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Sonnabend, 29. Juni 2013

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 122 B 1

25 Jahre Dax

Aus einer Zeit „umstürzlerischer“ Veränderungen

Der Dax entstand 1988 im Zuge einer generellen Neugestaltung des Börsenwesens – Umgang der Menschen mit neuen Produkten und Techniken ist entscheidend

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Die Geschichte des Dax beginnt mit dem Börsenumbau 1985/1987 im Gefolge der Feierlichkeiten zum 400-jährigen Bestehen der Frankfur- ter Börse 1985. Erst mit diesen Bau- maßnahmen wurde die Möglichkeit geschaffen, den Übergang von der analogen zur digitalen Börsenwelt

einer erwarteten, aber keinesfalls si- cheren Entwicklung mussten viele Konflikte „analog gegen digital“ ge- löst werden, die der Öffentlichkeit weitgehend verborgen blieben, es aber an Heftigkeit nicht fehlen lie- ßen. Für die heutige Zeit bemerkens- wert dürfte auch sein, dass diese Auf- gaben von einer Hand-

voll Verantwortlicher

dass diese Auf- gaben von einer Hand- voll Verantwortlicher Von Manfred Zaß aus dem Ehrenamt, also

Von

Manfred Zaß

aus dem Ehrenamt, also ohne Erfolgsprämie oder Honorar, außer- halb der jeweiligen

aus dem Ehrenamt, also ohne Erfolgsprämie oder Honorar, außer- halb der jeweiligen

Hauptverantwortlich-

keit und gelegentlich zu selbst für Bankvorstän- de ungewöhnlichen Ta- geszeiten angegangen wurden. Wie dem auch sei, bald gab es die ers- ten Touchscreens, auf denen die amtlichen

Kurse der Maklerkam- mer und wenig später auch die „ver- teufelten“ außerbörslichen Freiver- kehrs-/Freimaklerkurse aller Betei- ligten angezeigt wurden. Das Kursin- formationssystem KISS, das im wei- teren Verlauf vom Interbanken-Infor- mationssystem IBIS abgelöst wurde, war geboren, es ging später in Xetra auf. Andere für damalige Verhältnisse „umstürzlerische“ Veränderungen wurden angegangen:

die Zusammenlegung von acht Kassenvereinen,„umstürzlerische“ Veränderungen wurden angegangen: die Vereinigung der beiden kon- kurrierenden Rechenzentren,

die Vereinigung der beiden kon- kurrierenden Rechenzentren,angegangen: die Zusammenlegung von acht Kassenvereinen, die Trennung der Börsen von der Trägerschaft der

die Trennung der Börsen von der Trägerschaft der Handelskam- mern,die Vereinigung der beiden kon- kurrierenden Rechenzentren, die Gründung der Deutschen Ter- minbörse GmbH durch sechs

die Gründung der Deutschen Ter- minbörse GmbH durch sechs Ban- ken,der Börsen von der Trägerschaft der Handelskam- mern, die Gründung der Deutschen Bör- se AG, die

die Gründung der Deutschen Bör- se AG,der Deutschen Ter- minbörse GmbH durch sechs Ban- ken, die Gründung der Deutsches Bör- senfernsehen GmbH,

die Gründung der Deutsches Bör- senfernsehen GmbH,sechs Ban- ken, die Gründung der Deutschen Bör- se AG, die Installation des Geregelten Marktes und

die Installation des Geregelten Marktes und später des Neuen Marktes,se AG, die Gründung der Deutsches Bör- senfernsehen GmbH, die Einführung von Wertpapierlei- he und Repo-Geschäften,

die Einführung von Wertpapierlei- he und Repo-Geschäften,des Geregelten Marktes und später des Neuen Marktes, die Abschaffung des Devisen-Fi- xing und der amtlichen

die Abschaffung des Devisen-Fi- xing und der amtlichen Börsenkur- se etc. pp.die Einführung von Wertpapierlei- he und Repo-Geschäften, Langjähriges Vorstands- mitglied der Deutschen

Langjähriges Vorstands- mitglied der Deutschen Girozentrale, bis 2002 Vorstandsvorsitzender der DekaBank

als seriöse Option überhaupt ins Au- ge zu fassen, eine Option, die da- mals eher den Charakter einer illusi- onären Vision als einer realistischen Planungsbasis hatte. Vorher muss- ten enorme Hindernisse im födera- len, maklerbasierten Präsenzbörsen- system mit Handelskammerdomi- nanz überwunden werden. Börsen- recht ist Länderrecht, und selbst Bun- desländer ohne eigenen Börsenplatz wollten eingebunden werden.

Schlag auf Schlag

Nachdem diese Voraussetzungen für eine generelle Neugestaltung der Börsenlandschaft geschaffen waren, ging es zum Ende der achtziger Jah- re Schlag auf Schlag, und die Börse des 20. Jahrhunderts mit viel Ge- schrei, mit per Kreide handgeschrie- benen Kursen auf Schultafeln, eben- falls handgeschriebenen Schluss- scheinen und amtlicher Kursfeststel-

„Da gleichzeitig die alten und neuen Medien die Börsen verstärkt entdeckten, wurde der Dax schnell zum Synonym für Finanzmarkt- tendenzen und zur indirekten Messlatte des wirtschaftlichen Befindens der Republik.“

lung für das zweistündige Börsenge- schehen wurde zum Auslaufmodell. Dabei muss man sich vor Augen hal- ten, dass es vor 25 Jahren so gut wie kein Mobiltelefon gab. PC, Laptop, iPad waren Fremdworte. Als mo- dernste Kommunikationsmittel gal- ten Faxgeräte in der Größe eines Kleiderschranks. Von dieser Aus- gangsbasis aus und im Windschatten

Kein Stein auf dem anderen

Kurz gesagt, es blieb bei der Neu- gestaltung des Börsenwesens kaum ein Stein der alten Strukturen auf dem anderen. In diesem Kontext der generellen Neuausrichtung wurde die publizitätswirksame Schaffung des Dax eigentlich als ein bedeutsa- mes Nebenprodukt, eher als eine Art „Beifang“ angesehen. Mit der Einführung der Computer- und Internetwelt wurde das Börsen- wesen weitgehend angloamerikani- siert, und in den beiden Finanzzen- tren dieser Länder gab es bereits be- kannte und fortlaufend berechnete Indizes, die der Information und dem Geschäft gleichermaßen dien- ten: den Dow Jones und den Financi- al Times Index „Footsie“. Mit den No- belpreisen von 1990 und 1997 wur- den die Portfoliotheorie und Options-

AUS DEM INHALT

Aus einer Zeit „umstürzlerischer“ Veränderungen Von Manfred Zaß

B1

Finanzkreislauf ist Lebenselixier für die Weltwirtschaft Von Joe Kaeser

B5

Indizes sind die Basis moderner Finanzanlagen Von Dr. Hartmut Graf

B2

Katalysator für den Erfolg von Unternehmen Von Dr. Werner Brandt

B6

Bayer und der Dax – eine gelungene Symbiose Von Werner Baumann

B2

Der Dax ist die Wiege der Zertifikate Von Dr. Hartmut Knüppel

B6

Chancen der Globalisierung genutzt Von Klaus Becker

B3

Außerbörslicher Handel ist neue Macht im Indexroulette Von Silke Schlünsen

B7

Der Dax ist eine Erfolgsgeschichte Von Wolfgang Matis

B4

Aktien sind unabdingbar für die Altersvorsorge Von Jens Wilhelm

B8

Von der Behörde zum Blue Chip Von Lawrence A. Rosen

B4

preismodelle hoffähig, damit wurde das Messen, Wiegen, Zählen und Ver- gleichen zum Tagesgeschäft und in Kombination mit dem Börsentermin- markt zum Treibsatz für alle mögli- chen Index-Dispositionen. Erstmals konnte man in Deutschland einen Markt über den Index per Termin kaufen und leerverkaufen. Eine Arbeitsgruppe von Fachleu- ten hatte im Jahr 1987 hervorragen- de Vorarbeit im Auftrag des Börsen- vorstands (öffentlich-rechtlich) ge- leistet, so dass der Dax am 1. Juli 1988 starten konnte und die Bör- sen-Zeitung- (früher Hardy-) und FAZ-Indizes ablöste bzw. verdräng- te. Da gleichzeitig die alten und neu- en Medien – auch nach dem Zusam- menbruch des kommunistischen Blocks – die Börsen verstärkt ent- deckten, wurde der Dax schnell zum Synonym für Finanzmarkttenden- zen und zur indirekten Messlatte des wirtschaftlichen Befindens der Repu- blik.

Ein Name mit X

Bevor es dazu kommen konnte, brauchte das Kind einen einprägsa- men und medienwirksamen Namen. Etwa eine Woche lang nach der Erst- berechnung wurde der neu geschaf- fene Laufindex unter dem Namen DAI veröffentlicht, so wie man eben

Abkürzungen produzierte. Dabei war vor allem das „D“ zunächst um- stritten, gab es doch börsenrechtlich keine deutschen Kurse, sondern le- diglich die unter Aufsicht der regio- nalen Maklerkammern errechneten

„Der Dax steht heute wohl auch ein wenig für die Fähigkeit eines Finanzmarktes, sich bei Bedarf not- falls gegen massive Widerstände zu reformieren.“

und veröffentlichten amtlichen Kur- se der acht Börsen. Daneben gefie- len sensiblen Zeitgenossen der „japa- nische“ Klang und die optische/akus- tische Nähe zum Börsenkürzel für Daimler nicht. Hier liegt der Grund, warum der Autor gebeten wurde, an dieser Stel- le etwas zur Geschichte des Dax zu schreiben: Er hat damals angeregt, den letzten Buchstaben von „Index“ zu wählen. Damit war erstens eine

gedankliche Brücke zu einem neben Bulle, Bär und Ibis sympathischen Tier, aber auch zu einem vernachläs- sigten Buchstaben geschaffen, der in „Exchange“ die neue Börsenwelt prägte. Bourse, Portefeuille, Parkett und Prämie beispielsweise wurden von Exchange, Portfolio, Floor und Option Price abgelöst, Englisch wur- de definitiv zur grenzüberschreiten- den Börsensprache. Dass das „X“ seit- her in vielen Börsen-Fachausdrü- cken eingesetzt wurde, bestätigt aber zweitens auch die These von der Symbolhaftigkeit dieses Buchsta- bens im Börsenumfeld.

Kollateralschäden möglich

Wenn also heute in den Medien davon gesprochen wird, der Dax (Dachs) sei ausgesetzt, sollte man sich erkundigen, ob es sich um das Börsentier oder um Meister Grim- bart aus der Fabel handelt. Zum 25. Geburtstag kann man dem Dax auf- grund der Erfolge der Vergangenheit nur gratulieren, und da er bereits ei- ne Dax-Familie um sich weiß, gilt das auch für seine Ableger. Er steht heute wohl auch ein wenig für die Fähigkeit eines Finanzmarktes, sich bei Bedarf notfalls gegen massive Wi- derstände zu reformieren. Dabei dürfte auf die dem Fabeltier zuge- schriebenen Eigenschaften – bedäch-

tig, ruhig, nachdenklich – bei künfti- gem Handlungsbedarf durchaus er- kennbar Bezug genommen werden. Dass die neue Finanzmarktarchi- tektur, aus deren Mitte der Dax als Mosaikstein hervorgegangen ist, nicht nur eine Sonnenseite hat, ist in den letzten Jahren schmerzhaft be- wusst geworden. Es sollte jedoch im- mer bedacht werden, dass nicht die neuen Produkte und Techniken in erster Linie auf den Prüfstand gehö- ren, sondern der Umgang der Men- schen mit ihnen, egal ob es sich da- bei um den handelnden, den beauf- sichtigenden, den gesetzgebenden, den kommentierenden oder den aus- bildenden Faktor Mensch handelt. Die Finanzmärkte neuer Prägung können neben allen Stärken natür- lich auch Kollateralschäden (eben- falls erstmals in den neunziger Jah- ren in den Sprachgebrauch einge- führt) nach sich ziehen. Der Dax dürfte jedoch von diesen Gedanken weit entfernt weiterhin seine Bahn ziehen und im Jahr 2038 „im besten Mannesalter“ immer noch als Indikator gefragt sein.

Der Autor gehörte von 1981 bis 1990 dem Präsidium des Frankfurter Bör- senvorstandes an und war von 1990 bis 2005 stellvertretender Aufsichts- ratsvorsitzender der Frankfurter Bör- se/Deutsche Börse AG.

an und war von 1990 bis 2005 stellvertretender Aufsichts- ratsvorsitzender der Frankfurter Bör- se/Deutsche Börse AG.

B 2 Börsen-Zeitung Nr. 122

Sonderbeilage

Sonnabend, 29. Juni 2013

Indizes sind die Basis moderner Finanzanlagen

Transparenter und kosteneffizienter Zugang zu globalen Investitionen – Klare Regeln, eine hohe Liquidität und innovative Konzepte machen die Indi zes attraktiv

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Wer eine neue Sprache lernt, trifft immer wieder auf folgendes Phäno- men: Es gibt Begriffe, die einen Tat- bestand in der einen Sprache treffen- der ausdrücken, als dies in der ande- ren möglich ist. Deutsche Wörter wie „Hinterland“ haben so ihren Weg ins amerikanische Englisch ge- funden. Guten Indizes kommt an den Finanzmärkten eine ähnliche Funktion zu: Sie beschreiben Märkte so treffend, dass sie sich kaum erset- zen lassen. Vielfach werden die ein- zelnen Märkte auch erst über die In- dizes definiert und damit investier- bar. Ein Beispiel hierfür ist der Eu- ro Stoxx 50-Index. Er startete schon vor dem Euro und ermöglichte da- mit frühzeitig Investments in den Ak- tienmarkt des Euroraums. Die Folge:

Heute werden Futures und Optionen im Volumen von mehr als 3,5 Bill. Euro auf den Index gehandelt. Auf diese Weise helfen die bekannten In- dizes, internationales Kapital anzu- ziehen und zu binden. Für den deut- schen Markt macht dies der Dax seit 25 Jahren. Klare Regeln, eine hohe Liquidität und innovative Konzepte sind Voraussetzung für den Erfolg der Indizes.

Indizes haben sich etabliert

Folgt man der Berichterstattung, verkürzt sich die Wahrnehmung der wichtigsten Finanzplätze und Märk- te häufig auf die Ausschläge der be- kanntesten Indizes. Dies greift sicher zu kurz. Fest steht jedoch, die be- kanntesten Benchmarks wie Dax, Eu- ro Stoxx 50, S & P 500 oder der Nik- kei-Index haben sich als Barometer für die Entwicklung der weltweit wichtigsten Aktienmärkte etabliert. Wichtig ist jedoch ihre Bedeutung als Grundlage für Finanzprodukte und Investments. Allein der größte Exchange Traded Fund (ETF) auf den Dax verwaltet so ein Vermögen von rund 13 Mrd. Euro. Insbesonde- re globale Investoren profitieren von

„Eine hohe Markt- abdeckung bei gleichzeitig geringen Anpassungen und Transaktionskosten zeichnet den Dax und andere Auswahlindi- zes aus.“

den Indexprodukten, da sie mit ih- nen einfach und effizient diversifizie- ren und breit in den jeweiligen Markt investieren können. Sie erhal- ten so die gewünschte Marktposition und können die aufwendige Analyse und die Risiken einer Auswahl ein- zelner Titel vermeiden. Ein Invest- ment in die jeweiligen Märkte wird damit einfacher, wovon nicht zuletzt die jeweiligen börsennotierten Unter- nehmen profitieren. Und die Investo- ren gewinnen durch die breitere Di- versifizierung, welche die höheren Risiken der Einzelmärkte ab- schwächt. Indizes müssen allerdings

eine Reihe Voraussetzungen erfül- len, um eine erfolgreiche Basis für die verschiedenen Finanzprodukte und damit die Grundlage internatio- naler Investments zu sein. Die verschiedenen Indizes verfol- gen teilweise sehr unterschiedliche Konzepte. Den Dax zeichnet seine

greifen die Anbieter daher auf eine Optimierung zurück und bilden klei-

nere Aktien erst gar nicht mit ab. Ma- nagementaufwand und Handelskos- ten lassen sich so reduzieren. Aus- wahlindizes wie der Dax oder Eu- roStoxx50-Index wählen dagegen le- diglich eine vergleichsweise geringe Anzahl der größten und

ben es daher nur wenige Unterneh- men geschafft, nach einem Aus- schluss aus dem Index wieder in die- sen zurückzukehren. Eine hohe Marktabdeckung bei gleichzeitig ge- ringen Anpassungen und Transakti- onskosten zeichnet somit den Dax und andere Auswahlindizes aus. Ganz ohne Indexkomitee kommt jedoch auch der Dax nicht aus. Dort wird wertvolle Arbeit geleistet, in- dem es die Indexregeln weiterentwi- ckelt und an das sich beständig ver- ändernde Marktumfeld anpasst. Zu- letzt wurden beispielsweise die In- dexregeln des Dax zum Umgang mit werthaltigen Bezugsrechten und zur Bestimmung des Umsatzschwer- punktes im Börsenhandel der Aktien weiter ausgearbeitet.

Konzepte weiterentwickeln

Ebenso wichtig wie die beständige Weiterentwicklung der Regeln des deutschen Leitindex ist es, die Index- familie um innovative Konzepte zu erweitern. Denn mit dem gestiege- nen Einsatz passiver Investments in allen Anlegergruppen wachsen auch die Anforderungen an die Indizes. In- vestoren wollen die liquiden sowie einfach und kostengünstig handelba-

ren Indexprodukte für taktische In- vestments nutzen. Die Indexfamilie Daxplus reflektiert diese Anforderun- gen. So unterstützen der LevDax und ShortDax mit unterschiedlich ge- hebelten sowie verschiedenen Short-Positionen effektiv kurzfristi- ge taktische Investments mit einem geringen Kapitaleinsatz. Durch die Indexprodukte lassen sich solche tak- tischen Optionen einfacher realisie- ren, was vor allem von professionel- len Investoren wahrgenommen wird. Darüber hinaus suchen Investo- ren beständig innovative Anlage- möglichkeiten mit neuen Chancen. Indexkonzepte unterstützen die In- vestoren hierbei mit regelbasierten und klar strukturierten Konzepten. Ein Beispiel sind Indizes, die nach Er- kenntnissen der Portfolio-Theorie zusammengestellt sind. Auf diese Weise können sie ein passives, regel- basiertes Investment mit einem mo- dernen Portfoliomanagement ver- binden. Auch hierfür finden sie Lö- sungen bei Strategieindizes. So set- zen Indizes wie der Daxplus Mini- mum Variance Erkenntnisse der Portfolio-Theorie um. Die Indizes minimieren die Volatilität, d. h. das Investitionsrisiko, behalten jedoch

den Investitionsschwerpunkt ihrer Portfolien bei und sprechen damit vorrangig langfristige Investoren an. Ein typisches anderes Beispiel ist der Daxplus Maximum Dividend In- dex, welcher Zugang zu einem Port- folio mit maximalen Dividendener- trägen bietet. Der Index wählt die 20 Unternehmen aus dem HDax aus, die in den kommenden sechs Monaten die höchsten erwarteten Dividendenrenditen bieten. Die Er- träge aus Ausschüttungen lassen sich somit maximieren. Die Beteili- gung an der langfristigen Wertent- wicklung der Unternehmen spielt da- gegen eine nachgeordnete Rolle, da das Indexportfolio beständig ange- passt wird. Solche innovativen Indexkonzep- te sind notwendig, um den Finanz- platz weiterhin attraktiv für interna- tionales Kapital zu machen. Denn das weiterhin dynamische Wachs- tum passiver Investments zeigt: In- vestoren suchen weltweit indexba- sierte Anlagemöglichkeiten. Eine Ab- bildung durch etablierte Auswahlin- dizes und innovative Indexkonzepte sind damit wichtige Erfolgsfaktoren für einen Finanzplatz – und werden in Zukunft weiter an Bedeutung ge- winnen.

– und werden in Zukunft weiter an Bedeutung ge- winnen. klare Regelbasiertheit aus. Auswahl und Gewichtung

klare Regelbasiertheit aus. Auswahl und Gewichtung der Indextitel erfol- gen hier nach klaren, objektiv nach- vollziehbaren Regeln. Anders sieht es beispielsweise bei den bekannten amerikanischen Benchmarks, Dow Jones Industrial Average und S & P 500 Index, aus. Bei ihnen ent- scheidet ein Indexkomitee über Auf- nahme und Ausschluss einzelner Ti- tel. Die Entscheidungen sind für den Markt daher häufig schwerer vorher- zusehen. Dies zeigt das Beispiel des ehemals weltgrößten Automobilher- stellers General Motors in der Fi- nanz- und Wirtschaftskrise. Wäh- rend das Traditionsunternehmen be- reits im Juli 2008 aus dem S & P 100, einer Benchmark für die 100 größ- ten US-Unternehmen, genommen wurde, zählte es fast ein Jahr länger zu den 30 Titeln im Dow Jones In- dustrial Average.

Überraschungen bleiben aus

Im Unterschied zu solchen diskre- tionären Entscheidungen greifen beim Dax die bekannten Entry- und Exit-Regeln. Sie legen anhand quan- titativer Kriterien fest, wann ein Ti- tel in den Index aufgenommen oder ausgeschlossen wird. Der Markt kann sich so, wie zuletzt bei den Dax-Aufstiegen von Continental und Lanxess geschehen, frühzeitig auf die Indexanpassungen vorbereiten. Dies gibt insbesondere den Emitten- ten von Indexprodukten, seien es De- rivate oder ETF, die Möglichkeit, sich hierauf einzustellen. Risiken und Kosten infolge der Anpassung des Indexportfolios werden so mini- miert – und das kommt dem Investor zugute, der diese (direkt oder indi- rekt) tragen muss. Die Anforderungen an die Indexre- geln sind hoch. Zudem sind Zielkon- flikte zu beachten. Zum einen sollen die Indizes möglichst exakt das je- weilige Marktgeschehen widerspie- geln. Gleichzeitig ist jedoch Kon- stanz in der Indexzusammensetzung gefragt. Denn ein beständiger Wech- sel der Indextitel zieht Anpassungen in den Portfolios der Emittenten und Investoren nach sich, wodurch die Transaktionskosten steigen. Diese fallen umso höher aus, je weniger li- quide die einzelnen Aktien im Index sind. Insbesondere bei der Abbil- dung sehr breit aufgestellter Indizes

Von

Hartmut Graf

CEO von Stoxx

liquidesten Unterneh- men aus. Die Auswahl bildet einen Großteil der gesamten Marktkapi- talisierung ab und stellt einen günstigen und effi- zienten Handel der ein- zelnen Indexkomponen- ten sicher. Zudem sehen die In- dexregeln etwa beim Dax einen „Puffer“ vor. Voraussetzung für einen Fast Entry ist beispiels-

Zudem sehen die In- dexregeln etwa beim Dax einen „Puffer“ vor. Voraussetzung für einen Fast Entry
Zudem sehen die In- dexregeln etwa beim Dax einen „Puffer“ vor. Voraussetzung für einen Fast Entry

weise, dass eine Aktie so- wohl bei Marktkapitalisierung als auch Börsenumsatz zu den 25 größ- ten Titeln gehört und damit mindes- tens fünf Unternehmen aus dem In- dex hinter sich lässt. Die Folge: Al- lein bei substanziellen Verschiebun- gen zwischen den Indextiteln kommt es zu Anpassungen. In der 25-jährigen Geschichte des Dax ha-

Bayer und der Dax – eine gelungene Symbiose

Gute Wechselbeziehung zwischen dem Index und seinen Mitgliedern – Unternehmen profitieren

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Als der Dax gestartet wurde, waren große Erwartungen damit verknüpft – er sollte so etwas wie der „Dow Jones des deutschen Aktienmarkts“ werden. Ein Vierteljahrhundert spä- ter ist klar, dass er diesen Erwartun- gen gerecht wurde: Der Dax ist heu- te weit über die einschlägigen Fi- nanzkreise hinaus bekannt und zu ei- nem Symbol geworden – nicht nur für das Auf und Ab der deutschen Börse, sondern auch für die Lage der gesamten deutschen Wirtschaft.

Aktie immer noch unpopulär

Angesichts dieser Erfolgsgeschich- te ist es verwunderlich, dass es um die Popularität der Aktie im Land nicht zum besten bestellt ist. Im in- ternationalen Vergleich hinkt Deutschland in dieser Hinsicht weit hinterher. Und die Zahl der Aktionä- re lag zuletzt mit rund vier Millionen wieder deutlich niedriger als auf dem Höhepunkt des New-Econo- my-Booms im Jahr 2000, als 6,2 Mil- lionen Deutsche der Aktie vertrau- ten. Dass das Potenzial der Aktie in Deutschland nicht zur Entfaltung kommt, liegt vor allem an ungünsti- gen Rahmenbedingungen. Positiv wirkt dagegen das Zusam- menspiel zwischen der Börse und den Unternehmen. So profitieren die Unternehmen von der Mitglied- schaft im Dax, weil der Index selbst eine starke Marke geworden ist. Zu- dem orientieren sich viele Banken und Investmentgesellschaften mit ih- ren Anlagestrategien an wichtigen Indizes und fragen die darin enthal- tenen Aktien verstärkt nach. Auf der

anderen Seite gilt aber auch, dass der beste Börsenindex nur so gut sein kann wie die Unternehmen, die in ihm enthalten sind. Man kann da- her sagen: Es besteht so etwas wie ei- ne symbiotische Beziehung zwi- schen dem Index und seinen Mit- gliedsunternehmen. Bayer ist ein hervorragendes Bei- spiel für diese Wechselbeziehung, als eines der gut ein Dutzend Unter- nehmen, die von Beginn an im Dax vertreten waren. Und auch Bayer fei- ert in diesem Jahr ein Jubiläum: Ge- gründet im Jahr 1863, also vor ge- nau 150 Jahren, brachte das Unter-

Werkself hat sich bekanntlich gera- de mit dem dritten Platz für die Champions League qualifiziert.

Pluspunkte auch für Aktionäre

Grundlage der Bayer-Aktienkultur

sind die langfristigen Erfolgsfakto- ren des Unternehmens – seine Inno- vationskraft, seine globale Präsenz und seine Anpassungsfähigkeit – so- wie ein ganz besonderes Verhältnis zu den Aktionären. Sehen wir uns diese vier Aspekte etwas genauer an. Erstens, Innovation: Neue Produk- te standen schon immer im Mittel- punkt der Geschäftstä-

auf Rekordniveau. Als der Familien- betrieb „Friedrich Bayer et Comp.“ im Jahr 1881 in eine börsennotierte Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, trauten wohl nicht viele dem Papier eine solche Karriere zu. In einer Analyse der Berliner „Allge- meinen Börsen-Zeitung“ im Jahr 1885 hieß es, die Zahlung einer Divi- dende sei auf Jahre hinaus zweifel- haft – falls das Unternehmen über- haupt noch so lang existiere. „Wer sich vor größeren Verlusten schüt- zen will, verkaufe seine Actien“, so die Empfehlung der Zeitung. Dass es anders kommen sollte, zeigte sich schon sehr bald. Ein Jahr später zahlte Bayer 4 % des Nennwerts als Dividende, sechs Jahre später sogar 18 %. Zweitens, globale Präsenz: Bayer entwickelte sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts zu einen internatio- nalen Unternehmen, und im Jahr 1913 stammten schon gut 80 % des Bayer-Umsatzes aus dem Export. Heute erzielen wir 88 % der Umsät- ze im Ausland, und fast 70 % der Be- schäftigten sind außerhalb Deutsch- lands im Einsatz. Die zunehmende Internationalität spiegelt sich in der Aktionärsstruktur: Lag der Auslands- anteil im Jahr 1972 noch bei 23 %, befinden sich mittlerweile mehr als 75 % der Bayer-Aktien in den Hän- den ausländischer Investoren. Die stärkere internationale Streu- ung der Aktionäre wurde dadurch unterstützt, dass die Bayer-Aktie an einer wachsenden Zahl internationa- ler Börsen gelistet wurde. So wurde sie just im Geburtsjahr des Dax als erster deutscher Industriewert in To- Fortsetzung Seite B 3

erster deutscher Industriewert in To- Fortsetzung Seite B 3 nehmen von Anfang an eine lange Historie

nehmen von Anfang an eine lange Historie industrieller Aktienkultur mit in den Dax. Heute spielt das Un- ternehmen in der „Bundesliga“ der deutschen Aktiengesellschaften vorn mit: Bei der Börsenkapitalisierung sind wir nach der aktuellen Free-Float-Berechnung der Deut- schen Börse die Nummer 1 im Dax – und damit, um die Parallele zum Sport weiterzuführen, sogar noch besser als unsere Fußballer. Die

Von

tigkeit von Bayer. Erst ging es um neue synthe- tische Farben, doch

Bayer ist heute ein Inno-

Werner Baumann

dann wurde schnell

Finanzvorstand der Bayer AG und Präsident des Deutschen Aktieninstituts (DAI)

klar, dass Chemie viel mehr konnte – systema- tisch wurden For- schungsaktivitäten auf- gebaut, die ersten Medi- kamente und Pflanzen- schutzmittel entdeckt. Und so ging es weiter:

vationsunternehmen,

dessen Geschäftsmodell darauf beruht, aus Spitzenfor- schung erstklassige Produkte zu ma- chen, die das Leben der Menschen verbessern. Daraus resultiert nach- haltige Wertschöpfung, und das ist die Basis unserer Aktienperfor- mance. Nachdem Industriewerte während des New-Economy-Booms plötzlich nicht mehr als interessant galten, scheinen die Anleger dies nun auch wieder anzuerkennen – schließlich notiert die Bayer-Aktie

als interessant galten, scheinen die Anleger dies nun auch wieder anzuerkennen – schließlich notiert die Bayer-Aktie

Sonnabend, 29. Juni 2013

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 122 B 3

Chancen der Globalisierung genutzt

Festlegung auf IFRS-Rechnungslegung hat geholfen – Regulatorischen Druck in Wettbewerbsvorteil ummünzen – Wertschöpfungskette professionelle r managen

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Im Geburtsjahr des Dax beginnt auch für die Deutsche Treuhand-Ge- sellschaft ein neuer Zeitabschnitt:

Vor genau 25 Jahren wurde unse- rem Firmennamen das Kürzel „KPMG“ vorangestellt. Kurz zuvor hatten sich die Gründerväter Klyn- veld, Peat, Marwick und Goerdeler aus den Niederlanden, Großbritanni- en, USA und Deutschland zu einem weltweiten Netzwerk unabhängiger Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zusammengeschlossen. Eine logi- sche Antwort auf die zunehmende Globalisierung: Viele unserer Man- danten hatten Tochtergesellschaften jenseits der heimischen Grenzen und erwarteten zu Recht, weltweit auf dem gleichen hohen Niveau ge- prüft und beraten zu werden.

lung wurde noch dadurch verstärkt, dass die US-amerikanische Börsen- aufsichtsbehörde SEC seit 2007 die ausschließliche Anwendung der IFRS für ausländische Emittenten ak- zeptiert. Mit zunehmender Internationali- sierung haben sich zugleich die regu- latorischen Rahmenbedingungen verschärft. Zahlreiche gesetzliche

durch die Optimierung ihres inter- nen Kontrollsystems nicht nur ihre Effizienz und ihre Performance ver- bessern, sondern nicht selten auch erhebliche Kosten einsparen. Diese Unternehmen haben es geschafft, die Umsetzung von regulatorischen Vorgaben in einen echten Wettbe- werbsvorteil umzumünzen. Inzwischen sind vor allem die Dax-Unternehmen auf

wa darüber nachdenken, in verschie- denen Ländern eigene Einkaufsorga- nisationen aufzubauen, statt sich auf einen einzigen Lieferanten zu verlas- sen. Supply Chain Management und Procurement werden so zu einer im- mer wichtigeren strategischen Unter- nehmensfunktion, die weit über die klassischen Aufgaben wie Kostenkon- trolle oder den Aufbau nahtloser Lie- ferketten hinausgeht.

Vorsprung durch Innovation

Bei allem Kosten- und Effizienz- druck, der nach wie vor groß ist: Die deutschen Konzerne haben die Be- deutung von Innovationen als Wachstumstreiber verinnerlicht. Bei den europäischen Patentanmeldun- gen lag Deutschland im letzten Jahr unangefochten an der Spitze. Und in einem von der EU-Kommission im März veröffentlichten Ranking zur Innovationskraft der 27 EU-Mitglie- der schaffte Deutschland erstmals den Sprung auf Platz 2 hinter Schwe- den. Neben den Investitionen in For- schung und Entwicklung hat Brüssel auch bewertet, inwieweit neue Ideen in marktfähige Produkte umge- setzt wurden. Es ist genau dieser Vorsprung durch Innovation, der unsere Unter- nehmen stark macht und der ihnen hilft, ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten zu sichern und aus- zubauen. Laut einer KPMG-Umfrage geht jedes zweite deutsche Industrie- unternehmen von einem Wiederan- stieg der Innovationsaktivitäten in den nächsten zwei Jahren aus, deut- lich mehr als im internationalen Ver- gleich. Ein gutes Signal. Investitionen in Zukunftsbran- chen, in Forschung und Entwicklung

sind für innovative Unternehmen ge- nauso unverzichtbar wie Investitio- nen in hervorragend ausgebildete Mitarbeiter. Übrigens: Auch kulturel- le Vielfalt kann ein wichtiger Kataly- sator sein für Innovationen. Viele Konzerne haben ein Diversity Ma-

„Bei allem Kosten- und Effizienzdruck, der nach wie vor groß ist: Die deutschen Konzerne haben die Bedeutung von Innovationen als Wachstumstreiber verinnerlicht.“

nagement entwickelt, das elementa- rer Bestandteil der Unternehmens- führung ist. Diese Unternehmen ver- stehen es, Wertschätzung in Wert- schöpfung zu verwandeln.

Umfassender berichten

Beim Blick in die Zukunft wird klar: Aktuelle Trends für eine effizi- ente, arbeitsteilige Leistungserstel- lung werden zu tiefgreifenden Verän- derungen der Abläufe auch in den Fi- nanzfunktionen führen. Die techno- logische Entwicklung in Form von Cloud Computing, E-Bilanz oder XBRL sorgt dafür, dass künftig im- mer mehr Daten immer leichter erho- ben und verarbeitet werden können.

Ob das alles aber auch für mehr Transparenz sorgt? Zweifel sind an- gebracht. Viele Kapitalmarktteilnehmer wünschen sich deshalb eine inte- grierte und aussagekräftigere Unter- nehmensberichterstattung. Wie die- se aussehen könnte, wird zurzeit in- nerhalb des International Integrated Reporting Council (IIRC) diskutiert. Bei diesem Pilotprogramm sind weit über 100 Investoren und Unterneh- men, darunter KPMG, engagiert. Im Mittelpunkt der Berichterstattung soll nach den Vorstellungen des IIRC die unternehmensspezifische Wert- schöpfungsgeschichte („Value Creati- on Story“) stehen, die umfassend darzustellen ist. Strategie, Geschäftsmodell sowie die daraus resultierenden Chancen und Risiken spielen dabei genauso ei- ne wichtige Rolle wie finanzielle und nicht finanzielle Leistungsindi- katoren. Das kann nicht unabhängig von einer entsprechend integrierten Unternehmensführung und -steue- rung erfolgen. „Integrated Repor- ting“ ist damit weit mehr als nur ei- ne Form der Berichterstattung. Bis zum 15. Juli hat die interessier- te Öffentlichkeit Zeit, zu den Vor- schlägen des IIRC Stellung zu neh- men. Eine gute Möglichkeit, die Zu- kunft der Unternehmensberichter- stattung aktiv mitzugestalten und ei- nen Beitrag zu leisten für mehr Transparenz. Wenn Geschäftsmodel- le und die damit verbundenen Chan- cen und Risiken besser dargestellt werden, steigt auch die Qualität der Aussagen über die künftige Entwick- lung eines Unternehmens und damit das Vertrauen und die Investitionsbe- reitschaft. All das ist wichtig für ei- nen funktionierenden Kapitalmarkt.

das ist wichtig für ei- nen funktionierenden Kapitalmarkt. Neuerungen sowie eine Konkretisie- rung der Pflichten durch

Neuerungen sowie eine Konkretisie- rung der Pflichten durch die Recht- sprechung zu Haftungsfragen haben nicht zuletzt auch zu einer Professio- nalisierung der Aufsichtsratstätig- keit geführt. Nehmen wir das wichtige Feld Compliance. Konzerne mit Tochter- gesellschaften im Ausland müssen nicht nur die nationalen Vorgaben, sondern auch internationale Rege- lungen beachten. Teilweise bean- spruchen diese, wie etwa der briti- sche Bribery Act, weltweit Geltung. Eine einzige Leistungserbringung in Großbritannien reicht aus und schon ist der Anwendungsbereich eröffnet.

Compliance wird wichtiger

Es ist erstaunlich, wie viele Unter- nehmen es geschafft haben, aus der Not eine Tugend zu machen. Sie ha- ben den regulatorischen Druck nicht einfach hingenommen. Sie haben ihn vielfach genutzt als Freiraum für notwendige Anpassungen. So wur- den etwa die Ausgaben für Risikoma- nagement- und Compliance-Projek- te durch sorgfältige Planung in stra- tegisch sinnvolle Investitionen umge- wandelt. Die Unternehmen konnten

Von

einem guten Weg, aus den zahlreichen „In- seln“ der Compliance –

Klaus Becker

vom Anti-Korrupti- ons-Management über

einen Code of Conduct bis hin zum Vertragsma- nagement – ein inte- griertes und robustes

Compliance-Manage-

ment-System zu schaf- fen. Mehr und mehr ver- langen sie auch von ih- ren Geschäftspartnern,

dass sie sich an Compli- ance-Regeln halten, und bauen ent- sprechende Klauseln in Verträge ein, wie die aktuelle „Compliance-Bench- mark-Studie“ von KPMG zeigt.

Sprecher des Vorstands der KPMG Wirtschafts- prüfungsgesellschaft

Firmen werden internationaler

Seitdem ist die Internationalisie- rung der im Dax vertretenen Konzer- ne konsequent vorangeschritten. Rund 75 % ihrer Umsätze erwirt- schaften sie inzwischen im Ausland, dort beschäftigen sie den überwie- genden Teil ihrer Mitarbeiter. Auch in den Leitungsgremien schlägt sich die Globalisierung nieder: Dax-Un- ternehmen haben den Anteil ihrer Vorstandsmitglieder und Aufsichtsrä- te mit ausländischen Wurzeln in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert. Zugleich sind Dax-Unter- nehmen durch ihre Öffnung immer attraktiver für internationale Investo- ren geworden: Sie besitzen schon heute mehr als die Hälfte der Anteile der im deutschen Leitindex notier- ten Konzerne. Zu dieser Entwicklung dürfte auch der Paradigmenwechsel in der Rechnungslegung beigetragen ha- ben. Für kapitalmarktorientierte Un- ternehmen in Europa wurden 2005 die International Financial Repor- ting Standards (IFRS) verpflichtend eingeführt. Seitdem sind die Ab- schlüsse von Unternehmen internati- onal besser vergleichbar. Den Dax-Konzernen hat das den Zugang zu den internationalen Kapitalmärk- ten erleichtert, von dem sie heute enorm profitieren. Diese Entwick-

Komplexe Anforderungen

Die zunehmende Globalisierung lässt die Anforderungen an die Un- ternehmen auch in anderen Berei- chen immer komplexer werden. So sind die Währungs- und Rohstoffrisi- ken großer Konzerne in den vergan- genen Jahren stark gestiegen, die Energieversorgung und nicht zuletzt die Überwachung der globalen Wert- schöpfungsketten stellen die Unter- nehmen vor große Herausforderun- gen. In Zeiten stark schwankender Rohstoffpreise müssen Konzerne et-

stark schwankender Rohstoffpreise müssen Konzerne et- Bayer und der Dax Fortsetzung von Seite B 2 kio

Bayer und der Dax

Fortsetzung von Seite B 2

kio eingeführt – damals die größte Börse der Welt. Damit wurde die Ak- tie 1988 schon an zehn ausländi- schen Börsen notiert, und weitere sollten folgen, darunter auch New York. Der Trend zur globalen Börsen- präsenz hat sich in den vergangenen Jahren allerdings umgekehrt. Auch Bayer hat sich von den meisten inter- nationalen Börsenplätzen mittlerwei- le wieder zurückgezogen. Durch die Vernetzung der Datensysteme ist es nicht mehr erforderlich, überall gelis- tet zu sein. Drittens, Anpassungsfähigkeit:

Ein Unternehmen, das über lange Zeiträume erfolgreich sein will, muss sich ständig an veränderte Be- dingungen anpassen. Bei Bayer gab es neben langen Phasen des evolutio- nären Wandels auch immer wieder tiefe Einschnitte, beispielsweise in den Jahren 2001/2002, als eine neue Holdingstruktur geschaffen und in den Folgejahren bei Zu- und Verkäufen ein Transaktionsvolumen von 43 Mrd. Euro bewegt wurde. Die- ser Konzernumbau illustriert auch die Bedeutung des Aktienmarkts als Finanzierungsinstrument: So war ei- ne Kapitalerhöhung bei der Akquisiti- on von Schering im Jahr 2006 ein wichtiger Bestandteil der Finanzie- rung, und auch bei der zusätzlich er- forderlichen Aufnahme von Fremd- kapital war es überaus hilfreich, auf eine langjährige Historie als börsen- notiertes Unternehmen und Dax-Mit- glied verweisen zu können. Und auch der Dax spiegelt selbst- verständlich die strukturellen Verän- derungen in der Unternehmensland- schaft: Bei aller internen Dynamik der einzelnen Mitglieder ist bemer- kenswert, dass weniger als die Hälf- te der 1988 aufgenommenen Fir- men heute noch dem Dax angehö- ren. Nach festgelegten Kriterien stei- gen regelmäßig neue Unternehmen in den Dax auf, während andere aus dem Index herausgenommen wer- den. Dieser Anpassungsmechanis- mus gewährleistet, dass der Dax im- mer die führenden Unternehmen enthält und damit die eingangs er-

wähnte Rolle als Indikator für die La- ge der deutschen Wirtschaft behält. Viertens, das Verhältnis zu den Ak- tionären: Bei Bayer ging die Bezie- hung zwischen dem Unternehmen und seinen Aktionären schon seit je- her über die reine Kapitalbeschaf- fung hinaus. In den fünfziger und sechziger Jahren vertrauten breite Bevölkerungskreise dem Unterneh- men ihr Erspartes an, die Bayer-Ak- tie entwickelte sich zu einer „Volks- aktie“. Günstige Wachstumsperspek- tiven und eine anlegerorientierte Di- videndenpolitik trugen dazu bei. Auch wurden Belegschaftsaktien früh Bestandteil der Bayer-Aktien- kultur.

Rahmenbedingungen ändern

Bayer hat also einiges dazu beige- tragen, die Aktie als Anlageinstru- ment in Deutschland zu etablieren. Und doch gibt es, wie eingangs schon erwähnt, an dieser Stelle noch ein erhebliches Steigerungspotenzi- al. Um hier Abhilfe zu schaffen, soll- ten vor allem die Rahmenbedingun- gen für die Aktie als Anlageklasse verbessert werden. Um nur ein Beispiel zu nennen:

Ein wesentlicher Grund für die gerin- ge Popularität der Aktienanlage liegt in der steuerlichen Behandlung von Eigenkapital, das in Deutschland ge- genüber Fremdkapital systematisch benachteiligt wird. Während bei- spielsweise Fremdkapitalzinsen weit- gehend steuerlich abzugsfähig sind, wird Eigenkapital doppelt besteuert:

einmal durch die Gewinnbesteue- rung beim Unternehmen und dann – im Falle einer Ausschüttung – noch einmal beim Anteilseigner. Ein Blick über die Grenze zeigt, wie es anders geht. So kann etwa in Belgien ein kalkulatorischer Zins auf das Eigenkapital von der Bemes- sungsgrundlage abgezogen werden. Dies fordert übrigens auch der Sach- verständigenrat für Deutschland, um die steuerliche Diskriminierung des Eigenkapitals zumindest teilwei- se zu beheben. Es wäre ein Beitrag zur Steigerung der Eigenkapitalquo- te in den Unternehmen – und letzt- lich auch zur Stärkung der Aktienkul-

B 4 Börsen-Zeitung Nr. 122

Sonderbeilage

Sonnabend, 29. Juni 2013

Der Dax ist eine Erfolgsgeschichte

Gestiegene Nachfrage ausländischer Investoren ist klares Bekenntnis zur Stärke des Index und seiner Mitglieder – Weltweit drittgrößtes Underlyin g für Derivate

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Als der Dax zum 1. Juli 1988 einge- führt wurde, konnte niemand ah- nen, welch einen Siegeszug dieser Aktienindex der 30 größten börsen- notierten deutschen Unternehmen hinlegen würde. Zu Beginn wurde der Dax eher unterschätzt; es schien, als sei nur ein weiterer Index zu den bereits bestehenden Indizes hinzuge- kommen. Andere Indizes zogen zu diesem Zeitpunkt mehr Aufmerksam- keit auf sich.

Bewegte Zeiten

Aus der Taufe gehoben hatten den Dax die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen, die Frankfurter Wertpapierbörse und

die Börsen-Zeitung. Die Indexbasis des Dax wurde per 31. Dezember

1987 auf 1 000 Punkte festgesetzt.

Zum offiziellen Start am 1. Juli 1988 stand der Dax bei 1 163,52 Punkten und hatte damit bereits eine beweg- te Zeit hinter sich. Am 19. Oktober

1987 hatte der Index anlässlich des

Schwarzen Montags in den USA ei- nen Tagesverlust von 9,39 % ver- zeichnen müssen. Knapp zwei Jahre später, am 16. Oktober 1989, brach der Dax sogar um 12,81 % ein, sein bis heute größter Tagesverlust. Rück- blickend erscheint der Auslöser hier- für eher marginal – Verhandlungen zur Rettung der US-Fluggesellschaft UAL waren zuvor gescheitert. Bis Anfang 2000 kannte der Index dann bekanntermaßen in der Sum- me nur eine Richtung: nach oben.

Am 20. März 1998 schloss der Dax zum ersten Mal über 5 000 Punkten. Nur knapp zwei Jahre später, am 7. März 2000, erreichte der Dax mit 8 136,16 Punkten im Handelsverlauf

einen für lange Zeit nicht mehr gese- henen Höchststand. In den darauffol- genden drei Jahren fiel der Dax um 72,7 %, bis er am 12. März 2003 bei einem Schlussstand von 2 202,96 Punkten die Talfahrt beendete. Allein in dieser Zeit, von 1998 bis 2003, bewirkten die hohe Volatilität

se an den Kapitalmärkten, wurde die Entflechtung der einstigen Deutsch- land AG unter dem damaligen Bun- deskanzler Gerhard Schröder poli- tisch auf den Weg gebracht und un- terstützt. Die gewährten Steuervor- teile für den Abbau der alten Über-

kreuzbeteiligungen deutscher Unter- nehmen kamen dem In-

kreuzbeteiligungen deutscher Unter- nehmen kamen dem In- Von Wolfgang Matis Sprecher der Geschäftsführung

Von

Wolfgang Matis

Sprecher der Geschäftsführung der DWS Investment

dex und den Investoren später zugute. Parallel hierzu hatten sich die Aktivitäten rund um eine Anpas- sung an internationale Standards in Fragen der Unternehmensführung weiter entwickelt. Die offizielle Erstveröffentli- chung des Deutschen Corporate Governance Kodex am 20. August 2002 fällt in die Zeit, als

offizielle Erstveröffentli- chung des Deutschen Corporate Governance Kodex am 20. August 2002 fällt in die Zeit,
offizielle Erstveröffentli- chung des Deutschen Corporate Governance Kodex am 20. August 2002 fällt in die Zeit,

und die extremen Kursschwankun- gen, dass sich die Investoreneinstel- lung zu Aktien grundlegend änder- te. Privatanleger, die zunächst vom Anlageinstrument Aktie begeistert waren, zogen sich mit den heftigen Kursrückgängen immer weiter aus Aktien und Aktienprodukten zurück. Nicht zuletzt die schlechten Erfah- rungen rund um den Telekom-Bör- sengang mit seinen drei Tranchen haben zu der nach wie vor von Zu- rückhaltung geprägten Haltung der Privatanleger zu Aktien beigetragen.

Spiegel der Wirtschaft

Mit dem Platzen der Internetblase in den Jahren 2000 bis 2003 hat sich auch die Unternehmenslandschaft in Deutschland grundlegend gewan- delt. Angestoßen durch die Ereignis-

sich der Dax von seinem Tiefstand im März allmählich zu er- holen begann. Das unterteilt die 25-jährige Geschichte des Dax, die ja auch eine Geschichte der jeweils in ihm gebündelten Unternehmen ist, in zwei Phasen: Bis zum Platzen der Internet-Blase war der Dax weitge- hend ein Spiegel der Deutschland AG mit ihren Überkreuzbeteiligun- gen und alten Seilschaften. Danach begann der internationale Siegeszug des Dax und der ebenfalls immer in- ternationaler agierenden deutschen Unternehmen. Im Zuge der Subprime-Krise in den USA im Sommer 2007 gerieten auch die Kurse deutscher Unterneh- men noch einmal kräftig unter Druck. Einem bis dato neuem Allzeit- hoch mit einem Schlusskurs von 8 105,69 Punkten am 16. Juli 2007 folgte ein Absturz um 54,8 % auf

3 666,41 Punkte am 6. März 2009. Bei all diesen Turbulenzen hatte sich etwas ganz grundlegend verändert:

Im Dezember 2007 waren die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen zum ersten Mal mehr- heitlich im Besitz ausländischer In- vestoren. Lag der Anteil 2005 noch bei rund 44 %, waren es 2012 bereits 58 %. Diese gestiegene Nachfrage ausländischer Investoren ist ein kla- res Bekenntnis zu der Stärke der Dax-Unternehmen – und damit auch ein Bekenntnis zum Dax. Inzwischen ist der Dax ein Index von Global Playern. Der Anteil von Finanzwerten ist, verglichen mit dem Anteil entsprechender Werte in anderen europäischen Aktienindi- zes, relativ gering. Umgekehrt ist der Anteil an Industriewerten ent- sprechend hoch. Dax-Unternehmen können heute international in ihren jeweiligen Vergleichsgruppen mithal- ten. Und während das Wachstum in Deutschland nur bei rund 1 % liegt, wachsen die Dax-Unternehmen kon- tinuierlich. Die Internationalisie- rung der Konzerne ist gelungen. Auch die Bemühungen, in Sachen Transparenz und Corporate Gover- nance mit den internationalen Kon- kurrenten Schritt halten zu wollen, zahlt sich heute aus.

Hohe Beständigkeit

Bei all den Veränderungen weist der Dax eine hohe Beständigkeit auf. Dass es im Zeitablauf zu Veränderun- gen in der Indexzusammensetzung kommt, ist den Auswahlkriterien ge- schuldet. Schließlich sollen im Dax die wirklich starken Unternehmen Deutschlands gebündelt werden. In einer Marktwirtschaft entwickeln

gebündelt werden. In einer Marktwirtschaft entwickeln sich Unternehmen unterschiedlich. Neue, starke Unternehmen

sich Unternehmen unterschiedlich. Neue, starke Unternehmen rücken in den Index auf und ersetzen solche mit nachlassender wirtschaftlicher Dynamik, die das Interesse der Inves- toren zunehmend verlieren. Darüber hinaus kommt es natürlich auch im Rahmen von Übernahmen zu Verän- derungen. Der Dax hat diese zeitnah und anhand der vorgegebenen Aus- wahlkriterien transparent vollzogen. Es spricht wieder für den Index, dass von der Start-Truppe des Dax sich immerhin noch 20 Unterneh- men im Dax wiederfinden, entweder unter ihrer ursprünglichen Firmie- rung oder inzwischen nach Fusionen unter neuer Flagge. Verschwunden sind lediglich die Bayerische Hypo- theken- und Wechsel-Bank, die Bay- erische Vereinsbank, Degussa, Deut- sche Babcock, Feldmühle Nobel, Hoechst, Karstadt, Kaufhof, Mannes- mann und Nixdorf. Heute ist der Dax einer der bedeu- tendsten Aktienindizes der Welt und Underlying für mehr als 50000 Fi- nanzprodukte. Er stellt damit das drittgrößte Underlying für Derivate weltweit dar. Die Aussichten, dass die Bedeutung des Dax weiter wächst, sind gut. Es hat sich in 25 Jahren aus-

gezahlt, dass er von Anfang an gut aufgesetzt war, dass an seinen Kons- truktionsmerkmalen wenig verändert wurde, und wenn – man denke an den Übernahmeversuch von Porsche an VW –, dann zum Wohle der Inves- toren. Dass der Dax zum dritten Mal den Stand von 8 000 Punkten über- schritten hat, ist ein gutes Zeichen. Und insbesondere stimmt optimis- tisch, dass dies ohne jede Euphorie ge- schah, mit niedrigen Bewertungsrela- tionen, in einem Niedrigzinsumfeld und mit einer historisch hohen Divi- dendenrendite von 3,5 %. Der Dax ist in seiner 25-jährigen Geschichte aus Sicht eines Langfrist- investors eine Erfolgsgeschichte. Bleibt zu hoffen, dass auch in Zu- kunft regulatorische Eingriffe wie die angedachte Finanztransaktions- steuer keinen Schaden an dieser Er- folgsgeschichte anrichten. Wenn dar- über hinaus im internationalen Kon- text noch mehr die Qualität dieses Börsenplatzes und seines führenden Index wahrgenommen werden, wer- den auch noch mehr Ausländer die- sen Börsenplatz für sich entdecken. Dem Dax dürfte dann für weitere er- folgreiche 25 Jahre nichts im Wege stehen.

Von der Behörde zum Blue Chip

Klares Leistungsversprechen schafft Vertrauen

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Der 20. November 2000 markierte für die damalige Deutsche Post AG den Beginn einer neuen Zeitrech- nung. Mit der erfolgreichen Börsen- einführung durch die Platzierung von zunächst 29 % des Aktienkapi- tals wurde der mehr als zehn Jahre zuvor eingeleitete Privatisierungs- prozess des ehemals staatlichen Un- ternehmens vorläufig gekrönt. Zu- gleich eröffnete der Börsengang dem Konzern die Chance, den mit

des Umsatzes und sage und schreibe 74,3 % des operativen Gewinns aus dem Briefbereich – einem Geschäft also, das durch die sukzessive Ab- schaffung des einstigen Monopols so- wie durch das unaufhaltsame Vor- dringen der digitalen Kommunikati- on zulasten des physischen Briefs vor gewaltigen strukturellen Herausfor- derungen stand. Auf das gesamte Lo- gistik- und Expressgeschäft entfielen damals nur 42 % des Umsatzes und gerade einmal 7% des operativen Ge- winns. Den Rest steuer-

te die Postbank bei. Zwölf Jahre später hat sich das Bild kom- plett gewandelt. Die Bank wurde im Zuge der notwendigen Fokus- sierung auf die Kernakti- vitäten erfolgreich ver- äußert. Das Briefge- schäft hat die Auswir- kungen sinkender Brief- volumina durch eine geschickte Diversifizie- rung – einerseits in die

elektronische Kommuni- kation, andererseits mit dem massi- ven Ausbau des vom boomenden E-Commerce getriebenen Paketge- schäfts – im Wesentlichen kompen- siert und sich auf einem respektablen Niveau stabilisiert. Seine relative Be-

deutung im Konzern ist hingegen deutlich gesunken: Der Briefbereich kommt heute nur noch auf einen Um- satzanteil von gut einem Viertel und trägt knapp 40 % zum Ergebnis bei. Die Logistik wiederum mit den drei DHL-Bereichen Express, Global For- warding & Freight sowie Supply Chain ist mittlerweile längst der Hauptumsatz- und Ergebnisbringer des Konzerns geworden – und mit ih- rem einzigartigen globalen Netzwerk auch der wichtigste Wachstumstrei- ber für Deutsche Post DHL. Die Wandlung vom Staatsunter- nehmen zum weltweit führenden Post- und Logistikkonzern drückt sich aber selbst in diesen gravieren- den Verschiebungen nur unzurei- chend aus. Die internen Veränderun- gen waren nicht minder tiefgrei- fend. Dabei spielte der Börsengang als Katalysator eine entscheidende Rolle. Er bedingte eine bis dahin nicht gekannte Öffnung nach außen. Potenziale und Defizite waren fort- an gleichermaßen transparent zu machen. Das Unternehmen musste sich – für börsennotierte Konzerne ei- ne Selbstverständlichkeit, für ein ehemaliges öffentliches Unterneh- men ein Kulturbruch – dem Urteil der Märkte und deren ganz eigenen Kriterien für Erfolg oder Misserfolg stellen. Die Exponiertheit, die mit der Zu- gehörigkeit zu einem der weltweit führenden Indizes einhergeht, wirk- te deshalb zunächst vor allem als Herausforderung, die Deutsche Post DHL jedoch konsequent angenom- men hat: Die weiter forcierte Interna- tionalisierung des Geschäfts, die Fortsetzung Seite B 5

tionalisierung des Geschäfts, die Fortsetzung Seite B 5 Von Lawrence A. Rosen Mitglied des Vorstands der

Von Lawrence A. Rosen

Mitglied des Vorstands der Deutschen Post DHL

der Privatisierung eingeschlagenen Modernisierungskurs durch eine ent- schlossene Hinwendung zum Kapi- talmarkt und seinen Erfordernissen zu beschleunigen. Heute können wir feststellen: Der Konzern Deutsche Post DHL hat die- se Chance genutzt. Das Unterneh- men, dessen historische Wurzeln bis zur Begründung des neuzeitlichen Postwesens im Jahr 1490 durch Franz von Taxis zurückreichen, kam schneller in der Kapitalmarkt-Moder- ne an, als viele es ihm zugetraut hat- ten, und ist längst als einer der wich- tigsten Blue Chips fest im deutschen Aktienmarkt etabliert und repräsen- tiert dort die für die exportorientier- te deutsche Wirtschaft so bedeutsa- me Logistikbranche. Die Zugehörig- keit zum Dax, der als Leitindex Anse- hen und Stärke der deutschen Wirt- schaft national wie global reflektiert, und die damit verbundenen Anforde- rungen an Transparenz und Perfor- mance machten allerdings einen grundlegenden Wandel im Unterneh- men notwendig. Dieser war zwar be- reits in den neunziger Jahren einge- leitet worden, nach dem Börsengang konnte – und musste – er aber deut- lich beschleunigt werden.

Wandel auf allen Ebenen

Es ging zum einen darum, die letz- ten Schritte auf dem Weg von der Be- hörde mit all ihren strukturellen und kulturellen Eigenheiten zu einem modernen, privatwirtschaftlich ge- führten Post- und Logistikdienstleis- ter zu gehen. Denn nur so konnte der Konzern eine Chance auf dauer- haften Erfolg im harten Wettbewerb haben. Zugleich galt es, die Schwerpunk- te des Geschäfts durch kluge Expansi- on und den Ausbau vorhandener Po- tenziale zu verlagern. Im Jahr des Börsengangs stammten noch 34,5 %

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Börsen-Zeitung Nr. 122 B 5

Finanzkreislauf ist Lebenselixier für die Weltwirtschaft

Von funktionierenden Finanzmärkten profitieren alle – Planungssicherheit und unternehmerischen Handlungsspielraum gewährleisten

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Seit 25 Jahren fasst der Dax die wich- tigsten deutschen Unternehmens- werte zusammen. In dieser Zeit hat er sich auf den globalen Finanzmärk- ten viel Vertrauen erworben. Unsere Partner in der Welt sehen ihn als transparentes Schaufenster der deut- schen Wirtschaft. Und was noch wichtiger ist: Er ist ein ganz bedeu- tender Faktor für das Funktionieren des internationalen Finanzkreislau- fes geworden. Siemens gehört zu den Unternehmenswerten, die die gesamten 25 Jahre im Dax vertreten waren. Deswegen möchten wir dem Dax an seinem Jubiläum ganz beson- ders herzlich zu seinem Erfolg gratu- lieren – ebenso wie der Börsen-Zei- tung, die bei seiner Geburt Pate stand. Vom internationalen Finanzkreis- lauf und von funktionierenden Fi- nanzmärkten profitieren alle – insbe- sondere auch die Unternehmen der sogenannten Realwirtschaft. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise des Jahres 2008 bestreiten das manche und fordern, Real- und Finanzwirt- schaft stärker zu entkoppeln. Doch damit ziehen sie den falschen Schluss. Denn der Finanzkreislauf ist das Lebenselixier der Weltwirtschaft – und damit für die Weltwirtschaft genauso wichtig wie Innovation für unsere Unternehmen.

Markt ist am effizientesten

Die irrige Annahme, dass Geldströ- me nur ein Spiegelbild der zugehöri- gen Güter- und Dienstleistungsbewe- gungen sind und sich von der Real- wirtschaft ablösen lassen wie ein Schleier von einem Gesicht, ist ja auch schon lange widerlegt. Bereits im Jahre 1960 sagte der amerikani- sche Ökonom John G. Gurley: „Mo- ney is a veil – but when the veil flut- ters, real output sputters.“

Denn auch für Finanzprodukte gilt: Marktprozesse sind das effizien- teste Mittel, um Angebot und Nach- frage zu koordinieren. Geld und Er- sparnisse etwa entstehen in aller Re- gel nicht dort, wo sie für Investitio- nen gebraucht werden. Finanzmärk- te wirken also wie Umspannstatio- nen, auf denen Fristen, Losgrößen und Risiken transformiert werden.

auch das Wohlstandsgefälle zwi- schen den alten Industrieländern in Westeuropa und Nordamerika und aufstrebenden Regionen in Asien, Afrika und Lateinamerika würde sich ohne funktionierende Finanz- märkte nur deutlich langsamer ver- ringern. Und auch Deutschlands internatio- nal tätige Unternehmen könnten oh- ne global intakte Finanz-

licher Beziehungen nicht bewälti- gen. Ganz zu schweigen von den Ak- tivitäten unserer hauseigenen Fi- nanzeinheit „Financial Services“, die unseren Kunden attraktive Finanzie- rungen anbietet und damit die Mög- lichkeiten eines funktionierenden Fi- nanzkreislaufes in ganz besonderem Maße nutzt. Aber Profiteure des Finanzkreis- laufes sind nicht nur große Unterneh- men wie Siemens, sondern ganz be- sonders auch die vielen mittelständi- schen Unternehmen, auf denen Deutschlands Exportstärke in so ein- zigartiger Weise beruht. Funktionie- ren die Finanzmärkte, können sie ih- re Liquidität möglichst präzise steu- ern, Risiken möglichst genau kontrol- lieren und Kosten senken. Funktio- nieren sie aber nicht, verlieren sie Planungssicherheit und unternehme- rischen Handlungsspielraum – und Deutschland den Wohlstand, den sie in unserem Land kreieren. Wenn wir also heute das Jubiläum des Dax feiern, sollten wir nicht nur in die Vergangenheit blicken, son- dern uns auch überlegen, wie wir den für uns so wichtigen internatio- nalen Finanzkreislauf stärken kön- nen. Oder zumindest sollten wir uns überlegen, was wir tun können, um ihn nicht zu schwächen.

Mit Bedacht regulieren

Das gilt gerade für die Diskussion um die Lehren, die aus der bereits an- gesprochenen Finanz- und Wirt- schaftskrise zu ziehen sind. Keine Frage: Es gibt dort Regulierungsbe- darf. Der Verlust an Wohlstands- und Unternehmenswerten, den wir im Verlauf dieser Krise gesehen ha- ben, war enorm. Es liegt in unserer

Hand, dafür zu sorgen, dass sich ein solcher Verlust nicht wiederholt. Die Basel-Verträge sind ein Beispiel für Maßnahmen, die das verhindern können. Aber es gilt eben auch:

Schnellschüsse helfen genauso we- nig wie der Versuch, jegliche Volatili- tät aus den Märkten zu nehmen. Es hat auch in der Vergangenheit schon in den Finanzmärkten immer wieder irrationale Exuberanzen gegeben – und die Märkte haben sie immer wie- der ausgeglichen. Und im Übrigen gilt: Wettbewerbsfähige und innova- tionsstarke Volkswirtschaften sind meist gut dafür gerüstet, mit den Konsequenzen solcher Exuberanzen umzugehen. Was wir also brauchen, ist eine Politik, die aktiv Wettbe- werbsfähigkeit sichert und Innovati- onskraft stärkt. Dazu gehören auch leistungsfähige Banken im Lande, die die Unternehmen umfassend un- terstützen können. Dazu gehört eines nicht: politi- sche Schnellschüsse zur Regulierung der Finanzmärkte, die mehr schaden als nutzen – etwa die derzeit von der EU geplante Finanztransaktionssteu- er. Die hat zwar ein an sich gut ge- meintes Ziel, nämlich den Hoch- frequenzhandel zurückzudrängen. Gleichzeitig aber würde sie eine gan- ze Menge unerwünschter Nebenef- fekte verursachen, die die tägliche Arbeit unserer Industrieunterneh- men behindern, ihre Kassen belasten und damit die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der deut- schen und europäischen Wirtschaft verringern – indem sie etwa das nor- male Hedging von Zins-, Währungs- und Rohstoffrisiken verteuern. Da- runter würde nicht nur die Realwirt- schaft leiden (der man ja eigentlich helfen wollte), sondern auch unsere

Arbeitnehmer und damit unser Land als Ganzes – denn weniger Geld in den Kassen der Unternehmen bedeu- tet weniger Geld, das sie in Innovati- on, in Arbeitsplätze und in den Wohl- stand unseres Landes investieren können. Und noch problematischer wird es dann beim Thema Mitarbeiteraktien unserer Unternehmen: Aktien, die ja in der Regel langfristig und zur Al- tersvorsorge gehalten werden, die die nachhaltige Unternehmensfüh- rung unterstützen – und die den- noch steuerlich genauso behandelt werden sollen wie Aktien, die von Spekulanten mehrmals täglich hin und her geschoben werden.

Innovationskraft erhalten

Der politische Schluss, der aus der Finanz- und Wirtschaftskrise zu zie- hen ist, ist vielmehr ein anderer. Es ist nicht die Diskreditierung einer ganzen Branche zu in Teilen sogar populistischen Zwecken, sondern es geht um die Sicherung und den auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Ban- ken- und Finanzsektor in Europa, aber ganz besonders in Deutschland. Dabei geht es schließlich um weit- sichtiges und überlegtes Handeln, das unsere Wirtschaftsunternehmen stärkt und damit die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit unserer Volks- wirtschaft erhält. Dafür brauchen wir funktionierende Finanzmärkte und dazu müssen wir die Innovati- onskraft unserer Unternehmen erhal- ten, indem wir so viele unserer Res- sourcen wie möglich sinnvoll für Bil- dung und Weiterbildung aufwen- den. Dann werden wir in 25 Jahren guten Grund haben, ein weiteres Dax-Jubiläum zu feiern.

Foto: Siemens
Foto: Siemens

Ständig einigen sich dort die Akteu- re auf Preise, die die jeweiligen Inte- ressen zum Ausgleich bringen. Da- mit halten funktionierende Finanz- märkte die Investitionsquote hoch und sorgen für langfristiges Wirt- schaftswachstum. Dazu kommt, dass Renditen für Wohlstandseffekte sor- gen, die Konjunkturschwankungen dämpfen und damit die Wirtschaft insgesamt stabilisieren.

Wie im Kleinen, so im Großen

Mehr noch: Die permanente Preis- bildung auf den Finanzmärkten lenkt knappe Ressourcen in die je- weils ertragreichste Verwendung. Sie sorgt für Effizienz – dafür, dass nichts verschwendet wird, und da- für, dass wir nachhaltig wirtschaften können. Das gilt für jede lokale Ein- zelentscheidung und es gilt umso mehr in globalem Maßstab. Denn

Von

Joe Kaeser

Mitglied des Vorstands von Siemens

märkte nicht optimal von der wirtschaftlichen Dynamik in anderen und aufstrebenden Welt- regionen profitieren und damit zur Wohl- standsentwicklung hier in Deutschland beitra- gen. Siemens hat allein im vergangenen Jahr insgesamt 5 Mrd. Euro an Steuern und Abga- ben in Deutschland ge- zahlt – so viel zu der

hat allein im vergangenen Jahr insgesamt 5 Mrd. Euro an Steuern und Abga- ben in Deutschland
hat allein im vergangenen Jahr insgesamt 5 Mrd. Euro an Steuern und Abga- ben in Deutschland

manchmal vorgetrage- nen These, international tätige Kon- zerne würden die Finanzmärkte zur Gewinnverlagerung ins Ausland nutzen. Für uns stimmt das genaue Gegen- teil – intakte Finanzmärkte helfen zur Wohlstandssicherung im Inland – und das beginnt bereits bei der Ka- pitalbeschaffung. Reibungslose Refi- nanzierung erhält die Basis für Inno- vationskraft und Technologieführer- schaft. Sie sichert die Fähigkeit zur Umsetzung von Großprojekten, er- möglicht weitere internationale Ex- pansion und hilft uns, neue Ge- schäftsfelder zu erschließen. Auch unser Tagesgeschäft – in 190 Län- dern und mit 40 Währungen – könn- ten wir ohne einen verlässlichen Me- chanismus globaler finanzwirtschaft-

verlässlichen Me- chanismus globaler finanzwirtschaft- Von der Behörde zum Fortsetzung von Seite B 4 Konzentration

Von der Behörde zum

Fortsetzung von Seite B 4

Konzentration auf die Kerngeschäfts- felder, der entschlossene globale Ausbau der Logistiksparte, die Re- strukturierung zur Mitte des vergan- genen Jahrzehnts mit der Aufgabe unrentabler Geschäfte, die vielfälti- gen Maßnahmen zur Effizienzsteige- rung in den vergangenen Jahren, das gewachsene Selbstverständnis als Marktführer und Innovationstrei- ber der Branche, der Anspruch, sich mit den Besten zu messen und die- sen Wettbewerb unbedingt gewin- nen zu wollen – all dies wäre ohne den Börsengang in dieser Form ver- mutlich nicht oder aber nur wesent- lich langsamer eingetreten.

„Respekt und Resultate“

Doch so wichtig die Orientierung an den Erfordernissen des Kapital- markts für Deutsche Post DHL war und ist, so erfolgreich das Unterneh- men sich in einem herausfordernden Markt-, Konjunktur- und Wettbe- werbsumfeld auch behauptet: Ergeb- nisse und Aktienkurse waren und sind für uns keineswegs Maß aller Dinge. „Respekt und Resultate“ – bei- des treibt uns gleichermaßen an, als börsennotiertes Unternehmen und als Corporate Citizen. Was das konkret bedeutet, hat Deutsche Post DHL in der 2009 be- schlossenen „Strategie 2015“ nieder- gelegt. Der Konzern hat darin ein Ziel-Dreieck definiert: Wir wollen der Anbieter erster Wahl für unsere Kunden sein und in unserer Branche der Arbeitgeber erster Wahl und das präferierte Investment. Alle drei Zie- le sind uns gleich wichtig, und die In- terdependenzen sind eindeutig:

Wenn die Kunden mit der Qualität unserer Produkte und Dienstleistun- gen zufrieden sind, wenn die Mitar- beiter sich bei uns wohlfühlen, wenn sie unsere Strategie mittragen und im täglichen Geschäft motiviert sind, immer wieder Höchstleistun- gen zu bringen – nur dann können wir dauerhaft wirtschaftlich erfolg- reich sein, gute Zahlen liefern und so die Voraussetzungen für eine posi- tive Resonanz am Kapitalmarkt schaffen. Wir messen die Qualitätsfortschrit- te, die wir auf dem Weg zum Anbie- ter und Arbeitgeber erster Wahl ma- chen, genauso akribisch wie die Ent- wicklung der finanziellen Leistungs- indikatoren, und wir machen sie

transparent, so wie wir unsere Fi- nanzergebnisse und -ziele transpa- rent machen. An der Börse ebenso wie in unse- ren Märkten sind dies die wichtigs- ten Zutaten für nachhaltigen Erfolg:

volle Transparenz über Strategie, Ziele und Resultate sowie höchste Qualität. Letztere schließt auch fi- nanzielle Solidität mit ein. In unse- rer Finanzstrategie haben wir im Jahr 2010 die Leitplanken dafür defi- niert, inklusive einer Ziel-Bandbrei- te für die von uns angestrebte bere- chenbare Dividendenpolitik. Wir können heute mit Fug und Recht sa- gen, dass der Konzern Deutsche Post DHL Kapital und Liquidität effizient managt und auf einem ebenso stabi- len wie flexiblen finanziellen Funda- ment fußt. Mit der konsequenten Umsetzung unserer Finanzstrategie gewährleisten wir nicht nur die Auf- rechterhaltung unseres guten Ra- tings, sondern wir bewahren uns auch die notwendigen finanziellen Spielräume für die weitere Umset- zung unserer Wachstumsstrategie. Der Konzern Deutsche Post DHL, so viel steht fest, ist heute nicht mehr derselbe wie beim Börsengang vor mehr als zwölf Jahren. Aus dem ehe- maligen Staatskonzern ist ein ganz normales Unternehmen geworden. Der Staat hat sich auf eine indirekte Beteiligung von nur noch gut einem Fünftel zurückgezogen. Wir selbst ha- ben uns im Laufe der vergangenen Jahre ein Stück weit neu erfunden – und sind doch wesentlichen Elemen- ten unseres Markenkerns treu geblie- ben: Deutsche Post DHL wirtschaftet auch als kapitalmarktorientiertes Un- ternehmen so solide und verantwor- tungsvoll, wie es sich für ein Unter- nehmen mit einer so langen Traditi- on gehört. Und vor allem: Wir liefern zuverlässig. Das ist unser Leistungs- versprechen, nicht nur im täglichen Geschäft, sondern auch gegenüber unseren Aktionären. Indem wir alles daransetzen, die- sem Anspruch umfassend gerecht zu werden, wollen wir das Vertrauen der Investoren in unser Unterneh- men weiter festigen. Die erfreuliche Kursentwicklung der vergangenen beiden Jahre legt – wie auch die wachsende Zahl von Privataktionä- ren, die wir gewinnen konnten, – den Schluss nahe, dass wir damit auf gutem Wege sind. Klar ist aber auch:

Deutsche Post DHL wird auch in Zu- kunft nicht nachlassen, jeden Tag aufs Neue um dieses Vertrauen zu kämpfen – auf einem der besten

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25 Jahre Dax – eine Chronik 7. März 2000 Dax erreicht auf dem Höhepunkt der
25 Jahre Dax – eine Chronik
7. März 2000
Dax erreicht auf dem
Höhepunkt der Tech-Blase
Rekord von 8136,16
22. Mai 2013
Dax steigt auf Rekordhoch
von 8557,86
13. Juli 2007
Dax erreicht Rekord von
8 151,57
26. Juli 2012
EZB-Präsident Mario Draghi
stellt unlimitierte
Anleihekäufe in Aussicht
1. Juli 1988
Dax startet bei
1163,52 Punkten
1. Januar 1999
Einführung des Euro
11. September 2001
Terroranschläge
in den USA
15. Sept. 2008
Lehman Brothers
kollabiert
9. November 1989
Öffnung der Berliner
Mauer
20. März 1998
Dax schließt erstmals
über 5000
28. September 2005
Dax schließt wieder
über 5000
18. November 1996
Erstnotiz der Telekom-Aktie
2. August 1990
Irak marschiert in
Kuwait ein
August 2011
Euro-Schuldenkrise
löst Kursrutsch aus
17. Januar 1991
Beginn des
1. Irak-Kriegs
8. Oktober 1993
Dax schließt erstmals
über 2000
19. März 2003
Beginn des 2. Irak-Kriegs
© Börsen-Zeitung
Quelle: Eigene Recherche; Kursdaten: Thomson Reuters
Katalysator für den Erfolg von Unternehmen

Dax stärkt das Image der deutschen Unternehmen weltweit – Erwartungen von SAP an den Kapitalmarkt haben sich erfüllt

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Anders als viele Neugründungen im Silicon Valley war die 1972 gegrün- dete SAP keine Garagenfirma. Das Unternehmen entwickelte von Be- ginn an integrierte Standardsoft- ware für alle Unternehmensberei- che. Die Gründer setzten dabei auf eine Technik, bei der Eingaben in Echtzeit verarbeitet werden. Von An-

neunziger Jahren mit dem neuen Konzept des Client-Servers, das die Arbeit mit Großrechnern ablöste. In der Unternehmenswelt war diese Umstellung eine Revolution. R/3 war auf die Client-Server-Architek- tur ausgerichtet und kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Eigentlich für den Mittelstand ge- dacht, zeigten viele Großunterneh- men weltweit Interesse.

dacht, zeigten viele Großunterneh- men weltweit Interesse. Von Werner Brandt Mitglied des Vorstands von SAP

Von

Werner Brandt

Mitglied des Vorstands von SAP

Auch die weltweite Ex- pansion hing stark mit R/3 zusammen. Mit dem neuen System ge- lang der Erfolg in den USA. 1995, sieben Jahre nach dem Börsengang und auf dem Sprung in den Dax, erwirtschafte- te das Software-Unter- nehmen einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. DM. Großkonzerne wie General Motors gehör-

erwirtschafte- te das Software-Unter- nehmen einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. DM. Großkonzerne wie General
erwirtschafte- te das Software-Unter- nehmen einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. DM. Großkonzerne wie General

fang an standen in der Software-Ent- wicklung die Kunden im Mittel- punkt.

Eng am Kunden dran

Ursprünglich hatte dies praktische Gründe: SAP konnte sich in den ers- ten Jahren keine eigenen Großrech-

ner leisten – entwickelt wurde daher auf den Rechnern der Kunden, was

in der Regel nur nachts möglich war.

Die daraus entstandene Haltung, stets eng am Kunden zu arbeiten,

steckt seither in den Genen des Un- ternehmens. Mit hohem Innovations- tempo brachte SAP die Großrechner- software R/1 und R/2 auf den Weg –

R stand für „real time“. SAP wuchs

rasch und bot seine Lösungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Unsere Produkte waren einzigartig, die Potenziale für schnel-

les und internationales Wachstum so- wie für weitere Innovationen waren enorm. Um diese Potenziale heben

zu können, benötigte SAP Zugang zu

Kapital. Unser Börsengang im Jahr 1988 trug das Motto: „Eine Aktie ist so wachstumsorientiert wie das Unter- nehmen, das dahintersteht.“ Das In- teresse an den rund 240000 Inhaber- aktien war so groß, dass die Zeich- nungsfrist vorzeitig endete. Am 4. November 1988 erfolgte die Erst- notiz der Aktien zu einem Preis von 750 DM pro Stück. Dabei war die Skepsis auf Seiten der großen Fi- nanzinstitute, die angefragt worden waren, das IPO zu begleiten, an- fangs groß: zu jung die Industrie, zu wenig anfassbar die Produkte. Die DZ Bank hatte schließlich die Rolle des Koordinators übernommen und die Transaktion strukturiert. Seitens SAP waren die wichtigsten Erwartun- gen an den Kapitalmarkt, die Unab- hängigkeit des Unternehmens zu si- chern, in Innovationen investieren zu können und die globale Präsenz ausbauen zu können. Der internationale Durchbruch für die unternehmensweiten Anwen- dungsprogramme gelang in den

ten jetzt wie selbstver- ständlich zu unseren Kunden. Die Produktpalette wuchs kontinuier- lich. Marktkapitalisierung und Han- delsvolumen stiegen, in den drei Mo- naten vor dem Dax-Debüt legte die SAP-Aktie um knapp 50 % zu.

Elitezirkel der Wirtschaft

Mit dem Aufstieg in den Dax er- reichte die SAP eine neue Dimensi-

on. Die Mitgliedschaft eröffnete dem Unternehmen mehr Aufmerksam- keit, die Bekanntheit der SAP im In- und Ausland stieg. Denn der Index stellte den Elitezirkel der deutschen Wirtschaft dar. Daran hat sich seit- her nichts geändert. Der Dax reprä-

sentiert die wichtigsten Wirtschafts- zweige der Bundesrepublik Deutsch- land. Allein im vergangenen Jahr er- wirtschafteten die 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse ei- nen Gesamtumsatz von 1,3 Bill. Eu- ro, etwa 60 % des Grundkapitals al- ler notierten deutschen Gesellschaf- ten entfallen auf den Dax. Sie be- schäftigen mehr als 3,5 Millionen Mitarbeiter, gut 40 % davon im In- land. Banken und Versicherungen nehmen seit Beginn das größte Ge- wicht ein, es folgen der Automobil- und Chemiesektor. Der Dax trat im Juni 1988 die Nachfolge eines von der Börsen-Zei- tung entwickelten Index an. Frank Mella, Redakteur der Börsen-Zei- tung und Autor des Dax, verfolgte dabei zwei Ziele: Er wollte die Divi- denden und Kapitalmaßnahmen der Aktiengesellschaften in die Berech- nung einfließen lassen, um die ge- samte Wertentwicklung von Aktien darstellen zu können. Und er wollte einen Index als anerkannte Basis für Termingeschäfte bilden. Die Mitglieder der Dax-„Familie“ – später kamen unter anderem die klei- neren Geschwister MDax und Tec- Dax dazu – erfüllen mehrere Aufga- ben: Neben ihrer Funktion als Ab- bild der Wirtschaft bilden sie die Ba- sis für fast 30 000 Finanzprodukte, von Futures- oder Options-Kontrak-

ten bis zu Exchange Traded Funds. Anleger können mit Hilfe der index- basierten Produkte in jeder Marktsi- tuation individuell investieren. Der Dax gilt als der mit Abstand wichtigs- te von der Deutschen Börse berech- nete globale Index.

Vereinfachte Positionierung

Von der Bekanntheit, der internati- onalen Bedeutung und der zentralen Position des Dax profitierte die SAP seit der Aufnahme in den Leitindex. Weltweit stärkt der Dax das Image der deutschen Wirtschaft. Die Zuge- hörigkeit zum Prime Standard mit seinen hohen Transparenzanforde- rungen vereinfacht die Positionie- rung gegenüber internationalen In- vestoren. Der Dax ist heute der meist- beachtete deutsche Börsenindex und rangiert in Wirtschaftspublikationen und Börsen-Tickern gleichauf mit dem amerikanischen Dow Jones In- dustrial Average, dem britischen FTSE und dem japanischen Nikkei. Sowohl private als auch institutio- nelle Anleger sehen in dem Index ei- nen optimalen Ausgangspunkt für die Analyse des deutschen Aktien- marktes. Nicht wenige Großinvesto- ren kaufen Dax-Aktien allein schon wegen deren Zugehörigkeit zum Aus- wahlindex. Dax-Papiere werden au- tomatisch in die fünf Dax-Index- fonds aufgenommen; auch Index- fonds auf die Dax-Geschwister Div- Dax und ÖkoDax investieren aus- schließlich in Dax-Aktien. Über den Dax-Future kommen die 30 Aktien in mehr als 22 700 Dax-Derivaten vor; allein 11 714 Anlagezertifikate bilden den Dax 1:1 nach. Auch zahl- reiche passive Fonds nutzen den In- dex als Schablone für ihre Portfolios:

Sie investieren ausschließlich in Dax-Werte. Durch die Mitgliedschaft im Dax zeigt sich dies auch in der Li- quidität der SAP-Aktie. Das tägliche Handelsvolumen ist seit dem Dax-Aufstieg exponentiell gestiegen und liegt heute bei über 3 Millionen.

Im Ausland beliebt

Durch den Dax ist das Interesse an deutschen Unternehmen so hoch wie nie zuvor: Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zufolge kommen heu- te im Schnitt rund 58 % der Investo- ren aller Dax-Firmen aus dem Aus- land. Damit hat sich die Aktionärs- struktur in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Im Jahr 2005 waren es 44 %. Betrachtet man die Entwicklung der SAP bei institutio- nellen Anlegern seit der Aufnahme in den Dax, wird dieser Trend noch deutlicher: Kamen 1995 erst 56 % der institutionellen Anleger aus dem Ausland, sind es heute 83 %. In den vergangenen drei Jahren schütteten die Dax-Gesellschaften rund 90 Mrd. Euro an Dividenden an ihre Anteilseigner aus. Auch die SAP beteiligt ihre Aktionäre durch regel- mäßige Dividendenzahlungen am Unternehmenserfolg. In den vergan- genen drei Jahren kumulierte sich

der Betrag auf 3 Mrd. Euro. Die At- traktivität der Dax-Konzerne ist auch ein Grund dafür, warum deren Entwicklung regelmäßig in allen in- ternationalen Wirtschaftszeitungen thematisiert wird. Dies bringt den Dax-Unternehmen eine Aufmerksam- keit, die sie ohne eine Mitgliedschaft im Leitindex nicht hätten. Mächtige Aktionärsvereinigungen wie die US-amerikanischen Institutional Shareholder Services prüfen auch die Corporate-Governance-Kriterien der Industriekonzerne des Dax.

Wichtiger Vergleichsmaßstab

Bei der Aufnahme in den Dax 1995 war SAP das einzige IT-Unter- nehmen in Deutschland im deut- schen Leitindex. Das ist bis heute so geblieben. Und auch wenn die größ- ten Wettbewerber im Silicon Valley sitzen: Der Dax war und ist für SAP in vielerlei Hinsicht der wichtigste Vergleichsmaßstab. Die Entwick- lung des Index ist ein Spiegelbild der deutschen Wirtschaft. Das Gewicht der IT-Branche zeigt die relative Wirtschaftskraft. Und die Perfor- mance der SAP-Aktie verdeutlicht, welche Perspektive sich das Unter- nehmen im internationalen Wettbe- werb erarbeitet hat. Die positive Un- ternehmensentwicklung der SAP zeigt sich auch im Aktienkurs – spezi- ell im Vergleich zum Dax. So ist der

Wert der SAP-Aktie seit dem ersten Handelstag im November 1988 ohne Dividenden unter Berücksichtigung von Kapitalerhöhung und Aktien- splits um rund das 120-Fache ge- wachsen. Damit hat sich das SAP-Pa- pier deutlich besser entwickelt als der Vergleichsindex, der im selben Zeitraum um das 3,47-Fache zuge- legt hat.

Weitere Börsengänge folgen

Zehn Jahre nach der Erstnotie- rung, am 3. August 1998, folgte ein weiterer Meilenstein bei der Interna- tionalisierung des Konzerns: die Erst- notierung an der New York Stock Ex- change. Mit dem US-Börsengang stärkte die SAP vor allem ihre Markt- position und Sichtbarkeit in den USA nach derselben Logik, wie dies schon beim Eintritt in den Dax der Fall war. Das US-Geschäft stellt heu- te stabil rund 25 % des Konzernum- satzes dar. Ähnliche Überlegungen wägt SAP mit einem Börsengang in China ab. Hier bestehen jedoch noch nicht alle notwendigen Vorausset- zungen, um einen Börsengang in Schanghai als sinnvoll erscheinen zu lassen. SAP ist heute Weltmarktführer für Unternehmenssoftware. Für unse- ren weltweiten Erfolg und die Stärke unserer Marke – eine der wertvolls- ten in Deutschland – bleibt unsere

Mitgliedschaft im deutschen Leitin- dex ein wichtiger Faktor. Aktuell ist SAP mit einer Marktkapitalisierung von über 70 Mrd. Euro eines der am höchsten bewerteten Unternehmen im Dax. Damit ist unser Börsenwert doppelt so hoch wie vor drei Jahren. Gemessen an der Marktkapitalisie- rung sind wir weltweit der drittgröß- te unabhängige Software-Hersteller und der zehntgrößte High-Tech-Kon- zern. Die Vision der SAP, Geschäftsvor- gänge mit der Hilfe von Software-Lö- sungen besser, schneller und effizien- ter zu machen, hat heute noch im- mer Gültigkeit und ihr Potenzial ent- faltet sich weiter. Mit der Datenbank- technologie HANA, die die Arbeit mit großen Datenmengen bis zu 10 000-mal schneller macht als mit konventionellen Datenbanken, ist nach R/3 in den neunziger Jahren zum zweiten Mal ein wesentlicher Technologiesprung möglich. HANA wird nachhaltig verändern, wie Tech- nologie die Unternehmen in ihrem Handeln unterstützen kann. Der Zugang zum Kapitalmarkt und die Aufmerksamkeit als Dax-Un- ternehmen bleiben zentral, um unse- ren Expansionskurs weiter zu finan- zieren, unsere Markt- und Innovati- onsführerschaft auszubauen und da- mit weiterhin eine attraktive und nachhaltige Option für Investoren zu sein.

Der Dax ist die Wiege der Zertifikate

Erster und beliebtester Basiswert – Produkte auch für Privatanleger

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Wer noch in den achtziger Jahren als Privatanleger unkompliziert sein Depot absichern oder von seitwärts laufenden oder fallenden Märkten profitieren wollte, der hatte leider Pech. Teilhaben an der Wertentwick-

Eines haben alle Zertifikate dabei gemeinsam: Sie sind derivative Wert- papiere für Privatanleger und gehö- ren zur Gruppe der sogenannten strukturierten Produkte. Sie werden

als strukturiert bezeichnet, weil sie in der Regel aus mehreren Bestand- teilen zusammengesetzt

in der Regel aus mehreren Bestand- teilen zusammengesetzt Von Hartmut Knüppel Geschäftsführender Vorstand

Von

Hartmut Knüppel

Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Derivate Verbands

sind. Da Zertifikate im Ge- gensatz zu sonstigen De- rivaten als Wertpapiere verbrieft sind, werden sie auch „verbriefte Deri- vate“ genannt. Der Be- griff „Derivat“ stammt von dem lateinischen Wort „derivare“, das „ab- leiten“ bedeutet. Deriva- te sind demnach Finanz- produkte, deren Kurs- entwicklung sich von

„derivare“, das „ab- leiten“ bedeutet. Deriva- te sind demnach Finanz- produkte, deren Kurs- entwicklung sich von
„derivare“, das „ab- leiten“ bedeutet. Deriva- te sind demnach Finanz- produkte, deren Kurs- entwicklung sich von

lung des Dax, ohne dessen Einzel- werte kaufen zu müssen? Fehlanzei- ge. Das war nur etwas für Profianle- ger. Doch dann wurden im Jahr 1990, nur drei Jahre nach dem Start des deutschen Leitindex, die ersten Zertifikate entwickelt. Sie revolutio- nierten die Anlagemöglichkeiten für private Anleger.

der Wertentwicklung ei- nes anderen Produktes, dem soge- nannten Basiswert, ableitet. An die- ser Stelle kommt dann auch der Dax ins Spiel. Und zwar in mehrfacher Hinsicht. Das allererste Zertifikat war ein In- dex-Zertifikat. Es wurde im Juni

1990 von der Dresdner Bank aus der Taufe gehoben. Sein Basiswert war

der Dax. Käufer des Index-Zertifi- kats waren gerade auch private Anle- ger, die von steigenden Kursen des Dax mit einem einzigen Wertpapier profitieren wollten. Denn von der Kursentwicklung des Basiswerts hängt die Wertentwicklung des je- weiligen Zertifikats ab. Damit sind sie sogenannte passive Finanzpro- dukte, bei denen anders als bei Fonds kein Manager aktiv die Wert- entwicklung beeinflusst. Und somit gibt es bei Zertifikaten auch keine Managementgebühren. Zertifikate beinhalten, wie übri- gens auch Bausparverträge, stets ei- ne oder mehrere Optionskomponen- ten. Diese bestimmen, welche Aus- stattungsmerkmale ein Zertifikat hat. Dazu gehört, wie risikoreich ein Zertifikat ist und ob der Anleger mit dem Zertifikat auf steigende, fallen- de oder seitwärts laufende Kurse des Basiswerts setzt.

Vielfältiges Angebot

Seit dem ersten Dax-Zertifikat vor 23 Jahren hat sich in der Deriva- te-Welt viel getan: Derzeit bieten mehr als 30 Emittenten Zertifikate Fortsetzung Seite B 8

Sonnabend, 29. Juni 2013

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 122 B 7

Außerbörslicher Handel ist neue Macht im Indexroulette

Handelbarkeit der Aktien an regulierten Börsen verbessern – Regularien verschärfen – Designated Sponsors fungieren als Liquiditätsbeschaffer

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Mehr als 20 Jahre lang mussten sich Dax-Unternehmen nicht die Frage stellen, ob und welche Auswirkun- gen von Dark Pools für ihre Indexzu- gehörigkeit bestehen. Denn die Ak- tien wurden überwiegend über die regulierten Börsen gehandelt – ein- schließlich Parkettbörsen und „Over the Counter“ (OTC). Seit 2008 gibt es jedoch die Möglichkeit, große Or- dervolumina über Dark Pools nam- hafter Adressen abzuwickeln. Diese Orders allerdings werden nicht be- rücksichtigt, wenn der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse über die Indexzusammensetzung entscheidet. Das Problem dabei: Sin- ken bei einem Unternehmen auf- grund des Dark-Pool-Handels die Umsätze an regulierten Börsen im Vergleich zu bestehenden oder po- tenziellen Indexmitgliedern überpro- portional stark, so läuft das Unter- nehmen Gefahr, aus dem Index ge- nommen zu werden.

Steigendes Interesse

In den vergangenen Jahren stieg das Interesse am Handel über die un- regulierten Märkte. So liegt unseren Auswertungen zufolge bei den Dax-Unternehmen das Verhältnis al- ler außerbörslichen Handelsvolumi- na zu den Umsätzen an regulierten Börsenplätzen seit Juli 2012 bei 66,4 zu 31,2 % (Stand April 2013). Weitere 2,4 % entfallen auf sonstige regionale Börsenplätze. Für die Aus- wertungen wurde der Einfachheit halber in regulierte und unregulierte Märkte differenziert. Dabei vereint die Kategorie unregulierte Märkte die Anteile der Dark Pools und der OTC-Transaktionen. Die höchsten außerbörslichen Handelsvolumina weisen unseren Berechnungen zufolge SAP, Bayer und Allianz mit Anteilen von mehr als 75 % auf. SAP hat bereits die Grenze von 80 % überschritten. Alle

drei Unternehmen haben einen ho- hen Free Float, selbst SAP mit 74 %. Gründe für die hohen handelbaren Volumina außerhalb der regulierten Börsen sind z. B. Mehrfachlistings, die Auflage von ADR und der Block- handel. Auch wenn die Dax-Mitglie- der täglich handelbare Volumina in

mit den nach Handelsumsatz und Marktkapitalisierung 30 größten deutschen Unternehmen regulär ein- mal im Jahr überprüft wird, nämlich zur Verkettung im September. Für die Berechnung der Indexzugehörig-

keit werden unter anderem die Volu- mina an den Börsenplätzen Xetra und Xetra 2 (früher

Von

Silke Schlünsen

Frankfurter Parkett) he- rangezogen, da nur die- se nachweisbar sind und von der Deutschen Börse überprüft werden (regulierte Märkte). Der Arbeitskreis zieht für sei- ne Entscheidung zuerst die harten Kriterien

überprüft werden (regulierte Märkte). Der Arbeitskreis zieht für sei- ne Entscheidung zuerst die harten Kriterien

Free-Float-Marktkapita-

lisierung, respektive den streubesitzgewichte- ten Börsenwert, und die Handelsvolumina von

Unternehmen heran, die als Berechnungsgrundlage 20 Handelstage (Free-Float-Marktkapi- talisierung) bzw. zwölf Monate (Handelsumsatz) aufweisen. Ein Unternehmen gilt als Dax-Auf- stiegskandidat, wenn es die Ränge 30/30 erreicht und ein Bestandsmit- glied mindestens in einem Rang gleich oder schlechter als Rang 35 notiert. Als Dax-Abstiegskandidat gilt ein Unternehmen, das mindes- tens in einem Rang schlechter als Rang 40 notiert, wobei das potenziel- le Aufstiegsunternehmen dann in beiden Kriterien mindestens Rang 35 erreichen muss (vgl. Tabelle). Zu den übrigen Quartalsverket- tungsterminen kann ein Unterneh- men dann Gefahr laufen, aus dem In- dex herauszufallen, wenn es in ei- nem Rang schlechter als Rang 45 no- tiert, bzw. entsprechend aufsteigen, wenn es die Ränge 25 in beiden Kri- terien erfüllt. Außerordentlich kann ein Unternehmen seine Dax-Zugehö- rigkeit verlieren bei einem Free Float von weniger als 10 %, einer

30-Tage-Volatilität von mehr als

Head of Designated Sponsoring der Close Brothers Seydler Bank

of Designated Sponsoring der Close Brothers Seydler Bank sechs- bis siebenstelliger Größenord- nung aufweisen,

sechs- bis siebenstelliger Größenord- nung aufweisen, werden sehr große Blockanfragen aufgrund geringerer Kosten und besserer Handelbarkeit der Aktien tendenziell über die au- ßerbörslichen Handelsplattformen bewegt.

Quartalsweise Überprüfung

Gerade wenn Indexunternehmen einen überschaubaren Free Float ha- ben, handeln Investoren ihre Block Trades in der Regel über die Plattfor- men OTC und/oder Dark Pools, die mitunter je nach Wertpapier höhere handelbare Volumina mit geringe- ren Spreads sowie Transaktionskos- ten abbilden. Zu den bekannten Dark Pools gehören neben dem der Deutschen Bank Adressen wie HSBC, Goldman Sachs, J.P. Morgan, Morgan Stanley, Citigroup und als ei- genständiger Betreiber auch BATS Chi-X Europe. Der Arbeitskreis Aktienindizes ve- rifiziert quartalsweise die Indexzu- sammensetzungen, wobei der Dax

250% sowie wenn es einen Segment- wechsel oder die Einstellung des fort- laufenden Handels auf Xetra an- strebt. Beide letztgenannten Maß- nahmen greifen allerdings selten und wenn, dann sind sie in Korrelati- on zum ersten Punkt zu sehen. Läuft ein Unternehmen Gefahr, aufgrund schlechter Indexränge vom Dax in den MDax zu fallen, wie es im September Metro und MAN wi- derfahren ist, so werden die Unter- nehmen sicher auch weiterhin bei den meisten Fonds Beachtung fin- den, da sie nach wie vor als interes- sante Investments die Watchlisten der Investoren anführen. Lediglich geringe Abschläge in der Handelbar- keit der Aktien müssen als Konse- quenz in Kauf genommen werden.

Aus dem Index, aus dem Sinn

Für alle anderen Indexunterneh- men sehen die Konsequenzen aller- dings weniger rosig aus. Dies gilt ins- besondere für Abstiegskandidaten im TecDax, da sie in keinen weiteren Index herabfallen können. Diese Un- ternehmen können infolgedessen auch sehr schnell vom Radar der Fonds verschwinden, die als Investiti- onsentscheidung die Indexmitglied- schaft und die durchschnittlich han- delbaren Volumina heranziehen. Die Fonds, die ausschließlich in Dax-Un- ternehmen investieren dürfen und z. B. den Index replizieren, würden sich bei einem Dax-Absteiger natür- lich entsprechend ganz aus dem In- vestment verabschieden. Dem Trend zum außerbörslichen Handel kann einerseits durch stren- gere Regularien und andererseits durch einen aktiveren Handel an den regulierten Börsenplätzen entge- gengewirkt werden. Hier gilt: Liqui- dität zieht Liquidität an. Auch wenn alle Dax-Unternehmen der Liquidi- tätskategorie A seitens der Deut- schen Börse zugeordnet werden und damit für den fortlaufenden Handel

Dax-Verkettungstermine

Dax

März

Juni

September Dezember

Fast Entry

25/25

x

x

x

x

Fast Exit

45/45

x

x

x

x

Regular Entry

30/30//35

x

Regular Exit

40/40//35/35

x

Quelle: Close Brothers Seydler Bank

Börsen-Zeitung

keinen Designated Sponsor nachwei- sen müssen (im Gegensatz zu fast al- len MDax-, TecDax- und SDax-Unter- nehmen), so mandatiert doch eine große Zahl von Dax-Firmen einen solchen, um fortlaufend und umfas- send über das Handelsgeschehen in- formiert zu sein und Liquidität zu er- zeugen. Die kontinuierliche Liquiditätsbe- reitstellung und -förderung zählt zu den Hauptaufgaben eines Designa- ted Sponsor. Je aktiver dieser agiert – vornehmlich durch eine engere Spreadstellung, als es die Deutsche Börse vorschreibt, und ohne Quote Machines –, desto besser. Designa- ted Sponsors haben also ihrerseits ei- nen nennenswerten Einfluss auf die Handelsvolumina an den regulierten Börsen und die Indexzugehörigkeit ihres Mandanten.

Austausch erwünscht

Interessant dabei: Als das erfolg- reiche deutsche Modell „Fortlaufen- der Handel mit Designated Sponsor“ am 12.10.1998 ins Leben gerufen wurde, um für Liquiditätssteigerun- gen und jederzeitige Handelbarkeit gerade bei Nebenwerten zu sorgen, durften die Designated Sponsors noch keinen Austausch mit den Emit- tenten pflegen, um Interessenkon- flikte mit einhergehenden Handels- strategien zu vermeiden. Nach und nach und durch weltweit schärfere Compliance-Richtlinien ist der Aus- tausch zwischen beiden Kapital- marktakteuren mittlerweile erlaubt

und sogar erwünscht, damit der Emittent jederzeit über das Marktge- schehen zum eigenen Unternehmen und zur Peergroup, sprich zu seinen Vergleichsunternehmen, informiert ist. Fazit: Ob die Dark Pools und der OTC-Handel den regulierten Börsen auch zukünftig den Rang ablaufen, bleibt zu beobachten und kann wei- testgehend nur durch schärfere Re- gularien einschließlich höherer Transparenzverpflichtungen und mehr aktiven Handelsteilnehmern an den regulierten Börsenplätzen aufgehalten werden. Wie wichtig dies insbesondere für Dax-Mitglie- der ist, zeigen die aktuellen Recher- chen. Solange alle Dax-Mitglieder im Verhältnis gleich viele Anteile hier dazugewinnen und dort verlie- ren, wird es keine Überraschungen geben. Für die Indexberechnungen des Arbeitskreises Aktienindizes al- lerdings wäre es wünschenswert, wenn ebenfalls in gleichem Verhält- nis die Anteile des regulierten Han- dels zukünftig ausgebaut und die des unregulierten reduziert werden könnten, um die Indexzusammenset- zungen nachweislich besser begrün- den zu können. Letztlich sollte es aber im Sinne jedes Kapitalmarktak- teurs sein, die Handelbarkeit der Ak- tien an den regulierten Börsen wie- der zu verbessern – zum einen der Tradition des Parketthandels und der regulierten Börsenplätze wegen, vielmehr aber, um künftig keine Überraschungen bei den jeweiligen Verkettungsterminen zu erleben.

Börsenplätze wegen, vielmehr aber, um künftig keine Überraschungen bei den jeweiligen Verkettungsterminen zu erleben.

B 8 Börsen-Zeitung Nr. 122

Sonderbeilage

Sonnabend, 29. Juni 2013

Aktien sind unabdingbar für die Altersvorsorge

Informationsdefizit kostet Renditechancen – Deutsche Unternehmen sind attraktiv bewertet und glänzen mit gesunden Bilanzen

Börsen-Zeitung, 29.6.2013 Der Dax ist in Feierlaune – und das aus gutem Grund. Mit neuen Rekord- ständen setzt er sich pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum selbst ein Denkmal und belohnt all jene Anle- ger mit üppigen Gewinnen, die auf deutsche Aktien setzen. Entspre- chend groß ist die Euphorie bei In- vestoren rund um den Globus. Auch hierzulande ist es wieder en vogue, das Hohelied der Aktie zu singen. Selbst in der Boulevardpresse macht der Dax positiv von sich reden. Nur die deutschen Anleger sind weiter skeptisch. So schnell können sie nicht vergessen, wie schmerzhaft die Verluste in den zurückliegenden Kri- senjahren waren.

Gute Gründe für Höhenflug

Man kann es ihnen auch nicht ver- denken. Schließlich ist dem Dax bis- lang immer die Luft ausgegangen, wenn er die 8 000er-Grenze über- schritten hat. Warum soll das dieses Mal anders sein? Sicher gibt es viele gute Gründe für den derzeitigen Hö- henflug: den expansiven Kurs der Notenbanken, die niedrigen Zinsen, die hohe Nachfrage von ausländi- schen Investoren. Wer im derzeiti- gen Marktumfeld auskömmliche Renditen erwirtschaften will, kommt an der Aktie nicht vorbei. Und je schlechter die Alternativen am vermeintlich sichereren Anleihe- markt sind, desto größer die Bereit- schaft zu mehr Risiko in Aktien. Dass dabei vor allem deutsche Un- ternehmen gefragt sind, liegt nicht zuletzt an deren attraktiver Bewer- tung und den gesunden Bilanzen. Qualität made in Germany steht hoch im Kurs. Dabei sind deutsche

Aktien nach wie vor nicht teuer. Das zeigt allein schon der Indexver- gleich. Während andere große Leitin- dizes die Kursentwicklung ihrer Ak- tien abbilden, werden beim Dax als sogenanntem Performanceindex die Dividenden mit eingerechnet. Wür- de man nur die Kursentwicklung des

rechnet auch weiter mit steigenden Kursen. Aber weniger als ein Viertel

ist tatsächlich bereit, in Aktien zu in- vestieren – so die Ergebnisse der jüngsten Anlegerbefragung von Uni- on Investment. Die Gründe dafür lassen sich meist auf den gleichen Nenner brin- gen: die hohe Unsicher-

meist auf den gleichen Nenner brin- gen: die hohe Unsicher- Von Jens Wilhelm Mitglied des Vorstands

Von

Jens Wilhelm

Mitglied des Vorstands von Union Investment

heit und das Verlustrisi- ko. Beides ist am Aktien- markt immer wieder an- zutreffen, aber niemand hat davor so große Angst wie der deutsche Anleger. Wie sonst ließe sich erklären, dass hauptsächlich ausländi- sche Investoren die Chancen am deutschen Aktienmarkt nutzen und so von der jüngsten Rally profitieren? Eine

ausländi- sche Investoren die Chancen am deutschen Aktienmarkt nutzen und so von der jüngsten Rally profitieren?
ausländi- sche Investoren die Chancen am deutschen Aktienmarkt nutzen und so von der jüngsten Rally profitieren?

Dax betrachten, lägen wir heute bei rund 4 500 Punkten und damit noch weit entfernt von alten Höchstmar- ken – ein entscheidender Unter- schied zu Nikkei, Dow Jones oder S & P 500.

Kurse noch unter Rekordwert

Hinzu kommt, dass der derzeitige Aufschwung nicht nur von ein paar Überfliegern getragen wird, sondern vom Gros der Dax-Konzerne. Deren Kurse liegen zumeist noch unter his- torischen Rekordwerten. Auch das ist ein Indiz für weiteres Potenzial am deutschen Aktienmarkt. Wird das reichen, um auch deut- sche Anleger zurück in die Aktie zu holen? Wohl kaum. Zwar kennt mehr als die Hälfte der Deutschen die gute Entwicklung des Dax und

aktuelle Studie von Ernst & Young belegt, dass mittler- weile im Schnitt 55 % der Aktien von Dax-Konzernen in ausländischer Hand liegen. Und das, obwohl gera- de die Deutschen so stolz sind auf ih- re Vorzeigeunternehmen und deren Produkte. Aber daran beteiligen wol- len sie sich lieber nicht.

Eine Frage der Kultur

Was läuft da schief? Wahrschein- lich ist es eine Frage der Kultur. Spa- ren in Aktien hat in Deutschland ei- ne vergleichsweise junge Historie. Während in vielen anderen Ländern Menschen seit Jahrzehnten einen nicht unerheblichen Teil ihrer Vor- sorge über langfristige Aktienanla- gen aufbauen, hat hierzulande der Staat seinen Bürgern die Verantwor- tung weitgehend abgenommen.

Dass die Rente nicht mehr so sicher ist wie in früheren Generationen, hat sich erst im letzten Jahrzehnt in den Köpfen der Menschen veran- kert. Die Frage, welche konkreten Schlüsse aus dieser Erkenntnis zu ziehen sind, bleibt für viele bislang unbeantwortet. Vor allem da in ei- nem Umfeld anhaltend niedriger Zin- sen mit vielen klassischen Vorsorge- produkten wie Lebensversicherun- gen nicht mehr annähernd jene Ren- diten zu erzielen sind, die Anleger für den Vermögensaufbau brauchen. Dabei wäre die Antwort so ein- fach. Wenn Anleger zumindest in je- ne Unternehmen investierten, die – gebündelt im Dax – die deutsche Wirtschaft repräsentieren, wäre die wichtigste Entscheidung getroffen. Denn dass man damit nicht falsch- liegt, machen folgende Beispiele deutlich: Egal, wann ein Anleger in den zurückliegenden 25 Jahren da- mit begonnen hat, regelmäßig in den Dax zu investieren – wenn er bis heute dabei geblieben ist, liegt seine Rendite immer bei mindestens 5 %, in den letzten fünf Jahren waren es sogar mehr als 10 %.

Zeit relativiert das Risiko

Dass er dabei zwischenzeitlich auch einige Durststrecken aushalten musste, liegt in der Natur der Sache. Korrekturen gehören am Aktien- markt einfach dazu. Aber auch die- ses Risiko relativiert sich mit der Zeit. Sparpläne in deutsche Aktien, die mindestens 15 Jahre laufen, brin- gen so gut wie immer ein Plus. Das haben wir mit unserem ältesten deut- schen Aktienfonds, dem UniFonds, für die 25 Jahre seit Auflegung des Dax nachgerechnet. Über alle denk-

Jahre seit Auflegung des Dax nachgerechnet. Über alle denk- baren 15-Jahres-Zeiträume – auf Mo- natsbasis gerechnet

baren 15-Jahres-Zeiträume – auf Mo- natsbasis gerechnet sind das 119 an der Zahl – lag die Durchschnittsren- dite bei 4,7 % nach Kosten. Und die Wahrscheinlichkeit, diese Rendite zu übertreffen, lag immerhin bei 50 %. Schlagende Argumente also für langfristiges Sparen in Aktien. Lei- der wissen um diese Vorteile nur ver- gleichsweise wenige Anleger. Zwar kennen rund 80 % der Finanzent- scheider in deutschen Haushalten Fondssparpläne. Davon gaben aber auch rund 63 % an, die Funktions-

„Egal, wann ein Anle- ger in den zurücklie- genden 25 Jahren damit begonnen hat, regelmäßig in den Dax zu investieren – wenn er bis heute dabei geblieben ist, liegt seine Rendite im- mer bei mindestens 5%, in den letzten fünf Jahren waren es sogar mehr als 10%.“

weise nur grob oder gar nicht zu ver- stehen. Ein Informationsdefizit, das den deutschen Anleger auf lange Sicht einen Gutteil seiner Rendite- chancen kosten kann. Die noch wenig gefestigte Aktien- kultur in Deutschland wird aber auch an anderen Stellen deutlich. So spielt beispielsweise die Aktie in der Anlagetradition vieler Familien kei- ne große Rolle. Während in anderen Ländern Familienvermögen über Jahrzehnte in Aktien investiert und so vermehrt wurde, kamen viele Deutsche mit der Aktie erstmals rund um die Jahrtausendwende in Kontakt. Und haben sich im Dot- com-Rausch die Finger verbrannt.

So ist die Aktie bis heute keine Anla- ge für die breite Masse: Nur 8,8 Milli- onen Bundesbürger sind Aktionäre, das entspricht kaum mehr als 10 %. Kurzfristig wird Deutschland wohl nicht zum Land der Aktionäre. Die Chancen stehen aber gut, dass sich so mancher Anleger im aktuellen Umfeld doch auf die Stärken der Ak- tie besinnt und den Einstieg wagt. Denn bei niedrigen Zinsen rückt ein Thema in den Fokus, das bei vielen bislang kaum eine Rolle spielte: der Wert einer soliden Dividende. Mehr als 28 Mrd. Euro haben deutsche Un- ternehmen allein im Jahr 2013 an ih- re Aktionäre ausgeschüttet, das ent- spricht einer Dividendenrendite von 3,2 %. Noch deutlicher wird der Wert der Dividende auf längere Sicht: Knapp 50 % der Dax-Gewinne in den vergangenen 25 Jahren entfal- len auf die Wiederanlage der Divi- dende. Ein immenser Anteil, wenn man bedenkt, dass der Dax seit sei- ner Auflegung einen durchschnittli- chen Jahreszuwachs von über 8 % verbuchen konnte. Dabei ist die Dividende eine recht planbare Größe – hängt sie doch di- rekt vom wirtschaftlichen Erfolg des jeweiligen Unternehmens ab und we- niger von den nervösen Fieberkur- ven der Finanzmärkte. Folglich kann es für Anleger durchaus eine Option sein, über schwankungsarme Divi- dendentitel den Einstieg in Aktien zu wagen und damit auch auf lange Sicht eine ertragreiche Strategie zum Vermögensaufbau im Niedrigzinsum- feld zu erreichen. Am besten gelingt das über aktiv gemanagte, gut diver- sifizierte Fonds, mit denen sich das Risiko, auf die falschen Unterneh- men zu setzen, minimieren lässt. Nach 25 Jahren Dax wäre es tat- sächlich an der Zeit, dass auch deut- sche Anleger stärker auf ihren Leitin- dex setzen und von den Erfolgen nicht immer mehr ausländische In- vestoren profitieren. Die deutschen Unternehmen haben ihr Bestes gege- ben und können im internationalen Vergleich auf ganzer Linie überzeu- gen. Der Dax spiegelt das wider und ist nicht ohne Grund im Höhenflug. Jetzt ist der deutsche Anleger dran, die Früchte selbst zu ernten.

Der Dax ist die Wiege

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auf den Dax an. Durch die große Viel- falt von Ausstattungsmerkmalen können die Privatanleger mit ihren verschiedenen Markterwartungen und Risikoneigungen aus mehr als 115 100 Zertifikaten das passende Produkt auswählen. Von den Dax-Zertifikaten entfällt jeweils et- wa die Hälfte auf Anlagezertifikate und Hebelprodukte. Zertifikate auf den Dax machen mehr als 10 % aller gelisteten derivativen Wertpapiere aus. Der Dax ist damit die absolute Nummer 1 unter den Basiswerten von Zertifikaten. Auch beim investierten Volumen der Privatanleger steht der Dax ganz weit oben. In der Liste der Top 10 der Basiswerte in Deutschland sind mit dem Euro Stoxx 50 und dem Dax zwei Indizes die Spitzenreiter. Der- zeit sind rund 2.9 Mrd. Euro in Dax-Zertifikate investiert. Der Grund dafür ist ein ganz einfacher. Die Zu- sammensetzung des Dax ermöglicht dem privaten Anleger, sich nicht auf eine Aktie festzulegen, sondern ganz breit gestreut in die deutschen Spit- zenunternehmen zu investieren.

Zahlreiche Varianten

Mit der Erfindung des Index-Zerti- fikats im Jahr 1990 ist die Zeit aller- dings nicht stehen geblieben. Die Zertifikatebranche war im hohen Ma- ße innovativ und hat Zertifikate- typen mit ganz unterschiedlichen Ri- sikoprofilen entwickelt. Und so wird der Dax nicht mehr nur bei In- dex-Zertifikaten als Basiswert ge- nutzt. So können auch Dax-Zertifikate ih- re großen Vorteile ausspielen. Zertifi- kate sind maßgeschneiderte Finanz- produkte. Jeder Privatanleger kann nach seiner Risikoneigung, Rendite- erwartung und Markteinschätzung das für ihn geeignete Zertifikat fin- den. Eine wesentliche Vorausset- zung hierfür ist allerdings ein klar strukturiertes Produktuniversum, dessen Einteilung der Privatanleger leicht nachvollziehen kann. Der Deutsche Derivate Verband (DDV)

hat sich deshalb mit seinen Mitglie- dern und Fördermitgliedern auf eine gemeinsame Produktklassifizierung, die sogenannte Derivate-Liga, ver- ständigt. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten und am meis- ten gehandelten Zertifikatetypen – vom sicheren Kapitalschutz-Zertifi- kat bis hin zum spekulativen Knock-out-Produkt. Sie vergleicht dabei die Produktkategorien mit den elf Spielpositionen einer Fußball- mannschaft. Beschrieben werden die Funktionsweise, die dazugehöri- ge Markterwartung, Vorteile und Chancen sowie Nachteile und Risi- ken der verschiedenen Zertifikate- typen. Damit lassen sich die wesentli- chen produktspezifischen Merkmale einfach miteinander vergleichen. Der private Anleger kann so auch in Zukunft schnell und unkompliziert die Produkttypen mit dem Basiswert Dax identifizieren, die zu seiner Risi- koneigung und seiner Markterwar- tung passen.

Förderer der Aktienkultur

Der Dax hat für die Förderung der Aktienkultur in Deutschland einen ganz entscheidenden Beitrag geleis- tet. Das Gleiche gilt für die Zertifika- te, die es erstmals den Anlegern er- möglichten, auch in diesen Aktien-In- dex zu investieren. Anders als viel- fach behauptet, stehen Zertifikate und Aktien nicht miteinander im Wettbewerb, sondern ergänzen sich. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der Zertifikatemarkt ei- nen positiven Einfluss auf den Akti- enmarkt hat. Denn Emittenten von Aktien-Zertifikaten sichern sich in al- ler Regel mit den entsprechenden Aktien ab. Zertifikate erhöhen so die Liquidität, verringern die Volatilität und wirken damit stabilisierend auf den Aktienmarkt. Die deutsche Zertifikatebranche ist der Wiege längst entwachsen und inzwischen volljährig. Aber dennoch besteht zwischen Dax und Zertifika- ten nach wie vor eine enge Verbin- dung, die nicht nur der deutschen Aktienkultur guttut, sondern gerade auch den privaten Anlegern, die in diese innovativen Finanzprodukte in-