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Montag, 11. März 2013 / Nr. 58

Sport

Neue Zuger Zeitung

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350 Bratwürste, 700 Zuschauer, 11 Grad

Fussball Zug 94 und Cham lieferten sich am Samstag ein 1.-Liga-Duell auf Augenhöhe. Mit den Ennetseern gewann nicht das bessere, sondern das glücklichere Team.

MiChAEL WySS

sport@zugerzeitung.ch

Herrliches Frühlingswetter und Tem- peraturen um die 11 Grad. Dazu der feine Geruch der Würste und der Bier- stand, unweit vom Grillstand entfernt, verraten es: Es geht wieder los. Rund 700 Zuschauer fanden den Weg in die Herti-Allmend. Die Voraussetzung für ein Fussballfest zwischen den beiden Aushängeschildern des Kantons hätte nicht besser sein können. «Schade, kön- nen wir nicht immer vor dieser Kulisse spielen», meinte ein langjähriger Zug- 94-Fan auf der Tribüne und kommen- tiert weiter: «Wir sind in der 1. Liga ein Topteam und hätten 500 Zuschauer pro Heimspiel verdient.» Stimmt. Das hätten auch die Chamer, die mit einer grossen

«Es ist schon eindrucksvoll, wenn man vor dieser Kulisse spielen kann.»

SEvErin DäTWyLEr, SC ChAM

Fangemeinde an dieses «Auswärts»- Spiel reisten und auf dem heimischen Eizmoos auch nie mehr als durch- schnittlich 250 Zuschauer haben. «Es ist schon eindrucksvoll, wenn man vor dieser Kulisse spielen kann. Die Stim- mung und die Unterstützung war gran- dios», freute sich Chams Severin Dät- wyler.

Dätwyler macht den unterschied

Der bald 22-jährige Stürmer war es auch, der für den Unterschied an diesem Abend sorgte und den einzigen Treffer in dieser bis zuletzt spannenden Partie markierte. In der 75. Minute, rund sechs Minuten nach seiner Einwechslung, schlenzte er das runde Leder unhaltbar für Zug-94-Schlussmann Georgios Ma-

runde Leder unhaltbar für Zug-94-Schlussmann Georgios Ma- rinis in die Maschen. Dätwyler: «Ich freue mich und

rinis in die Maschen. Dätwyler: «Ich freue mich und bin stolz, den Sieges- treffer in diesem Derby erzielt zu haben. Doch das Team steht im Vordergrund. Ich bin Teil dieser Equipe, und alle haben zum Erfolg beigetragen.» Mit den Ennetseern gewann aber nicht das bessere, sondern das glücklichere Team. Da waren sich praktisch alle einig. «Es war ein Spiel auf Augenhöhe. Letzt- endlich hätte die Partie auch unent- schieden enden können. Wir waren nicht schlechter als Cham», bilanzierte Beat Knoblauch vom Zug-94-Präsidium. Unrecht hatte er mit dieser Aussage sicher nicht. Gemeint hatte er damit

Kollektive Freude: Chams Spieler jubeln nach dem glücklichen 1:0-Sieg im Herti-Stadion gegen Zug 94.

Bild Werner Schelbert

sicher die Chancen der Einheimischen in der ersten Hälfte, als ein Aufschrei durch die Herti-Allmend wehte: «Mach doch das Gool. Das muess doch das 1:0 si», tönte es auf den Zuschauerrängen der Zug-94-Anhänger. Oder in der Nach- spielzeit, es war die 94. Minute, knallte Zug-94-Akteur Daniel Feuchter völlig frei stehend aus fünf Metern das runde Leder über Chams Keeper Fabio Rosa- minas Gehäuse in Richtung Bossard- Arena. Glücklich war der Chamer Spon- sor Walter Riedweg, der sich unmittelbar nach dem Schlusspfiff fair zeigte: «Es ist sensationell, mit einem Sieg zu star- ten. Ich bin erfreut und happy. Doch

wir hätten uns auch nicht beklagen können, wenn Zug 94 noch den Aus- gleich geschafft hätte. Glücksgöttin For- tuna war uns heute sicher hold. Die Teams lieferten sich einen spannenden Fight.» Gefreut hat sich dagegen Grilleur Pedro Simoes: «Wir haben heute 350 Bratwürste verkauft. Das ist toll. Das sind doch einige mehr als sonst», meint er mit einem Schmunzeln und doppelt nach: «Daran könnten wir uns sicher gewöhnen.»

«Positiv überrascht»

Derby-

niederlage im Lager von Zug 94 war

Die

Enttäuschung

über

die

gross. Das ist klar. Doch Martin Blaser, vom Zug-94-Präsidium meinte: «Die Mannschaft um Trainer Ivan Dal Santo hat uns bisher positiv überrascht. Wir stehen über den Erwartungen. Für das Engagement hätte sich unser Team heute aber sicher ein Remis verdient gehabt.» Trotz der Niederlage – der Aufsteiger steht auf Rang zwei und ist weiterhin Kandidat für die Aufstiegsrunde. Blaser:

«Wir sind Zweiter. Sollten wir die Auf- stiegsspiele erreichen, wäre das natür- lich eine tolle Sache. Doch abgerechnet wird am 26. Spieltag. Bis dann kann noch vieles passieren.»

Den Steinhauserinnen gelingt doch noch die Wende

VollEyball Der vBC schafft in Fribourg den Ligaerhalt. Das jedoch erst nach einem äusserst nerven- aufreibenden Spiel.

Die Steinhauserinnen reisten nach Fribourg im Wissen, dass ein Sieg den Ligaerhalt und eine Niederlage die Bar- rage gegen ein 1.-Liga-Team bedeuten würde. Motiviert und gut vorbereitet starteten die Zugerinnen in die Partie. Doch auch Fribourg hatte seine Haus- aufgaben gemacht. Ausserdem hatten sie das Glück zu Beginn der Partie auf ihrer Seite. Steinhausen gelang nichts, und Fribourg kam dadurch immer bes- ser ins Spiel. Im Laufe der Partie mach- te sich bei den Gästen mehr und mehr Verzweiflung breit: Denn Spielerinnen gelang kaum etwas auf allen Positionen. Das Heimteam wurde vom Unvermögen der Steinhauserinnen immer mehr be- flügelt und sicherte sich so Punkt um Punkt. Jeweils gegen Satzende vermochte der VBC Steinhausen sich wieder zu erholen und die verlorenen Punkte aufzuholen, jedoch zwei Mal zu spät (26:24 und 25:23), was zu einer unbequemen Aus- gangslage für den dritten Satz führte. Fribourg fehlte noch ein Satz für drei Punkte, und Steinhausen stand das Wasser bis zum Hals. «Das Team war natürlich sehr nervös, dies führte zu einem unruhigen Spiel, und die Partie wurde immer verkrampfter. Es wollte uns einfach nichts gelingen», so Coach Philipp Joller «Ich wusste, dass ich den Spielerinnen vor dem dritten nur posi-

tiv zureden und hoffen konnte, dass uns die Wende gelingt.»

auf allen Positionen präsent

Zu Beginn des dritten Satzes war bei den mitgereisten Zuschauern die Hoff- nung weiterhin klein, dass Steinhausen sich tatsächlich erholt. Bis zur Satzmit- te war die Partie umkämpft, der VBC war nun zwar besser im Spiel, aber Fribourg wehrte sich vehement. Ein taktischer Aufstellungswechsel zu Satz- beginn brachte schliesslich die erhoffte Wirkung: Das Duo Betschart und Hof- stetter sorgte am Block für den Unter- schied und brachte die Gegnerinnen mit einer Blockserie von vier Punkten

zur Verzweiflung. Und die Steinhause- rinnen damit in Vorsprung. Der Lauf des Heimteams schien gebrochen, nach einer 16:14-Führung für Steinhausen kam Fribourg bis zum Satzende lediglich noch auf 16 Zähler, und der VBC rette- te sich mit 25 zu 16 in den vierten Satz. In diesen nahm Jollers Team den Schwung aus dem dritten Satz mit. Die Spielerinnen schienen sich nach der guten Schlussphase des dritten Spiel- abschnittes an ihre Stärken zu erinnern. Auf allen Positionen war man nun wieder präsent, und gleich mit 5 zu 0 kündigten die Gäste an, dass man den Entscheidungssatz unbedingt erzwingen wollte.

Fribourg liess sich von der plötzlichen Steinhauser Dominanz aus dem Konzept bringen und begann, zahlreiche Eigen- fehler zu machen. Obwohl das Heim- team in einigen Situationen nochmals punkten konnte, liess sich der VBC nicht beirren und dominierte die Partie wei- terhin. Mit einem klaren 12:25 war der fünfte Entscheidungssatz Tatsache. Die jungen Zugerinnen schienen in diesem dann erneut zu merken, worum es eigentlich ging. Die Nervosität war deut- lich spürbar und spiegelte sich auch im Spiel wider. Unsicherheit auf dem Feld und mehr Eigenfehler sorgten bis zur Satzmitte für eine ausgeglichene und umkämpfte Partie und zur Satzmitte gar

Sie hatten am Wochenende Grund zum Jubeln:

Die Spielerinnen des VBC Steinhau- sen siegen in Fribourg.

Archivbild Christoph

Borner-Keller

sen siegen in Fribourg. Archivbild Christoph Borner-Keller für eine 10:8-Führung für das Heimteam. Im richtigen

für eine 10:8-Führung für das Heimteam. Im richtigen Moment besann sich der VBC aber auf seine Stärken und packte nochmals sein bestes Volleyball aus:

Solide Blockarbeit, ein konstanter Ser- vice und druckvolle Angriffe sowie ein unglaublicher Kampf- und Teamgeist sorgten schliesslich für unendlichen Jubel bei den Steinhauserinnen.

Ein sieg für andreas Grasreiner

Mit einem 10:15 sichert sich Stein- hausen den vierten Platz nach den Playouts und somit den direkten Liga- erhalt. Es sei einfach unglaublich, und man könne es noch gar nicht fassen, meinten die jubelnden Steinhauserin- nen nach dem Spiel unisono. Das Team machte mit diesem Sieg dem abtreten- den Trainer Andreas Grasreiner denn auch noch gleich ein Abschiedsge- schenk: Nach seinem langjährigen En- gagement für den VBC Steinhausen genehmigt sich der ehemalige deutsche Bundesligatrainer eine Auszeit von sei- nem Traineramt. Coach Joller dazu: «Der Verein und die Spielerinnen sind And- reas extrem dankbar dafür, was er ge- leistet hat. Er hat den VBC wie auch mich persönlich einen bedeutenden Schritt weitergebracht und uns profes- sioneller gemacht. Diesen Sieg widmen wir definitiv auch ihm.»

CLAuDiA hoFSTETTEr

sport@zugerzeitung.ch

VBC Fribourg - VBC Steinhausen 2:3 (26:24, 25:23, 16:25, 12:25, 11:15)

Steinhausen: Gantner, Preston, Betschart, Milicic, Eiholzer, Nietlispach, D. Radulovic, M. Radulovic, Meili, Hofstetter, Glauser. Bemerkungen: Steinhausen ohne Schottroff (verletzt).