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Alpingeschichte kurz und bündig

Malta
Hans Jury und Klaus Rüscher
Alpingeschichte kurz und bündig
Malta

Hans Jury und Klaus Rüscher

Die Initiative „Bergsteigerdörfer” ist ein Projekt des Oesterreichischen Alpenvereins


und wird aus Mitteln des österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forst- Oesterreichischer Alpenverein
wirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft (Lebensministerium) und des Europäi-
Innsbruck, 2014
schen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums gefördert.
Inhalt

Vorwort 6
Daten und Fakten 9
Geographie, Geologie und Klima 13
Das Maltatal und seine Gletscher 21
Geschichte des Maltatales 29
Der frühe Alpinismus im Maltatal 35
Erschließung im Sinne des Alpinismus 45
Die Alpenvereinshütten im Maltatal 63
Drei Pioniere und ein Geoplast 75
Die gekaufte Königin 89
Das Maltatal und die Nutzung der Wasserkraft 91
Fels- und Eisklettern im Maltatal 97
Gemeinsame Betreuung der Wege 106
Ausblick Bergsteigerdorf 109

Literaturverzeichnis 111
Danksagung 113
Adressen 113
Alpenvereinshütten 114
Bergsteigerdörfer – Bestelladresse und weiterführende Literatur 115
Bildnachweis 122
Impressum 122


6 7

Vorwort

Die Erfolgsgeschichte des Projektes österreichischer Bergsteigerdörfer im „Bevölkerung und Kultur“. Diese Dekla- beitung der Alpingeschichte dieser Orte
„Bergsteigerdörfer“ des Oesterreichi- Rahmen des Programms „Ländliche ration ist eine Klammer der Konventi- ein Meilenstein im Gesamtmosaik des
schen Alpenvereins als Umsetzungs- Entwicklung 2007−2013” des österrei- on zu den in den Alpen lebenden und Projektes. Das Ergebnis trägt zur vertief-
projekt der Alpenkonvention wäre chischen Lebensministeriums treffen. wirtschaftenden Menschen. Sie ist ein ten Einsicht in die alpinistische Entwick-
ohne Peter Haßlacher, den Doyen Der naturnahe Alpintourismus ist ein tragfähiges Fundament für die Umset- lung der Gemeinden bei BesucherInnen
der Alpinen Raumordnung, nicht ge- wichtiges Standbein für die wirtschaft- zung der Alpenkonvention und weist in bei und bietet auch der einheimischen
schrieben worden. Für die bis Ende liche Existenz vieler Bergregionen, zwei Artikeln ausdrücklich auf die in der Bevölkerung bessere Einblicke in die Hi-
2013 erschienenen 13 Bände der vor allem in entwicklungsschwachen Grundkonzeption des Bergsteigerdorf- storie. Beides soll den Stellenwert des Al-
Alpingeschichte unserer Bergsteiger- und entlegeneren Alpentälern. Meist projektes verankerten Ziele hin: pinismus in der Gemeinde erhöhen und
dörfer hat der langjährige Leiter un- sind diese Gebiete von Bevölkerungs- - Anerkennung der Bedeutung der festigen. Denn Alpinismus und natur-
serer Abteilung ein Vorwort verfasst. schwund sowie dem Verlust öffentlicher alpinen ländlichen Räume als vielfäl- naher Alpintourismus – wie ihn die Al-
Wie keinem anderen gelingt es einem Dienstleistungen und Grunddaseins- tige, heterogene, eigenständige Wirt- penkonvention als Teil der Nachhaltig-
der Geburtshelfer der Alpenkonven- funktionen betroffen. Ohne Zweifel schafts-, Natur- und Kulturstandorte keitsstrategie versteht – brauchen eine
tion in wenigen Zeilen die tiefe Ver- gehören diesen Regionen auch die Sym- und Förderung integrierter Strate- geistige Verankerung. Zugleich geht
bundenheit des OeAV mit dem Alpen- pathien und die Wertschätzung zahl- gien, die an ihre jeweiligen Potenziale es darum, dem Alpinismus genügend
raum zu beschreiben. Deshalb stellen reicher FreundInnen. Das macht stolz, angepasst sind; Raum zu geben, nachdem die verschie-
wir diesen Text Peter Haßlachers in trägt aber wenig zur Sicherung der wirt- - Erforschung, Erhaltung und Entwick- denen Interessen und Widmungen am
leicht gekürzter Form auch diesem schaftlichen Existenz bei. Es gilt also, die lung des vorhandenen materiellen Gebirgsraum stetig steigen.
Alpingeschichtebuch voran. offensichtliche Wertschätzung in mehr und immateriellen Kulturerbes sowie
Wertschöpfung münden zu lassen. der überlieferten Kenntnisse. Der OeAV bedankt sich bei den Auto-
Der OeAV hat sich verpflichtet, das von Das Tourismusprotokoll der Alpenkon- Für den OeAV sind der Alpinismus sowie ren dieses Bandes zur Alpingeschichte
den acht Alpenstaaten und der Euro- vention enthält die Verpflichtung, die die Tätigkeit der alpinen Vereine von der von Malta sowie bei allen, die mit ih-
päischen Gemeinschaft gemeinsam Wettbewerbsfähigkeit des naturnahen Pionierzeit bis herauf zu den von der rem Wissen und/oder ihrer Mitarbeit
entwickelte und getragene Vertrags- Alpentourismus zu stärken. Das Pro- einheimischen Bevölkerung mitgetra- einen Beitrag dazu geleistet haben.
werk der Alpenkonvention zu fördern jekt „Bergsteigerdörfer“ des OeAV weist genen Ausprägungen ein ganz wesent-
und umzusetzen. Die Alpenkonvention aber nicht nur eine Nähe zu den Durch- licher Bestandteil des dörflichen und re-
ist d a s Instrument zur nachhaltigen führungsprotokollen „Tourismus“ und gionalen Kulturerbes und der Identität Liliana Dagostin
Entwicklung des Alpenraumes. Daraus „Raumplanung und nachhaltige Ent- der Menschen. Leiterin der Fachabteilung
leiten sich gemeinsame Interessen ab, wicklung“ auf, sondern insbesondere Neben der Darstellung des alpintouris- Raumplanung/Naturschutz des
die sich im OeAV-Projekt zur Stärkung zur 2006 beschlossenen Deklaration tischen Angebots ist deshalb die Aufar- Oesterreichischen Alpenvereins
9
Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2014/106293)
Kartenausschnitt ÖK, Originalmaßstab 1:200.000 (© BEV 2014 Vervielfältigung mit Genehmigung des BEV − Bundesamt für

Daten und Fakten

Fläche: größte Gemeinde Kärntens. Rund


Vom Liesertal kommend, bildet 85,7 km² davon, also fast ein Drittel
die Gemeinde Malta den östlichen der Gemeindefläche, sind Teil des
Eingang in den Nationalpark Hohe Nationalparks (Außen- und Kernzo-
Tauern. Südlich des Alpenhaupt- ne).
kammes gelegen, bestimmen die Die katholische Pfarrkirche von Mal-
Reißeckgruppe und vor allem die ta „Maria Hilf“ steht auf 843 m See-
Ankogel-Hochalmspitz-Gruppe das höhe. Höchste Erhebung der Ge-
Landschaftsbild des Gemeindege- meinde ist die Hochalmspitze mit
biets. Je weiter taleinwärts, desto 3.360 m. Die „Tauernkönigin“ steht
höher und schroffer werden die an der Gemeindegrenze zum Berg-
Gipfel der Hohen Tauern. steigerdorf Mallnitz. Im Gemeinde-
Mit 262 km² Fläche ist die Gemein- gebiet befinden sich rund 25 Gipfel
de Malta nach Wolfsberg die zweit- über 3.000 m.

Blick von der Nöring auf die Berge des Maltatals


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Zwei der drei Erhebungen des EinwohnerInnen: Nächtigungszahlen: Touristische Betten:


Großen Sonnblicks (Malteiner Wie alle Gemeinden Oberkärntens
Sonnblick/3.030 m und Mittlerer kämpft die Nationalparkgemeinde Jahr Sommer Winter Gesamt Jahr Bettenzahl
Sonnblick/3.000 m), sind die öst- Malta in den letzten Jahren mit ei-
lichsten Dreitausender der Alpen. nem Bevölkerungsrückgang. 1970 k. A. k. A. 65.346 1980 1.369

Bevölkerungsentwicklung Malta von 1910 bis 2012: 1980 k. A. k. A. 122.285 1990 1.609

1910 1951 1981 1991 2001 2012 1990 k. A. k. A. 108.479 1995 1.484

1.239 1.463 1.920 2.080 2.184 2.054 2000 92.889 7.228 100.117 2008 854

2010 71.010 9.684 80.694 2013 769

Nächtigungen: 2012 82.248 9.453 91.701


Malta hat touristisch lange Zeit Kurzaufenthalten verändert. Viele
hauptsächlich von der Sommersai- kleinere Betriebe, vor allem aber
son gelebt. Seit der Jahrtausend- Privatzimmervermieter, haben nach
wende ist es mit der Etablierung und nach zugesperrt.
des Maltatals als Eisklettergebiet Die Bettenzahl setzt sich aus ge-
gelungen, eine kleine, aber feine werblichen Betrieben und Privat-
Wintersaison auf die Beine zu stel- quartieren zusammen. Der Rück-
len. Wie die Zahlen zeigen, gab es gang ist vor allem in der Senkung
in den 1980er-Jahren das mit Ab- des Angebots in Privatquartieren
stand stärkste Gästeaufkommen. begründet.
1981 war das Jahr mit der höchsten Nicht berücksichtigt sind die
Nächtigungszahl (141.893 Näch- Schutzhütten und die beiden Cam-
tigungen). Seither hat sich das pingplätze mit insgesamt 1.040
Urlaubsverhalten dramatisch zu Schlafplätzen.
Grußkarte aus dem Maltatal, um 1900
12 13

Geographie, Geologie und Klima

Das Maltatal liegt in den östlichen Liesertal, welches die Grenze gegen
Hohen Tauern, im nordwestlichen das Nockgebiet darstellt.
Teil Kärntens im politischen Bezirk Die Bergwelt zu beiden Seiten des
Spittal an der Drau. Das Tal beginnt Maltatales fällt durch vielfältige
bei der Stadt Gmünd, wo sich der Landschaftsformen auf. Bemerkens-
Fluss Malta mit der von Norden wert sind die großen Höhenun-
kommenden Lieser vereinigt. Der terschiede zwischen den Tallagen
etwa zwölf Kilometer lange Ab- (750 m Seehöhe bei Gmünd) und
schnitt von Gmünd bis zur Ortschaft den Gipfelregionen der umrah-
Koschach wird als Vorderes Maltatal menden Gebirgsstöcke mit Hö-
bezeichnet. Der Abschnitt von Ko- hen über 3.000 m. Das Massiv der
schach bis zu den Quellflüssen der Ankogel-Hochalmspitz-Gruppe, in
Malta, mit einer Länge von zwanzig welches das Maltatal förmlich ein-
Kilometern, ist das Hintere Malta- gesenkt ist, erreicht in der 3.360 m
tal. Das gesamte Tal erstreckt sich hohen Hochalmspitze die höchste
von Nordwesten nach Südosten. Erhebung.
Im Bereich der Ortschaft Koschach Das Vordere Maltatal besitzt ei-
mündet der Gößgraben, ein zehn nen relativ breiten Talboden, der
Kilometer langes Seitental mit ziem- in sanften, bewaldeten Hängen
lich genau west-östlichem Verlauf, in zu den umrahmenden Bergen an-
das Maltatal. Das Gemeindegebiet steigt. Mehrere Niederterrassen und
von Malta wird im Westen durch die eine markante Hochterrasse hinter
Ankogel-Hochalmspitz-Gruppe be- Gmünd weisen auf eine ehemals hö-
grenzt. Im Süden bilden die Ausläu- here Auffüllung mit Schottermassen
fer der Reißeckgruppe die Grenze. hin. Daran erkennt man die an- und
Im Norden schließen die Gipfel der ablagernde Tätigkeit der Malta in
Fels, Eis und Wasser sind die bestimmenden Elemente im Maltatal – Blick vom Klein- Hafnergruppe das Maltatal gegen der Eiszeit. Die morphologische Prä-
elend zum Kleinelendgletscher das Bundesland Salzburg und die gung im Bereich des Talbodens ist
Nachbargemeinde Rennweg ab. Ge- durchwegs in der Würm-Eiszeit (Hö-
gen Südosten zu mündet das Tal ins hepunkt 18.000 Jahre v.Chr.) erfolgt.
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Unter- und Ober- Teil des Tauernfensters


ostalpinen Decken
gebildet. Sie tre- Das Maltatal mit dem Gößgraben und schließt sich, einem Ring
ten weder wand- liegt im östlichen Bereich des Tau- ähnlich, um die obere Schiefer-
bildend noch in ernfensters, das sich vom Brenner hülle. Diese Zone bildet den Süd-
der Kammregion bis zum Katschberg erstreckt. Es tre- rand des Tauernfensters und ist
deutlich in Er- ten in diesem geologischen Fenster eine bunte Gesteinsgesellschaft
scheinung. Ober- die tiefsten tektonischen Einheiten mit Quarziten, Schiefern,
halb des Ortes der Ostalpen an die Oberfläche. Rauwacken, Kalken, Dolomiten,
Malta, der auf Der Geologe Rudolf Oberhauser Phylliten, Grünschiefer und Ser-
einem riesigen unterscheidet zwischen drei tekto- pentiniten. Die ursprüngliche
Schwemmkegel nischen Haupteinheiten: Schichtung ist durch die starke
liegt, steigen an a) Der Zentralgneis und sein altes tektonische Beanspruchung
der orographisch Dach mit der Unteren Schiefer- kaum mehr zu erkennen.
linken Talseite hülle tritt zuinnerst im Fenster Um die Gneiskerne, von denen in
Wasserfälle und Gneise prägen das Landschaftsbild. plötzlich senk- auf. Es handelt sich um ein voral- den Hohen Tauern insgesamt vier
rechte Felswän- pidisches Grundgebirge, das auftauchen (einer davon ist der
Spuren der vorangegangenen Eis- de empor. Es beginnt hier mit den mitsamt seiner mesozoischen Ankogel-Hochalm-Kern), legen sich
zeiten wurden dabei durchwegs „Rödernwänden“ eine neue geolo- Bedeckung große Ähnlichkeiten zwiebelschalenförmig die beiden
überfahren. Die Talflanken im Vor- gische Formation. Das Granitgneis- zur böhmischen Masse und den Schieferhüllen. Die dem Gneis auf-
deren Maltatal werden von kristal- gewölbe erreicht im Hochalmspitz- helvetischen Kristallinkernen der liegende und mit ihm verzahnte
linen Gesteinen der sogenannten massiv seine höchsten Erhebungen. Schweizer Alpen aufweist. paläozoische Untere Schieferhülle
b) Die Obere Schieferhülle besteht besteht aus Granatglimmerschie-
Einige Erdzeitalter: aus paläozoischen und meso- fern, Phylliten, Quarziten und hellen
Paläozoikum: ca. 350 Mio. – ca. 240 Mio. Jahre zoischen Gesteinsschichten, die Dolomiten. Eingelagert sind Am-
Mesozoikum: ca. 240 Mio. – ca. 70 Mio. Jahre mit dem geologischen Decken- phibolite (dunkelgrüne, sehr wider-
Alttertiär: ca. 70 Mio. – ca. 35 Mio. Jahre aufbau der Westalpen vergleich- standsfähige Gesteine), Serpentine
Jungtertiär: ca. 35 Mio. – ca. 2 Mio. Jahre bar sind. und Chloritschiefer. Die Gesteine
Quartär: Erdzeitalter d. Jetztzeit (Beginn vor ca. 2 Mio. Jahren) c) Der Unterostalpine Rahmen ist entstanden vor und im Paläozoi-
in Decken und Schuppen zerlegt kum. In der jüngeren mesozoischen
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Oberen Schieferhülle dominieren und Granosyenite; sie drangen in die der Bäche und Flüsse sowie exogene Eiszeiten waren diese inneralpinen
grünliche Chloritschiefer und wei- Untere Schieferhülle ein. Die Obere Kräfte der Verwitterung (Wasser und Täler von bis zu 1.500 Meter dicken
cher, brauner Kalkglimmerschiefer Schieferhülle wurde während der Wind) wirken bis in die Gegenwart. Eismassen erfüllt, die Gletscher-
sowie Bändergneise und Migmatite. alpidischen Faltung vom Süden her In der Eiszeit des Quartärs war das zungen endeten erst östlich von
Beide Hüllen besitzen eine Mäch- über diese Zone geschoben. Durch gesamte Gebiet mit Ausnahme der Klagenfurt. Solch riesige Eismassen
tigkeit von mehreren tausend Me- diese Überschneidung und spätere höchsten Gipfel und Grate von rie- mussten zwangsweise die Land-
tern. Sie umhüllen die Gneiskerne tektonische Bewegungen ist eine sigen Eismassen bedeckt. schaften prägen.
in der beschriebenen Weise und Veränderung der Gesteine erfolgt, Immer wieder trifft man im gesam- Das Maltatal und besonders der von
fallen in mächtigen Bänken vom indem sich Granite, Tonalite und die ten Talbereich auf Moränenwälle Westen einmündende Gößgraben
Kern nach außen ab. Dieser kuppel- übrigen Gesteine in Zentralgneise von Rückzugsstadien des Maltaglet- können als eindrucksvolle Beispiele
förmige Bau hat schon zu vielen Er- verwandelten. Alle Gesteine haben schers, dessen bescheidene Reste eines ehemaligen Gletschertroges
klärungsversuchen geführt. Einige ein kristallines Gepräge erhalten. nur mehr oberhalb von 2.500 m angesehen werden. Solche Tröge
Theoretiker meinen, dass der Gneis Diese Vorgänge, bei denen der Fos- Höhe zu sehen sind. Zwei Moränen- sind durch eine oft sehr breite Tal-
als Schmelzfluss in die vorhandene silieninhalt weitestgehend zerstört wälle aus der Würmeiszeit sind zu sohle mit steil ansteigenden Seiten-
Untere Schieferhülle eingedrungen wurde, nennt man die „Tauernkri- bemerken: Ein äußerer Endmorä- flanken charakterisiert. Das typische
ist. Dieser Vorgang soll vor rund 250 stallisation“, die während der alpi- nenwall zieht von
Mio. Jahren stattgefunden haben. dischen Gebirgsbildung erfolgte. Hilpersdorf nach
Am Ende der „Tauernkristallisation“ Schloss Dorn-
Bei allen Tauerngesteinen erkennt rissen bei beginnender Hebung bach, ein innerer
man die sehr starke Metamorphose Zerrklüfte im Gestein auf. Bergkri- Wall von der Ru-
(Umwandlung). Die Gneiskerne wa- stallfunde im Bereich des Tauern- ine Feistritz über
ren ursprünglich Granite, Tonalite fensters im Maltatal zeugen davon. Feistritz (zum Teil
durch Schwemm-
kegel verwischt)
Die Entwicklung der Formenwelt nach Schlatzing.
Die Malta hat
Am Ende des Alttertiärs war die Ge- aus den Hebungsvorgängen seit sich sekundär als
birgsbildung abgeschlossen. Die dem Jungtertiär und den darau fol- Schlucht einge-
heutige Formenwelt entstammt genden Vergletscherungen mit ih- graben. In den
relativ junger Zeit. Sie ergab sich ren Zwischeneiszeiten. Die Erosion Hochständen der Das Vordere Maltatal (gegen Osten) ist ein typisches Trogtal.
18 19

Trogtal weitet sich oberhalb der Die Zentralalpen bilden keine Kli- liegenden Gipfeln und Kämmen so
Steilstufen wieder zur sogenannten mascheide, wohl aber eine Wet- viele Niederschläge zu verzeich-
Trogschulter, welche in die Seiten- terscheide. Der österreichische nen sind, wie kaum anderswo in
täler oder Kare führt. Das Eis hat die Alpenbogen liegt im Bereich der Kärnten. Das Gebiet weist wie das
Stufen der Täler sehr versteilt und großräumigen Westwinddrift der übrige Mitteleuropa ein sommer-
dadurch Wasserfälle entstehen las- mittleren Breiten. Die Alpen stellen liches Niederschlagsmaximum auf.
sen. Die Stufen sind meist felsig, oft hier ein recht markantes Hindernis Dieses Maximum wird nicht durch
mehrere hundert Meter hoch und dar. Dadurch wird der Wetterablauf lang anhaltende „Landregen“, son-
ein besonderes Kennzeichen der sehr häufig derart beeinflusst, dass dern durch kurze, ergiebige Gewit-
Verformung durch die Gletscher. Die sich sowohl typische regionale als ter erreicht. Es liegt ein einfacher
Stufung der Alpentäler geht zumeist auch jahreszeitliche Unterschiede Niederschlagsgang mit Minimum
auf Hebungsvorgänge zurück. Die ergeben. Ein charakteristisches im Februar und Maximum im Juli
Versteilung und Verschärfung ist Merkmal des Klimas im Maltatal ist vor. Der Winter ist die trockenste
aber Arbeit des Eises. Diese morpho- es, dass Störungseinflüsse generell Jahreszeit. Im Gebirge ist auch der
logische Besonderheit ist im Malta- abgeschwächt werden. Die häu- Winterniederschlag verhältnismä-
tal der Grund für die zahlreichen fig auftretenden Westwetterlagen ßig groß.
Wasserfälle, die über die Steilstufe werden durch das Alpenvorland im Die relative Sonnenscheindauer
des ehemaligen Gletschertroges Norden sowie den Hauptkamm der weist im Sommer ihr Maximum
stürzen. Das beste Beispiel dafür ist Zentralalpen in ihrer Wirkung ge- mit etwa 50 Prozent auf. Das heißt,
wohl der sogenannte Fallbach in Ko- mindert, bisweilen sogar gänzlich dass im Durchschnitt während
schach. Er stürzt im freien Fall über abgehalten. Das Wetter ist daher der Hälfte der möglichen Zeit die
Der Fallbach bei Brandstatt – mit 200 m eine beinahe 200 Meter hohe Fels- oftmals viel milder als nördlich der Sonne scheint. Im Frühjahr ist die
Fallhöhe der höchste Wasserfall Kärntens stufe zu Tal. Hauptkette. Der durchschnittliche relative Sonnenscheindauer durch
Jahresniederschlag bringt dies sehr die häufige Quellwolkenbildung
deutlich zum Ausdruck. In Malta be- etwas geringer. Den Schnee brin-
Klimatische Besonderheiten trägt er 940 mm, am Alpennordrand gen Schlechtwettereinbrüche vom
in Salzburg sind es mit 1.130 mm er- Norden her und zusätzlich auch
In Kärnten und somit auch im Mal- dieses Klima durch die Exposition heblich mehr. Störungseinflüsse aus dem Mittel-
tatal herrscht das gemäßigte Kli- nach Süden, durch das Relief und Auffällig ist auch, dass die Täler sehr meerraum im Spätherbst und Früh-
ma Mitteleuropas vor. Jedoch wird lokale Gegebenheiten geändert. trocken sind, während auf den um- winter.
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Das Maltatal und seine Gletscher


von Helmut Lang*

Bei der Fahrt auf der Tauernauto- 26 Prozent der Flächen aller Glet-
bahn von Villach nach Spittal an der scher Kärntens, in Heiligenblut sind
Drau erblickt man im Spätfrühjahr es 32 km² bzw. rund 64 Prozent.
und im Sommer weit im Nordwes- Auch in Malta gab es Zeiten, in de-
ten einen hohen Berg, der durch nen die Gletscher viel größer als
ein strahlend weißes, dreieckiges heute waren: etwa zwischen 450
Schneefeld besonders auffällt: Es und 700 n. Chr., im Hochmittelalter
ist die 3.360 m hohe Hochalmspitze (vom 12. bis zum 14. Jahrhundert)
mit dem an ihrer Südseite gelege- und zwischen 1600 und 1850. Ein
nen Trippkees. „Kees“ ist die ortsüb- Zeuge dafür ist ein Moränenwall
liche Bezeichnung für „Gletscher“, im Kleinelendtal, der um 1650 ent-
wobei das Trippkees nur einer der standen sein dürfte und inzwischen
rund 25 Gletscher im Gebiet der ungefähr 1,6 Kilometer vom derzei-
Gemeinde Malta ist. Diese stellen tigen Ende des Kleinelendkeeses
ein Drittel aller Kärntner Gletscher entfernt ist. Zur Zeit des mittelalter-
dar − eine Zahl, die lediglich in der lichen Klimaoptimums hingegen,
Gemeinde Heiligenblut übertroffen also etwa zwischen 800 und 1100 n.
wird. Chr., waren die Gletscher im Bereich
Mit rund 13 km² entfallen auf das der Gemeinde Malta viel kleiner als
Gemeindegebiet von Malta etwa heute.

Die Täler und Gräben mit ihren Gletschern


Wenn ich in diesem Kapitel die Glet- ßen zur Kölnbreinsperre und zum
scher nicht den Gipfeln, sondern Gößkarspeicher wesentlich leich-
Der Großelendgletscher und die Hochalmspitze aus ähnlicher Perspektive: Das Foto ist den Tälern und Gräben zuordne, so ter geworden ist. Ich unterscheide
am Unteren Schwarzhornsee entstanden, das Aquarell von Ferdinand Schmid zeigt den mache ich dies wegen der Zugäng- dabei den Gößgraben, das Groß-
Oberen Schwarzhornsee im Vordergrund. lichkeit, die nach dem Bau der Stra- elendtal, das Kleinelendtal und das
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innere Maltatal. Die Beschreibung nerer Gletscher erhalten ist. Bedeu- Hochalmspitze gelege-
der einzelnen Gletscher erfolgt für tender ist das Schwalbenkees an der ne Westliche Trippkees.
jedes Tal im Uhrzeigersinn, also von Nordwestflanke des Zauberernocks: Um 1850 betrug seine
links nach rechts, wenn man in den es bietet den BesucherInnen der Fläche etwa 180 ha,
Talschluss hineinblickt. Gießener Hütte einen schönen An- diese verringerte sich
blick in den düsteren Karen und bis 1969 auf rund 60 ha
Der Gößgraben Wänden der Reißeckgruppe. Gegen und inzwischen auf nur
Unter der Nordwand des Reißecks den Riekener Sonnblick folgen zwei mehr 50 ha. Ein vom
liegt im obersten Kar der Ritteralm winzige Gletscherchen, die sich in Hauptgletscher bereits
ein kleiner, unscheinbarer Gletscher, einzelne Teile auflösen. Kleine Eisres- abgetrennter Teil liegt
der früher mit dem Ritteralmkees te gibt es auch östlich des Säulecks westlich des Winterrie-
zusammenhing, das nordöstlich des und südlich der Schneewinkelspitze. gels; über ihn führt der Aufstieg über das Westliche Trippkees zum
Verbindungsgrates vom Reißeck Der größte Gletscher im Bereich Rudolstädter Weg als Südgrat der Hochalmspitze
zum Großen Stapnik als noch klei- des Gößgrabens ist das südlich der Aufstieg von der Gie-
ßener Hütte über die Steinernen zeit nur mehr 175 ha. Beim Hoch-
Mandln zur Hochalmspitze. In völli- stand um 1850 war der Gletscher
ger Abgeschiedenheit klebt schließ- noch rund 490 ha groß. Dramatisch
lich das Östliche Trippkees an den ist auch der Längenverlust, der von
Felsen südlich der Kordonspitze. 1985 bis 2011 mehr als 200 Meter
betrug. Von der einstmals mäch-
Das Großelendtal tigen Zunge dieses Gletschers ist
Herrliches Schaustück für Besucher- nichts mehr vorhanden. Das Kälber-
Innen der Osnabrücker Hütte ist spitzkees, das im Osten vom Kamm
das Großelendkees, das sich über der Kälberspitzen, im Westen von
nahezu 3,1 Kilometer Breite an den den Wänden der Celler Spitzen be-
Nordseiten der Preimlspitze, der grenzt wird, war um 1850 noch rund
Elendköpfe, des Großelendkopfes 210 ha groß; seither verlor es etwa
und der Jochspitze bis zur Kärlspitze 75 Prozent seiner Fläche!
erstreckt. Nach starken Rückgängen In der Südflanke des Ankogels kön-
Hochalmspitze mit Großelendgletscher, links strichliert der Anstieg über die Preimlscharte seit 1985 beträgt seine Fläche der- nen sich mehrere Teile eines Glet-
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scherzunge der Höhenunterschied Das innere Maltatal


vom Gipfel des Ankogels, an dem Östlich der Kordonspitze findet sich
der Gletscher beginnt, bis zum ein kleines, steiles Gletscherchen in
derzeitigen Eisrand; dazwischen einer öden Schuttlandschaft. Be-
liegen weite Spaltenzonen mit wil- deutend hingegen ist sein Nachbar,
den Eisbrüchen. Um 1850 war das das östlich der Hochalmspitze ge-
Kleinelendkees noch 500 ha groß, legene, derzeit etwa 290 ha große
1969 jedoch nur mehr 300 ha. Über Hochalmkees. Dieser derzeit größte
diesen Gletscher führt an seinem Gletscher der Ankogelgruppe maß
südlichen Rand der übliche Anstieg um 1850 noch etwa 480 ha. So wie
von der Osnabrücker Hütte auf den die anderen großen Gletscher der
Ankogel. Ankogel-Hochalmspitz-Gruppe

Hochalmgletscher mit Preimlspitze um 1900

schers halten, die in früheren Zeiten sperre sind bereits das Schwarz-
einen geschlossenen Eispanzer an hornkees und das Tischlerspitzkees
diesem bekannten Dreitausender zu sehen, wobei sich letzteres wie
bildeten. Östlich der Großelend- ein Mantel um den benachbar-
scharte liegt das Pleßnitzkees, das ten Tischlerkarkopf legt; mit der
in den letzten Jahrzehnten stark Tischlerspitze selbst hat es keine
zurückgeschmolzen ist; über die- Verbindung mehr. Der zweitgrößte
sen Gletscher führte bis vor Kurzem Gletscher der Ankogelgruppe ist
der Übergang von der Osnabrücker mit rund 270 ha Fläche das östlich
Hütte nach Mallnitz bzw. zum Han- des Ankogels gelegene Kleinelend-
nover Haus. kees; es bildet den prachtvollen Tal-
schluss des Kleinelendtales. Rund
Das Kleinelendtal 900 m beträgt nach dem Abschmel-
Vom Parkplatz bei der Kölnbrein- zen der einstmals mächtigen Glet- Blick ins Kleinelendtal – im Hintergrund die Tischlerspitze und der Tischlerkarkopf
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rerInnen auf Frühjahrstouren aus in den letzten Jahren stark zurück-


dem Maltatal zur Oberlercherspitze geschmolzen ist, vor allem aus dem
betreten. Kleinelendtal ein herrliches Bild,
An der Ostseite des Maltatales fin- und südlich des Lanischhafners be-
den wir nur mehr einige recht klei- schließt ein kleines, unbenanntes
ne Gletscher. Zwischen dem Wein- Gletscherchen die eindrucksvolle
schnabel und der Kaltwandspitze Reihe der Gletscher in der Gemein-
hält sich ein winziger Eisfleck, im de Malta.
obersten Kölnbreinkar liegt das
zerfallende Kölnbreinkees. Westlich * von Helmut Lang adaptierter Beitrag,
des Hafners bietet das noch rund erstmals erschienen in der Festschrift
17 ha große Wastlkarkees, welches „1000 Jahre Malta“, 1994

Abfahrt von der Oberlercherspitze durch das Findelkar, gegenüber der Gr. Hafner, 3.076 m

hat auch das Hochalmkees durch Hochalmkees führte der Weg der
den starken Rückgang seine Zunge Erstersteiger der Hochalmspitze;
verloren. Meines Wissens sind am heute ist dies der übliche Anstieg
Hochalmkees als einzigem Glet- von der Villacher Hütte zu diesem
scher der Gruppe Tiefenmessun- begehrten Dreitausender − eine
gen durchgeführt worden. Diese Route, die auch im Winter gerne be-
erfolgten 2001 im Rahmen einer gangen wird.
Diplomarbeit an der Universität für Nordöstlich der Preimlspitze gibt
Bodenkultur in Wien. Dabei wur- es einen winzigen, unbenannten
den Eisdicken von bis zu 150 Meter Eisfleck. Östlich des Grates Oberler-
ausgewiesen. In den heißen Som- cherspitze−Brunnkarschneid liegen
mern seither gab es jedoch an der schließlich noch das Findelkarkees,
Oberfläche des Gletschers große das rund 35 ha groß ist, und das
Abschmelzbeträge, die bis zu sechs wesentlich kleinere Langkarkees. Blick von der Moaralm gegen Steinerne Mandln, Hochalmspitze, Preimlspitze und
Meter jährlich erreichten! Über das Beide Gletscher werden von Skifah- Oberlercherspitze (v.l.n.r.); Aquarell von Ferdinand Schmid, 1934
28 29

Geschichte des Maltatales

Der älteste Fund, der auf eine ter römischer Herrschaft. Straßen
menschliche Tätigkeit im Maltatal entstanden u.a. im Liesertal, einer
hinweist, ist ein etwa 4.000 Jahre al- wichtigen Nord-Süd-Verbindung
ter sogenannter „Setzkeil“, ein Werk- für die römischen Legionen, aber
zeug, das als Hammer verwendet auch dem Handel nützten diese
und im Bereich der „Rödernwände“ Straßen. Sie werden in Oberkärnten
in der Ortschaft Feistritz, westlich heute noch als „Römerstraßen“ be-
von Malta, gefunden wurde. Dieser zeichnet.
Einzelfund aus der Jungsteinzeit Im Zuge der Völkerwanderung zo-
lässt keinen Rückschluss auf eine gen mehrere Stämme von Norden
Siedlung zu. Es ist aber anzuneh- nach Süden und wohl auch durch
men, dass Menschen das Maltatal das Lieser- und Maltatal. Die Lan-
bereits in der Steinzeit durchstreift gobarden kontrollierten einige Zeit
haben. Die Bevölkerung der älteren das Gebiet des heutigen Kärnten
Eisenzeit (Hallstattzeit von 1000– und Osttirol, sie waren aber von Sla-
350 v. Chr.) war illyrisch-venetischen wen und Awaren bedroht.
Ursprungs. Ab dem 4. Jahrhundert In der zweiten Hälfte des 6. Jahr-
v. Chr. wanderten die Kelten in hunderts kamen die Slawen nach
Kärnten ein und bildeten einen Kärnten, und zwei Jahrhunderte
Staat unter keltischer Führung – das später entwickelten sich aus den
Königreich der Noriker. Alpenslawen die „Karantanen“. Von
Als wichtige norische Siedlung gilt Norden stießen in der Folge die
Teurnia bei Spittal, ungefähr 15 Bayern nach Süden. Es kam zu einer
Kilometer vom Beginn des Malta- friedlichen Landnahme, allerdings
tals entfernt. Es herrschte ein reger dürfte das Christentum (in der Rö-
Handel mit dem Römischen Reich. merzeit nach 392 n. Chr. Staatsreli-
Die Römer besetzten schließlich gion) in Kärnten damals nicht prak-
das Königreich Noricum, das zur tiziert worden sein.
oben: Malta um 1900 römischen Provinz wurde. Etwa Die Slawen übernahmen die vorsla-
unten: „Malta im Nebel“, Aquarell von Ferdinand Schmid; etwa 1929 500 Jahre lang war das Gebiet un- wischen Flurnamen – z.B. Malta, il-
30 31

lyrisch: Malantina = Bergburg, spät- Als ein Ergebnis der Missionierung gelangte das Erzbistum Salzburg in Christoph Pflügl, Rudolf von Raite-
illyrisch: Malontina = Steingegend Kärntens durch die Bayern wurde den Besitz von Gütern im Maltatal. nau u.a.) gewechselt hatte, wurde
oder Steinburg. das Tal ab 772 wieder christlich. Auch sind im 11. Jahrhundert die die Herrschaft samt dem Maltatal
„Edlen von Mallenthein“ nachweis- 1639 an das Erzbistum Salzburg
bar. Als deren wichtigster Vertreter verkauft. In der Folge blieb das Mal-
Wechselnde Grundherren gilt Walter von Mallenthein, der tatal annähernd 300 Jahre im Besitz
1147 im Gefolge König Konrads III. der Grafen Lodron.
Um die Jahrtausendwende fand im urkundliche Erwähnung des Ortes am zweiten Kreuzzug teilnahm und In der Gemeinde Malta arbeiten
Gebiet eine verstärkte Kolonisation Malta gilt. Es ist eine Urkunde des auch im Gefolge Kaiser Friedrichs I. heute zwei christliche Glaubens-
durch bayrische Siedler statt. Aus Bischofs Abraham von Freising, in Barbarossa (1122–1190) aufscheint. gemeinschaften im Geist der Öku-
dieser Zeit stammt auch ein Do- der es um einen Grundtausch in Im Mittelalter lassen sich für das Lie- mene miteinander: die katholi-
kument von 994, welches als erste Malta geht. Ab dem 11. Jahrhundert ser- und Maltatal mehrere Grund- sche Pfarrgemeinde Malta und die
herren nachweisen. evangelische Toleranzgemeinde
In Kärnten kam es in der zweiten Dornbach, welche 1790 gegründet
Hälfte des 15. Jahrhunderts zu wurde und ein Bethaus sowie ein
mehreren Türkeneinfällen. Die Täler Pfarrhaus in Fischertratten besitzt.
Oberkärntens dürften aber kaum 1849 entstand auf Grund des
betroffen gewesen sein. Trotzdem Reichsgemeindegesetzes aus den
erhielt Malta eine Wehrkirche. Nach- drei Katastralgemeinden Dornbach,
dem die Herrschaft Gmünd in kur- Malta und Maltaberg die politische
zen Abständen immer wieder den Gemeinde Malta, wie sie sich heute
Besitzer (Leonhard von Keutschach, darstellt.

Nazi-Putsch und -Herrschaft


Die Wirtschaftskrise in den Jahren Betriebe. 1932 gelangte der Besitz
nach dem Ersten Weltkrieg erreich- der Grafen Lodron (10.000 Hektar
Das Jagdschloss Dornbach der Grafen Lodron ist heute im Besitz der Familie Irsa; te auch das Maltatal und führte waren damals von den ursprüngli-
Aufnahme von 1912 zum Niedergang der Lodronschen chen 18.000 noch deren Besitz, da-
32 33

von 6.000 im Maltatal) in das Eigen- diese den Gendarmerieposten möglich war, veröffentlichte Frido Einsatz. 13 von ihnen starben und
tum des vormaligen Verwalters Karl sowie Amtsgericht, Stadtgemein- Kordon in Gießener und Osnabrü- haben bei der Kapelle in Brandstatt
Irsa. Die wirtschaftliche Not in den deamt, Postamt und Pfarrhaus in cker Zeitungen einige Aufsätze, in ihre letzte Ruhestätte erhalten. In
1920er- und 30er-Jahren war spezi- Gmünd. Bei Trebesing wurde eine denen er die dortigen Bergsteiger der Landwirtschaft waren vor allem
ell in Oberkärnten durch eine hohe Brücke unpassierbar gemacht, um zum Besuch ihrer im Maltatal be- polnische Zwangsarbeiter beschäf-
Arbeitslosigkeit geprägt. Zusätzlich Polizeieinheiten und eine Bundes- findlichen Hütten ermunterte. Den tigt. Im November 1944 kam es zur
herrschte in der bäuerlichen Bevöl- heerkompanie aus Spittal am Ein- Autofahrern gab er den Rat, auf der Bombardierung eines Bauernhofes
kerung eine zum Teil katastrophale greifen zu hindern. Hin- oder Rückfahrt die zwei Jahre im Ortsteil Feistritz. Unter den Be-
Wohnsituation, und der Bauern- Nach wenigen Stunden war der zuvor eröffnete Glocknerstraße zu wohnern gab es Verletzte, aber kei-
stand war schwer verschuldet. Aufstand jedoch zusammenge- befahren. ne Toten. Die kleine Landgemeinde
Mit der Machtübernahme Hitlers brochen. Die Rädelsführer flüch- Nach dem Einmarsch der deut- Malta zählte am Ende des Zweiten
in Deutschland 1933, dem Verbot teten auf Almhütten oder nach schen Truppen 1938 stimmten bei Weltkrieges 86 gefallene und ver-
der Sozialistischen Partei in Öster- Deutschland. Einige stellten sich der anschließenden Volksabstim- misste Männer.
reich 1934 und der Errichtung des den Behörden, um der angedroh- mung in Malta
Ständestaates hielt auch im Malta- ten standrechtlichen Erschießung von 704 Wahlbe-
tal das Gedankengut der National- zu entgehen. Andere Teilnehmer rechtigten 680 für
sozialisten Einzug. Die Mitglieder des Putsches erhielten Haftstrafen, den Anschluss an
der illegalen NSDAP provozierten welche sie in der Haftanstalt Karlau Hitler-Deutsch-
die Organe des Ständestaates, wo bei Graz verbüßten. land. Während des
immer sich eine Möglichkeit bot. Zweiten Weltkrie-
Häufige nächtliche Hakenkreuz- Der Touristenverkehr aus dem Deut- ges wurde in den
schmierereien auf Häusern und schen Reich erlitt 1933 durch die Steinbrüchen im
Plakatwänden sowie das Hissen aus politischen Gründen erlassene Maltatal für den
von Hakenkreuzfahnen auf Felsen „1000-Mark-Sperre“ einen schwe- geplanten Bau der
und Ruinentürmen führten in Malta ren Rückschlag (für Reisen nach Reichsautobahn
zu Verhaftungen der Rädelsführer. Österreich war eine Visagebühr in durch das Liesertal
Den Putsch der Nationalsozialisten dieser Höhe zu entrichten). 1937 gearbeitet.
im Juli 1934 unterstützten auch im erfolgte die Aufhebung dieser Ge- Dabei kamen auch Im Lager im Ortsteil Brandstatt waren Zwangsarbeiter
Lieser- und Maltatal illegale NSDAP- bühr. Da der Reise- und Touristen- russische Kriegs- untergebracht, die in den Steinbrüchen des Maltatals
Mitglieder. Kurzfristig besetzten verkehr nun wieder ungehindert gefangene zum für den Bau der Reichsautobahn arbeiten mussten.
34 35

Der frühe Alpinismus im Maltatal *

Der Alpinismus hat seine Wurzeln in Der Alpinismus begann sich in die-
der Zeit der Aufklärung im 18. Jahr- ser Zeit zur Bewegung zu entwi-
hundert. Der größere Stellenwert ckeln, die das Ersteigen, Erforschen
der Wissenschaften bewirkte u.a. und Erleben der vergletscherten
ein wachsendes Interesse an der Hochgebirgswelt zum Inhalt hatte.
Erforschung der Naturphänomene Bald kamen immer mehr wagemu-
in den Alpen und die damit ver- tige, selbstbewusste Touristen in
bundene allmähliche Erschließung entlegene Gebirgsgegenden, auch
der bis dahin gemiedenen Hochge- in das Maltatal mit seinen großar-
birgswelt. Die „forschende Neugier- tigen Wasserfällen, Felsschluchten
de“ veranlasste zahlreiche Wissen- und majestätischen Berggipfeln.
schaftler, entlegene Gebirgstäler zu Bereits 1832 erschienen in der „Ca-
durchwandern, Gebirgsgruppen zu rinthia“ (der Zeitschrift des Kärntner
überschreiten und bisweilen ein- Geschichtsvereins) mehrere Artikel
zelne Gipfel zu ersteigen. Auch die über das Maltatal und seine Berge.
beiden 1799 und 1800 vom Gurker Die erwähnte, von Offizieren des
Fürstbischof Kardinal Franz Xaver Heeres durchgeführte Kataster-Tri-
von Salm durchgeführten Glockner- angulierung erhöhte ebenfalls den
expeditionen dienten in erster Linie Bekanntheitsgrad der Ankogel-Haf-
wissenschaftlichen Zwecken. ner-Gruppe. Bei diesem Unterneh-
Vorher hatten Einheimische, vor al- men erhielt das Säuleck (3.086 m)
lem Bauern und Hirten von ihren Al- 1823 als erster einheimischer Berg
men und Jäger von ihren Revieren eine Vermessungspyramide.
aus, manche Berge bezwungen. Bei Viele Berge wurden relativ früh be-
den wissenschaftlichen Exkursio- stiegen, so der Ankogel (3.252 m),
nen und bei der 1822 begonnenen der westliche Grenzgipfel des
Kataster-Triangulierung (Landver- Maltatales. Er war 1762 einer der
Die Naturschönheiten und Wasserfälle zogen die Städter in die Alpentäler und damit messung) waren viele Einheimische ersten von Menschen betretenen
auch ins Maltatal. Diese Ansichtskarte ist um 1890 nach einem Motiv des berühmten als Führer und Träger maßgeblich Hochgipfel der ganzen Alpenkette.
Alpenmalers E. T. Compton entstanden. beteiligt. Sein aus den Gletschern hervorra-
36 37

Jungmeier zufällig gelungen, die gen den Gipfelaufbau umgeben.


verwirrenden Geschehnisse bei der Lange wurde er hinsichtlich seiner
Erstbesteigung zu klären. Höhe unterschätzt und bei der ers-
Die Hochalmspitze, als zweithöchs- ten trigonomischen Vermessung
ter Berg Kärntens, trägt viele Na- 1829 durch das k.k. Geographen-
men. Man nennt sie „Tauernkönigin“ korps mit einer falschen Höhenan-
oder „Tauernfürstin“; auch „Keesige gabe versehen.
Alm“ oder „Eiskönigin des Maltata- Am 12. August 1859 unternahm
les“ wird sie genannt. Im Volksmund Anton Edler von Ruthner mit hei-
heißt sie kurz und bündig häufig mischen Führern aus der Gemeinde
einfach „Hochalm“. Der Berg wird Malta einen Besteigungsversuch.
Die „Steinernen Mandln“ am Weg zum Gipfel der Hochalmspitze um 1910. Das linke auch als schönster Berg Kärntens Die Gruppe querte den Hochalm-
„Mandl“ ist mittlerweile auf das Trippkees gestürzt. bezeichnet, weil vier Gletscher und gletscher bis zur Preimlscharte und
vier Grate in alle Himmelsrichtun- stieg von dort entlang der Elend-
gendes kühnes Horn lockte in der ausgelöst durch ein schwaches
Folge immer wieder einheimische Erdbeben – seinen Gipfelaufbau
und auswärtige BergsteigerInnen und büßte ca. zehn Höhenmeter
an. 1826 war Erzherzog Johann auf ein. Zum 250-Jahr-Jubiläum der
dem Gipfel, bereits ein Jahr später Besteigung des Ankogels entstand
erfolgte die Vermessung dieses Ber- 2012 ein Film von Gernot Stadler
ges. 1932 verlor der Ankogel durch mit dem Titel: „Die Wiege des Alpi-
einen Bergsturz – wahrscheinlich nismus“.

Umstrittene Hochalmspitze
Lange galt Paul Grohmann, einer hohen Hochalmspitze. Mehr als
der Mitbegründer des Alpenvereins 150 Jahre später ist es dem lang-
und wichtiger Pionier in den Dolo- jährigen Vorsitzenden des AV-Lan-
miten, als Erstbesteiger der 3.360 m desverbands in Kärnten Dr. Heinz Die Hochalmspitze im Winter – eines der vielen Gesichter der „Tauernkönigin“
38 39

mann getroffen erste Expedition, bestehend aus ßen sich aber nicht abhalten und
und eingeladen, vier Gmünder Bürgern, bis zu den erreichten gegen Mittag eine Erhe-
an der Unterneh- Steinernen Mandln (3.158 m) ge- bung, die sie für die Hochalmspitze
mung mitzuma- langt, wegen der Gletscherspalten hielten − es war aber ihr Vorgipfel,
chen. Grohmann umgekehrt und hat deshalb den der Großelendkopf.
lehnte aus Ter- Gipfel nicht erreicht. Wenige Tage Weitere drei Tage später hätten bei
mingründen ab. später versuchte es Pfarrer Martin prächtigem Wetter der Eisentratte-
Ruthner in seinem Krall aus Malta mit acht Beglei- ner Werksbeamte Josef Moritz und
Bericht: „Zu mei- tern. Die Expedition erreichte die zwei herrschaftliche Holzknechte
nem großen Ver- Preimlscharte, wo das weitere Vor- zum ersten Mal den „Firngupf“ der
gnügen traf ich dringen stockte, nachdem sich das Schneeigen Hochalmspitze er-
an diesem Tage in Wetter verschlechtert hatte. Josef reicht, den Übergang zum etwas
Blick vom Säuleck über den Detmolder Grat zum Gipfel der Gmünd mit einem Krois (gewesener Pflüglhof- und höheren Aperen Gipfel aber nicht
Hochalmspitze; 1907 der eifrigsten jün- späterer Kroneggpächter) und der gewagt. So jedenfalls die bisherige
geren Bergsteiger, Pfarrhofknecht Simon Moser lie- alpine Geschichtsschreibung.
köpfe weiter auf. Mit dem Führer Herrn Paul G. aus Wien zusammen,
Johann Fercher erreichte Ruthner und so sehr ich bedauerte, daß er
die Schneeige Hochalm. Den Über- dringend verhindert war, mich bei
gang zur – als höher erkannten – der Ersteigung zu begleiten, eben
Aperen Hochalmspitze wagte Ruth- so freute es mich, von ihm zu hören,
ner aus Zeitmangel und wegen der daß er sie in den nächsten Tagen
Gefährlichkeit der Gratschneide unternehmen wolle.“
jedoch nicht. Ruthner nahm auf der Ruthner berichtet weiter, dass es
Schneekuppe der Hochalm eine bereits 1856 drei Besteigungsver-
barometrische Höhenmessung vor suche gegeben hätte, wobei Frido
und schätzte die Höhe der nahen Kordon 1937 diese Jahreszahl auf
Hochalmspitze mit 10.622 Wiener 1855 korrigierte. In der Sache gibt
Fuß (= 3.359 m) hervorragend ein. es zwischen Ruthner und Kordon
Unmittelbar zuvor hatte Ruthner in keine Differenzen. Demnach ist Die Schneeige Hochalm, ein Vorgipfel der Hochalmspitze, im Hintergrund links
Gmünd den Alpinisten Paul Groh- in der zweiten Augusthälfte eine der Große Hafner; 1907
40 41

Andreas Pucher und Jakob Haman am Gipfel der Hochalmspitze stan- tet erklom(m) dieselbe mein Begleiter
den und somit deren Erstbesteiger Pucher vollkommen, Hamann hinter
2007 gelangte Heinz Jungmeier hat den originalen Brief von Moritz sind. Josef Moritz hat eine Stelle ihm hielt sich an seinem Rock, auch
durch Zufall in den Besitz von drei aber nie nach Klagenfurt weiterge- unmittelbar vor dem Gipfel erreicht er war vom Schwindel nicht frei, ich
alten Briefen, die Isolde Moritz, die leitet. Der wahrscheinlichste Grund und schrieb: blieb an meinem Platz und rauchte
Gattin eines Enkels von Josef Moritz, dafür ist, dass Pfarrer Krall selbst Endlich waren wir an der scharfen gemütlich die Cigare und schaute die
aufbewahrt hatte. In diesen Briefen als Leiter und Initiator der Erstbe- Schneekante angelangt, die höchs- Gestaltungen der Urwelt, hoch oben
geht es kurz gefasst um Folgendes: steigung in die Geschichte einge- te Spitze nur noch circa 8 Fuß über über allen sichtbaren Gebirgsspitzen,
Pfarrer Krall bat Josef Moritz um hen wollte. Wie auch immer, Moritz uns schauend. Wie ein Reiter auf sein bis auf den Riesen Großglockner und
detaillierte Angaben seiner Bestei- schildert in diesem Brief sehr genau Pferd setzte ich mich auf die schnei- den von meinem Stand- oder viel-
gung, um diese dem Schriftleiter der die Besteigung mit seinen Beglei- dige Schneekante, einen Schenkel mehr Lagerpunkt aus etwas niedere-
Zeitschrift Carinthia für einen Auf- tern Andreas Pucher, Lenzbauer aus in das Maltatal, den anderen in das ren, nahe sich vor mir auftürmenden
satz übermitteln zu können. Moritz Gmünd, und Jakob Haman aus Mal- Mallnitztal abhängen lassend, al- Ankogl.
kam dieser Bitte umgehend nach ta. Mathias Eggeler begleitete das lein nur einige Augenblicke und mir Moritz hat auch festgehalten, dass
und fertigte für sich eine Abschrift Trio bis zur Preimlscharte, während schwindelte vor dem grausigen bo- in der Nähe des Gipfels Zeichen als
an, die heute noch erhalten ist. Krall Pucher und Haman am 30.8.1855 denlosen Abgrund, welcher sich an Beweis für den Erfolg eingemeißelt
der Mallnitzer Seite zeigte, ich kroch worden sind:
behutsam zurück und nur auf Bauch Gefahrvoll wegen Ausrutschen wurde
und Brust liegend, nur den Kopf in die von der südwestlichen Seite der Spitze
Tiefe vorstreckend, und weil ich mich der Abstieg begonnen und eine steil
in dieser Stellung sicher fühlte, blieb abschiesige Gletscherfläche passiert,
ich einige Minuten so liegen. Es war so nicht gerade nieder, sondern im Zick-
windstill, daß ich mit dem zweitange- Zack, weil an dieser Stelle ein eisfreier
brannten Zündhölzl mir eine Cigare Granitblock emporragte, in welchen
anrauchen konnte. Die höchste Spitze ich die Anfangsbuchstaben unserer
erhebt sich von dem Punkt wie ge- Namen und das Datum einmeiselte,
sagt 8 Fuß hoch dreikantig und sehr jedes Instrument zur Höhenbestim-
steil, und der höchste Punkt derselben mung, der Messung der Gletscherklüf-
gewährt keinen Raum für ein paar te und ihre Richtung vermissend. An
Der Gipfel der Hochalmspitze – damals wie heute ein begehrtes alpinistisches Ziel menschliche Füße. Dessen ungeach- obigem Granitblock, an dieser Seite
42 43

– der südwestlichen – zunächst unter chen eingemeiselt finden: (1838–1908), einem aus vermögen- der Hochalmspitze Nachahmer an-
der höchsten Spitze werden künftige IH dem Wiener Hause stammenden lockte. Trotz oft jahrelanger Pausen
Ersteiger, wenn nicht verwittert, im AP.IM Alpinisten, der die beschriebene wagten allmählich immer mehr Al-
Granitblock die nachstehenden Zei- 30/8 1855 Vorgeschichte höchstwahrschein- pinisten diesen Gipfel – darunter
lich nicht kannte, tut diese Korrek- Edmund von Mojsisovics, Carl Gus-
tur keinen Abbruch. Nicht zuletzt senbauer, Ludwig Purtscheller, Ar-
Bedeutung Paul Grohmanns ist ihm zugutezuhalten, dass die thur von Schmid, August von Böhm
Veröffentlichung seines Erfolgs auf und Julius Kugy.
Nicht alle besteigers überlassen haben soll,
Unklarhei- obwohl er selbst schon vier Jahre
ten sind zuvor den Gipfel erreicht hatte.
durch die- Aber können wir mehr als 150 Jah-
sen Brief re später erahnen, wie hierarchisch
von Moritz die sozialen Beziehungen zwischen
beseitigt. adeligen und/oder reichen Alpinis-
So ist der ten aus der Stadt und ihren bäuer-
Granitblock lichen Bergführern aus einem ent-
am Gipfel legenen Gebirgstal gewesen sind?
Paul Grohmann galt lan- nicht mehr Und welche Möglichkeiten hatten
ge Zeit als Erstbesteiger auffindbar Menschen wie Pucher oder Moritz,
der Hochalmspitze.
– aber was ihren Erfolg zu kommunizieren?
heißt das schon an ausgesetzter Die Quellenlage scheint jedenfalls
Stelle im Hochgebirge? Seltsamer eindeutig genug, Andreas Pucher
ist, dass bei der lange als Erstbestei- und Jakob Haman sowie ihren Be-
gung vermerkten Expedition von gleiter Jakob Moritz als Erstbestei- Postkarte aus den 1960er-Jahren
Paul Grohmann am 15. August 1859 ger der Hochalmspitze zu feiern
einer der beiden Begleiter Andreas und dafür den 30. August 1855 in
* Die beiden Kapitel über die Geschichte des Alpinismus im Maltatal basieren teilweise
Pucher war. Aus heutiger Sicht ist die Alpingeschichtsbücher einzu- auf Texten von Frido Kordon und Herbert Wagner, veröffentlicht in den Gmünder Stadt-
es schwer nachvollziehbar, dass Pu- tragen. nachrichten bzw. der Festschrift der Sektion Gmünd 1997 zum 100. Bestandsjubiläum.
cher Grohmann den Ruhm des Erst- Dem Ruhm von Paul Grohmann Die Texte wurden bearbeitet und ergänzt.
44 45

Erschliessung im Sinne des Alpinismus

Der Mangel an guten Wegen und hielt 1873 eine Prager Jagdgesell-
erträglichen Unterkünften erwies schaft zur Verbesserung des Weges
sich in der Zeit nach 1860 als arges von der Schönau ins Elend. Die
Hindernis für einen zunehmenden Jagdgesellschaft hatte die Gamsre-
Tourismus. Die Gründung des Ös- viere des Maltatales gepachtet und
terreichischen und des Deutschen in der Schönau sowie in der Samer-
Alpenvereins (1862 bzw. 1869) und alm Jagdhäuser errichtet, in denen
der Zusammenschluss zum DuOeAV sie vereinbarungsgemäß auch Tou-
1873 war die logische Konsequenz. risten Unterkunft gewährten.
Die neu gegründeten AV-Sektionen Die allmähliche Erschließung des
bauten alsbald in vielen Gebirgs- Maltatales und seiner Berge leitete
gruppen der Ostalpen Hütten und der k.k. Notar Josef Fresacher aus
Wege, die Ersteigung der Hochgip- Gmünd ein, der als ambitionierter
fel und tagelange Hochtouren wur- Bergsteiger mit Gleichgesinnten
den erleichtert. 1878 den „Gmünder Gebirgsverein“
Die Gebirgsgruppen rund um das gründete.
Maltatal mit den etwa
25 Dreitausendern und
ihren Gletschern waren
von dieser Erschlie-
ßungstätigkeit zunächst
ausgenommen. Die
Der Kleinelendgletscher mit dem Gipfel des Ankogels ca. 1910 – die Tafel am rechten Gründe dürften in der
unteren Bildrand weist darauf hin, dass das Wegerecht schon damals ein umstrittenes schwierigen verkehrs-
Thema war. technischen Erreichbar-
keit und der geringen
Zahl von Alpenvereins-
sektionen gelegen ha-
ben. Die erste Beihilfe
des Alpenvereines er- Die Jochscharte am Großelendgletscher um 1900
46 47

Gastein, stellten „Weg- schollene Büchlein „Gmünd und Gmünd wegzog, setzten seine vor-
zeiger“ (Steinmandln) seine Umgebung“ herausgebracht. maligen Mitarbeiter die Tätigkeit
auf, regelten das Führer- Im touristischen Teil beschrieb er fort.
wesen und ließen den die Bergtouren und Übergänge Drei Jahre später trat der Gebirgs-
Pflüglhof als Talherberge des Maltatales ausführlich. Die vom verein als „Gau Gmünd“ der AV-Sek-
einrichten. Bei der AV- Gebirgsverein ausgebildeten Berg- tion Klagenfurt bei. Auf Antrag die-
Sektion Klagenfurt regte führer Johann Klampferer vulgo ser Teilorganisation erklärte 1892
Fresacher den Bau der Schneider, Josef Fercher vulgo Sag- die Gemeinde Malta alle Touristen-
Elendhütte an, die dann schneider, Johann Fercher, Hansl steige im Maltatal zu öffentlichen
1880 in der Sameralm re- Sagschneider sowie Georg Klamp- Wegen, um mutwillige Absperrun-
alisiert wurde. Für Hoch- ferer waren darin mit ihren Tarifen gen einzelner Almbesitzer oder
touren lag die Elendhütte aufgelistet. Als Fresacher 1887 von Jagdinhaber zu verhindern.
aber zu weit unten im Tal
(Details zu den Malteiner
Hütten im Kapitel „Die
Alpenvereinshütten im
Maltatal“ ab S. 63).
Im Einvernehmen mit
dem Gmünder Gebirgs-
verein ließ 1881/82 die
Der erste touristische Führer des Lieser-und Maltatales AV-Sektion Villach unter-
von Notar Josef Fresacher erschien 1883. halb des Hochalmkeeses
als erste hoch gelege-
Die Männer dieses Vereines entfal- ne Unterkunft die Villacher Hütte
teten mit bescheidenen Mitteln (2.194 m) errichten. Während der
eine ersprießliche Tätigkeit. Sie ver- Bauzeit erstieg von hier aus die Wie-
besserten die Wege im Gößgraben nerin Hermine Kauer mit mehreren
und im Maltatal, kümmerten sich männlichen Begleitern als erste Frau
um den damals viel benützten Über- die Hochalmspitze. Der Pflüglhof war Ausgangspunkt für die Erschließung der
gang aus dem Kleinelendtal nach 1883 hat Fresacher das leider ver- Hochalmspitz- und Hafnergruppe; 1889.
48 49

Hütten und Wege len von Schutzhütten. Geeignete Anfänglich hatte man die techni-
Plätze beschrieb er im Elend, im schen Schwierigkeiten bei Weitem
des Fresacher-Führers heraus und Gößkar sowie im Gebiet des Haf- unterschätzt, die spärlichen eige-
illustrierte diesen mit eigenen Bil- ners und fordert AV-Sektionen zur nen Mittel reichten nicht aus, und
dern und Skizzen des Geoplasten Schaffung von alpinen Stützpunk- von der Sektion Klagenfurt, die
Paul Oberlercher. ten auf. durch den Straßenbau von Hei-
Von Kordon angeregt, erschien Kordons Aufruf fiel zuerst bei der ligenblut bis zum Glocknerhaus
im selben Jahr die erste Karte der Sektion Osnabrück auf frucht-
Ankogel-Hochalmspitz-Gruppe im baren Boden; sie meldete sich
Maßstab 1:50.000. als Erste mit der Absicht, eine
Ende August 1894 weilte Kordon Schutzhütte im Großelend zu
mit dem Maler Emil Cuskoleka errichten, und Ende Juli 1899
zur zeichnerischen Aufnahme der konnte die Osnabrücker Hütte
Hochalmspitz-Rundschau 30 Stun- ihrer Bestimmung übergeben
den ohne Biwakausrüstung auf werden.
dem Gipfel der Tauernkönigin. Auf Der „Gau Gmünd“ hatte sich
diesem Panorama, das später auch den Osnabrückern gegen-
Frido Kordon – ein bedeutender im Druck erschien, sind 297 Gip- über verpflichtet, den langen
Pionier und Motor der Erschließung der fel mit ihren Namen angegeben. Talweg entsprechend herzu-
östlichen Hohen Tauern Das sehenswerte Original befindet richten. So entstand im Laufe
sich jetzt im Vorhaus des Gasthofes von sechs Sommern der etwa
Die Erschließungstätigkeit im Mal- Kohlmayr in Gmünd. zehn Kilometer lange „Elend-
tatal beschleunigte sich ab 1890 In zwei Folgen erschien 1895 in den steig“ vom Blauen Tumpf bis
durch den Apotheker Frido Kordon, AV-Mitteilungen Kordons Aufsatz ins Hintere Maltatal. Die größ-
der als begeisterter Bergsteiger in „Ein dankbares Arbeitsfeld“. In die- ten Schwierigkeiten hatten
jungen Jahren Obmann des „Gau- sem beklagt er, dass für die östlichs- die Steigmacher − Malteiner
es Gmünd“ geworden war (siehe ten Gruppen der Hohen Tauern, für Bergführer unter Josef Stra-
auch das Kapitel „Drei Pioniere und das „Schatzkästlein Oberkärntens“, ßers Leitung − bei der Durch- Der Bau des Elendsteiges erschloss das
ein Geoplast“ ab S. 75). Kordon gab bisher viel zu wenig getan worden sprengung der Klammfall- Hintere Maltatal, im Bild die schwierige Stelle
1893 eine erweiterte Neuauflage sei; vor allem bedauert er das Feh- wände („Straßerwand“). der Straßerwand (um 1900).
50 51

selbst in große Schwierigkeiten ge- die Jagd- und Alminteressenten ren Betreuung der TouristInnen und der Schönau erfuhren eine Umge-
raten war, konnte keine finanzielle eine Fahrstraße in den Gößgraben Bergwanderer nahm man die Be- staltung zu Bergwirtshäusern. 1900
Unterstützung erwartet werden. bauen, der Alpenverein errichtete wirtschaftung der Osnabrücker Hüt- erhielten Malta und der Pflüglhof
Deshalb gründete Kordon mit sei- einen Steig zum Zwillingsfall. Außer- te auf, und die Kohlmayrhütte im − auf Kordons Anregung − telegra-
nen Mitarbeitern 1897 in Gmünd dem wurden von den Bergführern Gößgraben sowie die Traxhütte in fische und telefonische Verbindung.
eine eigenständige Alpenvereins- die Wege zu den Übergängen nach
sektion, die für diesen Zweck vom Gastein (Kötschachtal), Hüttschlag
Gesamtverein die nötigen Beihilfen (Großarl) und Muritzen (Murtal) aus- Hochwasser mit Folgen
erhielt. gebessert, teilweise neu angelegt
Um die Jahrhundertwende ließen und vor allem markiert. Zur besse- Das verheerende Hochwasser von für die Hochwassergeschädigten
1903 vernichtete in einer Nacht, in Alpenvereinskreisen eine Hilfs-
was durch jahrzehntelan-
gen Fleiß geschaffen wor-
den war. Die Täler hatten
Schäden erlitten, die oft
jahrelange Wiederherstel-
lungsarbeiten erforderten.
Die Maltataler Jagdgesell-
schaft, über die Verwüs-
tung in ihren Revieren ge-
schockt, zog sich aus dem
Gebiet zurück, und die
Sektion Gmünd konnte das
fast unversehrt gebliebene
Schönau-Jagdhaus günstig
erwerben. Schon im folgen-
den Sommer nahm die nun-
mehrige Gmünder Hütte Die erste Manuskriptseite zu Kordons Lichtbilder-
ihren Betrieb auf. vortrag im Rahmen der Hilfsaktion nach dem
Ausflug der jungen Sektion Gmünd auf das Gmeineck um 1900 Die Sektion Gmünd leitete Hochwasser 1903
52 53

5.000 Kronen tion Gießen (Hessen) zum Bau eines Veranlassung Kordons angelegte
im Maltatal zur Unterkunftshauses am Gößbichl „Gmünder Weg“ von der Tripp-Och-
Verteilung. Die unterhalb des Trippkeeses, welches senhütte zur Dösener (Mallnitzer)
Gemeinde Mal- 1913 eröffnet wurde. Am Tag der Scharte seiner Bestimmung über-
ta ernannte Fri- Einweihung konnte auch der auf geben werden.
do Kordon für
seinen selbstlo-
sen Einsatz und
die sonstigen
Verdienste am
24. Jänner 1904
zu ihrem Ehren-
bürger.
Die verwüstete Schönau im Bereich der heutigen Gmünder Hütte Ab 1905 erfolg-
nach dem Hochwasser 1903 te auf Kordons
Anregung die
aktion ein. Kordon verfasste meh- Ausgabe von Ansichtskarten (nach
rere Zeitungsartikel, in denen er die Fotografien von Maurilius Mayr,
schrecklichen Verwüstungen schil- Adalbert Defner, Heinrich Prunner
derte. In der Wiener Urania hielt er und Fritz von Orel sowie nach Ge-
über das Maltatal und die Hochwas- mälden von E. T. Compton). Im Ap-
serkatastrophe einen „Projektions- ril 1911 erhielten die Warteräume
vortrag mit 135 Skioptikonbildern“ des Spittaler Bahnhofes als Dau-
(Skioptikon = Projektionsapparat). erschmuck künstlerische Hochge-
Bevor noch staatliche Zuwendun- birgsaufnahmen aus den Maltataler
gen eingetroffen waren, konnten Bergen.
Kordon und die Bergführer des Maltatales 1910 – obere Reihe v. l. n. r.: Johann
neben vielen Sachspenden rund Kordons Aufsatz „Bergwanderun-
Klampferer d. Ä. (Turner), Andreas Klampferer („Tomanriepl Anderle“), Fercher (Binder);
7.300 Kronen an die Opfer der Na- gen in der Ankogelgruppe“, der mittlere Reihe: Matthias Hofer (Schneiderhias), Frido Kordon, Dr. Franz Gaßmayer,
turkatastrophe ausbezahlt werden. 1909 in den AV-Mitteilungen er- Oskar Vaterl; untere Reihe: Josef Klampferer („Schneider Sepp“), Josef Straßer,
Vom genannten Betrag kamen rund schienen war, veranlasste die Sek- Johann Klampferer d.J. (Turnersohn)
54 55

Kordons Abschied den BergsteigerInnen immer mehr der vielseitig begabte Alpinist und
Wanderer in das „Tal der stürzenden Künstler Ferdinand Schmid (1893–
Die Übersiedlung Frido Kordons die beschriebenen Gegenden, und Wasser“. Die Anreise der TouristIn- 1955), ein Lehrer in Malta. Schmid
nach Graz im Jänner 1914 war für deshalb muss Herr Kordon, der Apo- nen erleichterte die damals von war ein hervorragender Bergstei-
das Maltatal ein großer Verlust. Sei- theker von Gmünd, als eigentlicher den Gebrüdern Moser aus Gmünd ger, einer der ersten Skifahrer des
ne Bedeutung für die Region hatte Verkündiger der Herrlichkeiten des eingerichtete Omnibuslinie Mill- Maltatales sowie Organisator des
bereits 1906 in einem Bericht über Maltatalgebietes genannt werden. statt–Pflüglhof. ersten alpinen Rettungsdienstes im
die Tätigkeit der alpinen Vereine Im Ersten Weltkrieg und in den Jah- Im Juli 1930 wurde unterhalb des Tal. Auf seinen Touren war der Skiz-
der Südmarkkalender beschrieben: ren danach gab es im Maltatal nur Großen Hafners die Kattowitzer zenblock stets dabei. In seinen Bil-
Kordon ist nicht nur Bergfreund und einen geringen Touristenverkehr. Hütte eingeweiht. Die im Winter dern gab er die grandiose Bergwelt
Bergsteiger, sondern auch Schriftstel- Der Wunsch von weiten Teilen der zuvor von einer Lawine zerstörte des Maltatales wieder. Auf Grund
ler. Er verfügt über eine wundervolle Bevölkerung, sich nach dem verlo- Osnabrücker Hütte konnte als Neu- seiner vielfältigen kulturellen Tätig-
Gabe, die Bergnatur zu schildern, renen Krieg an das Deutsche Reich bau im August 1931 wieder eröffnet keit für die Allgemeinheit in Malta
und etliche seiner verstreuten Auf- anzuschließen, ist auch durch Ein- werden. ernannte ihn die Gemeinde zum
sätze sind von geradezu hinreißen- tragungen in Hüttenbüchern doku- Eine wichtige Rolle spielte auch Ehrenbürger.
der Schönheit. Wer so zu schildern mentiert. Mit bescheidenen Mitteln
vermag, der lockt damit Freunde in begann man in den 1920er-Jahren
die beschädigten Krieg im Maltatal
Steiganlagen in Ord-
nung zu bringen, die Ab 1934 gab es immer wieder Mani- um die örtlichen Gendarmeriebe-
bewirtschafteten AV- festationen der verbotenen NSDAP; amten zu ärgern. Von Übergriffen
Hütten nahmen den vornehmlich durch das Anbringen auf jüdische Wanderer und Bergstei-
Betrieb wieder auf, von Hakenkreuzen an Gebäuden gerInnen oder Wegweisungen von
und man sanierte oder das Entzünden von Haken- Schutzhütten sind keine Berichte
1925 die vom Verfall kreuzen auf Bergwiesen. Auch am überliefert.
bedrohte Gmünder Südgrat der Hochalmspitze sollen In dieser Zeit begannen immer mehr
Hütte. Langsam er- Villacher und Gmünder Bergsteiger SkifahrerInnen das Naturerlebnis
holte sich die Wirt- laut mündlicher Überlieferung ein im Winter und Frühjahr zu suchen.
schaft, und allmäh- Hakenkreuz an einer unzugängli- Um ihnen vor Antritt ihrer Touren
Die Gießener Hütte am Gößbichl um 1920 lich kamen neben chen Wandstelle aufgemalt haben, auch in unserem Gebiet längere An-
56 57

„Den Rittern vom silbernen Edelweiss!“


1929 fand die 55. Hauptversamm- Aufführung fand auf einer Bühne
lung des Deutschen und Österrei- am Hauptplatz statt. Über 1.000 Zu-
chischen Alpenvereins vom 23.–25. schauerInnen aus dem Lieser-und
August in Klagenfurt statt. Maltatal verfolgten die Veranstal-
Ein Teil der Mitglieder der Haupt- tung. Nach einer Begrüßung der
versammlung besuchte im Rah- Gäste wurden im Spiel eine Verherr-
men dieser Festversammlung auch lichung der Naturschönheiten des
Gmünd. Die BesucherInnen hieß Malta- und Liesertales und seiner
ein von Frido Kordon verfasstes Be- Berge sowie ein Bekenntnis zur Hei-
grüßungsfestspiel willkommen. Die mat dargestellt.
58 59

Der Bergtourismus kam völlig zum Amerikaner, angeblich ein Kapitän, führlich in der Chronik von Malta.
Erliegen. hat sich einige Zeit in Gmünd auf- Bei Kriegsende gelangten viele
Gegen Ende des Zweiten Weltkrie- gehalten, wurde dort entdeckt u. Wehrmachtsoldaten in langen Fuß-
ges war die nicht bewirtschaftete hat sich nach einem kurzen Feuer- märschen über die Arlscharte nach
Fritz-Kordon-Hütte Schauplatz ei- kampf selbst erschossen.“ Die rest- Norden Richtung Salzburg, aber
nes blutigen Dramas. Im Jänner lichen Mitglieder verhafteten die auch in umgekehrter Richtung vom
1945 sprangen im Bereich des Nazis Tage später am Maltaberg in süddeutschen Raum zurück nach
Stubecks fünf Männer mit Fallschir- einem Unterschlupf. Der Chronist Kärnten. Davon zeugt heute noch
men ab, um den Widerstand gegen der Gemeinde Malta, Franz Klamp- das „Heimkehrerkreuz“ in der Arl-
Die Frido-Kordon-Hütte im Jahr das NS-Regime zu organisieren. Die ferer, schildert diese Ereignis aus- scharte (2.252 m).
der Eröffnung 1937 Gruppe bestand aus zwei ameri-
kanischen Geheimdienstoffizieren
marschwege aus dem Tal zu erspa- und drei ehemaligen Soldaten der Speichersee und Nationalpark
ren, baute man auf Initiative von Wehrmacht. Im Hütten-Standblatt
Alois Meißnitzer im Skigebiet des des Gesamtvereins findet sich Nach dem Ende des Krieges be- nehmen. In der Folgezeit war man
Stubecks die zu Weihnachten 1937 folgende nüchterne Eintragung: schlagnahmten die Siegermächte bei allen Hütten um zeitgemäße
eingeweihte Frido-Kordon-Hütte. „Vermutlich Anfang 1945 sind ame- das den deutschen Sek-
Im Sommer 1938 kamen, bereits rikanische Fallschirmspringer im tionen gehörende Ver-
nach dem Anschluss an Hitler- Bereich der Hütte abgesprungen mögen. So kamen auch
Deutschland, aus Anlass zweier u. haben in der Hütte Unterkunft drei Maltataler Hütten als
Jubiläumsfeiern besonders viele gefunden u. dort gehaust. Ein aus „deutsches Eigentum“
Mitglieder der Hütten besitzenden amerikanischer Gefangenschaft mit unter treuhändische Ver-
AV-Sektionen in ihre Maltataler abgesprungener Kriegsgefangener waltung. Sie wurden von
Bergheimat. Auch sonst gab es für wurde in der Hütte erschossen u. in den Pächtern im guten
den Touristenverkehr einen hoff- der Nähe der Hütte verscharrt. Ursa- Einvernehmen mit den
nungsvollen Aufschwung. Dieser che der Tötung vermutlich befürch- einheimischen Betreu-
fand aber durch den Zweiten Welt- teter Verrat. Er wurde im Jahr 1948 ern bestmöglich bewirt-
Mit dem Bau der Kölnbreinsperre erfolgte
krieg ein jähes Ende – die Gäste ausgegraben und in Eisentratten schaftet. 1956 konnten der wohl gravierenste Eingriff in die
blieben aus. Während des Krieges – seinem Heimatort – kirchlich be- die deutschen Sektionen Naturlandschaft des hintersten Maltatals –
waren die Hütten kaum besucht. stattet. Einer der abgesprungenen ihren Besitz wieder über- das Foto ist etwa 1975 entstanden.
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Verbesserungen − vor allem im Fremdenverkehr bekamen die Hüt- nach heutigen ökologischen Stan- kann als abgeschlossen betrachtet
Sanitärbereich – bemüht, zum Teil ten auch vermehrten Zuspruch von dards kaum mehr denkbar. Trotz werden. Ein großer Teil der Berg-
erfolgten auch beachtliche Erwei- Tagesgästen. dieser Eingriffe bietet das Maltatal welt rund um das Maltatal gehört
terungen. Durch die Baumaßnahmen im Zuge noch eine Fülle von Naturschönhei- seit 1986 zum Nationalpark Hohe
Straßenbauten verkürzten in der der Errichtung der Kölnbreinsperre ten und besitzt immer noch unver- Tauern. Viele Gebiete der Region
Folge die langen Anmarschwege zu erlitt das Maltatal ökologisch er- brauchte Naturräume. mit ihren Gipfeln, Gletschern, Al-
den alpinen Stützpunkten. Immer hebliche Belastungen. Vor allem die Die von den Alpenvereins-Sektio- men und Bergseen befinden sich
mehr Bergsteiger konnten so die Beileitungen vieler Wasserfälle in nen mit beachtlichem Arbeitsein- also in einem nach den IUCN-Kri-
Gipfel in bedeutend kürzerer Zeit den Speicher und das Pumpen des satz und großem Idealismus durch- terien international anerkannten
erreichen. Durch den gestiegenen Wassers in ein anderes Tal wären geführte Erschließungstätigkeit Schutzgebiet.

Ein Glanzstück des Nationalparks: die Schwarzhornseen mit der Hochalmspitze


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Die Alpenvereinshütten im Maltatal

Die Schaffung einer alpinen Infra- angemietet, in denen Bergwan-


struktur, also der Bau von Hütten derer und BergsteigerInnen über-
und Wegen, war eines der wichtigs- nachten konnten. Das Ziel war es
ten Ziele des jungen Alpenvereins. aber, eigene Unterkunftshäuser zu
Anfangs wurden im Lieser- und errichten. Dieses Kapitel ordnet die
Maltatal in den Almhütten der Bau- Hütten nach ihrem Eröffnungsjahr.
ern sogenannte „Touristenzimmer“

1880 – Elendhütte (1.780 m)


Die Elendhütte entstand als Ge- cherheitsgründen gesperrt und ihr
meinschaftsprojekt der AV-Sektion Inventar im benachbarten Jäger-
Klagenfurt und des Gmünder Ge- haus aufbewahrt. Zuletzt diente das
birgsvereins unter Notar Fresacher Gebäude als Bauhütte der Sektion
mit dem Ziel, im hintersten Maltatal Osnabrück für ihr Projekt am Fuße
die Zustiege zu den Dreitausendern des Großelendgletschers. Die Elend-
erheblich zu erleichtern. Die Hütte hütte existiert heute nicht mehr.
war nicht bewirtschaftet. Die
Die Villacher Hütte am Langen Boden aus einem Skizzenbuch von Frido Kordon 1892 Aufsicht übernahm ein Jäger der
Lodronschen Verwaltung. In den
ersten Jahren kamen zwischen
zwanzig und dreißig TouristIn-
nen pro Saison. Der Standort auf
der Sameralpe erwies sich leider
als sehr sumpfig. Bereits nach
fünf Jahren war eine Sanierung
notwendig, die aber nicht die
erhoffte Verbesserung brachte. Die nicht mehr existierende Elendhütte
1896 wurde die Hütte aus Si- um 1900
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1881 – Villacher Hütte (2.194 m) brücker, sich auf


das Abenteuer ein-
Der Zweig Villach ließ diese Selbst- unbewirtschaftete Hütte mit Provi- zulassen. In ihrem
versorgerhütte durch Malteiner ant. Von 1910 bis zum Beginn des Vorhaben wurden
Zimmerleute am „Langen Boden“ Ersten Weltkrieges hat Klampferer sie von Prof. Dr. Karl
errichten. Den Bauplatz hat die mit seinem Bruder Gottfried eine Arnold bestärkt; er
Herrschaft Lodron dem Alpenver- Sommerbewirtschaftung durch- war damals einer
ein auf die Dauer des Bestandes der geführt. Seither ist sie wieder eine der besten Kenner
Hütte überlassen. Bei der Einwei- Selbstversorgerhütte. Die Villacher des Gebiets und
hung am 27. August 1881 herrschte Hütte wurde in den folgenden hatte 1888 am
sehr schlechtes Wetter. Ein wich- Jahrzehnten ein bevorzugter Stütz- Fuße des Ankogels
tiger Schritt zur touristischen Er- punkt für AlpinistInnen und später die Hannoverhütte
schließung der Hochalmspitze war auch für SkifahrerInnen. Sie war erbauen lassen. Die Festgäste bei der Eröffnung der Osnabrücker Hütte 1899
geschaffen. auch Ausgangspunkt für die erste Schon am 24. Juli
Den Zustieg über den Hochsteg, Skitour auf die Hochalmspitze, die 1899 konnte die von Malteiner sie wieder so herzurichten, dass sie
die Pauggerwand, die Stranneralm am Neujahrstag 1910 Forstmeis- Handwerkern errichtete Hütte ihrer benutzt werden konnte.
und das Bürstlingswandl legten ter Fritz von Orel und Dr. Adalbert Bestimmung übergeben werden. 1928 entschied die Sektion, neben
Malteiner Bergführer an, haupt- Defner unternahmen. Heute ist die Im ersten Jahr ihres Bestehens blieb der alten Hütte eine neue hinzu-
sächlich Christof Fercher. Über Villacher Hütte ein wichtiger Stütz- sie unbewirtschaftet, von 1900 an stellen. Doch es kam anders, denn
viele Jahre versorgte der Bergfüh- punkt für die Winterbesteigung der betreuten sie eine Wirtschafterin im Februar 1929 fand ein Jäger die
rer Josef Klampferer aus Malta die Hochalmspitze. und ein Träger. 1907 erfolgte die Hütte vollständig zerstört vor. Eine
Verpachtung, weil die Sektion nach Lawine vom Schwarzhorn hatte die
der Fertigstellung der Tauernbahn- Wände abgeknickt und die Trüm-
1899 – Osnabrücker Hütte (2.022 m) Nordrampe mit einer größeren Zahl mer gut zwanzig Meter in die Tiefe
von BesucherInnen rechnete. Mitte gerissen. Bereits am 25. März be-
Bereits 1896 haben Prof. Fritz Zan- besichtigt. Diese Unternehmung März 1923 schob eine Lawine die schloss die Sektion einen raschen
der als Vertreter der Sektion Os- war vom Wetter nicht begünstigt, Hütte von ihrem Steinsockel und Neubau. 75 Meter vom alten Stand-
nabrück, Frido Kordon und der trotzdem fand Zander Gefallen an zerriss die Verankerungsdrahtseile. ort entfernt, wählte man einen dank
Alpmeister Johann Feistritzer aus der Gegend, und bald nach seiner Das Gebäude stand schief, das In- einer Felswand nach menschlichem
Malta den Standort im Großelend Rückkehr beschlossen die Osna- nere war fast unversehrt. Es gelang, Ermessen lawinensicheren Platz.
66 67

Nach Plänen von Architekt Lothar tung. Von der Baustelle dreiund- Am 16. August 1931 konnte die Dank wegen der Fürsorge durch
Gürtler errichteten die Arbeiter von einhalb Gehstunden talaus (in der neue Hütte eingeweiht werden. Gmünder Bürger für die Osnabrü-
Maurermeister Alois Tripp und Zim- Wastlbaueralm) lag der Holzsäge- Bei einer Talfeier in Gmünd am Vor- cker Hütte, besonders in schweren
mermeister Matthias Oberlerchner platz, wo die Balken und Bretter zu- tag ernannte die Stadt Gmünd den Zeiten. Die Bürger Gmünds erklären
trotz der langen, teilweise recht geschnitten und von Trägern zum 1.Vorsitzenden der Sektion Osna- ihre Bereitschaft, auch weiterhin die
schwierigen Materialtransporte Hüttenplatz befördert wurden.“ Es brück Heinrich Hammersen zum Arbeit der Sektion Osnabrück des
in relativ kurzer Zeit ein erheblich gab dabei erstaunliche Kraftakte, Ehrenbürger. Die guten Kontakte Deutschen Alpenvereins im Gebiet
erweitertes Unterkunftshaus. Die etwa durch den Arbeiter Leo Auer- zwischen den beiden AV-Sektionen des Maltatales zu unterstützen.“
Arbeiten begannen am 1. Juli 1930 nig, ein Hüne von einem Mann, der spiegeln sich auch auf Gemeinde- 1978 erfolgte eine Erweiterung und
und Kordon schrieb dazu: „Bis Mit- einen fünf Meter langen und über ebene wider. Seit 1963 gibt es in Os- eine dem Stand der Technik ent-
te August 1931 war die Hütte samt 100 Kilogramm schweren Balken nabrück eine „Gmünder Straße“, und sprechende Energie- und Abwas-
Einrichtung vollendet, eine für alle alleine den schwierigen Steig zur 1971 schlossen die beiden Städte serversorgung. Die Hütte erhielt das
Mitwirkenden beachtliche Leis- Hütte trug. einen Freundschaftsvertrag, in dem Umweltgütesiegel des Alpenver-
es u.a. heißt: „Die Bürger Osnabrücks eins. Heute ist sie in gut zwei Stun-
bekunden mit diesem Freund- den Fußmarsch vom Kölnbreinspei-
schaftsvertrag ihren aufrichtigen cher aus relativ leicht erreichbar.

1905 – Gmünder Hütte (1.186 m)


Das ursprüngliche Jagdhaus ent- der vollständig zerstörten Traxhütte
stand bereits 1871 in der Schönau, hatte das Jagdhaus das Hochwasser
bestehend aus zwei Objekten: der einigermaßen unversehrt überstan-
eigentlichen Hütte und dem Schlaf- den. Den Rückzug der Prager Jagd-
haus. Auf dieser 1.200 m hoch gele- gesellschaft nutzte der Alpenverein
genen Ebene wurde noch bis 1903 Gmünd zum Erwerb der Gebäude.
Getreide angebaut. Durch das kata- Nach einer geringfügigen Umge-
strophale Hochwasser im Septem- staltung war die Hütte bereits 1904
ber 1903 erlitt das Gebiet der Schö- bewirtschaftet, und am 17. August
Die Osnabrücker Hütte mit dem Großelendgletscher etwa 1920 nau schwere Verwüstungen. Unweit 1905 folgte im Beisein von mehr als
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hundert Festgästen – darunter auch Bis zum Beginn des Ersten Welt- kennt man nur mehr die Funda-
der Präsident des DuOeAV Prof. Carl krieges kamen pro Saison bis zu mente der Bergstation. Gegen
Ipsen aus Innsbruck – ihre Eröff- 800 Personen. Nach dem Krieg Ende des Zweiten Weltkrieges
nung als Gmünder Hütte. brachen die BesucherInnenzahlen nutzte die Hitlerjugend fallwei-
dramatisch ein. Trotz- se die Hütte.
dem entschied sich die Der Anstieg des Fremdenver-
Sektion 1925 zu einer kehrs nach dem Krieg führte
Sanierung und Erwei- zum Bau eines Güterweges bis
terung, die 1926 abge- zur Hütte. Ab 1966 konnte die
schlossen wurde. Die Gmünder Hütte auf dieser pri- Die Bergstation der Materialseilbahn um 1930.
Gmünder Hütte wurde vaten Straße mit Kleinbussen Sie diente vor allem dem Holztransport.
ein wichtiger Stütz- erreicht werden und erfuhr
punkt für die Zustiege 1974/75 eine völlige Neugestal- Alpenvereinsgasthaus geworden,
zu den hoch gelege- tung. Durch den Bau der Kölnbrein- in dem man nach wie vor gastliche
nen Standorten (Villa- sperre und der Malta-Hochalmstra- Aufnahme findet. Im Winter nutzen
cher, Osnabrücker und ße liegt die Gmünder Hütte heute neuerdings immer mehr Eisklette-
Eröffnung der Gmünder Hütte 1905. Die Spuren des Hoch- Kattowitzer Hütte). im Sommer an einer stark befah- rer die Hütte an den Wochenenden
wassers von 1903 sind im Vordergrund deutlich zu sehen. Mitte der 1930er-Jahre renen Ausflugsstraße. Sie ist ein als Stützpunkt.
errichtete man vom
Pflüglhof zur Schönau
eine Materialseilbahn. 1913 – Giessener Hütte (2.215 m)
Die Bergstation befand
sich in unmittelbarer Ein Aufsatz Kordons – „Bergwan- Tripphube in Malta (ein Anwesen
Nähe der Gmünder derungen in der Ankogelgruppe“ mit Sägewerk, welches zum Gast-
Hütte. Diese Seilbahn – animierte die AV-Sektion Gießen hof Kohlmayr in Gmünd gehörte),
transportierte die im (Hessen) 1911 zu einem Unter- zu günstigen Bedingungen zur Ver-
benachbarten Mar- kunftshaus am Gößbichl unterhalb fügung gestellt. Unter der umsich-
wald geschlägerten des Trippkeeses. Das Grundstück tigen Leitung des Sektionsvorsit-
großen Holzmengen hatte der Gmünder Gastwirt Franz zenden Prof. Georg Hedderich kam
Feier zur Eröffnung der erweiterten Gmünder Hütte 1926 talwärts. Heute er- Kohlmayr, damals auch Besitzer der das Projekt 1912/13 zügig voran,
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und am 24. August 1913 konnte in Scharte seiner Bestimmung über- malige Zerstörung
Anwesenheit von etwa 150 Perso- geben werden. (Dieser Weg heißt durch Lawinen nach
nen die schmucke Gießener Hütte seit 1955 ab der Gießener Hütte menschlichem Er-
eingeweiht werden. Sie wurde zu „Buderus-Weg“.) messen unmöglich.
einem wichtigen Stützpunkt für Im schneereichen Winter 1975 zer- Gleichzeitig ent-
die Südanstiege zur Hochalmspitze störte zu Ostern eine Lawine das stand im Zuge des
und den Übergang nach Mallnitz Gebäude vollständig. Die Sektion Kraftwerksprojekts
bzw. zum 1911 eröffneten Arthur- beschloss den Wiederaufbau. Be- im Gößgraben auch
von-Schmid-Haus. Am Tag der reits im Sommer 1977 konnte die ein befahrbarer Ver-
Hüttenweihe konnte auch der auf neue Hütte nur unweit des alten sorgungsweg. Die
Veranlassung Kordons geschaffene Standortes wiedereröffnet werden. Gießener Hütte ist
„Gmünder Weg“ von der Tripp-Och- Der neue Platz und die Konstruk- der wichtigste Stütz-
sen-Hütte zur Dösener (Mallnitzer) tion der Hütte machen eine noch- punkt für die Er-
steigung der Hoch-
almspitze von der Die neue Gießener Hütte ist der wichtigste Ausgangspunkt für
Südseite. die Besteigung der Hochalmspitze über den Rudolstädter Weg.

1930 – Kattowitzer Hütte (2.320 m)


Bereits 1912 hatte die Sektion Kat- verein Kattowitz“. Erst 1926 lebte die
towitz aus Schlesien auf Anregung Idee des Projekts wieder auf. Trotz
Kordons den Standort im Maroch- aller Probleme nahm man den Bau
senkar erkundet. Der Erste Weltkrieg in Angriff, wobei die Ausführung
durchkreuzte jedoch die Pläne der 1929/30 Maurermeister Alois Ba-
Sektion. Durch die Teilung Schlesi- cher und Zimmermeister Matthias
ens nach dem Ersten Weltkrieg kam Oberlerchner oblag. Die Hütte wur-
Kattowitz 1922 zu Polen. Die Sektion de am 27. Juli 1930 eröffnet.
war nicht mehr im DuOeAV, behielt Im Zweiten Weltkrieg wurde die Sek-
Die erste Gießener Hütte am Gößbichl 1913 aber den Namen „Deutscher Alpen- tion Kattowitz nach der deutschen
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1937 – Frido-Kordon-Hütte (1.649 m)


Die Hütte am Fuß des Stubeck gegründeten Sportvereins ATUS
oberhalb von Gmünd wurde haupt- Gmünd. Danach übernahm sie der
sächlich als Stützpunkt für Skitouris- Alpenverein wieder. Seit 1977 wird
tInnen errichtet. Erbaut vom Winter- sie ganzjährig bewirtschaftet.1985
sportverein in Gmünd, übernahm erfolgte eine großzügige Umgestal-
sie 1938 wegen finanzieller Schwie- tung und Erweiterung.
rigkeiten des Vereines die Gmünder Heute ist die Frido-Kordon-Hütte
Alpenvereinssektion. Unmittelbar mit dem Auto erreichbar und ein
nach Ende des Krieges bis 1948 be- beliebtes Naherholungsziel der
fand sich die Hütte im Besitz des neu GmünderInnen.

Die Kattowitzer Hütte im Bau, 1929

Besetzung Polens in den Deutschen Die geringe Mitgliederzahl machte


Alpenverein eingegliedert. Nach die Instandhaltung immer schwie-
Kriegsende kam Kattowitz wiede- riger. Durch die Vereinigung mit
rum unter polnische Verwaltung. ehemaligen Kattowitzern in Salz-
Viele Mitglieder mussten Kattowitz gitter und die Verlegung des Sek-
durch Flucht oder Vertreibung ver- tionssitzes nach Salzgitter konnten
lassen, einige von ihnen gründeten die Sektion und die Hütte für die
1957 die Sektion mit Sitz in Mün- Zukunft erhalten werden. Die Hüt-
chen neu. Aus der treuhändischen te ist ein wichtiger Stützpunkt für
Verwaltung der Sektion Graz er- die Besteigung des Großen Hafners
folgte die Rückgabe der Hütte. 1978 (3.076 m) und liegt am Tauernhö-
ging man an deren Erneuerung. henweg. Feierlichkeiten zum „Jubiläum 70 Jahre Kordonhütte“ 2007
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Drei Pioniere und ein Geoplast

Frido Kordon (1869−1944)


Frido Kordon kam 1869 in Wien als der Ankogel-Hochalmspitz-Gruppe,
Sohn eines schwäbischen Uhrma- aber auch in der Hafner- und Rei-
chermeisters zur Welt. Seine Mutter, ßeckgruppe fast keinen Gipfel mehr,
die Tochter eines Wiener Gastwir- den Kordon nicht erklommen hatte.
tes, heiratete nach dem frühen Tod
von Fridos Vater den Apotheker Schon mit 17 Jahren war Kordon
Eduard Müllner aus Linz. Dieser er- erstmals schriftstellerisch tätig. Im-
warb 1872 die Apotheke in Gmünd, mer wieder schrieb er in der Folge
weshalb Frido dreijährig in das für österreichische und deutsche
Tauernstädtchen zog, das ihm zur Zeitungen und Zeitschriften. Er war
Heimat wurde und dem er sich Zeit auch Mitglied der Schriftleitung der
seines Lebens in besonderer Weise Jahrbücher des DuOeAV. Neben
verbunden fühlte. Nach der Schul- alpiner Literatur verfasste er auch
bildung in Gmünd und Klagenfurt volkskundliche und geschichtliche
studierte Kordon in Graz Pharmazie Aufsätze sowie wissenschaftlich-
und spondierte 1890 zum Magister. pharmazeutische Abhandlungen.
1900 übernahm er die Apotheke Mit besonderer Vorliebe schilderte
seines Stiefvaters in Gmünd. er die Schönheiten der heimischen
Frido Kordon war seit seiner frühes- Bergwelt. Damit warb er vor allem
ten Jugend begeisterter Bergwan- bei deutschen Sektionen für den
derer und Alpinist, der gemeinsam Bau von Schutzhütten im Maltatal.
mit Bergkameraden – besonders Er war dabei so überzeugend, dass
aber mit seinem Schwager, dem die Sektionen Osnabrück, Gießen
Forstmann Maurilius Mayr, und und Kattowitz tatsächlich im Ge-
dem Gmünder Gastwirt Franz Kohl- biet aktiv wurden. Auch die Errich-
mayr – ausgedehnte Wanderungen tung der Reißeckhütte und des
und Hochtouren in der heimischen Arthur-von-Schmid-Hauses sowie
Frido Kordon mit dem Bergführer Josef Straßer in Gmünd 1929 Bergwelt unternahm. Bald gab es in der Ankauf der Gmünder Hütte für
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die eigene Sektion gehen auf seine Hochalmspitz-Gruppe heraus und Lieser- und Maltatal. 1926 gab er don zahlreiche Ehrungen zuteil: Er
Initiativen zurück. ein Jahr später gemeinsam mit dem gemeinsam mit Robert Hüttig im war Ehrenbürger der Gemeinden
1893 brachte Kordon die erweiterte Maler Emil Cuskoleka ein eindrucks- Artaria Verlag einen „Führer durch Gmünd und Malta, Ehrenobmann
Neuauflage des Fresacher-Führers volles Hochalmspitz-Panorama mit die Ankogelgruppe“ heraus und der AV-Sektion Gmünd, Ehrenmit-
und die erste Karte der Ankogel- 297 Gipfeln. bereicherte ihn mit 15 Fotos, einer glied der Sektionen Osnabrück,
Aufstiegszeichnung, Kammver- Hannover, Gießen und Kattowitz.
laufskarte und Gipfelrundschau. 1920 benannte die Sektion Gmünd
„Im Tal der stürzenden Wasser“ 1913 und 1929 erschienen aus- die 3.090 m hohe Hintere Schwar-
führliche Fremdenverkehrsführer ze Schneid nahe der Hochalmspit-
Um seiner Tätigkeit als „Alpin- seine Apotheke in Gmünd und unter dem Titel „Gmünd in Kärnten ze in „Kordonspitze“ um. Seit 1937
schriftsteller“ besser nachgehen übersiedelte nach Graz. – Sommerfrische und Bergsteiger- steht am Stubeck die „Frido-Kor-
zu können, verkaufte Kordon 1914 Wahrscheinlich hoffte er, in Graz standort“. don-Hütte“, zu deren Namensge-
durch die größere Nähe zu Man kann Frido Kordon, der in bung er freudig seine Einwilligung
verschiedenen Verlagen mehr als hundert Lichtbildervor- gegeben hatte.
besser mit Aufträgen ver- trägen und in seinen Veröffentli- Kordon starb 1944 in Graz. Sein
sorgt zu werden. Der Be- chungen die Schönheiten der Na- Nachlasswerk „Im Tal der stürzen-
ginn des Ersten Weltkrieges tur und der Bergwelt pries, wohl den Wasser“ kündete noch einmal
durchkreuzte jedoch seine den besten Interpreten seiner von seiner tiefen Verbundenheit
Pläne und er war gezwun- Oberkärntner Heimat nennen. Im mit der Natur und der Liebe zu sei-
gen, auch in Graz seinen Laufe seines Lebens wurden Kor- ner Heimat.
Beruf als Apotheker aus-
zuüben. Die Übersiedlung
nach Graz bedeutete aber Maurilius Mayr (1871–1954)
keineswegs einen endgülti-
gen Abschied vom Maltatal. Als Sohn eines Kaufmannes wurde Graz und Wien trat er in die k. k. Ver-
Beinahe jährlich verbrachte Maurilius Hippolyt Mayr 1871 in waltung ein und war an verschie-
Kordon mehrere Wochen Gmünd geboren. Er war ein maß- denen Dienststellen tätig. Zuletzt
in seiner Heimatstadt und geblicher Förderer des Alpintouris- wirkte Mayr als Regierungsforst-
nahm weiter regen An- mus im Lieser- und Maltatal. Nach direktor von Kärnten. Durch seine
Frido Kordons Exlibris teil an der Entwicklung im dem Studium der Forstwirtschaft in dienstliche Stellung hatte er Gele-
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zurückgeführt hätten. triften im Lesachtal und die


Manchmal allein, meist bäuerliche Lebenswelt in der
mit Kameraden, aber be- Region erhalten.
sonders gern mit seinem Mayr stammte aus einer sehr
späteren Schwager Frido katholischen Familie und
Kordon durchstreifte er stand vermutlich in Wider-
die heimatliche Bergwelt. spruch zur nationalsozialisti-
Schon mit 17 Jahren stand schen Verwaltung. 1944 zog
Mayr das erste Mal auf dem Maurilius Mayr wieder in sein
Gipfel der Hochalmspitze. Heimathaus nach Gmünd und
Über die Eindrücke, die übernahm die Leitung der AV-
er bei seinen zahlreichen Sektion. Als nicht politisch
Maurilius Hippolyt Mayr (li.) und Frido Kordon, Berg- und Skitouren ge- belastet, konnte er unmittel- Der Gipfel des Großen Hafner,
etwa 1930 wann, verfasste er öfters bar nach Kriegsende an den um 1900 fotografiert von M. H. Mayr
Berichte für alpine Druck- Wiederaufbau des örtlichen
genheit, ausgedehnte Studienrei- werke. Mayr war auch ein hervorra- Alpenvereins gehen und leitete die ze am Lieserbergl bei Gmünd hatte
sen zu unternehmen, und bereiste gender Fotograf. Viele seiner Bilder Sektion Gmünd mit großer Umsicht er wesentlichen Anteil. Der Win-
u.a. Schweden, Indien und Afrika. finden sich in Kordons Schriften und bis zu seinem Tod 1954. tersportverein Gmünd nannte sie
Zeit seines Lebens beschäftigte ihn auch im vorliegenden Büchlein. Er Mayr ist es in erster Linie zu verdan- deshalb „Maurilius-Mayr-Schanze“.
die Rolle des Wasserhaushaltes war zudem einer der Ersten in der ken, dass die Frido-Kordon-Hütte Anlässlich seines 80. Geburtstages
für die Vegetation. Besondere Ver- Region, der mit einer 16-mm-Farb- 1949 wieder in den Besitz des Al- ernannte ihn die Stadtgemeinde
dienste erwarb er sich auch um die filmkamera Aufnahmen machte. penvereins kam. Hofrat Mayr war Gmünd 1951 zum Ehrenbürger. Die
Wildbachverbauung in Österreich. Seine technisch ausgezeichneten nicht nur Bergsteiger, sondern zeig- Burschenschaft „Alemannia Graz“,
Energisch setzte Mayr sich für die und zugleich distanzierten Filmauf- te schon früh reges Interesse für an- der Mayr seit seiner Studienzeit an-
Belange des Naturschutzes ein und nahmen von Hitlers Triumphzug dere Sportarten. Er war ein eifriger gehörte, und die Alpenvereinssek-
konnte durch seine korrekte und durch Klagenfurt am 4. April 1938 Ruderer, besonders aber auch ein tion Gmünd ließen im Herbst 1987
kompromisslose Vorgangsweise Er- fanden Eingang in eine 2008 ausge- passionierter Skiläufer, der noch im den neu versicherten Alpinsteig von
folge verbuchen. In seinem Leben strahlte ZDF-Dokumentation. Aus hohen Alter auf den Skihängen rund der Torscharte über die Wandspitze
gab es kaum Urlaubstage, die ihn 1938 sind auch hervorragende Film- um Gmünd anzutreffen war. Am Bau zum Reitereck anlegen. Er heißt seit-
nicht ins Tauernstädtchen Gmünd aufnahmen Mayrs über das Holz- der 1931 errichteten Sprungschan- her „Maurilius-Mayr-Weg“.
80 81

Heinrich Prunner (1875–1959) elendhütte zum Pflüglhof nur 11½ welche aber schließlich nicht zu-
Stunden unterwegs war. Eine Weg- stande kam. 1872/73 war bei der
Klagenfurt und ab 1897 der Sektion strecke, die schon bei normalen Ver- ersten Expedition unter der Leitung
Gmünd. Von Kötschach aus durch- hältnissen unter zwanzig Stunden von Julius Ritter von Payer und Karl
wanderte er vielfach allein die Kar- kaum zu schaffen ist. Weyprecht das „Franz-Joseph-Land“
nischen Alpen, in denen ihm 1896 Heinrich Prunner war auch ein be- entdeckt worden (etwa 60 Inseln
vier Erstbesteigungen gelangen geisterter Skifahrer. Er war einer der mit einer Fläche von 19.700 km2).
(Chiadenis, Hochalpl, Torker und Ersten, der zwischen 1903 und 1906 Heinrich Prunner führte über seine
Zwölferspitze). die Berge rund um Gmünd sowie Sommer- und Winterbergfahrten
Die erste größere Tour in der en- viele Gipfel der Karnischen Alpen ein Tourenbuch. Seine detaillierten
geren Heimat unternahm Prunner und des Nockgebietes mit Skiern Schilderungen ergänzte er durch
wahrscheinlich am 23. und 24. Au- auch im Winter erstieg. Nicht zu Un- zahlreiche eigene Zeichnungen
gust 1894. Damals half er gemein- recht gilt er deshalb als Pionier des und Fotos. Dieses Tourenbuch ist
sam mit Franz Kohlmayr dem Ma- alpinen Skilaufs im Obergail-, Lieser- heute im Besitz des Kärntner Lan-
ler Emil Cuskoleka aus Klagenfurt und Maltatal. desarchivs. Aus familiären Gründen
beim Transport der Zeichengeräte Es spricht für
für die Anfertigung des Panoramas die Qualifikati-
der Hochalmspitze. Das Tragen der on und den Be-
Heinrich Prunner um 1910 schweren Lasten erforderte von den kanntheitsgrad
Bergsteigern wegen der ungünsti- Prunners, dass
Heinrich Prunner entstammte einer gen Schneeverhältnisse am Tripp- er um die Jahr-
bekannten Gmünder Gastwirts- kees viel Kraft und Ausdauer. hundertwende
und Bauernfamilie. Er besuchte die Dem Gästebuch des Pflüglhofes zum engeren
Lehrerbildungsanstalt in Klagenfurt ist zu entnehmen, dass Prunner Kreis jener Män-
und erhielt bereits im Alter von 19 zwei Jahre später nach der führer- ner gehörte, die
Jahren eine Anstellung als Lehrer in losen Besteigung der Hölltorspitze an einer zweiten
Kötschach im Gailtal. Von frühester und des Tischlerkarkopfes am da- österreichischen
Jugend an war er ein begeisterter rauffolgenden Tag bei schlechtem Nordpolarexpe-
Bergsteiger und eifriges Mitglied Wetter von der Prosauhütte im Köt- dition teilneh-
des Gaues Gmünd der AV-Sektion schachtal bei Gastein über die Klein- men sollten, Blick von der Kleinelendscharte zum Kleinelendgletscher, ca. 1900
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musste Prunner nach dem Ersten die Berge des Maltatales im Som- und Skizzieren. Auf Ersuchen seines Sektion Hannover und Erschließer
Weltkrieg den Lehrerberuf aufge- mer und Winter zu besteigen bzw. Geografielehrers zeichnete er Al- der Ankogel-Goldberg-Gruppe,
ben. Er kam wieder nach Gmünd zu befahren. penkarten für den Unterricht. Nach schrieb in seinem Buch „Ernstes und
und war durch viele Jahrzehnte der Der langstielige Pickel von Heinrich dem erfolgreichen Abschluss der Heiteres von meinen Alpenwan-
allseits beliebte Gastwirt des „Unte- Prunner mit Monogramm befindet Lehrerbildungsanstalt 1881 waren derungen“ über den jungen Paul
ren Prunner“. Die karg bemessene sich heute im Besitz der Sektion Oberlechners erste Dienststellen Oberlercher:
Freizeit als Gastwirt nutzte er, um Gmünd. Trebesing und Gmünd. Er unter- Ich lernte ihn 1888 kennen. Da über-
nahm ausgedehnte Wanderungen nachtete mit mir in der Hannoverhüt-
in den Hohen Tauern und hielt Pa- te ein braunschwarz abgebrannter
Paul Oberlercher (1859–1915) noramablicke von mehreren Gip- junger Mann, bescheiden und unbe-
feln in einem Skizzenbuch fest. Sein holfen, der nur von Brot und Wasser
Reliefs, Geoplastiken oder Gelän- drückt, verkleinerte, dreidimensio- erstes Panorama schuf er 1885, ein lebte und am anderen Morgen, als
demodelle sind, vereinfacht ausge- nale Abbildungen von Teilen der Relief des Liesertales, welches er ich um 4 Uhr zum Ankogel aufbrach,
Erdoberfläche. Die Reliefbaukunst aus einem Gipsblock mit einem Ta- schon mit einem Skizzenbuch und
(Geoplastik), die ihren Höhepunkt schenmesser fertigte. einem wunderlichen Fernrohr vor
zwischen 1850 und dem Beginn des In den folgenden Jahren entwickel- der Hütte saß, und ebenso fand ich
20. Jahrhunderts erlebte, hatte in te Oberlercher seine Arbeitstech- ihn am Nachmittag bei meiner Rück-
Paul Oberlercher einen ihrer wich- nik unter Verwendung eines selbst kehr vor, worauf ich mit ihm ins Ge-
tigsten Vertreter. konstruierten Theodoliten ständig spräch kam und er mir erzählte, daß
Oberlercher wurde 1859 als Sohn ei- weiter. Durch die Begegnung mit er ein Panorama von der Hütte aus
nes Lehrers in St. Peter im Holz, nahe dem Bildhauer Walter Raschke lern- aufnehme und daß das wunderliche
Spittal an der Drau geboren. Sein te er das Modellieren mit Plastilin. Fernrohr ein von ihm konstruierter
künstlerisches Talent fiel schon sehr Das 1889 entstandene Ankogel- Theodolit sei; auch wollte er ein Relief
früh auf. Bereits als Volksschüler Hochalmspitz-Relief verschaffte ihm von der Ankogelgruppe herstellen. Ich
zeichnete er seine heimatliche Um- bereits allgemeine Anerkennung. machte mir über diese Pläne meine ei-
gebung und stellte Schnitzereien Oberlercher übersiedelte auf Ein- genen Gedanken, da ich in dem Mann
mit dem Taschenmesser her. Wäh- ladung der vorgesetzten Behörde einen krassen Dilettanten vermutete;
rend des Besuches der Lehrerbil- nach Klagenfurt, wo er bessere Ar- als er mir aber am Abend sein Tages-
dungsanstalt in Klagenfurt erkannte beitsbedingungen vorfand. werk zeigte, war ich erstaunt über die
Paul Oberlercher man seine Begabung im Zeichnen Prof. Karl Arnold, Gründer der AV- Schönheit und Genauigkeit seiner
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Besuch in Klagenfurt sah ich Vierzig Reliefs


seine mit einfachsten Werk-
zeugen angefertigten Reliefs, 1890 begann Oberlechner die Ar- Vermessungen und Aufzeichnun-
die auch die mir unsympa- beit an einem seiner berühmtesten gen vorzunehmen.
thische Überhöhung nicht Werke, dem 7 x 3,5 Meter großen Für dieses Werk, das sich heute im
hatten. Das erste bei meiner Glockner-Relief im Maßstab 1:2.000. Landesmuseum in Klagenfurt be-
Rückkehr nach Hannover Nahezu vier Jahre dauerte es bis zur findet, erhielt Oberlechner 1897 das
war, die Sektion zu veranlas- Fertigstellung. Fünfmal hat er dafür „Silberne Verdienstkreuz mit der
sen, dem Mann einen guten den Großglockner und 25 benach- Krone“.
Theodoliten zu schenken und barte Gipfel in den Hohen Tauern 1894 fertigte er das Schulrelief von
bei ihm ein Relief der Ankogel- bestiegen, um die notwendigen Kärnten im Maßstab 1:150.000 an,
Hochalmspitz-Gruppe (Maß-
stab 1:25000) zu bestellen. Als
dasselbe in Hannover ankam,
erregte es geradezu Aufse-
hen, und ich nahm nun Ver-
anlassung, Oberlercher dem
Geographen Professor Penck
zu empfehlen, womit seine
Am Gipfel der Oberlercherspitze (3.106 m) befindet Laufbahn als Geoplast eröff-
sich ein Gedenkkreuz für die 1988 in Südtirol net wurde. In Universitäten,
verunglückten Bergsteiger Anton Koller Instituten wie in Privatsamm-
und Christian Platzer.
lungen des In- und Auslandes
sind seine Arbeiten aufge-
Arbeit und erfuhr von ihm, daß er stellt, und zahlreich sind die Auszeich-
der Schullehrer Oberlercher aus Kla- nungen, die er erhalten hat; ihm zu
genfurt sei und seinen Urlaub stets in Ehren habe ich einen nordöstlich der
den Alpen verbringe, um seiner Lieb- Hochalmspitze liegenden, namenlo-
haberei für die Wiedergabe der Berge sen, von mir zuerst bestiegenen Gipfel
nachzugehen. Bei meinem folgenden 3.106 m, Oberlercherspitze genannt. Ausschnitt aus dem Panoramabild Oberlerchers vom Gipfel des Polinik
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das an vielen Kärntner Volks- und und in elf europäischen Ländern Die Hochalmspitze war Oberler- und nun ist es wieder die Hochalm!
Hauptschulen Verwendung fand. zu sehen war. 1897 und 1898 ent- chers letztes Werk, das leider un- Ihr erstes Ebenbild hat mir einen Na-
Bei etlichen Reliefs über verschie- standen auch Schlachtenreliefs, vollendet blieb. In seinem Tagebuch men gemacht, also Lieb und Dank
denste Teile der Erde dienten Ober- so z.B. von der Schlacht bei König- vermerkt Oberlercher: „Die Hoch- der spröden Schönen.“ Mitten in der
lercher lediglich Landkarten und grätz (1866). 1907 folgte ein Relief alm, die Königin des Maltatales, ist Arbeit zum zweiten Hochalmrelief
Fotografien als Vorlagen. der Mont-Blanc-Gruppe. Von der eine vornehme Berggestalt, die ihre erkrankte Oberlercher und starb
Für kurze Zeit folgte er einer Beru- Universität Neapel erhielt Ober- Umgebung weithin überragt. In ih- kurz darauf am 11. Februar 1915 in
fung an das Geographische Institut lechner den Auftrag, das Relief des rer Nähe ist sie eine spröde Schön- Klagenfurt.
Berlin, er kehrte aber bald wieder Vesuvs zu gestalten. Viele außer- heit. In den Jahren 1883–1888 be- Die Nordhänge der Oberlercherspit-
nach Klagenfurt zurück. europäische Landschaften model- stieg ich meist allein den Berg und ze gehören im Frühjahr für Skitou-
Danach schuf Oberlercher nach 90 lierte Oberlercher für verschiedene zeichnete. Dies bildete die Grund- rengeher zu einer der am meisten
Fotografien das prächtige Ortler- Auftraggeber. Ein besonders schö- lage für mein erstes Hochalmrelief. lohnenden Abfahrten in den Hohen
Relief, welches von allen seinen nes Modell befindet sich im Ozea- Seitdem ist ein Vierteljahrhundert Tauern. Nur wenige wissen, dass der
Werken am bekanntesten wurde nographischen Museum in Monaco. verstrichen, es folgten Reliefs aus Name dieses Berges dem Geoplas-
verschiedenen Gebieten der Erde – ten Paul Oberlercher gewidmet ist.

Oberlerchers berühmtes Glocknerrelief befindet sich im Landesmuseum Klagenfurt. Die Nordhänge der Oberlercherspitze sind ein Eldorado für TourengeherInnen.
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Die gekaufte Königin

Der nordöstliche Teil der Hochalm- 1983 den AV mit einem Verkaufsan-
spitze rückte mit seinem großen gebot. Der geforderte Preis von 7,5
Gletscher Mitte der 1970er-Jahre Mio. Schilling für 747 ha überstieg
ins Visier der Tourismuswirtschaft – aber die Möglichkeiten des Vereins
„Sommerskilauf“ war hoch im Kurs. bei Weitem.
Einige Gletscherskigebiete in den 1988 führten massive wirtschaft-
Ostalpen waren schon in Betrieb, liche Probleme von Lowry Irsa zur
andere in Planung. Zwangsversteigerung großer Tei-
Vom damaligen Grundeigentümer le seines Unternehmens, darun-
der Hochalmspitze Peter Lowry Irsa ter auch das Grundstück „Nr. 1423
wurden Machbarkeitsstudien in Hochalm“ mit einem Ausrufungs-
Auftrag gegeben. Ihr Ziel war eine preis von ATS 784.000.
Erschließung von der Gmünder Der AV-Landesvorsitzende Heinz
Hütte in 1.200 m bis zu den Gipfel- Jungmeier nutzte die Gunst der
regionen mit Seilbahnen und Liften Stunde: Ausgestattet mit einem
für ein Ganzjahresskigebiet. Vadium, nach Rücksprache und
In dem Projekt waren drei Seilbahn- Genehmigung durch den Haupt-
sektionen geplant: von der Gmün- verein, ersteigerte er das bedrohte
der zur Villacher Hütte, weiter zur Gebiet am 8.8.1988 beim Bezirks-
Schwarzen Schneid und von dort gericht in Spittal/Drau um 1,12 Mio.
auf die Hochalmspitze. Dazu kamen Schilling. Die Kaufsumme musste
An den Nordosthängen der Hochalmspitze sollte in den 1970er-Jahren ein mehrere Schleppliftanlagen im Be- durch eine Spendenaktion und die
Gletscherskigebiet entstehen. reich des Preimlkars und des Hoch- Kärntner Sektionen aufgebracht
almsees. Allerdings scheiterte die werden. Unvermutet meldete sich
rasche Verwirklichung an der unzu- Ing. Heinz Roth aus Stuttgart und
reichenden Finanzierung durch den bot an, den gesamten Kaufpreis als
Projektbetreiber. Spende zu erlegen. Jungmeier und
Der Alpenverein suchte nach Mög- der AV nahmen dankend an. Die be-
lichkeiten, das Gebiet dauerhaft zu reits gespendeten Gelder wurden
schützen. Da überraschte Lowry Irsa in einen „Heinz-Roth-Fonds“ einge-
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Das Maltatal und die Nutzung


der Wasserkraft *
Die Strategie des AV beschrieb
Jungmeier im Alpenvereinsjahr- Der Wasserreichtum der Hohen Krieg 1952 in Betrieb ging. Bereits
buch „Berg95“ unter dem Titel Tauern weckte schon früh die Be- in den 1920er-Jahren diente die
„Grundbesitz als stärkster Schutzti- gehrlichkeiten der Elektrizitätswirt- Stubache („stäubende Ache“), einer
tel“ so: schaft. Die ersten Pläne stammen der imposantesten Gletscherbäche
Die Lehre aus diesen Vorgängen war, aus den 1920er-Jahren. Das deut- im Stubachtal an der Nordseite der
daß mit einem romantisch, optisch sche Unternehmen AEG entwi- Tauern, zur Erzeugung von Bahn-
und gefühlsbetonten Naturschutz ckelte umfassende Pläne, um die strom.
alleine ein Gebiet nicht verteidigt Energie des Wassers zu
werden kann, wenn es in den Griff nutzen. In einer Höhe
von Wirtschaftsinteressen gerät. von 2.000 m sollten
Der Alpenverein sah sich damit aufs Hangkanäle gebaut
Neue bestätigt, daß er seine Ziele bei werden, um die abflie-
geplanten Erschließungen nur dann ßenden Wassermengen
optimal erreichen kann, wenn sich in Speicher zu leiten
Heinz Roth der Grundeigentümer mit den Alpen- und damit Strom zu er-
vereinszielen identifiziert. Das wiede- zeugen. Die wirtschaft-
bracht um weitere Naturschutzpro- rum ist meist nur dort möglich, wo liche Situation dieser
jekte zu unterstützen. der Alpenverein selbst Grundeigentü- Zeit machte die Reali-
1993 besuchte Jungmeier den Mä- mer ist. Eine Parteienstellung in allen sierung allerdings un-
zen erstmals in dessen Heimatort. behördlichen Verfahren und vor dem möglich. Erst mit dem
Seit 1994 erinnert bei den Steiner- Verfassungsgerichtshof hinsichtlich Anschluss Österreichs
nen Mandln auf 3.158 m Höhe eine der Individualanfechtung von Ver- an das Deutsche Reich
Tafel an den Ankauf und den Gön- ordnungen und Gesetzen hat wiede- wurden die Überle-
ner Heinz Roth. Roth starb im De- rum nur der Grundeigentümer. Dabei gungen wieder weiter
zember 2007 im Alter von 92 Jahren kann auf die historischen Beispiele verfolgt. Darunter auch
in Schorndorf bei Stuttgart. Seine des Erwerbs von Grundeigentum an die Kraftwerksgruppe
Der Zusammenfluss von Kleinelend- und
Nichte hat zum 25-jährigen Jubilä- Großglockner, Pasterze, Venediger Kaprun–Großglockner, Großelendbach auf der Sameralm (Bildmitte)
um des Ankaufs erneut einen nam- hingewiesen werden. deren Hauptstufe al- ist der Ursprung der Malta und heute
haften Betrag gespendet. lerdings erst nach dem im Stausee versunken; Foto von 1960.
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Nachdem die ursprünglichen Plä- hob der Kärntner Landtag das Na- hatte die Landesgruppe Kärnten des schutzbundes schlossen sich der
ne der AEG Berlin und der Alpen- turschutzgebiet Maltatal einstim- Österreichischen Naturschutzbun- Alpenverein, die Naturfreunde und
elektrowerke AG nicht verwirklicht mig auf. Bemerkenswert ist, dass zu des unter ihrem Obmann Dr. Hans die Kärntner Jägerschaft sowie der
worden waren und das Maltatal diesem Zeitpunkt noch nicht klar Bach. Den vergeblichen Kampf um internationale Jagdorden „Der Sil-
1943 zum Reichsnaturschutzgebiet war, wann das Kraftwerk gebaut, den Erhalt der Gebirgsbäche hat er berne Bruch“ an. Die Argumente
erklärt worden war, gab es einige wie es finanziert und wer Abneh- in der lesenswerten Broschüre „Das der UmweltschützerInnen verhall-
Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg mer des Stroms werden sollte. Maltatal – ein 25jähriger Kampf“ ten damals ungehört. Wesentliche
neue Sondierungen. Kräftige Glet- Nach dem Bekanntwerden der des Institutes für Natur- und Land- Teile der Gesellschaft hatten noch
scherabflüsse und große Nieder- Kraftwerkspläne hatte sich von Sei- schaftspflege geschildert. Dem den Glauben an die Allmacht und
schlagsmengen weckten neuerlich ten des Naturschutzes Widerstand Protest unter Führung des Natur- die Unfehlbarkeit der Technik.
das Interesse der E-Wirtschaft. 1964 geregt. Maßgeblichen Anteil daran

Ergänzung zur Atomkraft


Nach umfangreichen, vor allem Vereisungen, Pottasche und Injek-
geologischen Erkundungen ent- tionen mit Kunstharz führten nicht
stand im Hinteren Maltatal von zum erhofften Ergebnis. Nach um-
1971 bis 1978 die Kölnbreinsperre, fangreichen Studien und Modell-
die größte Talsperre Österreichs. versuchen des Schweizer Experten
Um den Speicher zu füllen, wurden Dr. Giovanni Lombardi erhielt die
neben den natürlichen Zuflüssen Talsperre einen 60 Meter hohen
auch die Bäche der oberen Lieser, Stützkörper angefügt.
der Malta und der Göß gefasst, in Eines der Argumente für die Reali-
Beileitungsstollen dem Vorspeicher sierung der Kraftwerksgruppe Malta
Galgenbichl zugeführt und von dort war, dass für den Pumpbetrieb der
in den Kölnbreinspeicher gepumpt. billige Grundstrom des Atomkraft-
Bereits beim ersten Vollstau zeigte werkes Zwentendorf zur Verfügung
sich, dass die Anlage am Fuß der stünde und es zudem als Ausfall-
Sperre zu hohe Sickerwasserverlus- reserve für Zwentendorf notwendig
Die Kölnbreinsperre mit dem Speichersee kurz vor dem Vollstau te aufwies. Sanierungsversuche mit sei. Der im Osttiroler Kalser Dorfer-
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tal geplante Speicher sollte für das ger- und Schobergruppe wären fast zunehmend auch wirtschaftlich un- man unberührte Natur bestaunen
geplante zweite Atomkraftwerk in vollständig verschwunden. Schließ- interessant. 1989 kam das endgülti- und erleben kann. Es bleibt aber
St. Pantaleon die ideale Ergänzung lich gab das Argument, dass so ein ge Aus für dieses Projekt. ein gewisses Maß an Wehmut beim
bilden. Riesenprojekt mit der Schaffung Diese glückliche Fügung für Ost- Gedanken, wie es wäre, hätten die
Heiß diskutierte die Öffentlichkeit des geplanten Nationalparks Hohe tirol kam für das Maltatal leider zu StreiterInnen für ein unversehrtes
ab 1973 das Großprojekt Dorfer- Tauern unvereinbar sei, letztlich spät. Die ökologische Bewegung Maltatal Erfolg gehabt und diese
tal–Matrei. Ähnlich dimensioniert den Ausschlag, und die öffentliche war noch nicht stark genug, um die herrliche Gebirgswasserwelt wäre
wie die Anlage im Maltatal, sollte Meinung kippte allmählich gegen massive Beeinträchtigung und teil- erhalten geblieben.
die Sperre im Dorfertal 220 Meter das Kraftwerksprojekt. Nahezu 16 weise Zerstörung eines der schöns-
hoch werden. Etwa 20 Bäche aus Jahre wogte die Debatte um die ten und wasserreichsten inneralpi-
* Dieses Kapitel geht auf einen Text von
der Glockner-, Granatspitz-, Venedi- zahlreichen Varianten dieser riesi- nen Täler zu verhindern. Trotzdem Wolfgang Retter zurück und wurde für die
gen Kraftwerksgruppe lassen sich im Maltatal auch heute Alpingeschichte von Malta bearbeitet und
hin und her. Schließlich noch herrliche Plätze finden, wo gekürzt.
meldete sich auch die
Kalser Bevölkerung, ganz
besonders die Frauen, zu
Wort. Eine 1987 in Kals
durchgeführte Volksbe-
fragung brachte eine
Zweidrittelmehrheit ge-
gen den Speicher Dorfer-
tal. Weil während der
langjährigen Diskussion
auch Änderungen auf
dem Strommarkt einge-
treten waren (wozu auch
die Volksabstimmung
gegen die Nutzung der
Kernkraft von 1978 bei-
Die 200 Meter hohe und 626 Meter lange Kölnbreinsperre trug), wurde das Projekt Ein massiver Eingriff in die Natur bleibt die Talsperre allemal.
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Fels- und Eisklettern im Maltatal

Das Felsklettern hat im Maltatal Ab Mitte der 1980er-Jahre ist die


eine eher kurze Tradition. Lediglich Erschließung einiger Kletterfelsen
einige leichtere, alpine Klettereien, vor allem mit dem Bergführer Franz
meist entlang von Graten, wur- Karger aus Spittal/Drau in Verbin-
den schon im späten 19. Jahrhun- dung zu bringen. Er war die trei-
dert oder in der ersten Hälfte des bende Kraft der Weiterentwicklung
20. Jahrhunderts begangen. Eini- des Kletterns im Maltatal. Weitere
ge davon, wie der Detmolder Grat Protagonisten dieser Zeit waren der
(Erstbegehung 1913) oder der Win- einheimische Bergführer Othmar
terleitengrat (beide auf die Hoch- Baier und Rudolf Preimel aus Kolb-
almspitze), sind noch heute beliebte
Anstiege. Viele alte Felskletterrou-
ten, z.B. in der Nordwand des Gro-
ßen Hafners, sind aber auch wieder
in Vergessenheit geraten.
Mit der Freikletterbewegung in den
1970er- und 80er-Jahren weckten
talnahe Felsmassive das Interesse
einer jungen Generation, die neben
dem Alpinklettern mehr und mehr
Bouldern im Maltatal das Sportklettern entdeckte.
In den frühen 1980er-Jahren richte-
te der aus Gmünd stammende Chris-
tian Platzer gemeinsam mit einigen
Gefährten die ersten Sportkletter-
routen im Tal an der „Marofenwand“
ein. An dieser markanten Wand
unterhalb der imposanten „Rödern-
wände“ wird aus jagdlichen Grün- Christian Platzer (1957–1988), ein Vorreiter
den aber nicht mehr geklettert. des modernen Kletterns im Maltatal
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nitz. Gemeinsam erschloss das Trio rechten Wandbereich einen Kinder- „Dem Volk das Gold“ (Pucher) bzw. den. In Anspielung auf die Konflik-
bis zum Beginn der 1990er-Jahre klettergarten. „Storm before the calm“ und „Da te zwischen Jägern und Kletterern
den Großteil der Kreuzwand. Die- 1993 brachten Christian Preiml und Schuastabaua‘s Fronz“ (Schaar). heißt diese alpine Route mit zwölf
se liegt in unmittelbarer Nähe des Gerhard Schaar die Idee des Boul- Neue Klettergärten entstanden erst Seillängen „Hubertus Alptraum“.
Fallbachs, Kärntens höchstem Was- derns aus Kalifornien mit nach Hau- wieder ab 1996. Der Villacher Klet- Auf der Suche nach weiteren Mehr-
serfall, und ist bis heute ein sehr be- se. Gemeinsam unternahmen sie terer Ingo Neumann bohrte an der seillängentouren bohrten Winkler,
liebter Klettergarten. Mittlerweile die ersten schüchternen Boulder- „Arche Noah“, die auch „Kuhli Wand“ Rüscher und Karger 2004 die ersten
haben sich die Sicherheitsstandards versuche beim Block „Das Boot“ am genannt wird, ein Projekt ein, wei- Routen am sogenannten „Humus-
in diesem Klettergarten erheblich Schleierwasserfall und am „Gailtaler tere Neutouren von Schaar folgten, pfeiler“ ein. Um den Felsen gut klet-
verbessert, seit 2013 gibt es im Block“ im Gebiet „Arche Noah“. ehe dieser Sektor auf Wunsch des terbar zu machen, musste dieser in
Im selben Jahr wurde am Fallbach Grundbesitzers geschlossen wur-
mit den Erschließungsarbeiten be- de. Im Übereifer führten manche
gonnen. In der markant gelblich Erschließungen immer wieder zu
gefärbten Felswand, unmittelbar Konflikten mit Grundbesitzern und
rechts des Wasserfalls, eröffneten Jagdberechtigten.
Rudolf Purat und Alois Krenn mit 1998 schufen im Felsmassiv neben
„Bellavista“ die erste Linie. Bald da- dem sogenannten Schleierwas-
rauf folgte die Route „Das Gelbe Ge- serfall Robert Winkler und Klaus
heimnis“ von Franz Karger, welche Rüscher die alpine Mehrseillängen-
dem Sektor auch seinen Namen Route „In der Moltinga Wond hängt
gab. a Steirale“. Es folgten an der Basis
Ab 1995 begannen Markus Pucher dieses Massivs einige Sportkletter-
und Schaar ihre Spuren zu hinter- routen.
lassen. Zuerst engagierten sich die 2001 begingen Winkler und Rüscher
beiden stark bei der Erschließung die Route „Rote Sau“, ein Jahr später
der Boulder-Möglichkeiten am komplettierte Schaar den Sektor mit
Schleierwasserfall und der „Arche einigen Sportkletterrouten. Am Be-
Noah“. Gemeinsam begingen sie an ginn des neuen Jahrtausends wag-
Franz Karger verbreitete das Sport- und die 80 Boulder-Probleme, darunter ten sich Winkler und Rüscher auch Markus Pucher, Bergführer und
Eisklettern im Maltatal. z.B. Blöcke wie „Meilenstein“ und an einen Pfeiler in den Rödernwän- Spitzenalpinist aus dem Maltatal
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wochenlanger Arbeit von Bewuchs steile Wand aus bestem Gneis zog in Acht-Seillängen-Route ein.
und Flechten befreit werden. Am der Folge Kletterer aus nah und fern 2008 hinterließ Fritz Amann
Einstieg sammelte sich ein riesiger an. Mit einer Drei-Seillängen-Route aus Bayern gleich drei neue
Haufen mit schönstem Humus – setzte der Salzburger Harry Berger Klettergebiete. Das Sportklet-
daher der Name. Dieses zwischen im selben Jahr den fulminanten tergebiet „Kleine Seenplatte“
Kreuzwand und Fallbach gelegene Startschuss zur Erschließung der und das Mehr-Seillängen-
Massiv bietet mittlerweile einige gesamten Wand. Purat und Krenn Gebiet „Große Seenplatte“.
sehr lohnende alpine Sportklette- richteten ab 2006 den Großteil der Beide Massive befinden sich
reien, für die vor allem Rudolf Purat, weiteren Routen ein. in der Nähe des Galgenbichl-
Alois Krenn und Dirk von Swir ver- Ab wahrscheinlich 2006 entstan- Speichers, der der Kölnbrein-
antwortlich zeichnen. den in aller Stille im Langkar, hoch sperre auf ca. 1.700 m Seehö-
2005 eröffnete Schaar im äußeren über der Kölnbreinsperre, also im he vorgelagert ist. Das dritte Genussvolle Gratkletterei am Südgrat
linken Bereich der „Lackenkopf- hochalpinen Gelände, die ersten Massiv ist eine kleine Platte der Hochalmspitze
wand“ – von der Gmünder Hütte Routen durch unbekannte Erschlie- mit Kinderrouten am Blauen
etwas taleinwärts gelegen – einige ßer. Beim Skitourengehen wurden Tumpf in der Nähe der Gmünder den ersten echten „Wintersektor“
leichte Baseclimbs. Diese markante, die wenigen Bohrhaken von lokalen Hütte. des Tales. Denn hier kann man bei
Kletterern entdeckt. Inzwi- 2009 setzte dann wieder Markus Sonnenschein bis in den Dezember
schen sind einige weitere Pucher entscheidende Akzente und hinein und bereits wieder ab Feb-
lohnende Begehungen da- richtete die erste Linie am Hochsteg ruar sehr gut klettern. Mit den wei-
zugekommen, welche das ein. Er ließ sich auch durch dichtes- teren Routen am „Hochsteg“ ent-
Langkar zu einem grandio- tes Dornengestrüpp nicht aufhal- stand ein Klettergebiet, das zu den
sen Sommer-Genussgebiet ten, um die Erschließung des „Son- schönsten im Tal zählt.
machen. nendecks“ zu starten. Besser erging 2011 kann als das „Jahr der Platten“
es ihm an der Kanzel, wo die Vege- bezeichnet werden, denn im Hin-
An der Kleinen Gößspitze, tation ihm bei seinen Erstbegehun- teren Maltatal kamen gleich zwei
einem südlichen Vorgipfel gen wesentlich weniger Widerstand neue, wunderschöne Sektoren
der Hochalmspitze, beging leistete. durch das Trio Gerhard Schaar, Elias
das Trio Purat/Krenn/Baier Schaar vervollständigte 2010 das Umundum und Roland Kaltenegger
„Plattenschleicherei“ auf den Seeplatten die Ostwand und richtete Massiv „Sonnendeck“ mit einem hinzu. Die Routen heißen „Bockplat-
über dem Vorspeicher hier eine anspruchsvolle Dutzend Routen und sorgte so für ten“ bzw. „The Shield“ und zeichnen
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sich durch eine unglaublich kom- sen Besonnenheit gewichen. Verein- halb organisierter und gesicherter sich mit dem Klettern an gefrore-
pakte Felsqualität aus. barungen mit Grundbesitzern, Besu- Bereiche ab. nen Wasserfällen eine neue Spielart
Zahlreiche Massive des Maltatals cherlenkung, Information und das Steile Eisflanken im Hochgebirge im Alpinismus. Die Wurzeln hierfür
warten noch auf die Erschließung. bewusste Verzichten auf bestimmte wurden bereits in der Frühzeit des lagen in Schottland und Kanada, in
Die Möglichkeiten sind schier un- Kletterareale sollen in Zukunft ein Alpinismus bezwungen. So durch- den 1970er-Jahren schwappte der
endlich. Eine über viele Jahre prakti- geordnetes Miteinander mit ande- stiegen schon 1871 zwei Bergsteiger neue Trend auch auf die Alpen über.
zierte, zum Teil etwas rücksichtslose ren Nutzungsberechtigten und ein aus der Nachbargemeinde Obervel- Mit aus heutiger Sicht abenteuerli-
Herangehensweise ist einer gewis- sorgloses Klettern garantieren. lach die Gussenbauer-Rinnen an der chen Hilfsmitteln wurden auch im
Westseite der Hochalmspitze. Maltatal die ersten gefrorenen Was-
Rund 100 Jahre später entwickelte serfälle durchstiegen.
Klettern an gefrorenen Wasserfällen
Jedes Jahr im Spätherbst, wenn sich
der Winter mit niedrigen Tempera-
turen ankündigt, verhallt das Tosen
der Wasserfälle. Es weicht einer Stil-
le, die bis ins Frühjahr anhält. Die
Wasserfälle des Maltatals erstarren
zu bizarren Eisgebilden, die mittler-
weile BergsportlerInnen aus ganz
Europa in den Bann ziehen.
Wie wenige andere Sportarten
verbindet das Klettern an gefrore-
nen Wasserfällen hohe sportliche
Ansprüche mit dem intensiven Na-
turerlebnis in einer meist wilden,
ursprünglichen Gebirgsszenerie.
Das Maltatal hat sich zu einem der Im Gegensatz zum Sportklettern in
beliebtesten Eisklettergebiete Klettergärten und -hallen spielt sich
Österreichss entwickelt. das Eisklettern vorwiegend außer- Der erste Maralmfall ist ein beliebtes Ziel der Eiskletterer.
104 105

Als Pionier ist der 1988 in der Ortler- Bergsportanbieter gelang es dem 2004 hat Franz Karger in mühsamer Da das Maltatal über kein Skigebiet
gruppe leider tödlich verunglückte lokalen Bergführer Franz Karger, ein Kleinarbeit die gängigen Wasser- verfügt, gab es bis Mitte der 1990er-
Christian Platzer zu erwähnen. Er niederländisches Bergpublikum für fälle zwischen dem Maltatal und Jahre praktisch keinen Wintertou-
konnte zahlreiche Wasserfälle des das Eisklettern zu begeistern. Über Heiligenblut aufgenommen und rismus. Durch das Eisklettern ver-
Maltatals erstbegehen und führte mehrere Wochen fanden um die veröffentlichte sie im Gebietsfüh- zeichnet das Tal nun im Jänner und
in seinem Tourenbuch genaue Auf- Jahrtausendwende Eiskletterkurse rer „Eisklettern in Oberkärnten“, der Februar bis zu 4.000 Nächtigungen.
zeichnungen über diese Begehun- statt, die guten Zuspruch fanden. sich bis heute großer Beliebtheit Eine neue, junge Gästeschicht wird
gen. Es war dies auch die Zeit, in der sich erfreut. angezogen, und manche Besu-
Bis etwa Mitte der 1990er-Jahre in Sachen Material und Sicherungs- Die leichte Erreichbarkeit der ge- cherInnen kommen im Sommer
galt das Maltatal als Geheimtipp technik einiges entwickelte. Mit der frorenen Fälle, die relativ geringe zum Wandern, Bergsteigen oder
für einige Eiskletterer aus der nähe- Annäherung an das Sportklettern Lawinengefahr, vor allem aber Klet- Felsklettern wieder. Daher kann das
ren und ferneren Umgebung. Ge- konnte ein breiteres Publikum an- termöglichkeiten in allen Schwierig- Eisklettern als wichtiger Mosaik-
meinsam mit einem holländischen gesprochen werden. keitsgraden zeichnen das Maltatal stein für die Entwicklung des Mal-
aus. Zur gediegenen Infrastruktur tatals zur Ganzjahres-Bergsteiger-
rund um das Eisklettern gehören Destination gewertet werden.
4.000 Winternächtigungen inzwischen eisklet-
terfreundliche Beher-
In den letzten 15 Jahren hat sich das ternet, Toureninfos, Trockenraum, bergungsbetriebe,
Maltatal zu einem der bekanntesten Materialverleih, Werkstatt zum Besucherinformatio-
Eisklettergebiete des Ostalpenrau- Schärfen der Eisgeräte usw.) nen, ein Materialver-
mes entwickelt. Ab 2002 setzte eine Gemeinsam mit Grundbesitzern, Jä- leih mit Testzentrum
gezielte Bewerbung mittels Internet gern und der lokalen Alpenvereins- und diverse Veran-
und über diverse Bergsportzeitun- sektion wurden in dieser Zeit auch staltungen, wie z.B.
gen als Eisklettergebiet ein, die rasch Spielregeln für eine schonende das jährliche „Eis-
Erfolg hatte. Mit dem Gästehaus Hu- Nutzung der betroffenen Naturräu- Total-Festival“. Al-
bertus (Alpenvereins-Vertragshaus, me vereinbart und eine Besucher- pinschulen aus nah
Bergsteigerdörfer-Partnerbetrieb) lenkung etabliert. Ziel war und ist und fern nutzen das
etablierte sich ein Betrieb, der Eis- es, ein gutes Miteinander von Berg- Maltatal deshalb als
kletterern die entsprechende Inf- sportlerInnen und Jagdausübungs- Ausbildungs- und Die Gmünder Hütte ist das Zentrum
rastruktur liefert (Eisbericht im In- berechtigten zu gewährleisten. Kursgebiet. beim jährlichen Eis-Total-Festival.
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Gemeinsame Betreuung der Wege

Bei der Errichtung der Steige gegen rungstätigkeiten bilden den Haupt- und vom AMS finanziert werden. Im
Ende des 19. Jahrhunderts griffen teil der umfangreichen Arbeiten. Bergsteigerdorf Malta besteht die-
die Alpenvereine auf die örtlichen Nach schneereichen Wintern treten ser Trupp aus drei Personen, die im
Bergführer zurück. Wenn diese nicht häufig Schäden durch Lawinenab- Wesentlichen die Wanderwege im
mit Gästen unterwegs waren und gänge auf, aber auch Muren nach Tal und die Zustiege zu den Hütten
außerhalb der Bergführersaison, Unwettern bereiten Probleme. Der betreuen. Bei größeren Arbeitsein-
arbeiteten sie an der Schaffung der Klimawandel ist für das Auftauen sätzen arbeiten die „Nationalpark-
Alpinsteige. des Permafrostes verantwortlich, arbeiter“ und die freiwilligen Helfer
Das umfangreiche Netz an Wander- wodurch Wege zerstört oder beein- der alpinen Vereine bestens zusam-
wegen, Alpinsteigen, Klettersteigen trächtigt werden. Besonders Über- men. Bei größeren Schäden an We- Die Betreuung des Wegenetzes erfordert
und Klettergärten erfordert jähr- gänge und Scharten über 2.500 m gen und Hangstegen bzw. Brücken auch viele freiwillige Arbeitsstunden.
liche Pflege und Wartung. Da das sind durch das Abschmelzen von wird nach dem Vorbild der Sektion
Gebiet annähernd 300 km2 umfasst, Firn- und Gletscherfeldern zu- Matrei in Osttirol seit 2011 auch ein Tauernhöhenweg, kommt jährlich
haben die Alpenvereinssektionen nehmend gefährlicher geworden. Wegebautrupp als „schnelle Ein- abwechselnd in Malta und Mallnitz
schon sehr früh Arbeitsgebiete un- Manchmal müssen diese Übergän- greiftruppe“ beschäftigt. Es kom- zu einer Arbeitssitzung zusammen,
ter sich aufgeteilt. Gegenwärtig ge in die angrenzenden Flanken men Spezialisten zum Einsatz, die um über Probleme der alpinen In-
zählen dazu die DAV-Sektionen Os- verlegt und mit Seilversicherungen in hochalpinen Lagen Seilversiche- frastruktur und deren Lösung zu
nabrück, Gießen-Oberhessen, Lip- versehen werden, wie etwa bei der rungen und Brücken in Absprache beraten.
pe-Detmold, Salzgitter-Kattowitz Preimlscharte – dem Übergang vom mit den Wegehaltern rasch errich- Seit 2008 arbeiten alle alpinen Ver-
sowie die OeAV-Sektion Gmünd Hochalmgletscher ins Großelendtal ten können. Die Klettergärten und eine, die in Kärnten für Hütten und
und der OeAV-Zweig Villach. Allein – geschehen. In den letzten Jahren Klettersteige werden jährlich von Wege Verantwortung tragen, in
die Sektion Gmünd hat eine Weg- wurde die Wegebeschilderung mit Spezialisten der Firma Maltatal Alpin einer Arbeitsgemeinschaft zusam-
strecke von 80 Kilometern in den großzügiger Unterstützung der Na- kontrolliert und, wo nötig, werden men. Zu den Zielen gehört die Koor-
Hohen Tauern und den Nockbergen tionalparkverwaltung erneuert und Stahlseile, Stände und Haken aus- dination und Zusammenarbeit bei
zu betreuen. Freiwillige Helfer sind vereinheitlicht. getauscht und erneuert. In der Re- der Betreuung des alpinen Wege-
unter Anleitung und Mithilfe von Zur Unterstützung der alpinen Ver- gel kommen dabei Bergführer zum netzes von 4.300 Kilometern (davon
ehrenamtlichen Wegewarten die eine werden in den Nationalparkge- Einsatz. betreffen über 3.500 die Alpenver-
Sommermonate über unterwegs, meinden sogenannte „Wanderweg- Die Arbeitsgemeinschaft Tauernhö- eine) ebenso wie die Gewinnung
um die Wanderwege in Schuss zu betreuer“ über die Sommermonate henweg, ein Zusammenschluss von von öffentlichen Mitteln zur Bewäl-
halten. Mäharbeiten und Markie- eingesetzt, die vom Nationalpark Hütten besitzenden Sektionen am tigung dieser Aufgaben.
108 109

Ausblick Bergsteigerdorf

Für die Nationalparkgemeinde Mal- kert werden, wenn gut ausgebil-


ta bietet das Projekt Bergsteigerdör- dete Fachkräfte nicht mehr in ihre
fer viele Chancen. Wir wissen heute, Heimatregion zurückkommen oder
dass großtechnische Erschließun- wenn es Arbeit nur mehr in den Bal-
gen nur mehr kurzfristigen Gewinn lungszentren gibt?
bringen und längerfristig auf Kos- Wirtschaftliche Chance für den
ten der Natur, aber auch auf Kosten ländlichen Raum, Erhaltung der ho-
der ländlichen Bevölkerung gehen. hen Lebensqualität, Nutzung der
Wie andere Bergsteigerdörfer ist die natürlichen Ressourcen bei gleich-
Gemeinde Malta mit zahlreichen zeitigem Schutz der Umwelt – das
Naturschönheiten und natürlichen sind die Kernpunkte des Projektes
Ressourcen der Extraklasse geseg- Bergsteigerdörfer. Darum ist es gut,
net. Die nachhaltige Nutzung dieser ein Bergsteigerdorf zu sein!
Ressourcen ist die Herausforderung Im Bergsteigerdorf Malta finden
für die Zukunft. Es ist der Spagat zu NaturliebhaberInnen und Berg-
schaffen zwischen einer wirtschaft- steigerInnen auf engem Raum
lich sinnvollen Nutzung und einem ein breites Betätigungsfeld. Beim
möglichst schonenden Umgang mit Wandern reicht die Bandbreite
Natur und Umwelt. von Spaziergängen im Tal, etwa zu
Ein sanfter, nachhaltiger, aber trotz- den zahlreichen Wasserfällen, über
dem nicht langweiliger Tourismus Wanderungen in mittleren Höhen
Bergerlebnisse abseits ausgetretener Pfade als Zukunftschance – ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor bis hin zu anspruchsvollen, alpinen
im Bild der Rudolstädter Weg auf die Tauernkönigin in der Gemeinde Malta. Neben ei- Touren in den Hohen Tauern. Alpine
nigen kleineren Gewerbebetrieben Schutzhütten bieten dabei Rast und
und einer hochsubventionierten Einkehr.
Land- und Forstwirtschaft bildet Zunehmend lockt der Schwerpunkt
dieser Tourismus eine wichtige Le- Klettern auch ein junges Publikum
bensgrundlage für die Region. Was an. Mit zwei der schönsten Canyo-
nützt die schönste Bergwelt, wenn ningstrecken im glasklaren Was-
Alpentäler nach und nach entvöl- ser des Maltaflusses und der Göß
110 111

Literaturverzeichnis
punktet das Maltatal neuerdings Langsam beginnt die einheimische Arnold, Karl: Ernstes und Heiteres von meinen Alpenwanderungen 1869–1929;
ebenfalls bei Gästen, die besondere Bevölkerung das Projekt Bergstei- Druck und Verlag C. Brügel & Sohn AG, Ansbach 1929
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Im Winter messen sich Eiskletterer leben. Es ist noch ein weiter Weg, teilungen 4/87, Innsbruck 1987; S. 16
aus vielen Ländern an den gefro- bis sich die Idee in den Köpfen der Fritz, Anton/Wagner, Herbert: Hofrat Dipl.Ing. Maurilius Hippolyt MAYR (1871–1954);
renen Wasserfällen, mit Schnee- Menschen festgesetzt hat – mit der in: Gmünder Stadtnachrichten Nr.3/Oktober 2004; S. 38–39
schuhen und Tourenskiern gelangt Teilnahme am Projekt Bergsteiger- Fritz, Anton/Wagner, Herbert: Die „Gieß“ vor 100 Jahren – Das Hochwasser von
man in die hintersten Winkel der dörfer hat Malta jedoch sicher den 1903; in: Gmünder Stadtnachrichten Nr. 3/Oktober 2003; S. 19–20
Gemeinde. richtigen Weg eingeschlagen. Fritz, Anton/Wagner, Herbert: Aus Gmünds vergangenen Tagen. Mag. Pharm. Frido
Kordon zum 60. Todestag; in: Gmünder Stadtnachrichten Nr. 2/Juli 2004; S. 37–39
Hüttig, Robert/Kordon, Frido: Führer durch die Ankogelgruppe einschließlich
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spitze; in CARINTHIA I 2009 (199. Jahrgang), Klagenfurt 2009; S. 507–529
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Karger, Franz/Neumann, Ingo: Eisklettern in Oberkärnten; Edition Neumann, Schief-
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ner Heimatblätter, Sonntagsbeilage zur Kärntner Volkszeitung; Klagenfurt 1938
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Kordon, Frido: Die Hochflut in Oberkärnten 1903. Eine Wanderung durch das Mal-
teinertal und die Gletscherwelt der Hochalmspitz-Ankogelgruppe nach der gro-
Nach dem Motto der österreichischen Bergsteigerdörfer: Genießen und Verweilen ßen Hochflut des Jahres 1903; Projektionsvortrag für die Wiener Urania, Original-
in grandioser Bergwelt – hier im Großelend. handschrift, Gmünd 1903
112 113

Lieb, Gerhard Karl: Hundert Jahre Glocknerrelief von P. G. Oberlercher; in: Carinthia Für das Bereitstellen von Bild- und Archivmaterial sowie Informationen ein aufrich-
II 183/103. Jahrgang, Klagenfurt 1993; S. 47–64 tiger Dank an: Anton Fritz, Heinz Jungmeier, Franz Karger, Sebastian Klampferer,
Maierbrugger, Matthias: Der Geoplast Paul Oberlercher; in: Die Kärntner Lands- Siegfried Lagger, Helmut Lang, Gerhard Karl Lieb, Gert M. Mayr-Keber, Josef Pichor-
mannschaft 2/1985, Klagenfurt 1985; S. 10–12 ner, Günter Pioch, Markus Pucher, Wolfgang Retter, Gerhard Schaar, Josef Scherübel,
Retter, Wolfgang: Die Nutzung der Wasserkraft in den Hohen Tauern; in: Wasser- Bärbel Schmid, Peter Schwarz und Hannes Stoxreiter sowie Walter Egger für den
schaupfad Umbalfälle – Naturkundlicher Führer; Herausgeber OeAV, Innsbruck Einblick in das Archiv der Nationalparkgemeinde Malta, Richard Krämmer für das
2012; S. 106–118 Fotografieren der Aquarelle von Ferdinand Schmid und Hansjörg Steiner von der
Ruthner, Anton: Das Malthatal in Kärnten – Ersteigung des Hochalpenspitzes; in: Firma Petz-Druck für die Digitalisierung des umfangreichen Bildmaterials. Ein Dank
Mitteilungen der kaiserlich-königlichen geographischen Gesellschaft, V. Jahr- ergeht an das Landesmuseum Kärnten für die kostenlose Überlassung der Bildrechte
gang, Wien 1861; S. 149–176 am Glocknerrelief. Ein Dank auch dem Stadtarchiv Gmünd sowie dem Tourismusver-
Ruthner, Anton: Höhenmessungen aus der Tauernkette; in: Mitteilungen der band Lieser-Maltattal.
kaiserlich-königlichen geographischen Gesellschaft, V. Jahrgang, Wien 1861;
S. 199–201
Scherübel, Josef: Streifzug durch die Geschichte des Maltatales von der Urzeit bis Adressen
zur Gegenwart; in: 1000 Jahre Malta, Petz Druck Spittal, Malta 1994; S. 11–24
Österreichischer Alpenverein/Sektion Gmünd (Hrsg.): 100 Jahre Österreichischer Tourismusverband Maltatal Gemeinde Malta
Alpenverein/Sektion Gmünd 1897–1997; Petz Druck Spittal, Gmünd 1997 Haus Nr. 13, 9854 Malta Haus Nr. 13, 9854 Malta
Sektion Osnabrück des Deutschen Alpenvereins e.V. (Hrsg.): 100 Jahre Sektion Tel.: +43/(0)4733/220-15 Tel.: +43/(0)4733/220
Osnabrück des Deutschen Alpenvereins 1888–1988; Osnabrück 1988 Fax: +43/(0)4733/220-17 Fax: +43/(0)4733/220-17
Wintersportverein Gmünd (Hrsg.): 100 Jahre für den Wintersport 1912– 2012; info@maltatal.com malta@ktn.gde.at
Kreiner Druck Spittal/Villach, Gmünd 2012 www.maltatal.com www.maltatal.com
Zweigverein Osnabrück des Deutschen Alpenvereins (Hrsg.): Festschrift zur Fünf-
zigjahrfeier; Osnabrück 1938 Oesterreichischer Alpenverein Österreichischer Bergrettungsdienst
Sektion Gmünd Ortsstelle Lieser-Maltatal
Vorsitzender: Hans Jury Ortsstellenleiter: Johannes Stoxreiter
9854 Malta 192 Untere Vorstadt 32, 9853 Gmünd
Danksagung Tel.: +43/(0)676/359 41 93 Tel.: +43/(0)676/831 417 93
av-sektion-gmuend@aon.at johannes.stoxreiter@aon.at
An der Entstehung dieses Büchleins haben viele Personen tatkräftig und uneigen- www.alpenverein.at/gmuend www.kaernten.bergrettung.at/lieser-maltaltal
nützig mitgewirkt. Die Verfasser bedanken sich ganz herzlich beim Projektteam der
Bergsteigerdörfer; hier besonders bei Christina Schwann und Hannes Schlosser für
die redaktionelle Betreuung.
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Alpenvereinshütten Bergsteigerdörfer – www.bergsteigerdoerfer.at


Frido-Kordon-Hütte (1.649 m) Winterraum: 14 Betten, offen Das Projekt „Bergsteigerdörfer“ ist eine Initiative des Oesterreichischen Alpenver-
OeAV-Sektion Gmünd bewirtschaftet Mitte Juni bis Ende Sept. eins. Es handelt sich dabei um kleine Gemeinden, die nach einem strengen Krite-
Schlafplätze: 10 Betten, 15 Lager Telefon Hütte: +43/(0)650/446 12 02 rienkatalog ausgewählt werden und für ein reichhaltiges Alpinangebot in unver-
bewirtschaftet Mai bis Oktober und anneliese.fleissner@aon.at brauchter Naturlandschaft stehen. „Bewegung aus eigener Kraft“ lautet das Motto
Dezember bis März www.osnabrueckerhuette.at der Bergsteigerdörfer. Damit sind Aktivitäten wie Wandern, Bergsteigen, Klettern,
Telefon Hütte: +43/(0)4733/528 Schneeschuhwandern, Skitourengehen und Langlaufen gemeint. Die Initiative steht
sonnalm-reisen@buspartner.at Gießener Hütte (2.202 m) unter der Schirmherrschaft der Alpenkonvention, und es ist Aufgabe der Bergstei-
www.sonnalm-reisen.at/huette.htm DAV-Sektion Gießen gerdörfer, nicht nur selbst nachhaltig zu wirtschaften, sondern auch eine starke Vor-
Schlafplätze: 24 Betten, 41 Lager bildfunktion für andere Gemeinden auszuüben.
Gmünder Hütte (1.186 m) Winterraum: 12 Betten, offen Folgende Gemeinden bzw. Talschaften zählen zu den Bergsteigerdörfern: Das Große
OeAV-Sektion Gmünd bewirtschaftet Anfang Juli bis Ende Sept. Walsertal, Ginzling im Zillertal, Vent im Ötztal, St. Jodok – Schmirn- und Valsertal,
Schlafplätze: 15 Betten, 10 Lager Telefon Hütte: +43/(0)676/943 91 42 das Sellraintal, das Villgratental, das Tiroler Gailtal, die Gemeinde Lesachtal, Mauthen,
bewirtschaftet Anfang Mai bis Ende otmar.baier@aon.at Mallnitz, Malta, Zell–Sele, Weißbach bei Lofer, Hüttschlag im Großarltal, Johnsbach
Oktober; ab Jänner am Wochenende www.giessener-huette.at im Gesäuse, die Steirische Krakau, Steinbach am Attersee, Grünau im Almtal, Lunz
Telefon Hütte: +43/(0)664/201 90 28 am See und Reichenau an der Rax.
av-sektion-gmuend@aon.at Kattowitzer Hütte (2.320 m)
www.gmuenderhuette.at DAV-Sektion Kattowitz Projektteam:
Schlafplätze: 7 Betten, 39 Lager Oesterreichischer Alpenverein
Villacher Hütte (2.194 m) Winterraum: 8 Betten, offen Liliana Dagostin, Christina Schwann, Roland Kals, Regina Stampfl
OeAV-Zweig Villach bewirtschaftet Anfang Juli bis Ende Sept. Olympiastraße 37
Schlafplätze: 16 Lager Telefon Hütte: +43/(0)664/914 80 21 6020 Innsbruck
Winterraum: Notquartier mit rosenauer7@gmx.at Tel.: +43/(0)512/59 547-31
4 Schlafplätzen Fax: +43/(0)512/59 547-40
Selbstversorgerhütte, AV-Schloss Reißeckhütte (2.287 m) christina.schwann@alpenverein.at
oeav-villach@aon.at OeAV-Sektion Österreichischer www.bergsteigerdoerfer.at
www.alpenverein.at/villach Gebirgsverein
Schlafplätze: 11 Betten, 30 Lager
Osnabrücker Hütte (2.022 m) bewirtschaftet Anfang Juli bis Ende Sept.
DAV-Sektion Osnabrück Telefon Hütte: +43/(0)664/412 85 71
Schlafplätze: 31 Betten, 20 Lager
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Serie Alpingeschichte kurz und bündig: Obertilliach, Untertilliach; Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 106 Seiten;
Glantschnig, Erich: Alpingeschichte kurz und bündig – Mallnitz; Hrsg. Oesterreichischer Innsbruck 2010
Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2011
Hasitschka, Josef: Alpingeschichte kurz und bündig – Johnsbach im Gesäuse; Hrsg. Broschüren (Hrsg.: Oesterreichischer Alpenverein):
Oesterreichischer Alpenverein; 122 Seiten; Innsbruck 2010 Kleine und feine Bergsteigerdörfer zum Genießen und Verweilen; 158 Seiten; 6. Auflage,
Heidinger, Hartmut: Alpingeschichte kurz und bündig – Die Steirische Krakau; Hrsg. Innsbruck 2013
Oesterreichischer Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2013 Bergsteigerdorf Johnsbach im Gesäuse – Ein alpines Arkadien; 38 Seiten; 2. Auflage,
Jury, Hans und Rüscher, Klaus: Alpingeschichte kurz und bündig – Malta; Hrsg. Innsbruck 2011
Oesterreichischer Alpenverein; 122 Seiten; Innnsbruck 2014 Bergsteigerdorf Hüttschlag – Almen und Bergmähder im Großarltal; 46 Seiten; 2. Auf-
Kendler, Sepp: Alpingeschichte kurz und bündig – Hüttschlag im Großarltal; Hrsg. lage, Innsbruck 2012
Oesterreichischer Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2014 Bergsteigerdorf Lunz am See – Wo die Ois zur Ybbs mutiert; 46 Seiten; 3. Auflage,
Maca, Willi: Alpingeschichte kurz und bündig – Reichenau an der Rax; Hrsg. Oester- Innsbruck 2013
reichischer Alpenverein; 126 Seiten; Innsbruck 2013 Bergsteigerdorf Steirische Krakau – Fernsehen mit Seeaugen; 42 Seiten; 2. Auflage,
Mair, Walter: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Lesachtal; Hrsg. Oesterreichischer Innsbruck 2012
Alpenverein; 122 Seiten; Innsbruck 2011 Bergsteigerdorf Vent im Ötztal – Ein Klassiker unter den Bergsteigerdörfern; 50 Seiten;
Peters, Robert und Lederer, Sepp: Alpingeschichte kurz und bündig – Mauthen im 2. Auflage, Innsbruck 2012
Gailtal; Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 110 Seiten; Innsbruck 2013 Bergsteigerdorf Ginzling – Am Anfang war das Bergsteigen; 46 Seiten; 2. Auflage,
Sauer, Benedikt: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Villgratental; Hrsg. Oesterrei- Innsbruck 2012
chischer Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2011 Bergsteigerdorf Mallnitz – Perle im Nationalpark Hohe Tauern; 42 Seiten; 3. Auflage,
Schlosser, Hannes: Alpingeschichte kurz und bündig – Vent im Ötztal; Hrsg. Oesterrei- Innsbruck 2013
chischer Alpenverein; 122 Seiten; Innsbruck 2012 Bergsteigerdörfer Kartitsch, Obertilliach, Untertilliach – Drei Gemeinden im Tiroler
Schmid-Mummert, Ingeborg: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Große Walsertal; Gailtal; 42 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012
Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 106 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012 Das Große Walsertal – Willkommen im UNESCO-Biosphärenpark; 46 Seiten; 3. Auflage,
Steger, Gudrun: Alpingeschichte kurz und bündig – Ginzling im Zillertal; Hrsg. Oester- Innsbruck 2013
reichischer Alpenverein; 114 Seiten; Innsbruck 2010 Das Lesachtal – Ausgezeichnet naturbelassen; 58 Seiten; Innsbruck 2010
Tippelt, Werner: Alpingeschichte kurz und bündig – Lunz am See; Hrsg. Oesterreichi- Grünau im Almtal – Grüne Auen und grünes Wasser; 42 Seiten; Innsbruck 2010
scher Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2013 Das Villgratental – Herz-Ass in Inner- und Außervillgraten; 46 Seiten; 2. Auflage,
Trautwein, Ferdinand: Alpingeschichte kurz und bündig – Grünau im Almtal; Hrsg. Innsbruck 2013
Oesterreichischer Alpenverein; 110 Seiten; Innsbruck 2010 Reichenau an der Rax – Wo Künstler und Therapeuten in die Berge gehen; 46 Seiten;
Wallentin, Gudrun und Herta: Alpingeschichte kurz und bündig – Steinbach am Atter- 2. Auflage, Innsbruck 2013
see; Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 110 Seiten; Innsbruck 2010 Malta – Im Tal der stürzenden Wasser; 46 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012
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Zell-Sele – Herz der Karawanken; 46 Seiten; Innsbruck 2013 Guggenberger, Ingeborg: Das Lesachtal – Ein Märchenland; in: Oesterreichischer Alpen-
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Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Berglandwirtschaft und zukunftsfähiger Bergtouris- Peter (Red.): Mosaiksteine der Alpenkonvention – Bergsteigerdörfer, Alpintourismus
mus – eine untrennbare Einheit; Sonntag im Gr. Walsertal; Serie Ideen – Taten – Fakten in Österreichs Alpen (Fachbeiträge des Oesterreichischen Alpenvereins – Serie: Alpine
Nr. 4; 78 Seiten; Innsbruck 2011 Raumordnung Nr. 28); Innsbruck 2006; S. 50–63
Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Nachhaltiger Bergtourismus – Kernkompetenz der Kals, Roland: Bergsteigerdörfer reloaded – Für einen naturverträglichen Bergtourismus;
Bergsteigerdörfer; Johnsbach im Gesäuse; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 5; 50 Seiten; in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 2/
Innsbruck 2012 2009; Innsbruck 2009; S. 8–12
Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Raumplanung und nachhaltige Entwicklung; Lesach- Kals, Roland: Die Farbe Grün – Bergsteigen in der Steirischen Krakau; in: Oesterreichi-
tal; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 6; 46 Seiten; Innsbruck 2013 scher Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 4/2009; Innsbruck
Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Protokoll „Energie“ der Alpenkonvention; Lunz am 2009; S. 74–76
See; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 7; 46 Seiten; Innsbruck 2014 Kals, Roland: Lunz am See – Vom Reiz des Unspektakulären; in Oesterreichischer
Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 1/2010; Innsbruck 2010;
Weiterführende Literatur Bergsteigerdörfer: S. 50–53
Bischof, Monika und Schwann, Christina: Großes Walsertal – Ein von Tobeln durch- Kals, Roland: Grünau im Almtal – Nordwände, Kolkraben und Seenidyll; in: Oesterreichi-
tobeltes Tal; in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft scher Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 3/2010; Innsbruck
des OeAV, Nr. 2/2010; Innsbruck 2010; S. 82–84 2010; S. 94–97
Fürhapter, Martin: Villgratental – Geheimnisvolle Bergsteigerdörfer; in: Oesterreichischer Kals, Roland: Dreitausenderjagd – Bergsteigerdorf Malta; in: Oesterreichischer Alpenver-
Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 4/2011; Innsbruck 2011; ein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 4/2010; Innsbruck 2010; S. 62–64
S. 82–84 Kals, Roland: So speziell – Reichenau an der Rax; in: Oesterreichischer Alpenverein
120 121

(Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 1/2011; Innsbruck 2011; S. 46–49 Innsbruck 2012; S. 92–95
Kals, Roland: Weißbach – Klettern, Bergradeln und Almenlust; in: Oesterreichischer Schwann, Christina: Familien-Zuwachs – St. Jodok ist das neue Bergsteigerdorf; in:
Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 2/2011; Innsbruck 2011; Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 1/2013;
S. 96–99 Innsbruck 2013; S. 66–69
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in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 3/ reichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 2/2013;
2012; Innsbruck 2012; S. 70–73 Innsbruck 2013; S. 84–86
Lederer, Sepp: Mauthen im Gailtal – Im Herzen der Karnischen Alpen; in: Oesterreichi- Schwann, Christina: Zwei Neue im Bunde – Zell-Sele und Region Sellraintal; in: Oester-
scher Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 5/2011; Innsbruck reichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 3/2013;
2011; S. 96–98 Innsbruck 2013; S. 76–79
Schlosser, Hannes: Vent – Einzigartigkeit inmitten der Ötztaler Alpen; in: Oesterreichi- Schwann, Christina: Vielfältig – unverfälscht – selbstbewusst: Bergsteigerdörfer eben; in:
scher Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 5/2010; Innsbruck Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 4/2013;
2010; S. 62–63 Innsbruck 2013; S. 70–72
Schlosser, Hannes: Alpingeschichte – Wurzeln im steinigen Boden; in: Oesterreichischer Schwann, Christina: Bewegung aus eigener Kraft; in: Oesterreichischer Alpenverein
Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 5/2013; Innsbruck 2013; (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 1/2014; Innsbruck 2014; S. 62–65
S. 94–96 Schwann, Christina: Bergsteigerdorf hautnah – 2. Auflage, Wandereinladung nach
Schwann, Christina: Die Bergsteigerdörfer – Ein Beitrag zur Umsetzung der Alpenkon- St. Jodok – Schmirn- und Valsertal; in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf –
vention in ausgewählten Gemeinden; in: Die Alpenkonvention: Nachhaltige Entwick- Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 2/2014; Innsbruck 2014; S. 86–88
lung für die Alpen, Nr. 52; Innsbruck 2008; S. 2–3 Wallentin, Gudrun: Ginzling – Am Anfang war das Bergsteigen; in: Oesterreichischer
Schwann, Christina: Bergsteigerdörfer – Ein Idealfall der Alpenkonvention; in: Die Alpen- Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 3/2011; Innsbruck 2011;
konvention: Nachhaltige Entwicklung für die Alpen, Nr. 54; Innsbruck 2009; S. 11–12 S. 56–58
Schwann, Christina und Stampfl, Regina: Johnsbach im Gesäuse – Ein Bergsteigerdorf Wallentin, Gudrun: Steinbach am Attersee – Wo dem Gebirge ein See zu Füßen liegt;
wie aus dem Bilderbuch; in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf– Mittei- in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 2/
lungsheft des OeAV, Nr. 2/2009; Innsbruck 2009; S. 62–64 2012; Innsbruck 2012; S. 100–104
Schwann, Christina: Verborgenes Paradies – Das Bergsteigerdorf Hüttschlag im Groß-
arltal; in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV,
Nr. 3/2009; Innsbruck 2009; S. 76–79
Schwann, Christina: Die Seele baumeln lassen – Bergsteigerdörfer-Partnerbetriebe und
Hütten; in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV,
Nr. 4/2012; Innsbruck 2012; S. 88–91
Schwann, Christina: Schneeschuhwandern – Ein Plädoyer für die Langsamkeit; in:
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 5/2012;
122

Bildnachweis
Mag. Hans Jury (li.)
Alpenverein-Museum Innsbruck: 42, 90 1958 in Gmünd geboren, Lehramtsstu-
Archiv AV-Sektion Gmünd: 45, 46, 50, 53, 54, 56, 57, 62, 65, 68, 69, 74, 76, 78, 82, 85, 97 dien in Naturgeschichte und Leibes-
Archiv Lagger, Siegfried: Titel, 20 o., 22, 24, 28 o., 30, 38, 39, 44, 47, 48, 49, 52, 66, 72, 79, 81 übungen an der Karl-Franzens-Universi-
Archiv Nationalparkgemeinde Malta: 43, 60/61, 91, 94 tät in Graz. Seit 1985 wohnhaft in Malta.
Archiv Pioch, Günter: 11, 18, 33, 34, 36, 59, 63, 70 Nach Beendigung des Studiums 1985 als
Archiv Schmid, Bärbel: 20 u., 27, 28 u. Probelehrer am Seebacher-Gymnasium
Archiv Tourismusverband Lieser-Maltatal: 71 in Graz, anschließend Skilehrer in der
Archiv Wagner, Herbert: 51 Innerkrems und Mitarbeiter im Nationalpark Nockberge. Ab 1987 Lehrer an der Bun-
Archiv Wintersportverein Gmünd: 58, 80 deshandelsakademie und Bundeshandelsschule in Spittal/Drau; Mitglied der Berg-
Fritz, Anton: 123 u. rettung Lieser-Maltatal seit 1989. Vorsitzender der Alpenvereinssektion Gmünd seit
Jungmeier, Heinz: 90 1991. Die positive Zukunft des Bergsteigerdorfes Malta ist ihm eine Herzensangele-
Jury, Hans: 9, 73, 92, 105, 107 genheit.
Karger, Franz: 98
Klampferer, Sebastian: 96 Mag. Klaus Rüscher
Koch, Stefan: 95 Geboren 1966 in Mürzzuschlag, bergsteigerische Lehrjahre in den Bergen der öst-
Krämmer, Richard: 12 lichen Obersteiermark (Veitsch, Rax, Hochschwab,…). Matura am BORG Kindberg,
Landesmuseum für Kärnten: 86, 87 nach Bundesheer und einer landwirtschaftlichen Ausbildung Studium der Volkskun-
Pichorner, Josef: 37, 84, 87 de und der Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz. Seit 1999 wohnhaft in
Pucher, Markus: 99 Malta, Mitglied der Bergrettung Lieser-Maltatal, seit 2009 Bürgermeister von Malta.
Rüscher, Klaus: 14, 17, 23, 25, 26, 40, 88, 100, 101, 102, 103, 108, 110, Rückseite Rüscher betreibt gemeinsam mit seiner Frau Gerhild das Gästehaus Hubertus (AV-
Schlosser, Hannes: 123 o. Vertragshaus).
Stadtarchiv Gmünd: 51
In memoriam Herbert Wagner (1916–2009)
Titelbild: Postkarte von Malta gegen Osten mit Stilleck 1910 Herbert Wagner war der Chronist des Lieser- und Maltatales
Foto Rückseite: Der Detmolder Weg zwischen Schneewinkelspitze und Säuleck im 20. Jahrhundert. Ihm ist es zu verdanken, dass wertvolles
Material über die Anfänge des Alpinismus im Maltatal für die
Impressum Nachwelt erhalten blieb. Besonders die Erinnerung an Frido
Kordon hat er wach- und hochgehalten. 2005 wurde ihm für
Herausgeber: Oesterreichischer Alpenverein, Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck seine Verdienste die Ehrenmedaille des Geschichtsvereines für
Redaktion: Hannes Schlosser und Christina Schwann Kärnten überreicht. Die Autoren dieser Alpingeschichte konn-
Grafik: SuessDesign.de; Layout: Christina Schwann; Druck: Sterndruck, Fügen ten auf sein umfangreiches Material zurückgreifen.
www.bergsteigerdoerfer.at