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"Ich Warte" von Carolin Haupt aus der Reihe "Monologe"

Regie: PeeWee Horris

Wissen sie ich warte. Von hier aus hat man den besten Blick in den Garten. Schau, bis zur Gartenpforte kann man
runtergucken. Alles kann ich sehen.

Wie sie mit ihrem großen Kapitänshut auf dem Kopf die quietschende Pforte öffnet. Mit ihrem schweren Gepäck
den Weg hinaufwankt.

Ist sie glücklich? Ängstlich? Nervös?

Alles will ich sehen, wenn sie kommt. Mama ist nämlich nach Amerika gegangen um einen Schatz zu finden. Und
weil's ja in Amerika wilde Indianer gibt, die kleinen Kindern ihre Hand ganz tief ins Popoloch stecken, das Herz
zusammendrücken und dann den ganzen Menschen einfach umkrempeln bin ich lieber nicht mitgefahren.

Aber Mama hat den Schatz längst gefunden. Und jetzt ist sie mit einem riesigen Boot schon wieder auf dem
Rückweg zu mir. Das weiß ich.

(Pause)

(Haucht in eine Muschel und hört)

(Pflüsternd) Sie ist noch unterwegs.

Aber die Tabletten nehme ich nicht. Die sagen, dass davon die Bilder und Träume aufhören - aber das will ich
doch gar nicht. Und manchmal wird Frau Kozlov dann plötzlich ganz wütend und - und schreit:
"Ahhh, deine Mutter kommt nicht wieder, kann niemals wiederkommen. Bist du denn blöd oder was, dass du
nicht siehst. Dein warten ist völlig umsonst."

(Pause)

Aber wenn...Das wär' ja total gemein, weil...Das wär ja gar kein Happy End.

Und wenn ich jetzt wirklich die Tabletten nehme, Mama vergesse und einfach gehe - durch die Gartenpforte.
Und morgen ist Mama dann hier und ich bin nicht mehr da? Dann wär alles umsonst gewesen, Nein.

Ich weiß ganz genau, mit jedem Tag, den ich länger warte steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Mama bald kommt.
Das ist nur logisch, wie - wie - wie Lotto spielen. Manchmal da - da muss man eben einfach geduldig sein im
Leben und ich bin geduldig ich werde warten.

(Pause)

Warten.

(Pause)

Solange warten, bis ich das Warten liebe.

(Pause)

Ich weiß, dass sie kommt, verstehen sie.