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Bundesministerium für Verkehr

und digitale Infrastruktur

Regelungen und Richtlinien für die


Berechnung und Bemessung
von Ingenieurbauten

BEM-ING

Teil 3
Berechnung von Straßenbrücken im Bestand
für Schwertransporte

Abschnitt 1
Richtlinie für die Bearbeitung von
Schwertransporten im Bereich des
konstruktiven Ingenieurbaues
(RIBS-ING)

Stand 08/16
BEM-ING - Teil 3 Berechnung von Straßenbrücken im Bestand für Schwertransporte -
Abschnitt 1 RIBS-ING
Inhalt ................................................. Seite
1 Allgemeines ........................................... 3

2 Grundlagen ............................................ 4

3 Zusätzliche Angaben zur Bearbeitung


von Anträgen auf Dauererlaubnis ....... 4
3.1 Allgemeines ............................................ 4
3.2 Streckengebundene Dauererlaubnis.......... 4
3.3 Flächendeckende Dauererlaubnis .......... 4

2 Stand 08/16
BEM-ING - Teil 3 Berechnung von Straßenbrücken im Bestand für Schwertransporte -
Abschnitt 1 RIBS-ING

1 Allgemeines zeugkombinationen mit fahrbahnschonender


Bauweise.
(1) Nach § 29 Absatz 3 StVO bedarf der Ver-
kehr mit Fahrzeugen oder Fahrzeugkombinatio- (4) Schwertransporte können zu zusätzlichen
nen, deren Achslasten und / oder Gesamtmas- Beanspruchungen führen, welche die Dauerhaf-
sen die nach § 34 StVZO zugelassenen Werte tigkeit der Ingenieurbauwerke beeinträchtigen
überschreiten, der Erlaubnis der Straßenver- und damit deren Nutzungsdauer herabsetzen.
kehrsbehörde. Vor Erteilung der Erlaubnis ist die Insbesondere sind vorgeschädigte Bauwerke
Straßenbaubehörde ab bestimmten Grenzen stärker betroffen als solche, die keine Schäden
anzuhören. aufweisen.
Ein Fahrzeug oder eine Fahrzeugkombination, (5) Die Auswirkungen eines Schwertransportes
dessen oder deren Achslasten und / oder Ge- auf die betroffenen Ingenieurbauwerke sind ge-
samtmasse die nach § 34 StVZO zugelassenen mäß BEM-ING, Teil 3, Abschnitt 2 statisch zu
Werte überschreitet, wird nachfolgend als beurteilen. Dabei wird davon ausgegangen, dass
Schwertransport bezeichnet.  sich Schwertransporte auf Brücken mit eintei-
Der Verkehr, der aus Fahrzeugen oder Fahr- ligen Überbauten, die im Gegenverkehr be-
zeugkombinationen besteht, deren Achslasten fahren werden, nicht auf dem Bauwerk be-
und / oder Gesamtmassen die nach § 34 StVZO gegnen und
zugelassenen Werte nicht überschreiten, wird  sich kein zweiter Schwertransport auf der
nachfolgend als erlaubnisfreier Verkehr im Sinne Brücke befindet.
dieser Richtlinie bezeichnet.
Dies ist durch entsprechende Fahrauflagen si-
(2) Ziel dieser Richtlinie ist es, ein bundesweit cherzustellen.
einheitliches Vorgehen im Rahmen der Anhö-
(6) Bei der Straßenbauverwaltung wird für Brü-
rung bei der Bearbeitung von Anträgen zur Ertei-
cken ein vereinfachtes Nachrechnungsverfahren
lung von Erlaubnissen für Schwertransporte im
mittels Schnittgrößenvergleich (Berechnungsstu-
Bereich des konstruktiven Ingenieurbaues fest-
fe I) durchgeführt.
zulegen sowie Transparenz der Stellungnahme
der Straßenbauverwaltungen und Gleichbehand- (7) Sofern sich mit einer Berechnung aus Be-
lung der Transportunternehmen sicherzustellen. rechnungsstufe I ergibt, dass die Befahrbarkeit
eines Bauwerkes nicht nachgewiesen werden
(3) Im Rahmen der Anhörung kommt der Über-
kann, bleibt es dem Antragsteller überlassen, die
prüfung der Beanspruchung von Ingenieurbau-
Befahrbarkeit der Brücke im Benehmen mit der
werken eine besondere Bedeutung zu, da den
Straßenbauverwaltung durch einen genauen
Straßenbaubehörden für den jeweiligen Baulast-
statischen Einzelnachweis (Berechnungsstufe II
träger die Verantwortung für die Standsicherheit,
bzw. Berechnungsstufe III) nachzuweisen.
die Verkehrssicherheit sowie die Dauerhaftigkeit
der Ingenieurbauwerke obliegt. (8) Sofern die maximale Einzelachslast des
Dabei ist zu beachten, dass Schwertransportes 12 t überschreitet, ist stets
ein Einzelnachweis nach Berechnungsstufe II
 die Beanspruchung der Ingenieurbauwerke
bzw. Berechnungsstufe III erforderlich.
durch die Schwertransporte i.d.R. nicht durch
die Bemessungsbelastung der Bauwerke ab- (9) Der Einzelnachweis nach Berechnungsstufe
gedeckt ist und besondere Fahrauflagen er- II bzw. Berechnungsstufe III ist durch einen
forderlich werden können, damit die zulässi- fachkundigen Ingenieur aufzustellen. Für Aufbau
gen Beanspruchungen nicht überschritten und Umfang der vorzulegenden Berechnungsun-
werden, terlagen gilt ZTV-ING, Teil 1, Abschnitt 2.
 die Beurteilung der Standsicherheit der Inge- (10) Jeder Einzelnachweis nach Berechnungs-
nieurbauwerke nicht nur von der Gesamt- stufe II bzw. Berechnungsstufe III ist durch einen
masse der Schwertransporte, sondern auch zugelassenen Prüfingenieur für Standsicherheit
von deren Achskonfigurationen und Achslas- zu prüfen. Die Straßenbauverwaltungen haben
ten abhängt und somit unterschiedliche dafür Sorge zu tragen, dass ein geeigneter
Schwertransporte mit gleicher Gesamtmasse Prüfingenieur durch den Antragsteller beauftragt
zu unterschiedlichen Fahrauflagen führen wird. Die geprüften Unterlagen sind auf dem
können, Wege der Beauflagung im Original von den
 bei der statischen Beurteilung von Ingenieur- Straßenbauverwaltungen vom Antragsteller an-
bauwerken auch stets deren Bauwerkszu- zufordern, ggf. auch in digitaler Form.
stand berücksichtigt werden muss, (11) Die Kosten für den Einzelnachweis nach
 die dynamische Beanspruchung der Ingeni- Berechnungsstufe II bzw. Berechnungsstufe III
eurbauwerke stets zu berücksichtigen ist; (Aufsteller und Prüfingenieur) sowie alle damit im
dieses gilt auch bei Fahrzeugen oder Fahr- Zusammenhang stehenden Kosten trägt nicht
die Straßenbauverwaltung.

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BEM-ING - Teil 3 Berechnung von Straßenbrücken im Bestand für Schwertransporte -
Abschnitt 1 RIBS-ING
(12) Kann die Befahrbarkeit einer Brücke durch „Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke –
Berechnungen in der Berechnungsstufe I, II oder Teil 2: Verkehrslasten auf Brücken“,
III nicht nachgewiesen werden, ist eine ableh-  DIN EN 1991-2 / NA
nende Stellungnahme abzugeben. „Nationaler Anhang – National festgelegte
(13) Die abschließende zustimmende oder ab- Parameter – Eurocode 1: Einwirkungen auf
lehnende Stellungnahme für die Überfahrt der Tragwerke – Teil 2: Verkehrslasten auf Brü-
Brücke erfolgt durch die Straßenbauverwaltung cken“.
unter Berücksichtigung der Berechnungsergeb-
nisse und des aktuellen Bauwerkszustandes.
3 Zusätzliche Angaben zur
(14) Erteilte Stellungnahmen sind gegenüber der
zuständigen Erlaubnis- / Genehmigungsbehörde
Bearbeitung von Anträgen
zu widerrufen, wenn sich Randbedingungen und auf Dauererlaubnis
Berechnungsannahmen (z. B. Baustellen, ver-
änderter Bauwerkszustand, Gewichtsbeschrän- 3.1 Allgemeines
kung) ändern, welche die Beanspruchungen
oder Beanspruchbarkeiten der Brücken beein- (1) Verfahrensregelungen zur Erteilung von
flussen. Dauererlaubnissen sind in der Verwaltungsvor-
schrift (VwV) zu § 29 „Übermäßige Straßenbe-
(15) Bei Schwertransporten ab 100 t Gesamtge- nutzung“ der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)
wicht aufgeführt.
 ist eine Bescheinigung über die Abmessun-
(2) Gemäß VwV zu § 29 StVO Absatz 3 kann
gen und das Gewicht der Ladung dem Antrag
der Geltungsbereich einer Dauererlaubnis
beizufügen,
 einen oder mehrere bestimmte Fahrtwege
 sind die Einzelachslasten und Achsabstände
umfassen (Streckengebundene Dauererlaub-
in beladenem Zustand vor Fahrtantritt von ei-
nis) oder
nem amtlichen anerkannten Sachverständi-
gen für den Kraftfahrzeugverkehr oder  für alle Straßen im Zuständigkeitsbereich der
Prüfingenieur einer amtlich anerkannten Erlaubnisbehörde und der benachbarten
Überwachungsorganisation zu überprüfen Straßenverkehrsbehörden erteilt werden
und die Übereinstimmung mit den beantrag- (Flächendeckende Dauererlaubnis).
ten Einzelachslasten und Achsabständen zu Die Dauererlaubnis darf nach VwV zu § 29 StVO
bestätigen. auf höchstens drei Jahre befristet sein.
Die dadurch entstehenden Kosten trägt nicht die (3) Ergibt sich aus der statischen Beurteilung
Straßenbauverwaltung. der Bauwerke im Fahrtweg eine Auflage gemäß
(16) Wird als Fahrauflage eine spezielle Fahr- den Lastbildern 3 oder 4 nach BEM-ING, Teil 3,
spur auf der Fahrbahn festgelegt, ist diese ggf. Abschnitt 2, Bild 3.2.2, darf für diesen Fahrtweg
vor der Überfahrt auf der Fahrbahn durch den im Rahmen des Antrags auf eine Dauererlaubnis
Antragssteller zu markieren. keine zustimmende Stellungnahme abgegeben
werden.

2 Grundlagen 3.2 Streckengebundene Dauererlaub-


(1) Es wird insbesondere auf die folgenden nis
gesetzlichen Regelungen und Normen hingewie- (1) Die streckengebundene Dauererlaubnis ist
sen: auf Fahrten zwischen bestimmten Orten zu be-
 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung schränken.
(StVZO) und zugehörige Ausnahmeverord-
(2) Aus Gründen der Überschaubarkeit und
nungen,
Handhabbarkeit bei der Bearbeitung sollte ein
 Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) und zuge- Antrag maximal fünf einzelne Fahrtwege enthal-
hörige Verwaltungsvorschriften (VwV-StVO), ten. Hierauf sind die Verkehrsbehörden hinzu-
 Richtlinie für Großraum- und Schwertranspor- weisen.
te (RGST),
 DIN 1072 „Straßen- und Wegbrücken, Last- 3.3 Flächendeckende Dauererlaub-
annahmen“, nis
 DIN-Fachbericht 101 „Einwirkungen auf Brü- (1) Zur Gewährleistung der Standsicherheit und
cken“, Dauerhaftigkeit der Brückenbauwerke kann für
 DIN EN 1991-2 Anträge auf flächendeckende Dauererlaubnis
 für Kranfahrzeuge über 48 t und

4 Stand 08/16
BEM-ING - Teil 3 Berechnung von Straßenbrücken im Bestand für Schwertransporte -
Abschnitt 1 RIBS-ING
 für andere Fahrzeuge oder Fahrzeugkombi-
nationen über 60 t
keine zustimmende Stellungnahme abgegeben
werden.
(2) Alle Bauwerke, für die im Rahmen der flä-
chendeckenden Dauererlaubnis das Befahren
nicht erlaubt werden kann, sind in einer Liste
(„Negativliste“) aufzuführen.
(3) Die Negativliste muss hinsichtlich der An-
zahl der aufgelisteten Bauwerke überschaubar
und nachvollziehbar sein. In der Negativliste sind
die Bauwerke nach Straßenzügen zu ordnen und
innerhalb einer Straße fortlaufend aufzuführen.
(4) Trotz Negativliste müssen im Netz noch
ausreichende Strecken zur Verfügung stehen,
welche die Erteilung einer flächendeckenden
Dauererlaubnis rechtfertigen.

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