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Lieder im Unterricht

Singen und Musizieren sind wichtige Formen der menschlichen Kommunikation. Lieder sind
Bestandteile der Kultur einer Gesellschaft in einer bestimmten historischen Situation, z. B:
Kriegslieder, Friedenslieder, Schlager und Pop- Rock- Punksongs, Weihnachtslieder,
Liebeslieder... Lieder sind deshalb ein Stück weit Landeskunde.
Die Jugendlichen interesieren sich für verschiedene Arten von Musik. Sehr gut kann man im
Unterricht Rap, Hiphop Pop- und Rockmusik verwenden. Für viele ist die Art der Musik ein
wichtiges Lebensgefühl. Das alles ist natürlich mit der Mode, den Frisuren und dem Lebensstil
verbunden.
Lieder und Musik helfen - auch schon im Anfangsunterricht - beim Erlernen einer fremden
Sprache. Der Text wird auswendig gelernt und schon ist ein Schüler in der Lage, ein ganzes Lied
in der Fremdsprache zu singen. Außerdem lockern Lieder den Unterricht auf, weil es den
meisten Schülern Spaß macht zu singen oder nur leise mitzusingen.

Lieder im Ausspracheüben

Immer mehr Menschen lernen Fremdsprachen, ohne sich mit phonetischen Übungen zu
beschäftigen. Auch viele Lehrer legen auf phonetische Korrekturen kaum Wert. Eine neue
Aussprache zu erwerben ist für viele schwieriger als die Aneignung neuer Wörter oder
grammatische Regeln.
Mit der Hilfe von Liedern kann man gut die Problemvokale üben. Es handelt sich vor allem um
Vokale i – e – ä und i – ü. Die deutschen Vokale sind sind entweder lang oder kurz.
Sie unterscheiden sich außerdem in der Sprechspannung und im Grad der Mundöffnung, sie sind
also lang / gespannt (geschlossen) oder kurz /ungespannt (offen). Es gibt damit jeweils zwei A-,
I-, U-, E-, O-, Ä-, Ü- und Ö-Laute. Dazu kommt ein ungespanntes langes E, das aber immer
seltener gebraucht und häufig durch ein gespannteres E ersetzt wird.
Die deutschen Vokale kann man gut mit dem Lied Drei Chinesen mit dem Kontrabass /
DIELING, H.; HIRSCHFELD, U. Phonetik lehren und lernen. Berlin :
Langenscheidt, 2000, Phonetik und Musik, S. 76 /
Lieder und Kommunikation

Gleich für die ersten Deutschstunden ist das Lied „Wie heißt du?“ / KIND, U.
Deutschvergnügen. Berlin : Langenscheidt, 1996, Teil 3, Wie heißt du?, S. 9 / geignet. Dabei
können die wichtigsten Fragen geübt werden.
„Wie heißt du?“
„Wer bist du?“

Und gleichzeitig auch die Phrase: „Wirklich toll dich kennenzulernen“.

Mit Hilfe von Liedern kann man auch ein bestimmtes Thema einführen. Gleichzeitig kann man
Landeskunde, Sitten, Alltag konkretisieren. Die Kinder ergänzen eigene Wörter in einen Liedtext
und haben dann die Möglichkeit eigene Gespräche zu führen.
z.B. zum Thema Ferien hören die Kinder das Lied „Pack die Badehose ein“. An der Tafel wird
das Wort Ferien geschrieben und die Kinder ergänzen das Assoziogramm und üben den
Wortschatz zum Thema.
Lieder und Grammatik

Wenn der Unterricht so weit ist, dass man grammatische Einheiten üben muss, finde ich die
Lieder als Erleichterungsmittel. Dabei können sie selbst die grammatischen Regeln erkennen
oder die ältere Grammatik wiederholen. Mit Liedern kann man fast unbemerkt die Grammatik in
den Unterricht einbinden.
Auch wenn viele Lieder für den Grammatikunterricht nicht gut geeignet sind, gibt es genug
Lieder, vor allem für die Kinder, die gezielt in den Unterricht eingesetzt werden können. Fast
jedes Lied beinhaltet Elemente, die leicht zu wiederholen sind – ein Wort oder ganzer Satz. Viele
neue Methoden des Fremdsprachenunterrichtes befreien sich von der Grammatik und
bevorzugen die Kommunikation. Die Grammatik sollte nur ein Mittel von kommunikativen
Kompetenzen sein.
Entwicklung des Hörverstehens
Lieder sind eine wichtige Textsorte und eine wertvolle Unterstützung beim Lernen einer
Fremdsprache. Lieder eignen sich besonders gut als Hörtexte, sie sind ein authentisches
Hörmaterial. Oft handelt es sich um schwierigere Texte, deshalb brauchen wir Bilder, Satzkarten
usw. um das Verständnis zu erleichtern.

Aufgaben, die vor dem Hören gemacht werden

a/ Assoziogramm /Wortigel/ - Vorbereitung auf den Hörtext, Motivation der Schüler, Einführung
in die Thematik, Aktualisierung von vorhandenem Wissen in Bezug auf das Thema. Die
Behandlung des Themas ist auch im Rahmen vom Lehrbuch verarbeitet.
Ich führe nur ein Beispiel an:
z.B. Was fällt dir zum Thema Ferien ein? z. B. das Lied „Pack die Badehose ein“. /siehe
Anhang

b/ Illustration 1:Einzelbild – eine Illustration übernimmt vergleichbare Aufgaben wie das oben
dargestellte Assoziogramm, legt die Situation durch Konkretheit stärker fest. Gegenüber dem
Assoziogramm hat eine Illustration den Vorteil, dass sie eine Situation, die nur gehört wird,
„sichtbar“ macht. Eine Illustration motiviert die Schüler.
Die Schüler schauen sich die Situation an und spekulieren über das, was da passieren könnte.

c/ Illustration 2:Bildsalat – Bilder werden zerschnitten und in ihrer Reihenfolge verändert. Die
Aufgabe ist, sie in ihrer ursprünglichen Reihenfolge zu rekonstruieren. Die Illusstrationen geben
Hinweise auf den Verlauf der Handlung in dem Lied.
z.B. das Lied „ Currywurst“ /siehe Anhang/

d/ Arbeit mit Satzkarten – die Arbeit mit Satzkarten bietet die Möglichkeit, auch mit
anspruchsvolleren Texten im Anfängerunterricht zu arbeiten. Die Schüler bekommen in der
Gruppe einen Stapel Satzkarten. Sie versuchen, die Satzkarten so zu legen, dass eine Geschichte
entsteht. Sie können die Geschichte aufschreiben.
Auch wenn es sich um Lieder handelt, die einen anspruchsvollen Text haben und die Schüler
nicht alles verstehen können, ist es wichtig sie darauf aufmerksam zu machen. Sonst verfallen sie
der Panik und werden unruhiger. Damit alle gut hören, darf niemand dabei sprechen.

Aufgaben, die während des Hörens gemacht werden

Die Aufgaben dürfen nicht sehr viel Zeit in Anspruch nehmen bzw. müssen den Hörprozess so
begleiten, dass die Schüler dabei dem Hörtext folgen können. Wir unterscheiden Aufgaben, die
ein intensives /detailliertes/, und Aufgaben, die ein extensives Verstehen voraussetzen.
Beim intensiven Hören sind alle Informationen des Textes wichtig, sogar die Details.
Beim extensiven Hören sind nicht alle Informationen des Textes wichtig.

Extensives Hören:
Beim extensiven Hören wird zwischen verschiedenen Hörstilen unterschiedet.
a/ selektives /selegierendes/ Hören - man muss aus dem Hörtext nur bestimmte, betreffende
Informationen heraushören. Alles andere ist unwichtig.
b/ globales Hören – man muss die zentrale Informationen eines Textes verstehen. Es ist nicht
wichtig dass man alles versteht, sondern dass man den Liedtext im Allgemeinen versteht.

Intensives Hören
a/ Visuelles Diktat – ein Bild aufgrund des Liedes malen. „Ich male heute einen
Baum…“
b/ Wortliste, Arbeitsblätter
c/ Bewegungsspiele
d/ Lückendiktat

Lieder bieten ein reichhaltiges sprachliches Material, das zugleich auch die Gestik, Mimik, das
Rhytmusgefühl und die Bewegung aktiviert.
Die Schüler hören das Lied „Mein Hut“, der hat drei Ecken. Erstmal hören sie das gesprochen,
dann gesungen. Dann lesen sie den Text und erst wenn sie die richtige Ausprache beherrschen,
können sie mitsingen. Und weil es um ein pantomimisches Lied handelt, kann man bestimmte
Wörter auslassen und sie durch eine Geste ersetzen. / DIELING, H.;
HIRSCHFELD, U. Phonetik lehren und lernen. Berlin : Langenscheidt, 2000, Phonetischer
Baukasten, Mein Hut hat drei Ecken, S. 113

Mein Hut hat drei Ecken,


drei Ecken hat mein Hut,
und hat er nicht drei Ecken,
dann ist es nicht mein Hut.
Bei jeder Wiederholung wird ein neues Wort ersetzt:
Hut – eine Hand auf dem Kopf
Ecken – den Ellenbogen anwinkeln und nach vorne nehmen
Drei – 3 Finger zeigen
Mein – auf sich selbst zeigen
Nicht – mit dem Kopf schütteln
Der - mit dem Finger wegzeigen
Falls jemand nicht gut aufpasst und statt einer Geste weitersingt, scheidet er aus.

Aufgaben, die nach dem Hören gemacht werden


Die Schüler reagieren mündlich oder schriftlich. Mündlich antworten sie, fragen, bestätigen,
erzählen usw. schriftlich, bearbeiten sie die Arbeitsblätter, ergänzen den Lückentext, machen
sich eigene Notizen oder schreiben eine Zusammenfassung.

Verbale Aufgaben:
a/ Die 6 W-Fragen
Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum?
b/ Fragen zum Text
c/ Fragen zum Text / richtig – falsch/
Andere Aufgaben:
a/ Raster ausfüllen
b/ richtige Reihenfolege herstellen
c/ Zuordnugsübungen
Lieder und kreatives Schreiben

Nach dem Hören eines Liedes können die Schüler eigene Strophen schreiben. Bei den Anfängern
reicht es, wenn sie nur in die ganz einfachen Liedern eigene Personalien ergänzen. Z.B. im Lied
„Wie heißt du?“ werden von den Kindern ihre Namen und Städte ergänzt. Sie können das dann
singen oder als einen kleinen Dialog vorspielen. Um das noch attraktiver für sie vorzubereiten,
benutzt man Figuren oder Bilder.
Oder sie schreiben ganz neue Texte auf die Melodie, die das Lied hat. Die meisten Lieder, die
zum Deutschunterricht für Kinder geeignet sind, haben eine Karaoke Version, das heißt die
Schüler hören die Musik und der Text kann von ihnen ganz bearbeitet sein. Es lockt die Schüler
an und es macht ihnen Spaß neue Texte auszudenken. Wobei es oft nicht einfach ist z.B. im Lied
Currywurst von Herbert Grönemeyer schreiben sie auch neue Strophen auf ein ganz anderes
Thema /z.B. Kaugummi oder Pause/. Siehe Anhang.
Die Verarbeitug eines Liedes ist eine gute Gelegenheit für die eigene schriftliche
Sprachproduktion. Schafft es der Schüler neue Strophen zu schreiben, in denen er auch z.B.
einen neuen Stoff angewendet hat, kann er mit Recht stolz auf sich sein. Man kann auf Grund
des Liedes verschiedene Projekte machen. Als Beispiel führe ich ein: Meine Familie, Reisen,
meine Ferien… Kreatives Schreiben bietet Möglichkeiten auch den schwächeren und wenig
motivierten Schülern, am besten dann, wenn die Schüler zu zweit oder in der Gruppe arbeiten.

Lieder und Leseverstehen

Ein Lied ist immer ein Text zum Lesen. Sehr oft handelt es sich um eine bestimmte Geschiche,
aber manchmal ergeben moderne Lieder keinen großen Sinn.
Beim lauten Lesen des Liedtextes wird die Aussprache geübt. In jeder Strophe sollten die
Schüler einen oder mehrere Stichpunkte finden. Sie brauchen nicht Wort für Wort des Liedes zu
verstehen, denn es geht um das allgemeine Verstehen eines Liedtextes. Der Lehrer kann nach
dem Lesen den unbekannten Wortschatz erklären oder mit Hilfe seiner
Muttersprache die schwierigen Passagen übersetzen.
Als gutes Beispiel kann man hier den Text des bekannten deutschen Schlagers „Pack die Badehose
ein“ von Frank Zander einführen.