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Schulforum „Neue Lernkulturen entwickeln und vernetzen“

Oberstufen-Kolleg Bielefeld

Ergebnis-Protokoll des Workshops „Das Talentportfolio: Stärken entdecken – erfassen – entwickeln“

18. November 2011,15.00 Uhr – 16.30 Uhr

Referent:Beat Schelbert, Schule Riedmatt im Wollerau Moderatorin: Christina Seeliger

Material

PowerPoint-Präsentation (auch noch einmal für die Teilnehmer im Handout zusammengefasst) Handout

Input

Herr Schelbert stellt die 9 Intelligenzen in der Berufswelt nach Howard Gardner vor. Neben der sprachlichen und logischen Intelligenz sind das beispielsweise musikalische, bildliche und körperliche Intelligenz. Bei einer einleitenden "Personensuche" im Raum lernen sich die Teilnehmer gegenseitig kennen und ordnen einander an Hand bestimmter Fragen den verschiedenen Intelligenzen zu (Bsp.:

"Finde eine Person im Raum, die gerne beim Duschen singt oder beim Autofahren zur Musik mitsummt" = musikalische Intelligenz). Daran anschließend stellt Herr Schelbert das Konzept des Talentportfolios vor. Er stellt dabei zwei zentrale Thesen auf. These 1: Persönliche Stärken brauchen ein Zuhause / Instrument. These 2: Was wichtig ist, bekommt regelmäßig und vernetzt im ganzen Schulalltag Raum und Zeit. Insgesamt fungiert das Talentportfolio (das später in ein Bewerbungs-Portfolio übergeht) einerseits als eine Form der 'Buchhaltung' über die eigenen Stärken, andererseits aber auch als ein Diagnoseinstrument für Fördermaßnahmen.

Inhaltlicher Fokus, Diskussionspunkte und Ergebnisse

Thesen und Talenportfolio werden im Workshop diskutiert. Mögliche Inhalte für das Talentportfolio sind Dinge, die zeigen, was gerade besonders wichtig für eine Person ist, worauf sie stolz ist und wo sie viel Zeit investiert; Lösungen von schwierigen Problemen, Beispiele von Arbeiten, die Fortschritt demonstrieren. Im Gegensatz zu einem reinen Kursordner mit Materialien gelten für das Talentportfolio das Beweisprinzip und das Reflexionsprinzip. Das Talentportfolio soll Vielfalt feiern und die Schülerinnen und Schüler dazu bringen, sich ihrer eigenen Stärken und Fähigkeiten bewusst zu werden. Um den Stärken regelmäßig im Schulalltag Zeit und Raum zu geben, gibt es das System des Klassenrates, das Herr Schelbert vorstellt. Dieser findet möglichst alle zwei Wochen statt. Vorher festgelegte "Talentscouts" aus der Klasse benennen hier Schülerinnen und Schüler, die in der letzten Zeit besonders positiv aufgefallen sind (nach ihrer Einschätzung, die Kriterien sind dabei offen). Diese werden vorgestellt und für ein 'Diplom' vorgeschlagen. Die positive Nominierung wird in das regelmäßig geführte Protokoll aufgenommen. In der nächsten Sitzung wird das Protokoll noch einmal vorgelesen, so dass positive Erwähnungen einzelner Schüler mindestens zwei Mal öffentlich genannt werden. Die Teilnehmer brachten die Fragen ein, ob heutzutage möglicherweise eine elektronische Form des Portfolios für Schüler motivierender wäre, da der Umgang mit neuen Medien oft schon an sich reizvoll ist. Eine weitere Frage, die diskutiert wurde war, wie es möglich ist, die Schüler über einen längeren Zeitraum für die Arbeit an ihrem Talentportfolio zu motivieren. Hier ist besonders Regelmäßigkeit und auch die gemeinsame Arbeit des gesamten Kollegiums wichtig, damit Talentportfolio und Klassenrat zu normalen regelmäßigen Strukturen werden.

Fazit

Die Teilnehmer erwähnten besonders, dass sie es für wichtig hielten, eine 'Kultur des Lobens' in unseren Schulen stärker zu etablieren und diese der deutschen 'Fehlerkultur' gegenüberzusetzen. Im Schulalltag ist wichtig, dass das Loben fest etabliert ist, damit Schülerinnen und Schüler sich ihrer Stärken bewusst werden und diese auch selbst besser einschätzen und reflektieren lernen. Talentportfolio und Klassenkonferenz scheinen ein guter Weg, die Kultur des Lobens regelmäßig in den Unterricht miteinzubinden. Darüber hinaus kann das Loben der Fähigkeiten und Talente auch öffentlich, z.B. auf Schulveranstaltungen und -Feiern stattfinden, wie es in vielen anderen Ländern bereits der Fall ist.