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Sonnabend, 6. Juli 2013

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 127 B 1

Energie & Umwelt

Standortsicherung als oberstes Ziel

Änderungen im Regelwerk für den Energiemarkt sind gefordert – Wirtschaftliches Potenzial von Wind und Sonne mit intelligentem Ausbaumix heben

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Mehr als drei Netzeingriffe pro Tag waren 2011 notwendig, um das deut- sche Energienetz stabil zu halten und um teilweise große Stromausfäl- le zu verhindern. Doch kaum etwas findet in der öffentlichen Wahrneh- mung weniger Beachtung als ein ab- gewendeter Black-out. Nahezu ungebremst schreitet der Umbau des Energiesystems Rich- tung erneuerbare Energien voran. Mittlerweile tragen diese mehr als 20 % zur deutschen Stromversor- gung bei und bis 2030 sollen sie die Hälfte des benötigten Stroms erzeu- gen. Bereits heute gibt es Tage, an denen die Leistung der erneuerba- ren Energien Deutschland ohne Un- terstützung der fossilen Kraftwerke versorgen kann. Was für die einen als unbestreitbarer Erfolg und Beleg für ein funktionierendes Regelwerk gesehen wird, definieren andere als wachsende Gefahr für den Standort Deutschland. Hauptgrund für die Kri- tik sind neben den sehr hohen Kos- ten auch die Herausforderungen für die Versorgungssicherheit sowie die steigenden CO2-Emissionen.

Überdurchschnittliche Kosten

Der Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem der Fotovoltaik,

hat den Strompreis in den letzten Jahren in standortgefährdende Hö- hen geschraubt. Die Stromkosten für die deutsche Industrie liegen mittler- weile um rund 19 % über dem EU-Durchschnitt. Deutsche Haushal- te zahlen sogar durchschnittlich rund 39 % mehr als Haushalte in an- deren EU-Ländern. Dass am derzeitigen Gesetzesrah- men Änderungsbedarf besteht, be- streiten heute nur noch die wenigs- ten. Es geht darum, eine ausgewoge- ne Balance zwischen den Zielen der Energiewende und der Sicherung des Standorts Deutschland zu schaf- fen. Dazu gehört neben einer verträg- lichen Kostenentwicklung auch Ver- sorgungssicherheit. Und letztlich zahlen sich alle Bemühungen nur aus, wenn Deutschland als Nettoex- porteur für Industriegüter, zu denen auch die Energietechnik zählt, wei- terhin auf den Weltmärkten erfolg- reich ist.

Versorgung gewährleisten

Der aktuelle gesetzliche Rahmen verhindert, dass sich das Dreieck aus Nachhaltigkeit, Versorgungssicher- heit und Wirtschaftlichkeit wieder schließt. Was ist damit gemeint? Nach aktuellen Berechnungen wer- den im Jahr 2030 zwischen 5 und 10

Gigawatt an flexibler Leistung im System fehlen. Diese ist jedoch drin- gend nötig, um bei einem Ausfall der erneuerbaren Energien Stromausfäl- le zu vermeiden und somit Versor- gungssicherheit zu gewährleisten.

ziert wurde wie in diesem Jahr. Der Grund: Die Bedarfslücken im Tages- lauf durch die schwankende Einspei- sung der Erneuerbaren füllen Kohle- kraftwerke, die von günstigen Brenn- stoffkosten und niedrigen CO2-Kos- ten profitieren. Bei der-

Energien in der Intensität wie bisher weiter, werden im Jahr 2030 etwa dreimal so viel Kapazitäten zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien installiert sein, wie Deutschland an einem normalen Tag benötigt. Das führt an windrei- chen, sonnigen Tagen zu erhebli- chen Preiserosionen, während umge- kehrt an trüben Januartagen die ge- samte Last zusätzlich durch einen konventionellen Kraftwerkspark zur Verfügung stehen muss. Wie man es dreht und wendet: Versorgungssi- cherheit bei 90 % Anteil der erneuer- baren Energien an der Stromversor- gung bedeutet, dass man zwei paral- lele Kraftwerksparks vorzuhalten hat: einen aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse sowie einen aus kon- ventionellen Kraftwerken bezie- hungsweise in Zukunft auch aus Speichern. Verlangsamt man durch ein intelli- gentes Marktdesign den Ausbau vor allem der Fotovoltaik etwas und be- günstigt dafür Investitionen in GuD-Kraftwerke und die effiziente und stromertragsstarke Offshore- Technik, lassen sich erhebliche Kosten einsparen. Bis zum Jahr 2030 ergäbe sich in solch einem Szenario ein theoretisches Einspar- potenzial von über 150 Mrd. Euro. Die Strompreise könnten auf dem ohnehin schon zu hohen Niveau immerhin „eingefroren“ werden. Wie gesagt: Es geht nicht um ein Ende des Ausbaus der erneuerbaren Ener- gien, sondern vielmehr um einen in-

telligenten Ausbaumix, damit Wind und Sonne ihr Potenzial auch wirt- schaftlich voll ausspielen können.

Fünf Ideen für den Markt

Dazu braucht man dauerhaft planbare und verlässliche Rahmen- bedingungen, die ein entsprechen- des Klima für Investitionen schaffen. Entscheidend ist, dass die erneuer- baren Energien künftig auch Verant- wortung für das System überneh- men. Dieser Grundsatz steht hinter unseren fünf Ideen für ein neues Marktdesign:

1. Einspeiseverantwortung: Die Produzenten von Strom aus regene- rativen Energiequellen werden zur Direktvermarktung verpflichtet und müssen künftig wie alle anderen Stromerzeuger auch zuverlässig „nach Fahrplan“ einspeisen. Es ent- steht ein freier Markt für „sicheren Strom“, denn die fluktuierenden Erneuerbaren müssen sich für ihre verlässlich angebotene Leistung rückversichern, entweder durch eige- ne, gesicherte Kapazität oder auf einem Markt für „Residualenergie“, also Optionen auf flexibel zuschalt- bare Leistung. Dort können flexible Kraftwerke und Speicher anbieten. 2. Gezielte Technologieförderung:

Um den künftigen Ausbau der erneu- erbaren Energien besser als bisher technologiespezifisch steuern und zugleich die Kostenentwicklung be- grenzen zu können, werden Einspei- Fortsetzung Seite B 2

grenzen zu können, werden Einspei- Fortsetzung Seite B 2 Foto: Siemens Im derzeitigen Marktrahmen haben

Foto: Siemens

Im derzeitigen Marktrahmen haben hocheffiziente und CO2-arme Gas- und Dampfkraftwerke (GuD) aller- dings keine Geschäftsperspektive. Sie werden von den erneuerbaren Energien und der kostengünstigen Kohle aus dem Markt gedrängt. Entsprechend gering ist das Inter- esse, in Gaskraftwerke zu investie- ren. Das hat einerseits zur Folge, dass derzeit die CO2-Emissionen stei- gen, obwohl noch nie so viel Strom durch erneuerbare Energien produ-

Von

Michael Süß

Mitglied des Vorstands der Siemens AG

zeitigem Stand wird das CO2-Ziel der Energie- wende für 2050 defini- tiv verfehlt. Anderer- seits können mittelfris- tig nur GuD-Kraftwerke die Versorgungssicher- heit garantieren, die nö- tig ist, wenn der über- wiegende Anteil im Strommix aus erneuer- baren Energien kom- men soll. Bis kostengünstige

nö- tig ist, wenn der über- wiegende Anteil im Strommix aus erneuer- baren Energien kom- men
nö- tig ist, wenn der über- wiegende Anteil im Strommix aus erneuer- baren Energien kom- men

Technologien für Lang- zeitspeicher einsatzfähig sind, um Deutschland auch über mehrere Wo- chen, etwa in einem windstillen, ver- schneiten Januar, stabil mit Strom zu versorgen, führt an der hochfle- xiblen und effizienten GuD-Technik kein Weg vorbei, vorausgesetzt, das

CO2-Ziel soll erreicht werden.

Investitionsanreize setzen

Wir können das positive Potenzial der Energiewende heben, wenn wir die Regularien des Energiemarkts so gestalten, dass dieser entsprechende Investitionssignale an die Akteure sendet. Die Rechnung ist einfach:

Geht der Ausbau der erneuerbaren

Weiter Weg vom Schlagwort zur fundierten Debatte

Der Begriff „Fracking“ wird zu einem Sammelbecken der Meinungen

„Fracking“ wird zu einem Sammelbecken der Meinungen Börsen-Zeitung, 6.7.2013 In der deutschen Debattenland-

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 In der deutschen Debattenland- schaft hat sich ein Schlagwort her- ausgebildet, das bei der Wahl des Unwortes des Jahres schon jetzt gute Chancen auf einen Spitzenplatz

politischer Hinsicht. Zuspitzungen sind davon die logische Folge und

ein Standardmittel in der politischen Rhetorik. Ebenso ist es natürlich, spontane Bedenken und Gefühle in Debatten einzubringen. Sie sind ein Teil von Veränderungs-

Hydraulic-Fracturing-Verfahren mit einer horizontalen Bohrung verbin- den. Nur so lässt sich Schiefergas wirtschaftlich fördern.

Heimische Einbahnstraße

Wer heute in Deutschland Fra- cking sagt, meint aber zumeist damit nicht die Methode, sondern stellt un- terschiedliche Grundüberzeugungen von Energieversorgung gegeneinan- der – der Begriff wird damit zum Sammelbecken der Meinungen. Die- se Überzeugungen lassen sich leicht umreißen. Auf der einen Seite gibt es den europäischen Weg: Hier herrscht die Ansicht, dass nur teure Energie gute Energie ist, weil nur sie zum Sparen anhält. In anderen Regi- onen der Welt herrscht genau die entgegengesetzte Meinung. Außer- halb Europas ist man glücklich, wenn Energie günstig ist, denn sie ist ein Treiber für mehr Wettbe- werbsfähigkeit und Wachstum. Seit mehreren Jahren erlebt Nord- amerika einen Schiefergasboom. Sei- ne Folgen sind bekannt: Der US-ame- rikanische Gaspreis liegt derzeit bei nur einem Viertel bis Drittel des europäischen, Nordamerika wird in Zukunft unabhängiger von Energie- importen werden, milliardenschwe- re Investitionen der US-amerikani- schen Industrie laufen oder sind an- gekündigt. Hier kommt harte Kon- kurrenz auf die europäische Indus- trie zu.

Technologie per se ist neutral

Doch damit nicht genug. Auch an- dere Länder, wie beispielsweise Ar- gentinien und China, schauen sich ih- re Potenziale genau an. Während man dort interessiert Chancen ab- wägt, läuft Deutschland derzeit Ge- fahr, ein neues technologisches Angstthema zu schaffen. Auf einen Gesetzentwurf, der Klarheit über die Rahmenbedingungen gebracht hät- te, konnte sich die Politik bislang nicht einigen. Vielfach wird ein grundsätzliches Verbot gefordert. Das hieße für Deutschland: Diese Energiequelle wird nur in anderen Regionen erschlossen und wird nur dort Arbeitsplätze schaffen – in der Energiebranche und auch in nachge- lagerten Industrien wie der Chemie. Eins ist sicher: So reduzieren wir un- sere Importabhängigkeit nicht, auch Fortsetzung Seite B 3

sere Importabhängigkeit nicht, auch Fortsetzung Seite B 3 hat: „Fracking“. Der Begriff wird auf- geladen mit

hat: „Fracking“. Der Begriff wird auf- geladen mit Emotionen und Ängs- ten, aber nur mit wenigen Informati- onen versehen. Zu Unrecht: Das Schlagwort sollte eigentlich dazu auffordern, eine versachlichende und tiefergehende Diskussion über eines der wichtigsten Themen zu füh- ren, die wir derzeit in Deutschland und Europa haben: eine wettbe- werbsfähige, langfristige Energiever- sorgung. Die Energiedebatte ist zugegebe- nermaßen komplex und nicht sehr eingängig – weder in medialer noch

Von

Harald Schwager

prozessen und müssen daher Beachtung fin- den. Emotionen dürfen aber nicht bewirken, dass Chancen bereits verworfen werden, be- vor überhaupt fundiert geprüft wurde, wie aus- sichtsreich diese sind.

dass Chancen bereits verworfen werden, be- vor überhaupt fundiert geprüft wurde, wie aus- sichtsreich diese sind.

Erprobte Methode

Mitglied des Vorstands der BASF SE

Hinter dem Schlag- wort Fracking steht eine

Methode, die in Deutsch- land und Europa seit vielen Jahren zur Förderung von Erdgas eingesetzt wird. Hydraulic Fracturing ist die Schlüsseltechnologie zur Förderung von Erdgas aus tiefliegenden Lager- stätten mit besonders dichtem Ge- stein. Das so in Deutschland geför- derte Erdgas, sogenanntes Tight Gas, trägt schon seit mehr als 30 Jah- ren zur Versorgungssicherheit bei. Erdgas aus Schiefergestein wird hin- gegen derzeit nicht in Europa geför- dert. Um dies zu tun, muss man das bei uns aus der Tight-Gas-Förderung

bekannte und bewährte vertikale

AUS DEM INHALT

Standortsicherung als oberstes Ziel Von Dr. Michael Süß

B1

Energiegenossenschaften im Aufwind Von Dr. Eckhard Ott

B5

Weiter Weg vom Schlagwort zur fundierten Debatte Von Dr. Harald Schwager

B1

Der Bürger als Investor Von Myriam Schilling

B5

Energiewende nicht für Wahlkampf missbrauchen Von Klaus Josef Lutz

B2

Zukunftsmarkt mit nachhaltigem Renditepotenzial Von Markus Pimpl

B6

Vom Energie- zum Klimaschutzland Nummer 1 Von Dietmar P. Binkowska

B3

Strommarktliberalisierung nur teilweise geglückt Von Andreas Hergaß

B6

Herausforderungen der Energiewende annehmen Von Dr. Jörg Zeuner

B4

Asset-Finance-Modelle als Motor der Energiewende Von Wolf-Rüdiger Stahl

B7

Evolution statt Revolution Von Georg Müller

B4

Investitionen in effiziente Anlagentechnik lohnen sich Von Jörn-Erik Mantz

B8

B 2 Börsen-Zeitung Nr. 127

Sonderbeilage

Sonnabend, 6. Juli 2013

Energiewende nicht für Wahlkampf missbrauchen

Politische Diskussion nicht lösungsorientiert – Zahlreiche Maßnahmen müssen noch getroffen werden – Investoren brauchen Planungssicherheit

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Aktuelle Schlagzeilen über den Zu- stand der jungen Solarindustrie er- wecken den Eindruck, die Solarener- gie insgesamt stecke in der Krise. Doch der Eindruck täuscht. Bei aller Dramatik für die betroffenen Unter- nehmen leiden im Wesentlichen die Modulhersteller unter den stark sin- kenden Weltmarktpreisen ihrer Pro- dukte. Der Trend zur Solarenergie – als einer Säule unserer künftigen Energiepolitik und als Geschäftsfeld im internationalen Markt – ist weiter- hin intakt. Das Potenzial der Solarin- dustrie und der Energiewende als deutsches Exportprojekt besteht un- verändert, jedoch erschwert die Un- vorhersehbarkeit des politischen Handelns planvolles wirtschaftliches Handeln und damit den wirtschaftli- chen Erfolg beträchtlich.

Rahmen muss stimmen

Jüngste Erfahrungen des Bay- Wa-Konzerns als weltweit tätiger Händler von Photovoltaikmodulen, Montage- und Komplettsystemen so- wie Investor und Projektierer von Er- neuerbare-Energie-Projekten einer- seits wie auch aktuelle Marktstudien andererseits belegen den ungebro- chenen Wachstumstrend im Solarbe- reich. So korrigierten beispielsweise die Analysten der Deutschen Bank in ihrem Marktausblick vom März die weltweite Zubauprognose für Solar- energie auf 30 Gigawatt für 2013 – eine um 20 % höhere Markterwar- tung als noch einige Monate zuvor – und sie sagen für den Solarsektor ei- nen endgültigen Durchbruch im kommenden Jahr voraus. Trotzdem sieht sich der Solar- markt, wie im Übrigen der gesamte

Markt der erneuerbaren Energien, ständigen Angriffen ausgesetzt, nicht zuletzt zugespitzt in der (vor- erst) gescheiterten Diskussion um die sogenannte Strompreisbremse. Es zeigt, dass politisch nicht durch-

Dies als „nötiges Übel“ der politi- schen Willensbildung zu betrachten, geht am Problem vorbei: Verlässli- che und bezahlbare Energieversor- gung wird von der Politik scheinbar

nicht wirklich ernst genommen, son- dern lieber zu Wahl-

nicht wirklich ernst genommen, son- dern lieber zu Wahl- Von Klaus Josef Lutz Vorsitzender des Vorstands

Von Klaus Josef Lutz

Vorsitzender des

Vorstands der

BayWa AG

kampfzwecken genutzt. Beobachten lässt sich, dass die politische Dis- kussion viel zu häufig von Dogmen, Partikular- interessen und Profilie- rungsbemühungen Ein- zelner geprägt und in keiner Weise lösungsori- entiert ist. Der Bedeu- tung der Energieversor- gung als wesentliche Grundlage allen Wirt- schafts- und Gesell-

entiert ist. Der Bedeu- tung der Energieversor- gung als wesentliche Grundlage allen Wirt- schafts- und Gesell-
entiert ist. Der Bedeu- tung der Energieversor- gung als wesentliche Grundlage allen Wirt- schafts- und Gesell-
entiert ist. Der Bedeu- tung der Energieversor- gung als wesentliche Grundlage allen Wirt- schafts- und Gesell-

dachte Eingriffe und ständige Ände- rungen gesetzter Rahmenbedingun- gen Verzerrungen auslösen und so- gar Fehlallokationen verursachen können. Auch wenn klar ist, dass ei- ne Förderung wie z.B. der jungen So- larindustrie immer mit dem Ziel ver- bunden war und ist, dass die Unter- nehmen ab einem bestimmten Zeit- punkt ohne Subventionen auskom- men: Der Weg dahin muss von ver- lässlichen Rahmenbedingungen ge- prägt sein. Über das Wie zu diskutieren ist notwendig, aber das Ob dabei stän- dig in Frage zu stellen, ist nicht ziel- führend. Denn permanente Wechsel von Regeln und Parametern verunsi- chern Wirtschaft und Industrie – mit der Folge, dass sich Geschäftsmodel- le, Investitionen sowie die Technolo- gieentwicklung in die falsche Rich- tung bewegen oder gänzlich unter- bleiben.

schaftslebens tragen die politischen Akteure nicht Rechnung.

Zweifel am Erfolg wachsen

Das hat unter anderem zur Folge, dass Deutschland in Europa und auch international kein überzeugen- des Bild in Energiefragen abgibt. Nach einer Umfrage des Weltenergie- rats (Ergebnisse von April 2013) wachsen die Zweifel am Erfolg der deutschen Energiewende. Internatio- nale Experten sind sich inzwischen sicher, dass sie die deutsche Wirt- schaft schwächt. Was jetzt erforder- lich ist, um wieder auf Kurs zu kom- men, sind Maßnahmen, mit denen sich die Energiezukunft in nachvoll- ziehbaren Schritten, eindeutigen Pri- oritäten sowie tragfähigen Parame- tern und Regeln umsetzen lässt. Dies sollte im Einklang mit den Einschät- zungen von Wissenschaft und For- schung sowie der Energiewirtschaft

und dem Einverständnis von Ver- brauchern geschehen. Eine klare po- litische Führung ist dabei ohne Alter- native.

Europaweit vernetzen

Die Zukunft unserer Energiesyste- me und die Umstellung des Energie- marktes auf regenerative Quellen sind langfristig nur gemeinsam mit den europäischen Partnerländern zu gestalten. Was national erfolgreich begonnen wurde, kann in die Überle- gungen eines europaweit viel stärker vernetzten Energiesystems einge- bracht werden. Es wird im Kanon ei- ner zunehmend regenerativen Ener- gieerzeugung und -versorgung im- mer wichtiger, Volatilitäten und Schwankungen über eine größere geografische Verteilung auszuglei- chen, gemeinsam gesicherte Kapazi- tät (Wind, Solar, Bio-Rohstoffe, Gas) vorzuhalten und entsprechende Fle- xibilitätsoptionen in Europa zu nut- zen. Um das zu erreichen, sind weite- re Maßnahmen zur Interkonnektivi- tät und Harmonisierung von Förder- programmen in Europa erforderlich. Eine Grundvoraussetzung für neue Investitionen ist Planungssi- cherheit. (Institutionelle) Investoren stehen bereit, sich im Energiemarkt zu engagieren – allerdings nur, wenn das Risikoprofil stimmt und ei- ne nachhaltige Rendite möglich ist. Eine stabile Dividendenausschüt- tung und langfristige und sichere Cash-flows sind Kriterien, die ein En- gagement für (institutionelle) Anle- ger attraktiv machen. Das ist ange- sichts der Planungsvorläufe für Groß- projekte – etwa drei bis fünf Jahre bei Windparks – angemessen. Fin- den Unternehmen keine stabilen

– angemessen. Fin- den Unternehmen keine stabilen Rahmenbedingungen vor, dann in- vestieren diese das Geld im

Rahmenbedingungen vor, dann in- vestieren diese das Geld im Sinne ei- ner abgewogenen Risikodiversifikati- on woanders. Beispiel BayWa: Der Konzern ist im Verbund mit seinen Tochtergesell- schaften der BayWa r.e. ein solider und innovativer Partner, wenn es um Planung, Finanzierung, Realisie- rung und den Bau von Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen geht. Als internationales Unternehmen mit starken regionalen Wurzeln ist die BayWa von der Energiewende über- zeugt. Dementsprechend wird auch am Standort Deutschland investiert. Der Erfolg solcher Projekte steht und fällt allerdings mit der Planungssi- cherheit; und Kapital wird vor allem dort investiert, wo diese gegeben ist. Ständiges, oft unvorhersehbares Umsteuern, wie die diversen Ände- rungen des Erneuerbare-Ener- gien-Gesetzes (EEG), untergraben das Vertrauen der Investoren und be- hindern eine neue Energieordnung. Ohne Absprache mit Verbänden, Wirtschaft und Industrie sind Ände- rungen mit weitreichenden Folgen undenkbar und bedrohen unnötig die Wirtschaftlichkeit von Technolo- gien und Geschäftsmodellen.

Neue Spielregeln am Markt

Mit dem Energiekonzept von 2010 definierte die Bundesregie- rung die erneuerbaren Energien als eine „tragende Säule“ der zukünfti- gen Energieversorgung. Wird dies ernst genommen, bedeutet das eine grundlegende Transformation unse- res Versorgungs- und Vermarktungs- systems für Energie. Das stellt enor- me politische, ökonomische und technische Anforderungen, die nur in gemeinsamer Anstrengung und im Konsens jenseits von Partikularin- teressen zu lösen sind. Bisher bietet die ganze Strom-Wertschöpfungsket- te trotz des gesetzlich verankerten Einspeisevorrangs für erneuerbare Energien nicht die notwendigen Rah- menbedingungen, um einen großen Anteil Energie aus erneuerbarer Er- zeugung zu integrieren bzw. den Übergang zu einem geeigneten Marktdesign zu ermöglichen. Grundsätzlich ist die BayWa der Auffassung, dass ein neues Marktde- sign den Vorrang für erneuerbare Energien beibehalten sollte. Aus Son- ne, Wind und Wasser erzeugter Strom ist annähernd grenzkosten- frei, da nicht brennstoffbasiert, sehr emissionsarm, er weist kaum laufen- de oder externe Kosten auf und ge- nießt gesellschaftliche Akzeptanz. Die Einführung ist allerdings mit hohen Fixkosten (Investitions- und Kapitalkosten) verbunden. Daher be- nötigen erneuerbare Energien geeig- nete, hinreichende und verlässliche Refinanzierungsmechanismen. Da die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht,

brauchen erneuerbare Energien mit Blick auf eine zuverlässige Stromver- sorgung vielfältige Flexibilitätsoptio- nen zur Überbrückung kurz-, mittel- und langfristiger Angebotslücken und -überschüsse. Für eine längere Übergangsfrist sind daher weiterhin fossile Kraftwerke notwendig. Dem- entsprechend muss es für Betreiber und Investoren rentabel sein, zum Beispiel flexible Gaskraftwerke zu be- treiben oder konventionelle Kraft- werke mit neuer, effizienterer Tech- nologie auszurüsten. Außerdem müssen alle Speicher- technologien mit Nachdruck er- forscht und die Speichersysteme für Immobilien weiterentwickelt wer- den. So kann beispielsweise Biomas- se als gut verfügbare Energieform mit Speichermöglichkeiten vielfälti- ge Flankierungsfunktionen überneh- men. Voraussetzung ist aber auch hier eine notwendige technologische Weiterentwicklung. Daher sollten auch für die Biomasse hinreichende und verlässliche Refinanzierungsme- chanismen und stabile Rahmenbe- dingungen entwickelt werden.

Politik muss klar führen

Die Weichenstellung in Richtung regenerative Energiewirtschaft und die Finanzierung dieser Umstellung wird weitere Strompreiserhöhungen

– zumindest für eine Übergangsfrist

– nach sich ziehen. Dies gilt es, dem

Verbraucher klar zu kommunizie- ren. Die Energiewende ist nicht kos- tenlos zu haben. Zudem sollte eine Politik, die den Mut hatte, ein Ab- schalten der AKW bis 2020 zu ent- scheiden, ohne genau zu wissen, was danach kommt, auch den Mut haben festzulegen, welche Kraftwer- ke für eine Übergangsfrist zur Bereit- stellung der Grundlast bzw. als Stüt- zungsreserve am Netz bleiben sollen und welche abgeschaltet werden. Insgesamt betrachtet umfasst die Arbeit an der Ausgestaltung des zu- künftigen Systems der Energieversor- gung ein breites Bündel von Maß- nahmen in Bezug auf die Vergü- tungsmechanismen für die einzel- nen Technologien, die Gestaltung

der Märkte und der Marktregeln, aber auch die weiteren Verknüpfun- gen mit der Netzinfrastruktur oder Maßnahmen wie Kraft-Wärme-Kop- pelung. Der Wunsch von Investoren und Akteuren am Energiemarkt an die Politik ist gerade mit Blick auf die Bundestagswahl einfach: Das The- ma Energiewende sollte nicht für wahltaktische Manöver missbraucht werden. Vielmehr braucht es eine über das politische Tagesgeschehen hinausgehende Strategie. Spätes- tens wenn der Wahlkampf vorbei ist, sollte die Politik sich an die Arbeit machen und endlich die Weichen stellen, die wir für eine erfolgreiche Energiewende brauchen.

Standortsicherung als Ziel

Fortsetzung von Seite B 1

setarife künftig nicht mehr pauschal garantiert. Innovative Technologien

erhalten bis zu ihrer Marktreife eine Förderung, insbesondere auch bezo- gen auf die Standortwahl, und werden dann in den Wettbewerb ent- lassen.

3. CO2-Begrenzung: Das Europäi-

sche Zertifikate-Handelssystem ist der richtige Ansatz, um eine Reduzie- rung der CO2-Emissionen innerhalb der EU und damit auch in Deutsch- land zu erreichen. Derzeit leidet das System allerdings unter einem zu ge- ringen Preis pro Zertifikat. Ein Preis- korridor mit Ober- und Untergren- zen sowie ein zeitlicher Faktor für die Verknappung von Zertifikaten könnten Abhilfe schaffen. Eine Alter- native wäre, eine auf den Energiesek- tor bezogene Flottenregelung einzu- führen. Dabei würden Kraftwerksbe- treiber auf eine CO2-Obergrenze fest-

gelegt.

4. Fixkosten-Umlage: Die Finan-

zierung der Strominfrastruktur er- folgt über die Netzumlage, also über den Strom, den man aus dem Netz bezieht. Der zunehmende Anteil an Selbstversorgern untergräbt jedoch dieses Modell. Siemens schlägt da- her eine Entkoppelung der System- kosten vom Strompreis vor. Künftig zahlen alle Konsumenten entspre- chend ihrer Anschlussleistung am öf- fentlichen Netz einen fixen Betrag. Mit der Fixkostenumlage werden die notwendigen Investitionen zum Sys- temerhalt, wie zum Beispiel Netzaus-

bau, EEG-Kosten und strategische Reserve, von allen Verbrauchern ge- tragen, die davon auch profitieren. Die Anschlusskosten steigen zwar deutlich, gleichzeitig fällt der Strom- preis aber auch auf rund 12 ct/kWh nach heutigem Stand. 5. Versorgungsabsicherung: Bleibt die Frage, wie man auch im Januar

Versorgungssicherheit garantieren kann. Unser Vorschlag: Es wird eine Sicherheitsreserve außerhalb des Marktes eingeführt. Diese strategi- sche Reserve besteht aus Kraftwer- ken, die nicht mehr wirtschaftlich am Markt betrieben werden können. Sie erhalten eine durch eine Auktion bestimmte Ausgleichszahlung und werden nur dann aktiviert, wenn die Versorgungssicherheit oder die Netz- stabilität akut gefährdet sind. Die Frage nach einem Kapazitätsmarkt als dem gesteuerten Ausbau von Kraftwerken mit flexibler Leistung sollte entschieden werden, wenn ab- sehbar wird, wie sich der Markt ent-

wickelt. Fünf Punkte, fünf Hebel. Konse- quent umgesetzt würden diese einen Markt beschreiben, der mit einem hohen Anteil an freiem Wettbewerb kostendämpfend wirken würde, oh- ne die Ziele der Energiewende zu ge- fährden. Vor allem aber würde das entscheidende Ziel erreicht: Die Si- cherung des Standorts Deutschland. Dann kann die Energiewende zu ei- nem Modell für andere Energiewen- den weltweit werden – mit allen positiven Folgen für die deutsche Exportwirtschaft.

Sonnabend, 6. Juli 2013

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 127 B 3

Vom Energie- zum Klimaschutzland Nummer 1

Industriestandort NRW stärken – Wandel zu einer stärker regenerativen und dezentralen Energiestruktur – Beteiligung der Bürger wird immer wichtig er

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Nordrhein-Westfalen ist das Energie- land Nummer 1 und wird sich im Zu- ge der Energiewende zum Klima-

schutzland Nummer 1 in Deutsch- land entwickeln. Die NRW.Bank un- terstützt diesen Wandel hin zu einer stärker regenerativen und dezentra- len Energiestruktur mit zinsgünsti- gen Fördermitteln und passgenauer Finanzierung – und stärkt so nicht zuletzt den Industriestandort Nord- rhein-Westfalen. Für den Umbau der Energieversor- gung hat die Bundesregierung kon- krete Ziele bis 2050 formuliert:

Deutschland will dann mindestens

80 % seines

mindestens 60 % des gesamten Ener- gieverbrauchs durch erneuerbare Energien decken. Nordrhein-Westfa- len kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Denn rund ein Drittel aller in Deutschland entstehenden Treib- hausgase wird in NRW emittiert, knapp 30 % des in Deutschland benö- tigten Stroms werden hier erzeugt und fast ein Viertel des deutschen Endverbrauchs an Energie schlägt hier zu Buche.

Stromverbrauchs und

Land der Effizienz-Potenziale

Im Januar hat der Landtag NRW deshalb ein Klimaschutzgesetz verab- schiedet mit dem Ziel, Treibhausgas- emissionen zu verringern, Ressour- cen- und Energieeffizienz zu stei- gern, Energie zu sparen und die er- neuerbaren Energien sowie dezentra- le Energiestrukturen auszubauen. In NRW soll die Gesamtsumme der kli- maschädlichen Treibhausgasemissio- nen so um mindestens 80 % bis 2050 verringert werden, verglichen mit den Emissionen von 1990. Energieef- fizienz, Energieeinsparung und er- neuerbare Energien sind die essenzi- ellen Aspekte dieser Entwicklung. Vorangetrieben wird sie von der Politik, getragen insbesondere von den Unternehmen. In ihren betriebli- chen Prozessen heben diese Effizi- enz- und Einsparpotenziale, steigern die Energie-, Material- und Ressour- ceneffizienz und – in der Erneuerba- re-Energien-Branche – suchen neue Wege zu einer noch effektiveren Nut- zung regenerativer Energiequellen. Besondere Effizienzpotenziale gibt es in NRW im Bereich Kraft-Wär-

me-Kopplung (KWK). Laut KWK-Po- tenzialstudie NRW hat Nord- rhein-Westfalen sowohl bei der In- dustrie-KWK als auch bei der Sied- lungs-KWK gute Voraussetzungen, den KWK-Stromanteil bis zum Jahr

2010 auf etwa 8,3 Mrd. Euro – ein Plus von rund 20 % im Vergleich zum Vorjahr. Hauptumsatzbringer sind der Solarenergiesektor mit knapp 4,2 Mrd. Euro und die Wind-

energie-Industrie mit fast 2 Mrd. Eu- ro. Die Beschäftigten-

zahl lag 2010 bei rund 24500 Personen. Aktuel- le Studien weisen dar- auf hin, dass die Zahl

der Arbeitsplätze in der

Erneuerbare-Ener-

weltweit die meisten Getriebeherstel- ler für Windkraftanlagen ansässig. Die hiesige Windenergiebranche hat einen Weltmarktanteil von rund 50 %, die Exportquote liegt bei 60 %. Von den 2007 weltweit errichteten Windenergieanlagen kam jedes zwei- te eingebaute Getriebe aus Nord- rhein-Westfalen, das weltweit die höchste Standortdichte von Getriebe- herstellern für Windenergieanlagen hat. Rund 2 800 Windkraftanlagen produzieren zurzeit fast 40 % des re- generativ erzeugten Stroms in Nord- rhein-Westfalen.

Alt durch Neu ersetzen

Auch technologisch entwickelt sich die Windenergiebranche weiter, moderne Windkrafträder sind tech- nisch zuverlässiger und insgesamt leistungsstärker. So lässt sich allein schon durch „Repowering“ – das Er- setzen alter Anlagen durch leistungs- starke neue – der Windstromertrag in NRW um ein Vielfaches erhöhen. Und: Moderne Windkraftanlagen sind auch geräuschärmer als ihre Vorgänger – ein wichtiger Aspekt in einer Energieinfrastruktur, die de- zentral ausgerichtet sein soll. Hoch- moderne, geräuscharme Kleinwind- kraftanlagen können so genau dort Strom erzeugen, wo dieser ge- braucht wird, installiert etwa auf Dä- chern von Möbelhäusern, Bau- oder Einzelhandelsmärkten. Solche Kleinwindkraftanlagen ent- wickelt zum Beispiel das 2011 ge- gründete Unternehmen Enbreeze mit Sitz in Köln: Dank einer innovati- ven Regelungsmechanik finden die- se Anlagen immer die optimale Posi- tion zum Wind und können so auch bei wenig Wind wirtschaftlich Strom

erzeugen. Mangels störanfälliger Elektronik sind die Wartungskosten vergleichsweise gering, ebenso die Produktionskosten. Einen Business Angel für Enbreeze vermittelte die win NRW.Bank Business Angels Initi- ative. Neben den Unternehmen spielen auch die Bürgerinnen und Bürger ei- ne zunehmend wichtige Rolle bei der Energiewende in Nord- rhein-Westfalen, und zwar nicht nur dadurch, dass sie ihre Immobilien energetisch sanieren, sondern auch indem sie sich an Bürgerenergieanla- gen beteiligen. Je nach Organisati- onsform der entsprechenden Initiati-

„Das einst bejubelte Zeitalter des Atomstroms geht in Deutschland unwiderruflich zu Ende, eine neue Ära der Energieproduk- tion, -versorgung und -nutzung bricht an: regenerativ, dezentral, effizient und sparsam.“

ve können Bürger Anteile an einem Unternehmen erwerben, Genossen- schaftsanteile, Genussrechte oder Sparbriefe. Jeder interessierte Bürger kann mitmachen, in den Energiewandel

vor seiner Haustür investieren und damit zum Akteur auf dem Markt der dezentralen Energieversorgung werden. Mit dem neuen Programm NRW.Bank.Energieinfrastruktur be- gleiten wir die Bürger dabei und för- dern Investitionen in die öffentliche Energieinfrastruktur – wozu neben Anlagen zur Energieerzeugung na- türlich auch Netze und Speichertech- nologien gehören.

Brücken in die Zukunft

Das einst bejubelte Zeitalter des Atomstroms geht in Deutschland un- widerruflich zu Ende, eine neue Ära der Energieproduktion, -versorgung und -nutzung bricht an: regenerativ, dezentral, effizient und sparsam. Deutschland kommt bei dieser wich- tigen Entwicklung eine Vorreiterrol- le zu, die auch international zuneh- mend anerkannt wird. In jüngerer Zeit hat sich sogar die lange Zeit kri- tisch gestimmte Internationale Ener- gieagentur (IEA) positiv über den deutschen Atomausstieg und die Energiewende geäußert. Innerhalb Deutschlands wieder- um spielt Nordrhein-Westfalen eine herausgehobene Rolle. Viele beispiel- hafte Aspekte der Energiewende bündeln sich im Energieland Num- mer 1: der entschlossene Ausbau der erneuerbaren Energien, die Steige- rung der Energieeffizienz in den Be- trieben, eine verbesserte Energieein- sparung sowie der Ausbau der Netze und Speicher. Als Förderbank für Nordrhein-Westfalen leistet die NRW.Bank hierzu ihren Beitrag – ein Beitrag, der unmittelbar nicht „nur“ Klima und Umwelt, sondern auch der Wirtschaft selbst zugute kommt.

und Umwelt, sondern auch der Wirtschaft selbst zugute kommt. Von Dietmar P. Binkowska 2020 auf über

Von Dietmar P. Binkowska

2020 auf über 25 % zu erhöhen. Eine entsprechende Förderung ist in NRW zum Jahresbeginn mit dem KWK-Impulsprogramm NRW aufge- setzt worden. Dazu gehört auch der NRW/EU.KWK-Investitionskredit:

zinsverbilligte Förderdarlehen für Unternehmen in NRW, die auf Kraft-Wärme-Kopplung setzen und so zur Reduktion von CO2-Emissio- nen beitragen. Gefördert werden An- lagen mit einer elektrischen Leis- tung über 50 KW. Bei einem geringe- ren Energiebedarf bietet das Land NRW den NRW/EU.KWK-Investiti- onszuschuss an. Ebenso kann der NRW.Bank.Effizienzkredit zum Ein- satz kommen. Mit ihm vergibt die NRW.Bank seit 2011 besonders zins- günstige Darlehen für Investitionen, durch die bestimmte Einsparquoten in den Bereichen Energie, Material und Ressourcen erreicht werden.

Stark bei den Erneuerbaren

Ein weiterer wichtiger Baustein ne- ben der Energieeffizienz ist die inten- sivere Erschließung und noch effekti- vere Nutzung erneuerbarer Energie- quellen. Eindrucksvolle Zahlen zei- gen, welch große Rolle die Erneuer- bare-Energien-Branche heute bereits in NRW spielt: Der Anteil regenerati- ver Energien an der Energiebereit- stellung in NRW versechsfachte sich zwischen 1998 und 2007 und legte auch seitdem weiter zu. Die Umsät- ze innerhalb der Branche stiegen

Vorsitzender des

Vorstands der

NRW.Bank

gien-Branche in NRW unter den gegebenen Be- dingungen im Jahr 2020 bei bis zu 45 000 liegen könnte. Gezielte Förderung wird diese Bedingungen stetig ver- bessern. Die Energie-

Jahr 2020 bei bis zu 45 000 liegen könnte. Gezielte Förderung wird diese Bedingungen stetig ver-
Jahr 2020 bei bis zu 45 000 liegen könnte. Gezielte Förderung wird diese Bedingungen stetig ver-

wende wird so zur unter- nehmerischen Chance und zum Inno- vationsmotor und trägt damit auch zur Stärkung des Wirtschaftsstand- orts NRW bei.

Vielversprechender Wind

Immer stärker rückt in NRW dabei die Windenergie ins Blickfeld. Denn Wind ist in diesem Bundesland ein vielversprechender Energieträger:

Das in NRW realisierbare Windpo- tenzial beträgt laut Potenzialstudie „Erneuerbare Energien“ des Landes- umweltamtes mit bis zu 71 Terawatt- stunden mehr als das Doppelte des derzeitigen Stromverbrauchs priva- ter Haushalte in NRW. In NRW sol- len deshalb bis 2020 15 % des ver- brauchten Stroms aus Windenergie kommen, bis 2025 dann 30 % aus er- neuerbaren Energien insgesamt. Und die Fundamente dafür sind gelegt: In Nordrhein-Westfalen sind

Fundamente dafür sind gelegt: In Nordrhein-Westfalen sind Weiter Weg vom Schlagwort Fortsetzung von Seite B 1

Weiter Weg vom Schlagwort

Fortsetzung von Seite B 1

bei einem weiteren realistischen Aus- bau der erneuerbaren Energien. Es kann nicht oft genug gesagt werden:

Eine Technologie ist per se neutral, sie ist nicht gut oder schlecht. Es kommt darauf an, wie sie eingesetzt wird. Diese Neutralität einer Techno- logie wird in der Debatte negiert.

Forschung als Basis

Und hier liegt der entscheidende Punkt, an den die deutsche Diskussi- on zurückkehren sollte: Wir müssen erforschen dürfen, ob die Erschlie- ßung von Schiefergas in Deutschland wirtschaftlich, umweltverträglich und gesellschaftlich akzeptabel mög- lich ist. Erst danach sollte, aufbau- end auf diesen Erkenntnissen und in Abstimmung mit allen Beteiligten, wie Behörden, Bürgern, Umweltver- bänden, eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen werden. Diese Entscheidungsgrundlage fehlt jedoch derzeit, weil wir noch nicht ausreichend Forschung betrieben ha- ben. Welche Perspektiven ergäben sich, wenn die Erkundungen aufzei- gen, dass eine wirtschaftliche und umweltverträgliche Förderung auch in Deutschland möglich ist? Klar ist bereits jetzt: Eine Förde- rung in Deutschland wird nicht die gleiche Wirkung haben wie in den USA. Es ist nicht davon auszugehen, dass Deutschland oder Europa durch die Schiefergasgewinnung von Erd- gasimporten unabhängig werden. Dazu sind die Unterschiede zu den USA zu groß, beispielsweise mit Blick auf die Besiedlungsdichte und die Art der Gesteinsformationen. Aber deutsches Schiefergas könnte einen Beitrag leisten, um unsere Ver- sorgungssicherheit und Wettbe- werbsfähigkeit zu sichern. Wir könnten mit dem Potenzial, das wir in Deutschland offenbar ha- ben, den Rückgang aus der heimi- schen Erdgasförderung, den wir Jahr für Jahr verzeichnen, für einen sehr langen Zeitraum kompensie-

ren. Wir hätten damit aus eigener Quelle ein Gegengewicht zum sonst stetig zunehmenden Importbedarf und könnten den Erdgasanteil an der deutschen Energieversorgung bei 12 % halten. Dies ist nicht nur für die Versorgungssicherheit von Be- deutung, sondern kann uns auch in der Bildung wettbewerbsfähiger Preise helfen. Und auch unter Um- weltgesichtspunkten ist dies ein er- strebenswertes Ziel: Erdgas bietet ge- genüber anderen fossilen Energieträ- gern einige Vorteile, gerade vor dem Hintergrund der Energiewende. Es hat von allen fossilen Energieträgern die beste CO2-Bilanz und ist in der Stromerzeugung besonders flexibel einsetzbar. Erdgas kann daher beim Übergang zu erneuerbaren Energien eine wichtige Brückenfunktion über- nehmen.

Für alle Optionen offen sein

Für die Erforschung von Schiefer- gasvorkommen darf keine Scheu- klappenmentalität herrschen. Die In- novationsbeiträge aus Deutschland zum Thema Energie sollten sich nicht länger ausschließlich auf die Erneuerbaren beschränken. Der For- scherblick in die ferne Zukunft kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die fossilen Energien noch über Jahr- zehnte eine bestimmende Rolle im globalen Energiemix spielen wer- den. Optionen bewusst zu vernach- lässigen oder sogar zu unterbinden – wie es einige in Deutschland zurzeit anstreben –, anstatt sie weiter zu erforschen und gegebenenfalls für die nächsten Jahre und Generatio- nen weiterzuentwickeln, ist das Ge- genteil einer nachhaltigen Politik. Umso wichtiger erscheint mir, aus dem breiten, interdisziplinären Know-how in Deutschland zu schöp- fen und sich eingehend mit der Fra- ge zu beschäftigen, ob und wie die Schiefergasförderung auch hierzu- lande einen nachhaltigen Beitrag für eine wettbewerbsfähige, sichere und umweltverträgliche Energieversor- gung leisten kann.

B 4 Börsen-Zeitung Nr. 127

Sonderbeilage

Sonnabend, 6. Juli 2013

Herausforderungen der Energiewende annehmen

Finanzierung von erneuerbarer Energie, effizientem Einsatz, Batteriespeichersystemen und Gebäudesanierungen – Gezielt fördern

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Über kaum etwas wird in Deutsch- land derzeit heftiger gestritten als über die Energiewende. Der breite gesellschaftliche Konsens nach der Atomkatastrophe von Fukushima scheint zu bröckeln. Inzwischen ist deutlich geworden, dass die Energie- wende eine große Herausforderung ist und erhebliche finanzielle Vorleis- tungen erfordert. Die einst so wir- kungsstarken Bilder aus Japan dro- hen darüber in Vergessenheit zu ge- raten. Das aber wäre ein Fehler. Deutschland muss die Herausforde- rungen der Energiewende anneh- men, auch wenn das nicht immer leichtfällt. Als Bank aus Verantwor- tung hält die KfW Kurs: Sie leistet ih- ren Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbreitung klimafreundlicher und risikoarmer Technologien. Des- halb finanziert sie bevorzugt große und kleine Energieanlagen, die mit erneuerbaren Energien angetrieben werden. Ganz besonders aber för- dert sie Investitionen, die helfen, Energie zu sparen.

100 Mrd. Euro für den Wandel

Mit ihrer Arbeit als Förderbank un- terstützt die KfW aktiv die Bundes- regierung. Ziel ist es, die klimaschä- digenden Emissionen bis 2050 um mindestens 80 % gegenüber 1990 zu senken. Dies setzt voraus, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch von gegenwärtig 12 auf 60 % steigt und sich zugleich der Primärenergiebe- darf gegenüber dem Jahr 2008 halbiert. Die KfW stellt sich dieser Heraus- forderung und übernimmt Verant- wortung dafür, diesen Wandel als wichtigster Finanzierungspartner möglich zu machen. Sie unterstützt die Energiewende in den kommen- den fünf Jahren mit rund 100 Mrd. Euro und hat dazu ihre klimarelevan- ten Programme deutlich erweitert

und neue Finanzierungsangebote aufgelegt. Die KfW Bankengruppe arbeitet daran, den Anteil der Finanzierun- gen am Gesamtgeschäft zu steigern, die der Umwelt und dem Klima die-

westlich der Insel Sylt errichtet. Er dient als Standort für 80 Siemens- Windenergieanlagen mit einer Ge- samtkapazität von 288 Megawatt. Die KfW fördert aber nicht nur die Installation von großen Anlagen wie Butendiek, sondern baut

Installation von großen Anlagen wie Butendiek, sondern baut Von Jörg Zeuner Chefvolkswirt der KfW

Von

Jörg Zeuner

Chefvolkswirt der KfW

zusätzlich auf dezentra- le Lösungen. Hausbesit- zer unterstützt die Bank beispielsweise, wenn sie in Wohngebäuden auf fossile Brennstoffe ver- zichten. Im März starte- te die KfW mit einem ei- genen Kreditprogramm zur Förderung von klei- nen Heizungen auf der Basis erneuerbarer Ener- gien. Die zinsgünstigen Kredite können in Kom-

zur Förderung von klei- nen Heizungen auf der Basis erneuerbarer Ener- gien. Die zinsgünstigen Kredite können
zur Förderung von klei- nen Heizungen auf der Basis erneuerbarer Ener- gien. Die zinsgünstigen Kredite können

nen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012 ist das außerordentlich gelun- gen. In den Förderschwerpunkt Um- welt- und Klimaschutz flossen 29,2 Mrd. Euro, das waren 40 % des ge- samten Fördervolumens von 73,4 Mrd. Euro – ein neuer Rekord. Im laufenden Geschäftsjahr peilt die KfW ein ähnlich hohes Niveau an. Der Löwenanteil des Geldes fließt an Privatpersonen, Kommunen und Un- ternehmen im Inland.

Dritte Offshore-Finanzierung

Erst vor einigen Wochen beteiligte sich die KfW als Teil eines Konsor- tiums an der Finanzierung des Offshore-Windparks Butendiek. Ge- meinsam mit ihrer auf die Projekt- und Exportfinanzierung speziali- sierten Tochtergesellschaft KfW IPEX-Bank stellte sie insgesamt 239 Mill. Euro parat, rund ein Viertel des benötigten Fremdkapitals. Es war die dritte Finanzierung aus dem im Jahr 2011 aufgelegten Programm „Offshore Windenergie“. Der Wind- park Butendiek wird in der deut- schen Nordsee etwa 32 Kilometer

bination mit Investiti- onszuschüssen aus dem Marktanreiz- programm des Bundesamts für Wirt- schaft und Ausfuhrkontrolle in An- spruch genommen werden. Geför- dert werden etwa der Einbau von thermischen Solarkollektoren, Bio- masseanlagen oder Wärmepumpen. Seit Anfang Mai unterstützen die KfW und das Bundesumweltministe- rium mit dem Programm „Erneuerba- re Energien: Speicher“ gemeinsam den Einsatz von Batteriespeichersys- temen in Verbindung mit Photovolta- ikanlagen, die an das allgemeine Stromnetz angeschlossen sind. Mit dem Programm soll die technologi- sche Weiterentwicklung und Markt- durchdringung von Batteriespei- chern in Verbindung mit Photovolta- ikanlagen unterstützt werden. Batte- riespeichersysteme sind ein wichti- ger Baustein zur besseren Integrati- on von kleinen bis mittelgroßen Pho- tovoltaikanlagen in das Stromnetz. Die Mittagsspitze wird nicht ins Netz eingespeist, sondern im Speicher für die spätere Nutzung im eigenen Heim zwischengespeichert. Ein intel- ligentes System, das großen Nutzen stiftet.

Ein intel- ligentes System, das großen Nutzen stiftet. Ein wesentlicher weiterer Förder- schwerpunkt der KfW liegt

Ein wesentlicher weiterer Förder- schwerpunkt der KfW liegt auf ei- nem effizienteren Einsatz von Ener- gie im Immobilienbereich. Dabei geht es um nicht weniger als die Sa- nierung von Millionen Gebäuden in Deutschland und den niedrigenerge- tischen Neubau. Auf Gebäude entfal- len hierzulande aktuell 35 % der ins- gesamt verbrauchten Energie. Sie tragen rund ein Drittel zum Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid bei. Das zeigt: Ohne eine umfassen- de Gebäudesanierung kann die Ener- giewende nicht glücken. Es geht also darum, die Hauseigentümer als Part- ner zu gewinnen.

Programme noch attraktiver

Die Förderprogramme der KfW dienen dabei als überzeugende Argu- mente. Das größte Förderprogramm zum Umwelt- und Klimaschutz im Jahr 2012 ist mit 9,9 Mrd. Euro Zusa- gen „Energieeffizient Bauen und Sa- nieren“. Mit Beginn dieses Jahres ist dieses Programm noch attraktiver ge- worden. Der Bund stellt über das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) bis 2020 jährlich zusätzlich 300 Mill. Eu- ro bereit. Wer sein Haus oder seine Wohnung energetisch saniert, profi- tiert nun seit Jahresbeginn von höhe- ren Investitionszuschüssen. Mit solchen Förderprogrammen hilft die KfW nicht nur dem einzel- nen Hausbesitzer. Sie stärkt auch die heimische Wirtschaft. Das energieef- fiziente Bauen und Sanieren gene- riert zusätzlich zu einem ökologi- schen einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Eine Studie des Prognos In- stituts belegt das. Ihre Kernaussage lautet: Die Energiewende kostet Geld, Deutschland profitiert aber auch enorm davon – durch mehr Ar- beitsplätze, durch zusätzliches Wachstum und durch geringere Energiekosten. Die Studie provozierte auch viele Fragen. Sie löste eine Debatte dar- über aus, ob sich das energieeffizien- te Sanieren auch individuell lohnt. Fakt ist: Eine energetische Sanie- rung ist für den Einzelnen mit vielfa- chem Nutzen verbunden: von niedri- gen Energiekosten über Wertsteige- rung des Hauses bis zu höherem Wohnkomfort. Ein qualifizierter

Sachverständiger kann im Einzelfall beurteilen, welche energetischen Maßnahmen sich lohnen. Dabei rech- nen sich Investitionen zur Steige- rung der Energieeffizienz insbeson- dere dann, wenn ohnehin saniert wird und die Energiesparmaßnahme daran gekoppelt ist. Die finanzielle Förderung in den KfW-Programmen verkürzt die Amortisationsdauer von Investitionen in die energetische Sa- nierung erheblich. Häufig amortisier- ten sich diese Sanierungen mit ei- nem Förderdarlehen oder Zuschuss der KfW in weniger als 20 Jahren. Das gibt Planungssicherheit. Für den Erfolg und damit die Ak- zeptanz energetischer Sanierungen sind die Qualität der Maßnahmen- planung und deren Bauausführung entscheidend. Bei jedem von der KfW geförderten Sanierungsvorha- ben ist deshalb ein qualifizierter Sachverständiger einzubinden, der die Sanierungsmaßnahmen plant und das Erreichen der Förderstan- dards bestätigt. Qualifizierte Sach- verständige sind in der Expertenliste des Bundes gelistet. Die Sachverstän- digen müssen dezidierte Aus- und Weiterbildungen nachweisen und unterliegen einer unabhängigen

„Die Energiewende kostet Geld, Deutsch- land profitiert aber auch enorm davon – durch mehr Arbeits- plätze, durch zusätz- liches Wachstum und durch geringere Energiekosten.“

Qualitätssicherung. Ab Anfang 2014 wird diese Listung für die Investiti- onsförderung in den Programmen „Energieeffizient Bauen und Sanie- ren“ verbindlich. Für die energeti- sche Fachplanung und Baubeglei- tung durch einen Experten können Bauherren einen zusätzlichen Zu- schuss bei der KfW beantragen.

Die Fördertätigkeit der KfW ist aber auch deshalb wesentlich, weil die Zeit drängt. Der Anteil der jähr- lich in Deutschland energetisch (voll-)sanierten Wohngebäude be- trägt gegenwärtig etwa 1 %; Ziel der Bundesregierung sind allerdings 2 %, um den Primärenergiebedarf wie angestrebt bis 2050 um 80 % zu senken. Dafür müssen erstens bisher ungenutzte Chancen für energieeffi- ziente Sanierungen genutzt werden (verstärkte Koppelung). Zweitens müssen verstärkte Anreize gesetzt werden, Sanierungszyklen auch ein- zuhalten. Sollen Gebäudeeigentümer zu solchen Investitionen motiviert werden, sind über eine gezielte För- derung geeignete Rahmenbedingun- gen zu schaffen, damit auch in die- sem Fall die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen erreicht werden kann.

Gute Planung muss sein

Grundsätzlich gilt: Die Planungs- phase ist entscheidend, da die Haus- eigentümer dann die Sanierung und die energetischen Komponenten fest- legen. Das bestätigt eine Umfrage des Deutschen Instituts für Wirt- schaftsforschung (DIW) aus dem vor- vergangenen Jahr. Daher sind be- reits in dieser Phase eine qualifizier- te Beratung durch einen Sachver- ständigen und die Bereitstellung ge- eigneter finanzieller Fördermecha- nismen wichtig. Bei der Umfrage des DIW gab die Hälfte der Haushalte an, dass die Un- terstützung der KfW wichtig für eine umfangreiche energetische Sanie- rung war. Diese Umfrage ergab auch, dass KfW-geförderte Haushal- te alle ursprünglich geplanten Effizi- enzmaßnahmen auch wie geplant umgesetzt haben, während andere Haushalte während der Entschei- dungsfindung oft den Umfang der energetischen Sanierung reduziert haben. Eine wichtige Bestätigung für unsere Arbeit. Die Finanzierung der Energiewen- de ist und bleibt ein Kernstück der Arbeit der KfW Bankengruppe. Für eine Bank aus Verantwortung, die sich in ihrem Alltagshandeln beson- ders von Nachhaltigkeitskriterien lei- ten lässt, gibt es keine Alternative zu einem umfassenden Umwelt- und Klimaschutz.

Evolution statt Revolution

Der Energiemarkt wartet auf die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 „Energiemarkt im Wandel“, „Tief- greifende Umbrüche verändern Ener- giebranche“, „Auf dem Weg zur Energieversorgung der Zukunft“ – so oder ähnlich lauten die Überschrif- ten, wenn Zeitungen und Magazine derzeit über die Energiebranche und die Energiepolitik berichten. Viel Be-

fristigen, gerade auch klimapolitisch motivierten Zielen ja weithin einig. Wir wollen die Energiewirtschaft nachhaltig verändern. Wir wollen die Treibhausgasemissionen verrin- gern. Wir wollen bis 2022 alle Kern- kraftwerke abschalten. Wir wollen die erneuerbare Energieerzeugung ausbauen. Wir wollen die Energieef- fizienz steigern. Und

ausbauen. Wir wollen die Energieef- fizienz steigern. Und Von Georg Müller Vorsitzender des Vorstands der MVV

Von

Georg Müller

Vorsitzender des Vorstands der MVV Energie AG

das alles in Verbindung mit der Gewährleistung unseres hohen Stan- dards an Versorgungssi- cherheit und zu wirt- schaftlich und sozial tragfähigen Kosten und Preisen. Das ist der Grundkonsens – unver- ändert, spätestens seit Fukushima. Und das ist auch gut so, denn das ergibt ein belastbares und nachhal-

– unver- ändert, spätestens seit Fukushima. Und das ist auch gut so, denn das ergibt ein
– unver- ändert, spätestens seit Fukushima. Und das ist auch gut so, denn das ergibt ein

wegung also? Sollte man meinen. Doch leider Fehlanzeige. Denn wirk- lich bewegen tut sich im Moment nicht allzu viel. Zumindest wenn man sich Beschlüsse zu energiepoliti- schen Weichenstellungen ansieht, dann bewegt sich seit Monaten nichts.

Derzeit bewegt sich nichts

Diskutiert wird viel. Viele Vor- schläge, viele Forderungen. Aber wirkliche Bewegung? Uns ist allen bewusst, dass wir uns in einem Jahr der Bundestagswahl befinden. Und es ist keine wirkliche Überraschung, dass das nicht unbedingt die allerbes- te Voraussetzung für notwendige po- litische Weichenstellungen ist. Und doch: Ohne klare und vor allem ver- lässliche Entscheidungen, ohne die damit verbundene Sicherheit für Pla- nungen, Projektentwicklungen und vor allem Investitionsentscheidun- gen wird es nicht gehen. Dabei sind sich Politik und Gesell- schaft in Deutschland bei den lang-

tiges Fundament für das Energiesystem der Zukunft. Aber ge- nauso wichtig ist die Erkenntnis, dass diese Ziele weder auf Knopf- druck noch zum Nulltarif zu errei- chen sind. Dafür ist ein grundlegen- der Umbau der Energieversorgung notwendig. Das ist ein langwieriger Prozess – verbunden mit großen Her- ausforderungen für Politik, Wirt- schaft, Energieunternehmen.

Für genug Reserve sorgen

Inzwischen ist wohl bei allen Betei- ligten das Verständnis gereift, dass erneuerbare Energien auf Sicht al- lein keine sichere Energieversor- gung gewährleisten können. Wir brauchen auch in Zukunft hocheffi- ziente konventionelle Erzeugungska- pazitäten, um die natürlich gegebe- nen Schwankungen der Stromerzeu- gung aus Photovoltaik- und Wind- kraftanlagen auszugleichen. Und da schließt sich der Kreis: Um die notwendigen Reservekapazitä- ten am Netz zu halten, um – nicht heute oder morgen, aber übermor-

gen – zusätzliche Investitionen anzu- stoßen, muss die Politik verlässliche Rahmenbedingungen und Anreize schaffen. Der Versuch zur Strom- preisbremse war dafür ein gutes Bei- spiel. Am Ende war sie schneller wie- der in der Schublade verschwunden, als sie konzipiert worden ist. Inhalt- lich ist das auch gut so. Denn anstatt der ursprünglich angekündigten mo- deraten Korrekturen mit dem Ziel kurzfristiger Kostensenkungen ent- hielt das Maßnahmenpaket weitrei- chende Eingriffe, die zu Marktver- werfungen und Fehlsteuerung ge- führt hätten. Schon die damit ausgelösten Dis- kussionen um einen rückwirkenden Eingriff in Förderzusagen für beste- hende Erzeugungsanlagen haben An- lagenbetreiber, Investoren und Kapi- talgeber verunsichert. Und auch wenn die Bundesregierung selbst den Vorschlag wieder aus dem Ver- kehr gezogen hat, gelingt es den He- xenmeistern nicht, ihre Lehrlinge da wieder zurückzuholen. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass trotz un- veränderter Ziele Orientierung und Vertrauen verloren gegangen sind. Mit dem öffentlichen Schlagab- tausch um die Strompreisbremse wurde viel Porzellan zerschlagen und Schaden angerichtet. Das ist mehr als bedauerlich, da es schon früh entsprechende Warnungen ge- geben hat. Natürlich brauchen wir dringend eine Reform des EEG, die seine positiven Errungenschaften be- wahrt – denn es war das richtige Ins- trument zur richtigen Zeit, um die er- neuerbaren Energien in den Markt einzuführen – die aber gleichzeitig auch künftige Herausforderungen angeht.

Verlässlich vorgehen

Dabei gibt es ja durchaus Mittel und Wege, mit einer Weiterentwick- lung des bestehenden EEG mehr Wettbewerb zu schaffen und Kosten Fortsetzung Seite B 6

Sonnabend, 6. Juli 2013

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 127 B 5

Energiegenossenschaften im Aufwind

Bürger, Kommunen und lokale Wirtschaft treiben gemeinsam die dezentrale Energiewende voran – Für den Einzelnen ist finanzielles Engagement überschaubar

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 In Deutschland gibt es aktuell rund 650 Genossenschaften im Bereich der erneuerbaren Energien. Der Großteil dieser Energiegenossen- schaften wurde in den vergangenen

scheidung, sich in einer Energiege- nossenschaft zu engagieren, wie ei- ne Umfrage des DGRV aus dem Som- mer 2012 zeigt. Die grundlegenden genossen- schaftlichen Prinzipien, die schon mehr als 150 Jahre die

schaftlichen Prinzipien, die schon mehr als 150 Jahre die Von Genossenschaften in Deutschland bestim- men,

Von

Genossenschaften in Deutschland bestim- men, überzeugen die

schaft hat jedes Mitglied

Eckhard Ott

Menschen auch heute

Vorsitzender des Vorstands des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands (DGRV)

noch. Besonders schät- zen die Gründer die de- mokratische Willensbil- dung. In einer Genossen-

unabhängig von der Hö- he seiner Beteiligung ei- ne Stimme in der Mit- gliederversammlung. Die Beteiligungs- und

fünf Jahren gegründet. Allein im Jahr 2012 sind unter dem Dach des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) 150 neue Energiegenossenschaften ent- standen – und die Tendenz ist weiter steigend. Genossenschaften ermöglichen Privatpersonen, Kommunen oder Un- ternehmen, mit überschaubaren fi- nanziellen Beträgen den Ausbau er- neuerbarer Energien in ihrer Heimat voranzubringen. Eine Beteiligung ist in vielen Genossenschaften bereits mit weniger als 100 Euro möglich. Mehr als 90 % der Genossenschafts- mitglieder sind Privatpersonen, die im Schnitt mit gut 3 000 Euro betei- ligt sind. Sie kommen in der Genos- senschaft mit Gleichgesinnten zu- sammen, um – häufig gemeinsam mit kommunalen Entscheidungsträ- gern, öffentlichen Einrichtungen und regionalen Banken – Kraftwerks- projekte im Bereich Sonnen- oder Windenergie zu initiieren. Investiti- onsrisiko und Betreiber-Know-how werden über die Genossenschaft ge- bündelt.

Rendite nicht entscheidend

Dabei verfolgen die Initiatoren vor allem zwei Ziele: die Umstellung der Energieversorgung auf erneuer- bare Energieressourcen und die För- derung der regionalen Wertschöp- fung. Die Aussicht auf eine finanziel- le Rendite spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle bei der Ent-

Mitbestimmungsmög-

lichkeiten des Einzelnen fördern die Verantwortung für das gemeinsame Energieprojekt. Es kann nicht an ei- nen externen Investor, beispielswei- se die Kommune oder ein Energieun- ternehmen delegiert oder sogar ver- kauft werden. Ein weiterer Vorteil der genossenschaftlichen Rechts- form wird im Energiebereich beson- ders deutlich: Die aktive Beteiligung und Organisation einer großen Mit- gliederzahl ist problemlos möglich.

Wirken in der Region

Die Genossenschaft ist ein regiona- les Unternehmen der Mitglieder, nicht einfach nur eine Anlagemög- lichkeit. Anders als zum Beispiel Fonds fördern Genossenschaften die regionale Wertschöpfung, indem et- wa ortsansässige Handwerksbetrie- be oder Banken eingebunden wer- den. So stammt beispielsweise über alle Energiegenossenschaften hin- weg rund die Hälfte des aufgenom- menen Fremdkapitals von regiona- len Genossenschaftsbanken. Viel- fach sind Genossenschaften zudem eine Keimzelle für weitere Projekte in der Region, nicht nur im Energie- bereich, sondern in vielen Bereichen regionaler Entwicklung von der Breitbandversorgung bis zur Biodi- versität. Zudem schafft die Einbeziehung des regionalen Genossenschaftsver- bands Vertrauen in die zumeist lang- fristig angelegten Investitionen. Schließlich werden die Ersparnisse

vieler Bürger zusammengetragen und die in der Verantwortung ste- henden Mitglieder haben häufig noch keine kaufmännischen Erfah- rungen gesammelt. Die Unterstüt- zung und regelmäßige Prüfung durch erfahrene Berater des Genos- senschaftsverbands ist daher sehr hilfreich. Und das zahlt sich aus: Die Genossenschaft ist seit vielen Jahren die insolvenzsicherste Rechtsform in Deutschland.

Akzeptanz schaffen

Die lokale Verwurzelung, der ho- he Grad an Mitbestimmung und Transparenz sowie der klare Fokus auf die Mitgliederförderung sind Hauptgründe, warum es bei genos- senschaftlich organisierten Energie- projekten nur sehr selten zu Akzep- tanzproblemen kommt. Die Men- schen sind viel eher bereit, ein Wind- rad oder eine Biogasanlage im eige- nen Heimatort zu akzeptieren, wenn sie selbst daran beteiligt sind und nicht ein anonymer Investor profi- tiert, sondern die Wertschöpfung in der Region bleibt. Ein Beispiel hierfür ist die Energie- genossenschaft Starkenburg eG, die im Odenwald ein Bürger-Windrad re- alisiert hat. Die öffentliche Meinung in der unmittelbaren Nachbarschaft war zunächst gegen das Vorhaben und auch die lokale Presse berichte- te hauptsächlich über Aktivitäten der Windkraftgegner. Das Meinungs- bild änderte sich aber, als sich die An- wohner der umliegenden Gemein- den direkt an der Windkraftanlage beteiligen konnten. 230 Bürger aus der näheren Umgebung haben in das Windrad investiert. Mit der Realisierung eines genos- senschaftlich organisierten Bür- ger-Windrads gehört die Energiege- nossenschaft Starkenburg zu den Vorreitern. Der größte Teil der Ener- giegenossenschaften ist aktuell noch im Bereich der Energieproduktion durch Sonnenenergie tätig. Denn die Photovoltaik bietet eine einfache Möglichkeit, dezentral in erneuerba- re Energien zu investieren, und sie funktioniert – im Gegensatz zu Wind- kraft und Biogas – fast überall. Neben der Strom- und Wärmepro- duktion durch Sonnen-, Wind- oder Bioenergie werden auch Energienet- ze von Genossenschaften betrieben.

Der Bürger als Investor

Energieprojekte vermehrt alternativ finanzieren – Gesetzesänderungen kommen

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Mehr als zwei Jahre sind seit der Ent- scheidung der Bundesregierung zum beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie vergangen – auf große

stitutionelle Investoren dazu, neue Assetklassen in ihr potenzielles Anla- geportfolio aufzunehmen. So sind die Übertragungsnetzbetreiber zum Teil durch international agierende Infrastrukturinvestoren

(Eigenkapital-)finan-

agierende Infrastrukturinvestoren (Eigenkapital-)finan- Von Myriam Schilling Rechtsanwältin und Partnerin

Von

Myriam Schilling

Rechtsanwältin und Partnerin der Sozietät Oppenhoff& Partner

ziert. Gleichzeitig zeigt sich auch bei den Privat- investoren, dass diese sich neuen Anlagefor- men öffnen und bereit sind, bei entsprechen- den Renditeaussichten auch höhere Risiken ein- zugehen. Der Bürger als poten- zieller Investor flog da- bei bislang weitestge- hend unter dem Radar

höhere Risiken ein- zugehen. Der Bürger als poten- zieller Investor flog da- bei bislang weitestge- hend
höhere Risiken ein- zugehen. Der Bürger als poten- zieller Investor flog da- bei bislang weitestge- hend

Erfolgsmeldungen hat die Öffentlich- keit bislang aber weitestgehend ver- geblich gewartet. Die Verantwortli- chen müssen weiterhin nicht nur die Schwierigkeiten bei der Netzanbin- dung lösen, sondern vor allem auch die Frage beantworten, wer den er- forderlichen Netzausbau bezahlen soll. Schätzungen zufolge ist in den nächsten fünf bis zehn Jahren für die Energiewende insgesamt mit ei- nem Investitionsvolumen im dreistel- ligen Milliardenbereich zu rechnen. Sicher ist, dass die Energiekonzerne und Netzbetreiber dies nicht aus ei- gener Kraft schaffen werden.

Neue Assetklassen nutzen

Wegen verschlechterter Refinan- zierungsmöglichkeiten fehlt ihnen zum einen das Eigenkapital. Zum an- deren haben sie Probleme bei der Be- schaffung des erforderlichen Fremd- kapitals. Deshalb verwundert es nicht, dass immer mehr Experten zu der Ansicht gelangen, dass die Finan- zierungslast auf mehrere Schultern verteilt werden muss. Insbesondere das aktuell niedrige Zinsniveau ver- anlasst sowohl private, aber auch in-

und kam nur vereinzelt und im Rahmen sehr kleiner, lokaler Projekte zum Zuge. Doch dies wird sich wohl ändern.

Erstes Großprojekt vor Start

Ende des vergangenen Jahres kün- digte der Bundesumweltminister an, den gesetzlichen Rahmen dafür schaffen zu wollen, dass sich Bürger mit einer attraktiven Garantieverzin- sung am Bau neuer Stromtrassen be- teiligen können. Bereits ohne die Rü- ckendeckung und Starthilfe eines Ge- setzes wird der Netzbetreiber Ten- neT nach eigenen Angaben in Kürze ein erstes großes Beteiligungspro- jekt auflegen. Er bietet Gebietsansäs- sigen und Grundstückseigentümern die Möglichkeit, sich an der Errich- tung der geplanten Westküstenlei- tung finanziell zu beteiligen. Die Einbindung der Bürger in die Finanzierung von solchen Großpro- jekten bietet allen Beteiligten Vortei- le. Der Projektbetreiber erschließt sich eine Finanzierungs- oder Refi- nanzierungsquelle zu Konditionen, die nicht weniger attraktiv sind als manches Bankdarlehen, aber mit weitaus weniger Bürokratie auskom-

men. Zudem reduziert er sein unter- nehmerisches Risiko, indem er es auf eine Vielzahl von Investoren ver- teilt. Dem Bürger bietet sich demge- genüber die Gelegenheit, einen mit entsprechender Rendite versehenen Beitrag zur Energiewende zu leisten und einen konkreten Bezugspunkt zur besseren Identifikation mit der- selben zu finden. Erfahrungsgemäß sinkt nämlich die Bereitschaft, einen Beitrag zu ei- ner großen gesellschaftlichen Aufga- be zu leisten, mit dem Grad der per- sönlichen Betroffenheit. Wenn die zu bauenden Stromtrassen unmittel- bar an dem eigenen Grundstück vor- beiführen oder der Blick aus dem Wohnzimmer durch ein Windrad ver- baut wird, wird sich der Einzelne wohl nur dann finanziell engagie- ren, wenn er eine Rendite oberhalb der von üblichen risikoarmen Anla- geformen erzielen kann. Aus diesem Grunde bieten Projektbetreiber wie TenneT eine vergleichsweise hohe Verzinsung an, die zum Teil abhän- gig von den Erträgen der Projektge- sellschaft oder im Zeitablauf nach Abschluss bestimmter Projektphasen – wie offenbar im Falle des Beteili- gungsmodells Westküstenleitung – variiert.

Struktur sorgfältig wählen

Aus rechtlicher Sicht sind für ein Bürgerbeteiligungsmodell vielerlei Strukturierungsmodelle denkbar. Während TenneT sich wohl für die Ausgabe einer Anleihe entschieden hat, waren in der Vergangenheit bei regional geprägten Vorhaben insbe- sondere die Beteiligung an einer Pro- jektgesellschaft über den Erwerb ei- ner Kommanditbeteiligung, Genuss- rechtsvereinbarungen oder die Ge- währung von Darlehen bzw. Schuld- verschreibungen populär. Da jedes Beteiligungsmodell für die Beteiligten unterschiedliche Fortsetzung Seite B 8

Seit mehr als 100 Jahren sind in vie- len Regionen Deutschlands Genos- senschaften als etablierte regionale Energieversorgungsunternehmen tä- tig. Die Alb-Elektrizitätswerke Geis- lingen-Steige eG versorgen beispiels- weise bereits seit 1910 ihre württem- bergische Heimatregion mit Strom. In jüngerer Zeit werden vielerorts mit genossenschaftlichen Nahwär- menetzen die angeschlossenen Haus- halte kostengünstig mit Energie – zum Beispiel aus einer Biogasanlage – versorgt.

Eigener Netzbetrieb

So auch in der schleswig-holsteini- schen Gemeinde Honigsee, wo die Einwohner seit 2007 ihre Heizwär- me über ein Nahwärmenetz aus den

„So verschieden die

Energiegenossen-

schaften auch sein mögen – sie alle ermöglichen das gemeinsame Engage- ment verschiedener Akteure vor Ort und vereinigen gesell- schaftliche, wirt- schaftliche, kommu- nale und umweltpoli- tische Interessen.“

Biogasanlagen beziehen. Der Impuls für das Nahwärmenetz ging damals von zwei Landwirten aus, die in eine Biogasanlage investiert hatten. Das Biogas wird über zwei Blockheiz- kraftwerke verstromt, für die dabei anfallende Abwärme gab es jedoch

zunächst kein Nutzungskonzept. Das führte zu der Frage, ob man die Wärme nicht zum Beheizen von Wohnhäusern nutzen könnte. In mehreren Informationsveranstaltun- gen wurden die Einwohner von Ho- nigsee von der Idee eines genossen- schaftlichen Nahwärmenetzes über- zeugt. Und es gab es viele gute Argu- mente für das gemeinsame Netz: et- wa die Unabhängigkeit von großen Energieversorgern und die immer weniger kalkulierbaren Preise für fossile Brennstoffe. Auch die Vorstel- lung, die alte, meist großvolumige Heizungsanlage im Keller gegen ei- ne kleine Übergabestation zum Wär- menetz auszutauschen, kam gut an. Vielen war es zudem wichtig, sich für eine saubere und klimaschonen- de Energieerzeugung zu engagieren. Vor allem aber lockte die Aussicht auf niedrige und transparente Heiz- kosten. Noch einen Schritt weiter als die Nahwärmegenossenschaften gehen genossenschaftliche Bioenergiedör- fer, mit denen möglichst die gesam- te Wärme- und Stromversorgung des Ortes in Eigenregie auf regenera- tive Energien umgestellt wird. Dies wird zum Beispiel seit über zehn Jah- ren erfolgreich in der rheinländi- schen Gemeinde Lieberhausen, ei- nem Ortsteil von Gummersbach, praktiziert. Heute beziehen 92 der insgesamt 108 Haushalte ihre Wär- me über ein Nahwärmenetz aus der örtlichen Holzhackschnitzelanlage, die von den Bürgern gepflegt und ge- wartet und mit Material aus den hei- mischen Wäldern versorgt wird.

Interessant für Kommunen

Nicht nur Bürger, sondern auch Kommunen können gemeinsam ak- tiv werden, um die Energiewende voranzutreiben, wie die interkommu- nale Genossenschaft NEW – Neue Energien West eG zeigt. Auf Initiati- ve der Stadtwerke Grafenwöhr ha-

ben sich in der Oberpfalz Städte und Gemeinden zusammengeschlossen, um regenerative Energien in der Re- gion zu fördern. Die NEW ist gewis- sermaßen das Dach, unter dem Pro- jekte zum Ausbau erneuerbarer Ener- gien initiiert werden. An dem Ge- meinschaftsunternehmen sind Kom- munen und kommunale Unterneh- men der Region direkt beteiligt. Vor- aussetzung für die Mitgliedschaft ist die Zeichnung von mindestens einem Geschäftsanteil, der auf eine Summe von 5 000 Euro festgelegt wurde. Bis- lang sind 19 kommunale Mitglieder mit insgesamt 154 Geschäftsanteilen der Genossenschaft beigetreten. Drei Bürgermeister stellen den Vorstand, die anderen Kommunalvertreter wir- ken ehrenamtlich im Aufsichtsrat mit. Auch die Bürger der Region sind an der NEW beteiligt. Sie kön- nen allerdings nicht direkt Mitglied werden, sondern erwerben Anteile einer zweiten Genossenschaft: der Bürger-Energiegenossenschaft West eG (BEW). Diese Genossenschaft ist wiederum Mitglied der NEW.

Über 100 000 machen mit

So verschieden die Energiegenos- senschaften auch sein mögen – sie al- le ermöglichen das gemeinsame En- gagement verschiedener Akteure vor Ort und vereinigen gesellschaft- liche, wirtschaftliche, kommunale und umweltpolitische Interessen. Sie steigern zudem die Akzeptanz für Erneuerbare-Energien-Projekte. Deutschlandweit sind bereits mehr als 100 000 Menschen in Energiege- nossenschaften engagiert – Tendenz steigend. Die Genossenschaften ha- ben bis heute rund 1 Mrd. Euro in er- neuerbare Energien investiert. Sie produzieren bereits jetzt mehr Strom, als in den Haushalten ihrer Mitglieder verbraucht wird. Energie- genossenschaften werden damit zu einem wichtigen Treiber der dezen- tralen Energiewende.

verbraucht wird. Energie- genossenschaften werden damit zu einem wichtigen Treiber der dezen- tralen Energiewende.

B 6 Börsen-Zeitung Nr. 127

Sonderbeilage

Sonnabend, 6. Juli 2013

Zukunftsmarkt mit nachhaltigem Renditepotenzial

Investitionen in Energie- und Umwelt-Infrastruktur bieten Anlegern große Chancen – Green-Tech-Branche ist stark wachsender Markt

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Weltbank und führende Unternehmens- und Politikberatun- gen sind sich einig: Energie und Um- welt sind die beiden Bereiche, die von enormer Bedeutung für die wei- tere Entwicklung globaler Wirt- schaftskreisläufe sind. Die Herausfor- derungen der Zukunft mit zuneh- mender Urbanisierung und Ressour- cenknappheit können nur gemeis- tert werden, wenn ein konsequentes Umdenken zugunsten erneuerbarer Energien und ressourcenschonen- den Umweltmanagements stattfin- det. Der erhöhte Investitionsbedarf in Energie- und Umweltinfrastruktur kann ohne das Engagement von pri- vaten Investoren nicht gedeckt wer- den – hier liegen große Chancen für Anleger.

Neubau und Ersatz nötig

In den kommenden Jahrzehnten wird in den Industrieländern Bedarf an Ersatzinvestitionen in Infrastruk- tur bestehen. In den Schwellen- und Entwicklungsländern sind dagegen durch das rasante Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum und die sich verbessernden Lebensumstände neue Investitionen in Versorgungs-, Bau-, Telekommunikations- und Transportinfrastruktur nötig. Die In- dustrieländerorganisation OECD schätzt das weltweite durchschnittli- che Investitionsvolumen für neue In- frastruktur bzw. für die Instandhal- tung bestehender Infrastruktur für die Jahre 2010 bis 2030 auf jährlich etwa 1,8 Bill. Dollar. Wesentliche Treiber dieser Ent- wicklung sind die fortschreitende Globalisierung, der demografische Wandel und die energiewirtschaftli-

chen und ökologischen Veränderun- gen. Die höchsten Ausgaben werden für den Wassersektor prognostiziert (900 Mrd. Dollar pro Jahr). Der In-

vestitionsbedarf für die Energiever- sorgung wird jährlich auf rund 210 Mrd. Dollar geschätzt.

Ein Haupttreiber für die- sen enormen Investiti- onsbedarf ist die fort- schreitende Urbanisie- rung und das Entstehen zahlreicher Mega-Citys. Seit 2007 leben mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gebieten, Tendenz stark steigend. Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass es 2015 bereits weltweit 300 Millionenstädte

geben wird. Laut OECD-Schätzungen belaufen sich die in städtischen Gebieten erforder- lichen Infrastrukturinvestitionen bis 2030 weltweit auf mehr als 40 Bill. Dollar. Der bisherige Investitionsbe- darf für Wohnungs- und Bürobau, Hafenkapazitäten und Wasserversor- gungen wird sich weltweit auf 20 Bill. Dollar jährlich verdoppeln. In- nerhalb der Städte werden 85 % mehr Fläche für Wohn- und Gewer- begebiete benötigt, und der Wasser- bedarf der Städte wird bis 2025 um 80 Milliarden Kubikmeter wachsen.

ten Jahren stark zugenommen und wird weiter wachsen. Die OECD schätzt, dass allein China im Zeit- raum von 2003 bis 2030 über 2 Bill. Dollar in Anlagen zur Elektrizitätser- zeugung und -verteilung investieren

zur Elektrizitätser- zeugung und -verteilung investieren Von Markus Pimpl Senior Vice President Investment Solutions

Von

Markus Pimpl

Senior Vice President Investment Solutions bei der Partners Group

wird. Denn Chinas jährliche Wachs- tumsrate beim Elektrizitätsver- brauch stellt mit 4,5 % (Indien:

4,9 %) fast die höchste Rate in den Schwellenländern dar. Aber auch in den Industriestaaten ist die Energie- infrastruktur ein großes Thema: So schätzt die OECD in den USA und Ka- nada Investitionen in Höhe von nahe- zu 2 Bill. Dollar. Zentrale Kostentrei- ber sind dabei die Versäumnisse in der Vergangenheit, da vorhandene Anlagen nicht ausreichend instand gehalten bzw. Ersatzinvestitionen vernachlässigt wurden. Um die Energiewende mit erneuer- barer Energie zu schaffen, müssen nicht nur hohe Investitionen in de- ren Erzeugung, sondern auch in ein modernisiertes Stromnetz mit intelli- genter Netz- und Verbrauchssteue- rung getätigt werden. Da regenerati- ver Strom nicht immer zu Spitzenver- brauchszeiten erzeugt wird, braucht es neue Speichermöglichkeiten so- wie neue Konzepte zur intelligenten,

China zeigt es deutlich

Das Beispiel China zeigt diese Ent- wicklung besonders deutlich: 2030 werden laut der Unternehmensbera- tung McKinsey eine Milliarde Men- schen in chinesischen Städten leben, davon sind 221 Millionenstädte (in Europa sind es aktuell 35). Der Be- darf an Investitionen im Energie- infrastrukturbereich hat in den letz-

effizienten Energienutzung. Die Energiewende bietet also viele Zu- kunftschancen im Bereich umwelt- freundliche Energien und Energie- speicherung, Energieeffizienz, Roh- stoff- und Materialeffizienz, nachhal- tige Mobilität und nachhaltige Was- serwirtschaft. Laut dem Bericht „GreenTech Made in Germany 3.0“ des Bundesministeriums für Um- welt, Naturschutz und Reaktorsicher- heit (BMU) aus dem Jahr 2012 ist die sogenannte Green-Tech-Branche ein stark wachsender Markt mit ei- nem globalen Volumen von knapp 2 Bill. Euro, und für 2025 werden welt- weite Umsätze von 4,4 Bill. Euro er- wartet.

Wasserversorgung sichern

Rund 83 % der Weltbevölkerung haben Zugang zu sauberem Wasser und lediglich 58 % zu sanitären Ein- richtungen. In den Entwicklungslän- dern herrscht der größte Nachholbe- darf. Im Jahr 2025 werden laut OECD die Landwirtschaft (Anteil von 70 bis 75 % des globalen Wasser- verbrauchs), die Industrie (20 %) und die privaten Haushalte (5 bis10 %) zusammen bis zu 40 % mehr Wasser zur Sicherung des Le- bensstandards beanspruchen, als es heute der Fall ist. Die weltweite Wasserverfügbar- keit ist seit 1950 gesunken und wird bis 2030 weiter sinken. Bis 2030 wird die Wasserverfügbarkeit pro Kopf in den Industriestaaten um bis zu 40 % geringer sein als 1959. Ein hoher Investitionsbedarf besteht zur Erschließung neuer Quellen sowie zur Verbesserung der Versorgungsin- frastruktur. Weil die Wasserleitun- gen zum Teil noch aus dem 19. Jahr- hundert stammen, versickern bei- spielsweise in England und großen

Teilen der USA jährlich bis zu 50 % des geförderten Wassers. Die OECD geht für die nächsten 20 Jahre zur Si- cherung der Wasserversorgung von einem jährlichen Volumen für Infra- strukturinvestitionen von über 600 Mrd. Dollar aus. Genauso wichtig ist auch die Ab- wasserentsorgung, wo die Schwel- lenländer den größten Nachholbe- darf haben. In diesem Bereich wer- den bis 2025 in China über 200 Mrd. Dollar an Ausgaben erwartet, in Indi- en circa 100 Mrd. Dollar und in den USA über 150 Mrd. Dollar.

Müll besser verwerten

Nach Daten der Weltbank und der Bank of America Merrill Lynch fielen im Jahr 2010 weltweit etwa 3,5 Milli- onen Tonnen Müll am Tag an, davon allein in den OECD-Ländern 1,56 Millionen Tonnen. Im Jahr 2025 wird sich der täglich produzierte Müllberg mit 6 Millionen Tonnen fast verdoppelt haben. Der Abfall der rasant wachsenden Metropolen in den Schwellenländern wird sich in dieser Zeit verdoppeln, teilweise gar verdreifachen. Weltweit werden derzeit nur 25 % des Mülls verwer- tet. Dabei lediglich 7 % des Industrie- mülls, 10 % des Abfalls der Kommu- nen und 15 % des elektronischen E-Mülls. Daran zeigt sich das lang- fristige Wachstumspotenzial der Ent- sorgungs- und Recyclingbranche. Angesichts dieser Entwicklungen stehen der Energie- sowie der Ver- und Entsorgungssektor vor großen Herausforderungen – vor allem bei der Finanzierung der notwendigen Investitionen in vorhandene und neu zu schaffender Infrastruktur. Banken ziehen sich verstärkt aus der Finanzierung von Infrastrukturpro- jekten zurück, und angespannte

Staatshaushalte lassen wenig Spiel- raum für Investitionen. Sowohl Industrienationen als auch Schwellenländer sind auf priva- te Investoren angewiesen. Insbeson- dere Unternehmen im Bereich Ener- gienetze, Speicherung und Nutzung sowie Ver-/Entsorgung und Recy- cling haben gute Entwicklungsper- spektiven. Daher ist gerade Kern- infrastruktur für Anleger langfristig interessant. Dazu zählen Transport (z. B. Mautstraßen, Flughäfen, See- häfen), Ver- und Entsorgung ( Strom- netze, Öl- und Gas-Pipelines, Wasser- netzwerke, Müllentsorgung, Recy- cling), Kommunikation (Sendemas- ten, Kabelnetzwerke, Satellitensyste- me) sowie öffentliche Einrichtungen (Schulen, Regierungsgebäude). Börsennotierte Infrastrukturbetrei- ber in diesen Segmenten agieren meist in einem monopolistischen Umfeld, unterliegen daher einer ge- ringen Nachfrageelastizität und wei- sen auf Basis von langfristigen, häu- fig inflationsgekoppelten Verträgen oder infolge von Regulierung planba- re zukünftige Erträge auf. So finden sich hier Eigenschaften wie zum Bei- spiel geringere Konjunktursensitivi- tät, stabile Cash-flows sowie weitge- hend inflationsgeschützte Erträge. Zur Auswahl eines renditeorientier- ten Kerninfrastruktur-Portfolios ist sektorspezifisches Know-how im Be- reich privater und börsennotierter In- frastruktur erforderlich. Dazu zäh- len insbesondere lokale Expertise über Regulierungen und Konzessio- nen in den einzelnen Märkten sowie Analyseerfahrung in der Bewertung von Infrastrukturanlagen. Ange- sichts der OECD-Prognosen ist der Energie- und Ver-/Entsorgungssek- tor ein langfristig attraktives Anlage- segment mit nachhaltigen Ertrags- chancen.

Strommarktliberalisierung nur teilweise geglückt

15 Jahre Wettbewerb in Deutschland – Bundesnetzagentur spielt zentrale Rolle – Mehr Flexibilität ermöglichen, Kosten gleichmäßiger verteilen

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Als die Bundesrepublik vor 15 Jah- ren ihren monopolistisch geprägten Strommarkt auf einen Schlag öffne- te, waren die Erwartungen groß. Aus geschlossenen Versorgungsge-

kushima (Japan) im März 2011 be- schloss die Bundesregierung den endgültigen Atomausstieg: Acht Kraftwerke gingen sofort vom Netz, bis 2022 soll auch das letzte Atom-

kraftwerk abgeschaltet sein. All das hat nicht nur dazu ge-

kraftwerk abgeschaltet sein. All das hat nicht nur dazu ge- Von Andreas Hergaß Mitglied des Vorstands

Von

Andreas Hergaß

Mitglied des Vorstands der Ensys AG

führt, dass die alten Ver- sorgungsstrukturen in Deutschland aufgebro- chen wurden und die Marktmacht der großen Erzeugerkonzerne RWE, Eon, EnBW und Vattenfall Europe Risse bekam. Vielmehr rufen die Entwicklungen neue Anbieter mit innovati- ven Konzepten auf den Plan, die den Gedanken eines freien Marktes

rufen die Entwicklungen neue Anbieter mit innovati- ven Konzepten auf den Plan, die den Gedanken eines
rufen die Entwicklungen neue Anbieter mit innovati- ven Konzepten auf den Plan, die den Gedanken eines

bieten sollte ein Markt des fairen Wettbewerbs werden. Doch diese Entwicklung lässt in Teilen noch heu- te auf sich warten. Zwar haben zahl- reiche Gesetzesänderungen, vor al- lem aber der Atomausstieg und die Energiewende, für Bewegung am Markt gesorgt. Jedoch haben sich günstigere Strompreise zumindest für die Verbraucher noch nicht durchgesetzt. Ein Grund, die Liberali- sierung als missglückt zu bezeich- nen, ist das aber noch lange nicht.

Marktmacht bricht

Vier große Konzerne sind es im- mer noch, die mit einem Marktanteil von 80 % den größten Teil des Stroms in Deutschland erzeugen. Wer sich anschaut, was sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehn- ten beim Absatz für Strom und Gas getan hat, muss dem Markt eine ge- wisse Dynamik zusprechen. Die regu- latorischen Rahmenbedingungen ha- ben sich fortlaufend verändert: Nach der Liberalisierung des Strommark- tes 1998 folgte bereits 2000 die Ein- führung des Erneuerbare-Ener- gien-Gesetzes (EEG). Die damit an- geordnete bevorzugte Einspeisung von nachhaltig erzeugtem Strom stellte Versorger, Netzbetreiber und Händler gleichermaßen vor neue Herausforderungen. 2004 wurde dann der Gasmarkt geöffnet. Ein Jahr später setzte das Energiewirt- schaftsgesetz (EnWG) europäische Richtlinien in nationales Recht um. Nach der durch ein Erdbeben aus- gelösten Reaktorkatastrophe in Fu-

endlich umsetzen. Zwar hat die einst so vielverspre- chende deutsche Solarbranche bis ins Jahr 2008 Umsatzrekorde an Um- satzrekorde gereiht und sich zeitwei- se sogar als Weltmarktführer gese- hen. Sie hat sich jedoch zu früh auf ihrem Erfolg ausgeruht und mit Fehl- investitionen letztlich ihre Beweg- lichkeit insbesondere in der späten Konsolidierungsphase seit 2010 ein- gebüßt. Doch sie ist ein gutes Bei- spiel dafür, dass – wenn aus den Feh- lern gelernt wird – ein freier Strom- markt an einem technisch hoch ent- wickelten Standort wie Deutschland gelingen kann.

Großes Angebot für Kunden

So gehört die Bundesrepublik heu- te zu den vielfältigsten Energiemärk- ten Europas. Rund 300 Stromerzeu- ger, mehr als 900 Netzbetreiber und über 1 000 Stromlieferanten sorgen für ein großzügiges Angebot. Diese hohe Anzahl von Marktteilnehmern deutet darauf hin, dass der Wettbe- werb auf den unterschiedlichsten Stufen der energiewirtschaftlichen Wertschöpfung funktioniert. Das bekommen auch die Verbrau- cher zu spüren, zumindest im Hin- blick auf die Anbietervielfalt. Laut Bundesnetzagentur (BNetzA) kön- nen Haushaltskunden im Durch- schnitt aus 147 Anbietern je Netzge- biet wählen. Auch die Wechselhür- den wurden erheblich reduziert. Im EnWG ist festgelegt, dass Stromkun- den jederzeit innerhalb von drei Wo- chen ihren Lieferanten wechseln kön- nen. Davon machen sie auch Ge-

brauch: Die Zahl der Stromanbieter- wechsel unter den Endverbrauchern ist zwischen 2006 und 2011 gemäß Monitoringbericht 2012 der BNetzA fast um das Fünffache gestiegen. So haben im Jahr 2011 mehr als 3,8 Mil- lionen Lieferantenwechsel stattge- funden – fünf Jahre zuvor waren es erst 800 000. Allein gegenüber 2010 war dies ein Zuwachs von 27 %. Die Situation aller Marktteilneh- mer hat sich in dieser Hinsicht also verbessert. Die vier großen Energie- konzerne samt Vertriebstöchtern ver- sorgten 2011 nur noch rund 40 % (Stand 2010: 43,8 %) der privaten Haushalte. Einen Teil davon allein deshalb, weil sie aufgrund ihres öf- fentlichen Auftrags zur Stromversor- gung noch immer eine besondere Po- sition innehaben: Jeder Stromabneh- mer ist gesetzlich einem Grundver- sorger zugeordnet, solange er sich nicht von selbst an einen anderen An- bieter wendet. Wenn also der Ver- braucher von seinem Recht Ge- brauch macht, seinen Stromanbieter selbst zu wählen, ist der freie Markt tatsächlich in den privaten Haushal- ten angekommen.

Alles gut, bis auf den Preis

Haushal- ten angekommen. Alles gut, bis auf den Preis trie zu spüren, die – um nicht

trie zu spüren, die – um nicht ins steuergünstigere Ausland abzuwan- dern – von der Bundesregierung im großen Stil mit Sonderregelungen privilegiert wird. So haben Verbraucher wie auch kleine und mittlere Unternehmen zwar die Möglichkeit, aus einer Viel- zahl an Anbietern und Tarifmodel- len zu wählen. Über den Preis ent- scheiden können sie dadurch aber

nur geringfügig. Das ist die Kehrsei- te der Entwicklung, die gleichzeitig eine große Herausforderung dar- stellt. Damit steigende Kosten nicht zulasten der Akzeptanz einer atom- stromfreien Zukunft gehen, muss die Energiewende effizienter gestal- tet werden. Der Staat verspielt sonst womöglich die Chancen eines freien Marktes, der so vielversprechend ist wie noch nie – auch aus europäi-

scher Sicht. Hier ist die Politik gefor- dert: Der Strompreis muss in einem verträglichen Bereich bleiben. Um die Energiewende als eines

der größten wirtschaftspolitischen Projekte der Bundesrepublik nachhal- tig zum Erfolg zu führen, muss also auf politischer Ebene noch viel passie- ren. Dabei spielt die Bundesnetzagen- tur eine zentrale Rolle. Der leitungs-

gebundene Strommarkt muss mehr Flexibilität ermöglichen, um mittel- ständische Energieanbieter nicht nur am Ende der Wertschöpfungskette, sprich in der Belieferung der Endkun- den, mitspielen zu lassen. Auch dür- fen die Kosten nicht nur auf den Schultern der Verbraucher und des Mittelstandes lasten. Wenn die Bun- desregierung Angst hat, dass die gro- ßen Industriekonzerne abwandern, dann muss umgedacht, nicht einfach nur umgelegt werden. Fairer Wettbe- werb ist und bleibt das Schlüsselwort – unter Rahmenbedingungen, die al- len Marktteilnehmern die gleichen Möglichkeiten bieten. Dann kann der Strommarkt sich gesund entfalten und Deutschland mit seiner Energie- politik zu einem Vorbild für Europa machen.

Wirklich motiviert, sich damit aus- einanderzusetzen, sind die Verbrau- cher jedoch erst, seit sie eine Verteue- rung von Strom spüren. Die Einmi- schung durch den Staat hat nämlich dazu geführt, dass das wichtigste Merkmal eines freien Marktes auf der Strecke geblieben ist: die freie Preisgestaltung. Stromproduzenten, Netzbetreiber und der Staat geben hier den Ton an. Die Anbieter selbst haben indes auf den Strompreis zum großen Teil gar keinen Einfluss. Der Anteil von Steuern und Abga- ben sowie gesetzlich regulierten Be- standteilen am Strompreis ist in den vergangenen 15 Jahren um fast 30 % gestiegen. 1998 lag er noch bei weni- ger als 50 %, im Jahr 2013 dagegen bei mehr als 75 %. Steuern, Abga- ben, Umlagen sowie gesetzlich regu- lierte Preisbestandteile machen also rund drei Viertel des Strompreises für Endverbraucher aus. Zuletzt war es die drastische Erhöhung der EEG-Umlage, die für Diskussionen gesorgt hat. Betroffen sind davon vor allem kleinere und mittlere Un- ternehmen sowie private Haushalte. Eine Preisentlastung bekommt allen- falls die verbrauchsintensive Indus-

Evolution statt Revolution

Fortsetzung von Seite B 4

zu senken. Statt harter Einmalein- schnitte sollte schrittweise und vor allem verlässlich vorgegangen wer- den. Der Grundsatz lautet „Evoluti- on statt Revolution“. Natürlich kön- nen die Vergütungen im EEG abge- senkt werden, um Mitnahmeeffekte zu vermeiden, um die Kosten in Grenzen zu halten, die ja am Ende die Verbraucher über die EEG-Umla- ge bezahlen müssen. Dazu müssen sich die erneuerbaren Energien Schritt für Schritt in den Markt inte- grieren. Die optionale Direktvermarktung der erneuerbaren Energien sollte ausgeweitet werden. Direktvermark- tung ist einer der entscheidenden Schlüssel. Mit ihr müssen die Anla- genbetreiber ihren Strom verstärkt am Markt anbieten und auch direkt auf Preissignale reagieren. Die Pro- blematik des klassischen EEG, bei der ohne Rücksicht auf den tatsächli- chen Bedarf erzeugt wird, könnte da-

durch zu einem großen Teil ent- schärft werden – ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wir brauchen auch weiterhin An- reize für einen gezielten und intelli- genten Ausbau der erneuerbaren Energien. Beispiel: Windenergie. Ein weiterer Zubau darf nicht nur auf ho- her See erfolgen und damit aus- schließlich in Norddeutschland, wäh- rend im süddeutschen Binnenland der Zubau zum Erliegen kommen würde. Das wäre kontraproduktiv – sowohl für die Windenergie insge- samt als auch für die wünschenswer- te stärkere regionale Diversifizie- rung der Windenergie, die zu einer Verringerung des Netzausbaubedar- fes beitragen könnte. Statt Einschnitten bei der Förde- rung wäre zur Kostendämpfung bei der Windenergie die Einführung ei- nes atmenden Deckels, ähnlich wie bei der Photovoltaik, ein gangbarer Weg. Durch die höhere Berechenbar- keit entstünden bei Investoren weni- ger Risiken als bei massiven kurzfris-

tigen Förderkürzungen. Mit einer Überarbeitung des Referenzertrags- modells könnte zudem die Förde- rung über ein Stauchungsmodell so angepasst werden, dass stärkere An- reize zum Ausbau von Binnenland- standorten gesetzt werden. Sinnvoll bleibt auch der Vorschlag einer Über- arbeitung der Befreiungen von der EEG-Umlage sowie eine Einbezie- hung des Eigenverbrauchs in die Fi- nanzierung des Umbaus des Energie- systems.

Markt neu designen

Die ganze Energiebranche wartet also auf die Reform des EEG und auf die Grundlagen des neuen Markt-De- signs. Der Orientierungspunkt dafür lautet: Wir brauchen ein wettbe- werbsorientiertes und kosteneffizien- tes Marktmodell, in dem sowohl er- neuerbare Energien als auch konven- tionelle Kraftwerke ihren Platz fin- den. Am Ende werden wir feststel- len: Und sie bewegt sich doch!

Sonnabend, 6. Juli 2013

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 127 B 7

Asset-Finance-Modelle als Motor der Energiewende

Gesamtpaket gerade bei größeren und langfristigen Finanzierungen schwierig zu schnüren – Leasing-Unternehmen können als Finanzier einspringen

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Leasinggesellschaften investieren in Deutschland jährlich rund 50 Mrd. Euro im Auftrag ihrer Kunden. Auch vor dem Hintergrund des enormen Finanzierungsbedarfs im Energie-

Doch gerade in diesem Bereich fällt es immer mehr Kommunen und Un- ternehmen schwer, geeignete Finan- zierungspartner zu finden. Neben dem Know-how für die Fi- nanzierung sind auch die besonde- ren Anforderungen in

Fi- nanzierung sind auch die besonde- ren Anforderungen in Von Wolf-Rüdiger Stahl Leiter des Bereichs Energie

Von

Wolf-Rüdiger Stahl

Leiter des Bereichs Energie der DAL Deutsche Anlagen-Lea- sing GmbH& Co. KG

den jeweiligen Märkten erfolgskritisch. Auch aus Sicht eines Finan- ziers ist es unbedingt notwendig, die durch- aus vorhandenen Fall- stricke des Erneuerba- re-Energien-Gesetzes (EEG) genau zu beherr- schen wie auch die tech- nischen Daten und Leis- tungskennziffern von Anlagen beurteilen zu können. Dieser steigen-

schen wie auch die tech- nischen Daten und Leis- tungskennziffern von Anlagen beurteilen zu können. Dieser
schen wie auch die tech- nischen Daten und Leis- tungskennziffern von Anlagen beurteilen zu können. Dieser

markt spielen Asset- und Cash- flow-basierte Finanzierungslösun- gen eine immer wichtigere Rolle. Ge- rade bei den großvolumigen Investi- tionen werden sachkundige, langfris- tige Partner gesucht, deren Experti- se weit mehr als nur den Finanzie- rungsaspekt abdeckt.

Enormer Finanzbedarf

Das Energiekonzept 2050 der Bun- desregierung sieht bis zum Jahr 2020 einen Anteil an der Stromer- zeugung aus erneuerbaren Energien (EE) von 35 % vor – gemessen am Bruttostromverbrauch. Aktuell sind es 17 %. Das Investitionsvolumen für die Energiewende ist enorm. Der Bundesverband Erneuerbare Ener- gien e. V. beziffert die kumulierten realen Gesamtinvestitionen bis 2020 auf rund 235 Mrd. Euro. Laut Schät- zungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes beträgt allein das Investitionsvolumen in die erfor- derliche Netzinfrastruktur über 22 Mrd. Euro. Es besteht also erhebli- cher Finanzierungsbedarf für groß- volumige, langfristige Investitionen.

de Komplexitätsgrad von Big Tickets im Bereich der erneu- erbaren Energien kann von Banken, aber auch Kommunen oder investiti- onswilligen Unternehmen nicht im- mer vollständig bewältigt werden. Als Asset-orientierte Finanziers kön- nen Leasingunternehmen mit ihrem Expertenwissen für alle Beteiligten echte Mehrwerte schaffen.

Leasing bietet viele Optionen

In der Regel bieten Leasinggesell- schaften die Wahl zwischen der Struk- turierung von auf die Besonderheiten des EEG abgestellten Investitionskre- diten oder entsprechenden Leasing- und Mietkauflösungen. Hier können dann weitere Effekte genutzt werden. Steuerliche Optimierung, Kosten- transparenz, Pay-as-you-earn-Effekte oder die Bilanzneutralität der Investi- tion sind mögliche Stichworte. Darü- ber hinaus ermöglicht gerade die lea- singtypische Eigentümerstellung des Leasinggebers im Vergleich zu einer klassischen Finanzierung eine andere Risikoeinschätzung, die letztendlich für den Kunden auch zu einer opti- mierten Konditionsgestaltung und Ri-

sikostruktur führen kann. Leasing- strukturen können so helfen, die Fle- xibilität und Investitionskraft zu erhö- hen, und damit die Wettbewerbsfä- higkeit sichern.

Engpass bei Kommunen

Die Energiewende macht nicht nur Investitionen in innovative Ener- gietechnik notwendig. Im Zuge von Rekommunalisierungstendenzen soll in den kommenden Jahren die Eigenstromerzeugung regionaler, ge- gebenenfalls kommunalnaher Ver- sorger beziehungsweise von Stadt- werken in vielen Gegenden Deutsch- lands deutlich erhöht werden. Kom- munen haben die Option, Versor- gungsnetze zurückzukaufen oder Stadtwerke neu zu gründen. Diese Transaktionen sind nicht ausschließ- lich über die normale Kommunalfi- nanzierung oder die klassische Un- ternehmensfinanzierung auf der Bi- lanz der kommunalen Unternehmen realisierbar. Zeitgleich sind einige in diesem Bereich bisher tätige, überregionale

Projektbeispiele

Photovoltaikanlagen Windkraftanlagen (onshore/offshore) Biomasseheizkraftwerke Biogasanlagen Bioenergieparks/-dörfer Pumpspeicherkraftwerke Rückkäufe von Versorgungsnetzen Neugründung von Stadtwerken

Finanziers dabei, ihre Marktpräsenz deutlich zu reduzieren, auch als Fol- ge eines Anfangsbooms im Bereich der erneuerbaren Energien mit der

Folge sehr hoher Portfolios. Neben diesem Engpass führen die langen Laufzeiten der Amortisation und dar- aus abgeleitet eine „passende“ lang- fristige Finanzierungsstruktur zu ei- ner zunehmenden Verknappung der Ressource „Refinanzierungsmittel Energiewende“. Als regional aufgestellter Verbund ist die Sparkassenorganisation ein „natürlicher“ Finanzierungspartner der sich ergebenden dezentralen In- vestitionsvorhaben. Aber auch die Gemeinsamkeiten auf Gesellschafter- seite machen die Institute der S-Fi- nanzgruppe und deren Verbundpart- ner zu einem naheliegenden Partner von regionalen Versorgern oder Stadtwerken. Gefragt sind zuneh- mend strukturierte Asset-Finance-Lö- sungen: Leasing, Investitionskredit oder Mietkauf sind mit einer Lauf- zeit von bis zu 17 Jahren möglich. Asset-Finance-Partner wie die DAL unterstützen auch bei der Orga- nisation von Finanzierungskonsorti- en als wichtigem Baustein der Reali- sierung der Energiewende. Allein die Stadtwerke in Deutschland inves- tieren jedes Jahr rund 6 Mrd. Euro und begleiten vermehrt Erneuerba- re-Energie-Projekte. Aber auch bei den Verantwortlichen in den Kom- munen nimmt die Wahrnehmung strukturierter Finanzierungsformen als echte Alternative zu klassischen Darlehen deutlich zu. Regionale Unterschiede bedingen unterschiedliche technische und da- mit wirtschaftliche Anforderungen an einzelne Energieerzeugungsanlagen – somit auch regional unterschiedli- che Chancen und Risiken. Diese standortbezogenen Besonderheiten wirtschaftlich und technisch fundiert zu bewerten, bedarf besonderer Ex- pertise. Gerade deswegen kann eine Leasinggesellschaft der richtige Part- ner sein: Objekt-Know-how und die Erfahrung mit solchen Großprojekten bringen Asset-orientierte Finanzie- rungspartner von Haus aus mit. Diese

bewerten mögliche Investitionsrisi- ken und geben Tipps für Alternativen sowie zur Einbindung geeigneter För- dermittel. Dabei stehen neben den bereits er- heblichen Anstrengungen und Inves- titionen im Bereich der erneuerba- ren Energien weitere Investitionen im Bereich der konventionellen Ener- gieerzeugung an. Mehr als die Hälfte aller deutschen Kraftwerke wurde vor über 25 Jahren erbaut – der Kraftwerkspark ist insgesamt überal- tert. Die Sanierung von bestehenden Kraftwerken ist nötig, um die Strom- versorgung in der Zukunft zu si- chern und die Energiegewinnung ef- fizienter zu gestalten. Aber auch Um- weltgesichtspunkte, wie die Redukti- on der Schadstoffemissionen, sind von großer Bedeutung.

Reserven heben

Ein weiterer Baustein zur Finanzie- rung grüner Wachstumsinvestitio- nen könnte das sogenannte Sa- le-and-lease-back (SLB) sein. Hier wird das im Eigentum eines Energie- versorgungsunternehmens befindli- che Investitionsobjekt von der Lea- singgesellschaft zum aktuellen Ver- kehrswert erworben und über den Leasingvertrag dem Nutzer wieder zur Verfügung gestellt. Dabei kön- nen die kundenindividuellen rechtli- chen und steuerlichen Gegebenhei- ten optimal berücksichtigt und Reser- ven gehoben werden. Das haben auch die Stadtwerke Leipzig genutzt, die ein Gas- und Dampfkraftwerk (GuD-Kraftwerk) mit Gesamtinvestitionskosten von 87 Mill. Euro an die DAL verkauft und über einen zwölf Jahre laufen- den Immobilien-Leasingvertrag zu- rückgeleast haben. Unsere Aufgabe war dabei die Projektsteuerung, Ar- rangierung und Strukturierung ei- ner Konsortialfinanzierung, bei der mehrere Finanzierungspartner betei- ligt waren, unter anderem die Ham-

burger Sparkasse und die Sparkasse Leipzig. Im Wesentlichen gewinnt der Kun- de beim SLB Liquidität und damit Handlungsspielraum. Die aufgelös- ten stillen Reserven können steuer- neutral aufgedeckt und dazu ge- nutzt werden, Wachstum zu finanzie- ren oder bestehende Finanzierungen abzulösen. Darüber hinaus ist es ei- ne Möglichkeit, auch noch nach vie- len Jahren die Trennung von Betrieb und Besitz durchzuführen bzw. bei- zubehalten. Sofern ein Off-Balan-

„Als Asset-orientierte Finanziers können Leasingunternehmen mit ihrem Experten- wissen für alle Beteiligten echte Mehrwerte schaffen.“

ce-Effekt gewünscht wird, können wichtige Bilanzkennziffern positiv beeinflusst und das Rating des Unter- nehmens optimiert werden. Doch Vorsicht: Sale-und-lease-back ist kein Rettungsanker für ertrags- und bonitätsschwache Unternehmen. Grundlage für die Vertragsentschei- dung ist auch für einen Leasinggeber ein zukunftsfähiges Konzept und po- sitive Ertragserwartungen. Gerade für größere Investitionen und langfristige Finanzierungen bleibt es schwierig, die Gesamtfinan- zierung sicherzustellen. Ein Asset-Fi- nance-Partner wie die DAL kann durch die Rolle eines Arrangeurs in- nerhalb der Sparkassen-Finanzgrup- pe, seine Kompetenz im Bereich des Investitionsgutes sowie der Kenntnis- se des Energiemarktes helfen, die Umsetzung von Großtransaktionen zu erleichtern.

Investitionsgutes sowie der Kenntnis- se des Energiemarktes helfen, die Umsetzung von Großtransaktionen zu erleichtern.

B 8 Börsen-Zeitung Nr. 127

Sonderbeilage

Sonnabend, 6. Juli 2013

Investitionen in effiziente Anlagentechnik lohnen sich

Wirtschaftliche Modernisierung der Energieversorgung mit Contracting – Contractor trägt finanzielle und technische Risiken – Kundenorientiert e Umsetzung

Börsen-Zeitung, 6.7.2013 Steigende Energiekosten, veraltete Anlagentechnik sowie anspruchsvol- le Vorschriften zum energetischen Standard von Gebäuden rücken im- mer mehr in den Fokus der Immobili-

Beim Contracting werden eigene Aufgaben im Bereich der Energiever- sorgung auf ein Dienstleistungsun- ternehmen übertragen. In erster Li- nie stellt der Contracting-Geber

bzw. der Contractor hier Wärmeliefe- rungen, die mit Biome-

bzw. der Contractor hier Wärmeliefe- rungen, die mit Biome- Von Jörn-Erik Mantz Kaufmännischer

Von

Jörn-Erik Mantz

Kaufmännischer

Geschäftsführer der

RWE Energiedienst-

leistungen GmbH

than auch regenerativ erzeugt werden können, Kälte-, Druckluft- sowie die gemeinsame Strom- und Wärmeerzeugung durch Kraft-Wär- me-Kopplung zur Verfü- gung. Ebenso kann der Contractor entspre- chend den jeweiligen Kundenwünschen auch die Planung, den Bau, den Betrieb sowie die Fi- nanzierung der Anlagen-

entspre- chend den jeweiligen Kundenwünschen auch die Planung, den Bau, den Betrieb sowie die Fi- nanzierung
entspre- chend den jeweiligen Kundenwünschen auch die Planung, den Bau, den Betrieb sowie die Fi- nanzierung
entspre- chend den jeweiligen Kundenwünschen auch die Planung, den Bau, den Betrieb sowie die Fi- nanzierung
entspre- chend den jeweiligen Kundenwünschen auch die Planung, den Bau, den Betrieb sowie die Fi- nanzierung
entspre- chend den jeweiligen Kundenwünschen auch die Planung, den Bau, den Betrieb sowie die Fi- nanzierung

eneigentümer und -betreiber. Sie werden vor die Herausforderung ge- stellt, die eigene Energieversorgung möglichst effizient zu gestalten und dabei stets die Gesamtwirtschaftlich- keit der Maßnahme im Blick zu be- halten – oft unter erheblichem Zeit- und Personalaufwand. Und doch lohnt es sich, über Investitionen in ei- ne effiziente Anlagentechnik nachzu- denken, um langfristige Einsparun- gen zu erzielen. Denn nicht zuletzt hängen auch Attraktivität und damit die Vermietbarkeit vieler Objekte vom energetischen Zustand des Ge- bäudes ab. Allerdings wird eine hocheffiziente Energieversorgung häufig erst durch komplexe und da- mit einhergehend oft kostenintensi- ve Anlagentechnologie ermöglicht. Hier bietet das sogenannte Contrac- ting eine lohnende Lösungsalternati- ve. Mit diesem Modell lassen sich Im- mobilien mit modernster Technik ausstatten, ohne hohe Investitions- kosten zu verursachen. Neben finan- ziellen Vorteilen profitieren Contrac- ting-Kunden zudem von deutlichen Effizienzsteigerungen und einer ver- besserten CO2-Bilanz.

technologie überneh- men. Professionelle Energiedienst- leister bieten dabei den Kunden von Anfang an die Wahlfreiheit, welche Brennstoffe und Technik zum Ein- satz kommen, welche Partnerunter- nehmen aus Planung und Handwerk eingebunden werden und welches Unternehmen für die Energieliefe- rung zuständig ist. Ein gelungenes Beispiel für eine derartige Contracting-Lösung ist das Seniorenzentrum „Haus Maria Rast“ in Telgte. Aufgrund der über 50 Jah- re alten Bausubstanz sowie des de- mografischen Wandels und des da- mit einhergehenden steigenden Be- darfs nach altersgerechten Wohnge- legenheiten entschieden sich die Ver- antwortlichen für eine Erweiterung und Modernisierung der Einrich- tung. Zudem sollte das Gebäude aus energetischen wie aus betriebswirt- schaftlichen Gründen nach der Sa- nierung dem anspruchsvollen Stan- dard eines „KfW-Effizienzhauses“ entsprechen. Eine detaillierte Begut- achtung des Gesamtkonzeptes führ- te schließlich zu der Entscheidung, die Modernisierung der Energiever- sorgung im Rahmen eines Contrac-

tings durchzuführen. Bei diesem Mo- dell übertrug das Seniorenzentrum Planung und Installation sowie für ei- nen festgelegten Zeitraum auch den Betrieb und die Wartung der neuen Anlagentechnik an die RWE Energie- dienstleistungen GmbH (RWE ED). Damit tragen wir während der ver- einbarten Contracting-Laufzeit von 15 Jahren sowohl die finanziellen als auch die technischen Risiken. Im Gegenzug hat sich das Zentrum wäh- rend dieser Zeit verpflichtet, die mit Hilfe der modernisierten Anlage er- zeugte Wärme zu vereinbarten Kon- ditionen abzunehmen, und profitiert dabei von günstigeren und langfris- tig planbaren Kosten.

Liquidität bleibt erhalten

Auf diese Weise war die Einrich- tung in der Lage, eine neue, überwie- gend regenerative Wärmeversor- gung zu erhalten, ohne eigene Inves- titionsmittel aufbringen und binden zu müssen. Hierdurch stand ein grö- ßerer finanzieller Spielraum für zu- sätzliche Dämmmaßnahmen zur Ver- fügung, die den Wärmebedarf im Ge- bäude und die damit verbundenen Kosten weiter reduzierten. Im Ergeb- nis erfüllte das Seniorenzentrum den energetischen Standard eines „KfW-Effizienzhauses 85“ und konn- te daraufhin die hieraus resultieren- de Förderung in Form von zinsgüns- tigen Krediten und einem Tilgungs- zuschuss von 15 % in Anspruch neh- men. Im Zuge der Modernisierung wur- den drei aus den siebziger und neun- ziger Jahren stammende Erdgaskes- sel demontiert und durch eine Pellet- kesselanlage in Kombination mit zwei Pufferspeichern sowie einem erdgasbetriebenen Brennwertkessel ersetzt. Mit einer Leistung von 300 kW deckt der innovative Pelletkes- sel, der sich durch eine patentierte Rotationsfeuerung und einen hohen Wirkungsgrad auszeichnet, rund

und einen hohen Wirkungsgrad auszeichnet, rund Das nach den Standards eines „KfW-Effizienzhauses 85“
und einen hohen Wirkungsgrad auszeichnet, rund Das nach den Standards eines „KfW-Effizienzhauses 85“

Das nach den Standards eines „KfW-Effizienzhauses 85“ modernisierte Se-

niorenzentrum „Haus Maria Rast“ in Telgte

Foto: RWE ED

90 % des Wärmebedarfs des Senio- renzentrums ab. Zwei Pufferspei- cher mit einem Volumen von jeweils 2 900 Liter sorgen für eine effiziente Betriebsweise des Pelletkessels auch im Teillastbereich. Ergänzt wird die Heizzentrale durch einen erdgasbetriebenen Brennwertkessel, der die Pelletanla- ge zu Spitzenlastzeiten unterstützt. Zur Gewährleistung einer jederzeit sicheren und unterbrechungsfreien Wärmeversorgung des Seniorenzen- trums garantiert der Brennwertkes- sel mit einer Leistung von 311 kW zu- dem die volle Redundanz des Ge- samtsystems. Aufgrund der beeng- ten Platzverhältnisse im Bestand wurde die Heizzentrale in einem neu errichteten Technikraum instal- liert, in dem ebenfalls etwa 30 Ton- nen Pellets gelagert werden. Die De- montage der Altanlage sowie der Umbau und die Montage der neuen Heiztechnik erfolgten dabei wäh- rend des laufenden Betriebs der Ein- richtung.

Alles aus einer Hand

Neben der Planung und Installati- on der neuen Wärmeversorgung sind wir während der gesamten Ver- tragslaufzeit auch für den Betrieb und die Wartung der Anlagentech- nik zuständig. Dies beinhaltet eben- falls die Sicherstellung eines ausrei- chenden Pelletvorrats und die Ent- sorgung der nach dem Brennvor- gang verbleibenden Asche. Eine ho- he Betriebssicherheit des Systems ge- währleisten darüber hinaus eine Fernüberwachung mit automati- scher Störmeldefunktion sowie ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst. Im Rahmen eines zusätzlich vereinbar- ten Energie-Controllings werden des Weiteren sämtliche Anlagenwerte und Verbrauchsdaten kontinuierlich erfasst, dokumentiert und analy- siert. Auf diese Weise finden eine lau- fende Überwachung und Optimie-

rung der hocheffizienten Wärmever- sorgung des Seniorenzentrums statt. Immobilieneigentümer und -be- treiber sind in erster Linie daran in- teressiert, dass ihr Gebäude mög- lichst nachhaltig und innovativ ist. Direkt danach stellt sich natürlich auch die Frage der Finanzierung. Mo- dernisierung mit zukunftsweisender Technologie auf Basis regenerativer Energien und insbesondere wie in diesem Fall mit dem Einsatz eines Pelletkessels in einem Contrac-

sich der Contractor auch um den kompletten Anlagenbetrieb inklusi- ve beispielsweise der Pelletbevorra- tung sowie um die Wartung. Auf die- se Weise werden die Immobilienei- gentümer und -betreiber deutlich entlastet und können sich weiterhin auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Beitrag zum Klimaschutz

Und durch die Übernahme der Finanzierung der Anlagenmoderni- sierung versetzten wir den Eigentü- mer des Seniorenzentrums etwa in die Lage, das hierdurch freigeworde- ne Kapital in zusätzliche energeti- sche Maßnahmen zu investieren. Da- durch profitiert auch der Pächter gleich doppelt von niedrigeren Be- triebskosten – einerseits als Folge der hohen Energieeffizienz der neu- en Anlage und andererseits durch den geringeren Wärmebedarf, der wiederum aus dem erhöhten energe- tischen Standard des modernisierten Seniorenzentrums resultiert. Zudem leistet die Einrichtung einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz, denn die CO2-Ersparnis fällt bei der überwie- gend regenerativen Wärmeversor- gung jährlich um rund 140 Tonnen höher aus als bei einer herkömmli- chen Erdgaskesselanlage. Damit trägt das Seniorenzentrum den As- pekten Wirtschaftlichkeit, Nachhal- tigkeit und Innovation zugleich in vorbildlicher Weise Rechnung. Wir haben in der Vergangenheit ei-

Weise Rechnung. Wir haben in der Vergangenheit ei- Mit der Leistung von 300 kW deckt der

Mit der Leistung von 300 kW deckt der Pelletkessel, der sich durch eine pa- tentierte Rotationsfeuerung und einen hohen Wirkungsgrad auszeichnet,

rund 90 % des Wärmebedarfs des Seniorenzentrums ab.

Foto: RWE ED

ting-Projekt umzusetzen bietet sich vor diesem Hintergrund als eine äu- ßerst attraktive Lösung an. Die für das Objekt Verantwortli- chen müssen sich zum Beispiel keine Sorgen darüber machen, ob die neue Technik ausreichend dimensioniert ist. Hier können sie sich gänzlich auf die langjährige Erfahrung des Ener- giedienstleisters verlassen, der vor dem Hintergrund eines wirtschaftli- chen Betriebs die Anlageneffizienz optimal auf das jeweilige Gebäude abstimmt. Darüber hinaus kümmert

ne Vielzahl vergleichbarer Projekte erfolgreich in die Praxis umsetzen können und stellen fest, dass das In- teresse an individuell ausgelegten Contracting-Lösungen stetig steigt. Ein solches Konzept eignet sich da- bei nicht nur für private Immobilien- eigentümer und -betreiber, sondern bietet auch für kommunale Liegen- schaften wie Schulen oder Schwimm- bäder eine attraktive Alternative auf dem Weg zu einer hochmodernen, si- cheren und wirtschaftlichen Energie- versorgung.

Der Bürger als Investor

Fortsetzung von Seite B 5

Chancen und Risiken birgt, ist die Strukturierung sorgfältig an den Ein- zelfall anzupassen. Die Fallstricke sind vielfältig: Wer schlicht Geldein- lagen einwirbt, betreibt schnell Bank- geschäft – und braucht dafür eine Banklizenz. Wer dagegen gesell- schaftsrechtliche Beteiligungen ver- treibt, ist regelmäßig gehalten, ei- nen Prospekt zu erstellen, der sehr strikten Anforderungen genügen muss und mit strengen Haftungsre- gelungen einhergeht. Nicht zuletzt ändert sich auch die Gesetzeslage immer wieder. So wur- de 2012 das Finanzvermittler- und Vermögensanlagerecht neu geord- net. Nun ist eindeutig festgelegt, dass auch die Ausgabe von Genuss- rechten und Namensschuldverschrei- bungen prospektpflichtig ist. Unmittelbar vor der Tür steht zu- dem die vom Bundestag am 16. Mai 2013 verabschiedete Umsetzung der

Investment-Fund-Manager-Richtli-

nie (AIFM) ins deutsche Recht, wel- ches am 22. Juli 2013 in Kraft tritt. Das neue Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) sieht umfangreiche Verwal- tungs-, Registrierungs- und Risiko- vorschriften vor, die nach Umset-

zung des entsprechenden Gesetzes auch die bislang weitgestehend unre- gulierten geschlossenen Fonds be- treffen. Gleichzeitig beschränkt es die Fremdfinanzierungsquote bei ge- schlossenen Publikumsfonds auf

60 %. Dies birgt das Risiko, dass be- sonders teure Projekte wegen eines Mangels an Eigenkapital auch dann nicht realisiert werden können, wenn zum Beispiel über ein Bürger- beteiligungsmodell der Finanzbe- darf eigentlich weitestgehend ge- deckt werden könnte. Zudem wird auch die Möglichkeit entfallen, geschlossene Fonds in ande- ren Rechtsformen als einer Invest- mentaktien- oder einer Investment- kommanditgesellschaft aufzulegen. Geschlossene Fonds in Form etwa ei- ner GbR sind dann nicht mehr zuläs- sig. Vor dem Beginn des Vertriebs ei- nes Fonds wird schließlich ab dem 22. Juli 2013 für viele Fonds eine Ver- triebserlaubnis bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Ba- Fin) eingeholt werden müssen, die die Billigung des Verkaufsprospektes ersetzt. Allerdings gibt es auch im An- wendungsbereich des KAGB eine Rei- he von Ausnahmeregelungen, Vor- schriften zum Bestandsschutz sowie Schonfristen. Ob der Anwendungsbe- reich des KAGB eröffnet ist und gege- benenfalls die dort vorgesehenen Ver- günstigungen in Anspruch genom- men werden, hängt von dem einzel- nen Geschäftsmodell, dem gewählten Investmentvehikel und dem jeweili- gen Anlagekonzept ab. Bei der Wahl der Strukturierung ist deshalb insbesondere zu berück- sichtigen, welche einzelnen Pflich- ten mit dem jeweiligen Beteiligungs- modell verbunden sind und welcher

Aufwand wiederum mit der Erfül- lung dieser Verpflichtungen einher- geht. Je nach Größe des Projekts und des Investorenkreises sowie der jeweiligen Mindestbeteiligungshöhe kann dabei auch eine steuerlich pas- sende Beteiligungsstruktur gewählt werden, bei der die gesetzlichen Auf- lagen in einem vernünftigen Verhält- nis zur Wirtschaftlichkeit der gewähl- ten Finanzierung stehen.

An Pilotprojekten orientieren

Unabhängig von der rechtlichen Ausgestaltung wird es für den Erfolg der entsprechenden Beteiligungsmo- delle wesentlich darauf ankommen, ob Pilotprojekte wie die TenneT Bür- gerleitung für die beteiligten Partei- en erfolgreich laufen und sich als Konzept zur zumindest teilweisen Ablösung der traditionellen Fremdfi- nanzierung etablieren. Zwar ist zu erwarten, dass solche Projekte vor al- lem im Bereich des Netzausbaus we- gen der großen Volumina und des komplexen Risikoprofils bestimmter Technologien nur ergänzend und re- gional erfolgversprechend umge- setzt werden können. Jedoch steht außer Frage, dass sie bei entspre- chender Strukturierung und Berück- sichtigung der Anlegerinteressen ei- nen sinnvollen Beitrag zur Finanzie- rung und vor allen Dingen zur Schaf- fung von Akzeptanz für die Durch- führung dieser Vorhaben in der Be- völkerung leisten werden.