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Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

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Lizenzbestimmung:

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Clemens Vargas Ramos, im Dezember 2009 vargasramos@gmx.net

Übersetzung von Clemens Vargas Ramos aus dem Englischen des freien eBooks „I am unborn – Talks with Sri Nisargatta Maharaj“, herausgegeben von Pradeep Apte (PhD) und zusammengestellt von Vijayendra Deshpande.

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Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Übersetzt aus dem Englischen von Clemens Vargas Ramos

Inhalt

Danksagung

7

Spiel der Elemente

9

Das Nicht-Dasein

10

Der Brahma-Lichtdurchlass

11

Diese Aufregung um “Ich bin”

13

Ein Koh-i-Noor-Diamant

16

Ungeborene Kinder

18

Jenseits der Konzepte

23

Dasein

25

Verehre “Ich bin”

27

Es liegt auf Ihrer Handfläche!

30

Eine Wunde

31

Nisargadatta

32

Betrachten Sie es (“Ich bin”) als Schicksal

35

Der Verstand kann Sie nicht erklären

39

Herrschaft des Daseins

43

Alle hören zu, aber nur wenige praktizieren

45

Werfen Sie die Gedanken hinaus!

47

Erkenntnis hat keine Form

49

Geburt ist eine Illusion

52

Das Falsche fängt bei den Eltern an

55

Pauls Wiedergutmachung

56

Ein Dorf ohne Tag und Nacht

62

Das „Ich bin“ ist Gott

64

Der Schrei des Selbstauslöschers (“Har Har Mahadev”!)

67

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Danksagung

Herr Damodar Lund, ein Englisch- und Kunst-Professor, hatte ein tiefes Interesse an der Mystik und am Buddhismus und war ein glü- hender Anhänger von Sri Nisargadatta Maharaj. Er besuchte regelmä- ßig die von Maharaj gegebenen Satsangs in dessen Wohnung. Dieses Buch ist das Ergebnis der Aufzeichnungen, die er während dieser Treffen gemacht und nach seinem frühen Tode hinterlassen hat. Frau Kamala Lund, seine Ehefrau, war so freundlich mir zu erlauben, diese Aufzeichnungen zur Herausgabe dieses Buches zu verwenden. Ihr Wunsch war, sie frei im Internet zur Verfügung zu stellen, wie dies auch Maharaj zu seinen Lebzeiten gewollt haben würde. Herr Prade- ep Apte war trotz seiner sehr beschränkten Zeit so freundlich, die Aufzeichnungen im Zuge der Herausgabe dieses Buches zu bearbei- ten, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Ich danke außerdem meinem Freund Herrn Gajanan Netrawali, der mich dazu ermutigt hat, diese Aufgabe zu unternehmen und darüber hinaus eine Webseite einzu- richten, die freies Material über Maharaj bietet.

Vijayendra Deshpande

Dieses eBook kann frei weitergegeben werden. Änderungen an diesem eBook sind nicht erlaubt. Dieses eBook darf weder teilweise noch voll- ständig für kommerzielle Zwecke benutzt werden. Für weitergehende Informationen dazu und zum Buch schreiben Sie bitte eine Email an vi-

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Spiel der Elemente

30. November 1979

Maharaj: Das Vergnügen der Zwei führt dazu, dass es die Ursache dieser Geburt und dieses Körpers gibt, Das Ergebnis davon ist dann, dass jemand lebenslang leiden muss. Nur der sehr seltene Mensch kommt hierher, und der Guru zeigt ihm dann das Endergebnis dieses Spiels. Er zeigt ihm einen Spiegel, der das wahre Bild widerspiegelt. Der Tod ist für den Jnani das höchste Vergnügen. Sobald das Bewusst- sein angeregt wird, erschafft das Gemüt das Universum. Schöpfung ist Prakriti; Purusha (Bewusstsein) und Prakriti (Natur) als solche haben weder Name noch Form.

Dieser Körper hat das Empfinden, dass das Ende naht. Ich weiß, dass der Körper die Essenz der fünf Elemente ist. Die fünf Elemente stehen in Beziehung zueinander und befinden sich in dieser Bezie- hung in beständigem Fluss. Der Körper entsteht aus ihrer Essenz. Das Individuum hält den Körper für sein Eigentum. Wir glauben, dass wir unsere Augen und Ohren sehen, aber was in Wahrheit hört und sieht, ist das Dasein.

Die fünf Elemente sterben niemals. Wenn Sie sich mit Ihrem Körper identifizieren, sündigen Sie und werden zum Zeitpunkt Ihres Todes leiden. Das Zentrum des Bewusstseins ist die Krone Ihres Hauptes. Die Quintessenz der Aktivität der fünf Elemente ist Bewusstsein, und die Quintessenz kennt keinen Tod. Das Dasein ist keine Persönlich- keit; verstehen Sie daher das Dasein und den Tod richtig. Schlussend- lich sind Sie als das Absolute nicht das Dasein. Innerhalb von Ihnen und überhaupt überall befinden sich die fünf Elemente in einem be- ständigen Kampf miteinander. Da ist unaufhörlicher Kampf: Der Raum befindet sich im Krieg mit der Luft, die Luft mit dem Feuer, das Feuer mit dem Wasser, das Wasser mit der Erde usw., und all das drückt sich im Körper aus.

Die wechselseitige Tätigkeit von vier Elementen ergibt ihre schließ- liche Auflösung in Erde. Damit haben wir dann die Vegetation und die verschiedenen Nahrungspflanzen, wir haben die individuellen Arten und Formen. Der elementare Konflikt wird im menschlichen Körper ausgedrückt – so sagt dann das menschliche Wesen: „Mein Pech!“ Die wechselseitige Tätigkeit der vier Elemente geht in die Gebärmutter der Erde ein. Aus dem Saft der Pflanzen entstehen die Arten, aber die

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Formen umschließen ihre Identität. So haben wir dann 85 Millionen Arten; das ist die Geschichte dieser Erde.

Was wäre die Qualität desjenigen, der dieses Prinzip erkennt? Wer Bewusstsein versteht, ist jenseits des Bewusstseins, jenseits der fünf Elemente. Zum Zeitpunkt seines Todes wird er zum Ozean der Selig- keit. Andere, die sich selbst mit dem Körper-Verstand identifizieren, werden einer traumatischen Erfahrung des Leidens unterworfen. Die Körper-Verstand-Identifikation ist das Resultat nur eines Sekunden- bruchteils der Seligkeit.

Vergleichen Sie die Freuden des Jnani mit denjenigen der Zwei. Der Heilige Jnaneshwara schrieb einen Kommentar zur Bhagavad Gita. Dann schrieb er „Amruta Anubhava“ – Erfahrung der Unsterblichkeit (Mrit=Tod, Amrita=Kein Tod) – also grundloser Ozean der Seligkeit.

Die fünf Elemente und drei Gunas verwüsten das Universum. Wie aber ist der Jnani von all dem betroffen? Indem er dieses Spiel der Elemente erkannt hat, hat er es transzendiert. Dieses ganze Treiben des Schauens und des Geschauten, des Beobachters und des Beobach- teten geht und nichts bleibt zurück. Einfach nur sein, einfach nur still sein. Lassen Sie sich nicht stören und lassen Sie das Gemüt beiseite. Welchem Prinzip würde dadurch ein Schaden zugefügt werden? Le- diglich Zeit und nur die Zeit, wird verschwinden. Derjenige, der den Wandel beobachtet – kann der sich wandeln? Nur Wandelloses kann Wandel erblicken.

Das Nicht-Dasein

1. Dezember 1979

Maharaj: Mein Dasein war vorher nicht da – es ist aufgetaucht und nur zeitweilig. Ich habe darüber keinerlei Kontrolle. Ich bin nicht der Abnehmer von dem, was von Gott kommt. Ich bin nicht daran interes- siert – sei Er auch Gott. Erkenntnis kann nicht allen gegeben werden. Man verliert das Interesse. Wenn Sie das Interesse verlieren, hört so- gar die Welt zu existieren auf. Es geschieht aufgrund der Chemie (des Daseins), des sattva guna, dass diese Fotografien aufgenommen wer- den, und entsprechend fängt dieses Dasein hier an zu gedeihen. Alle Tätigkeiten sind wie mechanisch – alles geschieht also wie nach ei- nem festgelegten Ablauf.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Von was und welcher Beziehung zu was spreche ich hier? Von was ist es abhängig? Es ist das Dasein. Wenn das Dasein gegangen ist, ist da Nicht-Dasein, das ewig ist. Da ist keine Erkenntnis, kein Gott, kein Ishwara. Wovon könnte ich sprechen? Das Dasein wird verschwinden. Ich aber lebe auf immer im Nicht-Dasein.

Dasein entsteht aus dem Nicht-Dasein. Ich sollte mich kennen, um zu verstehen, auf welche Weise dies geschieht. Es gibt Leute, die mich anbeten, aber ich bin wie ein Berg. Ich weiß, dass nichts existiert, dass Namen und Formen nur Bestimmungsmerkmale sind. Nieman- dem könnte etwas Gutes oder Schlechtes passieren; weder ist dies früher geschehen noch wird es in Zukunft geschehen. Form und Da- sein geschahen und wurden als solche nicht erkannt – wie sonst hätte es geschehen können, dass ich für neun Monate diesen schmutzigen Ort betreten habe? Man ekelt sich ja sogar vor einer toten Ratte.

Die Leute reden von Spiritualität und schließen währenddessen ihr ureigenes Selbst aus. Verbleibe im Selbst und sprich dann. Erforsche dich selbst. Das Absolute ist ewig, ein Zustand des Nicht-Daseins und wirklich. Das Dasein ist zeitlich begrenzt, es erscheinen darin die fünf Elemente usw.; kein Dasein – nichts ist. Nichts in dieser Welt vermag Ihnen auf Dauer Gesellschaft zu leisten. Die Menschen werden sich meiner Erinnerungen bedienen und einige von ihnen werden glück- lich, andere unglücklich damit sein. Auf mich selbst wird dies null Wirkung haben.

Der Brahma-Lichtdurchlass

4. Dezember 1979

Maharaj: Im tiefen Schlaf gibt es nichts. Versuchen Sie dies auch im Wachzustand zu erfassen. Mein Denken hat jetzt mit den fünf Elemen- ten zu tun. Was immer ich auch denke, ich schlussfolgere, dass sämtli- che Formen Schöpfungen der fünf Elemente sind. Die Formen mit den drei Gunas zusammen arbeiten auf verschiedene Art und Weise. Das grundlegende Guna ist Sattva. Prakriti und Purusha sind die Aus- gangspunkte, die Schöpfer der vier Elemente. Es gibt ein Gewahrsein im Brahma-Lichtdurchlass, das spricht. Das shudda (reine) Sattva, welches wie ein Tropfen Ghee (geklärte Butter) ist, ist der Brahma- Lichtdurchlass. Dieser winzige Tropfen enthält das Bild des gesamten Universums.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Jeder Intellekt ist anders. Daher ist die Kraft des Intellekts unter- schiedlich, ist das Verständnis unterschiedlich. Die primäre Natur des Bewusstseins besteht darin, nicht konstant zu sein. Die Objekte wan- deln sich – stoppt der Verstand, dann ist da no-mind. Die Natur des Bewusstseins ist der Wandel. Wir denken ein Ding nach dem anderen und dann kommt wieder etwas unterschiedliches – wird Bewusstsein jedoch stetig, wird es zu Gewahrsein.

Worte einschließlich von nama-roopa (Name und Form) können aufgrund ihrer Natur keine Stetigkeit besitzen. Sogar Ihre Ideen über sich selbst sind zwangsläufig wandelhaft. Lassen Sie mich hören, wo- für Sie sich selbst halten! Sie können es nicht, weil es sich wandelt. Der Verstand spricht nicht zur Persönlichkeit, weil diese seine Schöp- fung ist. Der Verstand spricht zum Verstand, zum Freund, zur Freun- din usw., die alle Regungen im Bewusstsein sind. An dem Punkt des Bewusstseins, an dem der eigene Verstand das „Ich bin“ (die „Ich- bin-heit“) realisiert, sind Wort, Atem und Gemüt eins.

Ich begebe mich an irgendeinen Ort, sitze und denke und bilde Mei- nungen heraus. Alles ist der Verstand, es sind seine Bewegungen. Der Brahma-Lichtdurchlass ist Sattva, Harmonie, und der Verstand ist sein Resultat. Sattva erschuf die Welt. Auch der Verstand ist ihr Pro- dukt. Wenn Sattva aufhört, hört der Verstand auf und die Leute sagen dann: „Er ist tot“. Der Kenner jedoch erklärt: Ich bin weder Bewusst- sein noch Verstand oder Sattva. Ich bin getrennt von den Elementen und ihren Produkten. Alles Gesehene besteht aus den fünf Elementen. Wie hoch auch immer eine Wesenheit angesiedelt sein mag, es ist nichts als das Endergebnis der fünf Elemente. Wo sind die Individuen oder die Avatare denn nach dem Tode? Der Verstand, das Wort, der Name und die Form haben keine von den fünf Elementen getrennte Existenz.

Für mich gibt es weder Geburt noch Tod, da der Ausgangspunkt für die Mischung der fünf Elemente, für ihre Essenz, für ihre Produkte, Purusha und Prakriti sind. Purusha und Prakriti haben keine Form – wie können sie dann zerstört werden? Tatsächlich ist es nur „mool- maya“ - die Wurzelursache der Illusion. Wenn das Bewusstsein erregt wird, tauchen die Formen und das Universum auf, die dann mein Kör- per sind. Aus einem winzigen Tropfen Sattva entsteht das gesamte Universum. Ist mein eigener Körper und die Welt in diesem Sattva enthalten? Ich weise dies zurück. Wie könnte es sein? Es ist eine Lüge. Es gibt da den Körper, daher leide ich. Sie sagen: Es gibt die Welt – wie

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kann dies alles Illusion sein? Der Verstand jedoch ist ein Konzept und alle Welten sind Bewegungen im Bewusstsein – folglich sind sie falsch. Wenn Sie das Falsche als falsch sehen, beruhigt sich der Ver- stand und verschwindet.

Es gibt unterschiedliche menschliche Rassen, und alle Glaubensbe- kenntnisse preisen oder verunglimpfen die anderen. All dieses sind Bewegungen im Bewusstsein, ausgeschüttet aus dem Nicht-Dasein. Mein eigenes Sein erkennt das Falsche als falsch – ich halte mich da- her nicht mit diesen Dingen auf. Alles was Sie erwerben einschließlich von Erkenntnis ist falsch, Null. Versuchen Sie Erkenntnis zu transzen- dieren. Nur manchmal erkennt einer der seltenen Menschen zum Zeitpunkt des Todes, dass er nicht der Körper ist. Der Körper wird im Feuer aufgelöst und vermischt sich wieder mit den fünf Elementen.

Brahman ist deshalb ein Konzept, weil es sich nicht lange ein Teil meiner Gedanken sein wird. Nur so lange wie es das Dasein gibt, gibt es die Welt. Für diejenigen, die das Abtreten des Daseins realisieren, gibt es Seligkeit. Die Unwissenden verwickeln sich in das Dasein und erleiden daher traumatische Erfahrungen. Alles ist Leiden – das Wa - chen, der Tiefschlaf und die Traumzustände, die fünf Elemente und die drei Gunas. Erkennen Sie dies und befreien Sie sich vom Leiden. Der Unwissende stirbt, während derjenige, der versteht, befreit ist. Der Verstand muss dieses „Ich bin“ ohne Worte singen. Seien Sie frei. Denken Sie jedoch, dass Sie Erkenntnis erworben haben und besteht dann darin Ihr Gewinn, dann sind Sie noch weit entfernt von der Selbst-Erkenntnis.

Diese Aufregung um “Ich bin”

5. Dezember 1979

Maharaj: Für alles gibt es einen Kunden, aber was ist die Ursache Ihres Daseins, in dem Sie der Kunde sind? Das primäre Konzept ist das „Ich bin“, aus dem heraus alle anderen Konzepte erschaffen wer- den. Sie sind selbst aus diesem primären Konzept heraus entstanden. So lange Sie die Notwendigkeit zu leben empfinden, haben Sie also diese reiche, wundervolle Welt und alle Götter stehen Ihnen zu Diens- ten. Die Unterscheidung zwischen der Welt und Brahman ist entstan- den, weil Sie Ihr Dasein verlängern wollten, dieses „Ich bin“. Die mani- festierte Welt wurde von Ihnen mit Bedeutsamkeit erfüllt, weil Sie le-

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ben wollen. Wenn das Bedürfnis zu leben jedoch nicht gefühlt wird, wie etwa im Schlaf oder kurz gesagt, wenn das Bewusstsein nicht be- wusst ist, gibt es dieses Bedürfnis auch nicht. Sobald Bewusstsein da ist, braucht es immer Bewusstsein; ist es nicht da, dann wo sollte überhaupt ein Bedürfnis nach irgend etwas sein? Welchen Nutzen hat das Erscheinen der Welt? In meinem Zustand sind die Welt und ihr Herr nur eine Plage. Das Bedürfnis leben zu wollen bedeutet Bindung. Kein Bedürfnis – keine Bindung! Ich werde nicht so dumm sein und mich fragen, wie ich in der Abwesenheit des Bewusstseins existiere. Es kann keinerlei Gespräch über den Zustand vor allem Bewusstsein geben. Alle die Gespräche und Erfahrungen befinden sich im Reich des Bewusstseins. Derjenige, der erkannt, verstanden und sich selbst transzendiert hat, vermag darüber zu sprechen; andernfalls ist man in der Zangenbewegung der Maya gefangen. Sie werden dann von ih- ren eigenen Tentakeln (der Identifikation mit der Körper-Zange) ge- fangen. Aufgrund ihrer eigenen Täuschung stellen Sie Fragen und werden gefangen und eingewickelt in immer mehr Konzepte.

Niemand könnte mir Auskünfte über mich selbst in der Abwesen- heit von Bewusstsein geben. Außerdem benötige ich sie auch nicht, da es sich eben so verhält. Sie werden daher durch mich keinen Vorteil erhalten. Ich habe die volle Erkenntnis vor allem Dasein, die ewig ist. Im Wachzustand gibt es Kampf und Ermüdung; im Tiefschlaf gibt es Erholung – es ist ein Kreislauf. Worin besteht der Sinn?

Besucher: Um Bewusstsein aufrechtzuerhalten. Was befindet sich jenseits davon?

M.: Was auch immer ohne es (Bewusstsein) auskommt, ist vollkom- men. Nur das ist und nichts anderes. Mein Körper ist nicht individua- listisch, sondern universal. Was soll diese Aufregung um „Ich bin“? Verstehen Sie dies und nehmen Sie davon Abstand, transzendieren Sie ist. Seien Sie einfach nur.

B.: Und wohin ist nun Maharaj's Ego verschwunden?

M.: Es ist nicht individualistisch, es ist manifestierbar. Wenn es je- doch manifest ist, ist es nicht mehr als ein individuelles Leiden.

B.: Worin besteht der Nutzen der Selbst-Verwirklichung?

M.: Nishkam (gefestigtes) Parabramhan. Wenn Sie Schmerzen ha- ben, verabreicht der Arzt Ihnen eine Medizin. Wer ist der Empfänger davon, der Kunde? Der Schmerz ist der Kunde, nicht aber Sie.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

B.: Geht der Schmerz dann?

M.: Es ist nur ein momentan passierendes Ereignis. Gehen Sie ein- fach da durch und verstehen Sie es. Das „Ich“-Bewusstsein ist sowohl Schmerz als auch Glück. Am Morgen wachen Sie beglückt auf, und wenn der Tag abrollt, gibt es Unglücklichsein. Können Sie ohne das „Ich“-Bewusstsein überhaupt irgend etwas verstehen? Das „Ich“-Be- wusstsein bedeutet immer Unglück – daher suchen Sie das Glück. Was Sie mit Mühe tun, ist Unglücklichsein. Sogar jetzt noch spreche ich aus dem Tiefschlaf heraus; daher kommt es aus dem Schlaf. Ich habe mich dessen erfreut, also spreche ich. Schlaf ist Dunkelheit, Vollständigkeit – das ist also Unwissenheit. In der Dunkelheit spricht das Unwissen- heits-Ich. Das Wissen der Unwissenheit ist daher Unwissenheit. Diese Art von Wissen ist eine Illusion. Ein aus der Unwissenheit geborenes Kind spricht: Ich bin Brahman.

B.: Wer tut dies alles?

M.: Darin besteht die Falle Ihres Verstandes. Wenn Sie Ihren Ver- stand nicht erfahren, sind Sie befreit. Weshalb nennen Sie irgend et- was überhaupt „logisch“? Sie akzeptieren nicht das, was ich sage, weil Sie tatsächlich nichts sind, wenn Sie dies tun. In Wahrheit kann nichts gegeben und genommen werden. Nennen Sie es Logik oder Erfah- rung. Nehmen Sie es so, wie Sie mögen. Hier sind Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz transzendiert.

Die Eltern haben Ihnen einen Namen gegeben. Können Sie mir, ab- gesehen davon, Ihren Namen oder Ihre Identität geben? Der Atman ist formlos; Namen und Formen gehören zum Körper.

Bewusstsein ist ebenfalls eine Illusion; nicht-persönlich, nonverbal. In dem Moment, in dem Sie Gemüt und Körper nicht wahrnehmen, fühlen Sie keinerlei Qual. Könnte man denn sagen, dass der Himmel krank geworden ist?

Nahrung enthält gleichzeitig das Wertvolle und das Überflüssige. Was gut und schlecht ist, ist also relativ. An Blumen mag Erde kleben, aber wenn man sie kaufen will, kosten sie 50 Rupies. Ich diskutiere nicht über Brahman oder Maya – Ich erzähle Ihnen einfach nur meine Geschichte, die auch die Ihre ist. Das „Ich“-Bewusstsein ist bei Atma- jnana (Selbst-Erkenntnis) nicht mehr da. Dann kümmere ich mich nicht mehr um Gott oder Illusion. Das „Ich bin“ ist der Ausgangspunkt für Elend und Glück.

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Ein Koh-i-Noor-Diamant

7. Dezember 1979

Maharaj: Als Sucher sagt man Ihnen, dass Sie nicht der Körper-Ver- stand sind, obwohl Sie im Körper sind. Sie sind aber in Wahrheit Er- kenntnis. Wir sehen diese allesdurchdringende Erkenntnis in allem. Die Körper – ob Mann oder Frau – haben Form, während das Be- wusstsein keine Form hat. Wer sich selbst für einen Mann oder eine Frau hält, ist kein Sucher – ein Sucher ist nur derjenige, der nach Er - kenntnis sucht.

Vor dem Auftauchen der Form in der Gebärmutter hat die Nahrung die Gestalt von „Ich bin“ angenommen, und das ist es dann, was nach neun Monaten geboren wird. Mit der Geburt beginnen die körperli- chen Funktionen, während das Kind nichts davon weiß, dass es ist. Wenn das Kind mit der Identifikation beginnt, nimmt das Empfinden von „Ich-bin-heit“ Gestalt an. Nur die Mutter kann diese irreführen- den Grundvorstellungen wie den Namen des Körpers und anderes lehren.

Vor dem Wach- oder Schlafzustand ist Parabrahman. Der Zustand, in dem Sie Erkenntnis erlangen, ist Brahman.

Besucher: Das Verlangen nach Selbst-Erkenntnis ist unterschied- lich bei den Menschen. Die Intellektuellen scheinen überhaupt gar keine Zeit dafür zu haben.

M.: Leute, die Wissen erworben haben, sind recht simple Leute.

V.: Wird dies während der Geburt festgelegt?

M.: Wissen in der Form der Unwissenheit wird (letztlich) ebenfalls nicht erworben. Wenn Ihre Gebärmutter nicht rein ist, erfahren Sie Furcht; wenn Sie darin 9 Monate lang sind, ist da nur das Wissen des „ich bin“ darin – nichts darüber hinaus. In der Gebärmutter ist Wis- sen, aber es ist schlafend. Die Flamme in diesem Feuerzeug (Maharaj hält ein Feuerzeug hoch) ist schlafend – kennt das Feuerzeug die Flamme? Für was halten Sie sich selbst? Wenn Sie sich selbst für den Körper halten, sind Sie darin involviert. Wenn Sie sich selbst für Er- kenntnis halten, sind Sie nicht involviert. Jemand ruft in Ihnen den Guru hervor – es ist dieser Guru, der Erkenntnis empfängt und spricht.

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B.: Ist es möglich für jemanden, nur vorzutäuschen, das Absolute zu sein?

M.: Wichtiger als das ist es, anstelle das Absolute zu sein zu versu- chen, das Körper-Verstand-Empfinden loszuwerden; der Rest ge- schieht dann von selbst. Nach der Verwirklichung des Selbst ge- schieht alles von selbst. Dann gibt es da keine Frage mehr dahinge- hend, involviert zu sein oder nicht.

B.: Aber könnte jemand davor und danach irgendwelche qualitati- ven Veränderungen erfahren?

M.: Was auch immer Sie vorhergesagt haben, wird begraben wer- den, wovon auch immer ich spreche, wird ebenfalls den Körper ver- lassen und verschwinden. Beginnend mit Ihnen stellen Sie das Prinzip dar, welches den Körper verlässt und fortläuft. Der zweite Schritt:

Identifizieren Sie sich mit diesem Prinzip, welches den Körper ver- lässt. Dritter Schritt: Jnana – erkennen Sie diesen göttlichen Zustand und transzendieren Sie ihn. Ich wiederhole – dieses Prinzip, welches den Körper verlässt, ist göttlich – es ist erfüllt von Erkenntnis. Der Höchste ist derjenige, der dieses göttliche Prinzip erkennt und tran- szendiert. Dieses Prinzip, welches den Körper aufgibt, glaubt auf- grund seiner Verbindung mit dem Körper, dass es sterben werde. Tat- sächlich kennt auch der Körper keinen Tod – sein Dasein besitzt er in Verbindung mit dem Sein – ohne dieses Sein ist er eine tote Ratte. Sie sind dieses Prinzip, welches den Körper aufgibt. Wer sind Sie dann danach – der Körper oder dieses Prinzip? Wo sollte daher die Frage bestehen, dieses Prinzip weiter zu nähren?

Ist die manifestierte Welt real? Sie machen aus einem Maulwurfs- hügel einen Berg – ist dies die Realität? Da ist die Welt, während man Ihnen sagt, dass Sie sich angemessen verhalten sollten; währenddes- sen vergeht die Zeit. Lernen Sie Ihre wahre Identität kennen und alles wird klar werden. Sämtliche Schriften wenden sich an den Verstand, während ich danach frage, was Sie in Wahrheit sind. Die Wurzel der Welt ist die absolute Unwissenheit und nichts als Unwissenheit. Trotzdem befolgen Sie die Regeln und Gesetze, um Ihre Zeit zufrieden verbringen zu können. Das Unglück kommt dann durch die Anhaftun- gen – werden Sie total, vollkommen, dann wird es kein Unglück mehr geben.

Das Ergründen der Illusion ist wie die Suche nach dem Kind der un- fruchtbaren Frau. Ihr ganzes Dasein wird nicht ausreichen, um sie

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

ausfindig zu machen. Die Leute fliegen auf den Mond und suchen nach dem Rand des Universums. Das Dasein Brahmans ist ebenfalls eine Il- lusion – darin besteht der Rand des Universums. Diese Illusion (Maya) schickt Sie hinaus, um nach den Grenzen des Kosmos zu for- schen. Sehen Sie klar den Unfug, den sie treibt: Sie sendet sich nicht ins Zentrum von allem!

Aus dem Tiefschlaf wachen Sie auf und weinen – wer hat die Illusi- on erschaffen? Es ist Bewusstsein. „Ich bin aufgewacht“ ist Ihre grundlegende Illusion; sie sind mit dem Dasein verheiratet. Was im- mer das Ergebnis sein wird – Sie werden wissen, dass das Dasein selbst eine Illusion ist. Ehrlich gesagt ist das Prinzip „ich bin“ selbst ein äußerst unehrliches Prinzip; Sie sind mit Brahman verheiratet. Ich verpflanze Sie in das Dasein des „ich bin“ - anschließend sind Sie frei zu gehen. Verstehen Sie sich selbst – alle Rätsel werden dann gelöst sein. Ich gebe Ihnen ein Kapital – investieren Sie es, ergründen Sie und finden Sie die Wahrheit; erforschen Sie das Selbst.

Ist die Traumwelt real oder irreal? Das Ereignis „ich bin aufge- wacht“ ist selbst irreal. Ist dementsprefchend Ihr Dasein, Ihr Sein real oder irreal? Ist nicht auch Ihr Denken „ich bin“ ein Konzept?

Ständig habe ich Joseph gesagt, er solle gehen, aber jetzt sage ich, warte und schreibe es auf. Nach meiner Abreise veröffentliche ein Buch. Sie (die Leute) werden fragen: Hast du solch einen Menschen tatsächlich kennengelernt? Ein Koh-i-Noor-Diamant!

Ungeborene Kinder

11. Dezember 1979

Maharaj: Im Schlaf liegt das Bewusstsein selbst schlafend da. Wa - chen Sie dann auf, sagt das Bewusstsein: „Ich habe gut geschlafen“. Sie können ihm einen beliebigen Namen geben – Körper, Gemüt, aber es ist nur ein Attribut, das schlafend im Schlaf dalag, es ist nicht etwas, was die Sinne Ihnen sagen. Der Nahrungs-Körper wird immer Wün- sche haben – Dasein ist der Duft dieses Körpers. Davor kannte ich mich nicht, es war ein erfahrungsloser Zustand, plötzlich übermitteln die acht Tore (die fünf Elemente und die drei Gunas) der Erfahrung und der Erkenntnis Massen an Informationen über Geburt, Körper usw. Mit all dem fängt dann das Leiden an. Mein Guru weihte mich in die Ergründung meiner selbst ein. Habe ich meine Geburt und meine

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Eltern als solche erfahren? Nein – daher wies ich sie zurück. Im Ver- lauf dieses Prozesses begann ich mein eigenes Dasein zu untersuchen, es war ein temporärer Zustand, daher legte ich ihn beiseite. Jetzt bin ich frei von Furcht, da ich weiß, dass dieser Zustand verschwinden wird. Ich habe keinerlei Furcht vor meinem Dasein, weil ich dasselbe erfahre (das Verschwinden des Daseins). Aufgrund von Konzepten habe ich mich selbst als eine Persönlichkeit verstanden und aufgrund dieses konzeptuellen Zustandes musste mein wahrer Zustand leiden.

So wie ich Sie ermahne, so höre ich auf meine Freunde. Ihre Gedan- ken sprechen zu mir; es tauchen da sogar Visionen auf. Ich sage ihnen, dass sie still sein sollen. Ich ermahne die Gedanken und Visionen! Wird irgendjemand denn mit seinen Gedanken streiten wollen? So- bald man diese fremden, abseitigen Gedanken beiseitelegt, beginnt das Selbst sich zu verbreiten und Erkenntnis zu übermitteln. Dann ist es das verwirklichte Prinzip, welches als einziges da ist, welches nie erschaffen wurde, sich aber wie etwas Erschaffenes verhält. Wer be- obachtet oder bezeugt dann noch? „Ich das Absolute“. Wo es keine Ge - danken gibt, gibt es keine Furcht – dann sprießt das Selbst.

Was habe ich in der Abwesenheit des Daseins getan? Was haben meine ungeborenen Kinder getan? Dasselbe, was ich auch vor dem Auftauchen dieses Daseins getan habe. Welt, Gemüt und alles sind raumgreifend – woher kam dieses Unheil beim Erscheinen des Da- seins? Daher muss ich die Ursache der Probleme erforschen, die im Dasein besteht. Erforschen Sie nicht die Welt, sondern denken Sie darüber nach, wie es kam, dass Sie in diesen Körperkomplex geraten sind.

Der Körper verdirbt, aber was ist mir geschehen? Denn dieses Sein, welches Ihnen keinerlei Antwort schuldig ist, ist vollkommen, wäh- rend jede Antwort, die Sie erhalten mögen, falsch ist. Wenn ich an die- se Welt denke, dann weshalb sollte ich nicht all diese Fragen stellen noch bevor irgendeiner Bewusstheit von allem? Wenn ich diese Frage angehe - muss ich dann untersuchen, was dieses Prinzip des „Ich bin“ ist? Ich würde es lieber haben, mit diesem Kind spielen zu gehen, denn das ewigliche Parabrahman und die ungeborenen Kinder sind ein und dasselbe.

Sie suchen nach Wissen. Was meinen Sie eigentlich damit? Halten Sie einfach nur an dem Prinzip fest, welches Gedanken versteht und erkennt und seien Sie still. Was sind Sie denn, wenn Sie einmal an sich selbst denken? Erforschen Sie dies. Vergessen Sie, wer wen quält. Fes-

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

tigen Sie sich selbst in dem, was Sie als Ihr ureigenes „Ich bin“ wahr- nehmen können. Was sind Sie? Für das Erforschen der Probleme der manifestierten Welt ist immer noch Zeit. Eine korrekte Antwort auf die Frage „Wer sind Sie?“ gibt es nicht; keine Antwort ist genau die richtige Antwort; jede Antwort, die Sie erhalten, ist vergänglich. Die- ses ewige, ungeborene Prinzip, welches der Geburt beschuldigt wur- de, spricht jetzt. „Ich fühle mich schuldig.“ Welche Schuld auch immer Sie auf sich nehmen – die müssen Sie dann auch erleiden. In einem Land, welches nie gekannt wurde, geschieht ein Raub. Die Polizei dort verhaftet sie. Wenn Sie Ihre Schuld akzeptieren, dann müssen Sie viel- leicht lebenslang leiden. Ich dagegen akzeptiere das Urteil nicht – ich habe diesen Ort niemals besucht. Ich bin kein Räuber. Ich plädiere da - für, dass „meine einzige Schuld darin bestanden hat zu akzeptieren, dass ich geboren wurde“. Geben Sie's auf! Ich wurde nicht aus mir selbst heraus und mit vollem Wissen darum geboren – ich hatte über- haupt kein Wissen über mein Dasein. Das Absolute besitzt keinerlei Grenzen – es ist ungeboren. Vor meinem Erscheinen (Dasein) habe ich niemals wahrgenommen, dass ich war – woher sollte also der Grund dafür kommen, mich schuldig zu fühlen? Wenn Sie Weisheit hätten, würden Sie das Dasein zurückweisen. „Kein Körper“ bedeutet kein Kennen von etwas, kein Bewusstsein und im ursprünglichen Zu- stand sind die fünf Elemente und die drei gunas abwesend.

Derjenige, der aufnehmen und annehmen kann, was ich jetzt sage, hat keinen Grund dafür, unglücklich zu sein. Die Welt ist voll von emo- tionalem Unglücklichsein. Der Wurm tritt aus der zersetzten Nahrung hervor. Ich bin dieser Wurm nicht, obwohl ich aus Nahrung gemacht bin, denn Dasein ist das Ergebnis der Nahrung.

Um das Selbst zu realisieren, halten Sie an der Erkenntnis fest, dass „Sie sind“. Tun Sie das zu Füßen Ihres Gurus. Ihr Dasein bedeutet „Is- wara“, was auch der Guru ist, das Selbst. Die „Füße“ bedeuten „charan“ - sich bewegen; das, was Sie sich bewegen macht; das Prin- zip (das Dasein), welches die Bewegung anstößt. Die Verschmelzung des Individuums mit dem Universalen geschieht durch Sadhana (Praktik).

Diese fünf Tatsinne und die fünf Sinne des Wissens – handeln sie aus sich selbst heraus? Die fünf Elemente lassen die fünf Sinne des Wissens entstehen. Für die Manifestation wiederum gibt es dann acht davon – die fünf Elemente und die drei gunas erzeugen die Essenz. Das Sattva guna erzeugt die manifestierte Welt der Formen, während

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

parallel dazu dieses „Ich bin“ geschaffen wird. Erzeugt wird dabei das Wissen um das Dasein, und das Individuum denkt, dass ihm selbst dieses Wissen zugehörig ist. In diesem Zimmer hier gibt es individu- elle Existenzen, aber die gesamte manifestierte Welt ist Iswara. Iswa- ra ist wie eine Stadt; Er ist darin. So wie Sie glauben ein Individuum zu sein, sterben Sie dann auch. Der Unterschied besteht darin, dass das Individuum stirbt, während Iswara, die gesamte Manifestation, nicht stirbt; sie hat nicht die Begrenzungen wie das Individuum.

Ich erfahre diese manifestierte Welt, aber zuvor erfahre ich „Bindu“, den Punkt. Wenn ich dieses Bindu bin, ist alles andere, also auch die Welt, auch da. Das Bindu und die Welt sind nicht zwei. „Bin“ bedeutet „ohne“ und „du“ bedeutet „zwei“; d.h. also: keine Dualität. Bindu – den Punkt der „Ich bin-heit“, den erfahre ich. Worin besteht er? Er ist die eigentliche Erfahrung der fünf Elemente und der drei gunas, also des gesamten Universums. Nur darin besteht meine intime Beziehung mit diesem „Ich bin“ - nur mit Bindu.

Sie gehen auf Pilgerschaft, damit Ihnen als einem Individuum Gutes geschehen möge. Aber Sie sind kein Individuum – Sie sind die mani- festierte Welt. Dieses „Sie sind“ bedeutet die gesamte Welt; welcher Manifestation Sie sich auch immer erfreuen, die ist universal. Diese Erkenntnis ist für die Wenigen gedacht, aber anstelle dieser Manifes- tation („Sie sind“) ziehen Sie die Individualität vor.

Was immer in der manifestierten Welt wahrgenommen wird, ist Ihr eigenes Selbst. Der Beobachter ist „Ich bin“; es ist ein Behältnis der fünf Elemente und der gunas. Das gesamte Universum befindet sich aufgrund der drei gunas in Bewegung. Das Spiel der gesamten Welt basiert auf den fünf Elementen und den drei gunas. Das gesamte Uni- versum befindet sich in voller spielerischer Tätigkeit; es ist wie Uri- nieren. Sie selber sind der Tropfen, so lange Sie sich selbst für ein In - dividuum halten. Ein Tropfen des Ozeans ist salzig, und dieser salzige Geschmack ist das Wissen „Ich bin“. Nehmen wir an, dass der Tropfen verdunstet – den Ozean kümmert es nicht; da verdunstet nur ein Tropfen auf einem Stein. Ähnlich dazu sind Sie selbst im Spiel der fünf Elemente ein Tropfen; ob Sie überleben oder sterben, berührt den Ozean der Elemente nicht. Jedoch wie kann man diese manifestierte Natur begreifen? Seien Sie der Geschmack, verstehen Sie den Ge- schmack. Millionen Tropfen verdunsten, aber der Ozean ist unge- rührt. Millionen sterben, aber was geht das die fünf Elemente an? Weil Sie sich selbst auf den Körper begrenzen, leiden Sie.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Der Verwirklichte unterhält keine Ideen des Guten für sich selbst, denn selbst wenn die gesamte Welt zerstört würde, geschieht für ihn überhaupt nichts. Der Verwirklichte ist natürlich keine Person mehr. Außer dem Innersten Ihres Selbst existiert nichts anderes – da ist Bindu, aber nichts anderes. Nur Krishna sagte, dass da nichts sonst ist. Sie meditieren unaufhörlich, um samadhi zu erlangen, aber diese Erkenntnis wird nur aus Ihnen selbst emporwachsen. Da ich vor die- sem (Bewusstsein) bin, habe ich von Bindu gesprochen. Was ge- schieht nun dem Bewusstsein, wenn Sie doch vor diesem existieren? Wie finden Sie im Wachzustand etwas heraus, wenn Sie quasi schla- fend sind? Was tun Sie im Tiefschlaf?

Besucher. Ich bin einfach nur.

M.: Genießen Sie dieses „nur sein“?

B.: Nein.

M.: Ihr eigenes Dasein erfreut sich also nicht daran, dass das Sein Tiefschlaf ist. Sind Sie sich im Tiefschlaf Ihrer Männlichkeit oder Weiblichkeit bewusst? Finden Sie heraus, was Sie sind; Sie wissen, dass „Sie sind“. Finden Sie dann also heraus, worin auch immer die Voraussetzungen dafür bestehen und kennen Sie diese. Die subtile Nahrungsessenz ist Dasein; noch subtiler ist die Qualität des Erken- nens. Die Erkenntnis „Sie sind“ ist wie ein Teilchen des Himmels – es ist subtiler als der Raum und kann Raum wahrnehmen.

B.: In welcher Verbindung steht es mit dem Dasein?

Das ganze Dasein wird gestützt und aufrechterhalten durch das Er- kenntnis-Partikel „Ich bin“. Ohne das „Ich bin“ gäbe es kein Dasein. Sie sind wechselseitig bedingt; das eine kann nicht ohne das andere sein. Ich selber bin vor dem „Ich bin“, und bin wahr, ewig und unbeweg- t.Dasein, Welt und Körper sind zeitgebunden; Ihr Dasein dauert nicht ewig; es steigt und fällt wie die Wach- und Schlafzustände miteinan- der abwechseln. Die Gesamtheit der Manifestation strebt, weil es das Dasein gibt, das da ist. Regenwasser besitzt keinerlei Geschmack, aber man kann alles daraus machen, indem man ihm etwas zusetzt und trinkt. Ich geben Ihnen reine Nahrung, aber Sie finden sie geschmack- los; daher verseuchen Sie sie, sie fügen ihr Salz hinzu des Geschmacks wegen.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Jenseits der Konzepte

13. Dezember 1979

Maharaj: Ich gehöre gleichzeitig der Natur von allem und keinem an. Ich habe meinen Stand nicht in der Bewegung, sondern im Ur- sprung. Was auch immer Sie sagen können, kann sich nur in der Be- wegung befinden, im Bewusstsein. Ich habe meinen Stand vor dem Bewusstsein, der Bewegung. Ich mache mir keine Gedanken über Ihre Reaktionen nicht betroffen; das Positive und das Negative hängen von Ihrem Reaktionen ab, aber ich selber bin unberührt davon. Ich verfü- ge über keinerlei Mittel zur Demonstration meiner wahren Natur; meine Worte kommen aus dem Zustand, in dem ich mich befinde. Es ist Ihr Problem, ob Sie diese Worte akzeptieren oder nicht. Ich spre- che, weil Sie gekommen sind.

Besucher: Sie sind der Zerstörer von Körper und Seele.

M.: Ich bin unbetroffen von Reaktionen.

B.: Aber es gibt physiologische Wirkungen.

M.: Ich respektiere sie, bin aber nicht betroffen von Reaktionen. Es geschieht aufgrund Ihrer Haltung – richtig oder falsch, vollständig oder unvollständig -, dass dazu passende Resultate entstehen und die Reaktionen darauf Sie betreffen. Die Worte kommen aus mir, weil Sie hier sind. In Beziehung zu meinen Worten – wer sagt da etwas? Ich bin davon unbetroffen. Ich bin wie Raum. Sie kommen und gehen; ich bin unbewegt, ewig; ich bin nicht in die Tätigkeiten der fünf Elemente eingebunden. Nichts berührt mich; ich bin unbewegt – versuchen Sie das zu verstehen. Das Leiden wird zu dem Ihren, sobald Sie es sich zu eigen machen; es gehört zu den fünf Elementen. Ich selber aber befin- de mich nicht in diesen Bereichen. Im manifestierten Zustand hat das Spiel der fünf Elemente eine Gestalt und eine Richtung; ich selber je- doch besitze keine Gestalt. Wenn ich überhaupt die Elemente umfas- se, dann nur deshalb, weil alles ich selbst bin, während die Richtung und Gestalt der Elemente ihre ist, nicht meine. Rajneesh bietet ver- schiedene Konzepte – ich dagegen kann durch solche Konzepte nicht begriffen werden. Die Konzepte gehören zu Ihnen – ich selbst habe mit der konzeptuellen Welt nichts zu tun. Wenn Sie mich also daher betrachten, sehen Sie keine Person; ich bin das Manifestierte, nicht aber ein Individuum. Falls Sie mir eine Form zuweisen möchten,dann gehört diese allein zu den fünf Elementen und den drei gunas. Die fünf Elemente zersetzen sich, aber ich verschwinde nicht.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Beispielsweise werde ich eingeladen, eine Zeitlang an einem be- stimmten Ort zu verbringen. Das Zimmer, in dem ich wohne, wird dann zu meinem Zimmer, aber gehört es mir deshalb? Alles gehört den fünf Elementen an. Der essenzielle Beitrag der fünf Elemente dazu ist das „Ich bin“. Die fünf Elemente zersetzen sich, das „Ich bin“ geht und eine Person wird dann als tot erklärt. Wohin ich auch immer gehe, um dort zu wohnen – ich kenne immer meinen dauerhaften Wohnort.

Rajneesh erläutert Wissen über Konzepte. Die Leute sprechen dort auf der Grundlage von Konzepten, aber nicht von dem Standpunkt aus, der vor dem Bewusstsein ist. Gegenwärtig ist mein wahrer Zu- stand anders; Sie sind jetzt an meine Form als die fünf Elemente hin- gegeben; sobald Sie verstanden haben, dass dies nur eine Illusion ist, befinden Sie sich ebenfalls dort, wo es kein Kommen und Gehen, kei- ne Bewegung, gibt. So lange Sie sich selbst brauchen, sind Sie wichtig; wenn nicht, dann nicht. Was auch immer Sie wahrnehmen, brauchen Sie nicht; das Prinzip, durch welches „Sie sind“, ist größer als das. Im Wachzustand „sind Sie“ - daher haben Sie Bedürfnisse. Wo sind in der Abwesenheit der „Ich bin-heit“ die Bedürfnisse? Wenn da kein Wissen über das Dasein ist, ist da trotz des Daseins ein Nicht-Sein, und dieser Zustand ist eine Quelle des Friedens. Völlige Entspanntheit bedeutet, sich selbst zu vergessen; dann gibt es kein Leiden. Alle Bedürfnisse steigen aus dem „Sie sind“ hervor; Sie haben ein Verlangen (nach ma- teriellen Objekten), so lange es da das Dasein gibt.

Der Geschmackssinn entsteht aus dem Element Erde, die sinnliche Wahrnehmung aus der Luft und der Klang aus dem Raum, aber das allererste Konzept ist „Ich bin“. Vor allen Klängen noch kennen Sie dieses „Ich bin“ (wie wenn Sie aus dem Tiefschlaf erwachen). An- schließend sagen Sie „Ich bin“, und damit entsteht die Notwendigkeit „zu sein“. Mit dem Verschwinden des vitalen Atems gibt es keinen Klang, keine Sprache, keine Wärme – es ist der Tod, wobei Tod auch ein Konzept ist. Alles wohnt in der Qualität der Nahrungsessenz („Ich bin“); sobald diese verschwindet, ist alles vorbei. Alles ist nur dazu da, das Dasein, das Produkt der Nahrung, aufrechtzuerhalten, aber das ist nicht Ihre wahre Identität.

B.: Worin besteht der Nutzen des Strebens nach der Verwirkli- chung: Wenn man verwirklicht ist

M.: Sie haben den Drang, zur Toilette zu gehen und sie laufen dahin. Ähnlich dazu besteht das Verlangen des Unwissenden in dem Drang,

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Wissen zu erwerben; dahin rennt er dann. Wenn Sie im unwissenden Zustand still bleiben, bleibt das Prinzip still. Weshalb wollen Sie Ihre Wach- und Schlafzustände rechtfertigen? Sie geschehen ganz natür- lich – welche Macht haben Sie schon über sie? Sogar die Identität der „Ich bin-heit“ können Sie nicht ständig bei sich behalten. Im unwis - senden Zustand kommen Sie hierher und sprechen. Bis es eine feste Überzeugung über einen selbst gibt, muss das eine oder andere getan werden.

Dasein

16. Dezember 1979

Besucher: Ist es möglich zu wissen, wie wir mit und ohne Körper sind?

Maharaj: Für einen Jnani ja, denn er kennt die Wirklichkeit und wohnt in der Nondualität. Aber alles, was ist, ist nichts anderes als seine Form. Sogar Gott Rama bedurfte der Hilfe der fünf Elemente, ob- wohl er kein Individuum war. In dieser Form (Maharaj) nun sehen Sie eine Form aufgrund der Begrenzungen der fünf Elemente. Wenn Sie hierher kommen (wo Maharaj ist), werden Sie ans Ende angelangt sein! Sie werden das Universum als ein Ganzes sehen. So lange Ihr Da- sein da ist, gibt es Form; ein Individuum ist da nicht, nur die Elemen- te. Was auch immer aus der Erde entsteht, ist Unwissenheit, und da- her ist alles Unwissenheit.

B.: Diese Erde soll Wissen oder Unwissenheit sein? Was auch im- mer daraus hervorgeht, ist Unwissenheit?

M.: Der Jnani transzendiert das Wissen; alle Formen stammen aus der Erde und kehren zur Erde zurück. Wie sie (die Jnanis) ohne Form sind, wissen nur sie selbst und niemand sonst.

B.: Was ist OM (AUM)? Ist AUM Maya?

M.: AUM und Dasein sind dasselbe – was auch immer erscheint, Sie geben ihm lediglich einen Namen. Meine innere Wirklichkeit ist still – Feuer ist Flamme, aber still. So lange es die individuelle Persönlich- keit gibt, erfahren Sie Schmerz und Freude; ist das Individuum fort, ist das alles vorbei. In diesem Körper hier wird das Feuer nicht gese- hen – es gibt da eine Flamme, aber sie ist unsichtbar. Aus Ihrem Be- wusstsein heraus entstehen Raum, Luft und Feuer. Sobald Sie die

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Wahrheit kennen, spielt es keine Rolle mehr, ob Maya existiert oder nicht. Die intellektuellen Menschen werden mich nie zu hundert Pro- zent kennenlernen, während aber ein einfacher und unkomplizierter Mensch es wird. Schon mit nur wenig Intellektualität ist es schwierig, während einfache, unkomplizierte Menschen es leicht meditieren können.

B.: Gibt es Erkenntnis in den Worten?

M.: Das Eine, welches das Ewige ist, verwendet Worte, um zu spre- chen. Sobald ich weiß, was ich bin und was ich nicht bin, muss ich mich nicht mehr um andere Dinge kümmern. Ich bin das Ewige ohne ein Ende, ohne einen Anfang.

B.: Der einfache Mensch hat das Wissen, zu wissen, was er nicht ist; damit ist auch nichts weiter sonst nötig.

M.: Man muss sich selbst als das anschauen, was man ist; sich um andere zu kümmern ist nicht nötig. Wenn jemand beispielsweise sagt, dass Sie dies oder das seien, erforschen Sie und finden heraus, dass Sie größer als das sind, dass Sie das Ewige Prinzip sind. Sämtliche Worte sind nur heiße Luft! Letztlich ist es das Sattva, das geboren wird. Der ganze Rest, die ganze Wesenheit ist nichts als nur Namen; Vater, Mutter usw., was nur eine durch das Dasein gegebene Auswei- tung der Existenz ist. Tiere, Pflanzen und der ganze Rest: Nichts als Sattva; geborenes Bewusstsein. „Gebärmutter“ ist gleichbedeutend mit „verborgen liegend“; „Hiranya Garbha“ (die goldene Gebärmutter) bedeutet verborgen liegend wie Feuer inmitten der Gebärmutter der Erde. Die Nahrungshülle ist vital und so ist auch der Atem. Was ist es, wohinter ihr alle her seid? Hinter nichts, denn alles ist nichts als Sumpf der Konzepte. Das „Ich bin“ ist objektiv; es ist das „Ich bin“, welches forscht, und es ist das „Ich bin“, welches sich selbst freimacht und in der Ewigkeit verankert. Das Retortenbaby wurde aus den Säf- ten des Menschenwesens erzeugt; könnten sie eins aus Pflanzen er- zeugen? Nehmen Sie eine Fackel und es wird Licht geben; wie könn- ten Sie das Licht überholen? „Nah“ und „fern“ sind Eigenschaften von was?

B.: Im Zucker ist Süße. In was ist Dasein? Was enthält es? Was ist die Ursache des Daseins?

M.: Der Nahrungskörper ist die Ursache des Daseins, wie die Süße des Sirups aus dem Zucker stammt. Der Körper besteht aus den Ele- menten; die Quintessenz bzw. die Qualität (guna) ist das „Ich bin“. Sie

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

sorgen mit der Hilfe von Wasser und Nahrung für die Fortexistenz des Nahrungskörpers bzw. der „Ich bin-heit“. Hören Sie zu, was ich sage.

B.: Die „Ich bin-heit“ erscheint als erstes?

M.: Aus dem Bewusstsein heraus entstehen die fünf Elemente, die drei gunas und die Welt. Dasein ist gleichbedeutend mit dem Kosmos, dem Universum. Wer sind sie vor der Geburt und nach dem Tod? Sie befinden sich in diesem Bewusstsein, in den Schichten des Kosmos.

Verehre “Ich bin”

17. Dezember 1979

Maharaj: Ich habe mich selbst vom Nahrungskörper getrennt. Blu- men bestehen aus verschiedenen Farben, bestehen aber alle densel- ben fünf Elementen. Weshalb sollte ich mich um Unterschiede sorgen? Aus denselben fünf Elementen entstehen all die Formen mit ihren unterschiedlichen zeitlichen Begrenzungen, und über diese zeitliche Begrenzung hat niemand irgendeine Kontrolle. Verschiedene Formen wie auch das Denken daran ergeben verschiedene Tätigkei- ten.

Ihr alle habt einen Hang nach der Wahrheit; er ist aus eurer Indivi- dualität hervorgegangen, und daher seid ihr hinter ihr her.

Besucher: Maharaj hat Ishwara verehrt.

M.: Was ist Ishwara? Mein Guru erklärte mir, dass derjenige, der zu- hört, Ishwara selbst ist. Das „Ich bin“ ist Ishwara; da sind verschiede- ne Namen, die man diesem „Ich bin“ gibt, aber dieses „Ich bin“ ist nicht Ihr Körper. Ihr Wissen von „Ich bin“ enthält das gesamte Univer- sum. Für den Moment ist dies für Sie schwer zu verstehen, also blei- ben Sie so lange bei der Verehrung. Das Dasein enthält alles; verehren Sie es und alle ihre Bedürfnisse werden erfüllt werden. Schließlich wird auch die Erkenntnis Ihnen gehören (Anmerkung: Maharaj be- trachtete die Verehrung als dem unwissenden Zustand zugehörig; sein Zustand ist anders. Gegenwärtig sieht er Sie als sich selbst, er enthält alles. Individualität gibt es nicht länger; was auch immer Sie sehen, ist er und Sie sind in ihm enthalten. Er ist keine individuelle Form, er ist allesdurchdringend. In ihm gibt es keinerlei Beteiligung, wenn er die bhajans macht. Sein Guru bat ihn darum, die bhajans zu machen; also singt er sie).

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Sämtliche Formen besitzen die fünf Elemente, und Wasser befindet sich in allen Formen. Die Unwissenheit ist die Ihrige und nicht die meine, weil Sie glauben, ein Individuum zu sein. Da es für mich keine Geburt, keinen Tod; Schöpfung, Zerstörung und Leiden gehen weiter.

(Anmerkung: Maharaj ist allesdurchdringend; er ist die Totalität, und das ist sein Nisarga [Natur]. Die fünf Elemente, die drei gunas, Purusha und Prakriti fahren fort, die Natur zu gestalten. Darin tau- chen alle Formen auf und vermischen sich wieder damit; auch Bud- dha vermischte sich mit der Natur. Es gibt kein Individuum und keine Manifestation ohne die Elemente und ohne den Purusha und Prakriti, die männlichen und weiblichen Aspekte. Sie denken in Begriffen von männlich und weiblich, aber für Maharaj besitzen Purusha und Pra- kriti keine Form.)

Aufgrund Ihres Körper-Verstandes können Sie Purusha und Prakri- ti nicht verstehen. Es ist wegen ihrer Aktivität, dass die Schöpfung weitergeht; in Wahrheit gibt es weder Mann noch Frau. Es gibt Stahl und die vielen Produkte, die aus ihm gemacht werden; es hängt davon ab, welchen Gebrauch wir davon machen. Bewusstsein ist dasselbe in allen Formen, aber das Verhalten der einzelnen ist unterschiedlich, was zum Zeitpunkt der Geburt festgelegt wird. Die Unterschiede dau- ern so lange an, wie es die Form gibt.

Formen vergehen, aber in meiner Erfahrung gibt es keine Unter- schiede. Es gibt keinen Unterschied zwischen der Qualität des gebore- nen und ungeborenen Kindes; darin bestehen die guten Nachrichten der Erleuchtung. Geboren oder ungeboren – der Unterschied besteht lediglich darin, dass es Geburt oder keine Geburt gab; in Wirklichkeit gibt es keinen Unterschied. Das Geborene verschwindet und wird wieder identisch mit dem Ungeborenen. Der Unterschied ist tempo- rär; mein Körper ist ähnlich dem ungeborenen, und daher bin ich glücklich. Diese Existenz ist nur momentan – weshalb sie wichtig neh- men? Wir glauben, dass wir es mit einem langen Zeitraum zu tun ha- ben, aber sie ist nur momentan wie ein Traum. Ein fünfminütiger Traum, in dem hundert Daseinsjahre enthalten sind. Ein Film erzählt ein ganzes Dasein, aber es ist die Geschichte des Regisseurs – ist sie real? Das Dasein ist genauso.

Alle Wesen, die Welt und Brahman sind das Ergebnis Ihres Daseins. Es ist schwer zu glauben, aber glauben Sie es nur. Nur Krishna hat die- se Erkenntnis – alles ist mein und ich bin alles – dargelegt. Wenn ich zu Ihnen spreche, Joseph, dann gebe ich Ihnen Informationen über Sie

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

selbst. Vielleicht denken Sie, dass ich über jemand anderes spreche. Mein Guru sagte, ich spreche über Sie, und so kam es, dass ich zur Er- kenntnis kam. Joseph, Sie besitzen diese Erkenntnis. Würden Sie vor dem Tod mit Überzeugung sagen können, dass sämtliche Wesen, die Welt und Brahman ich sind? Können Sie dies mit Überzeugung sagen? Diese Welt ist ein Traum, aber sie ist ich. Welche Information ich auch immer vernehme – sie handelt von mir selbst. Wer vermag dies mit Überzeugung zu sagen? Es ist sehr selten, dass man irgendwo von ei- ner solchen Überzeugung hört.

Wir halten uns selbst für Männer oder Frauen. Es ist ein grober Irr- tum, den wir aufgrund unserer Identifikation mit dem Körper bege- hen. Brahman ist weder Mann noch Frau. Nachdem Sie diese Erkennt- nis durch eigene Erfahrung erlangt haben, werden Sie sich ausdeh- nen, Sie werden allesdurchdringend. Dieser Körper bzw. die Mann- Frau-Erfahrung ist eine Krankheit. Sprechen Sie mit Leuten nicht über andere, sondern halten Sie an sich selbst fest. Seien Sie in der Er- kenntnis verankert; sprechen Sie nicht darüber; haben Sie eine feste Überzeugung. Wenn Sie verstehen und verankert sind, benötigen Sie keine Worte; Worte sind überflüssig. Nur ein sehr Seltener sagt so et- was. Krishna sagte: „Ich sah mich selbst, nicht die Welt; was auch im- mer ich sehe, bin ich selbst.“ Sobald Sie einmal in diesem Wissen ver- ankert sind, können Sie in jedem gewünschten Moment sterben. Der Prophet Mohammed und Christus waren so; auch meine Natur ist wie die ihre. Sie waren so, ihre Natur die meine. Nutzen Sie dieses Wissen, assimilieren Sie es und Sie werden diese Gewohnheit verlieren, ande- re zu kritisieren. Krishna sagte: Wenn du das bist – wer kritisiert dann wen?

Nisarga kennt keine Regeln des Betragens. Die Natur ist so und so, der Tod ist unvermeidlich. Folgen Sie also Ihrem Guru und sterben Sie. Der Guru sagt, dass Sie alles seien; seien Sie es. Welches Wissen ich auch immer von mir gebe, fließt aus mir heraus – ich zitiere nichts. Was immer ich nicht aus direkter Erfahrung kenne, glaube ich nicht. Mein Wissen ist kein Wissen über Brahman oder Iswara. Brah- man und Maya sind meiner Natur angeboren. Immer wenn ich keine Bedürfnisse verspürte, war dieser Zustand für mich völlig vollkom- men. Sobald ich Bedürfnisse verspürte, wuchs das Verlangen und ich war unvollkommen. Der Tod ist unvermeidlich. Weshalb dann also nicht mit dem Verbleiben in den Worten des Gurus: „Ich bin Brah- man.“ sterben? Dieses „ Brahman“ als ein individuelles Bewusstsein ist natürlich völlig unzureichend!

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Es liegt auf Ihrer Handfläche!

18. Dezember 1979

Maharaj: Sie schreien lauthals über Dinge, die Sie selbst nicht zu verändern vermögen. Beobachten Sie, erfreuen Sie sich, aber versu- chen Sie nicht, einen Wandel in der Manifestation, so wie sie ist, her- beizuführen. Der beste Stand besteht darin, wunschlos einfach nur zu sein. Sie sprechen vom Standpunkt des Individuums aus und denken über Fragmente nach; daher stammt das Elend. Können Sie die Natur des Wassers ändern? Als unwissendes Individuum fürchten Sie den Tod und werden von ihm vernichtet. Es gibt keinen Tod, wenn Sie zu der Quelle gehen, aus der Sie gekommen sind. Mit all dem angesam- melten Wissen wollen Sie dies besitzen – daher gibt es das Elend. Was auch immer Sie an Wissen angesammelt haben – lassen Sie gehen und seien Sie einfach nur. Wenn Sie alles aufgeben, werden Ihnen die Leu- te zu Füßen fallen; Sie werden sehen. Vom Moment des Daseins und von Beginn an ist alles einschließlich dessen, was Sie heute sind, spontan.

Diese Verkleidung (ockerfarbene Robe) tragen Sie in Ihre wahren Natur mit sich herum; sie haben nichts damit zu tun. Wenn Sie einen solchen Zustand realisieren, wird alles getan sein. Nehmen Sie nicht teil, beobachten Sie die Ereignisse einfach nur ohne Anstrengung. Raj- neesh, Muktananda und der ganze Rest tun nichts – alles geschieht mühelos. Ich erzähle Ihnen dies vom Standpunkt meines eigenen Ver- stehens aus. Es liegt in der Logik des Spiritualismus, Befriedigung zu geben; die spirituelle Unterscheidung hilft Ihnen dabei, nicht unglück- lich zu sein. Als ein Individuum neigen Sie dazu zu vergleichen und werden daraufhin unglücklich. Das Eine, welches mit seinem Guru eins geworden ist, sorgt sich nicht um Schwierigkeiten.

Welten werden erschaffen und zerstört – wie überlebe und beob- achte ich all dieses? Nur das Eine, welches alles transzendiert, kann diese Unterscheidung haben. Ohne mein Wissen bin ich spontan auf- getaucht; alles passiert spontan. Tun Sie, was Ihnen gefällt, nachdem Sie dies realisiert haben. Sogar wenn Sie in einer Wüste sitzen sollten, wird diese zu einem heiligen Platz.

Mein Guru sagte: „Die Quelle der ganzen Welt liegt auf Ihrer Hand- fläche; hier ist sie; Sie sind nicht dieses Dasein.“ Aufgrund schierer

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

göttlicher Vorsehung oder Glück gelingt es jemandem, dies alles zu verstehen. Dann erfreut sich im Laufe des Prozesses sein eigenes Sein an ihm und versorgt ihn mit all der Erkenntnis.

Diese Krankheit des Daseins ist das Ergebnis des Chaos der fünf Elemente. Ihre eigenen Konzepte machen Sie leiden; es ist die „Ich bin-heit“, die Sie leiden macht. Die Leute nennen mich einen Jnani, schauen Sie einfach nur mal. Der heilige Tukaram sagte: „Schaue alles mit Wertschätzung, Verehrung und ohne Verhaftung an.“ Sie unterhal- ten Konzepte und diese lassen Sie dann innerlich und äußerlich lei- den. Können Sie durch irgendein Mittel Ihre begrenzte, manifeste Na- tur verändern? Die Ramas und Krishnas sind gekommen und gegan- gen, aber die Natur spielt mit sich selbst, ungerührt. Wenn Sie ster- ben, sterben Sie in der Totalität. Sie sind alles – sterben Sie darin. Wie verstehen Sie sich selbst? Es ist besser zu sagen: „Ich habe nicht ver- standen“, als zu sagen: „Ich verstehe alles“.

Eine Wunde

19. Dezember 1979

Maharaj: Können Sie jemals zu Lebzeiten eine Sache zuende brin- gen, all die verschiedenen Studien und spirituelle Praktiken wie japa, tapa usw.? All das ist ohne Nutzen. Nur als ich meinen Guru, der jen- seits des Daseins war, traf, geschah es, dass das Absolute diesen Trick im Bruchteil einer Sekunde fertigbrachte.

Der Nahrungskörper ist die Essenz des Daseins. Ist dieser gegan- gen, ist auch das Dasein gegangen. Sie sind nicht das Dasein. Für den- jenigen, der Überzeugung besitzt, gibt es keinerlei Notwendigkeit für oder Bedürfnis nach Meditation. So lange es da Meditation gibt, geht auch das Dasein weiter. In dem Buch „Ich bin Das“ wurde die Methode aufgezeigt; wäre Maurice Frydman noch am Dasein, würde ich sie darlegen. Jetzt aber wurde das Buch „Ich bin Das“ transzendiert – ge- genwärtig habe ich keine Form und keinen Namen mehr. Halten Sie am Kennen fest, nicht an Worten. Was auch immer Sie sind – seien Sie darin mühelos, absolut ohne jede Anstrengung. Bestätigen Sie für sich das, was Sie gehört haben. Der Zuhörer und das Gehörte sind letztlich nutzlos. Die Essenz der fünf Elemente, die von den drei gunas akti- viert werden, ist das Dasein. Sobald Sie wissen, dass Sie nicht das Da- sein sind, lassen Sie das Dasein sein – sie sind unberührt davon. Alle

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Gespräche drehen sich nur um das Dasein; es ist das Dasein, das all dieses Sprechen besorgt, nicht Sie.

Nehmen Sie das Beispiel einer Bananenpflanze: Sie wird gepflanzt, sie wächst, trägt Früchte, wird kraftlos und stirbt, obgleich es da noch einige Samen der Pflanze gibt. Nachdem man 40 oder 45 Jahre alt ge- worden ist, nehmen die Kräfte ab, die Stärke schwindet und schließ- lich gibt es den Tod. Wie die Pflanze kennen wir Geburt, Kraft und dann das Vergehen. Was ist es nun, das die Gespräche abhält? Es ist dieses Geburts-Prinzip - „Ich bin“, das Dasein (die zeugende Wurzel). Zum Schluss verschwindet auch dieses zeugende Bewusstseinsprin- zip. Essen Sie so viel Sie wollen – dieses zeugende Bewusstseinsprin - zip wird schwächer, der Körper wird schwächer. Ein toter Körper ist schwer; diese kleine Berührung (Bewusstsein) hat ihn verlassen; mit dieser Berührung bewegt er sich. Das zeugende Prinzip wird dann wiedergeboren, aber wessen Geburt ist es? Es gibt so viele Geburten und so viele Formen; alles ist das Spiel des Daseins, die primäre Illusi- on, Humus-Maya.

Alle Gespräche betreffen meinen Tod, den ich gerade erfahre. Eine tote Person wird verbrannt; weshalb noch an sie denken? Weshalb nach dem Anhören meiner Gespräche noch darüber nachdenken, denn schließlich werden wir alle fortgeschafft.

Besucher: Es ist schwer, Überzeugung zu erlangen.

M.: Meditieren Sie. Dasein ist die Essenz; Sie sind diese nicht. Wes- halb nach Überzeugungen streben? Tot bedeutet tot – sobald einmal die „Ich bin der Körper“-Überzeugung verschwunden ist, erinnern Sie sich dann etwa wieder daran, dass Sie „nicht der Körper“ sind? Lassen Sie den Körper schreiben, schimpfen oder sterben. Die Intellektualität bzw. die Konzeptualisierung ist sehr stark, sie hält uns in einem eiser- nen Griff, darin besteht das Problem. Ich habe dies erkannt; sie hat daher keine Kontrolle mehr über mich. Dieses Gespräch sollte für Sie wie eine Wunde sein, ein andauernder Schmerz; denken Sie darüber nach.

Nisargadatta

20. Dezember 1979

Nisarga bedeutet natürlich, Natur, keine Geburt und kein Tod, einfa- ches Dasein. In diesem Universum werden die Wesen geboren und kehren zur Natur zurück, sie gehen nirgendwo hin. Sattva, Raja und

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Tamas (die drei gunas) sind die Glieder der Natur; die fünf Elemente und die drei gunas sind der Natur innewohnend. Dieser Körper (deha) ist in der Natur geboren und nur Natur und nichts anderes; er ist ohne Identität.

Die Welt entsteht aus Schmutz; die natürlichen physischen Emana- tionen verwandeln sich in herrliche, menschliche Formen. Ich unter- zeichne mit NISARGADATTA – nichts als Natur; Natur selbst. Jeder Stand hat seine Grenzen, aber ich befinde mich jenseits davon; da ist nur Natur, ungeheure Natur, keine Gestalt oder Form und keine Gren- zen. Wenn Sie Nisargadatta sein möchten, tun Sie nur das Eine, näm- lich seien Sie im Zustand der Harmonie, der Bewusstsein ist; ein Sein in totaler Harmonie; alle Rätsel werden so gelöst. Nachdem einer die- ses Zustand akzeptiert hat (die Erkenntnis seines eigenen, einfachen Seins), können viele Dinge passieren. Manche erlangen langes Dasein, andere erhalten Einblicke in das, was man normalerweise Himmel nennt. Dieser Zustand (Dasein) erzeugt aus sich selbst heraus Him- mel. Das Dasein ist die Ursache und der Gott aller Manifestation – Vishnu, Ishwara. Wenn dieser Nahrungskörper verschwindet, ver- schwindet auch dieses Dasein. In der Natur (Nisargadatta) gibt es Mil- lionen von Jahren und Dasein; was ist mit ihnen geschehen? Was tun sie? Reinkarnation und der ganze Rest sind nur Konzepte, um sich die Zeit zu vertreiben.

Es gibt Millionen von Fischen – können Sie für diese kundalini ha- ben? Aufgrund von Identifikation haben wir Schwierigkeiten erschaf- fen. Fische habe keine Schwierigkeiten, da sie keine Identität haben; die Konzepte sind nur dafür gut, sich die Zeit zu vertreiben. Jeder will, wenn er lebt, Dinge haben. Wir wollen dies und das tun. Nach dem Tod, wenn der Atem aufgehört hat, wenn das Bewusstsein fort ist – was ist von einem selbst übrig geblieben? Die Natur kennt kein Ende von etwas, keinen Anfang. Alle Konzepte sind nur Augenblicke im Be- wusstsein. Man betrachtet sich selbst als ein Individuum und leidet dann daran.

Worin besteht der Prozess der Meditation? Ich und das Universum sind eins; dieses Konzept ist dasselbe wie Verstand und Atem; kein Atem – kein Verstand. Kann ich dann noch sagen, dass ich etwas will? Sagen Sie mir daher, was genau Sie in der Meditation tun.

Besucher: Nichts zu erwarten oder zu versuchen, eins mit Ramana zu sein. Worin besteht die Wirkung der Meditation?

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

M.: Was haben Sie nach dem Lesen von Büchern selber für sich selbst und über sich selbst herausgefunden? Sie können alles mögli- che tun; was Sie im Moment sind, ist Bewusstsein; das „Ich bin“ ist Ihr einziges Kapital. Ich hatte vorhin Milch getrunken. Wegen der in der Milch enthaltenen Kraft sitze ich nun hier und rede; die Milch hält das Dasein aufrecht. Hänge ich daher nicht von der Essenz der Nahrung ab? Wenn Wissen nicht von der Nahrung gefüttert wird, verschwindet der Atem und das Bewusstsein verschwindet ebenfalls. Wenn die Ver- sorgungsleitung gekappt wird – wer sind „Sie“ dann? Wie flüchtig ist Dasein? Gleichzeitig ist das Dasein der Gott des Universums. Seien Sie daher die ganze Zeit über mit dem Herrn der Manifestation und alle ihre Probleme und Fragen werden geklärt. Machen Sie sich dieses Wissen, nämlich das „Ich bin“ Wahrnehmung möglich macht, zu eigen. Was auch immer Sie tun wollen, tun Sie einfach nur das, und Sie wer- den alles haben. Im Wissen „Ich bin“ ist das gesamte Universum ent- halten. Das Bewusstsein ist der Gott der Manifestation. Es ist nur auf- grund des Körpers, dass wir dieses Bewusstsein als ein körperliches Prinzip betrachten.

Dieser mein Körper ist tot; selber werde ich niemals den Tod ken- nen oder wissen, das ich einmal war. All dieses Wissen bietet großar- tige Möglichkeiten, aber sobald es einmal erworben ist, wird es nutz- los. Akzeptieren Sie das; seien Sie mit Ihrem Dasein. Es gibt keinen Grund, etwas aufzugeben; fahren Sie einfach nur mit ihren Tätigkeiten fort, aber behalten Sie dieses (das Dasein) beständig in Ihrem Geist. Eine Mädchen wird älter, heiratet und gibt ihre alten Freundschaften auf, aber all dies geschieht, wenn es älter wird. Sie ist das Resultat ih- rer Eltern; ist dualitäts(dvaita)-geboren; ist ein „Ich bin“ auf der Su- che nach einem Gemahl; Dualität (dvaita) also. Was auch immer Sie genießen, wird Sie nicht befriedigen, so lange es da das Dasein gibt. Worin besteht der Kern des Ganzen? Wie lange brauchen Sie den An- deren? Wir stimmen in einer Sache überein, nämlich dass das Dasein, das Produkt der Dualität, göttlich ist (insofern, als es zur Nondualität – Advaita – zurückführt). Seien Sie an sich selbst hingegeben; „Ich bin Das“ (Atman); seien Sie eins mit Ihrem Dasein – nur dann kann Er- kenntnis gedeihen. Der Mann und die Frau vereinigen sich für einige Momente und alle Leiden beginnen – weshalb? Nur um ihr Dasein aufrechtzuerhalten. Die Materie (das Sperma) ist winzig, aber das Problem riesig; nur ein Tropfen des Samens erzeugt die Wurzel allen Übels.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

B.: Meinen Sie nicht, Maharaj, dass aus unserem Treffen etwas Gu- tes herauskommen sollte?

M.: Verwirklichung hat keine Farbe, keine Gestalt; Ihre wahre Iden- tität hat keine Farbe, keine Gestalt. Dieses Prinzip wird vom Verstand nicht verstanden. Aufgrund der fünf Elemente leidet die Schöpfung. Ohne die Einverleibung der Nahrung existiert die Möglichkeit nicht, „Ich bin“ zu sagen; aus der Essenz der Erde heraus sprießt die Vegeta- tion, und aus diesem heraus sprießt das „Ich bin“. Realisieren Sie dies ohne Ihr Augenlicht und ohne den Intellekt. Dieses Prinzip weint, lacht und genießt gern, aber Sie sind nicht das – erkennen Sie dies einfach nur. Werden Sie eins mit dem „Ich bin“ - dann können Sie es transzendieren, dann ist „Ich bin das Absolute“ nicht das „Ich bin“.

Betrachten Sie es (“Ich bin”) als Schicksal

22. Dezember 1979

Maharaj: Das „Ich bin“ führt Sie von der Realität weg. Um erkennen zu können, dürfen Sie den Körper nicht für sich selbst halten – kein Körper, kein Name. Versuchen Sie einfach nur zu sein – das ist Ihre wahres Selbst. Wenn Sie in diesem Moment einmal sich selbst nicht als Körper und Name betrachten – können Sie sich dann noch be- schreiben? Dieser Körper ist aufgrund der fünf Elemente da. Es sind die Worte, die strömen, und Sie sagen dann: „mein Verstand“. Dieser Körper und der Verstand sind nicht Sie; das ist aufgrund der fünf Ele- mente, der drei gunas und Purusha und Prakriti. Zusammen sind es zehn, und mit dem Auftauchen dieser Zehn entsteht auch Ihr Dasein, das Wissen, dass „Sie sind“, aber sie sind nicht diese Zehn. Die fünf Elemente machen den Körper aus, während die drei gunas die Aktivi- tät ermöglichen. Wenn Sie wissen, dass sie existieren und von ihnen getrennt sind, verlieren Sie Körper und Verstand.

Besucher: Wenn da kein Körper und Verstand mehr ist, ist man dann alles?

M.: Sich selbst für die „Ich bin-heit“ (als individuelles Wesen) zu halten bedeutet Elend; ist dies dann fort, sind Sie allesdurchdringend und nicht auf den Körper beschränkt.

B.: Ist keine Mühe nötig, um dies zu verstehen?

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

M.: Keine Mühe. Jedoch können Sie aufgrund Ihrer Neigungen nicht ohne Bemühung sein. Wo ist Bemühung erforderlich? Sie wissen, dass „Sie sind“. Sie nehmen Nahrung zur Erhaltung des Körpers und seiner Aktivitäten zu sich und gelangen daher zu dem Wissen, dass „ich bin“ das Elend ist. Der Ernährungszyklus geht jedoch immer weiter und damit unbewusst auch seine Wirkung, auch wenn Sie dies vielleicht nicht wollen. Dieses Dasein ist aufgrund der fünf Elemente da – Sie haben darüber keine Kontrolle, obwohl Sie Nahrung zu sich nehmen, um „zu sein“. Das Dasein entsteht spontan und geht auch spontan. Sie schützen es jedoch und daher fährt es fort zu sein. Wie ist dieses Da- sein aufgetaucht? Dies hier ist unbewusst aufgetaucht – haben Sie etwa irgendeine Anstrengung dazu unternommen? Was sind Sie dem- nach? Wegen der fünf Elemente wissen Sie, dass „Sie sind“; ohne sie sind Sie nicht. Was sind Sie also? Nehmen Sie sich für den Moment für das Dasein; trennen Sie es nicht von der Welt. Sie, das Dasein und die Welt sind eins, aber Sie sind nicht der Körper – Sie sind da aufgrund Ihres Daseins (sattva). Wenn dieses geht, geht die Welt.

B.: Habe ich die Welt erschaffen?

M.: Ja, so unbewusst, wie Sie sie erschaffen haben, so unbewusst und mühelos wird sie gehen; beides ist simultan – mit dem Dasein gibt es auch die Welt. Dieses Dasein selbst ist der „Bhagvan“, der Gott. Weshalb wollen Sie sich bemühen? Weshalb? Es ist wegen Maya, der primären Illusion. Ihre Liebe für sich selbst ist Maya und folglich sind es auch alle Aktivitäten. Die Tätigkeiten finden nur deshalb statt, weil Sie wissen, dass „Sie sind“ - das ist in sich selbst Maya, Selbstliebe.

B.: Was ist der Unterschied zwischen den Aktivitäten eines unwis- senden Menschen und denen des Weisen?

M.: Im Falle des Unwissenden ist der motivierende Faktor die Selbstliebe, während es im Falle des Jnani in Abwesenheit der Selbst- liebe, von Maya oder der Wahrnehmung des „Ich bin“ keine Welt gibt. Der Jnani, der die Realität kennt, sieht die Welt als eine zwecklose Il- lusion, das ist alles. Für einen Jnani hat Wissen keine Form und kei- nen Namen, während der Unwissende sich selbst als real betrachtet. Es ist wegen Ihres Wissens, dass sämtliche Aktivitäten und alles Lei- den geschehen. Alles Leiden entsteht aus der Selbstliebe. Sie lieben sich selbst – machen Sie daher Hatha Yoga.

B.: Leidet ein Jnani?

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

M.: Ein Jnani hat weder Name noch Form – wer sollte derjenige sein, der leidet? Selbstliebe ist spontan; Sie können sie nicht kontrol- lieren, und doch tun Sie alles für sie. Wie sind Sie in diese Welt ge- kommen? Es geschah aufgrund der Selbstliebe, sie können Sie nicht vermeiden. Sie glauben vielleicht der Täter zu sein, aber Sie sind es nicht.

B.: In Wahrheit leide ich nicht. Leide ich dann also, weil es nur den- ke?

M.: Ja, Sie leiden nicht, Sie denken es nur. So lange es da die primäre Illusion gibt, die Selbstliebe bzw. Maya, können Sie sie nicht vermei- den. Schmerzen und Vergnügen gibt es aufgrund des Daseins. Haben Sie sie, wenn dieses fort ist? Alle Erfahrung ist da aufgrund des Da- seins; es tut, was immer ihm beliebt zu tun; es kommt und geht spon- tan.

B.: Es gibt keine Kontrolle über das Leiden?

M.: Nein, so lange Sie sich selbst für den Körper halten.

B.: Aber ich habe keine Kontrolle über ihn.

M.: Wenn Sie wissen, dass Sie nicht der Körper sind, werden Sie nicht mehr leiden.

B.: Ich werde nicht mehr leiden, aber werden die Tätigkeiten wei- tergehen?

M.: Die Tätigkeiten sind nicht die Ihren, sondern die der fünf Ele- mente. Sogar die Manifestation des „Sie sind“ entsteht aufgrund des- sen.

B.: Auch Unwissenheit ist eine Ursache der fünf Elemente – welche Kontrolle habe ich dann also? Wie werde ich die Unwissenheit los?

M.: Versuchen Sie sie nicht loszuwerden – verstehen Sie sie, und sie wird gehen. Alles wird spontan sein, sobald Sie den Drang haben, mit sich selbst zu sein. Sogar der Drang, die Unwissenheit zu verstehen, sollte spontan entstehen. Auch der Drang, hierher zu kommen, ist spontan, obwohl Sie denken, Sie seien aus eigenen Antrieb hierher ge- kommen. Sie werden spontan verstehen, dass Sie das Absolute sind – daran besteht kein Zweifel.

B.: All dies ist Unwissenheit und alles ist spontan. Aber um dies zu verstehen, ist doch gewiss Anstrengung erforderlich?

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

M.: Der Drang, hierher zu kommen, ist spontan. Es hat sie hierher gezogen, obwohl Sie vielleicht denken, Sie hätten es selber getan. Was ist hier also passiert? Alle diese Gespräche klingeln in Ihnen; daher sagen Sie: „Ich habe verstanden“.

B.: Muss ich nicht Anstrengungen unternehmen, um die Unwissen- heit loszuwerden?

M.: Jedenfalls haben Sie das „Sie sind“ - Sie sind nicht, wofür Sie sich selbst halten, Sie sind alldurchdringend.

B.: Ich muss doch eine Rolle darin spielen. Worin besteht sie?

M.: Nur darin, davon überzeugt zu sein, dass Sie nichts tun können, wobei Ihre Natur so ist, dass Sie zwar keine Wahl haben, aber mit den Tätigkeiten fortfahren werden.

B.: Besitzen Weise Dasein?

M.: Nein.

B.: Was können sie dann für andere tun, wenn sie nicht wissen, dass sie da sind?

M.: Können „Sie“ irgendetwas tun?

B.: So ist also das Dasein mein Leiden.

M.: Ja. Verehren Sie das Dasein, welches nichts als Leiden ist. Vereh- ren Sie das Elend und es wird weniger und weniger werden. Es wird Ihnen auch dabei helfen, das Elend loszuwerden. Dieses „Ich bin“ ist selbst ein Elend. Machen Sie daraus, was Sie wollen. Wenn Sie möch- ten, können Sie es als Prarabhda (Schicksal) betrachten.

B.: Kennt Maharaj das Empfinden von „ich liebe“?

M.: Ich brauche es nicht. Liebe ist allesdurchdringend, die ganze Welt ist Ausdruck von „ich liebe“ („Ich bin“), aber wer ist derjenige, der liebt? Es ist die Liebe selbst. Weil es kein „ich“ gibt, gibt es auch kein „ich liebe“. Derjenige, der noch eine Persönlichkeit hat, kann fest- gehalten werden, aber ich bin allesdurchdringend – wie könnte man mich festhalten? Diese Einheit, die geboren wurde, muss auf Wissen bestehen – andernfalls können Sie sie nicht haben. Sie stellen Fragen, aber was immer ich weiß, wissen Sie ebenfalls. Seit wann ist das Da- sein da? Haben Sie mal darauf geachtet? Die Leute suchen nach die- sem Wissen, gehen aber nicht zur Quelle, von der aus es begonnen

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

hat. Sie sollten dahin gehen und schauen, wie es passiert ist – gehen Sie zum Anfang, um das Ende zu verstehen. Was wäre ein Beispiel Ih- res Wissens?

B.: Das Wissen über die Welt.

M.: Meine Erfahrung ist so, als stünde mein Körper in Flammen. Es geht ihm nicht gut; daher der Doktor. Der Doktor will verstehen, aber was? Ist es etwa besser, zu erfahren, wie es vor sich geht? Ist es eine Qualität? Ist es wegen der Selbsterkenntnis? Sie können sagen was Sie möchten, aber ich fühle immer noch keinen Schmerz. Ich habe nicht genügend Kraft, um mich aufzusetzen, aber wenn ich mich aufsetze, rede ich; ich habe keinen Wunsch nach irgendetwas. Nur Krishna sag- te: „Ich bin alles“; mein Dasein meint alles. Krishna sagte, was du siehst, bin ich selbst; verehre das, weil alles meine Form ist.

Yogis, die ein langes Dasein anstrebten, litten aufgrund von Kon- zepten. Was konnten sie schon gegen Erschaffung und Zerstörung tun? Alle Aktivitäten geschehen aufgrund der fünf Elemente; welche Kontrolle könnte man über sie ausüben? Einige meinen, dass sie in der nächsten Geburt zurückkehren werden. Ich sage so etwas nicht. Was auch immer Sie sehen, bin ich selbst. Ich bin immer da. Das Da- sein ist da aufgrund des Spiels der fünf Elemente; Dasein ist selbst ein Elend. Im Reich des Bewusstseins gibt es keine Regeln – die Armen werden reich und die Reichen arm; man kann nichts machen.

Der Verstand kann Sie nicht erklären

24. Dezember 1979

Maharaj: Der Eine, der weiß (keine Eigenschaften besitzt), ist Pa- rabhrahman.

Besucher: Erscheint ein Licht, wenn man Brahman kennt?

M.: Vor dem Erblicken eines Lichts sind Sie da.

B.: Worin besteht die Qualität der gunas? Sind sie sattva – Bezeu- gen, rajas – Aktivität, tamas – ich habe die Aktivität ausgeübt?

M.: Alles sind Namen für sattva, weil Sie aufgrund ihrer sind. Sattva ist das „Ich bin“, rajas die Neigung zu Tätigkeit oder Arbeit und tamas, wenn man sich sagt „ich habe dies getan“. Alle drei besitzen keine

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Form, sie sind formlos. Die ganze Zeit über haben Sie sich selbst als das eine oder andere angesehen, aber dies dauert nicht an, Name und Form gehen irgendwann. Sie sind das Wesen, welches den Körper ver- lassen wird; Sie sind nicht der Körper, wofür auch immer Sie sich selbst halten mögen.

B.: Das „Ich bin“ ist zeitgebunden, während das, was wir wirklich sind, ewig ist.

M.: Ihr Dasein ist die Flamme – kein Gas, keine Flamme. Das Wissen um das „Ich bin“ ist da wegen der Nahrung; „ich bin so oder anders“ (im Aussehen usw.). Nichts bleibt bei Ihnen, sogar Ihre Erinnerung wird ausfallen. Was sind Sie dann? Als was auch immer Sie sich ge- genwärtig ansehen, Sie sind dies nicht. Wenn man sich für etwas hält, erwartet man sich davon dauerhaftes Glück, wie etwa ein junger Mann zu sein usw. Versuchen Sie es festzuhalten – es geht nicht! Das Dasein ist das Ergebnis von sattva, aber wenn Sie älter geworden sind, verschwindet auch sattva.

B.: Das „Ich bin“ ist zeitgebunden, es erschafft die Zeit. Gibt es einen Unterschied zwischen der chronologischen und der psychologischen Zeit?

M.: Das „Ich bin“ bzw. das Dasein ist gleichzusetzen mit der Zeit, der Sonne; sie sind eins. Das Dasein ist die Sonne des Wissens – es ist selbst Zeit oder Sonne.

B.: Die chronologische und die psychologische Zeit („Ich bin“) sind also eins?

M.: Es gibt keinen Unterschied. Sie haben Erinnerungen an den Körper – ich nicht. „Ich bin der Körper“ - darin besteht Ihre Erinne- rung. Die Körpererinnerung ist der Zuckerguss des Glücks, der sich schließlich als schmerzhaft erweist.

B.: Ist der Unterschied zwischen der chronologischen und der psy- chologischen Zeit, so wie ich ihn sehe, richtig so?

M.: Wenn Sie nicht wären, wo wären dann die Sonne und die aus ihr abgeleitete Zeit? Erkennen Sie, dass dieses gesamte Universum bzw. die Manifestation die Haut und die Zuflucht Ihres Daseins sind, die Haut Ihres Beleuchtetseins. Sämtliche Manifestation ist Ihr Ausdruck; „Sie sind“.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

B.: Die Wahrheit über das, was ist, wird durch vergangene Erinne- rungen verdunkelt.

M.: Was meinen Sie mit „vergangenen Erinnerungen“?

B.: Wenn Sie sind, dann entsteht da die Frage über die Vergangen- heit.

M.: Zwischen Ihnen („Ich bin-heit“) und dem Bewusstsein – welche Beziehung existiert da?

B.: Das „Ich bin“ variiert von Zeit zu Zeit; es gibt angenehme und unangenehme Gefühle usw.

M.: Es gibt keinen Unterschied in den Arten der „Ich bin-heit“. Ich bin jetzt müde und war davor bei guter Gesundheit, aber der gemein- same Faktor ist das Dasein, der sich nicht verändert hat. Alles ist Illu- sion, das „Ich bin“ ist Wissen, aber es ist ebenfalls eine Illusion, sagen Sie, was Sie wollen! Nichts bleibt außer dem Wissen „Sie sind“. Sie glauben, dass die Welt ohne Ihr Dasein existiere. Ihre Welt kam mit Ihrer Ankunft, nicht früher. Wenn Sie nicht mehr sind, ist auch Ihre Welt nicht mehr. Ein Jnani lebt zufrieden in der Ewigkeit. Das Dasein ist der Same der Manifestation. Der Unwissende denkt: Da war diese Welt und ich bin ein Fragment in ihr, aber der Jnani weiß, dass sie eine Schöpfung des Daseins ist. Ihre manifestierte Welt bedeutet: „Sie sind“, und „Sie sind“ bedeutet Ihre manifestierte Welt. Dasein bedeu- tet die Selbsterkenntnis des „Ich bin“ - kein Name, kein Löwe. Die Welt kann nicht vor Ihrem Dasein da sein. Sobald sich ihr eigenes Da- sein manifestiert, gibt es die Welt.

Sie versuchen meine Erklärungen zu interpretieren; Sie assimilie- ren nicht, was ich sage. Setzen Sie sich; Sie haben so viele Neigungen und Vorlieben. Nur selten verbleibt einmal jemand in der Botschaft „Ich bin“ - alle werden vom Verstand fortgetragen.

B.: Darin besteht die menschliche Natur.

M.: Die primäre Botschaft oder vritti (verstandesmäßige Neigung) ist das „Ich bin“; der Strom der Worte ist im Innern, ist Verstand, eine Bewegung im Kopf.

B.: Man lässt sich forttragen.

M.: Halten Sie daran fest, dass der Verstand Sie nicht erklären kann. Was der Verstand sagt, sind nicht Sie. Lassen Sie sich nichts vom Ver-

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

stand vormachen; Sie sind nicht der Verstand. Der Verstand fährt mit Ihnen Schlitten; Sie haben das Empfinden, eine Fahrt zu machen. Ihre Verstandesneigungen wollen sich vergnügen; Sie sagen: Ich möchte Vergnügen.

B.: Funktioniert der dienende Verstand als „Ich bin“?

M.: Worin besteht für Sie die Notwendigkeit des Verstandes?

B.: Um mein Diener zu sein.

M.: Haben Sie im Tiefschlaf den Verstand gebraucht?

B.: Was ist „wach sein“?

M.: „Nicht wach zu sein“ bedeutet wahres Wachen. Gibt es ein wirk- liches und unwirkliches Wachen?

B.: Mit „Wachen“ meine ich Sie, wie Sie sind – als das Absolute.

M.: Bei aller Bemühung welcher Art auch immer – Sie sind. Mit Be - mühung verursachen Sie eine Erregung; das ist der Grund, weshalb Sie nicht Ihr natürliches „Ich bin“ sein können.

B.: Gibt es einen Unterschied zwischen Beobachten und Analysie- ren?

M.: Das Gespräch über mich ist das Gespräch über Sie. Lassen Sie ir- gendeinen Würdigen nach den Sternen greifen – es ist immer zeitge- bunden. Nach den Sternen! Es ist lediglich ein Ablauf der Zeit. Zeit be- deutet Sonne – die Welt ist deswegen da, wegen des Daseins. Die Summe unter dem Strich bedeutet „Sie sind“ - nur Dasein. Wenn das Wissen „Ich bin“ verschwindet, wird auch die Welt ausgelöscht. Ni- vritti – keine Botschaft „Ich bin“ mehr. Von Natur aus ist Ihr Zustand ursprünglich und primär der des Nicht-Daseins, und zufällig gibt es dann da das Dasein. Wenn Sie nicht im Dasein wohnen, dann sind Sie im Körper-Verstand. Gegenwärtig sind alle auftauchenden Ideen Ihr Wissen. Es gibt keine Notwendigkeit, mehr Befähigungen zu erlernen. Lassen Sie das, was da auch immer sein mag, sein; leben Sie einfach nur in diesem Dasein des Daseins. Was immer ich auch zu sagen ha- ben, hat nur mit mir zu tun, nicht mit der Gesellschaft oder den Leu- ten. Dieses Wissen ist für mich selbst. Falls Sie es weitergeben möch- ten, sind Sie eingeladen, es zu tun unter der Voraussetzung, dass Sie es ertragen können. Im Moment hören Sie nur zu, Sie assimilieren es nicht auf einmal. Seien Sie daher einfach nur. Trotz alledem laufen Sie

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

umher und beschäftigen Ihren Verstand mit seinen Anhaftungen. Das Problem besteht darin, dass Sie diesen Hunger des Verstandes er- zeugt haben, Ihren Hunger. Sie behaupten jedenfalls, er sei der Ihre. Verstehen Sie diesen und Ihr Verstand wird Ruhe geben. Der Verstand brennt darauf, neue Länder und Städte zu entdecken, und Sie sind daran gewöhnt, ihm nachzugeben. Aber von heute ab wird das, was der Verstand sagt, mich nicht länger beschäftigen – denken Sie so und machen Sie daraus eine neue Gewohnheit. Der Verstand wird dann still werden, und Sie werden dann bei sich selbst sein wollen. Dann gibt es wieder Gedanken im Verstand und Sie werden wieder sein Garn zu spinnen beginnen; geben Sie ihm dann zu verstehen, dass er gehen soll. Sogar wenn Sie essen, denken Sie an andere; Sie essen vielleicht Delikatessen, merken es aber nicht. Viele sitzen in der Medi- tation, aber dann kommen die Ideen und sie versuchen diese zu be- kämpfen. Es passiert, weil Sie so fest mit dem Körper identifiziert sind.

B.: Was soll ich also tun? Mich selbst daran erinnern, dass ich kei- nen Körper-Verstand habe?

M.: Ist es nötig Sie daran zu erinnern, dass Sie hier sitzen? Machen Sie daraus eine Praktik – entwickeln Sie es nach und nach weiter; kein Körper, kein Verstand.

Herrschaft des Daseins

25. Dezember 1979

Maharaj: Wenn Sie diese Erkenntnis erlangen, müssen Ihre Identi- tät, Kaste, Glaubensbekenntnis und der ganze Rest gehen. Diese Wirk- lichkeit, Ihr Dasein, lässt die Welt entstehen.

Besucher: Kenne, was du nicht bist, und es bleibt übrig, was du kennst.

M.: Was meinen Sie mit „Negation“?

B.: Ich glaube, dass ich mich selbst sehe; ich sehe die Unwahrheit dessen. Negation wird es dadurch, dass man das Falsche als falsch er- kennt.

M.: Sie haben die Worte des Guru verstanden. Verstehen Sie das Da- sein, verstehen Sie, dass die Welt in Ergebnis Ihres Daseins ist. Seien

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Sie durch dieses Verständnis Ishwara; meditieren Sie darüber, Ishwa- ra zu sein.

B.: Worin bestehen die Hilfestellungen?

M.: Ich habe es Ihnen schon gesagt – Sie sind Ishwara. Sie brauchen die Überzeugung, dass „ich Das bin“; eine mentale Entschlossenheit. Mit dem Auftauchen des Wissens um „Ich bin“ erscheinen der Raum und die fünf Elemente, es ist Ihr Dasein, das sie entstehen lässt – erst das Dasein, dann all das andere. Die Spiritualität, die Sie um sich her- um erblicken, ist schlichte Aktivität, bloße Unterhaltung. Spiritualität besteht darin zu wissen, dass das Dasein der Vater der fünf Elemente ist. Die Beziehung zwischen dem Dasein und der Welt ist diejenige zwischen Eltern und Familie. Jemand stirbt mit der Überzeugung, dass die ganze Welt sein Sein sei – was geschieht dann? Die Konzepte von Mann und Frau bleiben, und Sie werden darin sterben. Schließ- lich sind Sie nicht einmal das Dasein. Wenn Sie sich damit identifizie- ren und in darin festigen, sind Sie nicht einmal das. In der Erkenntnis des Jnani (bzw. des Absoluten) ist die Welt nur ein Schauspiel. Der Jnani befindet sich jenseits des Wissens „Ich bin“.

B.: Was auch immer beobachtet wird, ist nicht wirklich; was immer ich denke, bin nicht ich selbst; das „Ich bin“ muss reines Bewusstsein sein.

M.: Mit der Hilfe des Daseins – ein Guckloch – können Sie vom Gras- halm aufwärts bis zu Brahman blicken. Das Dasein aber kann das Ab- solute nicht verstehen, da dieses jenseits von Sein und Nicht-Sein ist. Das Dasein und das Absolute sind nicht Bestandteile derselben Sache als solche, sie sind unberührbar. Achtsamkeit ist der Prozess des Ent- ladens des Behälters und des Neuladens mit Erkenntnis, aber nicht mit Erkenntnis über das Unbekannte (das Absolute). Das Absolute kennt sich selbst nicht. Werden Sie einfach nur alle Konzepte los. All diese Informationen oder Fähigkeiten haben Sie seit Ihrer Kindheit erworben – was ist die Grundlage der Erinnerung? Verstehen Sie das Dasein, aber anstelle dessen lassen Sie sich von Konzepten und Erin- nerungen fesseln.

Sie sind immer nur Das – vor all dem (Konzepte und Erinnerungen) ist das „Ich bin“; wenn Sie weiter zurückgehen, ist da das Absolute. Die meisten Leute aber sterben mit Erinnerungen und Konzepten. Wer versteht schon, dass die Erinnerung heute nicht mehr funktio- niert? Es ist die Erkenntnis des „Ich bin“. Geben Sie sich dem Dasein

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

hin, aus ihm kommen alle diese Bewegungen. Gehen Sie zur Quelle der Bewegung, die das Dasein ist. Hämmern Sie sich selbst ein, dass Ihr eigenes Dasein der Ursprung der gesamten Manifestation ist. Das Dasein hilft Ihnen dabei, in sich selbst zu verbleiben. Das Dasein wie- derum wird vom Höchsten (das Absolute) beobachtet, das keine Sin- ne und keine Augen hat, sondern nur bezeugt, was geschieht. Ich füh- re Sie zu Ihrem eigenen Dasein hin. Die erste Stufe besteht darin, über das Dasein zu meditieren, darin zu verbleiben.

(Anmerkung: Maharajs' Zustand ist der des Bezeugens des Daseins vom Standpunkt des Absoluten aus. Dies ist der Zustand eines, der das Dasein erkannt und transzendiert hat.)

B.: Sollte man sich ständig daran erinnern?

M.: Behalten Sie es einfach nur in Erinnerung. Es ist nutzlos, solan - ge Sie nicht Das sind.

B.: Ich fühle mich verloren in meinen Tätigkeiten, ich brauche die ständige Erinnerung.

M.: Gehen Sie vorwärts (in den Tätigkeiten), um sich zurückzuzie- hen? Wo sollte die Frage des Rückzugs auftauchen, da Sie schon Ihr wahres Selbst sind? Was ist der Nutzen von Nahrung? Sie erhält den Körper. Um sich selbst zu erhalten, benutzen Sie ein Mantra. Was be- deutet das? Wenn Sie dahingehen, werden Sie verstehen, nicht jetzt. In einem fremden Land sagt man Ihnen, dass Bombays Uferzeile ge- krümmt ist – wie verstehen Sie das dann?

Alle hören zu, aber nur wenige praktizieren

26. Dezember 1979

Maharaj: Benutzen Sie das Denken, um das Denken loszuwerden.

Besucher: Soll ich also beiseitetreten und zuschauen, wie sie kom- men und wissen, dass ich nicht sie bin?

M.: Wie ich manchen Leuten, die hierherkommen, sage: „Gehen Sie“, so tun Sie es bei den Gedanken. Manche sind nutzlos. Schicken Sie sie weg und behalten Sie nur die nützlichen. Wenn Sie versehentlich an- gerufen werden, teilen Sie dies dem Anrufer mit und legen auf. Unter- halten Sie auf die gleiche Weise keine unerwünschten Gedanken. Un-

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

terhalten Sie sie nicht, aber achten Sie auf sie. Machen Sie daraus eine Gewohnheit. Weisen Sie unerwünschte Gedanken zurück, indem Sie ihnen ihre Aufmerksamkeit schenken; so wird das dann schließlich ganz natürlich. Seit seiner Kindheit watet der Körper-Verstand in un- erwünschten Gedanken.

B.: Man nimmt gute Gewohnheiten an?

M.: Diese Information geben andere „Jnanis“ nicht – sie erzeugen Verwirrung, indem sie sagen, dass Ihr Verstand dies oder das sei.

B.: Sollte man die negativen Gedanken durch positive ersetzen?

Ja. Nehmen wir an, sie haben den Gedanken: „Ich bin keine Person“. Ersetzen Sie diesen durch „Ich bin formlos“. Wann immer ein Gedanke auftaucht, entsteht im Verstand das Geschwätz.

B.: Ja.

M.: Schicken Sie die Gedanken also weg.

B.: Gedanken implizieren den Körper.

M.: Sagen Sie stattdessen lieber, dass es eine Auswirkung auf sattva hat. Das Beste ist, ohne Gedanken zu sein. Falls dies nicht möglich ist, singen Sie ein Mantra. Es wird sich über die fünf vitalen Winde über- all im Körper verteilen. Ein Sadhu besitzt keine Neigungen oder An- haftungen; seine Individualität hat sich aufgelöst. Glaube an die Worte des Guru ist Glaube an sich selbst, es verändert einen automatisch. Sie können sich mit dem Guru identifizieren, wenn sich die Form auflöst. Der Verstand hat keine Form, der Intellekt hat keine Form, und Sie sind der Kenner dieser. Wie können Sie Form haben? Dass Sie formlos sind, muss Ihre Überzeugung werden. Identifizieren Sie sich mit nichts – Identifikation mit irgendetwas bedeutet Bindung. Es gibt wirklich keinen Unterschied zwischen dem Schüler und dem Guru; ist der Guru nicht befreit, so ist es auch der Schüler nicht. Wenn einer über seine Identifikation nachdenkt, entsteht Fortschritt – er geht dorthin, wo der Guru ist. Gehen Sie mit welchem Konzept auch immer, an dem Sie hängen, zum Guru – er wird Sie, falls er ein Jnani ist, von allen Konzepten befreien. Aber worin besteht das Hauptkonzept, von dem alle anderen abhängen? Es ist das „Ich bin“ - das „Ich bin“ ist selbst ein Konzept. Es ist die eigentliche Quelle, von der aus alle ande - ren Konzepte ausströmen. Eine feste Überzeugung über Sie selbst zu erlangen bedeutet, ein Sadguru (derjenige, der jenseits des „Ich bin“

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

ist) zu werden. Was auch immer man unter Parabrahman – das Abso- lute – versteht, das ist Ihr wahres Selbst.

B.: So lange man den Guru als Form sieht, wird der Guru Konzepte liefern, um sich daran festzuhalten. Der Guru sagt beispielsweise: „Sie sind Parabrahman“, was ein Konzept ist.

M.: Ja, aber dieses Konzept hilft Ihnen dabei, alle anderen Konzepte loszuwerden. Ist der Schüler alle Konzepte losgeworden, löst sich auch dieses Konzept schließlich auf. Für den Schüler ist das, was der Guru sagt, ein Konzept, aber in der Meditation verschwindet es dann. Worin besteht der Unterschied, wenn wir die Blumen hier und uns selbst betrachten? Aufgrund des Absoluten wissen Sie, dass Sie sind. Es ist die Wahrheit, die weiß. In diesem Wissen ist das Universum selbst enthalten, dieses Wissen ist allgegenwärtig. Normalerweise denken wird, dass wir Individuen seien, die sich nicht verändern, und das Wandellose weiß dies. Viele Leute verändern sich nie, aber derje- nige, der dieses Wissen assimiliert, der verändert sich beizeiten.

Gewöhnlich hält man sich selbst für den Körper. Deshalb gibt es da Beziehungen und Verknüpfungen. Als ein Individuum möchten Sie wachsen und gedeihen; Sie sind nicht auf Veränderung vorbereitet. Man muss die eigene Realität verstehen – sie kann nicht einfach „er- zählt“ werden. Ich weiß, dass ich nicht der Körper bin; darin besteht meine Verwirklichung. Daher muss dann die Überzeugtheit kommen.

B.: Daraus entsteht dann die Überzeugung.

M.: Alle hören zu, nur wenige praktizieren. Es ist sehr einfach und doch schrecklich kompliziert. Ich habe bemerkt, dass es für viele sehr schwer ist, alle Konzepte aufzugeben; es scheint leichter zu sein, den Raum zu zerschneiden. Hier werden diejenigen Änderungen gesche- hen, die sich aus dem, was Sie hier hören, ergeben.

B.: Man muss offen und konzeptlos sein.

M.: Ja. Wenn Sie kein Vertrauen in denjenigen haben, der die Er- kenntnis vermittelt, gewinnen Sie nichts.

Werfen Sie die Gedanken hinaus!

27. Dezember 1979

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Maharaj: Weshalb sollte es uns betreffen, wenn jemand anderes et- was tut?

Besucher: Weil wir denken, dass wir getrennt seien.

M.: In dieser Welt gibt es viele Tiere – fühlen Sie sich durch sie be- troffen?

B.: Aber bei Menschen fühlen wir uns betroffen.

M.: Mit Selbsterkenntnis werden Sie sich nicht mehr betroffen füh- len; so lange Sie sich selbst nicht kennen, werden Sie sich aber durch andere betroffen fühlen. Im Moment ist ein Babaji aus Bombay hier. Einige Leute besuchten ihn. Ich nicht, weil ich mich selbst kenne. Was er ist, weiß ich. Was er ist, weiß ich, während ich hier sitze, daher gibt es für mich keinen Grund, zu ihm zu gehen. Sogar wenn Lord Krishna kommen und nur zwei Meilen entfernt wäre, würde ich nicht hinge- hen, um ihn zu treffen, denn ich kenne dieses Wesen, das Krishna ge- nannt wird. Kennen Sie sich selbst und Sie kennen die Welt; finden Sie heraus, was man ist. Es gibt keinen Unterschied, nur die Aktivitäten und Neigungen der Leuten sind unterschiedlich. Was immer auch Lord Dattatraya getan hat, muss ich selber auch tun. Es sind nur Zeit und Tätigkeiten, die wechseln: alle Tätigkeiten geschehen aufgrund der drei gunas.

(Anmerkung: Gelegentlich kommen die Schüler anderer Lehrer zu Maharaj, Er mag es nicht, irgend jemanden zu kritisieren, obwohl er die Realitäten kennt. Er rät ihnen trotzdem, ihrem eigenen Guru zu folgen. Er sagt ihnen, dass „meine Erkenntnis davon handelt, wie das Dasein aufgetaucht ist; das ist ebenso auch auf andere anwendbar.“)

Krishna war das Ebenbild seiner Eltern, Vasudev und Devaki. Sie weinten um Krishna und starben als Unwissende, aber ihr Sohn wur- de ein Verwirklichter. Denken Sie an die Worte Ihres Gurus und medi- tieren Sie über sie. Ich hatte Vertrauen zu den Worten meines Gurus:

„Ich bin Das“; ich brauchte keine weiteren Zitate von anderen Leuten. Ich habe mir angeschaut, wie ich vor dem Dasein war und wie ich später sein würde. All dies geschah im Vertrauen in die Worte meines Gurus. Ich finde keine Mängel in anderen Religionen; sie sind eben Konzepte – weshalb sie kritisieren? Weder kannten meine Eltern mich noch kannte ich sie, und trotzdem bin ich immer noch, was ich bin. Man beschuldigte mich, geboren worden zu sein, aber ich fand heraus, dass es keine Geburt gibt. Kritisieren Sie andere nicht; kennen

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Sie nur sich selbst und verbringen Sie Ihre Zeit mit sich selbst, um sich selbst kennenzulernen.

B.: Wie kann man lästige Gedanken loswerden?

M.: „Legen“ Sie lästige Gedanken wie falsche Telefonanrufe einfach „auf“; beschäftigen Sie sich nicht mit ihnen. Gebrauchen Sie die guten und seien Sie dann so weit wie nur möglich frei von Gedanken. Sie werden von Erinnerungen überwältigt. Seien Sie wachsam, sagen Sie:

„Ich will euch nicht, geht!“. Durch Praxis wird es für Sie möglich sein, frei von Gedanken zu werden. Ihre eigene Gedanken sind ein Hinder- nis in Ihrem spirituellen Fortschritt.

B.: Deshalb sind wir hierher gekommen; es ist leichter, an ihn als an Telefonieren zu denken.

M.: Ich habe alles praktiziert, wovon ich spreche. Auch ich war an zu viele Gedanken gewöhnt, aber ich erinnerte mich an das, was mein Guru sagt: „Sie sind, also seien Sie einfach nur“. Ich kümmere mich nicht um andere, sondern nur um mich selbst. Behandeln Sie Gedan- ken so wie Personen – sagen Sie ihnen, sie sollen gehen. Wenn man ihnen freies Spiel gibt, kommen die Gedanken und klagen; wer klagt da über wen? Es sind Ihre eigenen Gedanken – werfen Sie sie hinaus!

B.: Klingt sehr einfach!

M.: Ja, durch Praxis. Wegen Ihrer Gedanken werden Sie Ihr eigener Feind.

Erkenntnis hat keine Form

28. Dezember 1979

Maharaj: Sämtliche Wissenschaften beruhen auf Annahmen, aber was auch immer geschieht, geschieht spontan; einen Schöpfer gibt es nicht. Was wären Sie ohne das Dasein? Das Dasein ist da aufgrund des sattva guna (Eigenschaft, Qualität). Wegen der Erde kommen die ver- schiedenen Körperformen aus den verschiedenen Verbindungen der fünf Elemente hervor. Wenn ein Patient nicht schlafen kann oder ap- petitlos ist, gibt man ihm geeignete Medizin. Diese Pillen sind also sel- ber Nahrung. Die zahllosen Körperformen sind das Ergebnis der Rei- bungen der fünf Elemente im Weltraum. Ihr Verhalten und ihre Akti- vitäten werden da draußen festgelegt, aber ihre Wirkung hier auf der

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Erde gefühlt. Hitlers Handlungen waren da, weil vor seiner Geburt ir- gendetwas im Raum passiert ist. Die individuelle Seele gibt es auf- grund des Körpers und aufgrund der Erfahrung. Jeder muss leiden, was keine Frage von Verdienst oder Sünde ist. Das Individuum leidet aufgrund der Erfahrung. Wo befindet sich derjenige, der über Wissen - schaft schreibt? Er weiß überhaupt nichts.

Besucher: Was ist es, was ein Geschehnis im Außen auslöst?

M.: Es gibt da Reibung zwischen den fünf Elementen und aufgrund dessen muss die Körperform leiden. Was auch immer im Raum pas- siert, geschieht wegen der Elemente. Ich jedoch bin von der „Nisarga“-Natur – das bedeutet: Ohne Eltern. Normalerweise sagt man, dass Ishwara die Welt erschaffen habe. Aber die Tiere fressen sich gegenseitig auf. Würde Gott einen solchen Irrsinn erschaffen?

B.: Wie man sät, so erntet man.

M.: Man sagt dies nur zur Disziplinierung der Leute; die fünf Ele- mente sind keinerlei Kontrolle oder Disziplin unterworfen; sie sind unbelehrbar.

B.: Beginnen die Wünsche mit den fünf Elementen oder dem Kör- per?

M.: Wir geben allen Formen Namen, um ihnen Bedeutung und Ei- genschaft zu verleihen, aber in Wirklichkeit gibt es keine. Niemand hat irgendeine Kontrolle über das, was passiert; es geschieht einfach, das ist alles. Ishwara hat keine Form. In jedem Atom befindet sich Krishna. Bombay ist bloß ein Gebiet; ist nun dieser oder jener Teil Bombay? So ist auch Ishwara! Es gibt Veränderungen wegen der Ten- denzen im sattva, welches die Essenz der Nahrung ist. Kein Individu- um - keine Tendenz. Die Essenz der Nahrung ist sattva und daraus sprießt dann das Wissen „Ich bin“, und von da her kommt dann der Verstand. Da sind also bloß Tendenzen und Merkmale. Die Eigen- schaften von sattva wechseln mit den Formen und dementsprechend fließt dann der Verstand. Nehmen Sie zum Beispiel Gebäck – im Ge- bäck befinden sich Poren, deren Anzahl und Aufbau vom Backmateri- al abhängen – hat jemand eine Kontrolle über sie? Dasselbe gilt für sattva; die Aktivitäten finden statt.

Nageln Sie die Wesenheit fest, die geboren wird. Gibt es die Form, gibt es das Dasein. Sie können keiner auftauchenden Wesenheit einen Namen geben – Erfahrung taucht auf, das ist alles. Zusammen mit der

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Form tauchen dann Wachen, Schlafen und Erfahrung auf. Geburt ist die Geburt des Bewusstseins. Sie sind jetzt hier. Wenn Sie, sagen wir, nach fünfzehn Jahren zurückkommen, wer hat denn währenddessen weitergemacht?

Jnana (Erkenntnis) hat keine Form, keine Natur. Das Wissen „Ich bin“, die fünf Elemente, die drei gunas, Purusha und Prakriti – der Jna- ni ist all dies nicht. Er hat dies alles transzendiert, er ist der Kenner der Erkenntnis. Mit dem Ende der Körpers enden alle Probleme.

B.: Dieser Körper ist nur dazu da um zu wissen, dass man nicht der Körper ist?

M.: Das Dasein ist ähnlich wie die Süße im Zucker. Wer ist Gott und wer der Devotee? Keiner von beiden existiert.

B.: Hat Maharaj in der Meditation die Akasha-Aufzeichnungen gese- hen? Hat er in der Meditation Städte und Dörfer in Indien gesehen?

M.: Worte bilden die Fragen und Worten bilden die Antwort – tat- sächlich ist da nichts. So lange der Körper da ist, gibt es „Sie sind“. Wenn das „Sie sind“ nicht da ist, ist auch Gott nicht mehr da. Kannten Sie Gott, als Sie noch nicht da waren?

B.: Ich kannte ihn nicht.

M.: Was auch immer sie jetzt wissen, ist falsch. Ist das „Ich bin“ da, ist auch Ishwara da. Das „Ich bin“ ist Ishwaras Seele, und Ishwara ist meine Seele – beide gehören zusammen. Ishwara ist grenzenlos; auch ich bin so, wie Ishwara, mittellos. Vergessen Sie jetzt dies alles und finden Sie heraus, wie Sie in einem dauerhaften Zustand sein werden. Alle diese Gespräche über Gott und Sie selbst sind nur Zeitverschwen- dung. Gehen Sie weiter – kein Gott, kein Ich. So lange Sie ein Verlan- gen haben, wird Ihnen keine Erkenntnis zuteil werden. Ishwara stirbt noch vor mir.

B.: Maharaj setzt Ishwara mit Brahman gleich.

M.: Ishwara, Gott, Brahman, Parabrahman sind alles nur Worte; sie enthalten nichts. (Anmerkung: Parabrahman ist das Absolute, in dem das Dasein abwesend ist.) Alle Ängste haben mit dem Tod zu tun, und wegen ihm gehen Sie umher und erfreuen andere. Sobald Sie die Wirklichkeit kennen, gibt es keine Furcht mehr. Ein Mensch stirbt und sein Leichnam ist sichtbar. Haben Sie schon einmal einen Leichnam aus Feuer oder von Ishwara gesehen? Sämtliche Dinge befinden sich

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

in Bewegung. Das Dasein ist wegen der Manifestation öffentlich sicht- bar, weil die fünf Elemente öffentlich sind. Worin besteht Ihre Identi- tät nach Ihrem Tod? Alles existiert, wie Sie selbst auch, nur in diesem Moment; nichts hat eine Identität. Was kann Ihnen an Gutem und Schlechtem geschehen, wenn Sie keine Identität besitzen? Können Sie eine Form haben, die auf ewig Ihnen gehört?

B.: Nein.

M.: Weshalb kämpfen Sie dann so viel? Keine Form jetzt – keine Form später. Weshalb also darum sorgen? Weil ich wie die Natur bin, steht diese Erkenntnis allen zur Verfügung; Sie können sie nicht von anderen bekommen, weil diese ihren Ruf zu verteidigen haben, sie su- chen nach Gefolgschaft. Niemand kann Ihre Rätsel für Sie lösen außer denjenigen, die sich selbst kennen und kein Interesse am Dasein ha- ben. Was brauche ich denn jetzt? Mit Ausnahme des Daseins wird al- les getan; kurz gesagt, brauche ich nichts.

Geburt ist eine Illusion

29. Dezember 1979

Wegen des Gas im Feuerzeug gibt es eine Flamme. Ähnlich gibt es im Körper wegen der Nahrung Dasein – wegen des Daseins gibt es dann Erfahrung. Der Mensch wird glücklich entsprechend der Aktivi- täten, die er in Abhängigkeit von dem Zustand, in dem er sich befin- det, ausführt. Eine weit entwickelte Person kommt hierher; ich erklä- re ihr, dass ihr nichts geschehen kann, sie soll einfach nur alle Kon- zepte vergessen; für sie ist dies genug. Für andere (nicht so weit ent- wickelte) gibt es eine andere Medizin. Es ist wie beim Doktor, Sie zah- len ihm 125 Rupien, und mit der einen Hälfte bezahlen Sie ihn, und die andere Hälfte ist für die Medizin. Wenn der Doktor jedoch preis- werter zu haben ist, haben Sie kein Vertrauen zu ihm.

Besucher: Können Sie mich Wunder lehren?

M.: Sie sind hierher gekommen und haben nun erfahren, wie das Dasein entstanden ist. Dieses Wissen ist Ihnen also sicher.

B.: Ja.

M.: Wovon hängt es ab? Nur vom Dasein. Sobald Sie wissen, wovon es abhängt, haben Sie den Tod überwunden. Was ist der Beweis Ihres

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Daseins oder Ihrer Existenz? Jetzt wissen Sie es, dieses Wissen brau- chen Sie. Wenn Sie dieses Wissen haben, können Sie es transzendie- ren. Ich kann Sie nur bis zu einer gewissen Grenze führen, danach müssen Sie allein klarkommen.

B.: Müssen wir suchen oder verstehen?

M.: Wie es Ihnen beliebt, verstehen Sie oder suchen Sie danach.

B.: Wenn man sicher ist, erfährt man, dann entsteht Wissen.

M.: Ja, das ist es. Das Wissen um einen selbst. Ihr Dasein hängt von etwas ab – was ist es?

B.: Sattva, Nahrungskörper.

M.: Sie brauchen es nicht auszusprechen – Verstehen genügt. So- bald Sie das Wissen erlangen, verlieren Sie die Idee „Ich bin der Kör- per“. Dann erfahren Sie am lebendigen Leibe den Tod, und niemand kann sich das leisten! Die Geburt ist einer der drei Zustände – Wachen Schlaf und Dasein. Wissen ist: „Ich bin nicht diese drei“. Waren diese drei Zustände vor der Geburt da? Eines Tages werden Wachen, Schla- fen und Dasein gehen – werden Sie dann den Tod erfahren?

B.: Es hängt davon ab, wo unsere Erfahrung im Vergleich mit der des Jnani steht.

M.: Sie müssen sich immer noch sicher sein, dass Sie nicht schlafen, wachen oder Dasein erfahren. Wenn Sie sagen: „Ich bin“, schließt dies Wachen, Schlaf und Dasein ein; das Wissen des „Ich bin“ schließt dies ein. Wenn Sie diesen Faktor entfernen, geht und verschwindet alles zugleich. Wenn jemand gänzlich frustriert ist und das Dasein nicht länger ertragen kann, ist er hier willkommen, aber wenn Sie es immer noch gut ertragen, dann kommen Sie nicht hierher. Einen Zyklus, der zu lange anhält, können Sie nicht ertragen; daher gibt es den Wechsel der verschiedenen Zustände. Vor der Geburt gab es kein Wachen, Schlafen oder Dasein (das Wissen „Ich bin“). Diese drei wurden gebo- ren und hängen von der Nahrungsessenz ab. Wenn diese Essenz schwächer wird, verabschieden die drei Zustände sich. Wer wird dann geboren oder stirbt? Kannten Sie in der Abwesenheit der drei Zustän- de Gott? Wussten Sie, dass Sie existierten? In Indien werden den Brahmins nach dem Tod von jemandem Spenden (Essen, Kleidung) gegeben. Erreichen diese noch die Person, die wegen der Abwesen- heit von Wachen, Schlafen und Dasein fort ist? Dass die Seele durstig

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oder hungrig sei, ist nur ein Konzept. Kann dies in der Abwesenheit des vitalen Atems möglich sein? Als Ergebnis der Nahrungsessenz tauchen sattva und die drei Zustände auf. Ist sattva erschöpft, ver- schwinden die drei Zustände – worin besteht dann das, was wir Seele nennen?

B.: Was kam dann zu mir und sprach mit mir (Paul King in Anspie- lung auf seine Erfahrungen mit Toten, die zu ihm kamen)?

M.: Leute mit Selbsterkenntnis kommen nicht; sie kommen, wenn die Selbsterkenntnis nicht stark genug ist.

B.: Wenn Sie richtig gelernt haben, kommen sie also nicht mehr?

M.: Weshalb sind Sie hierher gekommen? Sie hatten Selbsterkennt- nis in der Gebärmutter – weshalb hierher kommen?

B.: Wenn man festsitzt und leidet, dann kommt man hierher. Ich vertraue Ihnen.

M.: Wie entstehen Glaube und Vertrauen?

B.: Als ich allein in den Bergen war, war ich wie ein Radar – nicht

dies, nicht das

Übersetzer: Sahen Sie seine Form?

B.: In gewisser Weise.

Ü.: Haben Sie sein Foto? Haben Sie mit dem Foto meditiert?

B.: Ja.

M.: Die Vögel kommen und setzen sich auf die Schulter desjenigen mit siddhi (spirituelle Kräfte). Ein Dichter folgt seiner Eingebung und es passiert das, was er schreibt, richtig? Ist die Geburt wirklich oder unwirklich?

B.: Unwirklich.

M.: Seien Sie sicher darin. Sie werden frei, wenn dies klar wird. Kei- ne Geburt, keine Zweifel. Wenn Sie wissen, dass die Geburt selbst eine Illusion ist, dann und nur dann werden Sie befreit, aber nicht davor. Allgemeines Wissen oder Konzepte umhüllen Sie nur. Es ist schwer, Konzepte (die Erfahrung Paul Kings von Toten, die ihn besuchten) los- zuwerden.

B.: Sie (die Toten) waren davon überzeugt, dass der Körper real sei, daher kamen sie herbei.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

M.: Durch Verbleiben in diesem Wissen („Ich bin“) können Sie den physischen Körper auflösen. Die Pille – die drei Zustände von Wa - chen, Schlafen und Dasein – löst sich auf. Dann gibt es da kein Kom- men mehr, dann bleibt nur noch der subtile übrig. So lange die Nah- rungsessenz da ist, gibt es das Wissen des „Ich bin“ - ist die Essenz er- schöpft, geht das Wissen davon.

Das Falsche fängt bei den Eltern an

30. Dezember 1979

Maharaj: Letztlich sind Sie verantwortlich für Ihre Form. Wegen Ih- res Daseins leiden Sie. In der Unwissenheit sagt man Ihnen, verehren Sie Gott usw. Im wissenden Zustand kennen Sie sich selbst, daher gibt es nicht länger einen Grund dazu. Sie mögen meine Gespräche nicht, Sie halten sich selbst für einen Mann und dies oder das, und daher fühlen Sie sich im Recht. So lange es das Konzept „ich bin der Körper“ gibt, kann es keine Verwirklichung geben. Transzendieren Sie, werden Sie zum Sucher, aber diejenigen, die spirituellen Ideen folgen und ih- ren Körper immer noch für wirklich halten, werden wiedergeboren. Seien Sie im ersten Stadium davon überzeugt, nicht der Körper zu sein. Wegen sattva tauchen Schlafen, Wachen und das Dasein auf, aber wenn Sie zu wissen beginnen, dass Sie dies nicht sind – was dann?

Wenn Sie Ihre Eltern nicht in Betracht ziehen, werden Sie dann in der Lage sein, sich selbst zu finden? Unsere Eltern sind das Kapitel, welches wir auf der Suche nach uns selbst einsetzen. Sie müssen ver- stehen, dass die Zustände von Wachen, Schlafen und Dasein mit den Eltern beginnen. Sie müssen verstehen, dass Ihre Unechtheit mit Ih- ren Eltern beginnt. Was haben Ihre Eltern zum Erscheinen Ihrer Form beigetragen? Man muss dies nicht aussprechen – das Wissen darum genügt. Ihre Eltern haben irgendetwas dazu beigetragen, dass Ihre Form auftauchte. Sie haben zu einem Teil Ihres Körpers beigetragen; so entstand dann die Form. Alle Leute haben ein Bild in sich von der Freude, die Ihre Eltern hatten.

Wir sind die Diener unserer Wissens – für sie tun wir alles. Alle Tä - tigkeiten werden durch das Wissen „Ich bin“ getan. Der Ganges fließt herab von Lord Sankaras Kopf. „Ganges“ ist Wissen gewonnen aus den fünf Sinnesorganen. Brahma wird mit vier Köpfen dargestellt, die

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die vier Arten der Sprache bedeuten, Para (Quellwort), Pashyanti (un- berührbares Wort), Madhyama (berührbares Wort oder Gedanke und Vaikhari (gesprochenes Wort). Wenn Sie beispielsweise Gedichte in- nerhalb von Para und Pashyanti dichten, steigen sie zum Verstand (Madhyama) auf und Sie rezitieren (Vaikhari) Sie dann. Ich kann Ih- nen nicht sagen, wie Sie Ihren Lebensunterhalt verdienen können, aber es kann helfen, Sie in der Welt weiterkommen zu lassen. Für Leu- te, deren Verstand still ist, ist Selbsterkenntnis ohne Worte zu machen einfacher. Wenn Ihr Verstand nach dem Anhören meiner Gespräche immer noch aktiv ist, dann ist die Selbsterkenntnis noch weit ent- fernt. Vielleicht sitzen Sie still, aber wenn Ihr Verstand hier und dort umherwandert, zeigt dies an, dass Sie noch nicht bereit genug für Selbsterkenntnis sind. Der Verstand muss absolut still sein oder ru- hig, ohne alle Gedanken.

Pauls Wiedergutmachung

31. Dezember 1979

Maharaj: Denken Sie nur daran, was Ihnen lange Zeit hindurch Ge- sellschaft geleistet hat.

Besucher: Was war mein Gesicht vor der Empfängnis?

M.: Gibt es irgendeine Erfahrung, die für immer bei Ihnen bleiben wird?

B.: Gegenwärtig befinden sich alle Erfahrungen im Bewusstsein. Ich versuche jenseits der Erfahrung, jenseits des Bewusstseins, zu gehen.

M.: Dieser Körper wird gehen. Der vitale Atem wird gehen, der Ver- stand wird gehen. Was werde ich dann also sein?

B.: So, wie ich vor der Geburt war.

M.: Was passiert mit den weltlichen Erfahrungen?

B.: Sie gehen zusammen mit dem Körper.

M.: Wenn also schließlich Körper und Erfahrungen gegangen sind – was werden Sie dann sein?

B.: Es ist ein Ding in sich selbst.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

M.: Wenn der Körper nicht erfahren wird, sind dann Tag und Nacht nicht mehr da?

B.: Nein.

M.: Wenn es keine Erfahrung von Tag und Nacht gibt und auch nicht des Daseins, was haben Sie dann erlangt?

B.: Gar nichts.

M.: Was sind die Resultate von Bemühungen, von Erfahrungen?

B.: Sie verschwinden wie Geld.

M.: Was auch immer auftaucht, verschwindet schließlich. Wer sind die Eltern davon? Wovon hängt es ab?

B.: Vom Körper, und der Körper hängt vom Dasein und vom Dasein ab …

M.: Hängt vom Dasein ab. Also gibt es da kein Bewusstsein, keine Worte zum Beschreiben?

B.: Ja.

M.: Wer ist dann also in diesem Wissen verankert? Was wird er tun?

B.: Die verschiedenen Menschen handeln entsprechend ihrer Natur auf unterschiedliche Weise. Maharaj ist Nisarga, entwickelter, natürli- cher. Worin besteht der Unterschied zwischen Dasein und Verstand?

M.: Ist der Frage der Verstand oder das Dasein? Wer sind Sie?

B.: Mein Verstand fragt.

M.: Wer sagt das?

B.: Der Verstand.

M.: Wer kann ohne das Dasein „Verstand“ sagen?

B.: Worin besteht der Unterschied zwischen Verstand und Bewusst- sein?

M.: Sie sind der Kenner des Verstandes und des Bewusstseins – Das sind Sie. Sie sind nicht der Verstand .Im Tiefschlaf und in samadhi ist der Verstand nicht da. Sie sind da.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

B.: Ja.

M.: Diese Wesenheit, die immer da ist, sind SIE. Können Sie sich selbst beschreiben, ohne sich selbst als Mann oder Frau zu beschrei- ben?

B.: Nein.

M.: Wenn „Sie Das sind“ - benötigen Sie dann noch irgendetwas?

B.: Ich habe alles.

M.: Also?

B.: Ich bin „ES“, nicht: Ich habe „ES“.

M.: Wenn Sie das Absolute sind und es kein Bewusstsein gibt, was brauchen Sie dann?

B.: Nichts.

M.: Die Existenz des „Ich“-Bewusstseins wird nicht mehr gegeben sein. Wissen Sie das?

B.: Ich weiß es theoretisch.

M.: Ist Ihre weltliche Erfahrung gleich welcher Art ewig?

B.: Nein.

M.: Werden Wach- und Schlafzustände ewig sein?

B.: Nein. Sie haben mit dem Absoluten nichts zu tun.

M.: Worin besteht der letztliche Gewinn der spirituellen Erfahrung? Das Bewusstsein wird verschwinden und Sie werden nicht mehr wis- sen, dass „Sie sind“.

B.: Kein Gewinn. Keine Frage.

M.: Dasein und alles andere, was Sie aufgrund dessen sehen, ist eine Illusion, nicht wahr?

B.: Von mir bleibt nichts übrig. Alles Geschaffene wird gehen, zer- stört.

M.: Sobald Sie wissen, dass das Dasein und die Erfahrung der Welt eine Illusion sind, eine Lüge, wie werden Sie dann handeln? Die Welt erscheint weiter als wirklich – ist sie wirklich?

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

B.: Ich kenne dies durch meinen Verstand, aber nicht durch physi- sche Erfahrung.

M.: Wird der Verstand auf ewig bei Ihnen sein?

B.: Nein.

M.: Antworten Sie nicht. Ihr eigenes Handeln ist Ihre Entscheidung. Wer im Dasein verankert ist, verliert das Interesse an der Welt; er hat keine Wünsche und Verlangen mehr.

B.: Wie geht das vor sich?

M.: Wie dies geschieht, darauf haben Sie bereits selbst geantwortet. So lange Sie sich selbst als ein menschliches Wesen mit einem Körper betrachten, wird es Wünsche geben, aber wenn Sie sich selbst als den Kenner von allem sehen …

B.: Da sind so viele Erfahrungen in meiner Vergangenheit; ich muss sie alle erst einmal loswerden.

M.: Wer hat sie denn angesammelt?

B.: Diese Wesenheit, die von sich selbst denkt, dass sie ein selbstän- diges Energiepaket in der Vergangenheit ist.

M.: Haben Sie irgendeine Erfahrung dieser Geburt?

B.: Nein.

M.: Dann vielleicht ein Wissen darüber?

B.: Ja.

M.: Das Dasein agiert so, als wäre es selber der Körper, aber das Da- sein ist selber nicht der Körper, es ist selber temporär. Gab es irgend- welche Notwendigkeiten, als diese Wesenheit nicht da war? Wenn ich mich nicht wohl fühle, nehme ich eine Medizin. Hänge „ich“ von einer Medizin bezüglich meiner Fortexistenz ab? Dieses Ding (Dasein), wel- ches von Medizin und Nahrung abhängig ist – worin besteht sein Nut- zen? Mein Dasein hängt von Medizin ab, und die genommene Medizin wird zur Seele. Alle Personen hängt in ihrem Leben von der Existenz ab. Was geschieht aber in der Abwesenheit des Leben-wollens mit demjenigen Menschen, der für seine Existenz von Nahrungsmedizin abhängig ist? Was kann Gott für einen solchen tun? Medizin und Nah- rung werden zum Körper.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

B.: Was braucht er vom Körper?

M.: In der Abwesenheit des Daseins ist nichts von irgendeinem Nut- zen.

Ein anderer Besucher: Fahren Sie nach (dem Erwerb) der Erkennt- nis mit Ihren Tätigkeiten fort?

B.: Ja.

M.: Aufgrund welcher Faktoren entstehen diese Tätigkeiten und wessen sind sie?

B.: Der Jnani lebt aus den Umständen heraus. Er isst, wenn er hung- rig ist, schläft, wenn er müde ist usw.

M.: Worin besteht das Absolute? Wie im Traum wird keine bewuss- te Anstrengung gemacht. Auch der Jnani agiert, als wäre die Welt ein Traum. Sie können sie durch ein Fernglas betrachten. Aber der Seher und das Fernglas sind verschieden. Der, der sieht, ist verschieden da- von. Der Jnani bezeugt das Dasein – worin besteht für ihn das Fern- glas? Sie haben den Jnani, die Welt und das Fernglas.

B.: Das Fernglas ist (für den Jnani) das Dasein.

M.: Dieses Dasein ist das Ergebnis der Nahrungsessenz.

B.: Wie ist es mit Schmerzen? Ich dachte, ich hätte Schmerzen, aber ich erfuhr Seligkeit, nicht Schmerzen. Ich habe ein Problem an Knö- chel, aber ich hatte keine Schmerzen. Ich fühlte eine Wolke um den Knöchel herum. Schmerz in der Welt ist wie Schmerz im Traum, sagt Sri Ramana Maharshi.

M.: Wie tauchte das „Ich“-Bewusstsein auf? Finden Sie es heraus. Sri Ramana Maharshis Antwort besteht darin, dass die Welt ein Traum ist. Die ganze Welt ist ein Tropfen der Nahrungsessenz, sattva. Dasein hängt von Nahrung ab, und Nahrung ist eine Illusion. Sie ha- ben die Erkenntnis und die Erfahrung der Welt. Weshalb haben Sie sich noch – Sie wissen es ja jetzt.

B.: Ja.

M.: Dieses Welt erscheint als alt. Was ist der Grund für diese rätsel- hafte Erscheinung?

B.: Was taucht im Traum auf?

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M.: Wachen Sie auf! Diese Idee – nämlich dieses sattva, die Essenz der Nahrung – ist für die Welt verantwortlich.

B.: Ja.

M.: Diese Nahrungsessenz mag neu sein, aber die Welt darin sieht alt aus. Ist das nicht rätselhaft?

B.: Die Nahrungsessenz ist neu, aber die Welt erscheint als alt. Der Jnani beachtet Schmerzen nicht, auch wenn er sie erfährt?

M.: Ja. Sie leben vielleicht fünf Jahre lang, aber in diesen fünf Jahren ist die Welt in ihnen eine aus vier Zeitaltern – ist dies nicht wunder- bar? Sie erleben Dutzende Milliarden Jahre in einer kurzen Lebens- spanne. Wer ist nun falsch – Sie oder die Welt?

B.: Beide.

M.: Vergessen Sie es nicht, wenn Sie in der Welt handeln.

B.: Ja.

M.: Was ist von Ihrer Erfahrung her der Wert der Welt und von Ih- nen selbst?

B.: Gar keiner.

M.: Wenn Sie dann also wissen und handeln, werden die Leute sa- gen, dass Sie Brahma, Krishna oder Mohammed seien.

B.: Das ändert nichts.

M.: Es gibt keine Wesenheit, die sich ändert.

B.: Der Jnani hat Erfahrungen, misst ihnen aber keine Bedeutung bei, während wir Verantwortungen tragen. Wo ziehen wir den Trenn - strich zwischen Verantwortung und Nicht-Verantwortung?

M.: Haben Sie einfach keine festen Regeln für das, was getan und nicht getan werden sollte; das ist Bindung.

B.: Haben wir in Beziehung zu den Pflichten dann nicht Probleme?

M.: Wer erledigt die Pflichten? Sie reden von Tätigkeiten; sagen wir einmal, eine Gummischlange beißt jemanden. Der wird dann vergiftet und unternimmt alle möglichen Aktivitäten, um das Gift loszuwerden. Worin aber besteht der Nutzen all dieser Aktivitäten? Trotz der Medi- zin wird das Gift nicht weniger. Was auch immer Sie tun – Ihre Über-

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zeugtheit von dieser Idee wird nicht verschwinden. Diejeningen, die hierher kommen, haben keine weitere Geburt mehr. Dies ist Ihre letz- te Geburt, nicht wahr, Paul?

B.: Ich stimme zu. Ich mag das.

Ein Dorf ohne Tag und Nacht

1. Januar 1980

Maharaj: Jeder sieht die Dinge anders. Sie können nicht wissen, was ich sehe.

Besucher: Ist es dann am besten, die Aufmerksamkeit auf das Da- sein oder „Ich bin“ zu richten?

M.: Obwohl Sie auf das Dasein schauen, sind Sie nicht in ihm – Sie sind außerhalb. Mit seiner Hilfe können Sie die Welt beschreiben, aber der Seher, derjenige, der sieht, ist jenseits. Worte sind innerhalb des Bewusstseins, sie können den Kenner nicht beschreiben. Ihr Da- sein ist ebenfalls temporär, es ist auch ein Konzept. Mit diesem Fern- glas (Dasein) können Sie sehen. Das Eine, welches sieht, ist verschie- den vom Fernglas; den Seher darin können Sie nicht sehen. Sämtliche Worte befinden sich innerhalb des Daseins. Ich bin der Kenner des Daseins. Ich beschuldige niemanden in der Welt. Leute sind arm, aber am ärmsten sind die Reichen, sie wollen mehr und mehr. So lange Sie sich selbst als innerhalb des Daseins betrachten, werden Sie Dinge ha- ben wollen. Der Kenner des Daseins braucht nichts.

B.: Wie kann man einen ersten Einblick in die Grundlagen der Er- kenntnis erlangen?

M.: Die Erkenntnis, die vom Intellekt abhängt, ist überhaupt keine Erkenntnis. Die Erkenntnis, die ich übermittle, ist ewig. Die Erkennt- nis der Welt dient dazu, die Welt auszulöschen. Wenn wir sagen, je- mand sei durstig, dann zählen wir die Zeit ab dem Moment, in dem das Dasein aufgetaucht ist. Es ist nicht Ihre Zeit. Leben ist also das An- dauern des Daseins. Vor dem Auftauchen des Daseins waren Sie da. Mit dem Dasein kamen dann Geburt und Tod, während Sie aber auf ewig da sind. Aufgrund des Daseins erfahren Sie Tag und Nacht; davor waren sie vollständig – sie brauchten nichts. Wenn ein Wahrsager Ihre Lebensspanne vorhersagt, sagt er nur das Alter des Daseins vor- aus, nicht aber Ihres; Sie waren schon vor dem Dasein. Sie sind das

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ewige Prinzip, welches alles bezeugt. Weil Sie sich aber für eine Per- son halten, erleiden Sie Ängste.

B.: Wenn das Bein gebrochen ist, gibt es Schmerzen.

M.: Ja, wegen des Körpers. Das Dasein ist das Ergebnis des Körpers, daher gibt es Schmerzen. Aber da läuft nichts falsch – dieser Körper ist die Hinterlassenschaft der Nahrungsessenz, und Sie sind weder das eine noch das andere; Sie sind der Zeuge davon. Derjenige, der sich selbst als geborenen Körper betrachtet, wird diese Erkenntnis nicht mögen, aber derjenige, der sagt: „Ich bin nicht der Körper“, wird sie mögen. Vor dem Dasein gab es weder Tag noch Nacht. Leben be- deutet die Erfahrung der Tage, die von 100 Jahren bis zu Tagen rei- chen. Was gäbe es für Sie zu tun, sobald Sie in der Erkenntnis veran- kert sind?

B.: Was auch immer man täte, es schadet nicht. Es gibt keine Angst mehr.

M.: Angst von wem? Wenn wir „Geburt“ sagen, bedeutet dies die Geburt der Zeit, nicht aber Ihre Geburt. Zeit bedeutet Tage. Die Leute identifizieren sich also mit Tagen, daher die Furcht vor dem Tode. Es sind einfach nur Tage. Ein Tag ist vorbei, also alles vorbei. Sogar wenn das Tätergefühl bleibt, macht es nichts, denn Sie sind der Zeuge. Sie sind nicht im Dasein; die Dinge geschehen und Sie tun überhaupt nichts. Wegen des Daseins gibt es Leiden, während Sie der Zeuge von allem sind, was auch immer geschieht. Ihre Fragen werden vom un- wissenden Standpunkt aus und wegen des Körperkonzepts gestellt, während meine Erwiderungen vom Standpunkt dessen aus erfolgen, was Sie wirklich sind. Daher passen die Fragen und Antworten nor- malerweise nicht zusammen. Mit der Erfahrung von Tag und Nacht begann die Erfahrung von Schmerz und Vergnügen. Mit dem Dasein entstand diese bedürftige Natur, vor dem Dasein war sie nicht da. Was sagen Leute ohne Selbsterkenntnis nun normalerweise? Erkenntnis muss ganz klar sein, so wie Sie einen Halm auf Ihrer Handfläche lie - gen sehen.

Sie erfahren die Wach- und Schlafzustände wegen des Brahma- Lichtlochs (Brahma-Randhra) im Kopf. Was sehen Sie da? Die Sinnes- organe befinden sich in verschiedenen Teilen des Körpers, aber die Erfahrungen befinden sich im Lichtloch. Es gibt zahlreiche Beschrei- bungen davon, aber letztlich ist es sehr, sehr klein; winzig. Ich stam-

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me aus dem Dorf, in dem es weder Tag noch Nacht gibt. Tausende Sonnen leuchten da sehr schwach.

Sie betrachten die Geburt als ihre Geburt, obwohl sie nur eine Er- scheinung und Erfahrung des Daseins und nichts weiter ist. Ihre Kon- zepte sind zu Bindungen geworden. Ich beschuldige niemanden, denn das Dasein ist außerhalb der eigenen Kontrolle. Hierher gekommen zu sein lag nicht in Ihrer Hand – es ist automatisch geschehen. Man ist bereits frei. Die Bindung liegt im „ich“ und „mein“. Dies sind die Hin- dernisse, die Ihnen nicht erlauben, zur Wahrheit zu gelangen. Leute, die viele Verwandte haben, sind weitaus weniger besorgt ihretwegen als über sich selbst; darin bestehen dann ihre Hindernisse. Sogar nachdem sie diese Erkenntnis erlangt haben, sind sie noch viel mit der Familie und dem Sex beschäftigt; für etwas anderes haben sie gar keine Zeit. Die Befreiung ist bereits da, aber unsere Konzepte sind un- sere Bindung. Dieses Leben währt eine Anzahl Tage und dann ist es vorbei.

Das „Ich bin“ ist Gott

2. Januar 1980

Besucher: Was ist der vitale Atem?

Maharaj: Der vitale Atem ist Bewegung; das Pulsieren des Wissens „Ich bin“, welches alle Aktivitäten bezeugt. Vitaler Atem bezeichnet außerdem auch den Verstand. Der vitale Atem und der Verstand bzw. das Gemüt sind eins.

B.: Enthält das Bewusstsein den Verstand?

M.: Sind Bewusstsein und Verstand denn unabhängig voneinander?

B.: Es ist eine Bewegung im Bewusstsein.

M.: Das Bewusstsein bezeugt sämtliche Aktivitäten und Bewegun- gen einschließlich des Verstandes. Alles taucht gleichzeitig auf – Be- wusstsein, vitaler Atem und Nahrungsessenz. Es gibt Energie im Was- ser ebenso wie im Körper, und auch Wärme – ist die Wärme fort, ist auch der vitale Atem fort.

B.: Wo ist die Grenze zwischen Bewusstsein und Glaube? Kann ein Glaube ein Weg zum Bewusstsein sein?

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M.: Was tun Sie, um zu leben? Sie wissen, dass „Ich bin“ Liebe ist. Aufgrund dieser Liebe zum Leben essen Sie. Ihr Dasein ist Liebe, Ihr Wissen, dass „Sie sind“, ist der Glaube. Deshalb sind Sie tätig.

B.: Wenn so einfach wäre, gäbe es keine weiteren Fragen mehr.

M.: Sämtliche Probleme entstehen durch Ihr Körperkonzept. Be- trachten Sie sich selbst allein als reines Wissen.

B.: Es (das Körperkonzept) kehrt nach einiger Zeit zurück. Daher muss ich mich immer wieder selbst an „Ich bin“ erinnern.

M.: Seltsam – müssen Sie sich ständig vorsagen, dass Sie eine Frau seien?

B.: Nein.

M.: Die Wirklichkeit benötigt keine Wiederholung – es genügt, sie zu kennen. Können Sie von sich selbst sagen, eine Frau zu sein, wenn Sie dabei nicht den Körper ins Spiel bringen?

B.: Nein.

M.: Welchen Zuwachs an Erkenntnis hatten Sie in den letzten fünf Jahren bzw. seit Ihrem letzten Hierherkommen?

B.: Ich denke jetzt nicht mehr so viel darüber nach, was ich tue; die Dinge geschehen einfach. Worin besteht die Aufgabe der spirituellen Führung?

M.: Der Nutzen der Führung besteht darin, „die Nachrichten“ und „nach dem Tod“ zu kennen. Führung ist so lange nötig, wie der Körper da ist. Wie werden Sie sein, wenn der Körper fort ist?

B.: Führung ist Kraft.

M.: Ja, es ist Kraft.

B.: Können Sie damit arbeiten?

M.: Diese Kraft ist immer tätig, Sie verstehen es nur nicht. All das Treiben von Ihnen und der Welt ist nur deswegen; Sie sind sich des- sen nicht bewusst. Um zu leben, essen Sie. Essen Sie nicht, stirbt der Körper – was geschieht in diesem Fall? Finden Sie es jetzt heraus! Sterben Sie dann auch? Wenn Sie nicht essen, können Sie nicht wei- terleben. Störungen des Körpers bedeuten Störungen der Ernährung.

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Was ist das, was stirbt? Alle Gebete sind da zur Verehrung Gottes. Mit seiner Gnade kann sie (Mutter Teresa) all dies tun.

B.: Was ist Gott?

M.: Gott ist, wie sie selbst sagt, ein Konzept.

B.: Sie glaubte an Gott, aber wenn ich hier sitze, weiß ich nicht, was ich empfinde.

M.: Jede Person hat andere Empfindungen. Was sie fühlte, fühlen Sie nicht. Alle Weisen und Heiligen hatten unterschiedliche Leben.

B.: Ist das Konzept von Gott dasselbe wie reines Bewusstsein?

M.: Man hat diejenigen Erfahrungen, die sich aus den eigenen Nei- gungen, Glaubensvorstellungen und Konzepten ergeben. Reines Be- wusstsein ist körperlos (Anmerkung: Maharaj setzt es mit Gott gleich, was Körperlosigkeit bedeutet). Es geschieht aufgrund des Wissens „Ich bin“, dass Sie „Ich bin“ kennen. Es ist Liebe – betrachten Sie es als Selbst-Liebe und meditieren Sie darüber. Vermischen Sie es aber nicht mit dem Körper; es ist nicht der Körper, es ist reines Wissen, Be- wusstsein oder Gott. Wenn Sie es vermischen, wird es Schwierigkei- ten geben. Das Wissen „Ich bin“ ist Gott. Vergessen Sie nicht, dass Sie und Gott nicht getrennt sind. Wenn Sie mehr darüber meditieren, wird es klarer werden und Sie werden alles bekommen. Mutter Te - resa ist erfolgreich, weil sie Vertrauen darin hat, dass Gott in ihr ist. Damit arbeitet sie dann. Ohne die Gnade des Selbst kann es keinen Er- folg geben. Aufgrund des Vertrauens in sich selbst erhalten Sie es. Sie können Gott verehren, aber glauben Sie dabei nicht, dass Gott von Ih- nen getrennt sei. Das Wissen „Ich bin“ ist innerhalb von Ihnen. Führen Sie die Verehrung in diesem Wissen aus. Für denjenigen, der über das Wissen „Ich bin“ meditiert, wird alles im Reich des Bewusstseins klar. Er lebt dann, ohne darüber zu sprechen. Nehmen Sie von diesem Ort hier die Überzeugung über sich selbst mit, dass das Wissen „Ich bin“ Gott ist. Einen anderen Gewinn gibt es nicht. Es gibt da diejenigen, die, ohne sich selbst zu kennen, zu predigen beginnen.

B.: Meine Frage betrifft die Verringerung des Wissens.

M.: Ihre Überzeugung, dass das Wissen „Ich bin“ Gott ist, muss täg- lich wachsen. Kümmern Sie sich nicht um den Körper. Wenn Sie im- mer nur meditieren, ist Gott erfreut und Sie werden im Reich des Be- wusstsein alles Wissen erlangen. Erzählen Sie danach anderen, dass

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

dies nötig ist, dann nur teilweise davon. Diese Selbsterkenntnis kann zwar in wenigen Worten übermittelt werden, aber die Leute wollen dann mehr und mehr davon. Was ist ohne Ihr Dasein noch wichtig? Gott mag groß sein, aber würden Sie dies ohne Ihr Dasein so sagen? Wenn ich daher Erkenntnis vermittle, erzähle ich Ihnen vom Selbst (Atman) und seiner Geschichte. Vergessen Sie dieses Wissen, dass „Ich bin“ selbst Gott ist, nicht, auch wenn Sie sonstwo hingehen. Sie sind in der Überzeugung hierher gekommen, dass Maharaj selber Gott sei. Ohne Selbsterkenntnis sind sämtliche Aktivitäten bedeutungslos. Sogar nach dem Erlangen der Selbsterkenntnis sind sämtliche Aktivi- täten immer noch bedeutungslos. Selbsterkenntnis wird dann selbst bedeutungslos. Solange Sie sich selbst nicht kennen, leiden Sie – mit Selbsterkenntnis gelangt dies an ein Ende.

Jnana befindet sich jenseits der Eigenschaften, es ist zeitlos. Sobald Sie sich selbst kennen, wird alles bedeutungslos einschließlich der Er- fahrungen, da sie bedeutungslose Illusionen sind. Ihr Kenner ist jen- seits von Zeit und Raum.

B.: Die Fragen von heute werden im Schlaf untergehen. Kann das, was im Schlaf untergeht, real sein?

M.: Alles einschließlich Tausender Sonnen erscheint und ver- schwindet im Parabrahman. Vor der Geburt besaßen Sie Selbster- kenntnis, aber die Welt und ihre Erfahrung hat es Sie vergessen las- sen. Sie haben sich selbst vergessen wie der König, der sich für einen Bettler hielt.

Der Schrei des Selbstauslöschers (“Har Har Mahadev”!)

3. Januar 1980

Besucher: Sämtliche Aktivität ist bedeutungslos – weshalb sitzen wir dann hier?

Maharaj: Sobald Sie einmal erkannt haben, dass Sie kein Individu- um sind, tun Sie, was Ihnen beliebt – alles wird dann Ihre Arbeit. In- nerhalb der Grenzen der fünf Elemente ist alles Sie. Setzen Sie bis da- hin (bis Sie dies verwirklichen) Ihre Arbeit fort, aber denken Sie dabei nicht, dass Sie der Körper seien.

B.: Der Körper darf sich nicht an Eiskrem erfreuen? Nahrung wird wertlos?

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

M.: Wer ist es, der isst? Die Pflanzen hier nehmen Wasser auf, die Flamme (Maharaj betätigt das Feuerzeug) verbraucht Gas und nimmt Luft auf. So ähnlich gehen auch alle anderen Dinge vonstatten. Das Es- sen wird von den fünf Elementen erledigt. Wenn Sie Nahrung essen, wer verdaut diese dann, nachdem Sie sie hinuntergeschluckt haben? Das Dasein entsteht aus den fünf Elementen. Wer isst sie? Wer stirbt? Wer lebt?

B.: Ich verstehe!

M.: Achtsamkeit befindet sich ebenfalls im Dasein; sie wird sich ebenfalls auflösen. Sie können sich nur verändern, wenn Sie Handlun- gen bereuen; sonst nicht. Der große Sünder Valmiki bereute und als er danach meditiert hatte, wurde alles, was er schrieb, zur Wahrheit (Valmiki schrieb das Ramayana).

B.: Dann muss also die sattva-Qualität vorherrschend sein.

M.: Ja, in der Meditation ist das sattva stark, die Verehrung Gottes, die Hingezogenheit zur spirituellen Praxis folgt dann. Die Gewohnhei- ten ändern sich nach und nach und man versteht dann das individuel- le und das universale Leben. Möglich wird dies nur dadurch, dass man sich selbst kennt. (Anmerkung: Maharaj lebt seit 1921 in Bombay, ein Zeitraum von fast 60 Jahren. Vor 1921 lebte er in einem kleinen Dorf mit ein paar Häusern, in dem jeder jeden kannte. Es ist jetzt verän- dert.) Im Prozess der Hingabe und Verbindung mit sattva beginnen Sie an sich selbst zu denken. Sie schütteln viele Dinge ab, lassen Bin- dungen fallen, die zahllos sind. Sie verstehen dies alles durch Medita- tion. In dem Dorf, in dem ich gelebt habe, verschwanden die Bäume, die See veränderte sich und niemand kennt mich heute dort noch. So finden auch im Prozess von Satsang oder Meditation Entwicklungen statt; Sie selbst beginnen sich zu verändern. Sie sprechen zu mir mit Hilfe der Körpersinne, aber ich weigere mich zu akzeptieren, dass Sie etwas durch Worte Definierbares seien. Tatsache ist, dass Sie keine Form, Identität oder Farbe besitzen. Sie selber erschaffen die Falle durch Ihre Wort-Konzepte. Sobald Sie die Ursache des Dasein, der Ge- burt erkannt haben, sind Sie frei. Von welchen Blickwinkel aus neh- men Sie sich selbst wahr?

B.: „Ich bin“.

M.: Seit wann?

B.: Seit meine Eltern es mir erzählt haben.

Ich bin ungeboren – Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

M.: So lange Sie vom Hörensagen abhängen, können Sie nicht frei werden.

B.: Worin besteht die Ursache der Geburt?

M.: Die Eltern erzählen viel, aber haben sie Ihnen das Geheimnis Ih- rer Geburt erzählt? Weil Sie sind, ist Gott, und weil Gott (Ishwara) ist, „sind Sie“. Dieses „Sie sind“ ist der Beweis dafür, dass es Eltern gege- ben hat. Sanatana Dharma – seit unvordenklicher Zeit hat es Eltern gegeben; es hat Sie gegeben. Dieses Dasein ist der Beweis der Ewig- keit, das Sanatana Dharma, das Unendliche. Wann nennen Sie mich einen Jnani, oder weshalb verwenden Sie das Wort Jnani?

B.: Wegen unserer unwissenden Fragen.

M.: Haben Sie die Unwissenheit erkannt?

B.: Ja.

M.: Wie kann es dann noch Angst, Sorge oder Furcht geben? Es ist ganz einfach. Zuerst ist das der Zustand des Ajnani (Unwissenden), nämlich wenn sie denken: „Ich bin nicht Erkenntnis“, „Ich bin nicht Dasein“. Als nächstes kommt die Phase des Mumukshu (die dem Ler- nen hingegebene Zeit), in der man alles wissen möchte. Dann lernen Sie einen Guru kennen und werden ein Sadhak (ernsthafter Sucher), der wirklich ernstlich nach der Wahrheit verlangt. Der Sadhak klebt dann schließlich wie eine Klette an den tiefen Belehrungen des Gurus, und das ist das Endstadium. So lange es da die Körperidentifikation gibt, ist man ein Mumukshu, also spirituell noch nicht ausgereift. Dann wird man zu einem Siddha (dem Befreiten) und erlangt die Befreiung. Die Politik ist die letzte Zuflucht des Halunken, während der spirituel- le Mensch keine Zuflucht hat. Zum Schluss werfen Sie noch Harihar, den höchsten der Hindu-Götter, hinaus; der wird dann aufgegeben, hinausgeworfen. Der Schrei der Selbst-Auslöscher nach „Har Har Ma- hadev“ bedeutet, zu töten und getötet zu werden. Am Ende geht also auch Har Har Mahadev.

[Übersetzung abgebrochen]

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