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Brücke (Künstlergruppe) – Wikipedia http://de.wikipedia.

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Brücke (Künstlergruppe)
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Brücke war eine expressionistische


Künstlergruppe (auch KG Brücke genannt), die
am 7. Juni 1905 in Dresden von den vier
Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Fritz
Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff
gegründet wurde und als ein Wegbereiter des
deutschen Expressionismus gilt.

Weitere Mitglieder der Künstlergruppe wurden


Max Pechstein, Otto Mueller und Cuno Amiet,
kurzzeitig auch Emil Nolde und Kees van
Dongen. Ernst Ludwig
Kirchner:
Ausstellungsplakat
der Galerie Arnold in
Dresden, 1910

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Inhaltsverzeichnis
1 Begriff
2 Charakterisierung und Zielsetzung
3 Geschichte der Gruppe
3.1 Gründung in Dresden — Juni 1905
3.2 Werbung weiterer Mitglieder ab 1906
3.3 Pechstein zieht nach Berlin — 1908
3.4 Gründung der Neuen Secession — 1910
3.5 Umzug nach Berlin — Ende 1911
3.6 Auflösung — Mai 1913
4 Bildthemen
5 Ausstellungen
6 Mitglieder der Brücke
7 Rezeption
7.1 Vorbilder
7.2 Nachwirkung
8 Galerie
9 Literatur
10 Weblinks
11 Einzelnachweise

Begriff
Der Name Brücke geht auf Schmidt-Rottluff
zurück.[1] Nicht abschließend geklärt ist, ob
er sich damit auf die vielen Brücken
Dresdens bezog, die den Künstlern häufig
als Motiv dienten, oder ob es sich um eine
Metapher für den Willen zum Uferwechsel
in der Kunst und die Überwindung alter
Konventionen handeln sollte. Vermutet wird Dresden um 1900. Hier
auch, dass der Name aus Friedrich wurde 1905 die
Nietzsches Also sprach Zarathustra Künstlergruppe Brücke
entlehnt wurde, in dem es heißt: „Ihr seid gegründet.
nur Brücke: mögen Höhere auf euch
hinüberschreiten!“[2]

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Heckel schrieb über die Namengebung in sein Tagebuch: „Wir haben


natürlich überlegt, wie wir an die Öffentlichkeit treten könnten. Eines
Abends sprachen wir auf dem Nachhauseweg wieder davon. Schmidt-
Rottluff sagte, wir könnten das Brücke nennen – das sei ein
vielschichtiges Wort, würde kein Programm bedeuten, aber
gewissermaßen von einem Ufer zum anderen führen.“[1]

Charakterisierung und Zielsetzung


Im Gegensatz zum französischen Fauvismus waren für die Brücke-Maler
neben der malerischen Form und Bildkomposition auch die seelisch-
psychischen Momente und die damit in ihren Augen verbundene
Erkenntnis oder Vermutung über den Kern der Dinge bedeutsam. Dabei
wandten sie sich vom Menschenbild des 19. Jahrhunderts ab und stellten
bisherige Tabuthemen in ihren Malereien dar. Sie wollten ihre
Mitmenschen aufrütteln und beunruhigen.

Die genauen Zielsetzungen der Künstlergruppe standen im


Gründungsjahr noch nicht fest. „Wovon wir weg mussten, war uns klar –
wohin wir kommen würden, stand allerdings weniger fest“, erinnerte sich
Heckel später.[3]

Das von Kirchner verfasste Programm der Brücke wurde am 9. Oktober


1906 der Öffentlichkeit in der Elbtal-Abendpost präsentiert. Kirchner
fertigte einen Holzschnitt an, auf dem er das Programm formulierte: „Mit
dem Glauben an Entwicklung, an eine neue Generation der Schaffenden
wie der Genießenden rufen wir alle Jugend zusammen, und als Jugend,
die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen
gegenüber den wohlangesessenen älteren Kräften. Jeder gehört zu uns,
der unmittelbar und unverfälscht wiedergibt, was ihn zum Schaffen
drängt.“[4]

Die Bildung eines einheitlichen Gruppenstils zählte zu den erklärten


Zielen der Brücke.

Wesentliche malerische Merkmale sind eine intensive und kontrastreiche


Benutzung von Farbe, die Veränderung der Form durch bewusste
Vergröberung und Verzicht auf Details, der „holzschnittartige“ Charakter
der Malerei, kantige Formen und eine kühne Raumgestaltung. Weitere

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Techniken umfassen den Holzschnitt, die


Lithografie und das Aquarell. Die Farbe
wurde teilweise sehr pastos aufgetragen,
manchmal aber auch mit Benzin verdünnt,
um ein schnelleres Arbeiten zu
ermöglichen.

Zu den bevorzugten Motiven der


Brücke-Maler zählten der Mensch in
Bewegung, Zirkus und Varieté, die Nacht,
das Hintergründige, Mensch und Natur,
Tanz, Leben in der Großstadt, Akte und
Badende.

Geschichte der Gruppe


Gründung in Dresden — Juni 1905

Im Jahr 1902 lernten sich die Programm der Brücke,


Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner 1906, Holzschnitt von Ernst
und Fritz Bleyl an der Technischen Ludwig Kirchner
Hochschule Dresden kennen. Zur gleichen
Zeit schlossen die Gymnasiasten Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel
Bekanntschaft. Zwei Jahre später gingen auch sie nach Dresden, um
dort Architektur zu studieren. Über Heckels Bruder, der mit Kirchner
befreundet war, kamen Schmidt-Rottluff und Heckel mit diesem in
Kontakt.[5]

Schon bald entdeckten die vier Kommilitonen ihr gemeinsames Interesse


an der Kunst und beschlossen, eine Künstlergruppe zu gründen, obwohl
keiner von ihnen eine malerische Ausbildung besaß. Ihnen war jedoch
der Wunsch gemein, die akademische Malweise hinter sich zu lassen
und der Kunst eine völlig neue Richtung zu geben. Schmidt-Rottluff und
Heckel brachen ihr Studium ab, um sich vollends der Malerei widmen zu
können.

Das genaue Gründungsdatum der Künstlergruppe war lange Zeit


umstritten. Kunstkritiker wie Karl Scheffler, Carl Einstein, Will Grohmann
und Franz Roh schwankten in ihren Angaben zwischen den Jahren 1900

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und 1906. Erst 1973 offenbarte die


Entdeckung einer Kirchner-Skizze den 7.
Juni 1905 als Gründungstag.[6]

Unmittelbar nach ihrem Zusammenschluss


legte die Gruppe das Stammbuch Odi
profanum an, in dem jedes Mitglied seine
Ideen und Vorstellungen notierte.[5] Das
Motto leiteten sie in Anspielung auf eine
Ode des Horaz ab — Odi profanum vulgus
(Hinweg, unheil’ger Pöbel).[7]
Ernst Ludwig Kirchner:
Kirchners Wohnung und Bleyls Atelier im Porträt einer Frau, signiert
Dachgeschoss des Hauses auf der Berliner 1907, Saint Louis Art
Straße 65 wurden als gemeinschaftliche Museum, Missouri
Arbeitsräume bald zu eng. Auf der Berliner
Straße 60 in der Dresdner Friedrichstadt
mietete Heckel daher einen leerstehenden Fleischerladen an, der für die
Künstler als Lager und später von Kirchner als Wohn-, Schlaf- und
Arbeitsstätte genutzt wurde.[8] Als Atelier diente ein ehemaliger
Schusterladen, der über gutes Licht verfügte. Die Räume wurden mit
Batiken und Bildern geschmückt und mit selbst angefertigten und
bemalten Möbeln eingerichtet. In dieser Umgebung gingen die Künstler
ans Werk. In ihren Freundinnen fanden sie die ersten Aktmodelle und
widmeten sich nebenbei der Lektüre von Nietzsche, Arno Holz und Walt
Whitman.

Die Anfangszeit der Brücke war sehr produktiv. Heckel sagte später: Hier
[im Atelier] waren wir jede freie Stunde.[3] Da Heckel seine Bilder jedoch
teilweise übermalte und Schmidt-Rottluff die meisten seiner frühen
Arbeiten vernichtete, sind aus dieser Phase nur wenige Werke erhalten.

Werbung weiterer Mitglieder ab 1906

Schon früh begann das Werben um weitere aktive als auch passive
Mitglieder. Den Passivmitgliedern wurde — gegen einen jährlichen
Mitgliedsbeitrag von 12 und später 25 Mark — eine Jahresmappe mit
Originalgraphiken der Künstler sowie ein Jahresbericht mit Informationen

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über die Arbeit der Brücke angeboten.

1906 trat neben Max Pechstein auch Emil


Nolde der Gruppe bei. Schmitt-Rottluf
schrieb dem 17 Jahre älteren und
fortgeschritteneren Nolde im Frühjahr 1906,
„die hiesige Künstlergruppe Brücke würde
es sich zur hohen Ehre anrechnen, Sie als
Mitglied begrüßen zu können.“ Der Appell
zum Anschluß fand Gehör. Nolde hatte der
Künstlergruppe nicht nur kunsthistorisch
folgenreiche Kontakte vermittelt, sondern
auch die Kunst der Radierung. Er verließ
die Gruppe jedoch bereits 1907. Er fühlte
Otto Mueller: Zirkuspaar. sich von dem Trend zum Einheitsstil
Der Zirkus war ein künstlerisch „gestört“ und äußerte: „Ihr
beliebtes Motiv der Brücke- solltet euch nicht Brücke, sondern van
Maler. Goghiana nennen“.[9] Auch Bleyl schied
aus der Gruppe aus, um einen Lehrauftrag
als Architekt in Freiberg zu übernehmen.

Die Werbung weiterer aktiver Mitglieder war nicht ohne Erfolg, jedoch
blieben sie meist ferne, gelegentlich hilfreiche Trabanten. Am stärksten
traten der Schweizer Cuno Amiet und der Niederländer Kees van
Dongen aus dem Kreis der Fauves in Erscheinung.[9] Amiet wurde von
Heckel 1906 postalisch und van Dongen 1908 von Pechstein persönlich
in Paris angesprochen. Van Dongen, die international bedeutendste
Anwerbung der Brücke, beteiligte sich 1908 an der Parallelausstellung
französischer Künstler im Kunstsalon Richter und wird ein Jahr als
Mitglied geführt. Mit Edvard Munch und Henri Matisse forderte die
Brücke zudem die Überväter der eigenen Rebellion zum Beitritt auf —
vergeblich.[9]

Bis zum Zeitpunkt ihrer Auflösung hatte die Gruppe 68 Passivmitglieder,


vorwiegend Intellektuelle und Angehörige des Bürgertums. In Hamburg
waren es zuerst der Jurist und Graphiksammler Gustav Schiefler mit
seiner Frau Luise, die im Herbst 1905 von der Gründung der Brücke
hörten und nach Dresden reisten. Schiefler erstellte Werkverzeichnisse
von vielen Künstlern und begann 1917, Kirchners Druckgraphik zu

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katalogisieren.

Im Jahr 1907 bat die Hamburger Kunsthistorikerin Dr. Rosa Schapire um


Aufnahme als passives Mitglied. Sie widmete ihr Leben den Werken der
Brücke-Künstler, hielt Vorträge, erstellte Werkverzeichnisse und stand in
regem Postkarten- und Briefwechsel mit den Malern. Der von ihr am
höchsten geschätzte Karl Schmidt-Rottluff malte 1911 das Bildnis Rosa
Schapire. Ebenfalls 1907 wurde Martha Rauert, Ehefrau des Hamburger
Rechtsanwalts und bekannten Kunstmäzens Dr. Paul Rauert, Schwager
und enger Freund Albert Ballins[10], in die Reihen der passiven
Mitglieder der Brücke aufgenommen. Karl Schmidt-Rottluff malte Paul
Rauert 1911. Emil Nolde malte ihn 1910 und 1915.

Pechstein zieht nach Berlin — 1908

1908 zog Pechstein nach Berlin. Er sollte ein Haus des Architekten
Bruno Schneidereit am Kurfürstendamm ausmalen und richtete sich dort
ein Atelier ein. Heckel und Kirchner besuchten ihn mehrmals. Pechstein
berichtete später: „Als wir in Berlin beisammen waren, vereinbarte ich mit
Heckel und Kirchner, dass wir zu dritt an den Seen um Moritzburg nahe
Dresden arbeiten wollten.“[11]

Das Ziel dieser Ausflüge war die Darstellung der Harmonie von Mensch
und Landschaft. Die Künstler wollten den Menschen in seiner wahren
Natur darstellen. Ein sehr beliebtes Motiv waren Badende. Als
Aktmodelle dienten neben Freunden der Künstler auch Kinder.
Besonders die neunjährige Fränzi wurde von den Brücke-Malern gern
und häufig porträtiert. Pechstein war der Meinung, dass die Arbeit an den
Moritzburger Seen das Wirken der Gemeinschaft „abermals ein großes
Stück vorwärts gebracht“ habe.[11] Um diese Zeit war erstmals ein
einheitlicher Gruppenstil erkennbar.

Gründung der Neuen Secession — 1910

1910 wurden unter anderem Pechsteins Bilder von der Berliner


Secession abgelehnt. Dies hatte die Gründung der Neuen Secession
unter Pechsteins Leitung zur Folge, der aus Solidarität auch die übrigen
Brücke-Mitglieder beitraten. Im Mai 1910 fand im Kunstsalon Macht an
der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche die Protestausstellung

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Zurückgewiesener der Secession Berlin


statt. Die Kritiken fielen vernichtend aus.
Max Osborn schrieb, wenn die Gruppe auf
diesem Weg blind weitertappe, werde das
Ende ein großes Fiasko und ein ungeheurer
Katzenjammer sein.[12]

Pechstein notierte in seinen Erinnerungen:


„Man bespie unsere Bilder, auf die Rahmen
wurden Schimpfworte gekritzelt und ein
Gemälde von mir (…) von einem Missetäter
mit einem Nagel oder Bleistift
durchbohrt.“[11] Infolge dieser Ausstellung
Otto Mueller: Landschaft
trat Otto Mueller als letztes Mitglied der
Gruppe bei. mit Badenden. Bei ihren
Ausflügen in die freie Natur
Umzug nach Berlin — Ende 1911 schufen die Maler
zahlreiche Aktbilder.
Ende des
Jahres 1911 folgten die anderen Mitglieder
Pechstein und siedelten ebenfalls in die
Hauptstadt über. Heckel übernahm das
Atelier von Mueller in Steglitz. Kirchner zog
nach Wilmersdorf, wo auch Pechstein
arbeitete, und gründete mit diesem die
Malschule MUIM-Institut (Moderner
Berlin im Jahr 1912. Ein Unterricht im Malen), die jedoch wenig
Jahr zuvor waren die später wegen Schülermangels wieder
Brücke-Künstler in die schließen musste.
Hauptstadt gezogen.
Gemälde von Paul In Berlin erhofften sich die Brücke-Maler
Hoeniger. einen besseren Kontakt zu Sammlern und
Händlern sowie ein aufgeschlossenes
Publikum. Doch das Leben war hart, und
die Künstler hatten mit schwerer finanzieller Not zu kämpfen. Sie
nahmen Kontakt zu den Verlegern Herwarth Walden und Franz Pfemfert
auf und veröffentlichten ihre Arbeiten in deren Zeitschriften Der Sturm
und Die Aktion.

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Das Leben in der Großstadt beeinflusste


die Künstler nachhaltig. Hier kamen sie
erstmals mit den Werken des Kubismus und
des Futurismus in Berührung, deren
Stilelemente in ihre eigenen Bilder
einflossen. Auch wenn die Brücke-
Mitglieder nach wie vor
zusammenarbeiteten, löste sich der
Gruppenstil langsam auf, und mehrere
Individualstile nahmen seinen Platz ein.

Sie stellten im Februar 1912 in der Galerie


Goltz in München gemeinsam in der
zweiten Ausstellung des Blauen Reiters Umschlag der
aus, der dort ein Jahr zuvor gegründet Jahresmappe 1912 nach
worden war, und beteiligten sich im einem Entwurf von Otto
Sommer an der bedeutenden Mueller, die wegen
Sonderbundausstellung in Köln. Pechsteins Ausschluss nie
veröffentlicht wurde
Kurz darauf wurde Pechstein als Verräter
aus der Brücke ausgeschlossen, da er ohne
Erlaubnis der anderen in der Berliner Secession ausgestellt hatte.
Kirchner sprach später von einem Vertrauensbruch.[5] Die bereits
fertiggestellte Jahresmappe über Pechstein wurde daraufhin nicht mehr
veröffentlicht, und die Gruppe trat geschlossen aus der Neuen Secession
aus.

Auflösung — Mai 1913

Im Jahresbericht 1912 kündigte Kirchner an, dass noch im Frühjahr eine


Chronik von Brücke erscheinen werde. Diese von Kirchner verfasste
Schrift entstand zwar im Einvernehmen mit den anderen
Gruppenmitgliedern, doch der Text war ihnen zu einseitig und wurde
abgelehnt. Kirchner stellte sich in der Chronik selbst als wahres Genie
der Gruppe dar und hob seinen Einfluss hervor. Er schrieb außerdem
unter einem Pseudonym Kritiken über die Werke der Brücke-Maler, in
denen er die anderen Mitglieder beschuldigte, von ihm abgeschaut zu
haben. Um seinen Führungsanspruch zu untermauern, datierte er sogar
einige seiner Bilder vor.

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Heckel sagte später über die Chronik: „Der Text hat uns vor den Kopf
gestoßen.“[3] Kirchner empfand die Ablehnung durch seine Kameraden
wiederum als Undankbarkeit[13] und zog sich in der Folgezeit immer
mehr zurück. Im Mai 1913 beschlossen daraufhin die übrigen Mitglieder
die Auflösung der Gruppe. In einem Brief, der von Kirchner nicht mehr
unterzeichnet wurde, setzten Heckel und Schmidt-Rottluff die
Passivmitglieder davon in Kenntnis.

Die Chronik, die letztlich zum Ende der Gemeinschaft geführt hatte,
wurde von Kirchner einige Jahre später doch noch veröffentlicht. Später
distanzierte er sich von der Brücke und wollte nicht mehr in
Zusammenhang mit dieser genannt werden.

Bildthemen
Die ersten Themen der Brücke waren das
Stadtleben, Zirkus und Varieté, der Mensch
in Bewegung, Tanz, Aktdarstellungen und
Landschaften. Sie veranstalteten schon
bald Exkursionen aufs Land und in die freie
Natur, zum Beispiel nach Goppeln. 1907
entdeckte Heckel durch Zufall die Ortschaft
Dangast im Atlas, die von den Künstlern in
den darauf folgenden Jahren häufig
besucht und in zahlreichen Bildern
festgehalten wurde. Auch andere Ausflüge, Ernst Ludwig Kirchner:
etwa nach Fehmarn, die Flensburger Förde Sitzende Dame (Dodo),
oder Nidden auf der Kurischen Nehrung 1907, Pinakothek der
wurden unternommen, häufig jedoch nicht Moderne
geschlossen, sondern in Kleingruppen oder
alleine.

Ausstellungen
1905 fand im Durchgangsraum der Leipziger Kunsthalle von Beyer und
Sohn erstmals eine Ausstellung von Brücke-Bildern statt.[14] Im Juli 1906
wurden weitere Werke in Braunschweig gezeigt.

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Die erste Brücke-Ausstellung in Dresden fand am 24. September


1906[15] im Mustersaal der Lampenfabrik statt. Ein von Bleyl gefertigtes
Plakat, das einen Frauenakt zeigte, war von der Polizei im Vorfeld
verboten worden.[16]

Die Veranstaltung war kein Erfolg. Die Zuschauer blieben fern und auch
die Kritiken waren gemischt. Das konservative, monarchisch geprägte
Dresdner Publikum reagierte größtenteils ablehnend und schockiert auf
die Werke der Maler, ebenso wie auf deren unkonventionelle Lebens-
und Arbeitsweise. Von ihren Kritikern wurden sie als „Hottentotten im
Frack“ bezeichnet.[17] In den Folgejahren wurden Wanderausstellungen
der Brücke-Künstler in ganz Deutschland gezeigt.

Mitglieder der Brücke


Die Mitglieder der Künstlergruppe Brücke, in
Klammern die Zeit ihrer Mitgliedschaft:

Ernst Ludwig Kirchner (1905–1913)


Karl Schmidt-Rottluff (1905–1913)
Fritz Bleyl (1905–1907)
Erich Heckel (1905–1913)
Max Pechstein (1906–1912)
Emil Nolde (1906–1907)
Otto Mueller (1910–1913)

Folgende Künstler wurden zwar in die Gruppe


aufgenommen, werden jedoch bis heute nicht Ernst Ludwig
zum engeren Kreis der Brücke-Mitglieder gezählt, Kirchner:
da sie eher selten mit den anderen Mitgliedern Die Maler der
zusammenarbeiteten und nur an wenigen „Brücke“, 1925,
Ausstellungen beteiligt waren. (v. l. n .r):
Mueller, Kirchner,
Cuno Amiet (1906–1913) Heckel, Schmidt-
Akseli Gallen-Kallela (1907–1908) Rottluff
Kees van Dongen (1908–1909)
Franz Nölken (1908–1912)
Bohumil Kubišta (1911–1913)

Rezeption
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Vorbilder

Ein großes Vorbild der Brücke war Vincent


van Gogh, von dem bereits 1905 in der
Dresdner Galerie Arnold 50 Gemälde
ausgestellt waren. Fritz Schumacher, ein
ehemaliger Lehrer der Brücke-Mitglieder
sagte, die Künstler seien angesichts der
Bilder „außer Rand und Band“ geraten.[18]
Van Goghs Einfluss wird vor allem
hinsichtlich der Pinselführung und der Vincent van Gogh:
Farbgebung deutlich. Sternennacht. Der
niederländische Maler gilt
Auch Paul Gauguin beeinflusste die Kunst als ein wichtiges Vorbild
der Brücke nachhaltig. Seine Bilder wurden der Brücke
1906 in Dresden gezeigt. Gauguins Reisen
nach Tahiti veranlassten Nolde und
Pechstein später zu Aufenthalten in der Südsee und auf Palau.

Zahlreiche Anregungen holten sich die Brücke-Maler bei Besuchen im


Dresdner Kupferstichkabinett und den dort ausgestellten Werken der
Renaissance und des Barock. Kirchner war ein großer Bewunderer
Albrecht Dürers, den er in der Chronik als „Pfadfinder der Gestaltung“
bezeichnete.[5]

Die Künstler beschäftigten sich eingehend mit den Holzschnitten des 15.
und 16. Jahrhunderts und dem Flächenholzschnitt des 19. Jahrhunderts.
Im Dresdner Völkerkundemuseum lernten sie die afrikanische
Primitivkunst (Art primitif) kennen, deren Holzplastiken und Masken sie in
ihrem gestalterischen Ausdruck beeinflussten. Entsprechende
Studienobjekte erstand man bei seinerzeit in Deutschland noch seltenen
Händlern exotischer Kunst, wie dem Volkskundler Julius Konietzko.

Während ihrer Zeit in Dresden bezog die Gruppe mehrere


Kunstzeitschriften, darunter die englische Studio und die Münchner
Jugend. In Publikationen wie Ver Sacrum entdeckten sie den
Symbolismus und den Jugendstil. Einmal brachte Kirchner aus einer
Bibliothek einen Band von Julius Meier-Graefe über moderne
französische Kunst mit. Bleyl sagte dazu: „Wir waren begeistert (…) Wir

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suchten Weiterbildung, fortschrittliche Entwicklung und Lösung von


Herkömmlichen.“[19] 1907 reiste Pechstein im Anschluss an einen
Italienaufenthalt nach Paris und lernte dort die Arbeiten der Fauves
kennen. 1908 stellten die beiden Gruppen gemeinsam in Dresden aus. In
den Berliner Jahren der Brücke finden sich kubistische und futuristische
Elemente in den Bildern der Künstler.

Nicht eindeutig belegt ist der Einfluss Edvard Munchs auf die
Künstlergruppe. 1906 waren im Sächsischen Kunstverein 20 Werke des
Malers zu sehen, um dessen Mitgliedschaft sich die Brücke vergeblich
bemühte. Später bestritten jedoch alle Mitglieder, von Munch beeinflusst
worden zu sein.[20]

Nachwirkung

In den Jahren der Weimarer Republik erlangten vor allem die ehemaligen
Brücke-Mitglieder Emil Nolde, Max Pechstein und Ernst Ludwig Kirchner
große Popularität. Die stimmungsvollen Bilder der Künstlergruppe hatten
darüber hinaus einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des
deutschen Films der 1920er und 1930er Jahre. Regisseure wie Fritz
Lang (Metropolis), Friedrich Wilhelm Murnau (Nosferatu – Eine
Symphonie des Grauens) oder Robert Wiene (Das Cabinet des Dr.
Caligari) zitierten in ihren Werken Stilmittel der Expressionisten.

1926 malte Kirchner das Gruppenbild Eine Künstlergemeinschaft, auf


dem neben ihm selbst Schmidt-Rottluff, Heckel und Mueller zu sehen
sind.

Während der Zeit des Nationalsozialismus galten expressionistische


Bilder als „Entartete Kunst“. Die Ausstellung „Entartete Kunst“, die
insgesamt etwa 650 Bilder zeigte, bestand annähernd zur Hälfte aus
Werken der Brücke-Maler.

1957 veranstaltete der Oldenburger Kunstverein die bahnbrechende


Ausstellung „Maler der Brücke in Dangast von 1907 bis 1912“, die vom
damaligen Kustos am Niedersächsischen Landesmuseum für Kunst und
Kulturgeschichte, Gerhard Wietek, kuratiert wurde. Die Ausstellung, mit
der auch die kunstgeschichtliche Bedeutung des Nordseebades Dangast
gezeigt werden konnte, trug wesentlich zur nachfolgenden Forschung

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über die Künstlergruppe bei.

1967 wurde in Berlin das Brücke-Museum


eröffnet, dessen Bau von Schmidt-Rottluff
angeregt worden war. Das Museum zählt etwa
400 Gemälde und Plastiken und einige Tausend
Zeichnungen, Aquarelle und Graphiken und ist
damit die weltweit größte zusammenhängende
Sammlung von Werken dieser
expressionistischen Künstler. 2001 wurde das
100 Jahre KG
Museum der Phantasie in Bernried eröffnet, das
Brücke: deutsche
die von Lothar-Günther Buchheim
Briefmarke von 2005
zusammengetragene umfangreiche Sammlung
von namhaften Werken der Brücke-Maler
ausstellt.

Die Künstlergruppe Brücke und ihre Werke genießen neben dem Blauen
Reiter bei vielen Kunstkennern den Ruf, sie seien der bedeutendste
Beitrag der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts an der „Weltkunst“.

2005 fanden anlässlich des 100. Gründungsjubiläums der Brücke


zahlreiche Sonderausstellungen statt. Das Bundesministerium der
Finanzen gab eine 55-Cent-Sonderbriefmarke heraus.

Galerie

Otto Mueller: Am Otto Mueller: Otto Mueller: Otto Mueller:


Ufer sitzendes Häuser mit Stehendes Zwei
Mädchen grünen Dächern Liebespaar Zigeunerinnen

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Otto Mueller: Otto Mueller: Ernst Ludwig


Zwei Zwei sitzende Kirchner:
Mädchenakte Mädchen Spielende nackte
Menschen,
1910/11

Literatur
Horst Jähner: Künstlergruppe Brücke. Geschichte einer
Gemeinschaft und das Lebenswerk ihrer Repräsentanten. Seemann,
Leipzig 2005, ISBN 3-86502-123-9.
Gerd Presler: Die Brücke. Rowohlt, Reinbek 2007, ISBN
978-3-499-50642-0.
Birgit Dalbajewa, Ulrich Bischoff (Hrsg.): Die BRÜCKE in Dresden
1905–1911. Katalog zur Sonderausstellung Oktober 2001 bis Januar
2002 im Dresdner Schloss. König, Köln 2001, ISBN 3-88375-516-8.
Christian Saehrendt: Die Kunst der „Brücke“ zwischen Staatskunst
und Verfemung. Expressionistische Kunst als Politikum in der
Weimarer Republik, im „Dritten Reich“ und im Kalten Krieg. Reihe
Pallas Athene. Beiträge zur Universitäts- und
Wissenschaftsgeschichte. Band 13. Hrsg. Rüdiger vom Bruch,
Eckart Henning. Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08614-5.
Meike Hoffmann: Leben und Schaffen der Künstlergruppe "Brücke"
1905 bis 1913: mit einem kommentierten Werkverzeichnis der
Geschäfts- und Ausstellungsgrafik. Berlin: Reimer 2005 Zugl.: Berlin,
Freie Univ., Diss. ISBN 3-496-01331-1

Weblinks
Commons: Die Brücke (//commons.wikimedia.org
/wiki/Category:Die_Br%C3%BCcke?uselang=de) – Sammlung von
Bildern, Videos und Audiodateien

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Brücke Museum (http://www.bruecke-museum.de/) in Berlin-Dahlem


Die Brücke – Erklärung und Werke (http://www.kettererkunst.de
/lexikon/die-brucke.shtml) bei Ketterer Kunst
Sonderausstellung (http://www.sprengel-museum.de/ausstellungen
/vorschau/mythos-fraenzi-und-marzella.htm) Der Blick auf Fränzi
und Marcella. Zwei Modelle der Brücke-Künstler. Im Sprengel
Museum Hannover, 29. August 2010 bis 9. Januar 2011

Einzelnachweise
1. Ulrike Lorenz, Norbert Wolf (Hrsg.): Brücke — Die deutschen
„Wilden“ und die Geburt des Expressionismus, Taschen Verlag, Köln
2008, S.6
2. Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. (http://web.archive.org
/web/20080123152957/http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1961&
kapitel=83&cHash=90a556f8dcals6012#gb_found) Projekt
Gutenberg
3. Gespräch Hans Kinkels mit Heckel. In: Das Kunstwerk. 1985
4. Ulrike Lorenz, Norbert Wolf (Hrsg.): Brücke — Die deutschen
„Wilden“ und die Geburt des Expressionismus, Taschen Verlag, Köln
2008, S.11
5. Ernst Ludwig Kirchner: Chronik KG Brücke. 1913
6. Karl Scheffler: Malerei vom Impressionismus bis zur Gegenwart. S.
211. Carl Einstein: Die Kunst des 20. Jahrhunderts. S. 129. Will
Grohmann: Zwischen den beiden Kriegen. S. 144. Franz Roh:
Nach-Expressionismus. S. 52
7. Ulrike Lorenz, Norbert Wolf (Hrsg.): Brücke — Die deutschen
„Wilden“ und die Geburt des Expressionismus, Taschen Verlag, Köln
2008, S.8
8. Das Kunstwerk. Baden-Baden 1958, S. 24
9. Ulrike Lorenz, Norbert Wolf (Hrsg.): Brücke — Die deutschen
„Wilden“ und die Geburt des Expressionismus, Taschen Verlag, Köln
2008, S.12-13
10. Albert Ballin von Johannes Gerhardt. Hamburgische
Wissenschaftliche Stiftung, Seite 18 (http://hup.sub.uni-hamburg.de
/opus/volltexte/2009/95/pdf/HamburgUP_MfW_06_Ballin.pdf) (PDF;
2,8 MB)
11. Max Pechstein: Erinnerungen. Hrsg. Leopold Reidemeister. S. 41f.
12. Kunstchronik 1910/11, S. 19f.
13. Lothar-Günther Buchheim: Die KG Brücke. 1956, S. 172
14. Leipziger Volkszeitung, 16. November 1905
15. Was ist was? 1906: „Die Brücke“ stellt aus (http://www.wasistwas.de
/geschichte/alle-artikel/artikel/link//b93ed0ed22/article/1906-

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Brücke (Künstlergruppe) – Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Brücke_(Künstlergruppe)

die-bruecke-stellt-aus.html), (abgefragt am 23. September 2008)


16. Dresdner Neueste Nachrichten, 26. September 1906, S. 2
17. Christian Saehrendt: Wer malt der Nation das Aushängeschild?
(http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kuenstlergruppe-bruecke-
wer-malt-der-nation-das-aushaengeschild-1233218.html) FAZ, 15.
Juni 2005
18. Schumacher: Stufen des Lebens. Erinnerungen eines Baumeisters.
1935, S. 283
19. Fritz Bleyl: Erinnerungen. Stuttgart 1961, S. 24
20. Briefe Schmidt-Rottluffs und Heckels an Gustav Vriesen. In: Donald
E. Gordon: Ernst Ludwig Kirchner. 1968, S. 460

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