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5 Stetige Funktionen

In diesem Kapitel sei D stets eine nichtleere Teilmenge von .


5.1. Definition der Stetigkeit

 x  2, x0

Wir betrachten die Funktion: f :  , f ( x)   x , x  0, x  4 .
3, x4

Das Schaubild der Funktion hat „Unterbrechungen“ an den Stellen x  0 und x  4. Diese
Feststellung kann genauer formuliert werden, wenn man die Werte der Funktion in 0 bzw. 4
mit den Grenzwerten der Funktion an denselben Stellen vergleicht. An der Stelle x  0 sind
die einseitigen Grenzwerte der Funktion verschieden: lim f ( x)  2, lim f ( x)  0, was die
x 0 x 0
erste „Unterbrechung“ erklärt. An der Stelle x  4 hat die Funktion zwar einen Grenzwert,
lim f ( x)  2, aber der dieser Grenzwert stimmt nicht überein mit dem Wert der Funktion in
x 4
4, weshalb das Schaubild ebenfalls „unterbrochen“ erscheint. An allen Stellen außer 0 und 4
scheint das Schaubild nicht unterbrochen zu sein. In jedem solchen Punkt x0 gilt nämlich
lim f ( x)  f ( x0 ), da f auf jedem der Intervalle (, 0), (0, 4), (4, ) durch je eine
x  x0
Elementarfunktion definiert ist.

Definition Es sei f : D  und x 0 D. Die Funktion f heißt stetig in x0 (oder stetig an


der Stelle x0 ), wenn es zu jeder Umgebung V von f ( x0 ) eine Umgebung U von x0 derart
gibt, dass für alle x U  D gilt f ( x) V .

Bemerkungen 1) In der Definition des Grenzwertes einer Funktion f an der Stelle x0


musste der Punkt x0 nicht zum Definitionsbereich von f gehören, jedoch ein
Häufungspunkt des Definitionsbereiches sein. In der Definition der Stetigkeit von f in x0
muss x0 ein Punkt des Definitionsbereiches sein, jedoch nicht unbedingt ein Häufungspunkt
des Definitionsbereiches.
2) Ist x0 ein isolierter Punkt von D (also x0  D und x0 ist nicht Häufungspunkt von D ),
dann ist f stetig in x0 . Diese Aussage folgt sofort aus der Definition, denn ist V eine
Umgebung von f ( x0 ) und wählt man die Umgebung U von x0 so, dass sie außer x0
keine anderen Punkte von D enthält (was möglich ist, weil x0 isolierter Punkt von D ist),
dann gibt es in U  D nur den Punkt x0 und für diesen gilt offenbar f ( x0 ) V .

Sowohl obige Definition als auch das Beispiel deuten auf einen Zusammenhang zwischen
Stetigkeit und Grenzwerten hin. Aus der Definition des Grenzwertes von f an der Stelle x0
und der Definition der Stetigkeit von f in x0 folgt sofort:

Satz 5.1 Ist f : D  und x0  D ein Häufungspunkt von D, dann ist f genau dann
stetig in x0 , wenn der Grenzwert lim f ( x) existiert und gleich ist mit f ( x0 ).
x  x0
Bemerkung Falls x0 ein beidseitiger Häufungspunkt von D ist, dann bedeutet die Aussage
des Satzes 5.1, dass f genau dann stetig ist in x0 , wenn
lim f ( x)  lim f ( x)  f ( x0 ).
x x0 x x0

Beispiel Die Funktion f :  , f ( x)  x ist stetig in 0, da


lim f ( x)  lim f ( x)  0  f (0). Da für jeden anderen Punkt x0  gilt
x 0 x 0
lim f ( x)  f ( x0 ), folgt, dass f in allen Punkten von stetig ist.
x  x0

So wie im Fall des Grenzwertes einer Funktion an einer Stelle gibt es verschiedene
Charakterisierungen der Stetigkeit einer Funktion an einer Stelle:

Satz 5.2 Für eine Funktion f : D  und einen Punkt x0  D sind folgende Aussagen
äquivalent:
i) f ist stetig in x0 ;
ii) Für jede Folge  an  von Punkten aus D mit lim a n  x0 gilt lim f (an )  f ( x0 ).
n n

iii) Zu jedem   0 gibt es ein   0 derart, dass für alle x  D mit x  x0   gilt
f ( x)  f ( x0 )   .

Beweis Ist x0 ein isolierter Punkt von D, dann sind alle drei Aussagen offenbar wahr. Ist x0
ein Häufungspunkt von D, dann folgt die Äquivalenz der Aussagen aus den Sätzen 5.1, 4.1
und 4.6.

Bemerkung Die Definition der Stetigkeit und die damit äquivalenten Aussagen in Satz 5.2
gelten auch für Funktionen, die auf einem metrischen Raum  M1 , d1  definiert sind und
Werte ebenfalls in einem metrischen Raum  M 2 , d2  haben. Dabei werden die Beträge
x  x0 und f ( x)  f ( x0 ) durch die Distanzen d1 ( x, x0 ) bzw. d2 ( f ( x), f ( x0 )) ersetzt.

Definition Ein Punkt x0  D, in dem eine Funktion f : D  nicht stetig ist, heißt
Unstetigkeitpunkt (oder Unstetigkeitsstelle) von f .

Da f in allen isolierten Punkten von D stetig ist, folgt, dass jeder Unstetigkeitspunkt von f
ein Häufungspunkt von D ist. Also kann die Frage nach der Existenz der Grenzwerte von
f in jedem Unstetigkeitspunkt von f gestellt werden.

Definition Ein Unstetigkeitspunkt x0 von f heißt Unstetigkeitspunkt (Unstetigkeitsstelle)


erster Art, wenn die einseitigen Grenzwerte von f an der Stelle x0 existieren und endlich
sind. (Ist x0 Häufungspunkt von D bloß von links oder rechts, dann bezieht sich diese
Bedingung nur auf den linksseitigen bzw. rechtsseitigen Grenzwert.) Ist der
Unstetigkeitspunkt x0 von f nicht erster Art, dann heißt x0 Unstetigkeitspunkt
(Unstetigkeitsstelle) zweiter Art von f .

Aus der Definition folgt, dass x0 genau dann Unstetigkeitspunkt erster Art von f ist, wenn
- die einseitigen Grenzwerte endlich und voneinander verschieden sind
oder
- die einseitigen Grenzwerte endlich sind und wenigstens einer von ihnen ist
verschieden von f ( x0 ).
Auch folgt, dass x0 genau dann Unstetigkeitspunkt zweiter Art von f ist, wenn wenigstens
einer der einseitigen Grenzwerte von f an der Stelle x0 entweder nicht existiert oder
unendlich ist.

Übung Finde die Unstetigkeitsstellen folgender Funktionen und stelle fest, welcher Art sie
sind:

1, x  3, 0, 5

a) f : 0,    3  , f ( x)  
 x  2,
 x   0,   \ 5
1
b) f :  , f (0)  0 und f ( x)  sin , wenn x  0.
x
Beweise als Übung folgenden

Satz 5.3 Ist f : D  eine monotone Funktion, dann kann f nur Unstetigkeitsstellen
erster Art haben.

Definition Ist eine Funktion f : D  in allen Punkten einer Menge A  D stetig, dann
heißt f stetig auf A. Ist f stetig auf D, dann sagt man auch einfach, f sei stetig.

Aus Satz 4.12 folgt nun:

Satz 5.4 Alle Elementarfunktionen sind stetig auf ihrem gesamten Definitionsbereich.

Aus einem obigen Beispiel folgt, dass auch die Funktion f :  , f ( x)  x stetig ist.
Übungen: Ţena, S. 132.

5.2 Operationen mit stetigen Funktionen

Es stellt sich die Frage, ob die Summe, Differenz usw. zweier Funktionen, die an einer
bestimmten Stelle stetig sind, ebenfalls stetig sind an der betreffenden Stelle.

Satz 5.5 Es seien f , g : D  stetig in x0  D. Dann gilt:


1) f  g ist stetig in x0 ;
2) f  g ist stetig in x0 ;
3) f  g ist stetig in x0 ;
f
4) ist stetig in x0 , wenn g ( x0 )  0;
g
5) Ist f ( x)  0 für alle x  D, dann ist f stetig in x0 ;
g

6) Ist f ( x)  0, f ( x)  1 und g ( x)  0 für alle x  D, dann ist log f g stetig in x0 .


Beweis Ist x0 ein isolierter Punkt von D, dann sind alle auf D definierten Funktionen stetig
in x0 . Ist x0 nicht ein isolierter Punkt, also ein Häufungspunkt von D, dann folgen die
Eigenschaften aus den entsprechenden Eigenschaften der Grenzwerte.

Die lokalen Eigenschaften aus Satz 5.5 übertragen sich auf die globalen wie folgt:

Satz 5.6 Sind f , g : D  stetige Funktionen, dann gilt:


1) f  g ist stetig;
2) f  g ist stetig;
3) f  g ist stetig;
f
4) stetig, falls sie definiert ist;
g
g
5) f ist stetig, falls sie definiert ist;
6) log f g stetig, falls sie definiert ist.

Außerdem gilt eine ähnliche Eigenschaft für die Zusammensetzung der Funktionen:

Satz 5.7 Sind D1 und D2 nichtleere Teilmengen von , f : D1  D2 , f : D2  ,


x0  D1 , y0  f ( x0 ) und ist f stetig in x0 und g stetig in y0 , dann ist g f stetig in x0 .

Beweis Ist V eine Umgebung von g ( y0 )   g f  ( x 0 ), dann gibt es wegen der Stetigkeit
von g in y0 eine Umgebung W von y0 , so dass g ( y) V für alle y W . Da aber
y0  f ( x0 ) und f stetig ist in x0 , gibt es eine Umgebung U von x0 , so dass für alle
x U gilt f ( x) W . Dann gilt aber g ( f ( x)) V für alle x U , also  g f  ( x) V für
alle x U . Damit ist die Aussage bewiesen.

Aus Satz 5.7 ergibt sich die entsprechende globale Eigenschaft:

Satz 5.8 Sind f : D1  D2 und g : D2  stetig, dann ist auch g f stetig.

Folgesatz Ist f : D  eine stetige Funktion, so ist auch die Funktion g : D  ,


g ( x)  f ( x) stetig.

Wir schließen diesen Abschnitt mit folgender

Bemerkung Aus der Charakterisierung der Stetigkeit einer Funktion f an der Stelle x0  D
mit Hilfe von Grenzwerten von Folgen (Satz 5.2 ii)) ergibt sich, dass für eine Folge (an ) aus
D, die gegen x0 konvergiert, gilt lim f (an )  f  x0  , also
n


lim f (an )  f lim an .
n n

Man sagt, „der Grenzwert kann mit einer stetigen Funktion vertauscht werden“. Es gibt eine
ähnliche Eigenschaft für Grenzwerte von Funktionen:
Sind f : D1  D2 und g : D2  , so dass g stetig ist und f in einem Punkt x0  D1
einen Grenzwert l  D2 hat, dann gilt:


lim g ( f ( x))  g lim f ( x) .
x  x0 x  x0 
Der Beweis ist einfach, siehe z.B. Ţena, S. 134.

Übungen: Ţena, S. 135-136.