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STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT

Friedrich Naumann

Wandel verstehen. Rechte schützen. Zukunft gestalten.

S T I F T U N G FÜR DIE FREIHEIT Friedrich Naumann Wandel verstehen. Rechte
S T I F T U N G FÜR DIE FREIHEIT Friedrich Naumann Wandel verstehen. Rechte

1963 bis 2013 Jubiläumsschrift

Herausgegeben vom Bereich Internationale Politik der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Gemeinsames Vorwort Internationale Projekte 84 Dr. Wolfgang Gerhardt MdB, Vorsitzender des Vorstandes Prof. Dr.
Gemeinsames Vorwort
Internationale Projekte
84
Dr. Wolfgang Gerhardt MdB, Vorsitzender des Vorstandes
Prof. Dr. Jürgen Morlok, Vorsitzender des Kuratoriums
Nord-Süd-Dialogprogramm am Sitz der Vereinten Nationen, New York
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Internationale Akademie für Führungskräfte (IAF)
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Geleitworte
Internationale Konferenzen
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Dr. Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen
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Internationale Programme
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Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
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Internationale Kooperation und Vernetzung
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Wie alles begann.
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Die bedeutende Rolle der Kooperationspartner
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Entstehung und Aufbau der internationalen Arbeit
Interview mit Dr. Barthold C. Witte
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Intensive Vernetzung mit nationalen, regionalen und globalen Akteuren
102
Pionierprojekte der Aufbauphase
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Weltweite Bilanz und künftige Herausforderungen
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Regionale Schwerpunkte und Projektentwicklungen
24
Bilanz eines halben Jahrhunderts internationaler Arbeit
Autor: Dr. h.c. Rolf Berndt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied
105
Südliche Mittelmeerländer (Naher und Mittlerer Osten)
25
Neue Herausforderungen und strategische Ziele für die Auslandsarbeit
Subsahara-Afrika
31
Autor: Ulrich Niemann, Bereichsleiter Internationale Politik
111
Lateinamerika
39
Südost- und Ostasien
46
Südasien
54
Mittel-, Südost- und Osteuropa, Südkaukasus und Zentralasien
61
Europäische Institutionen und Nordamerika
68
Herausragende Regionalprojekte
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Dr. Wolfgang Gerhardt MdB Dr. Wolfgang Gerhardt MdB Vorsitzender des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die
Dr. Wolfgang Gerhardt MdB Dr. Wolfgang Gerhardt MdB Vorsitzender des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die
Dr. Wolfgang Gerhardt MdB Dr. Wolfgang Gerhardt MdB Vorsitzender des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die
Dr. Wolfgang Gerhardt MdB Dr. Wolfgang Gerhardt MdB Vorsitzender des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die
Dr. Wolfgang Gerhardt MdB Dr. Wolfgang Gerhardt MdB Vorsitzender des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die

Dr. Wolfgang Gerhardt MdB

Dr. Wolfgang Gerhardt MdB

Vorsitzender des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Prof. Dr. Jürgen Morlok

Vorsitzender des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

„Dem Prinzip ‚Freiheit in Menschenwürde‘ in allen Bereichen der Gesellschaft Geltung zu verschaf- fen“, diesem Auftrag aus ihren politischen Grundsätzen widmet sich die Friedrich-Naumann- Stiftung für die Freiheit (FNF) seit 50 Jahren weltweit. Die Initiative dazu, Demokratie, Rechts- staatlichkeit und wirtschaftliche Entwicklung im Ausland nicht nur durch staatliche Träger, sondern auch durch Organisationen der Zivilgesellschaft wie die politischen Stiftungen zu fördern, kam vom damaligen Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Walter Scheel. Die Einladung an die politischen Stiftungen zeigt nicht nur durch die Förderung von Pluralismus und bürgerschaft- lichem Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit ein klar liberales Politikverständnis. Sie stellt zugleich den Startpunkt der Erfolgsgeschichte dar, als die die Auslandsarbeit der Friedrich- Naumann-Stiftung für die Freiheit und der anderen politischen Stiftungen anerkannt ist.

Die Stiftungsbüros sind in den Ländern, wo sie aktiv sind, tief in der Gesellschaft und im politi- schen Leben verankert. Sie stehen im engen, häufig jahrzehntelangen Austausch mit politischen Parteien, Thinktanks, Nichtregierungsorganisationen, Bildungseinrichtungen und anderen Organi- sationen, Gruppen und Individuen. Gerade für oppositionelle Kräfte, kritische Journalisten und Men- schenrechtsverteidiger sind sie durch ihre klare politische Zuordnung und ihre Unabhängigkeit von wechselnden Mehrheiten in Deutschland ein glaubwürdiger und verlässlicher Partner.

Am 1. Juli 1963 wurde die Auslandsabteilung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ge- gründet und bereits Anfang des folgenden Jahres in Tunesien ein Zentrum für Erwachsenenbildung als erstes Auslandsprojekt der Stiftung aus der Taufe gehoben. Bis Ende der 1960er-Jahre hatte die Stiftung ihre Präsenz auch auf Lateinamerika, Subsahara-Afrika und Asien ausgeweitet. Pioniergeist und Improvisation prägten die ersten Jahre der weltweiten Arbeit und tun dies, gerade in Transiti- ons- und politisch autoritären Ländern, teilweise bis heute. Die langjährige Erfahrung in der Förde- rung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, dem Schutz von Freiheit und Menschenrechten sowie der Förderung von Marktwirtschaft und Entwicklung machte sich nach dem Zusammenbruch des Sozialismus in unserer östlichen Nachbarschaft bezahlt: Auch hier konnte die Stiftung sehr erfolg- reich liberale politische und gesellschaftliche Prinzipien vermitteln und somit zur Einheit Europas beitragen.

Heute ist die Stiftung weltweit wirksam und vernetzt. Mit Projekten in rund 70 Ländern setzt sie sich für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft und Menschenrechte auf der Basis libe- raler Überzeugungen ein. Das Spektrum ihrer Tätigkeit umfasst neben der klassischen Zusammen- arbeit mit liberalen Parteien auch die Unterstützung von Menschenrechtsgruppen, die Ausbildung von Journalisten oder die Durchführung von Klimaschutzprojekten. Die Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter der Stiftung sind Vermittler zu Politik und Gesellschaft unserer Partnerländer, gefragte Ex- perten und hoch motivierte Botschafter für die Freiheit. Ihnen gilt unser Dank und unsere Anerkennung.

Gegenwart und Zukunft bieten große Herausforderungen, die wir als Chancen verstehen. Wir denken hier zum Beispiel an die gegenwärtige Krise der Europäischen Union, die zugleich eine Chance ist, sie nachhaltig zu stärken. Die aufstrebenden Schwellenländer gilt es für eine freiheitliche Gesell- schaftsordnung und verantwortliches globales Handeln zu gewinnen. Die Friedrich-Naumann- Stiftung für die Freiheit wird sich diesen Aufgaben auch in Zukunft stellen und für liberale Lösungen werben.

auch in Zukunft stellen und für liberale Lösungen werben. Prof. Dr. Jürgen Morlok Wir freuen uns,
auch in Zukunft stellen und für liberale Lösungen werben. Prof. Dr. Jürgen Morlok Wir freuen uns,
auch in Zukunft stellen und für liberale Lösungen werben. Prof. Dr. Jürgen Morlok Wir freuen uns,

Prof. Dr. Jürgen Morlok

Wir freuen uns, dass mit dieser Publikation 50 Jahre Arbeit für eine Welt in Freiheit gewürdigt wer- den. Wir danken allen ehemaligen und aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die geleisteten Beiträge. Unser besonderer Dank gilt den beiden verantwortlichen Redakteuren Uwe Johannen und Dr. Jürgen Wickert sowie dem Archiv des Liberalismus. Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine interessante Lektüre.

Dr. Guido Westerwelle Dr. Guido Westerwelle Bundesminister des Auswärtigen Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die
Dr. Guido Westerwelle Dr. Guido Westerwelle Bundesminister des Auswärtigen Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die
Dr. Guido Westerwelle Dr. Guido Westerwelle Bundesminister des Auswärtigen Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die
Dr. Guido Westerwelle Dr. Guido Westerwelle Bundesminister des Auswärtigen Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die

Dr. Guido Westerwelle

Dr. Guido Westerwelle

Bundesminister des Auswärtigen

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit arbeitet seit 50 Jahren im Ausland erfolgreich für freiheitliche Werte und den Geist der Aufklärung. Dieses schöne Jubiläum ist wahrhaft ein Grund zur Freude und ein guter Anlass, die besondere Bedeutung der politischen Stiftungen für Deutsch- land hervorzuheben.

Durch ihre Arbeit mit der Zivilgesellschaft verfügen die Stiftungen über ein tiefes Verständnis für die Situation in unseren Partnerländern. Mit ihrer Arbeit schlagen sie Brücken jenseits des offiziellen Regierungshandelns und stellen Deutschland in seiner ganzen Pluralität und Offenheit dar. Wir Deutsche können uns glücklich schätzen, mit unseren Stiftungen über ein besonderes Instrument der Außenbeziehungen zu verfügen.

Als Außenminister sehe ich, was in den Auslandsbüros der Stiftungen tagtäglich geleistet wird. Die Stiftungen genießen nicht nur bei uns, sondern auch im Ausland ein überaus hohes Ansehen. Spe- ziell der Einsatz für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Transformationsstaaten wird auch von vielen meiner Amtskollegen geachtet, anerkannt und gelobt.

Wir erleben nicht nur eine Globalisierung der Wirtschaft, sondern auch eine Globalisierung der Werte. Der Irrglaube, dass es Regionen oder Kulturen gäbe, wo Menschen keine Teilhabe, keine De- mokratie und keine Freiheit ersehnen, ist widerlegt. Das ist eine große Herausforderung und gleich- zeitig eine große Chance für die Auslandsarbeit der Stiftung, auch in den kommenden Jahrzehnten.

Zur Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit habe ich eine ganz persönliche Bindung: Ich bin Alt-Stipendiat der FNF und mir der Tatsache sehr bewusst, dass die Stiftung zur Schärfung meines politischen Bewusstseins entscheidend beigetragen hat. Mich freut sehr, dass die Stiftung weltweit junge Menschen mit den Werten des Liberalismus in Berührung bringt. Die FNF verfügt mit ihrem Einsatz für Demokratie, für die Freiheit des Einzelnen und für den Schutz der Menschenrechte über einen klaren Wertekompass. Dies hat die Stiftung in den ersten 50 Jahren ihrer Auslandsarbeit in vielen Ländern immer wieder eindrucksvoll bewiesen, auch unter wechselnden und zum Teil schwie- rigen Rahmenbedingungen. Die heutige weltweite Arbeit der FNF unter der Führung von Wolfgang Gerhardt steht in bester Tradition.

Ich gratuliere allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Frei- heit und möchte sie ermutigen, ihren mutigen Weg entschlossen fortzusetzen.

Dirk Niebel

Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

50 Jahre Auslandsarbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit sind ein Grund zum Feiern. Durch ihr weltweites Engagement für Demokratie und starke Zivilgesellschaften, für Rechtsstaat- lichkeit und den Schutz der Menschenrechte, für die soziale Marktwirtschaft und somit für wirt- schaftliche Entwicklungschancen leistet die FNF gemeinsam mit den anderen politischen Stiftungen einen wichtigen Beitrag zur deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Wie in vielen anderen Fragen gilt auch hier: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Es sind nicht nur die jahrzehntelange, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Partnern aus der Zivilgesellschaft der Gastländer und die große politische Kompetenz der Stiftungen, sondern der gelebte Pluralismus, der die sechs politi- schen Stiftungen als Aushängeschild unserer Demokratie und als Instrument deutscher Entwick- lungszusammenarbeit so wichtig macht. Genau aus diesem Grund hat die Bundesregierung die Zusammenarbeit mit den politischen Stiftungen und anderen zivilgesellschaftlichen Trägern in dieser Legislaturperiode deutlich gestärkt. Besonders wichtig ist dies, um den demokratischen Aufbruch in den Ländern der arabischen Welt, aber beispielsweise auch in Myanmar, weiter zu unterstützen.

beispielsweise auch in Myanmar, weiter zu unterstützen. Dirk Niebel Ich bin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die
beispielsweise auch in Myanmar, weiter zu unterstützen. Dirk Niebel Ich bin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die
beispielsweise auch in Myanmar, weiter zu unterstützen. Dirk Niebel Ich bin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die

Dirk Niebel

Ich bin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit sehr dankbar für die gute und vertrauens- volle Zusammenarbeit, die sie seit 50 Jahren mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zu- sammenarbeit und Entwicklung verbindet. Als zuständiger Bundesminister, aber auch schon zuvor, habe ich enge Kontakte mit der Auslandsarbeit der FNF gepflegt. In vielen persönlichen Kontakten und Gesprächen – ob in Berlin, Potsdam oder auf Auslandsreisen – habe ich von der Erfahrung und von der Expertise ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren können. Den Input der Stif- tungen zu verschiedenen Aspekten unserer Entwicklungs- und Außenpolitik habe ich immer als sehr konstruktiv, manchmal kritisch, in jedem Fall aber belebend und innovativ erlebt. Mit der Fried- rich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und ihrer Auslandsarbeit verbinde ich aber nicht nur große Gesprächsbereitschaft und innovative Ideen, sondern auch Flexibilität und die Bereitschaft, neue Wege für mehr Freiheit, Demokratie und Entwicklungschancen zu beschreiten und sich aktuellen Herausforderungen zu stellen.

RB Europäische Institutionen und Nordamerika Brüssel RB Mittel-, Südost- und Osteuropa, Südkaukasus und
RB Europäische Institutionen
und Nordamerika
Brüssel
RB Mittel-, Südost- und Osteuropa,
Südkaukasus und Zentralasien
Sofia
RB Mittelmeerländer
Kairo
RB Lateinamerika
RB Südost- und Ostasien
Mexico Stadt
Bangkok
RB Südasien
Neu Delhi
RB Afrika
Johannisburg

Weltweit aktiv. Für eine Welt in Freiheit.

Der Bereich Internationale Politik der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit engagiert sich mit seinen sieben Regional- und 47 Projektbüros für die Entwicklung des internationalen politischen Dialogs und die Verbreitung liberaler Politikansätze in 70 Ländern der Erde.

des internationalen politischen Dialogs und die Verbreitung liberaler Politikansätze in 70 Ländern der Erde. 8 9
Wie alles begann.
Wie alles begann.

Entstehung und Aufbau der internationalen Arbeit

Wie entstand das internationale Engagement der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit? Walter Scheel forderte die politischen Stiftungen als Bundesminister für wirtschaftliche Zusam- menarbeit 1962 auf, mit öffentlichen Zuwendungen eigene Projekte in der Dritten Welt aufzubauen.

Welche Ziele verfolgte er mit der Einbeziehung der politischen Stiftungen in die Entwicklungsarbeit? Walter Scheel war einer der Ersten, der erkannt hatte, dass die Entwicklungsarbeit nur erfolgreich sein würde, wenn die politischen Strukturen der Entwicklungsländer in Ordnung sind und sie ein Mindestmaß an Demokratie und Schutz der Menschenrechte garantieren. In der damaligen Zeit galt diese Erkenntnis keineswegs als mehrheitsfähig. Ich entsinne mich gut, dass z. B. der interna- tional anerkannte Politologe Richard Löwenthal von den Entwicklungsdiktaturen sprach, die überall notwendig seien. Walter Scheel war hingegen ein früher Pionier der Demokratiebewegung, der zudem das Potenzial und die Chancen der politischen Stiftungen als nicht staatliche Akteure der Entwicklungspolitik erkannte. Wenn wir heute die Früchte des jahrzehntelangen weltweiten Ein- satzes der Stiftungen ernten, dann verdanken wir dies nicht zuletzt ihm.

ernten, dann verdanken wir dies nicht zuletzt ihm. Dr. Barthold C. Witte Geschäftsführer (1964–1970) und
ernten, dann verdanken wir dies nicht zuletzt ihm. Dr. Barthold C. Witte Geschäftsführer (1964–1970) und
ernten, dann verdanken wir dies nicht zuletzt ihm. Dr. Barthold C. Witte Geschäftsführer (1964–1970) und

Dr. Barthold C. Witte Geschäftsführer (1964–1970) und langjähriges Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung, ehemaliger Herausgeber der Zeitschrift „liberal“

Wie stand es seinerzeit mit der Idee einer liberalen Marktwirtschaft für Entwicklungsländer? In diesen Pionierjahren war die absolut vorherrschende Meinung, nur Sozialismus könne die Ent- wicklungsländer retten. Ich habe 1968 auf einer Bonner Tagung der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft in dieser ordnungspolitischen Frage dagegengesetzt, dass Marktwirtschaft das bes- sere Rezept sei – wohlbemerkt eine Marktwirtschaft nicht des entfesselten Kapitalismus, wie wir es heute in bestimmten Bereichen leider haben, sondern eine Marktwirtschaft, die durch einen re- gelsetzenden Staat begrenzt wird. Das war damals die Stimme eines Predigers in der Wüste. Heute ist es umgekehrt: Es gilt als Common Sense, dass nur über die Schaffung marktwirtschaftlicher Strukturen der Aufstieg der Entwicklungsländer gelingen kann. Es gibt zwar nach wie vor einige Unverbesserliche, die glauben, der Staat könne das alles viel besser. Aber ich denke, wir haben mit unseren Partnern weltweit zeigen können, welcher Weg in der Realität erfolgreicher ist.

Sie waren der Architekt der Aufbaujahre des internationalen Engagements der Stiftung. Wie kam es dazu? Diese Rolle fiel mir zu, weil ich im Vorstand der FNF der Einzige war, der einige internationale Er- fahrungen mitbrachte. Ich war Präsident des Weltbundes Liberaler Jugend gewesen und hatte über

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1 3 2 4 1. Regionales Gewerkschaftsseminar für das frankofone Afrika in Kooperation mit der Deutschen
1 3 2 4 1. Regionales Gewerkschaftsseminar für das frankofone Afrika in Kooperation mit der Deutschen

1. Regionales Gewerkschaftsseminar für das frankofone Afrika in Kooperation mit der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Lomé, Togo, 1965

2. Eröffnung des Seminars „Die Reform der Staatstrukturen und die nationale Entwicklung“ durch den ehemaligen Staatspräsidenten von Costa Rica, José Figueres, (Mitte) und Prof. Diego Uribe Vargas, Abgeordneter der Liberalen Partei, Bogotá 1966

3. Besuchsprogramm für Wirtschaftsführer nationaler Verbände und Hochschulen aus sechs Ländern Lateinamerikas in der Bundesrepublik, 1966

4. 3. Dialog-Konferenz mit der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften (CASS), Peking, 1985

die World Assembly of Youth zahlreiche Kontakte im Jugendbereich. Als Vorstandsmitglied der deut- schen Gruppe der Liberalen Weltunion (heute Liberale Internationale) kannte ich dieses Parteien- bündnis gut. Auch hatte ich erste Ost-Kontakte entwickelt, so über die Deutschen Jungdemokraten mit den sowjetischen Jugendverbänden. Mitte 1963 übernahm ich die Leitung der neu geschaffenen Auslandsabteilung und 1965 die Geschäftsführung der Stiftung.

Mit welchen Kernproblemen war die Stiftung in der Aufbauphase der internationalen Arbeit konfrontiert? Die Auslandsarbeit hatte einen schwierigen Start, weil es in den Entwicklungsländern an Kontakten und Erfahrungen mangelte. Da war es sehr hilfreich, dass Walter Scheel die Vorstellung entwickelte, man müsse über internationale Organisationen als jeweiliges Dach in die Entwicklungsländer gehen, um dort national tätig zu werden. Wir hatten zwar die Liberale Weltunion, jedoch weitgehend be- grenzt auf Europa. Da es in Entwicklungsländern kaum liberale Parteien gab – nicht bloß dem Namen nach, sondern in der politischen Realität –, mit Ausnahme weniger Länder Lateinamerikas und Asiens, war der Weg über Schwesterparteien oder Parteienbündnisse nicht möglich, der öffnete sich erst sehr viel später durch die Stiftungsarbeit selbst. Daher war es unsere allererste Aufgabe, internationale Organisationen zu finden, die bereit waren, mit der Friedrich-Naumann-Stiftung zu- sammen den Aufbau demokratischer und marktwirtschaftlicher Strukturen in der Dritten Welt an- zugehen.

Strukturen in der Dritten Welt an- zugehen. Internationales Kolloquium „Freiheit und Menschenwürde in
Strukturen in der Dritten Welt an- zugehen. Internationales Kolloquium „Freiheit und Menschenwürde in
Strukturen in der Dritten Welt an- zugehen. Internationales Kolloquium „Freiheit und Menschenwürde in

Internationales Kolloquium „Freiheit und Menschenwürde in den Entwicklungs- strategien“ mit über 100 führenden Politikern aus allen Teilen der Welt im Reichstag in Westberlin, 1980, unter der Schirmherrschaft von Altbundespräsident Walter Scheel, damals Vorsitzender des Kuratoriums der FNF

Die Strategie hieß also zunächst, im vorpolitischen Raum mit geeigneten Partnern zu arbeiten. Sol- che Partner der Aufbaujahre waren Jugendverbände über die World Assembly of Youth, die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft DAG mit ihren internationalen Verflechtungen, wirtschaftsnahe Verei- nigungen, die uns im Wesentlichen über die Montpelerin Society vermittelt wurden, und Genos- senschaftsverbände. Wir haben am Anfang große Schwierigkeiten gehabt, qualifiziertes Personal zu finden. Die alten Kolonialmächte England, Frankreich, Holland etc. hatten reiche Entwicklungs- länder-Erfahrungen. Bei uns war das Reservoir an Fachkräften mit soliden Länder- und Sprachkom- petenzen sowie beruflicher Praxis in Afrika, Asien und Lateinamerika äußerst begrenzt.

Wie entstanden die ersten Pionierprojekte der 60er-Jahre? Die Anbahnung erfolgte auf zwei Wegen: entweder über uns bekannte Kontaktpersonen in der Bun- desrepublik mit Verbindungen in bestimmte Entwicklungsländer, oder über die Vermittlung von Kontakten unserer internationalen Kooperationspartner zu potenziellen Projektträgern in den Ein- satzländern. Das erste Auslandsprojekt der Stiftung war das Institut Ali Bach Hamba in Tunesien, dessen Kern die Aus- und Fortbildung von Journalisten, Dokumentaren und gesellschaftlichen Füh- rungskräften war, gewissermaßen ein Mehrzweck-Institut. Der erste Kontakt nach Tunesien erfolgte durch Gespräche zwischen mir und dem damaligen tunesischen Wahl-Generalkonsul, Paul Conrad. Er hatte bis zum Staatspräsidenten Bourguiba hin hervorragende Partner. Ich habe dann in Tunis die Verhandlungen mit der Regierung geführt und den Projektvertrag Anfang 1964 unterzeichnet.

Das erste Seminar für liberalen Führungs- nachwuchs in Asien (School for Freedom) in Kooperation mit
Das erste Seminar für liberalen Führungs- nachwuchs in Asien (School for Freedom) in Kooperation mit
Das erste Seminar für liberalen Führungs- nachwuchs in Asien (School for Freedom) in Kooperation mit

Das erste Seminar für liberalen Führungs- nachwuchs in Asien (School for Freedom) in Kooperation mit der Indian Group of Liberal International, New Delhi, 1965

Wie entstanden die zeitlich folgenden Projekte in Lateinamerika? Als Mitglied der Montpelerin Society, eines internationalen Thinktanks liberaler Ökonomen und In- tellektueller, habe ich einige andere Mitglieder in den USA kontaktiert, die in Lateinamerika ein Netz von Institutionen zur Propagierung der Marktwirtschaft aufgebaut hatten. Die Stiftungspro- jekte mit wirtschaftlichen Führungskräften, die daraus entstanden, waren im Ergebnis unterschied- lich. Es gab Erfolge, z. B. in Peru, weil dort einige jüngere, selbstständige Unternehmer sich auch ihrer sozialen Verantwortung bewusst waren. Aber auch Misserfolge, z. B. in Guatemala, wo der dortige Stiftungspartner sich ungebremst dem Militärmachthaber in die Arme warf, sodass wir die Kooperation einstellten.

Wie gelang der Einstieg der ersten Projekte in Asien? Es gab einen Partner in Indien – Minoo Masani –, den Gründer und Generalsekretär der liberalen Swatantra-Partei, persönliches Mitglied der Liberalen Weltunion. Die Kooperation mit ihm und sei- nen Freunden mündete in ein dauerhaftes Projekt der gesellschaftspolitischen Bildung von Füh- rungskräften mit dem Leslie Sawhny Programme in Bombay. Bereits Ende 1965 organisierten wir zudem eine „School for Freedom“ in New Delhi, das erste Schulungsseminar für liberale Nach- wuchskräfte in Asien. Diese Veranstaltung war Teil des ersten gemeinsamen Projektes der Stiftung mit der Liberalen Weltunion zur Förderung junger Liberaler.

Die School for Freedom war ursprünglich von Massimo Salvadori, dem ideologischen Kopf der Li- beralen Weltunion aus den 40er-Jahren, gegründet worden. Sie wurde mit Beginn unserer interna- tionalen Tätigkeit in die Mitträgerschaft und Mitfinanzierung der Stiftung übernommen und über viele Jahre gemeinsam von Prof. Hans Reif für die Stiftung und Richard Moore, dem damaligen Ge- neralsekretär der Liberalen Weltunion, geleitet. Die School for Freedom war als Sommerkurs für junge Liberale eine der allerersten internationalen Aktivitäten der FNF, zunächst auf europäischer Ebene, aber dann auch zunehmend mit Teilnehmern aus Entwicklungsländern. Sie wieder aufleben zu lassen, z. B. im Rahmen der Internationalen Akademie für Führungskräfte der FNF in Gummers- bach, wäre verdienstvoll. Über die DAG und den Dachverband der Angestellten-Gewerkschaften Asiens APRO-FIET erfolgte die Anbahnung von Kontakten in Indonesien. Nach dem Erfolg des Mehr- zweck-Instituts Ali Bach Hamba in Tunis hatten wir uns entschlossen, den Versuch zu unternehmen, in Indonesien ein entsprechendes Institut aufzubauen. So entstanden die Projekte Industrie- und Handelskammer Bandung sowie das Bildungsinstitut für wirtschaftliche und soziale Forschung, Er- ziehung und Information in Jakarta. Die Gewerkschaftskomponente unserer Arbeit hat nicht lange gehalten, die Widerstände aus dem sozialistischen Bereich waren stark und sehr erfolgreich.

Und wie entstanden die Pionierprojekte in Afrika? Das war ein sehr schwieriges Unterfangen. Wir haben im Jugendbereich zusammen mit dem Gene- ralsekretär der World Assembly of Youth, David Wirmark, der aus der Liberalen Partei Schwedens kam, versucht, ein gesamtafrikanisches Institut zur Aus- und Fortbildung von Jugendleitern zu grün-

den. Das ist in Grenzen gelungen. Nach vielen Mühen und manchen Misserfolgen haben wir es ge- schafft, ein solches Institut in Ghana ins Leben zu rufen. Ironischerweise etabliert in den Gebäuden, die für eine Segelflugschule gebaut worden waren, deren Leiterin Hanna Reitsch gewesen war. Sie hatte sich mit dem Diktator Ghanas, Kwame Nkrumah, eng befreundet, war damit untragbar für das folgende demokratische Regime und wurde ausgewiesen. In die leerstehenden Gebäude zog die Friedrich-Naumann-Stiftung ein. Aber es stellte sich sehr bald heraus, dass der gesamtafrika- nische Ansatz nicht funktionierte. Denn auch in Afrika bildeten sich Nationalstaaten.

Wie war die Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in der Aufbauphase? Sehr gut. Ich kann das wirklich nur mit Tönen des höchsten Lobes sagen. Die BMZ-Vertreter waren, da muss ich Winfried Böll als den entscheidenden Partner erwähnen, selbst Pioniere und nicht Ver- walter. Sie sahen ihre Rolle auch so, waren offen und haben auch Projekte gefördert, bei denen das Risiko des Scheiterns von vornherein sichtbar war, sie zeigten also eine Risikobereitschaft, die für Behörden nicht typisch ist. In dieser Pionierzeit der gesellschaftspolitischen Entwicklungsarbeit waren die zeitlichen und inhaltlichen Abstände zwischen Projektantrag und Bewilligung ziemlich kurz. Es gab z. B. keine Feasibility-Studien wie heute, ehe ein Antrag gestellt werden konnte, sondern das Ministerium wollte, dass die Mittel schnell und effizient eingesetzt, aber auch seriös adminis- triert wurden. Die gesellschaftspolitische Bildungsarbeit zielte wesentlich darauf ab, Gesamtstruk- turen innerhalb der jeweiligen nationalen Gesellschaft und günstige Rahmenbedingungen für eine demokratische Entwicklung zu schaffen.

für eine demokratische Entwicklung zu schaffen. Lateinamerikanisches Jugendleiterseminar zu den Chancen der
für eine demokratische Entwicklung zu schaffen. Lateinamerikanisches Jugendleiterseminar zu den Chancen der
für eine demokratische Entwicklung zu schaffen. Lateinamerikanisches Jugendleiterseminar zu den Chancen der

Lateinamerikanisches Jugendleiterseminar zu den Chancen der wirtschaftlichen Integration in Mittelamerika, Bogotá, 1966

Es wurde im Verlauf der ersten Vorhaben sehr rasch deutlich, dass es parallel dazu den Aufbau von Basisprojekten geben müsste. Aus dieser Einsicht entstand im Dialog mit dem BMZ die sogenannte Sozialstrukturhilfe als neuer Haushaltstitel. Wir haben ein erstes Projekt 1965 in einem Elendsviertel von Valparaíso in Chile gestartet. Wir haben in diesen Pionierzeiten sehr eng mit dem BMZ verkehrt und waren bemüht, keine Betriebsgeheimnisse zu schaffen, sondern unsere Motive und Ergebnisse offenzulegen, so gut es nur ging. Es gab daher ein Grundvertrauen zwischen den zuständigen Per- sonen im BMZ, vom Minister angefangen bis zu den Sachbearbeitern im zuständigen Referat ei- nerseits, den Verantwortlichen der Stiftung andererseits – ein Grundvertrauen, das beide Seiten gebunden und sich über die Jahre bewährt hat.

Wie war die Kooperation der politischen Stiftungen mit dem Auswärtigen Amt? In den ersten Jahren der internationalen Arbeit der Stiftungen förderte das Auswärtige Amt (AA) kurzfristige Maßnahmen zum Nord-Süd-Dialog oder mit Fokus auf die Industrieländer. Erst später wurden Mittel für dauerhafte Vorhaben im Ausland bereitgestellt, die aber auch nicht in Entwick- lungsländern stattfanden, sondern im „entwickelten Rest“ der Welt. Also West- und Ostprojekte, keine Südprojekte, um es plakativ zu sagen. Grundlage dieser Entscheidung im AA war nicht nur die Rivalität zum BMZ, sondern die Erkenntnis, dass die Stiftungen eine sehr hilfreiche Rolle spielen

könnten bei der Festigung der Integration der Bundesrepublik im Westen einerseits und im begin- nenden Dialog mit dem Osten andererseits. Das war natürlich eine hochpolitische Aufgabe, die uns da zuwuchs, die von vornherein sehr viel deutlicher politisch war, als das in BMZ-Projekten a priori sichtbar wurde. Eine ganze Reihe von Initiativen im außenpolitischen Kontext, die die Stiftung da- mals begonnen hat, vor allem im Ost-West-Dialog, wurde dann aus Mitteln des Auswärtigen Amtes (AA) finanziert. Sie wären sonst nicht möglich gewesen.

Wie war die Akzeptanz der Stiftungsprojekte durch die deutschen Botschaften? Sehr unterschiedlich. Es gab Botschafter und Diplomaten, die begriffen, dass die Arbeit der politi- schen Stiftungen für sie sehr hilfreich sein konnte. Es gab freilich auch Botschafter, vor allem der älteren Generation, die sich damit sehr schwertaten, weil sie es anders gewöhnt waren. Diplomatie fand eben traditionell so statt, dass man von Regierung zu Regierung miteinander verkehrte, also schon ein Gespräch mit der Opposition eigentlich nicht zulässig war, geschweige denn institutio- nalisierte Kooperationen mit oppositionellen Kräften. Die Stiftungen machten aber genau das in vielen Ländern, indem sie Projekte nicht nur mit Regierungen, sondern auch mit oppositionellen Kräften durchführten. Manche Stiftungsvertreter waren sich in der Berichterstattung der Konkur- renzsituation zur Botschaft sehr wohl bewusst. Sie waren in Einzelfällen aufgrund ihrer sehr engen Kooperation mit Regierungs- oder Oppositionsspitzen besser unterrichtet über das, was im Innersten der politischen Systeme vor sich ging, als manche Botschaften es waren. Der Bundesregierung kam das sehr zugute.

Wie war die Akzeptanz der ersten Stiftungsprojekte in den Partnerländern? Die Regierungen zeigten sich generell offen für die Tätigkeit der Stiftung und waren bereit, ent- sprechende Rahmenabkommen zu schließen. Die Projekte haben der Stiftung sowohl bei staatlichen Stellen als auch den nicht staatlichen Partnern meist viel Anerkennung, Respekt und Ansehen ein- getragen. Aber auch die Resonanz bei den Zielgruppen unserer Projektarbeit war bemerkenswert. Stichwort Journalistenausbildung: Ich entsinne mich an eine Diskussion mit Kursteilnehmern in Marokko Ende der 60er-Jahre, wo ich vorsichtig darüber sprach, dass Journalisten eine große Ver- antwortung gegenüber der Gesamtgesellschaft hätten und daher genau abwägen müssten, was verantwortbar sei und was nicht. Worauf die Kursteilnehmer ganz empört über meine Zurückhaltung meinten, sie wollten doch endlich auch in Marokko die Presse- und Meinungsfreiheit herstellen. Das sei ihr Ziel. Also, das war für mich auch eine Lehre, dass in der Tat die Stiftungsarbeit in diesen vorpolitischen Bereichen unmittelbare politische Wirkungen hatte. Ich sage das auch deshalb, weil mit der späteren Wendung zum Vorrang der Förderung parteipolitischer Initiativen oft gesagt wor- den ist, dass diese Arbeit im vorpolitischen Raum eigentlich sinnlos gewesen sei. Nein, sie war sehr sinnvoll und hat vielfach bedeutende gesellschaftliche Effekte erzielt und Entwicklungen angestoßen.

Welchen Stellenwert hatte die Auslandsarbeit aus Sicht des Vorstandes in den 1960er-Jahren? Es gab lebhafte Diskussionen im Vorstand darüber, welches Gewicht die internationale Arbeit haben sollte, weil die Befürchtung groß war, dass schon wegen des Verhältnisses der verfügbaren Finanz- mittel die Stiftung fast nur noch Entwicklungsarbeit leisten würde und ihre inländischen Aufgaben in den Hintergrund treten würden. Diese Sorgen waren nicht unbegründet, aber wir haben bewusst gegengesteuert. Mein Vorgänger als Geschäftsführer, Werner Stephan, der dann im Vorstand saß, hat die Initiative ergriffen, eine Bildungsstätte im Inland zu errichten. Mit der Theodor-Heuss- Akademie wurde dann auch das Gegengewicht im Inland geschaffen.

Wie sehen Sie rückblickend die Bilanz der ersten zehn Aufbaujahre? Die Stiftung musste sich in der ersten Dekade schrittweise als kompetenter Akteur und Partner in zahlreichen Ländern etablieren, eigene Projekterfahrungen sammeln und ein Reservoir von Personen aufbauen, die die Praxis der internationalen Arbeit und speziell der Entwicklungsländer kannten. Heute können die politischen Stiftungen und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) jederzeit auf einen großen Pool von Erfahrungen und Experten zurückgreifen, das war damals unmöglich. Es gab also keine Alternative zu dem Such- und Lernprozess der ersten Jahre. Und: Er war erfolgreich.

Das Medien-Ausbildungsinstitut Ali Bach Hamba – das erste Auslandsprojekt der FNF, Tunis, 1964 Pionierprojekte der
Das Medien-Ausbildungsinstitut Ali Bach Hamba – das erste Auslandsprojekt der FNF, Tunis, 1964 Pionierprojekte der
Das Medien-Ausbildungsinstitut Ali Bach Hamba – das erste Auslandsprojekt der FNF, Tunis, 1964 Pionierprojekte der

Das Medien-Ausbildungsinstitut Ali Bach Hamba – das erste Auslandsprojekt der FNF, Tunis, 1964

Pionierprojekte der Aufbauphase

Die internationale Arbeit der politischen Stiftungen entstand 1962 durch das Angebot des Bun- desministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, im Rahmen des Haushaltstitels „Gesellschafts- politische Bildung“ eigene Projekte der Stiftungen in Entwicklungsländern zu finanzieren. Ziel der Bundesregierung war es, durch die Förderung gesellschaftspolitischer Projekte der Stiftungen die Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen in den Einsatzländern günstig zu beeinflussen, d. h., den Aufbau von Demokratie, Rechtsstaat, Marktwirtschaft und pluralistischen Gesellschaften in Kooperation mit nationalen Partnern zu unterstützen. Dabei sollten vorrangig politische Parteien, Gewerkschaften, Bauern-, Jugend- und Unternehmensverbände, Management in Unternehmen und öffentlicher Verwaltung sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen gefördert werden.

Beginn der internationalen Arbeit Die internationale Arbeit der FNF begann am 1. Juli 1963 mit dem Aufbau der Auslandsabteilung. Strategische Zielsetzungen ihrer Projektarbeit waren damals:

1. die Bildung und Stärkung verantwortlicher Führungsschichten in Afrika, Asien und Lateinamerika durch fachliche Qualifizierung und Vermittlung liberaler Grundwerte,

2. die Förderung der demokratischen Entwicklung und inneren Stabilität der Partnerländer auf der Grundlage freiheitlicher Ordnungsprinzipien.

Programmatisch erfolgte eine Konzentration auf die Aus- und Fortbildung von Führungs- und Nach- wuchskräften der Publizistik, Wirtschaft, Jugendverbände, Angestellten-Gewerkschaften und öf- fentlichen Verwaltung. Zu Beginn wurden zahlreiche kurzfristige Maßnahmen, d. h. Seminare, Konferenzen, Informations- und Studienreisen, eingesetzt, um langfristige Projekte unter Einbezie- hung von Stiftungsbüros und entsandten Projektleitern anzubahnen.

Das erste Auslandsprojekt in Tunesien Im Frühjahr 1964 konnte das erste institutionelle Auslandsprojekt der FNF in Tunis seine Tätigkeit aufnehmen: das Bildungsinstitut Ali Bach Hamba, ein Zentrum zur Aus- und Fortbildung von Jour- nalisten, Dokumentaren und gesellschaftlichen Führungskräften, benannt nach einem tunesischen Freiheitskämpfer. Aus diesem erfolgreichen Projekt sind in fast fünf Jahrzehnten der Stiftungsprä- senz in Tunesien weitere Projekte mit insgesamt 16 Partnerorganisationen in den Bereichen Medien, Menschen- und Frauenrechte, Umwelt und Wirtschaft entstanden, darunter ein afrikanisches Fort- bildungszentrum für Journalisten. Nahezu die Hälfte dieser Partner entwickelte sich erst aus der Arbeit der Stiftung heraus, darunter alle Organisationen im Medien- und Umweltbereich. Die Aktivi-

täten strahlten auch auf Zielgruppen im Maghreb und in frankofonen afrikanischen Ländern aus. Generationen von tunesischen Journalisten, insgesamt etwa 14.000 aus Hörfunk, Fernsehen, Zei- tungen und Zeitschriften, sind durch die Medien-Programme der Stiftungspartner gegangen, ferner 3.500 ausländische Journalisten aus 50 afrikanischen und arabischen Ländern. Seit 1990 vermit- telten Konferenzen mit dem Wirtschaftsmagazin Economiste Maghrébin und dem Arabischen In- stitut der Unternehmensleiter IACE einer breiten Öffentlichkeit kritische Analysen zu wirtschafts- und finanzpolitischen Themen. Durch die jahrzehntelange enge Kooperation mit einem breiten Part- nerspektrum wurde ein enormes Vertrauenskapital aufgebaut.

Dies hat der Stiftung ermöglicht, nach dem Fall des Diktators Ben Ali im Zuge der Jasmin-Revolution 2011 mit ihren Partnern sofort Reformschritte zum Aufbau einer demokratischen Gesellschaft ein- zuleiten. Zwei langjährige Partner der Stiftung haben Schlüsselpositionen im Transitionsprozess übernommen: Taïeb Baccouche als Bildungsminister und Sprecher der Übergangsregierung sowie Moncef Marzouki als gewählter Übergangspräsident. Verlauf und Entwicklung des Projektes Tunesien zeigen beispielhaft, dass ein sehr langfristiges Engagement in einem Land zur Institutionenbildung in verschiedenen Bereichen substanzielle Fortschritte bewirken kann und damit die Nachhaltigkeit der Projektarbeit sichert: Alle historischen Partner der Stiftung in Tunesien bestehen heute unab- hängig von unserer Förderung fort.

bestehen heute unab- hängig von unserer Förderung fort. Die brasilianische Genossenschafts-Akademie „Friedrich
bestehen heute unab- hängig von unserer Förderung fort. Die brasilianische Genossenschafts-Akademie „Friedrich
bestehen heute unab- hängig von unserer Förderung fort. Die brasilianische Genossenschafts-Akademie „Friedrich

Die brasilianische Genossenschafts-Akademie „Friedrich Naumann“ in Cascavel betreut jährlich 140.000 Fortbildungsteilnehmer

Der Start in Lateinamerika Auf das Projekt Tunesien folgten 1964 bis 1967 Projekte für wirtschaftliche Führungskräfte in Gua- temala, Peru, Chile und Brasilien. Partner waren vorrangig private Institute für Unternehmensfüh- rung und Managementschulung, Wirtschaftsverbände und Universitäten. Die Programme konzen- trierten sich auf die Vermittlung moderner betriebswirtschaftlicher Konzepte sowie wirtschafts- und ordnungspolitische Themen. Dabei wurden zahlreiche deutsche und internationale Experten als kurzfristige Gastdozenten eingesetzt, u. a. die bekannten Ökonomen F. A. von Hayek, Nobelpreis- träger für Wirtschaftswissenschaften und Gründer des weltweiten liberalen Thinktanks Montpelerin Society, und Gottfried Haberler, Harvard University.

Ab 1969 verlagerte sich der Schwerpunkt dieser Projekte zunehmend auf die Förderung von Ver- bandsorganisationen und Schulungszentren des Genossenschaftssektors. In Brasilien führte dies zum Aufbau von fünf genossenschaftlichen Dienstleistungszentralen in den wichtigsten Landesre- gionen und auf Bundesebene. Das brasilianische Genossenschaftswesen befand sich seinerzeit in einer tiefen Strukturkrise. Die Partner konnten im Verlauf der 20-jährigen Kooperation mit der Stif- tung eine grundlegende Neuordnung der nationalen Verbandsstrukturen, die Revision des Genos- senschaftsgesetzes und eine wesentliche Stärkung und Dynamisierung ihres Wirtschaftssektors bewirken. Die Multiplikatoreffekte waren beträchtlich, denn über die Konsolidierung der Genos- senschaften wurden 10 Prozent der Bevölkerung erreicht. Als Zeichen der Dankbarkeit für den in- tensiven Einsatz der FNF wurde die 1989 gemeinsam errichtete Akademie der Genossenschaften in

Einweihung des Bildungszentrums der Sarvodaya-Bewegung durch Bundesminister Dr. Otto Graf Lambsdorff, Sri Lanka, 1978
Einweihung des Bildungszentrums der Sarvodaya-Bewegung durch Bundesminister Dr. Otto Graf Lambsdorff, Sri Lanka, 1978
Einweihung des Bildungszentrums der Sarvodaya-Bewegung durch Bundesminister Dr. Otto Graf Lambsdorff, Sri Lanka, 1978

Einweihung des Bildungszentrums der Sarvodaya-Bewegung durch Bundesminister Dr. Otto Graf Lambsdorff, Sri Lanka, 1978

Cascavel, Bundesstaat Paraná, nach Friedrich Naumann benannt. Sie verzeichnete 2012 (20 Jahre nach der Projektübergabe) mehr als 5.000 Fortbildungen mit 140.000 Teilnehmern.

Das Jahr des Durchbruchs Ab 1968 gelang der Stiftung eine erhebliche Ausweitung ihrer internationalen Arbeit mit Neupro- jekten in Indonesien (Institut für gesellschaftliche Führungskräfte), Indien (Akademie für staats- bürgerliche Erziehung), Dahomey (Gewerkschaftsakademie), Ghana (Jugendleiter-Schulungs- zentrum), Zaire (Institut für öffentliche Verwaltung), Marokko (Journalistenausbildung an der Uni- versität Rabat) und Kolumbien (politische Erwachsenenbildung).

Der Auftakt in Asien Das erste institutionelle Projekt in Asien begann Ende 1968 in Indonesien mit dem Aufbau der In- dustrie- und Handelskammer in Bandung, West-Java. Im Juli 1970 gelang die Gründung einer Ge- sellschaft für Wirtschafts- und Sozialforschung unter Beteiligung der bisherigen Partner, mit dem Ziel, ein umfassendes Programm zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung und Mo- dernisierung Indonesiens aufzubauen. Die 40 Gründer gehörten der wissenschaftlichen und admi- nistrativen Elite des Landes an, darunter drei Bundesminister. Vorsitzender war Handelsminister Soemitro Djodjohadikusumo, sicher der fortschrittlichste und demokratischste Vertreter im Kabinett von Staatspräsident Suharto. Das gemeinsam mit diesem Partner 1971 errichtete Institut für wirt- schaftliche und soziale Forschung, Erziehung und Information (LP3ES) hat sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer überaus erfolgreichen und hoch angesehenen Institution entwickelt. Das Pro- gramm umfasst bis heute Wirtschafts- und Sozialforschung, Aus- und Fortbildung von Studenten und gesellschaftlichen Führungskräften, eine wissenschaftliche Dokumentationsstelle, die Heraus- gabe der landesweit führenden Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialpolitik „Prisma“ mit 150.000 Exemplaren monatlich, die Erstellung und Übersetzung von Lehrbüchern für Wirtschafts- und So- zialwissenschaften an Universitäten sowie den Aufbau privater Radiosender mit Hörerclubs. Das Institut hat als Herausgeber wissenschaftlicher Arbeiten indonesischer Autoren hohen Rang und ist als Dienstleistungszentrum für entwicklungspolitische Programme und sozioökonomische Studien bekannt. Auftraggeber sind vor allem internationale Organisationen und indonesische Ministerien. Ein besonderer Schwerpunkt war die Förderung der Kleinindustrie und Managementberatung von Kleinunternehmen über Handwerkervereinigungen. Der Partner ist seit Jahrzehnten wirtschaftlich selbstständig.

Die ersten Projekte in Subsahara-Afrika Die Projektarbeit in Subsahara-Afrika begann 1964 mit einem Bildungsprogramm für Führungskräfte der Angestellten-Gewerkschaften in frankofonen und anglofonen Ländern. Kooperationspartner waren die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) und der Internationale Bund der Privatan- gestellten (mit Sitz in Genf). Parallel dazu wurde ein Bildungsprogramm für Jugendleiter und Stu- dentenführer aus allen Regionen Afrikas in Kooperation mit der World Assembly of Youth (Brüssel)

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mit der World Assembly of Youth (Brüssel) 1 3 2 4 1. Eröffnung der Genossenschaftsakademie „Friedrich
mit der World Assembly of Youth (Brüssel) 1 3 2 4 1. Eröffnung der Genossenschaftsakademie „Friedrich

1. Eröffnung der Genossenschaftsakademie „Friedrich Naumann“ durch den Gouverneur des Bundesstaates Paraná und den Präsidenten der OCEPAR, 1989

2. Fortschrittskontrolle im FNF-Projekt „Informationssystem für agrarpolitische Analyse der Provinz Heilongjang“, Harbin, 1989

3. Einweihung des 1972 gegründeten Partnerinstituts LP3ES durch Außenminister Dr. Adam Malik, Indonesien (Mitte), und Dr. Otto Graf Lambsdorff, Jakarta, 1977

4. Einweihung des Nationalen Jugendausbildungszentrums durch Staatspräsident Tolbert (Bildmitte) und mehrere Minister, Bentol, Liberia, 1978

Ismid Hadad Direktor des Partnerinstituts für wirtschaftliche und soziale Forschung, Erziehung und Information (LP3ES)
Ismid Hadad Direktor des Partnerinstituts für wirtschaftliche und soziale Forschung, Erziehung und Information (LP3ES)
Ismid Hadad Direktor des Partnerinstituts für wirtschaftliche und soziale Forschung, Erziehung und Information (LP3ES)

Ismid Hadad Direktor des Partnerinstituts für wirtschaftliche und soziale Forschung, Erziehung und Information (LP3ES) in Jakarta von 1975 bis 1980, heute Berater des Innenministers, Indonesien

„Indonesien war in der Frühphase des Über- gangs vom autokratischen Sukarno-Regime zum Militärregime von Suharto, als das Insti- tut LP3ES 1970 mithilfe der FNF etabliert wurde. Es waren die Studentenaktivisten, die halfen, das Regime der ‚alten Ordnung‘ zu stürzen und die dann den Aufbau des Insti- tutes LP3ES als unabhängige und alternative zivilgesellschaftliche Institution initiierten, um ein Gegengewicht zur wachsenden Rolle der Militärs und zu den autokratischen Ten- denzen des gerade etablierten Regimes der ‚neuen Ordnung‘ von General Suharto zu schaffen.“

durchgeführt. Die regionalen Konferenzen und Seminare in Afrika, kombiniert mit Studienreisen in die Bundesrepublik, führten zur Anbahnung enger Kontakte mit potenziellen afrikanischen Partnern.

Das erste institutionelle Projekt südlich der Sahara konnte Ende 1968 in Dahomey, Westafrika (heute Benin), seine Arbeit aufnehmen. Mit dem Nationalen Institut für gewerkschaftliche Erziehung INEOD wurde eine Akademie zur Ausbildung gewerkschaftlicher Führungskräfte errichtet. Die bildungspo- litische Arbeit auf Gewerkschaftsebene wurde 1972 auf Jugend- und Frauenverbände sowie die fachliche Fortbildung von Wirtschafts- und Verwaltungskadern erweitert. Die Akademie hat bereits in der Anlaufphase ihren Aktionsradius auf Togo, Obervolta und Niger ausgedehnt.

Das zweite institutionelle Projekt in Afrika startete 1971 in Ghana. In Kooperation mit dem Ghana National Youth Council und dem Ministry for Social Welfare and Youth entstand das Jugendleiter- Schulungszentrum Afienya. Im Rahmen neunmonatiger Lehrgänge wurden die Fachgebiete Land- wirtschaft, Holz- und Metallarbeit sowie Hauswirtschaft unterrichtet. Die Absolventen wurden in ihren eigenen Dörfern, Organisationen des Community Development oder der Jugendarbeit einge- setzt. Ergänzend fanden kürzere Lehrgänge für die Mitgliederverbände des Ghana National Youth Council statt. Das Programmangebot konnte auch von Teilnehmern aus der Region Westafrika ge- nutzt werden.

Bilanz nach zehn Jahren internationaler Arbeit Die Aufbauphase der internationalen Arbeit gestaltete sich mangels eigener Erfahrungen der Stif- tung in Entwicklungsländern und aufgrund der geringen Zahl qualifizierter Fachkräfte mit Länder- und Sprachkompetenzen in Deutschland als überaus schwieriger Such- und Lernprozess. Probleme bei der Partnerwahl konnten häufig erst nach mehreren Jahren überwunden werden. In einigen Fäl- len wurden neue Organisationen geschaffen, weil im Einsatzland keine geeigneten Partner exis- tierten. Daher bestand seitens der Stiftung auch eine Tendenz zur Übertragung des in Tunesien erfolgreichen Projektmodells für mehrere Zielgruppen auf andere Länder und Kontinente trotz un- terschiedlicher gesellschaftlicher Bedingungen.

Am Ende der zehnjährigen Aufbauphase gelang 1972 ein weiterer Ausbau des internationalen En- gagements durch Neuprojekte in Sri Lanka (sozialwissenschaftliche Forschung/ländliche Entwick- lung), Malaysia (Gewerkschaftsausbildung) und Mexiko (ländliche Entwicklung). Die FNF verfügte damit über 35 Auslandsmitarbeiter in 16 Projekten und 13 Entwicklungsländern (fünf davon in Afrika, je vier in Asien und Lateinamerika).

Die Rolle der Projektleiter Die Projektleiter der Aufbauphase waren weitgehend auf sich allein gestellte Pioniere. Korrespon- denz mit der Stiftung erfolgte aus Sicherheitsgründen nur einmal wöchentlich auf dem Kurierweg über die deutschen Botschaften. Telefonate nach Deutschland gab es nur sporadisch und oft mit

mehrstündigen Wartezeiten. Die Stiftungsbüros waren konfrontiert mit Problemen der lokalen In- frastruktur, zeitaufwendigen Prozeduren im Umgang mit örtlichen Bürokratien sowie Komplikatio- nen durch restriktive Vergabe von Visa und Aufenthaltsgenehmigungen. Probleme bei der Auswahl und Führung des Projektpersonals, kulturelle Unterschiede, Sprachbarrieren und Konflikte im Um- gang mit den Partnern sowie das Wissen um die ständige Überwachung aller Stiftungsaktivitäten durch Geheimdienste, Staatspolizei oder Sicherheitsorgane stellten hohe Anforderungen. Die Leis- tungen der ersten Projektleiter als gesellschaftspolitische Berater, Organisatoren und sprachge- wandte Diplomaten waren eindrucksvoll. Sie haben die Hauptlasten der schwierigen Aufbaujahre getragen, häufig unter ungünstigen politischen Rahmenbedingungen und großem persönlichen Ein- satz mit diversen Risikofaktoren.

Regionale Schwerpunkte und Projektentwicklungen
Regionale Schwerpunkte
und Projektentwicklungen

Südliche Mittelmeerländer (Naher und Mittlerer Osten)

Die Anrainerstaaten des südlichen Mittelmeers sind in einem über Jahrtausende gewachsenen Le- bens- und Handelsraum geografisch vereint und bilden einen einzigartigen Kulturraum, von dem die drei monotheistischen Weltreligionen ihren Ausgang nahmen. Die Beherrschung dieser strate- gisch wichtigen Region war das begehrte Ziel vieler Imperien in ihrem Streben nach universeller Macht und durchzieht die Geschichte von der Antike bis zur Befreiung vom Joch des Kolonialismus in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Zwar war die erkämpfte Unabhängigkeit in vielen der neuen Nationalstaaten mit der Idee von Freiheit und Demokratie verbunden, allerdings in der Rea- lität oft geprägt durch neue Unterdrückung und die Diktatur der eigenen Eliten.

Institut Ali Bach Hamba – das erste Projekt im Ausland Der bereits im Jahre 1962 gefasste grundsätzliche Beschluss der Stiftungsgremien, an der öffentlich geförderten gesellschaftspolitischen Bildung für Entwicklungsländer mitzuwirken, wurde am 15. März 1963 bekräftigt und mit der Planung des Institut Ali Bach Hamba in Tunesien in gemeinsamer Trä- gerschaft mit der Ecole Nationale d’Administration und dem Institut de Presse et des Sciences d’Information in die Praxis umgesetzt. Mehrere durch die Stiftung geförderte deutsch-tunesische Studententreffen in Deutschland waren dem bereits vorausgegangen. Dies half, die ersten und schwierigen Verhandlungen zur Gründung und zum Aufbau dieses Bildungs- und Ausbildungszen- trums so abzuschließen, dass vier entsandte Mitarbeiter der Stiftung im März 1964 ihre Arbeit in Tunis an dem Institut aufnehmen konnten, das nach dem türkischstämmigen tunesischen Unab- hängigkeitskämpfer Ali Bach Hamba (1876 bis 1918) benannt worden war. Ziel war die Fortbildung mittlerer und gehobener Führungskräfte aus der Wirtschaft, aus Verbänden, aus den Gewerkschaften und aus der staatlichen Verwaltung. Für die Berufsgruppe Journalismus in Text, Bild und Ton stand die fachliche Qualifizierung und Weiterbildung durch Lehrveranstaltungen, Seminare und Sachleis- tungen wie moderne Ausrüstung und technische Einrichtungen im Vordergrund.

Unterstützung für Freiheit und Selbstbestimmung Die entwicklungs- und gesellschaftspolitischen Grundüberlegungen des ersten Stiftungsprojektes im Ausland, mit der Perspektive eines späteren regionalen Ausgreifens, fußten auf der liberalen Tra- dition der Verwirklichung persönlicher Freiheit, nationaler Selbstbestimmung und sozialer Gerech- tigkeit. Die Gräben zwischen Nord und Süd sollten überwunden, industrielle Entwicklungsmodelle jedoch nicht unreflektiert übernommen und die inneren Spannungen nicht gewaltsam, sondern im gesellschaftlichen Dialog gelöst werden. In der Rückwirkung auf Deutschland bedeutete dies, die Kenntnis fremder Kulturen mit Respekt vor ihnen zu verbinden und in der Vielfalt der Religionen und Werte der Völker einen großen Nutzen zu sehen. Die Frage nach der selbstständigen Gestal-

Nutzen zu sehen. Die Frage nach der selbstständigen Gestal- Einweihung des Genossenschaftsprojektes im Gouvernorat
Nutzen zu sehen. Die Frage nach der selbstständigen Gestal- Einweihung des Genossenschaftsprojektes im Gouvernorat
Nutzen zu sehen. Die Frage nach der selbstständigen Gestal- Einweihung des Genossenschaftsprojektes im Gouvernorat
Nutzen zu sehen. Die Frage nach der selbstständigen Gestal- Einweihung des Genossenschaftsprojektes im Gouvernorat

Einweihung des Genossenschaftsprojektes im Gouvernorat Ismaïlia, Ägypten, 1979

im Gouvernorat Ismaïlia, Ägypten, 1979 Iraker diskutieren die Menschenrechts- bestimmungen ihres
im Gouvernorat Ismaïlia, Ägypten, 1979 Iraker diskutieren die Menschenrechts- bestimmungen ihres
im Gouvernorat Ismaïlia, Ägypten, 1979 Iraker diskutieren die Menschenrechts- bestimmungen ihres

Iraker diskutieren die Menschenrechts-

bestimmungen ihres Verfassungsentwurfes,

2005

Herstellung eines Lehrfilms im Medienprojekt, Jordanien, 1978 tungsmöglichkeit persönlicher Freiheit wurde dabei immer
Herstellung eines Lehrfilms im Medienprojekt, Jordanien, 1978 tungsmöglichkeit persönlicher Freiheit wurde dabei immer
Herstellung eines Lehrfilms im Medienprojekt, Jordanien, 1978 tungsmöglichkeit persönlicher Freiheit wurde dabei immer

Herstellung eines Lehrfilms im Medienprojekt, Jordanien, 1978

Herstellung eines Lehrfilms im Medienprojekt, Jordanien, 1978 tungsmöglichkeit persönlicher Freiheit wurde dabei immer

tungsmöglichkeit persönlicher Freiheit wurde dabei immer an den Wertmaßstäben und Lebensfor- men der jeweiligen Gesellschaft gemessen, was häufig eine schwierige Gratwanderung war.

Meinungsbildung und Massenmedien Im Mittelpunkt solcher Ansprüche an eine entwicklungspolitische Beteiligung der Stiftung standen die Massenmedien. In der Überzeugung, dass nur ein freier Journalismus in der Lage ist, auch eine freie Meinungsbildung zu ermöglichen, zielte die Stiftungsarbeit deshalb auf die Aus- und Fortbil- dung von Journalisten der gedruckten Presse sowie der Hörfunk- und Fernsehprogramme. Nach dem liberalen Politikverständnis der Stiftung mussten die Bevölkerungen mit politisch freien und pluralistischen Kommentaren versorgt werden, damit sie nicht den einseitig autoritär gesteuerten

Informationen der Regierungsapparate ausgeliefert waren.

Die Stiftungsarbeit im Vorteil Das war leichter formuliert als in die Praxis umgesetzt, da eine Projektarbeit ohne Zustimmung der Regierungen, ohne zeitlich befristetes Rahmen- oder Projektabkommen mit einer staatlichen Be- hörde, ausgeschlossen war. Dies galt, obwohl die Stiftung mit ihrer Förderung durch den Deutschen Bundestag zwar nicht im Regierungsauftrag, aber doch im öffentlichen Interesse der Bundesrepublik Deutschland handelte. Hier war diplomatisches Geschick ebenso erforderlich wie die Unabhängigkeit des Stiftungshandelns als Nichtregierungsorganisation (NGO). In der Ungebundenheit von Weisun- gen heimischer staatlicher Stellen drückte sich eine hohe Flexibilität und Freiheit zur Auswahl von Kooperationspartnern in den Gastländern aus. Genau darin lag der spezifische Vorteil der politischen Stiftungen im Vergleich zu staatlichen Akteuren. Der Umgang mit Genehmigungs- und Überwa- chungsbehörden in den Entwicklungsländern einerseits und den eigenen Ansprüchen an die Pro- jektarbeit im südlichen Mittelmeerraum andererseits war oft eine schwierige Gratwanderung. Sie ist es in den folgenden Jahrzehnten mit unterschiedlichen Ausformungen dort und anderswo auch geblieben, allerdings zum Nutzen einer politisch freien und fachlich qualifizierten Arbeit für und mit Stiftungspartnern.

qualifizierten Arbeit für und mit Stiftungspartnern. Blogger-Workshop, Kairo, 2010 Leuchttürme mit Ausstrahlung
qualifizierten Arbeit für und mit Stiftungspartnern. Blogger-Workshop, Kairo, 2010 Leuchttürme mit Ausstrahlung

Blogger-Workshop, Kairo, 2010

Leuchttürme mit Ausstrahlung in den Maghreb und das frankofone Afrika Das Institut Ali Bach Hamba in Tunis strahlte auf den gesamten Maghreb und auf die Das Institut Ali Bach Hamba in Tunis strahlte auf den gesamten Maghreb und auf die frankofonen Länder Afrikas aus. Im Jahre 1969 rief die Stiftung deshalb in Marokko am Centre de Formation des Journalistes ein weiteres Projekt der Qualifizierung von Journalisten ins Leben. Erste Kontakte zu Algerien wurden im Rahmen einer Konferenz in Algier 1971 geknüpft. Ab dem Jahr 1983 erwei- terte sich das Einzugsgebiet der Fortbildungsmaßnahmen für Journalisten dann noch einmal durch die Zusammenarbeit mit dem Centre Africain de Recyclage des Journalistes et des Communicateurs (CARJC). Die drei- bis zehntägigen Kurse sowie Studienreisen für die Fortbildung von Dozenten standen Teilnehmern aus dem ganzen frankofonen Afrika zur Verfügung. Tausende Journalisten, Führungskräfte und Meinungsträger aus der Region und weit darüber hinaus durchliefen diese fach- lichen Ausbildungsprogramme und erhielten technische Ausstattungshilfen. Dadurch waren enge

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technische Ausstattungshilfen. Dadurch waren enge 1 3 2 4 1. Die erste Irak-Konferenz der FNF, 2005
technische Ausstattungshilfen. Dadurch waren enge 1 3 2 4 1. Die erste Irak-Konferenz der FNF, 2005

1. Die erste Irak-Konferenz der FNF, 2005

2. Tagung des Economic Freedom Network of the Arab World, Kairo, 2013

3. Von der Stiftung ausgebildete Wahlbeobachter vor den ersten freien Wahlen in Tunesien nach Jahrzehnten, Tunis, 2011

4. Arabische Politiker diskutieren über die Rolle der liberalen Oppositionsparteien, Kairo, 2008

Verbindungen zwischen zunehmend gestärkten demokratischen Kräften des südlichen Mittelmeer- raumes und einem ebenfalls

Verbindungen zwischen zunehmend gestärkten demokratischen Kräften des südlichen Mittelmeer- raumes und einem ebenfalls gewachsenen liberalen Netzwerk entstanden. Der erste tunesische Staatspräsident Bourguiba zum Beispiel galt seit seiner Amtsübernahme nach der erkämpften Un- abhängigkeit von Frankreich im Jahre 1956 wegen der Säkularisierung des Rechtssystems und des Bruchs mit islamischen Traditionen international lange Zeit als Leuchtturm von Aufklärung und de- mokratischer Reform. Gemeinsam mit den jungen Führungseliten Ägyptens und Marokkos gehörte Bourguiba zu den wichtigen Meinungsbildnern einer aufsteigenden modernen islamischen Welt.

einer aufsteigenden modernen islamischen Welt. Konferenz des Arab Liberal Network „Liberalisierung in der

Konferenz des Arab Liberal Network „Liberalisierung in der Arabischen Welt“, Casablanca, 2007

in der Arabischen Welt“, Casablanca, 2007 Erweiterungen nach der ersten Dekade im Ausland Im Laufe der

Erweiterungen nach der ersten Dekade im Ausland

Im Laufe der ersten Dekade der gesellschaftspolitischen Arbeit im Ausland war das Volumen auf über 20 langfristig angelegte Projekte in fast ebenso vielen Ländern bei einem Budget von 11 Mil- lionen DM angewachsen. Der Vorstand der Stiftung beschloss 1973 eine neue Positionsbestimmung für die Tätigkeit in Entwicklungsländern. Die drei neuen Schwerpunkte waren erstens der Bildungs- bereich für Massenmedien, Dokumentation und Zivilgesellschaft, zweitens der Jugendbereich mit Programmen zur Befähigung der Teilhabe am sozialen und wirtschaftlichen Leben und schließlich ein sozioökonomischer Bereich mit dem Aufbau von Selbsthilfeorganisationen und Genossenschaften.

Aufbau von Selbsthilfeorganisationen und Genossenschaften. Dr. Issam Suleiman Präsident des Verfassungsrates,
Aufbau von Selbsthilfeorganisationen und Genossenschaften. Dr. Issam Suleiman Präsident des Verfassungsrates,
Aufbau von Selbsthilfeorganisationen und Genossenschaften. Dr. Issam Suleiman Präsident des Verfassungsrates,

Dr. Issam Suleiman Präsident des Verfassungsrates, ehemaliger Rechtsprofessor der Lebanese University Libanon

„Die Friedrich-Naumann-Stiftung hat mit ihrer Tätigkeit den Respekt für die politi- schen Grundrechte gestärkt, sowohl rechtlich als auch in der politischen Wahrnehmung. Ich hatte die Ehre, mit der Stiftung bei der Förderung der Vereinigungs- und Versamm- lungsfreiheit zu kooperieren, wie auch bei der Weiterentwicklung des Wahlprozesses entlang demokratischer Prinzipien.“

Ausdehnung in den Nahen Osten, neuer Standort Jerusalem Nicht zuletzt unter dem Eindruck des Jom-Kippur-Krieges zwischen Ägypten und Syrien einerseits und Israel andererseits im Jahre 1973 wurden Sondierungen für Möglichkeiten der Zusammenarbeit im arabischen Raum, insbesondere in Jordanien, im Irak, Libanon, in Syrien, Ägypten sowie Israel unternommen. Im Jahre 1978 startete die Stiftung ein Medienprojekt in Ägypten mit der Fakultät für Massenmedien der Universität in Kairo, das 1988 auslief. Ein landwirtschaftliches Genossen- schaftsprojekt mit der General Cooperative Union (GCU), dem Dachverband der Genossenschaften und der Central Agricultural Cooperative Society (CACS) in Ismailia folgte 1980. Das Büro in Israel mit Sitz in Jerusalem wurde in Kooperation mit der liberalen Shinui-Partei im Jahre 1983 einge- richtet, nachdem die School for Freedom bereits im Jahre 1967 eine internationale Konferenz in

Israel durchgeführt hatte. Intensiviert wurde der politische Dialog durch eine herausragende Schrift- stellerkonferenz 1985 in Haifa, an der auf deutscher Seite u. a. der Organisator Peter Finkelgrün, Stefan Heym, Horst Krüger und Henryk Broder, auf israelischer Seite Shulamit Lapid, Yehoshua Sobol und Josef Lapid teilgenommen hatten. An der Spitze der Partner in Israel stand Amnon Rubinstein, Gründer der säkularen, vornehmlich aus antiklerikalen Intellektuellen und Wirtschaftskreisen be- stehenden Shinui-Partei, selbst Patron der Liberal International, siebenmal in die Knesset gewählt und viermal Minister in der Regierung. Besondere Bedeutung erlangte Rubinstein als Erziehungs- minister mit seinen Programmen zur Öffnung des israelischen Schul- und Ausbildungssystems für die arabischen, muslimischen und christlichen Israelis. Rubinstein gehört zu den wenigen Menschen, die ihren eigenen Nachruf mit steigendem Vergnügen vom Krankenbett im Fernsehen verfolgen konn- ten: Knesset-Sprecher Avraham Burg war im Jahre 2000 einer Fehlinformation erlegen und hatte voreilig eine Trauerrede für Rubinstein im Parlament gehalten, die im Fernsehen gesendet worden war.bereits im Jahre 1967 eine internationale Konferenz in Israelisch-arabische Projekte Fantasievoll und effizient

Israelisch-arabische Projekte Fantasievoll und effizient gestalteten sich die Demokratie- und Toleranzschulungen des Haifa Mu- nicipal Theatre, eines israelisch-arabischen Theaterensembles unter Leitung von Noam Semel, das mit kurzen, aber lehrreichen Stücken durch die Dörfer und über die Marktplätze zog. Das Ensemble reüssierte im Jahre 1984 in New York und Washington D.C. im Rahmen des Dialogprogramms der Stiftung mit der Aufführung des Stückes „Ghetto“ von Sobol und anschließender erregter Diskussion mit dem Publikum vor ausverkauften Häusern. Die Stiftung für die Freiheit unterhielt ihr Büro als einzige der politischen Stiftungen im Ostteil Jerusalems und bot ebenfalls als einzige Stiftung ab dem Jahr 1994 Schulungsprogramme für Unternehmer in den besetzten palästinensischen Gebieten sowie Organisationsberatung für palästinensische Verbände an. In dem Bemühen um einen Beitrag zum Frieden wurde ein israelisch-palästinensischer Historikerdialog eingerichtet. Viele demokrati- sche Entwicklungen hatten verdeutlicht, dass der Schlüssel für eine friedvolle gemeinsame Zukunft von zerstrittenen Nachbarn in der Aufarbeitung der Vergangenheit lag, was bei den Friedensver- handlungen zumeist ausgeblendet wurde. Andere Kooperationspartner wie das Dr. Förder-Institut in Tel Aviv, das Adam-Institut in Jerusalem, das Institut für Forschung und Erziehung (Forum der Mitte) und die Universität Haifa, um nur einige zu nennen, veranstalteten Seminare zur israelischen Politik im regionalen Kontext und zu wirtschafts- und sozialpolitischen Themen. Großen Zuspruch fanden öffentliche Podiumsdiskussionen zum besseren Verständnis zwischen Israelis und Arabern. Über Jahrzehnte war es Dr. Otto Graf Lambsdorff, dessen international anerkannte liberale Stimme bei vielen Veranstaltungen auch in Israel und der Region ein weithin gehörtes Echo hervorrief und damit die hoch anerkannte Friedenspolitik Hans-Dietrich Genschers unterstützte.

Das starke Land Türkei Die Republik Türkei, Nachfolgerin des Osmanischen Reiches und nicht allein geografische Brücke zwischen Okzident und Orient, ist mit ihrer militärischen Bedeutung als NATO-Mitglied seit 1952 sowie ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung als Beitrittskandidat der Europäischen Union seit 1999 ein besonders wichtiges Land unter den Mittelmeerländern des Nahen Ostens. Als die Stiftung im Jahre 2001 ihr zehnjähriges Jubiläum in Ankara und Istanbul beging, konnte sie auf ein breit gefächertes Spektrum von Partnerorganisationen blicken. Dieses reichte von der Zusammen- arbeit mit der Liberal Demokrat Parti und der Ari-Bewegung junger Führungskräfte zur Förderung von Demokratie und Marktwirtschaft über Fachberatungen der Union der Stadtparlamente der Pro- vinz Antalya bis zu renommierten Thinktanks an staatlichen und privaten Hochschulen sowie Ge- nossenschaftsprojekten zur Unterstützung der Kleinindustrie im ländlichen Raum. Die Metropole Istanbul wurde immer stärker zu dem alles antreibenden Motor moderner Entwicklungen in der Türkei. Hier wurden und werden Entscheidungen vorbereitet und getroffen, in der Hauptstadt Ankara hingegen verwaltet. Die Stiftung verlegte deshalb ihr Büro im Jahre 2002 nach Istanbul. Gezielte Fehlinformationen, die sich gegen die Arbeit der deutschen politischen Stiftungen richteten, führten zu einem Prozess, in dem vier deutsche Stiftungen wegen Spionage für Deutschland angeklagt wur- den. Der Prozess endete mit einem Freispruch. Das türkische Staatssicherheitsgericht wurde im Jahre 2004 im Zuge von Verfassungsänderungen abgeschafft.

Jahre 2004 im Zuge von Verfassungsänderungen abgeschafft. Prof. Dr. Erdal Tuerkkan Vorsitzender der Turkish
Jahre 2004 im Zuge von Verfassungsänderungen abgeschafft. Prof. Dr. Erdal Tuerkkan Vorsitzender der Turkish
Jahre 2004 im Zuge von Verfassungsänderungen abgeschafft. Prof. Dr. Erdal Tuerkkan Vorsitzender der Turkish

Prof. Dr. Erdal Tuerkkan Vorsitzender der Turkish Competition Association (TAC), Türkei

„Ich betrachte die FNF als exemplarische Nichtregierungsorganisation mit hoher Effi- zienz. Der wichtigste Faktor, der dies ermög- licht, ist der effektive und wichtige Beitrag als Anwalt liberaler und demokratischer Werte. Dadurch fördert die Stiftung die Ver- wirklichung einer nachhaltigen Verbesserung von Wohlfahrt, Frieden und stabilen Bedin- gungen auf globaler Ebene. Als Ökonom möchte ich hinzufügen: Der soziale und globale Grenznutzen der Stiftungsaktivitäten war immer substanziell höher als ihre Grenz- kosten und globalen Kosten.“

Taher Al-Masri Präsident des Senates, ehemaliger Minister- präsident und Kabinettsmitglied des Haschemitischen
Taher Al-Masri Präsident des Senates, ehemaliger Minister- präsident und Kabinettsmitglied des Haschemitischen
Taher Al-Masri Präsident des Senates, ehemaliger Minister- präsident und Kabinettsmitglied des Haschemitischen

Taher Al-Masri Präsident des Senates, ehemaliger Minister- präsident und Kabinettsmitglied des Haschemitischen Königreiches Jordanien

„Für mehr als fünf Dekaden hat die FNF durch ihre zahlreichen Aktivitäten weltweit dazu beigetragen, demokratische Prinzipien und Werte zu fördern, die im Interesse aller Völker sind. Es besteht kein Zweifel, dass ihre Initiativen im Bereich der staatsbürgerlichen Bildung – durch Seminare, Konferenzen und Publikationen – sichtbare Auswirkungen ge- habt haben. Aus liberaler Perspektive ist Bil- dung ein Anker und grundlegendes Erfordernis für eine funktionierende Demo- kratie. Ich war persönlich involviert in einige Bestrebungen der Stiftung, die sich für mich und andere als von großem Wert erwiesen. Die großen Anstrengungen, die von der Stif- tung unternommen wurden, verdienen Lob und Anerkennung, denn vom Eifer der Stif- tung hat die ganze Weltgemeinschaft profi- tiert durch Stärkung individueller Freiheit, des Rechtes auf Wissen und Partizipation. Ich bringe meine Wertschätzung für diejeni- gen zum Ausdruck, die hinter den Anstren- gungen der Stiftung stehen.“

Mashrek und die arabische Welt Bemerkenswert hatte sich die Arbeit des seit 1981 bestehenden Büros in Jordanien mit Ausstrahlung in den Mashrek und weit in die arabische Welt hinein entwickelt. Die Produkte eines Ausbildungs- programms für Fernsehjournalisten fanden ihren Weg in die offiziellen Sendungen. Im Libanon wurde mit der gleichnamigen Stiftung des ermordeten ehemaligen Präsidenten Moawad ein Bil- dungsprogramm gefördert. Die Europäische Union unterstützte ein erstes Großprojekt der Stiftung und ihrer arabischen Partner (Bunian I + II), das von Amman aus den zivilgesellschaftlichen Aufbau und liberale Netzwerkarbeit in den Libanon, nach Syrien, Palästina sowie Ägypten förderte. In einer zweiten Phase kamen die Maghreb-Staaten und der Jemen sowie die Themen gute Regierungsfüh- rung und Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen hinzu. Mithilfe intensiver Stiftungsbera- tung entwickelte die Young Entrepreneurs Association (YEA) von Amman aus Trainingsprogramme zu wichtigen wirtschaftsliberalen Themen wie den Wettbewerbsgesetzen, der Privatisierung, der WTO und offenen Märkten. Über ein Dutzend Verbände von Jungunternehmern aus zehn arabischen Ländern schlossen sich als Stiftungspartner der gemeinsamen Plattform Arab Forum for Young Entrepreneur Associations mit dem Ziel eines Beitrags zur wirtschaftlichen Liberalisierung der ara- bischen Welt an. Von Amman aus wurden politische Kontakte in den Irak und nach Syrien geknüpft. Abgeordnete des irakischen Parlaments in Bagdad kamen unter schwierigen Umständen im Jahre 2004 auf Einladung der Stiftung nach Brüssel und Berlin, um die politische Situation nach dem Sturz Saddam Husseins zu bewerten.

Ägypten und der „Arabische Frühling“ Auf die unerwarteten politischen Entwicklungen, die mit dem Begriff „Arabischer Frühling“ be- schrieben wurden, reagierte die Stiftung mit einer umfassenden Erweiterung des Engagements und einer verstärkten personellen Präsenz in der Region. Der jahreszeitliche Begriff beschreibt tief grei- fende Transformationsprozesse der arabischen Gesellschaften allerdings nur unzureichend. Im Früh- jahr 2011 wurde am Ort der ersten Stiftungstätigkeit im Ausland, in Tunis, das Büro mit einem Programm wiederbelebt, das sich sowohl der Qualifizierung von Journalisten als auch der Ausbildung von Wahlbeobachtern und der Netzwerkarbeit in der Region, mit Auswirkungen bis Brüssel und Berlin, widmete. Die Stiftungsrepräsentanzen für den Maghreb sind seit 2004 in Rabat und Algier und wurden zunächst mit einem Menschenrechtsprojekt, einem Programm zur Stärkung der Frau- enrechte sowie einem Förderprojekt für kleine und mittlere Unternehmen betraut. Das Regionalbüro in Kairo, von wo aus die Stiftung ihre Arbeit in den südlichen Mittelmeerländern und im Nahen Osten seit 1991 steuert, erhielt zusätzliche Unterstützung. Aus dem Prozess der politischen Um- wälzungen war eine Vielzahl von Initiativen hervorgegangen, denen durch Kurse zu den modernen sozialen Medien bzw. ihrem strategischen Einsatz als Instrumente der Demokratieentwicklung ge- holfen werden konnte. Auch in Libyen fanden nach dem Sturz der Diktatur erste Schulungen und Bildungsprogramme für Journalisten statt.

Zum Ende des Jahres 2012 konnte in Kairo ein Abkommen zwischen der ägyptischen Regierung und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zur Förderung Jugendlicher durch Bildungspro- gramme mit dem Fokus auf Menschenrechte, Pluralismus und Toleranz sowie Bürgerverantwortung und zivilgesellschaftliches Engagement unterschrieben werden. Es war das erste Abkommen dieser Art mit einer ausländischen politischen Stiftung seit Antritt der neuen ägyptischen Regierung. Die wichtige politische Netzwerkarbeit findet ihren Ausdruck im Network of Arab Liberals, das sich in- zwischen zur Arab Alliance for Freedom and Democracy entwickelt hat.

Tief greifende Analysen des Phänomens der arabischen Revolution konnten wichtige Aspekte dieses Teils der Geschichte im Rahmen einer Konferenz mit der International Crisis Group (ICG) aufarbeiten. Dennoch verheißen die aktuellen Ereignisse in der Region des Nahen Ostens und des südlichen Mit- telmeerraumes eine ungewisse Zukunft, zugleich aber auch die Hoffnung auf die Fortsetzung einer demokratischen Entwicklung, die vor allem eines braucht: Unterstützung, Augenmaß und Zeit.

Subsahara-Afrika

Politische und regionale Ansatzpunkte Von der Unabhängigkeit der afrikanischen Nationalstaaten bis zum Ende des Ost-West-Konfliktes dominierten in Subsahara-Afrika autoritäre politische Systeme, zumeist Militärdiktaturen und Ein- Parteien-Regime. Etwa 130 Militärputsche in diesem Zeitraum belegen die hohe Instabilität der nachkolonialen Regierungen. Die Folgen langjähriger Kolonialherrschaft, Unterdrückung und Dis- kriminierung erschwerten nach der Unabhängigkeit der jungen Staaten den raschen Aufbau trag- fähiger politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturen. Diese Situation änderte sich mit Beginn der 90er-Jahre. Seitdem war die Entwicklung differenzierter: Heute bestehen in Subsa- hara-Afrika neun liberale Demokratien, 21 eingeschränkt demokratische Regime (mit reduzierten Bürger- und Freiheitsrechten) und 19 autoritäre Regime, die jedoch fast alle Mehrparteiensysteme und Wahlen zulassen. Die FNF hat sich in der Region seit 1964 engagiert, in der Aufbauphase mit Projekten zur Aus- und Fortbildung von Führungskräften der Angestellten-Gewerkschaften, Jugend- verbände, Medien, Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung. Ab Mitte der 80er-Jahre entstanden Vorhaben zur Förderung des Rechtsstaates und der Menschenrechte sowie der politischen Bildung mit liberalen Parteien, Thinktanks und Forschungsinstituten auf nationaler und regionaler Ebene.

Pionierprojekte der Aufbauphase Die Projektarbeit in Subsahara-Afrika begann 1964 durch regionale Konferenzen und Seminare für Führungskräfte der Angestellten-Gewerkschaften in frankofonen und anglofonen Ländern. Daraus entwickelte sich 1968 das erste institutionelle Projekt im damaligen Dahomey (heute Benin): der Aufbau des Schulungszentrums für gewerkschaftliche Führungskräfte INEOD, in Kooperation mit

gewerkschaftliche Führungskräfte INEOD, in Kooperation mit Die historische Dialog-Konferenz zu Post-Apartheid-Szenarien
gewerkschaftliche Führungskräfte INEOD, in Kooperation mit Die historische Dialog-Konferenz zu Post-Apartheid-Szenarien
gewerkschaftliche Führungskräfte INEOD, in Kooperation mit Die historische Dialog-Konferenz zu Post-Apartheid-Szenarien
gewerkschaftliche Führungskräfte INEOD, in Kooperation mit Die historische Dialog-Konferenz zu Post-Apartheid-Szenarien

Die historische Dialog-Konferenz zu Post-Apartheid-Szenarien in Südafrika zwischen IDASA und dem African National Congress auf der Insel Gorée vor Dakar, Senegal, 1987

Internationales Gewerkschaftsseminar mit dem Dachverband der Gewerkschaften CNTT in Lomé, Togo, 1982 vier
Internationales Gewerkschaftsseminar mit dem Dachverband der Gewerkschaften CNTT in Lomé, Togo, 1982 vier
Internationales Gewerkschaftsseminar mit dem Dachverband der Gewerkschaften CNTT in Lomé, Togo, 1982 vier

Internationales Gewerkschaftsseminar mit dem Dachverband der Gewerkschaften CNTT in Lomé, Togo, 1982

vier Zentralverbänden der Angestellten-Gewerkschaften. Ab 1975 entstand ein weiteres Ausbil- dungszentrum in Togo mit dem Dachverband der Angestellten-Gewerkschaften CNTT. Diese Projekte führten 1979 zu einem kontinentalen Schulungsprogramm für 71 Mitgliedsverbände der Organi- zation of African Trade Union Unity (OATUU), der einzigen panafrikanischen Gewerkschaftsorgani- sation, in der alle nationalen Dachverbände vertreten waren.

Selbsthilfeprojekte als Motor wirtschaftlicher Entwicklung Im Bereich der Selbsthilfeorganisationen konzentrierten sich die Projektansätze auf die Förderung der ländlichen Entwicklung und gewerblichen Wirtschaft. Partner waren in den 70er-Jahren land- wirtschaftliche Ausbildungszentren für jugendliche Führungskräfte in Ghana und Liberia. In Burkina Faso erfolgte eine Regierungsberatung bei der Entwicklung und Umsetzung der Förderungskonzep- tion für das Genossenschafts- und Agrarkreditwesen des Ministeriums für ländliche Entwicklung. Ab Mitte der 80er-Jahre verlagerte sich der Fokus der Projektarbeit auf die Förderung der gewerb- lichen Wirtschaft durch Neuprojekte in 15 Ländern mit 32 Partnerorganisationen: Industrie- und Handelskammern, Arbeitgeberverbänden, Handwerkskammern, Industrieverbänden, Vereinigungen von Kleinunternehmen, Berufsverbänden, Management- und Beratungsinstituten, Verbänden von Unternehmerinnen und des informellen Sektors. Dabei wurde jeweils ein dreistufiger Ansatz prak- tiziert: exemplarische Kleingewerbeförderung, Stärkung der Autonomie und Managementkapazi- täten der Verbände und wirtschaftspolitische Beratung zur Liberalisierung der Rahmenbedingungen. Ein intensiver wirtschafts- und ordnungspolitischer Dialog der Partner untereinander erfolgte auf regionaler Ebene in Kooperation mit der Economic Community of West African States (ECOWAS) und der Association of Eastern and Southern Africa (ARIESA).

Medien als Instrumente gesellschaftlicher Entwicklung Schwerpunkt des Engagements in Afrika waren ab Mitte der 70er-Jahre Medienprojekte zur Aus- und Fortbildung von Journalisten in Sambia, Simbabwe, Namibia, Kongo-Kinshasa, Kongo-Brazza- ville, Ruanda, Burundi und im Sudan, darunter ein Regionalprojekt mit der Wirtschaftsgemeinschaft der Großen Seen (CEPGL). Die Stiftung ging bei dieser Akzentsetzung von der wachsenden Bedeu- tung der Massenmedien und der Erwartung aus, dass funktionsfähige Kommunikationssysteme wichtige Voraussetzungen für die Dynamisierung politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Prozesse darstellen. Partner der FNF waren Bildungsinstitutionen in staatlicher Trägerschaft, die in ein- bis vierjährigen Studiengängen eine journalistische Ausbildung in Theorie und Praxis vermit- telten. Die Projektträger wurden von der Stiftung mit Lehrstudios für Fernsehen, Hörfunk und Print- medien ausgestattet. Das größte und erfolgreichste Projekt dieser Art ist bis heute das ZAMCOM Institute in Sambia. Die Absolventen der Partnerinstitute haben später vielfach hohe Positionen in den Medien ihrer Länder übernommen und sich aktiv für Presse-, Informations- und Meinungsfrei- heit eingesetzt. In einem zweiten Typ von Medienprojekten folgte ab 1990 die Zusammenarbeit mit Rundfunkanstalten, Holdings für Massenmedien, Verbänden von Zeitungsverlegern, Informations- ministerien, Journalistenverbänden und Wirtschaftsmagazinen, um den Pluralismus der Medien zu

fördern, medienpolitische Themen aufzugreifen, Programmberatungen durchzuführen oder Probleme der Wirtschafts- und Ordnungspolitik in den Medien zu diskutieren. In Simbabwe förderte die Stif- tung zudem den Wiederaufbau der Redaktion des Verlages Mambo Press und der Wochenzeitung MOTO, die nach der Unabhängigkeit 1980 kurz vor den Wahlen durch Sprengstoffanschläge zerstört worden waren. Insgesamt haben die Medienprojekte den politischen Diskurs und die ideologiekri- tische Reflexion in autokratischen Systemen der Region erkennbar beeinflusst, ihre tief greifenden Wirkungen aber vor allem langfristig entfaltet.

Einsatz für Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und Bürgerrechte Die ersten Vorhaben zur Stärkung rechtsstaatlicher Strukturen und Durchsetzung von Menschen- und Bürgerrechten entstanden 1984 in Südafrika, Namibia und Simbabwe in Kooperation mit pri- vaten Menschenrechtsinitiativen, die benachteiligten und diskriminierten Menschen juristischen Beistand leisteten. Rechtsberatung und -hilfe erfolgten vorwiegend durch angelernte Rechtsberater. Die Mitarbeiter der Beratungszentren wurden juristisch, pädagogisch und administrativ weiterge- bildet sowie durch Ausarbeitung von Handbüchern und Arbeitsmaterialien unterstützt, um eine Professionalisierung zu bewirken. Ab 1990 folgte eine erhebliche Expansion durch Neuprojekte in 19 Ländern mit 33 Partnern: Menschenrechtskommissionen, Verfassungsorganen, Forschungszen- tren, Rechtsfakultäten, Aktionen zur Abschaffung der Folter, Interessenvertretungen von politischen Häftlingen und Exilierten sowie mit der Interafrikanischen Union der Menschenrechte.

Das Spektrum der Aktivitäten umfasste Verfassungsberatungen, die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und der Judikative, Feldstudien, Aufklärungskampagnen, Fortbildungs- und Beratungsprogramme sowie Wahlbeobachtungen. Dass aus solchen Projekten auch direkte politische Folgewirkungen ent- stehen können, zeigte die Berufung von Arthur Chaskalson, Leiter des Partners Legal Resources Foundation, zum Präsidenten des Verfassungsgerichtes (1994 bis 2001) und des Obersten Gerichts- hofes (2001 bis 2005) von Südafrika. Er wurde damit zu einer Schlüsselfigur in der demokratischen Transition des Landes.

1994 schlossen sich elf Menschenrechtspartner der FNF aus den Ländern Botswana, Malawi, Leso- tho, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Tansania zum Southern African Legal Assistance Network (SALAN) zusammen, einer bisher einzigartigen Initiative weltweit. Kernaufgabe der Mitglieder ist die Rechtsberatung und Rechtshilfe in Menschenrechtsfragen und -verfahren sowie die Verfechtung des Menschenrechtsschutzes in der Öffentlichkeit. Die Stiftung unterstützt das SALAN durch jährliche Maßnahmen zur Organisationsentwicklung und Strategieplanung. Eva- luationen des Partners bestätigten die Effektivität und Effizienz seiner Arbeit.

Politische Bildung und Demokratieförderung Das erste Projekt der politischen Bildung in Afrika entstand 1975 in Kooperation mit dem Institut für soziale, wirtschaftliche und politische Bildung INFOSEC in Cotonou, Benin. Zielgruppen der Bil-

Bildung INFOSEC in Cotonou, Benin. Zielgruppen der Bil- Dr. Helen Kijo-Bisimba Leiterin des Sekretariates Southern
Bildung INFOSEC in Cotonou, Benin. Zielgruppen der Bil- Dr. Helen Kijo-Bisimba Leiterin des Sekretariates Southern
Bildung INFOSEC in Cotonou, Benin. Zielgruppen der Bil- Dr. Helen Kijo-Bisimba Leiterin des Sekretariates Southern

Dr. Helen Kijo-Bisimba Leiterin des Sekretariates Southern African Legal Assistance Network (SALAN)

„Wie immer begegnet unsere Region südliches Afrika neuen Herausforderungen. Während wir weiter mit den alten Herausforderungen leben, wächst das Problem der Landfrage, ver- bunden mit Jugendarbeitslosigkeit. Da die Mehrheit der Bevölkerung in der Region sich ihrer Rechte nicht bewusst ist, und diejenigen, die sie kennen, zu geringe Mittel haben, sol- che Rechte gerichtlich einzuklagen, entsteht der Bedarf zur Vernetzung, um Ressourcen und Expertise zu teilen. Darum wurde SALAN geschaffen, und es bezieht seine Stärke durch seinen Hauptpartner FNF.“

es bezieht seine Stärke durch seinen Hauptpartner FNF.“ Treffen der Mitgliedsorganisationen des SALAN in Lilongwe,
es bezieht seine Stärke durch seinen Hauptpartner FNF.“ Treffen der Mitgliedsorganisationen des SALAN in Lilongwe,
es bezieht seine Stärke durch seinen Hauptpartner FNF.“ Treffen der Mitgliedsorganisationen des SALAN in Lilongwe,

Treffen der Mitgliedsorganisationen des SALAN in Lilongwe, Malawi, 2007

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1 3 2 4 1. Einweihung des neuen Gebäudes für das 1980 errichtete Medien-Ausbildungsprojekt ZAMCOM mit
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1. Einweihung des neuen Gebäudes für das 1980 errichtete Medien-Ausbildungsprojekt ZAMCOM mit Staatspräsident Kenneth Kaunda (Mitte), Sambia, 1989

2. Gipfeltreffen des Africa Liberal Network (ALN), Johannesburg, 2007

3. Helen Zille, Ministerpräsidentin der Provinz Western Cape und Vorsitzende der Oppositionspartei Democratic Alliance im Wahlkampf, Kapstadt, 2011

4. Diskussionen am Rande der Dakar-Konferenz, mit Thabo Mbeki und Dr. Frederik van Zyl Slabbert (3. und 4. von l.), Dakar, 1987

dungsprogramme waren gesellschaftliche Schlüsselgruppen, d. h. Führungskräfte aus Politik, Ver- waltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Das INFOSEC verfolgte eine ideologiefreie, auf Kritikfä- higkeit und gesellschaftliche Verantwortung ausgerichtete Bildungsarbeit. Der Partner hat sich in der 20-jährigen Zusammenarbeit zu einer nationalen Institution entwickelt, die so gut wie jeder im Lande kennt. In Westafrika entstand 1980 auch das erste Projekt der politischen Bildung mit einer Vorfeldorganisation, dem Bildungsinstitut ISEFI der Demokratischen Partei des Senegal, zur Qualifizierung von politischen Nachwuchs- und Führungskräften. Ein innovatives Programm des Partners war die Koppelung von Staatsbürgerkunde für die ländliche Bevölkerung mit Alphabetisie- rungsmaßnahmen und die Herausgabe kleiner Hefte zur Demokratieerziehung in 14 Landessprachen.

Mit Öffnung der politischen Systeme in Afrika ab 1990 erfolgte eine starke Expansion der politischen Bildung durch Neuprojekte in 25 Ländern mit zahlreichen Partnern: politischen Parteien, ihren Vor- feldorganisationen (Jugend, Studenten, Frauen), Parlamentariern und Kommunalpolitikern, liberalen Stiftungen, Forschungsinstituten und Thinktanks, nicht staatlichen Trägern der Demokratieförde- rung, Vereinigungen der politischen Erwachsenenbildung, Bürgerinitiativen, Wahlbeobachtungs- gruppen und den regionalen politischen Netzwerken Africa Liberal Network (ALN) und Organisation of African Liberal Youth – Liberals Energizing Africa’s Democracy (OALY-LEAD). Die Förderung der Stiftung umfasste folgende Bereiche: Qualifizierung von politischen Mandatsträgern, Führungs- kräften und Funktionsträgern der Partner, Strategie-, Organisations-, Programm- und Politikbera- tungen in verschiedenen Aktions- und Themenfeldern, regionale und internationale Dialog- und Austauschprogramme, Informationsreisen in die Bundesrepublik und zu Institutionen der Europäi- schen Union, aber auch innerhalb Afrikas. Von 1994 bis 2000 erfolgte eine enge Kooperation mit der New Patriotic Party (NPP) in Ghana durch Qualifizierung von Mandats- und Funktionsträgern und Politikberatung. Der Parteivorsitzende der NPP, John Kufuor, wurde 2000 zum Staatspräsidenten gewählt und vollzog damit den ersten demokratischen Regierungswechsel in Ghana. Mit den Part- nerparteien in Südafrika, Tansania, der Elfenbeinküste und Senegal besteht aufgrund langjähriger Partnerschaft bis heute eine besonders enge Kooperation.

Südafrika: Liberale im Kampf gegen die Apartheid Die FNF durfte in den 1980er-Jahren in Südafrika nicht mit der liberalen Progressive Federal Party (PFP) kooperieren. Diese war nach den Gesetzen des Apartheid-Regimes eine rein weiße Partei und damit nach deutschen Richtlinien nicht förderungswürdig, obwohl sie als einzige im Parlament die Abschaffung der Apartheid forderte. Weil der PFP-Vorsitzende Dr. Frederik van Zyl Slabbert für die Überwindung der Apartheid auf parlamentarischem Wege keine Chancen mehr sah, trat er 1986 von seinen Ämtern zurück und gründete das Institute for a Democratic Alternative for South Africa (IDASA). Sofort nahm die Stiftung die Kooperation mit dem IDASA auf. Die vom IDASA durchge- führten Dialogprogramme über ein Post-Apartheid-Regime belegten das gegenseitige Misstrauen der Volksgruppen, vor allem zwischen dem African National Congress (ANC) und den weißen Afri- kaanern (Buren). Das IDASA suchte dennoch Kontakt zur ANC-Führung im Exil und vereinbarte ein

dennoch Kontakt zur ANC-Führung im Exil und vereinbarte ein Dr. Frederik van Zyl Slabbert Ehemaliger
dennoch Kontakt zur ANC-Führung im Exil und vereinbarte ein Dr. Frederik van Zyl Slabbert Ehemaliger
dennoch Kontakt zur ANC-Führung im Exil und vereinbarte ein Dr. Frederik van Zyl Slabbert Ehemaliger

Dr. Frederik van Zyl Slabbert Ehemaliger Fraktionsvorsitzender der liberalen Progressive Federal Party (PFP) im Parlament Südafrikas, Gründer des Instituts für eine Demokratische Alternative in Südafrika (IDASA), ehemaliger Rektor der Universität Stellenbosch

„Die Friedrich-Naumann-Stiftung hat un- schätzbare Arbeit dabei geleistet, Südafrika auf die schwierige Zeit des Übergangs vorzu- bereiten, beginnend mit der berühmten Dakar-Konferenz bis zu dem letzten Treffen in ihrer Akademie in Portugal. Die Stiftung hat Projekte finanziert, die von größter Be- deutung sind angesichts der Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben.“

Pressetermin auf der IDASA-ANC-Konferenz mit Dr. Frederik van Zyl Slabbert (IDASA), Aziz Pahad (ANC), Dr.
Pressetermin auf der IDASA-ANC-Konferenz mit Dr. Frederik van Zyl Slabbert (IDASA), Aziz Pahad (ANC), Dr.
Pressetermin auf der IDASA-ANC-Konferenz mit Dr. Frederik van Zyl Slabbert (IDASA), Aziz Pahad (ANC), Dr.

Pressetermin auf der IDASA-ANC-Konferenz mit Dr. Frederik van Zyl Slabbert (IDASA), Aziz Pahad (ANC), Dr. Gerhart Raichle (FNF) und Thabo Mbeki (ANC), Leverkusen,1988

hochrangiges Treffen im Ausland. Im Juli 1987 kam es zur sensationellen Dakar-Konferenz im Se- negal, über die in den Weltmedien berichtet wurde. Eine Gruppe von 61 Vertretern des wirtschaft- lichen und wissenschaftlichen Establishments Südafrikas führte einen intensiven Dialog mit 17 Vertretern der ANC-Führung (fast alle wurden später Minister, Thabo Mbeki Präsident) über Zu- kunftsszenarien für ein demokratisches Südafrika. Die FNF war aktiv involviert und trug ein Drittel der Kosten aus Mitteln des Auswärtigen Amtes. Die Teilnehmer der Konferenz erfuhren nach ihrer Rückkehr in Südafrika Hass, Ablehnung und Gewalt, sie wurden als Verräter gebrandmarkt. Einige verloren ihre Stellung, der IDASA-Mitarbeiter Eric Mntonga wurde ermordet.

Doch das IDASA gab nicht auf. Auf Einladung der Stiftung fand 1988 eine zweite Konferenz in Le- verkusen statt. Das politische Spektrum der weißen Südafrikaner war diesmal noch breiter, auch die Delegation des ANC hochrangiger, da neben Thabo Mbeki der Kommandeur des bewaffneten Flügels des ANC, Joe Slovo, zeitweilig auch Vorsitzender der KP Südafrikas, mit am Tisch saß. Den rückkehrenden Teilnehmern der weißen Delegation begegnete man diesmal eher mit neugierigen Fragen nach den Zukunftsvisionen des ANC für ein Post-Apartheid-Südafrika. Doch die Regierung in Pretoria reagierte schroff: Verteidigungsminister Malan attackierte die Konferenzteilnehmer und auch die FNF in massiven Tiraden, und der Dialogprozess schien irreversibel. Im Februar 1989 ver- kündete Südafrikas Präsident F. W. de Klerk die Freilassung Nelson Mandelas und die Legalisierung des ANC, um eine demokratische, nicht rassische Verfassung auszuhandeln. Die von der FNF geför- derten Konferenzen mit dem IDASA haben den Weg dafür wesentlich geebnet.

Zusammenarbeit mit der liberalen Opposition in Südafrika Die Kooperation zwischen der FNF und den südafrikanischen Liberalen nach 1989 galt der Neupo- sitionierung des organisierten Liberalismus im demokratischen Südafrika. Noch Mitte der 90er-Jahre wurden die Liberalen von nationalen und internationalen Beobachtern als chancenlos betrachtet. Der Aufstieg der Partner zur offiziellen Opposition und zum einzigen relevanten Gegengewicht zum ANC ist eine Erfolgsgeschichte, an der auch die FNF ihren Anteil hat. Die Transformation einer klei- nen, fast ausschließlich weißen liberalen Partei in eine ethnisch breit zusammengesetzte, inhaltlich liberal fundierte Alternative zum ANC wäre ohne die breit angelegte Kooperation der FNF mit den Parteistrukturen der Democratic Alliance (DA) und insbesondere den beiden Parteivorsitzenden Tony Leon und Helen Zille wohl wesentlich schwieriger verlaufen. Der Partner selbst hat sich nie gescheut, das auch öffentlich anzuerkennen. Organisationsgrad, Struktur und Schlagkraft der DA als effektive Oppositionspartei sind auch im internationalen Vergleich vorbildlich. Gerade angesichts der erdrü- ckenden Position des ANC in der südafrikanischen Politik, die für das Land nicht gut ist, wie die ak- tuellen Entwicklungen immer wieder zeigen, stellt die enge Kooperation mit der DA einen signifikanten Beitrag zur Stärkung der Demokratie und demokratischen Kontrolle in Südafrika dar.

Politikdialog auf hoher Ebene Anfang 1989 begann die Stiftung eine Kooperation mit dem Africa Leadership Forum (ALF), ge- gründet von Ex-General Olusegun Obasanjo, Militärherrscher von Nigeria von 1976 bis 1979 und gewählter ziviler Präsident von 1999 bis 2007. Er hatte seinen guten Ruf damit begründet, dass er als erster Militärführer Nigerias freiwillig für eine Zivilregierung zurückgetreten war, und wurde zum Elder Statesman, dessen Kommentare zu politischen Fragen gesucht wurden. Der spätere Mi- litärdiktator Sani Abacha ließ Obasanjo inhaftieren, weil er angeblich an einem Putschversuch be- teiligt war. Er entging der Todesstrafe nur knapp durch massiven internationalen Druck. Erst nach dem Tode Abachas wurde Obasanjo freigelassen und zweimalig in demokratischen Wahlen zum zi- vilen Präsidenten gewählt. Er ist u. a. Träger des Freiheitspreises von Liberal International.

Zielsetzung des ALF war es, ein panafrikanisches Forum für den Dialog hochrangiger afrikanischer Politiker zu schaffen und dabei politische und wirtschaftliche Liberalisierung sowie strukturpolitische Reformvorstellungen zu vertreten. Obasanjo wusste aus eigenem Erleben von der Schwierigkeit, einen offenen Gedankenaustausch zwischen afrikanischen Elder Statesmen und nachwachsenden Führungskräften des Kontinents herbeizuführen, und ergriff daher selbst die Initiative. Er stellte auf seiner Hühnerfarm in Abeokuta, Nigeria, Räumlichkeiten für das ALF zur Verfügung. Die Kooperation mit der FNF war fokussiert auf Dialogprogramme unterschiedlichster gesellschaftlicher Führungs- kräfte. Im Rahmen der sogenannten Farm House Dialogues wurden Themen wie Demokratie und traditionelle Herrscher, Demokratie und Militär, Demokratie und Armut diskutiert. Die Publikationen dieser Symposien, ebenfalls von der Stiftung unterstützt, hatten allein in Nigeria einen Verteilerkreis von 5.000 Personen. Das ALF hat sich im Zeitablauf zu einem politischen Thinktank entwickelt und hohes Ansehen nicht nur in Nigeria, sondern auch im Ausland erworben.

Ein alternatives politisches Aktionsprogramm in Kenia Die FNF konzipierte und koordinierte 1992 das wirtschafts- und gesellschaftspolitische Reform- programm „Post Election Action Programme“ (PEAP), das von über 60 der besten kenianischen Fach- leute für vier der Oppositionsparteien erarbeitet wurde. Es war ein überparteilicher Entwurf für einen effektiven Wiederaufbau der Wirtschaft und der demokratischen Rahmenbedingungen. Das Programm formulierte mit Blick auf die kommende Regierung in 44 Politikbereichen die wesentli- chen Perspektiven und Handlungsanweisungen einer nationalen Politik, die sich an den realen Be- dürfnissen und Möglichkeiten Kenias orientierte. Es versuchte, die Entpolitisierung und Entprofessionalisierung des öffentlichen Lebens zu überwinden, die nationale Kompetenz zu mobi- lisieren und die Glaubwürdigkeit der Politiker wieder herzustellen. Das PEAP fand große öffentliche Beachtung und wurde als das erste von Kenianern erarbeitete, qualitativ hochwertige, Reformpro- gramm gewürdigt. Die Kooperation der kenianischen Experten führte darüber hinaus zur Gründung des Institute for Economic Affairs (IEA). Das PEAP hat vor den Wahlen zur Versachlichung der öf- fentlichen Debatte beigetragen und nicht nur den beteiligten Oppositionsparteien einen Fundus an Fachwissen vermittelt, sondern auch ein öffentliches Beispiel für die kritisch-konstruktive Beteili-

Beispiel für die kritisch-konstruktive Beteili- Informeller Dialog von Olusegun Obasanjo, dem ehemaligen
Beispiel für die kritisch-konstruktive Beteili- Informeller Dialog von Olusegun Obasanjo, dem ehemaligen
Beispiel für die kritisch-konstruktive Beteili- Informeller Dialog von Olusegun Obasanjo, dem ehemaligen

Informeller Dialog von Olusegun Obasanjo, dem ehemaligen Staatspräsidenten von Nigeria (Mitte), auf seiner Farm in Abeokuta, mit Uwe Johannen, Leiter des Auslandsberei- ches der FNF (r.) und den Projektleitern der Stiftung aus West- und Ostafrika, Nigeria, 1993

der Stiftung aus West- und Ostafrika, Nigeria, 1993 Pressekonferenz des „Post Election Action Programme“
der Stiftung aus West- und Ostafrika, Nigeria, 1993 Pressekonferenz des „Post Election Action Programme“
der Stiftung aus West- und Ostafrika, Nigeria, 1993 Pressekonferenz des „Post Election Action Programme“

Pressekonferenz des „Post Election Action Programme“ (PEAP), Nairobi,1993

Lindiwe Mazibuko Fraktionsvorsitzende der liberalen Partei Democratic Alliance, Oppositionsführerin im Parlament
Lindiwe Mazibuko Fraktionsvorsitzende der liberalen Partei Democratic Alliance, Oppositionsführerin im Parlament
Lindiwe Mazibuko Fraktionsvorsitzende der liberalen Partei Democratic Alliance, Oppositionsführerin im Parlament

Lindiwe Mazibuko Fraktionsvorsitzende der liberalen Partei Democratic Alliance, Oppositionsführerin im Parlament Südafrikas

„Die FNF hat unermüdlich Zeit und Ressourcen eingesetzt, liberale Werte zu fördern, nicht nur in Südafrika, sondern weltweit. Wir begrüßen die Arbeit, die die Stiftung im Bereich der staatsbürgerlichen Bildung geleistet hat, durch Seminare, Konferenzen und Publikationen, ausgerichtet auf die Förderung liberaler Werte und Prinzipien. Südafrika hat erheblich profi- tiert von der Stärkung dieser Werte.“

erheblich profi- tiert von der Stärkung dieser Werte.“ Strategieberatung des Africa Liberal Network (ALN) in
erheblich profi- tiert von der Stärkung dieser Werte.“ Strategieberatung des Africa Liberal Network (ALN) in
erheblich profi- tiert von der Stärkung dieser Werte.“ Strategieberatung des Africa Liberal Network (ALN) in

Strategieberatung des Africa Liberal Network (ALN) in Johannesburg, Südafrika, 2008

gung am Demokratisierungsprozess gegeben. Leider führte diese Initiative in Richtung guter Re- gierungsführung zu repressiven Maßnahmen des autoritären Regimes gegen die beteiligten Partner und zur Ausweisung der FNF-Projektleiterin aus Kenia. Obwohl ihr später die Wiedereinreise ge- stattet wurde, zeigte dieser Fall die Risiken auf, die auch mit konstruktiven Beiträgen zur Demo- kratisierung verbunden sein können.

Politische Bildung von unten: der Aufbau der Zivilgesellschaft im Kongo Die FNF hat mit einem Modellprojekt zur Förderung des privaten Sektors in der Demokratischen Republik Kongo eine bahnbrechende Strategie zum Aufbau der Grundlagen für eine liberale demo-

kratische Ordnung in einem extrem repressiven politischen System umgesetzt. Dies geschah durch Mobilisierung und Strukturierung zivilgesellschaftlicher Akteure im Bereich der Nichtregierungs- Organisationen (NGO) sowie der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Von 1990 bis 1994 entstanden zwei Dachverbände für „ökonomisch orientierte“ NGO und für KMU mit jeweils drei Re- gionalverbänden und Hunderten von Mitglied-Basisstrukturen. Das Projekt wurde 1994 von der GIZ (damals GTZ) übernommen und in allen elf Provinzen des Landes umgesetzt. Zehn Jahre später ge- hörten der NGO-Dachverband mit 1.800 Mitgliedern und der KMU-Dachverband mit 3.600 Mit- gliedern zu den führenden Strukturen der dortigen Zivilgesellschaft. Der NGO-Dachverband wurde 2002 Partner der Weltbank bei der Umsetzung des Ansatzes der Community Driven Development in der Demokratischen Republik Kongo.

Zielsetzungen und thematische Schwerpunkte in neuerer Zeit Mit zunehmender Öffnung der politischen Systeme in Afrika haben sich die Spielräume für ein En- gagement der Stiftung erweitert. Vorrangige Ziele der Projektarbeit in den letzten beiden Dekaden waren:

1. Durchsetzung der Freiheitsrechte und politischen Partizipation, Verbreitung liberaler Politikkonzepte,

2. Konsolidierung von Demokratie und Rechtsstaat,

3. Sicherung von Menschen- und Bürgerrechten,

4. Etablierung marktwirtschaftlicher Strukturen.

Die thematischen Schwerpunkte lagen in Abstimmung mit den Partnern in den Bereichen Rechts- staat und Verfassung, Ordnungs-, Wirtschafts- und Umweltpolitik sowie Kommunal- und Jugend-

politik. Das für die Koordinierung der Aktivitäten verantwortliche Regionalbüro hat seinen Sitz in

Johannesburg, Südafrika. Der wichtigste Partner der FNF auf regionaler Ebene ist das Africa Liberal Network. Es wurde 2003 mithilfe der Stiftung als panafrikanisches Netzwerk liberaler Parteien ge- gründet. Dieser Schritt erfolgte mit aktiver Unterstützung der britischen Liberal Democrats und der Westminster Foundation for Democracy. Das ALN ist seither kontinuierlich gewachsen. Gegenwärtig gehören ihm 34 Mitgliedsparteien aus 25 Ländern an. Die Mitglieder sind liberalen und demokra-

tischen Grundsätzen verpflichtet, entweder in der Opposition oder in der Regierung. Das Netzwerk verfolgt das Ziel, liberale Parteien in Afrika zu stärken, zu unterstützen und zu vertreten. Das ALN bietet seinen Mitgliedern Aus- und Weiterbildungen sowie Politikberatung für Mandats- und Funktionsträger an. Das Angebot reicht von Strategieberatungen über Wahlkampfbeobachtung bis hin zu Fertigkeitstrainings. Die FNF unterstützt die Partner in folgenden Bereichen: Maßnahmen zur Strategieplanung und deren Umsetzung, Schulungen in politischer Kommunikation und Pro- grammatik, Workshops zu liberalen Themen sowie Maßnahmen zur Parteientwicklung und -orga- nisation. Dazu dient auch der Süd-Süd-Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Parteien. Ferner trägt die Stiftung dazu bei, dass sich das ALN mit anderen regionalen wie auch internatio- nalen liberalen Organisationen nachhaltig vernetzt.

Lateinamerika

Politische und regionale Ansatzpunkte Die knapp 600 Millionen Menschen Lateinamerikas leben heute weit überwiegend in stabilen De- mokratien und sich öffnenden, dynamischen Wirtschaften. Der Kontinent ist auf einem langen Weg der Modernisierung. Von 1960 bis 1990 dominierten in Lateinamerika autoritäre politische Systeme, zumeist Militärregime und Diktaturen, die ihre Legitimation aus einer Doktrin der „nationalen Si- cherheit“, der Bekämpfung von Terroraktionen urbaner Guerilla-Gruppen und der Eindämmung des Kommunismus in der Phase des Kalten Krieges ableiteten. In dieser Zeit der „schmutzigen Kriege“ gegen die Guerilla, linke Sympathisanten und oppositionelle Kräfte in Südamerika und der Bürger- kriege in Zentralamerika wurden von Militärs, Sicherheitskräften und Todesschwadronen Zehntau- sende Menschen ermordet, Hunderttausende gelten als gewaltsam verschwunden, wurden aus politischen Gründen inhaftiert und gefoltert. Die Aktivitäten ausländischer Organisationen wurden von den Sicherheitsorganen streng überwacht. Die Spielräume für dezidiert politische Projekte waren in diesem Kontext sehr begrenzt; sie beschränkten sich auf wenige noch verbliebene Demo- kratien. Die FNF hat sich daher in den 60er- bis 80er-Jahren auf die Förderung von eigenständigen Selbsthilfeorganisationen, Verbänden und Interessenvertretungen der gewerblichen Wirtschaft kon- zentriert. Dieser Programmschwerpunkt blieb dominant bis Anfang der 90er-Jahre.

blieb dominant bis Anfang der 90er-Jahre. Ab 1978 begannen ergänzend Rechtshilfe- und Medienprojekte.

Ab 1978 begannen ergänzend Rechtshilfe- und Medienprojekte. Erst im Zuge der Öffnung der Mi- litärregime ab Mitte der 80er-Jahre konnten Projekte der politischen Bildung und der Parteienko- operation anlaufen, um durch Förderung demokratischer, rechtsstaatlicher und pluralistischer Strukturen den Übergang zu freiheitlichen politischen Systemen zu unterstützen. Die in den ersten 20 Jahren etablierten Beziehungen der Stiftung zu Führungskräften aus Politik, Wirtschaft, Ver- waltung und Zivilgesellschaft erlaubten es, mit Beginn der Öffnungsprozesse kurzfristig geeignete Schritte zur Demokratisierung einzuleiten.

´ Ricardo Lopez-Murphy Ehemaliger Finanz- und Verteidigungs- minister und Präsidentschaftskandidat, Argentinien,
´ Ricardo Lopez-Murphy Ehemaliger Finanz- und Verteidigungs- minister und Präsidentschaftskandidat, Argentinien,
´ Ricardo Lopez-Murphy Ehemaliger Finanz- und Verteidigungs- minister und Präsidentschaftskandidat, Argentinien,

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Ricardo Lopez-Murphy Ehemaliger Finanz- und Verteidigungs- minister und Präsidentschaftskandidat, Argentinien, Vorsitzender des liberalen Netzwerkes RELIAL in Lateinamerika

„RELIAL verteidigt die Ideen einer offenen Bürgergesellschaft, die Prinzipien des Rechtsstaates und die unteilbare Freiheit in einem Kontinent, in dem sich die totalitäre Bedrohung in besonderer Vitalität zeigt. Unsere Tätigkeit erfolgt im Zusammenwirken von politischen Parteien und Thinktanks. Die Rolle der FNF war für uns lebenswichtig. Unsere Erfolge sind in hohem Maße der kraftvollen Synergie mit der Stiftung zu ver- danken. Die gemeinsamen Aktionen führten zu starkem Widerstand der totalitären Geg- ner der Freiheit in der Region.“

der totalitären Geg- ner der Freiheit in der Region.“ Radiostation im ersten Medienprojekt in La- teinamerika,
der totalitären Geg- ner der Freiheit in der Region.“ Radiostation im ersten Medienprojekt in La- teinamerika,
der totalitären Geg- ner der Freiheit in der Region.“ Radiostation im ersten Medienprojekt in La- teinamerika,

Radiostation im ersten Medienprojekt in La- teinamerika, Puerto Limon, Costa Rica, 1982

Beginn der Arbeit mit Selbsthilfegruppen Von 1964 bis 1967 wurden Projekte für wirtschaftliche Führungskräfte in Guatemala, Peru, Chile und Brasilien durchgeführt. Partner waren private Institute für Unternehmensführung und Manage- mentschulung, Wirtschaftsverbände und Hochschulen. Ab 1970 verlagerte sich der Schwerpunkt dieser Projekte zunehmend auf die Förderung von Wettbewerbsfähigkeit und Autonomie des Ge- nossenschaftssektors in neun Ländern Lateinamerikas. Partner waren genossenschaftliche Schu- lungszentren und deren regionale Vereinigung ALCECOOP sowie nationale Dachverbände. Nach- folgend entstanden Projekte zur Stärkung von kleinen und mittleren Unternehmen durch Betriebs-

beratungsdienste und Managementtraining in zehn Ländern. Ein weiterer Ansatz war die Förderung

vorgenossenschaftlicher Betriebsformen von Kleinproduzenten, Indio-Dorfgemeinschaften, lokalen Basisgruppen und Selbsthilfeinitiativen in urbanen Elendsvierteln sowie die Fortbildung von staat- lichen Entwicklungsberatern für Basisprojekte in Peru, Kolumbien, Mexiko und der Dominikanischen Republik. Ein Sonderfall war der Aufbau einer Fischerei-Genossenschaft an der Pazifikküste, in Kooperation mit dem peruanischen Fischereiministerium und der Food and Agricultural Organization (FAO) der Vereinten Nationen. Auch diese Basisprojekte waren von gewaltsamen Konflikten in ihrem Umfeld betroffen. Das zeigte die Ermordung eines Partners im Schulungszentrum der Genossen- schaften Guatemalas in Chimaltenango. Der FNF-Vertreter musste daraufhin aus Sicherheitsgründen in die Hauptstadt des Landes abgezogen werden.

Einsatz für Rechtsstaat und Menschenrechte Das erste Rechtshilfeprojekt entstand 1978 zur Ausbildung von 4.000 Friedensrichtern in Peru, in Kooperation mit dem Obersten Gerichtshof und den Oberlandesgerichten der Provinzen. Friedens- richter in Indio-Dörfern und Elendsvierteln der Küstenstädte waren die unterste Instanz des Justiz- wesens mit 70 Prozent aller Streitfälle. Sie waren jedoch als juristische Laien unterqualifiziert. Das Projekt vermittelte praxisorientierte Ausbildung vor Ort und bot Fernlehrgänge und Radioprogramme an. Es folgte ein Vorhaben mit der Juristenkommission der Andenstaaten zur Fortbildung von Rich- tern und Staatsanwälten über Menschenrechtsfragen in der Rechtsprechung. Ein Projekt mit er- heblicher Multiplikatorwirkung entstand 1982 in Kooperation mit dem Interamerikanischen Institut für Menschenrechte (IIDH) mit Sitz in Costa Rica zur Förderung der Menschenrechtserziehung in allen Staaten Lateinamerikas, u. a. durch die Erstellung von Lehrplänen und didaktischen Materialien für Sekundarschulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung, eine Reform der Curricula für Ju- risten und die Fortbildung von Sicherheitskräften in Menschen- und Bürgerrechten. Das Programm erreichte 8.000 Teilnehmer aus diversen Zielgruppen pro Jahr. Die FNF setzte sich zudem in mehreren Ländern für die Rechte ethnischer/indigener Minderheiten ein, z. B. mit der Liga Maya Internaci- onal in Zentralamerika. Diese Arbeit führte 2001 erstmals zu einer lateinamerikanischen Konferenz von Exponenten ethnischer Minoritäten in Rio de Janeiro, die große Resonanz fand.

Förderung freiheitlicher und kritischer Medien Das erste Medienprojekt begann 1979 nach dem Sturz der Diktatur in Nicaragua: der Wiederaufbau

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Sturz der Diktatur in Nicaragua: der Wiederaufbau 1 3 2 4 1. Dialog zur Demokratisierung der
Sturz der Diktatur in Nicaragua: der Wiederaufbau 1 3 2 4 1. Dialog zur Demokratisierung der

1. Dialog zur Demokratisierung der Streitkräfte zwischen General a. D. Wolf Graf von Baudissin und Staatspräsident Raúl Alfonsín (r.), Buenos Aires 1985

2. Prof. Dr. Bernhard Neumärker (2. Reihe Mitte), Gastprofessor der Theodor-Heuss-Akademie, mit Studenten an der Nationalen Universität UNAM, Mexico City, 2011

3. Ausbildung von jungen Stadträten im Bundesstaat Córdoba, Argentinien, 2008

4. Seminar für Friedensrichter mit dem Obersten Gerichtshof in Huacho, Peru, 1979

Internationales Seminar „Chile auf dem Wege zur Demokratie“, Santiago de Chile, 1988 des unter Diktator
Internationales Seminar „Chile auf dem Wege zur Demokratie“, Santiago de Chile, 1988 des unter Diktator
Internationales Seminar „Chile auf dem Wege zur Demokratie“, Santiago de Chile, 1988 des unter Diktator

Internationales Seminar „Chile auf dem

Wege zur Demokratie“, Santiago de Chile,

1988

des unter Diktator Somoza zerstörten Verlagsgebäudes und der Druckereianlage der Tageszeitung La Prensa, die während des Widerstandskampfes gegen die Diktatur das Sprachrohr der Opposition gewesen war. Die Stiftung gewährte der Zeitung dafür einen Kredit. Aus den Rückzahlungen wurden Fortbildungsmaßnahmen für kritische Journalisten in Nicaragua finanziert. La Prensa und ihre He- rausgeberin Violeta Chamorro, eine der Führungspersönlichkeiten der Opposition, haben trotz Me- dienzensur der Sandinisten durch großen Mut und Beharrlichkeit eine unabhängige und kritische Berichterstattung aufrechterhalten können und damit ein Mindestmaß an Pluralismus in den Print- medien bewahrt. Ein weiteres Medienprojekt begann 1982 in Costa Rica mit der Förderung ländli- cher Rundfunksender beim Aufbau regionaler Nachrichtenprogramme mit einer gemeinsamen Nachrichtenagentur als Gegengewicht zum Informationsmonopol der hauptstädtischen Medien. Das Konzept wurde erfolgreich in fünf Ländern Zentralamerikas und später in Uruguay umgesetzt.

Politische Bildung als Schrittmacher der Demokratisierung Das erste Projekt wurde 1968 im demokratischen Kolumbien mit einer Bildungsstiftung begonnen, die von Spitzenpolitikern der liberalen Partei zur Qualifizierung von politischen Führungskräften, Bürgermeistern und Kommunalpolitikern gegründet wurde. Ähnliche Projekte folgten im Zuge der Demokratisierung Lateinamerikas ab 1978 in Kooperation mit Vorfeldorganisationen liberaler Par- teien, Thinktanks und Forschungsinstituten in 14 Ländern des Kontinents, darunter der Aufbau des Staatsbürger-Instituts in Peru, einer überaus erfolgreichen Vorfeldorganisation für politische Bil- dung. Diese Vorhaben führten zur Gründung der Föderation liberaler Parteien Zentralamerikas und der Karibik FELICA 1979, ihrer Jugendorganisation JULICA 1980, des liberalen Jugendverbandes La- teinamerikas FEJOL 1982 sowie des lateinamerikanischen Netzwerkes liberaler Parteien und Think- tanks RELIAL 2004, das sich bis heute ständig weiterentwickelt. Parallel dazu entstanden diverse Vereinigungen liberaler Bürgermeister und Kommunalpolitiker in Argentinien, Brasilien, Kolumbien und Zentralamerika, die von der FNF durch Fortbildungen und Politikberatungen sowie Austausch- programme untereinander (Süd-Süd-Dialoge) gefördert wurden, um den Leistungsstand der kom- munalen Verwaltungen zu steigern. Komplementär zu den nationalen Projekten begann 1980 ein Regionalprojekt für Bildung und Forschung mit liberalen Gruppen Lateinamerikas, das die Führungs- kräfte der Partner durch Politikdialog und Fachkolloquien auf regionaler Ebene sowie Publikations- reihen, die politische Zeitschrift „Perfiles Liberales“ (Liberale Profile) und aktuelle Nachrichten („Liberale Aktualitäten“) unterstützte. Vor allem die Zeitschrift „Perfiles Liberales“ (Auflage 5.000, ab 2001 mit Internet-Version) wurde für viele Jahre zu einer politisch und intellektuell anspruchs- vollen und einflussreichen Stimme des Liberalismus in Lateinamerika. Ab 1993 erfolgte ferner der Aufbau eines länderübergreifenden Netzwerkes von Seminarmoderatoren für politische Bildung von Peru bis Mexiko.

Herausforderung für Liberale: das sozialistische Nicaragua Eine besonders schwierige Situation ergab sich für die Liberalen in Nicaragua nach dem Fall Somo- zas. Die mit der FNF eng kooperierende Liberale Partei stellte in der Koalition mit den regierenden

Sandinisten den Arbeitsminister Virgilio Godoy und war damit in die Kabinettsdisziplin eingebunden. Die Liberalen waren strikte Gegner der autoritären Politik der Sandinisten, konnten jedoch als schwächerer Partner nur begrenzt Einfluss nehmen, was zu einem schwierigen Balanceakt führte. Für die FNF ergab sich ein ähnlicher Spagat: Sie förderte die politische Bildungsarbeit der Liberalen Partei, stärkte sie durch regionale und internationale Vernetzung, unterstützte das Arbeitsministe- rium mit Programmen für ländliche Basisgenossenschaften, kooperierte mit der oppositionellen Ta- geszeitung La Prensa und kritischen Journalisten, war aber gleichzeitig bestrebt, einen Politikdialog mit den Sandinisten zu führen. In diesem Kontext kam es u. a. zu einer Delegationsreise von sandi- nistischen Ministern unter Führung des Kommandanten Jaime Wheelock nach Deutschland. Diese Balanceakte wurden auch dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der FNF Ralf Dahrendorf anlässlich eines Besuches unserer Projekte in Managua deutlich. Als früherer Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, ehemaliger Kommissar für Außenbeziehungen der Europäischen Gemeinschaft und Direktor der London School of Economics mit großer internationaler Erfahrung verwickelte er die sandinis- tischen Kommandanten im Gästehaus der Regierung in eine fesselnde Diskussion über den häufig unerwarteten Verlauf von Revolutionen, die die Gastgeber sehr nachdenklich zurückließ.

Förderung demokratischer Reformen in Argentinien Ab 1982 begann die Stiftung ein Projekt mit dem sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut CISEA in Argentinien, um die Folgen von 50 Jahren Militärherrschaft (mit kurzen demokratischen Inter- vallen) zu analysieren und Reformvorschläge zu unterbreiten. Das nach dem Rückzug der Militärs aus der Politik 1984 hinterlassene Erbe stellte die neue demokratische Regierung vor enorme He- rausforderungen. Die Führungskräfte vom CISEA übernahmen hohe politische Ämter, die FNF wurde damit in Kernbereiche der Reformprogramme einbezogen. Im Auftrag von CISEA und FNF erarbeitete ein hoch qualifiziertes Team von Ökonomen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft unter Leitung seines Vizepräsidenten Prof. Jürgen Donges in einem dreimonatigen Beratereinsatz ein umfassendes Gutachten zur Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die Ergebnisse wurden Staatspräsident Alfonsín und den zuständigen Ministern persönlich vorgetragen, in den Sanierungsplan der Regierung übernom- men und in spanischer Sprache publiziert.

übernom- men und in spanischer Sprache publiziert. Verfassungsseminar in Sao Paulo, Brasilien, 1987
übernom- men und in spanischer Sprache publiziert. Verfassungsseminar in Sao Paulo, Brasilien, 1987
übernom- men und in spanischer Sprache publiziert. Verfassungsseminar in Sao Paulo, Brasilien, 1987

Verfassungsseminar in Sao Paulo, Brasilien, 1987

publiziert. Verfassungsseminar in Sao Paulo, Brasilien, 1987 Vorbereitung junger Kandidaten der Democratas auf Interviews
publiziert. Verfassungsseminar in Sao Paulo, Brasilien, 1987 Vorbereitung junger Kandidaten der Democratas auf Interviews
publiziert. Verfassungsseminar in Sao Paulo, Brasilien, 1987 Vorbereitung junger Kandidaten der Democratas auf Interviews

Vorbereitung junger Kandidaten der Democratas auf Interviews im Fernsehstudio, Brasilien, 2008

Ebenfalls 1984 wurde mit der Bildungsstiftung Arturo Illia, einer Vorfeldorganisation der regierenden linksliberalen Bürgerunion UCR, ein Forum für Führungskräfte geschaffen, um wichtige partizipative Reformprojekte voranzutreiben. Ein spektakuläres Vorhaben war das erste zivil-militärische Dialog- programm in Argentinien: 1985 kam General a. D. Wolf Graf von Baudissin nach Buenos Aires, um in Gesprächen mit Präsident Alfonsín, Mitgliedern des Kabinetts, Parlamentariern beider Kammern des Kongresses, dem Vereinigten Generalstab der Streitkräfte und Kommandeuren der Militäraka- demien die Führungsprinzipien einer demokratischen Parlamentsarmee am Beispiel der Bundeswehr vorzustellen. Nachfolgend fand ein Informationsprogramm für Verteidigungspolitiker, Verfassungs- juristen und Generalstabsoffiziere in Deutschland statt, um die Arbeitsteilung zwischen zivilen und militärischen Leitungsstrukturen im Rahmen einer Demokratie zu demonstrieren. Ergänzend be-

Sergio Sarmiento Publizist und Journalist, Ehrenvorsitzender des liberalen Netzwerkes RELIAL in Lateinamerika, Mexiko
Sergio Sarmiento Publizist und Journalist, Ehrenvorsitzender des liberalen Netzwerkes RELIAL in Lateinamerika, Mexiko
Sergio Sarmiento Publizist und Journalist, Ehrenvorsitzender des liberalen Netzwerkes RELIAL in Lateinamerika, Mexiko

Sergio Sarmiento Publizist und Journalist, Ehrenvorsitzender des liberalen Netzwerkes RELIAL in Lateinamerika, Mexiko

„Als liberaler Rundfunk- und Fernsehjourna- list sehe ich es als meine Aufgabe an, für die Entwicklung des Schwellenlandes Mexiko Strukturreformen im Sinne von mehr bürger- licher und wirtschaftlicher Freiheit und Ver- antwortung anzumahnen. Seit mehr als sieben Jahren stehe ich in kontinuierlichem Kontakt mit der FNF. In dieser Zeit hat die Organisation, deren Vorsitzender ich bin, ihre Aktivitäten in enger Zusammenarbeit mit der FNF erweitert und verstärkt. Wie Caminos de la Libertad haben auch viele andere Organi- sationen in Mexiko von der Erfahrung, der Verbindung zum Ausland und dem Enthusi- asmus der FNF profitiert. Ich kann bezeugen, dass ‚die Naumann‘, wie sie in Mexiko bekannt ist, ohne Unterlass und in sehr unterschiedlichen Formen arbei- tet, um den Bürgern die Ideen von Freiheit und Marktwirtschaft zu erläutern, sie argu- mentativ zu untermauern und darzustellen und die Bürger dafür zu begeistern. Die Ar- beit der FNF mit den Jugendlichen ist außer- gewöhnlich. Sie hat es geschafft, eine wachsende Anzahl an Personen von der Überlegenheit dieser Ideen zu überzeugen, nicht nur im Sinne von wirtschaftlichem Wohlstand, sondern auch im ethischen und moralischen Sinne.“

suchte der Verteidigungspolitiker Uwe Ronneburger, MdB, Buenos Aires, um Vorträge über parla- mentarische Kontrolle der Streitkräfte und die Rolle des Wehrbeauftragten vor Politikern und in Militärakademien zu halten.

Beendigung der Militärherrschaft in Brasilien Ab 1984 begann ein Neuprojekt der politischen Bildung in Brasilien, um die verschiedenen Strö- mungen liberaler Führungskräfte zusammenzuführen und die demokratische Öffnung vorzubereiten. Ende 1984 kam es zur Wiedergeburt des organisierten Liberalismus. Durch Abspaltung einer Libe- ralen Front aus der Regierungspartei PDB und Bildung einer Allianz mit der Oppositionspartei PMDB wurde der Regimewechsel eingeleitet. Die Mitglieder der Front gründeten die Partei der Liberalen Front PFL. Mit dem Bildungsinstitut der PFL wurde sofort eine enge Kooperation beim Aufbau de- mokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen vereinbart und viele Jahre erfolgreich umgesetzt.

Zivil-militärischer Dialog als Instrument der Demokratisierung Auch nach dem Wechsel zu demokratischen Regierungen behielten die Streitkräfte in Lateinamerika oft eine Sonderstellung im Staate mit diversen Privilegien. Die Verteidigungsminister waren über- wiegend Militärs mit eigener Budgethoheit. Massive Menschenrechtsverletzungen wurden gar nicht oder nur schleppend aufgearbeitet. Die Sicherheitskräfte (Militär, Polizei und Geheimdienste) stellten für die zivilen Regierungen daher eine enorme Herausforderung dar, nicht zuletzt angesichts des Risikos erneuter Militärinterventionen. In diesem Kontext wurde die FNF in zahlreichen Ländern um Unterstützung gebeten. Ziele der Projekte zur Demokratisierung der Sicherheitskräfte waren:

1. Einführung des Primats der Politik, d. h. zivile Kontrolle aller Sicherheitskräfte,

2. Einsetzung eines zivilen Verteidigungsministers mit voller Kommandogewalt über das Militär,

3. Abbau der Sondergerichtsbarkeit für Militär und Polizei,

4. Transparenz der Regelwerke und

5. Einführung des passiven und aktiven Wahlrechts für Militär- und Polizeiangehörige.

Die zivil-militärischen Dialogprogramme fanden grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt (nicht nur bei Einbeziehung der militärischen Geheimdienste), auch unter Beteiligung auslän- discher Kurzzeitexperten (z. B. hochrangiger Ex-Offiziere). Regelmäßig wurden spezifische Besuchs- programme für zivile und militärische Entscheidungsträger bei der Bundeswehr und der NATO in Brüssel einbezogen. Zwischen 1980 und 2002 wurden zivil-militärische Dialogprojekte in Argenti- nien, Brasilien, Chile, Uruguay, Peru, Ecuador, Nicaragua, Guatemala, Honduras und der Dominika- nischen Republik erfolgreich durchgeführt.

Beratung von Parlamenten und Regierungen Durch die engen Beziehungen der Stiftung mit politischen Parteien und Parlamentariern ergaben sich vielfach Projekte mit Organen der Legislative und Exekutive, wie:

• Beratungen der Verfassunggebenden Versammlung in Kolumbien und des Verfassungsrates von Grenada durch Kurzzeitexperten bis hin zur Ausarbeitung von Verfahrensregeln und Strategieansätzen in der Parlaments- und Fraktionsarbeit,

• Beratungen der Gemeindeverwaltungen in Guatemala, Honduras, Nicaragua und Panama,

• Kooperation mit den Ausschüssen der nationalen Parlamente für den südamerikanischen gemeinsamen Markt MERCOSUR (Argentinien, Brasilien, Bolivien, Uruguay, Paraguay) in Fragen der wirtschaftlichen Integration und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit,

• Kooperation mit den zentralamerikanischen Parlamentskommissionen für Umweltschutz und Entwicklung durch gemeinsame Ausarbeitung und parallele Einbringung von Gesetzes- vorlagen in jedem Land,

• Beratung der Regierung Boliviens bei der Erarbeitung einer Gesetzesvorlage für den Ombudsmann,

• Ausbildung von Assistenten der Abgeordneten des Parlamentes in Chile,

• Organisationsberatung des Außenministeriums in Guatemala durch Dr. Irmgard Schwaetzer, frühere Staatsministerin im Auswärtigen Amt und Vorstandsmitglied der FNF.

Förderung demokratischer Wahlen Im Zuge der Demokratisierung Lateinamerikas gewannen Fragen der Wahlsysteme, der gesetzlichen Grundlagen und Durchführung von Wahlen an Bedeutung. Die FNF unterstützte das Lateinameri- kanische Zentrum für Wahlorganisation und Wahlgesetzgebung CAPEL des Interamerikanischen In- stituts für Menschenrechte (IIDH) bei entsprechenden Vorhaben in mehreren Ländern. So wurde nach dem Friedensvertrag in El Salvador 1992 die Regierung bei der Reform der Wahlgesetzgebung, der Organisation des Wahlregisters und den Vorbereitungen für die Präsidentschafts- und Parla- mentswahlen beraten. Ferner hat die Stiftung durch Ausbilder und Moderatoren Zehntausende von Wahlbeisitzern und Wahlhelfern in Ländern Zentral- und Südamerikas auf ihren Einsatz vorbereitet.

Liberale Umweltpolitik als neuer Ansatz Zu einem neuen Themenschwerpunkt entwickelte sich ab 1990 die Umweltpolitik. Als Folge eines Umweltseminars der internationalen Akademie der Stiftung in Sintra, Portugal, entstand als neuer Partner das Umweltzentrum für das La Plata-Becken CACPLA, die erste nicht staatliche länderüber- greifende Umweltorganisation des Kontinentes, mit Sitz in Montevideo. Gründer waren Umwelt- schutzinitiativen aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay, die einer liberalen Umweltpolitik zum Durchbruch verhelfen wollten. Parallel dazu unterstützte die Stiftung vorberei- tende Schritte für die UN-Konferenz „Umwelt und Entwicklung“ 1992 in Rio de Janeiro durch in- ternationale Konferenzen in San Carlos de Bariloche, Argentinien, und Belém, Brasilien, in Koopera- tion mit den Vereinten Nationen. Dieser Arbeitsschwerpunkt wurde 2012 im brasilianischen Porto Alegre wieder aufgenommen, wo Politiker und Thinktanks des Netzwerkes RELIAL begleitend zum Rio+20-Gipfel marktwirtschaftliche Instrumente der Umweltpolitik entwickelten.

Instrumente der Umweltpolitik entwickelten. Dr. Wolfgang Gerhardt (l.) mit Mario Vargas Llosa, dem
Instrumente der Umweltpolitik entwickelten. Dr. Wolfgang Gerhardt (l.) mit Mario Vargas Llosa, dem
Instrumente der Umweltpolitik entwickelten. Dr. Wolfgang Gerhardt (l.) mit Mario Vargas Llosa, dem

Dr. Wolfgang Gerhardt (l.) mit Mario Vargas Llosa, dem RELIAL-Ehrenvorsitzenden, während des RELIAL-Kongresses „Ansätze einer liberalen Sozialpolitik in Lateinamerika“, Caracas, Venezuela, 2009

Sozialpolitik in Lateinamerika“, Caracas, Venezuela, 2009 Economic Freedom Network-Konferenz mit dem RELIAL, Mexiko,
Sozialpolitik in Lateinamerika“, Caracas, Venezuela, 2009 Economic Freedom Network-Konferenz mit dem RELIAL, Mexiko,
Sozialpolitik in Lateinamerika“, Caracas, Venezuela, 2009 Economic Freedom Network-Konferenz mit dem RELIAL, Mexiko,

Economic Freedom Network-Konferenz mit dem RELIAL, Mexiko, 2012

Entwicklungen und thematische Schwerpunkte in neuerer Zeit Nach Verabschiedung der Auslandsstrategie 1992 erfolgte eine stärkere Politisierung und Fokus- sierung der Projektarbeit. Sie verlagerte sich zunehmend auf die Kernaufgabe der Kooperation mit liberalen Parteien und Institutionen, während liberale Entwicklungsprojekte zurückgingen. Mit der Demokratisierung und Modernisierung Lateinamerikas konzentrierte sich die Projektarbeit der Stif- tung auf folgende Ziele:

1. Durchsetzung der Freiheitsrechte und politischen Partizipation der Bürger,

2. Konsolidierung von Demokratie und Rechtsstaat,

3. Sicherung von Menschen- und Bürgerrechten, besonders der Meinungs- und Pressefreiheit,

4. Erweiterung der wirtschaftlichen Freiheit.

Arbeitsschwerpunkte liegen in der Qualifizierung der Arbeit von liberalen Parteien und Thinktanks, insbesondere in den Themenbereichen Ordnungs-, Wirtschafts- und Umweltpolitik sowie Kommu- nal- und Jugendpolitik. Schwerpunktländer der Stiftung in der Region sind die Schwellenländer Brasilien und Mexiko, dazu Argentinien und Zentralamerika. Das für die Koordinierung der Aktivi- täten verantwortliche Regionalbüro hat seinen Sitz seit 2001 in Mexiko City. Der wichtigste Partner auf regionaler Ebene ist seit 2004 das Netzwerk liberaler Parteien und Thinktanks Lateinamerikas RELIAL (Red Liberal de América Latina), dem 40 Institutionen aus 17 Ländern des Kontinents ange- hören. Die im RELIAL zusammengeschlossenen Liberalen stehen mit den undemokratischen, popu- listischen Herrschern Lateinamerikas in einer elementaren, ideenpolitischen Auseinandersetzung um den Entwicklungsweg des Kontinents. Die Partner der FNF sind Stimmen der Freiheit im regio- nalen Kontext der Bedrohung politischer, wirtschaftlicher und persönlicher Rechte und Freiheiten durch sozialistisch- oder rechts-autoritäre Regime.

durch sozialistisch- oder rechts-autoritäre Regime. Südost- und Ostasien Politische Rahmenbedingungen In

Südost- und Ostasien

Politische Rahmenbedingungen In Südost- und Ostasien dominierten bis Ende der 1980er-Jahre autoritäre politische Systeme. Die Region galt aus historischen Gründen als Nachzügler der Demokratisierung. Die Kolonialherren haben die Bildung demokratischer Bewegungen nicht gefördert, noch weniger unabhängige poli- tische Parteien entstehen lassen. Folglich war der Kampf für Demokratie mit zwei Hindernissen konfrontiert: den Kolonialmächten und den autoritären und feudalen Traditionen innerhalb der asiatischen Gesellschaften. Die Dominanz autoritärer Regime und Militärdiktaturen endete mit dem Durchbruch demokratischer Systeme auf den Philippinen, in Thailand, Südkorea, Taiwan und Indo- nesien in den 1990er-Jahren. Seitdem setzen asiatische Demokraten ihre Hoffnungen auf eine weiter fortschreitende Liberalisierung und wachsende politische Freiheiten. Nur die kommunistischen Ein-

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politische Freiheiten. Nur die kommunistischen Ein- 1 3 2 4 1. Wahlkampfauftritt des Oppositionsführers Sam Rainsy
politische Freiheiten. Nur die kommunistischen Ein- 1 3 2 4 1. Wahlkampfauftritt des Oppositionsführers Sam Rainsy

1. Wahlkampfauftritt des Oppositionsführers Sam Rainsy in der Provinz Bantey, Kambodscha, 2009

2. Treffen des CALD-Vorstandes mit Aung San Suu Kyi, myanmarische Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin (1. von r.), in Yangon, Myanmar, 2011

3. Der erste Kongress von Liberal International in Asien, Manila, Philippinen, 2011

4. Gründung des Council of Asian Liberals and Democrats (CALD) mit Ministerpräsident Chuan Leekpai, Thailand (6. von l.) und Kim Dae-jung, Oppositionsführer in Südkorea (4. von r.), Bangkok, 1993

Einweihung des neuen FNF-Büros in Hanoi durch Manfred Richter, Vorstandsmitglied der FNF, Dr. Philipp Rösler,
Einweihung des neuen FNF-Büros in Hanoi durch Manfred Richter, Vorstandsmitglied der FNF, Dr. Philipp Rösler,
Einweihung des neuen FNF-Büros in Hanoi durch Manfred Richter, Vorstandsmitglied der FNF, Dr. Philipp Rösler,

Einweihung des neuen FNF-Büros in Hanoi durch Manfred Richter, Vorstandsmitglied der FNF, Dr. Philipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft, Jutta Frasch, deutsche Botschafterin in Vietnam, Dr. Rainer Adam, Leiter des Regionalbüros Ost- und Südost-

asien, und Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt (v. l. n. r.), Vietnam,

2012

Parteien-Regime in der VR China, in Nordkorea, Vietnam und Laos blieben bisher von diesem Trend unberührt.

Regionale Schwerpunkte Die FNF hat sich in den 60er- und 70er-Jahren in Indonesien, Malaysia und Thailand engagiert. In den 80er-Jahren erfolgte eine Ausweitung mit Neuprojekten in zahlreichen Ländern der Region. Die Schwerpunkte lagen in der Aus- und Fortbildung von Führungskräften der Angestellten-Gewerk- schaften, Jugendverbände, Wirtschaft, öffentlichen Verwaltung, ländlichen Entwicklung und ange- wandten sozioökonomischen Forschung. Mit Beginn der 90er-Jahre fokussierte sich das Engagement

auf die Förderung von Demokratie, Rechtsstaat, gesellschaftlichem Pluralismus und Marktwirtschaft. Eine Besonderheit in der Region war der frühe Einsatz von Regionalprojekten mit Partnern aus zahl- reichen Ländern Asiens und Ozeaniens zur Bildung von Netzwerken zum gegenseitigen Austausch und für gemeinsame regionale politische Initiativen. Das für die Koordinierung der Aktivitäten ver- antwortliche Regionalbüro hatte seinen Sitz ab 1992 in Singapur, seit 2000 in Bangkok, Thailand.Mit Beginn der 90er-Jahre fokussierte sich das Engagement Projekte der Aufbauphase Schwerpunktland der Stiftung in

Projekte der Aufbauphase Schwerpunktland der Stiftung in den ersten beiden Dekaden war Indonesien. Dort wurden von 1968 bis 1988 neun Projekte durchgeführt: darunter der Aufbau der Handelskammer in West-Java, des Instituts für wirtschaftliche und soziale Forschung, Erziehung und Information (LP3ES) in Jakarta, der Verwaltungsakademie in Bandung, der Handwerkskammer in West-Java, der Stiftung für Selbsthilfe- Förderung YDD in Yogyakarta, der Indonesian Society for Pesantren and Community Development (P3M). Diese Konzentration ergab sich durch die hohe Absorptionsfähigkeit der indonesischen Part- ner, die mehrere Vorhaben bereits nach relativ begrenzter Laufzeit erfolgreich übernehmen konnten.

relativ begrenzter Laufzeit erfolgreich übernehmen konnten. Hintergrundgespräche von Außenminister Dr. Guido
relativ begrenzter Laufzeit erfolgreich übernehmen konnten. Hintergrundgespräche von Außenminister Dr. Guido
relativ begrenzter Laufzeit erfolgreich übernehmen konnten. Hintergrundgespräche von Außenminister Dr. Guido

Hintergrundgespräche von Außenminister Dr. Guido Westerwelle mit Spitzenvertretern der Zivilgesellschaft aus dem Partner- spektrum der FNF, Bangkok, 2012

Die Arbeit in Malaysia begann 1972 mit dem Dachverband der Angestellten-Gewerkschaften zur Fortbildung von Kadern der angeschlossenen neun Einzelgewerkschaften. Daraus entstand ein gro- ßes Regionalprojekt in Kooperation mit APRO-FIET, dem regionalen Spitzenverband von 43 natio- nalen Dachverbänden der Angestellten-Gewerkschaften aus 14 Ländern Asiens und Ozeaniens mit Sitz in Singapur. Von 1972 bis 1990 wurden langfristige Fortbildungsprogramme für Bildungsbe-

auftragte der Dachverbände und Führungskräfte in den Fachgruppen Banken, Versicherungen, Han- del und Industrie der 1,3 Millionen Gewerkschaftsmitglieder durchgeführt. Ein weiteres Regional- projekt startete 1975 in Kooperation mit dem Asian Youth Council (AYC), der Dachorganisation von 17 nationalen Jugendverbänden Asiens und Ozeaniens mit Sitz in Kuala Lumpur, Malaysia, bei der Aus- und Fortbildung von Jugendleitern durch nationale und regionale Seminare.wurden langfristige Fortbildungsprogramme für Bildungsbe- Förderung nicht staatlicher Selbsthilfeorganisationen In

Förderung nicht staatlicher Selbsthilfeorganisationen In Indonesien, Thailand und auf den Philippinen lag der Schwerpunkt des Engagements zu Beginn im Agrarsektor und in der gewerblichen Wirtschaft. Die ersten Projekte der integrierten ländlichen Entwicklung entstanden 1975 in Nordthailand mit dem Aufbau von 27 Spar- und Kreditgenossen-

schaften mit dem Landwirtschaftsministerium und nicht staatlichen Selbsthilfeinitiativen. Diese mündeten 1987 in ein nationales Projekt mit dem NGO-Coordinating Committee on Rural Deve- lopment zur Qualifizierung und Stärkung von Nichtregierungsorganisationen, die sich der Förderung sozioökonomischer Basisgruppen im ländlichen Raum widmeten. In Indonesien lag der Schwerpunkt auf dem Aufbau von Handels- und Handwerkskammern sowie der Stärkung von kleinen und mitt- leren Betrieben durch nicht staatliche Projektträger.

Politische Bildung und Politikdialog in den 70er- und 80er-Jahren In Malaysia begann 1974 eine Kooperation mit der nationalen Verbraucherschutz-Organisation Consumers‘ Association of Penang (CAP), die sich neben Warentests, Rechtsberatung, Forschung, Lehre und Publikationen in der Umweltpolitik und Drogenbekämpfung engagiert hat sowie bei Um- weltskandalen spektakuläre Musterprozesse am Obersten Gerichtshof führte. CAP war nach 25 Jah- ren Förderung eine der erfolgreichsten und effizientesten Lobbyorganisationen für Bürgerrechte

der Dritten Welt und ist bis heute in Malaysia eine nationale Institution. Aus diesem Projekt entstand

1985 eine Kooperation mit dem Asia-Pacific People’s Environment Network (APPEN), dem Dachver-

band aller Umweltschutzorganisationen der asiatisch-pazifischen Region. Schwerpunkte waren Auf- klärungs- und Aktionsprogramme zu Fragen der Umwelt- und Entwicklungspolitik unter Einbeziehung der direkt betroffenen Bevölkerungen und Politikdialog mit den Regierungen auf regionaler Ebene.

In den 80er-Jahren entstanden zwei weitere Regionalprojekte:

1. Zusammenarbeit im Bereich der politischen Bildung mit dem Regional Institute for Higher Education and Development (RIHED), einem Institut der ASEAN-Staatengemeinschaft zur Koordination der Erwachsenenbildung,

2. die Förderung des Politikdialogs mit dem South East Asian Forum for Development Alternatives (SEAFDA), einem Netzwerk nicht staatlicher Forschungs- und Aktionsgruppen für politikrelevante angewandte Studien.

Beide Projekte profitierten von den beginnenden Öffnungstendenzen in mehreren Ländern der Re- gion und ebneten den Weg zur Förderung der Demokratisierungsprozesse und Kooperation mit po- litischen Parteien in den 90er-Jahren.

Förderung von Marktwirtschaft und Reformpolitik in der VR China Seit 1980 bestanden Kontakte der FNF zur Chinese Academy of Social Sciences (CASS), die mit 35

Instituten und 3.500 Wissenschaftlern als führender Thinktank der Regierung gilt. Im Kontext der marktwirtschaftlichen Öffnungspolitik in Peking fanden bilaterale Konferenzen und Delegations- reisen zum Politikdialog in China und der Bundesrepublik statt. Erste Projekte in China begannen

1987 in Kooperation mit den Ämtern für Landwirtschaft der Provinzen Heilongjiang (Aufbau eines

Informationssystems für agrarpolitische Analyse) und Hunan (Ausbau einer Schwerpunktfachschule als Modellprojekt).

(Ausbau einer Schwerpunktfachschule als Modellprojekt). Historisches Strategieseminar zur Reform- politik im
(Ausbau einer Schwerpunktfachschule als Modellprojekt). Historisches Strategieseminar zur Reform- politik im
(Ausbau einer Schwerpunktfachschule als Modellprojekt). Historisches Strategieseminar zur Reform- politik im

Historisches Strategieseminar zur Reform- politik im Agrarsektor mit Führungskräften der Provinzen der VR China unter Leitung von Du Runsheng, Mitglied des Zentral- komitees und des Staatsrates, Shenyang, 1991

des Zentral- komitees und des Staatsrates, Shenyang, 1991 Verhandlungen einer FNF-Delegation im
des Zentral- komitees und des Staatsrates, Shenyang, 1991 Verhandlungen einer FNF-Delegation im
des Zentral- komitees und des Staatsrates, Shenyang, 1991 Verhandlungen einer FNF-Delegation im

Verhandlungen einer FNF-Delegation im Landwirtschaftsministerium der Zentral- regierung der VR China über die laufenden Projekte im Agrarsektor, Peking, 1990

Fortschrittskontrolle mit der Regierung zum Aufbau einer Modell-Fachschule für die VR China in Changsha, Provinz
Fortschrittskontrolle mit der Regierung zum Aufbau einer Modell-Fachschule für die VR China in Changsha, Provinz
Fortschrittskontrolle mit der Regierung zum Aufbau einer Modell-Fachschule für die VR China in Changsha, Provinz

Fortschrittskontrolle mit der Regierung zum Aufbau einer Modell-Fachschule für die VR China in Changsha, Provinz Hunan, 1990

Aus diesen Ansätzen entwickelte sich rasch ein umfangreiches Projekt zur Förderung von Markt- wirtschaft und Reformpolitik in der VR China mit zahlreichen Komponenten und Partnern auf na- tionaler Ebene und in acht Provinzen. Die wichtigsten Partner waren das State Statistical Bureau (Aufbau eines nationalen Systems landwirtschaftlicher Gesamtrechnungen), die State Administra- tion for Industry and Commerce (Strategien zur Förderung der privaten klein- und mittelständischen Wirtschaft, Liberalisierung der Produkt- und Faktormärkte), das China Centre for Economic Research in Kooperation mit wirtschaftspolitischen Thinktanks, Instituten, Akademien und Universitäten in den Provinzen Liaoning, Hebei, Jiangsu und Shanxi (Weiterbildung in wirtschaftspolitischer Analyse, marktwirtschaftlicher Theorie und Empirie, Transformation sozialistischer Gesellschaften von der

Plan- zur Marktwirtschaft), das Ministry of Agriculture, Peking (Ausbildung in modernen Methoden der wirtschaftspolitischen Analyse), die Planning Commission, Provinzen Sichuan und Yunnan (Auf- baukurse zur Rolle des Staates in der Marktwirtschaft) und die Chinese Academy of Social Sciences, Peking (angewandte Forschung zur Reformpolitik mit dem Rural Development Institute). Weiterhin wurden Konferenzen zur Entwicklung eines modernen Wettbewerbsrechts/Kartellgesetzes mit dem Institute of Law veranstaltet, angewandte Feldstudien und Übersetzungen herausragender westlicher Ökonomen mit dem CASS-Verlag in Buchform herausgegeben – die vielfach Bestseller wurden – und schließlich in Kooperation mit dem Unirule Institute of Economy, Peking, eine Beratung des ersten nicht staatlichen wirtschaftspolitischen Thinktanks liberaler Ausrichtung in China durchgeführt.Transformation sozialistischer Gesellschaften von der Verhandlungen mit dem Rektorat der Hanyang University über

Thinktanks liberaler Ausrichtung in China durchgeführt. Verhandlungen mit dem Rektorat der Hanyang University über
Thinktanks liberaler Ausrichtung in China durchgeführt. Verhandlungen mit dem Rektorat der Hanyang University über
Thinktanks liberaler Ausrichtung in China durchgeführt. Verhandlungen mit dem Rektorat der Hanyang University über

Verhandlungen mit dem Rektorat der Hanyang University über ein Projekt zur Förderung der kommunalen Selbstverwaltung und Dezentralisierung von Entscheidungs- strukturen in Südkorea, Seoul, 1986

Aus der umfangreichen und komplexen Projektarbeit in China sei auf eine herausragende Maß- nahme hingewiesen: das historische Strategieseminar zur Reformpolitik im Agrarsektor mit Füh- rungskräften aus Provinzen der VR China in Shenyang, Provinz Liaoning, im Frühjahr 1992, auf Wunsch und unter Leitung von Du Runsheng, Mitglied des Zentralkomitees (ZK) und des Staatsrates, Direktor des Rural Development Institute der Strukturkommission des ZK und als enger Berater von Deng Xiaoping Pionier der marktwirtschaftlichen Reformpolitik in China, die er mit dem Selbstver- antwortungssystem im Agrarsektor 1979 eingeleitet hatte. Es war die erste Veranstaltung in China, um nach dem Reformstillstand 1989/90 wieder die marktwirtschaftliche Dimension zu stärken, nach der berühmten Reise von Deng Xiaoping nach Südchina, in deren Verlauf er als „elder statesman“ einen Kurswechsel der Regierung erzwang, die Reformen wieder zu forcieren. Der entsprechende Beschluss des Politbüros zur Fortsetzung der Reformpolitik erfolgte am 10.3.1992 und begründete

den Aufstieg Chinas zur globalen Wirtschafts- und Gestaltungsmacht in den folgenden zwei Dekaden.

Durch das starke und vielseitige Engagement der Stiftung und die überaus positive Resonanz der Aktivitäten bei den Partnern wurde China für nahezu zehn Jahre zu einem Schwerpunktland in Asien. Leider kamen die Projekte zu einem abrupten Ende, als die chinesische Führung die FNF im Juli 1996 des Landes verwies, weil sie eine internationale Konferenz der Stiftung mit der tibetischen Exil-Administration und den Tibet Support Groups im Juni 1996 in Bonn als Provokation und un- vereinbar mit dem Gastrecht in der VR China ansah. Das Stiftungsbüro in Peking wurde geschlossen. Die Partner wurden angewiesen, die Kooperation einzustellen.

Förderung der Demokratisierung und politischen Partizipation Mit dem Durchbruch demokratischer Systeme in der Region ab Ende der 80er-Jahre konnte die Stiftung ihren Fokus auf die Förderung demokratischer Parteien, Institutionen und Strukturen im Transitionsprozess von autoritären zu demokratischen Regimen verlagern. Ab 1987 förderte sie an der privaten Hanyang University in Seoul den Aufbau des Center for Local Autonomy (CLA), um im Rahmen der Dezentralisierung Südkoreas die Selbstverwaltung der Gemeinden, Städte und Provinzen durch Bildungs- und Beratungsprogramme für kommunale Mandatsträger zu unterstützen. Daraus entwickelte sich eine mehr als 20-jährige erfolgreiche Kooperation zur Stabilisierung der koreani- schen Demokratie an der Basis. Auf den Philippinen begann 1989 nach dem Fall der Marcos-Diktatur der Aufbau des National Institute for Policy Studies (NIPS), einer Vorfeldorganisation der Liberal Party, zur Förderung der demokratischen Entwicklung. In Thailand folgte noch vor dem Amtsantritt der demokratischen Regierung Chuan Leekpai die Kooperation mit der Democrat Party und landes- weit agierenden Bürgerforen zur Stärkung der politischen Partizipation. Angesichts von 17 Militär- putschen in Thailand in 30 Jahren wurde ein Programm zur Demokratisierung der Streitkräfte durch- geführt, u. a. durch Studienreisen für hochrangige Offiziere nach Deutschland und England zum Dialog mit Führungsstäben der Bundeswehr, der British Armed Forces sowie der Verteidigungsmi- nisterien beider Länder. In späteren Jahren ergab sich eine sehr fruchtbare und innovative Koope- ration mit Thailands Wahlkommission.

Unterstützung der demokratischen Opposition in Kambodscha Nach Beendigung des Bürgerkrieges in Kambodscha durch den Pariser Friedensvertrag 1991 enga- gierte sich die FNF ab 1992 beim Wiederaufbau des Landes und im sehr schwierigen Demokratisie- rungsprozess. Die Projektarbeit konzentrierte sich auf die Stärkung nicht staatlicher Selbsthilfeini- tiativen der ländlichen Entwicklung, die Förderung von unabhängigen Menschenrechtsorganisatio- nen und die Zusammenarbeit mit der Buddhist Liberal Party und der Sam Rainsy Party im Rahmen der politischen Bildungsarbeit und Politikberatung. Die Parteienkooperation wurde durch restriktive und repressive Praktiken des autoritären Regimes außerordentlich erschwert, insbesondere wurde Oppositionsführer Sam Rainsy durch politisch gesteuerte Gerichtsverfahren ins Exil getrieben. Gleichwohl konnten die Partner bei der politischen Bewusstseinsbildung, der Einforderung rechts- staatlicher und freiheitlicher Prinzipien und bei Wahlen gewisse Erfolge erzielen.

Indonesien als Demokratielabor Nach dem Sturz des Suharto-Regimes 1998 entwickelte sich Indonesien für viele Jahre zu einem Labor für Demokratisierungsinitiativen. Die Stiftung verfügte aus ihrer 30-jährigen Präsenz im Lande über hervorragende Kontakte bis hin zum späteren Präsidenten Abdurrahman Wahid, mit dem die Zusammenarbeit zu einer Zeit begann, als er noch zu den Dissidenten zählte. Die FNF unterstützte politische Parteien bei der Vorbereitung auf die Wahlen, bildete 50.000 Wahlbeobachter aus, in- formierte die 117 Millionen Wahlberechtigten durch Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen über die Bedeutung der Wahlen und das Wahlverfahren und führte mit den 300 bekanntesten Karikaturisten

und führte mit den 300 bekanntesten Karikaturisten Dr. Surin Pitsuwan Gründungsvorsitzender des Council of
und führte mit den 300 bekanntesten Karikaturisten Dr. Surin Pitsuwan Gründungsvorsitzender des Council of
und führte mit den 300 bekanntesten Karikaturisten Dr. Surin Pitsuwan Gründungsvorsitzender des Council of

Dr. Surin Pitsuwan Gründungsvorsitzender des Council of Asian Liberals and Democrats (CALD), ehemaliger Außenminister Thailands, ehemaliger Generalsekretär der ASEAN-Staatengemeinschaft

„Obwohl verschiedenartig, ist unsere ASEAN-Region vereint durch das gemein- same Streben, eine Gemeinschaft aufzu- bauen, in der die Völker Frieden, wirtschaftliche Prosperität und gute Lebens- qualität genießen können. Wir können dies nur erreichen durch den festen Glauben an die Werte fundamentaler Freiheiten, Demo- kratie, Menschenrechte und den Rechtsstaat. Für mehrere Dekaden eines andauernden En- gagements ist die Arbeit der FNF und des Council of Asian Liberals and Democrats instrumentell gewesen, unsere Gemeinschaft darauf hinzulenken, diese Werte und diese Vision zu realisieren.“

Eröffnung der CALD-Konferenz „Politische Dimensionen der Globalisierung aus asiati- scher Perspektive“ durch Teofisto
Eröffnung der CALD-Konferenz „Politische Dimensionen der Globalisierung aus asiati- scher Perspektive“ durch Teofisto
Eröffnung der CALD-Konferenz „Politische Dimensionen der Globalisierung aus asiati- scher Perspektive“ durch Teofisto

Eröffnung der CALD-Konferenz „Politische Dimensionen der Globalisierung aus asiati- scher Perspektive“ durch Teofisto Guingona, Vizepräsident der Philippinen, Manila, 2000

des Landes eine Kampagne für Toleranz und demokratisches Miteinander durch. Nach den Wahlen wurde im Rahmen eines EU-Projektes ein Parlamentarier-Netzwerk in Sumatra zur Aus- und Wei- terbildung von Abgeordneten der Distriktebene aufgebaut. Nach Ausgliederung der Polizei aus dem Militärapparat folgte ein Projekt der Stiftung mit dem Partner Police Watch zur Demokratisierung der Sicherheitskräfte in Indonesien.

Kooperation mit dem Dachverband liberaler Parteien in Asien Die in den Jahren des Umbruchs der autoritären Regime entwickelten Beziehungen der FNF mit li- beral orientierten Parteien in Südost- und Ostasien führten 1993 zur Gründung des regionalen

Dachverbandes liberaldemokratischer Parteien Asiens Council of Asian Liberals and Democrats (CALD). Ihm gehören heute Parteien aus 14 Ländern an. Der CALD wurde zum wichtigsten Partner der Stiftung für politische Bildung und Politikdialog in der Region mit Konferenzen, Fortbildungen, Publikationen sowie politischen Aktionen zur Demokratisierung (Wahlbeobachtungen, Pressekon- ferenzen, Interviews, Resolutionen). Mit den CALD-Parteien besteht eine Kooperation auch auf na- tionaler Ebene durch die Fortbildung von Nachwuchs- und Führungskräften und Politikberatungen. Aus dieser Arbeit entstand 2003 auch der regionale Dachverband liberaler Jugendorganisationen Young Liberals and Democrats of Asia (YLDA), die erste demokratische Jugendorganisation des Kon- tinents überhaupt.und Ostasien führten 1993 zur Gründung des regionalen Florencio Abad Minister für Budget und Management,

Jugendorganisation des Kon- tinents überhaupt. Florencio Abad Minister für Budget und Management,
Jugendorganisation des Kon- tinents überhaupt. Florencio Abad Minister für Budget und Management,
Jugendorganisation des Kon- tinents überhaupt. Florencio Abad Minister für Budget und Management,

Florencio Abad Minister für Budget und Management, ehemaliger Präsident des Parlamentes, Vorsitzender der Liberalen Partei Philippinen

„Wir sind inmitten einer grundlegenden Ver- änderung der Politik auf den Philippinen, indem die Welle der Reform sich zunehmend in Richtung transparenter, verantwortlicher und partizipativer Führung wendet. Die Wende der Aquino-Administration zu guter Regierungsführung – ihrerseits ausgehend von den Prinzipien des Liberalismus – findet einen wertvollen Partner in der FNF, die ein unermüdlicher Anwalt für fruchtbaren politi- schen Dialog und Reform der Regierungsfüh- rung im Lande geblieben ist.“

Zusammenarbeit mit Staatspräsident Kim Dae-jung Einer der CALD-Gründungsväter, der Oppositionsführer Südkoreas Kim Dae-jung, der mit der Stiftung im Rahmen ihres Korea-Projektes eng verbunden war, gründete 1994 das Forum of Democratic Lea- ders in the Asia-Pacific Region (FDL-AP) als internationale Demokratie- und Menschenrechtsorga- nisation. Dies führte zu einer Kooperation mit dem FDL-AP bei der Durchführung wichtiger

Konferenzen zu aktuellen politischen Problemen in Asien (z. B. der Situation in Birma) sowie dem

jährlich stattfindenden „Young Leaders Workshop Asia“. In den Jahren nach der Wahl Kim Dae- jungs zum Staatspräsidenten 1997 und der Verleihung des Friedensnobelpreises an ihn, aufgrund seiner Rolle als führender Verteidiger der universellen Menschenrechte in Ostasien und seiner Ver- söhnungspolitik gegenüber Nordkorea, hat sich die Beziehung mit diesem außergewöhnlichen Staatsmann und seiner Partei, dem National Congress for New Politics, noch weiter intensiviert.

Unterstützung der demokratischen Opposition in Myanmar Seit 1990 unterstützte die FNF den Dialog der National League for Democracy (NLD) und ihrer cha- rismatischen Vorsitzenden Aung San Suu Kyi mit dem Militärregime in Myanmar. Im Mittelpunkt der Projektarbeit stand das Ziel, einen föderativen Verfassungsentwurf zu erarbeiten. Er konnte nach mehrjährigen Beratungen zwischen der birmanischen Exil-Organisation National Coalition of the Union of Burma (NCUB), der Parteiführung der NLD und den ethnischen Minderheiten mit As- sistenz der Stiftung fertiggestellt werden. Der Projektleiter der FNF in Bangkok fungierte dabei auf Reisen nach Yangon als persönlicher Bote der Exil-Birmanen in Gesprächen mit Aung San Suu Kyi.

Das Angebot der Opposition, den Verfassungsentwurf als Basis des Dialogs zwischen Militärregime, NLD und den ethnischen Minderheiten zu übernehmen, wurde jedoch von den Generälen 1997 ab- gelehnt. Die Projektarbeit konzentrierte sich in den Folgejahren darauf, die exilbirmanischen Partner in Thailand zu unterstützen, sie in den Politikdialog in Asien einzubinden (NCUB wurde CALD-Mit- glied) und vertrauensvolle Kontakte über Kuriere zur NLD in Yangon zu unterhalten. In Kooperati- on mit dem Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen (UNDP) und der EU wurden ferner Bildungs- projekte mit nicht staatlichen Partnern in Myanmar durchgeführt. Erst die politische Öffnung des Landes erlaubte es seit 2010, das Engagement zu intensivieren.

Einsatz für Menschen- und Bürgerrechte In fast allen Ländern der Region bestanden seit Mitte der 70er-Jahre Stiftungsprojekte mit einem breiten Spektrum nicht staatlicher Partner zur Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und Sicherung von Menschen- und Bürgerrechten. Aus diesem Netzwerk entstand 1993 eine einzigartige private Ini- tiative zur Errichtung eines zwischenstaatlichen Menschenrechtsschutzmechanismus in den ASEAN- Staaten. Die Gründer der Regional Working Group (RWG) repräsentierten die Elite der Menschen- rechtsaktivisten Südostasiens und waren hochrangige Exponenten aus Justiz, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, darunter ein ehemaliger Sonderberichterstatter der UN für die Unabhängigkeit von Richtern und Anwälten. Nach einem fast 20-jährigen zähen Verhandlungsprozess mit den ASEAN-Regierungen konnte der Partner 2009 die Verabschiedung der ASEAN-Menschenrechtskom- mission und 2012 der ASEAN-Menschenrechtscharta erreichen. Die FNF hat durch ihre strategische Assistenz und eine Serie von Konferenzen mit den Partnern und Regierungsvertretern der ASEAN- Staaten beim Europarat und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ent- scheidend zu diesem Erfolg beigetragen.

Liberalisierung der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen Auf Initiative der FNF wurde 1998 das Economic Freedom Network Asia (EFN Asia) als regionales Netzwerk von wirtschaftsliberalen Forschungsinstituten und Thinktanks in Asien gegründet. Die Mitglieder setzen sich für marktwirtschaftliche Strukturen, offene Märkte und Freihandel ein. Die Arbeit stützt sich auf den jährlich publizierten Economic Freedom of the World Report, dessen In- dikatoren den Grad wirtschaftlicher Freiheiten messen. Es werden jährliche Konferenzen zu Pro- blemen der Wirtschafts- und Ordnungspolitik im asiatischen Raum veranstaltet. Damit trägt das Netzwerk dazu bei, den Austausch, die Zusammenarbeit und die Lobbyaktionen der Mitglieder sys- tematisch zu fördern. Die Thematisierung der Bedeutung wirtschaftlicher Freiheiten für das Leis- tungsprofil nationaler Volkswirtschaften ist ein Schwerpunkt der Projektarbeit der Stiftung in Asien.

Entwicklungen und Trends in neuerer Zeit Die Zusammenarbeit der FNF mit „klassischen“ Thinktanks und Forschungsinstituten hat in der Re- gion eine sehr lange Tradition. Mit der Demokratisierung und erheblich erweiterten Freiheitsgraden der Zivilgesellschaften entstand eine neue Kategorie von Thinktanks und Bürgerinitiativen mit einer

Kategorie von Thinktanks und Bürgerinitiativen mit einer Sitzung aller Menschenrechtsaktivisten der regionalen und
Kategorie von Thinktanks und Bürgerinitiativen mit einer Sitzung aller Menschenrechtsaktivisten der regionalen und
Kategorie von Thinktanks und Bürgerinitiativen mit einer Sitzung aller Menschenrechtsaktivisten der regionalen und

Sitzung aller Menschenrechtsaktivisten der regionalen und nationalen Arbeitsgruppen aus sechs Ländern, die sich für die Errichtung des ASEAN-Menschenrechtsmechanismus einsetzen, Jakarta, 2007

des ASEAN-Menschenrechtsmechanismus einsetzen, Jakarta, 2007 Dr. Marzuki Darusman Ko-Vorsitzender der ASEAN-Menschen-
des ASEAN-Menschenrechtsmechanismus einsetzen, Jakarta, 2007 Dr. Marzuki Darusman Ko-Vorsitzender der ASEAN-Menschen-
des ASEAN-Menschenrechtsmechanismus einsetzen, Jakarta, 2007 Dr. Marzuki Darusman Ko-Vorsitzender der ASEAN-Menschen-

Dr. Marzuki Darusman Ko-Vorsitzender der ASEAN-Menschen- rechtslobby RWG, ehemaliger General- staatsanwalt und Parlamentarier, Indonesien

„Die Kooperation zwischen der RWG und der FNF war dauerhaft, dank eines geteilten Verständnisses darüber, was innerhalb der ASEAN-Staatengemeinschaft tatsächlich erreichbar war, aufbauend auf sichtbaren Veränderungen, die den historischen Fort- schritt markieren, in Richtung auf eine immer demokratischere, Menschenrechte respektie- rende und regelbasierte Regionalorganisation.“

explizit freiheitlichen Agenda, wie das Freedom Institute, das Netzwerk liberaler Islam, das Radio Forum Freiheit in Indonesien, die Internet-Zeitung Malaysiakini oder die Rechtshilfeinitiative in- tellektueller Frauen „Sisters in Islam“ in Malaysia. Sie sind heute Partner der Stiftung, überzeugen mit innovativen Ideen und Konzepten und eröffnen neue Perspektiven.

Als erste deutsche Stiftung hat die FNF 2004 den Dialog mit der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) aufgenommen. Das Programm umfasst Fachkolloquien und Workshops zur Reform des Wirtschaftssystems, zu marktwirtschaftlichen Instrumenten der Wirtschaftspolitik und Erfah- rungen aus der Transformation sozialistischer Planwirtschaften sowie Informationsreisen für Füh- rungskräfte nach Deutschland. Darüber hinaus hat die Stiftung den informellen Dialog zwischen der DVRK und der Europäischen Union durch hochrangig besetzte Foren über die Entwicklung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen in Brüssel und Pjöngjang organisiert. Im Frühjahr 2012 wurde ferner ein Neuprojekt der FNF zur Förderung marktwirtschaftlicher Transformation und Reformpolitik in der SR Vietnam begonnen. Inhalt ist die Beratung von Entscheidungsträgern der Regierung beim Umbau dirigistisch-planwirtschaftlicher Instanzen in Richtung marktwirtschaftlicher Strukturen.

Instanzen in Richtung marktwirtschaftlicher Strukturen. Südasien Politische und regionale Ansatzpunkte Die Region

Südasien

Politische und regionale Ansatzpunkte Die Region Südasien umfasst die Länder der South Asian Association for Regional Cooperation (SAARC) und ist durch extreme Heterogenität ihrer Mitglieder gekennzeichnet. Das britisch-kolo- niale Erbe hat, bei allen Fehlentwicklungen, mit Indien und Sri Lanka zwei der ältesten liberalen Demokratien der Dritten Welt hervorgebracht, gleichwohl haben sich die politischen Systeme, In- stitutionen und Kulturen in Südasien sehr unterschiedlich entwickelt. In allen Staaten wurden Schritte zur Liberalisierung der Wirtschaft eingeleitet, dennoch gingen die Reformen nicht weit genug, um Defizite rascher abzubauen und Potenziale auszuschöpfen. In allen Ländern manifestieren sich regionale, ethnische, religiöse und separatistische Konfliktstrukturen und Fundamentalismen, zumeist mit Rückwirkungen auf die Nachbarländer. Die FNF setzte sich in Südasien prioritär für die Modernisierung und Stärkung von Institutionen der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und freien Marktwirtschaft sowie die Förderung von Freiheit und Verantwortung innerhalb der Zivilgesellschaft ein. Ansatzpunkte waren und sind Wirtschaftsförderung, Stärkung des Rechtsstaates, der Men- schenrechte und aktiven Bürgerbeteiligung sowie Konfliktprävention und -bewältigung. Die Koor- dination der Aktivitäten erfolgt durch das Regionalbüro der FNF in New Delhi.

Regionale Schwerpunkte Die FNF hat sich in den 60er- und 70er-Jahren mit drei Pionierprojekten in Indien und Sri Lanka enga- giert. Seit 1980 entstanden 68 neue Vorhaben in Indien, Sri Lanka, Pakistan, Nepal und Bangladesch

(davon 31 in Indien). Partner waren Verbände von kleinen und mittleren Unternehmen, Industrie- und Handelskammern, Forschungsinstitute, Thinktanks, politische Institutionen, Bürger- und Men- schenrechtsinitiativen. Parallel entstanden Regionalprojekte zur Förderung der wirtschaftlichen In- tegration, des Rechtsstaates und Politikdialogs in Südasien.

Pionierprojekte der Aufbauphase Das erste Projekt in Südasien begann 1969 mit dem Aufbau der Akademie für Erwachsenenbildung des Leslie Sawhny Programme of Training for Democracy (LSP) in Bombay, einer Initiative von Minoo Masani, dem Gründer und Generalsekretär der liberalen Swatantra-Partei in Indien. Zielsetzung des Partners war es, Schlüsselgruppen gesellschaftlicher Führungskräfte aus Politik, Verwaltung, Wirt- schaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft für die aktive Mitarbeit an einem freiheitlichen, demo- kratischen Staatswesen zu gewinnen. Es wurden Lehrgänge und Kolloquien zu aktuellen Fragen der Entwicklungs-, Rechts-, Sozial-, Wirtschafts- und Medienpolitik in dem von der FNF errichteten Bildungszentrum in Deolali bei Bombay und dezentral in den Bundesstaaten der indischen Union durchgeführt. Das LSP hat zahlreiche Publikationen und ein Magazin für Wirtschafts- und Sozial- politik herausgegeben. Das Projekt lief 1985 aus und wird bis heute vom Partner erfolgreich fort- geführt. Mit einigen Trägern des LSP arbeitete die Stiftung bis 2008 über das Project for Economic Education zusammen, das landesweit liberale Ideen und Reformkonzepte verbreitete.

In Sri Lanka wurde 1972 die Zusammenarbeit mit dem Marga Institute aufgenommen. Der Partner wurde damals als autonomes sozioökonomisches Forschungs- und Entwicklungszentrum gegründet, das durch interdisziplinäre, angewandte Feldstudien die Basis für konkrete Pilotprojekte und wich- tige Daten zur Entwicklung der nationalen Wirtschaft, vor allem des Agrarsektors, lieferte. Darüber hinaus wurden Forschungsstudien über Entwicklungsprobleme in den Regionen Süd- und Südost- asiens erstellt. Unter seinem Vorsitzenden Gamani Correa (ab 1974 Generalsekretär der UNCTAD) entwickelte sich das Marga Institute zu einer Institution mit internationalem Ansehen, die maß- geblich an der UNCTAD IV-Konferenz beteiligt war. Der Partner vermittelte der FNF auch die ersten Kontakte zur Akademie der Sozialwissenschaften in der VR China. Seine Auftraggeber waren vor allem nationale Ministerien und internationale Organisationen. Herausragende Beispiele aus der langjährigen Kooperation mit der FNF waren eine Studie über das Parteiensystem in Sri Lanka und das Forschungsprojekt „Systematische Analyse der Regierungsvorschläge zur Lösung des ethnischen Konfliktes zwischen Singhalesen und Tamilen“ unter dem Titel „Macht-Dezentralisierung als Lösung des ethnischen Konfliktes“. Das Marga Institute ist nach 40 Jahren erfolgreicher Arbeit eine der re- nommiertesten Institutionen Sri Lankas.

Arbeit eine der re- nommiertesten Institutionen Sri Lankas. I. A. Rehman Generalsekretär der Menschenrechts-
Arbeit eine der re- nommiertesten Institutionen Sri Lankas. I. A. Rehman Generalsekretär der Menschenrechts-
Arbeit eine der re- nommiertesten Institutionen Sri Lankas. I. A. Rehman Generalsekretär der Menschenrechts-

I. A. Rehman Generalsekretär der Menschenrechts- kommission von Pakistan (HRCP)

„Die HRCP hat ein breites Mandat:

Sie versucht, die bürgerlichen und politischen Rechte der pakistanischen Bevölkerung zu fördern und zu verteidigen. Wir haben eine langjährige Verbindung mit der FNF gehabt und finden, dass die Stiftung ein starkes In- teresse an politischen und gesellschaftlichen Fragen sowie der Verbesserung der politischen und sozialen Lage der Bevölkerung hat. Wir finden diese Kooperation sehr nützlich für unsere Arbeit.“

Ebenfalls 1972 begann in Sri Lanka die Kooperation der FNF mit der buddhistischen Sarvodaya Shramadana-Bewegung, einer von Dr. A. T. Ariyaratne gegründeten, eigenständigen Freiwilligenor- ganisation, mit dem Ziel, die Bevölkerung im ländlichen Raum durch Motivations- und Bildungs- maßnahmen zur Selbsthilfe und für entwicklungsrelevante Eigeninitiativen in ihren Dörfern zu mo-

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1 3 2 4 1. Regionalseminar: „Die Rolle von Basisorganisationen im Entwicklungsprozess asiatischer Länder“, Bangalore,
1 3 2 4 1. Regionalseminar: „Die Rolle von Basisorganisationen im Entwicklungsprozess asiatischer Länder“, Bangalore,

1. Regionalseminar: „Die Rolle von Basisorganisationen im Entwicklungsprozess asiatischer Länder“, Bangalore, 1983

2. Mitgliederversammlung von Liberal Youth South Asia (LYSA), Cochin, Indien, 2008

3. Asia Liberty Forum mit Thinktanks aus 30 Ländern Asiens in New Delhi, 2013

4. Udaipur, Indien

bilisieren. Die Stiftung förderte Dorfentwicklungsprogramme auf Selbsthilfebasis, die Ausbildung von Nachwuchs- und Führungskräften sowie die Errichtung eines zentralen Ausbildungszentrums.

Schwerpunkt wirtschaftliche Selbstorganisation und Liberalisierung Die Ausweitung des Engagements in Südasien in den 80er-Jahren begann durch Projekte der länd- lichen Entwicklung in Indien, Pakistan und Nepal mit nicht staatlichen Partnern, nämlich die Förde- rung von der Basis getragener Initiativen durch Mobilisierung, Beratung und Ausbildung von Selbst- hilfegruppen, Führungskräften und Dorfkomitees. In Nepal wurden einkommensschaffende Maß- nahmen, die Ausbildung von Multiplikatoren und Rechtsberatung mit funktionaler Alphabetisierung von Frauen und Mädchen (Analphabetenrate damals 97 Prozent) in abgelegenen Gebirgsdörfern des Himalaya kombiniert. Die Förderung der gewerblichen Wirtschaft wurde 1988 mit dem Dach- verband der Industrie- und Handelskammern in Sri Lanka eingeleitet. Ab 1990 folgten 17 Neupro- jekte in Indien in Kooperation mit den Dachorganisationen der Industrie- und Handelskammern (FICCI, ASSOCHAM, CECCH), dem Dachverband der Kleinindustrie ICSI, dem Dachverband der Un- ternehmerinnen ICWE sowie Verbänden der Kleinindustrie, des Handwerks und der Genossenschaf- ten in den Bundesstaaten. Kernbestand der Projektarbeit waren jeweils Beratung und Ausbildung für klein- und mittelständische Unternehmen, Stärkung der Autonomie und Managementkapazitäten der Verbands- und Kammersysteme als autonome Interessenvertretungen und Dialogprogramme zur Liberalisierung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Dieser Projektansatz wurde flankiert durch die Kooperation mit renommierten Managementinstituten wie dem Indian Institute of Management (IIM) und dem Entrepreneurship Development Institute of India (EDI). Ein heraus- ragender Erfolg der selbstbestimmten Gewerbeförderung sei hier genannt: Der Partner Cooperative Development Foundation schaffte es, in neun indischen Bundesstaaten ein liberales Genossen- schaftsgesetz einzuführen. Die vorsichtigen Liberalisierungsschritte der indischen Regierung ab 1991 begünstigten den Dialog der Stiftungspartner mit der Exekutive über den Abbau von Restrik- tionen sowie die komparativen Vorteile wirtschaftlicher Freiheiten und marktwirtschaftlicher Struk- turen für die indische Volkswirtschaft.

Struk- turen für die indische Volkswirtschaft. Prof. Rajmohan Gandhi Emeritierter Professor, University of
Struk- turen für die indische Volkswirtschaft. Prof. Rajmohan Gandhi Emeritierter Professor, University of
Struk- turen für die indische Volkswirtschaft. Prof. Rajmohan Gandhi Emeritierter Professor, University of

Prof. Rajmohan Gandhi Emeritierter Professor, University of Illinois, USA, ehemaliges Mitglied im Oberhaus des indischen Parlamentes, Ko-Vorsitzender des Centre for Dialogue and Reconciliation (CDR), Enkel des Mahatma Gandhi

„Trotz einigem beeindruckenden Wirtschafts- wachstum begegnet Südasien großen Hemmnissen auf dem Wege zu ordentlicher Regierungsführung, Handel und guten Bezie- hungen innerhalb und zwischen seinen Län- dern. Die FNF hat eine beständige Rolle dabei gespielt, Südasiaten in ihren Bemühungen zu unterstützen, diese Barrieren zu verringern. Insbesondere applaudiere ich der Partner- schaft der Stiftung bei den Versuchen der Südasiaten, die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan und die Situation in Kaschmir zu verbessern.“

Das starke und vielseitige Engagement der FNF mit Verbänden und Kammern der Wirtschaft in Süd- asien führte 1994 zu einem innovativen Schritt auf regionaler Ebene. Seit Jahren war die Gründung einer südasiatischen Industrie- und Handelskammer im Rahmen der South Asian Association for Regional Cooperation diskutiert worden, ohne sichtbares Ergebnis. Hier ergriff die FNF nun die Ini- tiative und brachte im Juni 1993 Vertreter der nationalen Industrie- und Handelskammern Südasiens auf einer Studienreise nach Brüssel zusammen. Auf einem Folgetreffen in New Delhi im Oktober wurde die SAARC Chamber of Commerce and Industry (SCCI) gegründet und der Pakistaner S. M. Inam zum Vorsitzenden gewählt. Im Februar 1994 konnte die SAARC-Kammer in Dhaka, Bangla- desch, in Anwesenheit der Premierministerin und turnusmäßigen SAARC-Vorsitzenden Khaleda Zia feierlich konstituiert werden. Damit begann ein bis heute andauernder Einsatz der Stiftung mit der regionalen Industrie- und Handelskammer für wirtschaftliche Integration, Zollpräferenzabkommen,

Convention on Liberal Values mit einer Vielzahl von hochrangigen indischen Führungskräften, moderiert von Dr. Otto
Convention on Liberal Values mit einer Vielzahl von hochrangigen indischen Führungskräften, moderiert von Dr. Otto
Convention on Liberal Values mit einer Vielzahl von hochrangigen indischen Führungskräften, moderiert von Dr. Otto

Convention on Liberal Values mit einer Vielzahl von hochrangigen indischen Führungskräften, moderiert von Dr. Otto Graf Lambsdorff, Vorsitzender des Vorstandes der FNF, und Sir David Steel, Präsident von Liberal International, in New Delhi,1996

Abbau von Handelsschranken und die Verteidigung wirtschaftlicher Freiheiten durch direkten Dialog mit den Regierungen. Das Projekt zeigt bis heute, dass zivile Netzwerke in einer heterogenen Region mit unterschiedlichen Interessen der Mitgliedsländer durchaus tragfähige Gemeinsamkeiten schaf- fen können.

Sozioökonomische Forschung, Politikanalyse und Einsatz für Marktwirtschaft Ab 1980 entwickelte sich schrittweise eine Zusammenarbeit mit insgesamt elf privaten Forschungs- instituten und Thinktanks in Indien, Pakistan, Sri Lanka, Nepal und Bangladesch zur Förderung nicht staatlicher Initiativen der gewerblichen Wirtschaft, ländlichen Entwicklung, Wirtschafts-, Finanz-,

Umwelt- und Verbraucherpolitik. Maßnahmen waren angewandte Feldstudien, die Fortbildung von Multiplikatoren und Dialogprogramme zur Reformpolitik. Dabei ging es um restriktive Bedingungen für private Unternehmen, regulatorische Hürden der staatlichen Bürokratie, Ineffizienz, Verschwen- dung und Korruption im öffentlichen Sektor, staatliche Monopole (Banken, Versicherungen, Post, Energie, Telefon, Eisenbahn, Fluggesellschaften), Defizite in Infrastruktur und Ausbildung sowie po- litische Reformparalyse durch zerstrittene Parteien. Die Partner legten profunde Analysen über strukturelle Defizite, öffentliche Fehlinvestitionen, Fehlanreize der Wirtschaftspolitik und bürokra- tische Hemmnisse vor, um die negativen Wirkungen der staatlichen Kontroll- und Lenkungspraxis zu demonstrieren. Mit den Thinktanks Rajiv Gandhi Institute, New Delhi, und Alternate Solutions Institute, Islamabad, wurden die Erkenntnisse der World Economic Freedom Reports des kanadischen Fraser Institute und seines weltweiten Netzwerkes von 50 Instituten verbreitet. Dabei erfolgte eine enge Kooperation mit dem Economic Freedom Network Asia. In Indien wurde zudem die wirtschaft- liche Freiheit in einzelnen Bundesstaaten untersucht – ein Projekt mit großer politischer Folgewir- kung, da es die unterschiedlichen Rahmenbedingungen für Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit im nationalen Kontext aufzeigte. Daran entzündete sich eine intensive Diskussion in den Medien.Wirtschaft, ländlichen Entwicklung, Wirtschafts-, Finanz-, Präsentation des World Economic Freedom Report – Ausgabe

entzündete sich eine intensive Diskussion in den Medien. Präsentation des World Economic Freedom Report – Ausgabe
entzündete sich eine intensive Diskussion in den Medien. Präsentation des World Economic Freedom Report – Ausgabe
entzündete sich eine intensive Diskussion in den Medien. Präsentation des World Economic Freedom Report – Ausgabe

Präsentation des World Economic Freedom Report – Ausgabe Pakistan, mit dem Partner- Thinktank Alternate Solutions Institute, Islamabad, 2006

Politische Bildung und Politikberatung Mitte der 80er-Jahre begannen neue Vorhaben der politischen Bildung und Politikberatung. Die Di-

rektwahl der Distrikt- und Dorfparlamente in Nepal führte zur Förderung des Central Panchayat Training Institute (CPTI), eines Ausbildungszentrums für Kommunalpolitiker und -beamte mit dem Ziel einer Qualifizierung und Stärkung der Parlamentarier gegenüber der mächtigen Staatsbüro- kratie. In Sri Lanka wurde die FNF aufgrund guter Beziehungen zur regierenden United National Party (UNP) 2002 gebeten, eine Politikberatung zum Thema „Reform der Parlaments- und Kommu- nalwahlen“ durchzuführen. Damit wurde erstmals in der Geschichte des Landes ein Vorschlag einer ausländischen Einrichtung dem Parlament vorgelegt.der politischen Bildung und Politikberatung. Die Di- In Pakistan stellen das Erbe der Militärdiktaturen, die

In Pakistan stellen das Erbe der Militärdiktaturen, die Islamisierungstendenzen im Rechtswesen und öffentlichen Leben sowie die feudalistischen Gesellschaftsstrukturen für liberale Kräfte in Politik und Zivilgesellschaft besondere Herausforderungen dar. Die Partner der Stiftung, wie das Liberal Forum Pakistan, Individualland u. a. engagierten sich im politischen Diskurs, in der Fortbildung po-

litischer Führungs- und Nachwuchskräfte und in der aktiven Mitwirkung an politisch wichtigen Vorhaben: Entwicklung des Regierungsplans für die Kommunalwahlen, Gesetzesentwürfe für Ge- meindefinanzierung, Wahlrecht und Parteien.

Die Kooperation mit den liberalen Bürgerinitiativen Association of Youth for a Better India, Liberal Youth Forum India, Council for Liberal Democracy (CLD) und Liberal Youth Guilds in Sri Lanka mit ihrer Academy for Political Leadership sowie dem Liberalen Forum in Pakistan dienten der Qualifi- zierung gesellschaftlicher Führungskräfte und der Verbreitung liberaler Reformkonzepte. Besonders erfolgreich waren die Liberal Youth Guilds, aus deren Reihen bereits vier Parlamentsabgeordnete und etliche Mandatsträger auf lokaler und Provinzebene hervorgegangen sind. Der international renommierte srilankische Partner Centre for Policy Alternatives hat mit einer vielbeachteten Publi- kationsserie zu brennenden verfassungspolitischen Themen den politischen Diskurs in Sri Lanka stark beeinflusst.

Kooperation mit der tibetischen Minderheit in Indien In Indien leben heute etwa 100.000 Tibeter, Flüchtlinge aus der VR China und deren Nachkommen. Sie verfügen über einen Flüchtlingsstatus, sind also keine indischen Staatsbürger. Der indische Staat stellt ihnen Identitätsdokumente aus, die auch Auslandsreisen ermöglichen. Freizügigkeit hinsicht- lich kultureller und religiöser Belange sowie Bildung und Erziehung ist gewährleistet, aber politische Betätigung, die die indischen Beziehungen zu China tangiert, ist der Gemeinschaft und ihren Insti- tutionen nicht erlaubt.

Seit 1991 besteht eine Partnerschaft der FNF mit dem Parlament der Exil-Tibeter, der Assembly of Tibetan People’s Deputies (ATPD) mit Sitz in Dharamsala, Bundesstaat Himachal Pradesh, Nordindien, und seinem Forschungszentrum, dem Tibetan Parliament and Policy Research Center (TPPRC) in New Delhi. Das Zentrum führt politische Bildungsarbeit unter Multiplikatoren der Exil-Tibeter in ganz Indien durch, um das Bewusstsein der Tibeter im Sinne von Demokratie, Rechtsstaat und in- nerer Autonomie für ihr Land zu schärfen, Nachwuchskräfte auszubilden und den Kontakt zwischen der tibetischen Selbstverwaltung in Dharamsala und den weit verstreuten tibetischen Siedlungen in Indien zu vertiefen. TPPRC bereitet Wahlen zum Parlament der Exil-Tibeter vor und schult Wahl- helfer, es dokumentiert die Arbeit des Parlamentes, um die Exil-Tibeter über diese informiert zu hal- ten. Durch Konferenzen, Seminare und Publikationen versuchen die Partner, Unterstützung für die Bürger- und Menschenrechte der Tibeter zu gewinnen. TPPRC fungiert als Thinktank der demokra- tisch gewählten ATPD. Die FNF tritt weltweit für die Bürger- und Menschenrechte ein, dies gilt auch für die Rechte ethnischer Minderheiten. Die Stiftung hat von 1996 bis 2007 mehrere Konferenzen der weltweiten Tibet-Unterstützungsgruppen in Europa in Zusammenarbeit mit dem Dalai Lama und der ATPD unterstützt. Die Kooperation mit den Exil-Tibetern konzentriert sich seit 2008 auf die Stärkung demokratischer Strukturen und Verfahren ihrer Selbstverwaltungsorgane in Indien.

und Verfahren ihrer Selbstverwaltungsorgane in Indien. S.H. der XIV. Dalai Lama Tenzin Gyatso
und Verfahren ihrer Selbstverwaltungsorgane in Indien. S.H. der XIV. Dalai Lama Tenzin Gyatso
und Verfahren ihrer Selbstverwaltungsorgane in Indien. S.H. der XIV. Dalai Lama Tenzin Gyatso

S.H. der XIV. Dalai Lama Tenzin Gyatso Friedensnobelpreisträger

„Die FNF hat in den letzten 50 Jahren Men- schenrechte, Demokratie und den Rechtsstaat in mehr als 60 Ländern der Welt gefördert. Darin einbezogen war eine standhafte Unter- stützung für tibetische demokratische Bestre- bungen. Seit meiner Kindheit in Tibet habe ich die Notwendigkeit für die tibetische Ge- sellschaft erkannt, sich zu ändern und der modernen Welt anzupassen. Doch unsere Versuche, Reformen einzuführen, wurden vereitelt, während ich noch in Tibet war. Nachdem wir ins Exil kamen, haben wir den Aufbau demokratischer Strukturen für die tibetische Selbstverwaltung, die als Arbeits- modell für die Zukunft unseres Landes die- nen würden, als von höchster Bedeutung angesehen. In den letzten beiden Dekaden ist die FNF ein zuverlässiger Partner gewesen, indem sie uns half, unsere demokratischen Institutionen zu stärken und eine neue Ge- neration tibetischer Führungskräfte heranzu- bilden, durch Training notwendiger Fertig- keiten, um unsere Demokratie eine lebendige Realität werden zu lassen. Anlässlich ihres goldenen Jubiläums möchte ich meine Glückwünsche aussprechen und viel Erfolg wünschen.“

Maja Daruwala Direktorin, Commonwealth Human Rights Initiative (CHRI)

„Rechte brauchen Anwendung und Demokra- tien brauchen Kommunikationsflüsse, Partizi- pation und Transparenz. Daher hat unsere Organisation bewusst den Weg gewählt, für den Zugang zur Justiz und den langfristigen Zugang zu Informationen zu arbeiten, denn dies sind schwierige Herausforderungen. Wir glauben, dass sie lebenswichtig sind, um De- mokratie perfekter zu machen und eine freie Gesellschaft zu verwirklichen. Der singuläre Beitrag der FNF bestand in ihrer Bereitschaft, diesen Weg mit uns langfristig zu gehen und unterwegs nicht zu ermüden.“

uns langfristig zu gehen und unterwegs nicht zu ermüden.“ Konferenz des Council of Asian Liberals and
uns langfristig zu gehen und unterwegs nicht zu ermüden.“ Konferenz des Council of Asian Liberals and
uns langfristig zu gehen und unterwegs nicht zu ermüden.“ Konferenz des Council of Asian Liberals and

Konferenz des Council of Asian Liberals and Democrats (CALD) „Schaffung von Wohlstand und nachhaltiger Entwicklung“ mit Premier- minister Ranil Wickremesinghe, Sri Lanka, Dr. Wolf-Dieter Zumpfort, stellv. Vorsitzender des Vorstandes der FNF, Senator Franklin Drilon, Philippinen, CALD-Vorsitzender, Florencio Abad, Vorsitzender der Liberal Party, Philippinen, und Sam Rainsy, Oppositions- führer, Kambodscha (v. r.), Colombo, 2003

Einsatz für Menschen- und Bürgerrechte Die ersten Rechtshilfeprojekte entstanden 1989 in Pakistan. Partner der Stiftung waren die Men- schenrechtsorganisation Human Rights Commission of Pakistan, die AGHS Legal Aid Cell und das Komitee zur Abschaffung der islamischen Hudood-Gesetzgebung. Sie unterstützten vor allem dis- kriminierte Frauen in islamischen Familien- und Eherechtsfragen sowie zu Unrecht verurteilte min- derjährige Mädchen. Herausragende Persönlichkeit der Partner war die prominente Anwältin beim Obersten Gerichtshof und Menschenrechtsaktivistin Asma Jahangir, Mitbegründerin der Menschen- rechtskommission und Initiatorin der AGHS Legal Aid Cell. Sie unterhielt ein Haus für verfolgte Frauen, verteidigte diskriminierte Frauen in exemplarischen Gerichtsprozessen und bekämpfte frau- enfeindliche Gesetzestexte und Rechtsprechung. Sie wurde damit zum Feindbild der konservativen islamischen Gesellschaft und u. a. Ziel einer Fatwa und eines Attentats. Asma Jahangir ist Trägerin des Freiheitspreises von Liberal International und war zweifach Sonderberichterstatterin der Ver- einten Nationen (zunächst für außergerichtliche und Massen-Hinrichtungen sowie standrechtliche Erschießungen, nachfolgend für Religions- und Glaubensfreiheit).

In Pakistan erstellte die FNF 2000 mit dem Fazaldad Human Rights Institute ein Basis-Curriculum zur Menschenrechtserziehung an Schulen sowie ein Trainingsprogramm für Lehrer. Auf dieser Basis wurden über 900 Menschenrechtssendungen von insgesamt 17 Rundfunksendern in neun Landes- sprachen ausgestrahlt. Ferner wurden in allen pakistanischen Kinos im Vorprogramm drei- bis fünf- minütige Menschenrechtsfilme gezeigt. Mit der Commonwealth Human Rights Initiative (CHRI) und ihren pakistanischen Partnern erfolgte 2010 die Vorbereitung eines Informationsfreiheitsge- setzes in Pakistan, in dem das Recht auf Information gesetzlich verankert wird. Die CHRI hatte in Indien mit Unterstützung der Stiftung als Teil einer NGO-Koalition einen wichtigen Beitrag zur Ein- führung eines solchen Gesetzes geleistet, das seither einen wesentlichen Schub an Transparenz be- wirkt hat. Das Centre for Peace and Development Initiatives (CPDI) begann 2010 mit einer breit angelegten Kampagne zur Gesetzesreform. In ganz Südasien bildet die Stiftung Moderatoren aus und verbessert dadurch die Reformarbeit.

In Indien erfasste die FNF in einem 2006 bis 2008 von der EU geförderten Projekt „Preventing Tor- ture“ mit People’s Watch Tamil Nadu über 6.000 Fälle von Folter in Polizeihaft und brachte sie vor Gerichte und Menschenrechtskommissionen – und zwar in neun indischen Bundesstaaten. Die Daten wurden für eine nationale Kampagne genutzt, um Öffentlichkeit und Politik zu sensibilisieren und rechtsstaatliche Strukturen durchzusetzen. Zugleich half die Stiftung bei der Initiierung eines süd- asiatischen Netzwerkes zur Polizeireform. Da eine Reform der Polizei und das Recht auf Information in allen Staaten Südasiens zentrale Anliegen sind, baut die Commonwealth Human Rights Initiative zu beiden Themen zivilgesellschaftliche Netzwerke auf. Auf regionaler Ebene hat die Stiftung ferner mit verschiedenen südasiatischen Menschenrechts- und Minderheitengruppen zu den Themen Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechtsschutz und friedliche Konfliktlösung zusammengearbeitet.

Schwerpunkt Konfliktprävention und Friedenssicherung in Südasien Die FNF hat sich mit ihren Partnern mehrfach in Konfliktsituationen in Südasien engagiert, um auf der Ebene des Dialogs zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren und staatlichen Organen Beiträge zum politischen Konfliktmanagement zu leisten. Ob durch den Bürgerkrieg in Sri Lanka, maoistische Aktionen in Nepal und Indien oder die Gewalt in Kaschmir, der Frieden und damit die Freiheit in und zwischen den Staaten Südasiens waren gefährdet. Deshalb erfolgten in Nepal 1993 Verfas- sungsberatungen der Regierung mit dem Partner Nepal Law Society durch Kurzzeitexperten der FNF, um den Übergang vom autoritären zum demokratischen Regierungssystem zu unterstützen. In Sri Lanka wurde nach Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition im Jahr 2000 im Rah- men eines Verfassungsforums des Partners Institute for Democracy and Leadership (IDL) mit Regie- rung, Opposition und allen ethnischen Gruppen eine Analyse der gegebenen Handlungsalternativen im ethnischen Konflikt vorgenommen. Nach dem Ende des Bürgerkrieges in Sri Lanka wurde 2010 mit dem Centre for Policy Alternatives eine Studie zur Dezentralisierung erstellt.

Alternatives eine Studie zur Dezentralisierung erstellt. Dr. Irmgard Schwaetzer Vorstandsmitglied der FNF, beim
Alternatives eine Studie zur Dezentralisierung erstellt. Dr. Irmgard Schwaetzer Vorstandsmitglied der FNF, beim
Alternatives eine Studie zur Dezentralisierung erstellt. Dr. Irmgard Schwaetzer Vorstandsmitglied der FNF, beim

Dr. Irmgard Schwaetzer Vorstandsmitglied der FNF, beim Vortrag auf dem Symposium „Verfassungen für die Frei- heit: 60 Jahre Demokratie in Deutschland und Indien“, New Delhi, 2010

Der langjährige Konflikt in Kaschmir, der die gesamte Region tangiert, hat zahlreiche einflussreiche Interessengruppen entstehen lassen, die in den Friedensprozess einbezogen werden müssen. Der Partner Centre for Dialogue and Reconciliation (CDR) in Indien, gegründet von Rajmohan Gandhi, einem Enkel des Mahatma, bringt diese Akteure zusammen und bietet ihnen eine Diskussionsplatt- form, um gemeinsam Konfliktlösungen zu erarbeiten. Das CDR fördert auch Begegnungen für zivil- gesellschaftliche Akteure aus Indien und Pakistan an, z. B. einen Wettbewerb für die juristischen Fakultäten beider Länder mit simulierten Gerichtsverhandlungen zur Konfliktregulierung. Dadurch wurden neue Dialog- und Kommunikationskanäle eröffnet.

Mittel-, Südost- und Osteuropa, Südkaukasus und Zentralasien

Lange vor dem Fall der Berliner Mauer und der Implosion des kommunistischen Herrschaftssystems in den Staaten Mittel-, Südost- und Osteuropas wurden bereits Mitte der 70er-Jahre politische Kontakte, insbesondere nach Warschau und Prag, aufgenommen. Die Neue Ostpolitik der Ära Brandt/ Scheel stand seit 1969 unter dem Motto „Wandel durch Annäherung“. Es entstanden neue Mög- lichkeiten eines West-Ost-Dialogs aufgrund internationaler Entwicklungen und interner Zwänge der Sowjetunion zur Modernisierung ihrer Volkswirtschaft. In diesen Zusammenhang gehört auch das Viermächteabkommen über Berlin von 1971. Der Geist einer vorsichtigen Verständigung führte zu einer Reihe zwischenstaatlicher Verträge mit den Nachbarn Deutschlands im Osten und gipfelte 1975 mit der Schlussakte von Helsinki in der Gründung der Konferenz für Sicherheit und Zusam- menarbeit in Europa (KSZE, seit 1995 OSZE) mit mittlerweile 57 Teilnehmerstaaten und Sitz in Wien.

und Zusam- menarbeit in Europa (KSZE, seit 1995 OSZE) mit mittlerweile 57 Teilnehmerstaaten und Sitz in
Grigory Yavlinsky Ehemaliger Vorsitzender der liberalen Russian United Democratic Party (Yabloko), ehemaliger
Grigory Yavlinsky Ehemaliger Vorsitzender der liberalen Russian United Democratic Party (Yabloko), ehemaliger
Grigory Yavlinsky Ehemaliger Vorsitzender der liberalen Russian United Democratic Party (Yabloko), ehemaliger

Grigory Yavlinsky Ehemaliger Vorsitzender der liberalen Russian United Democratic Party (Yabloko), ehemaliger Präsidentschaftskandidat Russlands

„Der Beginn der Partnerschaft von Yabloko mit der FNF geht auf die Tage der Öffnung ihres Moskauer Büros und die Gründung un- serer Partei zurück. Unsere Partnerschaft hat demonstriert, wie effizient die Interaktion zwischen einer Stiftung mit reicher Erfah- rung in der Förderung demokratischer Werte und Unterstützung demokratischer Projekte und einer neu geschaffenen Partei unter den schwierigen russischen Bedingungen sein kann. Wir wissen die große Zahl gemeinsa- mer Projekte zu schätzen. Viele derjenigen, die an solchen Programmen teilgenommen haben, nutzen die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen in ihrer heutigen politischen Arbeit. Ich persönlich schätze den Wert meiner kontinuierlichen Kommunikation mit Otto Graf Lambsdorff und anderen Führern der FDP und der FNF. Mit Unterstützung von FDP und FNF wurde Yabloko Vollmitglied der Liberalen Internationale und in der Allianz der europäischen Liberalen und Demokraten (ALDE). Im Namen von Yabloko und meinem eigenen wünsche ich der FNF weitere erfolg- reiche Arbeit bei der Verteidigung der Freiheit und liberalen Demokratie in Deutschland und weltweit.“

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Dieser Staatenkonferenz und späteren ständigen Organisation zur Friedenssicherung und zum Wie- deraufbau nach Konflikten gehören alle Staaten Europas, die Türkei und seit November 2012 auch die Mongolei sowie die Nachfolgestaaten der Sowjetunion, die USA und Kanada an. Konsultation statt Konfrontation war zum neuen Leitbild eines Weges west-östlichen Dialogs geworden.

Bereitstellung von Fördermitteln aus dem Bundeshaushalt Durch die Bereitstellung von Fördermitteln sowohl aus dem Auswärtigen Amt als auch aus dem Bundespresseamt waren bereits ab 1980 erste Treffen mit Journalisten und Persönlichkeiten aus dem Wissenschafts- und Kulturmilieu Polens, der Tschechoslowakei und Ungarns möglich. Es kam zu mehreren Besuchsprogrammen, an denen liberal denkende Intellektuelle und Journalisten teil- nahmen, u. a. der einflussreiche Dariusz Fikus, Generalsekretär des polnischen Journalistenverbandes, und Krzysztof Klinger, der Sekretär für auswärtige Beziehungen des Verbandes (SDP). Die Verhängung des Kriegsrechts in Polen im Dezember 1981 als Reaktion auf die angewachsene Macht der Soli- darnosc-Bewegung ´´ beendete diesen Austausch zwar abrupt, beschleunigte aber zugleich die weitere demokratische Entwicklung im kommunistischen Machtbereich.

Selbstbestimmung und Freiheit in Mittel-, Südost- und Osteuropa (MSOE) Die unwahrscheinlichste aller erhofften politischen Entwicklungen war eingetreten. Die kommu- nistischen Vasallenregime der Sowjetunion waren zum Ende der 80er-Jahre in einer atemberau- benden Geschwindigkeit zusammengebrochen. In den Ländern, in denen kommunistischer und faschistischer Terror und die Schrecken des Zweiten Weltkrieges am furchtbarsten gewütet hatten, wo demokratische Entwicklungen entweder noch nie oder nur für kurze Zeit zwischen den Welt- kriegen stattgefunden hatten, verwirklichte sich das wichtigste Prinzip des Liberalismus, nämlich das Recht des Bürgers auf Selbstbestimmung und Freiheit, allerdings ohne dass dies den neu ent- standenen liberalen Parteien zugutekam.

Erste Büros in Budapest, Warschau und Prag Das erste Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Ungarn eröffnete Dr. Martin Ban- gemann, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung, im Jahre 1989 in der vorsichtigen Hoffnung, dass die Entwicklung der Region bald weitere Büros in anderen Ländern ermöglichen würde. Bereits ein Jahr später hatte sich eine ständige Zusammenarbeit mit Partnern in Polen, der Tschechoslowakei, Rumänien, Bulgarien und Jugoslawien etabliert. Gleich zu Beginn des Systemwechsels wurde die Friedrich-Naumann-Stiftung überall dort tätig, wo liberale Gruppierungen, Parteien oder Einzel- persönlichkeiten fachliche und organisatorische Beratung, Informationen und Kontakte benötigten. Im Grunde war alles gleichzeitig vonnöten – und das in so vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks mit Millionen von Menschen, deren Bedürfnisse nach Freiheit und materiellem Wohlstand keinesfalls so rasch erfüllt werden konnten, wie sie sich erhofft hatten. In den MSOE-Staaten musste der Sys- temwandel zu Demokratie und Marktwirtschaft in allen Bereichen gleichzeitig umgesetzt werden. Dies geschah auf der Basis einer maroden Infrastruktur, eines zusammengebrochenen Wirtschafts-

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eines zusammengebrochenen Wirtschafts- 1 3 2 4 1. Dr. Siim Kallas, Vizepräsident der EU-Kommission, stellt
eines zusammengebrochenen Wirtschafts- 1 3 2 4 1. Dr. Siim Kallas, Vizepräsident der EU-Kommission, stellt

1. Dr. Siim Kallas, Vizepräsident der EU-Kommission, stellt im Europäischen Parlament liberale Reformkonzepte von Stiftungspartnern aus Osteuropa vor, Brüssel, 2008

2. Internationale Konferenz mit Vladimir Ryshkov, Abgeordneter der Staatsduma, Dr. Falk Bomsdorf, Projektleiter der FNF in Russland (v. r.), Belokuricha, 2005

3. Registan-Platz in Samarkand, Usbekistan

4. Boris Nemzow, stellv. Ministerpräsident Russlands, und Dr. Otto Graf Lambsdorff im intensiven politischen Gedankenaustausch in Moskau, 1993

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´ Prof. Vesna Pusic Vizepremierministerin und Außenministerin von Kroatien, ehemalige Vorsitzende der liberalen
´ Prof. Vesna Pusic Vizepremierministerin und Außenministerin von Kroatien, ehemalige Vorsitzende der liberalen
´ Prof. Vesna Pusic Vizepremierministerin und Außenministerin von Kroatien, ehemalige Vorsitzende der liberalen

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Prof. Vesna Pusic Vizepremierministerin und Außenministerin von Kroatien, ehemalige Vorsitzende der liberalen kroatischen Volkspartei

„Die FNF war die erste liberale Stiftung, die nach Kroatien und in den Rest Südeuropas kam, in Zeiten des Tumultes, des Wechsels und der Transformation unserer Staaten, Gesellschaften und politischen Parteien. Seitdem haben die politische Bildung, der Erfahrungsaustausch und die Kooperation mit der FNF unser politisches Umfeld transformiert, auf eine höhere Stufe gebracht und einen bemerkenswerten Fuß- abdruck in der liberalen Geschichte dieser Region hinterlassen.“

und Sozialsystems, einer leistungsschwachen und gefährlichen Energiewirtschaft, eines kommu- nistischen Erziehungs- und Bildungssystems und ohne Erfahrungen mit demokratischen Prozessen.

Mit vereinten Kräften für die Erneuerung Die Begeisterung des Jahres 1989 wich alsbald großer Ernüchterung. Die Angleichung der Wirt- schafts- und Sozialleistungen an die Standards der westlichen Welt verlief weniger dynamisch als erwartet und stärkte dadurch die noch vorhandenen restaurativen Kräfte, die eine Rückkehr zum alten System betrieben und damit den Prozess der Demokratisierung stark behinderten. Die Arbeit

der Stiftung hatte sich auf dieses schwierige Umfeld der Partner einzustellen, die selbst keineswegs stabil waren. Flankierende Veranstaltungen bot der Politische Club am damaligen Sitz der Stiftung

in Königswinter an, aber auch in Bonn und Berlin. Bewegend war dort der Auftritt der tschechischenbot der Politische Club am damaligen Sitz der Stiftung ´ Künstlerin Marta Kubisova, einst eine Mitkämpferin

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Künstlerin Marta Kubisova, einst eine Mitkämpferin von Alexander Dubcek im „Prager Frühling“ und Sängerin des berühmt gewordenen Liedes „Gebet für Marta“, mit dem sie vor 200.000 Menschen im Jahre 1989 auf dem Prager Wenzelsplatz zum Kampf für die Freiheit aufgerufen hatte. In den Dialogprogrammen in Washington D.C., in New York und Brüssel, aber auch in Städten wie Bratislava und Wien, wurden der Werte- und Systemwandel Osteuropas zur Diskussion gestellt, der Abbau von Vorurteilen befördert und der Aufbau von Kontakten zu internationalen Organisationen wie zur UNO, zur Weltbank, zur Europäischen Union, zum Europarat und zum Deutschen Bundestag unterstützt. Informationsreisen und Besuchsprogramme in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien erforderten weitreichende Kompetenzen und Kapazitäten und damit ein Höchstmaß an Engagement auf beiden Seiten der ehemaligen Sperrzäune.

Neue Haushaltstitel für die Transformationsstaaten Die vorhandenen Haushaltsmittel reichten bei Weitem nicht aus, um die vielen neuen Aufgaben zu finanzieren. Das Auswärtige Amt, vor allem aber das Bundeministerium für wirtschaftliche Zusam- menarbeit und Entwicklung (BMZ) konzipierte mit Unterstützung des Deutschen Bundestages und in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Ministerien und den politischen Stiftungen speziell für den Bedarf pluralistischer, gesellschaftspolitischer Arbeit in den MSOE-Staaten neue Haushaltstitel. Für einen Großteil der MSOE-Staaten trafen nämlich die Kriterien für Entwicklungsländer bei der Ver- gabe öffentlicher Fördermittel nicht zu, da sie z. B. in militärisch genutzter Technologie und anderen Sektoren hoch entwickelt waren. Die Staaten des schon 1949 gegründeten ehemaligen Comecon- Paktes befanden sich nicht in einem herkömmlichen Entwicklungsprozess, sondern in einer schwie- rigen Phase der Transformation von einer Diktatur in ein demokratisch-freiheitliches System.

einer Diktatur in ein demokratisch-freiheitliches System. Tagung von LIBSEEN, dem Netzwerk liberaler Parteien,
einer Diktatur in ein demokratisch-freiheitliches System. Tagung von LIBSEEN, dem Netzwerk liberaler Parteien,
einer Diktatur in ein demokratisch-freiheitliches System. Tagung von LIBSEEN, dem Netzwerk liberaler Parteien,

Tagung von LIBSEEN, dem Netzwerk liberaler Parteien, Nichtregierungsorganisationen und

Persönlichkeiten in Südosteuropa, Kroatien,

2008

Etappen des Regionalbüros MSOE

Die Steuerung der gesellschaftspolitischen Arbeit in Mittel-, Südost und Osteuropa wurde nach einem kurzen Intermezzo in Prag im Jahre 1992 an den Sitz der damaligen Geschäftsstelle in Kö- nigswinter verlegt. Als sehr vorteilhaft erwies sich die unmittelbare Nähe zur Bundesregierung und zum Bundestag, zu den Journalisten und zahlreichen Thinktanks. Die große Zahl der Besuchspro-Kroatien, 2008 Etappen des Regionalbüros MSOE 64 gramme und der Informationsreisenden aus MSOE-Staaten

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gramme und der Informationsreisenden aus MSOE-Staaten zeigte dies, aber auch der Politische Club der Stiftung und das politische Milieu der Bundeshauptstadt Bonn konnten von dieser räum- lichen Konzentration profitieren. Bereits im Jahre 1992 waren Büros in Bratislava, Sofia, Bukarest und Ljubljana mit der Zuständigkeit für die Länder des ehemaligen Jugoslawiens und für Albanien hinzugekommen. Büros in Moskau für die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und in Tallinn für die wieder unabhängig gewordenen baltischen Staaten wurden 1992 vorbereitet. Vier Jahre später war die Stiftung in den meisten Ländern des ehemaligen Ostblocks mit Büros und Ver- anstaltungszentren vertreten.

Die Arbeit hatte sich so weit konsolidiert, dass das Regionalbüro MSOE im Jahre 1996 von der Ge- schäftsstelle in Königswinter nach Budapest, also in die Region, verlegt wurde. Von den zwar riva- lisierenden, aber starken liberalen Parteien Ungarns (SDSZ und FIDESZ) gingen positive Impulse für Demokratie, Marktwirtschaft und eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union aus. Polen, die Tschechoslowakei und Ungarn hatten sich bereits im Jahre 1991 zum Interessenverbund der Vise- grad-Staaten zusammengeschlossen, der auch nach der Teilung in die Tschechische und die Slo- wakische Republik fortbestand. Übrigens hatten sich die Könige Polens, Böhmens und Ungarns erstmals im Jahre 1335 in der malerischen Burg des Örtchens Visegrad am Donauknie unweit von Budapest versammelt, um gemeinsame wirtschaftspolitische Probleme zu lösen. Die Bemühungen ihrer neuzeitlichen Nachfolger um einen Beitritt zur Europäischen Union setzten in der Folgezeit neue Prioritäten auf der politischen Agenda Mittelosteuropas. Die bereits Mitte der 90er-Jahre ge- stellten Anträge auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union hatten vor allem die Innenpolitik beherrscht, um die Aufnahmekriterien erfüllen und die damit verbundene Harmonisierung der Ge- setze mit dem Acquis Communautaire der EU mit seinen etwa 30.000 Gesetzen, Normen und Ver- ordnungen bewältigen zu können. Auch hier lag ein ausgedehntes Betätigungsfeld der Stiftung. Der Vorschlag zur Aufnahme von Litauen, Estland, Lettland, Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien sowie Zypern und Malta wurde im Jahre 2002 in Brüssel angenommen, die acht Staaten Mittelosteuropas wurden im Mai 2004 als Vollmitglieder aufgenommen.

wurden im Mai 2004 als Vollmitglieder aufgenommen. Andrus Ansip Ministerpräsident von Estland, Vorsitzender
wurden im Mai 2004 als Vollmitglieder aufgenommen. Andrus Ansip Ministerpräsident von Estland, Vorsitzender
wurden im Mai 2004 als Vollmitglieder aufgenommen. Andrus Ansip Ministerpräsident von Estland, Vorsitzender

Andrus Ansip Ministerpräsident von Estland, Vorsitzender der liberalen Reform-Partei

„Die FNF eröffnete ihr Büro in Tallinn 1993. Es waren schwierige Zeiten: Trennung von der Rubel-Zone, Beginn marktwirtschaftlicher Reformen und Aufbau politischer Institutio- nen. In diesem Kontext war die ermutigende und hilfreiche Orientierung der FNF unbe- zahlbar. Ich bin sicher, sie spielte auch eine Rolle bei unserem ersten Wahlerfolg 1995 von fast 20 Prozent der Parlamentssitze. Kürzlich haben wir gemeinsam die liberale Geistesgeschichte in Estland publiziert. Höchste Dankbarkeit und Anerkennung. Die Kooperation mit der Stiftung war eine Erfolgsgeschichte.“

Die Steuerung der Stiftungsarbeit für die Region MSOE erfolgt seit 2007 vom derzeitigen Standort des Regionalbüros in Sofia. Nach der Aufnahme Bulgariens und Rumäniens in die Europäische Union im Jahre 2007 unterstützt die Stiftung von dort aus die insgesamt schwächer gewordene liberale Parteienlandschaft in der Gesamtregion. Um den unterschiedlichen Entwicklungen und Bedürfnissen der Partnerländer gerecht zu werden, wurde die Stiftungsarbeit auf die Ebene von Teil- oder Sub- regionen konzentriert. Nach verschiedenen Phasen der Projektarbeit, in denen einzelne Bürostand- orte der Stiftung geschlossen und neu eingerichtet wurden, sind die Projektländer der Stiftung in Mittel-, Südost- und Osteuropa gegenwärtig sechs Subregionen zugeordnet: Mitteleuropa und Bal- tische Staaten (Bürostandort Prag), Westbalkan (Belgrad), Südosteuropa (Bürostandort und Sitz des Regionalbüros Sofia), Südkaukasus (Bürostandort Tiflis), Ukraine/Belarus (Kiew) und Russland/Zen- tralasien (Moskau).

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Dr. Solomon Passy Ehemaliger Außenminister Bulgariens, ehemaliger Vorsitzender der KSZE, ehemaliger Vorsitzender des
Dr. Solomon Passy Ehemaliger Außenminister Bulgariens, ehemaliger Vorsitzender der KSZE, ehemaliger Vorsitzender des
Dr. Solomon Passy Ehemaliger Außenminister Bulgariens, ehemaliger Vorsitzender der KSZE, ehemaliger Vorsitzender des

Dr. Solomon Passy Ehemaliger Außenminister Bulgariens, ehemaliger Vorsitzender der KSZE, ehemaliger Vorsitzender des UN-Sicher- heitsrates

„Die FNF war seit dem Fall der Mauer eine Säule der Freiheit und Demokratie in Osteu- ropa, jetzt in der dritten Dekade. Doch die Demokratie hat seit 1990 ihre Standards ver- bessert, und ihre Nachfrage impliziert eine neue und größere Rolle der FNF in der Welt in den kommenden Dekaden.“

Zielgruppen und Partner in den MSOE-Staaten Die grundsätzliche Frage der Förderung von organisiertem oder geistigem Liberalismus war für Mit- tel-, Südost- und Osteuropa anfangs zugunsten der Unterstützung liberaler Parteien als Vertreter des organisierten Liberalismus entschieden worden. Zwar entstanden in den ersten Jahren des Trans- formationsprozesses zahlreiche neue liberale Parteien, die dieses Attribut für sich in Anspruch nah- men, viele hatten jedoch keinen Bestand. Dem neuen Zielgruppenkonzept der Stiftung gemäß wurden deshalb Vorfeldorganisationen wie Verbände, Bewegungen, Institutionen und Institute, Multiplikatoren, Medienvertreter und unbelastete Einzelpersönlichkeiten in die Förderung aufge- nommen. Wo kein organisierter Liberalismus entstanden war, gab es vielfach doch einen geistigen

Liberalismus, der in den gesellschaftlichen Prozessen eine starke Rolle spielte. Die offene Partner- politik der Stiftung, die sich auf einen kontinuierlichen Wandel der Gesellschaft einstellen musste, fand einhellige Zustimmung bei den Partnern. Der erste Präsident des demokratischen Bulgariens, Zhelyu Zhelev, nannte die Tätigkeit der Stiftung eine Hilfe zur Wiederauferstehung von Freiheit und Menschenwürde. Jirí Dienstbier, der tschechische Außenminister, begrüßte die konstruktive Unter-

stützung der Liberalen sehr, insbesondere die Seminare für mittelständische Unternehmer und Ju- gendgruppen. Als herausragend in ihrer Bedeutung schätzte der Präsident der Sozialliberalen Partei Kroatiens, Dražen Budiša, die offene Arbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung in seinem Land ein.

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Regional übergreifende Förderstrukturen Hauptziele der Stiftung waren von Anfang an die Unterstützung beim Aufbau rechtsstaatlicher Sys- teme, die Entwicklung demokratischer und marktwirtschaftlicher Strukturen, Schutz der Minder- heiten und die Förderung zivilgesellschaftlicher Werte wie Religionsfreiheit und Toleranz. Erstmals wurde ein regionales Verbundprojekt zur Förderung der Mittel- und Kleinindustrie mit Sitz in Buda- pest eingerichtet. Ein ebenfalls regional konzipiertes Fortbildungs- und Dialogprogramm kam hinzu. Unterhalb dieses regionalen Ansatzes stand den Partnern die ganze Palette von Maßnahmen der politisch-programmatischen sowie der organisatorischen Beratung, der politischen Bildung und der Einbindung in einen nationalen, regionalen und internationalen Dialog zur Verfügung. Der Arbeits- ansatz vollzog sich also auf zwei Ebenen. Die Stiftung und viele ihrer Partner gingen von der An- nahme aus, dass eine zunehmende Globalisierung in allen Bereichen unaufhaltsam war und deshalb nur eine Kooperation größerer geopolitischer Regionen Zukunftschancen bieten würde.

geopolitischer Regionen Zukunftschancen bieten würde. Vorbereitung für das USA-Programm „Promoting Tolerance“
geopolitischer Regionen Zukunftschancen bieten würde. Vorbereitung für das USA-Programm „Promoting Tolerance“
geopolitischer Regionen Zukunftschancen bieten würde. Vorbereitung für das USA-Programm „Promoting Tolerance“

Vorbereitung für das USA-Programm „Promoting Tolerance“ in Russland, Moskau, 2011

Bildungsangebote breit gefächert Radio- und Fernsehprogramme, Zeitungen und Buchpublikationen halfen mit, nicht nur die Bal- lungszentren, sondern auch die ländlichen Regionen mit Informationen und Bildungsprogrammen zu versorgen. Zu den bereits genannten Themen kam ein starkes Interesse an kommunalpolitischen Fragen hinzu. Verstärkt nachgefragt wurden auch Seminare zu den weithin unbekannten Ideen des

politischen Liberalismus, zu seiner Geschichte und Verbreitung. Berichte über konkrete liberale Lö- sungen von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen aus westlichen Ländern stießen auf besondere Aufmerksamkeit. Für die Teilnehmer an den Diskussionsabenden und Vortragsreihenwurden auch Seminare zu den weithin unbekannten Ideen des 66 ergab sich häufig die Möglichkeit, in

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ergab sich häufig die Möglichkeit, in der Folge an Informationsreisen teilzunehmen und an inter- nationalen Konferenzen mitzuwirken.

Erweiterung, Grenzen und Ausblick Im Juli 1993 wurde das Büro der Stiftung für die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion in Moskau offiziell eröffnet. Das Veranstaltungsprogramm beschränkte sich nicht nur auf die Haupt- stadt, sondern wurde über das Format eines mobilen „Politischen Clubs“ im ganzen Land angeboten. Die Arbeit der Stiftung und ihrer Partner trug essenziell zur Verbreitung des liberalen Gedankenguts bei. Die Programm- und Organisationsberatung der liberalen Partei Yabloko nahm einen breiten Raum der Stiftungsarbeit in Russland ein. Die seit dem Jahre 2003 vielfach wiederholte Aufführung von Lessings „Nathan der Weise“ in der Hauptstadt Usbekistans war ein ungewöhnliches, aber umso erfolgreicheres Beispiel für die Vermittlung politischer Werte. In Taschkent, Buchara und vielen Städten der historischen Seidenstraße wurde dieses Theaterstück zur Vermittlung der Idee von Frei- heit und Toleranz zwischen den Religionen und Völkern eingesetzt. Es wurde in zahlreichen Radio- und Fernsehprogrammen übertragen und war auch Anlass für einen Bericht der ARD. Die hierin vermittelte Ansicht von Freiheit und bürgerlichen Werten stellte für die autoritär geführten Folge- regierungen der ehemaligen Sowjetunion bzw. ihrer Bestandteile, und nicht nur für diese, eine er- hebliche Verunsicherung dar, was sich von Fall zu Fall in Einschränkungen der Programme, der Bewegungsfreiheit von Mitarbeitern, der rechtlichen Position der Stiftung oder administrativen Be- hinderungen niederschlug.

Im Südkaukasus hat sich, beginnend 1996 mit politischen Bildungsveranstaltungen in Aserbai- dschan, die Arbeit bald auch auf Armenien und Georgien ausgedehnt. Mit vorwiegend jungen, re- formorientierten Kräften aus Parteien und Medien wurden Themen der marktwirtschaftlichen Entwicklung, des Konfliktmanagements und der Kooperation mit europäischen und euroatlantischen Institutionen bearbeitet. Ein Schwerpunkt lag dabei immer auf länderübergreifenden Projekten, mit dem Ziel, die Partner auf dem Weg zu einer regionalen Friedensordnung zu unterstützen. Ist die Arbeit im Südkaukasus aus Mangel an rechtsstaatlichen Strukturen nur unter unsicheren Bedin- gungen möglich, so gilt dies zunehmend auch für die Ukraine und insbesondere für Belarus. Vom Projektbüro in Kiew aus hat sich die Stiftung seit 2007 unter anderem für die Stärkung lokaler ad- ministrativer Strukturen und mehr Bürgerbeteiligung eingesetzt. Mehrere Bürgerämter haben in der Folge ihre Arbeit aufgenommen. Die Unterstützung der belarussischen liberalen Kräfte war und ist unter den gegebenen politischen Rahmenbedingungen nur sehr eingeschränkt möglich. Der kri- tisch-konstruktive Umgang mit und die Überwindung von solchen Schwierigkeiten gehört indes zu den Hauptaufgaben gesellschaftspolitischer Erwachsenenbildung auf dem Weg zu einer offenen Bürgergesellschaft in Freiheit und Verantwortung, in Mittel-, Südost- und Osteuropa und anderswo in den Projektländern.

Südost- und Osteuropa und anderswo in den Projektländern. Teilnehmer des internationalen Workshops der Jungen
Südost- und Osteuropa und anderswo in den Projektländern. Teilnehmer des internationalen Workshops der Jungen
Südost- und Osteuropa und anderswo in den Projektländern. Teilnehmer des internationalen Workshops der Jungen

Teilnehmer des internationalen Workshops der Jungen Liberalen zum Kampagnen- Management in Aserbaidschan, 2008

Liberalen zum Kampagnen- Management in Aserbaidschan, 2008 „Nathan der Weise“ als spektakuläres Instrument der
Liberalen zum Kampagnen- Management in Aserbaidschan, 2008 „Nathan der Weise“ als spektakuläres Instrument der
Liberalen zum Kampagnen- Management in Aserbaidschan, 2008 „Nathan der Weise“ als spektakuläres Instrument der

„Nathan der Weise“ als spektakuläres Instrument der politischen Bildung zur Stärkung der Toleranz in Zentralasien durch die FNF, 2007

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Europäische Institutionen und Nordamerika Ein schwieriger Start der Demokratie in Südeuropa Liberale politische

Europäische Institutionen und Nordamerika

Ein schwieriger Start der Demokratie in Südeuropa Liberale politische Bildungsarbeit, politische Dialoge und Beratungen begannen in Europa Mitte der 70er-Jahre im Süden des Kontinents, nachdem die Diktatur der Obristen in Griechenland und das seit 1932 bestehende Regime Salazars in Portugal 1974 ein Ende zugunsten demokratischer Kräfte gefunden hatten. Die Franco-Diktatur zerbrach nach dessen Tod 1975.

Griechenland Der Studentenaufstand am Athener Polytechnikum 1973 wurde noch blutig niedergeschlagen. Erst durch den Putsch der griechischen Nationalgarde 1974 und die türkische Invasion in Zypern brach in der Folge die Diktatur der mit Folter und Gewalt seit 1967 herrschenden Obristen zusammen. Es kam zur triumphalen Rückkehr des im Pariser Exil lebenden früheren Präsidenten Karamanlis und zu einer Demokratie, deren vielfältige Schwächen sich aber rasch offenbarten.

deren vielfältige Schwächen sich aber rasch offenbarten. Treffen von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (l.) mit
deren vielfältige Schwächen sich aber rasch offenbarten. Treffen von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (l.) mit
deren vielfältige Schwächen sich aber rasch offenbarten. Treffen von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (l.) mit

Treffen von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (l.) mit Ministerpräsident Giovanni Spadolini, Italien, und Dr. Barthold C. Witte, Vorsitzender des Beirates der FNF (r.), Rom, 1980

Portugal Auch in Portugal putschten die Militärs gegen das verknöcherte, korrupte und gewalttätige Regime, das Diktator Salazar seit über vier Jahrzehnten im Windschatten des Interesses der Großmächte etabliert und – als NATO-Mitglied seit 1949 – aufrechterhalten hatte. Aus Begeisterung und als Dank für die nahezu unblutige Revolution steckte die Bevölkerung rote Nelken in die Gewehrläufe der Soldaten und schuf mit dem Begriff der „Nelken-Revolution“ ein neues Symbol der Freiheit, das seine Bedeutung über Jahrzehnte auch in anderen Ländern behielt.

Spanien König Juan Carlos I. als Nachfolger des 1975 gestorbenen spanischen Diktators Franco bekannte sich eindeutig zur Demokratie und zur Entwicklung einer offenen, freien spanischen Gesellschaft mit Teilhabe aller an den Entscheidungsprozessen. Er hatte es bis zu dem gescheiterten Militärputsch 1981 jedoch schwer, die verkrusteten alten Strukturen der in vielen Machtpositionen verharrenden Franco-Anhänger aufzubrechen. Erst seine mutige Fernsehrede als Oberbefehlshaber der Armee mit dem eindeutigen Bekenntnis zur Demokratie öffnete den Weg zu einem modernen Spanien.

Italien Das Italien jener Zeit war zwar ohne Zweifel demokratisch verfasst, hatte aber in der ständig stärker werdenden Kommunistischen Partei Italiens (PCI) eine Opposition mit nur geringem Interesse an Demokratie, offener Marktwirtschaft und freien Medien. Stattdessen pflegte die italienische Linke intensive Beziehungen und Verflechtungen – ebenso wie die französischen Kommunisten (PCF) –

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mit den ostdeutschen Kommunisten (SED) und dem starken Bruder in Moskau. Die jahrzehntelange Macht in den Händen der Christlich-Konservativen zerfiel wegen der korrupten Klientelwirtschaft. Kriminalität und politischer Terrorismus beherrschten den Alltag. Die einst staatstragenden Liberalen waren zerstritten, in zwei Parteien zerfallen und in ihrer Machtlosigkeit fast ohne politische Be- deutung.

Ein mutiger Beschluss der Liberalen und seine Folgen In ganz Südeuropa zeichneten sich Entwicklungen zugunsten einer politischen Linken ab, deren De- mokratie- und Wirtschaftsverständnis zu erheblichen Sorgen Anlass bot. Die Gremien der Freien Demokratischen Partei (FDP), der Friedrich-Naumann-Stiftung, aber auch der Liberalen Internatio- nale (LI) beschlossen zunächst eine Intensivierung der Suche nach Kontakten zu liberalen Parteien in Südeuropa und schließlich 1977 die Entwicklung von Programmen mit eigenen Büros in Portugal, Spanien, Italien und Griechenland. Vorausgegangen war diesem mutigen Beschluss die Erkenntnis, dass in keinem der Länder liberale Parteien oder nennenswerte liberale Gruppierungen über die pro- grammatischen oder organisatorischen Mittel verfügten, die für eine ernsthafte politische Aus- einandersetzung unabdingbar waren.

Offene Unterstützung des Liberalismus in Europa und weltweit Erstmals legte die Friedrich-Naumann-Stiftung 1977 ein Positionspapier vor, in dem als Ziel die Stärkung des politischen und organisierten Liberalismus in Europa und weltweit benannt wurde. Dabei waren nicht nur West- und Südeuropa angesprochen, sondern ausdrücklich auch die Ost- West- und internationalen Beziehungen. Dies sollte in enger Zusammenarbeit mit den liberalen Parteien anderer Länder, mit der Konföderation der liberalen europäischen Jugendverbände (EFLRY), mit dem Zusammenschluss der europäischen Liberalen (ELD) und mit der Liberalen Internationale erfolgen. Zur raschen Umsetzung wurde die Arbeit im Ausland neu strukturiert, eine „Gruppe Europa“ direkt dem Vorsitzenden der Geschäftsführung unterstellt.

direkt dem Vorsitzenden der Geschäftsführung unterstellt. Gipfeltreffen liberaler Spitzenpolitiker auf einer
direkt dem Vorsitzenden der Geschäftsführung unterstellt. Gipfeltreffen liberaler Spitzenpolitiker auf einer
direkt dem Vorsitzenden der Geschäftsführung unterstellt. Gipfeltreffen liberaler Spitzenpolitiker auf einer

Gipfeltreffen liberaler Spitzenpolitiker auf einer Veranstaltung des FNF-Büros Rom (v. r. n. l.) : Urs Schöttli, Generalsekretär, Li- beral International; Gaston Thorn, Minister- präsident von Luxemburg, Präsident der Europäischen Kommission, Präsident von Liberal International und Präsident der UN- Vollversammlung; Gräfin Beatrice Rangoni- Machiavelli, spätere Präsidentin des Europäischen Wirtschafts- und Sozialrates; Giovanni Malagodi, Präsident des Partito Li- berale Italiano, Senator auf Lebenszeit und ehemaliger Präsident Liberal International, Abdoulaye Wade, Oppositionspolitiker im Exil, späterer Präsident der Republik Senegal, Rom, 1981

Finanzierung durch den Deutschen Bundestag Die nationale wie die internationale Arbeit aller politischen Stiftungen, die einer im Bundestag ver- tretenen Partei nahestanden, waren anerkannte Bestandteile der politischen Bildung, und die Stif- tungen handelten im öffentlichen Interesse, was bis heute so geblieben ist. Dies wurde zunehmend auch als sinnvolle Ergänzung der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik und als besonderer Ausdruck des demokratischen Pluralismus der Bundesrepublik Deutschland gesehen. Die Unterstüt- zung von Demokratisierungsprozessen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa durch Programme zur Förderung des freien Handels, der offenen Marktwirtschaft, des Schutzes der Menschen- und Minderheitenrechte, der freien Medien und der Teilhabe an Wissen, Bildung und Entscheidungs- prozessen entsprach dem Handlungsauftrag eines modernen Liberalismus, wie ihn die FDP nach innen und außen vertrat.

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1.

4. Dialog-Konferenz der liberalen Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE) und dem Council of Asian Liberals and Democrats, Brüssel, 2004

2.

Vorstellung des European Network of Political Foundations (ENoP) durch den Koordinator und FNF-Repräsentanten Dr. Jürgen Wickert und José Manuel Barroso (l.), Präsident der EU-Kommission, Brüssel, 2008

3.

Der ehemalige US-Außenminister Dr. Henry Kissinger mit Dr. Otto Graf Lambsdorff (l.), Dr. h.c. Rolf Berndt (r.), Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der FNF, Berlin, 2000

4.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Axel Hoffmann (2.v.l.) gemeinsam mit dem Stiftungsrepräsentanten für die USA und Kanada, Claus Gramckow und dem Regionalbüroleiter Hans H. Stein anlässlich des 25. Jubiläums des Transatlantischen Dialogs am 27.9.2011 in Washington D.C.

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Die finanziellen Mittel für die politische Bildungs-, Beratungs- und Dialogarbeit in den neuen De- mokratien Portugal, Spanien und Griechenland kamen über den Bundeshaushalt aus dem Etat des Entwicklungsministeriums, begrenzt auf eine Transformationszeit von zehn Jahren. Für die Pro- gramme in Italien und den Ausbau der Kontakte nach Mittel- und Osteuropa, insbesondere zu Polen und der Tschechoslowakei, sowie zu anderen Industrieländern wurden die Mittel seit 1972 in zu- nehmendem Maße aus dem Etat des Auswärtigen Amtes bereitgestellt.

Frischer Wind bei der ersten Wahl zum Europäischen Parlament Bei der ersten Wahl zum Europäischen Parlament im Juni 1979 erhielt die liberale und demokrati- sche Fraktion knapp 10 Prozent und 40 Sitze. Damit verbunden war ein starkes Signal zur weiteren Förderung der Gemeinsamkeiten in den politisch-liberalen Forderungen und Lösungsansätzen. Man- date wurden dort errungen, wo die Spalter und ewig Unzufriedenen zugunsten offener, transpa- renter Modernität verdrängt worden waren. Illustre Persönlichkeiten wie der Automobildesigner Sergio Pininfarina oder Susanna Agnelli aus der legendären FIAT-Familie sorgten mit vielen anderen für frischen Wind und auch etwas Glanz in der liberalen Politik. Die internationale Arbeit der Fried- rich-Naumann-Stiftung hatte einen beträchtlichen Anteil an diesen Entwicklungen.

Große Schritte zur Internationalisierung der Aufgaben Der liberale Beitrag zum Nord-Süd- und Ost-West-Dialog wurde gehört und beachtet. Er fand be- sonders auf der Nichtregierungsebene, aber auch mit staatlichen Vertretern und denen von inter- nationalen Organisationen statt; Themen waren die Stärkung der Menschenrechte, der Bürgerge- sellschaft, der Marktwirtschaft, des Freihandels, der Umwelt- und Friedenspolitik. Hinzu kam die Vermittlung eines besseren Verständnisses der Grundlagen und Mechanismen der Europäischen Union, des Europarates, der NATO und der Einrichtungen der Vereinten Nationen. Erfolgreiche, liberal dominierte europäische Politikmodelle wurden ausgetauscht und in vielen Ländern und Projekten hinsichtlich einer möglichen Adaption auf den Prüfstand gestellt.

Respekt und Toleranz als Basis für jeden Dialog Der europäische Integrationsprozess bot trotz vieler Schwächen und Webfehler neue Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Erweiterung gesellschafts- und entwicklungspolitischer Arbeit und der Orientierung in Richtung gegenseitigen interkulturellen Lernens und Handelns. Dabei spielte die Vernetzung von Akteuren mit liberalen Grund- und Wertehaltungen aus Entwicklungs- und Trans- formationsländern mit denen aus Industrieländern eine bedeutende Rolle. Respekt und Toleranz sind als Basis jedes Dialogs unerlässlich für den handlungsorientierten Austausch von Erfahrungen und politischen Ideen. Neue Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Brüssel und Washington D.C. waren eine notwendige Konsequenz zur Stärkung des organisierten Liberalismus weltweit.

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Nord-Süd-Dialog in Brüssel, Straßburg und Genf Das 1985 neu eröffnete Büro in Brüssel mit Arbeitsschwerpunkten in Straßburg und Genf diente der weiteren Vernetzung vieler Stiftungspartner untereinander und der Verbindung zu internatio- nalen Organisationen und Institutionen wie der Europäischen Union, dem Europarat, der NATO, der UNO in Genf mit der Welthandelsorganisation WTO, der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Die Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament, mit der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und mit zahl- reichen Generaldirektionen der Kommission wurde zu einem verlässlichen Dienstleistungsangebot an die weltweiten Projektbüros und Partnerorganisationen.

Die Stiftung als Partner der europäischen Institutionen Die Profilierung der Stiftung durch jahrzehntelange Erfahrung in ihren Kernaufgaben der politischen Bildung, der Politikberatung und des politischen Dialogs mit definierten Themenschwerpunkten machte sie, nicht zuletzt auch durch eine dezentral straffe Entscheidungsstruktur mit vertrauens- würdiger Mittelverwaltung, zu einem willkommenen Partner der europäischen Institutionen. Ob es der Aufbau zivilgesellschaftlicher Einrichtungen oder Mechanismen im Nahen Osten, die Bildung von Journalisten-Netzwerken im Maghreb oder das Menschenrechtsmonitoring in Südamerika und Afrika war, die Stiftung konnte sich für ergänzende politische Aufgaben zusätzliche Finanzierungs- möglichkeiten erschließen. Die sogenannte Drittmittelakquise war damit geboren und sollte für den weiteren Ausbau der weltweiten Stiftungstätigkeit noch eine große Rolle spielen.

Das politische Netzwerk ist entscheidend Das politische Netzwerk der Stiftung war entscheidend für die Zusammenarbeit der neu gegründe- ten Afrikanischen Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker mit europäischen und interamerikanischen Schutzmechanismen für Menschenrechte. Dazu gehörten Konferenzen 1988, 1990 und 1992 in Straßburg, die z. B. zu Konzepten für Zusatzprotokolle zur Afrikanischen Men- schenrechtscharta für die Einsetzung eines unabhängigen Gerichtshofs oder zur Erarbeitung einer Geschäftsordnung für die neue Kommission auf der Basis internationaler Standards führten.

Die Stiftung landet Bestseller Nimmt man die Anzahl der Übersetzungen ins Englische, Französische, Spanische, Arabische, Chi- nesische und Russische als Kriterium für Publikationserfolg, so war das Handbuch „Electoral Moni- toring and Electoral Systems“, das 1995 für die Unabhängige Palästinensische Wahlkommission auf der Basis eines Stiftungsseminars herausgegeben wurde, ein internationaler Bestseller. Unmittelbar nach dem Fall der Zäune und Mauern der kommunistischen Regime in Mittel-, Südost- und Ost- europa drängte sich die Implementierung der Europäischen Menschenrechtskonvention zumindest in den Staaten auf, die Mitglieder des Europarates wurden oder es bereits waren. Die sogenannten EG-/EU-Einführungsseminare der Stiftung in Straßburg wurden deshalb konsequent für zivilgesell- schaftliche Vereinigungen angeboten, unter denen neben vielen anderen Helsinki-Komitees, An- waltsvereine und Handelskammern erwähnt werden sollen.

Aktive Teilnahme hochrangiger Vertreter der Partnerorganisationen Jeder sinnvolle Dialog hat immer auch Komponenten der Bildung und der Beratung. Dies wurde in Brüssel, in Straßburg und Genf dadurch besonders deutlich, dass hochrangige Vertreter von Part- nerorganisationen aus aller Welt an internationalen Konferenzen oder Seminaren teilnahmen und ihrerseits zu Gesprächspartnern und wertvollen Informationsquellen für die Entscheidungsträger in Brüssel, Straßburg und Genf, später auch in Bonn und Berlin, wurden.

Gemeinsam mit dem Nord-Süd-Zentrum des Europarates in Lissabon und dem Center for Justice and International Law in Washington D.C. wurden Arbeitskreise zur Verbesserung regionaler Schutz- systeme eingerichtet, wobei die Teilnahme von Experten aus Partnerländern, vor allem aus Asien, durch die Stiftung gefördert und sichergestellt werden konnte. Der bereits seit vielen Jahren etab- lierte zivil-militärische Dialog in Lateinamerika konnte durch Programme bei der NATO in Brüssel sinnvoll ergänzt und auf Partner in Asien ausgedehnt werden.

ergänzt und auf Partner in Asien ausgedehnt werden. Seminar „Konfliktmanagement und Konflikt- lösung im
ergänzt und auf Partner in Asien ausgedehnt werden. Seminar „Konfliktmanagement und Konflikt- lösung im
ergänzt und auf Partner in Asien ausgedehnt werden. Seminar „Konfliktmanagement und Konflikt- lösung im

Seminar „Konfliktmanagement und Konflikt- lösung im Südkaukasus“ mit dem EU-Son- derbeauftragten für den Südkaukasus Peter Semneby, Brüssel, 2008

Arabisch-israelisch-europäischer Dialog Unter der Überschrift „Feindbilder abbauen, Verständnis und Vertrauen stiften“ wurde der 1987 noch sehr diskret begonnene israelisch-palästinensisch-europäische Dialog zu einem arabisch-is- raelisch-europäischen Dialog ausgebaut. Einzelne Komponenten wurden je nach Themenstellung und Zielgruppe auch in weiter gefasste Programme integriert, vor allem in die Veranstaltungen der Internationalen Akademie für Führungskräfte (IAF), des Transatlantischen Dialogprogramms und der Internationalen Konferenzen.

Gruppe Friedensentwicklung (FriEnt) im BMZ, Bonn Auf die zunehmende Bedeutung von Friedensentwicklung, Krisenprävention und zivilem Konflikt- management, auch als Herausforderung für staatliche und nicht staatliche Partner der Entwick- lungszusammenarbeit, reagierte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2001 mit einer Initiative, die sich als „Arbeitsgemeinschaft Entwicklungspolitische Friedensarbeit“ mit der „Gruppe Friedensentwicklung“ (FriEnt) im BMZ etablierte. Die Friedrich- Naumann-Stiftung trat dieser auf Dauer angelegten Arbeitsgruppe 2003 als Vertragspartner bei. Die von den Vertragspartnern für diese Tätigkeit abgestellten Fachkräfte verstanden ihre Arbeit als Dienstleistung zur Weiterentwicklung von Analysen und Konzepten, als Zentrum zur Sammlung von Informationen, als Ort fachlichen Austauschs und als Agentur zur Vernetzung der Vertragspartner mit ihren Projektpartnern weltweit. Die Kooperation wurde seitens der Stiftung nach einigen Jahren von der institutionellen auf eine projektorientierte Mitarbeit umgestellt.

Vernetzung mit europäischen Liberalen durch Dialogprogramme Die Gesamtentwicklung der internationalen Vernetzung und der politischen Dialoge hat sowohl zu einer Verbreiterung der Themen als auch zu einer Vertiefung in der Materie geführt. Das Dialogan- gebot in Brüssel und Washington D.C. umfasst europapolitische Fragestellungen grundsätzlicher

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Sir Graham Watson Mitglied des Europäischen Parlamentes, Vorsitzender der liberalen Fraktion des Europäischen
Sir Graham Watson Mitglied des Europäischen Parlamentes, Vorsitzender der liberalen Fraktion des Europäischen
Sir Graham Watson Mitglied des Europäischen Parlamentes, Vorsitzender der liberalen Fraktion des Europäischen

Sir Graham Watson Mitglied des Europäischen Parlamentes, Vorsitzender der liberalen Fraktion des Europäischen Parlamentes 2002 bis 2009, Vorsitzender der Allianz Europäischer Liberaler Parteien (ALDE Party)

„Ich begegnete der FNF erstmals 1977 als Vizepräsident der Europäischen Jungliberalen. In den 35 Jahren habe ich den enormen Nutzen der Stiftungsarbeit zugunsten des Liberalismus schätzen gelernt, sowohl innerhalb als auch jenseits Deutschlands, und die Unterstützung und Kooperation vieler Mitarbeiter der Stiftung genossen. Die Förderung des Liberalismus jenseits unseres Kontinents wäre ohne die FNF schlicht nicht möglich gewesen. Der Liberalismus weltweit ist dadurch umso stärker.“

Natur ebenso wie die Auslotung fachspezifischer Probleme. Die eigens konzipierten Dialogformate reichen mittlerweile vom „liberal breakfast“ über die gewohnten Vortrags- und Diskussionsveran- staltungen bis zu mehrtägigen Konferenzen in enger Zusammenarbeit mit den Büros und Partnern aus aller Welt. Dank der Bewilligung von Sondermitteln durch die Bundesregierung arbeitet die Stiftung seit April 2012 daran, Reformen in Griechenland zu unterstützen und zivilgesellschaftliches Engagement zu fördern.

Immer wichtiger und intensiver geworden ist die enge Verzahnung mit dem organisierten europäi- schen und internationalen Liberalismus und seinen Vertretern im Europaparlament, in der Europäi- schen Kommission, dem europäischen liberalen Parteienzusammenschluss (ALDE), der Liberalen Internationale (LI), dem Verbund der liberalen Thinktanks European Liberal Forum (ELF) und den na- tionalen wie regionalen Gliederungen der liberalen Parteien und ihrem Umfeld in Europa. Das Dia- logprogramm Europäische Integration stellt hierfür eine Plattform für liberale Parteienvertreter und Multiplikatoren, auf der länderübergreifend integrationspolitische Themen im Vorfeld von politi- schen Entscheidungen diskutiert werden können.

Alle Programme des Internationalen Politikdialogs in New York, Washington D.C., Brüssel, Straßburg, Genf oder zuvor schon in Lissabon, Madrid, Barcelona, Rom und Athen erzielten ihre Wirkung von Anfang an durch Abstimmung und intensive Vernetzung mit den Partnern, mit den Regional- und Projektbüros in aller Welt, und stehen wegen der engen Verbindung von zeitgemäß gestaltetem Angebot, moderner Pädagogik und inhaltlicher Qualität in hohem Ansehen.

Transatlantisches Dialogprogramm, Washington D.C. Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war in Europa, insbesondere im West- teil des geteilten Deutschlands, eine Generation in Demokratie und Freiheit herangewachsen, die nicht mehr automatisch aufschaute zu den Vereinigten Staaten von Amerika, die Ereignisse und Entwicklungen nicht mehr kritiklos hinnahm. Der lange traumatisch nachwirkende Vietnamkrieg mit seinen unzähligen Opfern und verheerenden Schäden war zum Symbol geworden für unter- schiedliche, in gewisser Weise emanzipierte Ansichten und Haltungen – auch in den transatlanti- schen Beziehungen.

Eingebunden in den Wertekanon des Westens Da die Bundesrepublik Deutschland andererseits wie kaum ein anderes Land eingebunden war in den Wertekanon des von den USA dominierten westlichen Bündnisses, erschien ein starker liberaler Beitrag zur Etablierung eines Transatlantischen Dialogs im Jahre 1986 mit Sitz in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika unerlässlich, nachdem vorbereitende Maßnahmen bereits seit 1984 begonnen hatten. Die Aufgabe des Büros in Washington D.C. war die konsequente Erweiterung des bereits im Jahre 1983 in New York begonnenen Programms mit Fokus auf den Nord-Süd-Dialog am Sitz der Vereinten Nationen. Das Washingtoner Büro hatte in den USA und Kanada ein Angebot

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an Veranstaltungen aus der ganzen Palette des Dialogs zu realisieren, um wieder für mehr Ver- ständnis, für mehr gegenseitiges Verstehen und Vertrauen zu werben. Der Atlantik durfte weder breiter noch tiefer werden, wie es der damalige Außenminister Genscher treffend ausdrückte.

Stabile Arbeitsbeziehungen mit bewährten Partnern Die Herstellung stabiler Arbeitsbeziehungen im breit gefächerten Milieu der transatlantischen Nicht- regierungsorganisationen war von New York aus bereits mit dem American Council on Germany, dem American Jewish Committee, der Columbia University, dem Aspen-Institute und dem German Marshall Fund möglich gewesen. Dort war eine Basis für politisches Vertrauen entstanden, das sich später, um ein Vielfaches erweitert, im Vorlauf der komplexen Verhandlungen zur deutschen Einheit bewähren sollte.

Von Washington D.C. in die US-Bundesstaaten und nach Kanada Es war von Anbeginn wichtig, die Konferenzen und Besuchsprogramme nicht nur auf die Hauptstadt zu begrenzen. Das Konzept dieses Dialogs bezieht sich auf den geopolitischen Raum Nordamerikas, also auf die gesamten Vereinigten Staaten und auch Kanada.

also auf die gesamten Vereinigten Staaten und auch Kanada. Transatlantischer Dialog in Washington zwischen Dr. Wolfgang
also auf die gesamten Vereinigten Staaten und auch Kanada. Transatlantischer Dialog in Washington zwischen Dr. Wolfgang
also auf die gesamten Vereinigten Staaten und auch Kanada. Transatlantischer Dialog in Washington zwischen Dr. Wolfgang

Transatlantischer Dialog in Washington zwischen Dr. Wolfgang Gerhardt (l.) und Charles Hagel, ehemaliger Senator für Nebraska und seit 2013 Minister für Verteidigung der USA

Interesse an Deutschland und Europa wecken Von großer Wichtigkeit für den Transatlantischen Dialog war es, Entscheidungsträger aus Politik, Kultur, Wissenschaft, Medien sowie der Landes- und Kommunalpolitik dieser großen Länder für die Geschehnisse in Deutschland vor einem europäischen Hintergrund zu interessieren. Die Angebote für Veranstaltungen und Informationsreisen wurden anfangs nur zögerlich wahrgenommen. Das änderte sich mit den Entwicklungen in Richtung deutsche Einheit und Neuordnung Europas nach dem Zusammenbruch des Kommunismus. Das Interesse an den differenzierten Programmen des Transatlantischen Dialogs stieg im Verlauf der späten 80er-Jahre rapide.

Anpassung spezieller Veranstaltungsformen Die Schnelllebigkeit und die multikulturellen Ausformungen der nordamerikanischen Informations- und Bildungskultur führten zur Entwicklung und Etablierung ganz eigener Veranstaltungsformate. Mehrtägige internationale Konferenzen, beispielsweise über „Wertewandel und Wert des Wandels“, bezogen auf kontroverse Politikfelder wie Arbeit, Sicherheit, soziale Marktwirtschaft und Freihandel, fanden immer an einem entsprechend passenden Ort statt. Das Thema „Frieden, Sicherheit und Ab- rüstung“ wurde beispielsweise in der Nähe eines alten Puebloindianer-Dorfes und in Kooperation mit dem Los Alamos Center for National Security Studies im US-Bundesstaat New Mexico durch- geführt. Der spätere Gouverneur des Staates und UN-Botschafter Bill Richardson hatte den Kontakt zu dem bekannten Los Alamos Center hergestellt, in dem einst das „Manhattan-Project“, die erste Atombombe, konzipiert und getestet worden war und nun mit beeindruckenden Laserkanonen für Präsident Reagans „Star Wars“ experimentiert wurde.

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Rabbi Andrew Baker Director of International Jewish Affairs, American Jewish Committee (AJC), USA „AJC und
Rabbi Andrew Baker Director of International Jewish Affairs, American Jewish Committee (AJC), USA „AJC und
Rabbi Andrew Baker Director of International Jewish Affairs, American Jewish Committee (AJC), USA „AJC und

Rabbi Andrew Baker Director of International Jewish Affairs, American Jewish Committee (AJC), USA

„AJC und FNF haben über 30 Jahre eng ko- operiert, aber ihr Flaggschiff-Programm war die ‚Toleranz-Förderung‘, konzipiert für auf- steigende Führungskräfte neuer Demokra- tien, um öffentliche und private Initiativen zur Stärkung von Pluralismus, Toleranz und Wertschätzung von Vielfalt zu präsentieren:

durch ein europäisches und Online-Seminar und eine intensive Studienreise in den USA. Schlüssel des Erfolges ist es, die amerikani- sche jüdische Erfahrung zu teilen, zusammen mit der impliziten Botschaft der deutsch-jü- dischen Kooperation und Aussöhnung.“

Das Thema „Arbeit und Strukturwandel“ war in einer ehemaligen Eisen- und Stahlregion, dem heu- tigen Zentrum für medizinische Versorgung und Gesundheit um Pittsburgh, ebenfalls gut angesie- delt. Eine Konferenz über die seit Langem befürchtete Abwendung der USA von ihrer atlantischen Orientierung zugunsten einer Ausrichtung in den pazifischen Raum wurde in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer in Kalifornien und der University of Honolulu auf Hawaii kon- zipiert und mit Partnern aus Asien durchgeführt. Für die spezifischen Informationsbedürfnisse Wa- shingtons zu engeren Fachthemen oder breiten politischen Überblicken war ein knapp zweistündiges Format zur Frühstücks- oder Mittagszeit mit Impulsreferat und moderierter Diskussion üblich. In ständigen Gesprächskreisen mit Nachwuchskräften, insbesondere mit dem eigens durch den Trans- atlantischen Dialog geschaffenen FNF Young Political Professionals Network, kommen aktuelle The- men wie Konzepte zur Gesundheitspolitik, zur Bildungs- und Rentenpolitik zur Sprache. Die lang- jährige Partnerschaft mit der National Conference of State Legislature (NCSL) konnte ergänzt wer- den um die Zusammenarbeit mit der US Lieutenant Governor Association (NLGA), was die gegen- seitige außenpolitische Wertschätzung beider Staaten verdeutlicht.

Informationsprogramme und „Promoting Tolerance“ Sehr genau auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen auf beiden Seiten des Atlantiks aus- gerichtete, mehrtägige Informationsreisen mit differenziertem Programm waren ebenso gefragt wie mehrwöchige Bildungsprogramme für Berufsanfänger. Dazu gehörte das speziell für Mitarbeiter des US-Kongresses konzipierte Besuchsprogramm an Orte deutscher und europäischer Politik. Seit 1992 wurde ein jährlich neu aufgelegtes „Promoting Tolerance Program“ durchgeführt, das in enger Kooperation mit dem American Jewish Committee (AJC) jungen Entscheidungsträgern und Multi- plikatoren aus Mittel- und Südosteuropa über mehrere Wochen in den USA Beispiele von praktischer Toleranz und die Möglichkeiten ziviler Gegenwehr bei Diskriminierungen aller Art vermittelt. Das Promoting Tolerance Program war nach einstimmiger Aussage nahezu aller Teilnehmer besonders wichtig auf dem Weg zu höheren beruflichen Positionen.

Herausragende Regionalprojekte

Regionalprojekte hatten seit den Aufbaujahren der internationalen Arbeit der FNF wichtige Funk- tionen bei länderübergreifender Kooperation und Vernetzung der Partner, sei es auf kontinentaler Ebene oder auch in größeren Subregionen. Aus den zahlreichen in 50 Jahren realisierten Regional- projekten seien hier aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung drei Fallbeispiele ausführlicher dar- gestellt.

1. Der Dachverband Liberaler Parteien in Asien – CALD

Die Region Ost- und Südostasien, aus historischen Gründen ein später Nachzügler der Demokrati-

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sierung, bot für eine politische Stiftung lange Zeit kaum Ansatzpunkte einer tragfähigen Parteien- kooperation. Dies änderte sich erst mit dem Durchbruch demokratischer Systeme auf den Philippi- nen, in Thailand, Korea und Taiwan Ende der 1980er-Jahre.

Vorgeschichte Die FNF knüpfte ihre ersten Kontakte zu liberalismusaffinen Parteien der Region ab Mitte der 1980er-Jahre. Schwerpunkte waren Länder des demokratischen Übergangs, in denen aufsteigende Mittelschichten und hohe Wachstumsraten günstige Startbedingungen für politische Reformen schufen, aber auch einige Staaten mit autoritären politischen Systemen. Der jahrelange Dialog mit den politischen Partnern führte 1993 zur Gründung eines regionalen Dachverbandes liberaldemo- kratischer Parteien Asiens: des Council of Asian Liberals and Democrats. Die liberalen Politiker Asiens hatten sich auf Treffen der Liberalen Internationale als exotische, wenig verstandene Gäste gefühlt und daher nach einem eigenen Netzwerk und Diskussionsforum mit asiatischer Agenda gestrebt, um sich besser gegenseitig kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Problemlagen zu diskutieren, Politikkonzepte und Lösungsansätze für die eigenen Länder und Parteien zu entwerfen, Führungs- und Nachwuchstraining für die Mitgliedsparteien anzubieten sowie mit Resolutionen und Publikationen die Demokratisierung und den politischen Diskurs in der Region stärker zu beeinflussen.

politischen Diskurs in der Region stärker zu beeinflussen. Die myanmarische Oppositionsführerin und
politischen Diskurs in der Region stärker zu beeinflussen. Die myanmarische Oppositionsführerin und
politischen Diskurs in der Region stärker zu beeinflussen. Die myanmarische Oppositionsführerin und

Die myanmarische Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi am Rande eines Workshops, den der CALD 2011 für den Women’s Wing der National League for Democracy in Yangon, Myanmar, durchführte

Entstehung und Gründungsmitglieder Schlüsselfigur und treibende Kraft in der Vorbereitungsphase war der frühere Vorsitzende der Liberal Party und heutige philippinische Budget-Minister Florencio Abad, unterstützt von Mandats- und Funktionsträgern aus Thailand und Taiwan. Der Durchbruch wurde erzielt, als diese Gruppe 1992 an einem Strategieseminar der Friedrich-Naumann-Stiftung in Portugal teilnahm und ein erster Entwurf für das liberale Manifest des CALD entstand. Es folgte eine ganze Reihe von Treffen in Asien, bis alle Bauelemente des neuen Trägers abgestimmt waren. Die konstituierende Versammlung erfolgte auf Einladung der regierenden Democrat Party Thailands im Dezember 1993 in Bangkok. Zu den CALD-Gründungsvätern gehörten Spitzenpolitiker wie der Premierminister Thailands Chuan Leekpai, der Oppositionsführer und spätere Staatspräsident Südkoreas Kim Dae-jung, Freiheits- kämpfer mit langjährigen politischen Haftstrafen wie der Vorsitzende der Democratic Progressive Party aus Taiwan She Ming-te sowie Minister, Senatoren, Abgeordnete, Parteivorsitzende und Ge- neralsekretäre der Gründungsparteien aus Südkorea, Taiwan, den Philippinen, Malaysia, Thailand und Kambodscha. Erster CALD-Vorsitzender wurde der Vizeaußenminister Thailands Dr. Surin Pit- suwan. Damit übernahm die thailändische Democrat Party als erste den in zweijährigem Turnus wechselnden Vorsitz.

Erweiterung der Mitglieder und Aufgabenspektrum Mit Errichtung eines ständigen Sekretariates in Manila konnte der CALD seine Professionalität, stra- tegische Ausrichtung und Leistungsbilanz kontinuierlich steigern. 20 Jahre nach der Gründung dieses in Asien bis heute einzigartigen Trägers demokratischer Parteien kann man zweifellos von

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Sam Rainsy Mitglied des Parlamentes und Oppositions- führer in Kambodscha, ehemaliger Finanz- minister, Vorsitzender des
Sam Rainsy Mitglied des Parlamentes und Oppositions- führer in Kambodscha, ehemaliger Finanz- minister, Vorsitzender des
Sam Rainsy Mitglied des Parlamentes und Oppositions- führer in Kambodscha, ehemaliger Finanz- minister, Vorsitzender des

Sam Rainsy Mitglied des Parlamentes und Oppositions- führer in Kambodscha, ehemaliger Finanz- minister, Vorsitzender des Council of Asian Liberals and Democrats (CALD)

„Obwohl Asien bedeutende Schritte gemacht hat, politische und wirtschaftliche Entwick- lung zu fördern, leidet eine Anzahl von Ländern noch immer unter Autoritarismus, Armut und Mangel an guter Regierungsfüh- rung. Vor diesem Hintergrund ist die FNF, in Partnerschaft mit dem Council of Asian Libe- rals and Democrats und anderen liberalen Organisationen und demokratischen Bewe- gungen, in ihrem Engagement unerschütter- lich geblieben, die asiatische Region wirklich auf den Prinzipien von Demokratie, Rechts- staat und dem Respekt und Schutz der Men- schenrechte und fundamentaler Freiheiten zu begründen.“

einer Erfolgsgeschichte sprechen. Der Mitgliederkreis hat sich auf Parteien aus Hongkong, Indone- sien, Japan, der Mongolei, Myanmar, Pakistan, Singapur und Sri Lanka erweitert (inkl. assoziierte und Parteien mit Beobachterstatus). Nach Gründung des CALD wurden die Interessen der birmani- schen Demokraten durch den Beitritt der Exil-Organisation National Council of the Union of Burma wahrgenommen. Während dieser Zeit bestanden laufende Kontakte zur Oppositionspartei National League for Democracy und ihrer Vorsitzenden Aung San Suu Kyi in Yangon, ohne dass deren CALD- Mitgliedschaft möglich gewesen wäre. Erst nach Öffnung des Militärregimes in Myanmar erlangte die National League for Democracy Beobachterstatus im CALD. Die birmanische Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wurde als individuelles Ehrenmitglied des CALD auf Lebenszeit gewählt, der frühere Staatspräsident Indonesiens Abdurrahman Wahid als weiteres individuelles Mitglied.

Der CALD kann heute auf eine lange Reihe erfolgreicher Aktivitäten zurückblicken, die dem Politik- dialog, dem Führungs- und Nachwuchstraining, der Unterstützung der Mitgliedsparteien vor allem in repressiven politischen Systemen und der Förderung demokratischer Prozesse dienten (durch Wahlbeobachtungen, Pressekonferenzen, Interviews, Dialog-Maßnahmen, Demarchen). Buchpubli- kationen (darunter ein CALD Party Management Handbook), eine professionelle Webseite (www.cald.org) und ein elektronischer Newsletter machten das Netzwerk einem breiteren Publikum in der Region bekannt. Schwerpunkte der Arbeit sind zurzeit professionelles Parteimanagement, moderne politische Kommunikation, marktwirtschaftliche Instrumente des Klimawandels sowie die Förderung von Frauen und der Jugend in der Politik (über den CALD Women‘s Caucus und den CALD Youth Caucus).

Internationale Vernetzung Der CALD ist kooperierendes Mitglied der Liberalen Internationale (LI) und hat mehrere gemeinsame Konferenzen in Asien gestaltet, darunter den ersten LI-Kongress in Asien 2011 in Manila. Darüber hinaus bestehen Kontakte mit den liberalen Netzwerken in Lateinamerika (RELIAL), in Afrika (Africa Liberal Network) und Nahost (Arab Alliance for Freedom and Democracy). Mit der liberalen Fraktion im Europaparlament ALDE (Alliance of Liberals and Democrats for Europe) erfolgt ein besonders enger Austausch, es finden regelmäßig biregionale Dialog-Konferenzen in Europa und Asien mit hochrangiger Besetzung statt. Ferner besteht ein Abkommen über die Förderung politischer Nach- wuchskräfte aus Asien durch Praktika im Europaparlament. Die FNF hat Entstehung, Aufbau und Entwicklung des CALD intensiv beraten, gefördert und kritisch begleitet. Dieser Partner stellt ein beeindruckendes Beispiel des politischen „Institution Building“ mit Pioniercharakter dar.

2. Der Menschenrechtsschutzmechanismus für die ASEAN-Staaten

Die Situation der Menschenrechte in den zehn ASEAN-Staaten (Association of Southeast Asian Na- tions) variiert aufgrund der Heterogenität ihrer politischen Systeme stark (Demokratien, autoritäre Regime, Ein-Parteien-Diktaturen). Dennoch gibt es in allen Ländern Menschenrechtsverletzungen,

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beispielsweise gegenüber Arbeitsmigranten, Frauen und Kindern, aber auch Bürgerrechtlern, Oppo- sitionspolitikern, Journalisten, Anwälten und politischen Aktivisten, vor allem in autoritären Staaten. Während in Europa, Amerika und Afrika in den 90er-Jahren bereits regionale Menschenrechts- schutzmechanismen und Menschenrechtsgerichtshöfe existierten, gab es in Asien nichts derglei- chen. Die ASEAN-Staaten waren daher besonders nach der Wiener Menschenrechtskonferenz 1993 zunehmend internationaler Kritik ausgesetzt.

Private Menschenrechtslobby auf hoher Ebene In diesem Kontext entstand 1993 eine Regionale Arbeitsgruppe (RWG) zur Errichtung eines zwi- schenstaatlichen Menschenrechtsschutzmechanismus in den ASEAN-Staaten. Die Gründer dieser nichtstaatlichen Initiative repräsentierten die Elite der Menschenrechtsaktivisten Südostasiens:

Marzuki Darusman, Vizepräsident der nationalen Menschenrechtskommission und ehemaliger Ge- neralstaatsanwalt Indonesiens, Wigberto Tañada, Senator der Philippinen, Param Cumaraswamy, ehemaliger Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für die Unabhängigkeit von Richtern und Anwälten, Malaysia, und Prof. Vitit Muntarbhorn, international renommierter Menschenrechtsex- perte, Thailand. Zahlreiche Menschenrechtsaktivisten schlossen sich der Gruppe an. Es entstand ein kooperierendes Netzwerk selbstständiger nationaler Arbeitsgruppen auf den Philippinen, in Thailand, Malaysia, Kambodscha und Singapur. Das ständige Sekretariat der RWG wurde am Human Rights Center der Ateneo Universität in Manila, Philippinen, etabliert.

Partner mit Kompetenz und klarer Vision Obwohl die RWG eine informelle Gruppe ohne Rechtsstatus war und die Erfolgsaussichten dieser privaten Initiative angesichts der ablehnenden Haltung der meisten ASEAN-Staaten gegenüber einem zwischenstaatlichen Menschenrechtsschutzmechanismus sehr skeptisch beurteilt wurden, hat sich die Stiftung dennoch entschieden, den Partner von Beginn an gezielt zu unterstützen, weil sie das Potenzial des Projektes erkannte und die äußerst ambitionierte Zielsetzung durch sehr lang- fristige, beharrliche Arbeit erreichbar schien. Auch die Partner gaben sich keinen Illusionen hin, dass der angestrebte zwischenstaatliche Mechanismus schnell zu erreichen sei, und gingen bei ihren Lobbyaktionen sehr systematisch, taktisch geschickt und beharrlich vor. Sie wurden aufgrund ihrer unstreitigen Kompetenz und Statur von den Regierungsvertretern (Ministern, Spitzenbeamten) sowie dem ASEAN-Sekretariat als Gesprächspartner auf Augenhöhe akzeptiert und respektiert. Die RWG war daher der einzige nicht staatliche Träger in der Region, dem die ASEAN-Regierungen in Menschenrechtsfragen Zugang zu ihren Sitzungen gewährten und von dem sie Beratungen annah- men. Die Treffen wurden offiziell protokolliert.

Konferenzen mit dem Europarat als Meilensteine Die Förderung der Stiftung war fokussiert auf Strategie- und Planungssitzungen der RWG mit den nationalen Arbeitsgruppen sowie Tagungen mit Vertretern der ASEAN-Staaten. Im Verlauf der fast 20-jährigen Kooperation wurde ferner eine Serie von vier Konferenzen mit der Kommission für Men-

Param Cumaraswamy Mitbegründer der ASEAN-Menschenrechts- lobby RWG, ehemaliger UN-Sonderbericht- erstatter für die Unabhängigkeit von Richtern und Anwälten in Malaysia

„Wenn die Geschichte über die Errichtung der zwischenstaatlichen ASEAN-Menschen- rechtskommission geschrieben wird, dann wird die FNF in Erinnerung bleiben als Start- helferin 1995 zur Initiierung der RWG und dank ihrer kontinuierlichen Unterstützung dieser Gruppe bis zum heutigen Datum.“

Unterstützung dieser Gruppe bis zum heutigen Datum.“ Die Führungsriege der regionalen Menschen- rechtslobby in
Unterstützung dieser Gruppe bis zum heutigen Datum.“ Die Führungsriege der regionalen Menschen- rechtslobby in
Unterstützung dieser Gruppe bis zum heutigen Datum.“ Die Führungsriege der regionalen Menschen- rechtslobby in

Die Führungsriege der regionalen Menschen- rechtslobby in den ASEAN-Staaten (RWG) zum Arbeitstreffen beim ASEAN-Generalse- kretär Dr. Surin Pitsuwan (4. v. r.) mit Dr. Marzuki Darusman (3. v. r.), Param Cumaraswamy (4. v. l.) und Senator Wigberto Tanada (3. v. l.), Jakarta, 2008

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Prof. Vitit Muntarbhorn Ko-Vorsitzender der ASEAN-Menschen- rechtslobby RWG, Rechtsprofessor an der Chulalongkorn Universität Thailand

„Die FNF ist beispielhaft für eine Organisa- tion, die Arbeiten in Entwicklungsländern auf einer langfristigen, nachhaltigen Basis fördert, insbesondere im Bereich der Menschenrechte. Der Mehrwert dieses Engagements ist, dass es einen Ad-hoc-Ansatz vermeidet. Dadurch bewirkt sie ein lang dauerndes Engagement mit Partnern – eine Partnerschaft in Freund- schaft, grenzüberschreitend, weltweit.“

schenrechte des Europarates in Straßburg durchgeführt. Sie dienten dem Austausch der Partner mit Spitzenvertretern der Menschenrechtsschutzmechanismen in Europa, Amerika und Afrika sowie den Präsidenten und Richtern des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte. Zu diesen Kon- ferenzen wurden Regierungsvertreter aller ASEAN-Staaten eingeladen, um aus erster Hand Stand und Entwicklung der Menschenrechtsschutzmechanismen außerhalb Asiens kennenzulernen. Dabei wurden von den Sprechern der anderen Kontinente auch Probleme und Schwierigkeiten beim Aufbau der eigenen Schutzmechanismen selbstkritisch dargestellt. Die Asiaten empfanden es als sensatio- nell, dass der Entscheidungsprozess in Europa 40 Jahre brauchte und dass selbst Frankreich und England jahrelang Widerstand gegen den europäischen Schutzmechanismus leisteten, weil sie be- fürchteten, als Regierungen auf die Anklagebank zu kommen. Die Debatten trugen erkennbar dazu bei, Blockadehaltungen der ASEAN-Vertreter abzubauen. Nach Einschätzung der Partner waren die Straßburg-Konferenzen entscheidende Meilensteine auf dem Wege zur Zielerreichung, weil sie als vertrauensbildende Maßnahmen die Positionen der ASEAN-Regierungen stark beeinflusst haben.

Durchbruch nach 14 Jahren Durststrecke Im Verlauf der jahrelangen Lobbyaktionen der RWG gab es graduelle Fortschritte, aber auch Rück- schläge im Dialog mit ASEAN und Perioden der Frustration, verursacht durch ablehnende Haltungen der autoritären Staaten. Der Durchbruch gelang erst nach 14 Jahren zäher Verhandlungen mit der Schaffung folgender Mechanismen:

2007

ASEAN-Charta Artikel 14 Asiatische Menschenrechtskörperschaft

2009

ASEAN Zwischenstaatliche Kommission für Menschenrechte (AICHR)

2010

ASEAN-Kommission für die Förderung und den Schutz der Rechte von Frauen und Kindern (ACWC)

2012

ASEAN-Charta für Menschenrechte

Die RWG ist die einzige Menschenrechtsorganisation, die in der ASEAN-Charta als Dialogpartner der AICHR anerkannt wird. Der unermüdliche Einsatz der Partner hat sich gelohnt und wird fortge- setzt. Es gilt, die praktische Umsetzung der neu geschaffenen Menschenrechtsinstrumente mit Leben zu erfüllen, auch gegen noch bestehende Widerstände in autoritären Staaten. Fernziel ist ein Asiatischer Gerichtshof für Menschenrechte.

3. Das Netzwerk RELIAL – eine Stimme der Freiheit in Lateinamerika

Das RELIAL ist das Netzwerk liberaler politischer Parteien und Thinktanks in 17 Ländern Lateiname- rikas. Die angeschlossenen mehr als 40 Institutionen repräsentieren das Streben nach Freiheit in einer Umgebung, die zunehmend durch sozialistisch-autoritäre Regime geprägt wird.

Insofern stellen sie sich der grundsätzlichen Auseinandersetzung mit den undemokratischen, po- pulistischen Herrschern Lateinamerikas. Das RELIAL bildet den institutionellen Rahmen, innerhalb

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bildet den institutionellen Rahmen, innerhalb 80 1 2 3 4 1. 15 Jahre CALD: Festveranstaltung mit

1. 15 Jahre CALD: Festveranstaltung mit dem früheren Präsidenten Indonesiens Abdurrahman Wahid, dem Ministerpräsidenten Thailands Abisith Vejjajiva und dem thailändischen Außenminister Kasit Piromya, Bangkok, 2008

2. Hochrangige Regierungsvertreter der ASEAN-Staaten beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, 2009

3. Dr. Wolfgang Gerhardt (l.) und Mario Vargas Llosa im Dialog auf dem RELIAL-Kongress in Caracas, Venezuela, 2009

4. Juli Minoves, Vizepräsident Liberal International (l.), Mario Vargas Llosa, Ehrenpräsident RELIAL (Mitte), und Ulrich Wacker, Regionalbüroleiter Lateinamerika, während einer RELIAL-Tagung in Santiago de Chile, 2010

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dessen liberale Politiker, Intellektuelle, Unternehmer und Vertreter gesellschaftlicher Initiativen die ihnen gemeinsamen Vorstellungen individueller Freiheit, des sich begrenzenden Staates, der Markt- wirtschaft, der Rechtsstaatlichkeit und freier demokratischer Systeme und Gesellschaften auf dem Kontinent diskutieren und politisch ausformen. Indem sich Schlüsselakteure in der öffentlichen De- batte zu diesen Werten und Ideen bekennen, bildet das RELIAL ein Gegengewicht zum antiliberalen Diskurs und zu autoritären Regimen des Kontinents, die zur Sicherung ihrer Herrschaft vor Verfas- sungsbruch, Wahlbetrug und Einschüchterung des politischen Gegners nicht haltmachen.

Einschüchterung des politischen Gegners nicht haltmachen. Verleihung des Freiheitspreises der FNF an Mario Vargas
Einschüchterung des politischen Gegners nicht haltmachen. Verleihung des Freiheitspreises der FNF an Mario Vargas
Einschüchterung des politischen Gegners nicht haltmachen. Verleihung des Freiheitspreises der FNF an Mario Vargas

Verleihung des Freiheitspreises der FNF an Mario Vargas Llosa (l.) durch Dr. Wolfgang Gerhardt und Prof. Dr. Jürgen Morlok (r.) in der Paulskirche, Frankfurt, 2008

Entstehung und institutioneller Rahmen Das RELIAL wurde 2004 gegründet und ist seit 2008 als gemeinnützige Stiftung in Panama rechtlich verfasst. Vorsitzender ist seit 2012 Ricardo López Murphy, der ehemalige Finanz- und Verteidi- gungsminister Argentiniens. Ehrenvorsitzende sind unter anderem Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa (ehemaliger Präsidentschaftskandidat in Peru), der exilierte kubanische Publizist Carlos Alberto Montaner und der mexikanische Journalist Sergio Sarmiento. Das RELIAL ist seit seiner Gründung regionaler Projektpartner der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Themen und Arbeitsweise Die Dynamik der Netzwerkarbeit macht aus, dass die RELIAL-Institutionen sich in eigener Initiative und im Direktdialog zu gemeinsamen Veranstaltungen zusammenfinden und im Rahmen ihrer na- tionalen Arbeit systematisch Referenten austauschen. Die jährlichen RELIAL-Kongresse sichern eine hohe öffentliche Wirkung, machen die Liberalen des Kontinents sichtbar und ermutigen diejenigen Liberalen, die in manchen Ländern Lateinamerikas in nur kleinen Parteien und politisch bedrängt für die Freiheit streiten.

Thematische Arbeitsschwerpunkte des Netzwerkes waren in den vergangenen Jahren: Kampf gegen die Armut, Bedrohungen der Demokratie, Schutz von Eigentumsrechten, marktwirtschaftliche In- strumente in der Umweltpolitik sowie liberale Positionen in den Beziehungen zwischen der Euro- päischen Union und Lateinamerika. Zu diesen Themen erarbeiten die RELIAL-Mitglieder nationale Analysen, tragen Musterlösungen aus der Praxis zusammen und entwickeln Politikvorschläge, die über die Netzwerkpartner in den Ländern Lateinamerikas verbreitet werden.

Die Zusammenarbeit in regionalen Arbeitsgruppen, etwa zu Analysen der wirtschaftlichen Freiheit in Lateinamerika oder zur Definition von liberalen Positionen im Eigentumsschutz und in der Um- weltpolitik, schließt die globale Zusammenarbeit mit anderen liberalen Institutionen ein; hierzu gehören Liberal International, die liberale Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE) und der wirt- schaftspolitische Thinktank Fraser Institute in Kanada mit seinem weltweiten Economic Freedom Network.

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Die Besonderheit: liberale Parteien und Thinktanks in einem Netz Eine Eigenart des Netzwerkes RELIAL ist das Miteinander von liberalen Parteien und liberalen Think- tanks, darunter solche, die in einschlägigen Rankings zu den führenden Lateinamerikas gezählt wer- den. Eine Kultur des politischen und kulturellen Dialoges innerhalb der Gesellschaften Lateiname- rikas braucht kompetente Thinktanks, die Wächter der Demokratie, Staatsbürgerschule und Politikberater sind. Das RELIAL bietet ihnen regionale Arbeitsbeziehungen und einen politischen Dialog mit politischen Parteien und mit Thinktanks anderer Länder. Parteien sind programmatisch häufig profillos und unsicher, ihnen hilft der Dialog mit liberal profilierten Thinktanks. Letztere haben wiederum die Möglichkeit, im Zusammenspiel mit ihren RELIAL-Partnerparteien konkrete Politikentwürfe in den parlamentarischen Prozess einzuspeisen.

RELIAL – Netzwerk wider den Antiliberalismus Mit seiner Arbeit will das RELIAL in der politischen Systemkonkurrenz Lateinamerikas ein ordnungs- politisch liberales Gegengewicht zum sozialistisch-autoritären, regional ausstrahlenden Politik- und Herrschaftsmodell des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez sein, der die Macht in seinen Händen konzentriert, das traditionelle Parteiensystem schwächt und auflöst, die demokratischen Institutionen delegitimiert, die Medienfreiheit einschränkt, die Wirtschaft durch den Staat kontrol- liert und oppositionelle Kräfte systematisch einschüchtert.

Chávez und seine Sympathisanten in Regierungen und Eliten des Kontinents nehmen das RELIAL als profilierten politischen Gegner wahr. Als 2009 der IV. RELIAL-Kongress in Caracas, Venezuela, zum Thema „Ansätze für eine liberale Sozialpolitik in Lateinamerika“ stattfand, schickte die Regie- rung Dauerdemonstranten, die das Tagungshotel umlagerten. Hugo Chávez bot Mario Vargas Llosa eine Fernsehdebatte an, machte aber auch schnell wieder einen Rückzieher, als der peruanische Schriftsteller das Angebot öffentlich angenommen hatte.

So ist RELIAL die institutionelle Antwort auf den Bedarf Lateinamerikas nach einem öffentlichen politischen Diskurs, der die Vertreter des Antiliberalismus herausfordert und ihnen die Überlegenheit der liberalen Demokratie und ihrer Institutionen, der Rechtsstaatlichkeit und der Freiheit markt- wirtschaftlicher Systeme entgegenhält.

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Internationale Projekte
Internationale
Projekte

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Nord-Süd-Dialogprogramm am Sitz der Vereinten Nationen, New York

Es war der neue FNF-Vorstandsvorsitzende Ralf Dahrendorf, der 1983 vor dem Hintergrund seiner internationalen Erfahrungen als langjähriger Direktor der renommierten London School of Econo- mics und als Vorstandsmitglied der Ford Foundation eine Diskussion in den Gremien der Stiftung anstieß, die zu einem neuen Typ von Projektarbeit unter dem Oberbegriff des Internationalen Poli- tikdialogs führte. Ziel war, zur Befähigung der Stiftungspartner beizutragen, auf internationalen Foren und Podien Ideen zu politischen Lösungen aus liberaler Sicht auszutauschen, politische For- derungen zu erheben und dadurch wichtige Erfahrungen zu sammeln oder weiterzugeben. Die Stif- tung unterstützte damit einen Meinungs- und Informationsaustausch zwischen Entscheidungsträ- gern des öffentlichen und privaten Lebens aus den Partnerorganisationen und liberalen Parteien zu Themen, die für eine demokratische und marktwirtschaftliche Entwicklung der mittlerweile 40 Part- nerländer und im internationalen Kontext von großer Bedeutung waren.

Die Teilung der Welt in Ost und West Die Welt der 80er-Jahre war immer noch geteilt in die Machtblöcke von Ost und West, in die je- weiligen Bündnisse mit ihren Abhängigkeiten und Verpflichtungen. Zwar wurden die großen Themen der Zeit, wie die Forderung nach einer neuen Weltwirtschaftsordnung oder einer neuen Weltinfor- mationsordnung, zunächst blockintern diskutiert. Dennoch war das Bedürfnis nach einem Gedan- kenaustausch, nach Diskussion statt Konfrontation, mithin nach Dialog, spürbar, besonders dort, wo die Vertreter aus Ost und West, aus Süd und Nord zusammentrafen – z. B. im Rahmen der Ver- einten Nationen und ihrer über den Globus verstreuten Unterorganisationen.

New York: Treffpunkt der Welt Nach 20 Jahren gesellschaftspolitischer Arbeit auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene begann 1983 die Entwicklung eines neuen Instruments politischer Vermittlung: Der Internationale Politikdialog wurde mit der Gründung des Nord-Süd-Dialogprogramms dort aus der Taufe gehoben, wo sich alle Staaten und eine Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen (NGO) versammeln – am Sitz der Vereinten Nationen in New York. Komplementär zur offiziellen Diplomatie wurde noch im Herbst 1983 damit begonnen, Foren für die zahlreichen Interessierten und Partner in aller Welt zu schaffen, um dogmatische Blockaden zu überwinden, den Austausch politischer Ideen zu fördern und liberalen Beiträgen Gehör zu verschaffen.

Einflussreiche Persönlichkeiten halfen mit Ohne die kenntnisreiche Mithilfe des ehemaligen Präsidenten der UN-Vollversammlung Rüdiger Freiherr von Wechmar und ohne das aktive Engagement weltbekannter Persönlichkeiten wie Henry

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Seminar zum Brundtland Report on Environment and Development der Vereinten Nationen, mit Präsentation von Prof.
Seminar zum Brundtland Report on Environment and Development der Vereinten Nationen, mit Präsentation von Prof.
Seminar zum Brundtland Report on Environment and Development der Vereinten Nationen, mit Präsentation von Prof.

Seminar zum Brundtland Report on Environment and Development der Vereinten Nationen, mit Präsentation von Prof. Emil Salim, Minister für Bevölkerung und Umwelt, Indonesien, Mitglied der von UN-Generalsekretär Pérez de Cuéllar eingesetzten Brundtland-Kommission und langjähriger Partner der Stiftung in Indone- sien (2. v. l.), New York,1987

Kissinger, David Rockefeller, Otto Graf Lambsdorff, Fritz Stern, Ralf Dahrendorf, John J. McCloy, Hans-Dietrich Genscher, Helen Suzman, Martin Bangemann, Hernando de Soto, Corazon Aquino und vieler weiterer kompetenter Mitstreiter aus den Partnerorganisationen wäre es nicht gelungen, in sehr kurzer Zeit eine Vielzahl von hochkarätig besetzten Konferenzen zu wichtigen politischen Themen zu organisieren. Es entwickelte sich ein breit gespanntes und tragfähiges Netz, dessen Ver- knüpfungen sowohl aus der Brisanz von Themen aus Wirtschafts- und Handelswelt, Medien, Wis- senschaft, Kultur und Politik herrührten als auch aus den jeweils speziell passenden Veranstal- tungsformaten und Konferenzorten.

Partnerschaftliche Unterstützung des Dialogprogramms Dem in jeder Hinsicht besonders hohen Niveau und der hohen Pulsfrequenz der Metropole New York mit ihrer einzigartigen Dichte von Ethnien, Religionen und Interessen entsprechend, fanden die Aktivitäten der Stiftung an politisch herausragenden Orten und mit weltweit bekannten Per- sönlichkeiten statt. Die Anziehungskräfte New Yorks sorgten für Besuche ständig wechselnder be- deutender Partner zu Sitzungen im Umfeld der Vereinten Nationen, der Wall Street oder der New Yorker Universitäten. Die teuren Basiskosten für Büro und Personal konnten deshalb durch Einspa- rungen an Reisekosten für Referenten und Teilnehmer sowie Mieten für geeignete Räumlichkeiten ausgeglichen werden. Zu den Kooperationspartnern gehörten die New School for Social Research – einst Lehrstätte von Adorno und Horkheimer während ihres von den Nazis erzwungenen Exils und Sitz des von Bundeskanzler Willy Brandt eingerichteten Theodor-Heuss-Lehrstuhls –, die Columbia University (Business Graduate School), das berühmte Museum of Modern Art, der altehrwürdige University Club und das Leo Baeck Institute for Jewish History, New York, mit seinen Archivschätzen deutscher Juden. Für Veranstaltungen wurden häufig Konferenzräume der Vereinten Nationen genutzt.

Themen und Programme des Dialogs Im Vordergrund standen Themen der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen von Entwicklung in der Dritten Welt als liberaler Beitrag zum Internationalen Dialog. Bereits 1984 wurde über Fragen einer neuen Weltinformationsordnung und über Möglichkeiten regionaler Kon- fliktlösungen debattiert sowie eine Serie von Konferenzen zur Reform der „Vereinten Nationen im Jahre 2000“ gestartet. Eingehend wurden im informellen Konferenzrahmen die Vorschläge des Prä- sidenten des Wirtschafts- und Sozialrates der UNO zur Reform internationaler Handels- und Fi- nanzbeziehungen erörtert, in Anwesenheit sowjetischer und chinesischer Diplomaten, hochrangiger UN-Vertreter sowie des Sprechers der mächtigen „Gruppe 77“ innerhalb der Vereinten Nationen. Internationale Konferenzen – z. B. „Strategien für die Zukunft Asiens“ in Bangkok oder „Wege zur Demokratie in Zentralamerika“ in Costa Rica in Kooperation mit dem Interamerikanischen Institut für Menschenrechte in San José – waren komplementäre Bestandteile des von New York aus orga- nisierten Nord-Süd-Dialogs.

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Integration des Nord-Süd-Dialogs am Sitz der Vereinten Nationen Durch Kontinuität, ein breites Themenspektrum und weit gestaffelte Veranstaltungen in den Re- gionen und Ländern entstand eine tragfähige Zusammenarbeit, die in den folgenden Jahrzehnten wichtige Entwicklungen angestoßen hat, insbesondere im Bereich der Demokratieförderung und des Schutzes der Menschen- und Minderheitenrechte. Die Aktivitäten des New Yorker Büros am Sitz der Vereinten Nationen wurden zu Beginn der 90er-Jahre in den von Washington D.C. und Brüssel aus gesteuerten Internationalen Politikdialog überführt, nachdem durch die Auflösung der kommunistischen Regime neue Kräfteverhältnisse und Dialoglinien entstanden waren.

Das „Forum Entwicklungszusammenarbeit“ Ein aus Mitteln des BMZ finanziertes „Forum Entwicklungszusammenarbeit“ (FEZ) ermöglichte in den folgenden Jahren eine Ergänzung des vom Auswärtigen Amt geförderten Transatlantischen Dialogs in Washington D.C. um entwicklungspolitische Themen. Diese Aktivitäten entsprachen den gestiegenen Anforderungen nach größerer Teilhabe der weltweiten Partner in einer neuen, zunächst unipolar geprägten Entwicklung der Vereinten Nationen, hervorgerufen durch die Dominanz der Vereinigten Staaten als einzig verbleibender Supermacht. In enger Zusammenarbeit mit den welt- weiten Projekten verhalf dieser Teil der Dialogarbeit auch dazu, die zum Teil sehr großen Unter- schiede in Theorie und Praxis zwischen der deutschen/europäischen Entwicklungszusammenarbeit und der der USA zu verdeutlichen. Differenzen in den transatlantischen Beziehungen waren häufiger in Bezug auf Probleme im Umgang mit Dritten entstanden als unmittelbar zwischen den Partnern des atlantischen Bündnisses selbst. Insbesondere der Einsatz militärischer und wirtschaftlicher Macht entsprach nicht dem politisch liberalen Willen der FNF und den Erfahrungen aller politischen Stif- tungen der Bundesrepublik, die in ihrer Entwicklungszusammenarbeit auf jahrzehntelange Erfolge mit politischer Bildung, politischer Beratung und dem politischen Dialog blicken konnten.

Internationale Akademie für Führungskräfte (IAF)

Die positive Resonanz der internationalen Dialogprojekte führte zu Überlegungen über einen zu- sätzlichen Standort als Kristallisationspunkt, als Zentrum und eine Art Dialogkreuz mit Nord-Süd- und Ost-West-Bezügen. Die Wahl fiel zunächst auf Portugal, das wegen seiner kolonialen Vergan- genheit, der Randlage in Europa und stark liberal geprägter Politik besonders geeignet war, inter- nationale Konferenzen zu beheimaten, und darüber hinaus als Standort für die Einrichtung einer Dialog-Akademie infrage kam. In den Jahren 1987 und 1988 fanden die ersten beiden „Lisbon- Meetings“ als Test mit positivem Ergebnis statt. Die „Internationale Akademie für Entwicklung in Freiheit“ wurde dann 1989 in Sintra, unweit von Lissabon, mit portugiesischen Partnern aus der

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1.

II. Berlin-Meeting der IAF mit Dr. Otto Graf Lambsdorff und Annemie Neyts Uyttebroeck, Präsidentin, Liberal International

2.

Konferenz der Tibet Support Groups. Dialog des Dalai Lama mit dem tschechischen Präsidenten Václav Havel, Prag, 2003

3.

Dr. Otto Graf Lambsdorff, Vorsitzender des Kuratoriums der FNF, Aníbal Cavaco Silva, Ministerpräsident, Portugal, und Simone Veil, Präsidentin des Europäischen Parlamentes (v. l.) auf dem ersten Lissabon-Meeting in der Internationalen Akademie der FNF, Sintra, 1989

4.

Teilnehmer der 2. internationalen Minderheitenkonferenz, Berlin, 2000

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Taufe gehoben. Ihre Aufgabe bestand in der Konzeption und Durchführung von Programmen, die mit ihren Foren und Konferenzen übergreifende Ergänzungen zu den inzwischen üblichen Bildungs- und Dialogmaßnahmen anboten. Hinzu kam die Funktion eines Ansprechpartners für die Partner in Ländern ohne eigenes Stiftungsbüro sowie für solche Länder, in denen bestimmte Themen aufgrund der politischen Gegebenheiten nicht oder noch nicht erörtert werden konnten.

Sintra in Portugal als internationaler Treffpunkt Der portugiesische Ministerpräsident Aníbal Cavaco Silva eröffnete die erste Konferenz mit dem Titel „East Meets West on Human Rights in a New Climate of International Cooperation“. Hoch- rangige Delegierte aus der Bundesrepublik Deutschland, aus Dänemark, Kanada, Südafrika, Israel und Italien trafen auf Gesprächspartner aus der UdSSR, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien und der Deutschen Demokratischen Republik. Ehemalige Dissidenten diskutierten über Menschenrechte mit hochrangigen Funktionären in einem Klima, das bereits den Wind der Freiheit in sich trug, denn wenig später fiel die Mauer in Berlin mit den bekannten dramatischen, umwälzenden Folgen.

Berlin mit den bekannten dramatischen, umwälzenden Folgen. Treffen von Absolventen der Internationalen Akademie für
Berlin mit den bekannten dramatischen, umwälzenden Folgen. Treffen von Absolventen der Internationalen Akademie für
Berlin mit den bekannten dramatischen, umwälzenden Folgen. Treffen von Absolventen der Internationalen Akademie für

Treffen von Absolventen der Internationalen

Akademie für Führungskräfte (IAF) in Indien,

2006

Die Theodor-Heuss-Akademie wird Standort der Internationalen Akademie Die grundlegend veränderte politische Karte ganz Europas hatte zwangsläufig zur Folge, dass die Standortfrage neu gestellt und der Bedarf nach einer internationalen Akademietätigkeit neu be- stimmt werden musste. Es galt einen Ort im Zentrum Europas zu finden, dessen geopolitische und infrastrukturelle Beschaffenheit geeignet war, den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Ver- änderungen im politischen Partnerspektrum Portugals beschleunigten den Umdenkprozess, der schließlich zugunsten der schon seit fast 30 Jahren bewährten und bekannten Theodor-Heuss- Akademie in Gummersbach ausfiel. Aufgrund der beeindruckend großen Nachfrage an Schulungen für junge Führungskräfte, jetzt auch aus den demokratischen Nachbarländern in Mittel-, Südost- und Osteuropa, gründete die Stiftung die neue „Internationale Akademie für Führungskräfte“ (IAF).

Signale nach innen und außen Damit waren einige Signale nach innen und außen verbunden. Nach innen unterstrich diese Zu- sammenlegung unter Ausnutzung vielfältiger Synergieeffekte das Wirken der Friedrich-Naumann- Stiftung zur Förderung eines modernen Liberalismus in Deutschland und weltweit. Nach außen wurde die Möglichkeit geschaffen, die Wiedervereinigung Deutschlands als Muster einer friedvollen Revolution durch gezielte Kurzreisen der Seminarteilnehmer, etwa nach Köln, Halle, Dresden oder Berlin, näher kennenzulernen. Der tägliche Dialog zwischen den Teilnehmern aus dem Ausland und denen aus der Bundesrepublik förderte über die konkrete Wissensvermittlung hinaus das gegensei- tige Verständnis und den Abbau von Vorurteilen unter Menschen vieler unterschiedlicher Ethnien, Religionszugehörigkeiten und Weltanschauungen.

Die Internationale Akademie für Führungskräfte als Erfolgsmodell weltweiter politischer Bildung Die IAF ist eine der großen Erfolgsgeschichten der FNF, wobei mehrere Faktoren entscheidend sind, insbesondere die enge Zusammenarbeit mit den Projekten und Partnern im Ausland. Hinzu kommen

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5. Lissabon-Meeting liberaler Spitzenpolitiker in der Akademie für internationale Entwick- lung der FNF mit Dr.
5. Lissabon-Meeting liberaler Spitzenpolitiker in der Akademie für internationale Entwick- lung der FNF mit Dr.
5. Lissabon-Meeting liberaler Spitzenpolitiker in der Akademie für internationale Entwick- lung der FNF mit Dr.

5. Lissabon-Meeting liberaler Spitzenpolitiker in der Akademie für internationale Entwick- lung der FNF mit Dr. Otto Graf Lambsdorff und dem portugiesischen Ministerpräsidenten

Aníbal Cavaco Silva (2. und 3. v. r.), Sintra,

1993

die Qualität der angebotenen Schulungsthemen und das hohe Niveau von Referenten und Teilneh- mern, die in den zweiwöchigen Seminaren auf künftige Führungsaufgaben vorbereitet werden. Be- sonders erfreulich sind die Gründungen von IAF-Alumni-Verbänden in vielen Ländern, die selbstständig und erfolgreich arbeitend ein Reservoir an hoch motivierten, politisch liberal denken- den jungen Menschen geschaffen haben. Pakistan, die Philippinen, Ghana und Honduras sind her- ausragende Beispiele für die erfolgreiche Arbeit der Akademie, da in diesen Ländern die Anzahl der in Führungspositionen aufgestiegenen IAF-Absolventen besonders hoch ist. Mit Rücksicht auf die Hauptstadtfunktion wurde die Steuerung der IAF im Jahre 2010 nach Berlin verlegt. Die IAF stellt seit einer Dekade mit allen von ihr wahrgenommenen Aufgaben der Stiftung im In- und Ausland und auch unter Gesichtspunkten von Kosten und Effizienz eine viel beachtete Komponente der ge- samten Stiftungsarbeit mit besonders nachhaltiger Wirkung dar. Mit der IAF ist ein internationales und interkontinentales Forum geschaffen worden, das jungen Führungsnachwuchskräften aus allen Projektländern die einzigartige Möglichkeit bietet, miteinander und voneinander zu lernen, politische und kulturelle Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam praktikable, liberale Lösungen für Ent- wicklungsprobleme zu erarbeiten.

Internationale e-Academy Zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Seminare der IAF ist ein weltweit gespann- tes Netz von Informationen, aber auch von Entscheidungen notwendig. Die Vielfalt der Kulturen, der Sprachen und der unterschiedlichen Wertesysteme haben auf ganz natürliche Weise auch Aus- wirkungen auf Beurteilungen von Kandidaten und deren Auswahl. In der Konsequenz führte dies oft zu unterschiedlichen Qualifikationen der Teilnehmer zu Beginn der IAF-Seminare und damit zu kostbaren Zeitverlusten bei der Angleichung der unterschiedlichen Voraussetzungen hinsichtlich Wissen und Bildungsstand. Hier kamen die Entwicklungen der IT-Branche zu Hilfe.

Modernste Technologie und klassische Pädagogik Unter dem Dach des Internationalen Politikdialogs wurden zweisprachige Online-Seminare in eng- lischer und spanischer Sprache entwickelt. Die Friedrich-Naumann-Stiftung war damit die einzige Organisation weltweit, die solche zweisprachigen Online-Seminare mit Internet-Foren anbot. Die Beiträge der Referenten und Teilnehmer wurden in den Internet-Foren einer weltweit eingerichteten Online-Bibliothek innerhalb von maximal 24 Stunden übersetzt und erlaubten dadurch, auch unter Berücksichtigung der globalen Zeitdifferenzen, eine sprachübergreifende Diskussion. Die Vorteile einer breiter gestreuten Teilnahme und Bewerbung gingen Hand in Hand mit verbesserten, d. h. ob- jektivierbareren Auswahlmöglichkeiten der Teilnehmer und gezielt einsetzbaren Lehr- und Lernma- terialien, schon Wochen vor dem Präsenzseminar in der Theodor-Heuss-Akademie. Auch nach dem Seminar in Deutschland war es mit dieser neuen Methode für die weltweiten Projektbüros sehr viel einfacher und effizienter, eine nachhaltige Betreuung der Teilnehmer zu gewährleisten. Vor allem war die Vernetzung untereinander nur noch eine Frage weniger Handgriffe.

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Europäische Auszeichnung auf der führenden Technologiemesse CeBIT Selten hat eine technische Erneuerung zu einer so tief greifenden Verbesserung bei der Vermittlung von Wissens- und Bildungsinhalten für die Demokratisierung des globalen politischen Dialogs ge- führt. Bereits zum Ende der Pilotphase im Jahre 2005 erhielt das Konzept der Internationalen e-Academy den „Europäischen E-Learning Award – eureleA 2005“ auf der weltweit wichtigsten Messe der digitalen Wirtschaft, der CeBIT in Hannover. In der Laudatio wurde die erneute Auswahl für den Preis „eureleA 2008“ damit begründet, dass „der hier eingeschlagene Weg der Internatio- nalisierung der politischen Bildung via Internet und der Bildung einer weltweit verteilten Interes- sengruppe politischer Leistungsträger nach Ansicht der Jury so innovativ [sei], dass eine erneute Preisvergabe gerechtfertigt [war]“.

Anzahl und Themen der Online- und Präsenzseminare Pro Jahr finden drei Online-Seminare in Verbindung mit dem Präsenzseminar in Gummersbach in einem Gesamtzeitraum von etwa 18 Wochen, einschließlich der Vorbereitungs- und Nachbetreu- ungsphasen, statt. Von den 100 Bewerbern werden 25 in die Internationale Akademie für Führungs- kräfte eingeladen. Am Ende einer Dekade ist somit ein globales Netz von etwa 750 jungen Führungs- kräften entstanden, dessen Tragfähigkeit besonders in politisch turbulenten Zeiten der Verbreitung und Vertiefung des Demokratiegedankens dient. Die Schulungsthemen variieren von „New Public Management“ über „Human and Civil Rights“ bis zu „Political Youth Organizations“ und sind an den Themenschwerpunkten der Stiftung ausgerichtet.

Neue Praxis der Freiheit Die enorme Geschwindigkeit technischer Entwicklungen lässt moderne Angebote international aus- gerichteter Wissens- und Bildungsvermittlung ohne Unterstützung der Informationstechnologie kaum noch denkbar erscheinen. Die Möglichkeiten für den Einzelnen, über nationale und sprachliche Grenzen hinweg mit eigenen Beiträgen in einen globalen virtuellen Dialog einzutreten, sind nahezu unbegrenzt. Das gilt zumindest überall dort, wo die technischen und politischen Voraussetzungen vorhanden sind. Mit der Internationalen e-Academy ist eine neue Praxis der Freiheit verbunden, die allerdings nur in direkter Verbindung mit den Präsenzseminaren in der Theodor-Heuss-Akademie zu nachhaltig wirksamer Bildungsvermittlung im liberalen Sinne führt.

Internationale Konferenzen

Seit der Stiftungsgründung gehörte der Blick über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hi- naus durch die Zusammenarbeit mit der Liberalen Weltunion zum Kern des Bemühens um die Ver- breitung und Stärkung des Liberalismus. Bereits 1960, also drei Jahre vor der Eröffnung des ersten Auslandsprojektes in Tunesien, fand eine Konferenz mit ausländischen Referenten und Diskussions-

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teilnehmern zum Thema „Europa und die Entwicklungsländer“ in Baden-Baden statt. Wenig später stand bei einer Folgekonferenz schon die Bildungshilfe in Entwicklungsländern auf dem international ausgerichteten Programm. Die Vorträge wurden damals in der Schriftenreihe der Friedrich-Nau- mann-Stiftung veröffentlicht. Früher als die meisten vergleichbaren Institutionen erkannte die Stif- tung mit ihren ersten internationalen Partnern die Problematik der Entwicklungsländer und der Entwicklungshilfe als eine Lebensfrage auch der westlichen industrialisierten Welt, die dringend und konkret angegangen werden musste.

Internationale Konferenzen gehören zum Grundprogramm Der Dialog als weltweiter Austausch von Gedanken, Problemen und politischen Lösungen gehörte mit internationalen Konferenzen, Kolloquien und Seminaren von Anbeginn zum Grundprogramm und damit zum öffentlichen Angebot der Stiftung. Mit der verkehrstechnisch zunehmend enger vernetzten Welt wurde es auch einfacher und finanziell vertretbar, längere Distanzen in kürzerer Zeit zu fast allen Orten des Globus zurückzulegen. In den fünf Jahrzehnten der Stiftungstätigkeit im Ausland und der internationalen Arbeit im Inland haben ungezählte internationale Konferenzen weltweit stattgefunden. Fast alle wurden dokumentiert, publiziert, ihre Ergebnisse vielfach in der politischen Bildung, in der Politikberatung und im Dialog erneut verwendet, adaptiert, zum Teil auch revidiert. Einige besonders herausragende Beispiele verlangen wegen ihrer lange ausstrahlenden politischen Wirkung nach einer kurzen Darstellung. Dazu zählen auch die 1987 und 1988 von der FNF geförderten Dialog-Konferenzen über ein Post-Apartheid-Südafrika in Dakar und Leverkusen, die den Weg zur demokratischen Transition in Südafrika wesentlich geebnet haben und ein welt- weites Medienecho auslösten.

Trilaterale Kuba-Konferenz Die Entstehungsgeschichte mancher Konferenzen verlief ungewöhnlich. 1986 erhielt der in Latein- amerika erfahrene Leiter der Abteilung Entwicklungspolitik der FNF eine Einladung der kubanischen Regierung zu einem einwöchigen Aufenthalt in Havanna. Im Verlauf seiner Gespräche mit Vertretern des Zentralkomitees der KP, des Außenministeriums, des Parlamentes und verschiedener Thinktanks wurde von den Gastgebern der Vorschlag unterbreitet, eine gemeinsame Konferenz in der Bundes- republik über „Die Rolle Kubas im Spannungsfeld der internationalen Beziehungen mit Westeuropa“ durchzuführen. Ein Kernanliegen der Kubaner war dabei die Einbeziehung hochrangiger Vertreter des US-State Departments, um auf neutralem Boden auch die problematischen bilateralen Bezie- hungen zu den USA diskutieren zu können. Man ging davon aus, dass die FNF über Außenminister Genscher die Amerikaner zur Teilnahme bewegen könne. Wie sich ergab, bestand sowohl im Aus- wärtigen Amt als auch im State Department starkes Interesse an der Konferenz. Sie fand im Juni 1987 am Sitz der Stiftung in Königswinter statt. Leiter der kubanischen Delegation war Ricardo Alarcón, Vizeaußenminister und späterer Parlamentspräsident. Gastgeber auf deutscher Seite war Helmut Schäfer, Staatsminister im Auswärtigen Amt und Vorstandsmitglied der FNF. Die Debatten

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Amt und Vorstandsmitglied der FNF. Die Debatten 1 3 2 4 1. Politischer Gedankenaustausch zwischen dem
Amt und Vorstandsmitglied der FNF. Die Debatten 1 3 2 4 1. Politischer Gedankenaustausch zwischen dem

1. Politischer Gedankenaustausch zwischen dem Dalai Lama und Dr. Otto Graf Lambsdorff am Rande der Konferenz mit den Tibet Support Groups, Bonn, 1996

2. Politikdialog mit Dr. Wolfgang Gerhardt, Prinz Turki Al-Faisal von Saudi-Arabien, Madeleine Albright, ehemalige Außenministerin der USA und Direktorin des National Democratic Institute (NDI), und Václav Havel, Präsident der Tschechischen Republik (v. l. n. r.), Prag, 2005

3. Studienreise von Richtern des Obersten Gerichtshofes aus Indonesien in Deutschland, 2003

4. Hochrangige Delegation von Regierungsvertretern der ASEAN-Staaten beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, 2008

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wurden durch Positionspapiere der Westeuropäer, Kubaner und Amerikaner eingeleitet, behandelten die politischen Differenzen in den jeweiligen Beziehungen und in der aktuellen Mittelamerika- Politik sowie mögliche Kooperationen in Wirtschaft, Technologie und Kultur. Die Konferenz wurde als wichtiger Beitrag zur Verbesserung der deutsch-kubanischen Beziehungen und zur Konfliktlösung in Zentralamerika bewertet.

Menschenrechtskonferenzen mit dem Europarat in Straßburg Menschenrechtskonferenzen der FNF gab es in den letzten fünf Jahrzehnten viele. Außergewöhnlich erfolgreich war eine ab 1988 durchgeführte, lange Serie von Konferenzen mit der Kommission für Menschenrechte des Europarates bzw. dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straß- burg unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Generalsekretärs des Europarates. Die Konferenzen dienten dem Dialog hochrangiger regionaler Menschenrechtspartner der Stiftung aus Lateinamerika, Afrika und Asien mit Spitzenvertretern der Menschenrechtskommissionen anderer Kontinente sowie den Präsidenten und Richtern des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte. Die beteiligten Partner waren das Interamerikanische Institut für Menschenrechte mit Sitz in Costa Rica (IIDH), die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte, die regionale Initiative zur Etablierung eines zwischenstaatlichen Menschenrechtsschutzmechanismus in den ASEAN-Staaten (RWG) und die Afrikanische Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker.

Zu diesen Konferenzen wurden neben den Partnern auch hochrangige Regierungsvertreter aus Afrika, Lateinamerika und Asien eingeladen, um aus erster Hand Stand und Entwicklung der weltweit etablierten Menschenrechtssysteme kennenzulernen. Die Debatten trugen erkennbar dazu bei, Blo- ckadehaltungen der Regierungsvertreter abzubauen. Nach Einschätzung der Partner waren die Straßburg-Konferenzen entscheidende Meilensteine auf dem Wege zur Zielerreichung, weil sie als vertrauensbildende Maßnahmen die Positionen ihrer jeweiligen Regierungen stark beeinflusst haben. In Afrika trugen sie zur Errichtung des Afrikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte nach in- ternationalen Standards bei. Auch dass das afrikanische Schutzsystem eine moderne Geschäftsord- nung bekam, war ein Verdienst der FNF. In Asien führten diese Konferenzen 2009 zur Schaffung einer zwischenstaatlichen Menschenrechtskommission in den ASEAN-Staaten. Die ursprünglich von der Stiftung etablierten regelmäßigen Treffen der drei regionalen Menschenrechtssysteme finden auch heute noch statt. Zu ihrem 50-jährigen Bestehen versammelte die FNF 2008 in Königswinter nahezu alle Partner zu einer großen Menschenrechtskonferenz, deren Ergebnisse – in Buchform dokumentiert – Grundlage für die weitere Zusammenarbeit wurden.

Freiheit und die Rechte der Minderheiten Nach zweijähriger Vorbereitung durch eine internationale Arbeitsgruppe des Liberalen Instituts konnte die Internationale Akademie für Führungskräfte der Stiftung im September des Jahres 2000 über 60 Vertreter nationaler Minderheiten in Berlin zur Diskussion des Entwurfs zu einer Minder- heitencharta begrüßen. Bereits im Jahre 1996 hatte eine internationale Konferenz zum Thema

„Menschenrechte und Minderheiten“ in Königswinter die Grundlagen intensiver Reformen mit Ver- tretern von Minderheiten aus 23 Ländern erarbeitet. Vier Jahre später in Berlin konnte nach inten- siver Erörterung in fachbezogenen Arbeitsgruppen und Überarbeitungen im Plenum ein umfassendes Konzept deutlich liberaler Grundsätze mit einer breiten Zustimmung durch Delegierte nationaler, ethnokultureller und indigener Minderheiten verabschiedet werden.

Der Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates Lord Russel-Johnston bezeich- nete das fertige Dokument als mutiger als alles, was von internationalen Organisationen zum Thema bis dato vorgelegt worden war. Er sah darin ein Ensemble von Werten, für das sich der Einsatz lohne und das in dem Bestreben, Besseres zu schaffen, Menschen vom Generalsekretär der Vereinten Na- tionen Kofi Annan bis zu den Betroffenen verband. Das Ergebnis der internationalen Konferenz wurde unter dem Titel „Die Rechte von Minderheiten“ durch das Liberale Institut der Stiftung pu- bliziert und fand in viele Sprachen übersetzt eine hohe Verbreitung. Diese Minderheitencharta wurde zu einem wichtigen Instrument weltweiter Projektarbeit auf dem Gebiet der Menschenrechte und zu einem herausragenden Beispiel von Zusammenarbeit im Rahmen des Themenschwerpunktes Rechtsstaat, Menschenrechte und Minderheiten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Verabschiedung der Minderheitencharta auf der 2.
der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Verabschiedung der Minderheitencharta auf der 2.
der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Verabschiedung der Minderheitencharta auf der 2.

Verabschiedung der Minderheitencharta auf der 2. internationalen Minderheiten- Konferenz unter Vorsitz von Lord Russel- Johnston, Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (l.), Dr. Gerhart Raichle, Leiter des Liberalen Instituts (Mitte), und Dr. h.c. Rolf Berndt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der FNF, Berlin, 2000

Der Einsatz der Stiftung für die Rechte von Minderheiten und Flüchtlingen – das Beispiel der Tibeter Mit den Organisationen der etwa 100.000 in Indien lebenden Tibeter und Tibetischstämmigen un- terhält die Stiftung gute Kontakte. Insbesondere betrifft dies die Assembly of Tibetan People’s De- puties (ATPD), das Parlament der Exil-Tibeter mit Sitz im nordindischen Dharamsala, und das dazugehörige Tibetan Parliament and Policy Research Center (TPPRC) in New Delhi. Aus dieser Part- nerschaft mit der Selbstverwaltung der Exil-Tibeter in Indien entstand auch eine Zusammenarbeit mit den weltweit tätigen Tibet Support Groups. In den Jahrzehnten des Exils hatten sich in vielen Ländern Gruppierungen gebildet, die sich der berechtigten und gerechten Anliegen der weltweit im Exil lebenden Tibeter angenommen haben. Durch Pressearbeit, Informations- und Kulturveran- staltungen wurden diese Tibet Support Groups (TSG) zu einem wichtigen Instrument im Ringen um weltweite Aufmerksamkeit für die friedliche Politik des Dalai Lama und der Central Tibetan Admi- nistration im indischen Exil in Dharamsala. Während ein erstes Treffen der Freunde Tibets 1990 noch im kleinen Kreis in Dharamsala stattfand, kamen zur zweiten Konferenz auf Einladung der FNF 1996 in Bonn bereits 265 Vertreter von 164 Unterstützergruppen aus 53 Ländern zu Beratungen zusammen. Der Dalai Lama hatte für die Zukunft der Tibeter unmissverständlich den Weg zur par- lamentarischen Demokratie eingeschlagen, hatte die Entwicklung demokratischer Institutionen für die Tibeter im Exil gefordert, hatte mehr Bildung und Ausbildung für die tibetischen Kinder unter- stützt und vor allem die kulturelle Autonomie für die tibetischen Gebiete in China und den Dialog mit der Führung in Peking verlangt. Zum ersten Mal konnte im Ergebnis dieser Konferenz in Anwe- senheit des Dalai Lama und mit großer Unterstützung des Stiftungsvorsitzenden Graf Lambsdorff ein vernetzter Aktionsplan für das weitere, international ausgerichtete gemeinsame Vorgehen zum

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Internationale Konferenz „Constructing Peace – Deconstructing Terror“ mit dem indischen Thinktank Strategic
Internationale Konferenz „Constructing Peace – Deconstructing Terror“ mit dem indischen Thinktank Strategic
Internationale Konferenz „Constructing Peace – Deconstructing Terror“ mit dem indischen Thinktank Strategic

Internationale Konferenz „Constructing Peace – Deconstructing Terror“ mit dem indischen Thinktank Strategic Foresight Group, Mumbai, Brüssel, 2010

Schutz der Menschenrechte und Minderheiten verabschiedet werden. Keine andere Veranstaltung der Stiftung hatte davor oder hat danach derartige Kontroversen ausgelöst, die von der Schließung des Stiftungsbüros in Peking bis hin zur Absage bereits bewilligter öffentlicher Fördermittel des Bundes und der ersatzweisen Finanzierung dieser internationalen Konferenz durch private Spenden dank kostenloser Anzeigen in der gedruckten Presse reichten.

Diese internationalen Konferenzen zur Unterstützung des friedlichen Weges der Tibeter zu kultureller Autonomie in ihrer Heimat wurden fortgesetzt und fanden im Jahre 2000 in Berlin mit der Gründung des International Tibet Support Network, im Jahre 2003 in Prag mit großer Unterstützung des Prä- sidenten Tschechiens Václav Havel und im Jahre 2007 in Brüssel, am Sitz der Europäischen Union statt. Politischer Druck aus China bewirkte eine diplomatische Intervention der belgischen Regierung gegen einen Besuch des Dalai Lama, der seine Teilnahme trotz der Einladung des Europäischen Par- laments daraufhin absagte. Im Ergebnis war der politische Schaden aufseiten Chinas und Belgiens erheblich, die Solidarisierung und erhöhte Motivation zwischen den über 300 Teilnehmern aus 56 Ländern von großer Nachhaltigkeit. Die Konferenzen werden mittlerweile vom Internationalen Tibet Support Network selbstständig weitergeführt.

Deutschland und Russland – Politik und Energie Im Jahre 2002 kam es am neuen Sitz der Stiftung in Potsdam zu einem bedeutenden eintägigen deutsch-russischen Kolloquium. Thema war das Spannungsfeld wechselseitiger Abhängigkeit von Politik und Energie. Zu den etwa 25 Teilnehmern gehörten der spätere Präsident und Premierminister Russlands Dimitrij Medwedjew, der Präsident des Yukos-Konzerns und reichste Mann Russlands Mi- chael Chodorkowski, der Wirtschaftsberater Präsident Putins Andreij Iliaronow, der vormalige Chef- redakteur der angesehenen Zeitung Nesawissimaja Gaseta Vitalij Tretjakow und der Präsident der Alpha-Bank Pjotr Aven. Auf deutscher und EU-Seite sprachen Kommissar Frits Bolkestein, der Vor- standsvorsitzende der Commerzbank Klaus-Peter Müller, der Vorsitzende der Ruhrgas AG Burckhard Bergmann, der Staatssekretär im Finanzministerium Caio Koch-Weser, der damalige Finanzvorstand der Deutschen Bank Tessen von Heydebreck, der Journalist Thomas Kielinger und Otto Graf Lambs- dorff als Stiftungsvorsitzender. Jedem der hoch qualifizierten Teilnehmer war schon mit der Einla- dung bewusst, dass bei einem so komplexen Thema in so kurzer Zeit allenfalls einige wesentliche Aspekte zur Sprache kommen konnten, auf keinen Fall aber auch nur Teilprobleme einer Lösung nähergebracht werden würden. Elementar waren der Dialog, der Austausch von Ideen, das persön- liche Kennenlernen und die Bildung von Vertrauen, die diese so unterschiedliche Gruppe von Per- sonen an einem Samstag, jenseits allen Spektakels und Medienaufsehens, im Truman-Haus in Potsdam zusammengeführt hatten.

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im Truman-Haus in Potsdam zusammengeführt hatten. 96 1 2 1. 1988 nimmt die Internationale Akademie für
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im Truman-Haus in Potsdam zusammengeführt hatten. 96 1 2 1. 1988 nimmt die Internationale Akademie für

1. 1988 nimmt die Internationale Akademie für Entwicklung und Freiheit in Sintra, Portugal, ihre Arbeit auf

2. Seit 1995 setzt die IAF den internationalen Dialog, den Meinungs- und Erfahrungsaustausch mit Seminaren in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach fort

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Amre Moussa Außenminister Ägyptens (1991 bis 2001), Generalsekretär der Arabischen Liga (2001 bis 2011) „Die
Amre Moussa Außenminister Ägyptens (1991 bis 2001), Generalsekretär der Arabischen Liga (2001 bis 2011) „Die
Amre Moussa Außenminister Ägyptens (1991 bis 2001), Generalsekretär der Arabischen Liga (2001 bis 2011) „Die

Amre Moussa Außenminister Ägyptens (1991 bis 2001), Generalsekretär der Arabischen Liga (2001 bis 2011)

„Die FNF verdient großen Respekt für ihre Arbeit und Projekte, besonders in ihrer glo- balen Orientierung und dem Interesse an den Ländern der Dritten Welt, ihren Freiheiten und Gesellschaften. Ich habe an einigen Aktivitäten der Stiftung teilgenommen und war sehr beeindruckt von der Seriosität, dem Enthusiasmus und der Aufrichtigkeit der geleisteten Arbeit.“

Der sicherheitspolitische Dialog – Russland und Deutschland Der vertrauliche Dialog im kleinen Kreis wurde ergänzt durch große, in die Öffentlichkeit getragene bilaterale Veranstaltungen wie die Erörterung sicherheitspolitischer Probleme zwischen Russland und Deutschland. Wenn ein Land sich bedroht fühlt, während das andere sich nur besser schützen möchte, entstehen rasch gefährliche Konfliktherde. In enger Zusammenarbeit mit der russischen Botschaft in Berlin fanden deshalb in den Jahren 2010 und 2011 in deren legendärem Gebäude Unter den Linden in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor Diskurse zu euroatlantischen Si- cherheitsstrukturen für das 21. Jahrhundert statt. Mit weit über 100 Teilnehmern und Referenten auf hoher Ebene ermöglichten diese den kritischen Austausch gegensätzlicher Positionen und för- derten Vertrauen. Um die Bedeutung dieses Dialogs für die Meinungsbildung der Politik im Hinblick auf eine strategische Partnerschaft zu unterstreichen, nahm auf russischer Seite der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Duma Konstantin Kossatschow teil, auf deutscher Seite der Staats- minister im Auswärtigen Amt Dr. Werner Hoyer MdB.

Frieden schaffen – Terror bekämpfen Globale Problemlagen bedürfen internationaler Initiativen und Zusammenarbeit, wobei den Nicht- regierungsorganisationen für die Früherkennung, die vertiefte Ursachenanalyse und die Entwicklung von Lösungsansätzen häufig eine besondere Aufgabe und Verantwortung zukommt. Die gemeinsame Arbeit lange gewachsener Netzwerke wissenschaftlicher und politischer Natur aus vielen Regionen der Welt, die auch aus der gesellschaftspolitischen Bildungsarbeit der Stiftung hervorgegangen sind oder gefördert wurden, hat sich in vielen Beispielen als handlungsfähig erwiesen und ihre Akzeptanz unter Beweis gestellt.

Gemeinsam mit der indischen Strategic Foresight Group (SFG) und der Allianz der Liberalen und Demokraten im Europaparlament (ALDE) wurde zwischen den Jahren 2004 und 2007 durch die we- sentliche Förderung der Stiftung ein handlungsorientierter Katalog (Brussels Consensus) für Maß- nahmen zur Schaffung oder Erhaltung von Frieden durch die Bekämpfung des nationalen und internationalen Terrorismus erarbeitet. An der gestellten Aufgabe Constructing Peace – Decon- structing Terror waren Experten weltweit anerkannter Thinktanks ebenso aktiv beteiligt wie hoch- rangige Vertreter von Regierungen aus asiatischen, arabischen und europäischen Staaten sowie der Vereinten Nationen. Besonderes Gewicht im Hinblick auf die islamische Welt hatte u. a. die Teil- nahme des Generalsekretärs der Arabischen Liga Amre Moussa aus Ägypten, des Botschafters SKH Prinz Turki Al-Faisal von Saudi-Arabien, des früheren Außenministers Jordaniens Kamel Abu Jaber, des früheren Außenministers der Türkei Yasar Yakis, des stellvertretenden Außenministers Omans Sayyid Badr Bin Hamad Bin Hamood al Busaidi und des Vorsitzenden der großen islamischen Partei Nahdatul Ulama aus Indonesien Hasyim Muzadi.

Die rasch fortschreitende Globalisierung und ihre Auswirkungen auf nationale Politiken haben die ebenfalls stark zunehmende internationale Vernetzung von Entscheidungsträgern und Einrichtungen des öffentlichen und privaten Lebens erforderlich gemacht, um auch nur die drängendsten Probleme

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erkennen und Lösungen entwickeln zu können. Der ständige Austausch von Ideen im friedlichen Dialog ist ebenso möglich wie unerlässlich geworden.

Durch die Verzahnung der internationalen Arbeit mit der Bildungsarbeit im Inland werden diese Entwicklungen durch die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit aufgegriffen und in ihren Programmen vielfältig synergetisch umgesetzt.

Internationale Programme

Informations- und Studienprogramme für Nachwuchs- und Führungskräfte der Partner in der Bun- desrepublik, auf europäischer Ebene oder in anderen Regionen haben in der internationalen Arbeit der FNF immer eine wichtige Rolle gespielt. Sie dienten der politischen und fachlichen Qualifizierung der Teilnehmer und dem Dialog mit Entscheidungsträgern und Institutionen aus Politik, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft der besuchten Gastländer. Zweck und Inhalte der Pro- gramme hatten stets einen sehr engen Projektbezug, d. h., sie wurden maßgeschneidert auf be- stimmte Zielgruppen und Projektziele hin konzipiert und durchgeführt. Sie wandten sich an gesell- schaftlich relevante Schlüsselgruppen und Funktionseliten der Einsatzländer und kamen i. d. R. aus dem Partnerspektrum der Stiftung. Wichtige Zielgruppen waren politische Mandats- und Funkti- onsträger sowie Nachwuchsführungskräfte auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene sowie Fach- und Führungskräfte der Wirtschaft, Medien, Wissenschaft, Bildung und Forschung (einschließ- lich Thinktanks).

Informations- und Studienprogramme haben sich auch im Rahmen von Projekten des zivil-militä- rischen Dialoges, der Krisenprävention und des Konfliktmanagements bewährt. In diesen Fällen wurden gemischte Gruppen aus Vertretern der Konfliktparteien gebildet (Israelis/Palästinenser, Par- lamentarier/Generalstabsoffiziere), um während einer Studienreise gegenseitiges Kennenlernen und neue Kommunikationsebenen zu ermöglichen. In jüngerer Zeit wurden auch Süd-Süd-Austausch- programme, z. B. zwischen politischen Führungskräften Asiens und Lateinamerikas, oder Programme in mehreren Ländern realisiert: z. B. eine Studienreise zur Verfassungsberatung über föderativen Staatsaufbau für irakische Parlamentarier in Deutschland, Spanien und Malaysia. Gelegentlich hat- ten solche Maßnahmen auch unerwartete politische Effekte: Während der Studienreise einer De- legation liberaler Spitzenpolitiker aus Kolumbien in die BRD kam es 1984 zu einer Einigung zwischen den rivalisierenden Präsidentschaftskandidaten Virgilio Barco und Luis Carlos Galan darüber, wer bei den Wahlen antreten sollte. Dieser im Ausland erzielte, unerwartete Konsens erfuhr in Kolumbien ein enormes Medienecho. Und Virgilio Barco wurde der nächste Staatspräsident des Landes.

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Internationale Kooperation und Vernetzung
Internationale Kooperation
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Die bedeutende Rolle der Kooperationspartner

Die ersten 30 Jahre der internationalen Arbeit der FNF wurden ausschließlich aus öffentlichen Zu- wendungen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des Auswärtigen Amtes (AA) finanziert. Mit beiden Ministerien besteht eine historisch gewach- sene, konstruktive Partnerschaft, die sich auch in schwierigen Phasen stets bewährt hat. Entschei- dende Faktoren dafür waren die fortschrittliche Förderpolitik der Zuwendungsgeber BMZ und AA (ausgereifte Richtlinien, langfristige und auf Nachhaltigkeit angelegte Förderkonzepte, Flexibilität der Bewilligungsverfahren), die hohe Sachkompetenz der Ministerien durch jahrzehntelange Erfah- rungen mit der Praxis der Projektförderung sowie das umfassende Verständnis für die komplexen Rahmenbedingungen in den Einsatzländern. Ohne die privilegierte Partnerschaft mit diesen beiden entscheidenden Kooperationspartnern wäre die Erfolgsgeschichte des internationalen Engagements der politischen Stiftungen nur schwer vorstellbar. Diese Form einer effektiven „Public Private Part- nership“ hat enorme Chancen eröffnet, Potenziale entwickelt und fruchtbare Synergien bewirkt. Das spezifische Instrumentarium der deutschen politischen Stiftungen wird in vielen Ländern als einzigartig und zentral anerkannt, um gesellschaftspolitisch relevante Wirkungen zu erzielen. Es kommt daher auch nicht von ungefähr, dass Deutschland auf internationaler Ebene um diese Insti- tutionen beneidet wird.

Ab 1990 entwickelte sich schrittweise eine komplementäre Zusammenarbeit der FNF mit weiteren Kooperationspartnern. Die Beantragung von Projekten bei der Europäischen Union (EU) und dem Auswärtigen Amt (Sondermittel für Krisenprävention, Friedenserhaltung und Konfliktmanagement) erfolgte im Wettbewerb mit einer Vielzahl von Antragstellern. Ergänzend wurden Projekte mit der GTZ (heute GIZ), dem Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen (UNDP), dem UN-Hochkommissar für Menschenrechte (UNHCHR), dem UN-Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR) sowie einer Reihe staatlicher Träger und privater Stiftungen aus Industrieländern vereinbart. In diesen Fällen war eine Beantragung nicht gangbar. Die FNF wurde vielmehr ersucht, gemeinsame Projekte durchzuführen, weil sie Expertise im Einsatzgebiet, Zugang zu Partnerstrukturen und politischen Akteuren hatte oder bei schwierigen politischen Rahmenbedingungen komparative Vorteile als Projektträger aufwies. Die neuen Kooperationspartner haben in diesen Fällen die Finanzierung der Projekte übernommen oder bereits bestehende Vorhaben der Stiftung durch komplementäre Komponenten erweitert. In mehreren Fällen entstanden durch solche Kooperationen aber auch neue BMZ- oder AA-Projekte.

solche Kooperationen aber auch neue BMZ- oder AA-Projekte. Entwicklungsminister Dirk Niebel (Mitte), Harald Klein,
solche Kooperationen aber auch neue BMZ- oder AA-Projekte. Entwicklungsminister Dirk Niebel (Mitte), Harald Klein,
solche Kooperationen aber auch neue BMZ- oder AA-Projekte. Entwicklungsminister Dirk Niebel (Mitte), Harald Klein,

Entwicklungsminister Dirk Niebel (Mitte), Harald Klein, Abteilungsleiter BMZ (l.), und Ulrich Niemann, Leiter Internationale Politik der FNF, auf der Auslandsmitarbeiter-Konfe- renz, Berlin, 2011

FNF, auf der Auslandsmitarbeiter-Konfe- renz, Berlin, 2011 Ein Pionierprojekt der Stiftung mit der EU: informeller
FNF, auf der Auslandsmitarbeiter-Konfe- renz, Berlin, 2011 Ein Pionierprojekt der Stiftung mit der EU: informeller
FNF, auf der Auslandsmitarbeiter-Konfe- renz, Berlin, 2011 Ein Pionierprojekt der Stiftung mit der EU: informeller

Ein Pionierprojekt der Stiftung mit der EU:

informeller Politikdialog zwischen einer Delegation der Europäischen Union und der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) in Kaesong, Nordkorea, 2000

Seit 1990 hat die FNF so insgesamt 132 Projekte mit neuen Kooperationspartnern finanziert. Diese wurden in 42 Ländern mit Schwerpunkten in Nahost, Nordafrika und Südostasien durchgeführt, vor allem in Krisengebieten sowie Staaten mit repressiven oder autoritären politischen Systemen.

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Madeleine Albright Ehemalige US-Außenministerin, Vorsitzende des National Democratic Institute for International Affairs
Madeleine Albright Ehemalige US-Außenministerin, Vorsitzende des National Democratic Institute for International Affairs
Madeleine Albright Ehemalige US-Außenministerin, Vorsitzende des National Democratic Institute for International Affairs

Madeleine Albright Ehemalige US-Außenministerin, Vorsitzende des National Democratic Institute for International Affairs (NDI), USA

„Für mehr als ein halbes Jahrhundert stand die internationale Arbeit der FNF unerschüt- terlich in der Verteidigung von Demokratie und liberalen Werten weltweit. NDI ist stolz auf die langjährige Verbindung und Zusam- menarbeit und beglückwünscht Sie zu die- sem Meilenstein. Wir sehen der Fortsetzung unserer gemeinsamen Arbeit in den kom- menden Jahren entgegen.“

Sie galten der Zusammenarbeit mit nicht staatlichen Partnern in den Bereichen Menschen-, Bür- ger- und Freiheitsrechte, Rechtsstaatlichkeit, unabhängige Medien, selbstbestimmte Kommunal- entwicklung, Stärkung der Zivilgesellschaft, Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen und Reformkonzepte sowie Krisenprävention und Konfliktbearbeitung.

Intensive Vernetzung mit nationalen, regionalen und globalen Akteuren

Die mit neuen Kooperationspartnern realisierten Projekte haben eine wesentlich erhöhte Vernetzung der Stiftung mit nationalen, regionalen und globalen Akteuren in den Einsatzgebieten bewirkt. Da- durch konnten zusätzliche Finanzmittel, Partnerstrukturen und Allianzen mobilisiert werden. Die Akquisition komplementärer Partner, Budgets, Fachkräfte und Infrastrukturen hat die Aktionsfreiheit und Flexibilität der Stiftung in den Projektländern erheblich gesteigert und bedeutende Synergien bewirkt. Die folgenden international tätigen Kooperationspartner haben wichtige finanzielle und inhaltliche Beiträge geleistet: Canadian International Development Agency (CIDA), National En- dowment for Democracy (NED), National Democratic Institute for International Affairs (NDI), In- ternational Republican Institute (IRI), Westminster Foundation for Democracy, Atlas Economic Research Foundation, Ford Foundation, Asia Foundation, Asia Europe Foundation, Taiwan Democracy Foundation, International Research Foundation (Sultanat Oman), Sasakawa Peace Foundation (Japan). Weitere relevante Kooperationspartner haben ihre Kompetenz, Expertise und Erfahrungen eingebracht: Europäische Kommission für Menschenrechte des Europarates, Europäischer Gerichts- hof für Menschenrechte, Internationale Juristenkommission, UN Center for Human Rights, Inter- national Crisis Group, Transparency International, Amnesty International, International Institute for Democracy and Electoral Assistance (IDEA), das kanadische Fraser Institute mit seinem weltweiten Economic Freedom Network sowie eine Vielzahl von politischen und wirtschaftspolitischen Think- tanks und Forschungsinstituten aus nahezu allen Weltregionen.

Im Bereich der Demokratieförderung und Parteienkooperation waren und sind wertvolle Partner:

Liberal International (LI), Allianz der Liberalen und Demokraten im Europäischen Parlament (ALDE), Europäische Liberal-Demokratische Reformpartei (ELDR), die Jugendverbände Internationale Föde- ration der Liberalen Jugend (IFLRY), Liberale Jugendbewegung der Europäischen Gemeinschaft (LYMEC), British Liberal Democrats und das Swedish Liberal International Centre (SILC).

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das Swedish Liberal International Centre (SILC). 102 1 2 3 1. Außenminister Dr. Guido Westerwelle bei
das Swedish Liberal International Centre (SILC). 102 1 2 3 1. Außenminister Dr. Guido Westerwelle bei

1. Außenminister Dr. Guido Westerwelle bei seinem Vortrag vor der Auslandsmitarbeiter-Konferenz, Berlin, 2011

2. Abschlusskonferenz des Projektes mit der Europäischen Union „Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit zivilgesellschaftlicher Organisationen im arabischen Raum“ (Mashrek/Maghreb), im Hauptsitz der Arabischen Liga, Kairo, 2010

3. Internationale Konferenz mit der liberalen Atlas Economic Research Foundation (USA) zum Stand der Reformpolitik in China mit führenden Reform-Ökonomen der Regierung, unter Vorsitz von Prof. Mao Yushi, Gründer des liberalen Unirule Institute for Economy (Mitte), Peking, 1995

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Weltweite Bilanz und künftige Herausforderungen
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Bilanz eines halben Jahrhunderts internationaler Arbeit

Dr. h.c. Rolf Berndt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied

Nach 50 Jahren weltweitem Einsatz für Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat, Marktwirtschaft und ge- sellschaftlichen Pluralismus kann festgestellt werden: In enger Kooperation mit über 800 Partner- organisationen aus mehr als 100 Ländern hat die FNF substanzielle Beiträge zur Demokratisierung und Transformation autoritärer politischer Systeme erbracht. Dabei wurden wichtige Schritte zur Durchsetzung von Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und Bürgerrechten erfolgreich unterstützt sowie marktwirtschaftliche Reformen restriktiver gesetzlicher und ordnungspolitischer Rahmenbedingun- gen vorangetrieben. Durch den Aufbau eigenständiger Partnerinstitutionen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Bildung und Forschung konnten wesentliche Beiträge zur Stär- kung freiheitlicher, zivilgesellschaftlicher, pluralistischer und partizipativer Strukturen in den Ein- satzländern geleistet werden. Aus der engen partnerschaftlichen Zusammenarbeit der Stiftung mit Institutionen liberaler Werteorientierung haben sich vertrauensvolle Beziehungen und weitreichende Netzwerke mit politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Eliten der Einsatzländer entwi- ckelt, die eine solide Plattform für den Politikdialog und Initiativen zur nachhaltigen Politikgestal- tung darstellen.

Initiativen zur nachhaltigen Politikgestal- tung darstellen. Dr. h. c. Rolf Berndt Mit Beginn der
Initiativen zur nachhaltigen Politikgestal- tung darstellen. Dr. h. c. Rolf Berndt Mit Beginn der
Initiativen zur nachhaltigen Politikgestal- tung darstellen. Dr. h. c. Rolf Berndt Mit Beginn der

Dr. h. c. Rolf Berndt

Mit Beginn der Demokratisierungstendenzen in den weltweiten Einsatzregionen Mitte der 1980er- Jahre hatte die FNF die Zusammenarbeit mit liberal orientierten Parteien aufgenommen und zu einem Schwerpunkt ihres Engagements für politische Bildung, Politikberatung und Politikdialog ent- wickelt. Aus dieser intensiven Kooperation sind zahlreiche Parteien mit liberalen Grundwerten her- vorgegangen, die sich im Zeitablauf zu regionalen Parteien-Netzwerken zusammengeschlossen ha- ben: dem asiatischen Dachverband liberal-demokratischer Parteien CALD (Council of Asian Liberals and Democrats), dem afrikanischen Parteienbündnis ALN (Africa Liberal Network), dem lateiname- rikanischen Netzwerk liberaler Parteien und Thinktank RELIAL (Red Liberal de América Latina) und dem liberalen Netzwerk Arab Alliance for Freedom and Democracy (AAFD) in Nordafrika/Nahost.

Die regionalen Partner-Netzwerke und ihre Mitgliedsparteien sind heute wichtige Träger einer frei- heitlichen, demokratischen, rechtsstaatlichen und marktwirtschaftlichen Agenda und beeinflussen den politischen Diskurs in ihren Regionen und Ländern. Diese Entwicklungen gehen unzweifelhaft auf das starke Engagement der FNF in den letzten 30 Jahren zurück. Nachdem im Partnerspektrum der ersten 20 Jahre nur sieben Parteien existierten (vornehmlich in Lateinamerika), umfasst die Par- teienkooperation heute 97 Parteien aus vier Kontinenten. Neben der Qualifizierung von Führungs- kräften haben Politikberatungen der FNF zur Strategie-, Organisations- und Programmentwicklung, inklusive Wissens- und Change Management, wesentliche Fortschritte für die Partnerinstitutionen

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Prof. Dr. Amnon Rubinstein Viermaliger Minister im israelischen Kabinett, Gründer und Vorsitzender der liberalen
Prof. Dr. Amnon Rubinstein Viermaliger Minister im israelischen Kabinett, Gründer und Vorsitzender der liberalen
Prof. Dr. Amnon Rubinstein Viermaliger Minister im israelischen Kabinett, Gründer und Vorsitzender der liberalen

Prof. Dr. Amnon Rubinstein Viermaliger Minister im israelischen Kabinett, Gründer und Vorsitzender der liberalen Shinui-Partei und Dekan des Interdisciplinary Center Herzliya (IDC)

„Ich war mit der FNF länger verbunden, als ich mich erinnern kann, und ich denke mit Sehnsucht an meine Freundschaft mit Otto Graf Lambsdorff zurück. Für mich war Otto nicht nur ein gelehrter Freund, sondern auch das Symbol des Wiederauflebens eines freien, demokratischen, liberalen und humanen Deutschlands. Sein Vermächtnis inspiriert alle Liberalen. Ich bin auch froh, dass die FNF eine starke Beziehung zum IDC hat und dass ich eine gewisse Rolle in dieser Beziehung spiele. Die Aktivitäten der FNF in Israel sind außer- gewöhnlich wichtig in einem Land, wo libe- rale Ideen, obwohl gesetzlich verankert, in seinen grundlegenden Menschenrechten, noch flackern und durch antiliberale Kräfte herausgefordert werden. Ich wünsche der FNF weitere 50 erfolgreiche Jahre.“

bewirkt. Die Stiftung wird diese Arbeit auf der Basis breiter Erfahrungen fortsetzen, denn politische Parteien sind essenziell für demokratische Regierungsführung. Demokratie braucht demokratisch organisierte, funktionsfähige und programmatisch profilierte Parteien. Die Parteiensysteme und Parteistrukturen in den Einsatzländern sind jedoch vielfach noch im Entwicklungsstadium und be- dürfen einer gezielten Kooperation und Unterstützung, insbesondere zur Qualifizierung von Man- dats- und Funktionsträgern sowie Nachwuchs- und Führungskräften.

Die FNF hat während der 50 Jahre ihrer internationalen Tätigkeit eine bedeutende Rolle bei der In- stitutionenbildung innerhalb ihres Partnerspektrums gespielt. Eine Vielzahl von sehr erfolgreichen, selbstständigen Partnerorganisationen, die aus der Projektarbeit entstanden sind, würde ohne die Stiftung nicht existieren, andere hätten sicherlich keine so dynamische Entwicklung erlebt. Dies gilt in besonderer Weise für gemeinnützige Organisationen, z. B. Menschenrechtsinitiativen, deren Finanzierung aus Eigenmitteln in vielen Einsatzländern Probleme bereitet. Aus langfristig angelegten Regionalprojekten der Stiftung entstanden schrittweise länderübergreifende Partner-Netzwerke für Kooperation, gegenseitigen Austausch und gemeinsame politische Initiativen. Dies gilt für den Zu- sammenschluss der Industrie- und Handelskammern in Südasien zur regionalen SAARC-Chamber of Commerce and Industry, die Gründung des Southern African Legal Assistance Network (SALAN) durch Menschenrechtsinitiativen aus acht Ländern des südlichen Afrika sowie die Integration wirt- schaftspolitischer Thinktanks und Forschungsinstitute im Rahmen des Economic Freedom Network Asia und des Economic Freedom Network of the Arab World. Diese auf entscheidende, kreative Im- pulse der Stiftung zurückgehende Institutionenbildung auf nationaler und regionaler Ebene hat vielfach eine Eigendynamik entwickelt und gewinnt zunehmend an Bedeutung und Einfluss.

Durch fünf Jahrzehnte kontinuierlicher Arbeit mit den Partnern bei der Aus- und Fortbildung von Führungseliten und Führungsnachwuchs in Schlüsselbereichen der Gesellschaft mit jeweils Hun- derttausenden von Teilnehmern in vielen Sektoren sind qualifizierte liberale Fach- und Führungs- kräfte herangewachsen. Sie haben in ihren Wirkungsstätten neue Initiativen, Reformprogramme und Aktionen entwickelt. Die mithilfe der Stiftung in mehreren Einsatzländern errichteten Ausbil- dungszentren betreuen auch nach dem Projektende selbstständig fortlaufend weitere Generationen von Zielgruppen. Als Fallbeispiel sei die 1989 aus der Projektarbeit der FNF entstandene Akademie der Genossenschaften in Brasilien genannt, die jährlich 5.000 Fortbildungsprogramme mit 140.000 Teilnehmern durchführt. Die weltweit entstehenden Langzeitwirkungen der selbstständigen Fort- führung von Bildungsprogrammen durch die Partner sind nicht leicht zu quantifizieren, die Teil- nehmerzahlen pro Jahr dürften in der Dimension aber im siebenstelligen Bereich liegen.

Auch die von der FNF seit 1963 in Eigenregie veranstalteten Bildungsprogramme für liberale Füh- rungseliten der Partnerländer in Deutschland, Europa und Übersee, vor allem maßgeschneiderte In- formations- und Studienaufenthalte für hochrangige Zielgruppen, haben langfristige Wirkungen entfaltet. Darüber hinaus hat die Internationale Akademie für Führungskräfte (IAF) der Stiftung seit

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für Führungskräfte (IAF) der Stiftung seit 106 1 2 3 1. Empfang von Dr. h. c.
für Führungskräfte (IAF) der Stiftung seit 106 1 2 3 1. Empfang von Dr. h. c.

1. Empfang von Dr. h. c. Rolf Berndt (l.) durch den südkoreanischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung in Seoul, 2000

2. Konferenz zur Zukunft Europas mit Hans-Dietrich Genscher (r.) und dem tschechischen Senator Jirí Dienstbier (2. v. l.), Prag, 1999

3. Asien-Europa-Dialog unter Leitung von Guy Verhofstadt, Vorsitzender der liberalen Fraktion im Europäischen Parlament (2. v. l.), Sir Graham Watson, Vorsitzender der Allianz Liberaler und Demokraten Europas ALDE (2. v. r.), und Sam Rainsy, Vorsitzender des Council of Asian Liberals and Democrats (r.), Brüssel, 2012

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Gemeinsame Konferenz der FNF mit dem Center for Local Autonomy (CLA) der Hanyang University über
Gemeinsame Konferenz der FNF mit dem Center for Local Autonomy (CLA) der Hanyang University über
Gemeinsame Konferenz der FNF mit dem Center for Local Autonomy (CLA) der Hanyang University über

Gemeinsame Konferenz der FNF mit dem Center for Local Autonomy (CLA) der Hanyang University über „Demokratie und Bürgerbeteiligung“ in Seoul, 2008

ihrer Gründung 1988 etwa 8.000 Führungsnachwuchskräfte aus allen Weltregionen fortgebildet, deren Wirkung und Einfluss sich auch durch die Gründung von Alumni-Netzwerken in zahlreichen Ländern erkennbar manifestiert.

Im Jahre 2013 feiert eine weitere Arbeitseinheit der Stiftung ein rundes Jubiläum: Die Begabten- förderung wird 40. Seit 1973 haben über 1.400 junge Menschen nicht deutscher Nationalität mit einem FNF-Stipendium in Deutschland studiert oder wurden dort promoviert. Häufig werden die Verbindungen zur Stiftung auch nach dem Ende der Förderung noch über lange Zeiträume hinweg aufrechterhalten. In vielen Ländern gibt es für die Stiftungsprojekte Berührungspunkte und Koope-

rationen mit Altstipendiaten, die nicht selten nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland hervorgehobene berufliche oder politische Positionen bekleiden. In vielen Ländern bestehen Alumni-Vereine von Altstipendiaten, die sich regelmäßig treffen.es für die Stiftungsprojekte Berührungspunkte und Koope- In den ersten zwei Dekaden der internationalen Projektarbeit

In den ersten zwei Dekaden der internationalen Projektarbeit mit den Partnern lag der Schwerpunkt der Aktivitäten im Bereich der gesellschaftspolitischen Bildung und auf weitgehend länderbezoge- nen Programmen. Mit Beginn der Demokratisierungstendenzen ab Mitte der 1980er-Jahre steigerte sich der Anteil der Politikdialog-Programme auf nationaler, regionaler und globaler Ebene. Der Po- litikdialog erfolgte dabei nicht nur in Nord-Süd-Richtung, sondern auch in Süd-Süd- und Ost-West- Richtung und mit dem Aufstieg der Schwellenländer zunehmend in Süd-Nord-Richtung sowie auf globaler Ebene. Themen, Substanz und Ausrichtung der Konferenzen, Symposien sowie Informati- ons- und Studienprogramme wurden dabei auch durch profunde Politikanalysen der Partner-Think- tanks in einem breiten Spektrum von Politikfeldern bestimmt. Fallbeispiele im Bereich der Krisen- prävention, Friedenssicherung und Konflikttransformation sind eine umfassende Studie über die politischen, militärischen, ökonomischen, sozialen, ökologischen und menschlichen Kosten des 65- jährigen Konfliktes um Jammu und Kaschmir, vorgelegt durch die Strategic Foresight Group in Mum- bai (105 Seiten in Buchform), sowie die Analyse der gegebenen Handlungsalternativen im ethnischen Konflikt in Sri Lanka durch das Institute for Democracy and Leadership (IDL) in Colombo. Aus der Projektarbeit mit der Stiftung entstanden insgesamt mehrere Zehntausend Publikationen der Partner, die teilweise auch über den Buchhandel der Einsatzländer in zahlreichen Auflagen ver-

Buchhandel der Einsatzländer in zahlreichen Auflagen ver- Charles Hagel Ehemaliger Senator von Nebraska,
Buchhandel der Einsatzländer in zahlreichen Auflagen ver- Charles Hagel Ehemaliger Senator von Nebraska,
Buchhandel der Einsatzländer in zahlreichen Auflagen ver- Charles Hagel Ehemaliger Senator von Nebraska,

Charles Hagel Ehemaliger Senator von Nebraska, Verteidigungsminister der USA

„Die FNF spielt eine wichtige Rolle in der Förderung von Freiheit, Rechtsstaat und globaler Demokratie. Die Arbeit der Stiftung in verschiedenen Regionen der Welt stellt ein unentbehrliches Leuchtfeuer für diejenigen dar, die nach Freiheit streben.“

trieben wurden, darunter eine ganze Reihe von Bestsellern.für diejenigen dar, die nach Freiheit streben.“ Akzeptanz und Risiken des internationalen Engagements Die

Akzeptanz und Risiken des internationalen Engagements Die Akzeptanz der FNF als ausländischer Partner lokaler Organisationen war in der überwiegenden Mehrzahl der Einsatzländer gegeben. Die Regierungen zeigten sich i. d. R. offen für die Tätigkeit der Stiftung und waren bereit, entsprechende Rahmenabkommen zu schließen. Statusprobleme und Restriktionen ergaben sich meist in Ländern mit autoritären bzw. repressiven politischen Systemen. Diese führten in Einzelfällen auch zum Rückzug der Stiftung aus Projektländern, wenn die politi- schen Rahmenbedingungen die Verfolgung freiheitlicher Ordnungsprinzipien nicht mehr erlaubten. Konfliktsituationen in mehreren Ländern zeigten die Risiken auf, die mit gesellschaftspolitischen

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Projekten verbunden sein können, vor allem wenn autoritäre Regime und mächtige Lobbygruppen ihre Interessen tangiert sahen. Die Stiftung war bei grundsätzlicher Risikobereitschaft in ihrer Pro- jektsteuerung stets bemüht, sich nicht dem Vorwurf der Einmischung in innenpolitische Angele- genheiten auszusetzen. Dies erforderte immer wieder schwierige Gratwanderungen und eine ver- trauensvolle Güterabwägung mit den Partnern. Fehlschläge oder das Scheitern von Projekten muss- ten in solchen Fällen einkalkuliert werden.

Substanzielle Beiträge zur deutschen Außen- und Entwicklungspolitik