
Β. Vokalische Deklination - 1. α-Deklination §94.

Sprachwissenschaftliche Abhandlungen II, 4, Budapest 1901,98ff.; A. Pol-


zin, Studien zur Geschichte des Deminutivums im Deutschen, Straßburg
1901,2).
„Auslautverhärtung" des inlautend stimmhaften Spiranten (§ 79) zeigen
wie haubip z.B. hatis 'Haß', riqis 'Finsternis' (§§78 A . l , 79 A.4); liuhap,
liuhadis 'Licht', witôp 'Gesetz'. Entsprechend ist zu dem allein bezeugten
Dat.Pl. diuzam (Mk. 1,13, l.Kor. 15,32) der Nom.Sg. als dius* 'Tier' anzu-
setzen.
A η m. 1. Nach § 42 entwickelt sich in den »να-Stämmen das tv auslautend nach kur-
zem Vokal zu u; außer dem Paradigma triu* (weina-triu 'Weinstock') so nur noch
kniu*, Dat. kniwa 'Knie'. Nach Langvokal oder nach Konsonant bleibt das w erhal-
ten: fraiw 'Same', hlaiw* 'Grab', Akk. léw 'Gelegenheit' (Rom. 7,8.11, 2.Kor. 5,12
AB; Dat.Sg. Gal. 5,13); gaidw 'Mangel', waúrstw 'Werk'; Akk. piwadw 'Knecht-
schaft' Gal. 4,24. Entsprechend ist alew* Ol' zu erschließen (nur Gen. alewis, Dat.
alewä). Hinzu kommen farwa Dat.Sg. 'Gestalt' Mk. 16,12 und sarwa (nur PI.) 'Waf-
fen': während sarwa durch die Endung eindeutig als Ntr. kenntlich ist, ergibt sich bei
farwa das ntr. Genus daraus, daß das Wort nicht wie das Mask. (*skadwaz >) skadus
'Schatten' in die w-Flexion übergewechselt ist (§ 91 A.3). Der in beiden Fällen nicht
bezeugte Nom.Sg. ist nach § 42,3 als farw* bzw. sarw* anzusetzen.

A n m . 2. Nach § 91 A.2 ist bei ungenügend belegten Wörtern Zweifel möglich, ob sie
Maskulina oder Neutra sind. Als Neutra werden aus den dort angegebenen Gründen
meist angesetzt z.B. paúrp* 'Feld', mapl* 'Markt'; zweifelhaft bleibt die Ansetzung
von *dal'Tal' (vgl. aisl. dalrm.), *lun 'Lösegeld' (vgl. § 15 A.l), *til'Gelegenheit' (nur
Akk.Sg. Lk. 6,7). Zu lêw* 'Gelegenheit' s. Anm. 1.
A n m . 3. Eine besondere Schwierigkeit bietet das got. Wort für 'Gott'. Es ist der
Form nach Neutrum, wird aber für den Christengott als Maskulinum gebraucht.
Belegt ist es folgendermaßen: 1. Im Singular werden ausschließlich Kontraktionen
(s. § 1 A.7) verwendet, Nom., Vok., Akk. gp, Gen. gps, Dat. gpa. - 2. Im Plural
begegnet einmal die Kontraktion gpa (Gal. 4,8 Α; Β fehlt), zweimal ausgeschriebenes
guda (Nom. Jh. 10,34, Akk. Jh. 10,35), das formal dem Neutrum entspricht
(= waúrda, § 93); doch läßt sich das Genus nicht bestimmen. - 3. In der Komposition
begegnen: a) gpaskaunein (Dat.Sg. 'Gottesgestalt', Php. 2,6), vielleicht gpblôstreis
(Nom.Sg. 'Gottesverehrer', Jh. 9,31), doch ist es nicht sicher, ob hier ein Komposi-
tum vorliegt oder ob gp als selbständiger Akk.Sg. aufzufassen ist, vgl. Ebbinghaus,
JEGP 60 (1961), 490; b) gudafaúrhts (Nom.Sg. 'gottesfürchtig', Lk. 2,25), gudalausai
(Nom.Pl. 'gottlos', Eph. 2,12 Α; Β unleserlich), gudhusa (Dat.Sg. 'Gotteshaus', Jh.
18,20); gudtskamma, gudiskai, gudiskaizôs (DSgn., DSgf., GSgf. 'göttlich', Skeir.
1,2.3; 2.Tim. 3,16 A, gudiskaizô B); c) galiugaguda (Nom.Pl. 'Götzen', l.Kor.
10,19.20 Α; Β fehlt), galiugagudê (Gen.Pl., Eph. 5,5 Β; A fehlt; Gal. 5,20 AB; Kol. 3,5
AB), galiugagudam (Dat.Pl., l.Kor. 8,10 Α; Β fehlt).
Aus diesen Belegen ergibt sich die Frage, wie das p der Kontraktionen in den
Fällen zu erklären ist, in denen das ausgeschriebene Wort dzeigt: Nom.Pl. gpa - guda,
gpaskaunein - gudafaúrhts, ferner die Frage, wie die Kontraktion in den obliquen
Kasus des Sing, aufzulösen ist: Gen. gps = *gup(i)s oder *gudis, Dat. gpa = *gupa
oder *guda. Nach älterer Ansicht ist für die aufgelösten Formen durchgehend p
anzusetzen, während man später fast allgemein zu der Auffassung neigte, daß *gudis,
*guda anzusetzen sei, was durch die überlieferten ausgeschriebenen Formen gestützt
zu werden scheint; vgl. die unten angeführte Literatur. Die Frage ist eingehend von
Ebbinghaus untersucht worden (JEGP 60 [1961], 477-490), der aufgrund eines Ver-

93
§94. Flexionslehre - 1 . Deklination der Substantive

gleiches der Struktur dieser Kontraktion mit der der übrigen Kontraktionen Ja, xus,
ius (s. § 1 A.7) zu der Ansicht gelangt, daß der Gen.Sg. mit größter Wahrscheinlich-
keit in *gups aufzulösen sei (vgl. § 118 A.2), während für den Dat. paläographisch
gesehen sowohl *gupa als *guda möglich seien.
Aus der umfangreichen Literatur seien genannt: Hench, PBB 21 (1896), 562ff.;
L. Traube, Nomina Sacra (München 1907), 271 ff.; Streitberg§ 133 Anm.; Feist 227f.
(mit Lit.). Späteres bei Ebbinghaus, JEGP 60 (1961), 477ff.; vgl. noch Beekes,ABäG
54 (2000), 29 f. - In den Texten dieses Buches bleiben die Kontraktionen gp usw.
unaufgelöst, während die übrigen Kontraktionen aufgelöst sind.
Anm. 4. Zu fadrein (Ableitung von fadar 'Vater', § 114 A.2) ist Folgendes zu be-
merken. 1. Es übersetzt πατριά '(väterliches) Geschlecht': allfadreinis Eph. 3,15; der
Gen. fadreinais Lk. 2,4 kann als Neubildung in Anlehnung an die i'-Abstrakta von
§ 103 A.l (Losch, Germ 32 [1887], 231 f.) oder als die gelegentlich zu beobachtende
Schreibung von <ai> für <i> angesehen werden, vgl. GSgm. meinais Eph. 6,19 (Jellinek
§ 108). - 2. Wenn es das Wort γονείς 'Elternpaar' übersetzt, wird es mit dem PI. mask,
des Demonstrativums und dem PI. des Verbs konstruiert: pai / pans fadrein Jh. 9,20;
9,18 u.ö. - 3. In der Übersetzung von γονείς, πρόγονοι 'Elternpaare, Vorfahren'
bildet es Pluralformen, von denen der Dat. (fadreinam) häufiger belegt ist, z.B. 2.Kor.
12,14AB;2.Tim. 3,2 AB; l.Tim. 5,4 AB. Der Nom. PI./¿¡¿rema einmal in 2.Kor. 12,14
AB. - Vgl. Schmidt, Neutra 14; Kluge, PBB 36 (1910), 225f.; Brugmann 11,2, 444;
Jellinek § 115 A.2; Feist 133f.; Krause § 121,3; Ebbinghaus, GL 12 (1972), 32ff.;
Bammesberger, PBB 117 (1995), 3ff.
Anm. 5. Von hatis 'Haß' (§ 115a) ist einmal (Eph. 2,3 B) der (konsonantisch flektier-
te?) Gen.Sg. als hatis belegt (hatizê A). Anders Wrede, Ostg. 77; Grienberger 111
(hatis Gen. eines α-Stamms *hats m. oder *hat n.).
§ 95. Wie kuni (belegt N G D A S g . , NP1.) flektieren sowohl kurzsilbige als auch
langsilbige ya-Stämme:
a) kurzsilbig: hierher gehören badi* 'Bett', fani ' K o t ' (nur Akk.Sg. Jh.
9,6.11.14.15), faúra-daúri* 'Gasse' (nur Akk.Pl. -daurja Lk. 10,10),
faúra-tani* 'Wunder' (Akk.Pl. -tanja, Dat.Pl. -tanjam), nati 'Netz',
un-witi 'Torheit' (mit Gen.Sg. -witjis Eph. 4,18 AB), wadi 'Pfand', weina-
basi* 'Weinbeere' (nur PI. -basja Mt. 7,16, Lk. 6,44); gawi, Gen. gaujis
'Gau', hawi, Dat. hauja 'Heu' (§ 42,2); zu haúri* s. Anm. 2;
b) langsilbig: z.B. taui, Dat. tôja 'Tat' (§ 26), reiki*, Gen. reikjis 'Reich', arbi,
Gen. arbjis 'das E r b e',fairguni 'Berg', awêpi, Gen. awêpjis 'Schafherde'; -
Abstrakta auf -i, z.B. galigri* 'Beilager', gawaúrki 'Geschäft', garûni*
'Beratung', andwairpi 'Gegenwart'; - Verbalabstrakta auf -ubni, -ufni
(§ 79 A.4; Kluge § 150; F . Specht, Der Ursprung der Indogermanischen
Deklination, Göttingen 1 9 4 4 , 2 7 5 f . ) , z.B. witubni*, witubnjis 'Kenntnis'.
Anm. 1. Neben -jis ist ein Gen. auf -eis nach Sievers' Gesetz (§§44,c, 92) nur bei
wenigen lang- und mehrsilbigen Neutra belegt (vgl. Streitberg §§ 86 A.l, 146 A.4):
trausteis Eph. 2,12 AB (zu trausti* 'Bündnis'), fauramapleis Neh. 5,14.18 (zu faura-
mapli* 'Vorsteheramt'); von andbahti 'Amt' neben andbahtjis (4mal) einmal
andbahteis Lk. 1,23; von ga-wairpi 'Friede' gawairpjis (8mal), gawairpeis (7mal);
von waldufni 'Gewalt' waldufneis Skeir. 7,1 neben waldufnjis (3mal). Der Gen.
praizbwtaireis l.Tim. 4,14 gehört wohl nicht zu einem ntr.ya-Stamm "fpraizbwtairi,
sondern (unter Ausfall eines Nasalstrichs) zu dem fem. «-Stamm praizbwtairei*
(Streitberg II 105).

94
Β. Vokalische Deklination - 2. ô-Deklination §97.

A n m . 2. Der Akk. haúrja 'Kohle(n)' (άνθρακίαν Jh. 18,18, άνθρακας Rom. 12,20
AC) wird meist als Plur. eines ntr.ya-Stamms Amin* eingestuft; es könnte sich aber
auch um den Sing, eines fem./ô-Stamms handeln (§ 97a A.l).

2. ô-Deklination
Die got. ô-Deklination enthält nur F e m i n i n a . Man scheidet auch hier §96.
reine ό-Stämme und yo-Stämme; bei letzteren sind solche mit kurzer und
solche mit langer Wurzelsilbe zu unterscheiden (s. Anm. 1). Der ursprüng-
liche Stammauslaut -o ist vor konsonantischer Endung noch sichtbar, bei
vokalischem Ausgang in der Regel zu -a gekürzt. Vgl. Jellinek § 123 f.; Krau-
se § 127 ff.; Bammesberger, Nomen 99 ff.
Im einzelnen ergeben sich folgende Paradigmen: a) reine ö-Stämme: giba
'Gabe' (§ 97); - b) kurzsilbige y'd-Stämme: wrakja 'Verfolgung' (§ 97a); -
c) langsilbigeyo-Stämme: bandi 'Fessel', mawi 'Mädchen' (§ 98). - Zu den
wo-Stämmen s. § 97 A.3.
Sing. Nom. giba wrakja bandi mawi
Gen. gibôs wrakjôs bandjôs maujôs
Dat. gibai wrakjai bandjai maujai
Akk. giba wrakja bandja mauja

Plur. Nom. gibôs wrakjôs bandjôs maujôs


Gen. gibó wrakjô bandjô maujô
Dat. gibôm wrakjôm bandjôm maujôm
Akk. gibôs wrakjôs bandjôs maujôs
A n m . 1. Der Flexionsunterschied zwischen kurzsilbigen und langsilbigen
yo-Stämmen ist eine Folge von Sievers' Gesetz (§ 44,c); vgl. Beekes, Le type gotique
bandi [s. § 98 A.2],
Wie giba (belegt NGDASg., NAP1.) flektieren sehr viele Feminina: § 97.
a) weitere Verbalabstrakta auf -a, z.B. bida 'Bitte', grôba* 'Grube';
b) zahlreiche Adjektivabstrakta auf -ipa (-ida § 79 A.4), z.B. mildipa* 'Mit-
leid' (*mildeis § 128 A.l), wairpida 'Tüchtigkeit' (watrps); zum Suffix s.
Gürtler, ZDP 49 (1923), 82ff; Kluge § 121; Meid § 118; Seebold, PBB-T
90 (1968), Iff.; Pimenova, PBB 122 (2000), 3ff;
c) Sekundärbildungen mit verschiedenen Suffixen, z.B. hlaiwasnôs (nur PI.)
'Gräber', saiwala 'Seele';
d) viele im Germ, isolierte Substantive, z.B. aha 'Fluß', airpa 'Erde', hansa
'Schar', beila 'Zeit, Stunde' (s. Anm. 2), stibna 'Stimme', piuda 'Volk',
wamba 'Bauch'.
A n m . 1. Die ννό-Stämme folgen ganz dem Typ giba. Hierher gehören: bandwa*
'Zeichen' (nur Dat.Sg. bandwai l.Kor. 14,22, s. § 112 A3), fijapwa* 'Feindschaft',
frijapwa 'Liebe', nidwa βρώσις 'Rost' (nur Nom.Sg. Mt. 6,19.20), salipwôs (nur PI.)
'Herberge', triggwa 'Bündnis', ubizwa* 'Halle' (nur Dat.Sg. Jh. 10,23), wulwa*
'Raub' (nur Akk.Sg. Php. 2,6). Als Nom.Sg. zu dem allein bezeugten Dat.Pl.
wahtwôm 'Wache' Lk. 2,8 kommt sowohl wahtwa* als auch wahtwô* (nach § 112) in
Betracht.

95
§97. Flexionslehre - 1 . Deklination der Substantive

A η m . 2. Von heila 'Zeit, Stunde' ist vor dem enklit. -hurt der Akk.Sg. beilô- belegt in
ni heilôhun, s. § 163 A.2 (zur Form vgl. ainôhun § 163,c, ASgf. harjôh § 165).

§ 97a. Der Typ wrakja unterscheidet sich nur im Nom.Sg. von bandi (§ 98). Wie
wrakja (belegt NASg., DAP1.) flektieren noch:
1 .banja* 'Wunde', nur im Plur.: Gen. Lk. 16,20; Akk. Lk. 10,30 16,21;
l.brakja 'Ringkampf: nur Nom.Sg. Eph. 6,12;
3.halja 'Hölle': Vok. l.Kor. 15,55; Dat. Lk. 16,23; Akk. Mt. 11,23, Lk.
10,15;
4.ludja* 'Angesicht': nur Akk.Sg. Mt. 6,17;
5.plapja* 'Straße': nur Gen.Pl. Mt. 6,5 (§ 43 A.l);
e.sibja* 'Verwandtschaft': nur Akk.Sg. Gal. 4,5;
l.skalja* 'Ziegel': nur Akk.Pl. Lk. 5,19;
K.sulja* (s. Anm. 1) 'Sohle': nur Dat.Pl. Mk. 6,9;
9.sunja 'Wahrheit': häufig belegt im gesamten Sing, (dazu sunjaba 'in
Wahrheit', § 210 A.2);
10.winja* 'Weide': nur Akk.Sg. Jh. 10,9;
11 .wipja* 'Kranz': nur Akk.Sg. Mk. 15,17. - Jh. 19,2 begegnet der Akk.
<wippjar, sofern die Geminata sprachwirklich ist (§ 51 A.la), gehört der
Beleg zu § 98.

A n m . 1. Ein Subst. wie suljôm (s.o. 8), das nur im Dat.Pl. überliefert ist, kann auch
dem Typ qinô § 112 angehören (vgl. § 98 A.l). - Zu haurja 'Kohle(n)' s. § 95 A.2.

§ 98. Nach bandi (belegt NGSg., DAP1.) gehen diejenigen7'0-Stämme, die lange
Wurzelsilbe aufweisen oder mehrsilbig sind. Sie enden im Nom. (Vok.) Sing,
auf -i, in allen übrigen Formen flektieren sie wie wrakja (vgl. § 96 A. 1). Wie
mawi, das (unter Beachtung von § 42) völlig mit bandi übereinstimmt, flek-
tiert noch piwi, piujôs 'Dienerin'.
Hinsichtlich der Wortbildung sind hauptsächlich folgende Typen zu
unterscheiden:
a) weitere Verbalabstrakta auf -i, z.B. haiti* 'Befehl' (nur Dat.Sg. haitjai
1 .Kor. 7,6,1 .Ths. 4,16; zu haitan 'befehlen'), laudi* 'Gestalt' (nur Dat.Sg.
laudjai Glosse zu Gal. 4,19; zu liudan* 'wachsen');
b) Verbalabstrakta auf -ubni, -ufni (§§ 56 A.5, 79 A.4): fraistubni* 'Ver-
suchung' (vgl. aisl. freista 'versuchen'), wundufni* 'Geißel, Plage' (vgl.
ga-wundôn* 'verwunden');
c) Verbalabstrakta mit anderen Suffixen: hôftuli 'Rühmen, Ruhm' Qvôpan
'sich rühmen'), wasti* 'Bekleidung' (wasjan* '[sich] kleiden');
d) Motionsfeminina, z.B. frijôndi* 'Freundin' (nur Akk.Pl. frijôndjôs Lk.
15,9; zu frijônds 'Freund', §115), mawi 'Mädchen' (magus 'Knabe'),
Saúrini 'Syrerin' (Saúr 'Syrer');
e) Komposita mit Kompositionssuffix -i, z.B. aiha-tundi* 'Dornstrauch'
(tunpus* 'Zahn'), piudan-gardi 'Königreich' (gards 'Haus');

96
Β. Vokalische Deklination - 3. /-Deklination §101.

f) im Germ, isoliert ist haipi* 'Feld' (Gen.Sg. haipjôs Mt. 6,28.30, Lk. 15,15;
Dat.Sg. haipjai Lk. 17,7.31).
A n m . 1. Ein Nom.Sg. auf -i kommt auch bei den ntr. ya-Stämmen vor (Typ kuni
§ 95); bei nur in diesem Kasus bezeugten Wörtern kann die Zuordnung unsicher
bleiben, so bei ga-bindi 'Band' Kol. 3,14. - Ein Subst., das nur im Dat.Pl. vorliegt,
kann auch dem Typ qinô § 112 angehören (vgl. § 97a Α. 1 ). In Frage kommen folgende
Wörter: aurahjôm 'Gräber' Mk. 5,2.3.5, hilftrjôm 'Sarg' Lk. 7,14, kalkjôm 'Hure'
Lk. 15,30.

A n m . 2. Zur Herleitung des ablautenden Flexionstyps -il-jô- vgl. H. Lommel, Stu-


dien über indogermanische Femininbildungen, Diss. Göttingen 1912,72ff.; Jellinek
§ 124 (mit Lit.); Beekes, Le type gotique bandi, in: La reconstruction des laryngales,
Hrsg. J. Kellens, Paris 1990,49 ff.

3. /-Deklination
Die /-Deklination (vgl. § 88 A.2) enthält nur Maskulina und Feminina. Das § 99.
alte Neutrum *mari 'Meer' ist im Got. zu einem Fem. marei der ein-Klasse
geworden (§§ 88a, 113); der Übergang wurde durch einen kollektiven Plural
*marï vermittelt (Schmidt, Neutra 45 f.). Bei den idg. /-Stämmen stimmten
Mask, und Fem. in ihrer Flexion völlig überein. Im Got. wie im Germ, ist
dies im Plur. auch noch der Fall; im Sing, hat aber das Mask, den Gen. und
Dat. bereits urgerm. an die α-Deklination angeglichen. Vgl. Jellinek § 118 f.;
Krause § 131 ff.; Bammesberger, Nomen 123ff.

Maskulina
Paradigma: gasts 'Fremdling, Gast' (germ. *gasti-z). § 100.
Sing. Nom. gasts Plur. Nom. gasteis
Gen. gastis Gen. gasté
Dat. gasta Dat. gastim
Akk. gast Akk. gastins
Vok. gast

Nach gasts (belegt NASg., NDAP1.) flektieren nicht allzu viele Maskulina; § 101.
diese zerfallen in zwei Gruppen:
a) Ableitungen (meist Abstrakta) von starken Verben (Kluge § 115; Schul-
ze, Kl. Sehr. 547f.; Weber, WZUJ 39 [1990], 569ff.), z.B. jugga-laups
'Jüngling' (mit Nom.Pl. -laudéis Mk. 14,51; zu liudan* 'wachsen'), muns
'Gedanke' (mit Akk.Pl. munins 2.Kor. 2,11 AB), saggws* 'Gesang'
(s. Anm. 4), saups*, Dat.Pl. saudim 'Opfer' (zu weiteren Subst. s. Anm. 1
und 2);
b) sonstige Subst., z.B. balgs* 'Schlauch' (nur Nom.Pl. balgeis, Akk.Pl.
balgins; s. Kluge/Seebold 85), gards 'Haus' (s. Anm. 4), hups* 'Hüfte'
(mit Akk.Pl. hupins Eph. 6,14 AB), mats 'Speise' (mit Akk.Pl. matins),

97
§ 101. Flexionslehre - 1 . Deklination der Substantive

staps 'Ort' (mit Dat.Pl. stadim, Akk.Pl. stadins). Das auf den Sing, be-
schränkte Kompos. brûp-faps 'Bräutigam' läßt sich nach dem Dat.Pl.
pûsundi-fadim Mk. 6,21 als /-Stamm bestimmen.
A n m . 1. Wörter, die nicht im NDAP1. belegt sind, können nicht mit Sicherheit
hierhergesetzt werden (vgl. § 91 A. 1). Oft beruft man sich auf das Zeugnis der übrigen
germ. Sprachen, z.B. bei saiws* 'der See' (Dat.Sg. saiwa, Gen.Pl. saiwê, Akk.Sg. in
mari-saiw; vgl. Ahd.Gr. §216 A.5). Im Falle von Verbalabstrakta wie drus 'Fall'
(s. Anm. 2), gréts 'Weinen', krusts 'Knirschen', qums 'Ankunft', runs (Akk.Sg. run)
'Lauf, striks 'Strich', wlits 'Gesicht' gibt die Wortbildung den Ausschlag.

A n m . la. Der Vok.Sg. liegt nur vor in juggalaud Lk. 7,14. - Zum Fem. s. § 103 A.7.

A n m . 2. Das Nom.-i fällt unter den in § 78 A.2 genannten Voraussetzungen ab; z.B.
drus Mt. 7,27, Dat. drusa Lk. 2,34; ur-runs Lk. 1,78, Dat. ur-runsa Mt. 8,11, Mk. 7,19
(zu dem Fem. ur-runs* s. § 103 A.3). Neben dem Dat.Pl. baúrim 'der Geborene, Sohn'
Mt. 11,11, Lk. 7,28 steht der Nom.Sg. fruma-baúr 'Erstgeborener' Kol. 1,15.18 AB
(§ 88a).

A n m . 3. Nach den Regeln über w (§ 42) erklärt sich naus 'der Tote' Lk. 7,12.15 neben
naweis Lk. 7,22, nawins Lk. 9,60. Danach wird der AVSg. als nau* angesetzt.

A n m . 4. Die i-Flexion alterniert in wêgs und aiws* mit der a-Dekl. (§91 A.5), in
andins Akk.Pl. mit der ya-Dekl. (§92 A.l). gards ist als Simplex reiner /-Stamm
(Dat.Pl. gardim, Akk.Pl. gardins), tritt aber sowohl im Kompos. (garda-, s. § 88a A.2)
als auch im Nord- und Westgerm. (aisl. gardr, ae. geard usw.) als α-Stamm auf; die
Verteilung läßt die i-Flexion als Neuerung erscheinen. Auch bei arms 'Arm' (Akk.Pl.
armins Lk. 2,28, Mk. 9,36), barms* 'Schoß' (Dat.Pl. barmim Lk. 16,23), laists* 'Spur'
(Dat.Pl. laistim 2.Kor. 12,18), saggws* 'Gesang' (Dat.Pl. saggwim, Akk.Pl. saggwins)
steht die got. i-Flexion im Gegensatz zu α-Flexion im Nord- und Westgerm.

Feminina
! 102. Paradigma: mahts 'Macht, Kraft' (germ. *mahti-z).
Sing. Nom. mahts Plur. Nom. mahteis
Gen. mahtais Gen. mahtê
Dat. mahtai Dat. mahtim
Akk. mäht Akk. mahtins

i 103. Wie mahts, das in sämtlichen Formen belegt ist, flektiert eine große Zahl
von Feminina: asans 'Ernte', dails* 'Teil', naups, D. naupai 'Not', qêns 'Ehe-
frau', taikns 'Zeichen' (außergot. Ntr.), wêns 'Hoffnung'; arbaips (d)
'Arbeit', fahêps, D. fahêdai 'Freude', magaps* (p) 'Jungfrau'; - einzelne
Verbalnomina von starken Verben wie siuns 'Gesicht', sôkns* 'Streitfrage'
(Kluge § 147); - zahlreiche Abstrakta auf -eins, -ôns, -ains zu schwachen
Verben (s. Anm. 1); - die Adjektivabstrakta auf -dûps, -dupais (Kluge § 132;
Meid § 126): ajukdûps* 'Ewigkeit', gamaindûps 'Gemeinschaft', managdûps
'Menge', mikildûps 'Größe'.
Recht häufig sind Verbalabstrakta mit Dentalsuffix -ti- {-pi-, -di-), die
von Primärverben gebildet werden (Kluge § 127ff.; Schulze, Kl. Sehr.

98
Β. Vokalische Deklination - 3. /-Deklination §103.

545fT.; Meid § 122ff.; Brosman, JIES 22 [1994], 345ff.). Ableitungen von


Präteritopräsentien sind meist unkomponiert: äihts* 'Eigentum', ansts
'Gunst', lists* 'List' (s. Anm. 2), mäht s 'Macht', paürfts 'Bedürfnis' - Ab-
leitungen von anderen Verben aber in der Regel komponiert: zu starken
Verben z.B. ga-baúrps* 'Geburt', ga-kusts* 'Prüfung', fra-lusts 'Verlust',
ga-nists 'Heil', ga-skafts 'Schöpfung', ga-taúrps* 'Zerstörung', mana-sêps
(d) 'Welt'; zu schwachen Primärverben z.B. fra-waúrhts* 'Sünde', ga-hugds*
'Gedanke'.

A n m . 1. Hierher gehören auch die von den schwachen Verben gebildeten Abstrakta
auf -eins zur I., -ôns zur II., -ains zur III. schw. Konjugation (Bahder, Verbalabstracta
83; Kluge § 148); z.B. naseins 'Rettung' (zu nasjan), laiseins 'Lehre', hmtheins 'Er-
höhung', ga-laubeins 'Glaube', naiteins* 'Lästerung'; lapons 'Einladung' (zu lapon),
mitons 'das Ermessen', salbôns* 'Salbe'; pulains* 'Geduld' (zupulan), libains 'Leben'.
- Jedoch bilden die Abstrakta auf -eins ihren NGP1. nach der o-Deklination, also
z.B.:

Sing. N. naiteins G. naiteinais D. naiteinai A. naitein


Plur. N. naiteinôs G. naiteinô D. naiteinim A. naiteinins

Die Belege: Nom.Pl. naiteinôs Mk. 3,28, bi-rôdeinôs 2.Kor. 12,20 AB, Gal. 5,20 AB,
uf-swatteinôs 2.Kor. 12,20; Gen.Pl. bleipeinô 2.Kor. 1,13, ga-bleipeinô Php. 2,1,
ufar-hauseinô 2.Kor. 10,6, hazeinô Php. 4,8, hraineinô Skeir. 3,2, and-huleinô 2.Kor.
12,7 AB, laiseinô Mk. 1,27, l.Tim. 4,1 AB, bi-sauleinô 2.Kor. 7,1, ga-prafsteinô Php.
2,1. Nur in einem Fall ist auch der Dat.Pl. so gebildet: un-kaûreinôm 2.Kor. 11,9
(anders Jellinek § 130 A.3). Die Abstrakta auf -ôns und -ains bilden ihren Plur. re-
gelmäßig, z.B. mitôneis Lk. 2,35, Mk. 7,21, mitônê Rom. 14,1, pulainê 2.Kor. 1,5.6.7,
Php. 3,10 AB. Vgl. hierzu besonders Losch, Germ 32 (1887), 223ff. - Auch bei haims*
alternieren i- und ¿-Flexion, s. Anm. 4.

A n m . 2. Bei ungenügend belegten Wörtern kann es zweifelhaft sein, ob sie Fem.


oder Mask. sind. So z.B. lists* 'List' (nur Akk.Pl. listins Eph. 6,11 AB), *fulleips (vgl.
§ 17 A.3; oder Ntr. *fulleipr>.) 'Fülle' (Akk.Sg.fulleip Mk. 4,28, Gen.Pl. fullipê Kol.
2,16).

A n m . 3. Das Nom.-i fallt nach §78 A.2 ab, z.B. faf-stass 'Abfallen' 2.Ths. 2,3,
us-stass 'Auferstehung' Jh. 11,25, l.Kor. 15,12.13.21, Gen. -stassais. Zu ga-runsai
Dat.Sg. 'Markt, Straße' Lk. 7,23, ur-rwns Akk.Sg. 'Ausgang' Lk. 9,31 ist derNom.Sg.
als -runs* anzusetzen (zu dem Mask, ur-runs s. § 101 A.2).

A n m . 4. haims* 'Dorf, das im Sing, der /-Flexion folgt (Dat. haimai Jh. 11,1, Akk.
haim), bildet den Plur. nach der ¿-Deklination (belegt sind GDAP1. haimô, haimôm,
haimôs). Die Alternation hängt mit dem Genus- und Flexionsunterschied gegenüber
den α-Stämmen aisl. heimr m. bzw. ahd. heim n. zusammen (Hirt, PBB 22 [1897],
236f.; Bethge 576 A.3). Der ursprünglich mask. Nom.Pl. haimôs* wurde aufgrund
der häufigen Verbindung mit dem Fem. baúrgs 'Städte' (Mk. 1,38 5,14 6,56 9,35; Lk.
8,1) als Fem. empfunden und ließ die anderen Pluralkasus folgen. Im Sing, ließ der
Dat. haimai, der im Zuge des Synkretismus von Dat. und Lok. (§ 85 A.l) aus dem
Lok. 'daheim' umgedeutet wurde (vgl. as. heme, ahd. heimi 'zu Hause' sowie § 120
A.2a zum alten Lok. Rumai), das Wort als /-Stamm erscheinen. - Vgl. die Abstrakta
auf -eins (Anm. 1); zu einem Nebeneinander von a- und /-Flexion s. § 91 A.5.

99
§103. Flexionslehre - 1 . Deklination der Substantive

A n m . 5. Der einmalige Gen.Sg. fadreinais πατριός Lk. 2,4 berechtigt kaum zum
Ansatz eines /-Stamms *fadreins (vgl. § 94 A.4). - Neben dem Gen.Sg. wulprais Gal.
2,6 A steht in Β wulpr°is mit hochgestelltem a (vgl. Streitberg zur Stelle); s. dazu Dal,
NTS 15 (1949), 392ff.; Bammesberger, Sprache 18 (1972), 55fF.; Dal, Sprache 19
(1973), 64f.

A n m . 6. Zu ahaks 'zahme Taube' und gaits 'Ziege', die oft als /-Stämme eingestuft
werden, s. § 116 mit A.2.

A n m . 7. Der Vok.Sg. des Fem. ist nicht belegt. Ein Ansatz *maht (nach dem Mask.,
s. § 101 A. la) kommt kaum in Betracht. Angesichts der Ausgänge -u und -au bei den
u-Stämmen (§ 104) ist eher an -i oder -ai zu denken; gehört hierher der auffallige Vok.
Iesu Nazorenai Mk. 1,24 (neben Nazorenu Lk. 4,34, § 105 A.2)?

4. «-Deklination

Maskulina und Femmina


§ 104. Die «-Deklination umfaßt Substantive aller Genera (zum Neutrum s. § 106).
Vgl. Jellinek § 120ff.; Krause § 134ff.; Bammesberger, Nomen 150ff.
Die Maskulina und Feminina der «-Deklination (§ 88 A.2) flektieren
völlig gleich. Paradigma: sunus 'Sohn'.
Nom. sunus (-aus) Plur. Nom. sunjus
Gen. sunaus (-us) Gen. suniwé
Dat. sunau (-U) Dat. sunum
Akk. surtu (-au) Akk. sununs
Vok. sunu, sunau

Über die eingeklammerten Endungen s. § 105 A.2.


A n m . 1. Bei Antritt einer enklitischen Partikel erscheint die Gen.Sg.-Endung in der
älteren Gestalt -auz: Filippauz-uh Lk. 3,1 (vgl. § 78,c).

§ 105. Während im Westgerm, die «-Deklination in ihrem Bestand große Einbußen


erlitten hat, zeigt das Got. nicht nur bessere Erhaltung, sondern sogar eine
Bestandsvermehrung durch produktive Suffixe auf -«-. Beispiele:
a) M a s k u l i n a : airus* 'Bote', asilus* 'Esel' Jh. 12,14 (s.u. b), fairfvus
'Welt', fôtus 'Fuß', hairus 'Schwert', hûhrus 'Hunger', magus 'Knabe',
stubjus* 'Staub', paúrnus* 'Dorn'. - Eine eigene Gruppe bilden die
Verbalsubstantive mit Dentalsuffix -tu- (-pu-, -du-·, s. Brosman, FLH 18
[1997], 25ff.), z.B. daupus 'Tod', kustus* 'Prüfung', wahstus* 'Wuchs',
hliftus 'Dieb'. Der Typ ist im Germ, und Got. nicht mehr produktiv, vgl.
die isolierten Subst. lipus 'Glied', lustus* 'Lust', sidus 'Sitte', ^wrêpus
'Herde' (§ 7 A.3), wulpus 'Herrlichkeit'. Von ihm gehen zwei komplexe
Suffixe aus: erstens Bildungen auf -assus (Kluge § 137f.; Gusmani, AGI
52 [1967], 124ff.; Meid § 125), z.B. ibnassus 'Gleichheit', draúhtinassus
'Kriegszug', piudinassus 'Königreich'; zweitens Bildungen auf -ôdus,
-òpus (§ 79 A.4; Kluge § 134; Sturtevant, Lg 30 [1954], 450ff.; H. Beifuss,

100
Β. Vokalische Deklination - 4. «-Deklination §105.

Diachrone Betrachtungen zur Wortbildung im Germanischen, Frank-


f u r t / M . 1991), z.B. auhjôdus* 'Lärm', gabaúrjópus* 'Lust'.
b) F e m i n i n a sind sicher nur handus 'Hand' (häufig), kinnus 'Wange'
(Fem. wegen Mt. 5,39), baúrgs-waddjus 'Stadtmauer' und grundu-
waddjus 'Grundmauer' 2.Tim. 2,19 (Fem. nach Seebold, PBB-T 90
[1968], 216; s. § 131 A . l ) . Sofern Gen. asilaus ό ν ο υ Jh. 12,15, Lk. 19,30
'Eselin' bedeutet (vgl. Wrede/Heyne XIV), gehört auch asilus* (s.o. a)
teilweise hierher.
c) Bei einigen w-Stämmen ist das Genus aus den Belegen nicht zu erschlie-
ßen, z.B. flôdus 'Flut' (nur N o m . S g . Lk. 6,49), luftus* 'Luft', -qairnus
'Mühle' (nur N o m . S g . asilu-qairnus Mk. 9,42). Auch bei skadus 'Schat-
ten' ( N o m . Kol. 2,17; Dat. Lk. 1,79, Mk. 4,32) geht das Genus aus den
Belegen nicht hervor; das Wort ist aber aus der wa-Klasse übergewechselt
(§ 91 A.3), was nur bei einem Mask, möglich ist (*skadwaz > *skaduz,
§42,3).

A n m . 1. Lehnwörter und Fremdnamen wie aggilus 'Engel', Iudaius 'Jude' zeigen im


Plur. auch Formen der i-Dekl. (§ 120 A.l; vgl. auch § 91 A.5). - Zu sabbato s. § 120
A.4.
A n m . 2. Im Sing, dieser Deklination finden sich Nebenformen mit den im Paradig-
ma § 104 eingeklammerten Endungen. Es folgt eine vollständige Zusammenstellung
dieser Formen (vgl. Streitberg § 24; Loewe, PBB 46 [1922], 69ff.):
- N o m . -aus\ Barteimaiaus Mk. 10,46, diabulaus Lk. 4,5,fairkiaus Gal. 6,14 Β (-us A),
skaìkinassaus Eph. 5,5 B, sunaus Lk. 4,3, wulpaus 2.Kor. 8,23 A (-us Β), Php. 3,19 A
(-us Β), Xristaus Gal. 4,19 Β (-us A), l.Tim. 1,16 B;
- Gen. -us: Alfaius Lk. 6,15, apaustaulus 2.Kor. 12,12 A (-aus Β), Kai. 2,15.29,
DawipaiusKal. 2,6, daupus Lk. 1,79, Kustanteinus Kal. 2,3, Pawlus l.Kor. 1,12.13 A,
16,21 B, praufetus Lk. 4,17, sunus Eph. 4,13 A, Gal. 2,20 A, Kol. 1,13 A (-aus B);
- Dat. -u: Haileisaiu Lk. 4,27, Paitru Gal. 2,7 A (-au Β), praufetu Lk. 7,26, sunu Lk.
9,38, Teimaupaiu 1 .Ths. 3,6 Β, 1 .Tim. 1,2 Β (-au A), piumagu Lk. 1,54, wulpu Lk. 9,26,
Xristu Eph. 5,24 A, Gal. 5,6 B;
- Akk. -au\ baurgswaddjau 2.Kor. 11,33 B, daupau l.Kor. 11,26 A, 2.Tim. 1,10 Β (-u
A; s. Snasdal 178), grunduwaddjau Lk. 6,48, hairau Rom. 13,4 A (-« C), handau Mk.
7,32, hôrinassau Kol. 3,5 A (-κ Β), Iakobau Lk. 5,10, lustau Kol. 3,5 A (2x; -u B),
piudinassau Lk. 9,27, ufarassau Lk. 15,17, Php. 4,12 B, wulpau 2.Kor. 3,18 Β (-u A),
Xristau l.Kor. 9,1 A, 15,57 A (-u B), Eph. 2,12 Β (-u A; s. Smedal 1246), Php. 3,8 AB
(zu tauhsau s. § 108 A.l).
Eine Häufung der Nebenformen zeigt sich in Cod. A (17), Β (14), im Kai. (4 ge-
genüber nur 1 „regelmäßigen" Form) und im Luk.-Ev. (14); die restlichen zwei Ne-
benformen stehen im Mark.-Ev. Angesichts der Überlieferungslage des Got. dürfen
diese Zahlen jedoch nicht überbewertet werden. Wie die Liste zeigt, bietet in parallel
überlieferten Stellen oft die eine Handschrift die Form auf -«(-), die andere die Form
auf -au(-). - Im Rahmen der gesamten Belege sind die Nebenformen äußerst selten.
Eine Ausnahme bildet allerdings der Vokativ; dort stehen 10 Belege auf -u neben 8
Formen auf-au:
- Vok. -u: daupu l.Kor. 15,55 AB, sunu Lk. 18,38; Filippu Jh. 14,9, Lazaru Jh. 11,43,
Nazorenu Lk. 4,34 (aber Nazorenai Mk. 1,24, § 103 A.7), Teimaupaiu l.Tim. 1,18 B,
Paiaufeilu Lk. 1,3, Xristu Mt. 26,68, Zakkaiu Lk. 19,5 (vgl. § 120 A.l);
- Vok. -au: magau Lk. 2,48, sunau Mt. 8,29 9,27, Lk. 8,28 18,39, Mk. 5,7 10,47.48.

101
§ 105. Flexionslehre - 1 . Deklination der Substantive

Im Vok. dürften beide Varianten ererbt sein. Die übrigen Nebenformen fanden
lange Zeit keine allseits akzeptierte Erklärung. Unsicherheit späterer Abschreiber,
wie von Braune angenommen, ist zwar grundsätzlich sehr wahrscheinlich, vermag
aber die E n t s t e h u n g der Schwankungen nicht zu erklären. Keinesfalls liegt ein
got. Lautwandel vor: erstens stehen beide Varianten nebeneinander, zweitens kommt
das Schwanken zwischen -«(-) und -au(-) nur im Sing, dieses Paradigmas vor und
niemals bei anderen Formen (Plur., Ntr. oder Verbalendungen). Da Analogie nach
einer anderen Flexionsklasse nicht in Betracht kommt, liegt offenbar ein Archaismus
vor, nämlich ein alter („amphidynamischer") Nebentyp der u-Flexion mit idg. *öu im
Nom.Sg. und *ou im Akk.Sg. (Ebbinghaus und Schaffner, s.u.).
Lit.: Hirt, PBB 18 (1894), 280 A. 1; Koch, PBB 21 (1896), 432ff.; van Helten, IF 14
(1903), 78f.; Wrede/Heyne XIV; Streitberg § 153; Gaebeler 27fT., 97fT., 104f.; Ja-
cobsohn I 85ff.; Loewe, KZ 51 (1923), 67ff.; ders., PBB 46 (1922), 51fT.; 51 (1927),
142fr.; Jellinek § 121; Marchand, Orbis 5 (1956), 141 ff.; Krause § 135 A.2; Ebbing-
haus, GL 11 (1971), lOOff.; Schaffner 493.
A n m . 3. Für den verschiedentlich angesetzten u-Stamm faúhsus (neben «-stäm-
migem aiihsa*) liegen keine eindeutigen Belege vor (§ 108 A.l).

Neutra

Í106. Von N e u t r a ist n u r f a i h u 'Vermögen' (urspr. 'Vieh' wie ahd.fihu) in meh-


reren Kasus belegt, und zwar nur im Singular. Es handelt sich um eine auf
ganz wenige Mitglieder zusammengeschmolzene Restklasse (vgl. § 42,3).
Sing. Nom. faihu
Gen. - (s. Anm. 2)
Dat. faihau
Akk. faihu
A n m . 1. Außerdem ist mit Sicherheit als Ntr. nur der Nom.Sg. pairu 'Stachel' 2.Kor.
12,7 A (als Glosse zu hnupô) belegt; zur Lesung s. Ebbinghaus, GL 19 (1979), 188f.;
frühere Lesungen fgairu (Uppström), f qairu (Braun), vgl. Streitberg, IF 24 (1909),
174. Wahrscheinlich ist ferner leipu* 'Obstwein' als Ntr. anzusetzen (belegt nur
Akk.Sg. leipu Lk. 1,15), vgl. Gallée (§ B3 A.l) I, 38. - Hierher auch das substantivi-
sche/ì/κ (§ 131 A.3).
A n m . 2. Nach dem adverbialen Gen.Sg. filaus (§ 131 A.3) und den Formen des
Mask./Fem. ist für das Ntr. der Gen.Sg. als faihaus* anzusetzen.
A n m . 3. Einige Buchstaben am Rande von Cod. Β neben l.Kor. 15,57 wurden
früher fälschlich als \sihu (Uppström) oder ^sihw (Braun/Streitberg) gelesen und als
Glosse zu dem sigis im Text aufgefaßt (vgl. Schmidt, Neutra 153). Die Lesung wurde
durch Friesen 11 korrigiert, der .ih. '18' liest (vgl. ADA 51 [1932], 11; akzeptiert von
Snaedal XX). Hingegen liest Ebbinghaus (GL 19 [1979], 189f.) .ip. '19'.

102
C. Konsonantische Deklination - 1. «-Deklination §108.

C. Konsonantische Deklination

1. «-Deklination (schwache Deklination)


Die «-Deklination (= schwache Deklination, § 87) gliedert sich wie folgt: § 106a.
a) Maskulina auf -an-l-in- (§ 107f.); b) Neutra auf -ôn-1-an-l-in- (§ 109f.);
c) Feminina auf-on- und auf -ein- (§111 ff.). Dieselben Flexionstypen kom-
men auch im schwachen Adjektiv vor (§ 132).
Zu den «-Stämmen im Germ. s. E. Wessén, Zur Geschichte der germa-
nischen n-Deklination, Uppsala 1914; Bammesberger, Nomen 163ff.

Maskulina
Zu den maskulinen «-Stämmen vgl. Jellinek § 126 f.; Krause § 137 ff. § 107.
Paradigma: atta 'Vater' (dazu § 114 A.2).
Sing. Nom. atta Plur. Nom. attans
Gen. attins Gen. attanê
Dat. attin Dat. attam
Akk. attan Akk. attans

Wie atta, das in allen Kasusformen belegt ist, flektieren sehr viele Masku- § 108.
lina:
a) Bezeichnungen für Menschen und Tiere, z.B. guma 'Mann' (NDSg.,
GPL), hana 'Hahn' (NGSg.), skula 'Schuldner', sta.ua 'Richter' (NDSg.),
swaihra 'Schwiegervater' Jh. 18,13 (vgl. swaíhró § 112), weiha 'Priester'
Jh. 18,13, Skeir. 4,4; maguía 'Knäblein' Jh. 6,9, Skeir. 7,1, Plur.
brôprahans 'Brüder' Mk. 12,20 (Schmidt, Neutra 16); der PN. Wereka*
(Akk.Sg. Werekan Kai. 7);
b) andere Subst. auf -an-, z.B. ahma 'Geist' (sehr häufig), blâma* 'Blume'
(nur Akk.Pl. blômans Mt. 6,28, Ansatz als «-Stamm nach aisl. blómi, ahd.
bluomo), hliuma 'Gehör' (NSg., NAP1.), ména 'Mond' (nur Nom.Sg. Mk.
13,24), milhma 'Wolke' (NDASg., DPI.); - wilja 'Wille' (häufig) ist nicht
mitya«-Suf!ix (s.u. d) gebildet, sondern gehört als ««-Bildung zu wiljan
'wollen';
c) hierher gehört auch das Maskulinum der schwachen Adjektive (§ 132);
d) mit ya«-Suffix werden denominale Personenbezeichnungen gebildet,
meist Nomina agentis (Kluge § 12; Meid § 92), z.B. arbja 'der Erbe'
(NSg.Pl.; vgl. arbjô § 112),fiskja* 'Fischer' (nur Nom.Pl. Lk. 5,2, Mk.
1,16),frauja 'Herr' (sehr häufig), haúrnja* 'Hornbläser' (nur Akk.Pl. Mt.
9,23), mana-maúrprja 'Mörder' (nur Nom.Sg. Jh. 8,44), timrja 'Zimmer-
mann' (NSg.Pl.), waúrstwja 'Arbeiter' (häufig).
A η m. 1. Zwei Maskulina bilden einige vom Paradigma § 107 abweichende Formen,
was auf archaischem Suffixablaut begründet ist (vgl. die Neutra in § 110 A.l): 1. aba
'Mann' bildet den Gen.Pl. abnê l.Kor. 11,3.4 und den Dat.Pl. abnam Eph. 5,22.24;

103
§108. Flexionslehre - 1 . Deklination der Substantive

vgl. Sen, NOWELE 40 (2002), 105 ff. - 2. aúhsa* (ahd. ohso, ae. oxa, aisl. uxa, oxe)
'Ochse', das nur in folgenden Formen belegt ist: Dat.Sg. fauhsin l.Tim. 5,19 (die
Lesung ist unsicher: auhsin nach Uppström, auhsau nach Streitberg, unentscheidbar
nach Snaedal XXVI), Akk.Sg. auhsan l.Kor. 9,9 (Streitberg unrichtig auhsau);
Gen.Pl. auhsnê Lk. 14,19, Akk.Pl. auhsnuns l.Kor. 9,9 (Streitberg unrichtig Dat.Pl.
auhsum). Aus den angeführten falschen Lesungen erwuchs der Ansatz eines
M-Stamms taúhsus, vgl. Braune, Litbl 1908,327; ADA 51 (1932), 11; Thurneysen, Fs.
Streitberg (1924), 351 ff.; Feist 66, 580; Bammesberger, Nomen 170 A.278; s. jedoch
Friesen 15f.; Ebbinghaus, GL 12 (1972), 170f. - Vgl. Restelli, AGI 62 (1977), 54fT.;
Szemerényi 169.
A n m . 2. Bei den langsilbigen Mask, auf -ja erscheint im GDSgJi nicht nach Sievers'
Gesetz (§ 44,c) als ei: Gen. bandjins 2.Tim. 1,8 Α Β, faúra-gagjins (für *-gaggjins) Lk.
8,3, nêhundjins Rom. 13,10; Dat. wai-dêdjin Mk. 14,48, dulga-haitjin Lk. 7,41,
nêhmndjin Eph. 4,25 AB. Dies gilt auch für das schw. Adj., vgl. Oat. fatrnjin Lk. 5,36,
Mk. 2,21; eine Ausnahme ist un-sêleins Eph. 6,16 Β (-sêljins A, s. § 132 A.l).
A n m . 3. In vier bis fünf Fällen zeigt der Akk.Sg. statt-an die Endung-m: pridjin Mt.
27,64, attin Mk. 10,29, matjandin Rom. 14,3, missataujandin Gal. 2,18 A; hierher
vielleicht auch lukarnastapin Mt. 5,15 (Schuhmann, HS 115 [2002], 303ff.)Dies wird
meistens als Schreibfehler abgetan (Bethge 578 A.3; Streitberg § 155 A.2); hier kann
jedoch die Endung des Akk. an die des Dat. angeglichen sein, also eine jüngere
Sprachform vorliegen (Kieckers 121). - Umgekehrt hat der Dat.Sg. einmal -an statt
-in: spédistan Jh. 11,24.

Neutra

§ 109. Z u den n e u t r a l e n n - S t ä m m e n vgl. Jellinek § 128; K r a u s e § 137 ff.


P a r a d i g m a : hairtô ' H e r z ' .
Sing. Nom. hairtô Plur. Nom. hairtôna
Gen. hairtins Gen. hairtanê
Dat. hairtin Dat. hairtam
Akk. hairtô Akk. hairtôna

§ 110. W i e hairtô, d a s in allen K a s u s f o r m e n belegt ist, flektieren n u r wenige Sub-


stantive: augô ' A u g e ' (alle F o r m e n a u ß e r Gen.Pl.), ausò O h r ' ( N A S g . ,
DAP1.), barnilô ' K i n d l e i n ' ( n u r Vok.Sg. u n d Pl.), auga-daùrô* ' F e n s t e r ' ( n u r
A k k . S g . 2 . K o r . 11,33), kaúrnó ' K o r n ' ( n u r NASg.), pairkô* ' L o c h ' ( n u r
A k k . S g . L k . 18,25, M k . 10,25); hierher a u c h d e r G e n . D a t . funins, funin zu
fôn ' F e u e r ' (§ 118). D a s a u s lat. sigillum ü b e r n o m m e n e L e h n w o r t sigljô 'Sie-
gel' (nur N A S g . ) w u r d e als ntr. « - S t a m m eingruppiert, weil sich n u r so die
W i e d e r g a b e v o n lat. II d u r c h <lj> (§ 46 A.3) mit d e m ursprünglichen G e n u s
vereinbaren ließ. - Vgl. Schmidt, N e u t r a 106ff.; G a e b e l e r 110f.; Szemerényi
170 f.
H i e r h e r g e h ö r t a u c h d a s N e u t r u m d e r schwachen A d j e k t i v e (§ 132), d a s
sogar d a s G r o s d e r Belege liefert.
A n m . 1. Die aus dem Idg. ererbten Neutra namô 'Name' und watô 'Wasser' zeigen
abweichende Pluralformen mit schwundstufigem Suffix wie bei den Mask, in § 108
A.l (der Sing, stimmt mit hairtô überein). Von namô (bereits idg. η-Stamm) sind

104
C. Konsonantische Deklination - 1. «-Deklination §112.

belegt: Nom. namna Lk. 10,20, Php. 4,3 AB; Akk. namna Mk. 3,17; Gen. namnê Eph.
1,21 AB, Skeir. 5,3; Dat. namnam Skeir. 5,2. Von watô (urspr. heteroklitischer rln-
Stamm, vgl. ahd. wazzar usw.) ist der Dat.Pl. watnam Mt. 8,32, Lk. 8,25 belegt.

A η m. 2. Zum got. Wort für 'Sonne' ist Folgendes zu bemerken. Es begegnet zweimal
ein Dat.Sg. sunniti (at sunnin urrinnandin Mk. 4,6 16,2), der wohl als Ntr. (nicht
Mask.) anzusehen ist. Der dazugehörige Nom.Sg. kann in dem sunnô von Lk. 4,40,
Eph. 4,26 AB, Neh. 7,3 vorliegen, das allgemein, doch ohne zureichenden Grund, als
Fem. angesehen wird. Ein ASgf. liegt tatsächlich vor in sunnôn seina Mt. 5,45. Es
scheint, daß das Wort auf dem Wege ist, als Fem. personifiziert zu werden. - Das
gleichbedeutende Ntr. sauïl (nur Nom.Sg. Mk. 1,32 13,24) wird aufgrund eines alten
heteroklitischen //«-Stammes etymologisch mit sunnô verbunden; vgl. G. Mahlow,
Die langen Vokale Α Ε O in den europäischen Sprachen, Berlin 1888,156; Streitberg
§ 155 A.4; dens., IF 19 (1906), 391 ff.; Pokorny 881 f.

A n m . 3. Das früher als Ntr. betrachtete gajukô ist Fem.: walisô gajukô, vokativisch
gebrauchter Nom.Sg. γνήσιε σύζυγε Php. 4,3, vgl. Bernhardt z. Stelle.

Feminina

Die Feminina der n-Deklination zerfallen in zwei Klassen, Stämme auf -ôn- § 111.
und auf -ein- (§ 87); in der Flexion gehen sie völlig parallel. Vgl. Jellinek
§129f.; Krause § 139ff.
Paradigmen: a) qinô 'Frau' (§ 112); - b) managei 'Menge' (§ 113).
Sing. Nom. qinô managei
Gen. qinôns manageins
Dat. qinôn managein
Akk. qinôn managein

Plur. Nom. qinôns manageins


Gen. qinônô manageinô
Dat. qinôm manageim
Akk. qinôns manageins

Wie qinô, das in allen Kasusformen belegt ist, flektieren viele Substantive: § 112.
a) Personenbezeichnungen, z.B. swaihrô 'Schwiegermutter' (NASg.; vgl.
swaihra § 108), mawilô 'Mägdlein' (nur Vok.Sg. Mk. 5,41);
b) sonstige Substantive auf -ôn-, z.B. azgô* 'Asche' (DASg.), gatwô*
'Gasse' (Akk.Pl. Lk. 14,21), stairnô* 'Stern' (Nom.Pl. Mk. 13,25), tuggô
'Zunge' (NGDSg.), ûhtwô* 'Morgendämmerung' (Dat.Sg. Mk. 1,35);
einige (Verbal)abstrakta (Kluge § 109), z.B. brinnô und heitô 'Fieber',
reirá 'Zittern', wikô* 'Reihenfolge' (Dat.Sg. Lk. 1,8), wohl auch armaiô
'Erbarmen, Almosen';
c) Substantive auf -jôn-, z.B. arbjô 'Erbin' (l.Kor. 15,50 AB; vgl. arbja
§ 108), brunjó* 'Panzer' (Dat.Sg. Eph. 6,14 AB, l.Ths. 5,8), nipjô 'Ver-
wandte' (Lk. 1,36; vgl. nipjis § 92,b), rapjô 'Rechnung' (NDASg.), tainjô*
'Korb' (NAP1.); dazu die häufigen Lehnwörter aikklesjô 'Kirche',
aiwaggeljô 'Evangelium' (vgl. Gaebeler 67, 111 f.).

105
§112. Flexionslehre -1. Deklination der Substantive

Das Femininum des schwachen Adjektivs wird in der Regel ebenfalls nach
qinô flektiert (§ 132).
A n m . 1. Zu dem Dat.Pl. suljôm s. § 97a A.l, zu aurahjôm, h>ilftrjôm, kalkjôm s. § 98
A.l. - Zu sunnô vgl. § 110 A.2.
A n m . 2. Das substantivierte Adjektiv (§ 132 A.2) unhulpô δαιμόνιον hat Mt. 9,33
zweimal ein mask. Prädikat neben sich (vgl. auch Mk. 3,22); daneben tritt das Mask.
unhulpa auf, PBB 18 (1894), 151 f.
A n m . 3. In Cod. A. finden sich zweimal Nebenformen nach der starken Flexion: zu
winnô 'Leiden' Akk.Sg. winna Kol. 3,5 (= winnôn B); zu bandwô 'Zeichen' Dat.Sg.
bandwai l.Kor. 14,22 (wó-Stamm, s. § 97 A.l). - Gr. ψαλμός ist wohl zunächst im
Dat.Sg. ψαλμφ entlehnt worden, wovon die got. Flexion ausgegangen ist. Belegt sind
Akk.Sg. psalmon l.Kor. 14,26, Dat.Pl. psalmom Eph. 5,19, Kol. 3,16. Einmal steht
psalmo Lk. 20,42, wo syntaktisch Gen.Pl. zu erwarten ist; man wird hier wohl un-
flektierte Form anzunehmen haben und nicht einen besonders gebildeten Gen.Pl.
Dasselbe kann auch für die Randglosse psalmo Eph. 4,8 zutreffen, wenn hier nicht
einfach die transkribierte griech. Form vorliegt; vgl. Gaebeler 77 ff. - Als ein durch
voranstehendes sô verursachter Schreibfehler wird meist angesehen sô daúrawardó
(statt *daúrawarda) 'Türhüterin' Jh. 18,17, doch ist gegen diese regelmäßige Bildung
nichts einzuwenden, auch wenn unmittelbar vorher, Jh. 18,16, daúrawardai (Dat.)
steht, vgl. Streitberg II, 25; Feist 551. Sonst st. M. daürawards 'Türhüter' Jh. 10,3.
Vgl. aber Grimm IV, 678 f.; Streitberg 1,486.

§ 113. a) Die Substantive, die wie das in allen Kasusformen belegte Wort managei
flektieren, sind fast durchweg von Adjektiven abgeleitet (vgl. Kluge
§ 116; Meid §93; zur Genese Mezger, Lg 22 [1946], 348fif.). Zu vielen
Adjektiven existiert ein solches Abstraktum auf -ei (daneben -ipa § 97;
zur Verteilung s. Gürtler, ZDP49 [1923], 82ff.; Seebold, PBB-T 90 [1968],
1 fT.; Pimenova, PBB 122 [2000], 3 ff.), z.B. bleipei 'Güte', braidei'Breite',
diupei 'Tiefe', frôdei* 'Klugheit', laggei 'Länge', mikilei* 'Größe',
harduhairtei* 'Hartherzigkeit'. Zu Partizipien gehören etwa drugkaneins
PI. 'Gelage', baúrpei* 'Bürde' (s. Anm. 3) und paürstei* 'Durst' (Dat.Sg.
2.Kor. 11,27; zu germ. *purs-ta-, s. Heidermanns, EWGP 632), zu dem
Subst. magaps* (§ 103) gehört magapei* 'Jungfrauschaft' (Dat.Sg. Lk.
2,36).
b) Nur sehr wenige Substantive haben konkrete Bedeutung (z.T. alte Zuge-
hörigkeitsbildungen): aipei 'Mutter' (häufig; s. § 114 A.2), hairnei*
'Schädel' (nur Gen.Sg. hairneins Mk. 15,22; oder Adj. auf -eins, s. Streit-
berg § 157), kilpei* 'Mutterleib' (Akk.Sg. Lk. 1,31), marei 'Meer' (häufig;
s. § 99), prams tei* 'Heuschrecke' (Akk.Pl. Mk. 1,6).
c) Nach managei bilden ihr Femininum der Komparativ (§ 136), die Stei-
gerungsbildung auf -ma (§ 139) und das Partizip Präsens (§ 133), vgl.
§132 A.4.
A n m . 1. Die Adjektivabstrakta auf -ei berühren sich mit den Verbalabstrakta auf
-eins (vgl. § 103 A.l), z.B. häuhei 'Höhe' zu häuhs, aber häuheins 'Erhöhung' zu
háuhjan. In beiden Deklinationen endet der Akk.Sg. auf -ein, der Gen.Pl. auf -einô;
daher traten leicht Kontaminationen ein. Zu wajamêreins 'Lästerung' ist Jh. 10,33

106
C. Konsonantische Deklination - 2. Andere kons. Klassen § 115.

der Gen.Sg. wajamêreins gebildet, so daß man für diese Stelle einen Nom. *wajamêrei
anzusetzen pflegte, der aber der Bedeutung nach unmöglich ist. Über Annahme
weiterer Fälle vgl. Losch, Germ 32 (1887), 233 ff.; Jellinek, ADA 29 (1904), 282; ADA
32 (1908), 6; ZDP 48 (1920), 212ff.; Jellinek § 119; Streitberg § 157 A.l. Vgl. auch
Szadrowsky, PBB 52 (1928), 1 ff.
A n m . 2. In Cod. Β ist dreimal ein Nom.Sg. auf -ein überliefert: liuhadein 'Erleuch-
tung' 2.Kor. 4,4 (-eins A, vgl. Bernhardt zur Stelle; Losch, Germ 32 [188η, 232),
wiljahalpein 'Gunst' Kol. 3,25 (A fehlt), gagudein 'Frömmigkeit' l.Tim. 4,8 (-ei A).
Vgl. Braune, Litbl 1908, 327.
A n m . 3. Bei baurpei* (nur Akk.Sg. baurpein Gal. 6,5 AB), dessen Wortbildung
kontrovers beurteilt wird, dürfte es sich um ein em-Abstraktum handeln, das von
einem neugebildeten Part. *bur-pa- ohne gramm. Wechsel abgeleitet ist (idg. V e r -
bildete als Durativum kein fo-Part.). Vgl. noch Kluge, ZDW 10 (1908), 64; Schaffner
374f.

2. Reste anderer konsonantischer Klassen


Der Stamm einiger alter Verwandtschaftsbezeichnungen endet auf -r: § 114.
brôpar 'Bruder' (Anm. 1 ),fadar 'Vater' (Anm. 2), daúhtar 'Tochter', swistar
'Schwester'. Mask, und Fem. werden völlig gleich flektiert. Vom Akk.Pl.
aus, der lautgesetzlich mit dem der «-Stämme zusammengefallen war, sind
die Formen der «-Dekl. (§ 104) auch in den NDP1. eingedrungen. Vgl. Bam-
mesberger, N o m e n 206 ff.
Paradigma:
Sing. Nom. brôpar Plur. Nom. brôprjus
Gen. brôprs Gen. brôprê
Dat. brôpr Dat. brôprum
Akk. brôpar Akk. brôpruns
A n m . 1. brôpar ist als einziges Wort in allen Formen bezeugt, nur hier kommt der
Gen.Pl. vor: Mt. 25,40,1 .Kor. 15,6, Php. 1,14,2.Ths. 3,6. Dazu gehören die Kompos.
galiuga-brôpar* (nur PI.) 'falscher Bruder' und brôpra-lubô* Rom. 12,10, brôpru-
lubô* l.Ths. 4,9 'Bruderliebe' (§§ 88 A.3,210 A.l).
A n m . l.fadar ist nur einmal (Gal. 4,6) als Vok. belegt, sonst wird durchweg atta
(§ 107f.) gebraucht. Zum gegenseitigen Verhältnis s. Ebbinghaus, GL 14 (1974),
97fT.; Enrietti, RIL 113 (1979), 99ff.; Bammesberger, Nomen 207 A.338; Sen, in:
Rekonstruktion und relative Chronologie, Hrsg. R. Beekes et al., Innsbruck 1992,
255 ff. Das Wort ist Grundlage von fadrein n. 'Geschlecht, Eltern' (94 A.4). - Das
Erbwort *môdar 'Mutter' fehlt im Got. ganz und ist durch aipei (§113) ersetzt.
A nm. 3. Zur Herleitung des Ausgangs -ar im Nom.Sg. s. Stiles, TPS 86 (1988), 115 fT.
A n m . 4. Folgende Belege fungieren als Vok.Sg.: brôpar Lk. 6,42, Phm. 1,20; fadar
Gal. 4,6 (s. Anm. 2); daúhtar Mt. 9,22, Jh. 12,15, Lk. 8,48, Mk. 5,34.

Eine Reihe substantivierter Partizipien des Präs., die als Täterbezeichnun- § 115.
gen (Nomina agentis) gebraucht werden, weist noch die ererbte konsonan-
tische Flexion auf (-nd- < idg. *-«/-). Dabei sind Gen.Sg. und Dat.Pl. nach
der α-Deklination umgeformt; der Vok. ist endungslos (s. Anm. 2). Hin-

107
§115. Flexionslehre - 1 . Deklination der Substantive

gegen hat das reguläre Part. Präs. die alte Flexion aufgegeben und wird als
schwaches Adjektiv dekliniert (§ 133).
Paradigma: nasjands '(Retter >) Heiland' (im NGDASg. belegt):
Sing. Nom. nasjands Plur. Nom. nasjands
Gen. nasjandis Gen. nasjandê
Dat. nasjand Dat. nasjandam
Akk. nasjand Akk. nasjands
Vok. nasjand
So kommen außerdem vor:
1 .fijands,fiands* 'Feind': häufig, alle Formen außer DVSg. belegt;
l.frijônds 'Freund': häufig, belegt NVSg., NDAP1. (dazu frijôndi* 'Freun-
din', §98);
h.fraujinônds* 'Herrscher': nur Vok.Sg.fraujinôndfrauja δέσποτα Lk. 2,29
(s. Anm. 2);
4.gibands* 'Geber': nur Akk.Sg. 2.Kor. 9,7 B;
5.bi-sitands* 'Nachbar', nur im Pl.: Nom. Lk. 1,58; Gen. Lk. 4,14; Akk.
Lk. 7,17, Mk. 1,28;
6.talzjands* 'Lehrer': nur Vok.Sg. (s. Anm. 2);
7.all-waldands 'der Allmächtige': nur Nom.Sg. 2.Kor. 6,18 AB;
8.garda-waldands 'Hausherr': Nom.Sg. Lk. 14,21; Akk.Sg. Mt. 10,25.
9.daupjands 'Täufer' zeigt eine Mischflexion: Nom.Sg. Iohannes sa
daupjands Lk. 7,20.33, Mk. 6,14; Akk.Sg. Iohannen pana daupjand Lk.
9,19, Mk. 8,28; sonst mit schw. Flexion: Gen. Iohannis pis daupjandins
Mt. 11,12, Mk. 6,24.25; Dat. lohanne pamma daupjandin Mt. 11,11, Lk.
7,28;
lO.nur im Nom.Sg. belegt: mêrjands 'Verkündiger' l.Tim. 2,7, 2.Tim. 1,11;
midumônds 'Mittler' l.Tim. 2,5ifra-weitands 'Rächer' Rom. 13,4, l.Ths.
4,6.
A n m . 1. Lit.: Gering, ZDP 5 (1874), 315; ADA 23 (1897), 333 A.l; Streitberg, UG
§ 164; Cosijn, IF 10 (1899), 112; 11 (1900), 204; Jellinek § 132; Ebbinghaus, GL 12
(1972), 83 ff.; Bammesberger, Nomen 214f.
A n m . 2. Der Gen.Sg. ist nur infijandis Lk. 10,19 und nasjandis (öfters) bezeugt. -
Der einzige Dat.Sg. ist nasjand Lk. 1,47, Tit. 1,4. - Der Vok.Sg. liegt nur vor in
fraujinônd Lk. 2,29 (Subst., s. Streitberg, IF 23 [1908], mñ.)Jrijónd Lk. 14,10und
talzjand (6 Belege); vgl. § 133 A.2.

§ 115a. Die neutralen j-Stämme des Germ. (idg. NASg. *-os, sonst *-es-) sind im
Got. alle in die α-Flexion (§ 94) übergetreten; vgl. Schenker, PBB-T 93
(1971), 46ff.; Bammesberger, Nomen 208ff.; Casaretto, HS 113 (2000),
210fTf. In Abhängigkeit vom Wurzelauslaut sind drei Typen zu unterschei-
den:
a) nach den meisten Konsonanten zeigt das Suffix die Form -is: agis
'Furcht', tga-digis 'Gebilde' (Konjektur für <gadikis> Rom. 9,20; s. Wag-
ner, HS 101 [1988], 296ff.), hatis 'Haß' (s. § 94 A.5), rimis* 'Ruhe', riqis
'Finsternis', sigis 'Sieg', skapis 'Unrecht';

108
C. Konsonantische Deklination - 2. Andere kons. Klassen § 116.

b) nach h erscheint das Suffix als bloßes -s: ahs 'Ähre', peihs 'Zeit', weihs
'Dorf;
c) nach Diphthong erscheint das Suffix als -z: aiz '(Erz)münze' (nur
Akk.Sg. Mk. 6,8; dazu aizasmipa 'Erzschmied' 2.Tim. 4,14); hierher
wohl auch haiz* 'Fackel' (nur Dat.Pl. haizam Jh. 18,3).

A n m . 1. Uber Flexionsformen mit ζ vgl. §§ 78 A.1,3, 79 A.4.

A n m . 2. Nach Ausweis der a- und /-Stämme (Nom.Sg. dags < *dagaz, gasts
< *gastiz) ist der Vokalschwund in b) lautgesetzlich. Die Folge hs ist im Got. auch
sonst geläufig (wahsjan, taihswa usw.); in a) dagegen wflrde der Schwund unge-
bräuchliche Konsonantengruppen erzeugen. Folgen wie gs, qs, ts, ps können im
Inlaut nicht lautgesetzlich entstehen und sind dem phonologischen System daher
fremd; sie werden nur in der Flexion geduldet, wo sie unter paradigmatischem Zwang
stehen (dag-s, wraiq-s*, mat-s, naup-s). Der Auslaut -is ist von den obliquen Kasus
(Gen. agisis, Dat. agisa usw.) übertragen: nur dort ist der Vokal i (idg. Suffix *-es-)
berechtigt. Umgekehrt hat in b) die Vokallosigkeit auch den Inlaut erfaßt (ahsa;
peihsa; weihsa, weihsis).

A n m . 3. Weitere s-Stämme sind in barizeins* 'aus Gerste' (§ 124,b),péwisa Ntr.Pl.


'Diener' (Darms 61 ff.) und vielleicht in pruts-fill 'Aussatz' (§ 88a A.3) verbaut. - Ob
der Gen.Sg. hugsis 'Landgut' (Urk. Arezzo) auf einen i-Stamm zu beziehen ist, bleibt
ebenso unklar wie die Etymologie (vgl. Feist 273; Schaffner 601); nicht einmal die
Lesung ist sicher (Scardigli, Goten 290ff.).

A n m . 4. Weitere Lit.: Bahder, Verbalabstracta 52ff.; Kluge §§84, 145; Brugmann


11,1, 515fT.; von Unwerth, PBB 36 (1910), Iff.; Jellinek § 136; Krause § 121; Sehn-
rath, Fs. Strunk (1995), 249ff.; Schaffner 588ff.; K. Stüber, Die primären s-Stämme
des Indogermanischen, Wiesbaden 2002.

Wurzelnomina sind solche Nomina, die ohne stammbildendes Element die § 115b.
Flexionsendung unmittelbar an die Wurzel antreten lassen; vgl. lat. rëx
(*rëg-s), Gen. rëg-is 'König'. Die Flexion dieser Wörter ist im Germ, im
Verfall begriffen, doch sind Reste bei einer Anzahl von Wörtern auch im
Got. noch vorhanden. Hinsichtlich der Flexion unterscheiden sich die Wur-
zelnomina nicht von Stämmen mit konsonantischem Dentalsuffix; beide
werden daher im folgenden gemeinsam behandelt. Vgl. Bammesberger,
Nomen 188ff.; Griepentrog (passim).

Hierher gehören F e m i n i n a, die im NASg. lautgesetzlich mit der §116.


/'-Deklination zusammengefallen sind und großenteils im Dat.Pl. die Form
der /-Deklination angenommen haben, in anderen Kasus aber noch die alte
konsonantische Flexion aufweisen. Als Paradigma dient baúrgs 'Stadt', das
in nahezu allen Formen belegt ist (Griepentrog 91 ff.); es fehlt allein der
Nom.Pl., der aber in brusts 2.Kor. 7,15 vorliegt (s.u.).

Sing. Nom. baúrgs Plur. Nom. baúrgs


Gen. baúrgs Gen. baúrgé
Dat. baúrg Dat. baúrgim
Akk. baúrg Akk. baúrgs

109
§116. Flexionslehre -1. Deklination der Substantive

Von anderen hierher gehörigen Substantiven sind belegt:


1. alhs 'Tempel' in allen Kasus des Sg. (Griepentrog 33 ff.);
2. von spaúrds* 'Rennbahn' im Sg. nur D. spraud(verschrieben für *spaürd)
1 .Kor. 9,24 A, im Pl. G. spaúrdé Jh. 6,19, D. spaúrdim Jh. 11,19, wozu
verstümmeltes spau(rd) = * spaúrdé Lk. 24,13, Cod. Giss. (Griepentrog
367 ff.);
3. ΝAPI. brusts 'Brust' 2.Kor. 7,15; Lk. 18,13 (nach Griepentrog 463ff.
nicht Wurzelnomen, sondern einsilbiger i-Stamm);
4. Nom.Sg. gaits 'Ziege' Neh. 5,18, wohl Konsonantstamm wie aisl. geit,
ae. gät (Griepentrog 201 ff.);
5. Gen.Sg. miluks 'Milch' l.Kor. 9,7 A (Griepentrog 287ff.);
6. Nom.Sg. mitads 'Maß' (vgl. § 74 A.1,2) Lk. 6,38, Dat.Sg. mitap Mk. 4,24
u.ö., Akk.Sg. mitap 2.Kor. 10,13 u.ö., Gen.Pl. mitadê Lk. 16,7 (kein
Wurzelnomen, sondern Bildung mit konsonantischem Dentalsuflfix).
7. Das Wort nahts 'Nacht' flektiert im Sing, wie baürgs; vom Plur. ist nur
der Dat. nahtam in adverbialer Verbindung mit dagam belegt, z.B.
nahtam jah dagam Lk. 2,37 u.ö.; vgl. Pipping, PBB 24 (1899), 534; Bur-
chardi, PBB 25 (1900), 591; Osthoff, IF 20 (1906), 210; Jellinek § 133;
Schulze, Kl. Sehr. 803; Griepentrog 476ff. - Zum Kompositum nahta-
mats* s. § 88a A.3.
A n m . 1. dulps 'Fest' und waihts 'Sache' werden nach der ¿-Deklination flektiert:
Gen.Sg. dulpais, waihtais; Dat.Sg. dulpai, waihtai. Daneben existiert jeweils eine kon-
sonantische Form: Dat.Sg. dulp Jh. 7,14 (dulp Lk. 2,41 ist wohl Akk.Sg.) und Akk.Pl.
waihts Skeir. 2,4. Vgl. Bethge 575 f.; Streitberg, IF 18 (1906), 401 ff.; Sturtevant, GR 6
(1931), 60f. - Der Dat.Sg. dulp läßt sich als Schreibfehler motivieren (Griepentrog
487); der Akk.Pl. waihts kann kein Wurzelnomen reflektieren, allenfalls eine Bildung
mit Suffix -t- (Griepentrog 488 f.).
A n m . 2. ahaks 'zahme Taube' ist folgendermaßen belegt: Nom.Sg. ahaks Lk. 3,22,
Akk.Sg. ahak Mk. 1,10, Gen.Pl. ahakê Lk. 2,24, Dat.Pl. ahakim Mk. 11,15. Die
Beleglage gibt nicht zu erkennen, ob das Wort der konsonantischen oder der
/-Flexion folgt; die Wortbildung weist eher auf einen Konsonantstamm (Ebbinghaus,
GL 16 [1976], 188f.).

§ 117. M a s k u l i n a mit kurzen (konsonantischen) Kasus sind manna 'Mensch',


mênôps 'Monat', reiks 'Herrscher', weitwôds* 'Zeuge'. Sie stimmen aber in
ihrer Flexion nicht völlig überein.
1. manna geht in einigen Kasus nach der «-Dekl. (Typ atta § 107; zur
Flexion s. Schulze, Kl. Sehr. 852f.). Die entsprechenden Formen sind im
folgenden kursiv gesetzt:
Sing. Nom. manna Plur. Nom. mans, mannans
Gen. mans Gen. mannê
Dat. mann Dat. mannam
Akk. mannan Akk. mans, mannans

110
D. Deklination der Fremdwörter §118.

A η m. 1. Zu manna gehört das Kompos. ala-mans* 'alle Menschen', nur belegt im


Dat.Pl. alamannam Skeir. 8,2; ferner das Neutrum ga-man 'Genösse, Genossen-
schaft' (vgl. Schulze, Kl. Sehr. 851), das aber in den belegten Kasus (NASg. gaman,
Dat.Sg. gamana, Dat.Pl. gamanam) ganz wie waúrd (§ 93) flektiert.
A n m . 2. In der Komposition erscheint der Stamm mana- (man-), s. § 88a A.3. Vgl.
Schulze, Kl. Sehr. 851 f.; Ramat, Sprache 9 (1963), 25 ff.
2. Die übrigen Maskulina weisen folgende Formen auf:
a) von mênôps (Nom.Sg. Lk. 1,36) sind weiter belegt Dat.Sg. ménó¡>
Lk. 1,26, Dat.Pl. mênôpum Gal. 4,10, Akk.Pl. mênôps Lk. 1,24 4,25
(s. Anm. 3);
b) von reiks (Nom.Sg. Mt. 9,18 u.ö.) sind weiter belegt Gen.Sg. reikis (nach
der a-Dekl.) Mt. 9,23, Dat.Sg. reik Eph. 2,2, Nom.Pl. reiks Jh. 7,26,
Rom. 13,3, Gen.Pl. reikê Jh. 7,48 u.ö., Dat.Pl. reikam (a-Dekl.) Jh. 12,42
(Griepentrog 353 ff.);
c) von weitwôds* sind nur belegt Akk.Sg. weitwôd 2.Kor. 1,23 (§§ 74 A.1,2,
167 A. 11), Gen.Pl. weitwôdê Mt. 26,65 u.ö.; dazu kommt der Nom.Pl.
des Kompositums galiuga-weitwôds l.Kor. 15,15 u.ö.
A n m . 3. In Neh. 6,15 konjiziert man zu überliefertem <men> den syntaktisch erfor-
derten Gen.Sg. tmênôpis (die Handschrift ist hier durchlöchert, <opis> würde dem
Raum entsprechen).
A n m . 4. Hierher gehört auch Nom. bajôps, Dat. bajôpum 'beide' (s. § 140 A.l).

Das N e u t r u m fôn 'Feuer' zeigt diese Form im NASg., bildet dagegen den § 118.
GO. funins, funin heteroklitisch mit «-Suffix (§§ 12 A.3, 110); ohne dieses
Suffix das Sekundäradj. funisks* 'feurig' (§ 124,c). - Lit.: PBB 6 (1879),
377ff., 564; Grienberger 70f.; Feist 158f. (mit Lit.).
Anm. 1. Über den neutralen Gen.Sg. hatis s. § 94 A.5.
A n m . 2. Sollte der Gen. gps mit Streitberg und Ebbinghaus als gups aufzulösen sein,
so wäre er als alter konsonantischer Gen. eines neutralen Wurzelnomens gup zu
betrachten. Vgl. § 94 A.3; Streitberg §§ 133,162,2; Ebbinghaus, JEGP 60 (1961), 485.

D. Deklination der Fremdwörter


(Mossé Β. 290f.; S4. 207; S5. 327.)

Vgl. Gabelentz/Loebe 11,2, 69ff.; K. Börner, Über die Declination der


Fremdwörter im Gothischen, Barmen 1859; Bernhardt XXVIII; M. H. Jel-
linek, Beiträge zur Erklärung der germanischen Flexion, Berlin 1891,76-84;
C. Elis, Über die Fremdworte und fremden Eigennamen in der got. Bibel-
übersetzung, Diss. Göttingen 1903; Schulze, Kl. Sehr. 496-536; Gaebeler
1-118, bes. 60ff.;Kluge, Got. 99ff; Streitberg § 163; Wrede/Heyne § 172ff.;
Streitberg, Fs. Mogk (1924), 433ff; Kieckers § 107a; Jellinek §§ 122,138ff,
240; V. Corazza, Le parole latine in gotico, Rom 1969; Gusmani, RIL 106
(1972), 741 ff; Lühr, MSS 46 (1985), 139ff.

Ili
§119. Flexionslehre - 1 . Deklination der Substantive

§ 119. a) Eine größere Anzahl von Lehnwörtern, die nicht in Zusammenhang mit
der Christianisierung stehen, ist schon früh in die got. Sprache aufge-
nommen worden. Sie entstammen durchweg dem Lat. und sind zur Zeit
der Bibelübersetzung den verschiedenen got. Flexionen so vollkommen
angepaßt, daß ihre fremde Herkunft nur noch etymologisch nachzuwei-
sen ist; z.B. pund* n. 'Pfund', Krêks m. 'Grieche', karkara* f. 'Kerker',
alew* n. 'Öl' (s. Zupitza, PBB 22 [1897], 574f.; Untermann, PBB 76
[1955], 390ff.; Polomé, Fs. Knobloch [1985], 309ff.), kaisar* m. 'Kaiser'
(§ 91 A.4), kubitus* m. 'Lager am Tisch' (vgl. ana-kumbjan 'sich zu Tische
legen').
b) Erst unter dem Einfluß des Christentums sind griech. Wörter in die got.
Sprache eingedrungen. Soweit sie schon vor der Bibelübersetzung in der
gesprochenen Sprache lebten, haben sie sich als Lehnwörter der got.
Flexion angeschlossen. Solche Wörter sind aiwaggeljô, aikklesjô (§ 112),
psalmô (doch s. § 112 Α.3), aggilus (§ 9 A.l) u.a.
A n m . 1. Daß vorchristliche Lehnwörter aus dem Griech. der got. Sprache fehlen,
zeigt Schulze, Griech. Lehnworte (Kl. Sehr. 496ff.). Denn auch ursprünglich griech.
Wörter wie marikreitus* 'Perle' (Loewe, KZ 40 [1906], 550ff.), paurpura* 'Purpur',
Saur 'Syrer' (vgl. §24 A.5) sind durch römische Vermittlung übernommen. Eine
Aufzählung der lat. Lehnwörter findet sich bei Schulze, Kl. Sehr. 511 A.2; ausführ-
liche Diskussion bei V. Corazza, Le parole latine in gotico, Roma 1969.

A n m . 2. Zu den griech. Lehnwörtern vgl. bes. Gaebeler 2ff., 56, 77ff., 88f.: als
älteste Schicht griechischer Entlehnungen sind einige geographische Namen wie
Makidonja (§ 11 A. 1 ; § 43 A.2), Akaja, Antiokja* (§ 43 A.2) anzusehen, während alle
sonstigen griech. Lehnwörter kirchlichem Einfluß verdankt werden. - Über Lehn-
bildungen nach griech. Vorbild (v.a. bei Komposita) vgl. die Arbeiten von Rice und
Grewolds (s. § 88a A.4); ferner Casaretto, in: Akten der XI. Fachtagung der Indo-
germanischen Gesellschaft in Halle/Saale, 17.-23. September 2000, Wiesbaden.

§ 120. Eine große Anzahl von Fremdwörtern, vor allem Eigennamen, ist dem Got.
(wohl zumeist literarisch) durch die Bibelübersetzung zugeführt worden. Sie
entstammen dem Griech. (letztlich z.T. dem Hebräischen). Einige dieser
Wörter schließen sich naheliegenden got. Deklinationen an, andere er-
scheinen mit griech. Flexionsendungen, bilden scheinbar willkürliche
Kasusformen oder bleiben unflektiert; vgl. Anm. 1-6. Der Befund ist durch
die Untersuchung von Lühr, MSS 46 (1985), 139ff., weitgehend aufgehellt.
A n m . 1. Die Maskulina auf gr. -ος, lat. -us folgen im Sing, der u-Dekl. (§ 104f.), z.B.
Paitrus, Barpaulaumaius*, Teitus, aipiskaupus έπίοκοπος, apaustaulus άπόστολος
(s. Anm. 3), Iudaius 'Ιουδαίος. Wo Plurale begegnen, gehen diese im Akk. und Dat.
nach der u-Dekl., Iudaiuns, apaustaulum, während Nom. und Gen. nach der i-Dekl.
(§ 100) gebildet werden, apaustauleis, Iudaieis; apaustaulê, Iudaie. So auch aggilus
άγγελος (§ 119,b), von dem jedoch neben einem Nom.Pl. aggileis (Mk. 1,13) drei
Nom.Pl. auf -jus begegnen (Lk. 2,15, Mk. 12,25, Rom. 8,38); dem schließt sich
galiugaxristjus ψευδόχριστοι (Mk. 13,22) an (vgl. Lühr, a.a.O. 147f.). Ein Gen.Pl.
auf -iwê ist nicht überliefert. - Der Wechsel zwischen u- und i-Flexion dürfte vom lat.
Nom.Sg. -us neben Nom.Pl. -rausgegangen sein (vgl. weiter Lühr, a.a.O. 142f.).

112
D. Deklination der Fremdwörter §120.

A η m. la. Für das meist als Nom. diakamus* διάκονος angesetzte Wort sind belegt:
NDSg. dkn· (Urk. Arezzo, was dem angesetzten Nom. zu widersprechen scheint),
Dat.Sg. diakuna, diakona (Urk. Neapel), Nom.Pl. diakaunjus l.Tim. 3,12, Akk.Pl.
diakaununs l.Tim. 3,8. Vgl. Gaebeler 94ff.; Ebbinghaus, GL 22 (1982), 191ff. -
Bemerkenswert ist der Gen.Sg. Mattapiwis (angelehnt an pius*, G. piwis § 91 A.3)
Lk. 3,25 neben G. Mattapiaus Lk. 3,26 zu N. Mattapius* (?) Ματταθίας (vgl. Lühr,
а.a.O. 148).

A n m . Ib. Der Name Iesus (Iêsûsi § 15 A.l) 'Ιησούς, von dem Pluralformen nicht
vorkommen, wird ganz wie ein a- (oder mask. /'-) Stamm dekliniert; an den schein-
baren Stamm Iesu- treten die entsprechenden Endungen: Nom. Iesus, Vok. Iesu, Gen.
Iesuis, Dat. Iesua, Akk. Iesu. Im Dat. begegnet auch die Form Iesu, die älter und
nichts als die transkribierte griech. Dativform Ίησοΰ ist. Vgl. Gaebeler 116; Bethge
§ 339; zur Erklärung s. Ebbinghaus, GL 11 (1971), 151 ff.; Lühr, a.a.O. 144f.

A n m . 2. Griech. Kasusformen sind beibehalten z.B. bei den Neutra alabalstraun


άλάβαστρον, praitoriaun πραιτώριον; zu Israeleitês der Nom.Pl. Israeleitai =
Ίσραηλΐται Rom. 9,4 oder (mit got. Flexion) Israeleiteis 2.Kor. 11,22. Vgl. Gaebeler
68 ff.

A n m . 2a. Fremde Länder- und Städtenamen auf -a zeigen eine auffallige Misch-
flexion: Nom. -a (Akaja), Gen. -ais (z.B. Asiais), Dat. -ai (z.B. Asiai), Akk. -a (z.B.
Makidonjä). Die den fem. ¡'-Stämmen entsprechende Flexion im Gen. und Dat. findet
nach Lühr (a.a.O. 141 f.) ihren Ausgangspunkt im lat. Lokativ Romae: dieser wurde
direkt in got. Rumai übernommen, der im Lat. gleichlautende Gen. wurde zur Dif-
ferenzierung mit dem Gen.-Zeichen -s versehen (vgl. auch § 103 A.4 zum alten Lok.
haimat).

A n m . 3. Doppelte Entlehnung liegt vor bei Nom.Sg. aipistaule, Dat.Sg. aipistaulein,


Dat.Pl. taipistaulem (zur Lesung s. Snaedal XXV) gegenüber Akk.Pl. aipistulans Neh.
б,17.19. Die erste Variante ist aus gr. έπκπολή entlehnt (mit Anlehnung an die
-ew-Dekl. § 111), die zweite aus lat. epistula (nach dem Typ atta § 107); dafür spricht
nicht nur der Mittelvokal, sondern auch der Flexionsunterschied (Lühr, a.a.O. 140). -
Dagegen ist bei apaustaulus (ca. 40 Belege) gegenüber apaustulus* (nur apaustuluns
Lk. 6,13, apaustulu Php. 2,25) weniger an zweifache Entlehnung als vielmehr an eine
Entwicklung in unbetonter Silbe (§ 13 A.l) zu denken.

A n m . 4. Das Ntr. σάββατον wird meist durch das indeklinable Mask, sabbato,
sabbato dags (erstarrter griech. Dat. σαββάτφ) wiedergegeben, s. Schulze, Kl. Sehr.
514ff. Daneben stehen nach Anm. 1 flektierte Kasusformen: sabbataus (Gen. Lk.
18,12); sabbatê(Gen.Pl. l.Kor. 12,2); sabbatim (Dat.Pl. Lk. 4,31). Einmal, Kol. 2,16,
sabbatum = σαββάτων. Vgl. Gaebeler 79f.; Streitberg, IF 31 (1913), 323ff.; Ebbing-
haus, GL 21 (1981), 20f.; Lühr, a.a.O. 145.

A n m . 5. Die weiblichen Eigennamen Mar ja (§ 43 A.2), Marpa, Sarra* flektieren wie


die mask. an-Stämme (Typ atta, § 107): A. Marjan, G. Marpins, D. Sarrin (Rom. 9,9
A); Plurale begegnen nicht. Vgl. Gaebeler 113f.; zur Erklärung s. Lühr, a.a.O. 140f. -
Für den Namen der Gottesmutter liegen folgende Formen vor: NV. Maria, Mariam
Μαρία, Μαριάμ, Α. Marian, G. Martins, Marjins (Mk. 6,3), D. Mariin.

A n m . 6. Bei den übrigen Klassen von Fremdnamen ist keine durchgehende Regel-
mäßigkeit zu erkennen. Hier durchkreuzen sich verschieden motivierte Einzelanalo-
gien; als Auslöser kommen einzelne griech. oder lat. Endungen, aber auch der syn-
taktische Kontext in Betracht (vgl. Lühr, a.a.O. 145ff.).

113
KAPITEL I I .

Deklination der Adjektive


(Mossé Β. 291; S1. 178,4; S5. 327. - Jellinek § 157ff.; Krause § 151 ff.;
Bammesberger, Nomen 217 ff.)

§ 121. Das Adjektiv hat im Got. wie in allen germ. Sprachen eine zweifache Dekli-
nation, die s t a r k e und die s c h w a c h e . Dieser Doppelheit liegen zwei
verschiedene Arten der Stammbildung zugrunde. Die s t a r k e Flexion ist
unter charakteristischen Abweichungen (§ 122) aus der ursprünglichen idg.
Adjektivflexion erwachsen, die s c h w a c h e ist erst im Germ, als besondere
Adjektivflexion ausgebildet worden (§ 132). Jedes normale Adjektiv kann
auf beide Weisen flektiert werden. Im Gebrauch besteht ein syntaktischer
Unterschied: die s c h w a c h e Form steht nach dem Pronomen sa, sô, pata
(sogen. „Artikel", s. § 153), nur selten in anderen Gebrauchsweisen; die
s t a r k e Form herrscht in allen anderen Fällen, besonders bei prädikativem
Gebrauch und attributiv ohne Demonstrativpronomen. Demgemäß wird
auch vom „bestimmten" (schwachen) und „unbestimmten" (starken) Ad-
jektiv gesprochen.

A n m . 1. Zu den Steigerungsformen des Adjektivs s. § 135ff, zu den Adjektiv-


adverbien s. § 210ff.

A n m . 2. Adjektive, Partizipien und Pronomina stehen im Neutrum, wenn sie sich


auf zwei gleichgeordnete Substantive mit verschiedenem Genus beziehen; z.B. jah
qêmun pan aipei is jah brôprjus is jah ûta standandôna insandidêdun du imma,
haitandôna ina Mk. 3,31. Zur Erklärung s. Meringer, KZ 28 (1887), 238f.; Hiersche,
KZ 78 (1963), 155ff. (idg. Dual, vgl. § 153 A.2a zum Pron. pô).

A n m . 3. Lit.: Lichtenheld,ZDA18(1875), 17ff.; ADA32(1908),7; Jellinek, PBB 34


(1909), 581 ff.; Delbrück, IF 26 (1910), 187ff; JEGP 9 (1910), 439ff.; Sturtevant,
JEGP 21 (1922), 452ff; Trutmann, Adj.

A. Starkes Adjektiv

§ 122. Die starke Flexion des Adjektivs war ursprünglich mit der vokalischen
(starken) Flexion des Substantivs identisch. Im Germ, hat sich das Adjektiv
jedoch in einigen Kasus an die Pronominalflexion (vgl. § 149a) angelehnt, so
daß seine Flexion nur noch teilweise mit der des Substantivs übereinstimmt.
Der NASg. des Neutrums hat zwei Formen, eine nominale (ohne Endung)
und eine pronominale (auf -ata-, s. Anm. 2).
Wie die Substantive, so verteilen sich auch die Adjektive im Got. auf
mehrere vokalische Deklinationen:

114
Α. Starkes Adjektiv § 123.

1. und 2. Adjektive der «-/o-Deklination. Diese entsprechen der substan-


tivischen α-Deklination für Mask, und Ntr. (§ 89 ff.) bzw. der
o-Deklination für das Fem. (§ 96ff.). - Unterabteilungen werden durch
die ja-ljô-Stämme gebildet, analog den entsprechenden Substantiven.
3. Adjektive der /-Deklination, den Substantiven §§ 9 9 - 1 0 3 entsprechend.
4. Adjektive der «-Deklination, den Substantiven §§ 104-106 entsprechend.
D i e Klassen 3 und 4 sind im Got. nur in spärlichen Resten erhalten:
erstens ist die Zahl der hierher gehörenden Adjektive gering, zweitens sind
die meisten Kasus in dieya-//'ó-Flexion übergetreten. Somit hat als die nor-
male starke Deklination der Adjektive nur die a-/o-Deklination nebst der
Unterabteilung der ja-ljô-Stämme zu gelten.
A n m . 1. Nur s t a r k flektiert werden die Pronominaladjektive (außer sama und
silba, § 132 A.3), die Kardinalzahlen, soweit sie adjektivisch flektiert werden, sowie
anpar 'der zweite', und einige Adjektive von allgemeinerer Bedeutung: alls 'all',
ganôhs* 'genug', Halbs* 'halb', midjis* 'der mittlere', fulls 'voll' (vgl. Jellinek § 158;
Krause §152).
A n m . 2. Die pronominale Form begegnet weitaus seltener als die nominale, und
zwar fast immer in attributiver Stellung; prädikativ nur Mk. 8,17 und Rom. 7,12 (vgl.
Jellinek § 161 A.l). Wo beide Formen miteinander konkurrieren, hat die pronomi-
nale Form determinierende (halbata aiginis meinis 'die Hälfte meines Besitzes' Lk.
19,8) bzw. anaphorische Funktion (mei mein ... meinata mei 'meine Zeit' Jh. 7,6.8);
vgl. Lamberterie, in: Akten der Tagung „Indogermanistik, Germanistik, Linguistik",
Jena 18.-20. Sept. 2002.

Paradigma der starken Adjektivdeklination: blinds 'blind'. D i e v o n der Fle- § 123.


xion der entsprechenden Substantive abweichenden pronominalen Formen
(§ 122) sind durch kursiven Druck hervorgehoben.

Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. blinds blind, blindata blinda


Gen. blindis blindaizôs
Dat. blindammo blindai
Akk. blindano blind, blindata blinda

Plur. Nom. blindai blinda blindôs


Gen. blindaizê blindaizô
Dat. blindami blindaim
Akk. blindans blinda blindôs

A n m . 1. Die starke Form des Vok. ist dem Nom. gleich (s. § 85 A.2) und steht stets
beim Possessivpronomen (s. § 152 A.l), z.B. gup meins Mt. 27,46; Mk. 15,34. Sonst
nur vereinzelt: baups Mk. 9,25, audahafta Lk. 1,28, ushauhida Mt. 11,23 und die Part.
Präs. § 133 A.2. Auch hails! χαίρε (Mk. 15,18; Jh. 19,3) ist wohl als Vok. zu fassen,
dazu vielleicht eils im got. Epigramm (§ E19), anders Wrede/Heyne § 272 A.2. - Beim
attributiven Adj. (außer dem Possessivum) wird der VSg. regelmäßig schwach gebil-
det, z.B. atta weiha πάτερ άγιε Jh. 17,11. Vgl. Grimm IV, 650f.

115
§123. Flexionslehre - II. Deklination der Adjektive

A n m . 2. In Skeir. endet der Dat.Pl.f. in allen drei Fällen auf -ôm: missaleikôm 2,4,
judaiwiskôm 3,2, sinteinóm 3,2. Hier ist auf die fem. o-Stämme zurückgegriffen wor-
den, um das Genus eindeutig zu markieren: Jellinek, ADA 20 (1894), 153 A.l;
29 (1904), 282; ders. § 161 A.2.

§ 124. Zur «-/¿-Deklination gehört die Mehrzahl der vorkommenden Adjektive.


Sie zerfallen im wesentlichen in folgende Typen:
a) zahlreiche Primäradjektive (Heidermanns, EWGP s.w.), z.B. hails 'ge-
sund', siuks 'krank', juggs* 'jung', snutrs* 'weise', swinps* 'stark', triggws
'treu', ubils 'böse';
b) Sekundäradjektive auf -eins (Kluge § 198f.; Meid §95), z.B. aiweins*
'ewig'; meist zur Bezeichnung des Materials: staineins* 'steinern',
barizeins* 'aus Gerste';
c) Adjektive der Art und Weise auf -isks bzw. -wisks (Kluge § 210f.; Meid
§ 148; Mezger, KZ 79 [1964], 38ff.; Wissmann, Sprachw 2 [1977], 93ff.;
Bammesberger, HS 108 [1995], 93ff.), z.B. mannisks* 'menschlich',
haipiwisks* 'wild'; bei η-stämmigem Grundwort lallt das «-Suffix aus:
funisks* 'feurig' (zu funirt- 'Feuer' §§110,118; vgl. ahd. gumiski 'Gruppe
von Männern');
d) Adjektive auf -gs bzw. -hs (§ 79 A.4; Kluge § 203ff.; Meid § 144; Bam-
mesberger, PBB 108 [1986], 35ff.), z.B. mahteigs 'mächtig', ansteigs 'gnä-
dig', manags* 'viel', môdags 'zornig', handugs 'weise'; stainahs* 'steinig',
un-barnahs 'kinderlos', \wainahs (oder |wainans, s. Friesen 13; Snaedal
XVII) 'elend';
e) Adjektive mit aus Kompositionsgliedern entstandenen „Halbsuffixen":
auf-leiks(Kluge§237f.; Meid§ 168;H. U. Schmid,-///¡-Bildungen,Göt-
tingen 1998), z.B. galeiks 'ähnlich', liubaleiks* 'lieblich' (dazu die Adv.
auf -leikô, § 211); - auf -kunds (Gusmani, RIL 102 [1968], 288ff.; Bolo-
gnesi, Terra Cimbra 12 [1981], 9ff.), z.B. airpa-kunds* 'irdisch' (§ 88a),
himina-kunds* 'himmlisch', guma-kunds* 'männlich' (§§ 88a, 211);
f) Pronominaladjektive, z.B. meins 'mein', peins 'dein', sein- 'sein, ihr'
(§ 152), jains 'jener', die Superlative (§ 137), die Partizipien des Prät., z.B.
numans* 'genommen', nasips* 'gerettet' (vgl. § 134).
A n m . 1. Gemäß § 78 A.2 fallt das -s des Nom.Sg. in folgenden Fällen aus: 1. nach s,
z.B. swês 'eigen' Tit. 1,12 (Akk.Sg. swêsana), ga-qiss 'übereinstimmend' Rom. 7,16
(Akk.Pl. gaqissans); 2. nach r mit vorhergehendem Kurzvokal: anpar 'der zweite,
andere', unsar 'unser', izwar 'euer', foapar 'welcher von beiden'. Bei r existiert ein
Unterschied zwischen Subst. und Adj.: waír 'Mann' Lk. 8,27 u.ö., aber ga-faürs
'ehrbar' 1 .Tim. 3,2 AB (i-Stamm nach § 130; kurzsilbig nach Heidermanns, EWGP
224f.): im Adj. bleibt das -s analogisch erhalten, weil es zur Genusmarkierung be-
nötigt wird. Folglich ist zu dem nur l.Ths. 5,6 belegten NPlm. warai 'aufmerksam,
nüchtern' der Nom.Sg. nicht als f war (so noch in der 19. Aufl.), sondern als wars*
anzusetzen.

116
Α. Starkes Adjektiv §126.

A n m . 2. Zu beachten sind die Regeln über die „Auslautverhärtung" stimmhafter


Spiranten (§ 79); z.B. frôps, frôdamma 'klug', gôps, gôdis 'gut' (§ 56), liufs, liubana
'lieb', daufs*, daubata 'taub' (§ 56 A.l).
A n m . 3. Die Stämme, die ein w vor den Kasusendungen aufweisen, unterliegen im
NSgmn. den für auslautendes w geltenden Regeln (§ 42). Zu dem Nom.Pl. qiwai ist
der NSgm. qius 'lebendig' Rom. 7,9 belegt, das Ntr. als qiu* zu erschließen. Zu den
Pluralen fawai (Mt. 7,14 u.ö.) und unskawai (nur 1 .Ths. 5,8) kann man daher anset-
zen NSgmn. \faus*,~\fau* 'wenig' (das Wort kommt nur im Plur. und im Ntr.Sg. vor)
bzw. unskaus*, unskau* 'nüchtern'. Der Ansatz eines gleichbedeutenden *usskaus
aufgrund der Konjektur f usskaujan (§ 42 A.2) bleibt gänzlich unbegründet. - Über
lasiws s. §42 A.l.

A n m . 4. Die Pronominaladjektive auf -ar - unsar, izwar, anpar, faapar - sind im


Ntr.Sg. nur in der kürzeren Form unsar usw. belegt.

Die Adjektivstämme, die ein j vor den Endungen aufweisen (/a-//o-Stämme), § 125.
stimmen in den meisten Formen mit dem Paradigma blinds überein. Nur
wenige Formen erfahren durch die Einwirkung des j eine Änderung. Auf-
grund von „Sievers' Gesetz" (§ 44,c) sind wie beim Substantiv kurzsilbige
und langsilbige ja-ljô-Stämme zu unterscheiden.
Paradigma eines kurzsilbigen Stammes: midjis* 'der mittlere':
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. midjis -, midjata midja


Gen. midjis midjaizôs
Dat. midjamma midjai
Akk. midjana -, midjata midja

Plur. Nom. midjai midja


Gen.
Dat. midjaim midjaim
Akk. midjans midja

Die rein nominalen Formen von midjis* (belegt DASgf., DAPlm.) folgen im §126.
Mask, dem Typ des Subst. harjis (§§ 90,92), im Ntr. dem Typ kuni (§§ 93,95),
im Fem. dem Typ wrakja (§§ 96, 97a).
Außer midjis* gehören nur wenige Adjektive hierher: aljis* 'ein anderer'
(Anm. la), harjis 'welcher' (§ 160); - ferner solche, deren Wurzel auf Vokal
endet (§ 44,c): niujis 'neu\fulla-tôjis 'vollkommen', ubil-tôjis 'übeltäterisch'
(s. Anm. 1).
Ob die Präfixbildungenga-wiljis* 'einmütig' (Rom. 15,6, l.Kor. 7,12.13)
und un-sibjis* 'ungesetzlich' (Mt. 7,23, Mk. 15,28, l.Tim. 1,9 AB) sowie die
Komposita grinda-frapjis* 'kleinmütig' (nur sw. APlm. -frapjans l.Ths.
5,14) und sama-frapjis* 'einmütig' (nur NPlm. -frap jai Php. 2,2) als kurzsil-
big oder als langsilbig behandelt werden, geht aus den Belegen nicht hervor
(ebenso bei den mask. y'a-Stämmen anda-stapjis* und silba-wiljis*, § 92,c).
A n m . 1. Bei der geringen Zahl dieser Adj. sind einzelne Formen des obigen Para-
digmas nicht belegt: so der Gen.Pl. aller Genera, der für Mask., Ntr. als midjaizê*, für

117
§126. Flexionslehre - II. Deklination der Adjektive

Fem. als midjaizô* anzusetzen wäre; NAPlf., für die midjôs* zu erwarten ist (nach
wrakjôs § 96, blindôs § 123). Ebenfalls unbelegt ist die kurze Form des NASgn., die
nach den langsilbigen y'a-Stämmen (§ 127) als midi* zu erschließen wäre; für niujis
sollte sie niwi* lauten (belegt Akk.Sg. niujata Mt. 9,17, Lk. 5,37), für die Komposita
auf-tôjis (§ 26,a) wäre *-taui zu erwarten. - Der NSgm. ist nur belegt von ivarjis (Lk.
9,46, Mk. 9,34), niujis (1 .Kor. 5,7) und den Komposita auf-tójis (fulla- Mt. 5,48; ubil-
Jh. 18,30,2.Tim. 2,9). Der NSgf. liegt vor in gawilja (l.Kor. 7,12), harja (Mk. 12,28)
und niuja (2.Kor. 5,17 AB, Gal. 6,15 AB; anders das Subst. ¡>iwi § 98).

A n m . la. Von aljis* sind nur drei Kasusformen überliefert: DSgf. aljai Skeir. 7,2;
GSgn. aljis Gal. 5,10 Β, l.Tim. 1,10 Β; APln. alja 2.Kor. 1,13 AB (2x); ferner das
Adv. aljaleikô l.Tim. 6,3. Sonst stehen in vergleichbarer Verwendung Formen von
anpar (mit dem Adv. anparleikô l.Tim. 1,3).
A n m . 2. Der Adjektivstamm *frija- 'frei', von dem das Fem.Sg. frija,frijaizôs,frijai,
frija, sowie die mask. Formen Akk.Sg. frijana, Nom.Pl. frijai, Akk. frijans belegt
sind, bildet den NSgm. freis (l.Kor. 7,21.22 9,1, Eph. 6,8, Gal. 3,28, Kol. 3,11);
vermutlich ist auch der nicht belegte Gen.Sg. als freis* anzusetzen.
A n m . 3. Ein Adjektiv ^sunjis 'wahr', wie es verschiedentlich angesetzt wurde,
existiert nicht (§ 210 A.2).

1127. D i e langsilbigen ya-Stämme zeigen im Plur. keinerlei Abweichung von


midjis. Der Sing, lautet v o m Paradigma wilpeis 'wild' (Stamm *wilpija- nach
Sievers' Gesetz, vgl. § 44,c):
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. wilpeis wilpi, - wilpi


Gen. (§ 128 A.2)
Dat. wilpjamma wilpjai
Akk. wilpjana wilpi, -

i 128. D a s Mask, schließt sich dem subst. Typ hairdeis (§§ 9 0 , 9 2 ) an, das Fem. dem
Typ bandi (§§ 96, 98). Wie wilpeis flektieren sicher alpeis 'alt', fairneis* 'alt',
waila-mêreis* 'löblich' (doch s. Anm. 2), wôpeis* 'angenehm'. Über die be-
legten und nicht belegten Formen s. Anm. 2.

A n m . 1. Adjektive, die nicht im Nom.Sg. belegt sind, könnten auch wie hrains
(§ 130) flektieren. Zur ya-Klasse gehören wahrscheinlich noch airzeis* 'irregeführt'
(nur Pl. airzjai; s. Heidermanns, EWGP 177 f.), uf-aipeis* 'vereidigt' (nur PI. -jai Neh.
6,18), af-haimeis* 'fern der Heimat' (nur PI. -jai), ana-haimeis* 'anwesend' (Nom.Pl.
-jai, Dat.Pl. -jairri), aupéis* 'öde' (DASgm., DPlm.; s. EWGP 111), daupubleis* 'tod-
geweiht' (nur Akk.Pl. -jans l.Kor. 4,9), *mildeis 'liebevoll' (Nom.Pl. un-mildjai 'lieb-
los' 2.Tim. h,"h,friapwa-mildjai 'liebend' Rom. 12,10), reikeis* 'mächtig' (sw. GPlm.
-janê Neh. 6,17; s. EWGP 451), sleideis* 'beschwerlich' (NPlm. -jai, η. -ja', s. Grien-
berger 192; EWGP 509). Sehr wahrscheinlich ist auch aufgrund der Bildung anzu-
setzen framapeis* 'fremd' (ASgm., NPlm., DPlf.), s. Streitberg II, 37; Feist 164 (an-
ders Kluge § 233; Krause § 159).

A n m . 2. Im Nom.Sg. sind nur belegt Mask, alpeis Skeir. 2,2.3, wilpeis Rom. 11,17;
Fem. wôpi 2.Kor. 2,15 AB; Ntr. Nom.Akk. fairni Lk. 5,39, waila-mêri Php. 4,8 (doch
Snaedal XXIII liest waila-mêr), wilpi Mk. 1,6 (vgl. Braune, Litbl 1908, 328). Der
GSgm. ist nicht sicher bezeugt; in Rom. 11,24 steht eine Form, die eher fwilpjis als

118
Α. Starkes Adjektiv §130.

\wilpeis zu lesen ist (Snaedal XVIII; entgegen Braune, a.a.O. ist hier keine schwache
Form zu erwarten). Der DSgn. liegt vor infairnjamma 1 .Kor. 5,8, der DSgf. in wôpjai
Eph. 5,2 AB, der ASgm. infairnjana Mt. 9,16, Lk. 5,36, Mk. 2,21. - Die nicht belegten
Formen des Paradigmas werden allgemein folgendermaßen angesetzt: NASgn.
wilpjata*, GSgf. wilpjaizôs*, ASgf. wilpja*; für das Ntr. vgl. § 95, für das Fem. § 125.

Die ursprüngliche Flexion der adjektivischen i- und «-Stämme ist im Got. § 129.
nur noch in Resten greifbar, nämlich im Nom.Sg. aller drei Genera sowie im
ASgn. (zum GSgmn. s. Anm. 1). Alle übrigen Kasus, soweit belegt, sind in
die Flexion dery'a-Stämme (§§ 125-127) übergetreten. Auch die schwachen
Formen (§ 132 A.l) werden so gebildet.
A n m . 1. Der GSg(m)n. der i'-Dekl., der durch skeiris (... waurdis) Skeir. 5,1 bezeugt
ist (vgl. § 130 A.2), kann keine alte /-stämmige Form sein: der Ausgang stimmt mit
dem der a-Adj. überein (blindis). Folglich gehört das i nicht zum Stamm, sondern zur
Endung; vgl. Dal, NTS 15 (1949), 392fT.; Heidermanns, Fs. Seebold (1999), 163 A.80.
Der zur u-Dekl. gehörige adverbielle Gen. filaus bleibt als subst. Form (§131 A.3)
ohne Beweiskraft für das Adjektiv.
A n m . 2. Zur Herkunft der adjektivischen i'-Flexion Heidermanns, Fs. Seebold
(1999), 145ff.; zum Ursprung der «-Flexion ders., KZ 99 (1986), 278ff.

Die nominalen Formen der adjektivischen /-Stämme schließen sich an die § 130.
Substantivtypen gasts bzw. mähts an (§§ 99-103). Paradigma hrains 'rein':
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. hrains hrain, - hrains


Gen. hrainis
Dat. hrainjamma hrainjai
Akk. hrainjana hrain, - hrainja

Plur. Nom. hrainjai hrainja hrainjôs

Die /'-Adjektive zerfallen in zwei Gruppen:


a) primäre bzw. zu starken Verben gebildete Adj., außer hrains z.B. brüks
'nützlich' (brûkjan), anda-nêms 'angenehm' (and-niman), anda-sêts* 'ab-
scheulich' (and-sitan*), sêls 'gütig', un-sêls* 'böse', skeirs 'klar';
b) exozentrische Komposita, z.B. ana-laugns* 'verborgen' (vgl. aisl. ά laun
'heimlich', s. Heidermanns, EWGP 365 f.), ana-siuns* 'sichtbar' (zu siuns
'Gesicht', EWGP 473 f.); ga-mains 'gemein'; ga-faürs 'ehrbar' (§ 124 Α. 1)
und un-faúrs* 'schwatzhaft' (zu Subst. *furi-, s. EWGP 224f.); alja-kuns
'fremdgeschlechtig' und sama-kuns* 'verwandt' (zu kuni 'Geschlecht').
A n m . 1. Der unbelegte GSgf. dürfte als hrainjaizôs* anzusetzen sein, der pro-
nominale NASgn. als hrainjata*. - Der ASgf. ist nur in sutja (l.Tim. 2,2 AB) und
gamainja (Php. 4,14) belegt.
A n m . 2. Mit Sicherheit wird ein Wort hierher gesetzt: 1. wenn es im NSgf. belegt ist
(so nur brûks, sels, skeirs); 2. wenn außer dem NSgmn. noch Kasus mit j vorkommen
(z.B. gafaurs l.Tim. 3,2 AB, gafaurjôs l.Tim. 3,11). Sind dagegen nur die NSgmn.

119
§ 130. Flexionslehre - II. Deklination der Adjektive

(hrains, hrairi) belegt, so kann das Wort nach blinds (§ 123) gehen; finden sich nur
j-Kasus (z.B. hrainjamma), so kann es nach wilpeis, midjis*, hardus (§§ 127, 125, 131)
gehen. Die Zugehörigkeit von skeirs zu dieser Klasse steht durch den NSgf. Skeir. 4,2
völlig fest (frühere Zweifel ADA 31 [1907], 6; vgl. Streitberg § 183 A.2; nicht ganz
richtig Krause § 159 A. 1, dem der Bezug auf das Fem. mikildûps entgeht); zum GSgn.
skeiris s. § 129 A.l.
Auch ohne genügenden Beleg werden einige Adjektive nach anderen Erwägungen
hierhergesetzt, so riurs* 'vergänglich', skauns* 'schön', ga-dôfs* 'passend', un-qêps*
'unaussprechlich'. Entgegen früheren Auflagen dieses Buches gehören bleips 'gütig'
und hauns 'niedrig' eher in die α-Klasse (§ 123), aupéis* 'öde',framapeis* 'fremd' und
reikeis* 'mächtig' in dieya-Klasse (§ 128 A.l); vgl. EWGP s.w. - Lit.: PBB 14 (1889),
167; PBB 15 (1891), 489; Bethge 593; Kluge §§ 178, 197, 229-231.

A n m . 3. Ein NSgmf. auf -is ist vielleicht belegt in fsutis m. 'mild' l.Tim. 3,3 AB
(sonst nur ASgf. sutja l.Tim. 2,2 AB), nawis f. 'tot' Rom. 7,8, doch hatte Uppström
fsuts, fnaus gelesen (vgl. Subst. naus, § 101 A.3); ferner \airknis 'heilig' (Glosse zu
1 .Tim. 3,3 B, die Lesung ist nicht ganz sicher), das wegen der übrigen Belege (Nom.Pl.
2.Tim. 3,2 mairknai B, unairknans A, Dat.Pl. unairknaim l.Tim. 1,9 AB) meist zu
*airkns geändert wird. Möglicherweise handelt es sich um Genitive (Seebold, PBB-T
89 [1967], 42ff.). - Angesichts der Unsicherheit über die Form sutis sollte man nicht
nach ihrem Muster zu unnutjans l.Tim. 6,9 einen Nom.Sg. tun-nutis (statt un-nuts*)
ansetzen. Vgl. Feist 461 f. (mit Lit.); Krause § 160.

A n m . 4. Adverbien auf -iba können auf /-Adjektive (z.B. arniba, gatêmiba) oder -
nach langer Silbe - aufya-Adjektive weisen (andaugiba, s. § 210 A.3).

§ 131. D i e nominalen Formen der adjektivischen w-Stämme schließen sich an die


Substantivtypen sunus, handus, faihu an (§§ 104-106). Paradigma hardus
'hart':
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. hardus hardu, hardjata hardus


Gen.
Dat.
hardja
Akk. hardjana hardu, hardjata
hardjôs
Plur. Nom. hardjai -

D i e Zugehörigkeit zu dieser Klasse wird durch die u-haltigen Formen er-


wiesen (NSgmf., NASgn.). Bei folgenden Wörtern ist der N o m . S g . tatsäch-
lich bezeugt: aggwus* 'eng', aglus* 'schwierig', hardus 'hart', manwus 'be-
reit', qairrus 'sanftmütig', seipus* 'spät', tulgus 'fest', paursus 'dürr', plaqus
'weich'; ferner bei dem K o m p o s . twalib-wintrus 'zwölfjährig'.
Weitere Adjektive, die nur in y'-haltigen Formen belegt sind, werden aus
morphologischen oder etymologischen Erwägungen als «-Stämme ange-
setzt: hnasqus* 'weich' (DPlf. hnasqjaim Mt. 11,8 [2x], Lk. 7,25), kaúrus*
'schwer' (NPlf. kaúrjós 2.Kor. 10,10). So vielleicht auch laus-handus* 'mit
leeren Händen' (sw. ASgm. laushandjan Mk. 12,3); anders Jellinek § 164
A.l.

120
Β. Schwaches Adjektiv §132.

Vgl. Kluge §§ 179-182, 193; Streitberg, IF 19 (1906), 214f.; Heider-


manns, E W G P s . w .
A n m . 1. Der NSgf. liegt nur vor inpaürsus Lk. 6,6 und tulgus 2.Tim. 2,19 (Bezugs-
wort grunduwaddjus, s. § 105,b; vgl. Seebold, PBB-T 90 [1968], 216), der ASgf. nur in
paursja Lk. 6,8. - Von den nicht belegten Formen setzt man allgemein an: GSgf.
hardjaizôs*, DSgf. hardjai*, GSgmn. hardaus* (ganz unsicher), DSgmn. hardjamma*,
NPln. hardja*.
A n m . 2. Aufgrund des Adv. glaggwuba έπιμελώς (nur Lk. 1,3) ist verschiedentlich
zu Unrecht ein w-Adj. iglaggwus erschlossen worden; aber die Adv. glaggwaba
(Lk. 15,8) und glaggwô (l.Ths. 5,2) άκριβώς weisen beide eindeutig auf ein a-Adj.
*glaggws (§§ 210 A.l, 211). Vgl. Bethge 594; Grienberger 97f.; van Helten, PBB 30
(1905), 245; Seebold, IF 76 (1971[72]), 328. Zur Problematik und Erklärung der
sogenannten „wn-Adjektive" wie aggwus*, hnasqus*, manwus, plaqus s. Heider-
manns, KZ 99 (1986), 278ff.; Snœdal, HS 106 (1993), 137ff.

A n m . 3. filu 'viel' wird nur substantivisch und adverbial gebraucht, dazu ein adver-
bialer Gen. filaus 'um vieles' (§ 106 A.1,2). Nach Wurzelablaut und Verwendung
handelt es sich um ein altes Subst. (Brugmann 11,1,177; anders in früheren Auflagen
dieses Buches).

B. Schwaches Adjektiv

Verschiedene idg. Sprachen können durch eine Stammerweiterung mit Hilfe § 132.
eines «-Elements Adjektive substantivieren; vgl. zum Adj. lat. catus 'schlau'
den P N . Catö, Catönis. D a s Germ, hat diese Möglichkeit genutzt zur Aus-
bildung einer neuen, der schwachen, Adjektivflexion (vgl. § 121), die infolge
dieser Herkunft mit der Flexion der substantivischen «-Stämme überein-
stimmt. So auch im Got.: Mask, und Ntr. gehen nach atta und hairtô, das
Femininum normalerweise nach qinô (vgl. §§ 107-112; s. aber Anm. 4). -
Beispiel eines durchflektierten schwachen Adjektivs (blinds § 123):
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. blinda blindó blindó


Gen. blindins blindons
Dat. blindin blindôn
Akk. blindan blindó blindôn

Plur. Nom. blindons blindôna blindons


Gen. blindanê blindônô
Dat. blindant blindôm
Akk. blindons blindôna blindons

A n m . 1. Nach blinda gehen alle schwachen Adjektive. Von denyW/o-Stämmen


(§ 126f.): Nom.Sg. niuja, -jó; wilpja*; /-Stämme: hrainja*, -jó; für «-Stämme (hardja*)
fehlen sichere Belege (vielleicht laushandjan, s. Jellinek § 164 A.l). - Bei den langsil-
bigen ja- (i-, u-)Stämmen erscheinen in den Kasus mit i (GDSgmn.) stets die Formen
mit -ji- (wie beim Subst. § 108 A.2; gegen § 44,c); z.B. unhrainjin Mk. 9,25; Lk. 8,29;

121
§ 132. Flexionslehre - II. Deklination der Adjektive

unséljin Mt. 5,39; Jh. 17,15, vgl. Schulze, Kl. Sehr. 536f. Wenn neben unsêljins Eph.
6,16 A in Β einmal unsêleins erscheint, so ist es doch nicht geraten, danach mit
Streitberg § 186 A.l in Rom. 11,24 A durch Konjektur ^wilpeins (statt f wilpjis) her-
zustellen. Vgl. § 128 A.2 und Braune, Litbl 1908, 327f. - Von faimjin Mk. 2,21; Lk.
5,36 zu fairneis* 'alt' (§ 128) ist fairnin 2.Kor. 8,10 9,2 AB (in der Formel af fr am
fairnin jêra) zu trennen und zu einem Adj. * faims 'nächstvergangen' zu setzen (Schul-
ze, Kl. Sehr. 536 fr.).

A n m . 2. Von einigen (meist präfigierten) Adjektiven sind nur schwache Formen


belegt, z.B. skula 'schuldig', alaparba 'arm', inkilpô 'schwanger', usfairina (und
unfairina*, s. Braune, Litbl 1908, 329) 'tadellos', usgrudja* 'träge, verzagt'; einige
weitere sind wohl z.T. als Substantive zu fassen. Vgl. Lichtenheld, ZDA 18 (1875),
41 Α.; Streitberg § 187,6; Jellinek § 159. - Von dem nur in schwacher Form vorkom-
menden ainaha 'einzig' findet sich Lk. 8,42 der NSgf. ainôhô (vgl. PBB 12 [1887], 203);
er wird meist als fehlerhaft für *ainahô angesehen (beeinflußt von ainôhun § 163,c),
doch vgl. Kluge § 204.
A n m . 3. Nur als schwache Adjektive werden flektiert alle Ordinalzahlen von '3.' an
(vgl. § 146) sowie die Pronomina sama und silba (§ 156).
A n m . 4. Nur als schwache Adjektive werden auch flektiert das Partizip Präsens
(§ 133), der Komparativ (§ 136) und die alte Superlativbildung auf -ma (§ 139).
Jedoch bilden alle diese das Femininum nach dem Paradigma managei (§ 113,c).

C. Deklination der Partizipien

§ 133. Das Partizip Präsens hat die alte Flexion der nrf-Stämme (§115) aufgegeben
und flektiert wie ein schwaches Adjektiv, aber mit dem Femininum auf -ei
(§ 132 A.4). Der NSgm. geht meist auf -s aus, daneben findet sich seltener die
schwache Form (Anm. 3); vereinzelt endet auch der NSgf. auf -s (Anm. 4).
Paradigma gibands 'gebend':
Mask. Ntr. Fem.

Nom. gibands gibando gibandei


gibanda gibands
Gen. gibandins gibandeins
Dat. gibandin gibandein
Akk. gibandan gibando gibandein

Nom. gibandans gibandôna gibandeins


Gen. gibandanê gibandeinô
Dat. gibandam gibandeim
Akk. gibandans gibandôna gibandeins

A n m . 1. Einige substantivisch gebrauchte Partizipien zeigen eine ältere Flexion,


s. § 115.

A n m . 2. Der Vok. ist wie beim Adj. dem Nom. gleich (vgl. § 123 A.l): gatairands,
gatimrjands Mk. 15,29, unródjands Mk. 9,25. Deshalb ist fraujinônd Lk. 2,29 als
Subst. 'Herrscher!' zu fassen (§ 115,3 mit A.2).

122
D. Steigerangsformen - 1. Komparativ § 135.

A n m. 2a. Der Ausgang -ands ist verschiedentlich zu -ans vereinfacht; vgl. §§ 74 A.5,
82A.1.

A n m . 3. Die Herkunft des NSgm. auf -s ist umstritten (zum Fem. s. Anm. 4). Es
handelt sich wohl nicht um eine starke (vokalische) Form, sondern um einen Rest der
alten konsonantischen nrf-Deklination (s. § 115; Ebbinghaus, G L 12 [1972], 83 ff. mit
Lit.). - Über die seltenere schwache Form des NSgm., die nur nach dem „Artikel"
vorkommt (sa qimanda neben sa qimands), s. Sommer, PBB 37 (1912), 481 ff.;
Behaghel, PBB 40 (1915), 522ff.; Jellinek § 159 A . l ; Trutmann, Adj., bes. 161 ff.;
Melazzo, Sprachw 17 (1992), 133ff.

A n m . 4. A n (mindestens) vier Stellen fungiert ein Nom.Sg. auf -ands als Attribut
eines fem. Substantivs (Seebold, PBB-T 90 [1968], 216): nimandsfrawaurhts Rom. 7,8
A;frawaurhts... nimands Rom. 7,11 A; tulgus grunduwaddjus... habands 2.Tim. 2,19
(vgl. §§ 105,b, 131 A.l); qinô blôparinnands Got. Veron. VIIf.,13. Ein Muster für eine
Neubildung ist nicht zu erkennen; folglich dürfte es sich um einen Archaismus aus der
konsonantischen Deklination handeln (vgl. Anm. 3). Zur endgültigen Klärung müß-
ten allerdings alle entsprechenden Belege auf ihr Genus hin überprüft werden.
A n m . 5. Falls sich in bijandzup-pan 'darüber hinaus' Phm. 1,22 ein isoliertes Part,
verbirgt (urspr. 'hinzukommend' oder 'hinzufügend', zu idg. *(h¡)ei- 'gehen'?), zeigt
die Nom.Sg.-Endung vor enklitischer Partikel die ältere Gestalt -z; in dem regulären
Part, bidjandansup-pan Mt. 6,7 erscheint die Pl.-Endung als -s (§ 78,b,c).

Das Partizip Präteritum wird wie ein gewöhnliches Adjektiv, stark und § 134.
schwach, dekliniert, z.B. von dem starken Verb giban (§ 176):
Mask. Ntr. Fem.
Part. Prät. stark: gibans giban, gibanata gibana
schwach: gibana gibanô gibanô

Von dem schwachen Verb nasjan (§ 185 f.):


Part. Prät. stark: nasips nasip, nasidata nasida
schwach: nasida nasidô nasidô

A n m . 1. Über den Wechsel zwischen p und d im Part. Prät. der schw. Verben s. § 74.

D. Steigerungsformen des Adjektivs

1. Komparativ
Das Got. verfügt über zwei Komparativsuffixe: a) das aus der idg. Grund- § 135.
spräche ererbte Suffix -iz-; b) das nur den germ. Sprachen eigene Suffix -ôz-,
a) Die Bildungen mit -iz- sind bei weitem häufiger und finden sich bei Ad-
jektiven aller Stammklassen, z.B. managiza* (zum α-Stamm manags*
§ 123ff.), alpiza (zum ya-Stamm alpeis § 127f.), sutiza* (zum /-Stamm
fsutis § 130 A.3), hardiza* (zum «-Stamm hardus § 131).
b) Bildungen mit -ôz- kommen nur bei α-Adjektiven vor: framaldrôza*,
frôdôza*, garaihtôza, handugôza*, hlasôza (s. Anm. 3), swinpôza,
paùrftôza*, unswikunpôza*, usdaudôza. Die Beschränkung auf α-Stämme
entspricht dem Vorkommen der Adverbien auf -ô (§ 211).

123
§ 135. Flexionslehre - II. Deklination der Adjektive

A n m . 1. Das Adj. juggs* 'jung' bildet den Kompar. jûhiza mit grammatischem
Wechsel und Schwund des η vor germ, h (§§ 50a mit A.2; 50 Α. 1 ; vgl. aisl. œri 'jünger',
Aisl.Gr. § 438 A.3); ein Superlativ ist nicht belegt.
A n m . la. Das Adj. walisa* 'recht, lauter' setzt wohl einen absolut gebrauchten
Kompar. fort, mit s für ζ nach Thurneysens Gesetz (§ 79 A.4); vgl. Bammesberger,
PBB 102 (1980), Iff.; Heidermanns, EWGP 650.
A n m . 2. Das Suffix -iz- stammt aus der Schwundstufe *-is- des idg. Komparativ-
suffixes *-ies-, *-ios-, *-iös- (unter Wirkung von Verners Gesetz, § 50a A.2); vgl.
Trutmann, Adj. 40 Α. 104. Zu dem Suffix -ôz- s. G. Mahlow, Die langen Vokale Α Ε O
in den europäischen Sprachen, Berlin 1888, 46; W. Streitberg, Zur germanischen
Sprachgeschichte, Straßburg 1892, 19ff.; Kluge, Grdr. I, 482f.; Krause § 165; Bam-
mesberger, Nomen 232; Szemerényi 195 f.

A n m . 3. Wie R. Wagner (Die Syntax des Superlativs im Gotischen ..., Berlin 1910,
89 ff.) gesehen hat, steht das Suffix -ôz- abgesehen von hlasôza (Php. 2,28 AB) nie
direkt nach kurzer erster Silbe. Die Ausnahme ist hinfällig, wenn Mas* 'heiter' aus
*hlahsa- dissimiliert und zu hlahjan* 'lachen' gebildet ist (Heidermanns, EWGP 293).
Allerdings sind Adjektive mit kurzer Wurzelsilbe überhaupt selten. - Zum Superlativ
auf -ôsta- vgl. § 137 A. 1.

§ 136. A n diese Suffixe treten f ü r d a s M a s k , u n d N t r . die E n d u n g e n des schwa-


c h e n A d j . (reine « - S t ä m m e , §§ 132, 107, 109). D a s F e m . zeigt die Flexion
der e i n - S t ä m m e (§§ 132 A.4, 111, 113); belegt ist es in folgenden Fällen:
maizei M k . 12,31 u.ö., managizei* Jh. 7,31 u.ö., minnizei Skeir. 3,4, speidizei
u n d wairsizei M t . 27,64; framaldrôzei Lk. 1,18, handugôzei l . K o r . 1,25 A ,
unswikunpôzei Skeir. 6,1.
Ein vollständiges P a r a d i g m a erübrigt sich:
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. managiza managizô managizei


frôdôza frôdôzô frôdôzei
Gen. managizins managizeins
frôdôzins frôdôzeins

usw., g a n z wie d a s P a r t . Präs. § 133 ( d o c h niemals m i t einem N S g m . auf -s).

2. Superlativ
§ 137. D i e Superlative w e r d e n gebildet d u r c h A n t r i t t des idg. Suffixes *-to- an d a s
K o m p a r a t i v s u f f i x . D a r a u s ergeben sich f ü r d a s G o t . zwei Bildungen, a u f
-ista- u n d a u f -ôsta- ( o h n e Sonorisierung des Λ· u n d m i t e r h a l t e n e m idg. t
n a c h § 50a), z.B. managists* (zu manags*), armôsts* (zu arms). D i e Super-
lative w e r d e n g a n z wie echte A d j e k t i v e flektiert, also s t a r k (§ 123 f.) u n d
schwach (§ 132), vgl. Jellinek § 166 A .
A n m . 1. Von Bildungen auf -ôsta- sind nur armôstai (l.Kor. 15,19) und lasiwôstai
(l.Kor. 12,22) belegt. Nichts spricht gegen die Annahme, daß alle Adjektive, die im
Kompar. das Suffix -iz- annehmen, den Superi, mit -ista- bilden (entsprechend Kom-
par. -ôz- : Superi, -ôsta-), vgl. § 135 mit A.3; Jellinek § 165.

124
D. Steigerungsformen - 3. Unregelmäßige Steigerung § 139.

A n m . 2. Beim stark flektierten Superlativ ist die pronominale Form des Neutrums
auf -ata (§ 122 A.2) nicht belegt, wohl um die Lautfolge f-tata zu vermeiden (Streit-
berg §189 A.l).

3. Unregelmäßige Steigerung
I. Eine sehr alte Erscheinung ist es, daß einige Eigenschaftsadjektive des § 138.
Grundwortschatzes von einer bestimmten Wurzel entweder nur einen Po-
sitiv, oder nur Komparativ und Superlativ bilden (vgl. dt. gut : besser, best,
lat. parvus : minor, minimus). Hier stellt man Positive mit semantisch ent-
sprechenden Komparativen und Superlativen zusammen, die ihrerseits kei-
nen Positiv haben (sogenannte suppletive Steigerung). Grundlegend dazu
H. Osthoff, Vom Suppletivwesen der indogermanischen Sprachen, 1899;
vgl. ferner Jaberg, Fs. Serra (1959), 27ff.; Linguistics 28 (1967), 82ff.; Spra-
che 15 (1969), 8 ff.
Zu vier got. Adjektiven werden suppletive Komparationsformen gebil-
det:
Positiv Komparativ Superlativ

'gut': góps (d) batiza* (s. Anm. 1) batists*


'böse': ubils wairsiza
'groß': mikils maiza maists
'klein': leitils minniza minnists*

II. Anders zu beurteilen ist sineigs 'der Alte'. Hier ist im Positiv ein germ.
Stamm *sena- 'alt' mit dem Suffix *-ïga- (§ 124,d) erweitert (Heidermanns,
EWGP 478). Ein Komparativ ist nicht belegt. Dem Superlativ liegt die
germ. Wurzel *sen- zugrunde, an die das Superlativsuffix -ista- direkt ange-
treten ist: *sen-ista(n)- > got. smista πρεσβύτερος 'der Älteste'. Sowohl
sineigs als auch sinista sind im Got. Substantive; als Adjektive dienen alpeis
und fairneis* 'alt' (§ 128).
A n m . 1. Ein anderer Komparativ der Bedeutung 'besser' liegt vor in dem nur Gal.
4,1 belegten iusiza (wohl mit altem Ablaut zu *wesu- 'gut', vgl. Vesi-(Visi-)gothae
§ El A.2), s. Feist 298f.; Pokorny 1174; Heidermanns, EWGP 179.
A n m . 2. Zu dem Positiv gôps gehört auch das suppletive Adv. waila §211 A.3. -
Über die Komparativ-Adverbien watrs, mais, mins sowie das Superlativ-Adverb
maist s. § 212 mit A.2.
A n m . 3. Das Subst. PI. áirizans* 'Vorfahren' ist vom Kompar. äiris des Adv. äir
abgeleitet, s. §§ 212 mit A.l, 214 A.l.

Eine alte idg. Superlativbildung mit einem (einfachen oder erweiterten) § 139.
w-Suffix (vgl. lat. primus, optimus) findet sich im Got. in sechs von Lokal-
adverbien abgeleiteten Wörtern: aftuma* 'der letzte', aühuma 'der höhere'
(Anm. la),fruma 'der erste' (§ 146), hleiduma* 'der linke', iftuma* 'der fol-
gende', innuma 'der innerste'. Ihre Bedeutung ist in der Regel elativisch oder

125
§139. Flexionslehre - II. Deklination der Adjektive

zum Positiv geworden, vgl. Szemerényi, PBB-T 82 (1960), Iff. Die Bildun-
gen folgen der schwachen Flexion, im Fem. den «'«-Stämmen (also ganz wie
die Komparative, § 136).
Zu einigen dieser Bildungen sind (wie sonst nur im Anglofriesischen, s.
Kluge, Grdr. 1,484) neue Superlative mit dem Suffix -ista- (§ 137) gebildet
worden: aftumists, aúh(u)mists (Anm. l a ) , f r u m i s t s (afrs.formest·, § 146). So
auch hindumists* 'der äußerste', spêdumists* 'der letzte' (zu *spêdeis neben
regelmäßigen spêdiza*, spêdists*), die auf nicht belegte *hinduma, *spêduma
schließen lassen. Den Substantiven miduma* f. 'Mitte' und midumônds 'Ver-
mittler' («¿/-Stamm, § 115) muß ebenfalls eine solche m-Bildung zugrunde
liegen (vgl. ae. me(o)d(u)me, midmest, Ae.Gr. § 314).

A n m . 1. Nach Gabelentz/Loebe 11,2, 171 f. wurde diesen Bildungen früher falsch-


lich komparativische Bedeutung zugeschrieben, s. z.B. Streitberg § 190, doch vgl.
E. Schulze, Goth. Glossar (§ B7,b) s.w.; Kluge, Grdr. I, 483 f.
A n m . la. aúhumists begegnet im Luk.-Ev. dreimal ohne mittleres u: auhmistam 3,2,
auhmistô 4,29, auhmistans 19,47; vgl. ae. ymest (Ae.Gr. § 314 A.3). aúhuma dürfte auf
*uf-uman- 'weiter oben' beruhen (vgl. das Präfix uf- 'auf-'), mit einer dissimilatori-
schen Entwicklung/> h zwischen zwei «-Vokalen (§ 62 A.2a; vgl. Szemerényi, a.a.O.
25 f.; Heidermanns, RGA 2 s.v. Ofen).
A n m . 2. Der nur Lk. 1,36 belegte Dat.Sg. aldomin 'Greisenalter' ist aus *alduma
'ganz alt' substantiviert (vgl. Grienberger 18; Brugmann, PBB 43 (1919), 320 fT.). Die
alternative Analyse als men-Bildung wie lat. certämen (dazu Leumann § 326,2c), die
ein Sekundärverb auf -ä- (germ, -δ-) voraussetzen würde, ist hinsichtlich der Wort-
bildung ganz unwahrscheinlich (Schubert [§ B6,e] 52).
A n m . 3. Der nur zweimal belegte Dat.Sg. (/>α/Μ)/π/»ιβάπ',έ|άρχής (Jh. 15,27 16,4)
kann als Dat. eines Substantivs *frum (kaum *frums) 'Anfang' erklärt werden; vgl.
Streitberg § 187 Α.; Feist 169f.

126
KAPITEL I I I .

Zahlwörter
(Mosse Β. 292,6; S . 178; S2. 188,6. - Koppitz, ZDP 32 (1900), 456ff.;
1

Solari, RIL 116 [1982], 181 ff.)

Da die Zahlen sehr häufig durch Zahlzeichen wiedergegeben werden (§ 1 § 139a.


A.5), fehlen für viele Zahlwörter die Belege. Eine Sammlung der bezeugten
Zahlzeichen findet sich in Snaedal 1252ff.
Die Zahlwörter werden in folgender Gliederung präsentiert: A. Kardi-
nalzahlen (§§ 140-145); - B. Ordinalzahlen (§ 146); - C. andere Zahlarten:
Distributiva, Multiplikativa, Iterativa (§§ 147-149).

Α. Kardinalzahlen

Die Zahlen von Ί ' bis '3' sind in allen Kasus und Genera deklinierbar. §140.
Die Zahl Ί ' : m. ains, n. ain und ainata, f. aina wird vollständig wie ein
starkes Adj. nach blinds (§ 123) flektiert; schwache Flexion findet sich nicht
(§ 122 A.l). In der Bedeutung 'einzig, allein' kommen auch Pluralformen
vor. Das Wort ist Bestandteil mehrerer Komposita, z.B. ainabaúr* m. 'ein-
geboren' Skeir. 5,4, ainfalps* 'einfach' Mt. 6,22 (§ 148).
Die Zahlen '2' und '3':
Mask. Ntr. Fem.

Nom. twai twa twos


Gen. twaddjê
Dat. twaim twaim
Akk. twans twa twôs

'drei': Nom.
Gen. prijê
Dat. prim
Akk. prins prija prins

A n m . 1. Die kollektive Zweizahl 'alle zwei, beide' άμφότεροι wird ausgedrückt


durch bai, das wie twai flektiert. Belegt ist Mask. Ν. bai, D. bairn, A. bans, Ntr. NA.
ba; vgl. §73 A.l. In gleicher Bedeutung kommt eine erweiterte Form vor mit der
Flexion eines konsonantischen Substantivs: N. bajôps, D. bajôpum (§§21 A.2, 117
A.4). - Vgl. K. Brugmann, Die distributiven und die kollektiven Numeralia der idg.
Sprachen, Leipzig 1907,22ff., 48.

A n m . 2. Der Akk.Ntr. prija ist nur Mk. 14,5 bezeugt (entgegen der 19. Aufl. dieses
Buches nicht Nom.), der Akk.Fem. prins nur Lk. 9,33. Von den nicht belegten For-
men läßt sich mit Sicherheit der Nom.Ntr. als prija* (nach dem Akk.), der Gen.Ntr.

127
§140. Flexionslehre - III. Zahlwörter

als prijê* (nach dem Mask.) ansetzen; der Nmf. lautete mit hoher Wahrscheinlichkeit
preis* (aisl. prir; vgl. § 17 A.4), der Gen.Fem. prijô*.

§ 141. Die Zahlwörter von '4' bis '19' sind eingeschlechtig. Diese Zahlen werden
normalerweise unflektiert gebraucht; im Gen. und Dat. können sie jedoch
flektierte Formen nach der ¿-Deklination §99 ff. bilden (s. Anm. 2). Fol-
gende Formen sind belegt:
'4': fidwôr (NGDA.), Dat. \fidwôrim (Konjektur für -in) Mk. 2,3 (zu
fidur- s. Anm. 1);
'5': fimf (NDA.);
'6': saihs (DA.);
'7': sibun (NDA.);
'8': ahtau (nur Nom. Lk. 2,21 9,28), dazu ahtaudôgs 'achttägig' Php. 3,5
AB;
'9': niun{ NA.; zweisilbig wie as. nigun, s. § 18 A.2), Gen. niunê Lk. 15,7;
'10': taihun (NDA.), dazu taihuntêweis* 'zehnreihig' l.Kor. 15,6 (§ 144
A.1);
'11': nur Dat. ainlibim Mk. 16,14, l.Kor. 15,5 A (s. § 56 A.l);
'12': twalif, twalib (NDA.), Gen. twalibê Jh. 6,71 u.ö., Dat. twalibim
Jh. 6,67 u.ö., dazu twalibwintrus 'zwölfjährig' Lk. 2,42;
'14': fldwôrtaihun (nur Akk. 2.Kor. 12,2 B, Gal. 2,1 A);
'15': nur Dat.fimftaihunim Jh. 11,18.
A n m . 1. Der Stamm von '4' erscheint in der Komposition als fidur- (§24 A.2):
fìdurdógs 'viertägig' Jh. 11,39, fldurfalps* 'vierfaltig' Lk. 19,8, fidurragini* 'Vier-
herrschaft' Lk. 3,1 (3x). Vgl. Kluge, PBB 6 (1879), 394; Brugmann 11,2,13f.; Feist 149.
A n m . 2. Die flektierten Genitive und Dative werden gebraucht, wenn das Zahlwort
nicht adjektivisch unmittelbar vor seinem Substantiv steht oder wenn es als Subst.
gebraucht wird, z.B. wintriwê twalibê Lk. 8,42,framfìdwórim Mk. 2,3, aber af fidwôr
windam Mk. 13,27. Über die einzige Ausnahme niuntéhundis jah niunê garaihtaizê
Lk. 15,7 s. §143.

§ 142. Von '20' bis '60' werden die Zehner gebildet mit dem Plural tigjus* (Gen.
tigiwê, Dat. tigum, Akk. tiguns, «-Stamm nach § 104; der Sing. *tigus, etwa
'Dekade', ist nicht belegt) und dem davorgesetzten Einer; die gezählten
Objekte stehen im Gen. vor oder hinter dem Zahlwort. Es folgt eine Auf-
zählung der Belege:
'20': Dat. mip twaim tigum pûsundjô Lk. 14,31;
'30': Gen. jêrê prijê tigiwê Lk. 3,23; Akk. prins tiguns silubr(e)inaizê
Mt. 27,3.9;
'40': Akk .flmf sinpam fidwôr tiguns 2.Kor. 11,24, dagê fidwôr tiguns
Lk. 4,2, Mk. 1,13;
'50': Akk. firn tiguns Lk. 16,6 (§ 82 A.l), fimf tiguns Lk. 7,41 9,14, fimf
tiguns jêrê Jh. 8,57;
'60': Dat. spaúrdé saihs tigum Lk. 24,13, saihs tigum jêrê l.Tim. 5,9 AB.
A n m . 1. Lit.: Ross, TPS (1954), 116ff.; Bammesberger, Fs. Klingenberg(1986), 3ff.

128
Α. Kardinalzahlen §144.

Die Zehner von '70' bis Ί 0 0 ' zeigen Bildungen, die auf -têhund (bzw. § 143.
-taihund) ausgehen. Einerzahlen werden mit jah 'und' angeschlossen, ge-
zählte Objekte stehen im Gen.:
'70': sibuntêhund{Nom. Lk. 10,17; Akk. Lk. 10,1);
'80': Akk. ahtautêhundLk. 16,7; - '84': Gen.jêrêahtautêhundjahfidwôr
Lk. 2,37;
'98': N o m . fniuntêhundjah .h. (Konjektur für miunhuncb) Neh. 7,21; -
'99': Akk. niuntêhund jah niun Lk. 15,4; Gen. in niuntêhundis jah
niunê garaihtaizê Lk. 15,7;
'100': Akk. taihuntêhund lambê Lk. 15,4, aber taíhuntaíhund kasê Lk.
16,6, taíhuntaíhund mitadê Lk. 16,7, dazu taíhuntaíhundfalp Akk.
'hundertfältig' Lk. 8,8 (§ 148).
Die Zahlen auf -têhund sind Substantive, die indeklinabel gebraucht wer-
den. Einmal begegnet jedoch der flektierte Gen.Sg. niuntêhundis jah niunê
(s.o.). Dieser Gen.Sg. scheint zu zeigen, daß zur Zeit des Wulfila das Zahl-
wort '90' Sing, war; daraus ergibt sich die Bildung dieser Zahlengruppe als
sibun-têhund 'Dekade von Siebenern' usw. Diese Annahme ist jedoch bis
heute umstritten, vgl. Behaghel, PBB 42 (1917), 165ff.; Jellinek § 169 A.

A n m . 1. Aus der umfangreichen Lit.: Holtzmann, Germ 2 (1857), 424f.; J. Schmidt,


Die Urheimat der Indogermanen und das europäische Zahlensystem, 1890, bes. 28 f.;
Brugmann 11,2, 35f.; van Helten, IF 18 (1906), 118f.; ZDP 43 (1911), 382; Idg. Jb 1,
143f.; Jellinek §§ 171, 173; Kieckers 178f.; Collinder, Fs. Jónsson (1928), 329ff.;
Sommer, Sb. Bayer. Akad., phil.-hist. Kl. 1950,7,48 ff., 83 fT.; O. Szemerényi, Studies
in the Indo-European System of Numerals, Heidelberg 1960 (passim); Mazzuoli
Porru, in: Mille, I dibattiti del Circolo Linguistico Fiorentino, Firenze 1970, 173 ff.;
G.Schmidt, KZ 84 (1970), 98ff; Lühr, MSS 36 (1977), 59ff. (mit reicher Lit.);
Darms 34ff.; Shields, NOWELE 19 (1992), 89fT.

Die Hunderte werden gebildet mit dem neutralen Plural hunda ( N A . hunda, § 144.
D. hundam-, der Sing. *hund 'das/ein Hundert' ist nicht belegt). Es gibt sechs
Belege:
'200': Dat. twaim hundam skattê Jh. 6,7;
'300': Akk. prija hunda skattê Mk. 14,5;
'500': Dat. fimf hundam taihuntêwjam brôprê l.Kor. 15,6 (s. Anm. 1);
Akk. skattê fimf hunda Lk. 7,41;
'973': N o m . niun hunda .ug. Neh. 7,39;
fragmentarischer Beleg:... hunda .m.e. Neh. 7,13.

A n m . 1. In taihuntêwjam (s.o.) ist ein komponiertes Adj. taihun-têweis* 'zehnreihig'


(zu têwa*, nur Dat. téwai l.Kor. 15,23, τάγμα 'Ordnung') zu sehen, durch das die
Hunderte als zehnteilig gegenüber dem zwölfteiligen germ. Großhundert ('120') be-
zeichnet werden sollten (Holtzmann, Germ 2 [1857], 424; vgl. J. Schmidt, Die Ur-
heimat der Indogermanen und das europäische Zahlensystem, 1890,24ff.). Auffallig
bleibt, daß Wulfila nur in einem von sechs Fällen diese nähere Bestimmung von hunda
für nötig gehalten hätte; offenbar ist taihuntêwjam eine in den Text geratene Glosse.

129
§145. Flexionslehre - III. Zahlwörter

§ 145. Das Zahlwortpûsundi'l000' ist ein fem. Subst. (Typ bandi § 96) und hat den
Gen. nach sich; zur Bezeichnung mehrerer Tausende kommt der Plur.
pûsundjôs zur Anwendung. Das Wort ist auch in dem Kompos. pûsundi-faps
'Anführer von Tausend' verbaut (§§ 88a, 101).
Die folgenden Kombinationen kommen vor (in verschiedenen Kasus):
Ί017': Nom.pûsundi.i.z. Neh. 7,42;-Ί052':pûsundi.n.b. Neh. 7,40;-
Ί247': pûsundi .s.m.z. Neh. 7,41; - Ί254': pûsundi .s.n.d. Neh.
7,34;
'2000': Nom. twôspûsundjôs Mk. 5,13; - '2222': .b. pûsundjuss.k.b. Neh.
7,17;
A n m . 1. Der von Castiglione und Uppström Neh. 7,19 gelesene neutrale Plur. twa
pûsimdja wird von W. Braun (bei Streitberg) bestritten; es stehe .b. pûsundjôs j.q.
'2066', vgl. Streitberg, Fs. Windisch (1914), 226ff.

'3630': Nom. .g. pûsundjôs .x.l. Neh. 7,38;


'4000': Nom. fldwôr pûsundjôs Mk. 8,9; Dat. fidwôr pûsundjôm Mk.
8,20;
'5000': Nom. fimfpûsundjôs Jh. 6,10,fìmfpûsundjôs wairê Lk. 9,14; Dat.
fimfpûsundjôm Mk. 8,19; Akk .fimfpûsundjôs wairê Skeir. 7,2;
' 10000': Dat. mip taihun pûsundjôm Lk. 14,31;
'20000': Gen. mip twaim tigumpûsundjô Lk. 14,31.

B. Ordinalzahlen

§ 146. Die ersten beiden Ordinalia sind etymologisch verschieden von den betref-
fenden Kardinalzahlen.
Ί . ' : m.fruma, n.frumô, i.frumei 'der erste' flektiert als schwaches Adj.
(nur an einer Stelle im Plur.: frumans 'die ersten' Mk. 10,31 [2mal]); daneben
frumists 'der erste' (§ 139).
'2.': anpar 'der zweite, andere' wird als starkes Adj. flektiert (§§ 122 A.l,
124 A. 1,4).
Alle folgenden Ordinalzahlen lehnen sich an die jeweiligen Grundzahlen
an und werden als schwache Adjektive flektiert (§ 132 A.3). Die folgenden
Bildungen sind bezeugt:
'3.': pridja (16 Belege);
'5.': *fimfta, nur in fimfta-taihunda* '15.' (s.u.);
'6.': saihsta (4 Belege);
'8.': ahtuda*, nur DSgm. in daga ahtudin Lk. 1,59;
'9.': niunda* (4 Belege);
'10.': taihunda*, nur ASgf. taihundôn dail Lk. 18,12;
'15.': fimftataihunda*, nur DSgn. in jêrapan fimftataíhundin Lk. 3,1; der
Beleg zeigt, daß nur der zweite Teil flektiert wird.

130
C. Andere Zahlarten §149.

C. Andere Zahlarten

Die Distributivzahlen werden entweder durch hazuh, harjizuh 'jeder' § 147.


(§§ 164, 165) oder durch die Präposition bi 'bei, um' (§ 217,c) umschrieben,
z.B. insandida ins twans hanzuh 'je zwei' Lk. 10,1; bi twans l.Kor. 14,27.
A n m . 1. Eine Kollektivzahl ist ursprünglich tweihnai* 'beide', so in dem einen Beleg
Dat. mip tweihnaim markôm 'zwischen beiden Grenzen' Mk. 7,31; der andere Beleg
Akk. tweihnôs paidôs 'je zwei Röcke' Lk. 9,3 hat dagegen distributive Bedeutung.
Vgl. K. Brugmann, Die distributiven und die kollektiven Numeralia der idg. Spra-
chen, Leipzig 1907, 35,43, 54f.; Streitberg § 195.

Multiplikativa werden mit dem Element -falps* (-p-) gebildet: § 148.


ainfalps* 'einfach', nur NSgn. Mt. 6,22 (mit Adv. ainfalpaba Skeir. 3,3,
Subst. ainfalpei* 'Einfalt' 2.Kor. 1,12 u.ö.);
Ad\. fidurfalp 'vierfáltig' Lk. 19,8 (§ 212);
taíhuntaíhundfalps* 'hundertfaltig', nur ASgn. Lk. 8,8; daneben ASgn.
<.r. falp> 'hundertfältig' Mk. 10,30 (von Snaedal 395 wohl zu Unrecht
als *hundafalps interpretiert);
managfalps* 'vielfältig': ASgn. Lk. 18,30; sw. NSgf. Eph. 3,10.
A n m . 1. Gegenüber dem von den anderen germ. Sprachen vorausgesetzten Suffix
*-falda- ist im Got. der grammatische Wechsel (§ 50a) beseitigt; vgl. Heidermanns,
EWGP 187 f.

Iterative Zahladverbien auf die Frage 'wie viel mal?' werden ausgedrückt § 149.
durch die Dative sinpa, sinpam (zu N o m . *sinps m. oder *sinp n. 'Gang', § 74
A.3) mit vorgesetzter Kardinalzahl:
ainamma sinpa 'einmal' 2.Kor. 11,25 u.ö.;
twaim sinpam 'zweimal' Lk. 18,12; Mk. 14,72;
prim sinpam 'dreimal' Mt. 26,75 u.ö.;
fìmf sinpam 'fünfmal' 2.Kor. 11,24;
sibun sinpam 'siebenmal' Lk. 17,4 (2x).
Mit der Ordinalzahl: anparamma sinpa 'zum zweiten Mal' Mk. 14,72; 2.Kor.
13,2 AB.
A n m . 1. Bei den Ordinalzahlen wird auch das Ntr. in iterativer Bedeutung verwen-
det. Die regulären Ordinalia sind dabei mit dem Pron.pata verbunden:patafrumô το
πρότερον 'zum ersten Mal' Gal. 4,13; pata anpar 'zweitens' 2.Kor. 13,11 u.ö.; pridjô
pata 'zum dritten Mal' 2.Kor. 12,14 13,1. Dagegen steht der Superi, frumist τό
πρώτον 'zum ersten Mal, zuvor' (häufig, z.B. Jh. 10,40) stets allein, ist also Adverb
(§ 212). Vgl. Loewe, KZ 47 (1916), 108ff.
A n m . 2. Ein altes Adv. *twis 'zweimal' ist enthalten in twis-standan* 'sich trennen'
(nur Part. Präs. 2.Kor. 2,13 AB), twis-stass* 'Zwiespalt' (nur Nom.Pl. -eis Gal. 5,20
AB); vgl. §§78 A.5,217a.

131
KAPITEL I V .

Pronomina
(Mossé Β. 292f.; S1. 178; S5. 328. - Jellinek § 141 ff.; Krause § 175 ff.)

§ 149a. Das System der Pronomina wird wie folgt gegliedert: A. Personalprono-
mina und Reflexivpronomen (§ 150 f.); - B. Possessivpronomina (§ 152); -
C. Demonstrativpronomina (§§ 153-156);-D. Relativpronomina (§ 157 f.);
- E. Interrogativpronomina (§§ 159-161); - F. Indefinitpronomina
(§§ 162-166).
Die geschlechtigen, d.h. nach dem (natürlichen oder grammatischen)
Geschlecht differenzierten Pronomina zeigen in einer Reihe von Kasus
charakteristische Erweiterungen teils des Stammes, teils der Endung, die
z.T. auch beim starken Adjektiv Eingang gefunden haben (pronominale
Flexion, s. § 122); man vergleiche besonders ASgm., NASgn., DSgmn.,
GDSgf., GPlmfn., beim Demonstrativum und seinen Weiterbildungen auch
NPlm. und DPlmfn.

A. Personalpronomina und Reflexivpronomen


§ 150. Die Pronomina der ersten und zweiten Person verfügen noch über einen
Dual (§ 84 A.l). Ebenso wie das Reflexivpronomen sind sie ungeschlechtig
(§ 149a). Vgl. Seebold, Pron. (passim).
l.Pers. 2. Pers. Refl.-Pron.
Sing. Nom. ik jm -

Gen. meina peina (s. Anm. 4)


Dat. mis pus sis
Akk. mik puk sik

Dual Nom. wit _ _


Gen. - igqara (s. Anm. 4)
Dat. ugkis igqis sis
Akk. ugkis igqis sik

Plur. Nom. weis jus (s. Anm. 2) -

Gen. unsara izwara seina (s. Anm.


Dat. uns, unsis izwis sis
Akk. uns, unsis izwis sik
A n m . 1. Der Gen.Du. 2.Pers. ist nur l.Kor. 12,21 A als iggqara belegt (vgl. § 152);
danach ist die l.Pers. als ugkara* zu erschließen. Neben ugkis (Lk. 7,20; Mk. 10,37;
l.Kor. 4,6) erscheint uggkis (Mt. 9,27; Mk. 10,35; Jh. 17,21), neben igqis (Mk. 1,17;
10, 36; 14, 13) iggqis (Mt. 9,29; Mk. 11,2.3) nach § 67 Α. 1. - Die früher neben ugkis
angesetzte Form des Akk.Du. ^ugk war für mik verlesen (Eph. 6,22).

132
Β. Possessivpronomina §152.

An m. 2. Der nicht belegte Nom.Du. 2.Pers. kann als jut* erschlossen werden (See-
bold, Pron. 16). Die Vokalquantität vonjus ist unklar (s. Brugmann 11,2,384f., 410f.;
Krause § 175; Seebold, Pron. 30); vgl. § 15 A.l.
A η m. 2a. Das -s im Nom.Pl. der 1. und 2. Pers. erscheint im gedeckten Auslaut als -z
(§ 78,c): weiz-up-pan,juz-up-pan (beide l.Kor. 4,10 A),juz-ei(Lk. 16,15 u.ö.); so auch
Dat.Pl. izwiz-ei (Gal. 3,1).
A n m . 3. Im DAP1. l.Pers. sind uns und unsis je nach Kasus unterschiedlich verteilt:
während beide Formen im Dat. etwa gleich häufig auftreten (66 uns : 59 unsis),
begegnet uns im Akk. rund fünfmal so oft wie unsis (124 uns : 24 unsis; Zahlenangaben
nach Snaedal). Vgl. Dickhoff, ZDA 54 (1913), 466ff.; Streitberg, Idg. Jb 2 (1914),
131 f.; Jellinek § 141 A; Seebold, Pron. 33, 39; St. Howe, The Personal Pronouns in
the Germanic Languages, Berlin/New York 1996, 125 ff.
A n m . 4. Der Gen. des Reflexivpronomens seina ist nur einmal belegt, und zwar in
pluralischer Geltung: wôpjandam seina missô Lk. 7,32. Er ist auch enthalten in seinai-
gairnai (statt *seina-g., § 88a A.2) 'eigensüchtig' (Glosse zu 2.Tim. 3,20 A).

D a s Pronomen der dritten Person (anaphorisches Pronomen) ist nach dem § 151.
Geschlecht differenziert (vgl. § 149a). (152)
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. is'er' ita 'es' si 'sie


Gen. is izôs
Dat. imma izai
Akk. ina ita ija

Plur. Nom. eis ija _


Gen. izê - izó
Dat. im im
Akk. ins - ijôs

A n m . 1. VomNtr. ist der AGP1., vom Fem. der Nom.Pl. nicht belegt. Man kann die
Formen als ija*, izê* (nicht tijê) und ijôs* ansetzen. - Zum Pron. *hi- vgl. § 155.

B. Possessivpronomina

Von den Stämmen der Personalpronomina (§ 150 f.) werden adjektivische § 152.
Possessivpronomina abgeleitet. (151)
1. Pers. Sing.: m. meins, n. mein, meinata, f. meina 'mein';
2. Pers. Sing.: peins 'dein';
1. Pers. Dual: nicht belegt, nach der 2. Pers. als *ugqar anzusetzen;
2. Pers. Dual: belegt ist nur der Dat.Sg.f. iggqarai Mt. 9,29 (zu iggqara s.
§ 150 A . l ) , der Nom.Sg.m. ist als igqar* anzusetzen;
1. Pers. Plur.: unsar 'unser';
2. Pers. Plur.: izwar 'euer';
3. Pers. aller Numeri: sein- 'sein, ihr' (s. Anm. 2).

133
§152. Flexionslehre - IV. Pronomina

A η m. 1. Die Flexion dieser Pronominaladjektive ist der des starken Adjektivs völlig
gleich; über unsar, izwar vgl. § 124 A.1,4. - Schwache Flexion kommt nicht vor. Vgl.
§§ 122 A.l, 123 A.l.
A n m . 2. Der Stamm sein- fungiert als Possessivpronomen für die 3. Person aller
Numeri; Beispiel für pluralisches Subjekt: wairôs skulun frijón seines qênins 'Männer
sollen ihre Frauen lieben' (Eph. 5,28). Das Pron. bezieht sich logisch stets auf das
Subjekt des Satzes und kommt demzufolge nur im Gen. Dat. Akk. vor (Streitberg
§§ 165, 279,2).
A n m . 3. Die Formen meinna (Mt. 11,10), izwana (Php. 2,25) sind wohl Schreibfehler
für meinana (Mt. 8,21 u.ö.), izwarana (Mt 5,16 u.ö.).

C. Demonstrativpronomina

i 153. D a s einfache Demonstrativpronomen sa, pata, sô wird sowohl als D e m o n -


strativum 'dieser, der' (zur Übersetzung von gr. ο ύ τ ο ς oder α υ τ ό ς ) ge-
braucht als auch zur Übersetzung des griech. Artikels. Jedoch ist das got.
Pronomen noch nicht zum bloßen Formwort herabgesunken: es hat hin-
weisende bzw. anaphorische Funktion und gibt den griech. Artikel im we-
sentlichen nur dann wieder, wenn es sich u m einen schon genannten, be-
kannten oder näher bestimmten Begriff handelt; im übrigen bleibt der
griech. Artikel meist unübersetzt (s. A n m . 3).
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. pata


Gen. pis pizôs
Dat. pomma pizai
Akk. pana pata Pô

Plur. Nom. pai Pô pôs


Gen. pizê pizô
Dat. paim paim
Akk. pans Pô pôs

A n m . 1. Die auslautenden a der zweisilbigen Formen werden vor enklitisch ange-


fügten Elementen mit vokalischem Anlaut ausgestoßen (§4 A.l). - Uber pei aus
*pa-eis. § 157 A.2.

A n m . 2. Der neutrale Instrumentalpê (vgl. § 85 A.l) ist nicht mehr als Kasus im
Gebrauch. Er steht nur einmal selbständig vor Komparativ: ñipé haldis (Skeir. 4,4)
'dadurch nicht mehr' = 'trotzdem nicht' (Jellinek § 146), außerdem in den adver-
biellen Verbindungen und Konjunktionen bi-pé, du-pê (duppêj, jappé (§62 A.3).
Auch die Zusammensetzungen pêh (§ 154 A.2) und pêei (§ 157 A.l) werden nur als
Adverbien und Konjunktionen gebraucht.

A n m . 2a. Der Ntr.Pl. pô wird von Hiersche (KZ 78 [1963], 155ff.) auf einen idg.
Dual zurückgeführt; zur Syntax vgl. § 121 A.2.

134
C. Demonstrativpronomina §156.

A n m . 3. Zum Gebrauch des Pronomens sa vgl. z.B. Streitberg §281; G. Kovari,


Studien zum germanischen Artikel: Entstehung und Verwendung des Artikels im
Gotischen, Wien 1984.

Ein verstärktes Demonstrativpronomen bildet das Got., abweichend vom § 154.


Nord- und Westgerm., durch Anfügung der enklitischen Partikel -uh (vgl.
§ 24 A.2) an das einfache Demonstrativum. Es wird wie das einfache sa zur
Übersetzung von gr. ούτος oder αύτός gebraucht, nicht aber zur Wieder-
gabe des griech. Artikels, und dient besonders zur Hervorhebung der
Übereinstimmung mit dem Bezugswort: 'eben der', 'der jedenfalls'.
Nicht alle Formen sind belegt:
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. sah patuh sôh


Gen. pizuh
Dat. pammuh
Akk. panuh patuh

Plur. Nom. páih -


Gen.
Dat.
Akk. panzuh -

A n m . 1. Die nicht belegten Formen können mit verhältnismäßig großer Sicherheit


erschlossen werden: NAPln. pòh*, GDPlmn. pizêh*, paimuh*; GDASgf. pizôzuh*,
pizàih*, pòh*', NGDAPlf. pôzuh*, pizôh*, paimuh*, pôzuh*. - Keine verstärkten De-
monstrativa sind wohl Akk.Pl. pòh pan Skeir. 8,3 = pò uh (pan) und paimuh 2.Ths.
3,12 = paini uh (Jellinek § 147).

A n m . 2. Instr. Ntr.pêh nur im Adv. bi-pêh; vgl. § 153 A.2.

A n m . 3. Lit.: Κ. Brugmann, Die Demonstrativpronomina, Leipzig 1904, 62ff.;


Lindeman, NTS 21 (1967), 144ff.; Vilutis, Die zusammengesetzten Demonstrative
im Gotischen, Kalbotyra 25 (1973), 91 ff.

Ein defektives Pronomen *hi- (Flexion wie « § 151) mit der Bedeutung 'die- § 155.
ser' kommt nur vor bei Zeitbestimmungen in den Formen des DSgmn.
himma und des ASgmn. hiña, hita. Folgende Wendungen sind belegt: himma
daga 'heute' (§ 214), fram himma (nu) 'von nun an'; und hina dag 'bis heute',
und hita (nu) 'bis jetzt'. Dabei ist nu ein ntr. Subst. 'Nu, Moment', vgl .fram
pamma nu 'von jetzt an'.
A n m . 1. Wurzelverwandt ist das Adv. hêr 'hier', urspr. 'an dieser Stelle' (§§ 8, 213).

Das Pronomen m.jains, n. jainata, i.jaina 'jener' (über den Vokal vgl. § 20 § 156.
A.5) wird als starkes Adj. flektiert wie blinds (§ 124), aber ohne die nomi-
nale, endungslose Form des Neutrums (vgl. § 122).
Als schwache Adjektive flektieren silba 'selbst' und sama oder sa sama
'derselbe' (vgl. § 132 A.3).

135
§157. Flexionslehre - IV. Pronomina

D. Relativpronomina

i 157. D i e got. Sprache kennt keine einfachen Relativpronomina, sondern bildet


ein Relativpronomen der 3. Person aus dem einfachen Demonstrativpro-
nomen durch Anfügung der Partikel ei, die in selbständigem Gebrauch als
Konjunktion 'daß, damit' fungiert; vgl. Nowicki, Gs. Rehder (1979), 32 ff.
Dieses Relativpronomen flektiert folgendermaßen:
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. patei


Gen. pizei pizôzei
Dat. pammei pizaiei
Akk. panei patei pôei

Plur. Nom. paiei pôei pôzei


Gen. pizêei
Dat. paimei paimei
Akk. panzei pôei pôzei

A n m . 1. Der Instr. Ntr. pêei wird nur als Konjunktion gebraucht (s. § 153 A.2). -
Der nicht belegte GPlf. kann als pizôei* erschlossen werden.
A n m . 2. Eine Nebenform von patei ist pei; diese wird aber nur in Verbindung mit
bah (§ 164 A.l) und (wiepatei) als Konjunktion 'daß' gebraucht. Vgl. Paul, PBB 4
(1877), 467; PBB 6 (1879), 402; ZDA 29, 366f.; Grienberger 60f.; Streitberg § 345;
Music, PBB 53 (1929), 228ÍT.; Sturtevant, GR 8 (1933), 207; Dal, NTS 9, 193.
A n m . 3. Statt des NSgm. saei wird auch eine mit dem Pronomen der 3. Person
(§151) gebildete Form izei (vgl. Anm. 4) gebraucht, statt des NSgf. sóei auch sei (d.i.
*si-ei, § 10 A.2). Die Form sei ist sogar weit häufiger als sôei. Einige Male steht izei als
NPlm. (statt des nicht vorkommenden *eizei), z.B. pai izei bimaitanai sind Gal. 6,13.
Für izei findet sich öfter die Schreibung izê(vgl. § 17 A.l). Daher werden izei und sei
von Streitberg § 346 (zuerst Gabelentz/Loebe 11,2, § 203,3) als indeklinable Partikeln
eingestuft; aus dem dort vorgetragenen Material ergibt sich aber höchstens der
Schluß, daß izei im Begriff ist zu erstarren.
A n m . 4. Auslautendes s erscheint vor ei in der älteren Lautung ζ (§ 78,c).

§ 158. Bezieht sich der Relativsatz auf eine erste oder zweite Person, so wird die
Relativpartikel ei (§ 157) an das betreffende Personalpronomen angefügt:
ikei (1 .Tim. 1,13 u.ö.) '(ich), der'; - puei (Rom. 14,4) '(du), der', puzei '(du),
dem' (z.B. Mk. 1,11), pukei (Mk. 1,11, Randglosse) '(dich), den'; -juzei (Lk.
16,15 u.ö.) '(ihr), die', izwizei (Gal. 3,1) '(ihr), den' (vgl. § 150 A.2a).

136
E. Interrogativpronomina §161.

E. Interrogativpronomina

Das Interrogativum (vgl. ahd. [h\wer, lat. quis) lautet got. has (α-Stamm) § 159.
'wer?'. Es bildet auch Femininformen, die den anderen germ. Sprachen feh-
len (zu hô s. Matzel, KZ 96 [1982/83], 119ff.). Ein Plur. ist nicht vorhanden
(s. Anm. 2). Ein Subst. steht nach has meist im Gen., das Pron. übernimmt
dabei das Genus des Subst. (z.B. hô mizdônô Mt. 5,46). Adjektivischer Ge-
brauch ist ganz selten: has piudans Lk. 14,31, has manna Lk. 15,4. Vgl.
Jellinek § 149 Α.; Krause § 186,1.
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. has ha hô


Gen. his
Dat. hamma hizai
Akk. hana ha hô
Instr. - hê
Anm. 1. Der nicht belegte GSgf. läßt sich als hizôs* erschließen. - Nur hier besteht
im Got. der Instr. des Neutrums als lebendiger Kasus weiter, z.B. hê wasjaip 'womit
ihr euch bekleidet' Mt. 6,25; hê nu galeikô Lk. 7,31. Er steht auch für den Dat. des
Neutrums, z.B. hê (τίνι) sijaina galeikai Lk. 7,31, doch ist der Dat. Ntr. ebenfalls im
Gebrauch: in hamma waldufnjê Mk. 11,28.29.33; Lk. 20,8. Wie der Instr. ¡>ê (§ 153
A.2) wird hê auch in adverbiellen Verbindungen mit den Dativpräpositionen bi und
du (bihê 'woran', duhê 'warum') gebraucht, und beim Komparativ hê managizô 'um
wie viel mehr' Mt. 5,47. Nur adverbial hêh, s. § 164 A.3. - Vgl. Streitberg § 256 A.3.
Anm. 2. Von dem mit -uh erweiterten Pron. ist die Pluralform hanzuh belegt
(§ 164,a).
Anm. 3. has fungiert auch als Indefinitpronomen, vgl. § 162 A.2.

Vom Stamm *ha- (§ 159) sind abgeleitet hapar 'wer von zweien?' und harjis § 160.
'welcher?'. Beide flektieren wie starke Adjektive: hapar wie anpar (§ 124
A.1,4), harjis wie midjis* (§ 125), Ntr. harjata* (nach harjatôh § 165). Mit
hapar ist einmal der Gen. pizê (Lk. 7,42), aber nie ein Substantiv verbunden;
harjis ist Substantiv (Jh. 10,32 mit abhängigem Gen.), Adjektiv nur l.Ths.
4,2.
Anm. 1. Zu harjis vgl. Sen, NOWELE 16 (1990), 91f.

Zusammengesetzte interrogative Adjektive sind: hileiks 'wie beschaffen? § 161.


qualis?' (korrel. swaleiks 'so beschaffen'), hêlaups*, f. hêlauda (2.Kor. 7,11)
'wie groß? quantus?' (dazu swalaups* 'so groß': ASgf. swalauda, Mt. 8,10).
Sie flektieren gleichfalls als starke Adjektive.
Anm. 1. Für hileiks findet sich einmal (Lk. 1,29) heleiks, vielleicht nur Schreibfehler
(nach § 10 A.6).

137
§162. Flexionslehre - IV. Pronomina

F. Indefinitpronomina

§ 162. Das unbestimmte Pronomen 'irgendein' (gr. τις, τι) lautet im Got. m. sums,
η. sum, sumata, f. suma. Es wird als starkes Adjektiv flektiert und adjek-
tivisch gebraucht, kommt aber auch substantivisch in der Bedeutung
'jemand' vor.
Α η m . 1. Bei Aufzählungen, die gr. ό μέν - ό δέ 'der eine - der andere' entsprechen,
wird sums - sums gebraucht. Meist wird dem zweiten Glied -uh (§ 24 A.2) angehängt,
zuweilen auch noch dem ersten, d.h. sumai - sumáih oder sumäih - sumäih 'die einen -
die anderen'.

A n m . 2. Als Indefinitum 'irgend ein' wird auch das Interrogativum has (§ 159)
gebraucht, jedoch nur auf unbestimmte Größen bezogen, besonders in negierten
Sätzen, entsprechend dem Gebrauch von lat. quis, während sums dem lat. quidam 'ein
gewisser' entspricht. Vgl. Behaghel, PBB 42 (1917), 158ff.

§ 163. Wenn manna, has und ains mit der enklitischen Partikel -hun verbunden
sind, dienen sie als Indefinitpronomina, die stets die Negation ni bei sich
haben und zusammen mit dieser 'niemand, keiner' bedeuten.
a) Zu manna sind folgende Formen belegt: ni mannahun (Mk. 9,39), Gen.
nimanshun (Mk. 12,14), Dat. ni mannhun (Jh. 8,35 u.ö.), Akk. ni
mannanhun (Lk. 3,14 10,4). Diese Formen werden nur alleinstehend ge-
braucht, Bedeutung 'niemand'.
b) Ebenfalls nur alleinstehend gebraucht wird das nur im NSgm. belegte
nifvashun (Mt. 9,16 u.ö.) 'niemand'. - Analog das Adverb ni hanhun
(Lk. 15,29 u.ö.) 'niemals' (zu ban § 214 A.l).
c) Bei weitem am häufigsten ist ni ainshun, sowohl alleinstehend 'niemand'
als auch mit einem Substantiv in der Bedeutung 'kein'. Das Subst. steht
dabei stets im partitiven Gen., z.B. ni ainshunpiwê 'kein Diener' Lk. 16,3;
Präpositionen treten hinter ni: ni du ainaihun Lk. 4,26 (Schulze, Kl. Sehr.
550). Ohne ni steht ainshun fragend mit negativem Sinn Jh. 7,48; 1 .Kor.
1,16. - Die Formen von ainshun weichen von denen des einfachen ains
(§ 140) ab: Langvokale, die beim Simplex im Auslaut gekürzt wurden,
blieben hier durch die Partikel gedeckt erhalten (vgl. Jacobsohn II
172 ff.).
Mask. Ntr. Fem.
Sing. Nom. ainshun ainhun ainôhun
Gen. ainishun -
Dat. ainummêhun ainaihun
Akk. ainnôhun ainhun ainôhun
ainôhun
A n m . 1. ainnôhun (Php. 4,15) im NSgf. neben ainôhun (Lk. 10,19) wird vielfach als
Schreibfehler in Β aufgefaßt (vgl. Gal. 5,15), denn der ASgf. heißt ainôhun. Dagegen
im ASgm. 4 ainôhun gegen 9 ainnôhun-, vgl. dazu Helm, PBB 80 (1958), 203, anders
Ebbinghaus, M L N 75 (1960), 341 f. - Über ainummêhun vgl. § 4 A.2, über ainomêhun
§ 14 A.3.

138
F. Indefinitpronomina § 165.

A n m . 2. Mit dem Akk.Sg. des Subst. heila (§97) erscheint -hun verbunden in
ni heilôhun ούδέ προς ώραν 'nicht eine Stunde lang' Gal. 2,5.

Der Begriff 'jeder' wird bezeichnet durch Anfügung von -uh an has und § 164.
harjis: hazuh und harjizuh. Beide fungieren in Verbindung mit abhängigem
Gen. als Substantive, dagegen (außer in fveilô höh l.Kor. 15,30) mit Zeit-
angaben als Adjektive (dag hanôh Lk. 9,29, daga hammêh Mk. 14,49); vgl.
Streitberg § 283; Jellinek § 150 A.3; Lühr, Fs. Narten (2000), 161 ff. Ebenso
wie bei ainshun (vgl. § 163,c) weicht die Flexion von derjenigen der einfachen
Wörter ab: die dort im Auslaut gekürzten Langvokale sind hier erhalten
(zur Verteilung von -uh und -h s. § 24 A.2).

a) hazuh 'jeder':
Mask. Ntr. Fem.

Sing. Nom. hazuh hah höh (s. Anm. 4)


Gen. hizuh
Dat. hammêh
Akk. hanôh hah höh
Plur. Akk. hanzuh

Vom Plur. ist außer dem Akk. hanzuh nichts belegt.


A n m . 1. Um den Begriff 'jeder der, wer nur immer, quicumque' auszudrücken, wird
gebraucht: 1. hazuh saei oder auch sahazuh saei. Statt saei wird auch izei gesetzt
(§ 157 A.3). Die Formen gelten nur für den NSgm. Dazu kommt auch zweimal (Jh.
15,7.16) der NSgn. patahah pei (pei = patei § 157 A.2) vor. - 2. Das mit unveränder-
lichem pis zusammengesetzte pishazuh nebst folgendem saei, pei oder ei, welches in
allen Kasus gebraucht wird: Mask. Nom. pishazuh ei, Dat. pishammêh saei Mk.
4,25, pishammêh pei Lk. 4,6 Akk. pishanöh saei. - Ntr. Nom. Akk. pishah pei (oder
patei), Gen. pishizuhpei. Außer dem lOmal belegten Nom. Akk. Ntr. sind die übrigen
angeführten Formen nur je einmal vorhanden.

A n m . 2. Hierzu gehören die adverbialen Ausdrücke pishaduh pei 'wohin nur


immer', pisharuh pei 'wo nur immer' (zu hap, har § 213).
A n m . 3. Der Instr. Ntr. zu hazuh findet sich nur als Adv. hêh 'jedenfalls, nur'. Der
Dat. Ntr. steht in jêra hammêh 'jedes Jahr' Lk. 2,41 (vgl. § 159 A.l).
A n m . 4. Anders als in dem Fem. höh 'jede' bleibt bei einer zufalligen Folge von hô
und -uh das u erhalten: höuh 'und welche' 2.Kor. 6,15.16 (§§ 24 A.2, 26 A.2).

b) harjizuh 'jeder': §165.


Mask. Ntr. Fem.
Sing. Nom. harjizuh harjatöh
Gen. harjizuh
Dat. harjammêh
Akk. harjanöh harjöh

139
§165. Flexionslehre - IV. Pronomina

A n m . 1. Der unbelegte Akk. Ntr. lautete zweifellos harjatôh*. - Zusammensetzung


mit (unflektiertem) ain- ergibt ainharjizuh (Rom. 12,5 u.ö.) 'ein jeder', Ntr. ain-
h/arjatôh (l.Kor. 7,17), Dat. ainfoarjammêh (Eph. 4,7; Lk. 4,40), Akk. atnharjanôh
(z.B. Lk. 16,5) u.a.

§ 166. 'Jeder v o n zweien' ist haparuh*, n u r im D a t . h>aparammê[h] Skeir. 5,4 ( z u m


Fehlen des -h s. § 6 2 A.4); vgl. Bennett, P M L A 65 (1950), 1277. - A u c h
hiervon wird m i t ain- (vgl. § 165 A . l ) eine Verstärkung gebildet: ain-
haparuh* 'ein j e d e r v o n zweien' ( n u r ainbaparammêh Skeir. 3,1 belegt).

140
KAPITEL V .

Konjugation
(Mossé Β. 293fF.; S'. 178; S2. 188; S3. 337f.; S4. 207f.; S5. 328ff.
- Jellinek § 178ff.; Krause §203ff.; Bammesberger, Verbalsystem.)

A. Allgemeines

D a s got. Verb hat folgende Formen: § 167.


1. Zwei Diathesen (Genera verbi): A k t i v und P a s s i v . Lediglich das
A k t i v zeigt noch eine reiche Formenvielfalt. D a s P a s s i v ist nur noch
in einigen Formen des Indikativ und Optativ Präs. vorhanden, wird aber
sehr häufig gebraucht.
A n m . 1. Die oft (auch bis zur 9. Aufl. dieses Buches) gebrauchte Bezeichnung des
Passivs als „Mediopassiv" ist nicht beibehalten, da nirgends mediale, auf das Subjekt
bezogene Bedeutung vorliegt, wenn auch die Bildung idg. Medialformen fortsetzt
(s. § 169 A.l); vgl. Brugmann, Das got. αΛι-Passivum, IF 39 (1920), 26-62; van der
Wal, Fs. Damsteegt (1981), 246ff.; Mottausch, HS 110 (1997), 261 f.
A n m . 2. Zu den Belegen des Passivs s.§ 170A.5(st. Vb.)und§ 183A.4(sw.Vb.).Die
fehlenden Passivformen werden umschrieben durch das Part. Prät. mit den entspre-
chenden Formen von wairpan oder wisan, z.B. daupjada 'werde getauft' (Mk. 10,38),
aber daupips was 'wurde getauft' (Mk. 1,19), gabairhtips warp 'wurde offenbart'
(l.Tim. 3,16). Vgl. Gering, ZDP 5 (1874), 409fT.; Streitberg, PBB 15 (1891), 160fT.;
dens. § 285 A.3; Schröder, PBB 79 (1957), 1 ff.; Anneliese Bammesberger, Fs. Fromm
(1979), 96fT.; Abraham, Fs. Rosenfeld (1989), 601 ff.; dens., LB81 (1992), Iff.;
Kotin, Sprachw 22 (1997), 484 ff.

A n m . 3. Zur Wiedergabe griech. Medial- und Passivformen s. Kozianka, WZUJ 39


(1990), 566 ff. - Zuweilen wird angenommen, Wulfila habe, veranlaßt durch eine
falsch verstandene Medialform des Originals, in einigen Fällen das „Mediopassiv"
fehlerhaft in aktiver Bedeutung verwendet: ufkunnanda γνώσονται Jh. 13,15,
ustiuhada κατεργάζεται 2.Kor. 7,10, waürkjada 2.Kor. 4,17 (nach Friesen unsicher).
Vgl. Bernhardt, Krit. Unters, über die got. Bibelübers. 2 (1868), 22ff; Braune, Litbl
1908, 327; dagegen Brugmann, IF 39 (1920), 28 ff.

A n m . 4. Zu den schwachen Verben auf -nan, denen vielfach mediopassive bzw. rein
passive Bedeutung zugeschrieben wurde, s. § 194.

2. Zwei Tempora: P r ä s e n s und P r ä t e r i t u m (Perfekt). D a s Präteritum


ist das allgemeine Tempus der Vergangenheit. Ein Futur ist nicht vor-
handen; es wird meist durch das Präsens vertreten, in selteneren Fällen
mit Hilfsverben umschrieben (skal 'soll', haban 'haben', du-ginnan 'be-
ginnen').

141
§167. Flexionslehre - V. Konjugation

A n m . 4a. Zur Futurperiphrase vgl. Martellotti, AFLLS 6 (1975), 315ff.; G. Meer-


wein, Die formalen Kategorien zur Bezeichnung der begrifflichen Kategorie Zukunft
im Gotischen und in den nordgermanischen Sprachen, Meisenheim 1977; Morris,
NOWELE 16 (1990), 73ff.

3. Zwei volle Modi: I n d i k a t i v und O p t a t i v (auch K o n j u n k t i v ge-


nannt). Ein I m p e r a t i v existiert nur im Präsens; er bildet die zweiten
Personen aller drei Numeri sowie eine 1. Pers. Plur. Eine 3. Pers. des
Imperativs Sing, und Plur. ist ebenfalls vorhanden, jedoch nur in weni-
gen Beispielen belegt. Gewöhnlich wird die 3. Pers. Ipv. durch die 3. Pers.
Opt. ausgedrückt. Aber auch für die 2. und 1. Pers. Ipv. tritt häufig der
Opt. ein.

A n m . 5. Über die 1.P1. des Imperativs vgl. Behaghel, PBB 43 (1918), 324flf. - Der
idg. Konjunktiv ist nur in zweifelhaften Resten bewahrt, s. §§ 25 A.6, 202 A.2.

A n m . 6. Zur Frage des V e r b a l a s p e k t s im Got. existiert eine umfangreiche


Literatur (s. S5. 334f.); s. §217a A.3 zum Präfix ga-, Vgl. besonders A. L. Lloyd,
Anatomy of the Verb: The Gothic verb as a model for a unified theory of aspect,
actional types, and verbal velocity, Amsterdam 1979.

4. Drei Numeri: S i n g u l a r , D u a l , P l u r a l ; dem Dual fehlt die 3. Person.


Vgl. Κ. Mittermüller, Zur Struktur der verbalen Personalindikation im
Gotischen, Kirchzarten 1983.

A n m . 7. Zu Dualbelegen im st. Verb s. § 170 A.4, im schw. Verb s. § 192 A.2. Der
Dual steht im Got. gegen das griech. Original, das einen Dual nicht kennt. Doch
kommen in den got. Texten schon Fälle des Plur. vor, wo der Dual zu erwarten wäre;
vgl. Meillet, De l'emploi du duel, MSL 15 (1908), 78 ff.; Gusmani, Sull'uso del duale
verbale, RIL102 (1968), 272ff.; Seppänen, On the use of the dual in Gothic, ZDA 114
(1985), Iff. - Das Fehlen der 3.Du. ist durch das Verschwinden des Duals in der
nominalen und pronominalen Deklination verursacht (§ 84 A. 1). Nur die auch in den
übrigen altgerm. Sprachen festgehaltenen Duale des Pron. der 1. und 2. Person haben
die entsprechenden got. Verbalformen so lange bestehen lassen. - Zur Herkunft der
Dualendungen s. K. M. Schmidt, Linguistics 130 (1974), 83ff.; Shields, IF 84(1979),
216ÍT.; Bammesberger, PBB 105 (1983), 169flf.; dens., Verbalsystem 98f.; Shields,
NOWELE 38 (2001), 115ff.

5. Drei Verbalnomina: I n f i n i t i v P r ä s e n s ; P a r t i z i p P r ä s e n s , P a r -
tizip Präteritum.

A n m . 8. Der Infinitiv Präsens hat aktive Bedeutung: er vertritt zugleich die griech.
Infinitive des Aor. und des Perf. Akt. Bisweilen dient er auch zur Übersetzung pas-
siver Infinitive; vgl. Streitberg § 312; Joseph, JEGP 80 (1981), 369ff.; Suzuki, PBB
109(1987), Iff.
A n m . 9. Das Partizip Präteritum hat bei transitiven Verben passive Bedeutung
(iqipans 'gesagt'), dagegen bei intransitiven aktive (qumans 'gekommen'); bei transi-
tiven Verben gibt es auch das griech. Part. Präs. Pass, wieder. Von intransitiven
Verben durativer Bedeutung wie standan, wisan, ligan*, sitan, liban (hierher auch die
Inchoativa: § 195) wird kein Part. Prät. gebraucht, vgl. ADA 14 (1889), 286.

142
Α. Allgemeines §168.

A n m . 10. Über die Flexion der Partizipien s. §§ 133,134; über ihren Gebrauch vgl.
Gering, Ueber den syntactischen Gebrauch der Participia im Gotischen, ZDP 5
(1874), 294 ff., 393 ff.; Bennett, The Function of Present Participial Constructions in
the Skeireins, Fs. Mossé (1959), 32ff.; Hofmann, Zum Gebrauch der Partizipien in
der Skeireins, Fs. Krause (1960), 24ff.
A n m . 11. Reste des idg. Part. Perf. Akt. sind als Adj. erhalten in manwus 'bereit'
(Heidennanns, KZ 99 [1986], 289ff.; ders., EWGP 403f.), als Subst. in weitwôds
'Zeuge' (eigentlich 'der Wissende, gesehen Habende'; s. Schulze, Kl. Sehr. 109f., 574)
und in bêrusjôs 'Eltern' (eigentlich NPlf. 'die getragen Habenden, die Mütter', dann
in der neuen Bedeutung als Mask, behandelt; s. Bammesberger, PBB 117 [1995], 3 ff.).
Hierher vielleicht auch jukuzt* 'Joch', s. Bammesberger, Lg 41 (1965), 416ff.

Vom germ.-got. Standpunkt aus sind die Verben einzuteilen nach der Art § 168.
der Bildung ihres Präteritums im Verhältnis zum Präsens. Wir erhalten da-
nach drei Klassen: starke Verben, schwache Verben und besondere Bildun-
gen.
I. Die starken Verben (§§ 169-182) bilden ihr Präteritum ohne ein Suffix,
lediglich durch Wechsel des Wurzelvokals bzw. durch Reduplikation
(s. Anm. 1). Danach erhalten wir folgende Unterabteilungen:
a) a b l a u t e n d e Verben (§§171-177). Diese bilden ihr Präteritum ohne
Reduplikation; sie unterscheiden es vom Präsens durch einen regelmä-
ßigen Vokalwechsel, den sog. Ablaut (vgl. § 29), z.B. qima 'ich komme',
qam 'ich kam'. Hierher gehören ursprünglich auch die P r ä t e r i t o -
p r ä s e n t i e n (s.u. III);
b) r e d u p l i z i e r e n d e Verben (§ 178f.). Das Präteritum hat Reduplika-
tion, aber keinen Vokalwechsel, z.B. häita 'ich heiße', haíháit 'ich hieß';
c) r e d u p l i z i e r e n d - a b l a u t e n d e Verben (§§ 180-182). Eine geringe
Anzahl von Verben vereinigt beide Mittel zur Bildung des Präteritums,
z.B. lêta 'ich lasse', laîlôt 'ich ließ'.
II. Die schwachen Verben (§§ 183-195) bilden ihr Präteritum mit Hilfe eines
Suffixes, das mit einem Dental beginnt (s. § 183), z.B. nasja* 'ich rette',
nasida* 'ich rettete'.
Die schwachen Verben sind (mit wenigen Ausnahmen) abgeleitete
Verben. Die alten Bildungsprinzipien sind im Got. z.T. stark verwischt. Wir
teilen sie nach der got. Form des Ableitungssufilxes, wie es sich im Präter-
itum zeigt, in vier Klassen:
1. Suffix i (im Präsens j; §§ 185-188): nasja*, nasi-da*;
2. Suffix ó (§ 189f.): saibó, salbó-da;
3. Suffix ai (im Präsens nur in einigen Formen; §§ 191-193): haba, habai-da;
4. Suffix nô (im Präsens «; § 194f.): fullna*,fullnô-da*.
III. Eine kleine Zahl von Verben, die Reste alter Bildungen darstellen, fügt
sich in die Einteilung in starke und schwache Verben nicht oder nur teilweise
ein (§§ 196-209). Es handelt sich um folgende Fälle:

143
§168. Flexionslehre - V. Konjugation

1. die Präteritopräsentien (§§ 196-203);


2. das Verb 'sein' (§ 204): im 'ich bin' (s. Anm. 2);
3. das Verb 'wollen' (§ 205): wiljau 'ich will';
4. verschiedene Besonderheiten (§§ 206-209).
A n m . 1. Das starke Präteritum beruht im Prinzip auf dem idg. Perfekt; zu den
Einzelheiten s. K. Ljungstedt, Uppsala Univ. Arsskrift 1888, Nr. 4; Brugmann 11,3,
478ff.; Sverdrup, Fs. Falk (1927), 296ff.; Hirt, HU II, 141 ff.; Prokosch §§ 55-65;
Fr. van Coetsem, Das System der starken Verba und die Periodisierung im älteren
Germanischen, Amsterdam 1956; dens., Ablaut and Reduplication in the Germanic
Verb, Heidelberg 1990; W. Meid, Das germanische Praeteritum, Innsbruck 1971.

A n m . 2. Die in anderen idg. Sprachen übliche Scheidung in thematische ó-Verben


und athematische mi-Verben nach der Bildung der l.Sg. Ind. Präs. ist für das Got.
belanglos: der einzige Rest einer m/-Bildung ist hier im 'ich bin'.

B. Starke Verben

1. Flexion der starken Verben


§ 169. Die Konjugation der starken Verben durch Personalendungen ist in allen
drei Klassen (§ 168) dieselbe. Wir stellen daher die Flexionsparadigmen
voran und erörtern anschließend die (in den einzelnen Klassen verschiede-
ne) Bildung der Tempusstämme. Als Paradigmen dienen zwei ablautende
Verben: niman 'nehmen', -biudan* 'bieten' (nur in den Komposita ana-,
faúr-biudan* belegt) sowie ein reduplizierendes Verb: haitan 'heißen'.
In den finiten Formen des starken Verbs sind normalerweise folgende
Elemente zu unterscheiden (vgl. Anm. 4):
1. die (in verschiedenen Ablautstufen auftretende) Verbalwurzel;
2. im Präsens ein Vokal hinter der Wurzel, der sogenannte Themavokal
(s. Anm. 2). Wurzel und Themavokal (bzw. ein anderes Suffix) bilden
zusammen den Präsensstamm;
3. im Optativ gegebenenfalls ein Moduszeichen (s. Anm. 3);
4. die Personalendung.
A n m . 1. Es gibt im Aktiv drei verschiedene Gruppen von Endungen: a) die (volle-
ren) Primärendungen im Ind. Präs., z.B. 3.P1. idg. *-nti, got. -nd; b) die (kürzeren)
Sekundärendungen im gesamten Optativ und im Plur. Prät., z.B. 3.P1. idg. *-«/, got.
-η; c) die Perfektendungen im Sing. Prät., z.B. 2.Sg. idg. *-th2e, got. -t (analogisch
verallgemeinert ausgehend von Formen wie af-falh-t Lk. 10,21; vgl. § 81 A.3). - Die
idg. Verbalendungen erscheinen ebenso wie die Endungen der Nominalflexion im
Got. infolge der germ. Auslautgesetze in reduzierter Form. - Das Passiv weist be-
sondere Endungen auf, die das idg. Medium fortsetzen, z.B. 3.Sg. idg. *-toi, got. -da
(vgl. § 167 A.l); s. Lühr, MSS 37 (1978), 109ff.
A n m . 2. Der Themavokal erscheint in den Ablautvarianten idg. o und e, got. a und i.
Je nach dem Auftreten oder Fehlen des Themavokals spricht man von thematischen
oder athematischen Formen.

144
Β. Starke Verben - 1. Flexion §170.

A n m . 3. Das athematische Optativzeichen ist idg. ië, ï(ieh,, ih,), got. ei [i:], i; das
thematische Optativzeichen ist idg. oí, got. ai.
A n m . 4. Für die Formen des got. starken Verbs gilt in der Hauptsache folgendes
Aufbauschema (Wz = Wurzel, Th = Themavokal, Opt = Optativzeichen, Edg =
Endung):
Präs. Ind. Wz + Th + Edg nim-a-nd
Präs. Opt Wz + Th + Opt + Edg nim-a-i-s
Prät. Opt Wz + Opt + Edg nêm-ei-s
Prät. Ind. Wz + Edg nam-t, nêm-un
Pass. Ind. Wz + Th + Edg nim-a-da
Pass. Opt Wz + Th + Opt + Edg nim-a-i-dau

a) Aktiv §170.

Präsens
Indikativ
Sing. mma biuda haita
nimis biudis haitis
nimip biudip haitip

Dual nimôs biudôs haitôs


nimats biudats haitats

Plur. rumarti biudam haitam


nimip biudip haitip
nimartd biudand haitand

Optativ
Sing. tiitnau biudau haitau
nimais biudais haitais
nimai biudai haitai

Dual mmatwa biudaiwa haitaiwa


nimaits biudaits haitaits

Plur. mmaima biudaima haitaima


nimaip biudaip haitaip
nimaina biudaina haitaina

Imperativ
Sing. mm biup hait
nimadau biudadau haitadau

Dual nimats biudats haitats

Plur. nimam biudam haitam


nimip biudip haitip

145
§170. Flexionslehre - V. Konjugation

Infinitiv
biudan haitan

Partizip
nimands biudands haitands

Präteritum

Indikativ
Sing. nam baup haihait
namt baust haihaist
nam baup haihait

Dual
nemuts buduts haihaituts

Plur. nemum budum haihaitum


nêmup budup haihaitup
nêmun budun haihaitun

Optativ
Sing. nemjau budjau haihaitjau
nêmeis budeis haihaiteis
nêmi budi haihaiti

Dual

Plur. nemeima budeima haihaiteima


nêmeip budeip haihaiteip
nêmeina budeina haihaiteina

Partizip
budans haitans

b) Passiv

Präsens

Indikativ
Sing. 1.3. nimada biudada haitada
2. nimaza biudaza haitaza

Plur. 1.2.3. nimanda biudanda haitanda

146
Β. Starke Verben - 1. Flexion §170.

Optativ
Sing. 1.3. nimaidau biudaidau haitaidau
2. nimaizau
mmaizau biudaizau haitaizau

Plur. 1.2.3. nimaindau biudaindau haitaindau

A n m . 1. Bei -biudan* kommen die Regeln über die Auslautverhärtung von inlau-
tend stimmhaften Spiranten (§ 79) zur Anwendimg: Ipv.Sg. -biup*, Prät. ana-baup
(vgl. § 74). Von giban ebenso Ipv. gif Prät. gaf (vgl. § 56).

A n m . 2. In der 2.Sg. Prät. (vgl. Bech, StN 41 [1969], 75ff.) beeinflußt die Endung -/
einige vorangehende Konsonanten (§ 81). Folgende Fälle sind zu unterscheiden:
a) Nasale und Liquide bleiben unverändert erhalten: namt l.Kor. 4,7, andnamt
l.Kor. 4,7, Kol. 4,17, ganamt 2.Tim. 3,14 (niman), qamt Mt. 8,29 u.ö. (qiman);
skalt Lk. 16,5.7 (skal§ 200). Geminaten werden gegebenenfalls vereinfacht: urrant
Jh. 16,30 (ur-rinnan*), kant Jh. 16,30 u.ö. (neben kamt 1 .Kor. 7,16, zu kann § 199).
b) Auch stimmlose Frikative bleiben erhalten: andhôft Lk. 10,28 (and-hafjan), parft
Jh. 16,30 (]>arf§ 199); affalht Lk. 10,21 (af-filhan*); saht Jh. 8,57, gasaht Jh. 9,37
(sailvan); wast Mt. 26,69 u.ö. (wisan). Dabei ist ñvl analogisch restituiert: der
Labiovelar erscheint sonst nie vor Konsonant (§ 64 A. 1).
c) Die durch <¿» und <g> bezeichneten stimmhaften Frikative verhalten sich unein-
heitlich. Während der Labial sich zu / wandelt, bleibt der Velar (jedenfalls gra-
phisch) erhalten: gaft Jh. 17,22 u.ö., atgaft Jh. 17,2 u.ö. (giban), aber magt Mt. 5,36
u.ö. (mag § 203). Die nach § 81 lautgesetzliche Form gaft blieb bestehen, weil sie
von dem/in der 1.3.Sg. (Auslautverhärtung, § 56) gestützt wurde; dagegen wurde
tmaht durch magt ersetzt, da es an einer Stütze mit h fehlte (vgl. § 65).
d) Der Wurzelauslaut wurde also überall dort restituiert, wo das lautgesetzliche Er-
gebnis keinen Anhalt im Paradigma fand (saht, magt). Daher ist auch bei ρ und k,
wofür es keine einschlägigen Belege gibt, Restitution zu erwarten: *gaskôpt (ga-
skapjan*, § 51 A.2), *wôkt (wakan*, § 58 A.2).
e) Für Dental erscheint s (§§69 A.2, 71 A.3, 75 A.l): bigast Lk. 1,30 (bi-gitan),
andhaihaist l.Tim. 6,12 (and-haitan*), waist Jh. 19,10 u.ö. (wait § 197); bilaist Mt.
27,46, Mk. 15,34 (ibi-leipan*), qast Lk. 20,39 u.ö. (qipan), ufsnaist Lk. 15,30 (uf-
sneipan*), warst Jh. 9,34 u.ö. (wairpan); anabaust Lk. 14,22 (ana-biudan*), ga-stôst
Rom. 11,20 (ga-standan*).
f) Zu saian, saïsô (§ 182) ist die 2.Sg. Prät. saisôst Lk. 19,21 belegt; ob alle vokalisch
auslautenden Stämme die Endung -st annehmen, geht aus der Beleglage nicht
hervor. Zur Erklärung vgl. van Helten, PBB 35 (1909), 302f.; Sihler, MSS 47
(1986), 193ff.; Nielsen, NOWELE 14 (1989), 74ff.; Bammesberger, NOWELE 16
(1990), 93 ff.

A n m . 3. Die 3.Sg. des I m p e r a t i v s ist nur von einem starken Verb (2mal) belegt:
at-steigadau καταβάτω Mt. 27,42, Mk. 15,32 (zu den schw. Verben s. § 186 A.l). Die
3.P1. setzt man nach dem schw. Verb (§ 192 A.l) als nimandau* usw. an. Zur Endung
-dau s. § 25 A.6 mit Lit.

A n m . 4. Der D u a l des Verbs begegnet ziemlich selten. Im starken Verb sind fol-
gende Dualformen belegt (zum schw. Verb s. §§ 186 A.2, 192 A.2):
a) Ind.: Präs. l.Du. bidjôs Mk. 10,35, ga-leipôs Jh. 14,23; - 2.Du. bidjats Mk. 10,38,
and-bindats Lk. 19,33, driggkats Mk. 10,39, bi-gitats Lk. 19,30, Mk. 11,2. - Prät.
1.Du. nicht belegt, nach magu § 203 und siju § 204 als nêmu* usw. anzusetzen; -
2.Du. ga-sêhuts Lk. 7,22, vgl. auch wituts und maguts Mk. 10,38 (§§ 197,203).

147
§170. Flexionslehre - V. Konjugation

b) Opt.: Präs. 1 .Du. sitaiwa Mk. 10,37; - 2.Du. qipaits Lk. 19,31, Mk. 11,3 14,14. -
Prät. 1 .Du. nicht belegt, nach der Präsensform sitaiwa als nêmeiwa* angesetzt (zu
*wileiwa s. § 205 A.l); - 2.Du. ebenfalls nicht belegt, nach wileits (§ 205 A.2) als
nêmeits* usw. anzusetzen.
c) Ipv.: 2.Du. gaggats Lk. 19,30, Mk. 11,214,13 (zwei Belege, davon einmal <gaggast>
mit Metathese), saihats Mt. 9,30, ga-teihats Lk. 7,22, at-tiuhats Mk. 11,2.
A n m . 5. Vom P a s s i v kommen nur die 3. Personen häufig vor. Es folgt eine Auf-
zählung sämtlicher Passivformen des starken Verbs (zum schw. Verb s. § 183 A.4):
- Ind. 1 .Sg.: fra-qimada 2.Kor. 12,15 AB, wrikada Gal. 5,11.
- Ind. 2.Sg.: haitaza Lk. 1,76, us-maitaza Rom. 11,22.
- Ind. 3.Sg.: bi-aukada Mk. 4,24, ga-bairada Lk. 1,35, Skeir. 2,1.3, ga-bairgada Mt.
9,17, uf-blêsada l.Kor. 13,4, gibada Lk. 6,38 (2x) 8,18 19,26, Mk. 4,25, at-gibada
Mt. 26,2, Lk. 18,32, Mk. 4,29 9,31 10,33, us-gildada Lk. 14,14, haitada Mt. 5,19
(2x) 27,17, Jh. 11,16, Lk. 1,26.32.35.36 2,4.23 19,29, Mk. 11,17, Rom. 7,3 9,7,
l.Kor. 7,22, Kol. 4,11 AB, and-haitada Rom. 10,10, us-kiusada Lk. 17,25, bi-
laikada Lk. 18,32, Gal. 6,7 AB, bi-leipada Lk. 17,34.35, af-lêtada Mk. 3,28, pa-
letada Lk. 7,47, ga-lisada Jh. 15,6, us-maitada Mt. 7,19, Lk. 3,9, mitada Lk. 6,38,
Mk. 4,24, af-nimada Mt. 9,15, Lk. 5,35 8,18 19,26, Mk. 2,20 4,25,2.Kor. 3,16 AB,
us-nimada Lk. 17,34.35, qipada Rom. 9,26, saiada Mk. 4,15.31.32, ga-sakada
l.Kor. 14,24, Skeir. 7,1, saltada Mk. 9,49 (2x), siggwada 2.Kor. 3,15 AB, bi-
speiwada Lk. 18,32, ga-tairada l.Kor. 15,26, 2.Kor. 3,14 AB 5,1, us-tiuhada Lk.
18,31, 2.Kor. 7,10 AB 12,9 AB, us-wairpada Jh. 12,31 15,6, weipada 2.Tim. 2,5.
- Ind. 1.P1.: at-gibanda 2.Kor. 4,11, bip-pan-gitanda l.Kor. 15,15,preihanda 2.Kor.
1,6, fra-wilwanda l.Ths. 4,17.
- Ind. 2.P1.: fra-lêtanda Lk. 6,37, tiuhanda Gal. 5,18 AB, preihanda 2.Kor. 6,12 AB.
- Ind. 3.P1.: faianda Rom. 9,19 (§ 182 A.l), bi-gitanda Skeir. 8,3, haitanda Rom.
9,26, af-lêtanda Mt. 9,2.5, Lk. 5,20.23 7,47.48, Mk. 2,5.9, lisanda Mt. 7,16, Lk.
6,44, ga-tairanda 1 .Kor. 13,8, tiuhanda 2.Tim. 2,26 3,6 AB, us-wairpanda Mt. 8,12.
- Opt. l.Sg.: fra-gibaidau Phm. 1,22, bi-gitaidau 2.Kor. 12,20 AB, Php. 3,9 AB,
haitaidauLk. 15,19.21, l.Kor. 15,9,ana-qipaidau l.Kor. 10,30.
- Opt. 2.Sg.: fraisaizau Gal. 6,1, haitaizau Lk. 14,10, ga-saihaizau Mt. 6,18.
- Opt. 3.Sg.: ga-bairaidau Skeir. 2,2.3, ga-fâhaidau Gal. 6,1 AB, frapjaidau Php. 2,5,
gibaidauMk. 8,12, Eph. 6,19 AB,fra-gildaidauRom. 11,35,bi-gitaidau l.Kor. 4,2,
haitaidau Lk. 1,60.61, lêtaidau Rom. 12,19 A (leitaidau C), us-siggwaidau Kol. 4,16
(2x), l.Ths. 5,27 AB, skabaidau l.Kor. 11,6, fra-slindaidau 2.Kor. 5,4 AB, ga-
tairaidau Jh. 7,23, ga-teihaidau Rom. 9,17, af-wairpaidau Eph. 4,31 AB.
- Opt. 1.P1.: bi-gitaindau 2.Kor. 5,3 AB.
- Opt. 2.Pl.: fra-qimaindau Gal. 5,15.
- Opt. 3.P1.: bi-gitaindau 2.Kor. 11,12, ga-kiusaindau l.Tim. 3,10, af-lêtaindau
Mk. 4,12.
A n m . 6. Einige st. Verben bilden ihr Präs. abweichend mit j bzw. mit Nasal (§ 206).

148
Β. Starke Verben - 2. Bildung der Tempusstämme § 172.

2. Bildung der Tempusstämme

a) Ablautende Verben
Die ablautenden Verben bilden ihre Tempusstämme durch einen regel- § 171.
mäßigen Wechsel des Wurzelvokals, den sog. Ablaut. Die einzelnen Ablaut-
reihen und die Bedingungen ihres Eintretens sind schon in §§ 29-35 vorge-
führt worden. In jede dieser Reihen gehören ablautende Verben, so daß wir
sechs Klassen derselben unterscheiden müssen. Innerhalb der Klassen I-V
verteilen sich die einzelnen Ablautstufen so, daß für jede der folgenden vier
Formengruppen je eine Ablautstufe gilt:
1. für das gesamte Präsens (Präs. Ind., Präs. Opt., Part. Präs., Inf.);
2. für den Sing. Ind. Prät.;
3. für den Dual und Plur. Ind. Prät. und den gesamten Opt. Prät.;
4. für das Part. Prät.
Danach ergibt sich für den Stammvokal der Klassen I-V folgendes Schema
(vgl. zum Folgenden §§ 29-34):
1 2 3 4
Klasse I Nei A ài Si (ai) S i (ai)
Klasse II V iu A âu S u (au) S u (au)
Klasse III V i (ai) A a S u (aú) S u (aü)
Klasse IV \ i (ai) A a De- S u (au)
Klasse V Y i (ai) A a Dé Vi (ai)
A n m . 1. ai neben i und aú neben u sind keine besonderen Ablautformen, sondern
jeweils durch die got. „Brechung" (§§ 20, 24) hervorgerufene Varianten derselben
Ablautstufe.

In Klasse VI gilt eine Ablautstufe für das gesamte Präsens und das Part.
Prät., eine zweite für das gesamte Präteritum; die Stammvokale sind nach
obigem Schema got. a-ô-ô-a, vgl. § 35.
Um die Flexion eines starken Verbs genau zu bestimmen, pflegt man
daher vier Formen anzugeben: 1) l.Sg. Ind. Präs. oder auch Inf. Präs.;
2) l.Sg. Ind. Prät.; 3) 1.P1. Ind. Prät.; 4) Part. Prät.
Im folgenden werden die ablautenden Verben nach den einzelnen Klas-
sen geordnet vorgeführt.
Klasse I. Verben nach der ersten Ablautreihe: ei - ài - i(aî) - i(aí) (zum § 172.
Ablaut s. § 30), z.B. greipa, graip, gripum, gripans 'greifen'; vor h (fv) mit
Brechung des i zu ai (§ 20): gateiha, gatáih, gataihum, gataihans 'anzeigen'.
A n m . 1. So gehen noch: steigan* 'steigen', leihan 'leihen', peihan 'gedeihen',
preihan* 'drängen', weihan 'kämpfen'; - beitan* 'beißen', dis-skreitan* 'zerreißen',
-smeitan* 'schmieren',-weitan (in-weitan* 'anbeten', fra-weitan 'einem rächend Recht
verschaffen'), beidan* 'warten', -leipan 'gehen', sneipan* 'schneiden'; - weipan* 'be-
kränzen', dreiban* 'treiben', *bi-leifan (unsicher, s. § 56 A.l), sweiban* 'aufhören'; -
ur-reisan 'aufstehen', skeinan 'scheinen'; - hneiwan 'sich neigen', speiwan 'speien'
(dazu Collitz, MPh 15 [1921], 103ff.).

149
§172. Flexionslehre - V. Konjugation

A n m . 2. keinan* 'keimen' (ahd. kînari) zeigt das η nur im Präsensstamm (vgl.


§ 206,b); dazu das Part. Prät. us-kijanata Lk. 8,6 (vgl. § 17 A.4). Ein starkes Prät. ist
nicht belegt; stattdessen begegnet einmal ein schw. Prät. nach der IV. schw. Kon-
jugation in us-keinôda Lk. 8,8 (§ 195 A.2). Vgl. Kluge, Conj. 143; Seebold 290f.

A n m . 3. Einmal (Mk. 6,19) ist eine Form maiswor> überliefert: ip so Herodia \


naiswor imma 'Herodias aber stellte ihm nach', die griech. Entsprechung ist ένεϊχεν
'stellte nach'. Aufgrund von Uppströms Angabe, die Zeichen s, o, r seien radiert,
wurde die Form früher allgemein zu fnaiw geändert und danach ein starkes Verb
*neiwan 'nachstellen, feindlich gesinnt sein' angesetzt (s. Bernhardt z. Stelle; Streit-
berg z. Stelle; ZDP 7 [1876], 112,484; Uhlenbeck, PBB 30 [1905], 303; Specht, KZ 56
[1929], 124; Seebold 357). Mittlerweile hat Ebbinghaus (Sprachw 7 [1982], 403ff.) die
Lesung <naiswor> aber als korrekt erwiesen; er vermutet darin das Prät. swôr zu
swaran Kl. VI (§ 177 A.l; übernommen von Snaedal 996). Zur Deutung von <nat>
(infolge des Zeilenwechsels verderbt?) vgl. Swiggers, GL 24 (1984), 236f.; Ebbing-
haus, GL 25 (1985), 71 fT.; Lehmann, Fs. Derolez (1987), 299ff.

A η m. 4. Durch das Part. Präs. pamma digandin Rom. 9,20 (dazu Part. Prät. gadigans
l.Tim. 2,13, digana 2.Tim. 2,20) wird ein im Präsensvokal abweichendes digan* 'kne-
ten' geboten (Seebold 151). Zweifel bestehen bei and-weihan* 'widerstreiten', von
dem nur andweihandô Rom. 7,23 belegt ist. Diese Form wurde oft als fandwaihandô
verlesen und danach ein Verb *and-waihan angesetzt (s. Friesen 13; Seebold 544f.).

A n m . 5. Vermutlich haben die Verbenpeihan undpreihan* ihr -eih- nach § 50 Α. 1 aus


*-inh- entwickelt und sind so aus Klasse III in Klasse I übergetreten (Seebold 512f.,
520f.; anders in der 19. Aufl. dieses Buches). Dasselbe ist früher (auch in älteren
Auflagen dieses Buches) auch für leihan und weihan angenommen worden. Jedoch ist
leifoan eher auf wurzelbetontes idg. *leik--o- zurückzuführen (Streitberg, UG 290;
Feist 327; Pokorny 669; Seebold 328) bzw. auf eine entsprechende Neubildung im
Germ. (Bammesberger, MSS 41 [1982], 5ff.). Bei weihan kann ebenfalls wurzel-
betontes idg. Präs. zugrundeliegen (Streitberg, UG 291 f.; Krause §223; Pokorny
1128 f.), oder man hat von idg. suffixbetontem Präs. auszugehen (vgl. aisl. vega) unter
der Annahme von (germ.-)got. Neubildung des Präs. (Seebold 544f.). Eine Spur
ursprünglicher Suffixbetonung mag in wigä\na (Lk. 14,31; = du wigan ina, Streitberg)
vorliegen; der Beleg ist jedoch textkritisch umstritten.

§ 173. Klasse II. Verben nach der zweiten Ablautreihe: iu -áu- u(aú) - u(aú) (zum
Ablaut s. § 31), z.B. -biuda, -baup, -budum, -budans 'bieten'; mit Brechung
(§ 24): tiuha, täuh, taúhum, taúhans '(weg)führen'.

A n m . 1. So gehen noch: siukan 'krank sein' (nur Präs.), biugan* 'biegen', driugan*
'Kriegsdienst tun', liugan* 'lügen', pliuhan 'fliehen'; - giutan* 'gießen', us-priutan*
'belästigen', niutan 'erlangen', liudan* 'wachsen'; - dis-hniupan* 'zerreißen', sliupan*
'schlüpfen', af-skiuban* 'wegschieben'; hiufan* 'klagen'; - driusan* 'fallen', kiusan*
'prüfen', fra-liusan* 'verlieren', kriustan* 'knirschen' (vgl. Grienberger 142).

A n m . 2. Eine Abweichung im Präsensvokal zeigt das nur in Kompos. belegte -lûkan


'schließen' (wie auch ae. lücan, ahd. -lühhan), z.B. uslükan (Jh. 10,21), galauk (Lk.
3,20; Rom. 11,32), galukun (Mt. 27,66; Lk. 5,6), uslukanai (2.Kor. 2,12 AB). Zur
Erklärung s. § 31 A. 1.

A n m . 3. Hierher gehört ursprünglich auch bliggwan* 'schlagen' (aus *blewwan, vgl.


§ 68,2), dessen Formen infolge der Lautentwicklung ww > ggw nun zu Klasse III
passen, s. § 174 A.l.

150
Β. Starke Verben - 2. Bildung der Tempusstämme § 176.

Klasse III. Verben nach der dritten Ablautreihe: i(ai)-a- u(aú) -u(aü) (zum § 174.
Ablaut s. § 32), z.B. binda, band, bundum, bundans 'binden'; mit Brechung
(§§ 20,24): waírpa, warp, waúrpum, waürpans 'werfen'.
A n m . 1. Außerdem gehören hierher: brinnan* 'brennen', du-ginnan* 'beginnen',
af-linnan* 'weichen', rinnan* 'laufen', spinnan* 'spinnen', winnan 'leiden'; - ana-
trimpan* 'hinzutreten' (?, vgl. Seebold 507); - fra-slindan* 'verschlingen', -windan*
'winden', -hinpan* 'fangen\finpan* 'erfahren', at-pinsan* 'herziehen'; siggwan 'sin-
gen', sigqan* 'sinken', stigqan 'stoßen', drigkan 'trinken'; - -gildan 'gelten', swiltari*
'sterben', hilpan 'helfen', fllhan 'verbergen', wilwan 'rauben'; - bairgan* 'bergen',
-gairdan* 'gürten', wairpan 'werden', ga-pairsan* 'verdorren', -swairban* 'wischen',
hairban* 'wandeln'; - priskan* 'dreschen', ga-wrisqan* 'Frucht bringen' (diese bei-
den nur im Präs. belegt); bliggwan* 'schlagen' (z.B. bliggwand Mk. 10,34, usblaggw
Jh. 19,1, usbluggwun, usbluggwans 2.Kor. 11,25; s. § 173 A.3). - Auch das von man-
chen durch Konjektur hergestellte fus-stiggan würde hierher gehören (vgl. § 179 Α. 1).

A n m . 2. Dem Präs. nach gehört auch briggan 'bringen' hierher, das ein schwaches,
ablautendes Prät. brâhta bildet (§ 208).

A n m . 3. Neben dem schwachen Part. Prät. intrusgips (Rom. 11,17) zu intrusgjan


'einpfropfen' (Rom. 11,23; weiter belegt intrusgjaidau Rom. 11,19, intrusgjanda
Rom. 11,23.24) steht das starke Part, intrusgans (nur Rom. 11,24). Entgegen der
üblichen Auffassung (Streitberg zur Stelle; ders. § 206; auch in der 19. Aufl. dieses
Buches) ist das Verb kaum als starkes y-Präsens nach § 206,a zu betrachten (Seebold
508).

A n m . 4. Seiner Bildung nach gehörte ursprünglich auch maúrnan* 'sorgen für' in


diese Klasse, vgl. ae. murnan, meant (s. Τ. E. Karsten, Beiträge zur Geschichte der
e-Verba, Helsingfors 1897,221; Kieckers 242; H. Annerholm, Studier över de inkoa-
tiva verben pâ na(n), Lund 1956, 58; Seebold 351 f.). Belegt sind nur maúrnands Part.
Präs. (Mt. 6,27) und nimaürnaip (Mt. 6,25.31, Php. 4,6 AB), das nach Streitberg § 307
A. 1 als 2.P1. Opt. Präs. aufzufassen ist (anders Streitberg II, 93). Das Wort wird meist
als schw. Verb III aufgefaßt (Streitberg § 218; ders., UG § 201; Krause § 244,2), doch
würden die Formen auch zu einem starken Verb passen.

Klasse IV. Verben nach der vierten Ablautreihe: i(ai) - a - ê - u(aú) (zum § 175.
Ablaut s. § 33), z.B. nima, nam, nêmum, numans 'nehmen'; mit Brechung
(§§ 20, 24): baíra, bar, bêrum, baúrans 'tragen'.
A n m . 1. So gehen noch: qiman 'kommen', ga-timan* 'geziemen', stilan* 'stehlen',
-tairan 'reißen'; - brikan* 'brechen' (§ 33 A.2).
A n m . 2. Schwundstufiges u im Präsens hat trudan Lk. 10,19 'treten', Part. Prät.
ga-trudan Lk. 8,5 (aisl. troâa, trad, trádum, troöinn; ahd. nach Klasse V tretan, trat,
trätum, tretan). Nach trudan ist auch mtlari* 'sieden' (3.Sg. Ind. Präs. wulip 2.Tim.
2,17, Part. Präs. wulandans Rom. 12,11) hierher zu stellen (Seebold 552).

Klasse V. Verben nach der fünften Ablautreihe: i(ai) - a - ê - i(aí) (zum § 176.
Ablaut s. § 34), z.B. mita, mat, mêtum, mitans 'messen', giba, gaf, gêbum,
gibans 'geben'.
A n m . 1. So gehen außerdem: wrikan* 'verfolgen' (Part. Prät. wrikanai 2.Kor. 4,9),
rikan* 'anhäufen' (nur im Präs., s. Seebold 373), ligan* 'liegen', ga-wigan* 'bewegen',
saihan 'sehen' (§ 34 A. 1 ); - hlifan* 'stehlen'; - bi-gitan 'erlangen', sitan 'sitzen'; fltan*

151
§176. Flexionslehre - V. Konjugation

'gebären' (belegt fita Gal. 4,19, sô fitandei Gal. 4,29), -widan* 'binden', qipan 'sagen';
-lisan* 'sammeln', ga-nisan 'genesen', wisan 'bleiben'. - Der Ansatz eines st. Verbs
*nipan 'helfen' (nur 2.Sg. Opt. ñipáis Php. 4,3 AB) bleibt fraglich; zur Beurteilung vgl.
Seebold 360.

Α η m. 2. Hierher stellt man gewöhnlich auch sniwan* 'eilen', doch ist das beweisende
Part. Prät. nicht belegt (sniwans*, oder snuwans* nach Kl. IV?). Belegt sind u.a.
Prit.Sg. faur-snau (Mk. 14,8, §42), Prät.Pl. ga-snêwum Php. 3,16 AB. Einmal steht
das Prät. snauh mit zugesetztem h (l.Ths. 2,16, vgl. § 62 A.4), einmal du-at-sniwm
(Mk. 6,53) statt *-snêwun § 7 A.3. - Nach (pata) diwanô 'sterblich' (1 .Kor. 15,53.54;
2.Kor. 5,4), auch in undiwanei* 'Unsterblichkeit', setzt man ein Verb *diwan 'sterben'
hierher (vgl. aber Seebold 147f.).

A n m . 3. Für itati 'essen' ist der Sing. Prät. nicht belegt, doch ist nach dem Kom-
positum fra-itan 'aufessen', 3.Sg. Prät .fret (< *fra-êt, §4 A.l; §7,b) Lk. 15,30, *êt
anzusetzen, also gedehnte e-Stufe wie in den übrigen germ. Sprachen, aisl. ät, ae.
(wests.)ät (frœt), ahd. âz (frâz)\vg\. Ae.Gr. § 391 A.3; Engl. Studien 3,154; Ahd.Gr.
§ 343 A.5; Seebold 179.

A n m . 4. fraihnan 'fragen' hat das η nur im Präsensstamm: fraihna, frah, frêhun


(Jh. 9,2 ii.ö.)Jraihans (Lk. 17,20), s. § 206,b.

A n m . 5. bidjan 'bitten' hat das j nur im Präsensstamm: bidja, bap, bêdun, bidons*
(vgl. § 206,a). Zweimal findet sich das Präsens ohne j: bidan l.Kor. 7,5; usbida Rom.
9,3.

A n m . 6. Zu den durativen Verben ligan*, sitan, wisan wird nach § 167 A.9 kein Part.
Prät. gebildet.

§ 177. Klasse VI. Verben nach der sechsten Ablautreihe: a-ô-ô-a (zum Ablaut
s. § 35), z.B. slaha, slôh, slôhum, slahans 'schlagen'.
A n m . 1. Wie slahan* gehen noch: sakan 'streiten', pwahan 'waschen'; af-hlapan*
'beladen'; ga-daban 'sich ereignen', graban 'graben', skaban 'schaben'; swaran
'schwören' (dazu vielleicht der Beleg maiswon Mk.6,19, s. § 172 A.3), uz-anan* (§ 78
A.4) 'aushauchen'. Das Part. Prät. gadraban (Mk. 15,46) 'ausgehauen', das meist auf
ein entsprechendes starkes Verb bezogen wird, kann auch für (allerdings unbezeug-
tes) *ga-grabans verschrieben sein (Seebold 160). Nach dem Beispiel der übrigen
germ. Sprachen werden vielfach auch einige Verben hierher gestellt, die nur im Präs.
belegt sind: alan* 'sich nähren', faran* 'wandern', (ga-)dragan* 'aufladen', malan*
'mahlen'. Oft wird auch das im Prät. unbelegte wakan* 'wachen' hierher gerechnet
(vgl. aisl. vakinn, ae. wöc), doch könnte es sich auch um ein schw. Verb III handeln
(s. § 193; vgl. Krause § 244,1). - Über agan* 'sich fürchten' s. § 202 A.2.

A n m . 2. Einige Verben dieser Klasse weisen im Präsensstamm ein j auf, das im Prät.
und Part. Prät. fehlt (vgl. § 206,a); z.B. bildet hafjan* 'heben' die Formen hafja* (u.a.
andhafjip Mk. 11,29), hôf (ushôfMt. 11,1 u.ö.), hôfum* (ushôfum Jh. 11,41), hafans*
(hafanana Mk. 2,3). Ebenso gehen: frapjan 'verstehen', hlahjan* 'lachen', ga-skapjan*
'schaffen', ga-skapjan* 'schaden', wahsjan 'wachsen'. Zweifelhaft ist der nur auf dem
Part. Prät. garapana (Mt. 10,30) beruhende Ansatz von *ga-rapjan 'zählen' (s. See-
bold 365).

A n m . 3. standan 'stehen' hat das η nur im Präsensstamm (vgl. § 206,b), also standan,
stôp, stôpun Jh. 18,18 (vgl. engl, stand : stood). Ein Part. Prät. wie aisl. stadinn gibt es
nach § 167 A.9 nicht.

152
Β. Starke Verben - 2. Bildung der Tempusstämme §179.

b) Reduplizierende Verben

Der Normaltyp der reduplizierenden Verben bildet das Präteritum ohne § 178.
Veränderung des Wurzelvokals, nur durch Voranstellung der Reduplika-
tionssilbe (zu den redupl.-ablautenden Verben s. § 180 ff.). Diese besteht aus
dem Anfangskonsonanten, gefolgt von dem konstanten Reduplikations-
vokal <ai>; der Vokal hat die Geltung eines kurzen [ε], s. § 20 und A.4 (mit
Lit.). Daher haita 'ich heiße', Prät. haihait; hôpa 'ich rühme mich', haitvôp.
Beginnt das Wort mit zwei Konsonanten, so wird nur der erste wiederholt,
z.B. fraisa* 'ich versuche', faifrais* (usfaifraisi Ths. 3,5). Die anlautenden
Verbindungen st und sk (für sp fehlen Belege) werden jedoch als ganze
wiederholt, z.B. ga-stalda 'ich erwerbe', gastaistald (Neh. 5,16); skaida* 'ich
scheide', afskaiskaid (Gal. 2,12). Beginnt das Wort mit einem Vokal, so wird
nur der Reduplikationsvokal vorgeschlagen, z.B. auka* 'ich vermehre', ana-
aiauk (Lk. 3,30 u.ö.).
Das Part. Prät. wird ohne Reduplikation gebildet: haitans,fraisans usw.
A n m . 1. Im Nord- und Westgerm, haben sich die redupl. Verben zur VII. Klasse der
ablautenden Verben entwickelt. - Ausgewählte Lit.: C. Karstien, Die reduplizierten
Perfekta des Nord- und Westgermanischen, Gießen 1921; Flasdieck, Anglia 60
(1936), 241 ff.; G. Bech, Das germanische reduplizierte Präteritum, Kopenhagen
1969; Gunnarsson, NTS 27 (1973), 41 ff.; Voyles, Lingua 52 (1980), 89ff.; Suzuki,
Linguistics 259/260 (1982), 587ft; ders., Linguistic Analysis 13 (1984), 7fT.; Fulk,
PBB 109 (1987), 159ff., Kim, Linguistic Analysis 20 (1990), 104«".; Kortlandt,
NOWELE 18 (1991), 97ff.; Vennemann, in: Insights in Germanic Linguistics II,
Hrsg. I. Rauch / G. F. Carr, Berlin/New York 1997, 297ff.; Mottausch, NOWELE
33 (1998), 43 ff.

Man kann die reduplizierenden Verben nach ihren Wurzelvokalen in fünf § 179.
Klassen einteilen: 1. a (á); 2. é; 3. ai; 4. ô; 5. au. Diese Vokale bleiben im
gesamten Paradigma unverändert; eine Verschiedenheit der Flexion wird
durch sie nicht bedingt.
Zu folgenden reduplizierenden Verben ist ein finîtes Präteritum wirklich
belegt:
1. falpan* 'falten' (nur Prät. faifalp Lk. 4,20), ga-staldan (l.Ths. 4,4) 'er-
werben' (Prät. gastaistald Neh. 5,16); - fâhan (Jh. 7,44) 'fangen' (Prät.
faifäh Jh. 8,20, Pl. gafaifâhun Rom. 9,30, Part. Prät. gafähans Php. 3,12),
ebenso hâhan* 'hängen' (§ 62 A.2).
2. slêpan* 'schlafen' (Prät. saislêp und gasaizlêp, vgl. § 78 A.3).
3. af-aikan 'leugnen', fraisan* 'versuchen', haitan 'heißen', laikan* 'sprin-
gen', maitan* (maimaitun Mk. 11,8) 'abschneiden', skaidan 'scheiden'.
4. fvôpan 'sich rühmen', flôkan* 'betrauern', vgl. Anm. 4. - Zu dem Prät.
lailôun (Jh. 9,28) ist vielleicht nach § 26 A.2 das Präs. als *lauan 'schmä-
hen' anzusetzen. Vgl. § 22 A.2.
5. aukan* (anaaukan Mt. 6,27) 'vermehren'.

153
§179. Flexionslehre - V. Konjugation

A n m . 1. Eine Anzahl von Verben, zu denen kein finîtes Präteritum belegt ist, wird
nach dem Beispiel anderer germ. Sprachen hierher gesetzt: 1. blandem 'mischen' (nur
Präs.), haldan 'halten' (Präs. und Part. Prät.), saltan* 'salzen' (nur saltada Mk. 9,49
[2x]), waldan 'walten' (nur Präs.). Bei us-alpan* 'alt werden' und ana-praggan* 'be-
drängen', die beide nur im Part. Prät. belegt sind, bleibt die Zugehörigkeit unsicher (s.
Seebold 77f. und 364). Nach dem nur Mt. 5,29 überlieferten Imperativ usstagg εξελε
ist ein Verb us-staggan* 'ausstechen' zu erschließen, das ebenfalls in diese Klasse
gehört (Seebold 462,470; Ebbinghaus, GL 12 [1972], 32). Seit Uppström wird jedoch
häufig tusstigg gelesen und dazu ein *us-stiggan angesetzt, das in Klasse III der
ablautenden Verben zu setzen wäre (§ 174 A.l; Feist 535 mit Lit.). - 2. uf-blêsan
'aufblasen' (Präs. und Part. Prät.). - 3. gapläihan 'liebkosen' (nur Präs.). - 4. blôtan
'verehren' (nur Präs.). - 5. us-hlaupan* 'aufspringen', stautan* 'stoßen' (beide nur
Präs.).

A n m . 2. bauan 'wohnen', das nach Ausweis anderer germ. Sprachen früher hierher
gehörte (vgl. Seebold 124ff), bildet das schw. Prät. bauaida (2.Tim. 1,5) und wird
auch durch das Fem. bauains (§ 103 A.l) in die dritte schw. Konjugation (§ 193)
verwiesen. Die 3.Sg. Ind. Präs. lautet jedoch stets bauip (5 Belege), gehört also noch
der starken Konjugation an. Nicht festzustellen ist die got. Flexion des nur einmal
belegten bnauan* 'zerreiben' (bnauandans Lk. 6,1), dessen aisl. Entsprechung *bnúa,
(g)núa (Aisl.Gr. § 506 A.2, vgl. ZDP 17 [1885], 250) ebenso wie ahd. nûan, niuwan
(Ahd.Gr. § 334 A.5) der starken Flexion folgt (vgl. Seebold 123f.). Völlig schwach
wird dagegen trauan 'trauen' flektiert. - Zum Lautlichen vgl. § 26,b.

A n m . 3. gaggan 'gehen' bildet einmal (Lk. 19,12) ein neugeschaffenes Prät. gaggida
nach dem Muster der schw. Verben; sonst wird stets das suppletive Prät. iddja,
iddjêdum verwendet (§ 207). Der einzige Beleg des Part. Prät. ist us-gaggana (Mk.
7,30).

A n m . 4. Zu dem allein belegten Prät. faiflôkun (Lk. 8,52) ist das Präsens nicht nach
§ 181 als tflêkan, sondern als *flôkan anzusetzen. Vgl. A. Bezzenberger, Uber die
Λ-Reihe der gotischen Sprache, Göttingen 1874, 56 A.4; Gallée, Noord en Zuid 4,
54f.; Seebold 205f.

A n m . 5. Als ein redupl. Verb mit ./-Präsens (§ 206,a) ist vielleicht arjan* 'pflügen'
anzunehmen (vgl. ahd. erien, iar, giaran, Ahd.Gr. § 350 A.5), obwohl die einzig
belegte Form arjandan (Lk. 17,7) das nicht zu beweisen vermag (vgl. Kieckers 221;
Seebold 81 ff.). Nach Matzel, Fs. Rosenfeld (1989), 455ff. handelt es sich um ein
schwaches Verb der 1. Klasse.

c) Reduplizierend-ablautende Verben
§ 180. Eine Anzahl von Verben, die im Präsens den Wurzelvokal ê (bzw. im Wur-
zelauslaut ai) zeigen, lauten nach der é/ó-Reihe ab (s. § 36). Das Präteritum
weist den Vokal ô auf, aber außerdem noch die Reduplikation. Das Part.
Prät. zeigt den gleichen Vokal wie das Präsens. Nach dem Präsensvokal
zerfallen diese Verben in zwei Klassen (vgl. Bammesberger, Verbalsystem
59 ff.).
§ 181. I. Die konsonantisch ausgehenden Wurzeln haben ê im Präs. Folgende
Verben gehören hierher:

154
C. Schwache Verben §183.

grêtan 'weinen', gaigrôt (Mt. 26,75; Lk. 19,41), gaigrôtun (Lk. 8,52);
lêtan* 'lassen' (af-lêtan Lk. 5,21 u.ö., fra-lêtan Mt. 27,15 u.ö., us-lêtan
Gal. 4,17), lailôt (Mk. 11,16 u.ö.), lailôtun (Mk. 11,6), lêtans* (af-
leitana Lk. 16,18; zur Schreibung s. § 7 A.2);
ga-rêdan* 'Vorsorge treffen\faura-ga-rairó¡> (Eph. 1,5);
têkan* 'berühren' (at-têkan Lk. 6,19), taitôk (Lk. 8,46 u.ö.), taitôkun*
(at-taitôkun Mk. 6,56).

II. Bei vokalischem Wurzelausgang erscheint ai statt ê (§ 22). So flektieren § 182.


folgende Verben:
saian 'säen', salso (Lk. 19,22 u.ö.), saians* (Mk. 4,18 u.ö.); zu Schreibun-
gen mit j s. § 22 A.1,3, zur 2.Sg. Prät. saisôst s. § 170 A.2;
waian* 'wehen' (waiandin Jh. 6,18), watwôun (Mt. 7,25.27); vgl. § 26 A.2.
A n m . 1. Nicht belegt ist das Prät. von faian* (faianda Rom. 9,19) 'tadeln', das auch
*faiaida (nach § 191) lauten könnte, vgl. § 22 A.2; s. Grienberger 61; Seebold 188.
A n m . 2. Zu dem Prät. lailôun (Jh. 9,28) wird das Präs. teilweise als *laian angesetzt
(§§ 22 A.2,179,4); s. Seebold 324.

C. Schwache Verben

Die vier Klassen der schwachen Verben (§ 168) zeigen im Präs. ihrer ver- § 183.
schiedenen Bildung entsprechend erhebliche Flexionsunterschiede. Dage-
gen stimmen sie in Bildung und Flexion ihres Präteritums überein; ebenso
bilden sie übereinstimmend das Part. Prät. durch ein Suffix -da- (Nom.Sg.
m. -ps), das in allen Klassen an den Auslaut des Verbalstamms gefügt wird.
A n m . 1. Völlig klar ist die Bildung des Part. Prät.; es ist ein Verbaladjektiv mit
demselben Dentalsuffix wie die lat. und griech. Verbaladjektive auf -tus bzw. -τος.
Das finite Präteritum wird von manchen gleichfalls aus idg. Bildungen mit -to- er-
klärt. Andere sehen darin periphrastische Bildungen mit Formen der idg. Verbal-
wurzel *dhë- (*dhehr) '(setzen, stellen >) tun': das Suffix -dêd-, das im got. Plural und
im Optativ vorliegt, paßt lautlich genau zu ahd. tâtum, Prät. Plur. zu tuon. Offenbar
haben sich im schwachen Präteritum zwei verschiedene Quellen vereinigt.
Lit. : W. Begemann, Das schwache Präteritum der germanischen Sprachen, Berlin
1873; ders., Zur Bedeutung des schwachen Präteritums der germanischen Sprachen,
Berlin 1874; Paul, PBB 7 (1880), 136ff.; Möller, ebd. 457ff.; F. Lorentz, Über das
schwache Präteritum des Germanischen..., Leipzig 1894; Loewe, IF 4 (1894), 365ff.;
8 (1898), 254ff.;Streitberg, UG§ 218; H. Collitz, Das schwache Präteritum und seine
Vorgeschichte, Göttingen 1912; Brugmann, PBB 39 (1914), 84ff.; O. von Friesen,
Om det svaga preteritimi i germanska sprâk, Uppsala 1925; Jellinek § 192; A. W. M.
Odé, Das schwache Präteritum in den germanischen Sprachen, Amsterdam 1926;
Rogge, PBB 50 (1927), 321 ff.; Collitz, PMLA 43 (1928), 593ff; Kieckers § 157;
Sverdrup, NTS 2 (1929), 5-96; Sehrt, Lg 20 (1944), 238ff.; Must, Lg 27 (1951), 121 ff.;
28 (1952), 104ff.; Wagner, ZCP 28 (1960), 1ff.;Wisniewski, PBB-T 85 (1963), 1 ff.;
G. Bech, Die Entstehung des schwachen Präteritums, Kopenhagen 1963; Hamme-
rich, Fs. Starck (1964), 12ff.; ders., ZDS 20 (1964), 129ff.; Ball, TPS (1968), 162ff.;

155
§183. Flexionslehre - V. Konjugation

Krause §214 A.2; W. Meid, Das germanische Praeteritum, Innsbruck 1971; Bech,
StN 44 (1972), 142ff.; G. Tops, The Origin of the Germanic Dental Preterit, Leiden
1974; G. Schmidt, ΚΖ 90 (1976), 262ff.; G. L. Fullerton, Historical Germanic Verb
Morphology (1977); Lühr, in: Das Germanische und die Rekonstruktion der indo-
germanischen Grundsprache, Hrsg. J. Untermann / B. Brogyanyi, Amsterdam/
Philadelphia 1984, 41 ff.; Mañczak, KZ 97 (1984), 99ff.; Bammesberger, Verbal-
system 68 ff.

A n m . 2. Die ohne Zwischenvokal gebildeten schwachen Präterita (§209) haben


nach § 75 -ta statt -da als Präteritalsuffix. Bei den Präteritopräsentien (§ 196 ff.)
erscheinen außer -da, -ta die Ausgänge -sa, -pa (wissa § 197, kmpa § 199). Ganz
abweichend ist das schw. Prät. iddja (§ 207).

A n m . 3. Zum P r ä s e n s vgl. P. Krämer, Die Praesensklassen des germanischen


schwachen Verbums (1971); G. L. Fullerton, Historical Germanic Verb Morphology
(1977).

A n m . 4. Das Ρ a s s i ν ist im schwachen Verb fast ganz auf die 1. Klasse beschränkt,
wo es gemäß deren Funktion naheliegt. In der 2. und 3. Klasse kommt das Passiv
selten, in der 4. Klasse überhaupt nicht vor (§ 194). Nur die 3. Personen sind häufiger
bezeugt. Es folgt eine Aufzählung sämtlicher Passivbelege des schwachen Verbs (zum
starken Verb s. § 170 A.5).
a) 1. Klasse:
- Ind. 1 .Sg.: daupjada Mk. 10,38.39, us-hauhjadaJh. 12,32, hunsljada 2.Tim. 4,6 AB.
- Ind. 2.Sg.: ga-drausjaza Lk. 10,15, ga-lagjaza Mt. 5,25.
- Ind. 3.Sg.: in-brannjada Jh. 15,6, ga-dailjada Mk. 3,24.25, faur-dammjada 2.Kor.
11,10, af-dômjada Mk. 16,16, ga-fulljada Lk. 1,15, us-fulljada Lk. 3,5, Rom. 13,9,
2.Kor. 10,6, Gal. 5,14, gaurjada Rom. 14,15, in-gramjada l.Kor. 13,5, ga-
hnaiwjada Lk. 3,5 14,11 18,14, us-hauhjada Lk. 14,11 18,14, and-huljadahk. 17,30,
at-lagjada Mt. 7,19, ga-lagjada Lk. 3,9, ga-lausjada Rom. 7,2, ga-lêwjada Mk.
14,41, ana-mahtjada Mt. 11,12, Lk. 18,32, af-marzjada 2.Kor. 11,29, ga-marzjada
Mt. 11,6, Lk. 7,23, mêrjada Mk. 14,9, l.Kor. 15,12, 2.Kor. 1,19, Php. 1,18,
waila-mêrjadaLk. 16,16,2.Kor. 1,19,mikiljadaPhp. 1,20,namnjadaEph. 3,15 AB,
ga-nasjada Lk. 8,50, naupjada Lk. 16,16, ana-niujada 2.Kor. 4,16, rôdjada Mk.
14,9, saljada l.Kor. 10,19, ga-skeirjada Jh. 9,7, us-sôkjada l.Kor. 14,24, stôjada
1.Kor. 10,29, dis-tahjada Jh. 16,32, timrjada l.Kor. 8,\0,fra-wardjada 2.Kor. 4,16,
ga-wasjada l.Kor. 15,54, waurkjada 2.Kor. 4,17.
- Ind. 1 ,P\.: ga-daupjandaRom. 8,36, in-maidjanda l.Kor. 15,51.52 AB,ga-satjanda
Rom. 14,10, ga-prafstjanda 2.Kor. 1,6, id-weitjanda l.Tim. 4,10.
- Ind. 2.P1.: af-dômjanda Lk. 6,37, uf-hlôhjanda Lk. 6,21, af-wandjanda Gal. 1,6.
- Ind. 3.P1.: bugjanda Mt. 10,29, us-fulljanda Lk. 1,20, ga-hrainjanda Lk. 7,22, ga-
marzjanda Mk. 4,17, waila-mêrjanda Mt. 11,5, Lk. 7,22, rahnjanda Rom. 9,8, in-
sandjanda Rom. 10,15, in-trusgjanda Rom. 11,23.24, ga-wagjanda Mk. 13,25.
- Opt. l.Sg.: ga-brannjaidau l.Kor. 13,3, af-satjaidau Lk. 16,4, in-trusgjaidau Rom.
11,19, us-sôkjaidau l.Kor. 4,3.
- Opt. 3,Sg.: af-agjaidau l.Ths. 3,3, ga-bairhtjaidau Mk. 4,22, Gal. 4,19 AB,
brûkjaidau Kol. 2,22 AB, fra-bugjaidau l.Kor. 10,25, af-daupjaidau Mk. 7,10, us-
fulljaidau Jh. 15,11, Rom. 8,4, hauhjaidau Jh. 11,4 14,13, and-huljaidau Mt. 10,26,
kaurjaidau l.Tim. 5,16, faur-lagjaidau l.Kor. 10,27, ga-lagjaidau Mk. 9,42, fus-
lausjaidau l.Kor. 1,17, waja-mêrjaidau Rom. 14,16, l.Tim. 6,1 AB, mikiljaidau
2.Ths. 3,1, namnjaidau Eph. 5,3 AB, rahnjaidau 2.Tim. 4,16, satjaidau Mk. 4,21
(2x), ga-waljaidau l.Tim. 5,9 AB, ana-wammjaidau 2.Kor. 6,3 AB.

156
C. Schwache Verben - 1. Präteritum §184.

- Opt. 1 .Pl.: dômjaindau Gal. 2,17 AB, us-lausjaindau 2.Ths. 3,2.


- Opt. 2.P1.: af-airzjaindau l.Kor. 15,33, daupjaindau Mk. 10,38, us-hauhjaindau
2.Kor. 11,7, af-marzjaindau Jh. 16,1, ga-sleipjaindau2.KoT. 7,9 AB, stójaindau Lk.
6,37.
- Opt. 3.P1.: gaumjaindau Mt. 6,5, hauhjaindau Mt. 6,2, and-hausjaindau Mt. 6,7,
and-huljaindau Lk. 2,35, us-skarjaindau 2.Tim. 2,26 AB, ga-talzjaindau 1 .Tim. 1,20
AB.
b) 2. Klasse:
- Ind. l.Sg.: frìjóda 2.Kor. 12,15 AB.
- Ind. 3.Sg.: ga-aiwiskôda Rom. 9,33 10,11, frijôda Jh. 14,21, galeikôda Mt. 7,26,
ga-krotuda Lk. 20,18 (§ 12 A.l), rahtôda 2.Kor. 9,1 AB, supuda Mk. 9,50 (§ 12
A.l), ga-supôda Lk. 14,34.
- Ind. 1.P1.: in-galeikônda 2.Kor. 3,18 AB.
- Ind. 3.P1.: ga-aiwiskónda 2.Kor. 10,8.
- Opt. 3.Sg.: awiliudôdau 2.Kor. 1,11 AB.
- Opt. 1 .Pl.: ga-aiginôndau 2.Kor. 2,11 AB, ga-aiwiskôndau 2.Kor. 9,4 AB, ga-
faihôndau 2.Kor. 2,11.
c) 3. Klasse:
- Ind. 3.Sg.: iiugada Mk. 10,12, l.Kor. 7,28, ga-weihada l.Tim. 4,5 AB.
- Ind. 3.PL: ga-fastanda Lk. 5,38, habanda 2.Tim. 2,26, liuganda Lk. 20,34.35,
Mk. 12,25.
- Opt. 2.Sg.: ga-jiukaizau Rom. 12,21 AC.
- Opt. 3.Sg.: ga-kunnaidau Lk. 8,17, uf-kunnaidau Mt. 10,26, swêraidau Jh. 12,23.
- Opt. 3.P1.: ga-fastaindau l.Ths. 5,23 AB.

1. Flexion des schwachen Präteritums


Paradigmen: nasida*, salbôda*, habaida, fullnôda*. Es genügt, an einem § 184.
Beispiel die Flexion vorzuführen.
Indikativ Optativ

Sing. 1. nasi-da nasi-dêdjau


2. nasi-dês nasi-dédeis
3. nasi-da nasi-dêdi

Dual 1. - _
2. nasi-dêduts -

Plur. 1. nasi-dêdum nasi-dêdeima


2. nasi-dêdup nasi-dêdeip
3. nasi-dêdun nasi-dêdeina
Anm. 1. Die nicht überlieferten Formen werden mit mehr oder weniger großer
Sicherheit angesetzt als: l.Du. Ind. nasi-dêdu*, 1.2.Du. Opt. nasi-dêdeiwa*, nasi-
dêdeits*; s. dazu §§ 170 A.4, 186 A.2.

157
§185. Flexionslehre - V. Konjugation

2. Bildung und Präsensflexion der schwachen Verben

a) Erste schwache Konjugation (-jan)

§ 185. Die erste Klasse umfaßt Präsentien verschiedener Herkunft: solche mit idg.
ie,io (z.T. primär) und solche mit idg. eie, eio (darunter viele Denominativa
und Kausativa). Im Got. werden diese Bildeweisen nicht mehr in alter Ver-
teilung auseinandergehalten. Sämtliche Verben zeigen das j vor dem hier
ebenso wie beim starken Verb auftretenden Themavokal (vgl. § 169), auch
vor ι, wo das hier ursprünglich getilgte j im Got. restituiert ist. In diesen
Formen sollten die Verben nach ihrer ursprünglichen Bildung so geschieden
sein, daß bei den kausativen und anderen Bildungen auf eie ein got. ei
(< *iji) aufträte, sonst ji. Diese Scheidung ist aufgegeben, und die Verben
unterscheiden sich nur gemäß der Quantität der Wurzel (Sievers' Gesetz,
§ 44,c):
a) Verben mit kurzer Wurzelsilbe, z.B. nasjan 'retten', sowie Verben auf
langen Vokal, z.B. stôjan 'richten', behalten ji;
b) Verben mit langer auf Konsonant ausgehender Wurzelsilbe, z.B. sôkjan
'suchen', sowie solche mit mehrsilbiger Basis, z.B. mikiljan* 'preisen',
haben ei statt ji.
Vor dem Dental des Präteritums erscheint j als Vokal i.
A n m . 1. Lit.: Jellinek § 197; Krause § 238f.; Erdmann, Lg 48 (1972), 407ff.; Kort-
landt, NOWELE 8,27 ff.

§186. Aktiv

Präsens
Indikativ
Sing. 1. nasja stôja sôkja
2. nasjis stôjis sôkeis
3. nasjip stôjip sôkeip

Dual 1. nasjôs stôjôs sôkjôs


2. nasjats stôjats sôkjats

Plur. 1. nasjam stôjam sôkjam


2. nasjip stôjip sôkeip
3. nasjand stôjand sôkjand

158
C. Schwache Verben - 2. Bildung und Präsensflexion § 186.

Optativ
Sing. 1. nasjau stôjau sôkjau
2. nasjais usw. usw.
3. nasjai

Dual 1. _
2. -

Plur. 1. nasjaima
2. nasjaip
3. nasjaina

Imperativ
Sing. 2. nasei - sôkei
3. nasjadau stôjadau sôkjadau

Dual 2. - -

Plur. 1. nasjam stôjam sôkjam


2. nasjip stôjip sôkeip
3. - -

Infinitiv
nasjan stôjan sôkjan

Partizip
nasjands stôjands I sôkjands

Präteritum
nasida stauida sôkida
(Flexion s. § 184)

Partizip
nasips stauips sôkips

159
§186. Flexionslehre - V. Konjugation

Passiv

Präsens

Indikativ
Sing. 1.3. nasjada stôjada sôkjada
2. nasjaza stôjaza sôkjaza

Plur. 1.2.3. nasjanda stôjanda sôkjanda

Optativ
Sing. 1.3. nasjaidau stôjaidau sôkjaidau
2. nasjaizau stôjaizau sôkjaizau

Plur. 1.2.3. nasjaindau stôjaindau sôkjaindau

A n m . 1. Die 3.Sg. Ipv. ist belegt durch lausjadau φυσάσθω Mt. 27,43 (zum starken
Verb s. § 170 A.3). Die 3.P1. Ipv. ist nur in der 3. schw. Konjugation belegt: liugandau
(1 .Kor. 7,9); nach dieser Form setzt man gewöhnlich an nasjandau*, stôjandau* usw.,
vgl. § 192 A.l. Zur Endung -dau s. § 25 A.6 mit Lit.

A n m . 2. Im Dual (s. §§170 A.4, 192 A.2) sind nur Indikativformen belegt: Präs.
1.Du. ga-taujôs Jh. 14,23; 2.Du. ga-u-laubjats Mt. 9,28, taujats Mk. 11,3.5; Prät.
2.Du. ga-hausidêduts Lk. 7,22. - Die 1. und 2.Du. Opt. Präs. lassen sich nach dem
starken Verb als nasjaiwa*, nasjaits* ansetzen, ebenso die 2.Du. Ipv. als nasjats* (vgl.
hirjats § 187 A.4).

A n m . 2a. Die Belege für das Passiv sind in § 183 A.4,a verzeichnet.

A n m . 3. Die 2.Sg. Ipv. von stôjan müßte nach § 26 in Übereinstimmung mit dem
Prät. stauida* (nur stauidês Lk. 7,43) als stauei* angesetzt werden. Das Part. Prät.
stauips* wird nach afmauidai (Gal. 6,9), afdauidai (Mt. 9,36) angesetzt. - Einmal
scheint ein Dat.Pl. af gastöjanaim ά π ό των άτοπων 2.Ths. 3,2 vorzuliegen, doch ist
die Lesimg unsicher. Sollte die Form so bestehen, so ist sie schwerlich mit Feist 455
als Part. Prät. aufzufassen und zu stôjan zu stellen; vgl. Grienberger 189; Sturtevant,
PhQ 7 (1928), 78f.; Pollak, ZDP 94 (1975), 116f.

§ 187. Weitere Vertreter dieser sehr zahlreichen Klasse (zur Einteilung s. § 185):
a) 1. kurzsilbige: waljan* 'wählen', ga-tamjan 'zähmen', uf-panjan* 'ausdeh-
nen', warjan* 'wehren', hugjan* 'denken', lagjan 'legen', us-wakjan* 'auf-
wecken', satjan* 'setzen', wasjan* 'kleiden', hazjan 'loben', huljan 'ver-
hüllen'; - 2. vokalisch auslautende: taujan 'tun' (2.Sg. Ipv. tawei, Prät.
tawida, Part. Prät. tawips* [nur ga-tawidôs 2.Kor. 12,12]); straujan*
'streuen' (nur Prät. (uf-)strawidêdun Mk. 11,8; Lk. 19,36 und Part. Prät.
ga-strawip Mk. 14,15); ga-qiujan* 'lebendig machen' (Prät. mip-ga-
qiwida Eph. 2,5; Kol. 2,13); ana-niujan* 'erneuern' (Part. Prät. ana-
niwidin Kol. 3,10); siujan* 'nähen' (nur siujip Mk. 2,21); - über *môjan
'mühen' und *dôjan 'abmatten' s. § 26,a;

160
C. Schwache Verben - 2. Bildung und Präsensflexion §188.

b) langsilbige und mehrsilbige: mêljan 'schreiben', mêrjan 'verkünden',


sipônjan* 'Schüler sein', hnaiwjan* 'erniedrigen', hrainjan* 'reinigen',
hausjan 'hören', piupjan* 'segnen'; ga-brannjan* 'verbrennen', sandjan
'senden', namnjan* 'nennen', andbahtjan 'dienen', glitmunjan* 'glänzen',
haúrnjan* 'das Horn blasen'.
A η m . 1. kaupatjan 'ohrfeigen' (Mk. 14,65) bildet das Prät. ohne i {kaupastèdi 2.Kor.
12,7 AB, kaupastêdun Mt. 26,67; vgl. § 75), dagegen das Part. Prät. mit i (kaupalidai
l.Kor. 4,11); vgl. § 209 A.2. Parallel gebildet sind lauhatjan* 'blitzen' (nur Part. Präs.
lauhatjandei Lk. 17,24) und swôgatjan* 'seufzen' (nur 1 .PI. Präs. swôgatjam 2.Kor.
5,2.4 AB).
A n m . 2. Einige primäre Verben, die im Präsensstamm j aufweisen, flektieren im
Präsens ganz wie die schwachen Verben erster Klasse. Ihr Prät. bilden sie entweder
stark, oder schwach ohne Ableitungssuffix i. Vgl. §§ 206,a, 209.
A n m . 3. Selten findet sich ein Schwanken nach der 2. schw. Konjugation. Neben
hausjan 'hören' stehen hausjôn (Mk. 4,33; Lk. 5,15; Jh. 6,60) und hausjôndam (2.Tim.
2,14); neben einmaligem gabeisteip (l.Kor. 5,6 A; zu beist* 'Sauerteig'), dessen Inf.
man alsga-beistjan* 'säuern' ansetzt, erscheint Pl. Part. Prät. unbeistjôdai(l.Kor. 5,7
A). Die einzigen Belege supjandans 2.Tim. 4,3 A, supjôndans Β (aber nicht ganz sicher)
erlauben keine Entscheidung, ob *supjan oder *supjôn 'kitzeln' anzusetzen ist.

A n m . 4. Zum Imperativ von nasjan passen die als Inteqektionen gebrauchten


hirjats, hirjip. Abweichend gebildet ist der Sing, hiri (§ 219).

Die Verben dieser Klasse sind meist von starken Verben, Adjektiven oder § 188.
Substantiven abgeleitet (vgl. § 185). Die Deverbativa weisen den im Sing.
Prät. des starken Verbs vorliegenden Stamm auf. Sie sind in der Regel Kau-
sativa: z.B. wandjan* 'wenden' (zu *windan 'winden'), dragkjan* 'tränken'
(zu drigkan), ur-raisjan 'zum Aufstehen bringen' (zu ur-reisan 'aufstehen'),
ga-drausjan* 'zu Fall bringen' (zu driusan* 'fallen'). Daneben finden sich
einige Intensiva (García García [s. Anm. 1] 13): draibjan* 'belästigen' (zu
dreiban* 'treiben'), kausjan 'prüfen' (zu kiusan* 'prüfen'), wrakjan* 'verfol-
gen' (zu wrikan* 'verfolgen').
Die von Adjektiven und Substantiven abgeleiteten Verben fungieren
meist als Faktitiva, z.B. häuhjan* 'hoch machen' (zu häuhs*), hailjan 'heilen'
(zu hails), warmjan* 'wärmen' (zu einem Adj. *warms); - dailjan 'teilen' (zu
dails*), taiknjan* 'ein Zeichen machen, zeigen' (zu taikns) usw. Dazu kom-
men jedoch etliche intransitive Verben wie z.B. sipônjan* 'Schüler sein',
faúrhtjan* 'sich fürchten'.
A n m . 1. Neuere Lit. zur Semantik der jan-Yerben: de Vries, Fs. Damsteegt (1981),
236ff.; West, ZDP 100 (1981), 321 ff.; Luisa García García, Die deverbalen jan-
Verben im Gotischen, Diss. Köln 1995.

161
§189. Flexionslehre - V. Konjugation

b) Zweite schwache Konjugation (-ôn)


i 189. Die Verben dieser Klasse sind im Got. athematisch: an das ô des Flexions-
stamms tritt ohne Themavokal die Endung im Ind. Präs. Auch der Optativ
besitzt dieses ô in allen Formen. Indikativ- und Optativformen stim-
men deshalb dort, wo nicht die Endung einen Unterschied bedingt, über-
ein (1.2.Sg., 2.P1.). Über die lange umstrittene Frage der Bildung der
o-Präsentien s. Cowgill, Lg35 (1959), Iff., wo auch die ältere Literatur
angeführt ist; vgl. § 183 A.3.
Vor dem Dental des Präteritums steht dasselbe δ.
Paradigma salbôn 'salben':

Aktiv

Präsens
Indikativ Optativ Imperativ

Sing. saibó saibó


salbôs salbôs saibó
salbôp saibó

Dual

Plur. salbôm salbôma


salbôp salbôp salbôp
salbônd salbôna

Infinitiv
salbôn

Partizip
salbônds

Präteritum
salbôda, -dès, -da (usw., s. § 184)

Partizip
salbôps

162
C. Schwache Verben - 2. Bildung und Präsensflexion §191.

Passiv

Präsens
Indikativ Optativ

Sing. 1.3. salbôda salbôdau


2. -

Plur. 1.2.3. salbônda salbôndau

A n m . 1. Das Paradigma dieser und der 4. schw. Klasse ist am spärlichsten belegt.
Von den fehlenden Formen kann man nach anderen Konjugationen mit mehr oder
minder großer Sicherheit ansetzen: Akt. Ind. Du. 1.2. salbôs*, salbôts*, Opt. Du. 1.2.
salbôwa*, salbôts*, Ipv. Sg. 3. salbôdau*, Du. 2. salbôts*, Pl. 1.3. salbôm*, salbôndau;
Pass. Ind. Sg. 2. salbôza*, Opt. Sg. 2. salbôzau*. Die Belege für das Passiv sind in § 183
A.4,b verzeichnet.

Die Zahl der Verben der zweiten Klasse ist größer als die der dritten, steht § 190.
aber hinter denen auf -jan weit zurück. Die got. Verben sind zum kleinsten
Teil primär, wie etwa mitón 'denken'. Die meisten sind Denominativa; z.B.
sunjôn* 'entschuldigen', ga-paidôn* 'bekleiden', karôn* 'sorgen', idreigôn*
'bereuen' zu sunja,paida*, kara, idreiga*. Die Bildung ist dann auch über ihr
ursprüngliches Maß hinaus produktiv geworden, z.B. piudanôn 'König
sein', faginôn 'sich freuen', fraujinôn 'herrschen', und danach mit Über-
tragung des Elementes -inôn: reikinôn 'Herr sein', skalkinôn 'Knecht sein'.
Auch hausjôn für hausjan (§ 187 A.3) zeigt das Umsichgreifen der Bildung.
A n m . 1. Neuere Lit. zur Semantik der ón-Verben: West, ZDP 100 (1981), 321ff.;
Schaefer, Sprachw 9 (1984), 356ff.; 10 (1985), 365.

c) Dritte schwache Konjugation (-an)


Die Verben der dritten Klasse zeigen im Got. in einem Teil ihrer Formen das § 191.
Bildungselement -ai-. Es erscheint durchgehend nur im Präteritum und im
Part. Prät.; im Präs. dagegen und allen zu diesem gehörenden Bildungen
kommt es nur in wenigen Formen zum Vorschein, während die meisten ganz
wie Präsensformen des starken Verbs gestaltet sind. Das ai tritt im Präsens
Ind. und Ipv. nur auf, wo im starken Verb die Endung mit i beginnt (also
2.3.Sg., 2.P1. Ind. und 2.P1. Ipv.), ferner in der (endungslosen) 2.Sg. Ipv.,
endlich wie beim starken Verb im Optativ. Auch hier fallen deshalb Indi-
kativ· und Optativformen teilweise zusammen (2.Sg. und 2.P1.).
A n m . 1. Vgl. die Lit. bei Jellinek§ 199; Krause §243. Zur Herleitung s. H. Wagner,
Zur Herkunft der ë-Verba in den indogermanischen Sprachen, Zürich 1950; Bennett,
Lg 38 (1962), 135 ff. (mit Lit.); Polomé, Fs. Pokorny (1967), 83 ff.; Jasanoff, Lg 49
(1973), 850ff.; dens., Stative and Middle in Indo-European, Innsbruck 1978, 56ff.;
Kortlandt, NOWELE 15 (1990), 3 ff.

163
§192. Flexionslehre - V. Konjugation

§ 192. Paradigma haban 'haben':

Aktiv

Präsens

Indikativ Optativ Imperativ

Sing. haba habau


habais habais habai
habaip habai

Dual habôs

Plur. habam habaima


habaip habaip habaip
haband habaina habandau

Infinitiv
haban

Partizip
habands

Präteritum

habaida, -dès, -da (usw., s. § 184)

Partizip
habaips

Passiv

Präsens

Indikativ Optativ

Sing. 1.3. habada habaidau


2. habaizau

Plur. 1.2.3. habanda habaindau

164
C. Schwache Verben - 2. Bildung und Präsensflexion §194.

A n m . 1. Nur in dieser Konjugation ist die 3.P1. des Imperativs belegt durch
liugandau γαμησάτωσαν l.Kor. 7,9 (s. § 186 Α. 1).

A n m. 2. Von den Dualformen (s. §§170 A.4,186 A.2) ist nur die 1. Ind. belegt: habós
l.Kor. 9,6. Die 2.Du. Ind. und Ipv. wurde früher oft als habats* angesetzt, doch ist
der Ansatz habaits* vorzuziehen (Collitz, BB 17 [1891], 52; vgl. Krause § 254). Von
den übrigen Formen kann man vielleicht ansetzen: 2.Du. Opt. habaits*, Ipv. Sg. 3.
habadau*, Pl. 1. habam* und Pass. Ind. Sg. 2. habaza*. Die Belege für das Passiv sind
in § 183 A.4,c verzeichnet.

Die hierher gehörenden Verben sind meist Intransitiva (zur Funktion vgl. § 193.
Dishington, Lg 52 [1976], 851 ff.). Ihre Zahl ist verhältnismäßig gering.
Beispiele: pahan* 'schweigen', pulan 'dulden', liban 'leben', ana-silan 'still
werden' (zur Lesung des Inf. s. Snaedal XI, XXIV; außerdem nur Prät.
anasilaida Mk. 4,39), fijan 'hassen', trattari 'trauen' (vgl. § 26), saúrgan 'sor-
gen', liugan 'heiraten', hâhan* 'hangen' (daneben das redupl. Verb hâhan*
trans, 'hängen', § 179). Ob auch das nur im Präs. belegte wakan* 'wachen' zu
dieser Klasse gehört (so Krause § 244,1), ist umstritten, s. § 177 A.l.
A n m . 1. Hierher stellt man gewöhnlich auch hatan* 'hassen', obwohl nach dem
einzig belegten Part. Präs. (hatandans Lk. 6,27, hatandanê Lk. 1,71) eine sichere
Entscheidung nicht möglich ist. Daneben begegnen 2 Belege des Part. Präs.
hatjandam (Mt. 5,44 und Randglosse zu fljandam Lk. 6,27, s. Streitberg zur Stelle).
Das gewöhnlich für Rom. 7,15 angeführte ^hatja (1 .Sg. Präs.) beruht auf Fehllesung;
nach W. Braun bei Streitberg 483 ist fija zu lesen; vgl. auch Streitberg zur Stelle. Der
Sprachvergleich legt nahe, die Formen mit -j- nicht als flexivische Schwankung auf-
zufassen, sondern auf ein selbständiges schw. Verb Kl. I hatjan* zu beziehen (vgl.
vielleicht nhd. hetzen). - bauan 'wohnen' bildet das schw. Prät. bauaida (2.Tim. 1,5),
aber das starke Präs. bauip (Rom. 7,18 u.ö.), vgl. § 179 A.2.

A n m . 2. Uber uf-kunnan 'erkennen' s. § 199 A.l; über maúrnan* 'sorgen für' s. § 174
A.4.

d) Vierte schwache Konjugation (-nan)


Die Verben der vierten Klasse werden im Gotischen durch das Suffix -nô- im § 194.
Präteritum, -n- (-na-) im Präsens gebildet. Die Bedeutung dieser Verben ist
noch Gegenstand der Diskussion (s. Anm. 2). Früher (auch bis zur 19. Aufl.
dieses Buches) galten sie als in der Mehrzahl rein inchoativ, d.h. den Eintritt
eines Zustandes bezeichnend; seltener sei mediopassive, in wenigen Fällen
auch rein passive Bedeutung anzunehmen. Der neueren Forschung zufolge
sind die Verben primär durch ein n i c h t - a g e n t i v e s Subjekt charakteri-
siert (West, a.a.O. 407 f.); sie afïîzieren niemals ein Objekt und bilden in-
folgedessen kein Passiv (Schwerdt, a.a.O. 189).
Die Verben werden meistens (und ursprünglich) von starken Verben ab-
geleitet, seltener von Adjektiven.
a) Deverbale Bildungen schließen sich an die Stammform an, die im
Part. Prät. vorliegt. Beispiele: and-bundnan* (zu bindan*) 'sich lösen',

165
§194. Flexionslehre - V. Konjugation

us-bruknan* (zu brikan*) 'abbrechen', dis-skritnan* (zu dis-skreitan*)


'zerreißen', fra-lusnan* (zu fra-liusan*) 'verloren gehen', ga-waknart* (zu
wakan*) 'erwachen', ga-skaidnan* (zu skaidan) 'sich scheiden',
b) Die deadjektivischen Verben stehen immer neben einem transitiven Verb
(meist auf -jan)·, vielleicht sind sie eher als verbale Oppositionsbildungen
einzustufen. Beispiele: ga-daupnan 'sterben' (neben ga-daupjan, zu
daups), ga-hailnan* 'gesund werden' (neben ga-hailjan, zu hails), mikilnan
'groß werden' (nur 2.Kor. 10,15; neben mikiljan*, zu mikils), weihnan*
'heilig werden' (neben weihan*, zu weihs).
A n m . 1. Zu dem Subst. frisahts 'Bild' gehört ga-frisahtnan* 'gebildet werden'; zu
dem schw. Verb fra-qistjan 'verderben' gehört fra-qistnan* 'umkommen'. - ga-
gawairpnan (2.Kor. 5,20) 'sich versöhnen' ist nicht von gawairpi 'Friede' abgeleitet,
sondern von dessen Grundwort *gawairps 'zugewandt' (Heidermanns, EWGP 673). -
Ablaut im Wurzelvokal zeigt us-geisnan* 'sich entsetzen' (neben us-gaisjan* 'er-
schrecken', nur Part, usgaisips ist έξέστη Mk. 3,21). Etymologisch unsicher bleibt
in-feinan* 'gerührt werden' (vgl. § 195 A.2).

A n m . 2. Neuere Lit. zur Semantik der nan-Verben: H. Annerholm, Studier över de


inkoativa verben pâ na(n), Lund 1956; West, ZDP 99 (1980), 403ff.; Jansen, Gs. Dal
(1988), 54ff.; S. Suzuki, The Morphosyntax of Detransitive Suffixes -p- and -n- in
Gothic, New York 1989; Schwerdt, PBB 123 (2001), 175ff. - Die Anschauung von
einer inchoativen Grundbedeutung dieser Verben beruht auf Egge, AJP 7 (1887),
38 ff. Die entsprechenden nordischen Verben auf -na haben nur inchoative Bedeu-
tung, vgl. aisl. vakna, norw., schwed. vakna, dän. vägne 'erwachen'.

§ 195. Das Präsens flektiert thematisch; im Präteritum erscheint das Nasalsuffix


vor dem Dental als -nô-. Ein Passiv ist in dieser Klasse ebenso wenig möglich
wie ein Part. Prät. (vgl. § 167 A.9). Der Ursprung der Flexion dieser Klasse
ist umstritten; vgl. Fullerton, Lg 47 (1971), 375ff. mit reicher Lit.
Paradigma: fullnan* 'voll werden, sich füllen' (zu fulls 'voll', fulljan*
'füllen').

Präsens
Indikativ Optativ Imperativ

Sing. 1. fullna fullnau


2. fullnis fulln
3. fullnip fullnai

Dual 1.
2.

Plur. 1. fullnam
2. fullnip fullnaip
3. fullnand fullnaina

166
D. Besondere Verbalbildungen - 1. Präteritopräsentien § 196.

Infinitiv
fullnan
Partizip
fullnands

Präteritum
fullnôda, -dès, -da (usw., s. § 184)

A n m . 1. Vom Ipv. ist in dieser Klasse nur die 2.Sg. durch af-dôbn Lk. 4,35, af-dumbn
Mk. 4,39 und us-lûkn Mk. 7,34 belegt.
A n m . la. Das Paradigma dieser Klasse ist ebenso spärlich belegt wie das der ôn-
Verben. Nach anderen Konjugationen setzt man die fehlenden Formen mit mehr
oder weniger großer Sicherheit an als: Ind. Du. 1.2. fullnôs*, fullnats*, Opt. Sg. 2.
fullnais*, Du. 1.2. fullnaiwa*, fullnaits*, Ipv. Sg. 3. fullnadau*, Du. 2. fullnats*,
PI. 1.2.3. fullnam* ,fullnip*,fullnandau*.
A n m . 2. Einmaliges uskeinôda εφυεν (Lk. 8,8) ist Neubildung zu dem nur spärlich
belegten starken Präs. keinan* 'keimen' (nur keinip Mk. 4,27; dazu Komposita
uskeinand Mk. 13,28, uskijanata Lk. 8,6, mipuskeinandans Lk. 8,7). Der Bedeutung
nach kann das Präs. nicht zur 4. schw. Klasse gehören; vgl. § 172 A.2. - Viermaliges
infeinôda (Mt. 9,36; Mk. 8,2; Lk. 7,13 15,20) will Grienberger 127f. ebenfalls als
Angleichung an die ηαη-Klasse erklären (zu einem starken «-Präs. *-fei-n-an wie
fraihnan), doch paßt das Verb in-feinan* (ohne Annahme eines primären «-Präs.) der
Bedeutung nach durchaus in die 4. schw. Klasse; vgl. Uhlenbeck, PBB 30 (1905), 294;
Feist 293.

D. Reste besonderer Verbalbildungen

1. Präteritopräsentien
Die Präteritopräsentien sind primäre Verben, die die Form und Flexion § 1%.
eines starken Präteritums, aber die Bedeutung eines Präsens haben. Das
ihnen zugrundeliegende Präsens ist verlorengegangen. Nach ihrem Ablaut-
verhalten lassen sich die meisten dieser Verben den Klassen der starken
Verben (§§ 172-177) zuordnen. Die Präteritopräsentien bilden großenteils
mit Hilfe eines Dentals ein neues Präteritum, das wie die schwachen Präter-
ita (§ 184) flektiert wird. Im Got. finden sich 13 solcher Verben (vgl. Jellinek
§202).
A n m . 1. Die Erscheinung der Präteritopräsentien ist auch aus anderen idg. Spra-
chen bekannt (dort „Perfektopräsentien" genannt); das Verb got. wait, gr. οίδα,
altind. veda ist gemeinidg. (s. Szemerényi 243 f.). Zum Germ. vgl. Th. Birkmann,

167
§196. Flexionslehre - V. Konjugation

Präteritopräsentia: Morphologische Entwicklungen einer Sonderklasse in den alt-


germanischen Sprachen, Tübingen 1987 (mit weiterer Lit.).
A η m. 2. Der Dental der neuen Präterita wird von manchen anders erklärt als der des
sonstigen schwachen Präteritums; vgl. Bammesberger, Verbalsystem 74ff. sowie die
in § 183 A.1,2 genannte Lit.

§197. E r s t e A b l a u t r e i h e (vgl. § 30).


1. wait 'ich weiß', 2. Pers. waist, 2.Du. wituts, Plur. witum, Opt. witjau, Prät.
wissa, Opt. Prät. wissêdjau (wissêdeis, wissêdi, wissêdeina), Part. Präs.
witands, Inf. witan.
2. lais 'ich weiß' (nur in dieser Form Php. 4,12 belegt), dazu Kausat. laisjan
'lehren'; s. Meillet, IF 26 (1910), 200ff.; Seebold 322f.
A n m . 1. Zu wait gehört auch das alte Part. Perf. weitwôds* 'Zeuge' (§ 167 A.9).
Schwundstufige Wurzel zeigt das schw. Verb III witan (Mt. 27,64) 'auf etwas sehen,
beobachten' (witaida Mk. 6,20, witaidêdun Mk. 3,6 usw.). - Hingegen scheinen die
Komposita fra-weitan (2.Kor. 10,6) 'jem. rächen' und in-weitan* 'jem. anbeten'
(inwait Mt. 8,2 u.ö., inwitun Mk. 9,15 15,19; vgl. § 172 A.l) in einen anderen Kontext
zu führen (Seebold 550f.).
A n m . 2. Uber die Lautverhältnisse bei waist und wissa s. § 81 A.3.
A n m . 3. wissêdjau ist entgegen früheren Angaben tatsächlich Rom. 7,7 belegt (ver-
hältnismäßig gut lesbar), vgl. Streitberg 1,483.
A n m . 4. Der Ablaut von aih 'ich habe' paßt nicht in die erste Ablautreihe (s. § 203
mit A.2).

§198. Z w e i t e A b l a u t r e i h e (vgl. § 31).


3. daug unpers. 'es nützt' (nur in dieser Form belegt: l.Kor. 10,23; 2.Tim.
2,14).

§199. D r i t t e A b l a u t r e i h e (vgl. § 32).


4. kann 'ich weiß, ich kenne', 2. Pers. kant (einmal l.Kor. 7,16 kannt, vgl.
§ 80), Plur. kunnum, Opt. kunnjau, Prät. Ind. kunpa, Opt. Prät. kunpêdjau,
Part. Prät. (Adj.) kunps 'bekannt', Inf. ktinnan, Part. Präs. kunnands.
5. parf 'ich bedarf, habe nötig', 2. Pers. parft, Plur. paürbum, Opt. Plur.
paúrbeima,paúrbeip, Prät. paürfta, Part. Prät. ( A d j . ) p a ú r f t s 'nötig', Part.
Präs. paúrbands 'bedürfend'. - Vgl. § 56 A.4.
6. ga-dars 'ich wage', Plur. ga-daúrsum, Opt. ga-daúrsjau, Prät. ga-daúrsta,
Inf. ga-daúrsan.
A n m . 1. Zu kann gehören die ebenso flektierten Kompos. fra-kann 'ich verachte'
und ga-kann 'ich unterwerfe mich'. - Nicht damit zu verwechseln ist das abgeleitete
schw. Vb. III -kunnan, -kunnaida 'erkennen', nur in Komposita: ana-kunnan άνα-
γιγνώσκειν 'lesen', at-kunnan* 'zuerkennen', ga-kunnan 'kennen lernen, erkennen'. -
uf-kunnan 'erkennen' flektiert im Präs. als schw. Vb. III, bildet aber das Prät. «/-
kunpa (-kunpês usw., 18 Belege), nur einmal uf-kunnaida l.Kor. 1,21 und Part. Prät.
uf-kunnaidai 2.Kor. 6,8.
A n m . 2. Über den Dental in kunpa und gadaursta,paúrfta s. §§ 75,81 A.3; über den
grammatischen Wechsel in parf - paürbum s. § 50a.

168
D. Besondere Verbalbildungen - 1. Präteritopräsentien § 203.

V i e r t e A b l a u t r e i h e (vgl. §33). §200.


7. skal 'ich soll', 2. Pers. skalt, Plur. skulum, Opt. skuljau, Prät. skulda, Opt.
Prät. -skuldêdi, skuldêdeip, Part. Prät. (Adj.) skulds 'schuldig'.
8. man 'ich meine', ga-man 'ich erinnere mich', 2.P1. ga-munup, Opt. -muni,
muneima, ga-muneip, Prät. munda, Part. Prät. munds (Lk. 3,23), Inf.
ga-munan, Part. Präs. munands, ga-munands.
9. ga-nah 'es genügt', bi-nah 'es darf, muß'. Unpersönlich 3.Sg.; sonst nur
noch Part. Prät. Ntr. bi-naúht (l.Kor. 10,23) sowie das Adj. bi-ûhts 'ge-
wohnt' (§ 15,b).
A n m . 1. Neben man steht ein abgeleitetes schw. Verb III munan*, munaida 'ge-
denken, wollen'.
A n m . 2. Bei skal und man hat der Plur. (abweichend von dem ê im Prät. der regel-
mäßigen st. Verben IV) den Ablautvokal u.
A n m . 3. Die Zuteilung von ganah zu Klasse V, die sich bei Wrede/Heyne § 142 und
auch bis zur 9. Aufl. dieses Buches findet, ist wegen des Ablauts nicht möglich; vgl.
Streitberg §220,9 A.
A η m. 4. Eventuell gehört auch maúrnan* 'sorgen für' in diese Klasse; vgl. § 174 A.4
sowie Kieckers 242.

F ü n f t e A b l a u t r e i h e (vgl. §34). §201.


Präteritopräsentien der fünften Reihe sind nicht vorhanden. Über die
von anderen hierher gestellten Verben ganah und mag s. §§ 200,9,203.
S e c h s t e A b l a u t r e i h e (vgl. §35). §202.
10. 3.Sg. ga-môt 'er findet Raum' (Jh. 8,37), 2. Pers. môst*, Plur. môtum*,
Opt.Pl. ga-môteima (2.Kor. 7,2 AB), Prät. ga-môsta*, Pl. ga-môstêdun
(Mk. 2,2).
11. ôg 'ich fürchte' (Lk. 18,4 u.ö.), 2. *ôgt (wie magi, s. § 170 A.2), Plur.
ôgum*, Opt. ôgeis (Rom. 13,3), ôgeip (Mt. 10,26.28.31 u.ö.), Prät. ôhta
(Mk. 6,20 u.ö.), Part. Präs. ôgands (Lk. 18,2; Neh. 7,2; Gal. 2,12 [Kon-
jektur]); Kausat. ôgjan 'jemand in Furcht setzen' (Neh. 6,12).
Anm. 1. Über môst*, ga-môsta*, ôhta s. § 81. - Ein Inf. tôgan ist wahrscheinlich
nicht gebildet worden (Schulze, Kl. Sehr. 568).
Anm.2. Zu ôg gehört die 2.Sg. Ipv. ogs 'fürchte dich' (Rom. 11,20 13,4), ni ôgs
'fürchte dich nicht' (Lk. 1,13.30 5,10; Jh. 12,15); zur historischen Analyse s. Streit-
berg §220,11 A.l; Jacobsohn, KZ 45 (1913), 342ff.; Seebold 362; Bammesberger,
Fs. Risch (1986), 673 fT. (mit Lit.). Die entsprechende 2.P1. ôgeip (Mt. 10,26 u.ö.) ist
Optativform.
A n m . 3. Mit altem Ablaut ist daneben das negierte Part. Präs. un-agands 'furchtlos'
(l.Kor. 16,10) in Gebrauch. Vgl. Streitberg § 220,11 A.2; Jacobsohn, KZ 45 (1913),
345 A.l; Schulze, Kl. Sehr. 569.

Zwei Verben stehen außerhalb der Ablautreihen. § 203.


12. mag 'ich kann', ga-mag 'gilt' (nur Gal. 5,6 Β), 2. Pers. magi (§ 170 A.2),
Du. magu, maguts-u (Mk. 10,38), Plur. magum, magup, magun, Opt.

169
§203. Flexionslehre - V. Konjugation

magjau (Mt. 9,28); Prät. mahta, Opt. Prät. mahtêdi, mahtêdeina (2.Kor.
3,4), Part. Prät. mahts, Part. Präs. magands (Lk. 1,20).
13. äih'ichhabe'(Jh. 10,16u.ö.;s. Anm. 3 ) , P l u r . \ . a i g u m ( ) ± . 3,8; Jh. 8,41)
und äihum (Jh. 19,7; Gal. 2,4 AB), 2. âihup (nur Kol. 4,1), 3. aigun (Mt.
8,20; Lk. 9,58); Opt. Sing. 3. aigi, Plur. 2. aigeip, 3. aigeina; Prät. 3.Sg.
àihta, 3.P1. àihtêdun; Opt. 2.Sg. àihtêdeis; Part. Präs. aigands (5 Belege)
neben äihandans (2.Kor. 6,10), Inf. im K o m p o s . f a í r - á i h a n 'teilhaben'
(l.Kor. 10,21). - Dazu die Subst. äihts* f. (nur Akk.Pl. aihtins l.Kor.
13,3; 2.Kor. 12,14 AB) und aigin n. 'Eigentum' (mit ga-aiginôn* 'in
Beschlag nehmen').
A n m . 1. Bis zur 9. Aufl. dieses Buches wurde mag zu Klasse V gestellt, ebenso bei
Wrede/Heyne § 142, Krahe/Seebold § 100, Krause § 248; aber der Vokal des Plur.
paßt nicht. Auch ursprüngliche Zugehörigkeit zu Klasse VI (Osthoff, PBB 15 [1891],
211 ff.; Prokosch § 65,g) ist sehr zweifelhaft. Das Verb ist ein Beleg dafür, daß die
Präteritopräsentien nicht vollständig der Ablautregularisierung der starken Verben
unterworfen waren.
A n m . 2. Der Vokal des Sing. Ind. von äih paßt zur ersten Reihe; wegen des ai im
Plur. und Optativ dachte Braune an ursprüngliche Präsensform, vergleichbar den
redupl. Verben wie haitan. Andererseits ist das Schwanken zwischen g und h wichtig,
das in den meisten Formen stattfindet, aber doch so, daß im Sing. h vorherrscht, in
den anderen Formen dagegen g (vgl. §§ 50a, 66 A.l). - Zwar scheint der grammati-
sche Wechsel für ein Präteritum nach Klasse I mit frühem Vokalausgleich zwischen
Sing, äih und Plur. *igum zu sprechen; vgl. ZDP 43 (1911), 382f.; PBB 43 (1918),
350fF.; Krause § 248; Prokosch § 65b. Das Fehlen jeglicher Vokalabstufung, auch in
den Nominalbildungen, nötigt aber dazu, das Verb der αι-Reihe zuzuordnen (See-
bold 69 ff.).
A n m . 3. Die bei Streitberg § 222 für l.Kor. 7,13 angegebene Form faig existiert
nicht, dort steht vielmehr der Opt. aigi.

2. Das Verb 'sein'


§ 204. Das Verbum substantivum 'sein' bildet von der in allen idg. Sprachen vor-
handenen alten Wurzel *(h,)es- (vgl. Szemerényi 314f.) nur Ind. und Opt.
des Präsens; die Flexion ist athematisch. Für alle übrigen Formen tritt sup-
pletiv das starke Verb wisan (§ 176 A. 1 ) ein. Ein Part. Prät. kommt nicht vor
(vgl. § 167 A.9).

Präsens
Indikativ Optativ
Sing. 1. im sijau
2. is sijais
3. ist sijai
Dual 1. siju
2.
Plur. 1. sijum sijaima
2. sijup sijaip
3. sind sijaina

170
D. Besondere Verbalbildungen - 3. Das Verb 'wollen' § 205.

Infinitiv
wisan

Partizip
wisands

Präteritum

Indikativ
was, wast, was (usw.)

Optativ
wêsjau (usw.)

A n m . 1. Statt der Formen mit ij (Opt. und Du.PI. Ind. Präs.) finden sich auch
vereinzelt solche mit einfachem i (§ 10 A.5), z.B. Plur. Ind. 1. sium (12 Belege), 2. siup
(8 Belege; außerdem siud, s. Anm. la), Opt. siau (nur Lk. 9,41) usw. Die Formen sind
aber gegenüber den massenhaft vorkommenden vollen Formen verhältnismäßig sel-
ten, sie sind auf die Briefe beschränkt, außerdem nur im Luk.-Ev. (5,10 8,25 9,12.41
14,31), das auch sonst vielfach abweichende Formen bietet. Wo zwei Handschriften
vorhanden sind (z.B. 2.Kor. 2,17 3,2; Php. 4,5; Kol. 4,6), hat stets die eine die Form
mit j (vgl. Jacobsohn 184).

A n m . la. Die 2.Plur. Präs. erscheint einmal (Lk. 5,10) in der Form siud (vgl. § 74
A.1).

A n m . 2. Statt des Imperativs werden die Optativformen Sing, sijais, sijai, Plur. sijaip
gebraucht. Die einmal (2.Kor. 12,16 AB) dem griech. Ipv. έστω entsprechende Form
sai ist entweder fehlerhaft für sijai, siai, oder als Inteijektion sai 'siehe!' (§ 219) auf-
zufassen, vgl. PBB 8 (1882), 311; Friedrichsen, Epistles 64.

A n m . 3. Verschiedentlich wird auslautender Kurzvokal in engen Verbindungen mit


ist elidiert; je ein Beispiel: nist = ni ist 'ist nicht' (Mk. 6,4; § 10 A.3), patist = pata ist
'das ist' (Rom. 7,11), karist = kara ist 'es kümmert' (nur Jh. 10,13; § 4 A. 1).

A n m . 4. Zum ehemaligen Part. Präs. *sundj- 'seiend' s. § 215 A.l.

3. Das Verb 'wollen'


D a s Präsens des Verbs 'wollen' ist ein Optativ, der als Indikativ gebraucht § 205.
wird (wie nhd. möchte). Dieser Optativ ist athematisch gebildet, er hat also
die Endungen, die im Got. sonst im Optativ Präteritum auftreten; vgl. Flas-
dieck, Anglia 61 (1937), 1 ff. D a s schwach gebildete Präteritum flektiert wie
nasida*. Ein Part. Prät. wird nicht gebildet. Paradigma:

171
§ 205. Flexionslehre - V. Konjugation

Präsens
Sing. 1. wiljau
2. wileis
3. wili
Dual 1. - ( s . Anm. 1)
2. wileits (s. Anm. 2)
Plur. 1. wileima
2. wileip
3. wileina

Infinitiv
wiljan

Partizip
wiljands

Im Prät. sind folgende Formen belegt:


I n d . : Sg. 1.3. wilda(öfter),Pl. 1. wildêdum(1 .Ths. 2,18),2. wildêdup(Skeir.
6,1), 3. wildêdun (öfter). - O p t . , belegt: Sg. 3. wildêdi (Lk. 1,16), PI. 2.
wildêdeip (Mt. 11,14).
A n m . 1. Mk. 10,35 wird eine lange Reihe von Dualen durch die 1 .PI. wileima einge-
leitet; anscheinend ist die syntaktisch auffallige Pluralform zum Ersatz der kako-
phonen l.Du. *wileiwa eingetreten (Schulze, Kl. Sehr. 553f.; vgl. § 170 A.4,b).

A n m . 2. Nach der 2.Du. wileits (nur Mk. 10,36) kann die nicht überlieferte Endung
der 2.Du. Opt. Prät. der starken Verben als *-eits angesetzt werden (§ 170 A.4,b).

4. Verschiedene Besonderheiten
§206. P r ä s e n s m a r k i e r u n g e n . Bei den starken ablautenden Verben besteht
der Unterschied zwischen Präsensstamm und Präteritalstamm nur im
Wechsel des Vokals. Das konsonantische Gerippe des Wortes bleibt stets
dasselbe. Das war nicht immer so: im Urgerm., wie in anderen indogerm.
Sprachen, gab es Präsensbildungen, die durch Zusatz konsonantischer Ele-
mente gebildet wurden (vgl. Bammesberger, Verbalsystem 36 ff.). Davon
sind im Got. noch einige Reste vorhanden.
a) Präsensbildungen mit j. In den hierher gehörenden Wörtern, die im Prä-
sens ganz wie schwache Verben der Klasse I (nach nasjan, sôkjan, vgl.
§ 187 A.2) flektiert werden, ist das j nur Präsenssuffix; es fehlt dem Prät.
und Part. Prät. Die Verben sind schon oben genannt: bidjan (§ 176 A.5),
frapjan, hafian*, hlahjan*, ga-skapjan*, ga-skapjan*, wahsjan (§ 177 A.2).
Vgl. dazu § 209. - Zu arjan* s. § 179 A.5, zu intrusgjan s. § 174 A.3.
b) Präsensbildungen mit Nasal liegen in zwei Typen vor. Bei keinan* (§ 172
A.2) und fraihnan (§ 176 A.4) folgt der Nasal auf die Wurzel, bei standan
(§ 177 A.3) ist der Nasal infigiert.

172
D. Besondere Verbalbildungen - 4. Besonderheiten § 209.

Das Verb gaggan, das nach der Form seines Präsens und seines Part. Prät. § 207.
sowie nach dem Zeugnis der übrigen germ. Sprachen zu den reduplizieren-
den Verben gehört (§ 179 A.3), hat ein schwaches Prät. gaggida, das aber nur
einmal (Lk. 19,12) belegt ist (zur Erklärung s. Mottausch, HS 107 [1994],
124; 109 [1996], 76). Gewöhnlich wird das Prät. zu gaggan und Kompos.
vertreten durch das suppletive iddja 'ich ging', das wie ein schwaches Prät.
(§ 184) flektiert wird. Belegt sind davon z.B.: Ind. Sing. 1.3. iddja, Plur.
1. iddjêdum (2.Kor. 12,18), 2. iddjêdup (Eph. 2,2; Kol. 3,7), 3. iddjêdun (15
Belege), Opt. Plur. 3. at-iddjêdeina (Lk. 5,7). Der einzige Beleg des Part.
Prät. ist us-gaggana (Mk. 7,30).
A n m . 1. Got. iddja hat seinen nächsten Verwandten in gleichbedeutendem ae. ëode.
Etymologisch gehören beide zu der idg. Wurzel *(h,)ei- 'gehen' (Pokorny 293ff.);die
phonologische und morphologische Analyse bleibt Gegenstand der Diskussion.
Neuere Lit.: Cowgill, Lg 36 (1960), 483ff.; Lindeman, IF 72 (1967), 275ff.; Seebold
174ÍT.; G. Schmidt, Sprachw 9 (1984), 21 Iff.; Mottausch, HS 107 (1994), 123ff.;
Schumacher, Sprache 40,2 (1998), 179ff.

A n m . 2. Das „Krimgot." (§ E2) bietet den an das Westgerm, erinnernden Inf. geen.

briggan 'bringen' ist seinem Präs. nach ein starkes Verb III, s. § 174 A.2. §208.
Das Prät. wird aber schwach gebildet und lautet außerdem ab: brähta
(< *branhta nach § 5,b); zur Bildung vgl. § 209. Das Part. Prät. ist wohl als
*brähts anzusetzen, ae. brun^en (poetisch, Ae.Gr. §407 A.8) und ahd.
prungen (Ahd.Gr. § 336 A.4) können sekundär an den Normaltyp ange-
glichen sein (Seebold 136f.).
Einige Verben, deren Präsens nach der ersten schwachen Konjugation flek- § 209.
tiert wird (z.T. vielleicht zu § 206,a gehörend), bilden das Prät. und das Part.
Prät. zwar schwach, aber ohne das Ableitungssuffix i. Die Wurzel endet stets
auf g oder k (doch s. Anm. 2 und 4):
brükjan 'gebrauchen', Prät. brûhta (2.Kor. 1,17 AB);
bugjan* 'kaufen', Prät. baiihta (Lk. 14,18), baûhtêdun jah frabaùhtêdun
(Lk. 17,28), Part. Prät. fra-baúhts (Jh. 12,5; Rom. 7,14), us-bauhts*
(l.Kor. 7,23);
pagkjan 'denken', Pfàt. pâhta (Lk. 1,29 9,7; vgl. § 5,b),pâhtêdun (Lk. 20,5
u.ö.), Part. Prät. in anda-pâhts 'bedächtig';
pugkjan* 'dünken', Prät. pûhta (Lk. 19,11 u.ö.; vgl. § 15,b), pûhtêdun
(Gal. 2,9; Skeir. 6,1), Part. Prät. in hàuh-pûhts (l.Tim. 6,4 AB), mikil-
pûhts* (Lk. 1,51) 'hochmütig';
waúrkjan 'bewirken', Prät. waúrhta (Mk. 6,21 u.ö.), waúrhtédun (Rom.
7,5). Das Part. Prät. ist nur in Komposita belegt: handu-waúrhts* (Mk.
14,58; Eph. 2,11 AB), un-handu-waúrhís* (Mk. 14,58; 2.Kor. 5,1 AB);
ferner in fra-waürhts (häufig) 'sündig', us-waúrhts* (Mt. 9,13 u.ö.) 'ge-
recht' (s. Anm. 3).

173
§209. Flexionslehre - V. Konjugation

Hierher gehört auch das Prät. (und vielleicht das Part. Prät.) von briggan,
s. § 208.
A n m . 1. Diese Preterita haben nicht etwa einen Bindevokal verloren, sondern sind
alte bindevokallose Bildungen, deren Ursprung in vorgotische Zeit zurückreicht.
Darauf geht auch das hier regelmäßig auftretende ht zurück; vgl. § 81.
A n m . 2. Hierher gehört teilweise auch kaupatjan 'ohrfeigen': das Prät. kaupastêdi
(2.Kor. 12,7 AB) wird ohne i, das Part. Prät. kaupatidai (l.Kor. 4,11 A) aber mit i
gebildet (§ 187 A.l).
A n m . 3. ga-waúrhtai (Eph. 3,18 AB) 'eingewurzelt' gehört semantisch zu waúrts
'Wurzel', ist aber formal an ga-waürkjan angelehnt (§ 62 A.4).
A n m . 4. Ebensolche bindevokallosen Präterita liegen bei den Präteritopräsentien
vor, s. § 197ff.; auch dort begegnen die charakteristischen Lautgruppen ht und ss.
A n m . S. Eine Aufzählung aller alten bindevokallosen Präterita des Germ, findet
sich bei Sverdrup, NTS 2 (1929), 81 ff. Vgl. F. Krüer, Der Bindevokal und seine Fuge
im schwachen deutschen Praeteritum bis 1150, Berlin 1914; Prokosch, The Old
English weak preterits without medial vowel, PMLA 42 (1927), 331 ff.

174
KAPITEL V I .

Unflektierbare Wörter
(Mossé Β. 291 f.; S . 337; S s . 327f. - A. Bezzenberger, Untersuchungen über die
3

gotischen Adverbien und Partikeln, Halle 1873.)

Das Got. kennt, ebenso wie das Germ, und Idg., verschiedene Typen un- § 209a.
flektierbarer Wörter. Unsere Darstellung gliedert sich wie folgt: A. Adjek-
tivadverbien (§§ 210-212); - B. Sonstige Adverbien (§§ 213-215); - C. Ad-
verbiale Partikeln (§ 216); - D. Präpositionen und Präfixe (§§ 217-217a); -
E. Konjunktionen (§ 218); - F. Inteijektionen (§ 219).

A. Adjektivadverbien
Das häufigste Verfahren zur Bildung von Adjektivadverbien ist durch das § 210.
typisch got. Suffix -ba gekennzeichnet, das an den stammauslautenden Vo-
kal des Adjektivs angefügt wird (Meid § 116; zu Gebrauch und Ursprung s.
Heidermanns, HS 109 [1996], 257ff.).
Also von α-Stämmen (§ 123 f.) z.B. bairhtaba 'glänzend', ubilaba 'böse',
von ^a-Stämmen (§ 125fT.) gabaúrjaba 'gern' (s. Anm. 2 und 3). Auch die
ursprünglichen i- und κ-Stämme (§§ 129-131) zeigen hier noch ihre Stamm-
elemente -/-, -u-, z.B. analaugniba 'verborgen' (Jh. 7,10), un-anasiuniba
'unsichtbar' (Skeir. 8,1), amiba 'sicher' (Mk. 14,44), gatêmiba 'geziemend'
(Skeir. 2,4); harduba 'hart' (Mt. 8,6; 2.Kor. 13,10), manwuba 'bereit' (2.Kor.
10,6).
Aus der Distribution geht klar hervor, daß der Ausgang -ba gegenüber
dem älteren -ô (§211) den jüngeren, produktiven Typ darstellt (Heider-
manns, HS 109 [1996], 265).
A n m . 1. In hardaba 2.Kor. 13,10 A findet sich a statt u (aber harduba B), in
glaggwuba Lk. 1,3 umgekehrt u statt a (glaggwaba Lk. 15,8; s. § 131 A.2). - Vgl.
brôpralubôn (Rom. 12,10 A; doch brôprulubôn 1 .Ths. 4,9 B), § 88a A.2.
A n m . 2. sunjaba 'in Wahrheit' verweist nicht auf ein Adjektiv ^sunjis (§ 126 A.3),
sondern auf das Substantiv sunja 'Wahrheit' (§ 97a), vgl. Frisk, GHÂ 41, 30 (1935),
4 ff.
A n m . 3. Sofern andaugiba 'freimütig, offen' von demya-stämmigen Subst. and-augi
'Antlitz' abgeleitet ist (§211), geht daraus hervor, daß der Stammauslaut -ja- nach
langer Silbe zu -i- reduziert wird (vgl. § 130 A.4). Dieselbe Verteilung gilt für den
Fugenvokal in der Nominalkomposition (§ 88a).

Adjektivadverbien werden aber auch sehr oft gebildet durch das Suffix -ô § 211.
(idg. Ablativendung *-öd); dieser Ausgang ist gegenüber -ba der ältere,
relikthafte Typ, s. § 210.

175
§211. Flexionslehre - VI. Unflektierbare Wörter

Nur bei α-Stämmen ist -ô noch auf innergot. bezeugte Adjektive bezogen;
z.B. andwairpô 'gegenwärtig' (and-wairps), ûhteigô 'zur rechten Zeit'
(uhteigs*), glaggwô 'genau' (neben glaggwaba und glaggwuba, s. § 131 A.2).
Mehrfach ist ein entsprechendes Adj. nicht (mehr) vorhanden: missô
'wechselseitig' (Heidermanns, EWGP 413), sprautô 'schnell' (ebd. 536),
sniumundô 'eilig'. - Ausgehend von Bildungen wie galeikô 'ähnlich' (zu ga-
leiks, § 124,e) hat sich früh ein komplexes Suffix -leikô etabliert (vgl. engl.
-ly), das dann auch direkt an Subst. tritt, z.B. wairaleikô taujaip 'handelt wie
ein Mann' l.Kor. 16,13 (im Gegensatz zu guma-kunds* 'männlich'; s. Hei-
dermanns, HS 109 [1996], 259).
In den übrigen Adjektivklassen lassen sich keine lebendigen ô-Adverbien
nachweisen. Die belegten Adverbien auf -jô gehen meistens von Substanti-
ven aus (vgl. Anm. la): andaugjô 'freimütig, offen' (zu and-augi 'Antlitz',
daneben andaugiba nach §210 A.3), gahâhjô 'zusammenhängend' (nach
Wilmanns II, 421 f. zu dem Subst. *hâh in faùr(a)-hâh 'Vorhang'), piubjô
'heimlich' (zu piubs 'Dieb' oder piubi* 'Diebstahl'). allandjô 'vollständig,
ganz und gar' l.Ths. 5,23 AB (zu andéis 'Ende') ist dem gr. όλοτελής nach-
gebildet; arwjô 'umsonst, vergebens' ist vielleicht aus einem ja-Verb rück-
gebildet (Heidermanns, HS 109 [1996], 263). - Das einzige Adv. auf -wô ist
glaggwô 'genau' (nur l.Ths. 5,2); da Adjektivadverbien auf -ô sonst nur bei
α-Adjektiven vorkommen, muß dieses ebenso beurteilt werden (s. § 131
A.2).
Die Beschränkung auf α-Stämme entspricht dem Vorkommen der Kom-
parative auf-dz- (§ 135).
A n m . 1. Die gleiche Adverbialendung auch in auftô 'etwa', sundrä 'besonders', ufará
'darüber', undarô 'unter' (nur Präp.), aftarô 'hinten, von hinten'.

A n m . la. Die zu Substantiven gehörigen Adverbien auf -(j)ô scheinen in eine Zeit
zurückzureichen, in welcher der Ablativ noch als Kasus verfügbar war. Zu andaugjô
vgl. Seebold, Sprache 15 (1969), 25.

A n m . 2. In swarê 'vergebens, umsonst' erscheint eine Endung -é (unklarer Her-


kunft), die sonst noch bei Adverbien des Ortes (§213) und derZeit (simlé § 214 A.l)
auftritt, ferner in den Konjunktionen swê, unté, pandé (§ 218,i,k). Vgl. § 7,g; Grien-
berger 123; Feist 464.

Anm. 3. Zu gôps 'gut' gehört das suppletive Adv. waila (§§ 20 A.5, 138).
§ 212. Bei Mengenadjektiven dient die endungslose Form des Akk.Sg.Ntr. als Ad-
verb: leitil 'wenig' (s. Anm. 1), manag 'viel', managfalp 'vielfaltig', fidurfalp
'vierfaltig' (§ 148). Z u f i l u 'viel' s. § 131 A.3.
Hierher gehören ferner die zu Steigerungsformen gebildeten Adverbien.
Das Adverb des Komparativs geht direkt, d.h. ohne die im Adj. vorliegende
schwache Flexion (§ 135 f.), auf das Komparativsuffix -is (< *-iz) aus, z.B.
häuhis 'höher', äiris 'früher' (s. Anm. 2), haldis 'mehr',/ra/nw 'weiter', mais
'mehr', nêhis 'näher'. Mit dem Komparativsuffix -äs erscheinen aljaleikôs

176
Β. Sonstige Adverbien §213.

'anders' und sniumundôs 'eiliger'. Als Adverbien des Superlativs k o m m e n


vor die Neutralformen aftumist 'am letzten', frumist 'zuerst' (§ 149 A . l ) ,
maist 'aufs meiste'.
A n m . 1. Die pronominale Endung -ata (§ 122 mit Anm. 2) wird nicht adverbial
verwendet. Deshalb darf das Adv. letta 'ein wenig' Mk. 1,19 nicht zu fleitilata emen-
diert werden (Heidermanns, EWGP 372).
A n m . 2. Zum Kompar.-Adv. vgl. lat. magis 'mehr'. Die Erhaltung des -is ist nicht
überall lautgesetzlich; z.T. liegen Neubildungen vor. Die lautgesetzliche Form neben
áiris wohl in äir Mk. 1,35 (air uhtwon πρωϊ εννυχον λίαν), vgl. Neckel, KZ 50 (1922),
218; Krause § 194. - Ohne das i'des Suffixes: mins (§ 78 A.l) 'weniger', wairs 'schlim-
mer', pana-seips 'weiter, mehr'.

B. Sonstige Adverbien

Adverbien des O r t e s werden auf die Frage ' w o h i n ? ' gebildet entweder § 213.
ohne Suffix oder mit den Suffixen-/» (-d) und -drê, auf die Frage ' w o ? ' m i t
den Suffixen -r und -a, auf die Frage ' w o h e r ? ' mit den Suffixen -prò und
-ana. Von Pronominalstämmen sind auf diese Weise folgende Korrelativa
gebildet:

hap, hadrê 'wohin?' bar 'wo?' haprô 'woher?'


*pap nur im rei. Adv. padei par 'dort' paprô 'daher'
'wohin' (s. Anm. 1)
jaind, joindre 'dorthin' jainar 'dort' jainprô 'dorther'
h idre 'hierher' her 'hier' paprô 'von hier'
(s. Anm. 1)
aljap 'anderswohin' aljar 'anderswo' aljaprô 'anderswoher
dalap 'abwärts' dalapa 'unten' dalaprô 'von unten'
iup 'aufwärts' (s. Anm. 1) iupa 'oben' iupaprô, 'von oben'
inn 'hinein' inna 'innen' innaprô, innana
'von innen'
ût 'hinaus' ûta 'außen' ûtaprô, ûtana
'von außen'
nèh 'in die Nähe' nêha 'in der Nähe' -

- faina 'fern' fairraprô 'von ferne'


- - allaprô 'von allen
Seiten'
- afta 'hinten' aftarô, aftana
'von hinten'
- - hindana 'von hinten,
von jenseits'
samap '(zu einem Ort hin >) - -

zusammen'

A n m . 1. Zupaprô 'daher'und 'von hier'vgl. Schulze, Kl. Sehr. 570f.; zu iup s. MLN
49, 39 ff.

177
§214. Flexionslehre - VI. Unflektierbare Wörter

§ 214. Adverbien der Z e i t werden meist durch Kasus von Substantiven gebildet.
Beispiele: Gen .framwigis 'fortwährend', gistradagis 'morgen'; Dat. daga jah
daga 'Tag für Tag, täglich' 2.Kor. 4,16, himma daga 'heute' (§ 155), du
maürgina 'morgen'; Akk. ni aiw 'niemals' (zu aiws* 'Zeit').

A n m . 1. Einfache Zeitadverbien sind folgende: nu 'jetzt', ju 'schon', dir 'früh' (§ 212


A.2), simlê 'einst', suns 'bald', naüh 'noch', ufta 'oft', anaks 'plötzlich', aftra 'wieder-
um'; von Pronominalstämmen: pan 'damals', tvan 'wann?, irgendwann', suman
'einst'.

§ 215. Oblique Kasus (meist der Gen.) dienen auch zur Bildung von Adverbien mit
anderer Funktion. Von Subst.: z.B. tandis 'über Land', sunja und bi sunjai
'wahrhaftig'; von Adj. und Pron.: allis 'überhaupt', raihtis 'denn' (§218
A.l), andwairpis 'gegenüber' (nur Präp.).
A n m . 1. Bei bisunjanê, weithin als Adv. 'ringsum' interpretiert (z.B. Bethge 601;
Grienberger 49f.; auch in der 19. Aufl. dieses Buches), handelt es sich nach Seebold
(Sprache 15 [1969], 14ff.) um einen Gen.Pl. 'der Herumwohnenden' zum alten Part.
Präs. *sundj- 'seiend' (§ 204 A.4).

C. Adverbiale Partikeln

§ 216. F r a g e und A n t w o r t (Verneinung) werden meist von adverbialen Parti-


keln begleitet. Bei der Frage finden sich -u (niu 'nicht?' § 18 A.2); an, nuh
'denn?', ibai 'ob', jau (Ja-u § 25 A.5) 'ob', pau 'etwa'. - Affirmativpartikeln
sind ja, jai 'ja, wahrlich!'; Negativpartikel ist nê 'nein!'. Diese stehen aber
selten als alleinige Antwort, gewöhnlich wird das Verb der Frage wiederholt.
Negation im Satz ist ni 'nicht'.
A n m . 1. Die Fragepartikel -u tritt enklitisch an das erste Wort des Satzes, z.B.
skuld-u ist kaisaragild giban? (Mk. 12,14). Bei verbalen Zusammensetzungen mit
Präfix tritt u unmittelbar an dieses, z.B. ga-u-laubjatspatei magjau pata taujan? (Mt.
9,28). Vgl. §§ 15 A.l, 25 A.5. - Lit.: Jones, Word 14 (1958), 213ff.; Scherer, Word 24
(1968), 418ff.

D. Präpositionen und Präfixe

§ 217. Als Präpositionen werden folgende Wörter gebraucht:


a) mit dem D a t i v : af 'von', alja 'außer' (nur Mk. 12,32, sonst Konjunk-
tion; vgl. Sturtevant, GR 6 [1931], 67f.), du 'za', fair ra 'fern von', faura
'vor', fram 'von', mip 'mit', nêfva 'nahe bei', undarô 'unter', us 'aus';
andwairpis 'gegenüber' (nur Mt. 27,61);
b) mit dem A k k u s a t i v : and ' l ä n g s \ f a u r 'vor, für', inuh, inu (§62 A.4)
'ohne', pairh 'durch', undar 'unter', wipra 'gegen';

178
D. Präpositionen und Präfixe § 217a.

c) mit D a t i v und A k k u s a t i v : afar 'nach', ana 'an, a u f , at 'bei, zu', mit


Akk. 'auf (zeitlich), bi 'bei, um, an' (§ 147), hindar 'hinter', u/'unter', ufar
'über', und mit Dat. 'um, für', mit Akk. 'bis zu';
d) mit G e n i t i v und D a t i v : ufará 'über';
e) mit G e n i t i v , D a t i v und A k k u s a t i v : in mit Gen. 'wegen', mit Dat.
Akk. 'nach, a u f .

A n m . 1. Mit dem Gen. werden in präpositioneller Weise verbunden die Adverbien


ûtaprô, ûtana, hindana, innana (§ 213).

A n m . 2. Zum Gebrauch der Präp. im Got. und Griech. s. Klein, TPS 90 (1992), 1 ff.
Zu den temporalen Präp. s. M. Krause, Fs. Marcq (1994), 18ff.; zu den lokalen Präp.
s. dies., Sprachw 20 (1995), 1 ff.

Von diesen Präpositionen erscheinen in verbaler und nominaler Zusam- § 217a.


mensetzung folgende als Präfixe (für Lit. s. A n m . 3): af, afar, ana, and
(nominal auch anda), at (nominal selten), bi,faúr,faúra, hindar (selten), in,
inn, mip, uf, ufar, us, wipra (selten). - N u r verbale Zusammensetzungen
bilden: du (selten), patrh, und-, nur nominale: fram, inna, undar.
Weitere Präfixe kommen nur in der Wortbildung vor: dis- (selten nomi-
nal), fair- (nominal nur fair-weitl), fra-, ga-, id- (selten) und twis- (nur
twis-standan* und twis-stass*, § 149 A.2). N u r verbal sind in je einem Fall
belegt die Präfixe tuz- (tuz-wêrjan*) und unpa- (unpa-pliuhan*), nur nominal
das häufige Negativpräfix un-.

A n m . 1. In der Nominalkomposition (vgl. § 88a) liegt der Hauptton auf dem Präfix
(hier durch Fettdruck markiert), z.B. anda-nêms 'angenehm', in-kilpô 'schwanger',
us-haista 'dürftig'. Auch die mit ga- gebildeten Nomina müssen ursprünglich dieser
Regel gefolgt sein (Kluge, KZ 26 [1883], 68ff.); es liegt nahe, aus Ableitungen wie
gagaleikon* 'sich verwandeln', gagawairpnan 'sich versöhnen' auf Anfangsbetonung
der Grundwörter zu schließen: galeiks, *gawairps (§ 194 A.l). Es ist jedoch nicht
festzustellen, inwieweit sich schon zur Zeit des Wulfila die in den übrigen altgerm.
Sprachen durchgeführte Proklise des Nominalpräfixes ga- geltend machte. - Lit.:
Streitberg §§ 36,2, 231; Michels, Fs. Sievers (1925), 63ff; Bennett, Fs. Sehrt (1968),
53ff.; ders., PMLA 85 (1970), 463ff; ders., in: Coetsem/Kufner (1972), 99ff.

A n m . 2. Die Verbalzusammensetzungen haben in den übrigen germ. Sprachen den


Ton auf der Verbalwurzel, das Präfix steht in Proklise. Die got. Verbalpräfixe sind
noch selbständiger und nicht so fest mit dem Verb verwachsen. Das zeigt sich in
Schreibungen wie atïst (§ 1 A.6), möglicherweise in Worttrennungen wie ga\swalt (§ 1
A.9), vor allem aber zeigt dies die Trennung des Präfixes durch Enklitika, wie uz-
uh-höf 'und erhob' Jh. 11,41 (zu us-hafjan), us-nu-gibip 'gebt nun' Lk. 20,25 (zu us-
gibari), ga-u-laubjats (§ 216 A. 1 ; zu ga-laubjan), ga-u-tva-sêhi 'ob er etwas sähe?' Mk.
8,23 (zu ga-saihan). Doch ist daraus nicht zu schließen, daß das Präfix den Hauptton
getragen habe: es konnte sehr wohl proklitisch sein, wenn es unmittelbar vor dem
Verb stand (z.B. ushajjan); wenn dagegen ein enklitisches Wort sich daran anlehnte,
so mußte es einen Wortakzent haben, der aber nicht stärker zu sein brauchte als der
des Verbs (Nebenakzent im Satz); also ùzuh-hôf. Das Präfix stand also nicht anders -
auch in seiner Trennbarkeit vom Hauptwort - als die proklitische Präposition: z.B. MÍ
himina, aber ùzuh himina (Mk. 11,30), wie nhd. am Hause, aber àn dem Hause. - Vgl.
hierzu Grdr. I, 388ff.; Streitberg § 231; Wrede/Heyne § 83ff.; ADA 32 (1908), 6f.;

179
§ 217a. Flexionslehre - VI. Unflektierbare Wörter

Meillet, MSL 15 (1908), 95ff.; Streitberg, IF 24 (1909), 174f.; Kock, IF 30 (1912),


248; Michels, Fs. Sievers (1925), 63 ff.

A n m . 3. Allgemeine Lit.: A. L. Rice, Gothic Prepositional Compounds in their


Relation to their Greek Originals, Philadelphia 1932; T. Johannisson, Verbal och
postverbal partikel-komposition i de germanska sprâken, Lund 1939; F. G. Ryder,
Verb-Adverb Compounds in Gothic and Old High German, Diss. Ann Arbor (Univ.
of Michigan) 1949; West, The semantics of preverbs in Gothic, IF 87 (1982), 138ff.;
M. Krause, Sémantique et syntaxe des préverbes en gotique, I—II, Diss. Paris (Sor-
bonne) 1987. - Lit. zu einzelnen Präfixen:
- af-: W. Huth, Die mit der gotischen Präposition af zusammengesetzten Adverbia
und Präpositionen, Diss. Leipzig, Halle 1903; Campanile, SSL 10 (1970), 185ff.;
- ana-: Sturtevant, AJP 57 (1936), 276fT.;
- and-: E. Seip, Die gotischen Verba mit dem Präfix and-, Gießen 1923; K. Maisen-
helder, Die altenglische Partikel and, Diss. Heidelberg 1935;
- bi-: J. Lenze, Das Praefix bi- in der altenglischen Nominal- und Verbalkomposi-
tion, Diss. Kiel 1909;
- dis-: Loewe, KZ 40 (1907), 547ff.; F. W. Rolffs, Gotisch dis- und du-, Breslau
1908; Delbrück, IF 21 (1908), 356;
- du-: Rolffs (s. dis-); Sturtevant, AJP 57 (1936), 276f.;
- fair-, faúr-, fra-: M. Leopold, Die Vorsilbe ver- und ihre Geschichte, Breslau 1907;
- ga- (Auswahl): C. Dorfeid, Ueber die Function des Präfixes ge- (got. ga-) in der
Composition mit Verben, Teill, Diss. Gießen, Halle 1885; Streitberg, PBB 15
(1891), 70ff.; ders., IF 21 (1907), 193ff.; M. Makovskij, Funkcii znacenija gla-
gol'nogo prefiksa ga ν gotskom jazyke, Moskva 1955; I. Pudic, Prefiks ga- u got-
skom jeziku, Sarajevo 1956; Marache, ZDA 90 (1960), Iff.; Scherer, Word 20
(1964), 222ff.; Bennett, Fs. Sehrt (1968), 53ff.; Pollak, PBB-T 93 (1971), 1 ff.;
96(1974), 12ff.; Giacalone Ramat, Fs. Palmer (1976), 65ff.; Josephson, IF 81
(1976), 152 ff.; Szemerényi, Glotta 65 (1987), 1 ff.;
- id-: Tiefenbach, Sprachw 11 (1986), 180ff.;
- in-: Sturtevant, AJP 57 (1936), 279f.; Johannisson, MASO 5 (1943), 13ff.;
- ufar-: M. Rohling, Das Präfix ofer- in der altenglischen Verbal- und Nominal-
Komposition, Diss. Kiel, Heidelberg 1914;
- un-: E. Roseli, Prefixet o- i nordiska sprák, Bd. I, Uppsala 1942;
- unpa-: Sturtevant, GR 27 (1952), 53fT.;
- us-: W. Lehmann, Das Präfix uz- besonders im Altenglischen, Kiel 1906; A. Wolf,
Das Präfix uz- im gotischen und im deutschen Verbum, Breslau 1915; H. Gruber,
Das adverbale uz-Präfix im Gotischen und Althochdeutschen, Jena 1930; Bam-
mesberger, PBB 101 (1979), 30ff.; ders., Fs. Windekens (1991), 35ff;
- wipra-: C. Hohenstein, Das altenglische Präfix wid(er)- im Verlauf der englischen
Sprachgeschichte, Diss. Kiel 1912.

E. Konjunktionen

§ 218. Das Got. kennt folgende Konjunktionen:


a) k o p u l a t i v e : jah 'und, auch', uh 'und' (vgl. § 24 A.2), nih 'undnicht';
b) d i s j u n k t i v e : aippau 'oder', andizuh - aippau 'entweder - oder', jappé -
jappé 'sei es daß - oder', pau (páuh) 'oder';

180
F. Interjektionen §219.

c) a d v e r s a t i v e : ip,pau, appan, akei 'aber', ak 'sondern';


d) k a u s a l e : allis, auk, unté, raíhtis 'denn, weil';
e) k o n k l u s i v e : panuh, paruh (s. Klein, IF 99 [1994], 253ff.), eipan, nu,
nuh,pannu, nunu 'nun, daher, also';
f) k o n d i t i o n a l e : jabai 'wenn', niba, nibai 'wenn nicht' (§ 10 A.3);
g) k o n z e s s i v e : p á u h j a b a i 'wenn auch', swêpâuh 'zwar, doch';
h) iinn\t :ei,patei,pèei,pei 'daß', ei, swaei, swaswê 'so daß', ibai(iba) 'daß
nicht';
i) k o m p a r a t i v e : faaiwa 'wie?', swê 'wie', swaswê 'so me',pau (päuh) 'als';
k) t e m p o r a l e : swê 'als, da', pan, pandé 'wenn, so lange wie', bipê,
mippanei 'während', sunsei 'sobald', faúrpizei 'bevor', unté, und patei,
pandé 'bis, bis daß, so lange als'.
A η m. 1. Manche dieser Konjunktionen werden auch als Adverbien gebraucht. Zum
Teil lassen sie noch in der Form ihren adverbialen Ursprung erkennen, z.B. allis,
raíhtis, faúrpizei (faúrpis Adv. 'zuvor'); vgl. § 215.
A n m . 2. Einmal ist eine enklitische Konditionalpartikel -ba belegt (Grienberger 41;
Heidermanns, HS 109 [1996], 273): ga-ba-daupnip 'wenn er stirbt' Jh. 11,25 (zu ga-
daupnan, vgl. § 217a A.2).

F. Interjektionen

Im Got. sind folgende Interjektionen belegt: ô 'o! ei!', sai 'siehe!' (Anm. 1), § 219.
wai 'wehe!', wainei 'o daß doch, wenn doch' (< *wai nei 'wehe, daß nicht',
s. Luft, K Z 36 [1900], 143f.). Außerdem ist auf drei nach dem Numerus
unterschiedene Formen hinzuweisen, die inteijektionell in der Bedeutung
'her! hierher!' gebraucht werden: Sing, hiri, Du. hirjats, Plur. hirjip (vgl. §§ 20
A.l, 187 A.4; Krause § 6l,e).
A n m . 1. sai (ahd. sé) 'siehe!' ist kaum mit Krause § 60,c direkt zu saüvan 'sehen' zu
stellen, sondern besteht aus dem Pronomen sa (§ 153) und deiktischem i. Anschei-
nend ist es aber volksetymologisch mit saihan in Berührung getreten: es übersetzt in
den meisten Fällen gr. ΐδε, Ιδού. Vgl. PBB 8 (1882), 311; Grienberger 177ff.; Brug-
mann, Demonstrativpronomina (Abh. d. Sächs. Ges. 1904), 28,62; Endzelin, KZ 52
(1924), 117f.; Feist 403; Derolez/Simon-Vandenbergen, Fs. Polomé (1988), 97ff.

181
LESESTÜCKE
Α. Aus dem Evangelium des Matthäus
(Codex argenteus)

Kap. V. V.
17 Ni hugjaij) ei qemjau gatairan 17 Μή νομίσητε δτι ήλθον κατα-
witojj a i ^ a u praufetuns; ni qam ga- λΰσαι τον νόμον ή τους προφήτας -
tairan, ak usfulljan. ουκ ήλθον καταλΰσαι άλλα
πληρώσαι.
18 amen auk qijja izwis: und Jjatei 18 άμήν γάρ λέγω ύμΐν - εως αν
usleij)i|) himins jah airjja, jota ains παρέλθη ό ούρανός και ή γη, Ιώτα
ai^Jjau ains striks ni usleiJjiJ} af εν ή μία κεραία ού μή παρέλθη άπό
witoda, unte aliata wair^ij). του νόμου, εως αν πάντα γένηται.
19 φ saei nu gatairij) aina anabusne 19 δς έάν οΰν λύση μίαν των έν-
t>izo minnistono, jah laisjai swa τολών τούτων των έλαχίστων και
mans, minnista haitada in {)iudan- διδάξη ούτως τους άνθρώπους,
gardjai himine; φ saei taujijj jah έλάχιστος κληθήσεται εν τη βασι-
laisjai swa, sah mikils haitada in λεία των ουρανών - δς δ' αν ποιήση
{jiudangardjai himine. και διδάξη, ούτος μέγας κληθήσε-
ται έν τη βασιλεία των ουρανών.

20 Qi|)a auk izwis Jjatei nibai mana- 20 Λέγω γαρ ύμΐν δτι εάν μή περισ-
gizo wairJjiJj izwaraizos garaih- σεύση υμών ή δικαιοσύνη πλεΐον
teins {jau J>ize bokaije jah Farei- τών γραμματέων καί Φαρισαίων,
saie, ni {)au qimij) in f)iudangardjai ού μή είσέλθητε εις τήν βασιλείαν
himine. τών ούρανών.
21 hausidedujj {jatei qi^an ist jDaim 21 ήκούσατε δτι έρρέθη τοις
airizam: ni maurjjijais; φ saei maur- άρχαίοις· ού φονεύσεις· δς δ' αν
JjreiJj, skula wair^ij) stauai. φονεύση, ένοχος εσται τη κρίσει.
22 aJ){jan ik qij)a izwis Jjatei lvazuh 22 εγώ δέ λέγω ύμΐν δτι πας δ δρ-
modags bro^r seinamma sware, γιζόμενος τω άδελφώ αύτοΰ εΙκή,
skula wair^if) stauai: ij> saei qiJ)i{j ένοχος εσται τη κρίσει- δς δ' αν
brojjr seinamma raka, skula wair- εϊπη τφ άδελφώ αύτού φακά,
1>φ gaqumjjai; aJjJ^an saei ς φ φ ένοχος εσται τω συνεδρίψ - δς δ' αν
dwala, skula wair^ij) in gaiainnan εϊπη μωρέ, ένοχος εσται είς τήν
funins. γέενναν τού πυρός.
23 jabai nu bairais aibr1 J>ein du 23 εάν ούν προσφέρης το δώρόν
hunslastada, jah jainar gamuneis σου επί το θυσιαστήριον κάκέί
{jatei bromar freins habai}) Iva bi μνησθής δτι δ άδελφός σου εχει τι
l>uk, κατά σού,
1
sic Hs.t fast allgemein nach J. Grimm zu *tibr geändert; s. Feist 19, doch
Streitberg zur Stelle; JEGP 62, 718 ff.

185
Lesestücke

24 aflet jainar J)o giba J>eina in and- 24 αφες έκεΐ τό δώρόν σου Εμπροσ-
wair{>ja hunslastadis, jah gagg faur- θεν τοΰ θυσιαστηρίου και υπάγε
{>is gasibjon bro{>r {jeinamma, jah πρώτον διαλλάγηθι τω άδελφώ
bijie atgaggands atbair JDO giba σου, και τότε έλθών πρόσφερε τό
{jeina. δώρόν σου.
25 sijais waila hugjands andastauin 25 ϊσθι εύνοών τω άντιδίκω σου
J>einamma sprauto, und {jatei is in ταχύ, εως ότου ει εν τη όδώ μετ'
wiga η ι φ imma, ibai Ivan atgibai αύτοΰ- μήποτέ σε παραδώ ό αντί-
{rak sa andastaua stauin, jah sa δικος τω κριτή, και ό κριτής σε
staua t)uk atgibai andbahta, jah in παραδώ τω υπηρέτη, και εις φυλα-
karkara galagjaza. κήν βληθήση.
26 amen qif>a {>us: ni usgaggis jam- 26 άμήν λέγω σοι, ού μη έξέλθης
uro, unte usgibis fiana minnistan εκείθεν, εως αν άποδφς τον εσχα-
kintu. τον κοδράντην.

27 HausideduJj Jjatei qijsan ist: ni 27 Ήκούσατε δτι έρρέθη· ού μοι-


horinos. χεύσεις.
28 ajilan ik qijja izwis, {jatei tuazuh 28 εγώ δέ λέγω ύμιν οτι πάς ό
saei sailvijj qinon du luston izos, ju βλέπων γυναίκα προς τό έπι-
gahorinoda izai in hairtin seinam- θυμήσαι αύτήν, ήδη έμοίχευσεν
ma. αύτήν έν τή καρδία αύτοΰ.
29 φ jabai augo {»ein {jata taihswo 29 εί δέ ό οφθαλμός σου ό δεξιός
marzjai {)uk, usstagg1 ita jah wairp σκανδαλίζει σε, εξελε αύτόν και
af {JUS; batizo ist auk {JUS ei fraqist- βάλε άπό σου - συμφέρει γάρ σοι
nai ains li{>iwe {»einaize, jah ni aliata ίνα άπόληται εν τών μελών σου και
leik ¡Dein gadriusai in gaiainnan. μή δλον τό σώμά σου βληθή είς
γέενναν.
30 jah jabai taihswo Jjeina handus 30 και εί ή δεξιά σου χειρ σκανδα-
marzjai {juk, afmait {>o jah wairp af λίζει σε, εκκοψον αύτήν και βάλε
{JUS; batizo ist auk {>us ei fraqistnai άπό σοΰ· συμφέρει γάρ σοι ίνα
ains lijjiwe {seinaize, jah ni aliata leik άπόληται εν τών μελών σου και
{rein gadriusai in gaiainnan. μή δλον τό σώμά σου βληθή εις
γέενναν.
31 qi{)anuh {>an ist {»atei lvazuh2 saei 31 έρρέθη δέ οτι δς αν άπολύση
afletai qen, gibai izai afstassais τήν γυναίκα αύτοΰ, δότω αυτή
bokos. άποστάσιον. 3

1
sic Hs., Wrede!Heyne, Streitberg; vgl. § 179 A.l.
2
Iva I lvazuh Hs.
3
άποστάσιον] Die Vorlage des W. hatte βιβλίον άποστασίου, vgl. ZDP 30,179;
Streitberg z. St.

186
Α. Aus dem Evangelium des Matthäus - Kap. V

32 φ ik qijja izwis {>atei hjazuh saei 32 εγώ δέ λέγω ύμιν ότι ος αν άπο-
afletif» qen seina, inuh fairina kalki- λύσΐ)1 την γυναίκα αύτοΰ, παρεκ-
nassaus, taujij) J)o horinon; jah sa τός λόγου πορνείας, ποιεί αύτήν
ize afsatida liugaij), horino{>. μοιχάσθαι, καί δς εάν άπολελυ-
μένην γαμήση μοιχάται.

33 Aftra hausideduj) Jjatei qijjan ist 33 Πάλιν ήκούσατε δτι έρρέθη τοις
f>aim airizam: ni ufarswarais, φ us- άρχαίοις· ουκ έπιορκήσεις, άπο-
gibais îratijin aijmns Jjeinans. δώσεις δέ τω κυρίω τους δρκους
σου.
34 ajilan ik qijDa izwis ni swaran 34 έγώ δέ λέγω ύμιν μή όμόσαι
allis, ni bi himina, unte stols ist gj)s; δλως, μήτε εν τω ούρανω, δτι
θρόνος έστιν του θεού,
35 nih bi airj>ai, unte fotubaurd ist 35 μήτε εν τή γή, δτι ύποπόδιόν
fotiwe is, nih bi Iairusaulwmai, unte έστιν των ποδών αύτοΰ, μήτε είς
baurgs ist f>is mikilins {ñudanis; Ιεροσόλυμα, δτι πόλις έστιν του
μεγάλου βασιλέως.
36 nih bi haubida {reinamma swa- 36 μήτε έν τή κεφαλή σου όμόσης,
rais, unte ni magt ain tagl Iveit δτι ού δύνασαι μίαν τρίχα λευκήν ή
ai^Jjau swart gataujan. μέλαιναν ποιήσαι.
37 sijaiJj-Jjan waurd izwar: ja, ja; 37 εστω δέ ό λόγος ύμών ναι ναί,
ne, ne; φ Jjata managizo J>aim us οΰ oír το δέ περισσόν τούτων έκ
fiamma ubilin ist. του πονηρού έστιν.

38 HausideduJ) {Datei qijjan ist: augo 38 Ήκούσατε δτι έρρέθη· όφθαλ-


und augin, jah tunj)u und tunjjau. μόν άντί οφθαλμού και όδόντα
άντί οδόντος.
39 if) ik qijja izwis ni andstandan 39 έγώ δέ λέγω ύμιν μή άντιστήναι
allis2 Ramina unseljin: ak jabai Ivas τω πονηρά»· άλλ' δστις σε φαπίσει
jjuk stautai bi taihswon jjeina kin- έπί τήν δεξιάν σου σιαγόνα, στρέ-
nu, wandei imma jah fio aneara. •ψον αύτφ και τήν αλλην.
40 jah fiamma wiljandin πιφ {JUS 40 καί τω θέλοντί σοι κριθήναι και
staua jah paida {»ina niman, aflet τον χιτώνά σου λαβείν, αφες αύτω
imma jah wastja. καί τό Ιμάτιον.
41 jah jabai tvas t)uk ananaufrjai 41 καί δστις σε άγγαρεύσει μίλιον
rasta aina, gaggais ηιφ imma twos. εν, ύπαγε μετ' αύτοΰ δύο.
42 Jjamma bidjandin £>uk gibáis, jah 42 τω αίτοΰντί σε δίδου, καί τον
Ranima wiljandin af J>us leih;an sis θέλοντα άπό σου δανείσασθαι μή
ni uswandjais. άποστραφής.

1
δτι πάς ό άπολύων Bernhardt.
2
Vgl. V. 34.

187
Lesestücke

43 HausideduJ) [Datei qijDan ist: frijos 43 Ηχούσατε ότι έρρέθη· άγαπή-


nelvundjan [>einana, jah fiais fiand σεις τον πλησίον σου και μισήσεις
l>einana. τον έχθρόν σου.
44 aJjJjan ik qijja izwis: frijoj) fijands 44 έγώ δέ λέγω ύ μ ΐ ν άγαπατε τους
izwarans, JjiuJjjaiJ) {)ans wrikandans εχθρούς ύμών, εύλογεΐτε τούς κατ-
izwis, waila taujai]? l>aim hatjandam αρωμένους υμάς, καλώς ποιείτε
izwis, jah bidjaif) bi t>ans usjjriutan- τοις μισοΰσιν υμάς, και προσεύχε-
dans izwis, σθε υπέρ των έπηρεαζόντων υμάς
και διωκόντων ύμάς1,
45 ei wair{>aij) sunjus attins izwaris 45 όπως γένησθε υιοί του πατρός
J>is in himinam, unte sunnon seina ύμών του εν ούρανοΐς, δτι τον ήλι-
urranneijD ana ubilans jah godans, ον αύτού άνατέλλει έπί πονηρούς
jah rigneij) ana garaihtans jah ana και άγαθούς και βρέχει έπί δικαί-
inwindans. ους και άδικους.
46 jabai auk frijoj) }>ans frijondans 46 έάν γαρ άγαπήσητε τούς άγα-
izwis ainans, Ivo mizdono habaij)? πώντας ύμάς, τίνα μισθόν εχετε;
niu jah {jai Jjiudo Jjata samo tau- ούχί και oi τελώναι2 το αυτό ποι-
jand? οΰσιν;
47 jah jabai golei|) fans frijonds 47 και έάν άσπάσησθε τούς φίλους
izwarans fatainei, h>e managizo ύμών μόνον, τί περισσόν ποιείτε;
taujijî? niu jah motarjos fiata samo ούχί και ol τελώναι τό αύτό ποι-
taujand? ούσιν;
48 sijaij) nu jus fullatojai, swaswe 48 εσεσθε ούν ύμεΐς τέλειοι, ώσπερ
atta izwar sa in himinam fullatojis ό πατήρ ύμών ό έν τοις ούρανοΐς
ist. τέλειος έστιν.

Kap. VI. VI.


1 Atsailvijj armaion izwara ni tau- 1 Προσέχετε τήν έλεημοσύνην
jan in andwairjjja manne du sailvan ύμών μη ποιεΐν έμπροσθεν τών άν-
im; aijj^au laun ni habaij fram attin θρώπων προς τό θεαθήναι αύτοίς·
izwaramma J>amma in himinam. εί δέ μήγε, μισθόν ούκ εχετε παρά
τφ πατρι ύμών τω έν τοις ούρα-
νοΐς.
2 ban nu taujais armaion, ni haurn- 2 δταν ούν ποιής έλεημοσύνην, μή
jais faura [JUS, swaswe J)ai liutans σαλπίσης έμπροσθεν σου, ώσπερ
taujand in gaqum^im jah in garun- οι ύποκριταί ποιοΰσιν έν ταΐς συν-
sim, ei hauhjaindau fram mannam; αγωγαΐς και έν ταΐς ρύμαις, δπως
amen qijja izwis: andnemun mizdon δοξασθώσιν ύπό τών άνθρώπων.
seina. άμήν λέγω ύμΐν, άπέχουσι τον
μισθόν αύτών.
1
Vgl. Bernhardt ζ. Stelle.
2
Die Übersetzung weist auf εθνικοί, welches V. 47 in Hss. statt τελώναι steht.

188
Α. Aus dem Evangelium des Matthäus - Kap. VI

3 φ J)uk taujandan armaion ni witi 3 σου δέ ποιοΰντος έλεημοσύνην


hleidumei J)eina, iva. tauji{> taihswo μή γνώτω ή άριστερά σου τί ποιεί
t>eÍna, ή δεξιά σου,
4 ei sijai so armahairtijja J^eina in 4 όπως ή σοΰ ή ελεημοσύνη έν τώ
fulhsnja, jah atta £>eins saei sailvit» in κρύπτω, και ό πατήρ σου ό βλέπων
fulhsnja, 1 usgibij) |)us in bairhtein. έν τω κρύπτω άποδώσει σοι έν τφ
φανερώ.
5 jah t>an bidjait», ni sijai]? swaswe 5 και δταν προσεύχησθε, ουκ έσε-
J)ai liutans, unte frijond in gaqum- σθε ώσπερ ol ύποκριταί, δτι φιλοΰ-
J>im jah waihstam plapjo standan- σιν έν ταΐς συναγωγαις και έν ταΐς
dans bidjan, ei gaumjaindau man- γωνίαις των πλατειών έστώτες
nam. amen, qi{)a izwis, Jtatei προσεύχεσθαι, δπως αν φανώσι
haband mizdon seina. τοις άνθρώποις. άμήν λέγω ύμΐν,
δτι άπέχουσι τον μισθόν αυτών.
6 φ Jul {jan bidjais, gagg in hejjjon 6 σΰ δέ δταν προσευχή, εΐσελθε εις
£>eina, jah galukands haurdai Jjeinai τό ταμιειόν σου και κλείσας την
bidei du attin Jjeinamma Ranima in θύραν σου πρόσευξαι τώ πατρί
fulhsnja, jah atta freins saei saihuijj in σου τω έν τω κρύπτω, και ό πατήρ
fulhsnja, 2 usgibij) {DUS in bairhtein. σου ό βλέπων έν τω κρύπτω άπο-
δώσει σοι έν τω φανερώ.

7 Bidjandansu{j-|)an ni filuwaurd- 7 Προσευχόμενοι δέ μή βαττο-


jaij>, swaswe ¡>ai J>iudo: jDugkeijj im λογήσητε ώσπερ ol έθνικοί· δο-
auk ei in filuwaurdein seinai and- κοΰσι γάρ δτι έν τή πολυλογία
hausjaindau. αυτών είσακουσθήσονται.
8 ni galeiko}) nu J)aim; wait auk atta 8 μή ουν δμοιωθήτε αύτοΐς - οιδεν
izwar {jizei jus Jiaurbut», faur^izei γαρ ό πατήρ υμών ών χρείαν εχετε
jus bidjaij) ina. προ του υμάς αίτήσαι αυτόν.
9 swa nu bidjaij) jus: Atta unsar JDU 9 οϋτως ουν προσεύχεσθε ΰμεΐς·
in himinam 3 , weihnai namo J)ein. Πάτερ ήμών δ έν τοις οΰρανοΐς,
άγιασθήτω τό ονομά σου.
10 qimai ßiudinassus (teins, wairjjai 10 έλθέτω ή βασιλεία σου. γενη-
wilja J>eins, swe in himina jah ana θήτω τό θέλημά σου ως έν ούρανώ
airjjai. και έπί της γης.
11 hlaif unsarana Jjana sinteinan gif 11 τον αρτον ήμών τον έπιούσιον
uns himma daga. δός ήμΐν σήμερον.
12 jah aflet uns ¡Datei skulans sijai- 12 και άφες ήμιν τα όφειλήματα
ma, swaswe jah weis afletam }>aim ήμών, ως και ήμεΐς άφίεμεν τοις
skulam unsaraim. όφειλέταις ήμών.

1
fulhsja Hs.
2
fulhlsnja Hs.
3
Zum Folgenden vgl. A b b . 1.

189
Lesestücke

13 jah ni briggais uns in fraistubnjai, 13 και μή είσενέγκης ημάς είς πει-


ak lausei uns af {Damma ubilin; unte ρασμόν, άλλα φϋσαι ημάς άπό του
¡jeina ist Jriudangardi jah mahts jah πονηρού, δτι σου εστίν ή βασιλεία
WUIJDUS in aiwins. amen. και ή δύναμις και ή δόξα εις τους
αιώνας, άμήν.

14 Unte jabai afletif) mannam 14 εάν γαρ άφήτε τοις άνθρώποις


missadedins ize, afletif» jah izwis τα παραπτώματα αυτών, άφήσει
atta izwar sa ufar himinam. και ύμΐν ό πατήρ ύμών ό ουράνιος.
15 φ jabai ni afletijj mannam missa- 15 εάν δέ μή άφήτε τοις άνθρώποις
dedins ize, ni Jiau atta izwar afleti{D τα παραπτώματα αυτών, ουδέ ό
missadedins izwaros. πατήρ υμών άφήσει τά παραπτώ-
ματα ύμών.

16 AJj^an bijje fastai{D, ni wair{Dai{D 16 "Οταν δέ νηστεύητε, μή γίνεσθε


swaswe f>ai liutans gaurai; fraward- ώσπερ οί ύποκριταί σκυθρωποί-
jand auk andwair^ja seina, ei ga- άφανίζουσι γάρ τά πρόσωπα
sailvaindau mannam fastandans. αυτών, δπως φανώσι τοις άνθρώ-
amen, qi{Da izwis, {Datei andnemun ποις νηστεύοντες. άμήν λέγω ύμϊν
mizdon seina. δτι άπέχουσι τον μισθόν αυτών.
17 φ {DU fastands salbo haubijD {Dein, 17 σύ δέ νηστεύων άλειψαί σου τήν
jah ludja J>eina {Dwah, κεφαλήν και τό πρόσωπον σου
νίψαι,
18 ei ni gasailvaizau mannam 18 δπως μή φανής τοις άνθρώποις
fastands, ak attin Jjeinamma J)am- νηστεύων, άλλα τω πατρί σου τφ
ma in fulhsnja, jah atta {Deins, saei έν τω κρύπτω, και ό πατήρ σου ό
saih»ij) in fulhsnja, usgibij) {DUS. βλέπων έν τφ κρύπτω άποδώσει
σοι.

19 Ni huzdjaijD izwis huzda ana 19 Μή θησαυρίζετε ύμΐν θησαυ-


airjsai, {Darei malo jah nidwa fra- ρούς επί της γης, δπου σής και
wardeijD, jah {Darei {Diubos uf- βρώσις άφανίζει, και δπου κλέπται
graband jah hlifand. διορΰσσουσιν και κλέπτουσιν.
20 φ huzdjaijD izwis huzda in himi- 20 θησαυρίζετε δέ ΰμΐν θησαυρούς
na, {Darei nih malo nih nidwa fra- έν ούρανώ, δπου ούτε σής ούτε
wardei{D, jah {Darei {Diubos ni uf- βρώσις άφανίζει, και δπου κλέπται
graband nih stiland. ού διορύσσουσιν ουδέ κλέπτουσιν.
21 {Darei auk ist huzd izwar, {Daruh 21 δπου γάρ έστιν ό θησαυρός
ist jah hairto izwar. ύμών, εκεί εσται και ή καρδία
ύμών.

190
Α. Aus dem Evangelium des Matthäus - Kap. VI

22 Lukarn leikis ist augo: jabai nu 22 ó λύχνος του σώματος έστιν ό


augo fein ainfalf ist, aliata leik fein όφθαλμός. έάν ούν ό όφθαλμός
liuhadein wairf if ; σου άπλούς fj, δλον τό σώμά σου
φωτεινόν εσται·
23 φ jabai augo fein unsel ist, aliata 23 έάν δέ ό όφθαλμός σου πονηρός
leik fein riqizein wairfif. jabai nu ή, ολον τό σώμά σου σκοτεινόν εσ-
liuhaf fata in {DUSriqizist, F A T A riqiz ται. εί ουν τό φως τό έν σοι σκότος
Ivan filu! έστίν, τό σκότος πόσον;

24 Ni manna mag twaim fraujam 24 Ουδείς δύναται δυσ'ι κυρίοις


skalkinon; unte jabai fijaif ainana, δουλεύειν ή γαρ τον ενα μισήσει,
jah anfarana frijof ; a i f f a u ainam- και τον έτερον άγαπήσει, ή ενός
ma ufhauseif, ij> anfaramma fra- άνθέξεται και του ετέρου κατα-
kann. ni maguf gfa skalkinon jah φρονήσει. ου δύνασθε θεώ δου-
mammonin.1 λεύειν και μαμωνα.
25 d u f f e qifa izwis: ni maurnaif 25 δια τούτο λέγω ύμίν μή μεριμ-
saiwalai izwarai Iva matjaif jah Iva νάτε τή ψυχή υμών τί φάγητε και τί
drigkaif, nih leika izwaramma lue πίητε, μηδέ τώ σώματι ύμών τί έν-
wasjaif; niu saiwala mais ist fodei- δύσησθε· ουχί ή ψυχή πλεΐόν έστιν
nai jah leik wastjom? της τροφής και τό σώμα του εν-
δύματος;
26 insalivi}} du fuglam himinis, fei 26 έμβλέψατε εις τα πετεινό του
ni saiand nih sneif and, nih lisand in ουρανού, δτι ού σπείρουσιν ουδέ
banstins, jah atta izwar sa ufar θερίζουσιν ούδέ συνάγουσιν είς
himinam fodeif ins. niu jus mais άποθήκας, και ό πατήρ ύμών ό
wulfrizans sijuf faim? ουράνιος τρέφει αύτά. ούχ ύμεΐς
μάλλον διαφέρετε αύτών;
27 if h)as izwara maurnands mag 27 τίς δέ έξ ύμών μεριμνών δύνα-
anaaukan ana wahstu seinana ται προσθεΐναι έπί τήν ήλικίαν
aleina aina? αυτού πήχυν ενα;
28 jah bi wastjos Iva saurgaif? 28 και περί ένδύματος τί μεριμνά-
gakunnaif blomans haifjos, Ivaiwa τε; καταμάθετε τα κρίνα τού
wahsjand; nih arbaidjand nih spin- άγρού πώς αύξάνει - ού κοπιά ούδέ
nand. νήθει.
29 qifuh f a n izwis fatei nih Saulau- 29 λέγω δέ ύμίν οτι ούδέ Σολομών
mon in allamma wulfau seinamma έν πάση τή δόξη αυτού περι-
gawasida sik swe ains f ize. εβάλετο ώς εν τούτων.

1
Am Rande faihufra ..., d. i. faihujjraihna Lk. 16,13.

191
Lesestücke

30 jah paride pata hawi haijjjos him- 30 εί δέ τον χόρτον του άγροϋ
ma daga wisando jah gistradagis in σήμερον δντα και αύριον είς κλί-
auhn galagij) gip swa wasjij), lvaiwa βανον βαλλόμενον ó θεός οϋτως
mais izwis, leitil galaubjandans? άμφιέννυσιν, ού πολλώ1 μάλλον
ύμάς, όλιγόπιστοι;
31 ni maurnaij) nu qijjandans: Iva 31 μή ούν μεριμνήσητε λέγοντες-
matjam aif^au Iva drigkam, ai^fau τί φάγωμεν ή τί πίωμεν ή τί περι-
lue wasjaima? βαλώμεθα;
32 all auk fata {Ñudos sokjand; 32 πάντα γάρ ταΰτα τα εθνη έπι-
waituh J>an atta izwar sa ufar himi- ζητεΐ - οίδεν γάρ ό πατήρ υμών ό
nam Jsatei faurbuf - - ουράνιος ότι χρήζετε (τούτων
άπάντων).

Β. Aus dem Evangelium des Markus


(Codex argenteus)

Aiwaggeljo jjairh Marku ana- Εύαγγέλιον κατά Μάρκον


stodeif

Kap. I. I.
1 Anastodeins aiwaggeljons Iesuis
1 Αρχή του ευαγγελίου Ίησοΰ
Xráíaus sunaus gj)s.
Χρίστου υΐοΰ του θεού.

2 Swe gamelijj ist in Esa'iin praufe- 2 'Ως γέγραπται εν τω Η σ α ΐ α τώ


tau: sai, ik insandja aggilu meinana προφήτη· ιδού έγώ αποστέλλω τον
faura Jms, saei gamanweif wig pei- άγγελόν μου προ προσώπου σου,
naría faura JJUS. δς κατασκευάσει τήν δδόν σου εμ-
προσθέν σου.
3 stibna wopjandins in aufidai: 3 φωνή βοώντος έν τή έρήμφ· ετοι-
manweij» wig fraujms, raihtos waur- μάσατε τήν όδόν κυρίου, ευθείας
keif> staigos gfs unsaris. ποιείτε τάς τρίβους αύτοΰ.
4 was Iohannes daupjands in aujji- 4 έγένετο Ιωάννης βαπτίζων έν τή
dai jah merjands daupein idreigos έρήμω και κηρύσσων βάπτισμα
du aflageinai frawaurhte. μετανοίας εις αφεσιν αμαρτιών.
5 jah usiddjedun du imma all 5 και έξεπορεύοντο προς αυτόν
Iudaialand jah Iairusaulwmeis, jah πάσα ή Ιουδαία χώρα και οί
daupidai wesun allai in Iaurdane Ίεροσολυμΐται, και έβαπτίζοντο
alvai fram imma, andhaitandans πάντες έν τώ 'Ιορδάνη ποταμώ ύπ'
frawaurhtim seinaim. αύτοΰ έξομολογούμενοι τάς αμαρ-
τίας αυτών.
1
ον πολλω] πόσψ Bernhardt.

192
Β. Aus dem Evangelium des Markus - Kap. I

6 wasu£>-J>an Iohannes gawasijjs 6 ήν δε 'Ιωάννης ένδεδυμένος


taglam ulbandaus jah gairda filicina τρίχας καμήλου καί ζώνην δερμα-
bi hup seinana jah matida1 brains- τίνην περί την όσφύν αυτοί και
tems jah milij) haijjiwisk.2 έσθίων άκρίδας καί μέλι άγριον.
7 jah menda qi^ands: qimij) swin- 7 καί έκήρυσσεν λέγων ερχεται ό
Jjoza mis sa afar mis, |)izei ik ni im ισχυρότερος μου όπίσω μου, ου
wair^s anahneiwands andbindan ουκ ειμί ικανός κύψας λΰσαι τον
skaudaraip skohe is. ιμάντα των υποδημάτων αυτού.
8 at>l>an ik daupja izwis in watin, 8 εγώ μεν έβάπτισα 3 υμάς έν ΰδατι,
φ is daupeijj izwis in ahmin αυτός δέ βαπτίσει υμάς έν πνεύ-
weihamma. ματι άγίω.

9 Jah war}) in jainaim dagam, qam 9 Καί έγένετο έν έκείναις ταΐς ήμέ-
lest/s fram NazaraiJ) Galeilaias jah ραις ήλθεν 'Ιησούς άπό Ναζαρέθ
daupi{)s was fram Iohanne in Iaur- της Γαλιλαίας καί έβαπτίσθη υπό
dane. 'Ιωάννου εις τον Ίορδάνην.
10 jah suns usgaggands us ftamma 10 καί ευθέως άναβαίνων εκ του
watin gasah; usluknans4 himinans ύδατος ειδεν σχιζομένους 5 τους
jah ahman swe ahak atgaggandan ουρανούς καί τό πνεύμα ώς περι-
ana ina. στεράν καταβαΐνον έπ' αυτόν.
11 jah stibna qam us himinam: J)u is 11 καί φωνή έγένετο έκ των ουρα-
sunus meins sa liuba, in Jmzei waila ν ώ ν συ ει ό υίός μου ó αγαπητός,
galeikaida.6 έν ω ευδόκησα.
12 jah suns sai, ahma ina ustauh in 12 καί ευθύς τό πνεύμα αυτόν έκ-
aujîida. βάλλει είς τήν ερημον.
13 jah was in J)izai aujjidai dage 13 καί ήν έν τή έρήμω ημέρας τεσ-
fidwor tiguns fraisans fram Satanin, σαράκοντα πειραζόμενος ύπό του
jah was mij) diuzam, jah aggileis σατανά, καί ή ν μετά τών θηρίων,
andbahtidedun imma. καί άγγελοι διηκόνουν αύτώ.

14 Ijj afar J>atei atgibans warjj Io- 14 Μετά δέ τό παραδοθήναι


hannes, qam Iejws in Galeilaia mer- Ίωάννην ήλθεν 'Ιησούς είς τήν Γα-
jands aiwaggeljon {tiudangardjos λιλαίαν, κηρύσσων τό εύαγγέλιον
gp. τής βασιλείας τού θεού,

1
matida Hs.
2
Glosse wil/ii.
3
βαπτίζω Bernhardt.
4
sic Hs., s. GabelentzlLoebe ζ. St.; ZDWl, 172; Streitberg I, 487.
5
ήνεφγμένους Bernhardt.
6
Am Rande ]}ukei wilda.

193
Lesestücke

15 qijjands Jjatei usfullnoda J>ata 15 λέγων ότι πεπλήρωται ό καιρός


mei jah atnehjida sik Jjiudangardi και ήγγικεν ή βασιλεία τοϋ θεοΰ -
g{)s: idreigoj) jah galaubeij) in μετανοείτε και πιστεύετε εν τω
aiwaggeljon. εύαγγελίω.
16 jah Ivarbonds faur marein Galei- 16 και παράγων παρά την θάλασ-
laias gasah; Seimonu jah Andraian σαν της Γαλιλαίας ειδεν Σίμωνα
bromar is, Jdís Seimonis, wairpan- και Άνδρέαν τον άδελφόν αύτοΰ,
dans nati in marein; wesun auk fisk- τοΰ Σίμωνος, βάλλοντας άμφί-
jans. βληστρον έν τή θαλάσση· ήσαν
γαρ άλιεΐς.
17 jah qaj> im leras: hirjats afar mis, 17 και ειπεν αύτοΐς ό Ίησοΰς· δεύ-
jah gatauja igqis wairjian nutans τε οπίσω μου, και ποιήσω υμάς
manne. γενέσθαι αλιείς άνθρώπων.
18 jah suns afletandans t>o natja 18 και ευθέως άφέντες τα δίκτυα
seina laistidedun afar imma. αυτών ήκολούθησαν αύτψ.
19 jah jamuro inngaggands framis 19 και πρόβας έκεΐθεν ολίγον ειδεν
leita1 gasah; Iakobu J>ana Zaibai- Ίάκωβον τον τοϋ Ζεβεδαίου και
daiaus jah Iohanne bromar is, jah 'Ιωάννην τον άδελφόν αύτοΰ, και
Jjans in skipa manwjandans natja. αυτούς έν τω πλοίω καταρτίζον-
τας τά δίκτυα,
20 jah suns haihait ins. jah afletan- 20 και ευθέως έκάλεσεν αυτούς,
dans attan seinana Zaibaidaiu in και άφέντες τον πατέρα αυτών
}>amma skipa πιφ asnjam galijjun Ζεβεδαΐον έν τω πλοίω μετά των
afar imma. μισθωτών άπήλθον όπίοω αύτοΰ.

21 Jah galion in Kafarnaum, jah 21 Καί είσπορεύονται εις Καπερ-


suns sabbato daga galeij^ands in ναούμ2, και εύθέως τοις σάββασιν
swnagogen laisida ins. είσελθών εις την συναγωγην έδί-
δασκεν.3
22 jah usfilmans waurjmn ana J^izai 22 καί έξεπλήσσοντο επί τη διδαχή
laiseinai is; unte was Iaisjands ins αύτοΰ - ην γάρ διδάσκων αύτούς
swe waldufni habands jah ni swaswe ώς έξουσίαν εχων καί ούχ ως οι
t>ai bokaijos. γραμματείς.
23 jah was in Jjizai swnagogen ize 23 καί ην έν τή συναγωγή αύτών
manna in unhrainjamma ahmin, jah άνθρωπος έν πνεύματι άκαθάρτω,
ufhropida καί άνέκραξεν
24 qijjands: fralet, Iva uns jah Jms, 24 λέγων εα, τί ήμΐν καί σοί, Ίησοΰ
Iesu Nazorenai? qamt fraqistjan Ναζαρηνέ; ήλθες άπολέσαι ημάς-
uns: kann J)uk, luas }>u is, sa weiha οιδά σε τις ει, ô άγιος τοΰ θεοΰ.
gfs-
1
Zur Beibehaltung der überlieferten Form leita s. § 212 Α. 1.
2
Καφαρναούμ Bernhardt (ebenso Mk. 2,1).
3
έδ. αυτούς Bernhardt.

194
Β. Aus dem Evangelium des Markus - Kap. I

25 jah andbait ina lesus qijjands: 25 καί έπετίμησεν αΰτφ ô Ίησοΰς


t>ahai jah usgagg ut us J>amma, λέγων φιμώθητι καί εξελθε έξ
ahma unhrainja. αυτού.1
26 jah tahida ina ahma sa unhrainja 26 και σπαράξαν αυτόν τό πνεΰμα
jah hropjands stibnai mikilai us- τό άκάθαρτον καί κράξαν φωνή
iddja us imma. μεγάλη έξήλθεν έξ αυτοί.
27 jah afslaujjnodedun allai silda- 27 καί έθαμβήθησαν πάντες ωστε
leikjandans, swaei sokidedun mijj συζητειν προς εαυτούς λέγοντας·
sis misso qi^andans: h>a sijai Jrata? τί έστιν τοΰτο; τις ή διδαχή ή καινή
b o so laiseino so niujo, ei mif> wal- αΰτη, οτι κατ' έξουσίαν καί τοις
dufnja jah ahmam {jaim unhrainjam πνεύμασιν τοις άκαθάρτοις έπι-
anabiudij) jah ufhausjand imma? τάσσει, καί υπακούουσα αύτω;
28 usiddja {jan merita is suns and 28 έξήλθεν δέ ή άκοή αύτοϋ εύθύς
allans bisitands Galeilaias. εις ολην την περίχωρον της Γαλι-
λαίος.

29 Jah suns us }jizai swnagogen 29 Καί εύθέως έκ της συναγωγής


usgaggandans qemun in garda Sei- εξελθόντες ήλθον εις τήν οίκίαν
monis jah Andraiïns πιφ Iakobau Σίμωνος καί 'Ανδρέου μετά 'Ιακώ-
jah Iohannen. βου καί'Ιωάννου.
30 i|> swaihro Seimonis lag in brin- 30 ή δέ πενθερά Σίμωνος κατέκει-
non, jah suns qejmn imma bi ija. το πυρέσσουσα, καί εύθέως λέγου-
σιν αύτω περί αύτής.
31 jah duatgaggands urraisida J)o 31 καί προσελθών ήγειρεν αύτήν
undgreipands handu izos, jah af- κρατήσας τής χειρός αύτής· καί
lailot {30 so brinno suns, jah and- άφήκεν αύτήν ò πυρετός εύθέως,
bahtida im. καί διηκόνει αύτοΐς.
32 Andanahtja t>an waur^anamma, 32 όψίας δέ γενομένης, δτε εδυ ό
f»an gasaggq sauil, berun du imma ήλιος, εφερον προς αύτόν πάντας
allans fians ubil habandans jah un- τους κακώς έχοντας καί τους δαι-
hul^ons habandans. μονιζομένους.
33 jah so baurgs alla garunnana was 33 καί ή πόλις ολη έπισυνηγμένη
at daura. ήν προς τήν θύραν.
34 jah gahailida managans ubil 34 καί έθεράπευσεν πολλούς
habandans missaleikaim sauhtim, κακώς έχοντας ποικίλαις νόσοις,
jah unhuljxms managos uswarp, jah καί δαιμόνια πολλά έξέβαλεν, καί
ni fralailot rodjan J>os unhuljîons, ούκ ήφιεν λαλεΐν τά δαιμόνια, οτι
unte kunjjedun ina. ήδεισαν αύτόν.

1
πνεΰμα άκάθαρτον Bernhardt.

195
Lesestücke

35 Jah air uhtwon usstandands 35 Και πρωί έννυχον λίαν άναστάς


usiddja, jah galai}) ana aufyana έξήλθεν και άπήλθεν εις ερημον
sta}), jah jainar ba{). τόπον και έκει προσηύχετο.
36 jah galaistans waurjjun imma 36 καί κατεδίωξαν αυτόν ό Σίμων
Seimon jah Jjai mi}) imma. και οί μετ' αύτοΰ.
37 jah bigitandans ina qe})un du 37 και εΰρόντες αυτόν λέγουσιν
imma J)atei allai }mk sokjand. αΰτω ότι πάντες σε ζητοΰσιν.
38 jah qaj) du im: gaggam du j)aim 38 και λέγει αΰτοΐς - αγωμεν εις τάς
bisunjane haimom 1 jah baurgim, ei έχομένας κωμοπόλεις, ϊνα και έκει
jah jainar merjau, unte duj)e qam. κηρύξω' είς τοϋτο γαρ έξελή-
λυθα. 2
39 jah was merjands in swnagogim 39 και ήν κηρύσσων εν ταις συν-
ize and alla Galeilaian jah un- αγωγαΐς αυτών εις ολην την Γαλι-
hul})ons uswairpands. λαίαν καί τα δαιμόνια έκβάλλων.

40 Jah qam at imma }>rutsfill 40 Καί ερχεται προς αυτόν λεπρός,


habands, bidjands ina jah kniwam παρακαλώ ν αυτόν καί γονυπετών
knussjands3 jah qi|)ands du imma αυτόν καί λέγων αύτω, οτι εάν
})atei jabai wileis, magt mik gahrain- θέλης, δύνασαί με καθαρίσαι.
jan.
41 φ ïesus infeinands, ufrakjands 41 ό δέ 'Ιησούς σπλαγχνισθείς
handu seina attaitok imma jah qa}) έκτείνας την χείρα αύτοΰ ήψατο
imma: wiljau, wair}) hrains. αύτού καί λέγει αύτω - θέλω,
καθαρίσθητι.
42 jah bi})e qa}) }>ata Ieii/s, suns })ata 42 καί είπόντος αύτοΰ εύθέως
Jirutsfill aflai}) af imma, jah hrains άπήλθεν άπ' αύτοΰ ή λέπρα, 4 καί
war}). έκαθαρίσθη.
43 jah galvotjands imma suns us- 43 καί έμβριμησάμενος αύτφ εύ-
sandida ina θέως έξέβαλεν αύτόν
44 jah qa}) du imma: sailv ei mann- 44 καί λέγει αύτω - ορα μηδενί
hun ni qij)ais waiht; ak gagg })uk sil- μηδέν ε'ίπης, άλλά ΰπαγε σεαυτόν
ban ataugjan gudjin, jah atbair fram δεΐξον τω Ιερεΐ καί προσένεγκε
gahraineinai peinai }>atei anabau}) περί του καθαρισμοΰ σου α προσ-
Moses du weitwodi})ai im. έταξεν Μωσής είς μαρτύριον
αύτοΐς.

1
haimon Hs.
2
έλήλυθα Bernhardt.
3
Vgl. IF 23, 117 f.
4
ή λέπρα άπήλθεν άπ' αύτοΰ Bernhardt.

196
Β. Aus dem Evangelium des Markus - Kap. II

45 φ is usgaggands dugann merjan 45 ό δέ έξελθών ήρξατο κηρύσσειν


filu jah usqijjan {sata waurd, swaswe πολλά και διαφημίζειν τον λόγον,
is jilean ni mahta andaugjo in baurg ώστε μηκέτι αυτόν δύνασθαι φα-
galei^an, ak uta ana aujDjaim stadim νερώς εις πόλιν είσελθεΐν, άλλ' εξω
was; jah iddjedun du imma alla^ro. έν έρήμοις τόποις ην - και ήρχοντο
προς αυτόν πανταχόθεν.

Kap. II. II.


1 Jah galaijj aftra in Kafarnaum 1 Και εισήλθεν πάλιν εις Καπερ-
afar dagans, jah gafrehun {Datei in ναούμ 1 δι' ημερών και ήκούσθη δτι
garda ist. εις οΐκόν έστιν.
2 jah suns gaqemun managai, swa- 2 και ευθέως συνήχθησαν πολλοί,
swe jujDan ni gamostedun nih at ώστε μηκέτι χωρεΐν μηδέ τά προς
daura, jah rodida im waurd. την θύραν, και έλάλει αύτοϊς τόν
λόγον.
3 jah qemun at imma uslijjan bai- 3 και έρχονται προς αυτόν παρα-
randans, hafanana fram fidworim2. λυτικόν φέροντες αίρόμενον υπό
τεσσάρων.
4 jah ni magandans netva qiman 4 και μή δυνάμενοι προσεγγίσαι
imma faura manageim, andhuli- αύτώ διά τόν οχλον, άπεστέγασαν
dedun hrot {Darei was Iesus, jah us- την στέγην οπού ην, 3 και έξορύ-
grabandans insailidedun {Data badi, ξαντες χαλώσιν τόν κράβαττον έφ'
jah fralailotun ana Cammei lag sa ω ó παραλυτικός κατέκειτο.
usli^a.
5 gasailuands {Dan Ieiws galaubein 5 ίδών δέ ό Ίησοΰς τήν πίστιν
ize qa{D du {Damma usli^in: barnilo, αυτών λέγει τω παραλυτικά»· τέκ-
afletanda {DUS frawaurhteis Reinos. νον, άφέωνταί σοι αϊ άμαρτίαι σου.
6 wesunuh {Dan sumai {Dize bokarje 6 ήσαν δέ τίνες τών γραμματέων
jainar sitandans jah {Dagkjandans sis έκεΐ καθήμενοι και διαλογιζόμενοι
in hairtam seinaim: έν ταΐς καρδίαις α υ τ ώ ν
7 Iva sa swa rodeijD naiteinins? Ivas 7 τί ούτος οΰτως λαλεί βλασφημί-
mag afletan frawaurhtins, niba ains ας; τις δύναται άφιεναι άμαρτίας ει
gp? μή εις ό θεός;
8 jah suns ufkunnands lesus ahmin 8 καί ευθέως έπιγνούς ό Ιησούς τω
seinamma {Datei swa {Dai mitodedun πνεύματι αυτού δτι ούτως αύτοι
sis, qajD du im: dulve mitoj) {Data in διαλογίζονται έν έαυτοϊς, ειπεν
hairtam izwaraim? αύτοΐς· τί ταύτα διαλογίζεσθε έν
ταΐς καρδίαις υμών;

'S. Mk. 1,21.


2
fidworinHs.
3
ô Ίησοϋς Bernhardt.

197
Lesestücke

9 hmjw ist azetizo du qijjan Ranima 9 τί έστιν εύκοπώτερον ειπείν τώ


uslil)in: afletanda1 j)us frawaurhteis παραλυτικά»· άφέωνταί σοι αί
Jjeinos, {)au qijjan: urreis jah nim άμαρτίαι, ή ειπείν εγείρε και άρον
Jjata badi jjeinata jah gagg? τον κράβαττόν σου και περιπάτει;
10 a^fan ei witei}) Jjatei waldufni 10 ίνα δε είδήτε ότι εξουσίαν εχει ó
habaij) sunus mans ana airj^ai af- υιός του άνθρωπου έπί της γης
letan frawaurhtins, qa{) du Ranima άφιέναι άμαρτίας, λέγει τω παρα-
uslij>in: λυτικφ·
11 J)us qijja: urreis nimuh })ata badi 11 σοι λέγω, εγείρε και άρον τον
Jjein jah gagg du garda {jeinamma. κράβαττόν σου και υπάγε εις τον
οίκον σου.
12 jah urrais suns jah ushafjands 12 καίήγέρθη ευθέως και αρας τον
badi usiddja faura andwairjjja κράβαττόν έξήλθεν εναντίον πάν-
allaize, swaswe usgeisnodedun allai των, ώστε έξίστασθαι πάντας και
jah hauhidedun mikiljandans gj), δοξάζειν τον θεόν, λέγοντας δτι
qi^andans J>atei aiw swa ni ga- ουδέποτε ούτως εϊδομεν.
selvum.2
13 Jah galaij) aftra faur marein, jah 13 Και έξήλθεν πάλιν παρά την
all manageins iddjedun du imma, θάλασσαν και πάς ó όχλος ήρχετο
jah laisida ins. προς αυτόν, και έδίδασκεν
αυτούς.
14 jah luarbonds gasah; Laiwwi 14 και παράγων ειδεν Λευι τον του
Jiana Alfaiaus sitandan at motai, jah Άλφαίου καθήμενον έπί το τελώ-
qa{D du imma: gagg afar mis. jah us- νιον, και λέγει αύτω - άκολούθει
standands iddja afar imma. μοι. και άναστάς ήκολούθησεν
αύτω.
15 jah warjj, bijje is anakumbida in 15 και έγένετο έν τω κατακεΐσθαι
garda is, jah managai motaijos jah αύτόν έν τή οικία αύτού, και πολ-
frawaurhtai mijjanakumbidedun λοί τελώναι και άμαρτωλοί συν-
Iejua jah siponjam is: wesun auk ανέκειντο τω Ίησοϋ και τοις μαθη-
managai jah iddjedun afar imma. ταις αύτοϋ· ήσαν γαρ πολλοί και
ήκολούθησαν αύτω.
16 jah J>ai bokarjos jah Fareisaieis 16 και ol γραμματείς και oi Φαρι-
gasailvandans ina matjandan mij) σαϊοι, Ιδόντες αύτόν έσθίοντα
Jjaim motarjam jah frawaurhtaim, μετά των τελωνών και άμαρτω-
qet>un du Jjaim siponjam is: Iva ist λών, ελεγον τοις μαθηταις αύτοϋ·
Jjatei mij) motaijam jah frawaurh- τί οτι μετά τών τελωνών και αμαρ-
taim3 matji]3 jah driggkijj? τωλών έσθίει και πίνει;

1
afletanda Hs. (§ 69 Α.3).
2
gasehm (mit Nasalstrich für n) Hs., gasehmn WredetHeyne; Streitberg.
3
fraurhtaim Hs.

198
Β. Aus dem Evangelium des Markus - Kap. II

17 jah gahausjands lews qa[) du im: 17 και άκουσας ό 'Ιησούς λέγει αύ-
ni Jjaurbun swinjjai lekeis, ak £>ai τοις· οι) χρείαν εχουσιν οί Ισχύον-
ubilaba habandans; ni qam la£>on τες Ιατρού, άλλ' ο'ι κακώς εχοντες·
uswaurhtans, ak frawaurhtans. οι) κ ήλθον καλέσαι δικαίους, άλλά
άμαρτωλούς.

18 Jah wesun siponjos Iohannis jah 18 Και ήσαν oi μαθηταί Ιωάννου


Fareisaieis fastandans; jah atiddje- και οί Φαρισαιοι νηστεύοντες. και
dun jah qejjun du imma: duh;e έρχονται και λέγουσιν αύτώ" δια τί
siponjos Iohannes jah Fareisaieis οί μαθηταί Ιωάννου και οί των
fastand, φ {jai f>einai siponjos ni Φαρισαίων νηστεύουσιν, οί δε σοι
fastand? μαθηταί ού νηστεύουσιν;
19 jah qaj> im leius: ibai magun sun- 19 και ειπεν αύτοίς ó Ίησοΰς· μή
jus brujjfadis, und Jmtei mijj im ist δύνανται οί υίοί του νυμφώνος, έν
brujrfajjs,1 fastan? swa lagga Iveila ω ό νυμφίος μετ' αυτών έστιν,
swe mi}) sis haband brujrfad, ni νηστεύειν; δσον χρόνον μεθ'
magun fastan. εαυτών εχουσιν τον νυμφίον, ού
δύνανται νηστεύειν.
20 ajilan atgaggand dagos J)an af- 20 έλεύσονται δέ ήμέραι δταν άπ-
nimada af im sa brujrfafcs, jah {jan αρθη άπ' αύτών ό νυμφίος, και
fastand in jainamma daga. τότε νηστεύσουσιν έν έκείνη τή
ημέρα.
21 ni manna plat fanins niujis siujijj 21 ουδείς έπίβλημα φάκους άγνά-
ana snagan fairnjana, ibai afnimai φου έπιράπτει έπί ίματίω παλαίω -
fullon af Jiamma sa niuja Jjamma εί δέ μή, αίρει το πλήρωμα άπ'
fairnjin, jah wairsiza gataura wair- αύτοΰ το καινόν του παλαιού, και
M>· χείρον σχίσμα γίνεται.
22 ni manna giutif» wein juggata in 22 και ουδείς βάλλει οινον νέον εις
balgins fairnjans, ibai aufto distairai άσκούς παλαιούς· εί δέ μή, φήσσει
wein Jjata niujo Jjans balgins, jah ό οίνος ό νέος τούς άσκούς, και
wein usgutnij), jah J^ai balgeis fra- ό οίνος έκχεΐται, και oí άσκοί
qistnand; ak wein juggata in balgins άπολοϋνται, άλλα οινον νέον είς
niujans giutand. άσκούς καινούς βλητέον.

23 Jah warjj {jairhgaggan imma sab- 23 Και έγένετο παραπορεύεσθαι


bato daga J)airh atisk, jah dugunnun αύτόν έν τοις σάββασιν διά τών
siponjos is skewjandans raupjan σπορίμων, και ήρξαντο οί μαθηταί
ahsa. αύτοΰ όδοποιεϊν τίλλοντες2 τούς
στάχυ ας.

1
Vgl. ZDΡ 30,181.
2
όδόν ποιοΰντες τίλλειν Bernhardt.

199
Lesestücke

24 jah Fareisaieis qejjun du imma: 24 και ol Φαρισαΐοι ελεγον αύτφ·


sai, Iva taujand siponjos Jjeinai ϊδε τί ποιοΰσιν 1 τοις σάββασιν δ
sabbatim jDatei ni skuld ist? ουκ εξεστιν;
25 jah is qaj) du im: niu ussuggwuj) 25 και αυτός ελεγεν αύτοΐς· ουδέ-
aiw Iva gatawida Daweid, Jjan ποτε άνέγνωτε τί έποίησεν Δαυείδ,
t>aurfta jah gredags was, is jah Jjai δτε χρείαν εσχεν και έπείνασεν,
ιτιφ imma? αυτός και ol μετ' αύτοΰ;
26 Ivaiwa galaijD in gard gj>s uf 26 πώς είσήλθεν ε'ις τόν οίκον του
AbiaJ>ara gudjin jah hlaibans faur- θεοΰ επί Ά β ι ά θ α ρ άρχιερέως και
lageinais matida, Jjanzei ni skuld ist τους άρτους της προθέσεως εφα-
matjan niba ainaim gudjam, jah gaf γεν, ους ουκ εξεστιν φαγεΐν εί μή
jah l>aim mil) sis wisandam? τοις ίερεΰσιν, και εδωκεν και τοις
συν αύτω ουσιν;
27 jah qaj) im: sabbato in mans warj) 27 και ελεγεν αύτοΐς· τό σάββατον
gaskapans, ni manna in sabbato δια τόν ανθρωπον έγένετο, ούχ ò
dagis; άνθρωπος δια τό σάββατον,
28 swaei (rauja ist sa sunus mans jah 28 ώστε κΰριός έστιν ó υΐός του
Jjamma sabbato. άνθρώπου και του σαββάτου.

Kap. ΠΙ. III.


1 Jah galaij) aftra in swnagogen, 1 Και είσήλθεν πάλιν εις την συν-
jah was jainar manna gajjaursana αγωγήν, και ήν εκεί άνθρωπος
habands handu. έξηραμμένην εχων την χείρα.
2 jah witaidedun imma, hailidediu 2 και παρετηροΰντο αυτόν, εί τοις
sabbato daga, ei wrohidedeina ina. σάββασιν θεραπεύσει αύτόν, ίνα
κατηγορήσωσιν αύτοΰ.
3 jah qaj) du Ramina mann Ranima 3 και λέγει τω άνθρώπω τω
ga^aursana habandin handu: urreis έξηραμμένην εχοντι την χείρα -
in midumai. εγείρε εις τό μέσον.
4 jah qa{j du im: skuldu ist in sab- 4 και λέγει αύτοΐς· εξεστιν έν τοις
batim t>iuj) taujan a i j ^ a u un{)iu]) σάββασιν άγαθοποιήσαι η κακο-
taujan, saiwala nasjan a i ^ a u us- ποιήσαι, ψυχήν σώσαι ή άποκτεΐ-
qistjan? φ eis Jjahaidedun. ναι; οί δε έσιώπων.
5 jah ussailvands ins η ι φ moda, 5 και περιβλεψάμενος αύτούς μετ'
gaurs in daubijjos hairtins ize, qa}> όργής, συλλυπούμενος έπί τη
du bamma mann: ufrakei J)o handu πωρώσει της καρδίας αύτών λέγει
Reinal jah ufrakida, jah gastob a f t r a τω άνθρώπω- εκτεινον την χεΐρά
so handus is. σου. και έξέτεινεν, και άπεκατε-
στάθη ή χειρ αύτοΰ.

1
οί μαθηταί σου Bernhardt.

200
Β. Aus dem Evangelium des Markus - Kap. III

6 Jah gaggandans Jjan Fareisaieis 6 Και εξελθόντες oi Φαρισαΐοι ευ-


sunsaiw ιηφ Jjaim Herodianum ga- θέως μετά των Ήρωδιανών συμ-
runi gatawidedun bi ina, ei imma βούλιον έποίουν κατ' αύτοΰ, όπως
usqemeina. αύτόν άπολέσωσιν.
7 jah lesus aflaib πιφ siponjam sei- 7 και ó Τησοΰς άνεχώρησεν μετά
naim du marein, jah filu manageins των μαθητών αύτοΰ προς την
us Galeilaia1 laistidedun afar imma θάλασσαν, και πολύ πλήθος άπό
jah us Iudaia της Γαλιλαίας ήκολούθησαν αύτώ
και άπό της Ιουδαίας
8 jah us Iairusaulwmim jah us Idu- 8 και άπό Ιεροσολύμων και άπό
maia jah hindana Iaurdanaus; jah της Ίδουμαίας και πέραν του Ιορ-
£>ai bi Twra jah Seidona, manageins δανού και oi περί Τύρον και Σιδώ-
filu, gahausjandans h>an filu is να, πλήθος πολύ, άκούσαντες δσα
tawida, qemun at imma. έποίει, ήλθον προς αύτόν.
9 jah qaj) J>aim siponjam seinaim ei 9 και ειπεν τοις μαθηταΐς αύτοΰ
skip habaij) wesi at imma in {)izos ίνα πλοιάριον προσκαρτερή αύτω
manageins, ei ni Jjraiheina ina. δια τον οχλον, ίνα μή θλίβωσιν
αύτόν.
10 managans auk gahailida, swaswe 10 πολλούς γαρ έθεράπευσεν,
drusun ana ina ei imma attaitokei- ώστε έπιπίπτειν αύτώ ινα αύτού
na, jah swa managai swe habai- αψωνται - και δσοι ειχον μάστιγας
dedun wundufnjos
11 jah ahmans unhrainjans, ]paih 11 και τά πνεύματα τά άκάθαρτα,
t>an ina gaselvun, drusun du imma δταν αύτόν έθεώρει, προσέπιπτεν
jah hropidedun qijjandans Jjatei bu αύτω και εκραζεν λέγοντα δτι σύ
is sunus g{)s. ει δ υΐδς του θεοΰ.
12 jah filu andbait ins ei ina ni ga- 12 και πολλά έπετίμα αύτοΐς ίνα μή
swikunjjidedeina. φανερόν αύτόν ποιήσωσιν.

13 Jah ustaig2 in fairguni jah at- 13 Και άναβαίνει εις τό ορος και
haihait Ranzel wilda is, jah galijmn προσκαλείται ους ήθελεν αύτός,
du imma. και άπήλθον προς αύτόν.
14 jah gawaurhta twalif du wisan 14 και έποίησεν δώδεκα ϊνα ώσιν
mi}) sis, jah ei insandidedi ins mer- μετ' αύτοΰ, και ινα άποστέλλη
jan, αύτούς κηρύσσειν
15 jah haban waldufni du hailjan 15 και εχειν έξουσίαν θεραπεύειν
sauhtins jah uswairpan unhul]jons. τάς νόσους και έκβάλλειν τά δαι-
μόνια.

Galeilaian Hs.
2
ustaig Hs.\ usstaig Bernhardt.

201
Lesestücke

16 jah gasatida Seimona namo 16 και έπέθηκεν τφ Σίμωνι όνομα


Paitrus; Πέτρον· 1
17 jah Iakobau Ranima Zaibaidai- 17 και Ίάκωβον τον του Ζεβε-
aus, jah Iohanne broJ>r Iakobaus, δαίου και Ίωάννην τον άδελφόν
jah gasatida im namna Bauanair- τοϋ 'Ιακώβου, και έπέθηκεν αύτοΐς
gais, ¡Datei ist: sunjus ^eitvons; ονόματα Βοανεργές, δ έστιν υίοί
βροντής·
18 jah Andraian jah Filippujah Bar- 18 και Άνδρέαν και Φίλιππον και
baulaumaiu jah MatJjaiu jah Vo- Βαρθολομαΐον και Ματθαίον και
rnan jah Iakobu t>ana Alfaiaus, jah Θωμάν και Ίάκωβον τον τοϋ Άλ-
I>addaiu jah Seimona Jrana Kana- φαίου καί Θαδδαΐον και Σίμωνα
neiten, τον Κανανίτην
19 jah ludan Iskarioten, saei jah 19 καί Ίούδαν Ίσκαριώτην, δς και
galewida ina. παρέδωκεν αυτόν.

20 Jah atiddjedun in gard, jah ga- 20 Και έρχονται εις οίκον και συν-
ïddja sik2 managei, swaswe ni mah- έρχεται πάλιν ό οχλος, ώστε μή δύ-
tedun nih hlaif matjan. νασθαι αυτούς μήτε αρτον φαγεΐν.
21 jah hausjandans fram imma 21 και άκούσαντες ol παρ' αύτοΰ 3
bokaijos jah anjrarai usiddjedun έξήλθον κρατήσαι αυτόν ελεγον
gahaban ina; qefiun auk Jratei us- γαρ δτι έξέστη.
gaisijjs ist.
22 jah bokarjos Jrai af Iairusaulw- 22 και oi γραμματείς oi άπό 'Ιερο-
mai qimandans qej^un {ratei Baiail- σολύμων καταβάντες ελεγον δτι
zaibul habaijj, jah Jjatei in Jramma Βεελζεβούλ εχει, και δτι έν τω
reikistin unhul^ono uswairpij) Jraim αρχοντι τών δαιμονίων έκβάλλει
unhuljjom. τα δαιμόνια.
23 jah athaitands ins in gajukom 23 και προσκαλεσάμενος αυτούς
qab du im: tvaiwa mag Satanas έν παραβολαΐς ελεγεν αύτοΐς· πώς
Satanan uswairpan? δύναται σατανάς σατανάν έκ-
βάλλειν;
24 jah jabai Jîiudangardi wijsra sik 24 και έάν βασιλεία έφ' έαυτήν
gadailjada, ni mag standan so μερισθή, ού δύναται σταθήναι ή
Jriudangardi jaina. βασιλεία εκείνη.
25 jah jabai gards wijjra sik gadail- 25 και εάν οικία έφ' έαυτήν μερι-
jada, ni mag standan sa gards jains. σθή, ού δύναται σταθήναι ή οίκία
έκείνη.

1
Πέτρος Bernhardt.
2
aftra nach sik ergänzt Streitberg.
3
άκούσαντες περί αύτοΰ oi γραμματείς καί οι λοιποί Bernhardt.

202
Β. Aus dem Evangelium des Markus - Kap. III

26 jah jabai Satana usstoj) ana sik 26 και εί ό σατανάς άνέστη έφ'
silban jah gadailijjs war}), ni mag εαυτόν και μεμέρισται, ού δύναται
gastandan, ak andi habaij). σταθήναι, άλλά τέλος εχει.
27 ni manna mag kasa swings 27 ουδείς δύναται τα σκεύη του
galeijjands in gard is wilwan, niba ισχυρού είσελθών εις την οίκίαν
faurjjis Jjana swinjDan gabindib; jah αυτού διαρπάσαι, έάν μή πρώτον
pan1 bana gard is diswilwai. τον ίσχυρόν δήση, και τότε την
οίκίαν αύτού διαρπάση.
28 amen, qi^a izwis, J>atei aliata 28 άμήν λέγω ύμΐν οτι πάντα
afletada b a t a frawaurhte sunum άφεθήσεται τα αμαρτήματα τοις
manne, jah naiteinos swa managos υίοΐς των άνθρώπων, και βλασφη-
swaswe wajameijand; μίαι, δσας αν βλασφημήσωσιν
29 abban saei wajamereij) ahman 29 ος δ' αν βλασφημήση εις τό
weihana, ni habaib fralet aiw, ak πνεύμα τό αγιον, ούκ εχει αφεσιν
skula ist aiweinaizos frawaurhtais. εις τον αιώνα, άλλ' ενοχός έστιν
αΙωνίου άμαρτήματος.
30 unte qe{)un: ahman unhrainjana 30 δτι ελεγον πνεύμα άκάθαρτον
habaij). εχει.

31 Jah qemun ban ai^ei is jah brobr- 31 "Ερχονται ουν ή μήτηρ αυτού
jus is jah uta standandona insandi- και οί άδελφοί αύτού, και εξω
dedun du imma, haitandona ina. έστώτες απέστειλαν προς αυτόν
φωνούντες 2 αυτόν.
32 jah setun bi ina managei; qejjun 32 και έκάθητο περί αυτόν δχλος,
ban du imma: sai, ai|)ei Jjeina jah ειπον δέ αύτφ· ιδού ή μήτηρ σου
bro^ijus Jjeinai jah swistijus Reinos και οί άδελφοί σου και ai άδελφαί
uta sokjand buk. σου εξω ζητούσίν σε.
33 jah andhof im qibands: Ivo ist so 33 και άπεκρίθη αύτοϊς λέγων τίς
aijiei meina aibbau bai brojjrjus έστιν ή μήτηρ μου ή οί άδελφοί
meinai? μου;
34 jah bisailvands bisunjane bans bi 34 και περιβλεψάμενος κύκλω
sik sitandans qaj>: sai, aij>ei meina τούς περί αύτόν καθημένους λέγει-
jah bai brobrjus meinai. ιδε ή μήτηρ μου και οί άδελφοί
μου,
35 saei allis waurkeib wiljan gj>s, 35 δς γαρ αν ποιήση τό θέλημα τού
sa jah bromar meins jah swistar jah θεού, ούτος άδελφός μου και
aijjei ist. άδελφή και μήτηρ εστίν.

1
Fehlt Hs.
2
καλούντες Bernhardt.

203
Lesestücke

Kap. IV. IV.


1 Jah aftra lesus dugann laisjan at 1 Και πάλιν ήρξατο διδάσκειν
marein, jah galesun sik du imma παρά την θάλασσαν, καί συν-
manageins filu, swaswe ina galei- ήχθη 2 προς αυτόν οχλος πολύς,
jDandan1 in skip gasitan in marein; ώστε αυτόν έμβάντα εις τό πλοΐον
jah alla so managei wijjra marein καθήσθαι έν τη θαλάσστ), καί πάς
ana stajja was. ó οχλος προς την θάλασσαν επί
της γης ην.
2 jah laisida ins in gajukom manag, 2 καί έδίδασκεν αυτούς έν παρα-
jah qajj im in laiseinai seinai: βολάϊς πολλά, καί ελεγεν αύτοΐς έν
τή διδαχή αύτοΰ·
3 hauseij}! sai, urrann sa saiands du 3 άκούετε, Ιδού έξήλθεν ό σπείρων
saian fraiwa seinamma. του σπεΐραι τον σπόρον αυτού.
4 jah war}), mij^anei saiso, sum 4 καί έγένετο έν τω σπείρειν ο μεν
raihtis gadraus faur wig, jah qemun επεσεν παρά την όδόν, καί ήλθεν
fuglos jah fretun fiata. τά πετεινά καί κατέφαγεν αυτό.
5 an{wu{>J)an gadraus ana staina- 5 άλλο δε επεσεν έπί τό πετρώδες,
hamma, Jwei ni habaida airj)a οπου ουκ ειχεν γήν πολλήν, καί
managa, jah suns urrann, in J^izei ni ευθέως έξανέτειλεν δια τό μη εχειν
habaida diupaizos airaos; βάθος γης-
6 at sunnin {jan urrinnandin 6 ηλίου δέ άνατείλαντος έκαυμα-
ufbrann, jah unte ni habaida waur- τίσθη, καί δια τό μη εχειν ρίζαν
tins, ga^aursnoda. έξηράνθη.
7 jah sum gadraus in ^aurnuns; jah 7 καί άλλο επεσεν εις τάς άκάνθας,
ufarstigun Jjai {Daurnjus jah aflvapi- καί άνέβησαν ai ακανθαι καί συν-
dedun £>ata, jah akran ni gaf. έπνιξαν αυτό, καί καρπόν ουκ
εδωκεν.
8 jah sum gadraus in air{ja goda, jah 8 καί άλλο επεσεν είς την γην την
gaf akran urrinnando jah wahsjan- καλήν, καί έδίδου καρπόν άναβαί-
do, jah bar ain 1· jah ain j· jah ain νοντα καί αυξάνοντα, καί εφερεν
r·. έν3 τριάκοντα καί έν4 έξήκοντα καί
έν5 εκατόν.
9 jah qaj>: saei habai ausona haus- 9 καί ελεγεν δς εχει ώτα άκούειν,
jandona, gahausjai. άκουέτω.

1
galeijjan Hs. Doch vgl. Germ. 24, 167; ZDP 5, 399 f.; WredelHeyne XI.
2
συνήχθησαν Bernhardt.
3
έν] εν Bernhardt.
4
έν] εν Bernhardt.
5
èvj εν Bernhardt.

204
Β. Aus dem Evangelium des Markus - Kap. IV

10 IJ) bi[)e warjj sundro, frehun ina 10 Ό τ ε δέ έγένετο κατά μόνας,


t>ai bi ina mij) jjaim twalibim J>izos ήρώτησαν αυτόν oi περί αυτόν σύν
gajukons. τοις δώδεκα την παραβολήν.
11 jah qaj> im: izwis atgiban ist kun- 11 και ελεγεν αύτοΐς- ΰμίν δέδοται
nan runa Jjiudangardjos g}>s, φ jai- γνώναι τό μυστήριον της βασιλείας
naim t>aim uta in gajukom1 aliata τοΰ θεοΰ, έκείνοις δέ τοις έξω έν
wairjîij), παραβολαΐς τα πάντα γίνεται,
12 ei sailuandans saihiaina jah ni 12 ϊνα βλέποντες βλέπωσιν και μη
gaumjaina, jah hausjandans haus- ΐδωσιν, και άκούοντες άκούωσιν
jaina jah ni frajjjaina, nibai2 Ivan και μη συνιώσιν, μήποτε έπι-
gawandjaina sik jah afletaindau im στρέψωσιν και άφεθή αύτοις τά
frawaurhteis. αμαρτήματα.
13 jah qaj) du im: ni wituj) J)o ga- 13 και λέγει αύτόϊς· ουκ οϊδατε την
jukon, jah baiwa alios J)os gajukons παραβολήν ταύτην, και πώς πά-
kunneij)? σας τάς παραβολάς γνώσεσθε;
14 sa saijands waurd saijij). 14 ό σπείρων τον λόγον σπείρει.
15 ajilan £>ai wijjra wig sind, Jjarei 15 ούτοι δέ είσιν οί παρά την όδόν
saiada Jjata waurd, jah J)an gahaus- όπου σπείρεται ό λόγος, και οταν
jand unkaijans, suns qimif) Satanas άκούσωσιν, ευθέως ερχεται ό
jah usnimij) waurd bata insalano in σατανάς και αϊρει τόν λόγον τον
hairtam ize. έσπαρμένον έν ταΐς καρδίαις
αυτών.
16 jah3 sind samaleiko ]jai ana stai- 16 και ουτοί είσιν όμοίως οί έπί τά
nahamma saianans, J>aiei J>an haus- πετρώδη σπειρόμενοι, οϊ δταν
jand Jjata waurd, suns πιφ fahedai άκούσωσιν τόν λόγον, ευθέως
nimand ita. μετά χαράς λαμβάνουσιν αυτόν,
17 jah ni haband waurtins in sis, 17 και ουκ έχουσιν ρίζαν έν έαυ-
ak hieilahiairbai sind; Jja^roh, bij>e τοις, άλλά πρόσκαιροι είσιν ειτα
qimij) agio a i ^ a u wrakja in J>is γενομένης θλίψεως ή διωγμού διά
waurdis, suns gamarzjanda. τόν λόγον ευθέως σκανδαλίζον-
ται.
18 jah }jai sind J>ai in Jjaurnuns 18 και ουτοί είσιν οί εις τάς άκάν-
saianans, t>ai waurd hausjandans, θας σπειρόμενοι, οί τόν λόγον
άκούοντες,
19 jah saurgos JDÍZOS libainais jah 19 και ai μέριμναι τοΰ αιώνος
afmarzeins gabeins jah }>ai bi bata τούτου" και ή άπάτη τοϋ πλούτου
anjjar lustjus innatgaggandans af- και αί περί τά λοιπά έπιθυμίαι
luapjand {jata waurd, jah akrana- είσπορευόμεναι συμπνίγουσιν τόν
laus wairjDÍJ). λόγον, και άκαρπος γίνεται.
1
gajukon Hs., WredelHeyne XI.
2
ibai Streitberg (Bernhardt).
3
jah J»ai Streitberg.
4
τοϋ βίου Bernhardt.

205
Lesestücke

20 jah Jjai sind Jjai ana airj)ai {lizai 20 και ούτοι είσιν oi έπί την γην την
godon saianans, t>aiei hausjand Jjata καλήν σπαρέντες, οιτινες άκού-
waurd jah andnimand, jah akran ουσιν τον λόγον και παραδέχον-
bairand, ain ·!· jah ain j· jah ain r·. ται, και καρποφοροΰσιν έν1 τριά-
κοντα καί έν2 έξήκοντα και έν3
εκατόν.

21 Jah qa{3 du im: ibai lukarn qimijD 21 Καί ελεγεν αύτοΐς· μήτι ό λύχ-
duj)e ei uf melan satjaidau aiJjJjau νος έρχεται ϊνα υπό τον μόδιον
undar ligr? niu ei ana lukarnastajjan τεθή ή υπό την κλίνην; ούχ ϊνα έπί
satjaidau? την λυχνίαν τεθη;
22 nih allis ist Iva fulginis J>atei ni 22 οι) γάρ έστίν τι κρυπτόν δ έάν μή
gabairhtjaidau; nih warf» analaugn, φανερωθή - ουδέ έγένετο άπόκρυ-
ak ei swikunf» wairjjai. φον, άλλ' ϊνα είς φανερόν έλθη.
23 jabai Ivas habai ausona hausjan- 23 εΐ τις έχει ωτα άκούειν, άκου-
dona, gahausjai. έτω.

24 Jah qa}> du im: sailvij}, Iva hau- 24 Καί ελεγεν αύτοϊς· βλέπετε τί
seif»! In {)izaiei mitaf) η ώ φ , mitada άκούετε. έν ω μέτρω μετρεΐτε,
izwis jah biaukada izwis {jaim ga- μετρηθήσεται ύμιν καί προστεθή-
laubjandam. σεται ύμϊν τοις άκούουσιν. 4
25 unte J>ish;ammeh saei habaif) 25 ός γάρ αν έχη δοθήσεται αύτφ·
gibada imma: jah saei ni habaif» jah καί δς ουκ έχει καί δ έχει άρθήσε-
J>atei habaij) afnimada imma. ται άπ' αύτοϋ.

26 Jah qa£>: swa ist {riudangardi g{)s, 26 Καί ελεγεν οϋτως έστίν ή βα-
swaswe jabai manna wairpij} fraiwa σιλεία τοΰ θεοΰ, ώς έάν άνθρωπος
ana airj)a, βάλη τον σπόρον έπί της γης,
27 jah slepit? jah urreisij) naht jah 27 καί καθεύδη καί έγείρηται νύκ-
daga, jah Jjata fraiw keinij) jah τα καί ήμέραν, καί ó σπόρος βλασ-
liudij) swe ni wait is. τάντ) καί μηκύνηται, ώς ουκ όίδεν
αυτός.
28 silbo auk airjja akran bairi}}; 28 αύτομάτη γαρ ή γή καρποφορεί,
frumist gras, J)a})roh ahs, JraJjroh πρώτον χόρτον, ειτα στάχυν, ειτα
fulleij)5 kaurnis in jjamma ahsa. πλήρη σΐτον έν τώ στάχυϊ.

έν] εν Bernhardt.
2
έν] i v Bernhardt.
3
έν] έν Bernhardt.
4
τοις άκούουσιν fehlt Bernhardt.
5
fullib Streitberg (Kluge § 131).

206
Β. Aus dem Evangelium des Markus - Kap. IV

29 t>anuh bijje atgibada akran, suns 29 δταν δέ παραδώ ó καρπός, ευ-


insandeij) gilj>a unte atist asans. θέως αποστέλλει τό δρέπανον, δτι
παρέστηκεν ό θερισμός.

30 Jah qaj): h;e galeikom Jjiudan- 30 Και έλεγεν τίνι όμοιώσωμεν


gardja gjDs, ai^{3au in hnleikai ga- τήν βασιλείαν του θεοΰ, ή εν ποία
jukon gabairam ]DO? παραβολή παραβάλωμεν αυτήν;
31 swe kaurno sinapis, ¡Datei J>an 31 ώς κόκκον σινάπεως, δς δταν
saiada ana air^a, minnist allaize σπαρή επί της γης, μικρότερος
fraiwe ist f>ize ana airjDai; πάντων των σπερμάτων έστιν των
έπίτής γης,
32 jah £>an saiada, urrinnif) jah wair- 32 καί δταν σπαρή, άναβαίνει και
1>φ allaize grase maist, jah gataujij) γίνεται πάντων των λαχάνων μεί-
astans mikilans, swaswe magun uf ζων, καί ποιεί κλάδους μεγάλους,
skadau is fuglos himinis gabauan. ώστε δύνασθαι υπό τήν σκιάν
αυτοί τα πετεινό του ούρανοΰ
κατασκηνοϋν.
33 jah swaleikaim managaim ga- 33 καί τοιαύταις παραβολαΐς πολ-
jukom rodida du im })ata waurd λαΐς έλάλει αύτοΐς τον λόγον
swaswe mahtedun hausjon. καθώς έδύναντο άκούειν.
34 φ inuh gajukon ni rodida im, φ 34 χωρίς δέ παραβολής ουκ έλάλει
sundro siponjam seinaim andband αύτοΐς, κατ' ιδίαν δέ τοις μαθηταΐς
aliata. αύτοϋ έπέλυεν πάντα.

35 Jah qa]j du im in jainamma daga 35 Καί λέγει αύτοΐς έν εκείνη τή


at andanahtja t>an waurjjanamma: ημέρα όψίας γενομένης· διέλθω-
uslei]jam jainis stadis.1 μεν είς τό πέραν.
36 jah afletandans {)o managein 36 καί άφέντες τον οχλον παρα-
andnemun ina swe was in skipa; jah λαμβάνουσιν αυτόν ώς ην έν τω
Jjan aneara skipa wesun ηιφ imma. πλοίω, καί άλλα δέ πλοιάρια ήν
μετ' αύτοϋ.
37 jah warf) skura windis mikila jah 37 καί γίνεται λαΐλαψ άνέμου
wegos waltidedun in skip, swaswe μεγάλη καί τα κύματα έπέβαλλεν
ita jujjan gafullnoda. είς τό πλοϊον, ώστε αύτό ήδη
γεμίζεσθαι.
38 jah was is ana notin ana waggarja 38 καί ήν αύτός έπί τή πρύμνη έπί
slepands, jah urraisidedun ina jah τό προσκεφάλαιον καθεύδων, καί
qejnm du imma: laisari, niu kara διεγείρουσιν αύτόν καί λέγουσιν
Jjuk J>izei fraqistnam? αύτω· διδάσκαλε, ού μέλει σοι δτι
άπολλύμεθα;

1
stasis Cosijn (Streitberg II, 129).

207
Lesestücke

39 jah urreisands gasok winda jah 39 και διεγερθείς έπετίμησεν τώ


qaj) du marein: gaslawai, afdumbn! ά ν έ μ φ και ειπεν xfj θαλάσση·
jah anasilaida sa winds jah warf) wis σιώπα, πεφίμωσο. και έκόπασεν
mikil. ó άνεμος, και έγένετο γαλήνη
μεγάλη.
40 jah qaj) du im: d u b e faurhtai 40 και ειπεν αύτοΐς - τί δειλοί έστε
sijut> swa? Ivaiwa ni nauh habaij) οϋτως; π ώ ς ουκ εχετε πίστιν;
galaubein?
41 jah ohtedun sis agis mikil, jah 41 και έφοβήθησαν φόβον μέγαν,
qejDun du sis misso: b a s J>annu sa και ελεγον προς άλλήλους· τίς ά ρ α
sijai, unte jah winds jah marei uf- ουτός έστιν, ότι και ό άνεμος και
hausjand imma? ή θάλασσα ύπακούουσιν αύτώ;

Kap. V. V.
1 Jah qemun hindar marein in landa 1 Και ήλθον εις το πέραν της
Gaddarene. θαλάσσης εις την χ ώ ρ α ν τών
Γαδαρηνών.
2 jah usgaggandin imma us skipa 2 και έξελθόντι α ύ τ ώ εκ τοϋ
suns gamotida imma manna us πλοίου ευθέως άπήντησεν αύτώ έκ
aurahjom in ahmin unhrainjamma, τών μνημείων άνθρωπος 1 έν πνεύ-
ματι ά κ α θ ά ρ τ ω ,
3 saei bauain habaida in aurahjom: 3 ος την κατοίκησιν ειχεν έν τοις
jah ni naudibandjom eisarneinaim μνήμασιν, και οϋτε άλύσεσιν ού-
manna mahta ina gabindan. δείς έδύνατο αύτόν δήσαι,
4 unte is ufta eisarnam bi fotuns ga- 4 δια τό αύτόν πολλάκις πέδαις και
buganaim jah naudibandjom eisar- άλύσεσιν δεδέσθαι και διεσπάσθαι
neinaim gabundans was, jah ga- ύ π ' αύτοΰ τάς άλύσεις και τάς
lausida af sis J>os naudibandjos, jah π έ δ α ς συντετρΐφθαι, καί ούδείς
{JO ana fotum eisarna gabrak jah ϊσχυεν αύτόν δαμάσαι.
manna ni mahta ina gatamjan. 2
5 jah sinteino nahtam jah dagam in 5 και διαπαντός νυκτός και ήμέρας
aurahjom jah in fairgunjam was έν τοις μνήμασιν και έν τοις ορεσιν
hropjands jah bliggwands sik stai- ην κ ρ ά ζ ω ν καί κατακόπτων εαυ-
nam. τόν λίθοις.
6 gasailvands 3 f>an Iesu fairrajjro 6 ίδών δε τον Ίησοΰν μακρόθεν
rann jah inwait ina, εδραμεν και προσεκύνησεν αύτόν,

1
άνθρωπος έκ τών μνημείων Bernhardt.
2
Randglosse gabindan.
3
gasaisailvands Hs.

208
Β. Aus dem Evangelium des Markus - Kap. V

7 jah hropjands stibnai mikilai qajj: 7 και κράξας φωνή μεγάλη ειπεν·
Iva mis jah JJUS, Imi, sunau gj>s bis τί έμοί και σοί, 'Ιησού υιέ του θεού
hauhistins? biswara £uk bi guda, ni του υψίστου; ορκίζω σε τον θεόν,
balwjais mis! μή με βασανίσης.
8 unte qaj) imma: usgagg, ahma 8 ελεγεν γαρ αύτφ· εξελθε, το
unhrainja, us bamma mann! πνεύμα τό άκάθαρτον, έκ του
άνθρώπου.
9 jah frah ina: Iva namo t>ein? jah 9 και έπηρώτα αυτόν· τί ονομά σοι;
qaj) du imma: namo mein Laigaion, και λέγει αύτω· λεγεών ονομά μοι,
unte managai sijum. ότι πολλοί έσμεν.
10 jah bab ina filu ei ni usdrebi im 10 καί παρεκάλει αυτόν πολλά ίνα
us landa. μή άποστείλη αυτούς εξω της
χώρας.
11 wasuh ban jainar hairda sweine 11 ήν δε έκεΐ άγέλη χοίρων
haldana at Jjamma fairgunja. βοσκομένη προς τω ορει.
12 jah bedun ina alios J>os unhul- 12 καί παρεκάλεσαν αυτόν πάντες
bons qibandeins: insandei unsis in οί δαίμονες λέγοντες· πέμψον
bo sweina, ei in f>o galei£>aima. ημάς εις τους χοίρους, ίνα εϊς
αύτοΰς είσέλθωμεν.
13 jah uslaubida im I&SMS suns, jah 13 καί έπέτρεψεν αύτοίς ευθέως ό
usgaggandans ahmans bai unhrain- Ίησοΰς. καί εξελθόντα τά πνεύ-
jans galibun in bo sweina, jah rann ματα τά άκάθαρτα είσήλθον είς
so hairda and driuson in marein; τούς χοίρους, και ώρμησεν ή άγέλη
wesunut)-J)an swe twos Jmsundjos, κατά του κρημνού είς την θάλασ-
jah aflvapnodedun in marein. σαν, ήσαν δέ ως δισχίλιοι, καί έπ-
νίγοντο εν τή θαλάσση.
14 jah t>ai haldandans J)o sweina 14 καί ol βόσκοντες τούς χοίρους
ga{>lauhun jah gataihun in baurg jah εφυγον καί άπήγγειλαν είς την πό-
in haimom, jah qemun sailvan Iva λιν καί είς τους άγρούς, καί ήλθον
wesi bata waurjjano. ίδεϊν τί έστιν τό γεγονός.
15 jah atiddjedun du I&yua, jah ga- 15 καί έρχονται προς τον Ίησούν,
sailvand bana wodan sitandan jah καί θεωροϋσιν τον δαιμονιζόμενον
gawasidana jah frajjjandan, J>ana καθήμενον καί ίματισμένον καί
saei habaida laigaion, jah ohtedun. σωφρονούντα, τον έσχηκότα τον
λεγεώνα, καί έφοβήθησαν.
16 jah spillodedun im J>aiei ga- 16 καί διηγήσαντο αύτοίς οί Ιδόν-
selvun, Ivaiwa warb bi })ana wodan τες πώς έγένετο τω δαιμονιζομένω
jah bi J)o sweina. καί περί των χοίρων.
17 jah dugunnun bidjan ina ga- 17 καί ήρξαντο παρακαλεΐν αύτόν
leiban hindar markos seinos. άπελθεΐν άπό τών όρίων αύτών.
18 jah inngaggandan ina in skip bab 18 καί έμβάντος αυτού είς τό πλοΐ-
ina, saei was wods, ei mij) imma ον παρεκάλει αυτόν ό δαιμονισ-
wesi. θείς ϊνα μετ' αύτοΰ ή.

209
Lesestücke

19 jah ni lailot ina, ak qajj du imma: 19 και ούκ άφήκεν αυτόν, άλλα
gagg du garda J>einamma du J?ei- λέγει αύτω· ϋπαγε εις τον οΐκόν
naim, jah gateih im, Ivan filu {JUS σου προς τους σούς, και άνάγγει-
frauja gatawida jah gaarmaida {juk. λον αύτοις δσα σοι δ κύριος πε-
ποίηκεν και ήλέησέν σε.
20 jah galaijj jah dugann merjan in 20 και άπήλθεν και ήρξατο κηρύσ-
Daikapaulein, Ivan filu gatawida σειν εν τη Δεκαπόλει δσα έποίησεν
imma lest/s; jah allai sildaleiki- αύτω ό Ίησοΰς, και πάντες έθαύ-
dedun. μαζον.

21 Jah usleifcandin Ieiua in skipa 21 Και διαπεράσαντος τοΰ Ίησοΰ


aftra hindar marein, gaqemun sik εν τω πλοίω πάλιν εις τό πέραν,
manageins filu du imma, jah was συνήχθη δχλος πολύς έπ' αύτόν,
faura marein. και ήν παρά την θάλασσαν.
22 jah sai, qimij) ains £>ize swnagoga- 22 και ιδού ερχεται εις των άρχι-
fade namin Jaeirus; jah sailvands συναγώγων όνόματι Ίάειρος, και
ina gadraus du fotum Imiis, ίδών αυτόν πίπτει προς τούς
πόδας αύτοΰ,
23 jah bajj ina filu, qi})ands J>atei 23 καί παρεκάλει αυτόν πολλά,
dauhtar meina aftumist habai{3, ei λέγων δτι τό θυγάτριόν μου έσχά-
qimands lagjais ana |DO handims, ei τως εχει, ίνα έλθών έπιθής αυτή
ganisai jah libai. τάς χείρας, ίνα σωθή καί ζήση.
24 jah galai}) ιηφ imma, jah iddje- 24 καί άπήλθεν μετ' αύτοΰ, καί
dun afar imma manageins filu jah ήκολούθει αύτω δχλος πολύς, καί
£>raihun ina. συνέθλιβον αύτόν.
25 jah qinono suma wisandei in 25 καί γυνή τις ούσα έν ρύσει
runa blo{)is jera twalif, αίματος ετη δώδεκα
26 jah manag ga^ulandei fram 26 καί πολλά παθοΰσα ύπό πολ-
managaim lekjam jah fraqimandei λών ιατρών καί δαπανήσασα τα
allamma seinamma jah ni waihtai παρ' αύτής πάντα καί μηδέν ώφε-
botida, ak mais wairs habaida, ληθεΐσα άλλά μάλλον εις τό χείρον
έλθοΰσα,
27 gahausjandei bi Iesu, atgaggan- 27 άκούσασα περί τοΰ Ίησοΰ,
dei in managein aftana attaitok έλθοΰσα έν τω δχλω όπισθεν ήψα-
wastjai is. το τοΰ ιματίου αύτοΰ.
28 unte qaj> f atei jabai wastjom is 28 έλεγεν γαρ δτι καν των Ιματίων
atteka, ganisa. αύτοΰ άψωμαι, σωθήσομαι.
29 jah sunsaiw ga^aursnoda sa 29 καί εύθέως έξηράνθη ή πηγή
brunna bloftis izos, jah ufkunj^a ana τοΰ αίματος αύτής, καί εγνω τω
leika Jjatei gahailnoda af fiamma σώματι δτιΐαται άπδ της μάστιγος.
slaha.

210
Β. Aus dem Evangelium des Markus - Kap. V

30 jah sunsaiw lesus ufkun^a in sis 30 και ευθέως ό Ίησοϋς έπιγνούς


silbin l)o us sis maht usgaggandein; έν έαυτφ την έξ αύτοΰ δΰναμιν
gawandjands sik in managein qa£>: έξελθοΰσαν, έπιστραφείς έν τω
toas mis taitok wastjom? οχλω ελεγεν· τίς μου ήψατο τών
Ιματίων;
31 jah qejjun du imma siponjos is: 31 και ελεγον αύτφ oi μαθηταί
saihùs J)o managein Jjreihandein αυτοΰ· βλέπεις τον οχλον συνθλί-
J)uk, jah qij)is: Ivas mis taitok? βοντά σε και λέγεις· τίς μου ήψατο;
32 jah wlaitoda saitvan JDO }>ata tau- 32 και περιεβλέπετο ίδεϊν την
jandein. τούτο ποιήσασαν.
33 φ so qino ogandei jah reirandei, 33 ή δε γυνή φοβηθεΐσα και τρέ-
witandei Jjatei warj> bi ija, qam jah μουσα, είδυΐα ο γέγονεν έπ' αύτη,
draus du imma, jah qajD imma alla ήλθεν και προσέπεσεν αύτφ και
}>o sunja. είπεν αύτφ πάσαν την άλήθειαν.
34 φ is qa£) du izai: dauhtar, galau- 34 ò δέ ειπεν αύτη· θύγατερ, ή
beins ^eina ganasida J)uk, gagg in πίστις σου σέσωκέν σε· ΰπαγε είς
gawairjn, jah sijais haila af J)amma είρήνην, και ϊσθι υγιής άπό της
slaha J>einamma. μάστιγος σου.

35 NauhJ>anuh imma rodjandin 35 "Ετι αύτοΰ λαλοΰντος έρχονται


qemun fram fiamma swnagogafada, άπό του άρχισυναγώγου λέγοντες
qijjandans {jatei dauhtar J>eina ga- δτι ή θυγάτηρ σου άπέθανεν, τί ετι
swalt; h;a Jjanamais draibeis Jjana σκΰλλεις τον διδάσκαλον;
laisari?
36 φ lejas sunsaiw gahausjands 36 δ δέ Ίησοϋς εύθέως άκουσας
{jata waurd rodij), qaf> du Ranima τον λόγον λαλούμενον λέγει τφ
swnagogafada: ni faurhtei, Jjatainei άρχισυναγώγω· μή φοβοΰ, μόνον
galaubei. πίστευε.
37 jah ni fralailot ainohun ize mij) 37 και ούκ άφήκεν ούδένα αύτφ
sis afargaggan, nibai Paitru jah συνακολουθήσαι εί μή Πέτρον και
Iakobu jah Iohannen bromar Iako- Ίάκωβον καί Ίωάννην τον άδελ-
bis. φόν Ιακώβου.
38 jah galaij) in gard J)is swnagoga- 38 και ερχεται είς τόν οίκον του
fadis, jah gasalv auhjodujah gretan- άρχισυναγώγου, καί θεωρεί θόρυ-
dans jah waifairhjandans filu. βον και κλαίοντας καί άλαλάζον-
τας πολλά.
39 jah innatgaggands qaj) du im: 39 καί είσελθών λέγει αύτοΐς· τί
h;a auhjof) jah gretij)? J>ata barn ni θορυβεισθε καί κλαίετε; τό παιδί-
gadaufmoda, ak slepij». ον ούκ άπέθανεν άλλα καθεύδει.

211
Lesestücke

40 jah bihlohun ina. φ is us- 40 και κατεγέλων αύτοϋ. ό δέ έκ-


wairpands allaim ganimi{D attan J>is βαλών πάντας παραλαμβάνει τον
barnis jah ai^ein jah J)ans η ι φ sis, πατέρα τοϋ παιδιού και την μητέ-
jah galaij} inn {jarei was J>ata barn ρα και τους μετ' αύτοϋ, και είσ-
ligando. πορεΰεται οπού ήν τό παιδίον
άνακείμενον.
41 jah fairgraip bi handau J>ata barn 41 και κρατήσας της χειρός τοΰ
qajjuh du izai: talei^a kumei, {Datei παιδιού λέγει αύτη· ταλιθά κούμει,
ist gaskeirif): mawilo, du {dus qij>a: δ έστιν μεθερμηνευόμενον· τό κο-
urreis. ράσιον, σοι λέγω· εγείρε.
42 jah suns urrais so mawi jah iddja; 42 και ευθέως άνέστη τό κοράσιον
was auk jere twalibe; jah usgeisno- και περιεπάτει· ήν γαρ έτών δώ-
dedun faurhtein mikilai. δεκα· και έξέστησαν έκστάσει
μεγάλη.
43 jah anabauf) im filu ei manna ni 43 και διεστείλατο αύτοις πολλά
funjDi {Data: jah haihait izai giban ϊνα μηδείς γνω τοϋτο, και ειπεν
matjan. δοθήναι αύτη φαγεΐν.

C. Aus dem Evangelium des Lukas


(Codex argenteus)

Kap. II. II.


1 WarJj {Dan in dagans jainans, ur- 1 Έγένετο δέ έν ταΐς ήμέραις έκεί-
rann gagrefts fram kaisara Agustau, ναις έξήλθεν δόγμα παρά Καίσα-
gameljan allana midjungard. ρος Αύγουστου άπογράφεσθαι
πάσαν την οίκου μένην.
2 soh t>an gilstrameleins frumista 2 αύτη ή άπογραφή πρώτη έγένετο
war{Dat [wisandin kindina Swriais]1 ηγεμονεύοντος της Συρίας Κυρη-
raginondin Saurim Kwreinaiau. νίου.
3 jah iddjedun allai, ei melidai 3 και έπορεύοντο πάντες άπο-
weseina, Ivarjizuh in seinai baurg. γράφεσθαι, έκαστος εις την ιδίαν
πάλιν.
4 urrann {Dan jah Iosef us Galeilaia, 4 άνέβη δέ και 'Ιωσήφ άπό της Γα-
us baurg Nazaraif» in Iudaian, in λιλαίος έκ πόλεως Ναζαρέθ εις την
baurg Daweidis sei haitada BeJ)la- Ίουδαίαν, εις πόλιν Δαυείδ ήτις
haim, du{De ei was us garda fadrei- καλείται Βηθλεέμ, δια τό είναι αυ-
nais Daweidis, τόν έξ οίκου και πατριός Δαυείδ,

1
wisandin kindina Swriais ist offenbar eine in den Text geratene Randglosse der
Vorlage. Nach Wrede/Heyne ist umgekehrt raginondin Saurim das Glossem. Vgl.
KZ 41, 168; ZDF 43, 12.

212
C. Aus dem Evangelium des Lukas - Kap. II

5 anameljan π ι φ Mariin sei in fra- 5 άπογράψασθαι συν Μαρία τή


giftim was imma qeins, wisandein μεμνηστευμένη αύτώ γυναικί,
inkiljjon. οΰστ) έγκύω.
6 war^) t>an> m i ^ a n e i JDO wesun jai- 6 έγένετο δέ έν τω είναι αυτούς
nar, usfullnodedun dagos du bairan εκεί έπλήσθησαν αϊ ήμέραι του
izai. τεκεΐν αυτήν,
7 jah gabar sunu seinana t>ana 7 και ετεκεν τον υίόν αυτής τόν
frumabaur, jah biwand ina jah ga- πρωτότοκον, και έσπαργάνωσεν
lagida ina in uzetin, unte ni was im αυτόν και άνέκλινεν αυτόν έν τή
rumis in Stada Jjamma. φάτνη, διότι ουκ ήν αύτοΐς τόπος
έν τ φ καταλύματι.
8 jah hairdjos wesun in jjamma 8 και ποιμένες ήσαν έν τή χώρα τή
samin landa, Jsairhwakandans jah αυτή άγραυλοΰντες και φυλάσ-
witandans wahtwom nahts ufaro σοντες φύλακας τής νυκτός έπι τήν
hairdai seinai. ποίμνην αυτών.
9 φ aggilus iraujim anaqam ins, 9 και άγγελος κυρίου έπέστη αύ-
jah WUIJDUS fraujins biskain ins, jah τοΐς, και δόξα κυρίου περιέλαμψεν
ohtedun agisa mikilamma. αυτούς, και έφοβήθησαν φόβον
μέγαν.
10 jah qaj) du im sa aggilus: ni ogeij), 10 και ειπεν αύτόίς ó άγγελος· μή
unte sai, spillo izwis faheid mikila, φοβεΐσθε, Ιδού γαρ ευαγγελίζομαι
sei wairjji}) allai managein, ύμΐν χαράν μεγάλην, ήτις εσται
παντί τω λαώ,
11 J)atei gabaurans ist izwis himma 11 δτι έτέχθη ύμΐν σήμερον σωτήρ,
daga nasjands, saei ist Xristus δς έστιν Χριστός κύριος, έν πόλει
froM/'a, in baurg Daweidis. Δαυείδ.
12 jah Jjata izwis taikns: bigitid barn 12 και τοΰτο ύμΐν τό σημεΐον·
biwundan jah galagid in uzetin. εύρήσετε βρέφος έσπαργανωμέ-
νον και κείμενον έν φάτνη.
13 jah anaks warj) π ι φ £>amma 13 και έξαίφνης έγένετο συν τω άγ-
aggilau managei haijis himinakun- γέλω πλήθος στρατιάς ουρανίου
dis hazjandane gt> jah qi^andane: αίνούντων τόν θεόν και λεγόντων·
14 wul{)us in hauhistjam gj>a jah ana 14 δόξα έν ύψίστοις θεώ και έπι
air^ai gawairj>i in mannam godis γης ειρήνη έν άνθρώποις ευ-
wiljins. δοκίας.

15 Jah war}), bij>e galijjun fairra im 15 Και έγένετο ως άπήλθον απ'


in himin {Dai aggiljus, jah Jsai mans αυτών εις τόν ούρανόν oi άγγελοι,
J>ai hairdjos qejjun du sis misso: και ol άνθρωποι οι ποιμένες ειπον
Jjairhgaggaima ju und Bejilahaim προς άλλήλους· διέλθωμεν δή έως
jah sailuaima waurd Jjata waurjja- Βηθλεέμ καίΐδωμεν τό ρήμα τοΰτο
no, Jsatei frauja. gakannida unsis. τό γεγονός, δ δ κύριος έγνώρισεν
ήμιν.

213
Lesestücke

16 jah qemun sniumjandans, jah 16 και ήλθον σπεύσαντες, καί


bigetun Marian jah Iosef jah l?ata άνεύρον την τε Μαρίαν και τον
barn ligando in uzetin. Ιωσήφ καί τό βρέφος κείμενον έν
τη φάτνη.
17 gasailvandans {)an gakannide- 17 ίδόντες δέ διεγνώρισαν περίτού
dun bi {Data waurd J)atei rodijj was ρήματος του λαληθέντος αύτοΐς
du im bi {jata barn. περί του παιδιού τούτου.
18 jah allai ]?ai gahausjandans 18 καί πάντες ol άκούσαντες
sildaleikidedun bi J)o rodidona έθαύμασαν περί των λαληθέντων
fram Jjaim hairdjam du im. υπό των ποιμένων προς αυτούς·
19 φ Maria alla gafastaida JDO waur- 19 ή δέ Μαρία πάντα συνετήρει τα
da Jjagkjandei in hairtin seinamma. ρήματα ταύτα συμβάλλουσα έν τη
καρδία αυτής.
20 jah gawandidedun sik f>ai haird- 20 καί ύπέστρεψαν oi ποιμένες δο-
jos mikiljandans jah hazjandans ξάζοντες καί αίνοΰντες τον θεόν
gt> in allaize {jizeei gahausidedun jah έπί πάσιν οίς ήκουσαν και ειδον,
gasehmn swaswe rodi}) was du im. καθώς έλαλήθη προς αυτούς.

21 Jah bij>e usfullnodedun1 dagos 21 Καί οτε έπλήσθησαν ήμέραι


ahtau du bimaitan ina, jah haitan όκτώ τού περιτεμεΐν αυτόν, καί
was ñamo is leras, Jjata qijjano fram έκλήθη τό ονομα αυτού 'Ιησούς, τό
aggilau faur{)izei ganumans wesi in κληθέν υπό τού άγγέλου προ τού
wamba. συλληφθήναι αύτόν έν τή κοιλία.

22 Jah bij>e usfullnodedun2 dagos 22 Καί δτε έπλήσθησαν αϊ ήμέραι


hraineinais ize bi witoda Mosezis, τού καθαρισμού αύτών κατά τον
brahtedun ina in Iairusalem, at- νόμον Μωσέως, άνήγαγον αυτόν
satjan faura fraufin, είς 'Ιεροσόλυμα παραστήσαι τω
κυρίω,
23 swaswe gamelid ist in witoda 23 καθώς γέγραπται έν νόμω
iraujms: J>atei lvazuh gumakundaize κυρίου, δτι πάν άρσεν διανοιγον
uslukands qi{m weihs iraujins hai- μήτραν αγιον τφ κυρίω κληθήσε-
tada, ται,
24 jah ei gebeina fram imma hunsl, 24 καί τού δούναι θυσίαν κατά τό
swaswe qi^an ist in witoda fraw/ïns, είρημένον έν νόμω κυρίου, ζεύγος
gajuk hraiwadubono aiJjJjau twos τρυγόνων ή δύο νοσσούς περι-
juggons ahake. στερών.

1 usfulnodedun Hs. {s. § 80).


2 usfulnodedun Hs. (s. § 80).

214
C. Aus dem Evangelium des Lukas - Kap. II

25 faruh was manna in Iairusalem, 25 και Ιδού ήν άνθρωπος έν 'Ιερου-


jjizei namo Swmaion, jah sa manna σαλήμ φ δνομα Συμεών, και ό
was garaihts jah gudafaurhts, bei- άνθρωπος ούτος δίκαιος και ευ-
dands lafonais Israelis, jah ahma λαβής, προσδεχόμενος παράκλη-
weihs was ana imma. σιν του Ισραήλ, και πνεύμα ή ν
αγιον έπ' αυτόν.
26 jah was imma gataihan fram ah- 26 και ήν αύτφ κεχρηματισμένον
min famma weihin ni sailvan dau- υπό τοΰ πνεύματος του άγιου μή
f u , faurfize sebi Xristu frau/ïns. ίδείν θάνατον πριν ή ΐδη τον Χρισ-
τόν κυρίου.
27 jah qam in ahmin in fizai alh; jah 27 και ήλθεν έν τω πνεύματι εις τό
miffanei innattauhun berusjos ιερόν· και έν τω είσαγαγεΐν τους
f a t a barn lera, ei tawidedeina bi γονείς τό παιδίον Ίησοΰν, τοΰ ποι-
biuhtja witodis bi ina, ήσαι αυτούς κατά τό είθισμένον
τοΰ νόμου περί αύτοΰ,
28 jah is andnam ina ana armins sei- 28 και αυτός έδέξατο αυτόν εις τάς
nans jah f iuf ida g f a jah qaf : άγκάλας αύτοΰ και εύλόγησεν τον
θεόν και ειπεν·
29 nu fraleitais skalk feinana, frau- 29 νϋν άπολύεις τον δοΰλόν σου,
jinond [fraw/a]1, bi waurda feinam- δέσποτα, κατά τό ρήμά σου έν
ma in gawairfja; ειρήνη.
30 fände sehmn augona meina 30 δτι ειδον οί όφθαλμοί μου τό
nasein f eina, σωτήριόν σου,
31 foei manwides in andwairfja 2 31 δ ήτοίμασας κατά πρόσωπον
allaizo manageino, πάντων τών λαών,
32 liuhaf du andhuleinai fiudom 32 φώς εις άποκάλυψιν έθνών και
jah wulf u managein feinai Israela. δόξαν λαοΰ σου 'Ισραήλ.
33 jah was Iosefjah aifei is sildaleik- 33 και ήν 'Ιωσήφ και ή μήτηρ αύ-
jandona ana faim foei rodida wesun τοΰ θαυμάζοντες έπί τοις λάλου-
bi ina. μένοις περί αύτοΰ.
34 jah f iuf ida ina Swmaion jah qaf 34 και εύλόγησεν αύτούς Συμεών
du Mariin, aif ein is: sai, sa ligi}) du και ειπεν προς Μαριάμ τήν μητέρα
drusa jah usstassai managaize in αύτοΰ· ιδού ούτος κείται είς πτώ-
Israela jah du taiknai andsakanai. σιν και άνάστασιν πολλών έν τώ
'Ισραήλ και είς σημεΐον άντιλεγό-
μενον.
35 jah f a n feina silbons saiwala 35 και σοΰ δέ αύτής τήν ψυχήν δι-
fairhgaggif hairus, ei andhuljain- ελεύσεται φομφαία, δπως αν άπο-
dau us managaim hairtam mitoneis. καλυφθώσιν έκ πολλών καρδιών
διαλογισμοί.

1
frauja Glosse nach Streitberg IF 23, 117 ff.; doch vgl. Streitberg I, 486.
2
anandwairfja Hs.

215
Lesestücke

36 jah was Anna praufeteis, dauhtar 36 και ήν Ά ν ν α προφήτις, θυ-


Fanuelis, us kunja Aseris; soh fram- γάτηρ Φανουήλ, έκ φυλής Άσήρ-
aldra dage managaize libandei πιφ αϋτη προβεβηκυΐα έν ήμέραις πολ-
abin jera sibun fram magasin sei- λαΐς, ζήσασα μετά άνδρός ετη
nai, έπτά άπό της παρθενείας αυτής,
37 soh t>an widuwo jere ahtau- 37 καί αύτη χήρα ώς1 ετών όγδοή-
tehund jah fidwor, soh ni afiddja κοντα τεσσάρων, ή ουκ άφίστατο
fairra alh fastubnjam jah bidom blo- άπό τοϋ ιερού νηστείαις και δεή-
tande iraujan nahtam jah dagam. σεσι λατρεύουσα νύκτα και ήμέ-
ραν.
38 soh jjizai h/eilai atstandandei 38 και αύτη αύτή τή ώρα έπκπάσα
andhaihait fraufia jah rodida bi ina άνθωμολογεΐτο τω κυρίφ και έλά-
in2 allaim J>aim usbeidandam lajjon λει περί αύτοϋ πάσι τοις προσ-
Iairusaulwmos. δεχομένοις λύτρωσιν Ιερουσαλήμ.
39 jah bij)e ustauhun aliata bi wito- 39 και ώς έτέλεσαν άπαντα κατά
da fraw/ins, gawandidedun sik in τον νόμον κυρίου, ύπέστρεψαν είς
Galeilaian, in baurg seina NazaraiJ). την Γαλιλαίαν είς τήν πόλιν
εαυτών Ναζαρέθ.
40 φ t>ata barn wohs jah swinjjnoda 40 τό δέ παιδίον ηΰξανεν και έκρα-
ahmins fullnands jah handugeins, ταιούτο πνεύματι πληροΰμενον
jah ansts gj>s was ana imma. σοφίας, και χάρις θεού ήν έπ'
αύτό.

41 Jah wratodedun J?ai birusjos is 41 Και έπορεύοντο οί γονείς αύτοΰ


jera Ivammeh in Iairusalem at duljj κατ' ετος ε'ις Ιερουσαλήμ τή έορτή
paska. τού πάσχα.
42 jah bijje warj> twalibwintrus, us- 42 και οτε έγένετο έτών δώδεκα,
gaggandam J)an im in Iairusaulwma άναβάντων αύτών είς'Ιεροσόλυμα
bi biuhtja dulzáis, κατά τό εθος τής εορτής,
43 jah ustiuhandam Jjans dagans, 43 και τελειωσάντων τάς ημέρας,
m i n a n e gawandidedun sik aftra, έν τώ ύποστρέφειν αύτούς, ύπέμει-
gastoj» Iasws sa magus in Iairusalem, νεν Ιησούς ό παις έν Ιερουσαλήμ,
jah ni wissedun3 Iosef jah aij>ei is. και ούκ εγνω4 'Ιωσήφ καί ή μήτηρ
αύτοΰ.
44 hugjandona in gasin^jam ina 44 νομίσαντες δέ αύτόν έν τή συν-
wisan qemun dagis wig jah sokide- οδία είναι ήλθον ήμέρας όδόν καί
dun ina in ganijjjam jah in kunjjam. άνεζήτουν αύτόν έν τοις συγγενέ-
σιν καί έν τοις γνωστοΐς,

ώς fehlt Bernhardt.
2
Vgl ΡΒΒ 39, 209.
3
wisedun Hs.
4
έγνωσαν Bernhardt.

216
C. Aus dem Evangelium des Lukas - Kap. II

45 jah ni bigitandona ina gawandi- 45 και μή εύρόντες αυτόν ύπέ-


dedun sik in Iairusalem sokjandona στρεψαν εις 'Ιερουσαλήμ ζητοΰν-
ina. τες αΰτόν.
46 jah warj) afar dagans frins, 46 και έγένετο μεθ' ημέρας τρεις
bigetun ina in alh1 sitandan in ευρον αυτόν έν τω ίερφ καθεζό-
midjaim laisarjam jah hausjandan μενον έν μέσω των διδασκάλων
im jah fraihnandan ins. και άκούοντα αυτών και έπ-
ερωτώντα αυτούς.
47 usgeisnodedun t?an allai Jjai 47 έξίσταντο δέ πάντες ol άκού-
hausjandans is ana frodein jah οντες αύτοΰ έπί τή συνέσει και ταΐς
andawaurdjam is. άποκρίοεσιν αύτοΰ.
48 Jah gasailvandans ina sildaleiki- 48 και Ιδόντες αυτόν έξεπλάγησαν,
dedun, jah qaj> du imma so aij^ei is: και ειπεν προς αΰτόν ή μήτηρ
magau, Iva gatawides uns swa? sai, αύτοΰ- τέκνον, τί έποίησας ήμΐν
sa atta f»eins jah ik winnandona οΰτως; ίδοΰ ό πατήρ σου κάγώ
sokidedum buk. όδυνώμενοι έζητοΰμέν σε.
49 jah qab du im: Iva batei sokide- 49 και ειπεν προς αύτούς· τί δτι
dub mik? niu wissedujj batei in baim έζητεΐτέ με; οΰκ ηδειτε δτι έν τοις
attins meinis skulda wisan? του πατρός μου δει ειναί με;
50 jah ija ni frojjun Jjamma waurda 50 και αΰτοί οΰ συνήκαν τό ρήμα
Jîatei rodida du im. δ έλάλησεν αύτοΐς.
51 jah iddja mi}) im jah qam in 51 και κατέβη μετ' αύτών και
Nazarai}), jah was ufhausjands im; ήλθεν εις Ναζαρέτ), και ήν ύπο-
jah aij>ei is gafastaida J>o waurda τασσόμενος αύτοϊς. και ή μήτηρ
alla in hairtin seinamma. αύτοΰ διετήρει τα φήματα άπαντα
ταΰτα έν τή καρδία αύτής.
52 jah IeiMS J>aih frodein jah wahs- 52 και Ίησοΰς προέκοπτεν σοφία
tau jah anstai at gba jah mannam. και ήλικία και χάριτι παρά θεώ καί
άνθρώποις.

1
allh Hs.

217
Lesestücke

D. Aus dem zweiten Korinther brief


(Kap. I-V in Cod. Ambr. B; I,8-IV,10 und V auch in Cod. Ambr. A.)1

Du KaurinJjaium aneara dustodeij)

Kap. I.2 I.
1 Pawlus apaustaulus Ieiuis 1 Παΰλος απόστολος Ίησοΰ Χρισ-
Xráfaus J)airh wiljan gj)s jah Tei- τ ο ί δια θελήματος θεοΰ και Τιμό-
mau£>aius bromar aikklesjon gj>s θεος ό άδελφός τή έκκλησία του
{>izai wisandein in Kaurinjîon mij) θεοΰ τη οΰση έν Κορίνθω συν τοις
allaim Jjaim weiham })aim wisan- άγίοις πάσιν τοις ούσιν έν ολη τή
dam in allai Akaijai: Άχαϊα·
2 ansts izwis jah gawairjji fram gjja 2 χάρις ύμΐν και ειρήνη άπό θεοΰ
attin unsaramma jah îraufm Iesu πατρός ήμών και κυρίου Ίησοΰ
Xráfau. Χρίστου.

3 ï>iulîil>s gj> jah atta íraujms unsaris 3 Εύλογητός ό θεός και πατήρ τοΰ
Ieíuis Xráíaus, atta blei^einojah g[) κυρίου ήμών Ίησοΰ Χριστοΰ, ό
allaizo gajjlaihte, πατήρ των οίκτιρμών καί θεός
πάσης παρακλήσεως,
4 saei gajjrafstida uns ana allai 4 ό παρακαλών ή μας έπί πάση τη
aglon unsarai, ei mageima weis θλίψει ήμών, είς το δΰνασθαι ήμάς
gajjrafstjan jjans in allaim aglom παρακαλεΐν τους έν πάση θλίψει
J)airh l>o gajìlaiht Jìizaiei ga{)rafsti- δια της παρακλήσεως ής παρα-
dai sijum silbans fram g|)a. καλούμεθα αυτοί υπό τοΰ θεοΰ.
5 unte swaswe ufarassus ist bul ai ne 5 δτι καθώς περισσεύει τα παθή-
Xráíaus in uns, swa jah l>airh Xráfti ματα τοΰ Χριστοΰ είς ημάς, ού-
ufar filu ist jah gajjrafsteins unsara. τως 3 δια τοΰ Χριστοΰ περισσεύει
και ή παράκλησις ήμών.
6 ajilan jaJ)J>e [jreihanda, in izwa- 6 εϊτε δέ θλιβόμεθα, υπέρ της υμών
raizos gajriaihtais jah naseinais παρακλήσεως καί σωτηρίας της
Jjizos waurstweigons in stiwitja J)izo ένεργουμένης έν υπομονή τών
samono {>ulaine, {jozei jah weis win- αυτών παθημάτων ων καί ήμεΐς
nam, jah wens unsara gatulgida faur πάσχομεν, καί ή έλπίς ήμών βε-
izwis; jajDj>e gajjrafstjanda in izwa- βαία υπέρ υμών· είτε παρακαλού-
raizos gablaihtais jah naseinais, μεθα, υπέρ τής υμών παρακλή-
σεως καί σωτηρίας,

1
Vgl. dazu Kauffmann, ZDP 35, 4 3 3 f f .
2
Nach cod. B, von V. 8 an mit den Varianten von A.
3
ούτως καί Bernhardt.

218
D. Aus dem zweiten Korintherbrief- Kap. I

7 witandans Jjatei swaswe gadailans 7 είδότες δτι ώσπερ κοινωνοί έστε


jDulaine siju|3, jah gajîlaihtais wair- των παθημάτων, 1 ούτως και της
M». παρακλήσεως.
8 unte ni wileima izwis unweisans, 8 ου γαρ θέλομεν υμάς άγνοεΐν,
brojjijus, bi aglon unsara J)o waur- άδελφοί, υπέρ της θλίψεως ημών
})anon uns in Asiai, unte ufarassau της γενομένης ήμϊν έν τη 'Ασία, δτι
kauridai wesum ufar maht, swaswe καθ' ύπερβολήν έβαρήθημεν ύπέρ
skamaidedeima uns jah liban.2 δύναμιν, ώστε έξαπορηθήναι ημάς
και τοΰ ζήν·
9 akei silbans in uns silbam anda- 9 άλλα αύτοί έν έαυτοΐς το άπό-
haft daujjaus habaidedum, ei ni κριμα τοΰ θανάτου έσχήκαμεν,ΐνα
sijaima trauandans du uns silbam, μή πεποιθότες ώμεν έφ' έαυτοΐς,
ak du gt>a jjamma urraisjandin dau- άλλ' έπι τω θεφ τω έγείροντι τους
J)ans, νεκρούς,
10 izei us swaleikaim daujjum uns 10 δς έκ τηλικούτων θανάτων 3
galausida jah galauseij), du Jjammei έρρύσατο ημάς και ρύσεται, είς δν
wenidedum ei galauseij), ήλπίκαμεν δτι και ετι4 ρύσεται,
11 at hilpandam jah izwis bi uns 11 συνυπουργούντων και υμών
bidai, ei in managamma andwairjya ύπέρ ημών τή δεήσει, ίνα έν πολλώ
so in uns giba Jjairh managans awi- προσώπω τό εις ημάς χάρισμα δια
liudodau faur uns. πολλών εύχαριστηθή ύπέρ ημών.
12 unte lvoftuli unsara so ist, weit- 12 ή γαρ καύχησις ημών αύτη έσ-
wodei mijjwisseins unsaraizos j^atei τίν, τό μαρτύριον της συνειδήσεως
in ainfalj)ein jah hlutrein gj)s, ni in ημών δτι έν άπλότητι και ειλικρι-
handugein leikeinai, ak in anstai gj)s νείς θεού, ούκ έν σοφία σαρκική,
usmeitum 5 in Jjamma fairh>au, φ άλλ' έν χάριτι θεού άνεστράφημεν
ufarassau at izwis. έν τφ κόσμω, περισσοτέρως δε
προς υμάς.
13 unte ni alja meljam izwis, alja 13 ού γαρ άλλα γράφομεν ύμΐν,
Jjoei anakunnaij) aiJ>J>au jah uf- άλλ' ή α άναγινώσκετε ή και έπι-
kunnaij); a ^ a n wenja ei und andi γινώσκετε· έλπίζω δε δτι και 6 εως
ufkunnaij), τέλους έπιγνώσεσθε,

1
ιών παθημάτων έστέ Bernhardt.
2
In A: swaswe afswaggwidai weseima jal-liban, dazu Randglosse skamaidedeima.
Vgl. ZDP 35, 436/, 453; PBB 30, 255 (afaggwidai?).
3
τηλικούτου θανάτου Bernhardt, vgl. ZDP 35, 434.
4
ετι fehlt Bernhardt.
5
usmetum A.
6
και fehlt Bernhardt.

219
Lesestücke

14 swaswe gakunnaideduj3 uns bi 14 καθώς και έπέγνωτε ημάς άπό


sumata, unte Ivoftuli izwara sijum, μέρους, οτι καύχημα υμών έσμεν,
swaswe jah jus unsara in daga καθάπερ και ύμεις ημών έν τή ημέ-
îraujms lejuis Xráíaus. 1 ρα τοϋ κυρίου Ιησού Χρίστου.2

15 Jah Jnzai trauainai wilda faurjjis 15 Και ταύτη τή πεποιθήσει έβου-


qiman at izwis, ei aneara anst λόμην πρότερον έλθεΐν προς ύμάς,
habaidedei}), ίνα δευτέραν χάριν εχητε,
16 jah 3 Jpairh izwis galei^an in Ma- 16 και δι' υμών άπελθεΐν εις Μα-
kidonja4 jah aftra af Makidonjai5 κεδονίαν και πάλιν άπό Μακεδο-
qiman at izwis, jah fram izwis ga- νίας έλθεΐν προς ύμάς και ύφ'
sandjan mik in Iudaia. υμών προπεμφθήναι είς την Ίου-
δαίαν.
17 J}atuf>f)an nu mitonds, ibai aufto 17 τούτο ούν βουλευόμενος μήτι
leihtis bruhta? a i ^ a u t>atei mito, άρα τή έλαφρία έχρησάμην; η α
bi leika fiagkjau, ei sijai6 at mis J>ata βουλεύομαι κατά σάρκα βουλεύ-
ja ja jah Jsata ne ne? ομαι, ϊνα ή παρ' έμοί τό ναι ναι και
τό ού ού;
18 a{>j>an triggws gj>, ei fiata waurd 18 πιστός δέ ό θεός δτι ó λόγος
unsar Jjata du izwis nist ja jah 7 ne. ημών ό προς ύμάς ούκ εστίν ναι
και ού.
19 unte g{)s sunus Ieyus Xráíus, saei 19 ό γάρ του θεοϋ υ'ιός 'Ιησούς
in izwis fairh uns wailameijada,8 Χριστός ό έν ύμΐν δι' ημών κηρυχ-
Jjairh mik jah Silbanu jah Teimau- θείς, δι' έμού και Σιλβανού και
t>aiu, nih9 warj) ja jah10 ne, ak ja in Τιμοθέου, ούκ έγένετο ναι και
imma war{5. ού, άλλα ναι έν αύτώ γέγονεν.
20 Ivaiwa managa gahaita gf)s, in 20 δσαι γαρ έπαγγελίαι θεού, έν
imma [jata ja, duj^e jah" Jjairh ina αύτώ τό ναί, διό και δι' αυτού τό
amen, gj>a du wuljjau Jjairh uns. άμήν τώ θεώ προς δόξαν δι' ημών.

1
Xristaus fehlt Α.
2
Χρίστου fehlt Bernhardt.
3
ja Μ ·
4
Makaidonja Α.
5
Makaidonjai Α.
6
ei ni sijai Β (vgl. Streitberg I, 282).
7
jan Λ.
8
meijada Α.
9
Teimaijsaiu ni Α.
10
jan Α.
11
jal) Α.

220
D. Aus dem zweiten Korintherbrief - Kap. II

21 a))J)an sa gafwastjands unsis1 21 ò δέ βέβαιων ημάς συν ύμιν εις


mij) izwis in Xristau jah salbonds2 Χριστόν και χρίσας ημάς θεός,
uns gt>,
22 jah sigljands uns jah gibands 22 ô και σφραγισάμενος ήμας και
wadi ahman in hairtona unsara. δούς τον άρραβώνα του πνεύμα-
τος έν ταϊς καρδίαις ημών.
23 aJ)J)an ik weitwod gj) anahaita 23 έγώ δέ μάρτυρα τον θεόν έπι-
ana meinai saiwalai, ei freidjands καλοΰμαι επί την έμήν ψυχήν, οτι
izwara f>anasei{)s ni qam in Kaurin- φειδόμενος υμών ούκέτι ήλθον εις
l)on; Κόρινθον.
24 ni Jjatei fraujinoma izwarai ga- 24 ούχ δτι κυριεύομεν υμών της
laubeinai, ak gawaurstwans sijum πίστεως, άλλα συνεργοί έσμεν της
anstais izwaraizos: unte galaubeinai χάριτος υμών· τη γάρ πίστει έστή-
gastoJ)uJ). κατε.

Kap. Π.3 Π.
1 Afijan gastauida J>ata silbo at mis, 1 Έκρινα δέ έμαυτώ τοΰτο, τό μη
ei aftra in saurgai ni qimau at izwis. πάλιν έν λύπη έλθεϊν προς ύμας.
2 unte jabai ik gaurja izwis, jah Ivas 2 εί γαρ έγώ λυπώ ύμάς, κα'ι τίς
ist saei gailjai mik, niba4 sa gaurida έστιν δ εύφραίνων με, εί μη δ
us mis? λυπούμενος έξ έμοϋ;
3 jaj)-5 Jjata silbo gamelida izwis, 3 και έγραψα ύμιν τοΰτο αυτό 7 ίνα
ei qimands saurga ni habau fram μη έλθών λύπην έχω άφ' ών εδει με
Jjaimei skulda faginon, gatrauands χαίρειν, πεποιθώς έπί πάντας ύμάς
in allaim izwis fiatei meina fahejjs6 δτι ή έμή χαρά πάντων ύμών έστιν.
allaize izwara ist.
4 at)J)an us managai aglon jah 4 έκ γάρ πολλής θλίψεως και συν-
aggwijjai hairtins gamelida izwis οχής καρδίας έγραψα ύμιν διά
})airh managa tagra, ni Jjeei saur- πολλών δακρύων, ούχ Ινα λυπηθή-
gaijj, ak ei frija^wa 8 kunneij) Jîoei τε, άλλα την άγάπην Ινα γνώτε ην
haba ufarassau du izwis. εχω περισσοτέρως ε'ις ύμάς.
5 ajilan jabai Ivas gaurida, ni mik 5 εί δέ τις λελύπηκεν, ούκ έμέ
gaurida, ak bi sum ain, ei ni ana- λελύπηκεν, άλλα άπό μέρους, ϊνα
kauijau allans izwis. μη έπιβαρώ πάντας ύμάς.

1
uns Α.
2
salbonsd Α.
3
Kap. II. III nach A mit den Varianten von Β.
4
nibai Β.
5
jah Β.
6
faheds Β.
7
και τοΰτο αυτό έγραψα ύμιν Bernhardt.
8
friajjwa Β.

221
Lesestücke

6 ganah |>amma swaleikamma 6 ίκανόν τώ τοιούτφ ή έπιτιμία


andabeit f a t a fram managizam, αϋτη υπό των πλειόνων,
7 swaei f a t a andaneifo izwis mais 7 ώστε τουναντίον μάλλον υμάς 2
fragiban jag-1 gaflaihan, ibai aufto χαρίσασθαι και παρακαλέσαι, μή-
managizein saurgai gasiggqai sa πως τη περισσοτέρα λύπη κατ-
swaleiks. αποθή ό τοιούτος.
8 inuf- 3 fis bidja izwis tulgjan in 8 διό παρακαλώ υμάς κυρώσαι είς
imma friafwa. αυτόν άγάπην.
9 d u f f e gamelida, ei ufkunnau 9 είς τοΰτο γαρ και έγραψα, ίνα
kustu izwarana, sijaidu in allamma γνώ την δοκιμήν υμών, εί είς πάντα
ufhausjandans. υπήκοοι έστε.
10 a f f a n Cammei iva fragibif, jah 10 ω δέ τι χαρίζεσθε, κάγώ· και
ik; jah f a n ik, jabai Iva fragaf, γαρ έγώ εϊ τι κεχάρισμαι ω κεχά-
fragaf in izwara in andwairfja ρισμαι δι' υμάς εν προσώπω Χρίσ-
Xrw/aus, του,
11 ei ni gaaiginondau5 fram Satanin; 11 ϊνα μή πλεονεκτηθώμεν υπό του
unte ni sijum unwitandans munins σατανά· ου γαρ αΰτοΰ τα νοήματα
is. άγνοοΰμεν.

12 A f f a n qimands in Trauadai in 12 έλθών δέ είς την Τρωάδα είς τό


aiwaggeljons6 Xráíaus jah at haur- εύαγγέλιον του Χρίστου, και θύ-
dai mis uslukanai in fraw/in, ρας μοι άνεωγμένης έν κυρίω,
13 ni habaida galveilain ahmin 13 ουκ εσχηκα άνεσιν τώ πνεύματί
meinamma, in f ammei ni bigat Tei- μου τώ μή εύρεΐν με Τίτον τον
taun bromar meinana; ak twisstan- άδελφόν μου, άλλα άποταξάμενος
dands im7 galaif in Makaidonja 8 . αΰτοΐς έξήλθον είς Μακεδονίαν.
14 a f f a n gf a awiliuf 9 famma sin- 14 τω δέ θεώ χάρις τώ πάντοτε θρι-
teino ustaiknjandin hrofeigans uns αμβεύοντι ημάς έν τω Χριστώ καί
in Xristnu jah daun kunfjis seinis την οσμήν της γνώσεως αύτοΰ φα-
gabairhtjandin fairh uns in allaim νεροΰντι δι' ημών έν παντί τόπω.
stadim10;

1
jah Ä
2
υμάς μάλλον Bernhardt.
3
inuh Β.
4
Für fragaf beide Male fragiba B.
5
Randglosse ni gafaihondau in A; vgl. ZDP 35, 437. 453.
6
aiwaggeljon B.
7
twistandands imma B.
8
in Makidonja B.
9
awiliud B.
10
fairh uns hinter stadim in B.

222
D. Aus dem zweiten Korintherbrief - Kap. III

15 unte Xráfaus dauns sijum woJ»i 15 ότι Χριστοί εύωδία έσμέν τώ


gf>a in {)aim ganisandam jah in {Daim θεφ έν τοις σφζομένοις και έν τοις
fraqistnandam:1 άπολλυμενοις,
16 sumaim dauns us dauj>au2 du 16 οις μεν όσμή θανάτου 4 εις θά-
dauj)au, sumaim-uj>|}an dauns us νατον, οίς δε όσμή ζωής 5 εις ζωήν.
libainai du libainai; jad- 3 du Jjamma και προς ταύτα τις Ικανός;
Ivas wairjjs?
17 unte ni sium swe6 sumai maid- 17 ού γάρ έσμεν ώς ol πολλοί
jandans waurd g{)s, ak us Nutricai, καπηλεύοντες τον λόγον του θεοΰ,
ak swaswe us g{)a in andwairfrja g}>s άλλ' ώς έξ ειλικρίνειας, άλλ' ώς έκ
in Xrá/au rodjam. θεοΰ κατενώπιον του θεοΰ έν
Χριστφ λαλοΰμεν.

Kap. UI. III.


1 Duginnam aftra uns silbans ana- 1 Άρχόμεθα πάλιν έαυτούς συν-
filhan? a i ^ a u ibai t>aurbum swe ιστάνειν; ει7 μή χρήζομεν ώς τίνες
sumai anafilhis boko du izwis, aijj- συστατικών έπιστολών προς υμάς
J)au us izwis anafilhis? ή έξ υμών συστατικών;
2 aipistaule unsara jus SÌUJD,8 game- 2 ή έπιστολή ήμών ύμεΐς έστε,
lida in hairtam unsaraim, kunfiajah έγγεγραμμένη έν ταΐς καρδίαις
anakunnaida fram allaim mannam, ήμών, γινωσκομένη και άναγινω-
σκομένη ύπό πάντων άνθρώπων,
3 swikunjjai9 Jjatei siuj»10 aipistaule 3 φανερούμενοι δτι έστέ έπιστολή
Xráíaus, andbahtida fram uns, inna Χριστοί διακονηθεΐσα ύφ' ήμών,
gamelida ni swartiza", ak ahmin έγγεγραμμένη ού μελάνι άλλα
g{)s libandins, ni in spildom stainei- πνεύματι θεοΰ ζώντος, ουκ έν πλα-
naim, ak in spildom hairtane leikei- ξίν λιθίναις, άλλ' έν πλαξίν καρ-
naim. δίας σαρκίναις.

412 AJjJjan trauain swaleika habam 4 Πεποίθησιν δέ τοιαύτην εχομεν


Jjairh Xristu du gj)a, δια τοΰ Χρίστου προς τον θεόν,

1
Glosse fralusnandam Α.
2
sumaim auk dauns clausus B\ vgl. ZDP 35, 437,458 und Streitberg ζ. St.
3
jah Β.
4
έκ θανάτου Bernhardt.
5
έκ ζωής Bernhardt.
6
sijum Β, swe fehlt Β.
7
ή Bernhardt.
8
sijut> Β.
9
swikunj) Β.
10
sijuj) Β.
11
swartizla Β; vgl. Grienberger 204.
12
laiktjo am Rande B.

223
Lesestücke

5 ni Jjatei wairfai sijaima fagkjan 5 ούχ δτι ικανοί έομεν άφ' έαυτών
Iva af uns silbam, swaswe af uns λογίσασθαι τι,2 ώς έξ έαυτών, άλλ'
silbam1, ak so wairfida unsara us ή Ικανότης ήμών έκ τοϋ θεοϋ,
g f a ist,
6 izei jah wairf ans brahta uns and- 6 δς και Ικάνωσεν ημάς διακόνους
bahtans niujaizos triggwos, ni bo- καινής διαθήκης, ου γράμματος
kos, ak ahmins; unte boka usqimif, άλλά πνεύματος· τό γαρ γράμμα
ψ ahma gaqiujif. άποκτείνει, τό δε πνεύμα ζωο-
ποιέ!.
7 a f f a n jabai andbahti daufaus in 7 ει δέ ή διακονία τοϋ θανάτου έν
gameleinim gafrisahtif in stainam γράμμασιν έντετυπωμένη έν λίθοις
warf wulfag, swaei ni mahtedei- έγενήθη έν δόξη, ώστε μή δύνα-
na 3 sunjus Israelis fairweitjan du σθαι άτενίσαι τους υ ίου ς 'Ισραήλ
wlita Mosezis in wulf aus wlitis is f i s είς τό πρόσωπον Μωσέως δια τήν
gataurnandins, δόξαν τοϋ προσώπου αυτοϋ τήν
καταργουμένην,
8 h>aiwa nei mais andbahti ahmins 8 πώς ούχι μάλλον ή διακονία του
wairf ai in wulf au? πνεύματος εσται έν δόξη;
9 jabai auk andbahtja 4 wargifos 9 εί γάρ ή διακονία 6 τής κατα-
wulfus, und filu mais ufarist and- κρίσεως δόξα, πολλώ μάλλον
bahti garaihteins in5 wulf au. περισσεύει ή διακονία τής δικαιο-
σύνης έν δόξη.
10 unte ni was wulfag ¡Data wulfago 10 και γαρ ου δεδόξασται τό
in fizai halbai in ufarassaus wul- δεδοξασμένον έν τούτω τω μέρει
faus; ένεκεν τής ύπερβαλλούσης δόξης.
11 jabai auk f a t a gataurnando 11 εί γαρ τό καταργούμενον δια
fairh wulfu, und filu mais f a t a δόξης, πολλώ μάλλον τό μένον έν
wisando in wulf au. δόξη.

12 Habandans nu swaleika wen 12 Έχοντες ουν τοιαύτην έλπίδα


managaizos balfeins brukjaima, πολλή παρρησία χρώμεθα,
13 jan- 7 ni swaswe M osez lagida hu- 13 και ού καθάπερ Μωσής έτίθει
listr ana andawleizn, duf e ei ni fair- κάλυμμα έπί τό πρόσωπον εαυ-
weitidedeina sunjus Israelis in andi τοί, 8 προς τό μή άτενίσαι τους
f i s gataurnandins; υίούς 'Ισραήλ είς τό τέλος τοϋ
καταργουμένου.
1
swaswe af uns silbam fehlt A.
2
λογίσασθαι τι άφ' έαυτών Bernhardt.
3
mahtededeina Β.
4
andbahti Β; vgl. ZDP 35,437. 453.
5
usÄ
6
tfj διακονία Bernhardt.
7
jah B.
8
αΰτοΰ Bernhardt.

224
D. Aus dem zweiten Korintherbrief- Kap. IV

14 ak afdaubnodedun 1 franja ize, 14 άλλ' έπωρώθη τα νοήματα


unte und hina dag fiata samo hulistr αυτών· άχρι γαρ της σήμερον τό
in anakunnainai Jñzos fairnjons αυτό κάλυμμα επί τη άναγνώοει
triggwos wisij) unandhulij), unte in της παλαιάς διαθήκης μένει μη
Xristza gatairada. άνακαλυπτόμενον, οτι έν Χριστώ
καταργείται.
15 akei und hina dag mi^anei 15 άλλ' εως σήμερον ήνίκα άνα-
siggwada Moses, hulistr ligijj ana γινώσκεται Μωσής, κάλυμμα έπί
hairtin ize. την καρδίαν αυτών κείται.2
16 aJ)J)an mi^anei gawandeij) du 16 ήνίκα δ' αν έπιστρέψη προς
fraufin, afnimada J)ata hulistr. κύριον, περιαιρεϊται τό κάλυμμα.
17 aJjJjan irauja ahma ist; a^Jjan 17 ό δε κύριος τό πνεύμά έστιν· ου
Jjarei ahma fraufins, Jjaruh frei- δέ τό πνεύμα κυρίου, έκεΐ έλευθε-
hals3 ist. ρία.
18 a ^ a n weis allai andhulidamma 18 ήμεις δέ πάντες άνακεκαλυμ-
andwairjjja wuljiu fraufins {jairh- μένω προσώπω την δόξαν κυρίου
saihiandans, ]so samon frisaht inga- κατοπτριζόμενοι την αυτήν εικόνα
leikonda af wul{>au in wuljm,4 swa- μεταμορφούμεθα από δόξης είς
swe af frawyins ahmin. δόξαν, καθάπερ άπό κυρίου πνεύ-
ματος.

Kap. IV.5 IV.


1 D u j ^ e habandans fiata and- 1 Δια τούτο έχοντες την διακονίαν
bahti,6 swaswe gaarmaidai waur- ταύτην, καθώς ήλεήθημεν, ουκ έκ-
Jjum, ni wairj»aima7 usgrudjans, κακοΰμεν,
2 ak afstojnim {jaim analaugnjam 2 άλλ' άπειπάμεθα τά κρυπτά της
aiwiskjis, ni gaggandans in warein αισχύνης, μή περιπατούντες έν
nih8 galiug taujandans waurd gj)s, πανουργία μηδέ δολοΰντες τον λό-
ak bairhtein sunjos9 ustaiknjandans γον του θεού, άλλα τή φανερώσει
uns silbans du allaim mifwisseim της άληθείας συνιστώντες εαυτούς
manne in andwairjya gf>s. πρός πάσαν συνείδησιν άνθρώ-
πων ενώπιον τού θεού.

1
Glosse afblindnodedun in Α; vgl. ZDP 35,438,454.
2
κείται nach κάλυμμα Bernhardt.
3
freijhals A.
4
wulj>au B.
5
Kap. IV. V. nach Β, mit den Varianten von A.
6
andbahtei A.
7
wairj>am A\ vgl. ZDP 35, 454.
8
ni Α.
9
sunjus Α.

225
Lesestücke

3 a j ^ a n jabai ist gahulida aiwaggel- 3 εί δέ και εστίν κεκαλυμμένον τό


jo unsara, in }>aim fralusnandam ist εύαγγέλιον ημών, έν τοις άπολλυ-
gahulida, μένοις έστίν κεκαλυμμένον,
4 in Jjaimei g}> J^is aiwis gablindida 4 έν οις ó θεός τοΰ αιώνος τούτου
franja J)ize ungalaubjandane, ei ni έτύφλωσεν τα νοήματα των
liuhtjai im liuhadein 1 aiwaggeljons άπιστων εις τό μή αύγάσαι αύτοΐς
wul^aus Xrwiaus, saei ist frisahts τον φωτισμόν τοΰ ευαγγελίου της
g}>s ungasaihianins. 2 δόξης τοΰ Χρίστου, ος έστιν είκών
τοΰ θεοΰ.
5 ajjjjan ni uns silbans merjam, ak 5 ού γαρ έαυτούς κηρύσσομεν,
Ieju Xristu fraujan, φ uns skal- άλλα Χριστόν Ίησοϋν 4 κΰριον,
kans 3 izwarans in Iemis. εαυτούς δέ δούλους υμών δια
Ίησοϋν.
6 unte gj) saei qaf> ur-riqiza liuhaf) 6 ότι ό θεός ό ειπών έκ σκότους
skeinan, saei jah liuhtida in hairtam φώς λάμψαι, δς ελαμψεν έν ταϊς
unsaraim du liuhadein kunjjjis καρδίαις ημών προς φωτισμόν της
wul})aus gj)s in andwairfcja Iejuis γνώσεως της δόξης τοΰ θεοΰ έν
Xristaus. προσώπω Ίησοΰ Χριστού.

7 5 AJjJjan habandans {jata huzd in 7 Έ χ ο μ ε ν δέ τόν θησαυρόν τούτον


air£>einaim kasam, ei ufarassus sijai έν όστρακίνοις σκεύεσιν, ϊνα ή
mah tais gj>s jah ni us unsis. υπερβολή της δυνάμεως ή τοΰ
θεοΰ και μή έξ ημών,
8 in allamma Jjraihanai, akei ni 8 έν παντί θλιβόμενοι άλλ' ού
gaaggwidai; andbitanai akei ni af- στενοχωρούμενοι, άπορούμενοι
slauj>idai; άλλ' ούκ έξαπορούμενοι,
9 wrikanai, akei ni bilijsanai; 9 διωκόμενοι άλλ' ούκ έγκατα-
gadrausidai, akei ni fraqistidai, λειπόμενοι, καταβαλλόμενοι άλλ'
ούκ άπολλύμενοι,
10 sinteino daujjein fraufins Ie.snis 10 πάντοτε τήν νέκρωσιν τοΰ κυ-
ana leika unsaramma 6 bairandans, ρίου Ίησοΰ έν τω σώματι 8 περι-
ei jah libains Iesuis ana leika φέροντες, ινα και ή ζωή τοΰ Ίησοΰ
unsaramma1 uskunjja sijai. έν τω σώματι ήμών φανερωθή.

1
liuhadeins Α.
1
ungasaihjanins fehlt Α. Vgl. Streitberg ζ. St., WredelHeyneXlf.
3
unskalkans Α.
4
Ίησοϋν Χριστόν Bernhardt.
5
laiktjo am Rande B.
6
Mit unsaram bricht A ab.
1
Das kursiv Gedruckte fehlt in der Hs. und ist nach dem griech. Original ergänzt;
vgl. Streitberg.
8
σώματι ήμών Bernhardt.

226
D. Aus dem zweiten Korintherbrief - Kap. IV

11 sinteino weis libandans in dauern 11 άεί γ α ρ ημείς oi ζώντες είς θά-


atgibanda in leruis, ei jah libains νατον π α ρ α δ ι δ ό μ ε θ α διά Ίησοΰν,
Ierais swikun})a wairjDai in riuijam- ϊνα και ή ζωή τοΰ Ί η σ ο ΰ φανε-
ma leika unsaramma. ρωθή έν τή θνητή σαρκί ημών.

12 Swaei nu daujms in uns waur- 12 "Ωστε ό μεν θάνατος έν ήμιν


keij», φ libains in izwis. ένεργεΐται, ή δέ ζ ω ή έν ύμΐν.
13 habandans nu {Dana saman 13 έχοντες δέ τ ό αυτό πνεύμα τής
ahman galaubeinais bi Jiamma πίστεως, κατά τ ό γεγραμμένον·
gamelidin: galaubida, in f>izei jah έπίστευσα, διό 1 έλάλησα, και ημείς
rodida, jah weis galaubjam, in })izei πιστεύομεν, διό και λαλοϋμεν,
jah rodjam,
14 witandans Jjatei sa urraisjands 14 είδότες δτι ό έγείρας τόν κύριο ν
frauj&n Ie.ru jah unsis Jjairh lera ur- Ίησοΰν και ημάς διά Ί η σ ο ΰ έγερεΐ
raiseij) jah fauragasatjij) mi}> izwis. και παραστήσει συν ύμΐν.
15 J>atuh J)an aliata in izwara, ei 15 τ α γ α ρ π ά ν τ α δι' υμάς, ί ν α ή χά-
ansts managnandei l>airh managi- ρις πλεονάσασα διά τών πλειόνων
zans awiliud ufarassjai du wuljjau τήν εύχαριστίαν περισσεύση είς
gfä· τήν δ ό ξ α ν τοΰ θεοΰ.
16 inuh J)is ni wairj>am usgrudjans, 16 διό ούκ έγκακοΰμεν, άλλ' εΐ και
akei {jauhjabai sa utana unsar man- ό έξω ήμών ά ν θ ρ ω π ο ς διαφθείρε-
na frawardjada, a i j ^ a u sa innuma ται, άλλ' ό έσω άνακαινοΰται ημέ-
ananiujada daga jah daga. ρα και ήμέρα.
17 unte Jjata andwairfio Iveilalvairb 17 τό γ ά ρ παραυτίκα έλαφρόν 3 τής
jah leiht 2 aglons unsaraizos bi θλίψεως ήμών κ α θ ' ύπερβολήν
ufarassau aiweinis wuljîaus kaurein αίώνιον βάρος δόξης κατεργάζε-
waurkjada unsis, ται ήμΐν,
18 ni fairweitjandam Jjize ga- 18 μη σκοπούντων ήμών τ ά βλε-
saitoanane, ak Jjizei ungasaitvanane; πόμενα άλλα τ ά μή βλεπόμενα· τ α
unte t>o gasailvanona riuija sind, φ γ ά ρ βλεπόμενα πρόσκαιρα, 4 τ ά δέ
l>o ungasailvanona aiweina. μή βλεπόμενα αιώνια.

1
διό και Bernhardt.
2
tveiht Hs.
3
παραυτίκα πρόσκαιρον και έλαφρόν Bernhardt.
4
πρόσκαιρά έστιν Bernhardt.

227
Lesestücke

Kap. V. V.
1 Witum auk fjatei jabai sa air}>eina 1 Οΐδαμεν γάρ δτι εάν ή επίγειος
unsar gards Jjizos hlei^ros gataira- ημών οικία τοΰ σκήνους κατα-
da, ei gatimijon us1 gjja habam, λυθή, οίκοδομήν2 έκ θεού εχομεν,
gard unhanduwaurhtana aiweinana οίκίαν άχειροποίητον αίώνιον έν
in himinam. τοις ούρανοΐς.
2 unte jah in jjamma swogatjam, 2 και γάρ έν τούτω στενάζομεν, τό
bauainai unsarai {rizai us himina οίκητήριον ημών τό έξ ουρανοί)
ufarhamon gairnjandans, έπενδύσασθαι έπιποθοΰντες,
3 jabai swe^auh jah 3 gawasidai, ni 3 εΐ γε και ένδυσάμενοι, ού γυμνοί
naqadai bigitaindau. εύρεθησόμεθα.
4 jah auk wisandans in J>izai hleijjrai 4 και γαρ οί δντες έν τφ σκήνει
swogatjam kauridai, ana Cammei στενάζομεν βαρούμενοι, έφ φ ού
ni wileima afhamon, ak anahamon, θέλομεν έκδύσασθαι άλλ' έπενδύ-
ei fraslindaidau J>ata diwano fram σασθαι, ίνα καταποθή τό θνητόν
libainai. υπό της ζωής.
5 a^Jjan saei jah 4 gamanwida uns du 5 ó δε κατεργασάμενος ημάς εις
J>amma gj), saei jah gaf uns5 wadi αύτό τούτο θεός, ό και δούς ήμΐν
ahman. τον άρραβώνα τοΰ πνεύματος.
6 gatrauandans nu sinteino jah wi- 6 θαρρούντες οΰν πάντοτε και εΐ-
tandans Jjatei wisandans in jDamma δότες δτι ενδημούντες έν τφ σώμα-
leika afhaimjai sijum fram fraujm; τι έκδημούμεν άπό τοΰ κυρίου·
7 unte J>airh galaubein gaggam, ni 7 δια πίστεως γάρ περιπατοΰμεν,
}>airh siun; ού διό. είδους·
8 a ^ a n gatrauam jah waljam mais 8 θαρρούμεν δέ και εύδοκοΰμεν
usleijjan us £>amma leika jah ana- μάλλον έκδημήσαι έκ τοΰ σώματος
haimjai6 wisan at îraujm. και ένδημήσαι προς τον κύριον.
9 inuh7 J)is usdaudjam, jaJ)J>e ana- 9 διό και φιλοτιμούμεθα, είτε έν-
haimjai jaJjJje afhaimjai, waila ga- δημοΰντες είτε έκδημοΰντες, εύ-
leikan imma. άρεστοι αύτω είναι.
10 unte allai weis ataugjan skuldai 10 τους γαρ πάντας ημάς φανε-
sijum faura stauastola Xráíaus, ei ρωθήναι δει εμπροσθεν τοΰ βήμα-
ganimai Ivarjizuh J>o swesona leikis, τος τοΰ Χριστού, ϊνα κομίσηται
afar Jjaimei gatawida, j a ^ e J^iuJî έκαστος τα ϊδια 8 τοΰ σώματος
ja}){)e unj)iuj>. προς α. επραξεν, είτε άγαθόν εϊτε
κακόν.
' Hier tritt A wieder ein.
2
δτι οίκοδομήν Bernhardt.
3
jah fehlt A.
4
jag A
5
unsis A.
6
anahaimjaim Streitberg.
7
ίηιφ Α.
8
s. Streitberg zur Stelle.

228
D. Aus dem zweiten Korintherbrief- Kap. V

111 Witandans nu agis ïraufms man- 11 ΕΙδότες ουν τόν φόβον τοΰ κυ-
nans fullaweisjam, φ g{>a swikunjjai ρίου ανθρώπους πείθομεν, θεφ δέ
sijum. aJ)J)an wenja jah in mijiwis- πεφανερώμεθα· έλπίζω δέ και έν
seim izwaraim swikunjjans wisan ταϊς συνειδήσεσιν ύμών πεφανε-
uns, ρώσθαι.
12 ni ei aftra uns silbans uskannjai- 12 ού γαρ πάλιν έαυτούς συν-
ma2 izwis, ak lew gibandans izwis ιστάνωμεν ύμιν, άλλ' άφορμήν
Ivoftuljos fram uns,3 ei habaij) wi^ra δίδοντες ύμΐν καυχήματος υπέρ
t>ans in andwairfeja Ivopandans jah ημών, ίνα έχητε προς τους έν
ni hairtin.4 προσώπω καυχωμένους και ου
καρδΰ}.
13 unte ja{3|3e usgeisnodedum, g{)a, 13 είτε γαρ έξέστημεν, θεώ· είτε
jat>t>e fullafraj)jam, izwis. σωφρονοϋμεν, ύμΐν.
14 unte friafciwa Xrwíaus dishabaij) 14 ή γαρ άγάπη τοΰ Χρίστου συν-
uns. έχει ημάς.
15 domjandans fiata {Datei ains faur 15 κρίνοντας τοΰτο, δτι εις ύπέρ
allans gaswalt, fiannu allai gaswul- πάντων άπέθανεν· άρα ol πάντες
tun; jah faur allans gaswalt, ei J>ai άπέθανον· και ύπέρ πάντων άπ-
libandans ni ftanaseijjs sis silbam έθανεν, ίνα ol ζώντες μηκέτι έαυ-
libaina,5 ak {>amma faur sik ga- τοΐς ζώσιν άλλα τω υπέρ αυτών
swiltandin jah urreisandin. άποθανόντι και έγερθέντι.
16 swaei weis fram fiamma nu ni 16 ώστε ημείς άπό τοΰ νυν ούδένα
ainnohun kunnum bi leika; φ jabai οΐδαμεν κατά σάρκα· εί δέ έγνώ-
ufkun})edum bi leika XristvL, akei nu καμεν κατά σάρκα Χριστόν, άλλά
ni jianaseifjs ni kunnum ina.6 νυν ούκέτι γινώσκομεν.
17 swaei jabai h>o in Xrwiau niuja 17 ώστε εΐ τις έν Χριστώ, καινή
gaskafts, {30 alcona uslijjun; sai, κτίσις, τα αρχαία παρήλθεν, Ιδού
waurfmn niuja alla. γέγονεν καινά τα πάντα.
18 aJ)J)an alia us gj>a, Jjamma ga- 18 τα δέ πάντα έκ τοΰ θεοΰ τοΰ
frijxmdin uns sis7 £>airh Xristu jah 8 καταλλάξαντος ημάς έαυτώ διά
gibandin uns9 andbahti gafrijjonais, Χριστοΰ και δόντος ήμΐν τήν δια-
κονίαν της καταλλαγής,

1
laiktjo am Rande Β.
2
Glosse anafilhaima A; vgl. ZDP 35, 438.
3
unsis A.
4
jan-ni in hairtin A; vgl. ZDP 35, 454.
5
libainai B.
6
ina fehlt A.
7
uns sis] unsis AB.
8
jag A.
9
unsis A.

229
Lesestücke

19 unte swejjauh gj> was in Xráíau 19 ώς δτι θεός ήν έν Χριστώ κόσ-


manase}) gafri{x>nds sis, ni rahn- μον καταλλάσσων έαυτώ, μή λογι-
jands im missadedins ize, jah lag- ζόμενος αύτοΐς τα παραπτώματα
jands in uns waurd gafriJ)onais. αυτών και θέμενος έν ήμΐν τον
λόγον της καταλλαγής.
20 faur Xristu nu airinom, swe at 20 υπέρ Χρίστου ουν πρεσβεύο-
gjja gajjlaihandin Jjairh uns; bid- μεν, ώς του θεοϋ παρακαλοΰντος
jam 1 faur Xristu gagawairjman g^a. δι' ημών, δεόμεθα 2 υπέρ Χρίστου
καταλλάγητε τώ θεώ.
21 unte fana izei3 ni kunfa 21 τον γαρ μή γνόντα άμαρτίαν
frawaurht, faur uns gatawida fra- υπέρ ημών άμαρτίαν έποίησεν, ίνα
waurht, ei weis waurjjeima garaihtei ημείς γενώμεθα δικαιοσύνη θεοϋ
gjjs in imma. έν αύτώ.

Ε. Aus der Skeireins


Blatt VII, Cod. Ambros. E (s. § El 1 mit A.1,2)4

Über Johannes VI, 8-13. Der Text beruht auf den Lesungen von Bennett.
Hochstellung bedeutet Korrekturen des Schreibers oder Korrektors der
Handschrift; Kursivschrift kennzeichnet Auflösung von Abkürzungen.

(...) 1 ahun kunnandins fraujins maht jah andfaggkjandins sik is


waldufneis. nih 'st ains ak jah Andraias, saei qaf: ist maguía ains her, saei
habaij) e· hlaibans barizeinans jah twans fiskans, analeiko swe Filippus
gasakada, ni waiht mikildul>ais hugjands nih wairfidos laisareis and^aggk-
jands, £>airh jDoei usbar qijmnds: akei f a t a h)a ist du swa managaim? φ
Îrauja. andtilonds ize niuklahei»
2 qa{>: waurkeif J>ans mans anakuwbjan. ij> eis, at hauja managamma
wisandin in J)amma Stada, £>o filusna anakumbjan gatawidedun, fimf
{msundjos waire inuh qinows jah barna, swe at mikilamma nahta mata
anaku
mbjandans. at ni wisandin aljai waihtai ufar fans fimf hlaiba/w jah
twans fiska«i, fanzei nimands jah awiliudonds gafiufida, jah swa managai
ganohjands ins wailawiznai ni Jpatainei ganauhan faurftais im fra-
3 gaf, ak filaus maizo. afar fatei matida so managei bigitan was fizei
hlaibe :ib: tainjons fullos, {Datei aflifnoda. samaleiko f a n jah andnemun ^¡he
fiske, swa filu swe wildedun, nih ban ana faim hlaibam ainaim seinaizos

1
bidjandans Α, δεόμενοι und daraufκαταλλαγηναι (= gagawairfnan) Bernhardt,
vgl. ZDP 35, 438,454.
2
Vgl. die vorige Anm.
3
izeA.
4
Vgl. Friedrichsen, NTSt 16, 281-283.

230
E. Aus der Skeireins

mahtais filusna ustaiknida, ak jah in J>aim fiskam, swa filu auk swe gatawida
i n s JjalTo l a s ize wairjjan, swaei ainluaijanoh swa filu swe wilda andniman is
gatawida; jah ni in waihtai waninassu J^izai filusnai wairjja« gatawida, akei
4 nauh us {Damma filu mais siponjans fullafahida jah anjjaraws gamau-
dida gauwjan, {jatei is was sa sama, saei in au^idai -m- jere attans ize fodida.
{Danuh, bijje sadai waurjjun, qaj) siponja/M seinaim: galisijD {DOS aflifnandeins
drausnos, ei waihtai ni fraqistnai {Danuh galesu« jah gafullidedun -ib-
tainjons gabruko us J)aim e· hlaibam barizeinam jah -b- fiskam, {Datei
aflifnoda at J>aim (...)

Jh. VI, 8-13 (nach dem Cod. arg.). Jh. VI.

8 Qa{> ains jjize siponje is, Andraias, 8 Λέγει αύτφ εις έκ των μαθητών
bromar Paitraus Seimonaus: αυτού, 'Ανδρέας ó άδελφός Σίμω-
νος Πέτρου-
9 ist maguía ains her, saei habai{D -e- 9 εστίν παιδάριον εν ώδε δ εχει
hlaibans barizeinans jah -b- fiskans; πέντε άρτους κρίθινους και δύο
akei {Data Iva ist du swa managaim? όψάρια- άλλα ταύτα τί έστιν εις
τοσούτους;
10 φ Iesus qa{>: waurkeijD {Dans mans 10 είπεν δέ ό 'Ιησούς- ποιήσατε
anakumbjan. wasuh {Dan hawi ma- τους ανθρώπους άναπεσεΐν. ήν δέ
nag ana {Damma Stada. {Daruh ana- χόρτος πολύς έν τώ τόπω. άνέπε-
kumbidedun wairos rajDjon swaswe σον ούν οι άνδρες τον άριθμόν
fimf {jusundjos. ώσεί πεντακισχίλιοι.
11 namuh {Dan {Dans hlaibans Iesus 11 ελαβεν δέ τούς άρτους ó 'Ιησούς
jah awiliudonds gadailida {Daim και εύχαριστήσας, διέδωκεν τοις
anakumbjandam; samaleiko jah άνακειμένοις, ομοίως και έκ τών
t>ize fiske, swa filu swe wildedun. όψαρίων δσον ήθελον.
12 {Danuh, bi{De sadai waurjDun, qa{D 12 ώς δέ ένεπλήσθησαν, λέγει τοις
du siponjam seinaim: galisi(> {DOS μαθηταΐς αυτού- συναγάγετε τά
aflifnandeins drauhsnos, f>ei waih- περισσεύσαντα κλάσματα, ίνα μη
tai ni fraqistnai. τι άπόληται.
13 {Danuh galesun jah gafullidedun 13 συνήγαγον ουν και έγέμισαν
ib· tainjons gabruko us fimf hlai- δώδεκα κοφίνους κλασμάτων έκ
bam {Daim barizeinam, {Datei af- τών πέντε άρτων τών κρίθινων, &
lifnoda {Daim matjandam. έπερίσσευσεν τοις βεβρωκόσιν.

231
WÖRTERVERZEICHNIS

V o r b e m e r k u n g . Die mit Präfixen (Präpositionen) zusammengesetzten


Verben sind unter dem einfachen Verb aufgeführt, z.B. ga-bauan unter
bauan. Präteritopräsentien (§§ 196-203) sind unter der Form der l.Sg. zu
finden, z.B. kunnan unter kann. Die Zeichen fv, q, p folgen jeweils unmit-
telbar auf die Zeichen h, p, t. Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich
auf die §§ der Grammatik. Den Gebrauch der Symbole * und f erläutert
das Abkürzungsverzeichnis.

aba m. (108 A.l) 'Ehemann'. aftuma* urspr. Superi. (139) έσχατος,


abba (55 A.2) άββά, 'Vater'. 'letzter von zweien'. - aftumists Su-
Abiapar* PN. Άβιάθαρ. peri. 'letzter'. - aftumist Adv. 'letzt'
Abia PN. (44 A.3) Άβιά. (212): aftumist habaip Mk. 5,23
Abraham PN. (61 A.3). 'liegt in den letzten Zügen'.
oda „krimgot." (73 A.l) 'Ei'. aggilus m. (6 A.l; 9 A.2; 120 A.l)
af (56 A.l) Präp. mit Dat. (217) 'ab, άγγελος, 'Engel, Bote'.
von, von - weg, von - her'; zeitlich: aggwipa f. 'Bedrängnis'.
'seit'.-Präfix (217a). ga-aggwjan* sw. Vb. 'beengen, be-
afar Präp. (217) 1. mit Dat. 'nach, hin- drängen'.
ter - her, gemäß'; 2. mit Akk. 'nach' aggwus* Adj. (68; 131) 'eng'.
(nur von der Zeit), afar patei 'nach- agis, Gen. agisis n. (35; 79 A.4; 94;
dem'. - Präfix (217a). 115a)'Furcht, Schrecken'.
af-êtja m. (56 A.3) 'Fresser'. us-agjan sw. Vb. (35; 78 A.4) 'jem. er-
af-haimeis* Adj. (128 A.l) έκδημών, schrecken'.
'fern der Heimat' (zu haims*; vgl. aglait-gastalds Adj. (88a A.l) 'hab-
anahaimeis). süchtig'.
af-lageins* f. 'Ablegung, Erlaß' (zu aglaiti n. 'Unzucht'.
lagjan). aglaiti-waúrdei f. (88a) αισχρολογία,
af-marzeins f. 'Betrug' (zu marzjari). 'Schandrede'.
taf-stass f. (103 A.3) άποστασία 'Ab- us-agljari* sw. Vb. (14 A.l) 'bedrän-
fallen', afstassais bôkôs 'Scheide- gen'.
brief (zu standan). agio f. 'Drangsal, Schmerz'.
afta Adv. (213) 'hinten'. aglus* Adj. (131) 'schwierig'.
aftana Adv. (213) 'von hinten'. Agustus* PN. Αύγουστος, vulgärlat.
aftarô Adv. (211 Α. 1 ; 213) 'hinten, von Agustus.
hinten'. ahaks f. (103 A.6; 116 A.2) περιστερά,
aftra Adv. (214 A.l) 1. zeitlich: πάλιν, 'zahme weiße Taube, Opfertaube'.
'wieder(um)\ - 2. räumlich: 'zu- ahma m. (108) 'Geist'.
rück, rückwärts'. ahsTi. (94; 115a)'Ähre'.

233
Wörterverzeichnis

ahtau Kard. (141) 'acht'. airkns* Adj. (130 A.3) 'heilig'.


ahtau-dôgs Adj. (141) 'achttägig'. Airmodamis PN. (2 A.4).
ahtautêhund (143) 'achtzig'. airpa f. (97) 'Erde, Land'.
ahtuda* (146) 'der achte'. airpa-kunds* Adj. (88a; 124,e) 'ir-
aha f. 'Fluß, Gewässer'. disch'.
•faibr n. (nur Mt. 5,23) 'Opfergabe'. airpeins Adj. 'irden; irdisch'.
Wohl für *tibr (ae. tifer, ahd. zëbar àirus* m. (20 A.2; 105) 'Bote'.
'Opfer') verschrieben; vgl. Feist 19, airzeis* Adj. (128 A.l) 'irregeführt'.
Lehmann 13 f. ais* s. aiz.
aigirt n. (203) 'Eigentum'. aipeii. (113; 114 A.2)'Mutter'.
ga-aiginôn* sw. Vb. (203) 'in Beschlag aips*, Gen. aipis m. (91) 'Eid'.
nehmen' (z. vor.). aippau Konj. (20,3; 71 A.l; 218) 'oder;
äih Prät.-Präs. (203) 'ich habe, besit- wo nicht, sonst; doch'.
ze'. - Kompos. faïr-àih (203). AiulfPN. (65 A.l).
aihts* f. (20 A.2; 103; 203) 'Eigentum'. aiwaggeljô f. (6 A.l; 112) εύαγγέλιον,
aiha-tundi* f. (64; 98) 'Dornstrauch'. 'Evangelium'.
af-aikan redupl. Vb. (179) 'leugnen'. aiweins* Adj