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Die Zen-Lehre des Bodhidharma

aus dem Chinesischen von Rote Pinie

aus dem Englischen

aus dem Chinesischen von Rote Pinie aus dem Englischen Inhaltsverzeichnis: Leitfaden der Praxis 2 Blutstrom

Inhaltsverzeichnis:

Leitfaden der Praxis

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Blutstrom Predigt

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Erwachenspredigt

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Durchbruchs-Predigt

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Leitfaden der Praxis

Leitfaden der Praxis Viele Pfade führen zum Weg, aber grundlegend gibt es nur zwei: Die Erkenntnis der Wirklichkeit und die Praxis. Das Betreten [des Weges] durch Erkenntnis der Wirklichkeit bedeutet die Essenz durch Anleitung zu erkennen und darauf zu vertrauen, dass alle Lebewesen die gleiche [grundlegende] Natur teilen, was nicht offensichtlich ist, da sie durch Wahrnehmung und Verblendung verhüllt ist. Jene, die sich von der Verblendung zurück zur Wirklichkeit wenden, die vor Wänden meditieren, über die Abwesenheit [der Unterscheidung] vom Selbst und anderen, von Sterblichen und Heiligen und die selbst von den Schriften unberührt sind, sind in unausgesprochener Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Unbewegt und ohne Mühe betreten sie [den Weg], so sagen wir, durch die Wirklichkeit.

[Den Weg] durch die Praxis zu betreten bezieht sich auf die Vier Allumfassenden Praktiken: Unrecht ertragen, sich den Umständen anpassen, nichts begehren und den Dharma praktizieren.

Erstens: Unrecht ertragen. Wenn jene, die den Weg suchen Schwierigkeiten begegnen, sollten sie sich folgendes denken, „In zahllosen vergangenen Zeitaltern habe ich mich vom Essentiellen zum Gewöhnlichen gewandt und habe alle möglichen Existenzen durchwandert, oft wütend ohne Grund und zahlreicher Übertretungen schuldig. Nun, obwohl ich ohne Fehl bin, werde ich von meiner Vergangenheit bestraft. Weder Götter noch Menschen können vorhersehen, wann eine unheilsame Tat ihre Frucht trägt. Ich akzeptiere es mit einem offenen Herzen und ohne Klage über Ungerechtigkeit.“ Die Sutras sagen, „Wenn du Schwierigkeiten begegnest, reg dich nicht auf, denn es macht Sinn.“ Mit einem solchen Verständnis bist du in Übereinstimmung mit der Erkenntnis der Wirklichkeit. Und durch das Ertragen von Unrechtem betrittst du den Weg. Zweitens: sich den Umständen anpassen. Als Sterbliche werden wir von Bedingungen beherrscht, nicht von uns selbst. Alles Leid und Glück das wir erfahren hängt von Bedingungen ab. Wenn wir den Segen einer großen Belohnung bekommen, etwas wie Ruhm oder Glück, ist es die Frucht eines Samens der von uns in der Vergangenheit gesät wurde. Wenn sich die Bedingungen ändern, endet sie. Warum sollten wir davon entzückt sein? Doch während Erfolg und Versagen von

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Kapitel 1: Leitfaden der Praxis

Bedingungen abhängen, nimmt der Geist weder zu noch ab. Jene, die vom Wind der Freude nicht berührt werden, folgen still dem Pfad. Drittens: nichts begehren. Die Leute dieser Welt sind verblendet. Sie sind ständig auf der Suche nach etwas – ständig. Kurz gesagt: sie begehren. Aber die Weisen wachen auf. Sie wählen Erkenntnis anstelle von Gewohnheiten. Sie verankern den Geist im Erhabenen und überlassen ihre Körper dem Wechsel der Jahreszeit. Alle Dinge sind leer. Sie enthalten nichts begehrenswertes. Unglück und Glück wechseln sich ständig ab. In den drei Reichen zu leben bedeutet in einem brennenden Haus zu leben. Einen Körper zu besitzen bedeutet zu leiden. Kennt irgendjemand mit einem Körper Frieden? Alle, die dies Verstehen geben die Anhaftung an alles auf das existiert und hören auf sich etwas vorzustellen oder zu begehren. Die Sutras sagen, „Etwas zu begehren bedeutet Leiden. Nichts zu begehren bedeutet Segen.“ Wenn du nichts begehrst, bist du auf dem Weg. Viertens: den Dharma praktizieren. Der Dharma ist die Wahrheit, dass alle Phänomene rein sind. Diese Wahrheit besagt, dass alle Erscheinungen leer sind. Verunreinigung und Anhaftung, Subjekt und Objekt existieren nicht. Die Sutras sagen, „Der Dharma beinhaltet keine Wesen, weil er frei ist von den Verunreinigungen des Seienden und der Dharma beinhaltet kein Selbst, weil er frei ist von der Verunreinigung eines Selbst.“ Jene, die Weise genug sind diese Wahrheit zu verstehen, praktizieren in Übereinstimmung mit dem Dharma. Und da das, was Wirklich ist nichts beneidenswertes beinhaltet, geben sie ihren Körper, ihr Leben und ihren Besitz der Wohltätigkeit hin, ohne Reue, ohne die Eitelkeit vom Gebenden, Gegebenen oder Empfänger [der Gabe] und ohne Vorurteil oder Anhaftung. Und um die Unreinheiten zu beseitigen, lehren sie andere, aber ohne Anhaftung an Form. Demnach werden sie durch ihre eigene Praxis fähig anderen zu helfen und preisen den Weg der Erleuchtung. Und wie die Praxis des Gebens, praktizieren sie auch die anderen Tugenden. Aber während sie die sechs Tugenden praktizieren, um die Verblendung zu beseitigen, praktizieren sie [letztlich] gar nichts. Dieses ist die Bedeutung von der Praxis des Dharma.

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Blutstrom Predigt

Blutstrom Predigt Alles, das in den drei Welten erscheint entsteht aus dem Geist. Demnach lehren die Buddhas der Vergangenheit und der Zukunft von Geist zu Geist, ohne sich dabei um Definitionen zu scheren. Aber wenn sie ihn nicht definieren, was meinen sie mit Geist? Du fragst. Das ist dein Geist. Ich Antworte. Das ist mein Geist. Wenn ich keinen Geist hätte, wie sollte ich antworten. Wenn du keinen Geist hättest, wie solltest du fragen? Das was fragt ist der Geist. Durch endlose Kalpas ohne Anfang, was immer du tust, wo immer du bist, das ist dein wahrer Geist, das ist dein wahrer Buddha. Dieser Geist ist der Buddha bedeutet das gleiche. Jenseits dieses Geistes wirst du niemals einen anderen Buddha finden. Nach Erleuchtung oder Nirvana jenseits dieses Geistes zu suchen ist unmöglich. Die Wirklichkeit deiner eigenen Selbst-Natur [Svabhava], die Abwesenheit von Ursache und Wirkung, ist das, was mit Geist gemeint ist. Dein Geist ist Nirvana. Du magst denken, dass du Buddha oder Erleuchtung irgendwo jenseits dieses Geistes findest, aber ein solcher Ort existiert nicht. Der Versuch Buddha oder Erleuchtung zu finden ist wie der Versuch den Raum zu ergreifen. Raum hat einen Namen, aber keine Form. Es ist nicht etwas was du aufheben oder ablegen kannst. Und du kannst es sicherlich nicht ergreifen. Jenseits dieses Geistes wirst du niemals einen Buddha sehen. Der Buddha ist ein Produkt deines Geistes. Warum nach einem Buddha jenseits dieses Geistes suchen? Buddhas der Vergangenheit und der Zukunft sprechen nur über diesen Geist. Der Geist ist der Buddha und der Buddha ist dieser Geist. Jenseits des Geistes gibt es keinen Buddha und jenseits des Buddha gibt es keinen Geist. Wenn du denkst es gibt einen Buddha jenseits des Geistes, wo ist er? Es gibt keinen Buddha jenseits des Geistes, warum also sollte einer erdacht werden? Du kannst nicht deinen wahren Geist erkennen, solange du dich selbst täuscht. Solange du von einer leblosen Form bezaubert bist, bist du nicht frei. Wenn du mir nicht glaubst, wird dir deine Selbsttäuschung nicht viel nützen. Es ist nicht der Fehler des Buddha. Die Leute aber sind Verblendet. Sie sind sich nicht bewusst, dass ihr eigener Geist der Buddha ist. Ansonsten würden sie nicht außerhalb des Geistes nach Buddha suchen. Buddhas erretten keine Buddhas. Wenn du deinen Geist benutzt, um nach einen Buddha zu suchen wirst Du keinen Buddha sehen. Solange du nach einem Buddha anderswo suchst, wirst du niemals sehen, dass dein eigener Geist der Buddha ist.

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Blutstrom Predigt

Verwende für die Verehrung eines Buddha keinen Buddha. Und benutz den Geist nicht für die Anrufung von Buddhas Namen. Buddhas rezitieren keine Sutras. Buddhas halten sich nicht an Gelübde. Buddhas brechen keine Gelübde. Buddhas halten oder brechen gar nichts. Buddhas tun nichts Gutes oder Schlechtes. Um einen Buddha zu finden musst du deine eigene Natur erkennen. Wer auch immer seine eigene Natur erkennt ist ein Buddha. Wenn du deine eigene Natur nicht erkennst, ist die Anrufung von Buddhas Namen, das Rezitieren von Sutras, das Darbringen von Offerten und das Halten der Gelübde nutzlos. Die Anrufung von Buddhas Namen bringt gutes Karma, das Rezitieren von Sutras bringt ein gutes Gedächtnis; das halten der Gelübde bringt eine gute Wiedergeburt und die Darbringung von Offerten bringt zukünftigen Segen – aber keinen Buddha. Wenn du das nicht selbst verstehst, musst du einen Lehrer finden, um auf den Grund von Leben und Tod zu kommen. Aber bis er seine eigene Natur erkennt, ist eine solche Person kein Lehrer. Selbst wenn er den Zwölffachen Kanon rezitieren kann, so kann er doch nicht dem Rad von Leben und Tod entkommen. Er leidet in den drei Reichen ohne die Hoffnung auf Befreiung. Es war vor langer Zeit, als der Mönch Guter Stern in der Lage war, den gesamten Kanon zu rezitieren. Aber er entkam nicht dem Rad [des Lebens], weil er nicht seine eigene Natur erkannte. Wenn das der Fall mit Guter Stern war, dann sind Leute heutzutage, die ein paar Sutras oder Shastras rezitieren und glauben, das ist der Dharma, Narren. Bis du deine eigene Natur erkennst, ist das rezitieren von so viel Prosa nutzlos. Um einen Buddha zu sehen, ist alles was du zu tun hast, deine eigene Natur zu erkennen. Deine eigene Natur ist der Buddha. Und der Buddha ist die Person, die frei ist. Frei von Plänen, frei von Sorgen. Wenn du deine eigene Natur nicht erkennst und den ganzen Tag herumläufst und sie irgendwo anders suchst, wirst du niemals einen Buddha finden. In Wirklichkeit gibt es nichts zu finden. Aber um so ein Verständnis zu erreichen brauchst du einen Lehrer und du musst dich anstrengen um dieses Verständnis zu entwickeln. Leben und Sterben sind wichtig. Erleide sie nicht vergebens. Es ist kein Vorteil, dich selbst zu täuschen. Selbst wenn du Berge von Juwelen hast und so viele Diener, wie es Sandkörner am Ganges gibt, siehst du sie, wenn deine Augen offen sind. Aber was, wenn deine Augen geschlossen sind? Du solltest verstehen, dass alles was du siehst wie ein Traum oder eine Illusion ist. Wenn du nicht bald einen Lehrer findest, lebst du dieses Leben vergebens.

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Blutstrom Predigt

Es ist wahr, du hast die Buddhanatur. Aber ohne die Hilfe eines Lehrers wirst du dies niemals wissen. Nur eine Person unter einer Millionen wird ohne die Hilfe eines Lehrers erleuchtet. Wenn jedoch, durch die Fügung von Bedingungen, jemand versteht was der Buddha meinte, braucht eine solche Person keinen Lehrer. Diese Person hat ein natürliches Gewahrsein, welches erhabener ist, als alles was gelehrt wurde. Aber bevor du so gesegnet bist, studiere fleißig und durch die Anleitung [eines Lehrers] wirst du verstehen. Leute, die nicht verstehen, aber glauben sie bräuchten nicht zu studieren, sind nicht verschieden von verblendeten Seelen, die nicht schwarz und weiß unterscheiden können. Fälschlicher Weise den Buddhadharma verkündend, lästern solche Leute in Wahrheit über den Buddha und untergraben den Dharma. Sie predigen als ob sie Regen bringen würden. Aber ihre Predigt ist die von Teufeln, nicht von Buddhas. Ihr Lehrer ist der König der Teufel und seine Schüler sind des Teufels Gefolgschaft. Verblendete Leute, die solchen Instruktionen folgen sinken unwissentlich tiefer in den Ozean von Geburt und Tod. Bevor sie nicht ihre eigene Natur schauen, wie können Leute sich selbst Buddhas nennen? Sie sind Lügner, die andere täuschen, indem sie sie den Bereich der Teufel betreten lassen. Bis sie ihre eigene Natur schauen, ist ihr Predigen nichts anderes als das von Teufeln. Ihre Loyalität gilt Mara, nicht Buddha. Unfähig schwarz und weiß zu unterscheiden, wie sollten sie Geburt und Tod entkommen? Wer auch immer seine eigene Natur erkennt ist ein Buddha; wer auch immer es nicht erkennt, ist ein Sterblicher. Aber wenn du deine Buddhanatur getrennt von deiner sterblichen Natur entdecken kannst, wo ist sie? Unsere sterbliche Natur ist unsere Buddhanatur. Jenseits dieser Natur gibt es keinen Buddha. Der Buddha ist unsere Natur. Da ist kein Buddha neben dieser Natur. Und da ist keine Natur neben dem Buddha. Aber angenommen ich sehe nicht meine eigene Natur, kann ich nicht trotzdem Erleuchtung durch das Ausrufen von Buddhas Namen, rezitieren von Sutras, der Darbringung von Offerten, dem Halten der Gelübde, der Praxis der Hingabe oder dem vollbringen guter Taten erlangen? Nein, das kannst du nicht. Warum nicht?

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Wenn du irgendetwas erlangst, so ist das Bedingungen unterworfen, es ist karmisch. Es resultiert in Vergeltung. Es dreht das Rad. Solange du Leben und Tod unterliegst, wirst du niemals Erleuchtung erlangen. Um Erleuchtung zu erlangen musst du deine eigene Natur erkennen. Bis du nicht deine eigene Natur erkennst, ist all dieses Gerede über Ursache und Wirkung Unsinn. Buddhas praktizieren keinen Unsinn. Ein Buddha ist frei von Karma, frei von Ursache und Wirkung. Wer behauptet, dass ein Buddha irgendetwas erlangt, beleidigt einen Buddha. Was könnte er möglicherweise erlangen? Selbst das Konzentrieren auf den Geist, eine Kraft, ein Verstehen oder eine Sichtweise ist unmöglich für einen Buddha. Ein Buddha ist nicht einseitig. Die Natur seines Geistes ist grundlegend leer, weder rein noch unrein. Er ist frei von Praxis und Realisierung. Er ist frei von Ursache und Wirkung. Ein Buddha beachtet keine Gelübde. Ein Buddha handelt weder gut noch böse. Ein Buddha ist weder tatkräftig noch faul. Ein Buddha ist jemand der nichts tut, jemand, der nicht einmal seinen Geist auf einen Buddha richten kann. Ein Buddha ist kein Buddha. Denke nicht über Buddhas nach. Wenn du nicht verstehst worüber ich rede, wirst du niemals deinen eigenen Geist kennen. Leute, die nicht ihre eigene Natur schauen und glauben, sie könnten jederzeit Gedankenlosigkeit praktizieren sind Lügner und Narren. Die fallen in endlosen Raum. Sie sind wie Betrunkene. Sie können nicht zwischen gut und böse unterscheiden. Wenn du vor hast eine solche Praxis zu kultivieren, so musst du dein eigenes Wesen erkennen, bevor du rationalen Gedanken ein Ende bereiten kannst. Erleuchtung zu erlangen ohne sein eigenes Wesen zu erkennen ist unmöglich. Andere wiederum begehen alle möglichen unheilvollen Taten und behaupten Karma existiere nicht. Irrtümlicherweise behaupten sie, Unheilsames zu tun wäre nicht falsch, da alles leer sei. Solche Personen fallen in eine Hölle von endloser Dunkelheit ohne Hoffnung auf Befreiung. Jene, die Weise sind, haben keine solche Ansichten. Aber wenn jede unserer Bewegungen oder jeder Zustand, wann immer sie auftreten, Geist ist, warum erkennen wir diesen Geist nicht, wenn eine Person stirbt? Der Geist ist immer gegenwärtig. Du siehst ihn bloß nicht. Aber wenn der Geist gegenwärtig ist, warum erkenne ich ihn nicht? Träumst du jemals? Natürlich. Wenn du träumst, bist du das? Ja, das bin ich.

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Und ist das was du tust oder sagst von dir verschieden? Nein, das ist es nicht. Aber wenn es das nicht ist, dann ist dieser Körper dein wahrer Körper. Und dieser wahre Körper ist dein Geist. Und dieser Geist, durch endlose Kalpas hindurch, ohne Anfang, hat sich nie verändert. Er lebte oder verstarb nie, erschien oder verschwand nicht und nahm weder zu noch ab. Er ist nicht rein oder unrein, gut oder böse, Vergangenheit oder Zukunft. Er ist nicht wahr oder falsch. Er ist nicht männlich oder weiblich. Er erscheint nicht als ein Mönch oder ein Laie, als ein Ordensältester oder ein Novize, als ein Weiser oder ein Narr, als ein Buddha oder ein Sterblicher. Er strebt nicht nach Verwirklichung und leidet kein Karma. Er hat keine Kraft oder Form. Er ist wie der Raum. Du kannst ihn nicht besitzen und du kannst ihn nicht verlieren. Seine Bewegungen können nicht von Bergen, Flüssen oder Steinwänden aufgehalten werden. Seine unaufhaltbaren Kräfte durchdringen den Berg der fünf Skandhas und überqueren den Fluss des Samsara. Kein Karma kann diesen wahren Körper einschränken. Aber dieser Geist ist subtil und schwer zu erkennen. Er ist nicht das gleiche wie der Geist der Sinne. Jeder möchte diesen Geist erkennen und die, die ihre Hände und Füße in seinem Licht bewegen sind so zahlreich wie die Sandkörner am Ganges, aber wenn du sie fragst, können sie ihn nicht erklären. Sie sind wie Marionetten. Es liegt an ihnen, ihn zu nutzen. Warum können sie ihn nicht erkennen? Der Buddha sagt, Leute sind verblendet. Darum fallen sie, wenn sie handeln immer tiefer in den Fluss der endlosen Wiedergeburten. Und wenn sie versuchen herauszukommen, so versinken sie nur noch tiefer. Und all das nur, weil sie ihre eigene Natur nicht erkennen. Wenn Leute nicht verblendet wären, warum sollten sie dann nach etwas fragen, das direkt vor ihnen ist? Nicht einer von ihnen versteht die Bewegung seiner eigenen Hände und Füße. Der Buddha war nicht im Irrtum. Verblendete Leute wissen nicht wer sie sind. Etwas so schwer Begreifbares wird nur vom Buddha ergründet und von niemandem sonst. Nur die Weisen verstehen diesen Geist, dieser Geist wird Dharma-Natur genannt, dieser Geist wird Befreiung genannt. Weder Leben noch Tod können diesen Geist einschränken. Nichts kann das. Er wird auch der Unaufhaltbare Tathagata, das Unbegreifliche, das Heilige Selbst, das Unsterbliche und der Große Weise genannt. Die Namen sind verschieden, aber nicht die Essenz. Auch Buddhas sind verschieden, aber keiner verlässt seinen eigenen Geist.

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Die Fähigkeiten des Geistes sind unbegrenzt und seine Manifestierungen sind unerschöpflich. Formen mit deinen Augen sehen, Geräusche mit deinen Ohren hören, Düfte mit deiner Nase riechen, Geschmäcker mit deiner Zunge schmecken, jede Bewegung oder jeder Zustand ist alles dein Geist. In jedem Moment ist dort, wo Sprache nicht hingelangt, dein Geist. In den Sutras steht, „Die Formen des Tathagata sind endlos. Und so ist auch sein Gewahrsein.“ Die endlose Verschiedenheit der Formen ist bedingt durch den Geist. Die Fähigkeit Dinge zu unterscheiden, mit jeglicher Bewegung und jeglichem Zustand, ist das Gewahrsein des Geistes. Aber der Geist hat keine Form und das Gewahrsein keine Grenze. So wird gesagt, „Die Formen des Tathagata sind endlos. Und so ist auch sein Gewahrsein.“ Ein materieller Körper der vier Elemente ist leidhaft. Ein materieller Körper unterliegt Geburt und Tod. Aber der wahre Körper existiert ohne zu existieren, weil der wahre Körper des Tathagata sich niemals ändert. In den Sutras steht, „Die Leute sollten realisieren, dass die Buddhanatur etwas ist, dass sie schon immer gehabt haben.“ Nur Kashyapa verstand seine eigene Natur. Unsere eigene Natur ist der Geist. Und der Geist ist unsere eigene Natur. Diese Natur ist das gleiche wie der Geist aller Buddhas. Die Buddhas der Vergangenheit und Zukunft geben nur diesen Geist weiter. Jenseits dieses Geistes gibt es nirgendwo einen Buddha. Aber verblendete Leute verstehen nicht, dass ihr eigener Geist der Buddha ist. Sie suchen weiter außerhalb. Sie hören nie damit auf Buddhas Namen anzurufen oder Buddhas zu verehren und fragen sich Wo ist der Buddha? Gib dich nicht solchen Illusionen hin. Erkenne nur deinen Geist. Jenseits deines Geistes gibt es keinen Buddha. In den Sutras steht, „Alles was eine Form hat ist eine Illusion.“ Weiterhin steht dort, „Wo immer du bist, dort ist Buddha.“ Dein Geist ist der Buddha. Verwende keinen Buddha, um einen Buddha zu verehren. Selbst wenn ein Buddha oder ein Bodhisattva plötzlich vor dir auftauchen sollte, es gibt keinen Grund der Verehrung. Unser Geist ist leer und enthält keine solche Form. Diejenigen, die an Erscheinungen festhalten sind Teufel. Sie verlassen den Weg. Warum sollten Illusionen gehuldigt werden, die dem Geist entspringen? Jene, die Verehrung erweisen, verstehen nicht und jene, die verstehen, erweisen keine Verehrung. Durch Verehrung kommst du unter die Kontrolle von Teufeln. Ich betone dies so, weil ich befürchte du bist dir dessen nicht bewusst. Die Grundnatur eines Buddha hat keine solche Form. Behalte dies im Gedächtnis, selbst wenn etwas

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Ungewöhnliches auftreten sollte. Heiße es nicht willkommen und fürchte es nicht, und zweifele nicht, dass dein Geist ursprünglich rein ist. Wo könnte da für eine derartige Form noch Platz sein? Ebenso bei der Erscheinung von Geistern, Dämonen oder göttlichen Wesen, empfinde weder Respekt noch Furcht. Dein Geist ist grundlegend leer. Alle Erscheinungen sind Illusionen. Halte nicht an Erscheinungen fest. Wenn du einen Buddha, einen Dharma oder einen Bodhisattva siehst und du empfindest Respekt für sie, versetzt du dich in den Bereich der Sterblichen zurück. Wenn du direktes Verstehen wünscht, halte an keinerlei Erscheinung fest und du bist erfolgreich. Ich habe keinen anderen Rat. In den Sutras steht, „Alle Erscheinungen sind Illusionen.“ Sie haben keine eigenständige Existenz, keine bleibende Form. Sie sind vergänglich. Halte nicht an Erscheinungen fest und du wirst den selben Geist wie der Buddha haben. In den Sutras steht, „Das was von aller Form frei ist, ist der Buddha.“ Aber warum sollten wir keine Buddhas und Bodhisattvas verehren? Teufel und Dämonen besitzen die Kraft der Manifestation. Sie können die Erscheinung von Bodhisattvas in allen möglichen Verkleidungen kreieren. Aber sie sind falsch. Keiner von ihnen ist Buddha. Der Buddha ist dein eigener Geist. Leite nicht deine Huldigung fehl. Buddha ist Sanskrit für das, was man Gewahrsein, wunderbares Gewahrsein nennt. Antworten, Wahrnehmen, die Augenbrauen heben, mit den Augen zwinkern, Hände und Füße bewegen, das alles ist deine wunderbar gewahre Natur. Und diese Natur ist dein Geist. Und dieser Geist ist der Buddha. Und der Buddha ist der Weg. Und der Weg ist Zen. Aber das Wort Zen ist eines, das ein Rätsel sowohl für Sterbliche, als auch für Weise bleibt. Deine eigene Natur zu erkennen ist Zen. Bis du deine eigene Natur erkennst, ist es kein Zen. Selbst wenn du Tausende Sutras und Shastras erklären kannst, bis du deine eigene Natur erkennst, bleibt es die Lehre eines Sterblichen, nicht die eines Buddha. Der wahre Weg ist subtil. Er kann nicht durch Sprache ausgedrückt werden. Welchen Wert haben die Schriften? Aber jemand, der seine eigene Natur erkennt, findet den Weg, selbst, wenn er kein Wort lesen kann. Jemand der seine eigene Natur erkennt, ist ein Buddha. Und da der Körper eines Buddha zuinnerst rein und unbefleckt und alles was er sagt ein Ausdruck seines grundlegend leeren Geistes ist, kann ein Buddha nicht in Worten oder sonst wo im Zwölffachen Kanon gefunden werden.

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Der Weg ist von Grund auf vollkommen. Er braucht nicht perfektioniert werden. Der Weg hat keine Form und keine Töne. Er ist subtil und schwer wahrzunehmen. Es ist, als ob du Wasser trinkst: du weißt wie heiß oder kalt es ist, aber du kannst es nicht anderen mitteilen. Von dem, was nur ein Tathagata weiß, bleiben Menschen und Götter in Unkenntnis. Das Gewahrsein von Sterblichen ist gering. Solange sie an Formen haften, erkennen sie nicht, dass ihr Geist leer ist. Und durch das irrtümliche Haften an Erscheinung von Dingen verlieren sie den Weg. Wenn du weißt, dass alles aus dem Geiste kommt, so sei ohne Anhaftung. Sobald du anhaftest, bist du unbewusst. Sobald du aber deine eigene Natur erkennst, wird der gesamte Kanon zu so viel Erzählung. Die Tausenden Sutras und Shastras bedeuten nur einen klaren Geist. Verstehen kommt mitten im Satz. Wofür sollten Lehrmeinungen gut sein? Die letztendliche Wahrheit ist jenseits der Worte. Eine Doktrin besteht aus Worten. Sie sind nicht der Weg. Der Weg ist wortlos. Worte sind Illusionen. Sie sind nicht verschieden von Dingen, die Nachts in deinen Träumen erscheinen, seien es Paläste oder Fuhrwerke, bewaldete Parks oder Uferpavillions. Empfinde kein Vergnügen an solchen Dingen. Sie alle sind Wiegen der Wiedergeburt. Denke daran, wenn dein Tod bevorsteht. Hafte nicht an Erscheinung von Dingen und du durchbrichst alle Hindernisse. Ein Moment des Zögerns und du wirst unter Bann der Teufel sein. Dein wahrer Körper ist rein und undurchlässig. Aber durch Verblendung bist du dessen nicht gewahr. Und darum leidest du vergeblich dein Karma. Wo immer du Vergnügen findest, findest du Knechtschaft. Aber wenn du erst zu deinem ursprünglichen Körper und Geist erwachst, bist du nicht länger durch Anhaftung gebunden. Ein jeder, der das Transzendente für das Weltliche aufgibt, in jedweder der Myriaden Formen, ist ein Sterblicher. Ein Buddha ist jemand, der Freiheit in guter und in schlechter Fügung findet. Seine Kraft ist dermaßen, dass Karma Ihn nicht [von der Freiheit] abhalten kann. Egal was für eine Art von Karma, ein Buddha transformiert es. Himmel und Hölle bedeuten ihm nichts. Aber das Gewahrsein eines Sterblichen ist trübe im Vergleich zu dem eines Buddha, der alles durchdringt, im Inneren und Außen. Wenn du dir nicht sicher bist, handle nicht. Handelst du erst, wanderst du durch Geburt und Tod und bereust, keine Zuflucht zu haben. Armut und Elend entstehen durch falsches Denken. Um diesen Geist zu verstehen, musst du handeln ohne zu handeln. Nur dann wirst du die Dinge aus der Sichtweise des Tathagata sehen.

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Aber wenn du Anfangs dem Weg folgst, wird dein Gewahrsein nicht sehr zentriert sein. Wahrscheinlich siehst du alle möglichen seltsamen, traumgleichen Szenen. Aber du solltest nicht daran zweifeln, dass all diese Szenen aus deinem eigenen Geist stammen und nirgendwo anders her. Wenn du, wie in einem Traum, ein Licht siehst, dass heller als die Sonne ist, so kommen deine restlichen Anhaftungen plötzlich zu einem Ende und die Natur der Wirklichkeit wird offenbart. Solch ein Ereignis dient der Grundlage zur Erleuchtung. Aber das ist etwas, was nur du weißt. Du kannst es nicht anderen darlegen. Oder wenn du, während du gehst, stehst, sitzt oder in einem ruhigen Hain liegst, ein Licht siehst, unabhängig davon, ob es hell oder trübe ist, erzähl es nicht anderen und konzentrier dich nicht darauf. Es ist das Licht deiner eigenen Natur. Oder wenn du, während du gehst, stehst, sitzt oder in der Stille und Dunkelheit der Nacht liegst, alles wie bei Tageslicht erscheint, erschrecke dich nicht. Es ist dein eigener Geist kurz bevor er sich offenbart. Oder wenn du, während du in der Nacht träumst, den Mond und die Sterne in all ihrer Klarheit siehst, bedeutet das, dass sich die Funktionen deines [gewöhnlichen] Geistes erschöpfen. Aber erzähle es nicht anderen. Und wenn deine Träume nicht klar sind, als ob du durch die Dunkelheit spazierst, ist das, weil dein Geist von Sorgen verschleiert ist. Auch dieses ist etwas, was nur du weißt. Wenn du deine eigene Natur erkennst, brauchst du keine Sutras zu lesen oder Buddhas Namen anzurufen. Gelehrsamkeit und Wissen sind nicht nur nutzlos, sondern trüben auch dein Gewahrsein. Lehrgebäude dienen nur dazu, auf den Geist hinzudeuten. Erkennst du erst deine eigene Natur, warum solltest du dich noch um Lehrgebäude kümmern? Um von einem Sterblichen zu einem Buddha zu werden, musst du deinem Karma ein Ende bereiten, dein Gewahrsein wachsen lassen und akzeptieren, was das Leben bringt. Wenn du immer wütend wirst, so wendest du deine eigene Natur gegen den Weg. Es gibt keinen Vorteil dich selbst zu täuschen. Buddhas bewegen sich frei durch Geburt und Tod, erscheinen und verschwinden auf Wunsch. Sie können nicht durch Karma eingeschränkt oder durch Teufel bezwungen werden. Sobald ein Sterblicher seine eigene Natur erkennt, endet jegliche Anhaftung. Gewahrsein ist nicht verborgen. Aber du kannst es nur jetzt entdecken. Es ist nur jetzt da. Wenn du wirklich den Weg finden willst, halte an nichts fest. Sobald du deinem Karma ein Ende bereitest und dein Gewahrsein wachsen lässt, so wird

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jegliche verbleibende Anhaftung zu einem Ende kommen. Verständnis entsteht auf natürliche Weise. Du musst dich dazu nicht anstrengen. Aber Fanatiker verstehen nicht, was der Buddha lehrte. Und je mehr sie sich anstrengen, um so weiter entfernen sie sich von der Lehre des Weisen. Den ganzen Tag lang rufen sie Buddhas Namen und lesen Sutras. Aber sie bleiben blind gegenüber ihrer eigenen göttlichen Natur und sie entkommen nicht dem Rad. Ein Buddha ist eine müßige Person. Er rennt nicht Glück und Ruhm hinterher. Wofür sollen solche Sachen letztlich gut sein? Leute, die nicht ihre eigene Natur sehen und glauben, dass Sutras zu lesen, Buddhas Namen anzurufen, langes und hartes studieren, Morgens und Nachts zu praktizieren ohne sich hinzulegen oder die Aneignung von Wissen der Dharma ist, lästern über den Dharma. Buddhas der Vergangenheit und der Zukunft sprechen nur über das Erkennen deiner eigenen Natur. Jegliche Praxis ist unbeständig. Leute, die behaupten sie hätten unübertreffliche und vollständige Erleuchtung erlangt, sind Lügner. Unter Shakyamuni’s zehn besten Schülern war Ananda führend im Lernen. Aber er erkannte nicht den Buddha. Alles was er tat war, zu studieren und auswendig zu lernen. Arhats erkennen nicht den Buddha. Alles was sie wissen ist eine Vielzahl von Praktiken zur Realisierung und sie werden von Ursache und Wirkung gefangen. So ist auch das Karma eines Sterblichen: kein Entkommen von Geburt und Tod. Sie erreichen das Gegenteil von dem, was sie beabsichtigen, solche Leute lästern über den Buddha. Sie umzubringen wäre nicht falsch. In den Sutras steht, „Da Icchantikas unfähig des Vertrauens sind, wäre es ohne Schuld sie umzubringen, wohingegen Leute mit Vertrauen den Zustand der Buddhaschaft erreichen.“ Bis du deine eigene Natur erkennst, solltest du nicht herumlaufen und die Gutherzigkeit anderer kritisieren. Es gibt keinen Vorteil dich selbst zu täuschen. Gut und schlecht sind verschieden. Ursache und Wirkung sind klar. Himmel und Hölle sind direkt vor deinen Augen. Aber Narren glauben das nicht und fallen geradewegs in die Hölle der endlosen Dunkelheit, ohne es überhaupt zu wissen. Was sie vom Glauben abhält ist die Schwere ihres Karma. Sie sind wie blinde Personen, die nicht glauben, dass es solche Dinge wie Licht gibt. Selbst wenn du es ihnen erklärst, so glauben sie es immer noch nicht, weil sie blind sind. Wie wäre es für sie möglich Licht zu erkennen? Das gleiche gilt auch für Narren die in den niederen Existenzen enden oder unter den Armen und Verstoßenen. Sie können nicht leben und sie können nicht sterben.

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Und trotz ihrem Leid sagen sie, wenn du sie fragst, sie seien so zufrieden wie die Götter. Alle Sterblichen, selbst jene die glauben sie seien wohlgeboren, sind gleichermaßen unwissend. Wegen der Schwere ihres Karma, können solche Narren nicht Vertrauen [entwickeln] und nicht frei kommen. Leute, die erkennen, dass ihr Geist Buddha ist, müssen sich nicht ihren Kopf rasieren. Laien sind auch Buddhas. Bis sie ihre eigene Natur erkennen, sind Leute, die ihren Kopf rasieren einfach Fanatiker. Aber da verheiratete Laien nicht den Sex aufgeben, wie können sie dann Budhhas werden? Ich rede nur darüber deine eigene Natur zu erkennen. Ich rede nicht über Sex, einfach nur weil du deine eigene Natur nicht erkennst. Sobald du deine eigene Natur erkannt hast, ist Sex im Grunde unkörperlich. Es endet einher mit deinem Vergnügen daran. Selbst wenn einige Gewohnheiten übrigbleiben, können sie dir nicht schaden, weil deine eigene Natur im Grunde rein ist. Ungeachtet dessen, dass du in einem materiellen Körper der vier Elemente lebst, ist deine eigene Natur im Grunde rein. Sie kann nicht verdorben werden. Dein wahrer Körper hat keine Sinneswahrnehmung, keinen Hunger oder Durst, keine Wärme oder Kälte, keine Krankheit, keine Liebe oder Anhaftung, kein Vergnügen oder Schmerz, kein [Konzept von] gut oder schlecht, keine Kürze oder Länge, keine Schwäche oder Stärke. Tatsächlich ist nichts hier. Es ist nur weil du an diesen Körper anhaftest, dass Dinge wie Hunger und Durst, Wärme und Kälte und Krankheit auftreten. Sobald du mit der Anhaftung aufhörst und die Dinge so sein lässt, wie sie sind, wirst du frei sein, selbst von Geburt und Tod. Du wirst alles wandeln. Du wirst spirituelle Kräfte besitzen, die nicht behindert werden können. Und du wirst Frieden haben, wo immer du bist. Wenn du das bezweifelst, wirst du niemals alles durchschauen. Du solltest dann besser gar nichts tun. Sobald du handelst, kannst du den Kreis von Geburt und Tod nicht vermeiden. Aber sobald du deine eigene Natur erkennst, bist du ein Buddha, selbst wenn du als Schlachter arbeitest. Aber Schlachter erzeugen Karma durch das Schlachten von Tieren. Wie können sie Buddhas sein? Ich rede nur davon, dass du deine eigene Natur erkennst. Ich rede nicht über das Erzeugen von Karma. Unabhängig von dem was wir tun, hat unser Karma uns nicht im Griff. Durch endlose Kalpas ohne einen Anfang ist es nur weil die Leute ihr eigenes Wesen nicht erkennen, dass sie in der Hölle landen. Solange eine Person

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Karma erzeugt, durchläuft sie weiterhin Geburt und Tod. Aber sobald eine Person ihre ursprüngliche Natur erkennt, hört sie auf Karma zu erzeugen. Wenn sie ihre eigene Natur nicht erkennt, wird die Anrufung von Buddhas Namen sie nicht von ihrem Karma befreien, unabhängig davon, ob sie ein Schlachter ist oder nicht. Aber sobald sie ihre eigene Natur erkennt, verschwinden alle Zweifel. Selbst eines Schlachters Karma hat keinen Effekt auf eine solche Person. In Indien übermittelten die siebenundzwanzig Dharmaahnen das Siegel ihres Geistes. Und der einzige Grund warum ich nach China gekommen bin, ist die Übermittlung der Plötzlichkeitslehre des Mahayana. Dieser Geist ist der Buddha. Ich rede nicht über Gelübde, Hingabe oder asketische Praktiken, so wie das eintauchen in Wasser und Feuer, hineintreten in einen Reifen aus Messern, nur eine Mahlzeit am Tag zu essen oder sich niemals hinzulegen. Dies sind fanatische, behelfsmäßige Lehren. Sobald du deine sich bewegende, wunderbar gewahre Natur erkennst, ist dein Geist der Geist aller Buddhas. Buddhas der Vergangenheit und Zukunft sprechen nur über die Weitergabe des Geistes. Sie lehren nichts anderes. Wenn jemand diese Lehre versteht, selbst wenn er Analphabet ist, ist er ein Buddha. Wenn du deine eigene, wunderbar gewahre Natur nicht erkennst, wirst du niemals einen Buddha finden, selbst wenn du deinen Körper in Atome zerlegst. Der Buddha ist dein wahrer Körper, dein ursprünglicher Geist. Dieser Geist hat keine Form oder Merkmale, keine Ursache oder Wirkung, keine Sehnen oder Knochen. Er ist wie der Raum. Du kannst ihn nicht ergreifen. Er ist nicht wie der Geist von Materialisten oder Nihilisten. Mit Ausnahme des Tathagata kann kein anderer – kein Sterblicher, kein verblendetes Wesen – ihn ermessen. Aber dieser Geist ist nicht irgendwo außerhalb des materiellen Körpers der vier Elemente. Ohne diesen Geist können wir uns nicht bewegen. Der Körper hat kein Gewahrsein. Wie eine Pflanze oder ein Stein hat der Körper keine eigene Natur. Also, wie bewegt er sich? Es ist der Geist der ihn bewegt. Sprache und Verhalten, Sinnenwahrnehmung und Verstehen sind alles Funktionen eines sich bewegenden Geistes. Alle Bewegungen sind die Bewegungen des Geistes. Getrennt von der Bewegung gibt es keinen Geist und getrennt von dem Geist gibt es keine Bewegung. Bewegung ist im Grunde ohne Geist. Und der Geist ist im Grunde bewegungslos. Aber Bewegung existiert nicht ohne den Geist. Und der Geist existiert nicht ohne Bewegung. Da gibt es keinen Geist für Bewegung und keine Bewegung für den Geist getrennt voneinander. Bewegung ist die Funktion des

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Blutstrom Predigt

Geistes und seine Funktion ist seine Bewegung. Genau so bewegt sich weder der Geist, noch wirkt er, weil die Essenz seines Wirkens Leerheit ist, und Leerheit ist in der Essenz bewegungslos. Demnach raten die Sutras uns zu bewegen ohne uns zu bewegen, zu reisen ohne zu reisen, zu sehen ohne zu sehen, zu lachen ohne zu lachen, zu hören ohne zu hören, zu wissen ohne zu wissen, fröhlich zu sein ohne fröhlich zu sein, zu gehen ohne zu gehen, zu stehen ohne zu stehen. Die Sutras sagen, „Gehe über die Sprache hinaus. Gehe über das Denken hinaus.“ Im Grunde sind sehen, hören und wissen vollständig leer. Deine Wut, Freude oder Schmerz sind die einer Marionette. Du kannst suchen, aber du wirst nicht ein Ding finden. In Übereinstimmung mit den Sutras resultieren böse Taten in Elend und gute Taten in Segen. Wütende Leute gehen in die Hölle und freundliche Leute gehen in den Himmel. Aber wenn du erkennst, dass die Natur von Wut und Freundlichkeit leer ist, und du sie gehen lässt, befreist du dich selbst vom Karma. Wenn du deine eigene Natur nicht erkennst, bringt dir das zitieren der Sutras nichts. Ich könnte noch weitermachen, aber diese kurze Predigt muss reichen.

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Erwachenspredigt

Erwachenspredigt Die Essenz des Weges ist Loslösung. Und das Ziel jener, die praktizieren ist die Freiheit von den Erscheinungen. Die Sutras sagen, „Die Loslösung ist Erleuchtung, weil sie Erscheinungen verneint.“ Buddhaschaft bedeutet Gewahrsein. Sterbliche, deren Geist gewahr ist erreichen den Weg der Erleuchtung und werden deshalb Buddhas genannt. Die Sutras sagen, „Jene die sich von allen Erscheinungen befreien, werden Buddhas genannt.“ Das Auftauchen einer Erscheinung als Nicht- Erscheinung kann nicht visuell wahrgenommen werden kann, sondern es kann nur durch Weisheit erkannt werden. Wer auch immer dieses hört und dieser Lehre vertraut, betritt das Große Fahrzeug und verlässt die drei Bereiche. Die drei Bereiche sind Gier, Hass und Verblendung. Die drei Bereiche zu verlassen bedeutet von Gier, Hass und Verblendung zurückzukehren zur Sittlichkeit, Meditation und Weisheit. Gier, Hass und Verblendung haben keine Eigennatur. Sie hängen von den Sterblichen ab. Und jeder der der Reflexion fähig ist, ist auf dem Weg zu sehen, dass die Natur von Gier, Hass und Verblendung die Buddhanatur ist. Jenseits von Gier, Hass und Verblendung gibt es keine andere Buddhanatur. Die Sutras sagen, „Buddhas sind nur Buddhas geworden, während sie mit den drei Giften lebten und sich dabei mit dem puren Dharma nährten.“ Die drei Gifte sind Gier, Hass und Verblendung. Das Große Fahrzeug ist das größte von allen Fahrzeugen. Es ist die Beförderung der Bodhisattvas, die alles benutzen ohne irgendetwas zu benutzen und die den ganzen Tag reisen ohne zu reisen. Solcherart ist das Fahrzeug der Buddhas. Die Sutras sagen, „Kein Fahrzeug ist das Fahrzeug der Buddhas.“ Wer begreift, dass die sechs Sinne nicht real und dass die fünf Skandhas Fiktion sind, dass solche Dinge nirgends im Körper zu entdecken sind, versteht die Sprache der Buddhas. Die Sutras sagen, „Die Höhle der fünf Skandhas ist die Halle des Zen. Das öffnen des inneren Auges ist das Tor zum Großen Fahrzeug.“ Was könnte klarer sein? Über nichts nachdenken ist Zen. Sobald du das begriffen hast, ist gehen, stehen, sitzen oder liegen und alles was du tust Zen. Zu wissen, dass der Geist leer ist, bedeutet Buddha zu sehen. Die Buddhas der zehn Richtungen haben keinen Geist. Keinen Geist zu sehen, bedeutet Buddha zu sehen. Dich selbst ohne Reue aufzugeben ist die größte Gabe. Über Bewegung und Stille hinauszugehen ist die höchste Meditation. Sterbliche bleiben in Bewegung und

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Erwachenspredigt

Arhats stehen still. Aber die höchste Meditation übertrifft beides, die der Sterblichen und die der Arhats. Leute die ein solches Verständnis erreichen, befreien sich von allen Erscheinungen ohne Mühe und heilen alle Krankheiten ohne Behandlung. Solcherart ist die Kraft von großem Zen. Den Geist zu benutzen um nach der Wahrheit zu suchen ist Verblendung. Nicht den Geist zu benutzen, um nach der Wahrheit zu suchen ist Gewahrsein. Sich selbst frei machen von Worten ist Befreiung. Makellos vom Staub der Wahrnehmung zu bleiben bedeutet den Dharma zu bewachen. Über Leben und Sterben hinauszugehen, bedeutet in die Hauslosigkeit zu ziehen. Keine weitere Existenz zu erleiden, bedeutet den Weg zu erreichen. Keine Verblendungen zu erzeugen ist Erleuchtung. Nicht von Unwissenheit eingenommen zu sein ist Weisheit. Kein Leiden ist Nirvana. Und kein Auftauchen des Geistes ist das andere Ufer. Wenn du verblendet bist, existiert dieses Ufer. Wenn du erwachst, existiert es nicht. Sterbliche verbleiben an diesem Ufer. Aber jene, die das größte Fahrzeug von allen entdecken, verbleiben weder an diesem, noch am anderen Ufer. Sie sind in der Lage beide Ufer zu verlassen. Jene, die das andere Ufer als verschieden von diesem Ufer betrachten, verstehen nicht Zen. Verblendung bedeutet Sterblichkeit. Und Gewahrsein bedeutet Buddhaschaft. Sie sind nicht das Gleiche. Und sie sind nicht verschieden. Es ist nur so, dass die Leute Verblendung von Gewahrsein unterscheiden. Wenn wir verblendet sind, gibt es eine Welt zum Entkommen. Wenn wir gewahr sind, gibt es nichts zu entkommen. Im Licht des unparteiischen Dharma erscheinen Sterbliche als nicht verschieden von Weisen. Die Sutras sagen, dass der unparteiische Dharma etwas ist, das Sterbliche nicht durchdringen und Weise nicht praktizieren können. Der unparteiische Dharma wird nur von großen Bodhisattvas und Buddhas praktiziert. Das Leben als verschieden vom Tod zu betrachten oder Bewegung als verschieden von Stille bedeutet parteiisch zu sein. Unparteiisch zu sein bedeutet Leiden als nicht verschieden von Nirvana zu betrachten, weil die Natur von beidem Leerheit ist. Durch die Vorstellung sie brächten das Leiden zu einem Ende und beträten Nirvana enden Arhats in der Falle des Nirvana. Aber Bodhisattvas erkennen, dass Leiden grundlegend leer ist. Und durch das Verbleiben in Leerheit verbleiben sie in Nirvana. Nirvana ist ohne Geburt und ohne Tod. Es ist jenseits von Geburt und Tod und jenseits von Nirvana. Wenn sich der Geist nicht mehr Bewegt, so betritt er Nirvana.

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Erwachenspredigt

Nirvana ist ein leerer Geist. Wo Verblendungen nicht mehr existieren, erreichen Buddhas Nirvana. Wo Elend nicht existiert betreten Bodhisattvas den Platz der Erleuchtung. Ein unbewohnter Platz ist einer ohne Gier, Wut oder Verblendung. Gier ist der Bereich der Begierde, Wut der Bereich der Form und Verblendung der formlose Bereich. Wenn ein Gedanke erscheint, betrittst du die drei Bereiche. Wenn ein Gedanke endet, verlässt du die drei Bereiche. Der Anfang oder das Ende der drei Bereiche, die Existenz oder die Nichtexistenz von allem, hängt vom Geist ab. Dieses gilt für alles, selbst für solch unbelebte Objekte wie Steine oder Stäbe. Wer erkennt, dass der Geist eine Fiktion und frei von irgendetwas Realem ist, weiß, dass sein Geist weder existiert noch nicht existiert. Sterbliche fahren fort, Geiste hervorzubringen und behaupten er existier, und Arhats behalten die Negation des Geistes bei und behaupten er existiere nicht. Aber Bodhisattvas und Buddhas bringen weder Geist hervor noch negieren sie ihn. Dies ist mit dem Geist gemeint, der weder existiert noch nicht existiert. Der Geist der weder existiert noch nicht existiert wird der Mittlere Weg genannt. Wenn du deinen Geist gebrauchst, um die Wirklichkeit zu studieren, wirst du weder deinen Geist noch die Wirklichkeit verstehen. Wenn du die Wirklichkeit studierst, ohne den Geist zu gebrauchen, wirst du beides verstehen. Jene die nicht verstehen, verstehen das Verstehen nicht. Und jene die verstehen, verstehen das Nichtverstehen. Leute, die der wahren Sicht fähig sind wissen, dass der Geist leer ist. Sie übersteigen beides, Verstehen und Nichtverstehen. Die Abwesenheit von beidem, nämlich Verstehen und Nichtverstehen, ist wahres Verstehen. Mit wahrer Sicht betrachtet ist Form nicht einfach Form, weil Form vom Geist abhängt. Und Geist ist nicht einfach Geist, weil Geist von Form abhängt. Geist und Form gestalten und negieren sich gegenseitig. Das was existiert, existiert in Relation zum dem, was nicht existiert. Und das, was nicht existiert, existiert nicht in Relation zu dem was existiert. Das ist wahre Sicht. Anhand einer solchen Sicht wird nichts gesehen und nichts nicht gesehen. Eine solche Sicht durchdringt die zehn Richtungen ohne zu sehen: weil nichts gesehen wird; weil Nichtsehen sehen ist; weil Sehen nicht Sehen ist. Was Sterbliche sehen sind Verblendungen. Wahre Sicht ist vom Sehen losgelöst. Der Geist und die Welt sind Gegensätze und die Vorstellung der Sicht entsteht, wo sie sich begegnen. Wenn dein Geist sich im Inneren nicht erregt, entsteht die Welt

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nicht im Äußeren. Wenn die Welt und der Geist beide transparent sind, so ist dies wahre Sicht. Und solches Verstehen ist wahres Verstehen. Nichts zu sehen bedeutet den Weg wahrzunehmen und nichts zu verstehen bedeutet den Dharma zu kennen, weil Sehen weder Sehen noch Nichtsehen ist und weil Verstehen weder Verstehen noch Nichtverstehen ist. Sehen ohne zu sehen ist wahre Sicht. Verstehen ohne zu verstehen ist wahres Verstehen. Wahre Sicht ist nicht einfach nur Sehen zu sehen. Es ist auch Nichtsehen zu sehen. Und wahres Verstehen ist nicht einfach nur Verstehen zu verstehen. Es ist auch Verstehen nicht zu verstehen. Nur wenn du nichts verstehst, ist das wahres Verstehen. Verstehen ist weder Verstehen noch Nichtverstehen. Die Sutras sagen, „Nicht die Weisheit ziehen lassen ist Dummheit.“ Wenn der Geist nicht existiert, ist Verstehen und Nichtverstehen beides wahr. Wenn der Geist existiert, ist Verstehen und nicht Verstehen beides falsch. Wenn du verstehst, hängt die Wirklichkeit von dir ab. Wenn du nicht verstehst, hängst du von der Wirklichkeit ab. Wenn die Wirklichkeit von dir abhängt, wird das, was nicht real ist real. Wenn du von der Wirklichkeit abhängst, wird das, was real ist falsch. Wenn du von der Wirklichkeit abhängst, ist alles falsch. Wenn die Wirklichkeit von dir abhängt, ist alles wahr. Demnach benutzen die Weisen nicht ihren Geist, um nach der Wirklichkeit zu suchen oder die Wirklichkeit, um nach ihrem Geist zu suchen oder ihren Geist, um nach ihrem Geist zu suchen oder die Wirklichkeit, um nach der Wirklichkeit zu suchen. Ihr Geist lässt die Wirklichkeit nicht entstehen. Und die Wirklichkeit lässt ihren Geist nicht entstehen. Und da beides, sowohl ihr Geist, als auch die Wirklichkeit still sind, sind sie immer in Samadhi. Wenn der Geist eines Sterblichen erscheint, verschwindet Buddhaschaft. Wenn der Geist eines Sterblichen verschwindet, erscheint Buddhaschaft. Wenn der Geist erscheint, verschwindet Wirklichkeit. Wenn der Geist verschwindet, erscheint Wirklichkeit. Wer versteht, dass nichts von irgendetwas abhängt, hat den Weg gefunden. Und wer versteht, dass der Geist von nichts abhängt, ist immer auf dem Platz der Erleuchtung. Wenn du nicht verstehst, liegst du falsch. Wenn du verstehst, liegst du richtig. Dies ist so, weil die Natur von falsch leer ist. Wenn du nicht verstehst, scheint richtig falsch zu sein. Wenn du verstehst, ist falsch nicht falsch, weil falsch nicht existiert. Die Sutras sagen, „Nichts existiert aus sich selbst heraus.“ Handle. Frage nicht. Wenn du fragst, liegst du falsch. Falsch resultiert aus Fragestellungen. Wenn du ein solches

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Verstehen erreichst, werden die falschen Taten deiner vergangenen Leben getilgt. Wenn du verblendet bist, sind die sechs Sinne und die fünf Skandhas Bausteine für Leid und Sterblichkeit. Wenn du erwachst, so sind die sechs Sinne und die fünf Skandhas Bausteine für Nirvana und Unsterblichkeit. Jemand der den Weg sucht, schaut nicht Jenseits seiner selbst. Er weiß, dass der Geist der Weg ist. Aber wenn er den Geist findet, findet er nichts. Und wenn er den Weg findet, findet er nichts. Wenn du glaubst, du kannst den Geist benutzen, um den Weg zu finden, bist du verblendet. Wenn du verblendet bist, so gibt es Buddhaschaft. Wenn du dir klar bewusst bist, gibt es sie nicht. Das ist so, weil Wachsein Buddhaschaft ist. Wenn du nach dem Weg suchst, wird der Weg solange nicht erscheinen, bis dein Körper verschwindet. Es ist, als risse man Rinde von einem Baum. Dieser karmische Körper unterliegt ständiger Veränderung. Er hat keine stabile Wirklichkeit. Praktiziere in Übereinstimmung mit deinen Gedanken. Hasse nicht Leben und Tod oder liebe nicht Leben und Tod. Halte alle deine Gedanken frei von Verblendung, und im Leben wirst du den Anfang vom Nirvana bezeugen und im Tod wirst du die Zusicherung keiner [weiteren] Wiedergeburt erfahren. Eine Form zu sehen, aber nicht von der Form verdorben zu werden oder einen Laut zu hören, aber nicht von dem Laut bedrängt zu werden ist Befreiung. Augen, die nicht der Form anhaften, sind die Tore des Zen. Ohren, die nicht den Lauten anhaften, sind auch die Tore des Zen. Kurz: jene, die das Dasein und die Natur der Phänomene wahrnehmen und ohne Anhaftung bleiben, sind befreit. Jene, die die externe Erscheinung von Phänomenen wahrnehmen, sind ihnen ausgeliefert. Nicht Subjekt der Bedrängnis zu sein ist die Bedeutung von Befreiung. Es gibt keine andere Befreiung. Wenn du weißt, wie Form [korrekt] betrachtet wird, lässt Form keinen Geist entstehen und Geist lässt keine Form entstehen. Form und Geist sind beide rein. Wenn Verblendungen nicht da sind, ist der Geist das Land der Buddhas. Wenn Verblendungen gegenwärtig sind, ist der Geist die Hölle. Sterbliche erzeugen Verblendungen. Und wenn der Geist dazu benutzt wird, Geist zu erzeugen, befindet man sich in der Hölle. Bodhisattvas sehen durch Verblendungen hindurch. Und da sie Geist nicht dazu verwenden, Geist zu erzeugen, befinden sie sich immer im Land der Buddhas. Wenn du deinen Geist nicht dazu nutzt, Geist zu erzeugen, ist jeder Zustand des Geistes leer und jeder Gedanke still. Du gehst von einem Buddhaland in

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das nächste. Wenn du deinen Geist verwendest, um Geist zu erzeugen, ist jeder Zustand des Geistes gestört und jeder Gedanke ist in Bewegung. Du gehst von einer Hölle in die nächste. Wenn ein Gedanke auftaucht, gibt es gutes und schlechtes Karma, Himmel und Hölle. Wenn kein Gedanke auftaucht, gibt es kein gutes oder schlechtes Karma, kein Himmel und keine Hölle. Der Körper existiert weder, noch existiert er nicht. Demnach sind Konzepte einer Existenz als Sterblicher und der Nichtexistenz als Weiser etwas, das mit einem Weisen nichts zu tun hat. Sein Herz ist leer und weit wie der Himmel. Das was folgt, ist auf dem Weg zu beobachten. Es ist jenseits der Kenntnis von Arhats und Sterblichen. Wenn der Geist Nirvana erreicht, siehst du nicht Nirvana, weil der Geist Nirvana ist. Falls du Nirvana irgendwo außerhalb des Geistes siehst, so täuscht du dich selbst. Jedes Leid ist ein Buddha-Same, weil Leid dazu drängt, nach Weisheit zu streben. Aber du kannst nur behaupten, dass Leid Buddhaschaft entstehen lässt. Du kannst nicht sagen, dass Leid Buddhaschaft ist. Dein Körper und Geist sind das Feld. Leid ist der Same, Weisheit der Spross und Buddhaschaft das Getreide. Der Buddha im Geist ist wie der Duft eines Baumes. Der Buddha kommt von einem leidlosen Geist, so wie der Duft von einem Baum frei von Verfall kommt. Es gibt keinen Duft ohne den Baum und keinen Buddha ohne den Geist. Wenn es einen Duft ohne einen Baum gibt, ist es ein anderer Duft. Wenn es einen Buddha ohne deinen Geist gibt, so ist es ein anderer Buddha. Wenn die drei Gifte in deinem Geist gegenwärtig sind, lebst du in einem Land des Schmutzes. Wenn die drei Geistesgifte nicht in deinem Geist gegenwärtig sind, lebst du in einem Land der Reinheit. Die Sutras sagen, „Falls du ein Land mit Schmutz und Unreinheit anfüllst, wird niemals ein Buddha auftauchen.“ Unreinheit und Schmutz beziehen sich auf Verblendung und die anderen Geistesgifte. Ein Buddha bezieht sich auf einen reinen und erwachten Geist. Es gibt keine Sprache, die nicht der Dharma ist. Den ganzen Tag zu reden, ohne etwas zu sagen ist der Weg. Den ganzen Tag ruhig zu sein und dennoch etwas zu sagen ist nicht der Weg. Demnach hängt die Sprache des Tathagata weder von Stille ab, noch hängt Seine Stille von Sprache ab, noch existiert die Sprache getrennt von Seiner Stille. Diejenigen, die beides verstehen, Sprache und Stille, sind in Samadhi. Wenn du sprichst, wenn du weißt, ist deine Sprache frei. Wenn du schweigst, wenn du nicht weißt, ist deine Stille gebunden. Falls Sprache nicht an Erscheinung haftet,

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ist sie frei. Falls Stille an Erscheinungen haftet, ist sie gebunden. Sprache ist grundlegend frei. Sie hat nichts mit Anhaftung zu tun. Und Anhaftung hat nichts zu tun mit Sprache. Wirklichkeit hat kein Hoch oder Tief. Falls du hoch oder tief siehst, ist das nicht real. Ein Floß ist nicht real. Aber ein Passagierfloß ist es. Eine Person, die mit einem solchen Floß fährt, kann das überqueren, was nicht real ist. Darum ist es real. In Übereinstimmung mit der Welt gibt es männlich und weiblich, reich und arm. In Übereinstimmung mit dem Weg gibt es kein männlich oder weiblich, kein reich oder arm. Als die Göttin den Weg verwirklichte, hat sie nicht ihr Geschlecht geändert. Als der Stalljunge zur Wahrheit erwachte, änderte er nicht seinen Status. Frei vom Geschlecht und von Status teilten sie die gleiche grundlegende Erscheinung. Die Göttin suchte zwölf Jahre ohne Erfolg nach ihrer Weiblichkeit. Zwölf Jahre nach der Männlichkeit zu suchen wäre gleichsam fruchtlos. Die zwölf Jahre beziehen sich auf die zwölf Eingänge. Ohne den Geist gibt es keinen Buddha. Ohne den Buddha gibt es keinen Geist. Ebenso gibt es ohne Wasser kein Eis und ohne Eis gibt es kein Wasser. Wer davon spricht den Geist zu verlassen, kommt nicht sehr weit. Entwickle keine Anhaftung an Erscheinungen des Geistes. Die Sutras sagen, „Wenn du keine Erscheinung siehst, siehst du den Buddha.“ Dies ist die Bedeutung vom frei sein von Erscheinungen des Geistes. Ohne den Geist gibt es keinen Buddha bedeutet, dass der Buddha aus dem Geist kommt. Der Geist gebiert den Buddha. Aber obwohl der Buddha aus dem Geiste kommt, kommt der Geist nicht vom Buddha, so, wie ein Fisch aus dem Wasser kommt, aber Wasser nicht vom Fisch kommt. Wer einen Fisch zu sehen wünscht, sieht Wasser bevor er den Fisch sieht. Und wer einen Buddha zu sehen wünscht, sieht den Geist bevor er den Buddha sieht. Sobald du den Fisch gesehen hast, vergisst du das Wasser. Und sobald du den Buddha gesehen hast, vergisst du den Geist. Wenn du nicht den Geist vergisst, wird der Geist dich verwirren, genau wie Wasser dich verwirren wird, wenn du es nicht vergisst. Sterblichkeit und Buddhaschaft sind wie Wasser und Eis. Von den drei Giften gequält zu werden ist Sterblichkeit. Von den drei Befreiungen gereinigt zu werden setzt die Buddhaschaft frei. Das was zu Eis im Winter gefriert, schmilzt als Wasser im Sommer. Beseitige Eis und es gibt kein weiteres Wasser. Werde deine Sterblichkeit los und es gibt keine Buddhaschaft mehr. Offenkundig ist die Natur von Eis die Natur

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von Wasser. Und die Natur von Wasser ist die Natur von Eis. Die Natur der Sterblichkeit ist die Natur der Buddhaschaft. Sterblichkeit und Buddhaschaft teilen die gleiche Natur, so wie Wo-Tou und Fu-Zi [Eisenhut] die gleiche Wurzel, aber nicht die gleiche Jahreszeit teilen. Es ist nur aufgrund von Verblendung durch Unterscheidungen, dass wir die Worte Sterblichkeit und Buddhaschaft verwenden. Wenn eine Schlange zu einem Drachen wird, so ändert sie nicht ihre Schuppen. Und wenn ein Sterblicher ein Weiser wird, ändert er nicht sein Gesicht. Er erkennt seinen Geist durch innere Weisheit und passt auf seinen Körper durch externe Disziplin auf. Sterbliche befreien Buddhas und Buddhas befreien Sterbliche. Dies ist die Bedeutung von Unparteilichkeit. Sterbliche befreien Buddhas, weil Leiden Gewahrsein schafft. Und Buddhas befreien Sterbliche, weil Gewahrsein Leiden negiert. Es geht nicht ohne Leid. Und es geht nicht ohne Gewahrsein. Wenn es nicht um das Leiden ginge, gäbe es nichts, um Bewusstheit hervorzubringen. Und wenn es nicht um Bewusstheit ginge, gäbe es nichts, um Leiden zu negieren. Wenn du verblendet bist, befreien Buddhas Sterbliche. Wenn du klarbewusst bist, befreien Sterbliche Buddhas. Buddhas werden nicht Buddhas durch sich selbst. Sie werden durch Sterbliche befreit. Buddhas betrachten Verblendung als ihren Vater und Gier als ihre Mutter. Verblendung und Gier sind unterschiedliche Bezeichnungen für Sterblichkeit. Verblendung und Sterblichkeit sind wie die linke und die rechte Hand. Es gibt keinen anderen Unterschied. Wenn du verblendet bist, bist du an diesem Ufer. Wenn du klarbewusst bist, bist du am anderen Ufer. Sobald du aber deinen Geist als leer erkennst, und du siehst keine Erscheinungen, bist du jenseits von Verblendung und Klarbewusstheit. Und sobald du jenseits von Verblendung und Klarbewusstheit bist, existiert das andere Ufer nicht. Der Tathagata ist nicht an diesem Ufer oder am anderen Ufer. Er ist nicht dazwischen. Dazwischen sind Arhats, und Sterbliche sind an diesem Ufer. Auf dem anderen Ufer ist Buddhaschaft. Ein Buddha hat drei Körper [Nirmanakaya, Sambhogakaya, Dharmakaya]: Den Wandlungskörper, den Vergeltungskörper und den Wahrheitskörper. Der Wandlungskörper wird auch Inkarnationskörper genannt. Der Wandlungskörper erscheint, wenn Sterbliche gute Taten vollbringen, der Vergeltungskörper, wenn sie Weisheit kultivieren und der Wahrheitskörper, wenn sie das Erhabene erkennen. Der Wandlungskörper ist derjenige, der alle Richtungen durchwandert und wo immer es geht andere befreit. Der Vergeltungskörper bereitet den Zweifeln ein Ende. Das

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Große Erwachen geschah im Himalaya wird plötzlich wahr. Der Wahrheitskörper handelt und sagt nichts. Er verbleibt vollkommen still. Aber eigentlich gibt es nicht einmal einen Buddhakörper, um wie viel weniger gibt es drei. Dieses Gerede über die drei Körper basiert auf menschlichem Verständnis, das seicht, mäßig oder tief sein kann. Leute mit seichtem Verständnis stellen sich vor, sie häuften Segen an und verwechseln den Wandlungskörper mit dem Buddha. Leute mit mäßigen Verständnis stellen sich vor, sie bereiten dem Leiden ein Ende und verwechseln den Vergeltungskörper mit dem Buddha. Und Leute mit tiefen Verständnis meinen, sie erfahren Buddhaschaft und verwechseln den Wahrheitskörper mit Buddha. Aber Leute mit tiefsten Verständnis schauen nach innen, von nichts abgelenkt. Da ein klarer Geist Buddha ist, erlangen sie das Verständnis eines Buddha, ohne den Geist zu benutzen. Die drei Körper, wie alle andere Dinge auch, sind nicht zu erlangen und unbeschreibbar. Der ungehinderte Geist erreicht den Weg. Die Sutras sagen, „Buddhas predigen nicht den Dharma. Sie befreien keine Sterblichen. Und sie erfahren keine Buddhaschaft.“ Das ist es, was ich meine. Individuen erzeugen Karma; Karma erzeugt keine Individuen. Sie erzeugen Karma in diesem Leben und erhalten ihre Entlohnung im nächsten Leben. Sie entkommen niemals. Nur jemand, der vollendet ist erzeugt kein Karma in diesem Leben und erhält keine Entlohnung. Die Sutras sagen, „Wer kein Karma erzeugt, erhält den Dharma.“ Das ist kein leeres Sprichwort. Du kannst Karma erzeugen, aber du kannst keine Person erzeugen. Wenn du Karma erzeugst, wirst du zusammen mit deinem Karma wiedergeboren. Wenn du kein Karma [mehr] erzeugst, verschwindest du zusammen mit deinem Karma. Demnach, mit Karma das abhängig vom Individuum und dem Individuum das abhängig vom Karma ist, hat Karma keinen Einfluss auf das Individuum, wenn es kein Karma erzeugt. In gleicher Weise [gilt], „Eine Person kann den Weg erweitern. Der Weg kann nicht die Person erweitern.“ Sterbliche erschaffen weiterhin Karma und bestehen irrtümlicherweise darauf, dass es keine Vergeltung [dafür] gibt. Aber können sie Leiden leugnen? Können sie leugnen, dass das, was der gegenwärtige Geisteszustand sät, der nächste Geisteszustand erntet? Wie können sie [dem] entkommen? Aber wenn der gegenwärtige Geisteszustand nichts sät, erntet der nächste Geisteszustand nichts. Verkenne nicht das Karma.

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Erwachenspredigt

Die Sutras sagen, „Trotz ihres Glauben an die Buddhas sind Leute, die sich vorstellen, dass Buddhas Entbehrungen praktizieren keine Buddhisten. Das gleiche gilt für jene, die sich vorstellen, dass Buddhas der Entlohnung von Reichtum oder Armut unterliegen. Sie sind Icchantikas. Sie sind unfähig des Vertrauens.“ Jemand der die Lehre eines Weisen versteht ist ein Weiser. Jemand der die Lehre eines Sterblichen versteht ist ein Sterblicher. Ein Sterblicher der die Lehre eines Sterblichen aufgibt und der Lehre von Weisen folgt wird ein Weiser. Aber die Narren dieser Welt ziehen es vor, in weiter Ferne nach den Weisen zu suchen. Sie glauben nicht, dass die Weisheit ihres eigenen Geistes der Weise ist. Die Sutras sagen, „Lehre nicht dieses Sutra unter unverständigen Menschen.“ Und die Sutras sagen, „Geist ist die Lehre.“ Aber unverständige Leute glauben nicht an ihren eigenen Geist oder dass sie durch das Verstehen dieser Lehre zu einem Weisen werden können. Sie ziehen es vor nach entferntem Wissen zu suchen und es verlangt sie nach Dingen im Raum, Buddhabildern, Licht, Räucherwerk und Farben. Sie werden Opfer der Falschheit und verlieren ihren Geist im Irrsinn. Die Sutras sagen, „Wenn du erkennst, dass alle Erscheinungen keine Erscheinungen sind, erkennst du den Tathagata.“ Die unzähligen Tore zur Wahrheit stammen alle vom Geist. Wenn die Erscheinungen des Geistes so durchscheinend wie der Raum sind, sind sie verschwunden. Unsere endlosen Leiden sind die Wurzel der Krankheit. Wenn Sterbliche am Leben sind, fürchten sie sich vor dem Tod. Wenn sie satt sind, fürchten sie Hunger. Ihnen gehört die große Unsicherheit. Aber Weise berücksichtigen nicht die Vergangenheit. Und sie sorgen sich nicht um die Zukunft. Noch haften sie an der Gegenwart. Und von Moment zu Moment folgen sie dem Weg. Wenn du nicht zu dieser großen Wahrheit erwacht bist, suchst du besser nach einem Lehrer auf Erden oder im Himmel. Erwirke nicht deine eigene Unzulänglichkeit.

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Durchbruchs-Predigt

4. Durchbruchs-Predigt Wenn jemand entschlossen ist Erleuchtung zu erlangen, was ist führ ihn die grundlegendste Methode der Praxis? Die grundlegendste Methode, die alle anderen Methoden umfasst, besteht darin, den Geist zu betrachten. Aber wie kann eine Methode alle anderen umfassen? Der Geist ist die Wurzel, von der aus alle Dinge wachsen. Wenn du den Geist verstehen kannst, ist alles andere darin beinhaltet. Es ist wie die Wurzel eines Baumes. Alle Früchte und Blüten, Äste und Blätter sind auf die Wurzel angewiesen. Wenn du die Wurzel hegst, wächst der Baum. Wenn du die Wurzel abschneidest, stirbt er. Jene, die den Geist verstehen, erreichen die Erleuchtung mit minimalem Aufwand. Jene, die den Geist nicht verstehen, praktizieren vergeblich. Alles Gute und Schlechte entsteht aus deinem eigenen Geist. Etwas jenseits des Geistes zu finden ist unmöglich. Aber wie kann die Betrachtung des Geistes als Erkenntnis bezeichnet werden? Ein großer Bodhisattva taucht tief in die Vollkommene Weisheit ein, er versteht, dass die vier Elemente und die fünf Skandhas ohne ein eigenes Selbst sind. Und er versteht, dass die Aktivität seines Geistes zwei Aspekte hat: rein und unrein. Ihrer Natur entsprechend sind diese beiden Zustände des Geistes immer gegenwärtig. In Abhängigkeit von Ursache und Wirkung wechseln sie sich ab, der reine Geist erfreut sich an guten Taten, der unreine Geist denkt an Übles. Jene, die nicht durch Unreinheit beeinflusst werden, sind Weise. Sie überwinden Leiden und erfahren die Glückseligkeit des Nirvana. Alle anderen, gefangen in ihrem unreinen Geist und verfangen in ihrem eigenen Karma, sind Sterbliche. Sie durchwandern die drei Bereiche und leiden zahlloses Elend, und alles nur, weil ihr unreiner Geist ihr wahres Selbst verhüllt. Das Sutra der Zehn Stufen sagt, „Im Körper eines Sterblichen ist die unzerstörbare Buddhanatur. Wie die Sonne füllt ihr Licht den endlosen Raum. Aber sobald es durch die dunklen Wolken der fünf Skandhas verschleiert wird, ist es wie ein Licht in einem Topf, in dem es nicht gesehen wird.“ Und das Nirvana Sutra sagt, „Alle Sterblichen haben die Buddhanatur. Aber sie ist überdeckt durch die Dunkelheit, der sie nicht entkommen können. Unsere Buddhanatur ist Klarbewusstheit: selbst klarbewusst zu sein und andere dazu zu veranlassen, klarbewusst zu sein. Klarbewusstheit zu verwirklichen ist Befreiung.“ Alles, was gut ist, hat Klarbewusstheit als Wurzel. Und

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Durchbruchs-Predigt

aus dieser Wurzel der Klarbewusstheit erwächst der Baum aller Tugenden und die Frucht des Nirvana. Den Geist auf diese Weise zu betrachten, ist Einsicht. Du sprichst davon, dass unsere wahre Buddhanatur und alle Tugenden Klarbewusstheit als Wurzel haben. Aber was ist die Wurzel des Nichtwissens? Der unwissende Geist mit seinen unendlichen Bedrängnissen, Leidenschaften und Übeln, wurzelt in den drei Geistesgiften: Gier, Hass und Verblendung. Diese drei vergifteten Geisteszustände selbst beinhalten zahllose Übel, wie ein Baum, der einen einzigen Stamm, aber zahllose Äste und Blätter hat. Jedes Geistesgift erzeugt sogar noch Abermillionen mal mehr Übel, dass das Beispiel eines Baumes ein fast unpassender Vergleich ist. Die drei Geistesgifte sind in den sechs Sinnesorganen als sechs Arten von Bewusstsein oder Dieben präsent. Sie werden Diebe genannt, weil sie durch die Sinnentore ein- und ausgehen, grenzenlose Besitztümer begehren, sich mit dem Üblen befassen und ihre wahre Identität verschleiern. Und weil sich die Sterblichen mit Körper und Geist durch diese Geistesgifte oder Diebe verleiten lassen, sind sie verloren in Leben und Tod, durchwandern die sechs Bereiche der Existenz und leiden zahlloses Elend. Dieses Elend ist vergleichbar mit Flüssen, die tausend Meilen überfluten, weil sie beständig von kleinen Quellen gespeist werden. Aber wenn jemand all ihre Quellen abschneidet, trocknen die Flüsse aus. Und wenn jemand, der Befreiung sucht, die drei Geistesgifte in die drei Arten der Gelübde wandeln kann und die sechs Diebe in die sechs Vollkommenheiten, befreit er sich vom Elend ein für alle mal. Aber die drei Bereiche und die sechs Bereiche der Existenz sind unendlich weit. Wie können wir dem endlosen Elend entkommen, wenn alles, was wir tun, darin besteht, den Geist zu betrachten? Das Karma der drei Bereiche entsteht allein im Geist. Wenn dein Geist nicht innerhalb der drei Bereiche ist, ist er jenseits davon. Die drei Bereiche entsprechen den drei Geistesgiften: Gier entspricht dem Reich der Begierde, Wut dem Reich der Form und Verblendung dem formlosen Bereich. Und weil Karma, das von den Geistesgiften erzeugt wird, sanft oder heftig sein kann, sind diese drei Bereiche weiterhin unterteilt in die sechs Bereiche des Existenz. Und wie unterscheidet sich das Karma dieser sechs [Bereiche]? Sterbliche, die die wahre Praxis nicht verstehen und blind gute Taten vollbringen, werden in die drei höheren Reichen der Existenz hineingeboren. Und was sind diese

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Durchbruchs-Predigt

höheren Bereiche? Jene, die blind die zehn guten Taten vollbringen und sich töricht nach Glückseligkeit sehnen, werden als Götter im Reich der Begierde geboren. Solche, die blind die fünf Gebote beachten und töricht Liebe und Hass frönen, werden als Menschen im Reich der Wut geboren. Und diejenigen, die blind an der Welt der Phänomene haften, an falsche Lehren glauben und um Segen beten, werden als Dämonen im Reich der Verblendung geboren. Dies sind die drei höheren Bereiche der Existenz. Und was sind die drei niederen Bereiche? Sie sind dort, wo jene, die beharrlich vergiftete Gedanken hegen und üble Handlungen vollbringen, geboren werden. Jene, deren Karma der Gier überwiegt, werden Hungergeister. Diejenigen, deren Karma der Wut überwiegt, werden Leidtragende in der Hölle. Und jene, deren Karma der Verblendung überwiegt, werden zu Tieren. Diese drei niederen Bereiche bilden zusammen mit den drei höheren Reichen die sechs Bereiche der Existenz. Daraus solltest du erkennen, dass alles Karma, das schmerzhafte oder anderes, aus deinem eigenen Geist entsteht. Wenn du nur deinen Geist konzentrieren kannst und seine Falschheit und Schlechtigkeit überwindest, wird das Leiden der drei Bereiche und der sechs Bereiche der Existenz von selbst verschwinden. Und bist du erst frei vom Leiden, bist du wahrlich frei. Aber der Buddha sagte, „Nur nach dem Erdulden von unzähligem Elend während drei Asankhya-Kalpas habe ich Erleuchtung erlangt.“ Warum sagst du jetzt, dass einfach die Betrachtung des Geistes und die Überwindung der drei Geistesgifte Befreiung bedeutet? Die Worte des Buddha sind wahr. Aber die drei Asankhya-Kalpas beziehen sich auf die drei vergifteten Geisteszustände. Was wir als Asankhya im Sanskrit bezeichnen, bedeutet zahllos. Innerhalb dieser drei vergifteten Geisteszustände gibt es zahllose üble Gedanken. Und jeder Gedanke besteht ein Kalpa lang. Solch eine Unbegrenzt- heit ist es, die der Buddha mit den drei grenzenlosen Kalpas gemeint hat. Sobald dein wahres Selbst von den drei Geistesgiften verhüllt wird, wie kannst du als befreit gelten, bis du ihre unzähligen üblen Gedanken überwunden hast? Von Leuten, die die drei Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung in die drei Befreiungen transformieren können, wird gesagt, dass sie drei grenzenlose Kalpas durchlaufen. Aber Leute in diesem letzen Zeitalter [im Niedergang des Dharma] sind die unterbelichtetsten Narren. Sie verstehen nicht, was der Tathagata wirklich mit den

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drei Kalpas meinte. Sie sagen, Erleuchtung wird erst nach endlosen Kalpas erlangt und bringen dadurch Schüler vom Weg zur Buddhaschaft ab. Aber die großen Bodhisattvas haben Erleuchtung erst nach dem Halten der drei Arten der Gelübde und durch die Praxis der sechs Vollkommenheiten erlangt. Jetzt sagst du den Schülern, sie sollten nur den Geist betrachten. Wie kann jemand Erleuchtung erlangen, der nicht die Regeln der Disziplin entfaltet? Die drei Arten der Gelübde dienen dem Überwinden der drei vergifteten Geisteszustände. Wenn du diese Gifte überwindest, erzeugst du die drei Arten der grenzenlosen Tugend. Jede Art [der Gelübde] sammelt Dinge an – in diesem Fall grenzenlose, gute Gedanken im ganzen Geist. Und die sechs Vollkommenheiten sind zur Reinigung der sechs Sinne. Was wir Vollkommenheiten nennen, nennst du Mittel [zum Erreichen] des anderen Ufers. Durch die Reinigung der sechs Sinne von dem Staub der Wahrnehmung, überquerst du mit der Fähre der Vollkommenheiten den Fluss des Elends zum Ufer der Erleuchtung. In Übereinstimmung mit den Sutras sind die drei Arten der Gelübde wie folgt, „Ich gelobe alles Übel zu einem Ende zu bringen. Ich gelobe alle Tugenden zu entfalten. Und ich gelobe alle Wesen zu befreien.“ Aber du sagst jetzt, dass sie nur der Kontrolle der drei vergifteten Geisteszustände dienen. Steht das nicht im Gegensatz zur Bedeutung in den Schriften? Die Sutras des Buddha sind wahr. Aber vor langer Zeit, als dieser große Bodhisattva den Samen der Erleuchtung kultivierte, hat er diese Gelübde genommen, um den drei Geistesgiften entgegenzuwirken. Die ethischen Verbote beachtend, um dem Geistesgift der Gier entgegenzuwirken, gelobte er, allem Übel ein Ende zu bereiten. Die Meditation praktizierend, um dem Geistesgift der Wut entgegenzuwirken, gelobte er, alle Tugenden zu entfalten. Und Weisheit praktizierend, um dem Geistesgift der Verblendung entgegenzuwirken, gelobte er, alle Wesen zu befreien. Weil er sich beharrlich um diese drei reinen Übungen der Sittlichkeit, Meditation und Weisheit bemühte, war er fähig, die drei Geistesgifte zu überwinden und Erleuchtung zu erlangen. Durch das Überwinden der drei Geistesgifte löschte er alles Unheilsame aus und machte so allem Übel ein Ende. Indem er die drei Arten der Gelübde erhielt, tat er nur Gutes und entfaltete so die Tugend. Und durch das Beenden der drei Übel und die Entfaltung der Tugend vollendete er jegliche Praxis, brachte sich selbst und anderen Nutzen und errettete Sterbliche allerorts. So befreite er die Wesen.

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Du solltest wissen, dass die Übung, die du entfaltest, nicht getrennt von deinem Geist existiert. Wenn dein Geist rein ist, sind alle Buddhaländer rein. Die Sutras sagen, „Wenn ihr Geist unrein ist, so sind die Wesen unrein. Wenn ihr Geist rein ist, so sind die Wesen rein.“ Und „Um ein Buddhaland zu erreichen, reinige deinen Geist. Wenn dein Geist rein wird, werden die Buddhaländer rein.“ Demnach werden durch das Überwinden der drei vergifteten Geisteszustände die drei Arten der Gelübde automatisch erfüllt. Aber die Sutras sagen, die sechs Vollkommenheiten sind Geben, Sittlichkeit, Geduld, Hingabe, Meditation und Weisheit. Jetzt sagst du, dass die Vollkommenheiten sich auf die Reinigung der Sinne bezögen. Was meinst du damit? Und warum werden sie Fähren genannt? Die Entfaltung der Vollkommenheiten bedeutet die sechs Sinne zu reinigen, indem die sechs Diebe überwunden werden. Den Dieb des Auges hinauszuwerfen durch das Verlassen der visuellen Welt bedeutet [die Vollkommenheit der] Großherzigkeit. Den Dieb des Ohres fernzuhalten durch das Nicht-Hören von Tönen ist [die Vollkommenheit der] Sittlichkeit. Den Dieb der Nase zu erniedrigen durch das Gleichsetzen aller Gerüche als ununterschieden ist [die Vollkommenheit der] Geduld. Den Dieb des Mundes zu kontrollieren durch das Besiegen des Verlangens nach Geschmack, Lob und Erläuterung ist [die Vollkommenheit der] Hingabe. Den Dieb des Körpers zu bezwingen durch das Ungerührt-Bleiben bei der Empfindung von Berührungen ist [die Vollkommenheit der] Meditation. Und das Zähmen des Diebes des Geistes indem man sich nicht den Täuschungen überlässt, sondern Achtsamkeit praktiziert, ist [die Vollendung der] Weisheit. Diese sechs Vollkommenheiten sind Beförderungsmittel. Wie Boote oder Fähren transportieren sie die Wesen an das andere Ufer. Darum werden sie Fähren genannt. Aber als Shakyamuni ein Bodhisattva war, trank er drei Schüsseln Milch und sechs Kellen Haferschleim [von Nandabala] vor dem Erlangen der Erleuchtung. Wenn ich Milch trinken müsste, bevor ich die Frucht der Buddhaschaft kosten könnte, wie kann die bloße Betrachtung des Geistes zur Befreiung führen? Was du sagst ist wahr. So hat er die Erleuchtung erlangt. Er musste Milch trinken, bevor er ein Buddha werden konnte. Aber es gibt zwei Arten von Milch. Jene, die Shakyamuni trank, war keine gewöhnliche, unreine Milch, sondern reine Dharma- Milch. Die drei Schüsseln waren die drei Arten der Gelübde. Und die sechs Kellen waren die sechs Vollkommenheiten. Als Shakyamuni Erleuchtung erlangte, war es,

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weil er die reine Dharma-Milch trank, sodass er die Frucht der Buddhaschaft kostete. Zu sagen, dass der Tathagata das weltliche Gebräu einer unreinen, stinkenden Kuhmilch trank, ist die Höhe der Verunglimpfung. Das, was wirklich so ist, das unzerstörbare, leidenschaftslose Dharma-Selbst, bleibt immer frei vom Elend der Welt. Warum sollte es unreiner Milch bedürfen, um Hunger und Durst zu stillen? Die Sutras sagen, „Dieser Ochse lebt nicht in den Hoch- oder Tieflanden. Er isst kein Korn oder Spreu. Und er grast nicht mit Kühen. Der Körper dieses Ochsen hat die Farbe von poliertem Gold.“ Der Ochse bezieht sich auf Vairocana. Aufgrund seines großen Mitgefühls für alle Wesen erzeugt er aus dem Inneren seines reinen Dharma- Körpers die erhabene Dharma-Milch der drei Arten der Gelübde und die sechs Vollkommenheiten, um all jene zu nähren, die nach Erleuchtung streben. Die reine Milch eines solch wahrhaft reinen Ochsen hat nicht nur dem Tathagata ermöglicht, die Buddhaschaft zu verwirklichen, sondern es ermöglicht auch jedem Wesen, das sie trinkt, die unübertreffliche, vollständige Erleuchtung zu erlangen. In den Sutras erzählt der Buddha den Sterblichen häufig, dass sie durch das Vollbringen von verdienstvollen Werken, wie Klöster errichten, Statuen gießen, Weihrauch verbrennen, Blumen streuen, ewiges Licht entzünden, zu allen sechs Tages- und Nachtzeiten praktizieren, Stupas umschreiten, zu fasten und durch Verehrungen die Erleuchtung erlangen können. Aber wenn die Betrachtung des Geistes alle anderen Praktiken umfassen, dann würden diese Werke überflüssig erscheinen. Die Sutras des Buddha enthalten zahllose Metaphern. Weil Sterbliche einen sehr seichten Geist haben und nichts Tiefsinniges verstehen, hat der Buddha das Fassbare genutzt, um das Erhabene zu zeigen. Leute, denen es nach Segen durch die Konzentration auf externe Werke verlangt, statt durch die innere Entfaltung, versuchen das Unmögliche. Was du ein Kloster nennst, nennen wir ein Sangharama, einen Platz der Reinheit. Aber wer immer den Eintritt der drei Gifte verhindert und die Sinnentore rein hält, seinen Körper und Geist still, innen und außen sauber, errichtet ein Kloster. Statuen gießen bezieht sich auf alle Praktiken, die von jenen entfaltet werden, die Erleuchtung anstreben. Die erhabene Form des Tathagata kann nicht durch Metall dargestellt werden. Jene, die Erleuchtung anstreben, betrachten ihren Körper als Ofen, den Dharma als Feuer, Weisheit als Handwerkskunst und die drei Arten der Gelübde und die sechs Vollkommenheiten als Gussform. Sie schmelzen und

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veredeln die wahre Buddhanatur im Inneren und gießen sie in die Gussform, gemacht von den Regeln der Disziplin. In vollendeter Übereinstimmung mit der Lehre des Buddhas handelnd, gleichen sie sich auf natürliche Weise perfekt [an das Ideal des Buddha] an. Der ewige, erhabene Körper unterliegt nicht Bedingungen oder Verfall. Wenn du die Wahrheit suchst, aber nicht lernst, wie die wahre Ähnlichkeit ausgeführt wird, was willst du stattdessen nutzen? Und das Verbrennen von Räucherwerk bezieht sich nicht auf gewöhnliches, materielles Räucherwerk, sondern das Räucherwerk des nicht greifbaren Dharma, das mit seinem Duft Schmutz, Verblendung und üble Taten entfernt. Es gibt fünf Arten von solchem Dharma-Räucherwerk. Erstens, das Räucherwerk der Sittlichkeit, es bedeutet, sich von üblen Taten abzukehren und Tugenden zu entfalten. Zweitens gibt es das Räucherwerk der Meditation, das heißt, fest entschlossen ein tiefes Vertrauen zum Mahayana zu besitzen. Drittens gibt es das Räucherwerk der Weisheit, es bedeutet, über Körper und Geist, innen und außen, nachzusinnen. Viertens gibt es das Räucherwerk der Befreiung, es bedeutet, die Fesseln des Nichtwissens zu durchtrennen. Und fünftens gibt es das Räucherwerk der vollkommenen Erkenntnis, es bedeutet, immer klarbewusst und nirgends durch etwas behindert zu sein. Diese fünf sind die wertvollsten Arten des Räucherwerks und allem weit überlegen, was die Welt zu bieten hat. Als der Buddha in der Welt lebte, ließ er seine Schüler solch wertvolles Räucherwerk mit dem Feuer der Klarbewusstheit als eine Offerte an alle Buddhas der zehn Richtungen entzünden. Aber die Leute verstehen heute nicht [mehr] den wahren Sinn der Aussage des Tathagata. Sie gebrauchen eine gewöhnliche Flamme, um materielles Räucherwerk aus Sandelholz oder Weihrauch zu entzünden und beten um zukünftige Segnungen, die niemals eintreten werden. Für das Streuen von Blumen gilt das Gleiche. Dies bezieht sich auf das Lehren des Dharma, das Streuen der Blumen der Tugend, um damit anderen von Nutzen zu sein und das wahre Selbst zu preisen. Diese Blumen der Tugend sind es, die der Buddha gelobt hat. Sie halten sich ewig und verwelken niemals. Und wer solche Blumen streut, erntet unendlichen Segen. Wenn du glaubst, der Tathagata wollte, dass Leute Pflanzen verletzen, indem sie sie abschneiden, liegst du falsch. Jene, die die Gelübde einhalten, verletzen keine der Myriaden Lebensformen im Himmel und auf der Erde. Wenn du versehentlich etwas verletzt, leidest du dafür. Aber jene, die absichtlich die Gelübde durch das Verletzen von Lebendigem um des zukünftigen

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Segen willens brechen, leiden umso mehr. Wie können sie es nur zulassen, vermeintlichen Segen in Sorgen umzuwandeln? Die ewige Lampe steht für das vollkommene Klarbewusstsein. Das Erleuchten der Klarbewusstheit mit der einer Lampe zu vergleichen, bedeutet für diejenigen, die nach Erleuchtung streben, dass sie ihren Körper als Lampe, ihren Geist als Docht, das Hinzufügen der Disziplin als Öl und die Kraft der Weisheit als Flamme sehen. Durch das Entzünden dieser Lampe der vollkommenen Klarbewusstheit vertreiben sie alle Dunkelheit und Verblendung. Und durch die Weitergabe dieses Dharmas an andere, werden sie fähig, eine Lampe zum Anzünden von Tausenden von Lampen zu verwenden. Und weil diese Lampen ihrerseits zahllose andere Lampen entzünden, brennt das Licht ewig. Vor langer Zeit gab es einen Buddha mit dem Namen Dipamkara, oder Anzünder der Leuchte. Das war die Bedeutung seines Namens. Aber Narren verstehen nicht die Metaphern des Tathagata. In Verblendung verharrend und am Greifbaren anhaftend, entzünden sie Lampen mit gewöhnlichen Pflanzenöl und glauben, durch das Erhellen des Innenbereichs von Gebäuden würden sie der Lehre Buddhas folgen. Wie töricht! Das Licht, das aus der Locke zwischen den Brauen des Buddhas entspringt, kann zahllose Welten erhellen. Eine Öllampe ist keine Hilfe. Oder denkst du anders? Zu allen sechs Phasen des Tages und in der Nacht zu praktizieren, bedeutet, beständig die Erleuchtung inmitten der sechs Sinne zu entfalten und sich beharrlich um jede Form des Klarbewusstheit zu bemühen. Niemals in der Kontrolle über die sechs Sinne nachzulassen, ist die Bedeutung von allen sechs Phasen. Was das Umschreiten von Stupas betrifft, der Stupa ist dein Körper und Geist. Wenn deine Klarbewusstheit ohne Unterbrechung um deinen Körper und Geist zirkuliert, wird dies das umschreiten eines Stupa genannt. Die Weisen vergangener Zeiten folgten diesem Weg zum Nirvana. Aber die Leute heutzutage verstehen nicht, was dies bedeutet. Anstatt nach innen zu schauen, beharren sie darauf, nach außen zu schauen. Sie verwenden ihren physischen Körper dazu, um materielle Stupas zu umschreiten. Und das machen sie bei Tag und Nacht, verschwenden sich so vergeblich und kommen ihrem wahren Selbst dabei nicht näher. Das Gleiche gilt für das Einhalten einer Fastenzeit. Es ist vergeblich, wenn du nicht verstehst was es wirklich bedeutet. Zu fasten bedeutet zu regulieren, deinen Körper und Geist zu regulieren, so dass sie nicht abgelenkt oder gestört sind.

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Und etwas einzuhalten bedeutet, es aufrechtzuerhalten, das Aufrechterhalten der Regeln der Disziplin in Übereinstimmung mit dem Dharma. Fasten bedeutet, wachsam zu sein hinsichtlich der sechs Reize von außen und der drei Geistesgifte von innen, und sich durch Nachsinnen anzustrengen, um Körper und Geist zu reinigen. Fasten beinhaltet auch die fünf Arten der Nahrung. Erstens gibt es Vergnügen am Dharma. Dies ist das Vergnügen, das durch das Handeln in Übereinstimmung mit dem Dharma entsteht. Das zweite ist die Ausgewogenheit in der Meditation. Dies ist die Harmonie von Körper und Geist, die aus dem Durchschauen von Subjekt und Objekt entsteht. Das dritte ist das Anrufen, die Anrufung von Buddhas mit beidem, dem Mund und dem Geist. Das vierte ist Entschlossenheit, die Entschlossenheit Tugenden zu folgen, ob beim Gehen, Stehen, Sitzen oder Liegen. Und das fünfte ist Befreiung, die Befreiung deines Geistes von weltlichen Verunreinigungen. Diese fünf sind die Nahrung des Fastens. Sofern eine Person diese fünf reinen Nahrungsmittel nicht isst, liegt er falsch, wenn er denkt, er faste. Sobald du außerdem aufhörst, die Nahrung der Verblendung zu essen, du danach aber wieder mit ihr in Berührung kommst, brichst du das Fasten. Und sobald du es brichst, erntest du keinen Segen davon. Die Welt ist voller getäuschter Leute, die dies nicht sehen. Sie gestatten ihrem Körper und Geist alle Arten von Übeln. Die lassen ihren Leidenschaften freien Lauf und sind dabei ohne Scham. Und wenn sie aufhören, gewöhnliche Nahrung zu sich zu nehmen, nennen sie das Fasten. Wie absurd! Es ist das Gleiche mit der Verehrung. Du musst die Bedeutung verstehen und dich den Bedingungen anpassen. Die Bedeutung beinhaltet Tun und Nicht-Tun. Wer dieses begreift, folgt dem Dharma. Verehrung bedeutet Ehrerbietung und Demut. Es bedeutet, dem wahren Selbst Ehrerbietung zu erweisen und die Täuschungen zu demütigen. Wenn du üble Begierde auslöschen kannst und gute Gedanken hegst, selbst wenn sich nichts zeigt, ist das Verehrung. Eine solche Form ist die wahre Form. Der Weltverehrte wollte den weltlichen Leuten vermitteln, dass Verehrung ein Ausdruck von Demut und dem Bändigen des Geistes ist. Also ließ er sie ihre Körper niederwerfen, um ihre Demut zu zeigen, um das Innere durch das Äußere auszudrücken, um die Essenz und Form in Harmonie zu bringen. Jene, die es nicht schaffen, den inneren Sinn zu entfalten und sich stattdessen auf die äußere

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Darstellung konzentrieren, hören niemals damit auf, sich dem Hass und Üblen hinzugeben, während sie sich ohne einen Gewinn verausgaben. Sie können andere mit ihrer Körperhaltung täuschen, verbleiben schamlos den Weisen gegenüber und eitel gegenüber Sterblichen, aber sie entkommen niemals dem Rad [des Lebens], noch weniger erlangen sie irgendein Verdienst. Aber das Badehaus-Sutra sagt, „Durch das Mitwirken beim Baden der Mönche erhalten die Leute grenzenlosen Segen.“ Dies erscheint als ein Fall, bei dem durch eine äußere Praxis ein Verdienst erlangt wird. Wie verhält sich dies zum Betrachten des Geistes? Hier bezieht sich das Baden der Mönche nicht auf das Waschen von irgendetwas Greifbaren. Als der Weltverehrte das Badehaus-Sutra gepredigt hat, wollte er seine Schüler an den Dharma des Reinigens erinnern. So nutzte er eine alltägliche Angelegenheit, um seine wahre Bedeutung zu vermitteln, die er in seiner Erklärung des Verdienstes der sieben Offerten einbettete. Von diesen sieben [Offerten] ist das die erste [Offerte] klares Wasser, die zweite ist Feuer, die dritte Seife, die vierte Weidenkätzchen, die fünfte reine Asche, die sechste Balsam, die siebte die Unterbekleidung. Er gebrauchte diese sieben Dinge, um sieben andere Dinge aufzuzeigen, die reinigen und einen Menschen erhöhen, indem die Verblendung und der Schmutz eines vergifteten Geistes beseitigt werden. Das erste dieser sieben ist Sittlichkeit, die die Maßlosigkeit fortwäscht, so wie klares Wasser Schmutz abwäscht. Das zweite ist Weisheit, die Subjekt und Objekt durchdringt, gerade so wie Feuer Wasser erwärmt. Das dritte ist Unterscheidung, welche üble Praktiken beseitigt, gerade so wie Seife den Schmutz beseitigt. Das vierte ist Aufrichtigkeit, welche die Verblendung säubert, gerade so sie das Kauen von Weidenkätzchen den Atem reinigt. Das fünfte ist wahres Vertrauen, das alle Zweifel beseitigt, gerade so wie das Reiben reiner Asche auf den Körper vor Krankheiten schützt. Das sechste ist Geduld, die Hindernisse und Schande überwindet, gerade so wie Balsam die Haut weich macht. Und das siebte ist Schamgefühl, das üble Taten wieder gutmacht, so wie die Unterkleidung einen hässlichen Körper bedeckt. Diese sieben [Offerten] repräsentieren den wahren Sinn des Sutras. Als er dieses Sutra sprach, redete er mit weitsichtigen Anhängern des Mahayana, nicht zu engstirnigen Leuten mit trüber Sicht. Es verwundert nicht, dass die Leute heutzutage [dieses] nicht verstehen.

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Das Badehaus ist der Körper. Wenn du das Feuer der Weisheit entzündest, erwärmst du das reine Wasser der Gelübde und badest die wahre Buddhanatur in dir. Durch das Aufrechterhalten dieser sieben Praktiken fügst du zu deinem Verdienst etwas hinzu. Die Mönche in dieser Ära waren scharfsinnig. Sie verstanden die Botschaft des Buddha. Die folgten seiner Lehre, vollendeten ihre Tugend und kosteten die Frucht der Buddhaschaft. Aber die Leute heutzutage können diese Dinge nicht ergründen. Sie nutzen gewöhnliches Wasser, um einen physischen Körper zu waschen und denken, sie folgten dem Sutra. Aber sie sind im Irrtum. Unsere Buddhanatur hat keine Form. Und der Staub des Elends hat keine Form. Wie können Leute gewöhnliches Wasser benutzen, um einen ungreifbaren Körper zu waschen? Es funktioniert nicht. Wann werden sie aufwachen? Um einen solchen Körper zu reinigen, musst du ihn betrachten. Sobald Unreinheiten und Schmutz aus der Begierde entstehen, vervielfachen sie sich solange, bis sie dich innen und außen bedecken. Aber wenn du versuchst deinen Körper zu waschen, bis er rein ist, musst du so lange scheuern, bis er nahezu weg ist. Darum solltest du erkennen, dass das Waschen von etwas Äußerem nicht das war, was der Buddha meinte. Die Sutras sagen, dass jemand der mit ganzem Herzen Buddha anruft, ganz sicher im westlichem Paradies wiedergeboren wird. Da dieses Tor zur Buddhaschaft führt, warum sollte man sich bemühen, die Befreiung durch die Betrachtung des Geistes zu erlangen? Wenn du den Namen des Buddhas anrufst, so musst du es in rechter Weise tun. Solange du nicht verstehst, was Buddha anzurufen bedeutet, wirst du es in falscher Weise tun. Und wenn du es falsch machst, führt dich das nirgendwohin. Buddha bedeutet klarbewusst zu sein, die Klarbewusstheit von Körper und Geist, die verhindert, dass Übel in beiden entstehen. Und anzurufen bedeutet, im Geist zu vergegenwärtigen, ständig im Geist die Regeln der Disziplin zu vergegenwärtigen und ihnen mit all deiner Kraft zu folgen. Dieses ist mit der Anrufung gemeint. Das Anrufen hat etwas mit dem Denken, aber nichts mit der Sprache zu tun. Wenn du ein Netz gebrauchst, um einen Fisch zu fangen, kannst du, sobald du den Fisch gefangen hast, das Netz vergessen. Und wenn du Sprache verwendest, um den Sinn zu verstehen, kannst du die Sprache vergessen, wenn du den Sinn verstanden hast. Um Buddha anzurufen, musst du den Dharma der Anrufung verstehen. Wenn es nicht in deinem Geist gegenwärtig ist, singt dein Mund einen leeren Namen. Solange du von den drei Geistesgiften bedrängt wirst oder von Gedanken an dich selbst, wird

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dein verblendeter Geist dich davon abhalten, den Buddha zu sehen, und deine Anstrengung geht fehl. Zwischen einem Singen und einer Anrufung liegen Welten. Singen wird mit dem Mund gemacht. Ein Anrufen wird mit dem Geist gemacht. Und weil das Anrufen aus dem Geist kommt, wird es das Tor zur Klarbewusstheit genannt. Das Zentrum des Singens liegt im Mund und erscheint als Ton. Wenn du an Erscheinungen haftest, während du nach dem Sinn suchst, wirst du nichts finden. Demnach entfalteten die Weisen der Vergangenheit Innenschau und nicht die Sprache. Der Geist ist die Quelle aller Tugenden. Und dieser Geist ist der Herr aller Kräfte. Der ewige Segen von Nirvana entsteht aus dem Geist, der zur Ruhe gekommen ist. Wiedergeburt in den drei Reichen entsteht ebenfalls aus dem Geist. Der Geist ist das Tor zu jeder Welt, und der Geist ist die Furt zum anderen Ufer. Jene, die wissen wo das Tor ist, machen sich keine Sorgen darum, es zu erreichen. Jene, die wissen, wo die Furt ist, machen sich keine Sorgen darum sie zu überqueren. Die Menschen, denen ich heutzutage begegne, sind oberflächlich. Sie denken, dass Verdienst eine Form hat. Sie vergeuden ihren Reichtum und schlachten Tiere vom Land und aus dem Wasser. Sie beschäftigen sich dummerweise mit dem Errichten von Statuen und Stupas und ordnen an, Holzstücke und Bausteine aufzuhäufen und dies blau und das grün zu streichen. Sie strengen Körper und Geist an, verletzen sich selbst und täuschen andere. Und sie wissen nicht genug, um sich zu schämen. Wie wollen sie jemals erleuchtet werden? Sie sehen etwas Greifbares und haften sofort daran. Wenn du mit ihnen über Formlosigkeit sprichst, sitzen sie da, stumm und verwirrt. Gierig nach den kleinen Wohltaten dieser Welt, verbleiben sie blind gegenüber den künftigen großen Leiden. Solche Schüler machen sich selbst kaputt. Sich vom Wahren zum Falschen wendend, sprechen sie über nichts anderes als über zukünftige Segnungen. Wenn du einfach das innere Licht deines Geistes und seine äußere Erhellung betrachtest, wirst du die drei Geistesgifte beseitigen und ein für allemal die sechs Diebe vertreiben. Und ohne Anstrengung wirst du in den Besitz von unzähligen Tugenden, Vollendungen und Dharmatoren gelangen. Das Weltliche zu durchschauen und das Erhabene zu bezeugen ist weniger als ein Augenblinzeln entfernt. Verwirklichung geschieht jetzt. Warum sollte man sich über graues Haar sorgen? Aber das wahre Tor ist verborgen und kann nicht offenbart werden. Ich habe das Betrachten des Geistes nur kurz angesprochen.

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