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EINE ERKLÄRUNG DER RIEMANNSCHEN HYPOTHESE

M. N. G. EINSTEIN

Zusammenfassung. Um die Riemannsche Hypothese zu verstehen, ist es un-


abdingbar, sowohl das Zahlensystem, also den Aufbau der Zahlen, als auch die
verschiedenen Verhalten der Riemannschen Zetafunktion, in den ihr zugrunde-
liegenden Intervallen der komplexen Zahlenebene, zu verstehen. Daher werden
wir zunächst einmal die verschiedenen Zahlen erklären, bis hin zu den soge-
nannten Komplexen Zahlen und der Gausssischen Zahlenebene. Sodann wer-
den wir uns mit der Definition der Riemannschen Zetafunktion beschäftigen,
die aufgrund dessen, wie sie eben deklariert ist, verschiedene Reaktionen auf-
weist. Ihnen allen liegt jedoch zugrunde die Analyse und die Fragestellung nach
den Nullstellen, also denjenigen Werten, für die, die Riemannsche Zetafunk-
tion, Null wird. Erst ganz zum Schluss, wenn wir schließlich zum kritischen
Streifen kommen werden, wird sich die Besonderheit der Funktion und ihre
Verhaltensweisen zeigen; und erst dann, lässt sich die Riemannsche Vermu-
tung erklären.

Für Sabrina L. aufgrund der wissbegierigen Anteilnahme an meinen


Studien.

Inhaltsverzeichnis
1. Zahlenkörper und reelle Zahlengerade 1
2. Erweiterung des reellen Zahlenkörper und ausweitung der Zahlengerade
auf die Gausssische Ebene 3
3. Riemannsche Zetafunktion 5
4. Nullstellen der Riemannschen Zetafunktion 12
5. Riemannsche Vermutung 15
Literatur 15

1. Zahlenkörper und reelle Zahlengerade


In der Mathematik gibt es eine große Variation an Zahlen. Um alle darin be-
findlichen Probleme zu verstehen, ist es vollkommen erforderlich, zunächst einmal
die Zahlen und ihren axiomatischen Aufbau zu verstehen. Ganz besonders ist es
vonnöten, die komplexen Zahlen zu erfassen.

So gut wie alle Zahlen kann man sich am besten mit bzw. angeordnet auf einer
gedachten Geraden g, die man Zahlenstrahl nennt, verdeutlichen. Man schreibt
dafür:
g ∈ [−∞, ∞]

Date: 04. Mai, 2015−10. Mai, 2015.


1
2 M. N. G. EINSTEIN

was so viel bedeutet, wie, alle Punkte des (geschlossenen) Intervalls oder alle
Zahlen von minus unendlich = −∞ bis (plus) unendlich = ∞ liegen auf der Geraden
g oder äquivalent dazu, alle Punkte zusammen von −∞ bis ∞ bilden die Gerade g.
Ein Teilabschnitt x < y (sprich x kleiner y) von g, wobei für x, y beliebige Zahlen
eingesetzt werden können, bildet stets ein wohlbestimmtes Intervall I:
I = [x, y] ∈ g
In der Mitte dieser Geraden steht die dicke, runde Null = 0. Wenn man sich nun
nach rechts von diesem Punkt fortbewegt, kommt man zu den Zahlen eins = 1, zwei
= 2, drei = 3, vier = 4, . . . , n2. Diese Menge bezeichnet man als natürliche Zahlen
oder mathematisch mit dem Symbol:
N
wobei:
n∈N
ist; also n ist ein (beliebiges) Element der Menge der natürlichen Zahlen, wobei, alle
Elemente zusammen(genommen), die gesamte Menge darstellt. Man spricht auch
von einem Zahlenkörper3, was dem axiomatischen Aufbau der Mathematik geschul-
det ist (, worauf wir hier aber nicht weiter eingehen wollen, da wir sonst algebraische
Strukturen wie Algebren, Ringe, Halbkörper, Gruppen und oder Schiefkörper er-
klären müssten, entgegen unserem eigentlichen Ziel). Dann gibt es noch die Zahlen,
die auf der linken Seite der Null stehen, die den gleichen Abstand zueinander auf-
weisen: minus eins = −1, minus zwei = −2, minus drei = −3, . . . . Da sowohl diese
Zahlen, als auch die N (natürlichen Zahlen) ganz sind, pflegt man sie unter den
ganzen Zahlen zusammenzufassen bzw. man erweitert die Menge der natürlichen −
zu den ganzen Zahlen; mathematisch bezeichnet man sie mit dem Symbol:
Z
Nun kann man diese Zahlen aber auf einem Bruchstrich schreiben oder dividieren
zum Beispiel:
1 3 5
, , ,...
2 4 6
oder allgemein bzw. in kompakter Schreibweise für alle möglichen Fälle:
p
∈Q
m
mit p, m ∈ Z. Diese Zahlen, Q, nennt man rationale Zahlen und nur wenn man sie
mithilfe von zwei Z (ganzen Zahlen) darstellen kann, sind sie rational. Aber was
ist, wenn dies nicht möglich ist? Dann spricht man von sogenannten irrationalen
Zahlen. Mathematisch schreibt man dies:
R\Q
(sprich: alle reelle Zahlen (R) ohne (\) die rationalen Zahlen (Q)). Ihnen allen
gehört die Eigenschaft an, dass die Zahlenfolge hinter dem Kommata, unendlich
viele Stellen aufweist, die man jedoch nicht methodisch erfassen und damit auch

2Wobei das Zeichen 0 . . .0 bedeutet, dass man sich alle Zahlen fortgeführt denkt, von vier bis
unendlich mit dem konstanten Abstand zueinander eins: . . . , n + 1, n + 2, n + 3, . . . , n + n, . . . ,
n + n + n, . . . , ∞
3Das trifft für die Menge der natrlichen Zahlen nicht zu, aber stimmt für die reellen − und
komplexen Zahlen.
EINE ERKLÄRUNG DER RIEMANNSCHEN HYPOTHESE 3

4
nicht
√ kompakt als Bruch darstellen kann . Am besten kann man sich dies mit der
Zahl 2 (sprich Wurzel zwei) verdeutlichen. Denn auf dem Zahlenstrahl g gibt es
im Intervall zwischen [0, 2] ∈ N keine ganze Zahl für die das Quadrat zwei
√ ergeben
kann, da dort nur die 1 und die 2 steht (12 = 1, 22 = 4), somit kann 2 nicht als
(Bruch):
p
∈Q
m
dargestellt werden und ist damit eine irrationale Zahl. Zahlen wie die Kreiszahl pi
= π = 3,14 . . . oder die Eulerische Zahl = e = 2,71 . . . oder die Apéry Konstante
= ζ(3) = 1,2 . . . gehören ebenfalls zu diesen. Die mathematischen Beweise, um zu
zeigen, dass bestimmte Zahlen rational Q oder irrational R\Q sind, gehören zu den
anspruchsvollsten in der gesamten Mathematik; so ist es nicht verwunderlich, dass
es Zahlen gibt, von denen bislang eine definitive Einteilung, nicht bekannt ist.

Nun kann man noch zeigen, dass es Zahlen auf unserer Geraden g gibt, die we-
der von N, Z oder Q erfasst werden, denn auf g gibt es nicht nur zwischen dem
eingangs erwähnten Intervall [−∞, ∞] unendlich viele Zahlen, sondern auch zwi-
schen zwei benachbarten Zahlen. Dies kann man sich am besten mit dem Intervall
[0, 1] verdeutlichen. Man kann es teilen und teilen, so oft man will, aber selbst
zwischen dem kleinsten Abstand:
x 6= y, x < y : A = d(x, y) ∈ [0,1]
(sprich mit x ungleich y und x kleiner y, Abstand A gleich Distanz zwischen x und y,
als Element aus dem geschlossenen Intervall zwischen Null und eins) gibt es immer
noch unendlich viele Zahlen (Cantor hat dies mit seinem Überabzählbarkeitsbeweis
gezeigt). Diese Zahlen nennt man reelle Zahlen und schreibt:
x, y ∈ R
Dies ist eine Zusammenfassung (Vereinigung) aller bekannten Zahlen und der mächtigste
Zahlenkörper auf unserer Geraden. Jede Zahl n1 ∈ N, n2 ∈ Z, n3 ∈ Q ist ein Ele-
ment von R 3 n1 , n2 , n3 (; dass der umgekehrte Fall nicht immer zutrifft ist trivial).

2. Erweiterung des reellen Zahlenkörper und ausweitung der


Zahlengerade auf die Gausssische Ebene
Nun gibt es allerdings Probleme in der Mathematik die nicht lösbar erscheinen.
Da muss man auch nicht weit schweifen und zu irgendwelchen Integralen greifen,
sondern schon sehr einfache Fragestellungen erscheinen unlösbar. Darunter fallen
als einfachstes Beispiel: √ √ √
−1, −2, −3, . . .
die Wurzeln aus den negativen Zahlen. Diese sind mit algebraischen Methoden
unlösbar! Da die Gleichung:
x2 = −1 ⇐⇒ x2 + 1 = 0

4Dafür braucht man dann sogenannte Kettenbrüche oder unendliche Kettenbruchentwicklung.


4 M. N. G. EINSTEIN

nicht gelöst werden kann, aufgrund der Tatsache, dass man keiner Zahl auf un-
serer Geraden g, einen Wert so zuweisen kann, dass diese, die Wurzel gleich −1 hat.
Aber eine Erweiterung zu einem Zahlenpaar:
x, y ∈ R
mit der Definition: √
i = −1 ⇐⇒ i2 = −1
welche nun selbst zur einer Zahl z:
z = x + iy
zusammengesetzt wird, wobei der x− Wert als Realteil und der y−Wert als Ima-
ginärteil bezeichnet wird, kann dies für uns bewerkstelligen. Der i zugeschriebene
Wert bringt dies zum Ausdruck, der sodann klar macht, dass x und y nicht ein-
fach miteinander addiert werden dürfen, sondern es jeweils, die eine Hälfte einer
wohlbestimmten Zahl ist, eben wie das bei einem zweidimensionalen Vektor
 
x
~z =
y
nun einmal der Fall ist. Diese Zahl z, ist nun ein neuer Typ von Zahlen. Man nennt
sie daher komplexe Zahlen und schreibt dafür:
z∈C
Da sie sich aus dem sogenannten Realteil x = Re(z) und dem Imaginärteil y = Im(z)
zusammensetzen, die jeweils senkrecht (in der Mathematik sagt man orthogonal)
aufeinander stehen, und somit offensichtlich zwei−dimensional sind, reicht eine
(ein−dimensionale) Gerade nicht mehr aus, um sie darzustellen. Um sie sich al-
so anschaulich zu verdeutlichen, braucht man eine (zwei-dimensionale) Ebene (die
ebenfalls Gausssische Zahlenebene genannt − und mit C deklariert wird), wobei der
Realteil Re(z) = x bestimmt wie viele Schritte wir auf unserer (ursprünglichen) Ge-
raden g zurückzulegen haben und der Imaginärteil Im(z) = y uns anweist, wie viele
Einheiten wir nach oben oder unten zu gehen brauchen, sozusagen wie hoch oder
tief wir über unserer Geraden schweben oder anders ausgedrückt, x sagt aus, wie
viele Schritte wir vorwärts oder rückwärts − und y teilt uns mit, wie viele Schritte
wir anschließend nach rechts oder links zu gehen haben. Man kann sich dies eben-
falls wie die Adressierung der Räume in einem Hochhaus vorstellen, dabei stellt
z = 0 + i0 die Eingangshalle dar, der y−Wert gibt das Stockwerk an (Keller= −y;
Chefetage = +y) und x sagt aus, in Bezug auf die Mitte des Gebäudes und in der
Vorderansicht, ob man sich davon nach links −x oder rechts +x zu bewegen hat.

Aus den unzähligen Beispielen seien hier einige aufgezählt. Es ist Training bei Re-
al Mathematik. Man stelle sich daher ein Fußballfeld vor, mit den Abmessungen
neunzig Meter mal hundertzwanzig Meter. Dabei stellt die Mittellinie einen Teil un-
serer Geraden g dar. Der Mittelpunkt, als markante Markierung, dient zugleich als
Ausgangspunkt unserer Überlegung. Daher wollen wir ihn als Koordinatenursprung
bezeichnen. Dort, in der Mitte des Mittelkreises, steht ein etwas plumper, unerfah-
rener Spieler, nennen wir ihn einmal ’Schmollo, die Pflaume’, der ein Extratraining
braucht. Der Trainer, Meister Gauss, gibt ihm, wie es nun einmal üblich ist, von
der Seitenlinie Anweisungen. Er sagt mit seiner Raucherstimme: “Hust, hust, Jung,
du musst jetzt einen Parkour laufen, für die Kondition. Dort wo du stehst ist
EINE ERKLÄRUNG DER RIEMANNSCHEN HYPOTHESE 5

der Startpunkt! Und dahin kehrst du zurück. Also, dann mal los. Der erste Punkt
lautet“:
z = ±10 + i0
Der Spieler läuft sogleich los; zuerst zehn Schritte zur einen Seite vom Mittelpunkt,
und dann, zehn zur anderen Seite, aber er bleibt stets auf der Mittellinie, denn x
ist gleich 10, während y = 0 ist. Das heißt, er sollte erst zehn Meter nach der einen
und zehn nach der anderen Seite laufen, aber er durfte die Linie nicht verlassen.
Plötzlich kommt der Trainerassistent, König Euler, sieht dem Treiben einen Moment
zu, denkt sich nur, was für eine Pflaume und ruft:
z = 0 ± i60
Kaum ist der Spieler im Mittelpunkt oder wenn man so will im Koordinatenur-
sprung angekommen, rennt er los zu seinem nächsten Ziel. Er läuft zum ersten Tor,
kommt zurück und jagt zum anderen, denn er sollte sich ja nicht auf der Mittellinie
(x = 0) fortbewegen, aber senkrecht dazu (y = 60). Meister Gauss, völlig verärgert
über die Einmischung in seine Methoden, sieht rot. Es kommt zur lautstarken Aus-
einandersetzung. Ein Handgemenge bricht aus. Da kommt der President Riemann
und ruft:
z = ±45 ± i60
bevor er die Streiterei schlichten geht. Währenddessen läuft der Spieler vom Mittel-
punkt zu den vier Fahnen. Warum? Nun, er sollte zunächst einmal 45 (= x) Meter
in einer Richtung (auf der Mittelfeldlinie) laufen, doch dann befindet er sich auf
der Seitenfeldauslinie. Von dort sollte er aber noch einmal 60 (= y) Meter (senk-
recht dazu, also) auf genau dieser Linie laufen, ergo befindet er sich am Ende seines
Laufs, jeweils auf den Ecken des Fußballfeldes. Dieses Spiel kann man immer so
weiter fortführen. Aber der Spieler wird stets eine Pflaume bleiben!

3. Riemannsche Zetafunktion
Nun wo wir ein Verständnis über den Zahlen haben, ist es auch möglich die
Riemannsche Hypothese zu erklären. Um diese jedoch zu verstehen, müssen wir
zunächst einmal die Riemannsche Zetafunktion in den drei Bereichen (der komple-
xen Zahlenebene) betrachten:
1 < Re(z), 1 < Re(z) ≤ 0, Re(z) < 0
(sprich eins kleiner Realteil von z, eins kleiner Realteil von z kleiner gleich Null,
Realteil von z kleiner Null); was den drei Intervallen:
I1 = (1, ∞] × [−∞, ∞], I2 = [0, 1) × [−∞, ∞], I3 = [0, − ∞] × [−∞, ∞]
(sprich i eins gleich das linksoffene Intervall von eins bis unendlich kreuz das ge-
schlossene Intervall von minus unendlich bis unendlich, i zwei gleich das rechtsoffene
Intervall von Null bis eins kreuz das geschlossene Intervall von minus unendlich bis
unendlich, i drei gleich das geschlossene Intervall von Null bis minus unendlich
kreuz das geschlossene Intervall von minus unendlich bis unendlich); entspricht und
so viel bedeutet, wie, für I1 darf x alle Werte größer eins annehmen, bis unendlich,
für I2 darf x alle Werte von Null bis eins annehmen, jedoch nicht eins werden und
auf dem letzten Intervall darf x alle Werte von Null bis minus unendlich annehmen,
wobei y auf allen drei Intervallen jeden beliebigen Wert, ohne jegliche Restriktion,
6 M. N. G. EINSTEIN

zugeteilt werden darf. Diese Einteilung ist ein direktes Resultat der Definition der
Riemannsche Zetafunktion, die über die folgende Reihe:

X 1 1 1
ζ(z) = z
= 1 + z + z + ...
n=1
n 2 3
oder äquivalent dazu:

X 1 1 1
ζ(z) = z
= 1 + x+iy + x+iy + . . .
n=1
n 2 3
was gleichbedeutend ist, zu:

X 1 1 1
ζ(z) = z
= 1 + x iy + x iy + . . .
n=1
n 2 2 3 3
Pk
bestimmt und als solche dargestellt wird. Dabei bedeutet das Sigma n oder das
Summenzeichen, dass eine Summe, von dem Wert n an, bis zum Wert k, nachein-
ander mit allen natürlichen Zahlen dazwischen, zu bilden ist. In dem dargelegten
Fall also von n = 1 bis k = ∞. Daher spricht man auch von einer unendlichen
Summe, wobei n nacheinander den Wert 1, 2, 3, 4, . . . , 100, . . . , 1000, . . . , n → ∞
annimmt. Diese Darstellung gilt nur für das erste Intervall I1 = (1, ∞] × [−∞,
∞], wo x, alle Werte größer eins, bis unendlich annehmen darf. Dies hängt damit
zusammen, dass die Reihe für den Wert x = 1 und y = 0 zur sogenannten Har-
monischen Reihe wird, von der bekannt ist, dass sie divergiert, was bedeutet, dass
der Wert der Summe, sodann gegen unendlich strebt. Daher muss dieser Punkt,
ζ(1)(sprich zeta von eins), ausgeklammert werden. Meister Euler gelang es schließ-
lich als erster überhaupt einen Wert dieser Reihe zu berechnen. Nachdem Jakob
Bernoulli, ebenfalls schweizer Mathematiker, von der Problemstellung des italie-
nischen Mathematikers Pietro Mengoli hörte, der nach der Konvergenz und dem
dazugehörigen Wert der Reihe:

X 1 1 1
2
= 1 + 2 + 2 + ...
n=1
n 2 3
in seinem Buch “Novae quadraturae arithmetica“ über die Addierung von Summen
im Jahr 1644 fragte, sich aber mit der Lösung überfordert sah, begann der nun
zugleich in Basel studierende Mathematiker Leonard Euler und ein Schüler des
Bruders von Bernoulli, Johann, sich mit der Reihe zu beschäftigen. Die Aufgabe
ging somit als Basler Problem in die Historie ein. Jakob Bernoulli gelang immerhin
zu determinieren:

X 1
≤2
n=1
n2
Dabei ging er von der Ungleichung:
2k 2 ≥ k(k + 1)
aus. Daraus folgerte er:
1 1

k2 k(k+1)
2
EINE ERKLÄRUNG DER RIEMANNSCHEN HYPOTHESE 7

sodass gilt:
1 1 1 1 1 1 1 1
1+ + + + ··· + 2 + ··· ≤ 1 + + + + ··· + k(k+1)
+ ...
4 9 16 k 3 6 10
2
Bernoulli wusste, dass die Reihe:

X 1
k(k+1)
k=1 2
gegen den Wert zwei = 2 konvergierte und dass:
∞ ∞
X 1 X 1

k(k+1) k2
k=1 2 k=1
galt. Somit konnte er zeigen, indem er jeweils die Werte für k = 1, k = 2, . . .
nacheinander überprüfte, mithilfe der Ungleichung, dass die Reihe:

X 1
n=1
n2
tatsächlich gegen einen Wert ≤ 2 streben musste.

Euler löste es schließlich mit einer Gleichsetzung. Um die zu berechnende Reihe


darzustellen, nahm er ein Polynom P (x) (eine Summe von Vielfachen von Poten-
zen mit Exponenten (∈ N) der Variablen x), mit den nicht negativen Nullstellen
a1 , a2 , . . . , an , an:
     
x x x x
P (x) = 1 − 1− 1− ... 1 −
a1 a2 a3 an
was gleich der Potenzreihe:
x2 x4 x6
P (x) = 1 − + − + ...
3! 5! 7!
ist, wobei das Ausrufezeichen ! die Fakultät bezeichnet und soviel bedeutet, wie,
dass alle Zahlen bis zur angegebenen, einschließlich derselben, nacheinander mit-
einander zu multiplizieren sind. Also:
n! = 1 · 2 · 3 · ··· · n

3! =1·2·3=6

5! = 1 · 2 · 3 · 4 · 5 = 120

7! = 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7 = 5040

Er hat dann die Potenzreihe der Sinusfunktion:


x3 x5 x7 x9
sin(x) = x − + − + − ...
3! 5! 7! 9!
betrachtet, dessen Wert sich ziemlich einfach berechnen lässt, und festgestellt, dass
eine Division derselben Potenzreihe durch x, sein Polynom darstellen würde. Dies
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enstpricht aber der sogenannten Kardinalssinusfunktion:


sin(x) x2 x4 x6 x8
=1− + − + − ...
x 3! 5! 7! 9!
Er erweiterte daraufhin P (x) mit xx , was gleich eins ist und das neutrale Element
der Multiplikation darstellt, was somit das Polynom nicht verändert, zu:
x2 x4 x6
1− 3! + 5! − 7! + ...
P (x) = x[ ]
x
und setzte es mit der Kardinalssinusfunktion gleich:
x2 x4 x6
1− 3! + 5! − 7! + ... x2 x4 x6 x8
x[ ]=1−+ − + − ...
x 3! 5! 7! 9!
da die Ausdrücke nun tatsächlich gleich sind. Die Nullstellen des Polynoms befinden
sich bei ±kπ mit k = 1, 2, 3, 4, . . . . Aber so auch für die Sinusfunktion. Damit
folgerte er für das Polynom:
     
x x x x
P (x) = 1 − 1− 1− ... 1 −
a1 a2 a3 an
mit den Nullstellena1 , a2 , . . . , an :
     
x x x x
P (x) = 1 − 1− 1− ... 1 −
π −π 2π −nπ
Er fasste daraufhin die Nullstellen zusammen zu:
x2 x2 x2 x2
     
P (x) = 1 − 2 1− 2 1 − 2 ... 1 − 2 2
π 4π 9π n π
um sie mit der Produktdarstellung der Kardinalssinusfunktion:
∞ 
x2 x2 x2 x2 x2
      
sin(x) Y
= 1− 2 2 = 1− 2 1− 2 1 − 2 ... 1 − 2 2
x n=1
n π π 4π 9π n π
Qk
gleichsetzen zu können. Dabei bedeutet n=1 oder das große Pi, dass das Produkt
des in den Klammern stehenden Ausdrucks nacheinander zu bilden ist, wobei n die
Folge der natürlichen Zahlen durchläuft, angefangen bei dem n zugeteilten Wert,
bis hin zu k. In diesem Fall also von eins bis unendlich. Das Polynom ist nun gleich
der Reihendarstellung der Kardinalssinusfunktion. Damit folgt:
x2 x2 x2 x2 x2 x4 x6
     
1− 2 1− 2 1 − 2 ... 1 − 2 2 = 1 − + − + ...
π 4π 9π n π 3! 5! 7!
Nun muss man die Klammerausdrücke nur noch ausmultiplizieren, womit man:
 
1 1 1
P (x) = 1 − + + . . . x2 + . . .
π2 4π 2 9π 2
erhält, womit man aber sieht, dass der Koeffizient x2 von sinx x gleich:
  ∞
1 1 1 1 X 1
− 2 + 2 + 2 ... = − 2
π 4π 9π π n=1 n2
ist, zumindest wenn man die Koeffizienten von:
x2 x4 x6
1− + − + ...
3! 5! 7!
EINE ERKLÄRUNG DER RIEMANNSCHEN HYPOTHESE 9

mit der Gleichung:



1 X 1

π 2 n=1 n2
gleichsetzt. Dies ergibt nun:
∞ ∞
x2 x4 x6
X 
1 1 X 1
1− + − + ··· = − = −
3! 5! 7! n=1
n2 π 2 π 2 n=1 n2
Dass dies stimmt, sieht man an der einfachen Tatsache, dass auf der rechten Seite
π 2 · n2 , genau wie im Polynom, steht. Hieran erkennt man wunderbar die Folge
der Manipulation von Meister Euler, die vorgebracht hat, dass die ursprüngliche
Summe, versteckt hinter einer anderen liegt, welche sich nur um einen Faktor von-
einander unterscheiden (so muss es auch sein, wenn man sich den Ausgangspunkt,
mit der Kardinalssinusfunktion und der einfachen Taylorreihe für die Sinusfunktion
anschaut, die sich um (den Faktor) die Division von x unterscheiden, so muss auch
das dadurch dargestellte und manipulierte Polynom sich differenziert darstellen).
1
Von sinx x ist der Koeffizient x2 gleich − 3! 1
= − 1·2·3 = − 16 . Daher müssen diese
Koeffezienten gleich sein, woraus folgt:

1 1 X 1
− =− 2
6 π n=1 n2
Jetzt muss man nur noch durch − π12 teilen oder mit −π 2 multiplizieren, um die
gesuchte Reihe alleine zu erhalten, was schlussendlich:

X 1 1 1 1 1 π2
= 1 + + · · · = 1 + + + · · · =
n=1
n2 22 32 4 9 6
ergibt. Damit hatte Euler den Wert bestimmt und konnte somit für viele weitere
geradzahlige Argumente wie:
∞ ∞ ∞ ∞
X 1 π4 X 1 π6 X 1 π8 X 1 π 10
= , = , = , =
n=1
n4 90 n=1 n6 945 n=1 n8 9450 n=1 n10 93555
berechnen. Alle Versuche die Reihe mit irgendwelchen ungeradzahligen Exponenten
zu berechnen scheiterten. Bis heute gelang es nur Roger Apéry die Summe:

X 1
= 1,20205 · · · = ζ(3)
n=1
n3
als einzigem zu berechnen.

Daraufhin gelang Meister Euler noch etwas fantastisches. Man sieht eigentlich
schon, dass die Reihe für z > 1, wenn wir anstatt n12 , n13 , . . . nun wieder n1z
schreiben, niemals divergiert, aber dies ist noch kein Beweis. Das bewerkstelligte
er nicht, da dies offensichtlich ist, dass die Reihe absolut konvergiert2, sobald der
gewählte Realteil von z, Re(z) > 1 ist. Denn, mit der Darstellung:
ez·log(n) = nz = nx+iy = nx niy = ex·log(n) eiy·log(n)

2Absolute Konvergenz bedeutet, dass egal wie man die Reihenglieder auch verändert, die Reihe
konvergiert, also einem und sogar dem gleichen berechenbaren Wert entgegenstrebt.
10 M. N. G. EINSTEIN

aufgrund der Potenzgesetze (nx ny = nx+y ), gilt:


∞ ∞ ∞
X 1 X 1 X 1
= =
nz ez·log(n) e(Re(z)+i Im(z))·log(n)
n=1 n=1 n=1
∞ ∞ ∞
X 1 X 1 X 1
Re(z)·log(n) ||ei Im(z)·log(n) |
= Re(z) | · 1
= Re(z)
= ζ(Re(z))
n=1
|e n=1
|n n=1
n
dabei bezeichnet |n|, |nz | den Betrag von n, nz , der als der positive Wert von n, nz
definiert ist. Da |eiy | = 1 reell ist, folgt für |n1z | = nRe(z)
1
, also genau jene Aussage
oben. Dies ist aber nichts weiter als:
∞ ∞ ∞
X 1 X 1 X 1
= =
nz n Re(z) nx
n=1 n=1 n=1
Aus der Analysis weiß man jedoch, dass es ein Integral, also eine unendlich feine
Summe, mit der Eigenschaft gibt:
Z ∞ ∞
1 X 1
x
dx ≥
1 u n=1
nx
welches existiert, sobald x > 1. Damit können wir den Wert für unsere Summe
abschätzen, wenn wir den Realteil mit x identifizieren. Damit ist der Beweis der
absoluten Konvergenz erbracht.

Die eigentliche Errungenschaft von Meister Euler bestand aber darin, nachdem
er den Wert der Reihe berechnet hatte, ihre Verbindung zu den Primzahlen = P
zu erkennen, denn ihre Verteilung auf dem Zahlenstrahl ist keinem erkennbaren
Muster unterworfen und damit auch mathematisch nicht zu erfassen, obwohl ihre
Bedeutung für die Zahlentheorie von ungeheurer Wichtigkeit ist, nehmen sie doch
in der Krypthographie eine herausragende Rolle ein. Dabei benutzte er den Funda-
mentalsatz der Arithmetik. Dieser Satz besagt, dass jede natürliche Zahl durch ein
Produkt aus Primfaktoren darstellbar ist (z.B. 6 = 2 · 3, 8 = 23 , 10 = 2 · 5, . . . ):
N 3 n = 2a1 3a2 5a3 · · · pakk
Dies und die absolute Konvergenz machte er sich zunutze. Zunächst betrachtete er
das Produkt der beiden Reihen:
X ∞ ∞
 X  ∞ X ∞
1 1 X 1
zn1 zn2
= n1 · 3n2 )z
n =0
2 n =0
3 n =0 n =0
(2
1 2 1 2

Dann jene drei:


∞ ∞ ∞ ∞ X ∞ X ∞
X 1 X 1 X 1 X 1
( zn
)( zn
)( zn
) =
n =0
2 1
n =0
3 2
n =0
5 3
n =0 n =0 n =0
n
(2 · 3 2 · 5n3 )z
1 n
1 2 1 1 2 3

Dies kann man jetzt immer so weiter fortführen und erhält nach k Faktoren:
X ∞ ∞
 X  X∞  ∞ X ∞ ∞
1 1 1 X X 1
zn1 zn2
· · · znk = · · · n1 · 3n2 · · · pnk )z
n =0
2 n =0
3 p
n =0 k n =0 n =0 n =0
(2 k
1 2 1 1 2 k
EINE ERKLÄRUNG DER RIEMANNSCHEN HYPOTHESE 11

Mithilfe des Fundamentalsatz der Arithmetik kann man dies aber zusammenfas-
sen zu:
∞ X ∞ ∞ ∞
X X 1 X 1 1 1
··· · · · n1 n2 nk z = z
= 1 + z + z + ...
n =0 n =0 n =0
(2 · 3 · · · p k ) n=1
n 2 3
1 2 k

Die Richtigkeit dieser Aussage ist fast schon trivial, denn durch den Fundamen-
talsatz der Arithmetik wird versichert, dass jedes n in nur einer Form mithilfe
der Primzahlen gebracht wird. Wenn man all diese Varianten zusammenfasst, die
ja jetzt über alle möglichen Zahlenkombinationen, von eins bis unendlich laufen,
erhält man, voilá, die angegebene Gleichung. Um sie auf einen geschlossenen Aus-
druck zu bringen, braucht man die Formel, für die sogenannte, geometrische Reihe:
1
1 + q + q2 + q3 + · · · =
1−q
Angewandt auf die Reihe der Primzahlen (unsere Ausgangsreihe):
1 1 1
1 + z + 2z + 3z + . . .
p p p
erhalten wir:
1 1 1 1
1 + z + 2z + 3z + · · · =
p p p 1 − p1z
Damit gelangt man schließlich zur Produktdarstellung über alle Primzahlen:
Y 1 ∞
1 1 1 X 1
= · · ··· = = ζ(z)
p∈P
1 − p1z 1 − 21z 1 − 31z 1 − 51z n=1
n z

Diese Darstellung der Riemannschen Zetafunktion nennt man daher auch Euler
Produkt. Diese beweist aber noch etwas, denn wenn das Produkt über unendlich
viele natürliche Zahlen läuft, muss es nach dem Fundamentalsatz der Arithmetik
ebenso viele Primzahlen geben, die diese schließlich darstellen. Daher ist dies zu-
gleich ein Beweis dafür, dass es unendlich viele Primzahlen gibt.

Nun kommen wir zu den zwei anderen Intervallen. Dafür wäre es aber von nöten
den Zusammenhang der Gammafunktion(= Γ(z)) und der Zetafunktion zu untersu-
chen, was über den beabsichtigten Sacherverhalt hinausgeht. Daher begnügen wir
uns hier mit dem Endergebnis, welches als analytische Fortsetzung der Zetafunktion
bezeichnet wird:
Γ(1 − z) uz−1
I
ζ(z) = −u
du (C\{1} → C)
2πi D e −1
Dabei bezeichnet C\{1} → C (sprich C ohne 1 abgebildet auf C), dass diese Funk-
tion für jeden Wert der komplexen Zahlenebne konvergiert, bis auf jenen der eins,
den man damit exkludiert bzw. herausnimmt. Der angegebene Integrationsweg D,
setzt sich dabei, selbst aus drei Teilen in der komplexen Zahlenebene zusammen:
D = C1 + C2 + C3 ; wobei C1 von minus unendlich, unterhalb und parallel zur
reellen Achse, bis zu einem Punkt δ läuft; C2 , mit einem Radius kleiner δ < 2π,
nimmt von dort den Faden auf, und läuft in einem fast geschlossenen Kreis um den
Koordinatenursprung herum, bis es auf der anderen Seite zum gegenüberliegenden
δ zum halten kommt; und von dort läuft C3 zurück zu minus unendlich, oberhalb
und parallel zur reellen Achse. Man kann sich die Form, wie eine waagerechte, auf
12 M. N. G. EINSTEIN

dem Boden liegende Wasserpfeife vorstellen, wobei C1 und C3 den langen Hals
bilden, über und unter unserer Geraden g, und C2 den runden Glasboden formt,
der die beiden Seiten miteinander verbindet. Damit folgt aber für die Zetafunktion
eine neue Darstellungsform:
 
2 πz
ζ(1 − z) = cos Γ(z)ζ(z)
(2π)z 2
die als Funktionalgleichung bezeichnet wird. Diese Gleichung gilt für alle (komplex-
wertigen) Werte von z. Dabei bezeichnet cos( πz
2 ) den komplexen Cosinus, Γ(z) die
schon erwähnte Gammafunktion und ζ(z) die Riemannsche Zetafunktion.

4. Nullstellen der Riemannschen Zetafunktion


Erst mit der Funktionalgleichung ist es möglich ganz einfach bestimmte Zusam-
menhänge zu erfassen, wie etwa die Nullstellen, die uns zur Riemannschen Hypo-
these bringen wird. Wir schauen uns dafür, zunächst einmal, das Funktionsver-
halten der Werte für Re(z) > 1 an. Mithilfe des Euler Produkts können wir die
Sache angehen. Aber wie wäre dies zu überprüfen, ob es in jenem Bereich Nullstel-
len gibt?pAufgrund der Bedingung
p Re(z) > 1 kann man mit den Betragswerten,
= |z| = Re(z) + Im(z) = x + y 2 , eingesetzt in der Funktion, rechnen. Wenn
2 2 2

man sich nun die Ergebnisse der Reihenwerte von Euler:


∞ ∞ ∞ ∞
X 1 π4 X 1 π6 X 1 π8 X 1 π 10
= , = , = , =
n=1
n4 90 n=1 n6 945 n=1 n8 9450 n=1 n10 93555
anschaut, sieht man an dem Verhalten, dass die Werte für immer größere x oder
Exponenten, zwar abnehmen, aber sich nicht aufheben. Daraus kann man schließen,
dass es keine Nullstellen dort geben kann. Mathematisch schreibt man dies so:
∀z ∈ C : Re(z) > 1 ⇒ |ζ(z)| > 0 ⇐⇒ ζ(z) 6= 0
(sprich für alle z in den komplexen Zahlen mit Realteil größer eins, folgt, Betrag
von Zeta von z (stets) größer Null äquivalent zu Zeta von z ungleich Null); was
nichts anderes bedeutet, als dass es auf der komplexen Zahlenebene, rechts von der
eins, egal wohin man auch schaut, keine Nullstelle gibt, unabhängig davon welchen
Wert man auch für z wählt. Dass die Äquivalenz tatsächlich berechtigt ist, folgt
aus:
|ζ(z)| = 0 ⇐⇒ ζ(z) = 0
(sprich Betrag von Zeta von z gleich Null äquivalent zu Zeta von z gleich Null); was
soviel bedeutet, wie, dass der Betrag der Zetafunktion von z genau dann Null ist,
wenn der eingesetzte Wert für z eine Nullstelle ergibt, denn wenn man z einsetzt
und Null erhält, bleibt auch der Betrag der Funktion Null, womit diese Aussagen
vollkommen gleichwertig sind. Für das Euler Produkt:
Y 1 ∞
1 1 1 X 1 Y 1
1 = 1 · 1 · 1 · · · = = = ζ(z)
1 − pz 1 − 2z 1 − 3z 1 − 5z n=1
n z 1 − p−z
p∈P p∈P
−z 1
(wobei das Inverse Element p gleich ist) folgt damit:
pz
Y 1 Y 1 Y 1 Y 1
|ζ(z)| = | −z
| = −z
≥ −z
= −
>0
p∈P
1−p
p∈P
|1 − p |
p∈P
1 + |p |
p∈P
1 + p Re(z)
EINE ERKLÄRUNG DER RIEMANNSCHEN HYPOTHESE 13

Diese Identität bedeutet nichts anderes, als dass der Betrag der Zetafunktion
von z stets größer Null ist. Also gibt es keine Nullstelle mit Re(z) > 1. Damit ist
die Aussage bewiesen.

Nun benutzen wir die Funktionalgleichung, um die anderen Nullstellen zu deter-


minieren. Aus der Tatsache, dass die Gammafunktion keine Nullstelle hat, können
wir folgern:
∀z ∈ C : Re(z) < 0 ∧ Im(z) 6= 0 ⇒ ζ(z) 6= 0
(sprich für alle z in den komplexen Zahlen mit Realteil von z kleiner Null und
Imaginärteil von z ungleich Null, folgt für die Zetafunktion von z, stets ungleich
Null); dies bedeutet nur, dass es ober − und unterhalb des reellen Zahlenstrahls
keine Nullstelle gibt. Doch wie kann man nun das schon wieder zeigen? Man bedient
sich eines kleinen Tricks. Man definiert eine neue Variable t und setzt sie gleich
t := 1 − z. Dann hat man Re(t) = 1 − Re(z) > 1 und mit dem vorhin bewiesenen,
folgt automatisch |ζ(t)| > 0. Mit der Funktionalgleichung:
 
2 πz
ζ(1 − z) = z
cos Γ(z)ζ(z)
(2π) 2
und dem komplexen Cosinus:
   
πt 1 iπt −iπt
cos = e +e
2 2
2 2
folgt:
2 πt
|ζ(z)| = |ζ(1 − t)| = t
cos( )Γ(t)ζ(t)
(2π) 2
 
2 πt 2|Γ(t)||ζ(t)| 1 iπt −iπt
= cos |Γ(t)||ζ(t)| = (e 2 + e 2 ) ≥
|(2π)t | 2 (2π)Re(t) 2

|Γ(t)||ζ(t)| iπt −iπt
≥ Re(t)
|e 2 | − |e 2 |
(2π)
Da der Ausdruck:
|Γ(t)||ζ(t)|
(2π)Re(t)
aufgrund der Gammafunktion nicht Null wird, bleibt er auch stets größer Null:
2|Γ(t)||ζ(t)|
>0
(2π)Re(t)
Somit erhalten wir:
|Γ(t)||ζ(t)| −π Im(t) π Im(t)

2 | − |e 2 | >0
(2π)Re(t)
|e

falls Im(t) = Im(z) 6= 0 (, denn die e−Funktion hat ohnehin keine Nullstellen,)
womit wir gezeigt haben, dass es oberhalb und unterhalb der reellen Achse im ne-
gativen Bereich (, links von der Null,) keine Nullstellen gibt oder mathematisch
ausgeschrieben: Re(z) < 0 ∧ Im(z) 6= 0.

Kommen wir nun zu den sogennanten trivialen Nullstellen. Bis jetzt, hat die Rie-
mannsche Zetafunktion keine Nullstellen aufgewiesen. Aber wo sind denn dann
14 M. N. G. EINSTEIN

welche? Nun, einen Fall, den wir noch nicht untersucht haben, ist Im(z) = 0,
also wenn der Imaginärteil von z Null wird. Dann wird z reell. Dies bedeutet, man
bewegt sich nur auf der Geraden g hin und her. Wenn wir wieder unsere Variable t
benutzen, und ihr dieses Mal den Wert t := 1 − 2z zuweisen, womit gilt Re(t) = 1 −
2 Re(z), sodann wissen wir schon aus einer unserer vorigen Bemerkungen, nämlich:
∀z ∈ C : Re(z) > 1 ⇒ |ζ(z)| > 0 ⇐⇒ ζ(z) 6= 0
Fraglich ist, ob dies ebenfalls für negative ganze Zahlen gilt. Dann schauen wir doch
einmal nach. Setzen wir also nacheinander einen Wert ein, in die Funktionalglei-
chung:  
2 πz
ζ(1 − z) = cos Γ(z)ζ(z)
(2π)z 2
um zu sehen was geschieht. Zunächst einmal wird die Cosinusfunktion reel, da
der Imaginärteil komplett weggefallen ist. Dies gilt natürlich auch für die anderen
Funktionen. Damit wird die Funktionalgleichung zu:
 
2 π Re(z)
ζ(1 − z) = cos Γ(Re(z))ζ(Re(z))
(2π)Re(z) 2
oder äquivalent dazu:
 
2 πx
ζ(1 − x) = cos Γ(x)ζ(x)
(2π)x 2
Dies sagt uns eine ganze Menge, denn wir wissen, wo die Nullstellen des Cosinus
sind; die befinden sich genau bei π2 oder 90◦ und damit bei allen vielfachen davon mit
dem Abstand von π oder 180◦ . Aber durch die Definition der Variable t := 1 − 2z,
sind sie verschoben. Denn wir haben:
   
2 πt 2 πt
|ζ(2z)| = |ζ(1 − t)| = cos Γ(t)ζ(t) =
cos |Γ(t)||ζ(t)|
(2π)t 2 |(2π)t | 2
Dabei haben wir wieder:
|Γ(t)||ζ(t)|
>0
(2π)Re(t)
da der Ausdruck für keinen Wert von t Null wird. Wir haben aber noch:
   
cos πt = cos π − πz

2 2
aufgrund der Definition von t. Mithilfe der trigonometrischen Identität:
cos(x − y) = cos(x) cos(y) + sin(x) sin(y)
erhalten wir:
     
cos π − πz = cos π cos(πz) + sin π sin(πz)

2 2 2
Da allerdings der Cosinus bei π2 eine Nullstelle hat, wird der gesamte Ausdruck
cos( π2 ) cos(πz) = 0; und da der Sinus bei π2 eins wird, haben wir nur noch:
|Γ(t)||ζ(t)|
| sin(πz)|
(2π)Re(t)
Dieser Ausdruck ist aber bei allen nicht−positiven geraden ganzen Zahlen, = z ∈
Z− , Null, ebenda wo der Sinus seine Nullstellen hat bzw. wenn die Sinusfunktion,
EINE ERKLÄRUNG DER RIEMANNSCHEN HYPOTHESE 15

aufgrund des Arguments πz, Null wird. Damit haben wir die Nullstellen gefun-
den, also liegen sie bei:
ζ(−2) = ζ(−4) = ζ(−8) = · · · = ζ(−2n)
Dies sind die sogenannten triviallen Nullstellen, da sie ziemlich trivial (zu finden)
sind.

5. Riemannsche Vermutung
Kommen wir nun zum eigentlichen Ziel, der Hypothese von Riemann und der
Frage nach den nicht trivialen Nullstellen. Bernhard Riemann, der die Zetafunktion
untersuchte, stellte fest, dass die Funktion im Letzt zu untersuchenden Intervall:
I2 = [0, 1) × [−∞, ∞]
welches als kritischer Streifen bezeichnet wird, symmetrisch ist. Darüber hinaus
fand er ein(nig)e Nullstellen, die auf einer Linie lagen:
1
± iy
2
Daher stellte er sich die Frage, ob alle Nullstellen, in dem angegebenen Intervall,
auf dieser Linie liegen. Viele Mathematiker haben sich damit beschäftigt, konnten
aber alle keinen Ausdruck finden, um die Nullstellen im besagten Intervall zu be-
rechnen. Aber es gibt auch einige Erfolgsmeldungen. Darunter fällt der Beweis des
Primzahlentheorems von De La Vallée Poussin und Hadamard, in dem sie gezeigt
haben, dass es die Zetafunktion keine Nullstelle mit Realtail eins hat.

Die Schwierigkeit bei der Berechnung ist, dass man keinen einfachen Ausdruck hat,
um die Nullstellen im besagten Streifen zu berechnen. Man kann über bestimm-
te Integrale, die erlauben, jede Stelle einer Nullstelle, nacheinander zu berechnen
oder man berechnet die Werte über die unendlichen Reihen, was in beiden Fällen
ziemlich mühsam und Rechenaufwendig ist!

Literatur
[1] Bernhard Riemann. Über die Anzahl der Prizahlen unter einer gegebenen Größe. 1859