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MAGAZIN

Das Gesundheitsmagazin am Universitätsklinikum Jena 1|2014

INNOVATIVE RADIOLOGIE
Moderne minimal-invasive Eingriffe
nicht nur bei Krebsbehandlung

Neues Schwindelzentrum Organspende am UKJ


Wenn der Boden wankt 1300. Nierentransplantation
Inhalt

Schwerpunkt
Innovative Radiologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Alternative zur Gebärmutterentfernung . . . . . . . . . . . . . 6
Magnetische Wärme gegen den Krebs . . . . . . . . . . . . . . . 7

Im Blick
Masern: Impfen ist der beste Schutz . . . . . . . . . . . . . . . . 8
1300. Nierentransplantation am UKJ . . . . . . . . . . . . . . . . 9

Sprechstunde
Eingriffe gegen die „Schaufenster-Krankheit . . . . . . . . 10

Visite
Hirnschrittmacher und Sport gegen Parkinson . . 12
Wenn der Boden unter den Füßen wankt . . . . . . . . . . . 14
Hirnschrittmacher auch gegen Schmerzsyndrom . . . . . 15
Anlaufstelle nicht nur bei ADHS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

Forschen und Heilen


Ungewöhnliche Heilung bei Durchfallkeimen . . . . . . . . 17
Preis für Forschung zu schizophrenen Erkrankungen . . 17
Moderne Medizin und Forschung als Besuchermagnet . . .18
Die Vernetzung im Gehirn verfolgen . . . . . . . . . . . . . . . 19
Altersgerechte Studien für die Krebstherapie . . . . . . . . 20
Instrumententanz im Übungs-OP . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Promotionsstipendien für zehn Medizinstudenten . . . . 20

Menschen am Klinikum
Namen und Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Künftige Hausärztegeneration im Fokus . . . . . . . . . . . . 22
Was macht eigentlich….eine Orthoptistin? . . . . . . . . . . 23

Patientensicht
Wieder tasten, fühlen, greifen . . . . . . . . . . . . . 24
Dankbar für gute Betreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

2 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
Primo Loco

Liebe Leserinnen & Leser,


sollten Sie einmal gefragt werden,
wann Wilhelm Conrad Röntgen den
Nobelpreis für Medizin erhalten habe,
fallen Sie nicht auf diese Fangfrage
herein. Die richtige Antwort lautet: gar
nicht. Er erhielt nämlich den Nobel-
preis für Physik. Aber mit seiner Ent-
deckung der Röntgenstrahlen schuf er
die Grundlage für ein medizinisches
Fachgebiet, dass sich in den vergange-
nen Jahren immer mehr von der reinen
Diagnostik zur Therapieoption entwi-
ckelt hat: die Radiologie. Sie steht im
Mittelpunkt dieser neuen Ausgabe des
„Klinikmagazins".

$QQHWWH 1RWKQDJHO XQG 0LFKDHO /|IîHU VLQG ]ZHL 1DPHQ GLH


ebenfalls in dieser Ausgabe vorkommen. Die beiden kennen sich
nicht, trotzdem haben sie etwas gemeinsam. Die 38-Jährige und
der 44-Jährige erhielten am Universitätsklinikum Jena ein neues
Organ. Beiden hat die Transplantationsmedizin bei ihrer schweren
Erkrankung geholfen.

Zudem stellen wir Ihnen zwei Anlaufstellen am UKJ für ganz


verschiedene Patientengruppen vor: Am Standort Lobeda gibt
es nun das „Schwindelzentrum“ für Menschen mit chronischen
Gleichgewichtsstörungen, auf dem Campus in der Innenstadt an
Hinter den Kulissen GHU%DFKVWUD‰HEHíQGHWVLFKVHLWGHPOHW]WHQ-DKUGLH$PEXODQ]
der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Nicht nur Kindern
Speisenvielfalt für die Gesundheit . . . . . . . . . . 26 mit Verhaltensstörungen werden dort betreut, auch deren Eltern
íQGHQGRUW+LOIH

Umschau Viel Spaß beim Lesen!

Von der „Steinklinik“ zum OP-Roboter . . . . . . . . . . . . . . 28 Ach ja: Conrad Röntgen erhielt den Nobelpreis für Physik übrigens
700. Lebertransplantation am UKJ . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 im Jahr 1901.
Blutspende-Standorte zentralisiert . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Ihr
0HGDLOOHQIU(UíQGHUDXVGHP8.- . . . . . . . . . . . . . . . . 31

Mosaik Prof.
f Dr. Klaus Höffken
Über den Tellerrand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Medizinischer Vorstand des UKJ

Sepsis auf der Bühne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33


Wen suchen wir . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

Service
Das Titelbild zeigt Radiologen bei einer Prostata-Embolisation, einem
Veranstaltungsangebote. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 innovativen Verfahren, das bisher nur am UKJ angeboten wird.
Wegweiser für Patienten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 Foto: Michael Szabó / Klinisches Medienzentrum

3
INNOVATIVE
RADIOLOGIE
Mehr als nur Diagnostik
Mit minimal-invasiven Verfahren therapieren die Radiologen am
Universitätsklinikum Jena nicht nur Krebspatienten
Röntgen, Computertomographie oder MRT – bei der Diagnostik ken in Deutschland jährlich mehr als 8000 Menschen. Wenn sich die
vieler Erkrankungen ist der Blick des Radiologen ins Körperinnere ersten Beschwerden einstellen, ist die Erkrankung meist schon weit
unverzichtbar. Doch längst ist die Radiologie kein rein diagnos- fortgeschritten. Für eine Operation zur Entfernung der befallenen
tisches Fach mehr. Mit minimal-invasiven, mikrotherapeutischen Leberteile oder des gesamten Organs ist es dann oft schon zu spät.
Eingriffen behandeln Radiologen heutzutage auch. Sie fädeln näh- Eine Transplantation der Leber ist nur für wenige Betroffene eine the-
zwirnfeine Katheter unter Bildkontrolle in Blutgefäße und öffnen rapeutische Option – die zudem durch die langen Wartezeiten auf ein
so durch Gefäßerkrankungen verschlossene Adern oder blockieren Spenderorgan eingeschränkt wird. Für diese Patienten bietet das Uni-
die Blutzufuhr von gut- und bösartigen Tumoren. Auch Medika- versitätsklinikum Jena die SIRT als mikrotherapeutisches Verfahren
mente können so zielgenau in erkrankte Körperregionen transpor- an, um einerseits den Leberkrebs zu behandeln und andererseits die
tiert werden – etwa zur Behandlung von Lebermetastasen. „Der Wartezeit auf der Transplantationsliste zu überbrücken – das soge-
rein diagnostische Anteil der interventionellen radiologischen nannte „Bridging“.
Verfahren liegt inzwischen bei weniger als 30 Prozent“, sagt Prof.
Dr. Ulf Teichgräber, Leiter des Zentrums für interventionelle und „In einem minimal-invasiven Eingriff werden winzige radioaktive
diagnostische Radiologie am Universitätsklinikum Jena. Vorteil Glaskügelchen über einen dünnen Mikrokatheter durch die Leisten-
der minimal-invasiven Verfahren: Es reicht eine winzige Gefäß- arterie direkt in die Leberschlagader gespritzt“, erläutert Teichgräber.
punktion in der Leistenregion unter örtlicher Betäubung für den „Die Kügelchen sammeln sich in den Tumorgefäßen und geben ihre
Katheterzugang. „Gerade für schwerkranke Menschen ist das eine Strahlung punktgenau auf das Tumorgewebe ab.“ Die hohe örtliche
geringere körperliche Belastung“, so Teichgräber. Eine Vollnarkose Strahlendosis zerstört die Krebszellen und verschließt die Blutgefäße,
sei meist nicht nötig, der Krankenhausaufenthalt meistens auf nur die den Tumor versorgen.
zwei Tage beschränkt und die Risiken seien geringer.
Etwa 50 Patienten mit primären Lebertumoren – also Krebs, der
Bestrahlung von innen bei Leberkrebs seinen Ausgangspunkt in der Leber hat – sind am UKJ bislang mit
diesem Verfahren behandelt worden. Darunter sind auch Patien-
Seit drei Jahren bietet die Radiologie in Zusammenarbeit mit der Nuk- ten, die auf der Warteliste für eine Lebertransplantation stehen.
learmedizin am UKJ bei Patienten mit fortgeschrittenem Leberkrebs In Frage kommt die Therapie aber auch für Patienten mit Brust-
eine innovative Strahlentherapie an: die selektive interne Radiothe- RGHU'DUPNUHEVGLHKlXíJ7RFKWHUJHVFKZXOVWHLQGHU/HEHUELO-
rapie (SIRT) – eine „Bestrahlung von innen“. An Leberkrebs erkran- den. Bei Patienten mit besonders großen Tumoren oder Tumoren

4 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
Schwerpunkt

Drüse auf die Blase drückt, haben sie ständigen Harndrang. Oft
wird auch die Harnröhre so sehr eingeengt, dass der Harn nicht
DEîLH‰HQNDQQ*lQJLJVWH7KHUDSLHLVWELVODQJHLQH2SHUDWLRQEHL
dem die Prostata durch Gewebeentfernung wieder verkleinert wird.
Oft mit unangenehmen Begleiterscheinungen wie Problemen beim
Wasserlassen oder Impotenz. Die arterielle Prostata-Embolisation
– eine Schlagader-Verödung, die die vergrößerte Prostata wieder
auf Normalmaß schrumpfen lässt –, wird als Behandlungsalterna-
tive bislang nur am UKJ angeboten. Dabei wird die Schlagader mit
Mikropartikeln, die unter angiographischer Kontrolle in das Gefäß
geschoben werden, verödet. Die Wirkung stellt sich innerhalb
von vier Wochen ein: Dann ist die Prostata um etwa 20 Prozent
geschrumpft, der lästige Dauerdruck auf die Harnröhre schwindet
meistens bereits nach wenigen Tagen.

Die in Jena mit dem neuen Verfahren behandelten Männer waren


allesamt Hochrisikopatienten. Klaus Richter aus Ostthüringen gehört
]XGHQHUVWHQ3DWLHQWHQGLHYRQGHUQHXHQ0HWKRGHSURíWLHUHQ'HU
69-Jährige bekam urplötzlich akute Prostataprobleme und sollte
eigentlich klassisch operiert werden. Doch er ist Bluter und ent-
schied sich für die risikoarme minimal-invasive Methode. Den Ein-
mit ausgedehnten Tochtergeschwülsten außerhalb der Leber ist griff erlebte er dank örtlicher Betäubung bei vollem Bewusstsein.
diese Methode allerdings nicht geeignet. Für welche Patienten Schon am übernächsten Tag konnte er aufstehen, eine Woche später
dieses Verfahren in Frage kommt, entscheidet die interdisziplinäre durfte er nach Hause – sicherheitshalber noch mit Harnkatheter, der
Tumorkonferenz am UKJ, in der Ärzte verschiedener Fachrichtun- nach vier Wochen entfernt wurde. Und jetzt? „Mir geht’s gut, ich
gen jeden einzelnen Fall besprechen und Behandlungsempfehlun- habe keinerlei Probleme mehr“, freut er sich. Die Nachkontrolle sei
gen festlegen. Dem gehen verschiedene radiologische Untersu- gut verlaufen.
chungen voraus, darunter eine Computertomographie und eine
Angiographie (Gefäßdarstellung) der Leber – bei der auch Gefäße Die interventionelle Radiologie hat Schnittmengen zu vielen
]XP 6FKXW] YRU HLQHP $EîXVV GHU UDGLRDNWLYHQ 7HLOFKHQ YHU- anderen medizinischen Fachgebieten. „Wir arbeiten deshalb eng
schlossen werden. „Unser Ziel ist es, auch ein neues Chemothera- mit den anderen Fachrichtungen am Klinikum zusammen“, betont
pieverfahren für bestimmte, schnell wachsende Leberkrebsarten Teichgräber. So werde etwa die Entscheidung für eine SIRT-Thera-
einzuführen, bei dem die Medikamente durch einen künstlichen pie nicht von den Radiologen allein getroffen, sondern von inter-
%OXWNUHLVODXIDX‰HUKDOEGHV.|USHUVGLUHNWLQGLH/HEHUîLH‰HQ§VR disziplinären Tumorkonferenzen, in denen Ärzte verschiedener
der 43-jährige Arzt. Fachgebiete jeden einzelnen Fall besprechen. Bei der Behandlung
selbst arbeiten die Radiologen mit der Klinik für Nuklearmedizin
Neue Wege bei gutartiger zusammen. Mit der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Prostata-Vergrößerung kooperiert das Zentrum für Radiologie bei der minimal-invasiven
Therapie von Myomen (Muskelgeschwulsten) der Gebärmutter
Ganz neue Wege gehen die Jenaer Radiologen auch in der Behand- und mit der Klinik für Urologie bei der Prostata-Behandlung. Eine
lung von gutartigen Prostatavergrößerungen. Die gutartige Vergrö- interdisziplinäre Zusammenarbeit gibt es auch mit den Gefäß-
ßerung der Prostata, Fachausdruck: benigne Prostatahyperplasie, spezialisten und -chirurgen am UKJ in der 2013 eingerichteten
LVWHLQHGHUKlXíJVWHQXURORJLVFKHQ'LDJQRVHQ(WZDMHGHU]ZHLWH minimal-invasiven Ambulanz (MIA). Katrin Zeiß
Mann jenseits der 50 ist davon betroffen. Weil die vergrößerte

Prof. Dr. Ulf Teichgräber


Universitätsklinikum Jena
Zentrum für Radiologie
Erlanger Allee 101 · 07747 Jena

Minimal-invasive Ambulanz

03641 9-324778
MIA@med.uni-jena.de

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Schwerpunkt

Alternative zur Gebärmutterentfernung


Am UKJ veröden Radiologen gutartige Gebärmuttergeschwulste
Ein Myom in der Gebärmutter hat Marzena empfehlen Frauenärzte eine Behandlung veröden sie so – das Myom kann nicht wei-
Otto aus Sachsen-Anhalt ans Institut für – nicht selten die Gebärmutterentfernung, ter wachsen. Die Frauen erhalten während
interventionelle und diagnostische Radio- in der Fachsprache Hysterektomie. Doch des etwa ein- bis eineinhalbstündigen Ein-
logie (IDIR) am Universitätsklinikum Jena mit dem Verlust der Gebärmutter tun sich griffs eine örtliche Betäubung.
geführt. Die 46-Jährige war auf der Suche YLHOH)UDXHQVFKZHUKDW7HLFKJUlEHUKlXíJ
nach einer Alternative zur Entfernung der beobachtet. „Für sie ist das gleichbedeu- Im Aufklärungsgespräch hat Marzena Otto
Gebärmutter, die ihre Frauenärztin ihr we- tend mit dem Verlust der Weiblichkeit.“ viele Fragen an den Institutsleiter: Welche
gen der durch die gutartige Geschwulst ver- Dank der Fortschritte der Kathetertechnik Lokalanästhesie bekomme ich? Wie ist das
ursachten Beschwerden empfohlen hatte. und der Entwicklung hauchfeiner Mikroka- mit den Schmerzen nach dem Eingriff?
„Wie ein Schock“ sei diese Empfehlung für thetersysteme, die das Eindringen auch in Muss ich lange im Krankenhaus bleiben?
sie gewesen, berichtet die zweifache Mutter, kleine Gefäße erlaubt, hat sich die Myom- Schneller wieder auf den Beinen zu sein,
als sie Institutsleiter Prof. Dr. Ulf Teichgräber Embolisation seit den 1990er Jahren als sei für die Frauen ein wichtiger Grund,
in dessen Zimmer gegenübersitzt. „Ich bin schonende Alternative zur dem konventi- sich für den minimal-invasiven Eingriff zu
doch noch jung.“ Auf der Suche nach Be- onellen Verfahren entwickelt. „Inzwischen entscheiden, so Teichgräber. „Sie können
handlungsalternativen recherchierte Otto im ist sie etabliert“, so Teichgräber. Bei einer schon nach wenigen Tagen wieder ihrem
Internet und stieß auf die Myom-Embolisa- Myom-Embolisation schieben die Radiolo- gewohnten Alltag nachgehen.“ (zei)
tion – bei der das Myom in einem minimal- gen einen Katheter über die Leistenschlag-
invasiven Eingriff unter Bildkontrolle verödet ader in die Gebärmutter. Dort werden win- Myom-Hotline:
wird. Am Jenaer Uniklinikum wird dieses Ver- zige Kunststoffkügelchen in die das Myom Tel. 03641/9-324936
fahren von den Radiologen des IDIR in Zu- versorgenden Blutgefäße eingebracht und Myomzentrum@med.uni-jena.de
sammenarbeit mit der Frauenklinik angebo-
ten. Ob eine Patientin für diese Behandlung
geeignet ist, wird in der interdisziplinären Einsatzgebiete interventioneller Radiologie
Myomsprechstunde entschieden.
GYNÄKOLOGIE ONKOLOGIE
Myome der Gebärmutter, die teilweise sehr Myom-Embolisation: Bei einer Myom- SIRT-Therapie: Die selektive interne Radio-
groß werden können, gehören zu den häu- Embolisation zur Verödung von gutartigen therapie (SIRT) wird vor allem bei Patienten
íJVWHQJ\QlNRORJLVFKHQ'LDJQRVHQ0HLVW Tumoren der Gebärmutter wird unter ört- mit Leberkrebs eingesetzt. Dabei geben
verursachen die knotigen Wucherungen liche Betäubung ein Katheter in der Leiste winzige radioaktive Glaskügelchen, die über
gar keine Beschwerden. Ein Teil der be- platziert und unter Röntgenkontrolle in einen dünnen Mikrokatheter durch die Leis-
troffenen Frauen leidet aber unter starken die Gebärmutter geschoben. Die über den tenarterie in die Leberschlagader gespritzt
Menstruationsblutungen oder klagt über Katheter in die das Myom versorgenden werden, ihre Strahlung im Körperinneren
heftige Schmerzen im Unterbauch, dann Blutgefäße eingebrachten winzigen Kunst- punktgenau auf das Tumorgewebe ab.
stoffkügelchen schalten die Geschwulste
von der Blut- und Sauerstoffzufuhr ab. GEFÄSSERKRANKUNGEN
Das nun nicht mehr durchblutete Gewebe Durchblutungsstörungen: Zur Behand-
verödet, die Myome schrumpfen dadurch lung der peripheren arteriellen Verschluss-
innerhalb von bis zu sechs Monaten auf krankheit platzieren die Radiologen einen
etwa die Hälfte ihrer Ausgangsgröße. Ballonkatheter unter Sichtkontrolle über
einen winzigen Schnitt in der Leiste in die
UROLOGIE Engstelle der Gefäße, die die Durchblutung
Prostata-Embolisation: Nach demsel- blockiert. Der Ballon drückt den Gefäßkalk
ben Prinzip funktioniert auch die arterielle an die Gefäßwand und schafft so Platz,
Prostata-Embolisation zur Behandlung GDPLWGDV%OXWZLHGHUîLH‰HQNDQQ$XFKHLQ
einer gutartigen Prostata-Vergrößerung. winziges Gittergerüst – ein Stent – kann auf
Dabei wird ebenfalls ein Katheter mit diesem Weg in das Gefäß geschoben wer-
Mikropartikeln unter angiographischer den. Auch mit einem Laserkatheter lassen
Kontrolle über die Leiste in die Prostata- sich verschlossene Arterien wieder öffnen.
Prof. Ulf Teichgräber Schlagader geschoben und das Gefäß Die vom Laser abgegebene Wärme zerstört
Foto: Flashlight Medizinfoto / Andre Berger verödet. Für den minimal-invasiven Ein- den Gefäßkalk. Bevor der Laserkatheter ein-
griff ist lediglich eine örtliche Betäubung geführt wird, sondieren die Radiologen das
notwendig. erkrankte Gefäß mit einem Führungsdraht.

6 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


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Magnetische Wärme im Kampf gegen Krebs
Experimentelle Radiologie: Jenaer Forscher testen nanotechnologische Therapieansätze
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der ag-
gressivsten Krebserkrankungen überhaupt,
die in Deutschland pro Jahr bei rund 14 000
Menschen diagnostiziert wird. Meist wird er
erst dann erkannt, wenn er schon Beschwer-
den verursacht, zum Beispiel Schmerzen im
Oberbauch, Übelkeit, Gewichtsverlust oder
eine Gelbsucht. Dann ist die Erkrankung
allerdings schon fortgeschritten, was die
Überlebenschancen der Betroffenen deut-
lich verschlechtert. Die Therapie besteht
aus Operation, Strahlentherapie und Che-
motherapie – doch nicht jeder Tumor ist
operabel und auf eine Chemotherapie spre-
chen die Tumorzellen unterschiedlich an.
Am Zentrum für Radiologie des Universi-
tätsklinikums Jena suchen Forscher deshalb
nach neuen Therapieansätzen, ihr Interesse
gilt dabei winzigen Eisenoxid-Teilchen und
deren magnetischen Eigenschaften. Sie
könnten nicht nur die Therapie von Bauch-
speicheldrüsenkrebs verändern, sondern
auch die von Brustkrebs, die mit jährlich
PHKU DOV   (UNUDQNXQJHQ KlXíJVWH
Krebsart bei Frauen. Prof. Ingrid Hilger erforscht nanotechnologische Ansätze in der Krebsbehandlung. Foto: Szabó

„Die Grundidee ist, kleinste Eisenoxidpar- Nanopartikel sind nur Bruchteile von Mil- Mechanismen erforschen wir derzeit“, so
tikel minimal-invasiv direkt an den Tumor limetern klein und damit so fein, dass sie die Professorin. Die Hoffnung: Eine solche
zu bringen und sie dann einem magne- sich überall im Körper anlagern können. Therapie könnte zielgenauer wirken – denn
tischen Wechselfeld auszusetzen. Dabei Hilger spricht vom „Schlüssel-Schloss- bislang greifen Zytostatika auf ihrem Weg
wird Wärme freigesetzt und der Tumor Prinzip“. Die Tücke: Um ihre Arbeit im durch den Blutkreislauf auch gesunde Zel-
erhitzt“, erläutert Prof. Dr. Ingrid Hilger, die Tumor verrichten zu können, müssen die len an und sorgen so für die bei Krebspa-
die Arbeitsgruppe „Experimentelle Radio- Nanoteilchen eine bestimmte Zeit im Kör- tienten gefürchteten Nebenwirkungen wie
logie“ leitet. Dabei machen sich die Wis- per verbleiben – und dürfen nicht von der Übelkeit oder Haarausfall.
VHQVFKDIWOHU GLH +LW]HHPSíQGOLFKNHLW YRQ körpereigenen Abwehr als körperfremd
Eiweißen zunutze, aus denen Tumorzellen erkannt und in Leber und Milz deponiert Die Erforschung nanotechnologischer
überwiegend bestehen und die lebens- werden, wo sie lange verbleiben, bis sie Therapieansätze bei Krebs durch die
wichtig für den Tumor sind. Diese Eiweiße irgendwann ausgeschieden werden. Das Jenaer Arbeitsgruppe ist Teil eines EU-
werden durch eine kontrollierte Überhit- stellt die Wissenschaftler vor Herausfor- Projektes mit 16 Partnern aus mehreren
zung zerstört. Dass die magnetische Hy- derungen. „Wir müssen vor allem das Er- europäischen Ländern, das die Europäi-
perthermie – so der Fachausdruck für die kennungssystem des Körpers überlisten, sche Union mit insgesamt zehn Millionen
Wärmebehandlung mithilfe der Eisenoxid- damit es nicht auf diese Umleitung um- Euro fördert. Davon entfällt eine Million
Winzlinge – bei diesen beiden Tumorarten schaltet“, erklärt Hilger. Euro auf das UKJ, das als einzige deutsche
prinzipiell funktioniert, haben die Jenaer Einrichtung an dem Forschungsverbund
Forscher im Tiermodell bereits nachgewie- Das ist auch wichtig für weitere potenzielle beteiligt ist. 2015 sollen Erkenntnisse über
sen. Dabei injizierten sie Mäusen Tumor- Einsatzmöglichkeiten der kleinen Teilchen. grundlegende Wirkmechanismen und
zellen und setzten diese der magnetischen So können die Eisenoxid-Partikel zum Bei- Verträglichkeit im Tiermodell vorliegen.
Überwärmung aus. „Wir konnten beobach- spiel mit Chemotherapie-Medikamenten Hilger: „Erst danach ist es möglich, die
ten, dass sich das Tumorvolumen verrin- (Zytostatika) beladen und direkt an den Verfahren auch in klinischen Studien zu
gert“, so die Humanbiologin. Ort des Tumors gebracht werden. „Diese erproben.“ Katrin Zeiß

7
Im Blick

Masern: Impfen ist der beste Schutz


,Q'HXWVFKODQGVWHLJWGLH=DKOGHU0DVHUQ)lOOHZHJHQ,PSîFNHQ'DV´.OLQLN
magazin" sprach dazu mit Prof. Dr. James Beck, Direktor der Klinik für Kinder- und
Jugendmedizin am Universitätsklinikum Jena.
In Thüringen ist es im vergangenen :DVVSULFKWGDJHJHQ" Wann besitzt ein Kind den vollständi-
Herbst zu den größten Masern-Aus- Prof. Beck: Das Risiko ist unkalkulierbar. JHQ0DVHUQ,PSIVFKXW]"
brüchen seit mehreren Jahren - mit 50 Auch in Ländern wie Deutschland ster- Prof. Beck: Bei einer Grundimmunisie-
Fällen in Weimar und Jena - gekom- ben noch immer Kindern an Masern – das rung mit zwei Impfungen – die erste ab
men. Grund war der nicht ausrei- wird leider oft vergessen. Masern sind dem zwölften Lebensmonat der Kinder,
chende Impfschutz. Auch bundesweit eine schwere und extrem ansteckende die zweite sechs Wochen danach. Bei der
JLEWHV,PSîFNHQ:LHOlVVWVLFKGLH- Infektionskrankheit bei Kindern und kei- ersten Impfung sind meistens noch alle
VHV'Hí]LWHUNOlUHQ" neswegs harmlos. An Masern erkrank- dabei. Problem ist, dass die zweite Impfung
Prof. Beck: Wir beobachten seit einigen Jah- ten Kindern geht es richtig schlecht, die KlXíJ QLFKW LQ $QVSUXFK JHQRPPHQ ZLUG
ren neben einer gewissen Sorglosigkeit eine Erreger schwächen das Immunsystem der Impfschutz damit nicht vollständig ist.
wachsende Impfskepsis in Teilen der Bevöl- so stark, dass es zu Lungenentzündun- Spätere Nachhol- oder Auffrischungsimp-
kerung – obwohl die Impfquoten in Thürin- gen oder Mittelohrenentzündungen als fungen sind aber möglich. Außerdem ist es
gen noch immer bundesweit Spitze sind. Begleiterkrankungen kommen kann. wichtig, dass möglichst viele Kinder geimpft
Speziell bei Masern aber kursiert viel Halb- Durch Masern verursachte Hirnschä- sind. Man geht davon aus, dass der Schutz
wissen, gefördert durch Diskussionsforen digungen können noch Jahre später zu vor einer Epidemie ab einer Durchimpfungs-
im Internet, in denen Impfgegner meist stark Schwerbehinderungen führen. Es darauf rate von 95 Prozent weitgehend gewährleis-
präsent sind. Kern ist die These, es sei besser, ankommen zu lassen, halte ich für unver- tet ist. Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung
wenn Kinder den Schutz vor der Krankheit antwortlich. Zumal eine solche Einstel- ist eine Kombinationsimpfung.
auf „natürlichem“ Wege erwerben. lung ja auch andere gefährdet, vor allem
die ganz kleinen Säuglinge, die noch Welche weiteren Impfungen brau-
Mit anderen Worten: Wenn sie sich nicht durch Impfung geschützt werden FKHQ.LQGHU"
PLW0DVHUQLQí]LHUHQXQGGLH.UDQN- können. Sie können sich zum Beispiel Prof. Beck: Der bewährte Standard nach
heit durchmachen, um anschließend anstecken, wenn sie im Wartezimmer des den Empfehlungen der STIKO ist die Sechs-
immun dagegen zu sein. Kinderarztes dem Kontakt mit an Masern fachimpfung gegen Tetanus, Diphtherie,
Prof. Beck: Ja. Das ist im Kern die Bot- erkrankten Kindern ausgesetzt sind. Keuchhusten (Pertussis), schwere Hirnhaut-
schaft der Impfskeptiker. Ihnen gegenüber ist es aus meiner Sicht HQW]QGXQJ +DHPRSKLOXVLQîXHQ]D7\SE 
im höchsten Maße unfair, sich nicht Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Hepatitis
gegen Masern impfen zu lassen. Impfen B, die aus vier Teilimpfungen besteht und
ist der beste Schutz für alle. den Kindern im Alter zwischen zwei und 14
Monaten verabreicht wird. Empfohlen wird
Inwiefern spielt auch Sorglosigkeit auch die Impfung gegen Meningokokken
HLQH5ROOH" Typ C, die Hirnhautentzündung verursachen
Prof. Beck: Das ist die Kehrseite der exzel- und gegen Pneumokokken als Verursacher
lenten Impferfolge, die wir ja zweifellos von Lungenentzündungen. Neu in die Impf-
haben. Abgesehen von dem Masern- empfehlungen aufgenommen wurde die
Ausbruch in Jena gab es in Thüringen in Immunisierung gegen Rotaviren, die Erreger
den vergangenen Jahren nur Einzelfälle, schwerer Magen-Darm-Infektionen bei Kin-
wenn überhaupt. Wenn man eine Krank- dern. Rotaviren sind hoch ansteckend und
heit aber nicht mehr sieht, stellt sich lei- verlaufen vor allem bei kleinen Kindern oft
der Sorglosigkeit ein. Das gilt nicht nur schwer, so dass sie in einer Kinderklinik auf-
für Masern. Nur weil man die Krankheit genommen werden müssen. Solche Durch-
nicht sieht, ist sie – mit Ausnahme von IlOOHVLQGGDQQKlXíJ*UXQGIUHLQHQ.UDQ-
Pocken – aber nicht verschwunden. Auch kenhausaufenthalt. Eine Impfung gegen die
der eine seltene Fall kann aber für den DQWHLOLJKlXíJHUHQ0HQLQJRNRNNHQYRP7\S
Impfbefürworter: Prof. James Beck, Direktor Erkrankten und sein Umfeld schwerwie- %EHíQGHWVLFKNXU]YRUGHU(LQIKUXQJ
der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – hier gende Folgen haben.
bei der Grippeschutzimpfung. Foto: Szabó
Interview: Katrin Zeiß

8 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
1300. Nierentransplantation am UKJ
44-jähriger Thüringer erhält Organ des Bruders / Bedeutung von Lebendspenden wächst
Ein wertvolleres Geschenk hätte sein kleiner Bruder ihm nicht
PDFKHQN|QQHQ$OV0LFKDHO/|IîHUYRUNQDSS]ZHL-DKUHQVFKZHU
erkrankt, entschließt sich sein zwölf Jahre jüngerer Bruder Chris-
toph sofort, ihm eine Niere „abzugeben“. Im November ist dem
heute 44-Jährigen das Organ durch Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm,
Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Jena
(UKJ), transplantiert worden. Es war die insgesamt 1300. Nieren-
transplantation am UKJ.

„In Folge einer chronischen Nierenentzündung ist der Pati-


HQW GLDO\VHSîLFKWLJ JHZRUGHQ§ HUNOlUW 'U &ODXGLD 6FKLQN|WKH
Die Oberärztin aus der Klinik für Innere Medizin III, Abteilung
Nephrologie, betreut zusammen mit Oberarzt Dr. Lars Twelker
und Assistenzärztin Yvonne Winkler aus der Klinik für Urologie
die Nierentransplantations-Sprechstunde am UKJ. „Eine solche
Transplantation ist von Anfang an eine interdisziplinäre Aufgabe“,
so Dr. Schinköthe. Gemeinsam kümmert sich das Team um einen
reibungslosen Ablauf – vom ersten Aufklärungsgespräch über die
Voruntersuchungen bis hin zur Nachsorge. „Es war alles perfekt
RUJDQLVLHUW§OREW0LFKDHO/|IîHU$XFKVHLQHYLHOHQ)UDJHQKlWWHQ
die Mitarbeiter stets geduldig beantwortet. Das Wichtigste aber: 0LFKDHO /|IîHU YRUQH UH  HUKLHOW YRQ VHLQHP %UXGHU &KULVWRSK /|IîHU
Das neue Organ ist nach der Transplantation voll funktionstüch- (li.) eine neue Niere. Betreut wurden sie durch Oberärztin Dr. Claudia
Schinköthe, Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm und Yvonne Winkler (v.li.).
tig. „Ich habe in den Tagen danach gemerkt, wie es mir schlagartig
Foto: Schleenvoigt
besser ging und die Lebensfreude zurückkam.“

'DVVHWZDVQLFKWVWLPPWPHUNW0LFKDHO/|IîHUGDVHUVWH0DODOV ähneln und es sich bei dem Spender um einen jungen Mann ohne
er einen komischen Geschmack im Mund wahrnimmt. „Dann habe Vorerkrankungen handelt“, so Dr. Schinköthe.
ich bei der Arbeit plötzlich ein Kribbeln in den Händen gespürt, das
sich immer weiter ausbreitete“, erinnert sich der Ingenieur. Als er Die Bereitschaft zur Organspende ist in den vergangenen zwei
sich im Winterurlaub in den Bergen ganz ungewöhnlich schlapp Jahren spürbar gesunken. Allein am UKJ warten zurzeit 350 Pati-
fühlt, beginnen die Sorgen. Anfang 2012, in der Notaufnahme eines enten auf eine neue Niere. „Die Wartezeit beträgt durchschnittlich
Erfurter Krankenhauses, stellt sich heraus, dass seine Nieren nicht sechs bis sieben Jahre“, so Dr. Schinköthe. Dank seines Bruders ist
mehr funktionieren. Sofort habe der Bruder ihm seine Hilfe angebo- 0LFKDHO/|IîHUHLQGHUDUWODQJHV:DUWHQHUVSDUWJHEOLHEHQ%HLGH
ten. „Ich habe das relativ pragmatisch gesehen und mir keine Sor- haben sich gut erholt und sind bereits wieder zu Hause. Spen-
JHQJHPDFKW§VDJW&KULVWRSK/|IîHU'LHVH(LQVFKlW]XQJEHVWlWL- der und Empfänger werden auch in Zukunft vom Team am UKJ
gen auch die Ärzte am UKJ. Große Studien haben gezeigt, dass das betreut, zusammen mit dem Nephrologen im Heimatort. Michael
Risiko für einen Spender, im Leben selbst eine Nierenerkrankung zu /|IîHU P|FKWH EDOG ZLHGHU DUEHLWHQ (U KDW VLFK YRU GUHL -DKUHQ
erleiden, nicht erhöht ist. selbstständig gemacht und arbeitet oft mit seinem Bruder an
gemeinsamen Projekten. Anke Schleenvoigt
20 Prozent der Transplantationen
mit Lebendspenden
Klinik für Innere Medizin III
Im November 1991 wurde in Jena erstmals eine Niere transplan- Nephrologie, Rheumatologie, Osteologie, Endokrinologie/
tiert. Heute handelt es sich bei rund 20 Prozent der Transplantatio- Stoffwechselerkrankungen
nen um Organe von lebenden Spendern. „Angesichts des Mangels OÄ Dr. Claudia Schinköthe
an Spenderorganen kommt der Lebendspende eine immer größere
Bedeutung zu“, so Prof. Dr. Gunter Wolf, Direktor der Klinik für
03641 9-324623
Innere Medizin III. Spender und Empfänger müssen dabei nicht Claudia.schinkoethe@med.uni-jena.de
]ZDQJVOlXíJ YHUZDQGW VHLQ ´'LH .RPELQDWLRQ ZDU KLHU MHGRFK  www.kim3.uniklinikum-jena.de/Nephrologie
besonders günstig, da sich beide Männer in Größe und Gewicht

9
Sprechstunde

Eingriffe gegen die „Schaufenster-Krankheit“


'XUFKEOXWXQJVVW|UXQJHQGXUFK*HIl‰YHUNDONXQJHQLQGHQ%HLQHQVLQGHLQHGHUKlXíJVWHQ
Gefäßerkrankungen bei älteren Menschen. Über Diagnostik und Therapie sprach das
„Klinikmagazin" mit Dr. Stefan Ludewig, Gefäßchirurg am UKJ und Oberarzt an der Klinik für
Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie.

Wie viele Menschen leiden unter ver- Ein Teil der Patienten hat außerdem nur haben. Deshalb ist mit der einfachen Blut-
engten Gefäßen in den Beinen durch ein recht kurzes Stadium mit der soge- druckmessung am Bein bereits eine Risi-
$UWHULHQYHUNDONXQJ" nannten Claudicatio-Symptomatik und koabschätzung für das Vorliegen einer
Dr. Ludewig: Schätzungsweise 15 Pro- entwickelt rasch eine irreversible Gewe- Arteriosklerose möglich.
zent der Menschen über 65 Jahre mit beschädigung. Außerdem ist die Ursa-
deutlicher Zunahme im höheren Alter che der PAVK – die Arteriosklerose (Ver- Gibt es Frühanzeichen, bei denen man
haben eine sogenannte periphere arteri- kalkung der Gefäße) – eine systemische HLQHQ$U]WDXIVXFKHQVROOWH"
elle Verschlusskrankheit (PAVK). Damit ist Erkrankung. Das bedeutet, dass Patienten Dr. Ludewig: Die ersten Anzeichen sind die
dies die am weitesten verbreitete Arte- mit einer PAVK auch ein deutlich höheres genannten Claudicatio- Beschwerden, die
rienkrankheit. Männer und (ehemalige) Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle oft jedoch kein Frühstadium mehr sind.
5DXFKHU VLQG KlXíJHU EHWURIIHQ -HGRFK
entwickelt nur einer von fünf Betrof-
fenen die für die Krankheit typischen
6\PSWRPHXQGHLQHVSH]LíVFKH%HKDQG-
lungsbedürftigkeit. Hinzu kommen noch
Durchblutungsstörungen bei Patienten
mit einem Diabetes mellitus, die oft nicht
die charakteristische Schmerzsymptoma-
WLNDEHUKlXíJHU1HNURVHQDQGHQ=HKHQ
und Fuß entwickeln.

Welche Beschwerden verursacht die


9HUVFKOXVVNUDQNKHLW"
Dr. Ludewig: Typische Symptome sind
Schmerzen in den Waden durch die
unzureichende Sauerstoffversorgung der
Muskulatur bei Belastung, Claudicatio
intermittens genannt. Die Betroffenen
können meist nur kurze Strecken laufen
und müssen immer wieder eine Pause
einlegen, bis durch die verengten Arterien
wieder ausreichend sauerstoffreiches Blut
in die Muskeln gelangt. Deshalb wird die
Erkrankung auch „Schaufenster-Krank-
heit“ genannt.

Das klingt ja erst einmal nicht weiter


gefährlich.
Dr. Ludewig: Das ist ein Trugschluss. Die
Erkrankung ist nicht harmlos. Bei Fort-
schreiten der Minderdurchblutung wird
die Gehstrecke immer kürzer und schließ-
lich kann das Gewebe absterben. Das
kann im Extremfall wie beim „Raucher-
bein“ eine Amputation zur Folge haben.

10 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
Frühe Gefäßveränderungen lassen sich – Angiologen oder Gefäßchirurgen– über- Gefäßbehandlung ist eine deutliche Ver-
nur beispielsweise mit Ultraschall darstel- wiesen. Das UKJ verfügt hierzu über eine besserung der Lebensqualität und das
len. Bekannt sind allerdings bestimmte interdisziplinäre Gefäßambulanz. Nach Vermeiden einer Amputation.
5LVLNRIDNWRUHQ IU GDV GHXWOLFK KlXíJHUH Abklärung einer Behandlungsbedürftig-
Auftreten einer Arteriosklerose. Neben keit und einer Ultraschalluntersuchung Wer entscheidet am UKJ, ob im kon-
dem Alter und Rauchen sind dies hoher können gegebenenfalls weitere ambulante kreten Fall die minimal-invasive oder
Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabe- Gefäßuntersuchungen notwendig sein. die klassische chirurgische Methode
tes und Übergewicht. %HVWHKW HLQH VSH]LíVFKH %HKDQGOXQJVLQ- ]XP(LQVDW]NRPPW"
dikation, dann ist oft eine Angiographie Dr. Ludewig: Die beteiligten Behand-
:LHZLUGGLH'LDJQRVHJHVWHOOW" – eine Röntgendarstellung der Gefäße mit ler, also Gefäßchirurgen, Angiologen
Dr. Ludewig: In der Regel gibt neben den Kontrastmittel – notwendig. Hierbei muss und Radiologen, arbeiten mit anderen
typischen Beschwerden eine Blutdruck- dann die Beinschlagader punktiert wer- Fachkollegen in einem interdisziplinären
messung am Bein, die sogenannte ABI- den. Bei dieser Untersuchung ist aber in Gefäßzentrum. In einer Gefäßkonferenz
Messung, erste Hinweise auf die Erkran- vielen Fällen auch gleichzeitig eine Besei- werden die Befunde besprochen und auch
kung. Das ist eine einfache Untersuchung, tigung von Engstellen in den Gefäßen mit auf der Basis der Therapieleitlinien wird
die auch Hausärzte vornehmen. Dabei einem Ballonkatheter, der das Gefäß auf- dem Patienten dann das für ihn optimale
wird der am Bein gemessene Blutdruck mit dehnt und gegebenenfalls einer Gefäß- Verfahren bei dem vorliegenden Gefäßbe-
dem des Armes verglichen. Für weiterge- stütze (Stent) möglich. fund empfohlen.
hende Untersuchungen werden die Pati-
enten in der Regel zu Gefäßspezialisten :LHVLHKWGLH%HKDQGOXQJDXV" :LH KlXíJ VLQG JHIl‰FKLUXUJLVFKH
Dr. Ludewig: Das hängt vom Stadium (LQJULIIHDP8.-"
der Erkrankung ab. Behandelt wird Dr. Ludewig: Jährlich führen wir rund 700
grundsätzlich – und im Frühstadium arterielle gefäßchirurgische Operationen
Ultraschalldiagnostik im UKJ-Gefäßzen- ausschließlich – mit Medikamenten wie und mehr als 1500 Kathetereingriffe in der
trum: Bei Diagnostik und Therapie von Fettsenkern (Statinen) und Blutverdün- Angiologie bzw. Radiologie aus. Es stehen
Gefäßerkrankungen arbeiten Mediziner
verschiedener Fachgebiete zusammen.
nern (ASS), ergänzt durch ein aktives alle modernen chirurgischen und interven-
Im Bild: Dr. Stefan Betge, Dr. Stephan Lotze Gehtraining. Die Therapie erfordert also tionellen Verfahren am UKJ zur Verfügung,
und Dr. Stefan Ludewig (v.l.). auch ein aktives Mitmachen der Patien- sowohl hinsichtlich der Geräte als auch
Foto: Hornberger ten: vor allem den Stopp des Rauchens, hinsichtlich der Erfahrungen der Behandler.
viel Bewegung mit Gehtraining und Ver- Wir Gefäßchirurgen behandeln natürlich
änderung der Ernährung. Bei ausbleiben- neben Patienten mit Schaufensterkrank-
dem Therapieerfolg und im fortgeschrit- heit auch alle anderen Gefäßerkrankun-
tenen Stadium kommen interventionelle gen, vor allem Aneurysmen der Aorta,
oder gefäßchirurgische Methoden zum Verengungen der Halsschlagader, Krampf-
Einsatz. Dazu gehört die schon erwähnte adern und Patienten, die einen Dialyse-
Gefäßaufdehnung mit einem Katheter – zugang benötigen. Ein Aortenaneurysma
ein Verfahren, vergleichbar den Katheter- ist eine Erweiterung der Hauptschlagader
eingriffen an Herzkranzgefäßen. Am UKJ im Bauch- oder Brustbereich, bei der das
können wir dazu auch neuere innovative Risiko besteht, dass das Aneurysma platzt
Verfahren anbieten, beispielsweise mit und die Patienten dann schnell verbluten
Kathetern, die wie eine Mini-Tunnelbohr- können. Bei ca. 60 Patienten je Jahr können
maschine oder mittels Laser die Throm- wir durch eine Operation, die sehr oft auch
ben und Ablagerungen in der Arterie durch eine Kathetermethode möglich ist,
entfernen. Bei einer Reihe von Patienten dies im Vorfeld verhindern.
ist jedoch auch eine gefäßchirurgischer Interview: Katrin Zeiß
Operation in Narkose notwendig. Dabei
wird in einer Bypass-Operation eine
Überbrückung des oft langstreckigen Gefäßambulanz
Arterienverschlusses meist durch die eine Öffnungszeiten:
eigene Vene angelegt, so dass hierüber Mo, Fr: 9.00 – 15.00 Uhr
ausreichend Blut zum Fuß gelangt. Auch
müssen bei bereits bestehenden Gewebe-
03641 9-322645
schäden die Wunden behandelt werden, 03641 9-322652
manchmal ist auch eine (Teil)amputa- avg@med.uni-jena.de
WLRQQRWZHQGLJ'DV=LHOGHUVSH]LíVFKHQ

11
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Therapien für ein Leben mit Parkinson


Neurologische Klinik am UKJ behandelt jährlich rund 500 Patienten
Es war 1817, als der britische Arzt James Klinik für Neurologie ambulant und stati- VDPXQJ 0XVNHOVWHLíJNHLW XQG =LWWHUQ§
Parkinson erstmals eine neurologische onär behandelt. Ziel ist, die Symptome zu erläutert Prof. Dr. Christoph Redecker,
Krankheit beschrieb, die er „Schüttel- lindern und den Erkrankten zu mehr Le- Leiter der Parkinson-Spezialambulanz
lähmung“ nannte – er hatte bei den Er- bensqualität zu verhelfen – denn heilbar am UKJ. „Auch Depression, Schmerzen,
krankten als auffälligstes Symptom ein ist die Parkinson-Krankheit bislang nicht. Schlaf- und Riechstörungen gehören zu
scheinbar grundloses Zittern am ganzen den frühen Symptomen und im weiteren
Körper beobachtet. Fast 200 Jahre später Mangel an Botenstoff Dopamin Verlauf kommen zahlreiche weitere nicht-
LVW0RUEXV3DUNLQVRQHLQHGHUKlXíJVWHQ motorische Symptome hinzu.“ Warum die
neurodegenerativen Erkrankungen – ei- Bei Parkinson führt ein Mangel an Dopa- dopaminproduzierenden Zellen beim Par-
ner Gruppe von Erkrankungen, bei denen min, einem Botenstoff, zu einer gestör- kinson aus dem Takt geraten, ist bislang
es zum Verlust von Nervenzellen im Ge- ten Signalübertragung zwischen den für noch nicht vollständig erforscht. Erbliche
hirn kommt. In Deutschland sind etwa die Bewegungsregulierung verantwort- Vorbelastungen spielen ebenso eine Rol-
300 000 Menschen von Parkinson betrof- lichen Nervenzellen. „Parkinson äußert le wie Umweltfaktoren wie zum Beispiel
fen, allein am Universitätsklinikum Jena sich aber nicht nur in den motorischen Pestizide. „Dafür spricht, dass die Erkran-
werden jährlich rund 500 Patienten in der Hauptsymptomen Bewegungsverlang- NXQJLPOlQGOLFKHQ5DXPKlXíJHUDXIWULWW

Prof. Christoph Redeker, Neurologe am UKJ,


beim Einstellen eines Hirnstimulators.
Foto: Riese

12 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


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Bewegung und Sport haben in der Parkinson-
Behandlung ihren festen Platz. Ergotherapeu-
tin Amelie Metzner arbeitet mit den Patienten
daran, deren Beweglichkeit zu verbessern.
Foto: Riese

als in Städten“, sagt der Neurologe. Ein


wichtiger Risikofaktor sei aber das Alter
selbst. „Bei alten Menschen steigen die
Erkrankungszahlen am stärksten.“

Mittlerweile gibt es zahlreiche effektive


Behandlungsverfahren. Moderne Medika-
mente helfen den Patienten, die gestörte
Motorik zu bewältigen. Die Wirkungsme-
chanismen sind unterschiedlich. „Es gibt
Medikamente, die das noch vorhandene
Dopamin verstärken“, erläutert Redecker.
„Andere blockieren den Dopamin-Abbau
oder ersetzen den Botenstoff.“ Wichtig
bei der medikamentösen Behandlung sei
vor allem eines: „Sie sollte so früh wie
möglich einsetzen. Dann lassen sich die
Symptome von Anbeginn an effektiv lin-
dern und – nach allem, was wir bislang
wissen – die langfristige Entwicklung der
(UNUDQNXQJSRVLWLYEHHLQîXVVHQ§
schrittmacher“, der wie ein Herzschritt- nahezu täglich eine Stunde mit Parkin-
Leider kann sich die Wirkung der Medika- macher am Brustkorb implantiert wird, son-Patienten. Die Patienten lernen wie-
mente im Verlauf der Erkrankung ändern. verbunden. Der Hirnschrittmacher gibt der Bewegungen mit großen Amplituden
Dann treten Wirkungsschwankungen auf, elektronische Impulse ab und schaltet das und verbessern damit nicht nur ihre eige-
die eine individuelle Anpassung der Medi- betroffene Hirnareal ab. Ein solcher nicht ne Körperwahrnehmung. Metzner: „Das
kamente erfordern. Manchmal können die alltäglicher Eingriff gehört in die Hände ist eine ziemlich intensive Therapie, mit
Symptome mit Tabletten aber nicht mehr von erfahrenen Spezialisten. Am UKJ, das der die Patienten Gleichgewichtsstörun-
zufriedenstellend behandelt werden. als einzige Klinik in Thüringen die tiefe gen besser in den Griff bekommen sollen.“
Dann können operative Behandlungs- Hirnstimulation vornimmt, stehen Neuro- Auch der trippelnde Gang bei Parkinson-
möglichkeiten wie Medikamentenpum- chirurgen und Neurologen gemeinsam am Erkrankten werde verbessert – durch das
pen und die tiefe Hirnstimulation eine Operationstisch, um die ideale Position Trainieren größerer Schritte.
Behandlungsoption sein. Redecker: „Die der tiefen Hirnelektroden zu bestimmen.
tiefe Hirnstimulation wurde lange Zeit nur „Der Eingriff ist ein sicheres Verfahren“, Ganz generell lassen sich die Parkinson-
im späten Stadium der Erkrankung einge- so Redecker. Ein großer Vorteil sei, dass Symptome durch einen aktiven Lebensstil
setzt, war dann aber eine sehr effektive die medikamentöse Therapie anschlie- und sportliche Aktivität günstig beein-
Therapie.“ Der Zeitpunkt für einen Eingriff ßend reduziert werden könne und sich îXVVHQ 2E PDQ GDGXUFK YLHOOHLFKW VRJDU
lag bisher bei rund 15 Jahren nach Beginn die Lebensqualität der Patienten erheb- das Fortschreiten der Erkrankung verzö-
der Erkrankung. lich verbessere. Die Nachbetreuung der gern kann, muss allerdings noch genau
so behandelten Patienten übernimmt die untersucht werden. (zei/me)
Paradigmenwechsel Parkinson-Ambulanz am UKJ gemeinsam
mit niedergelassenen Neurologen.
Inzwischen gibt es hier einen Paradigmen- Prof. Dr. Christoph Redecker
wechsel. „Eine neue deutsch-französische In der Behandlung von Parkinson ha- Klinik für Neurologie – Ambulanz für
Studie zeigt, dass es sinnvoll sein kann, die ben aber auch Bewegung und Sport ih- Bewegungsstörungen
Methode früher einzusetzen.“ ren festen Platz: Tanzen, Nordic Walking Erlanger Allee 101, 07747 Jena
und vor allem ein spezielles, auf größere
Bei der tiefen Hirnstimulation werden Körperbewegungen ausgerichtetes Bewe-
03641 9-32430
zwei Elektroden in das Kerngebiet des gungstraining. In der Klinik für Neurologie christoph.redecker@med.uni-jena.de
Gehirns eingeführt und mit einem „Hirn- trainiert Ergotherapeutin Amelie Metzner

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Anlaufstelle nicht nur bei ADHS


Ambulanz der Kinderpsychiatrie hilft auch bei Verhaltensstörungen
Immer mehr Kinder leiden an psychischen Erkrankungen: Laut
Robert Koch-Institut zeigen rund 15 Prozent der Kinder und
Jugendlichen in Deutschland dafür Anzeichen. Am Universitätskli-
nikum Jena (UKJ) erhalten sie Hilfe in der Ambulanz der Klinik für
Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.

„Mehrere Berufsgruppen arbeiten mit den Patienten, die auf


diese Weise eine Rundumbetreuung erhalten. Dadurch kann
die ambulante Therapie feiner abgestimmt werden. Das ist ein
wesentlicher Unterschied zum niedergelassenen Therapeuten“,
erklärt Oberärztin Melanie Rudovsky. Zum Team gehören außer- Das Team der Ambulanz der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
dem jeweils eine Ärztin, Sozialpädagogin, Ergotherapeutin, Psy- Psychosomatik und Psychotherapie am UKJ. Foto: Emmerich
chologin und eine Arzthelferin.

Umfassendes Spektrum an Therapieformen Neue Broschüre für Kinder und Jugendliche


/DXW5XGRYVN\ZHUGHQDPKlXíJVWHQ3DWLHQWHQPLW$'+6 $XI- Speziell für die kleinen Patienten hat die Ambulanz eine neue Bro-
PHUNVDPNHLWV'Hí]LW+\SHUDNWLYLWlWV\QGURP  EHWUHXW 'DUEHU schüre herausgegeben. In dem 40-seitigen Heft „Ist ein bisschen
hinaus kommen viele Patienten wegen Verhaltensstörungen in verrückt nicht noch normal?“ wird die Klinik durch das Chamäleon
die Ambulanz. Das Team diagnostiziert und therapiert alle kinder- Siegfried farbenfroh und sprachlich kindgerecht vorgestellt. Ver-
und jugendpsychiatrischen Krankheitsbilder. „Psychotherapie, schiedene psychiatrische Erkrankungen werden dabei auf einfa-
Bewegungstherapien, Ergotherapie, soziales Kompetenztraining che Weise erläutert. In Ampelform werden zudem Hinweise für
oder Konzentrationstraining sind nur einige Beispiele für unser Eltern und Erzieher gegeben, wann alles im grünen Bereich ist
umfassendes Spektrum an Therapieformen, die sich nicht nur an und wann ärztliche Hilfe gesucht werden sollte: Dann,
Kinder und Jugendliche mit Problemen richten“, sagt Rudovsky. wenn die Ampel auf Rot steht.

Angebote für Eltern und Spezialambulanzen


Michelle
Es gibt auch Angebote für Eltern: Im sogenannten Elterntraining Emmerich
absolvieren Eltern ein Kompetenztraining. „Sie lernen in der zehn-
wöchigen Therapie anhand eines Problems, was sie Schritt für
Schritt Zuhause verbessern können. Wir arbeiten in Einzel- und
Gruppentrainings, wobei die Therapieeinheiten strukturiert sind.
Eltern berichten anschließend über Erfahrungen und bekommen
Hausaufgaben“, sagt Birthe Hoinkins. Sie ist seit zehn Jahren als
Sozialpädagogin in der Kinderpsychiatrie am UKJ im Einsatz.
„Eltern werden sicherer. Nach der Therapie ist meist eine deut-
liche Verbesserung im Vergleich zur Ausgangssituation sichtbar“,
ergänzt Hoinkins. Sie gewinnt durch ihre Arbeit einen Einblick in
die häusliche Situation, sammelt unter anderem Informationen Melanie Rudovsky
für die Psychotherapeuten, berät das weitere Umfeld, beispiels- Oberärztin Kinderstation und Ambulanzen
weise die Schule, und ist für soziales Training zuständig. Zudem Universitätsklinikum Jena · Klinik für Kinder- und
gehören zum ambulanten Bereich Spezialambulanzen, darunter Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Anlaufstellen für Essstörungen, Depressionen, Zwangserkrankun- Am Steiger 6 · 07743 Jena
gen oder Sprechangst. „Auch wenn Jena mit seinem ambulan-
ten Angebot gut aufgestellt ist, in anderen Thüringer Gegenden,
03641 9-35673
zum Beispiel in Saalfeld-Rudolstadt, Pößneck oder Gera gibt es Melanie.Rudovsky@med.uni-jena.de
Bedarf“, so Rudovsky.

14 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


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Wenn der Boden unter den Füßen wankt


Schwindelzentrum für Mitteldeutschland am UKJ eröffnet
In Mitteldeutschland gibt es nun eine Anlaufstelle für Patienten,
die unter chronischem Schwindel leiden. Am Universitätsklinikum
Jena (UKJ) wurde kürzlich mit dem „Schwindelzentrum“ an der
Hans-Berger-Klinik für Neurologie ein spezialisiertes Zentrum für
Menschen mit wiederkehrenden Schwindelattacken geschaffen.
Die Anzahl der Betroffenen ist groß: Jeder fünfte Erwachsene leidet
an regelmäßigen Schwindelattacken. Patienten mit chronischem
6FKZLQGHONODJHQKlXíJ]XVlW]OLFKEHUhEHONHLW)DOOQHLJXQJRGHU
Angstzustände. Das neue Schwindelzentrum in Jena ist in Mittel-
deutschland das einzige Angebot für diese Erkrankungen. Damit
setzt das UKJ seinen Weg der Spezialisierung und fachübergreifen-
den Vernetzung fort. „Durch solche interdisziplinären Behandlungs-
DQJHERWHDXVHLQHU+DQGíQGHQ3DWLHQWHQVFKQHOOH+LOIHEHLHLQHP
interdisziplinären Team aus Fachärzten, Psychologen, Physiothera-
SHXWHQXQG3îHJHNUlIWHQ'XUFKGHQWDJHVNOLQLVFKHQ%HKDQGOXQJV-
ansatz kann zudem ein kostenintensiver stationärer Krankenhaus-
aufenthalt vermieden werden“, erklärt Dr. Brunhilde Seidel-Kwem, Die Ursachen einer Schwindelerkrankung können vielfältig sein, etwa
Kaufmännischer Vorstand des UKJ. Die Behandlung steht allen Pati- die Folge eines Schlaganfalls oder einer Störung des Gleichgewichts-
organs („Vestibularapparat“ im Innenohr). Eine exakte Diagnose ist
enten offen, unabhängig von ihrer Krankenkasse.
daher wichtig. Foto: Riese

„Patienten mit chronischem Schwindel werden oft zu vielen ver- durch exakte elektronische Gleichgewichtsmessungen fortlau-
schiedenen Fachärzten geschickt. Es fehlen aber gerade für diese fend erfasst. Die Ursachen einer Erkrankung können vielfältig
Patienten effektive und vernetzte Therapieangebote. Diese Lücke sein, etwa in Folge eines Schlaganfalls, einer Störung des Gleich-
können wir nun schließen“, ergänzt Professor Otto Witte, Direktor gewichtsorgans („Vestibularapparat“ im Innenohr) oder auch
der Universitätsklinik für Neurologie. Das Schwindelzentrum ist einem gutartigen Lagerungsschwindel. „Auch Migräne kann eine
aus einer Kooperation zwischen Neurologie und Klinik für Hals-, Schwindelattacke auslösen. Zudem gibt es verschiedene Formen,
Nasen-, Ohrenheilkunde entstanden. Der Leidensdruck der Patien- wie Dreh-, Schwank- oder Benommenheitsschwindel“, so Axer.
ten ist oft groß, so der Leiter des UKJ-Schwindelzentrums, Professor Auf der Basis einer strukturierten Diagnostik werden interdiszi-
Hubertus Axer: „Bislang fehlten in Mitteldeutschland effektive und plinär-fachübergreifende Behandlungsprogramme angeboten. Als
evidenzbasierte Therapiekonzepte. Bei einem Symptom wie dem erste Krankenkasse bietet dabei die AOK PLUS zusammen mit dem
chronischen Schwindel ist aber eine komplexe Therapie unverzicht- Schwindelzentrum am Uniklinikum Jena eine Unterstützung, die
bar, denn die Ursachen können eben in vielen verschiedenen und über die regulären Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten
oft gleichzeitig in mehreren medizinischen Fachgebieten liegen.“ hinausgeht. Die Kasse hat mit dem UKJ den Vertrag „Schwin-
Auch deshalb ist für jeden Patienten ein individueller Therapieplan deltherapie PLUS“ zur speziellen Versorgung ihrer Versicherten
erforderlich. Dazu zählen etwa ein systematisches Gleichgewichts- unterzeichnet, der vorerst bis Ende 2015 läuft und wissenschaft-
training, eine Desensibilisierung oder auch Entspannungsverfahren. lich von der Klinik begleitet wird. Dabei geht es vor allem um die
Denn auch psychische Faktoren können zu den Ursachen zählen. fachübergreifende Betreuung der Patienten und die Zusammen-
Anmeldungen für ambulante Vorstellungen sind direkt im Schwin- arbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und dem Zentrum. Die
delzentrum unter 03641/9325785 möglich. Kasse will damit ein Signal gegen die bestehende Unter- und Fehl-
versorgung in diesem Bereich setzen. Stefan Dreising
Vielfältige Ursachen
Die tagesklinische Behandlung folgt einem festgelegten Ablauf
– intensiv über fünf Tage verteilt jeweils von 8 bis 16 Uhr. Der Schwindelzentrum
Vorteil für die Patienten: Sie können am späten Nachmittag die Hans-Berger-Klinik für Neurologie
Klinik wieder verlassen. Eine erste ambulante Vorstellung dient Erlanger Allee 101, 07747 Jena
der fachübergreifenden Beurteilung des Schwindels. Während
der Behandlung wechseln sich zum Beispiel krankengymnasti-
03641 9-325785
sche Einheiten mit speziellen Schwindelschulungen und psycho- Schwindelzentrum@med.uni-jena.de
logischen Einzelgesprächen ab. Der individuelle Fortschritt wird

15
Forschen und Heilen

Moderne Medizin & Forschung als Besuchermagnet


Gut besuchte Wissenschaftsnacht am Universitätsklinikum Jena
Moderne Medizin und Gesundheitsforschung lockten am
29. November Tausende Neugierige in die Institute und Labore
des Universitätsklinikums Jena. Allein in Lobeda boten die Wissen-
schaftler über 20 einzelne Stationen und gut besuchte Führungen.
Im Forschungszentrum erklärten sie zum Beispiel, wie sich die
Kommunikation zwischen Nervenzellen abhören lässt, was es mit
*HKLUQ-RJJLQJIU0lXVHDXIVLFKKDWXQGZDV%LRíOPHVLQG,QGHU
Magistrale war ein kompletter Intensivstations-Behandlungsplatz
aufgebaut. Besucher konnten anhand eines Würfelspiels außerdem
die streng geregelten Abläufe bei klinischen Studien erfahren oder
LKUH 6WUHVVHPSíQGOLFKNHLW WHVWHQ ODVVHQ ,P 6WDGW]HQWUXP OXGHQ
unter anderem die Institute für Biochemie und Immunologie, die
Zahnklinik und die Augenklinik ein. Die über 300 Angebote der
inzwischen fünften langen Nacht der Wissenschaften in Jena
lockten 8500 Besucher an. (vdG)
Fotos: Schacke

16 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
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Die Vernetzung im Gehirn verfolgen
Wissenschaftler des UKJ an Schwerpunktprogramm der DFG beteiligt
Sagitta
©S a - Fot
ttaria .com
F olia.c om

Neurophysiologen, Humangenetiker und diesen Vernetzungsprozess in der Sehrin- Das Projekt der Jenaer Wissenschaftler wird
Neuroinformatiker des Universitätskli- de durch das Zwei-Photonen-Mikroskop mit 500.000 Euro von der Deutschen For-
nikums Jena sind am Schwerpunktpro- unmittelbar verfolgen. „Durch genetische schungsgemeinschaft DFG gefördert. Es ist
gramm der Deutschen Forschungsge- Veränderungen können wir die Wirkung des eines von insgesamt zwölf Teilprojekten in
meinschaft (DFG) zur Untersuchung der %RWHQVWRIIHV *$%$ JH]LHOW EHHLQîXVVHQ einem neuen Schwerpunktprogramm, das
Vernetzungsprozesse im Gehirn beteiligt. und dann die Folgen dieser Manipulation auf die Erforschung der Ursachenbezie-
Sie erforschen, welche Rolle der Neuro- für die Vernetzung studieren“, beschreibt hung zwischen der Aktivität einzelner Ner-
transmitter GABA in diesem Reifungs- der Genetiker Prof. Dr. Christian Hübner ei- venzellen im Netzwerk und dem Verhalten
prozess spielt, der in der frühen Hirnent- nen zentralen Ansatz des Verbundprojekts. zielt. Eine wichtige Rolle dabei spielt die
wicklung aktivierend auf Nervenzellen, im So werden die Wissenschaftler untersu- Kooperation von Forschungsgruppen, die
erwachsenen Hirn aber hemmend wirkt. chen, welche Konsequenzen das Ausblei- GLH QHXURQDOH $NWLYLWlW LQ KRFKHPSíQGOL-
ben der anfänglichen Aktivitätsphase auf chen Versuchsanordnungen erfassen, die-
Welche Rolle spielt die Aktivität des sich die Ausreifung der Sehrinde hat. se mit innovativen Methoden manipulieren
entwickelnden Gehirns bei der Vernet- und neue Algorithmen zur Datenanalyse
zung unreifer Nervenzellen? Das ist die Und die Forscher gehen noch einen entwickeln. Die sieben Projektmitarbeiter
zentrale Frage, die die Jenaer Wissen- Schritt weiter: Sie werden den Ver- im Verbund am Jenaer Uniklinikum haben
schaftler beantworten wollen. Sie kon- netzungsprozess nicht nur unter ver- das Ziel, mit ihren Ergebnissen zum besse-
zentrieren sich dafür auf den Botenstoff schiedenen Bedingungen beobachten, ren Verständnis der frühen Vernetzungs-
ű-Aminobuttersäure, kurz GABA, der im sondern die gewonnenen Daten zur prozesse im Gehirn beizutragen.
ausgereiften Gehirn eine hemmende Wir- mathematischen Modellierung von Ver- (vdG)
kung auf Nervenzellen ausübt. „In einem netzungsprozessen nutzen. „Von der
frühen Stadium der Hirnentwicklung aber Entwicklung und Implementierung neuer Prof. Dr. Knut Holthoff
wirkt GABA als erregender Botenstoff, in- Analysetools versprechen wir uns neue Klinik für Neurologie
dem er die Ausbildung von Aktionspoten- Erkenntnisse zu den Prinzipien der räum- Universitätsklinikum Jena
tialen begünstigt“, so Professor Knut Holt- lichen und zeitlichen Aktivitätsmuster,
hoff, der die Arbeitsgruppe BioImaging an die wir sehen“, so Stefan Kiebel, Profes-
03641 9-323418
der Klinik für Neurologie leitet. Zusammen sor für Computational Neuroscience an knut.holthoff@med.uni-jena.de
mit seinem Kollegen Dr. Knut Kirmse will er der Klinik für Neurologie.

17
Forschen und Heilen

Instrumententanz im Altersgerechte Krebsstudien notwendig


Übungs-OP
Überleben Patienten durch ein neues Krebsstudien einzuschließen. Studien spe-
Das medizinische Trainingszentrum Krebsmedikament oder ein neues Ver- ziell für ältere Krebspatienten sollten zur
SkillsLab am Universitätsklinikum Jena fahren länger, lässt sich der Krebs damit 3îLFKW ZHUGHQ ZHQQ VLFK GLH 6WDQGDUG
verfügt seit diesem Semester auch über länger zurückdrängen als mit herkömmli- Therapie von der bei jüngeren Menschen
einen Lehr-OP-Saal. Die für die Patien- chen Therapien? Das sind die Fragen, die unterscheidet. Die bisher als Goldstan-
tenversorgung nicht mehr genutzten klinische Studien in der Krebsmedizin zu dard geltenden Studien, in denen die Teil-
Räumlichkeiten bieten den angehenden beantworten versuchen. Voraussetzung nehmer zufällig der Interventions- oder
Ärzten die Möglichkeit, in authentischer für die Zulassung einer neuen Therapie der Kontrollgruppe zugewiesen werden,
Umgebung den OP-Alltag kennen zu ist ein deutliches Ja. „Wir beobachten könnten nicht alle Fragen für die Behand-
lernen. Die Studierenden üben das „Ein- aber seit geraumer Zeit, dass dieses Stu- lung älterer Patienten beantworten. Des-
schleusen“, also den Weg aus der Umklei- diendesign den Bedürfnissen der älteren halb empfehlen die Experten auch kleinere
de in den OP mit chirurgischer Hände- Krebspatienten, die den Großteil unserer Untersuchungen, eventuell ohne Kont-
desinfektion und Anlegen eines sterilen Patienten ausmachen, nicht entspricht“, rollgruppe, um Erkenntnisse für diese zu
Kittels sowie steriler Handschuhe. Darauf so Privatdozent Dr. Ulrich Wedding, gewinnen. Künftig müssten vergleichbare
aufbauend trainieren die Studierenden in Onkologe und Chefarzt der Abteilung für geriatrische Bewertungskriterien integ-
einem weiteren Kurs die Grundlagen rund Palliativmedizin am Universitätsklinikum riert werden. Große Beobachtungsstudien
um das Instrumentieren am OP-Tisch, den Jena. „Patienten, die in Krebsstudien ein- und die Auswertung von Krebsregistern
sogenannten „Instrumententanz“. Die geschlossen werden, sind im Schnitt zehn könnten weitere Ergebnisse liefern. Die
Kurse wurden in Zusammenarbeit mit der Jahre jünger als der durchschnittliche Zulassungsbehörden sollten Belege für
Klinikhygiene und der Fachweiterbildung Krebspatient, viele typische Begleiter- Wirksamkeit und Sicherheit von neuen
Operationsdienst des Universitätsklini- krankungen sind oftmals Ausschlusskrite- Therapien bei älteren und gebrechlichen
kums entwickelt. (vdG) rien für eine Studienteilnahme.“ Patienten einfordern regt die Experten-
gruppe an, die über 13000 Krebsmediziner
Wedding ist Mitglied in einer internati- weltweit repräsentiert. Mit dem Fokus auf
onalen Expertengruppe, die die stärkere geriatrische Krebspatienten ergeben sich
Berücksichtigung älterer Patienten bei völlig neue Studienfragen, die sich für
Krebsstudien fordert. In einem im Jour- jüngere Patienten nicht stellen.
nal of Clinical Oncolocy erschienenen
Positionspapier sprechen sich die Euro- Ulrich Wedding: „Auch sollten wir unter-
päische Organisation für Forschung und schiedliche Behandlungsstrategien verglei-
Behandlung von Krebs, die Internationale chen, z.B. Therapie und optimale unterstüt-
Gesellschaft für Geriatrische Onkologie ]HQGH 3îHJH 'HQQ EHL lOWHUHQ 3DWLHQWHQ
und die Allianz für Klinische Studien in tritt oft die Frage nach der verbleibenden
GHU 2QNRORJLH GDIU DXV VRZRKO íWWH DOV Lebenszeit zurück hinter die nach der noch
auch ältere und gebrechliche Patienten in möglichen Lebensqualität.“ (vdG)

Promotionsstipendien für
zehn Medizinstudenten
Urkunden über Promotionsstipendien
übergaben der Dekan Prof. Klaus Benn-
dorf und der Vorsitzende des Klinikums-
förderveins PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf
in der Novembersitzung des Fakultäts-
rates an zehn Medizinstudierende. Drei
der Stipendien werden vom Förderverein
íQDQ]LHUW VLHEHQ YRP ,QWHUGLV]LSOLQlUHQ
Zentrum für Klinische Forschung. Sie er-
möglichen es den Doktoranden, ein hal-
bes oder ganzes Jahr mit dem Studium
auszusetzen und sich in dieser Zeit auf
ihre Dissertation zu konzentrieren. Die Preisträger mit Prof. Klaus Benndorf (r.) und PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf.

18 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
Ungewöhnliche Heilung bei Durchfallkeimen
Übertragung von Stuhlproben bei chronischer Darmentzündung
Diese Therapie klingt ungewöhnlich und stellen und die Clostridien einzudämmen, Empfänger wurden auf Erkrankungen un-
ekelerregend: Am Universitätsklinikum erklärt Dr. Peter Keller, Arzt der Klinik für tersucht. Auch musste der Spender gewisse
Jena haben Experten der Gastroentero- Innere Medizin IV am UKJ. Gastroenterolo- Kriterien erfüllen. „Grundsätzlich kommt
logie nun erstmals in Thüringen Stuhl- gen nahmen die Stuhltransplantation vor. jeder gesunde Mensch in Frage. Der ideale
proben eines gesunden Spenders auf Spender sollte ein naher Verwandter sein,
eine Patientin mit immer wieder auftre- Zwei bis fünf Prozent der gesunden Bevöl- ZHLO EHL LKP HLQH lKQOLFKH 'DUPîRUD YRU-
tender Durchfallerkrankung übertragen. kerung tragen den Erreger im Darm, ohne handen ist. Er sollte nicht im selben Haus
Damit bekämpften sie erfolgreich Clost- dass es zu einer Erkrankung kommt. Clos- wohnen. Sonst könnte auch er Clostridien
ULGLXP GLIíFLOH HLQHQ GHU JHIlKUOLFKVWHQ WULGLHQJHK|UHQDEHUDXFK]XGHQKlXíJVWHQ im Darm haben“, erklärt Stallmach. Die Pro-
Darmkeime. 2011 etwa litten allein in Erregern von Krankenhausinfektionen. be des Spenders wurde aufbereitet, damit
Deutschland 100 000 Patienten an dieser Hinter der Patientin liegt ein langer Lei- keine krankmachenden Bakterien übertra-
Erkrankung. Die Idee hinter der Stuhl- densweg, der mit einer Harnweginfektion gen werden. Außerdem musste die Ethik-
WUDQVSODQWDWLRQ (LQH LQWDNWH 'DUPîRUD begann, so Keller. Bevor sie die Gastroen- kommission zustimmen. Stallmach: „Nach
gelangt in den kranken Darm und baut terologie aufsuchte, wurde die Infektion einer Darmreinigung wurde die aufbereite-
HLQH´JHVXQGH§'DUPîRUDZLHGHUDXI'DV mehrfach mit Antibiotika behandelt. „Al- te Stuhlprobe über einen Schlauch in den
UKJ bietet als eine von nur wenigen Klini- OHUGLQJV]HUVW|UWHGLH]XKlXíJH$QWLELRWL- Dickdarm eingeführt. Der Eingriff verlief
ken in Deutschland die neue Therapie an, NDJDEH LKUH 'DUPîRUD 'DGXUFK YHUPHKU- ohne Komplikationen.“ Zukünftig könnte
die chronisch Kranken Hoffnung gibt. ten sich die Clostridien stark. Dies führte die Stuhltransplantation eine Alternative
zur schweren Durchfallerkrankung“, erklärt zur medikamentösen Therapie der gefähr-
Über Monate litt die Patientin an einer Prof. Stallmach. Wiederholte spezielle Anti- lichen Darmerkrankung sein, so Stallmach.
Darmentzündung, ausgelöst durch eine biotikatherapien halfen nicht. Sie nahm Michelle Emmerich
&ORVWULGLXP GLIíFLOH,QIHNWLRQ XQG ZXUGH zwölf Kilo ab. Nicht nur körperlich, sondern
dann in der der Klinik für Innere Medizin auch psychisch litt die Patientin: Aufgrund
IV am UKJ behandelt. „Seit Wochen hat ihrer Erkrankung konnte sie ihrem Beruf Prof. Dr. Andreas Stallmach
sie keine Beschwerden mehr. Die Infektion nicht nachgehen und war sozial isoliert. Klinik für Innere Medizin IV (Gastro-
ist nicht mehr aufgetreten“, sagt Prof. Dr. ,PPHUZLHGHUNDPHV]XP$XIîDFNHUQGHU enterologie, Hepatologie und Infektiologie)
Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Infektion, bis sie sich zur Stuhltransplanta- Universitätsklinikum Jena
Innere Medizin IV am UKJ. „Bei der Stuhl- tion entschloss.
transplantation wird die gesunde Darm-
03641 9-324221
îRUDHLQHUYHUZDQGWHQ3HUVRQEHUWUDJHQ Für eine Übertragung mussten bestimmte Andreas.Stallmach@med.uni-jena.de
=LHO LVW HV GLH 'DUPîRUD ZLHGHUKHU]X- Voraussetzungen erfüllt sein. Spender und

Preis für Forschung zu schizophrenen Erkrankungen


Auf dem Europäischen Schizophrenie- Er nutzte dabei ein spezielles Verfahren dass Unterformen der Schizophrenie bio-
Kongress in Berlin zeichnete das Kompe- zur Auswertung von MRT-Daten, basie- logisch durch verschieden ausgeprägte
tenznetz Schizophrenie Dr. Igor Nenadic rend auf dem Konzept fraktaler Dimensi- Entwicklungsstörungen der Hirnrinde be-
von der Klinik für Psychiatrie und Psy- onen, das von der Klinik entwickelt wurde gingt sein könnten.“
chotherapie am UKJ mit dem Aretaeus und die Messung der lokalen Komplexität
Schizophrenia Award für Nachwuchswis- GHU +LUQULQGH DQKDQG LKUHU 2EHUîlFKHQ- Der mit insgesamt 5000 Euro dotierte
senschaftler aus. Damit würdigte die Jury faltung ermöglicht. „Dabei konnten wir Preis ging ebenfalls an Dr. Alkomiet Hasan
die Forschungsarbeiten des Jenaer Psy- zeigen, dass bei Patienten mit einer Schi- aus München. Der Preis ist vom Psycho-
chiaters, in denen er die Hirnstruktur von zophrenie die Lokalisierung von Auffäl- seNetz e.V. gestiftet. (vdG)
Schizophrenie-Patienten mit verschiede- OLJNHLWHQ LQ GHU 2EHUîlFKHQNRPSOH[LWlW
nen Unterformen dieser Erkrankung un- davon abhängig war, ob im Symptompro-
tersuchte, in Zusammenarbeit mit Prof. íO VRJHQDQQWH QHJDWLYH GHVRUJDQLVLHUWH
Heinrich Sauer, Prof. Christian Gaser und oder paranoide Merkmale überwogen“,
Dr. Rachel Yotter aus derselben Klinik. so Igor Nenadic. „Das deutet darauf hin,

19
Menschen am Klinikum

Trauer um Prof. Dr. Werner Alois Kaiser


Anerkannter Experte auf dem Gebiet der MR-Mammographie im Alter von
64 Jahren verstorben

Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) trau-


ert um Professor Dr. med. Dipl.-Chem.
Werner Alois Kaiser, der nach schwerer
Krankheit am 27. Dezember 2013 ver-
storben ist. Mit ihm hat das Thüringer
Universitätsklinikum einen auch über die
Grenzen Deutschlands hinaus anerkann-
ten Forscher, einen engagierten Hoch-
schullehrer und Arzt verloren, der sich
bleibende Verdienste auf dem Gebiet der
Radiologie erworben hat. Speziell seine
wissenschaftliche und klinische Arbeit auf
dem Gebiet der MR-Mammographie gel-
ten als wegweisend.

Professor Kaiser wurde am 5. Oktober


1949 in Bühl in Baden-Württemberg ge-
boren. An seinem späteren Studienort
Freiburg wandte er sich im Doppelstudi-
um der Chemie und der Medizin zu. Sein
medizinischer Werdegang führte ihn
nach Offenburg, Nürnberg und schließ-
lich nach Bonn. Nach seiner Tätigkeit als
Professor am Institut für Röntgendiag-
nostik der Universität Würzburg folgte
dann der Wechsel nach Thüringen. 1994
nahm Werner Kaiser den Ruf als Universi-
tätsprofessor für Bildgebende Diagnostik
am Universitätsklinikum Jena an, wo er
am Zentrum für Radiologie bis zu seinem
Lebensende als Direktor des Instituts für
Diagnostische und Interventionelle Ra-
diologie verdienstvoll wirkte.

Im Jahr 2010 wurde er zudem als Gast-


professor an die renommierte Harvard
Medical School berufen. Professor Kai-
ser war im medizinischen Fachkollegium
hoch geschätzt. Seine internationale Re-
putation auf dem Gebiet der MR-Mam- Das UKJ trauert um Prof. Dr. Werner Alois Kaiser. Foto: UKJ
mographie wird durch eine große Anzahl
an wissenschaftlichen Publikationen und wissenschaftlichen Umfeld gingen zahl- schen und wissenschaftlichen Laufbahn
Vorträgen unterstrichen. Er organisierte reiche Habilitanden und spätere Chefärzte und in Anerkennung seiner besonderen
in Jena eine Vielzahl internationaler Kon- hervor. Als akademischer Lehrer war Prof. Verdienste auf dem Gebiet der MR-Mam-
gresse. Auf diese Weise gelang ihm eine Kaiser bei seinen Studenten hoch beliebt. mographie wird Professor Kaiser post-
nachhaltige Stärkung des wissenschaft- hum mit dem Verdienstkreuz am Bande
lichen Standorts. Aus dem von ihm am In einer Reihe hoher Ehrungen und Aus- des Verdienstordens der Bundesrepublik
Universitätsklinikum Jena geschaffenen zeichnungen während seiner medizini- Deutschland geehrt.

20 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
Namen und Nachrichten
Den Infektionsverlauf berechnen Hohe Auszeichnung für Schmerzexperten
Als Professor für Systembiologie Der Schmerzexperte Prof. Dr.
der Sepsis am Universitätsklini- Winfried Meißner (Foto) von der
kum Jena analysiert Rainer König Klinik für Anästhesiologie und
auf der Suche nach Markern für Intensivtherapie am Universitäts-
die Diagnose und Prognose von klinikum Jena hat den Förderpreis
Infektionen die Genexpressions- der Deutschen Schmerzgesell-
muster in klinischen Proben. schaft Jena/Hamburg erhalten.

Regenwahrscheinlichkeit 20 Prozent - wir haben uns an die Der Förderpreis der Fachgesellschaft wurde in Hamburg
Verlässlichkeit dieser Angabe in der Wettervorhersage ge- auf dem deutschen Schmerzkongress 2013 verliehen. Prof.
wöhnt. Rainer König forscht daran, in ähnlicher Weise einmal Meißner, unter anderem Leiter der im vergangenen Sommer
das Risiko für Leberversagen oder neurologische Folgeschäden neu eröffneten Schmerztagesklinik am Thüringer Universi-
bei Sepsispatienten einschätzen zu können und so den behan- tätsklinikum, erhielt den zweiten Preis der Fachgesellschaft
delnden Ärzten die Möglichkeit zur zielgerichteten Prävention für eine Studie zum Schmerz nach einer Operation. Die Stu-
zur eröffnen. Der Bioinformatiker hat seit kurzem die Professur die ermöglicht erstmals auf der Basis einer einheitlichen,
für Systembiologie der Sepsis am Universitätsklinikum Jena standardisierten Erfassung aus Patientenperspektive einen
inne. Seine Arbeitsgruppe wird im Rahmen des Integrierten Vergleich der Schmerzintensität zahlreicher unterschiedli-
Forschungs- und Behandlungszentrums für Sepsis und Sep- cher Operationen.
sisfolgen CSCC und einigen Systembiologieprogrammen des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. ist die wissenschaftli-
che Schmerzgesellschaft in Deutschland. Mit mehr als 3400
„Wir wollen die verschiedenen klinischen Verläufe einer Er- Mitgliedern ist sie die größte Europas. Sie ist als gemein-
krankung wie Sepsis oder Krebs auf molekularer Ebene unter nützige Organisation anerkannt und Mitglied der Arbeitsge-
Zuhilfenahme von netzwerkbasierten Modellen verstehen“, meinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachge-
beschreibt König seinen Forschungsansatz. Dahinter steht sellschaften (AWMF). (vdG)
die Erfassung und statistische Analyse aller in den Zellen
des betreffenden Gewebes produzierten Proteine und Stoff-
wechselprodukte, um die zugrunde liegenden Netzwerke der Fachbuch von Jenaer Humangenetiker
*HQUHJXODWLRQ XQG 6LJQDOEHUWUDJXQJ ]X LGHQWLí]LHUHQ 5DL-
ner König: „Unsere Modelle sollen zu diagnostischen Markern Der Humangenetiker PD Dr. Thomas Liehr vom Universitäts-
führen, die den Erreger und den klinischen Verlauf, speziell die klinikum Jena ist Autor eines neuen Fachbuchs über Unter-
Langzeitfolgen der Sepsis, vorhersagen.“ Ihren Arbeitsplatz schiede in der menschlichen Chromosomenstruktur. Auf 199
haben König und seine Mitarbeiter auf dem Beutenberg-Cam- Seiten liegt damit erstmals ein nach Chromosomen geord-
pus im Hans-Knöll-Institut. netes Nachschlagewerk über die bisher bekannten, nach der-
zeitigem Wissen klinisch harmlosen Varianten des mensch-
Nach seinem Mathematik- und Physikstudium in Freiburg lichen Genoms vor – was für die praktische zytogenetische
und Heidelberg wurde Rainer König an der Universität Heidel- Routine-Diagnostik von Bedeutung ist. In das Buch sind die
berg mit einer Arbeit zur Proteinstrukturanalyse promoviert. Ergebnisse einer umfassenden Literaturrecherche ebenso
Er forschte in der Bioinformatik-Abteilung des Deutschen HLQJHîRVVHQ ZLH GLH GHU )RUVFKXQJVDUEHLW DP ,QVWLWXW IU
Krebsforschungszentrums und beschäftigte sich in seiner Humangenetik des UKJ. Dort wurden in den vergangenen
Habilitationsschrift mit der Netzwerkanalyse als Methode 12 Jahren rund 1000 Fälle mit zum Teil seltenen zytogene-
zur Suche von Zielmolekülen für Wirkstoffe. Zuletzt leitete tischen Varianten charakterisiert. Die Einsender dieser Fälle
er eine eigene Arbeitsgruppe an der Universität Heidelberg. stammen unter anderem aus Armenien, Belarus, Deutsch-
„Als Lehrer liegt mir die Studentenausbildung natürlich be- land, Frankreich, Indien, Serbien und der Türkei. (Thomas
sonders am Herzen“, so Professor König und verweist auf das Liehr: „Benign Pathological Chromosomal Imbalances“; Aca-
Bioinformatik-Modul, das er für den Masterstudiengang Mo- demic Press Inc. 2013, ISBN-10: 0124046312, ISBN-13: 978-
lekulare Medizin entwickelt hat. (vdG) 0124046313). (zei)

21
Menschen am Klinikum

Künftige Hausärztegeneration im Fokus


Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum besteht seit sechs Jahren
Sie müssen sich mit akuten Erkrankungen, „Hausärztemangel“ lassen etwas anderes PLW HLQRUGQHQGHQ 6HPLQDUHQ îDQNLHUW
wie Erkältungen oder Rückenschmerzen vermuten. Der Bedarf an hausärztlichem Seit kurzem können Studierende auch an
und mit chronischen Erkrankungen wie Nachwuchs vor allem im ländlichen Raum den wöchentlichen klinischen Fallkon-
Diabetes oder Depressionen auskennen war auch ein Grund für die Gründung von ferenzen teilnehmen. Unter Anleitung
und vor allem damit, dass ihre Patienten Institut und Lehrstuhl im Februar 2008. von erfahrenen Hausärzten wird hier der
nicht nur unter einer, sondern gleichzei- Dabei hatten Ärzteverbände wie die Lan- „allgemeinmedizinischen Fall der Woche“
tig unter mehreren Erkrankungen leiden. GHVlU]WHNDPPHU 7KULQJHQ DXFK 'Hí]LWH untersucht. Nicht zuletzt werden alle all-
Denn das ist der klinische Alltag in einer im Medizinstudium als einen der Grün- gemeinmedizinischen Lehrärzte für ihre
Hausarztpraxis. „Hausärzte sind näher de für die Nachwuchs-Engpässe ausge- Lehrtätigkeit am UKJ systematisch vor-
am Patienten als jede andere Arztgruppe macht. Gensichen, der aus Frankfurt am bereitet. Schließlich bietet der jährliche
und bilden die Schnittstelle zu den Spe- Main nach Jena kam, kann das nur bestä- Thüringer Tag der Allgemeinmedizin ärzt-
zialgebieten in der Medizin“, sagt Prof. tigen. „Die Allgemeinmedizin war lange liche Fortbildung für die niedergelassenen
Dr. Jochen Gensichen. Er ist Direktor des Zeit ein Stiefkind in der Ärzteausbildung.“ Hausärzte, erklärt der Allgemeinmediziner
Instituts für Allgemeinmedizin am Uni- Lange Zeit habe sie erst gegen Ende des Dr. Sven Schulz. Er gehört zu den 26 Ins-
versitätsklinikum Jena, das vor allem eine Studiums eine Rolle gespielt. „Damals titutsmitarbeitern – Fachärzte für Allge-
Aufgabe hat: der Tätigkeit von Hausärzten haben drei niedergelassene Hausärzte in PHLQPHGL]LQ 3V\FKRORJHQ 3îHJH XQG
im Medizinstudium jenen Stellenwert zu Nebentätigkeit die Vorlesung Allgemein- Dokumentationspersonal – und erklärt das
verschaffen, den sie in der ambulanten medizin gehalten und das Blockpraktikum Ziel des Instituts: „Seriöse Lehr- und Lern-
Versorgung längst hat. Gensichen formu- organisiert“, berichtet Gensichen. „Das angebote entlang des gesamten haus-
liert es so: „Die hausärztliche Medizin so war es im Wesentlichen.“ ärztlichen Berufsweges anzubieten: vom
früh wie möglich ins Studium zu integ- Studienanbeginn bis in die niedergelasse-
rieren und den Studierenden erfahrene Inzwischen hat sich einiges geändert, ne Hausarztpraxis hinein.“
Hausärzte an die Seite zu stellen.“ nicht zuletzt dank einer neuen Approba-
WLRQVRUGQXQJ IU bU]WH (LQ IDFKVSH]Lí- All das würde nicht funktionieren ohne
Einer Befragung des Instituts zufolge scher Lernzielkatalog wurde für die allge- die Zusammenarbeit des Instituts mit
kann sich in 2012 immerhin etwa jeder meinmedizinische Ausbildung erarbeitet den niedergelassenen Hausärzten in
vierte Medizinstudent aus Jena vorstellen, und die Vorlesung neu konzipiert. Das Thüringen. Insgesamt engagieren sich
in die Allgemeinmedizin zu gehen. Doch Blockpraktikum, das praktische Jahr und mehr als 240 Hausärzte in Thüringen als
die seit Jahren hallenden Klagen über den die Facharztweiterbildung werden nun praktische Ausbilder für angehende Allge-

Prof. Dr. Jochen Gensichen leitet das Institut Bei Dr. Kathrina Arnold-Korbien (3.v.l.) im Zentrum für ambulante Medizin des UKJ lernen Medizin-
für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum studenten im praktischen Jahr wie Natalie Beiersdorf und Constanze Schaumberg-Brand die Arbeit
Jena. Foto: Szabó in einer Hausarztpraxis kennen. Foto: Schleenvoigt

22 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


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meinmediziner. Angesichts der oft über- gang mit diesen Patienten geschult und Preis für Forschung über
vollen Wartezimmer und der langen Ar- die Patienten selbst absolvieren spezielle Hypnose
beitszeiten von Hausärzten sei dies nicht Übungen für Angstsituationen. Derzeit
KRFKJHQXJ]XVFKlW]HQíQGHW6FKXO] wird die Wirksamkeit des Programms, Psychologen des Universitätsklinikums
das insgesamt 444 Patienten erfasst, in Jena sind für eine Arbeit über die Wirkung
,PPHUKlXíJHUEHNRPPHQHV+DXVlU]WH einer vom Bundesforschungsministerium von Hypnose bei chirurgischen Eingriffen
heutzutage mit psychischen Erkrankun- geförderten Studie untersucht. ausgezeichnet worden. Auf der Jahres-
gen zu tun, sie sind erste Anlaufstelle konferenz 2013 der Gesellschaft für
für Menschen mit Depressionen oder Ein weiteres Forschungsprojekt beschäf- klinische und experimentelle Hypnose
Angsterkrankungen – und müssen die tigt sich mit der Langzeitbetreuung von erhielten die Wissenschaftler des
oft monatelangen Wartezeiten auf ei- Patienten, die eine Sepsis überlebt haben Instituts für Psychosoziale Medizin und
nen Therapieplatz bei Spezialisten über- – oft um den Preis andauernder gesund- Psychotherapie den Roy M. Dorcus Award
brücken. Das schlägt sich auch in der heitlicher Beeinträchtigungen und auch für die beste wissenschaftliche Arbeit zur
Forschungsarbeit des Instituts nieder. psychischer Belastungen. „Hausärzte be- klinischen Anwendung. Hypnose lindert
Gemeinsam mit Bochumer Psycholo- treuen diese Patienten nach der intensi- Schmerzen, reduziert die psychische
gen hat es ein Programm entwickelt, ven Krankenhaus- und Reha-Zeit in der Belastung und fördert die Genesung nach
das Hausärzte bei der Betreuung von Regel über viele Jahre weiter“, so Gensi- Operationen, so das Ergebnis der Meta-
Patienten mit einer Angsterkrankung chen. Dafür benötigten die Hausärzte ein Analyse, für die die Jenaer Psychologen
unterstützen soll – und natürlich den spezielles Know-how, das ihnen das Insti- gemeinsam mit Kollegen aus Bern mehr
Erkrankten selbst. Kernpunkte: Ärzte und tut bereitstellen möchte. als 30 Einzelstudien mit knapp 2600
Praxisangestellte werden für den Um- Katrin Zeiß Patienten ausgewertet hatten. (zei)

Was macht eigentlich... eine Orthoptistin?


„Wir helfen sehen!“
Ute Krause ist Fachrichtungsleiterin Sehvermögen, augenbedingte Kopffehl- und Diagnostik von visuell bedingten Ent-
Orthoptik an der Schule für Gesund- haltungen, Augenzittern, Kopfschmerzen, wicklungs- und Lernauffälligkeiten. Das Ziel
heit und Soziales SBBS Jena und am Lesestörungen sein. unserer Therapien ist die Verhütung und
Universitätsklinikum Jena Besserung von Seh- und Schielstörungen
Wir versorgen Patienten aller Alters- sowie deren Dauerschäden.
gruppen, die eine einseitige oder beid-
seitige Sehstörung haben. Präventiv Unsere Arbeit bedeutet eine hohe Verant-
untersuchen wir vorwiegend Kinder im wortung und das erfordert eine gute Aus-
Säuglings- und Kleinkindalter. Die wach- bildung. Gemeinsam mit dem UKJ bildet
senden Anforderungen an das Sehen die Berufsschule für Gesundheit und So-
lassen jedoch die Zahl der Jugendlichen ziales SBBS in Jena Orthoptistinnen aus.
und Erwachsenen mit Sehstörungen – Alle drei Jahre startet ein neuer Aus-
bzw. Beschwerden steigen, die zunächst bildungsgang, der nächste beginnt 2015.
manchmal gar nicht dem Sehen zuge- Das UKJ ist eines von nur drei Kliniken in
Die Orthoptik ist ein spezieller Bereich ordnet werden. Beispiele hierfür sind Ostdeutschland, die eine solche Ausbil-
der Augenheilkunde, der die Vorbeu- Beschwerden bei der Bildschirmarbeit, dung mittragen. (zei)
gung, Erkennung, Behandlung und Wie- Wahrnehmungsstörungen, Lese-Recht-
derherstellung von Schielerkrankungen, Schreibschwächen, Legasthenie. Ute Krause
Sehschwächen, Störungen des ein- und Fachrichtungsleitung Orthoptik
beidäugigen Sehens, Augenzittern und Neben diesen primär klassischen Aufga- Klinik für Augenheilkunde
Augenbewegungsstörungen umfasst. bengebieten sind wir auch in der visuellen Bachstr. 18 · 07743 Jena
Die Beschwerden der Patienten, die uns Rehabilitation von Patienten mit Sehstö-
aufsuchen, können zum Beispiel Schiel- rungen nach angeborenen oder erworbenen
03641 9-33601
stellung, Doppelbilder, Augenmuskelläh- Hirnschädigungen und von sehbehinderten ute.krause@med.uni-jena.de
mungen, ein- oder beidseitig reduziertes Patienten tätig sowie in der Früherkennung

23
Patientensicht

Wieder tasten, fühlen und greifen


Ein Jahr nach Hand-OP am UKJ: Gefühl in den Fingern ist zurück

Nachsorge: Franziska Kassler


und ihre Eltern Thomas und Ute haben
Dr. Nicky Schettler wiedergetroffen.

-HGHV 0DO ZHQQ )UDQ]LVND .DVVOHU KHXWH HLQH *ODVîDVFKH VLHKW mikrochirurgisch und die Sehnen in entsprechender Technik ver-
erinnert sie das an ihren Unfall vor einem Jahr. Das Mädchen ist sorgt. Als Replantationszentrum verfügen wir über viel Erfahrung,
mit Freunden zusammen, als sie sich ihre rechte Hand an einer da wir nahezu täglich mit Verletzungen wie diesen konfrontiert
JHEURFKHQHQ *ODVîDVFKH VFKZHU YHUOHW]W 6HKQHQ XQG 1HUYHQ werden“, erklärt Dr. Schettler. Auch wenn die Sehnen zusammen-
von zwei Fingern werden durchtrennt. Nach der Erstversorgung gefügt wurden und gleich funktionieren – die Nerven brauchen
im Hofer Klinikum wird sie in die Klinik für Unfall-, Hand- und Zeit, bis ihre volle Funktion wieder erreicht ist, so der Handchirurg.
Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Jena (UKJ)
verlegt und erfolgreich operiert. Ihre Hand ist wieder verheilt. „Ich „Ich musste die Beweglichkeit und das Gefühl in den beiden Fin-
habe mich gut aufgehoben und betreut gefühlt“, sagt Franziska gern neu erlernen. Alltägliches war plötzlich schwierig“, so die
Kassler. Für die Eltern sei der Unfall ein Schock gewesen. „Ich hatte 16-Jährige.
Angst, dass unsere Tochter nie mehr richtig fühlen kann“, erinnert
sich Ute Kassler, die Mutter von Franziska. Umso dankbarer ist die Nach der Operation begannen für Franziska intensive Nachbe-
Familie dem Team um Dr. Nicky Schettler, Facharzt der Klinik für handlungswochen. „Die Nachbehandlung ist genauso wichtig wie
Unfallchirurgie am UKJ. „Von A bis Z hat alles funktioniert und wir die Operation und muss direkt danach ansetzen, sonst verschlech-
sind glücklich über den sehr guten Heilungsverlauf.“ tert sich das Ergebnis. Franziska hat während ihrer zwölfwöchi-
gen Nachbehandlungszeit gut mitgearbeitet“, sagt Schettler. Acht
'XUFK GHQ 8QIDOO ZDUHQ =HLJH XQG 0LWWHOíQJHU EHWURIIHQ %LV Wochen lang durfte die Schülerin ihre Hand nicht belasten. Dann
Funktion und Gefühl in den beiden Fingern wieder hergestellt wurde die Belastung über vier Wochen langsam gesteigert und
waren, brauchte Franziska Zeit und Geduld. Denn sie hatte eine es wurde schrittweise immer besser, so Franziska. Eine Schiene,
schwere Stichverletzung im Bereich der Hohlhand erlitten, bei der die sie sechs Wochen lang tragen musste, war ebenfalls Teil des
Sehnen und Nerven geschädigt wurden. „Die Nerven haben wir Nachbehandlungskonzepts. Dr. Schettler: „Im Schutz der Schiene

24 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
konnte sie sofort die Hand bewegen, weil die Sehnen rekonstruiert Dankbar für gute medizinische
waren.“ Erschwerend hinzu kamen die winterlichen Temperaturen.
Weil die Nerven erst wieder lernen mussten, Gefühle richtig ein-
und menschliche Betreuung
]XVFKlW]HQZDU)UDQ]LVNDV+DQGEHVRQGHUVNlOWHHPSíQGOLFK
Die Leukämiepatientin Bärbel Frank aus Kahla wurde
Nach der intensiven Nachbehandlung konnte sie ihre Hand wie- monatelang am Universitätsklinikum Jena behandelt
der voll belasten. „Sie durfte nicht zu zaghaft sein, sonst hätte es und erhielt dort eine Knochenmarkspende.
zu Verklebungen kommen können. Eine zu forsche Art wäre auch
schlecht gewesen. Denn Schnelligkeit und extreme Ungeduld hät- „Es war ein Tag, der mein bisheriges Leben total veränderte. Am
ten dazu führen können, dass die Sehnen wieder reißen“, erklärt 17. Februar 2013 gegen Mitternacht wurde ich in der zentra-
der Facharzt. Versierte Ergotherapeuten trugen zum Heilungspro- len Notaufnahme wegen epigastrischer Schmerzen untersucht
zess bei. In der Therapie wurden die verletzten Nerven sensibilisiert, und stationär aufgenommen. Die diensthabenden Ärzte und
indem Reize beispielsweise durch Körnerbäder gesetzt wurden. Zur Schwestern waren sehr freundlich. Die nötigen Voruntersu-
Nachbehandlung von Dr. Schettler gehörte auch die Narbenkorrek- chungen wurden schnell durchgeführt. Ich konnte schon am
tur mit Silikon, nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern um frühen Morgen auf eine Station der Gastroenterologie verlegt
drohende Bewegungseinschränkungen zu verhindern. werden. Ich war froh, dass ich mich in ärztlicher Behandlung
befand. Jedoch wusste ich nicht, was die Befunde aussagten.
Die psychische Betreuung spielte ebenso eine wichtige Rolle. Am Wochenende kam Oberarzt Dr. Scholl von der Hämatologie
´1DFKGHP8QIDOOKDEHQ%HWURIIHQHKlXíJ$QJVWYRUHLQHU%HKLQ- zu mir und erklärte die Befunde und auch die Verdachtsdiag-
derung. Man muss daher auf den Patienten eingehen. Viele unse- nose. Ich begriff nicht gleich alles, aber dass es schlimm war,
rer Patienten werden psychologisch mitbetreut“, betont Schett- habe ich verstanden. Am nächsten Tag waren meine Kinder und
ler. Innere Narben müssen auch bei Franziska noch verheilen. Die mein Mann zum Gespräch bestellt. Uns wurde die Diagnose
Schülerin begleiten nach wie vor Ängste, die sie abbauen möchte. „Akute lymphatische Leukämie“ mitgeteilt und erklärt. Es war
´,FKELQQRFKLPPHUYRUVLFKWLJXQGPHLGH*ODVîDVFKHQ,P6SRUW- eine niederschmetternde Nachricht. Wir wurden informiert, dass
unterricht komme ich zum Beispiel nicht mit Bällen klar.“ Aber Dr. ein monatelanger stationärer Aufenthalt erfolgen wird. Die Not-
Schettler ist überzeugt: „Auch das wird wieder klappen.“ wendigkeit vieler aufeinander folgender diagnostischer Maß-
Michelle Emmerich nahmen und entsprechender Therapien wurde erläutert.

Beim Aufenthalt in der Station 500 erlebte ich die tägliche stati-
onäre Arbeit. Das Personal war offen, hilfsbereit und zu jeder Zeit
freundlich. Wir waren wie eine Familie, jeder kannte die Probleme
und Ängste der Anderen. Ein Gespräch mit Frau Prof. Dr. Lilienfeld-
Toal und Oberarzt Dr. Sayer ergab, dass für mich eine Knochen-
marktransplantation vorgesehen ist. Ein Spender wurde gesucht
und gefunden. Ein Glück, dass es Menschen gibt, die freiwillig be-
reit sind, die damit verbundenen Schmerzen auf sich zu nehmen.

Verlegung auf Station 520 am 9. Juli 2013. Auf dieser Station ist
äußerste Sterilität gefordert. Jeder Patient hat seinen eigenen Be-
reich und während eines Tages stets die gleichen zugeordneten
6FKZHVWHUQ3îHJHU(VZDUZRKOWXHQGPLWMHGHPGLHVHU6FKZHV-
WHUQ3îHJHU MHGHU]HLW HLQ *HVSUlFK EHU )UHXG XQG /HLG IKUHQ
zu können. Es gab nämlich auch Zeiten, in denen man allein mit
seinen schweren Gedanken war. In diesem Zusammenhang ein
besonderer Dank an Herrn Pfarrer Bächer. Wir schaffen es – dies
wurde unser Leitsatz. Jetzt habe ich die Transplantation hinter
mir. Mittlerweile bin ich zu Hause und werde in der Ambulanz
für Knochenmarktransplantierte weiter betreut. Die freundliche
Atmosphäre und die fachkompetenten Schwestern um Frau Dr.
Klink und Herrn Dr. Schmidt geben mir die Gewissheit, in guten
Händen zu sein. Ich möchte Danke sagen an alle stationären und
ambulanten Bereiche. Die aufopfernde und liebevolle Behandlung
hat mich zu einer zufriedenen Patientin gemacht. Herzlich grüße
Eine Narbe erinnert an Franziskas schwere Handverletzung vor einem Jahr. ich alle, die sich um mich bemüht haben sich und noch längere
Fotos: Szabó Zeit bemühen werden."

Bärbel Frank und Familie, Kahla

25
Hinter den Kulissen

Behandlungserfolg und zufriedene Patienten – damit das


funktioniert, greifen im Universitätsklinikum Jena viele
Rädchen ineinander. Die Dienstleister für Patienten, Ärzte und
Stationspersonal arbeiten meist unauffällig im Hintergrund.
Das „Klinikmagazin" schaut hinter die Kulissen.

Speisenvielfalt für die Gesundheit


UKJ-Zentralküche bekocht täglich 1600 Patienten

Es ist kurz nach neun am Morgen – und Dreimal täglich setzt sich das Band in
in der Zentralküche des Universitätskli- Bewegung: morgens, mittags, abends.
nikums Jena herrscht Hochbetrieb. In Ein Job für Langschläfer ist das nicht.
mehrgeschossigen Spezialherden, Kom- Der Arbeitstag in der Küche beginnt um
bi-Dämpfern genannt, backen Hunderte 4.30 Uhr, die rund 100 Küchenmitarbei-
Portionen Lasagne, nebenan brutzeln ter arbeiten in zwei Schichten. „Wir ko-
Putenschnitzel. In der benachbarten Halle chen auch für die Mitarbeiter, beliefern
füllen Mitarbeiter die Tabletts für das Mit- die Cafeteria und übernehmen außerdem chen herum, von denen ein verführeri-
tagessen der Patienten: Im Sekundentakt das Catering bei Tagungen und anderen scher Duft von frischgebackenem Kuchen
wandern Goulasch, Nudeln und Gemüse Veranstaltungen des Klinikums“, sagt Ale- strömt. „Ein Klinikum mit eigener Bäcke-
von einem Fließband auf die Teller. Die xander Valdiek, Abteilungsleiter Abteilung UHL KDW KHXW]XWDJH 6HOWHQKHLWVZHUW§ íQ-
Mitarbeiter haben nur Augen für die Tab- Service und Logistik des Geschäftsbe- det Valdiek. Mit Luxus hat das allerdings
letts und die darauf liegenden bedruckten reichs Betreibung und Beschaffung am nichts zu tun, wie Jana Serzisko klarstellt.
Tablettkarten, auf denen die Bestellungen UKJ, zu dem die Zentralküche gehört. So Immer mehr Patienten seien zum Beispiel
der Patienten für diesen Tag vermerkt verlassen täglich allein 3500 Mittagessen auf glutenfreie Backwaren angewiesen.
sind. Eine Herausforderung: Ein Griff zur die Küche, dazu Frühstück und Abendbrot „Sie brauchen Spezialbrot, das wir selbst
falschen Kelle und auf Station käme die für die Patienten sowie ein Kuchenange- backen“, erklärt die 40-Jährige, die leiten-
falsche Mahlzeit an. 1600 Tablettkarten bot. Für Letzteres sorgt Konditorin Kerstin de Diätassistentin am Klinikum ist. Zehn
bedeuten 1600 Bestellungen – so viele Wloka. Sie wuselt sogar schon seit 3.30 9HUSîHJXQJVDVVLVWHQWLQQHQ VLQG WlJOLFK
Patienten hat die Küche in Jena-Lobeda Uhr in der kleinen Backstube zwischen auf den einzelnen Stationen des Klini-
jeden Tag zu versorgen. Plätzchenteig und Wagen mit Backble- kums unterwegs, um die Bestellungen der

Konditorin Kerstin Wloka sorgt für haus-


gebackene Leckereien und bäckt auch Spezial-
brot etwa für Patienten mit Zöliakie. (links)

Das Auge isst mit: Die vorgegarten und


anschließend heruntergekühlten Speisen
werden kurz vor dem Verzehr auf den
Stationen erhitzt. So bleiben die Nährstoffe
erhalten. (rechts)

Fotos: Szabó

26 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
Jeder Handgriff muss sitzen, wenn die Tabletts mit den Mahlzeiten für die Patienten gefüllt
werden. Allein 1600 Mittagsportionen werden täglich ausgeliefert.

Patienten aufnehmen. Diese können wäh- sen werden vorgegart und anschließend ko. „Die Thüringer sind doch meist mehr
len zwischen drei verschiedenen Speise- auf drei Grad heruntergekühlt“, erläutert an Deftiges gewöhnt.“ Immerhin: In der
linien: herzhaft und regional, mediterran Valdiek. So kommt das Essen auf den Rangliste der beliebtesten Speisen steht
und international, leicht und bekömmlich. Stationen an, wo es kurz vor dem Ver- Spaghetti Bolognese vor der Thüringer
Neben der in Thüringen wohl unvermeidli- zehr erhitzt wird. Beim Transport ist die Bratwurst. Die Zutaten kommen freilich
chen Bratwurst stehen auch ambitionier- Zentralküche bislang noch auf eine ganze nicht aus dem Mittelmeerraum, sondern
te Gerichte wie mit Blattspinat und Käse /DVWZDJHQîRWWH DQJHZLHVHQ ¥ HWZD HLQ überwiegend aus der Region. Gemüse
gefüllte Hähnchenroulade, mediterraner Dutzend der Kliniken liegt in der Innen- RGHU*HîJHOVWDPPHQDXVVFKOLH‰OLFKDXV
/DPPWRSI RGHU 5RWEDUVFKíOHW PLW *H- stadt. „Frühstück- und Abendbrotauslie- konventioneller Landwirtschaft. Auch im
müsesoße und Rosmarinkartoffeln auf ferung mitgerechnet, kommen da jährlich 8.-EHVWLPPHQLPPHUKlXíJHU$OOHUJLHQ
der Patientenspeisekarte. Damit Vitamine etwa 130 000 Kilometer Auslieferungs- oder Lebensmittelunverträglichkeiten den
und Nährstoffe im Essen erhalten bleiben, wege zusammen“, sagt Cornelia Luckner, Speisezettel. Vor allem auf Laktose (Milch-
werden die Speisen im sogenannten Cook %HUHLFKVOHLWHULQ 9HUSîHJXQJVPDQDJH- zucker) oder Fruktose (Fruchtzucker) re-
and Chill-Verfahren zubereitet. „Die Spei- ment am Klinikum. Spätestens bis 2018 DJLHUHQ YLHOH 3DWLHQWHQ EHUHPSíQGOLFK
soll sich das ändern. Mit der Fertigstellung Zöliakie-Kranke sind auf glutenfreie Kost
des zweiten Bauabschnitts werden die angewiesen, Menschen mit Gicht wieder-
meisten Kliniken aus der Innenstadt nach um auf purinarme Mahlzeiten. Spezialkost
Lobeda ziehen. bekommen auch Leber- und Bauchspei-
cheldrüsentransplantierte. Solche Son-
Mittelmeerkost derkost bereiten die Köche individuell zu.
nicht nur für Herzpatienten „Die Nachfrage danach nimmt deutlich
zu“, beobachtet Cornelia Luckner. Dass
„Die mediterrane Kost haben wir 2004 Küchenkonzept und Qualität stimmen,
in Zusammenarbeit mit den Herzspezia- hat sich herumgesprochen. Jana Serzis-
listen am Klinikum eingeführt“, berichtet ko zeigt stolz, was eine Patientin aufge-
Valdiek. Das Prinzip: viel frisches Gemüse, schrieben hat: „Heute werde ich entlas-
Fisch, Getreide, Reis und Nudeln, wenig sen, aber das Essen wird mir zu Hause
Fleisch, Öle mit mehrfach ungesättig- fehlen.“ Das ist keine Einzelmeinung: Im
ten Fettsäuren wie Raps- oder Olivenöl. vergangenen Jahr zum Beispiel wurde die
Eine gesunde Sache vor allem für Herz- UKJ-Zentralküche vom Fachmagazin „GV-
patienten, Diabetiker und übergewichtige kompakt“ als eine der fünf Küchen des
Patienten. „Die muss man mitunter aber Jahres 2013 ausgezeichnet.
davon überzeugen“, schmunzelt Serzis- Katrin Zeiß

27
Umschau

Von der „Steinklinik“ zum OP-Roboter


Jenaer Uniklinik für Urologie feierte 50. Geburtstag
Erst nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt Den Ärzten und Schwestern stehen le- Urologie in Jena als „Steinklinik“ bekannt,
sich die Urologie in Deutschland als selbst- diglich ein nicht klimatisierter Operati- eine Spezial-Sprechstunde für Patienten
ständiges Fachgebiet. Der erste Lehrstuhl onssaal, ein Zehnbettzimmer sowie ge- mit Harnsteinen gehört bis heute zum
im Osten des Landes entsteht 1959 in Hal- liehene Instrumente zur Verfügung. In Angebot der Klinik.
le, jedoch ohne eine eigenständige Klinik. den ersten Jahren können sie nur Teile
In Jena ist es der Chirurg und Urologe Prof. des Gebäudes nutzen, erst ab 1976 dient Die politische Wende bringt große Heraus-
Dr. Emil Hienzsch, der sich für die Heraus- das Haus ausschließlich der Urologie. forderungen mit sich. Mit der Grenzöff-
lösung der Urologie aus der Chirurgischen Mehrere Umbauten und Erweiterungen nung wechseln viele Fachärzte in die alten
Universitätsklinik und für die Gründung in den 1970er-Jahren verbessern die me- Bundesländer, in Jena fehlt das Personal.
eines Lehrstuhls für Urologie einsetzt. So dizinische Betreuung spürbar: Die Zahl Mit einer ganzen Reihe junger Assistenz-
nimmt die erste eigenständige Urologische der Betten steigt auf 60, eine Poliklinik ärzte und Schwestern gelingt der Urologi-
Universitätsklinik Ostdeutschlands am 15. macht die Vor- und Nachbehandlung im schen Klinik der Neubeginn. Doch um in-
November 1963 ihren Betrieb auf. Dank eigenen Haus möglich, der erweiterte La- ternationalen Standards zu genügen, muss
seines großen Engagements gilt Hienzsch borbereich erlaubt bessere Diagnostik. Ein in technische Ausstattung und vor allem
als Wegbereiter der modernen Urologie – weiterer wichtiger Schritt war 1979 die ausreichende Räumlichkeiten investiert
wie sie heute nicht nur am Universitäts- Eröffnung der Kinderstation. ZHUGHQ$XI,QLWLDWLYHXQGPLWíQDQ]LHOOHU
klinikum Jena praktiziert wird. Die Klinik Unterstützung des Münchener Urologen
in der Lessingstraße 1 feierte kürzlich ihr Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen und Unternehmers Dr. Rudolf Castringius
50-jähriges Bestehen. Arbeit von Prof. Hienzsch steht das Harn- entsteht bereits im Jahr nach der Wende
steinleiden. Die von ihm und seinem ein Funktionsanbau an der Südseite der
Bis ins Jahr 1945 beherbergt das 1915 Nachfolger als Klinikdirektor, Prof. Hans- Klinik – der Flügel war Ende des Zweiten
errichtete Gebäude ein humanistisches Joachim Schneider, begründeten „Jenaer Weltkriegs zerstört worden. „Dieser Anbau
Gymnasium. Während des Zweiten Harnsteinsymposien“ ziehen namhafte war ein Segen für das Haus“, sagt PD Dr.
Weltkriegs wird hier zunächst ein W
Wissenschaftler aus Wolfgang Berg, der seit 1972 an der Klinik
Hilfskrankenhaus eingerichtet, spä- dem In- und Aus- tätig ist. Neben vier modernen OP-Sälen
ter eine Tuberkuloseklinik. Als die land an. Bis Mitte entstehen ein Diagnostiktrakt, Ambulanz-
Urologische Klinik ihren Betrieb der 1980er- räume, modern ausgestattete Bettensta-
aufnimmt, sind die Bedingungen Jahre ist die tionen und ein 200 Personen fassender
alles andere als günstig: Hörsaal. Zusammen mit Umbauten im al-
ten Gebäudeteil sind so die Voraussetzun-
gen dafür geschaffen, dass die Mitarbeiter
neben Methoden der modernen Harn-
steintherapie weitere Behand-
lungsschwerpunkte aus-
bauen können.

28 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
Drei Fragen an
PD Dr. Wolfgang Berg
Sie sind seit 1972 Mitarbeiter der
Klinik für Urologie. Wie war es in der
$QIDQJV]HLW"
Dr. Berg: Es waren kaser-
nenartige Zu-stände
damals. Teilweise waren
vier bis fünf Män-
ner gleichzeitig in der
Sprechstunde und die
Wartenden konnten mit-
hören, was besprochen
wurde, weil einfach nicht ausreichend Platz
vorhanden war. Die OP-Säle gingen zur Les-
singstraße hinaus. Dort war es im Sommer
Prof. Dr. Jörg Schubert, der teur die Roboter-Arme und da- so warm, dass man geöffnete Kühlschränke
die Leitung der Klinik Ende ran gekoppelte Präparier- und aufstellte – eine Klimaanlage gab es nicht. Die
1988 übernimmt, gründet das Nahtinstrumente über eine Schwestern mussten den Operateuren unent-
Nierentransplantationszent- Konsole steuert, ist hochpräzi- wegt den Schweiß von der Stirn wischen.
rum und baut es zu einem der ses Arbeiten möglich. Einer der
stärksten der Region aus. Die Prof. M.-O. Grimm KlXíJVWHQ(LQJULIIHGLHLQGHU :LHZDUGLH$UEHLWVDWPRVSKlUH"
erste Transplantation in Thü- Klinik für Urologie zurzeit mit Dr. Berg: Jena war damals überregional füh-
ringen erfolgt hier im November 1990. Hilfe des DaVinci-Systems erfolgen, ist das rend, was die Harnsteinforschung betrifft.
Während seiner Zeit als Direktor entwi- Entfernen der Prostata bei einem lokal be- Auch ich wurde von dem wissenschaftlichen
ckelt die Klinik ein sehr breites klinisches grenzten Prostatakarzinom. „Hier kommt Fieber angesteckt. Es gab viele Mitarbeiter, die
und operatives Spektrum. Prof. Schubert es besonders darauf an, die potenzer- die Freude am gemeinsamen Forschen teil-
setzt sich zudem für die enge Kooperation haltenden Nervenbündel und den Harn- ten. Vieles, was wir erforscht haben, wurde in
mit anderen Fachgebieten, unter anderem schließmuskel zu schonen – diese Funk- unserer Harnsteinsprechstunde angewendet.
im Bereich der onkologischen Grundla- tionen zu erhalten, ist durch den Einsatz Es war eine sehr spannende Zeit.
genforschung ein. des Roboters am besten gewährleistet“,
so Prof. Grimm. Auch bei der Behandlung Sind Sie noch immer an der Klinik für
Auf interdisziplinäres Arbeiten kommt es der gutartigen Vergrößerung der Prostata 8URORJLHWlWLJ"
vor allem bei der Behandlung von Tumo- kommen minimal-invasive Verfahren zum Dr. Berg: Ich bin seit 2009 im Ruhestand,
ren an. „Wir sind als Prostatakarzinom- Einsatz – eine neue Methode arbeitet mit aber immer noch regelmäßig in der Les-
zentrum nach den Standards der Deut- dem so genannten Greenlight-Laser, der singstraße. Zusammen mit einer jungen
schen Krebshilfe ausgewiesen und Teil das vergrößerte Gewebe verdampft. Bei Kollegin betreue ich die Harnsteinsprech-
GHVHEHQIDOOV]HUWLí]LHUWHQ2QNRORJLVFKHQ der Behandlung von Harnsteinen helfen stunde, die ich Stück für Stück in ihre
Zentrums des UKJ“, so der heutige Klinik- dem Urologen heute Ureteroskope, die es Hände übergebe. Außerdem halte ich
direktor Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm. Um dank einer kleinen Kamera an der Spitze Seminare und Vorlesungen, publiziere und
die Patienten mit Tumoren des Harntrak- des Geräts möglich machen, Steine in je- betreue Promotionsarbeiten. Die allerletzte
tes und der männlichen Genitale optimal dem Areal der Niere zum Beispiel mit La- ist gerade abgegeben worden. Es ist wohl
behandeln zu können, arbeiten die Exper- sertechnik zu behandeln. Fügung, dass diese sich der Geschichte der
ten in der Diagnostik, der Therapie und Harnsteinforschung in Jena widmet.
der Nachsorge eng zusammen. „Doch trotz aller Technik, die wir heute
nutzen können, steht selbstverständlich
In den Kerngebieten der Urologie spielen der Patient im Zentrum unseres Bemü- Klinik und Poliklinik für Urologie
die so genannten minimal-invasiven Ver- hens“, so Prof. Grimm. Für die Betreuung Universitätsklinikum Jena
fahren eine immer größere Rolle, die sich der Patienten sei es von großer Bedeu- Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm
durch kleinere Schnitte, weniger Wund- tung, dass es an der Klinik für Urologie ein Lessingstraße 1 · 07743 Jena
schmerzen und geringere Blutverluste JXWHLQJHVSLHOWHVVHKUHUIDKUHQHV3îHJH-
auszeichnen. Seit 2011 verfügt die Klinik team gibt. Anke Schleenvoigt
03641 9-35206
über einen DaVinci-Operationsroboter der  www.urologie.uniklinikum-jena.de
neuesten Generation. Indem der Opera-

29
Umschau

700. Lebertransplantation am UKJ Unterstützung für


Mukoviszidose-Eltern
38-jährige hat mehrstündige OP gut überstanden Die Regionalgruppe Thüringen des Muko-
viszidose-Vereins hat für ihre Arbeit zur
Am Universitätsklinikum Jena ist die 700. vergangenen Sommer wurde sie in ver- Unterstützung Erkrankter und ihrer Ange-
Lebertransplantation erfolgreich verlaufen. schiedenen Kliniken am UKJ behandelt, bis K|ULJHQíQDQ]LHOOH8QWHUVWW]XQJHUKDOWHQ
Im Spätherbst 2012 erhielt die 38-jährige ein geeignetes Organ für sie zur Verfügung Der Jenaer Internist Dr. Ben Abendroth und
Annette Nothnagel eine Spenderleber. Die stand. Die mehrstündige Operation an der Dr. Christian Wegner, Inhaber der Saale-
Mutter eines neunjährigen Sohnes leidet Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäß- Apotheke Jena und geschäftsführender
an einer genetisch bedingten Erkrankung, chirurgie überstand sie gut. Für Annette Gesellschafter der Medipolis Unterneh-
die zu einem lebensbedrohlichen Verschluss Nothnagel ging es anschließend in eine mensgruppe, übergaben der Gruppe auf
der Lebergefäße geführt hatte. Seit dem Reha-Klinik. „Ein Großteil unserer Patien- deren Treffen im Dezember in Dornburg
ten kann nach einer Transplantation wieder eine Spende in Höhe von 1000 Euro an Win-
seine Alltagstätigkeiten aufnehmen und ins fried Klümpen vom Mukoviszidose-Verein.
Berufsleben zurückkehren“, so Klinikdirektor Hinter der Regionalgruppe Thüringen des
Prof. Dr. Utz Settmacher. Mukoviszidose-Vereins stecken Eltern von
Kindern mit Mukoviszidose. Sie wollen An-
Die Zahl der Lebertransplantationen ist am laufstelle für Betroffene in Thüringen sein
Klinikum ist im vergangenen Jahr um etwa und arbeiten eng mit dem Mukoviszidose-
ein Fünftel zurückgegangen – Folge der Zentrum am UKJ zusammen.
deutschlandweit gesunkenen Bereitschaft
zur Organspende. „Wir versuchen, das
moderne Konzept der Leberlebendspende Jenaer Infektiologen in
Annette Nothnagel mit der leitenden Oberärztin
Dr. Astrid Bauschke und Klinikdirektor Prof. Dr.
an unserer Klinik auszubauen“, so Settma- Fachgesellschaftsgremien
cher. Dennoch warten allein am UKJ rund
Utz Settmacher. Foto: Szabó 183 Menschen auf eine Spenderleber. Zwei Mitarbeiter des Zentrums für Infekti-
onsmedizin und Krankenhaushygiene am
UKJ sind in Gremien der Deutschen Gesell-
schaft für Infektiologie gewählt worden.
Leiter Prof. Dr. Mathias Pletz ist neues Mit-
glied im Beirat, der die wissenschaftliche
Bestes Schriftbild und Ausrichtung der Fachgesellschaft bestimmt
und das Programm des zweijährlich statt-
höchster Lesekomfort. íQGHQGHQ .RQJUHVVHV IU ,QIHNWLRQV XQG
Tropenmedizin erstellt. Als stellvertretender
Jetzt bei Thalia ausprobieren! Assistentensprecher setzt sich der Leiter
der Alerts-Studie Oberarzt Dr. Stefan Hagel
powered by
für die Weiterentwicklung der Ausbildung
zum Infektiologen ein. (vdG)

Sophus Falck Award 2013 an


Mediziner aus Jena
Der Leiter der Zentralen Notaufnahme am
PREISLEISTUNGSSIEGER
GUT (1,9)
Uniklinikum Jena, Dr. Christian Hohenstein
hat den Sophus Falck Award 2013 für das
Im Test:
13 E-Book-Reader

Ausgabe
6/2013
beste präklinische Abstract erhalten. In
13JE01

Jenaer Universitäts-
buchhandlung Thalia diesem hatte er die präklinische Behand-
„Neue Mitte Jena“ lung der Sepsis thematisiert. Den von der
-FVUSBHSBCFOr+FOB Falk Foundation gestifteten und mit 5000
5FM  Euro dotierten Preis erhielt Hohenstein
/thalia.de während des 7. Mediterranen Kongresses
für Notfallmedizin in Marseille.

30 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
Blutspende-Standorte zentralisiert
Klinikstandort Bachstraße ist jetzt die einzige Anlaufstelle für Spender

Die Öffnungszeiten haben sich durch


den Umzug nicht verändert. Männer und
Frauen zwischen 18 und 68 Jahren kön-
nen zu folgenden Zeiten zur Blutspende
kommen:

Vollblut- und Plasmaspende:


Mo, Di, Do: 13.00 – 19.00 Uhr
Mi, Fr: 08.00 – 13.00 Uhr

und jeden letzten Samstag im Monat


09.00 – 13.00 Uhr

Plasma- und Thrombozytenspende:


Mo, Di, Do, Fr: 07.00 – 13.00 Uhr
Mi: 12.00 – 18.00 Uhr

Zum Team der Blutspende gehören Simone Fiedler, Heike Wagner, Gudrun Zinke, Dr. Annette
Schuller, Silvana Tiersch, Simone Krieger, Katharina Brand und Uta Gäbler. Foto: Schleenvoigt

Die beiden Bereiche des Blutspendezent- besser unterstützen. Außerdem wird die
rums am UKJ sind jetzt an einem Standort gesamte Logistik einfacher. Die Blutspende Blutspende am UKJ
konzentriert. Die bisher in der Stoystraße ist ein unschätzbarer Dienst für die Mit- Institut für Transfusionsmedizin
angesiedelte Plasma- und Thrombozyten- menschen und wird für die Patientenver- Bachstraße 18, 07743 Jena
spende ist in die Bachstraße umgezogen sorgung am UKJ eingesetzt. Trotz der vie-
– dorthin, wo bereits die Vollblutspende len freiwilligen Spender, die täglich ihr Blut
03641 9-393939
untergebracht ist. Für das Team bringt der geben, kann der Bedarf an Blutprodukten blutspende@med.uni-jena.de
Umzug Vorteile mit sich: Die Mitarbeiter der für das gesamte Klinikum nicht komplett  www.blut-ist-leben.de
ELVKHUJHWUHQQWHQ%HUHLFKHN|QQHQîH[LEOHU selbstständig gedeckt werden. Darum wer-
eingesetzt werden und sich in Stoßzeiten den mehr Vollblutspender gesucht.

0HGDLOOHQIU(UíQGHUDXVGHP8.-
Forscher des Universitätsklinikums Jena gehören zu den Medail- und Sepsisfolgen), Prof. Dr. Ulrich S. Schubert, PD. Dr. Michael Gott-
lengewinnern der letztjährigen internationalen Fachmesse „Ideen schaldt, Dr. Anja Schallon, Dr. Christian Pietsch (Institut für Orga-
(UíQGXQJHQ¥1HXKHLWHQ§L(1$LQ1UQEHUJ(LQH6LOEHUPHGDLOOH nische Chemie und Makromolekulare Chemie, FSU Jena) für deren
erhielten die Wissenschaftler Prof. Dr. Andreas Stallmach, PD Dr. (QWZLFNOXQJ WKHUDJQRVWLVFKHU RUJDQVSH]LíVFKH 1DQRSDUWLNHO IU
Carsten Schmidt, Christian Lautenschläger (Klinik für Innere Medi- die patientenoptimale Freisetzung von Medikamenten.
zin IV), Prof. Dr.-Ing. Joachim Denzler, Dr. Herbert Süße, Dr. Wolf-
gang Ortmann (Lehrstuhl Digitale Bildverarbeitung, FSU Jena) für 0LW HLQHU (KUHQXUNXQGH ZXUGH GLH (UíQGXQJ ´9RUKHUVDJH
ein von ihnen entwickeltes Verfahren zur automatisierten Erken- ]XNQIWLJHU *HVXQGKHLWV]XVWlQGH GXUFK WKHUPRJUDíVFKH hEHU-
nung und Analyse von Gefäßstrukturen in medizinischen Unter- wachung von Tieren“ eines Teams von Sepsisforschungszentrum
suchungsbildern ausgezeichnet. und Fachhochschule Jena mit PD Dr. Ralf Alexander Claus, Dr.
Gordon Philipp Otto, Dr. Peter Recknagel (Sepsiszentrum), Prof.
Ebenfalls eine Silbermedaille ging an die Forscher Prof. Dr. Michael Dr. Alexander Richter, Dipl.-Ing. (FH) Karsten Braungart (beide
Bauer, Dr. Falk Alexander Gonnert, Dr. Peter Recknagel, BSc Adrian Fachhochschule Jena und Dipl.-Ing. (FH) Christian Hannes Qeiß-
Press (Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum Sepsis QHU IUHLHU(UíQGHU 

31
Denis Chiwewe (2.v.li.) und Dr. Francis Jere
arbeiten am Zomba Hospital in Malawi.
Am UKJ zeigen ihnen Dr. Jörg Felber,
Schwester Sybille (li.) und Schwester
Manuela endoskopische Methoden.
Foto: Schleenvoigt

Über den Tellerrand


Krankenhausmitarbeiter aus Malawi hospitieren seit vielen Jahren am UKJ
Zum ersten Mal in seinem Leben hat er sein Land verlassen. Rund Studenten, Techniker, Schwestern und Ärzte nach Zomba gefahren.
12.000 Kilometer liegen zwischen Jena und der Heimat von Dr. Eine kleine Intensivstation wurde eingerichtet, eine Endoskopie-
Francis Jere. Der junge Arzt stammt aus dem afrikanischen Malawi. abteilung aufgebaut, eine neue Telefonanlage installiert. Bisher,
Zusammen mit drei Kollegen aus dem Zomba Hospital hospitiert er so Mothes, habe der Verein mehr als zehn Container verschickt.
für fünf Wochen am Universitätsklinikum Jena. Groß sei die Klinik, Zurzeit sammelt er wieder, bis der nächste gefüllt ist. Eine Gleich-
so der angehende Chirurg. Doch alle seien ganz begeistert, wenn stromanlage soll das Krankenhaus erhalten, damit die Geräte länger
sie ihm etwas zeigen dürfen. Die meiste Zeit schaut er Dr. Henning IXQNWLRQLHUHQGLHGXUFKGLHKlXíJHQ6WURPVFKZDQNXQJHQELVKHU
Mothes über die Schulter. Der Oberarzt aus der Klinik für Allge- schnell kaputtgingen.
mein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie ist zugleich im Vorstand des
Vereins „Zomba Hospital Projekt“, der den Austausch organisiert. Wer nach Jena kommen darf, entscheidet der Partnerverein in
„Wir haben in den vergangenen Jahren etwa 50 Mitarbeitern aus Malawi. Beide Seiten hoffen, dass der Blick über den Tellerrand die
Malawi eine Hospitation ermöglicht“, so Mothes. Hospitanten motiviert, die medizinische Versorgung am Zomba
Hospital zu verbessern. 25 staatliche Krankenhäuser gibt es im
Ihm und seinen Mitstreitern geht es nicht nur darum, dass die ganzen Land, an nur vier von ihnen arbeiten Ärzte. In allen ande-
Hospitanten konkrete Techniken erlernen und so die gespendeten UHQZHUGHQGLH3DWLHQWHQYRQ´FOLQLFDORIíFHUV§ZLH'HQLV&KLZHZH
Geräte in Malawi bedienen können. „Uns ist auch wichtig, dass sie die eine vierjährige Ausbildung haben, und Krankenschwestern
GHQ:RUNîRZKLHUHUOHEHQ§VR0RWKHV'DVVVLH]XP%HLVSLHOGLH versorgt. Zomba Hospital ist eines der vier Zentralkrankenhäuser
hygienischen Maßnahmen am UKJ sehen, aber auch, wie Abläufe Malawis und mit seinen 400 Betten Anlaufstelle für etwa zwei Mil-
organisiert werden. Die rund 70 Vereinsmitglieder kümmern sich lionen Menschen. Nur eine Handvoll Ärzte gibt es hier, einer von
auch darum, dass die Afrikaner bei Sightseeing und Kochabenden ihnen ist Dr. Francis Jere. „Er ist der erste Arzt, der in all den Jahren
ein wenig deutsche Kultur kennen lernen. Denis Chiwewe ist damit hier bei uns hospitiert“, sagt Mothes. In dem zentralafrikanischen
schon etwas vertraut. Bereits vor neun Jahren hat der „clinical Land existiert bisher keine Facharztausbildung, so dass ein Großteil
RIíFHU§-HQDEHVXFKWXQGHUVWH(QGRVNRSLH7HFKQLNHQHUOHUQWGLH der Hochschulabsolventen das Land verlässt. Um eine nachhaltige
er seitdem im Zomba Hospital einsetzt. Dieses Mal lernt er eine Entwicklung der medizinischen Versorgung zu fördern, setzen die
endoskopische Methode kennen, mit der Gallenwegserkrankungen Vereinsmitglieder daher besonders auf das Thema Ausbildung. Von
diagnostiziert und therapiert werden können. Bei Prof. Marc-Oli- allen medizinischen Mitarbeitern, die in Jena waren, arbeiten noch
YHU*ULPPLQGHU8URORJLHKRVSLWLHUWGHU´FOLQLFDORIíFHU'XQFDQ immer 90 Prozent im staatlichen Gesundheitssystem in Malawi.
Goche bei Blasenspiegelungen und Blasen- und Prostataoperatio- Doch nicht nur die Gäste können etwas Neues kennen lernen.
nen, weil es in ganz Malawi keinen Urologen gibt. „Auch den Deutschen soll durch dieses Projekt eine andere Kultur
nahe gebracht werden“, so Mothes. Denn auch für die Mitarbei-
Angefangen hat das Ganze mit Dr. Olaf Bach, der heute in Weimar ter der verschiedenen Abteilungen am UKJ ist die Zusammenar-
arbeitet. Der Chirurg ist Ende der 1990er Jahre als erster Deutscher beit mit den afrikanischen Kollegen ein Erlebnis. Nicht nur, wenn
am Zomba Hospital tätig. Er steckt Freunde und Kollegen in Thü- einige – ohne Englisch zu beherrschen – begeistert mit Händen
ringen mit seinen Ideen an – auch Henning Mothes, der mehrere und Füßen kommunizieren. Es sei eine besondere Erfahrung, sagt
Jahre mit seiner Familie in Malawi verbringt. Seitdem sind unzählige Dr. Jere und lächelt. Anke Schleenvoigt

32 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014


KLIN
KL IN
Mosaik

Sepsis auf der Bühne Wen suchen wir?


Theaterhaus Jena experimentiert in der aktuellen Geboren wurde sie 1897 als achtes von
Spielzeit mit „Sepsis – Das System ist vergiftet“ neun Kindern. Als sie 20 Jahre alt ist, be-
ginnt sie ein Medizinstudium in Greifs-
wald. Noch während des Studiums heiratet
Das Theaterhaus Jena ist bekannt für seine Experimentierfreudigkeit. In der Spielzeit sie den Sohn ihrer Vermieterin, der auch
2013/14 – Motto „Das System ist vergiftet“ – wagt es sich an Sepsis. Zu dem so benannten ihr Kommilitone ist. Nach dem Ende des
Theaterstück wurden die Künstler durch die Sepsis-Forscher am Universitätsklinikum Jena Studiums ziehen beide nach Lobeda, wo
angeregt, wie Regisseur Moritz Schönecker (32) dem „Klinikmagazin" verriet. sie eine allgemeinmedizinische Praxis mit
dem Schwerpunkt Geburtshilfe eröffnen.
Herr Schönecker, In der Gesellschaft sind das zum Beispiel Nach der Geburt ihrer beiden Kinder ab-
woher kommt das Überwachungswahnsinn oder Finanzkri- solviert die Gesuchte ein Zusatzstudium
Interesse des Thea- sen. Sepsis zeigt, wie fragil Systeme – ob in Zahnmedizin und eröffnet eine eigene
terhauses an einem nun körperlich oder gesellschaftlich – Praxis. Hier betreut sie vorwiegend Müt-
7KHPDZLH6HSVLV" reagieren können. ter, Säuglinge und Kinder. Sie bietet zudem
Schönecker: Das die erste kostenlose Mütterberatung an.
war eigentlich reiner Wie setzen Sie das Thema auf der Um der Kennzeichnung als „nicht-arische“
Zufall. Vor etwa drei %KQHXP" Ärztin zuvorzukommen, stellt sie den Be-
Jahren haben mein Schönecker: Dreigleisig. Es gibt einen trieb ihrer Praxis jedoch 1933 wieder ein.
Bruder und ich auf Musik-, einen Sprechtheater- und einen Obwohl sie jahrelang versucht, ihre jüdi-
dem Weg zum Bewer- Tanzpart. Dahinter steckt der Gedanke, sche Herkunft zu verbergen, wird sie 1943
bungsgespräch am sich dem Thema von verschiedenen Seiten denunziert. Im Januar 1945, als das Kriegs-
Theaterhaus im Zug zu nähern und diese unterschiedlichen ende schon greifbar nahe ist, dann der
Prof. Brunkhorst vom Sepsis-Zentrum Ebenen zusammenzubringen. Schock: Am 29. Januar 1945 erhält sie den
am Jenaer Uniklinikum kennengelernt. Deportationsbescheid. In der Nacht vor
Wir kamen ins Gespräch und Prof. Brunk- :LHUHDJLHUWGDV3XEOLNXPGDUDXI" dem Abtransport begeht sie Selbstmord
horst erzählte so fesselnd von seinem Schönecker: Sehr unterschiedlich. Wir durch eine Überdosis Morphium. In ihrem
Forschungsthema, dass wir ganz neugie- hatten zum Beispiel zwei Publikumsge- Abschiedsbrief erklärt sie, sie sei „lieber tot
rig geworden sind. Er hat uns dann spä- spräche auch mit Medizinstudenten, die als Sklav“.
ter auch durch sein Institut geführt, das das gleich sehr fachlich sahen. Andere
fand ich sehr beeindruckend. Künstlerisch sahen es als Kritik am Forscheralltag, wie- Einsendeschluss ist der 1. März 2014.
wurde die Sepsis für uns interessant, weil der andere als Hierarchiekritik. Die Thea-
sie eine Metapher für so vieles ist. terkritik in den Medien war sehr gespalten Ihre Lösung schicken Sie an die Redaktion
¥GDVíQGHLFKVHKUJXW Klinikmagazin, Bachstraße 18, 07743
:RIUGHQQ" Jena oder an: presse@med.uni-jena.
Schönecker: Sie ist ein Bild dafür, dass all Interview: Katrin Zeiß, Foto: J. Dette de Unter den Einsendern mit der richtigen
das, was ein System ausmacht, ein System Lösung verlosen wir unter Ausschluss des
auch zerstören kann. Im menschlichen Nächste Aufführungen: Rechtsweges einen Büchergutschein im Wert
Körper sind das Krankheitskeime, mit 31. Januar und 1. Februar von 40 € und drei Büchergutscheine im Wert
denen der Körper nicht mehr fertig wird. 20.00 Uhr, Hauptbühne von je 10 €, die von der Jenaer Universitäts-
buchhandlung Thalia gesponsert werden.

Ausgabe: 1|2014, Nummer 110


Herausgeber: Stabsstelle Unternehmenskommunikation (Leitung: Stefan Dreising) im $Xî|VXQJ
Auftrag des UKJ-Vorstands und des UKJ-Fördervereins
Redaktion: Arne-Veronika Boock, Stefan Dreising (dre), Dr. Uta von der Gönna (vdG), Im Heft 109 suchten wir: August Gärtner
PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf, Anke Schleenvoigt (as),
Katrin Zeiß (zei/Redaktionsleitung) Gewinner des Gutscheines im Wert von
Layout: Klinisches Medienzentrum des Universitätsklinikums Jena 40,- €: Nicole Baier
Druck: DieDruckerei.de
$XîDJH 6000 Exemplare Gewinner der Gutscheine im Wert von je
10,- €: Wolfgang Erbe, Dr. Bernd Günther,
Erscheinungsweise: 4 Ausgaben pro Jahr / Die nächste Ausgabe erscheint im April 2014
Birgit Rathsmann
Kontakt: Tel.: 03641 9-33329, E-Mail: presse@med.uni-jena.de

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Service

Veranstaltungsangebote
9.01.2014 11.02.2014 13.03.2014
19.00 Uhr Informationsabend für 15.30 Uhr Eltern- und Babysitter- 15:30 Uhr Informationsabend für
werdende Eltern schule: Erste Hilfe bei werdende Eltern
Säuglingen und Kindern,
Frauenklinik, Bachstraße 18, Teil 2 Frauenklinik, Bachstraße 18,
07743 Jena 07743 Jena
Kinderklinik, Kochstraße 2,
07743 Jena
15.01. 2014 18.03.2014
15.30 Uhr Eltern- und Babysitter- Anmeldung: 03641 9-38211 15.30 Uhr Eltern- und Babysitter-
schule: Erste Hilfe bei oder elternschule@med.uni- schule: : Erste Hilfe bei
Säuglingen und Kindern, jena.de Säuglingen und Kindern,
Teil 2 Teil 2
13.02.2014 Kinderklinik, Kochstraße 2,
Kinderklinik, Kochstraße 2,
07743 Jena 19.00 Uhr Informationsabend für 07743 Jena
werdende Eltern
Anmeldung: 03641 938211 oder Anmeldung: 03641 9-38211
elternschule@med.uni-jena.de Frauenklinik, Bachstraße 18, oder elternschule@med.uni-
07743 Jena jena.de

23.01.2014
26.02.2014 26.03.2014
19.00 Uhr Informationsabend für
werdende Eltern 19.00 Uhr Jenaer Abendvorlesung: Mit 19.00 Uhr Jenaer Abendvorlesung:
Strahlen erfolgreich gegen Tinnitus: Was kann man
Frauenklinik, Bachstraße 18, Krebs – neue Entwicklungen WXQ"
07743 Jena einschließlich Tomotherapie
Uniklinikum Lobeda/Ost,
Uniklinikum Lobeda/Ost, Erlanger Allee 101, Hörsaal 1
29.01.2014 Erlanger Allee 101, Hörsaal 1
19.00 Uhr Jenaer Abendvorlesung: Referenten: Prof. Dr. Orlando
Tinnitus: Was kann man Referent: Prof. Dr. Guntinas-Lichius und Dr.
WXQ" Thomas Wendt, Klinik Daniela Ivanšić-Blau, Klinik
für Strahlentherapie und für Hals-, Nasen- und
Uniklinikum Lobeda/Ost, Radioonkologie Ohrenheilkunde
Erlanger Allee 101, Hörsaal 1
26.02.2014 26.03.2014
Referenten: Prof. Dr. Orlando
15.30 Uhr Eltern- und Babysitter- 15.30 Uhr Eltern- und Babysitter-
Guntinas-Lichius und Dr.
VFKXOH6lXJOLQJVSîHJH VFKXOH6lXJOLQJVSîHJH
Daniela Ivanšić-Blau, Klinik
für Hals-, Nasen- und Kinderklinik, Kochstraße 2, Kinderklinik, Kochstraße 2,
Ohrenheilkunde 07743 Jena 07743 Jena

29.01.2014 Anmeldung: 03641 9-38211 Anmeldung: 03641 9-38211


oder elternschule@med.uni- oder elternschule@med.uni-
15.30 Uhr Eltern- und Babysitter- jena.de jena.de
VFKXOH6lXJOLQJVSîHJH

Kinderklinik, Kochstraße 2, 27.02.2014 27.03.2014


07743 Jena 19.00 Uhr Informationsabend für 19.00 Uhr Informationsabend für
werdende Eltern werdende Eltern
Anmeldung:
03641 9-38211 oder Frauenklinik, Bachstraße 18, Frauenklinik, Bachstraße 18,
elternschule@med.uni-jena.de 07743 Jena 07743 Jena

4.02.2014 11.03.2014 * bei Redaktionsschluss vorliegende Termine,


15.30 Uhr Eltern- und Babysitter- 15.30 Uhr Eltern- und Babysitter- Änderungen vorbehalten
schule: Erste Hilfe bei schule: Erste Hilfe bei
Säuglingen und Kindern, Säuglingen und Kindern,
Teil 1 Teil 1
Kinderklinik, Kochstraße 2, Kinderklinik, Kochstraße 2,
07743 Jena 07743 Jena
Anmeldung: 03641 9-38211 Anmeldung: 03641 9-38211
oder elternschule@med.uni- oder elternschule@med.uni-
jena.de jena.de

34 KL INIIK MAGAZIN · Ausgabe 4|2013


KLIN
KLINIK
IN 1|2014
Wegweiser für Patienten

ZENTRALE KLINIKSOZIALDIENST KLINIKSEELSORGE


RUFNUMMERN
EVANGELISCHE KLINIKSEELSORGE:
Pfarrer Heinz Bächer
Tel.: 0151-17101492
Beratung u.a. zu Anschlussheilbehand-
lung und Rehabilitation, häuslicher Kran- Pfarrerin Christine Alder Bächer
Zentrale Klinikum NHQSîHJH3îHJHVWXIHQ6FKZHUEHKLQ- Tel.: 0151-17101493
Tel.: 03641 9-300 dertenausweis; pychosoziale Beratung
Pfarrerin Dorothee Müller
Empfang Lobeda Tel.: 0151-17101494
Tel.: 03641 9-320850 Kontakt:
Tancred Lasch (Leiter) KATHOLISCHE KLINIKSEELSORGE:
Pforte Bachstraße Tel.: 03641 9-320220 Pfarrer Michael Ipolt
Tel.: 03641 9-33011 tancred.lasch@med.uni-jena.de Tel.: 0171-3281158

GRÜNE DAMEN UND PATIENTENFÜRSPRECHERINNEN


HERREN
Ansprechpartner für Anregungen und Beschwerden von Patienten

KLINIKUM LOBEDA, Mitarbeiterservice in der Magistrale


„Grüne Damen und Herren“ sind Christine Börner Tel.: 0170-4589890
ehrenamtlich im Krankenhaus tätig. Maria Lasch Tel.: 0151-12211605
Sie nehmen sich Zeit zum Zuhören, Sprechzeit: Mittwoch 13.30 - 15.00 Uhr
Plaudern, Spielen, Vorlesen und erledigen
kleine Besorgungen. PSYCHIATRIE, Büro in der Institutsambulanz
Gabriele Spangenberg Tel.: 0160 8853215
Sprechzeit: jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat, 15.30 - 16.30 Uhr
Kontakt:
über das Stationspersonal Kontakt: patientenfuersprecher@med.uni-jena.de

KLINISCHES CAFETERIA PATIENTENBIBLIOTHEK


ETHIKKOMITEE KLINIKUM LOBEDA,
Beratung und Hilfestellung für Patienten, KLINIKUM LOBEDA, Magistrale: Erdgeschoss der Magistrale:
Angehörige und medizinisches Personal Mo – Fr: 10.00 – 13.00 und
EHLHWKLVFKHQ.RQîLNWHQLQ7KHUDSLHXQG Öffnungszeiten: 14.00 – 17.00 Uhr
3îHJH Mo - Fr: 8.00 bis 10.30 Uhr und
11.00 bis 16.30 Uhr KINDERKLINIK:
Kontakt: (Mittagstisch von 11.00 bis Mo u. Do: von 9.00 – 11.00 Uhr
Dr. Ulrike Skorsetz 15.30 Uhr)
(Leiterin Geschäftsstelle) Möglichkeiten zur Buchausleihe in den
Tel.: 03641 9-33775 Sa u. So: 12.00 bis 16.30 Uhr Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohren-
Mobil: 0151-16359341 heilkunde, für Psychiatrie sowie für
ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de Mi – So: 17.00 bis 20.00 Uhr Strahlentherapie und Radioonkologie

35
Abgebildete Person dient nur zu illustrativen Zwecken.

Komm Blut spenden

Institut für Transfusionsmedizin


Universitätsklinikum Jena, Bachstraße 18
03641-9393939
36 INIIK MAGAZIN · Ausgabe 1|2014
KLIN
KL IN