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Fortbildung Vol. 23 Nr.

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Diagnostik und Therapie der Helicobacter • Ein validierter ELISA-Test zum Nachweis
von HP-Antigen im Stuhl ist ein verläss-
pylori-Infektion bei Kindern licher, nicht-invasiver Test, um eine HP-
Eradikation zu dokumentieren.
Adaptation der Empfehlungen der Europäischen (ESPGHAN) und • Testmethoden zum Nachweis von Anti-
Nordamerikanischen (NASPGHAN) Gesellschaft für pädiatrische körpern (IgA, IgG) gegen H. pylori im Se-
Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung an die Situation in rum, im Blut, im Urin und im Speichel
der Schweiz sind nicht zuverlässig und nicht geeignet
für den klinischen Einsatz.
J. Spalinger für die Schweizerische Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie,
• Zeitpunkt Eradikationskontrolle: Es
Hepatologie und Ernährung (SGPGHE), Luzern
wird empfohlen, einen Mindestabstand
von 2 Wochen nach Absetzen einer Pro-
tonenpumpen-Inhibitoren-Therapie (PPI-
Therapie) und/oder einen Abstand von 4
Diese Empfehlungen zur Diagnostik und Verschiedene Erkrankungen – Wochen nach Ende der Antibiotika-The-
Therapie der H. pylori (HP)–Infektion bei kein HP-Test empfohlen rapie einzuhalten, bevor eine Eradikati-
Kindern und Jugendlichen basieren auf den • Es besteht eine ungenügende Evidenz für onskontrolle mittels Biopsie oder einem
2011 publizierten und aktualisierten evi- einen kausalen Zusammenhang einer nicht-invasiven Test (UBT, Stuhl-Test)
denzbasierten «Guidelines» der beiden Fach- HP-Infektion und dem Vorliegen einer der durchgeführt wird.
gesellschaften ESPGHAN und NASPGHAN. folgenden Diagnosen: • Oesophagogastroduodenoskopie: Bei
Die Überarbeitung erfolgte auf Basis eines · Otitis media Durchführung einer Oesophagogastrodu-
standardisierten Vorgehens zur Erarbeitung · Infekte der oberen Luftwege odenoskopie zur Diagnose einer HP-In-
von evidenzbasierten Empfehlungen. · Peridontale Erkrankungen fektion wird empfohlen, Biopsien zur
· Nahrungsmittelallergien histopathologischen Beurteilung aus
Im Wesentlichen sollen folgende Fragen zur · Plötzlicher Kindstod (SIDS) dem Magen (Antrum und Corpus) zu ent-
H. pylori-Infektion beantwortet werden: · Idiopathische thrombozytopenische nehmen und die Infektion sowohl auf den
Purpura (ITP) histopathologischen Nachweis von H. py-
Wen testen? Wie testen? · Kleinwuchs lori wie auch auf einen positiven Urease-
Wen behandeln? Wie behandeln? Schnelltest oder einer positiven Kultur zu
A) WEN TESTEN? stützen.
Der vorliegende Artikel fasst die für den Klinik und Symptome
Praxisalltag relevanten «Guidelines» zusam- C) WEN BEHANDELN?
men. Die Empfehlungen gelten für Kinder Indikation zur Diagnostik Behandlung
und Jugendliche aus den industrialisierten Familiäres Magenkarzinom
Ländern Europas und aus Nordamerika. Sie • Bei Kindern, deren Verwandte 1. Grades • Bei Nachweis einer HP-assoziierten pep-
gelten nicht für Kinder und Jugendliche aus an einem Magenkarzinom erkrankt sind, tischen Ulkuskrankheit wird eine Eradi-
Entwicklungsländern mit hohen HP-Infekti- kann die Diagnostik zum Nachweis einer kationstherapie empfohlen.
onsraten und einer beschränkten Gesund- HP-Infektion erwogen werden. • Wird eine HP-Infektion mittels Biopsie
heitsversorgung. nachgewiesen, ohne dass eine peptische
Therapierefraktäre Eisenmangel­ Ulkuskrankheit vorliegt, kann eine Eradi-
Das Wichtigste in Kürze anämie kationsbehandlung erwogen werden.
• Bei Kindern, bei denen andere Gründe • Bei HP-infizierten Kindern, deren Ver-
Bei chronisch rezidivierenden (funktio-
einer Eisenmangelanämie ausgeschlos- wandte 1. Grades an einem Magenkarzi-
nellen) Bauchschmerzen ist keine HP-
sen wurden, kann die Diagnostik zum nom erkrankt sind, soll eine Eradikations-
Diagnostik indiziert. Besteht der Ver-
Nachweis einer HP-Infektion erwogen behandlung angeboten werden.
dacht einer organischen Erkrankung
werden. • Eine «test-and-treat» Behandlungsstrate-
(Oesophagitis, Ulkusleiden), ist die Indi-
gie wird bei Kindern nicht empfohlen.
kation zur endoskopischen Abklärung
Eradikationskontrolle
gegeben ohne vorgängige Durchführung
einer HP-Diagnostik.
• Nach einer antibiotischen Eradikations- D) WIE BEHANDELN?
therapie wird ein HP-Test zur Eradikati- Medikamente
onskontrolle empfohlen.
Rezidivierende Bauchschmerzen und Die Therapie der 1. Wahl zur HP-Eradikation:
HP-Infektion – kein HP-Test empfohlen! B) WIE TESTEN? • Triple-Therapie: PPI + Amoxicillin + Cla-
• H. pylori-Infektionen sind nicht assoziiert Art der Diagnostik rithromycin oder Metronidazol.
mit rezidivierenden (funktionellen) Bauch­ • Quadruple-Therapie: PPI + Amoxicillin +
schmerzen im Kindesalter. Bei der Abklä- • Der C13-Urease Atemtest (UBT) ist ein Clarithromycin oder Metronidazol + Bis-
rung von Bauchschmerzen kann daher auf verlässlicher, nicht-invasiver Test, um muth-Salz (Bismuth-Salz in der Schweiz
einen H. pylori-Test verzichtet werden. eine HP-Eradikation zu dokumentieren. nicht registriert).

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Vol. 23 Nr. 3 2012 Fortbildung

Therapiedauer:
• Behandlungsdauer Triple-Therapie (7) –
14 Tage.
H. pylori Antibiotika-Resistenz/Therapie-
versagen:
• Weltweit wird von einer zunehmenden
Antibiotika-Resistenz ausgegangen. Dies
ist neben der fehlenden Compliance ei-
ner der häufigsten Gründe für eine erfolg-
lose Eradikationstherapie.

Zusammenfassung
Die vorliegenden «Guidelines» geben klare
Anweisungen, wann und wie eine HP-Infek-
tion gesucht werden soll und bei wem und
wie sie behandelt wird.

Die Empfehlungen zur Indikation einer HP-


Diagnostik sind restriktiv und gelten für Re-
gionen mit niedriger Infektionsrate. Die Dia-
gnostik basiert im Wesentlichen auf der
Histologie, einer positiven Urease-Aktivität
und/oder der Kultur. Zur Überprüfung des
Eradikationserfolges eignet sich sowohl der
C13-Urea-Atemtest wie auch der (auch bei
Kindern validierte) HP-Stuhlantigen-Test.
Eine Bestimmung von spezifischen HP-Anti-
körpern im Serum wird nicht empfohlen.

Eine der wichtigsten Botschaften ist der


Hinweis, dass bei chronisch rezidivierenden
(funktionellen) Bauchschmerzen keine HP-
Diagnostik indiziert ist.

Die Behandlung ist bei nachgewiesener HP-


assoziierter Ulkuskrankheit indiziert und
kann bei einer histologisch dokumentierten
HP-assoziierten Gastritis und bei familiärer
Belastung mit Magenkarzinom angeboten
werden.

Literatur
Evidence-based guidelines from ESPGHAN and NAS-
PGHAN for Helicobacter pylori infection in children.
Koletzko S, Jones NL, Goodman KJ, Gold B, Rowland M,
Cadranel S, Chong S, Colletti RB, Casswall T, Elitsur Y,
Guarner J, Kalach N, Madrazo A, Megraud F, Oderda G;
H pylori Working Groups of ESPGHAN and NASPGHAN.
J Pediatr Gastroenterol Nutr 2011; 53: 230–43.

Korrespondenzadresse
Dr. med. J. Spalinger
Pädiatrische Gastroenterologie
Kinderspital Luzern
6000 Luzern 16
johannes.spalinger@luks.ch