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Muhamed Karalic

Praxishandbuch Materialstammdaten in SAP® ERP

Muhamed Karalic

Praxishandbuch Materialstammdaten in SAP® ERP

ISBN:

978-3-96012-787-1 (E-Pub)

Lektorat:

Anja Achilles

Korrektorat:

Stefan Marschner

Coverdesign:

Philip Esch

Coverfoto:

© Tryfonov | Nr. 106791873 – stock.adobe.com

Satz & Layout:

Johann-Christian Hanke

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2018

© Espresso Tutorials GmbH, Gleichen 2018

URL: www.espresso-tutorials.de
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Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der Übersetzung, des Vortrags, der
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Inhaltsverzeichnis

Cover

Titelseite

Copyright / Impressum

Vorwort

Danksagung

1 Der Materialstamm in SAP

2 Allgemeine Strukturen im Materialstamm 2.1 Struktur der Stammdaten

2.2 Anlage und Änderung der Stammdaten

2.3 Anlage eines Materialstamms

2.4 Abhängigkeiten zwischen mehreren Werken bzw. Voraussetzungen dafür

2.5 Persönliche Anmerkung


3 Grunddaten 3.1 Grundlegende Informationen

3.2 Sicht »Grunddaten 1«

3.3 Sicht »Grunddaten 2«

3.4 Sicht »Klassifizierung«

3.5 Persönliche Anmerkung

4 Vertrieb 4.1 Vertriebsbezogene Organisationsebenen im Materialstamm

4.2 Sicht »Verkaufsorganisation 1«

4.3 Sicht »Verkaufsorganisation 2«

4.4 Sicht »Vertrieb: allg./Werk«

4.5 Sicht »Außenhandel: Export«

4.6 Sicht »Vertriebstext«

4.7 Persönliche Anmerkung

5 Einkauf 5.1 Sicht »Einkauf«

5.2 Sicht »Außenhandel: Import«

5.3 Einkaufsbestelltext

5.4 Persönliche Anmerkung

6 Disposition 6.1 Aufbau der Dispositionsstammdaten

6.2 Sicht »Disposition 1«

6.3 Sicht »Disposition 2«

6.4 Sicht »Disposition 3«

6.5 Sicht »Disposition 4«

6.6 Sicht »Arbeitsvorbereitung«

6.7 Persönliche Anmerkung

7 Bestandsführung 7.1 Sicht »Werksdaten/Lagerung 1«

7.2 Sicht »Werksdaten/Lagerung 2«


7.3 Sicht »Lagerverwaltung 1«

7.4 Sicht »Lagerverwaltung 2«

7.5 Sicht »Werksbestand«

7.6 Sicht »Lagerortbestand«

7.7 Sicht »Etikettendaten«

7.8 Persönliche Anmerkung

8 Qualitätsmanagement 8.1 Sicht »Qualitätsmanagement«

8.2 Persönliche Anmerkung

9 Rechnungswesen 9.1 Sicht »Buchhaltung 1«

9.2 Sicht »Buchhaltung 2«

9.3 Sicht »Kalkulation 1«

9.4 Sicht »Kalkulation 2«

9.5 Persönliche Anmerkung

10 Fazit

A Der Autor

B Disclaimer

Willkommen bei Espresso Tutorials!

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verdichtete Informationen anstelle langatmiger Kompendien – für ein effektives
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Eine Auswahl weiterer Bücher von Espresso Tutorials:

Ingo Licha:

Rechnungsprüfung mit SAP ERP (MM)

Sydnie McConnell & Martin Munzel:

Schnelleinstieg in SAP® – 2. erweiterte Auflage

Ingo Licha:

Bestandsführung und Kontenfindung in SAP® ERP MM

Claudia Jost:

Schnelleinstieg in die SAP®-Einkaufsprozesse (MM) – 2., erweiterte Auflage

Ingo Licha:

Einkaufsorientierte Bedarfsplanung mit SAP®

Andreas Jansen:

Schnelleinstieg in das SAP®-Produktkostencontrolling (CO-PC)

Björn Weber:

Schnelleinstieg in die SAP®-Produktionsprozesse (PP) – 2., erweiterte Auflage


Vorwort

Der SAP-Materialstamm kann auf den ersten Blick sehr einschüchternd sein, denn es
sind so viele Segmente und Felder, die gepflegt werden möchten, dass es einen zu
Beginn nahezu erschlägt. Daher möchte ich Ihnen mit diesem Buch die Gelegenheit
bieten, einen ersten Einblick in den Materialstamm zu bekommen und meine
Erfahrungen mit den SAP-Materialstammdaten an der einen oder anderen Stelle zu
teilen. Am Ende werden Sie vielleicht ebenso begeistert von dieser zentralen Form
der Datenhaltung von Materialstammdaten sein wie ich.

Dies ist mein erstes selbst geschriebenes Buch, und ich habe versucht, die Dinge so
einfach und praxisnah wie möglich zu beschreiben. Seit mehr als 15 Jahren arbeite
ich mit dem SAP-System, und seit ca. vier Jahren trainiere ich Anwender meines
derzeitigen Arbeitgebers an unseren Standorten weltweit. Ich habe lernen müssen,
die Dinge aus der Sicht des Anwenders zu erklären, damit die Zusammenhänge der
Stammdaten einfacher zu verstehen sind.

Zu Beginn werde ich ein paar generelle Fakten über die Struktur und den Aufbau des
Materialstammsatzes erläutern. Anschließend werde ich mehr ins Detail gehen und die
entsprechenden Sichten näher erläutern, die für sämtliche materialspezifischen
Tätigkeiten in einem Unternehmen wie Beschaffung, Produktion, Lagerung und Vertrieb
notwendig sind.

Einige von Ihnen werden bereits gewisse Vorerfahrungen mit SAP gesammelt haben. Sie
werden sich sicherlich in manchen der beschriebenen Situationen wiederfinden. Falls
Sie gerade erst angefangen haben, sich mit SAP und dem SAP-Materialstamm zu
beschäftigen, empfehle ich Ihnen, das Buch chronologisch von vorne bis zum Ende zu
lesen, um ein besseres Gesamtverständnis für den SAP-Materialstamm zu bekommen.

Am Ende des Buches werden Sie hoffentlich alle Zusammenhänge zwischen Materialstamm
und Ihrem Tagesgeschäft erkennen, und vielleicht mögen Sie sogar die eine oder
andere meiner Herangehensweisen übernehmen.

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Frau Sarah bedanken, die mich
verständnisvoll durch den Entstehungsprozess meines ersten Buches begleitet hat.
Darüber hinaus danke ich meinen Freunden Maria und Rainer Brekerbohm, die mich
darauf gebracht haben, meine gesammelten Erfahrungen in Form eines Buches mit
anderen zu teilen. Zu guter Letzt möchte ich dem Team von Espresso Tutorials meinen
Dank aussprechen, das es mir ermöglicht hat, diese Idee zu verwirklichen und das
Buch tatsächlich zu veröffentlichen.

Viel Spaß beim Lesen!

Muhamed Karalic

* * *
Im Text verwenden wir Kästen, um wichtige Informationen besonders hervorzuheben.
Jeder Kasten ist zusätzlich mit einem Piktogramm versehen, das diesen genauer
klassifiziert:

Hinweis

Hinweise bieten praktische Tipps zum Umgang mit dem jeweiligen Thema.

Beispiel

Beispiele dienen dazu, ein Thema besser zu illustrieren.

Achtung

Warnungen weisen auf mögliche Fehlerquellen oder Stolpersteine im Zusammenhang mit


einem Thema hin.

Gender-Anmerkung

Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen, wird im vorliegenden Buch bei


personenbezogenen Substantiven und Pronomen zwar nur die gewohnte männliche
Sprachform verwendet, stets aber die weibliche Form gleichermaßen mitgemeint.

Hinweis zum Urheberrecht

Sämtliche in diesem Buch abgedruckten Screenshots unterliegen dem Copyright der SAP
SE. Alle Rechte an den Screenshots hält die SAP SE. Der Einfachheit halber haben
wir im Rest des Buches darauf verzichtet, dies unter jedem Screenshot gesondert
auszuweisen.

1 Der Materialstamm in SAP

In einem Materialstamm sind sämtliche Informationen verankert, die von allen


Komponenten des SAP-Logistiksystems genutzt werden. Informationen sowohl für die
Beschaffung und Fertigung als auch für die Lagerung und den Vertrieb eines Artikels
werden darin hinterlegt. Er ist die zentrale Quelle eines Unternehmens, um
materialspezifische Daten abzurufen und diese zu verarbeiten.

Viele der Felder des SAP-Materialstamms wiederholen sich in den unterschiedlichen


Sichten, da sie sowohl für die Entstehung als auch für die Lagerung und den
Vertrieb relevant sein können. Darüber hinaus können die Daten eines Materialstamms
nur für ein einzelnes Werk gültig sein (werksspezifischer Materialstamm) oder aber
werksübergreifend verwendet werden.

Abbildung 1.1: Materialstamm

Manche Unternehmen arbeiten mit verschiedenen ERP-Systemen und somit ggf. auch mit
unterschiedlichen Datenbanken, was eine saubere Datenverwaltung erschweren kann.
SAP bietet mit dem Materialstamm die Integration aller Materialdaten in einem
einzigen Datenbankobjekt und stellt damit sicher, dass es keine redundanten
Datenbelege gibt. Natürlich ist die Qualität der abgerufenen Informationen abhängig
von den Einträgen der Daten im Materialstamm. Denn je genauer und vollständiger
diese Angaben sind, desto besser ist das daraus resultierende Ergebnis der
Datenabfrage.

In den folgenden Kapiteln werde ich Ihnen die einzelnen Segmente und Felder eines
Materialstamms näherbringen. Viele der erläuterten Felder, wie z.B. die
Basismengeneinheit, Einkäufergruppe oder Chargenpflicht, werden Sie in den
unterschiedlichsten Sichten eines Materialstamms antreffen, da sie als Basis für
viele Prozesse und Bewertungen dienen. Beispielsweise ist die Basismengeneinheit
sowohl für die Beschaffung, Lagerung und Bewertung als auch für den Vertrieb
relevant. Daher taucht dieses Feld immer wieder in den unterschiedlichen Sichten
auf, führt aber zu derselben Datenquelle im Materialstamm. Es können und sollen
also in den jeweiligen Sichten auf keinen Fall unterschiedliche Werte für ein und
dasselbe Feld gepflegt werden.

2 Allgemeine Strukturen im Materialstamm

In diesem Kapitel möchte ich Ihnen die Grunddaten des SAP-Materialstamms


näherbringen. Ich werde dazu die Sicht eines Endanwenders auf die entsprechenden
Felder bzw. Bereiche der Stammdaten einnehmen, um damit ein höheres Verständnis für
den Zusammenhang zwischen dem technischen Feld und dessen Funktionen zu schaffen.

Bei der Erstellung von Materialstammdaten werden Sie nicht nur einzelne Felder
beschreiben müssen, Sie werden auch das Material entsprechend Ihrer Organisation
klassifizieren. Es wird also im Vorfeld entschieden, ob das Material ein
eigengefertigtes oder fremdbeschafftes Produkt ist, ob ein Roh-, Halb- oder
Fertigerzeugnis und in welcher Einheit (Meter, Stück, Liter etc.) es geführt wird.

Die Stammdaten werden es Ihnen ermöglichen, Einkaufs- und Vertriebstätigkeiten,


Planungs-, Produktions- und Versandaktivitäten durchzuführen und diese zu
überwachen. Während wir uns durch die Kapitel bewegen, werde ich an manchen Stellen
näher ins Detail gehen, um die jeweiligen Einstellungen und Funktionalitäten zu
erläutern.

Zur besseren Verständlichkeit möchte ich aber zunächst auf den theoretischen Teil
der Grunddaten eingehen, um die Strukturen und Begrifflichkeiten zu klären, die
sich durch die weiteren Kapitel ziehen werden. In Abbildung 2.1 ist ein Auszug der
Grunddaten eines Fertigerzeugnisses abgebildet.

Abbildung 2.1: Grunddaten eines Fertigerzeugnisses

2.1 Struktur der Stammdaten

So gut wie alle Informationen, die in einer SAP-Transaktion ersichtlich sind, sind
Daten, die in einer Datenbank hinterlegt wurden. Dieser Datenbank bzw. den Daten
wurde lediglich eine grafische Oberfläche übergestülpt, welche wiederum das
benutzerfreundliche Bedienen ermöglicht. Erinnert man sich beispielsweise noch an
das SAP R/2, so wurden dort die Bewegungen innerhalb des Systems mittels Befehlen
per Tastatur ausgeführt, und es war keine einfache Bedienung wie z.B. mit der Maus
möglich.

Jede ausgeführte Transaktion beinhaltet die dazugehörigen Informationen in Form von


im System hinterlegten Daten, die in unterschiedlichen Tabellen und Feldern geführt
werden, welche ich später als Segmente erläutern werde. Im nachfolgenden Beispiel
(Abbildung 2.2) ist die Sicht Disposition 1 abgebildet, ein wesentlicher
Bestandteil für die Planungs-, Beschaffungs- und Produktionsparameter eines
Materials. Diese Sicht beinhaltet einige Kopfdaten wie die Materialnummer, eine
Bezeichnung, technische Informationen, das Werk und – je nach Material und dessen
Eigenschaft – auch den Revisionsstand.

Die Sicht Disposition 1 ist wiederum in vier unterschiedliche Segmente gegliedert:

Allgemeine Daten,

Dispoverfahren,

Losgrößendaten,

Dispositionsbereiche.

Abbildung 2.2: Sicht »Disposition 1«

Jedes Element in dem genannten Segment wird als Feld bezeichnet. Im gezeigten
Bespiel beinhaltet das Segment Allgemeine Daten u.a. die Felder:

Basismengeneinheit,

Dispositionsgruppe,

Einkäufergruppe,

ABC-Kennzeichen,

Werksspez. Matstatus,
Gültig ab (bezugnehmend auf den Werksspezifischen Materialstatus).

Abhängig von SAP-kundenspezifischen Einstellungen, in SAP-Sprache Customizing, kann


das Segment noch weitere Felder beinhalten, wie in meinem Beispiel ABC-XYZ-
Kennzeichen und Pl.Relevant (Planungsrelevant). Diese zwei Felder wurden für uns
als Kunde von SAP individuell bereitgestellt. Während wir uns durch das Buch
bewegen, werden wir immer wieder mal auf kundenspezifische Einstellungen bzw.
Felder stoßen, auf die ich ggf. näher eingehen werde.

Jedes Feld ist »im Hintergrund« in einer Tabelle innerhalb einer SAP-Datenbank
hinterlegt. Diese Tabelle beinhaltet auch andere Felder mit ähnlichen Funktionen.
Es gibt werksspezifische und werksübergreifende Tabellen. Werksspezifische Tabellen
umfassen Felder, die nur für das entsprechend betrachtete Werk gültig sind. Diese
können in verschiedenen Werken unterschiedliche Einträge haben, wie z.B. den
Höchstbestand. Werksübergreifende Tabellen wiederum beinhalten Felder, die »global«
gültig sind, wie z.B. die Materialnummer oder die Basismengeneinheit. Diese Felder
sind in jedem Werk identisch und können in der Regel nur sehr schwer verändert
werden.

Die SAP hat ergänzend eine Strukturverwaltung programmiert, welche das


Kommunizieren zwischen den Tabellen ermöglicht. Dadurch lassen sich übergreifende
Informationen abrufen, die in verschiedenen Transaktionen, Tabellen und Feldern
hinterlegt sind, um schnellstmöglich an gewünschte Daten zu gelangen. Diese
Verbindungen untereinander werden Ihnen nicht nur das Verständnis für den Aufbau
der Materialstammdaten erleichtern, sondern beim Begreifen der individuellen
Reports helfen.

Für nahezu jedes Feld ist eine technische Information vorhanden, die die
entsprechende Tabelle und den Feldnamen beinhaltet. In dem untenstehenden Beispiel
(Abbildung 2.3) ist die technische Information für das Feld »Einkäufergruppe«
abgebildet. Dieses Feld hat den technischen Namen EKGRP und ist in der Tabelle MARC
hinterlegt. Sie werden später mehr über die Tabellen und Felder erfahren.

Abbildung 2.3: Technische Information – Tabellen- und Feldname

Abrufen von Informationen über Tabellen- und Feldnamen

Es bestehen viele Möglichkeiten, über die Standard-SAP-Transaktionen an benötigte


Informationen zu gelangen. Wenn es allerdings mal schneller und evtl. einfacher
gehen soll, können bestimmte Informationen auch direkt über die Tabellen ausgelesen
werden. Beispielsweise lässt sich über die Transaktion SE16N nahezu jede gewünschte
Tabelle aufrufen, welche dann die erforderlichen Felder beinhaltet. So könnten Sie
etwa in der Tabelle MARC das Feld EKGRP (Einkäufergruppe) einsehen und bei Bedarf
ganz schnell herausfinden, welches Material welcher Einkäufergruppe zugeordnet ist.

Abrufen von Einkäufergruppen zu bestimmen Materialnummern über die allgemeine


Tabellenanzeige

Sie möchten gerne für eine bestimmte Artikelreihe die im SAP hinterlegten
Einkäufergruppen abfragen, ohne über Standardtransaktionen auf die Suche zu gehen.
Der technische Feldname für Materialnummer lautet MATNR und für Einkäufergruppe
EKGRP. Beide sind in der Tabelle MARC hinterlegt. Starten Sie die Transaktion SE16N
und selektieren Sie die gewünschten Materialnummern. Anschließend müssen Sie nur
noch anhaken, welche Informationen Sie ausgegeben haben möchten. Sollten Sie
weitere Informationen als die Einkäufergruppe (EKGRP) benötigen, so können diese
entsprechend ausgewählt werden, z.B. ABC-Kennzeichen (MAABC) oder Planlieferzeit
(PLIFZ). Die Transaktion SE16N zeigt alle Felder an, die der jeweiligen Tabelle
zugeordnet sind.

Erweiterte Abfrage über Tabellen-Joins

Nachdem Sie ein wenig Erfahrung mit Tabellen und Feldern gesammelt haben, können
Sie Ihren eigenen Report aufbauen und mehrere Daten aus unterschiedlichen Tabellen
abrufen. Anders als mit der Transaktion SE16N, die immer nur eine Tabelle anzeigen
kann, besteht die Möglichkeit, mit den Transaktionen SQVI, SQ01 oder SQ02
sogenannte Tabellen-Joins (Verbindungen/Verknüpfungen) zu erstellen und auf diese
Weise Informationen abzurufen, die in verschiedenen Tabellen hinterlegt sind. Zu
Beginn würde ich empfehlen, mit dem SAP QuickViewer (SQVI) zu starten, um sich
schnell eigene Reports aufzubauen, da dieser einfach und übersichtlich ist. Die
Transaktionen SQ01 und SQ02 sind eher für fortgeschrittene Anwender geeignet. Mit
ihnen lassen sich durchaus mehr Funktionen bereitstellen, wie z.B. das Freigeben
von selbst erstellten Reports für bestimmte Benutzer oder Benutzergruppen, während
der SAP QuickViewer (SQVI) lediglich benutzerspezifische Reports anlegt.

2.2 Anlage und Änderung der Stammdaten

Es gibt drei wesentliche SAP-Transaktionen, wenn es um Stammdaten im Modul Material


Management (MM), also um die Pflege einzelner Materialstämme, geht.

1. MM01 – Material anlegen

Mit dieser Transaktion erfolgt die initiale Anlage eines Artikels. Sie haben die
Möglichkeit, eine Neuanlage ohne Bezug oder ein vorhandenes Material als Vorlage zu
verwenden.

2. MM02 – Material ändern

Diese Transaktion ermöglicht, Änderungen an einem vorhandenen Material


durchzuführen, wie z.B. den Sicherheitsbestand einzustellen oder die
Einkäufergruppe zu hinterlegen. Es lassen sich jedoch nicht alle Daten ändern,
nachdem das Material einmal angelegt wurde. Beispielsweise sind die Materialnummer
oder die Materialart nach der initialen Anlage definitiv. Eine Modifikation ist nur
durch spezielle separate Transaktionen möglich, auf die in der Regel nur die
Programmierer Ihres Hauses Zugriff haben.

3. MM03 – Material anzeigen

Wie der Titel schon erahnen lässt, ist dieses eine reine Anzeigetransaktion. Sie
lässt keine Änderungen zu und wird in der Regel verwendet, um sich die gewünschten
Daten schnell anzusehen.

2.3 Anlage eines Materialstamms

Ein Materialstamm beinhaltet sämtliche Informationen zu einem Artikel. Sowohl die


eigene Materialnummer als auch die Bezeichnung, die das Material identifiziert.
Darüber hinaus werden im Materialstamm Eigenschaften hinterlegt, die es erlauben,
das Material zu bewegen, zu produzieren und zu vertreiben.

Für die Anlage eines Materialstammsatzes wird die Transaktion MM01 verwendet. Nach
dem Ausführen erscheint der in Abbildung 2.4 dargestellte Screen.

Abbildung 2.4: Material anlegen – Einstiegsbild

Material

Hier wird die alphanumerische Materialnummer angegeben, die das Material


letztendlich identifizieren wird. Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine
Materialnummer zu vergeben: Entweder das Feld wird leer gelassen und SAP erteilt
automatisch die nächste verfügbare Materialnummer, oder Sie tragen hier eine eigene
Materialnummer ein, die bis zu 18 frei wählbare Zeichen beinhalten kann. In beiden
Fällen wird die Materialnummernvergabe im Customizing hinterlegt.

Eigene Materialnummernkreise in SAP

Ich habe bereits in mehreren Unternehmen mit den verschiedensten Materialnummern


gearbeitet und die Vorteile eines eigenen Nummernkreises erfahren. Daher würde ich
Ihnen die Vergabe von eigenen Materialnummernkreisen empfehlen. Zum einen hat dies
den Vorteil, dass die Daten einfacher nach Produktgruppen und Produktfamilien
gestaltet und somit müheloser abgerufen werden können, wie z.B. die Lagerbestände
aller Lacke oder Verpackungen über den jeweiligen Nummernkreis. Zum anderen hilft
es den Mitarbeitern im Tagesgeschäft, die Artikel zu finden. Wenn z.B. die Lacke
alle mit einem bestimmten Nummernkreis beginnen, kann der Mitarbeiter den Platz des
Artikels im Lager gezielter ansteuern. Darüber hinaus verringert es die
Wahrscheinlichkeit, die Artikelnummern mit denen der Kunden oder Lieferanten zu
verwechseln, sollten diese ähnliche Produkte in ihrer Organisation verwenden.

Fallbeispiel für eigene Materialnummernkreise

Das Unternehmen A wickelt Produktgruppen über eigene Nummernkreise ab. Alle Lacke
beginnen mit der Materialnummer 200, alle Granulate mit 300 und Verpackungen mit
360. Wenn die Lagermitarbeiter nun die Kommissionierliste für die Fertigung
erhalten, können
Fallbeispiel für fortlaufende Materialnummern

Das Unternehmen B hat sich für die Vergabe von fortlaufenden Materialnummern
entschieden. Alle Artikel beginnen mit 1000 und werden bei der Anlage automatisch
hochgezählt. Dadurch ergeben sich Artikelnummern wie 1000000042, 1000000043 oder
1000000044. Diese Artikel sind ohne bestimme Logik angelegt und für die Mitarbeiter
in der Regel anonym. Beim Kommissionieren muss der Lagermitarbeiter zumeist jede
Materialnummer im SAP abrufen, damit er identifizieren kann, um welchen Artikel es
sich handelt, sofern er nicht über die Materialbezeichnung weiterkommt.

Branche

Hier wird der Industriezweig des Materials zugeordnet. Abhängig von der Selektion
werden die nachfolgenden Eingabemasken in einer logischen Reihenfolge erscheinen.
Es gibt branchenspezifische Felder, die nur dann erscheinen, wenn die entsprechende
Branche ausgewählt wird.

Materialart

Hier wird die Materialart des gewünschten Artikels hinterlegt. Von ROH (Rohstoff),
HALB (Halbfabrikat) oder FERT (Fertigerzeugnis) bis hin zu HAWA (Handelsware) oder
UNBW (Unbewertetes Material) bietet das SAP ein großes Spektrum an
Auswahlmöglichkeiten. Ähnlich wie bei der oben genannten Branche ist bei der
Materialart ebenfalls eine Logik hinterlegt, die gewisse Felder erscheinen lässt,
wenn eine bestimme MATERIALART ausgewählt wurde.

Änderungsnummer

Diese wird verwendet, um Änderungen an einem Materialstamm zu verfolgen. Sollten


Sie sich entschieden haben, mit Änderungsnummern zu arbeiten, können Sie weitere
Einschränkungen wie »Freigabe der Änderung« für unterschiedliche
Unternehmensbereiche oder »Änderungen mit Gültigkeitsdatum« nutzen. Änderungen an
einem Materialstammsatz werden aber auch ohne die Änderungsnummernverwaltung im
Hintergrund mitgeführt.

Vorlage Material
Wie bereits zu Beginn des Kapitels erwähnt, lässt sich eine neue Materialnummer
auch mit Bezug bzw. Vorlage zu einer bereits bestehenden Materialnummer anlegen.
Allgemeine Daten wie die Basismengeneinheit oder das Dispoverfahren werden vom
Vorlagematerial übernommen, wodurch sich Artikel schneller anlegen lassen. Das kann
ein schneller und bequemer Weg sein, wenn ähnliche Artikel angelegt werden.

Anlage mit Vorlage

Es ist besondere Vorsicht geboten, wenn ein bereits hinterlegtes Material als
Vorlage genutzt wird. Es ist relativ wahrscheinlich, dass Sie nicht sämtliche
Felder identisch übernehmen möchten. Daher überprüfen Sie unbedingt während oder
nach der Anlage, ob die Felder Ihren Vorstellungen entsprechend gefüllt sind.

Nachdem Sie die benötigten Informationen in die von mir soeben beschriebenen Felder
eingegeben haben, wird Sie das System auffordern, die zur Vervollständigung Ihrer
Materialstammanlage benötigten Sichten (Abbildung 2.5) auszuwählen. Selektieren Sie
die von Ihnen gewünschten Sichten und stellen Sie sicher, dass Markierte Sichten
Anlegen ausgewählt ist. Anschließend bestätigen Sie das Fenster mit „Enter“ auf
Ihrer Tastatur.

Abbildung 2.5: Sichtenauswahl

Nachdem Sie die Sichten ausgewählt haben, wird Sie das System auffordern, die
Organisationsebenen anzugeben (Abbildung 2.6).

Abbildung 2.6: Organisationsebenen ohne Vertriebssichten

Hier werden das Werk und der genaue Lagerort selektiert, in welchem das Material
angelegt wird. Abhängig von der Materialart und den in Abbildung 2.5 gewählten
Sichten, kann dieses Fenster noch weitere Felder wie Verkaufsorganisation oder
Vertriebsweg beinhalten (Abbildung 2.7). Diese Felder erscheinen, wenn bei der
Sichtenauswahl die Vertriebssichten selektiert wurden. An dieser Stelle tragen Sie
das Werk, den Lagerort sowie die Verkaufsorganisation und den Vertriebsweg ein.

Abbildung 2.7: Organisationsebenen mit Vertriebssichten

Werk

Hier wird angegeben, in welchem Werk das Material angelegt werden soll. Die
Stammdaten müssen individuell für jedes Werk angelegt und gepflegt werden. Es kann
durchaus sein, dass die verschiedenen Werke unterschiedliche Parameter haben
möchten. Einige Felder im Materialstamm sind global, andere werksspezifisch. Die
Materialnummer z.B. ist ein globaler Parameter, welcher für alle Werke gleich ist.
Dagegen ist ein Sicherheitsabstand z.B. ein werksspezifischer Parameter, der sich
zwischen den Werken unterscheiden kann. Wenn Sie also ein globales Feld pflegen,
ist dieses gültig für alle Werke. Ist es ein werksspezifisches Feld, so ist der
Eintrag lediglich für das selektierte Werk gültig.

Lagerort

Hier wird die Nummer des Lagerortes eingetragen, an dem das Material disponiert
wird. Es kann einen oder mehrere Lagerorte innerhalb eines Werkes geben.

Verkaufsorganisation

Hier ist die organisatorische Einheit zu hinterlegen, die für den Vertrieb eines
Produktes zuständig ist.

Vertriebsweg

Hier wird ausgewählt, auf welchem Weg der Artikel zum Kunden gelangt. Typische
Beispiele für Vertriebswege sind Großhandel, Einzelhandel oder Direktverkauf.

Nachdem Sie die Felder der Organisationsebenen befüllt und mit „Enter“ bestätigt
haben, wird Sie das System durch die selektierten Sichten führen und auffordern,
die jeweils zugehörigen Felder zu pflegen. Einige davon sind Pflichtfelder, müssen
also immer angegeben werden, andere hingegen sind benutzerspezifisch und erfordern
keine Eingabe. Eine Basismengeneinheit z.B. ist ein Pflichtfeld, während ein
Sicherheitsbestand nicht zwingend angegeben werden muss und somit ein
benutzerspezifisches Feld ist.

2.4 Abhängigkeiten zwischen mehreren Werken bzw. Voraussetzungen dafür

Je nach Geschäftsmodell und vorgesehenen Prozessen kann es durchaus sein, dass ein
Intercompany-Business-Modell eingesetzt wird. Beispielsweise beschafft ein Werk
zentral alle Rohstoffe und verteilt diese an die produzierenden Zweigstellen. Oder
aber ein Produkt wird bis zu einem bestimmten Grad gefertigt und anschließend an
einem anderen Standort komplettiert. Dafür bietet sich o. g. Intercompany Business
an, bei dem Artikel zwischen den verschiedenen Standorten verschickt bzw.
abgewickelt werden. SAP bietet dafür gute und transparente Lösungen, für die
allerdings gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Bessere Konditionen mit dem Intercompany Business

In meinem operativen Tagesgeschäft hatte ich den Fall, dass die Zentrale die
Beschaffung und Bevorratung der Rohstoffe sichergestellt und diese anschließend an
die produzierenden Standorte verteilt hat. Der Vorteil dabei war, dass gute
Konditionen für die Beschaffung ausgehandelt werden konnten, da das Einkaufsvolumen
verglichen mit dem, was jeder Standort einzeln für sich erreicht hätte, immens
höher war. Darüber hinaus war die Bestandsverantwortung zentral gebündelt.

Um die dazugehörigen Prozesse so schlank und transparent wie möglich zu halten, war
es notwendig, dass die Materialnummern der beteiligten Standorte identisch sind.
Dies ermöglichte es, die Abwicklung über denselben Beleg durchzuführen, was die
Anlage, das Handling und die Verwaltung der Dokumente vereinfacht hat.

In der Regel wird pro Seite (beschaffendes Werk und lieferndes Werk) jeweils ein
Beleg benötigt. Das beschaffende Werk bedarf einer Bestellung, um den Zugang im
System abzubilden, und das liefernde Werk braucht einen Kundenauftrag, um den
Bedarf in das System zu übertragen und anschließend beliefern zu können. Mit dem
Intercompany-Business-Modell können sich die Werke einen Beleg teilen und damit die
Komplexität und das Datenaufkommen reduzieren. Unmittelbar nach der Anlage im
beschaffenden Werk ist der Beleg im produzierenden Werk sichtbar. Dadurch entsteht
natürlich auch eine Abhängigkeit zwischen den Beteiligten. Jede Änderung hat
sofortige Auswirkungen. Daher ist es wichtig, dass die übermittelten Daten korrekt
und abgestimmt sind.

Im Intercompany-Modell kombiniert ein Beleg die Aktivitäten und Dokumente der


Beschaffung (MM), des Versandes (SD) und der Buchhaltung (FI/CO). Sowohl die
Beschaffung als auch die Belieferung und Verrechnung finden also über denselben
Beleg statt, der sich automatisch durch die beteiligten Werke zieht und sofort nach
Anlage sichtbar ist. Es ist keine weitere Erstellung von Belegen erforderlich, um
den Bedarf im System aufzunehmen.

Die technischen Mindestvoraussetzungen, um dieses Modell nutzen zu können, sind,


dass die Materialnummern in den beteiligten Werken identisch sind und dieselbe
Systemlandschaft verwendet wird. Natürlich sind darüber hinaus SAP-Einstellungen
wie Lagerorte und Versandstellen zwingend erforderlich, aber das wären sie auch
unabhängig vom Intercompany-Business-Modell. Daher gehe ich an dieser Stelle nicht
weiter darauf ein. Des Weiteren sind Abstimmungen wie Mindestlosgröße und
Rundungswerte zwischen den Werken notwendig, um den Prozess so störungsfrei wie
möglich zu halten.

2.5 Persönliche Anmerkung

Nach meiner Ausbildung zum Industriekaufmann hat mich das Unternehmen in eine
Festeinstellung übernommen und mir die Möglichkeit gegeben, als Disponent zu
arbeiten. Wir haben für verschiedene Hersteller in der Automobilindustrie
Kunststoffteile wie Stoßfänger, Türseitenverkleidungen oder aber komplette Module
wie Auto-Cockpits inkl. Airbags gefertigt. Dies war für mich eine sehr prägende
Zeit, da ich die Möglichkeit hatte, sehr viel über das SAP-System zu lernen.

In einer so volatilen Sparte wie der Automobilindustrie müssen die Zulieferer die
Kosten immer im Fokus behalten. Das bedeutet, die optimale Bestandsreichweite zu
haben, um gleichzeitig sowohl die Fertigung abzudecken als auch das Lager nicht
überlaufen zu lassen. Durch die baulichen Gegebenheiten war ich zudem gezwungen,
die Bestände immer sehr knapp zu fahren, damit die breite Artikelvielfalt auch
Platz im Lager findet. Diese Einschränkungen haben mich quasi gezwungen, mich mit
den Materialstammdaten zu befassen. Ich musste sowohl die internen Ressourcen
(Kollegen) als auch die externen Ressourcen (Zulieferer) nutzen, um meine
Stammdaten so aufzubauen, dass ich die Kosten-Versorgungswaage ausbalancieren
konnte.

Die SAP-Stammdaten bieten sehr viele Möglichkeiten, dem Mitarbeiter bzw. Anwender
von SAP das Leben leichter zu machen. Rundungswerte, Mindestlosgröße, feste
Anliefertage, Sicherheitsbestände, Fixierungshorizonte: Das sind alles Begriffe,
die einem Disponenten bzw. Einkäufer oder Planer helfen können, das
Arbeitsaufkommen in der gesamten Supply Chain zu optimieren.

Viele Kollegen, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, beschäftigen sich
sehr wenig mit den Stammdaten. Manche aus mangelndem Interesse, anderen wiederum
fehlt die Kenntnis, was die jeweiligen Felder tatsächlich auslösen. Dabei können
schon so einfache Dinge wie ein gepflegter Rundungswert in Kombination mit einer
Mindestbestellmenge und einem festen Anliefertag eines Lieferanten sowohl die
Arbeit des Einkäufers als auch die des Lagermitarbeiters erleichtern.

Fallbeispiel für die Kombination von verschiedenen Feldern im Materialstamm

Es handelt sich bei diesem Beispiel um die Fertigung eines Cockpits inkl. des
Airbags für die Fahrer- und Beifahrerseite. Einige der Bauteile wie der Kanal für
die Klimaanlage wurden aus Spanien beschafft. Diese Bauteile waren jedoch aufgrund
ihrer sperrigen Dimensionen schwierig zu disponieren. Auch die benötigte Stückzahl
hat die Abwicklung nicht einfach gestaltet. Eine große Jumbo-LKW-Lieferung deckte
gerade einmal den Produktionsbedarf von knapp zwei Tagen, und die Lagermitarbeiter
waren intensiv damit beschäftigt, diese großen und sperrigen Paletten abzuwickeln.
Die Lagerfläche war ebenfalls nicht groß genug, um bspw. einen Wochenbedarf zu
bevorraten.

Mithilfe der Materialstammdaten und des Zulieferers habe ich einen Anlieferzyklus
vereinbart. Im Materialstamm für die besagte Komponente wurden die Mindestlosgröße
auf eine Jumbo-LKW-Größe eingestellt, der Rundungswert auf eine Paletten-Größe und
die Anliefertage für den Lieferanten fest hinterlegt mit dem Anlieferzyklus:
Montag, Mittwoch & Freitag.

Zum einen hat dies die Versorgungsstabilität seitens des Lieferanten erhöht und das
Arbeitsaufkommen für das Lager planbarer gemacht. Zum anderen hat es mir die
Möglichkeit gegeben, die großen Stückzahlen der Fertigung zu bedienen, ohne meinen
Lagerbestand hoch zu halten. Gleichzeitig war die Kapitalbindung für die teure
Komponente sehr gering.

3 Grunddaten

Nachdem wir uns in Kapitel 2 einen generellen Überblick über den Materialstamm und
seinen Aufbau verschafft haben, können wir nun tiefer in die Materie einsteigen,
indem wir uns in den nachfolgenden Abschnitten die jeweiligen Sichten und
zugehörigen Felder für die Grunddaten eines Materialstamms anschauen.

Über die Grunddaten hinterlegen Sie im System alle Materialeigenschaften, die für
die Planung, Beschaffung, Produktion, Verwaltung, Berechnung und den Vertrieb
hilfreich oder auch notwendig sind. Beispielsweise geht es um so einfache Angaben
wie die Basismengeneinheit – in welcher Basismengeneinheit soll das Material
abgewickelt werden? In welcher Warengruppe wird es hinterlegt und was sind
eigentlich die Gewichte und Volumina des Artikels? Mit der Pflege solch
grundlegender Informationen können andere Mitarbeiter, die sich den Materialstamm
anschauen, eine Idee davon bekommen, um was für ein Material – z.B. Halbfabrikat
oder Fertigerzeugnis, Bestand oder kundenspezifisch – es sich handelt.

3.1 Grundlegende Informationen

Die maßgeblichen Attribute eines Materials werden in den nachfolgenden drei Sichten
gepflegt:

Grunddaten 1,

Grunddaten 2,

Klassifizierung.

Diese Sichten beinhalten bspw. die Basismengeneinheit, Gewichte, Warengruppe,


Fertigungs- und Prüfhinweise oder Gefahrgutkennzeichnung. Die meisten der
enthaltenen Felder sind als globale Felder definiert, was bedeutet, dass Änderungen
für alle Werke relevant sind, in denen das Material angelegt ist.

3.2 Sicht »Grunddaten 1«

Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich bei den Grunddaten 1 (Abbildung
3.1) um die Sicht, in der die meisten Informationen über den Artikel hinterlegt
sind. Diese sind in der Regel von denjenigen vorgegeben, die eine
Materialstammanlage beantragen, und werden im Laufe der Jahre normalerweise kaum
angepasst.

Abbildung 3.1: Sicht »Grunddaten 1«

Die Grunddaten-1-Sicht ist in sechs Segmente unterteilt:

Allgemeine Daten,

Materialberechtigungsgruppe,

Abmessungen/Ean,

Wettbewerber,

Verpackungsmaterialdaten und

Grunddatentexte.
Beispielsweise können Sie im Bereich Materialberechtigungsgruppe das Feld
Berechtigungsgruppe verwenden, um den Zugriff auf bzw. die Änderungen von sensiblen
Feldern zu unterbinden.

3.2.1 Allgemeine Daten

Basismengeneinheit

Hier wird die Mengeneinheit des Materials hinterlegt, in der die Bestände geführt
werden. Sofern ein Material in einer anderen Mengeneinheit beschafft wird,
beispielsweise eine, die der Zulieferer verwendet, wird diese in die
Basismengeneinheit des eigenen Betriebs umgerechnet. Daher ist es wichtig, eine
Basismengeneinheit (BME) zu verwenden, welche die Eigenschaften eines Materials
optimal berücksichtigt.

Dieses Feld zieht sich von den Grunddaten über die verschiedensten Sichten wie die
Vertriebs-, Einkaufs- und Lagersichten.

Alternative Mengeneinheiten

Es kann durchaus sein, dass etwa ein Zulieferer aus den USA einen Artikel in der
Einheit »feet (ft)« verwaltet, ein deutsches Unternehmen jedoch in »Metern (m)«.
Dabei könnten die alternativen Mengeneinheiten Abhilfe schaffen. Nachdem diese
gepflegt sind, rechnet das System automatisch in die ausgewählte Basismengeneinheit
um.

Warengruppe

Sie wird verwendet, um mehrere Materialien oder Dienstleistungen mit denselben


Eigenschaften zusammenzufassen. Sofern es um ein Unternehmen geht, das wenig
bestandsgeführtes Material verwendet oder eine geringe Produktvielfalt hat, braucht
dieses Feld nicht unbedingt gepflegt zu sein. Wenn die Bestandsführung und
Produktvielfalt allerdings hoch sind, kann dieses Feld von Vorteil sein, um
Eingrenzungen für Auswertungen vornehmen zu können oder aber gezielt über
Suchhilfen bestimmte Warengruppen zu selektieren.

Fallbeispiel: Bestandsoptimierung mithilfe von Warengruppen

In meinem operativen Tagesgeschäft als Disponent wies mich ein Mitarbeiter aus dem
Lager darauf hin, dass wir möglicherweise dieselben Schrauben mit unterschiedlichen
Materialnummern im System hätten und somit doppelt planen, beschaffen, bevorraten
und verarbeiten. Mithilfe der Warengruppe konnte ich meine Artikelauswahl auf
»Schrauben« eingrenzen und gezielt die Schrauben mit denselben Abmessungen
identifizieren. Anschließend wurden diese Artikel der Konstruktionsabteilung
gegeben, um die Stücklisten zusammenzuführen und entsprechend auf den Artikel mit
dem höchsten Durchsatz umzustellen. Somit hatte ich mehrere positive Effekte auf
einmal: eine Materialnummer weniger zu planen & beschaffen, und ich konnte aufgrund
des nun höheren Bedarfs einen besseren Preis mit meinem Zulieferer aushandeln. Auch
die Kollegen aus dem Lager profitierten, da sie einen Artikel weniger zu verwalten
hatten.

Alte Materialnummer

Das Feld wird genutzt, wenn für einen Artikel ursprünglich eine andere
Materialnummer verwendet wurde, um auf diese zu referenzieren. Wenn beispielsweise
durch die Implementierung von SAP die ursprünglich verwendete Materialnummer auf
eine von SAP vergebene geändert wird, dann kann dieses Feld genutzt werden, um
beide Nummern miteinander zu verbinden. Mithilfe der SAP-Suchfunktion kann z.B.
nach der alten Nummer gesucht werden, um die neue zu finden – oder auch
andersherum.

Externe Warengruppe

Sie hat denselben Zweck wie die zuvor beschriebene Warengruppe, allerdings ist
diese dafür gedacht, die Gruppierung auf übergeordneter Systematik basierend
vorzunehmen. Z. B. kann Ihre Warengruppe Rohre sein, aber die externe Warengruppe
Metalle.

Sparte

Dieses Feld ermöglicht die Gruppierung von Materialien zu einer Sparte, um z.B.
Verkaufsstatistiken zu erstellen oder Marketing-Aktivitäten durchzuführen. Anhand
der Sparte ermittelt das System den Vertriebs- und Geschäftsbereich, der einem
Produkt zugeordnet ist. Beispielsweise könnte ein Groß- oder
Einzelhandelsvertriebsweg jeweils in einer Sparte abgebildet werden.

Labor/Büro

Wird benutzt, um den zuständigen Entwickler oder Konstrukteur bzw. das


Entwicklungs- oder Konstruktionsbüro zuzuordnen. Dadurch können Fragen zur
Konstruktion/zum Design gezielt an die/das jeweilige Person/Büro adressiert werden.
Kontingentierungsschema

Es legt fest, wie ein Produkt kontingentiert wird und ermöglicht so eine noch
präzisere Verfügbarkeitsprüfung während des Planungs- und Vertriebsprozesses. Im
SAP-Customizing können die entsprechenden Einstellungen vorgenommen werden, in
denen unter anderem festgelegt wird, wie sich das System verhalten soll, wenn eine
ATP-Prüfung durchgeführt wird. Soll das System alte Kontingente ignorieren und sich
nur auf die Planungsperiode des Wunschliefertermins konzentrieren oder soll es
ebenfalls offene Mengen von vorherigen Perioden berücksichtigen? Dies und noch
vieles mehr kann im SAP-Customizing festgelegt werden.

Produkthierarchie

Sie ermöglicht es, Produkte zu einer Produktstruktur hinzuzufügen. Bei einem meiner
Arbeitgeber wurde diese Produktstruktur verwendet, um Analysen, etwa bzgl. der
Liefertreue bestimmter Produktfamilien an unsere Kunden, zu erstellen.

Werksübergreifender Materialstatus

Dieses Feld wird verwendet, um ein Material mit bestimmten Restriktionen zu


belegen. Wenn beispielsweise ein Artikel nicht mehr verwendet werden soll, weil es
eine Stücklistenänderung gegeben hat, kann mit diesem Status eine »Löschvermerkung«
gesetzt werden, die die Beschaffung und Verarbeitung unterbindet. Wie der Name des
Feldes bereits deutlich macht, ist es werksübergreifend gültig. Es gibt ebenfalls
einen Werksspezifischen Materialstatus, zu dem Sie später in den
Dispositionssichten (Abschnitt 6.2.1) mehr erfahren werden.

Gültig ab

Diese Angabe gilt in Verbindung mit dem Werksspezifischen Materialstatus. Das Feld
gibt an, ab wann der gesetzte Status gültig sein soll.

Allgemeine Positionstypengruppe

Sie steuert bei der Kundenauftragserfassung, welcher Positionstyp dem betreffenden


Material zugeordnet wird. Dieser könnte z.B. eine Normalposition (NORM),
Streckenposition (BANS) oder Leihgutposition (LEIH) sein. Ähnlich wie der
Werksübergreifende Materialstatus ist dieses Merkmal global gültig, kann allerdings
in den Vertriebssichten auch auf Werksebene gepflegt werden.

3.2.2 Materialberechtigungsgruppe

Berechtigungsgruppe

Das Feld ermöglicht den Zugriffsschutz auf einzelne Objekte. Damit der Benutzer
bestimmte Aktivitäten ausführen kann, muss er die Befugnis für die Kombination aus
»Berechtigungsgruppe« und »Aktivität« haben. Während die hinterlegten
Berechtigungen eines Benutzers steuern, welche Transaktionen er ausführen kann,
ermöglicht die Materialberechtigungsgruppe die zusätzliche Einschränkung auf
Materialnummernebene.

Berechtigung für Materialstammpflege

Für größere Betriebe mit vielen Benutzern empfiehlt es sich, eine solche
Berechtigungsgruppe zu verwenden, damit nicht jeder die Stammdaten ändern kann. Vor
allem Felder, die eine globale Auswirkung haben, sollten sehr sensibel behandelt
und nur von bestimmten Personengruppen wie z.B. Key-Usern verwaltet bzw. gepflegt
werden.

3.2.3 Abmessungen/EAN

Bruttogewicht

Ein globales Feld, das angibt, welches Gewicht eine Einheit des Materials hat. Es
beinhaltet sowohl das Eigengewicht als auch das Gewicht der Verpackung, in der es
gelagert und transportiert wird.

Nettogewicht

Weist das reine Nettogewicht für eine Einheit des Materials aus.

Gewichtseinheit
Um das Brutto- oder Nettogewicht pflegen zu können, muss eine entsprechende
Gewichtseinheit (Gramm, Kilo, Pfund etc.) ausgewählt werden.

Gewichte im Lagerverwaltungssystem

Sofern Sie ein Hochregallager und sehr schwere Artikel im Einsatz haben, können die
Gewichte helfen, im Lagerverwaltungssystem (LVS) die richtigen Lagerplätze
anzusteuern. Einige Regale sind nur für bestimmte Maximalgewichte ausgelegt, daher
kann die korrekte Pflege von Gewichten bei der sicheren Einlagerung behilflich
sein.

Volumen

Ähnlich wie das Bruttogewicht kann dieses Feld helfen, die Lagerkapazität zu
berechnen. Der einzige Unterschied ist, dass die Ermittlung der Lagerkapazität als
Rauminhalt anstelle des Gewichts erfolgt.

Volumeneinheit

Hierbei handelt es sich um das Maß für die Volumeneinheit (Liter, Kubikmeter etc.).

Größe/Abmessungen

Ein Textfeld, das Sie beliebig verwenden können, um etwa die Größe oder Abmessungen
des Materials festzuhalten. Die Eingabe hat rein informativen Charakter, d.h., der
Wert wird vom System nicht verwendet.

EAN/UPC-Code

Hier kann die »Europäische Artikelnummer« (EAN) oder, wie im Falle der USA, der
Universal Product Code (UPC) hinterlegt werden. Der Code bezieht sich immer auf
eine bestimmte Mengeneinheit oder Abpackung und wird in der Regel vom Hersteller
des Materials vergeben. Dadurch lässt sich der Hersteller über die EAN eindeutig
identifizieren.
EAN-Typ

Hier wird festgelegt, wie das System eine intern zu vergebende Europäische
Artikelnummer (EAN) ermittelt und welchen Prüfkriterien (Prüfziffern, Präfix etc.)
die EAN dieses Typs genügen muss.

3.2.4 Wettbewerber

Wettbewerber

Hier wird die Debitorennummer des Wettbewerbers hinterlegt. Für jeden Wettbewerber
können Firmen- und Personaldaten sowie beliebig viele andere
Wettbewerbsinformationen gespeichert werden. Anschließend lassen sich diese Daten
einsetzen, um die eigenen Produkte den Wettbewerbsprodukten zuzuordnen und eine
Vergleichbarkeit der Produkte auf verschiedenen Hierarchieebenen durchführen zu
können.

3.2.5 Verpackungsmaterialdaten

Materialgruppe Packmittel

Dieses Feld gruppiert die Materialien, die ähnliche Verpackungen benötigen.


Beispielsweise können Sie den Begriff »Flüssigkeiten« verwenden, um alle
Materialien zu gruppieren, die in flüssigkeitsgeeignete Packmittel verpackt werden.

Ref-Mat Packvorschrift

Referenzmaterial für identisch verpackbare Materialien.

3.2.6 Zusatzdaten

Über den Button Zusatzdaten (Abbildung 3.2) können Sie weitere Informationen wie
Texte, alternative Mengeneinheiten oder Dokumentdaten hinterlegen. Texte könnten
sein: Kurztexte, Grunddatentexte, Prüftexte oder interne Vermerke.
Abbildung 3.2: Zusatzdaten

3.3 Sicht »Grunddaten 2«

Die Sicht Grunddaten 2 (Abbildung 3.3) ist eine Fortsetzung der Sicht Grunddaten 1.
Sie ist in die fünf folgenden Segmente unterteilt:

Sonstige Daten,

Umwelt,

Zugeordnete Konstruktionsdokumente,

Konstruktions-Zeichnung und

Mandantenspezifische Konfiguration.

Das Segment Sonstige Daten beinhaltet Informationen, die keiner anderen Kategorie
zugeordnet werden konnten. Im Segment Umwelt sind Informationen zur
Gefahrgutkennzeichnung hinterlegt. In den beiden Segmenten darunter befinden sich
Informationen zu möglichen Zeichnungen des Produktes. Und schließlich werden im
Segment Mandantenspezifische Konfiguration Angaben zu den Konfigurationsvarianten
gepflegt.

Abbildung 3.3: Sicht »Grunddaten 2«

3.3.1 Sonstige Daten

Fertigungs-/Prüfhinweis

In diesem globalen Feld kann die Nummer/Bezeichnung eingetragen werden, unter der
Sie einen Fertigungs- oder Prüfhinweis für das Material abgelegt haben. Es ist ein
Textfeld und kann frei verwendet werden.

Normbezeichnung

Bezeichnung des Materials, wie es nach DIN oder anderen Normen genannt wird. Es hat
einen rein informativen Charakter und keine steuernde Funktion.
DIN-Format

DIN-Format des Fertigungs- oder Prüfhinweises für das Material. Es hat ebenfalls
einen rein informativen Charakter.

CAD-Kennzeichen

Es gibt an, dass das Objekt in einem CAD-System angelegt ist und der Datentransport
über die Schnittstelle zwischen SAP- und dem CAD-System stattfindet.

Werkstoff

Bezeichnet den Stoff, aus dem das Material besteht. Je nach SAP-Version und Ihrem
persönlichen SAP-Customizing könnte es durchaus sein, dass dieses Feld bei Ihnen
nicht angezeigt wird.

3.3.2 Umwelt

Gefahrgutkennzeichen-Profil

Dient der Steuerung gefahrgutrelevanter Anwendungen. Wenn Sie Gefahrgut in Ihrem


Unternehmen haben oder sogar vertreiben, müssen Sie das Gefahrgutkennzeichen-Profil
verwenden. Mit der Pflege dieses Feldes sagen Sie dem System, welche Prüfungen in
Bezug auf das Gefahrgut durchgeführt und welche Dokumente erstellt bzw. beigelegt
werden müssen.

Umweltrelevanz

Wenn dieses Kennzeichen gesetzt ist, weiß das System, dass es sich um ein
umweltrelevantes Material handelt. Je nachdem, wie Ihr System Customizing-seitig
eingestellt ist, können beispielsweise bestimmte Informationen, wie
Sicherheitsdatenblätter, direkt per System an den Empfänger gesendet werden, sobald
eine Warenauslieferung an ihn angestoßen wird.

Gefahrgut Verpackungsstatus

Beschreibt den gefahrgutrelevanten Verpackungszustand eines Materials.

Lose Schüttung/Flüssigkeit

Steuert ebenfalls die automatische Ausgabe von gefahrgutrelevanten Dokumenten,


sofern das SAP-Customizing entsprechend gepflegt ist. Mit Setzen dieses
Kennzeichens teilen Sie auf den Gefahrgutdokumenten mit, dass das Produkt in
flüssiger Form transportiert wird.

Verpackungscode

Gibt den Code der Umschließung für gefährliche Güter bestehend aus Verpackungstyp
und Werkstoff an.

Hochviskos

Ähnlich wie das Kennzeichen für Lose Schüttung/Flüssigkeit geben Sie mit diesem
Feld an, dass es sich um einen flüssigen Stoff handelt, spezifizieren jedoch dessen
Zustand als besonders viskos.

3.3.3 Zugeordnete Konstruktionsdokumente

Keine Verknüpfung

Hierüber geben Sie an, ob dem Material Konstruktionszeichnungen zugeordnet sind.


3.3.4 Konstruktionszeichnung

Diese Informationen können gepflegt werden, wenn Sie ein


Dokumentenverwaltungssystem benutzen, was nicht mit SAP gekoppelt ist. Jedes dieser
Felder hat einen rein informativen und keinen steuernden Charakter.

3.3.5 Mandatenspezifische Konfiguration

Dieser Bereich im Materialstamm wird verwendet, wenn Sie ein Produkt fertigen, das
kundenspezifisch konfiguriert und zusammengebaut wird. SAP bezeichnet dieses als
»konfigurierbares Material«. Unter einem konfigurierbaren Material versteht man ein
Produkt, dessen Eigenschaften variieren können und für dessen gesamte Varianten ein
gemeinsamer Materialstamm vorhanden ist. So könnte es sein, dass es ein Hemd in
verschiedenen Farben, aber nur mit einer Materialnummer gibt.

Es gibt werksübergreifende konfigurierbare Materialien und werksspezifische


konfigurierbare Materialien. Die nachfolgenden Felder steuern die
werksübergreifende Materialkonfiguration, welche über alle Werke hinweg gültig ist.

Werksübergreifendes konfigurierbares Material

In diesem globalen Feld wird die alphanumerische Materialnummer hinterlegt, welche


das konfigurierbare Material eindeutig identifiziert. Im Vergleich zu dem
werksspezifischen konfigurierbaren Material ist das werksübergreifende
konfigurierbare Material für alle Werke gültig.

Material ist konfigurierbar

Hierüber wird gesteuert, ob das Material konfigurierbar ist oder nicht. Mit Setzen
dieses Kennzeichens aktivieren Sie das Material für die Konfiguration.

Variante

Dieses Feld übermittelt dem System, dass dieses Material eine Variante von einem
anderen konfigurierbaren Material ist.
3.4 Sicht »Klassifizierung«

In der Sicht Klassifizierung (Abbildung 3.4) pflegen Sie die Klassenarten, die dem
Material zugeordnet sind. In jeder der verschiedenen Klassenarten können Sie
bestimmte Attribute pflegen. Je nach Customizing Ihres Systems kann es mehr oder
weniger Klassenarten geben. Die gängigsten bzw. mir persönlich geläufigsten sind
die Materialklasse und Chargenklasse.

Abbildung 3.4: Sicht »Klassifizierung«

3.5 Persönliche Anmerkung

Im Laufe der Jahre hatte ich viele Berührungspunkte mit Stammdaten. Bereits nach
der Ausbildung zum Industriekaufmann haben vor allem die SAP-Stammdaten mein
Interesse geweckt, da mir ziemlich schnell klar wurde, dass gut gepflegte
Stammdaten einem das Leben im operativen Tagesgeschäft leichter machen können.

Ich habe aber auch negative Erfahrungen mit den Stammdaten sammeln können: Im Laufe
eines SAP-Rollouts mussten wir zwei Standorte in dieselbe SAP-Systemlandschaft
migrieren. Diese beiden Werke haben untereinander mit dem zuvor erwähnten
»Intercompany Business« gearbeitet. Die Stammdaten dieser Standorte waren zwar zu
Beginn korrekt eingestellt worden, wurden aber mit der Zeit leider geändert. Dies
hatte u.a. zur Folge, dass bei jeder Bestellung und vor jeder Auslieferung die
Daten nicht zueinander passten. Die Bestellmenge war mit einer Verpackungseinheit
übermittelt worden, die in dem produzierenden Werk gar nicht existierte. Das
produzierende Werk legte anschließend Lieferungen an, die nicht zu der Bestellmenge
passten, sodass daraus Mehrarbeit auf beiden Seiten resultierte.

In einem weiteren Beispiel wurde das Feld Werksübergreifender Materialstatus ohne


Absicht geändert und durch den falschen Eintrag eine Beschaffung versehentlich
unterbunden. Dies hatte zur Folge, dass kein Material bestellt werden, die
Produktion daher nicht termingerecht starten und somit der Liefertermin an den
Endkunden nicht gehalten werden konnte.

Es ist besonders wichtig, vor allem bei den Grunddaten-Sichten, dass die Felder
korrekt gepflegt sind! Bei größeren Unternehmen empfiehlt es sich daher, eine
zentrale Stelle zu haben, die für die Pflege der Stammdaten verantwortlich ist und
gewisse Vorgänge über Berechtigungsgruppen unterbindet. Einer meiner Arbeitgeber
hat ein zusätzliches »Add-on« für das SAP verwendet, welches die Pflege sensibler
Felder im SAP-Materialstamm geblockt hat. Stattdessen erfolgte die Pflege über eine
zusätzliche Software, die nur bestimmten Benutzergruppen zur Verfügung stand.

4 Vertrieb
Betrachten wir im folgenden Kapitel, welche Stammdaten für die zentralen Bereiche
»Verkauf« und »Versand an den Kunden« relevant sind. Dabei werde ich Ihnen unter
anderem darstellen, wie sich die Pflege der Vertriebsstammdaten auf die
Materialressourcenplanung auswirkt und welche Felder bereits aus den zuvor
gepflegten Grunddaten übernommen wurden.

Die Felder in den Vertriebssichten sind mindestens genauso wichtig wie die
Grunddaten eines Materialstamms. Schließlich ist der Kundenauftrag, der im SAP-
System erfasst wird, einer der Hauptbestandteile für die nachgelagerten Prozesse
wie Beschaffung, Produktion und die gesamte Logistik. Immer die Kundenzufriedenheit
im Fokus, möchten Sie natürlich dem Kunden das Produkt möglichst zu seinem
gewünschten Liefertermin zur Verfügung stellen. Dieses Kapitel richtet sich daher
vor allem an diejenigen Mitarbeiter eines Unternehmens, die Kundenaufträge erfassen
oder einen der nachfolgenden Prozessschritte betreuen.

4.1 Vertriebsbezogene Organisationsebenen im Materialstamm

Die Stammdaten des Vertriebs sind etwas anders aufgebaut als die sonstigen
Funktionsbereiche. Sowohl global als auch lokal relevante Felder werden in den
jeweiligen Organisationsebenen gepflegt. Diese setzen sich zusammen aus Werk,
Verkaufsorganisation und Vertriebsweg – ermöglichen es also, die Produkte
bestimmten Verkaufsorganisationen zuzuordnen und deren Vertriebsweg zu bestimmen.
Daher werden Sie bei der Pflege der Vertriebsstammdaten immer auf das nachfolgend
gezeigte Bild stoßen – egal, welche der Vertriebssichten Sie öffnen (Abbildung
4.1). Sie müssen dem System stets angeben, in welcher Organisationsebene die
Änderungen vorgenommen werden sollen.

Abbildung 4.1: Organisationsebenen

Es gibt fünf Sichten im Materialstamm, die für die Vertriebsaktivitäten relevant


sind. Diese sind:

Verkaufsorganisation 1,

Verkaufsorganisation 2,

Vertrieb: Allgemein/Werk,

Außenhandel: Export und

Vertriebstext.

Es sollte erwähnt werden, dass die Vertriebsdaten ein wesentlicher Bestandteil der
Absatz- und Vertriebsplanung sind, die nicht zum SAP-Funktionsumfang gehört, aber
im externen Planungsformat und in enger Abstimmung mit den angrenzenden Bereichen
durchgeführt wird. Daher ist es umso wichtiger, dass die Absatz- und
Vertriebsplanung gut aufgeschlüsselt ist, um die Ergebnisse entsprechend in die
Materialstammdaten umwandeln zu können.
4.2 Sicht »Verkaufsorganisation 1«

Die Sicht Verkaufsorganisation 1 (Abbildung 4.2) besteht aus den drei Segmenten

Allgemeine Daten,

Steuerdaten und

Mengenvereinbarungen.

Die diesen Segmenten zugeordneten Felder helfen Ihnen, die Vertriebsfähigkeit in


den jeweiligen Organisationsebenen zu aktivieren, die Steuerermittlung zu
automatisieren und vereinbarte Vertriebsmengen zu berücksichtigen.

Abbildung 4.2: Sicht »Verkaufsorganisation 1«

4.2.1 Allgemeine Daten

Dieses Segment der Materialstammdaten in der Sicht Verkaufsorganisation 1


beinhaltet Felder, die wir bereits aus den Grunddaten kennen, wie die
Basismengeneinheit, Sparte und Warengruppe (vgl. Abschnitt 3.2.1 für eine
detaillierte Erklärung). Darüber hinaus besteht hier unter anderem die Möglichkeit,
einen Artikel als Skontofähig zu aktivieren. Weitere Felder sind:

Verkaufsmengeneinheit

Wie die Bezeichnung bereits erahnen lässt, handelt es sich hierbei um die
Mengeneinheit, in der das Produkt vertrieben wird und die von der
Basismengeneinheit abweichen kann. Die Umrechnung erfolgt automatisch bei der
Erstellung der Vertriebsbelege, z.B. Kundenauftrag oder Auslieferung.

Variable Verkaufsmengeneinheit

Beim Aktivieren dieses Feldes wird die alternative Vertriebsmengeneinheit in den


Vertriebsbelegen nicht zugelassen.
Mengeneinheitengruppe

Hiermit können Sie die für einen bestimmten Empfänger erlaubten Mengeneinheiten
eines Materials definieren. Dies ist beim Runden mit dynamischen Rundungsprofilen
von Bedeutung, falls hier »prüfen Kunde« markiert ist. In diesem Fall werden nur
solche Mengeneinheiten beim Runden berücksichtigt, die auch in der
Mengeneinheitengruppe definiert sind.

Vertriebslinienübergreifender Materialstatus

Wie die Bezeichnung bereits vermuten lässt, schränkt dieser Status die Verwendung
des Materials für alle Vertriebsbereiche ein. Er steuert, ob während einer
bestimmten Aktion, wie z.B. einer Kundenauftragsanlage, ein Hinweis oder eine
Warnmeldung vom System ausgegeben wird. Das könnte etwa der Fall sein, wenn es sich
um einen Auslaufartikel handelt, der nicht mehr vertrieben und somit nicht mehr
produziert wird.

Vertriebslinienspezifischer Materialstatus

Während der oben erwähnte Vertriebslinienübergreifende Materialstatus unabhängig


von der Organisationsebene gültig ist, steuert der Vertriebslinienspezifische
Materialstatus die Eigenschaften in der betrachteten Organisationsebene. Der Status
schränkt die Verwendbarkeit des Materials für betreffende Vertriebslinien ein und
erzeugt ebenfalls einen Hinweis oder eine Warnmeldung. Damit kann z.B. gesteuert
werden, dass ein Artikel in der betrachteten Organisationsebene nicht mehr
lieferbar ist.

Benutzung des Vertriebslinienspezifischen Materialstatus als Kennzeichnung von


Neuprodukten

Wenn Sie in einem produzierenden Unternehmen sind, welches neue Produkte entwickelt
und vertreibt, können Sie mithilfe des Vertriebslinienspezifischen Materialstatus
die Freigabe eines Neuproduktes steuern. Um also zu vermeiden, dass der Kunde ein
»unreifes« Produkt erhält, kann dieses Feld verhindern, dass ein Kundenauftrag in
diesem Stadium überhaupt erfasst wird. Im SAP-Customizing können die gewünschten
Kombinationen bzw. Schlüssel gepflegt und deren Meldungsart (Hinweis oder
Warnmeldung) selektiert werden. Warnmeldungen führen zu einem direkten Abbruch bei
Auftragsanlage, wohingegen Hinweise lediglich darauf aufmerksam machen, dass ein
Produkt sich im Prototypenstatus befindet.

Gültig ab
Sowohl beim Vertriebslinienübergreifenden als auch beim Vertriebslinienspezifischen
Materialstatus können Sie hierüber steuern, ab wann dieser Status gültig ist.

Auslieferungswerk

Wie zu Beginn des Kapitels erwähnt, besteht die Organisationsebene aus den drei
Elementen Werk, Verkaufsorganisation und Vertriebsweg. In diesem Feld können Sie
ein alternatives Werk angeben, sofern die Ware von einem anderen Standort
ausgeliefert wird. Dieser Wert würde anschließend als Standardwert bei der Anlage
der Kundenaufträge herangezogen werden.

Warengruppe

Wie bereits in Abschnitt 3.2.1 erläutert, wird die Warengruppe verwendet, um


mehrere Materialien oder Dienstleistungen mit denselben Eigenschaften
zusammenzufassen.

Skontofähig

Dieses Kennzeichen gibt an, ob für das Material generell Skonto gewährt wird.

Konditionen

Wenn Sie einen Skonto für den Artikel gewähren, können die entsprechenden
Konditionen in dieser Tabelle hinterlegt werden.

4.2.2 Steuerdaten

In diesem Segment können Sie die zu Ihrer Organisation relevanten Steuerdaten


pflegen. Dazu steht Ihnen die Kombination aus Land, Steuertyp und
Steuerklassifikation zur Verfügung.

4.2.3 Mengenvereinbarungen

Mindestauftragsmenge in Basismengeneinheit – Hier steuern Sie die


Mindestbestellmenge, die der Kunde bei Erteilung eines Auftrages nicht
unterschreiten darf. Das System berücksichtigt den Eintrag in diesem Feld und
rundet die angegebene Menge bei der Kundenauftragsanlage automatisch auf, sofern
diese unter der Mindestauftragsmenge liegt. Der Eintrag berücksichtigt ebenfalls
die in den Grunddaten 1 gepflegte Basismengeneinheit.

Mindestliefermenge bei der Lieferscheinbearbeitung

Hier steuern Sie die Mindestmenge, die bei der Auslieferung versendet werden soll.
Dieses Feld könnte nützlich sein, wenn Sie einen größeren Auftrag mit
Teillieferungen bedienen möchten. Es hilft, den Logistikprozess zu optimieren und
dadurch zumeist auch, Frachtkosten zu sparen.
Liefereinheit

Das Feld gibt das Vielfache einer Menge an, die Sie versenden möchten. Wenn hier
beispielsweise der Wert »20« gepflegt ist, wird bei der Lieferscheinerstellung
ausschließlich ein Vielfaches von 20 berücksichtigt. Das System würde somit die
Mengen 20, 40, 60 etc. berücksichtigen und etwa bei einer Bestellmenge von 75 St.
auf 80 St. aufrunden.

Rundungsprofil

Das Rundungsprofil bietet eine noch umfangreichere Möglichkeit, die Bestell- bzw.
Liefermengen zu beeinflussen. Während die Felder Mindestauftragsmenge und
Mindestliefermenge auf festen Werten basieren, kann das Rundungsprofil verwendet
werden, um z.B. ein Vielfaches von 2 St. oder ein Vielfaches von 12 St. als Menge
zu übernehmen.

Rundungsprofil

Sie haben ein Rundungsprofil für ein Produkt eingestellt. Dieses ist so definiert,
dass ab einem Schwellenwert von 6 St. immer auf den Rundungswert 12 St. erhöht
wird. Wenn nun also ein Auftrag über 6 St. erfasst wird, wird dieser auf 12 St.
aufgerundet. Ist dieser unter 6 St., wird die entsprechende Menge vom System
berücksichtigt.

4.3 Sicht »Verkaufsorganisation 2«

Dieser Bereich der Materialstammdaten (Abbildung 4.3) beinhaltet die Segmente

Gruppierungsbegriffe,

Materialgruppen und

Produktattribute.

Diese Felder steuern unter anderem, welche Positionstypengruppe im Kundenauftrag


herangezogen wird, und bieten Ihnen die Möglichkeit, gewisse Produktattribute
anzugeben. Darüber hinaus kann in diesem Bereich die zum Markt kommunizierte
Lieferzeit eingepflegt werden. Je nach SAP-Version oder dem hinterlegten
Customizing können die angezeigten Felder in Ihrem System abweichen.

Abbildung 4.3: Sicht »Verkaufsorganisation 2«

4.3.1 Gruppierungsbegriffe

Statistikgruppe Material
Das Feld dient zur Ermittlung von Daten, die für Analysen im Logistik-
Informationssystem fortgeschrieben werden, wenn ein Material verkauft wird. Die
Statistikgruppen können Sie den Kategorien Positionstyp, Verkaufsbelegart, Material
und Kunde zuordnen. Im hier gezeigten Beispiel von Abbildung 4.3 ist der Wert B
gepflegt. Das ist ein Indikator für ein Statistikrelevantes Standardmaterial.

Materialgruppe

Bietet die Möglichkeit der Gruppierung von Materialien, für die dieselben
Konditionen gelten sollen. Die folgenden Konditionsarten können für eine
Materialgruppe angelegt werden:

Materialgruppe (z.B. Laborwagen),

Kombination aus Kunde & Materialgruppe (z.B. Laborwagen für Universitäten),

Kombination aus Preisgruppe & Materialgruppe (z.B. alle Großhandelskunden und alle
Laborwagen).

Bonusgruppe

Wenn Sie verschiedene Arten von Rabatten anbieten, können Sie diese einer
Bonusgruppe zuordnen.

Kontierungsgruppe Material

Es dient der Zuordnung eines Materials zu einem Ertragskonto, wenn das Material
fakturiert wird.

Allgemeine Positionstypengruppe

Sie steuert bei der Kundenauftragserfassung, welcher Positionstyp dem jeweiligen


Material zugeordnet wird. Dies könnte bspw. eine Normalposition (NORM),
Streckenposition (BANS) oder Leihgutposition (LEIH) sein. Ähnlich wie der
Werksübergreifende Materialstatus ist das Feld global gültig, kann allerdings in
den Vertriebssichten auch auf Werksebene gepflegt werden.
Positionstypengruppe aus Materialstammsatz

Dieses Feld ist identisch zu der Allgemeinen Positionstypengruppe, außer dass es


nur für den jeweiligen Vertriebsbereich und nicht vertriebsbereichübergreifend
gültig ist.

Sie können dieses Feld nutzen, um den korrekten Positionstyp im Kundenauftrag zu


verwenden, wenn dieser in dem gewünschten Vertriebsbereich angelegt wird. Es könnte
bspw. sein, dass Sie die Kundenaufträge im Vertriebsbereich X erfassen, das Produkt
allerdings im Vertriebsbereich Y gefertigt und ausgeliefert wird. Dafür können Sie
z.B. die Positionstypengruppe BANS verwenden und dem System mitteilen, dass es sich
dabei um eine Streckenposition handelt.

Preismaterial

Wenn Sie in diesem Feld ein Referenzmaterial angeben, wird das System dieses als
Vorlage für die Preisfindung verwenden. Das kann dann hilfreich sein, wenn Sie für
zwei Produkte dieselben Preiskonditionen verwenden, aber nicht für jedes die
Preiskonditionen einzeln pflegen möchten.

Produkthierarchie

Wie bereits in Abschnitt 3.2.1 beschrieben, ermöglicht dieses Feld, Produkte zu


einer Produktstruktur hinzuzufügen. Sie könnten z.B. alle weißen T-Shirts der Größe
S und ohne Aufdruck in einer Produkthierarchie zusammenhalten, um die Planung zu
vereinfachen.

Provisionsgruppe

Sie können zwei Materialien einer Provisionsgruppe zuordnen, wenn jeder der
Vertreter, die diese Materialien vertreiben, für beide Materialien denselben
Provisionssatz erhält. Die Provisionssätze für die verschiedenen Vertreter können
durchaus voneinander abweichen, wie in Tabelle 4.1 gezeigt.

Artikel Vertreter A Vertreter B Vertreter C

A-801 2 % 4 % 3 %

A-802 2 % 4 % 3 %
A-803 2 % 4 % 3 %

Tabelle 4.1: Beispiel für Provisionssätze

4.3.2 Materialgruppen

Materialgruppen werden im Standardsystem nicht genutzt, stehen Ihnen aber bei der
Pflege des Materialstamms zur freien Verfügung und können hier z.B. zu
Auswertungszwecken eingesetzt werden – etwa für die zum Markt kommunizierte
Lieferzeit oder die Servicezeit. Diese Felder haben keine steuernden Funktionen und
dienen somit nur zu Informationszwecken.

4.3.3 Produktattribute

Mit den Feldern im Bereich Produktattribute können Sie bestimmte Charakteristika


des Materials kennzeichnen. Wenn Sie z.B. ein Produkt vertreiben, das bei der
Auslieferung eine Batterie enthält, gewisse Distributionskunden aber keine
Batterien bei der Lieferung akzeptieren. In diesem Fall würden Sie im
Kundenmaterialstamm die Attribute ebenfalls pflegen, damit das System bei der
Kundenauftragserfassung prüfen kann, ob gewisse Attribute, wie im Beispiel die
Auslieferung mit Batterie, erlaubt sind.

4.4 Sicht »Vertrieb: allg./Werk«

Die Sicht Vertrieb: allg./Werk (Abbildung 4.4) enthält die folgenden Segmente:

Allgemeine Daten,

Versanddaten,

Verpackungsmaterial-Daten und

Allgemeine Werksparameter.

Die Felder der vier Segmente dienen dazu, die abschließenden Logistik- und
Versandprozesse zu steuern.

Abbildung 4.4: Sicht »Vertrieb: allg./Werk«


4.4.1 Allgemeine Daten

Basismengeneinheit

Dieses Feld finden Sie bereits in Abschnitt 3.2.1 beschrieben. Hier wird die
Mengeneinheit des Materials hinterlegt, in der die Bestände geführt werden.

Austauschteil

In diesem werksspezifischen Feld können Sie angeben, ob das Material ein


Austauschteil sein KANN (A), MUSS (B) oder ob es KEIN Austauschteil sein darf
(blank). Dies kann z.B. für das Ausphasen bei Produktänderungen von Vorteil sein.

Bruttogewicht & Nettogewicht

Diese Felder habe ich bereits im Abschnitt 3.2.3 beschrieben. Die Felder wurden an
dieser Stelle hinzugefügt, da sie für die Versandaktivitäten relevant sind.

Material-Frachtgruppe

Die Material-Frachtgruppe dient zur Gruppierung von Materialien zum Zwecke der
Klassifizierung nach Güterarten und Güterklassen. Diese werden für die Ermittlung
der Frachtkosten und bei der Kommunikation mit dem Logistikdienstleister verwendet.

Verfügbarkeitsprüfung

Sie steuert, wie die Bedarfe bei der Materialbedarfsplanung (Engl.: Material
Requirements Planning (MRP)) im System generiert werden. Die
Materialverfügbarkeitsprüfung ist eines der komplexesten Themen im SAP. Im
Wesentlichen kann man aber sagen, dass dieses Feld steuert, ob und wie das System
die Verfügbarkeit prüft und Bedarfe für die Disposition erzeugt. Im Customizing der
Verfügbarkeitsprüfung wird unter anderem angegeben, welche Elemente bei der Prüfung
berücksichtigt werden. Beispielsweise soll das System lediglich freigegebene
Fertigungsaufträge bei der Verfügbarkeitsprüfung berücksichtigen. Darüber hinaus
soll es andere Zugänge wie Bestellungen ignorieren. Oder aber die
Sicherheitsbestände sollen mit verrechnet werden, wenn ein Kundenauftrag erstellt
wird und die Verfügbarkeitsprüfung einen Liefertermin ermittelt.

Diese und noch viele weitere Kriterien können im Customizing der


Verfügbarkeitsprüfung eingestellt werden.

Genehmigtes Chargenprotokoll ist erforderlich

Wenn Sie ein Produkt herstellen, welches chargengeführt ist, steuert dieses Feld,
welche Aktivitäten zu einer Charge erst ausgeführt werden können, wenn das
zugehörige Chargenprotokoll genehmigt ist. Z. B. würde das System
Lagerzugangsbuchungen oder Umbuchungen nicht zulassen, solange kein
Verwendungsentscheid zu einem Prüflos der zugehörigen Charge getroffen wurde.

Chargenpflicht

Dieses Kennzeichen gibt an, ob das Produkt chargenpflichtig ist oder nicht. Sie
können es im Materialstamm manuell setzen. Solange Bestände in der laufenden
Periode oder in der Vorperiode vorhanden sind, ist das Kennzeichen nicht mehr
änderbar.

4.4.2 Versanddaten

Transportgruppe

Wenn Sie Produkte haben, die aufgrund ihrer Eigenschaft dieselben Anforderungen
hinsichtlich der Routenermittlung und Transportbedingungen haben, beispielsweise in
einem Kühlwagen zu befördernde verderbliche Ware, können Sie diese zu einer
Transportgruppe zusammenfassen. Dieses würde anschließend bei der automatischen
Routenermittlung während der Kundenauftragserfassung berücksichtigt werden.

Ladegruppe

Hiermit können Sie die Materialien gruppieren, für die dieselben Anforderungen bei
der Verladung gelten, wie z.B. die Verladung mit einem Gabelstapler oder der
Versand an derselben Laderampe. Aus der Ladegruppe, dem Auslieferwerk und der
Versandbedingung ermittelt das System automatisch die Versandstelle.

Rüstzeit

Die Zeit für das Rüsten der Arbeitsplätze, die zum Versand des Materials benötigt
werden. Dies könnte z.B. das Vorbereiten eines Gabelstaplers sein, mit dem das
Material verladen wird. Diese Zeit ist mengenunabhängig.

Bearbeitungszeit

Die Zeit für die Bearbeitung im Versand eines Materials und einer bestimmten Menge,
z.B. die tatsächliche Beladung des Produktes auf einen LKW. Sie ist mengenabhängig.

Basismenge

Menge, auf die sich die Bearbeitungszeit im Versand bezieht. Sie wird in der zuvor
beschriebenen Basismengeneinheit (vgl. Abschnitt 3.2.1) gemessen.

4.4.3 Verpackungsmaterial-Daten

Materialgruppe Packmittel

Eine Gruppierung der Materialien, die für den Versand ähnliche Packmittel
benötigen. Sie könnten z.B. den Begriff Gase verwenden, um alle Artikel zu
gruppieren, die Packmittel verwenden, die für Gase geeignet sind.

Referenzmaterial für gleich verpackbare Materialien

Ähnlich wie bei Referenzmaterial Für Packvorschriften (vgl. Abschnitt 3.2.5) kann
hier ein Material hinterlegt werden, für das dieselben Packvorschriften gelten.
4.4.4 Allgemeine Werksparameter

Negativ-Bestand

Mit Setzen dieses Kennzeichens erlauben Sie, dass negative Bestände zugelassen
werden. Negative Bestände sind in den Bestandsarten Frei verwendbarer Bestand und
Sperrbestand möglich.

Profitcenter

Mit der Zuordnung zu einem Profitcenter geben Sie an, welchem Bereich der
Buchhaltung der Vertrieb dieses Produktes zugeordnet wird.

Serialnummernprofil

Wenn Sie Produkte herstellen, die serialisiert sind, können Sie im Customizing die
entsprechenden Profile anlegen und an dieser Stelle aktivieren.

Verteilungsprofil

Dieses Feld wird genutzt, wenn in dem Beschaffungsprozess bereits festgelegt werden
soll, auf welche Abnehmer innerhalb des ausgewählten Werkes die Verteilung der
Materialien stattfinden soll.

Serialisierungsebene

An dieser Stelle können Sie vorgeben, ob die Serialnummer gezielt dem ausgewählten
Material oder generell allen Materialien zugeordnet werden soll. Beachten Sie
dabei, dass es sich hierbei um ein globales Feld handelt, d.h., dass die
Einstellungen für alle Werke relevant sind.
4.5 Sicht »Außenhandel: Export«

Die Sicht Außenhandel: Export (Abbildung 4.5) beinhaltet drei Segmente, die
relevant sind, wenn Sie internationale Belieferungen durchführen:

Außenhandelsdaten,

Ursprung/Marktordnung/Präferenz und

Gesetzliche Kontrolle.

Diese Felder können Sie ignorieren, wenn Sie nicht in andere Länder liefern. Sofern
Sie allerdings internationale Handelsbeziehungen pflegen, müssen diese Felder
entsprechend gepflegt werden.

Die Segmente enthalten Angaben, wie etwa die statistische Warennummer oder das
Ursprungsland, die für die Speditionen und Zölle bei einer internationalen Sendung
relevant sind.

Abbildung 4.5: Sicht »Außenhandel: Export«

4.6 Sicht »Vertriebstext«

Die Sicht Vertriebstext (Abbildung 4.6) beinhaltet lediglich ein Freitextfeld, in


das für den Vertrieb relevante Informationen eingetragen werden können. Es dient
der zusätzlichen Beschreibung des vertriebenen Produktes. Der hier eingegebene Text
wird automatisch in jeden Kundenauftrag übernommen, der zu dem betreffenden
Vertriebsbereich angelegt wird. Es ist also kein globales, sondern ein
vertriebsbereichsbezogenes Feld.

Abbildung 4.6: Sicht »Vertriebstext«

4.7 Persönliche Anmerkung

Die Materialstammdaten in den Vertriebssichten können dazu genutzt werden, Prozesse


in Bezug auf den Vertrieb zu automatisieren. Es ist allerdings wichtig, dass diese
Felder gut definiert, verstanden und dokumentiert sind. Je besser und vollständiger
die Pflege der Vertriebssichten ist, desto genauer wird beispielsweise der
Liefertermin zum Kunden über die Kundenauftragsanlage ermittelt.

Sie haben gesehen, wie ein Produkt etwa über den Vertriebslinienspezifischen
Materialstatus gesteuert werden kann, wenn es sich um einen Prototypen handelt und
vermieden werden soll, dass der Kunde ein unreifes Produkt erhält. Ebenfalls habe
ich Ihnen gezeigt, wie Ihnen simple Felder wie die Mindestauftragsmenge und
Mindestliefermenge helfen können, die logistischen Prozesse im Vertrieb zu
optimieren. Darüber hinaus haben Sie gelernt, dass Sie dem Produkt gewisse
Produktattribute mitgeben können, um bereits bei der Kundenauftragserfassung darauf
hingewiesen zu werden, wie Sie ein Produkt entsprechend der Kundenanforderung
ausliefern.

Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die Liefertreue dem Kunden
gegenüber aufrechtzuerhalten. Es ist problematisch, wenn zwar die Lieferzeiten für
ein Produkt bekannt sind und eingegeben wurden, andere Informationen, die
wesentliche Auswirkungen auf die nachgelagerten logistischen Prozesse haben,
dagegen unvollständig bis gar nicht gepflegt sind. Wenn z.B. das Verpacken und
Vorbereiten für den Versand eines Produktes eine gewisse Zeit benötigen, die im
System nicht hinterlegt ist, ist die Lieferterminabweichung zum Kunden bereits
vorprogrammiert – es sei denn, die Kollegen im Logistikbereich holen die Zeit auf.
Ein anderes Beispiel könnte sein, dass die Mindestliefermenge nicht zu der
Verpackungseinheit des Endproduktes passt und dadurch Störungen im Prozess erzeugt
werden.

All diese Beispiele und noch viele weitere sind mir im Laufe der Jahre begegnet,
und meine Herangehensweise an die Probleme war immer gleich, und ich empfehle Sie
Ihnen unbedingt.

1. Fragen Sie zunächst: »Sind die Stammdaten korrekt gepflegt?«

2. Wenn ja, analysieren Sie, ob die eingetragenen Werte korrekt sind und dem
tatsächlichen Prozess entsprechen.

5 Einkauf

Welche Materialstammdaten sind für den Beschaffungsprozess von Bedeutung? Ich werde
Ihnen in diesem Kapitel die einzelnen Felder und deren Funktionen erläutern sowie
wichtige persönliche Erfahrungen einbringen. Einige der Felder haben es mir nämlich
ermöglicht, meinen Beschaffungsprozess im Tagesgeschäft voll zu automatisieren und
mich tatsächlich nur um Ausnahmen kümmern zu müssen. Dies hat mir Zeit verschafft,
meine Lagerbestände zu optimieren und bessere Konditionen mit dem Lieferanten
auszuhandeln.

Mit den richtigen Parametern in den Einkaufs- und Dispositionssichten können Sie
mit wenig Aufwand viele wiederkehrende Einkaufstätigkeiten eliminieren. Ich habe
dieses Kapitel aus der Sicht eines Einkäufers geschrieben. In den ersten sechs
Jahren nach meiner Ausbildung habe ich als Einkäufer und Disponent bei einem
Zulieferer der Automobilindustrie gearbeitet. Ich war regelrecht gezwungen, mir
Zeit für das operative Tagesgeschäft zu verschaffen, weil die von mir disponierte
Artikelvielfalt so hoch war, dass ich das System für mich arbeiten lassen musste.

In den nachfolgenden Jahren, in denen ich die Möglichkeit hatte, auch in anderen
Unternehmen zu schauen, wie die Einkaufstätigkeiten durchgeführt werden, konnte ich
deutlich erkennen, wie unterschiedlich ein normalerweise simpler Einkaufsprozess –
selbst mit derselben Software durchgeführt – tatsächlich sein kann. Viele der
Kolleginnen und Kollegen haben nie die Gelegenheit bekommen, die Einkaufs- und
Dispositionsstammdaten tatsächlich zu verstehen. Daher war es ihnen gar nicht
bewusst, welche Möglichkeiten das System bietet und wie viel einfacher die Arbeit
ausgeführt werden könnte.

Es gibt im Materialstamm im Wesentlichen drei Sichten für den Einkauf:

Einkauf,

Außenhandel: Import und den

Einkaufsbestelltext.

Die Parameter in diesen Sichten werden verwendet, um beispielsweise den Artikel


einem Einkäufer zuzuordnen, die Einkaufswerte, wie Toleranzen oder sonstige Daten
wie die Wareneingangsbearbeitungszeit oder Herstellerteilenummer, zu hinterlegen.
Darüber hinaus bieten diese Sichten die Möglichkeit, die automatische Beschaffung
zu aktivieren.

5.1 Sicht »Einkauf«

Die Sicht Einkauf (Abbildung 5.1) besteht aus drei Segmenten:

Allgemeine Daten,

Einkaufswerte und

Sonstige Daten/Herstellerdaten.

Anders als bei den bisher beschriebenen Anwendungsbereichen können Sie im Einkauf
in den Allgemeinen Daten zur Basismengeneinheit eine abweichende
Bestellmengeneinheit pflegen. Unter Einkaufswerte steuern Sie z.B. Toleranzen für
Überlieferungen und Unterlieferungen. In dem Segment Sonstige Daten/Herstellerdaten
können unter anderem die Wareneingangsbearbeitungszeit und die
Herstellerteilenummer hinterlegt werden.

Abbildung 5.1: Sicht »Einkauf«

5.1.1 Allgemeine Daten

Basismengeneinheit

Diese haben wir bereits in den Grunddaten-Sichten (Abschnitt 3.2.1) erläutert.


Bestellmengeneinheit

Eine abweichende Mengeneinheit für die Beschaffung kann beispielsweise relevant


sein, wenn einer Ihrer Lieferanten mit einer abweichenden Mengeneinheit ausliefert.
Dann können Sie diese in dem Feld hinterlegen, und das System würde, basierend auf
den gepflegten Umrechnungsfaktoren, bei der Wareneingangsbuchung in die Basismenge
umrechnen.

Einkäufergruppe

Dies ist der verschlüsselte Name einer Person im Einkauf, die für bestimmte
Einkaufstätigkeiten zuständig ist. Die Einkäufergruppe ist in der Regel sowohl für
die Beschaffung verantwortlich als auch Ansprechpartner für den Lieferanten. Im
Customizing können Kommunikationsdaten (Name, Telefonnummer, E-Mail ...) der
Einkäufergruppe hinterlegt werden, die anschließend auf den Einkaufsdokumenten
(Bestellung, Anfrage ...) gedruckt werden.

Die Einkäufergruppe nutzen, um Transparenz zu schaffen.

Die Einkäufergruppe bietet sich ideal dafür an, Artikel den individuellen
Einkäufern zuzuordnen, um damit mehr Transparenz im System zu schaffen sowie
schnell und gezielt an konkrete Informationen zu gelangen. Das Feld ermöglicht in
diversen Einkaufsreports eine Selektion von Artikeln, die den jeweiligen Einkäufern
zugeordnet sind. Sie können außerdem Auswertungen über Lagerbestände oder
Einkaufsvolumen fahren, die einer konkreten Einkäufergruppe zugeordnet sind.

Das Feld hat eine alphanumerische Eingabe. Sie können daher eine für Ihre
Organisation passende Logik aufbauen, die eindeutig identifiziert, in welchem
Bereich des Unternehmens der Einkäufer tätigt ist.

Beispiel für Einkäufergruppen in diversen Standorten

Angenommen, Sie haben ein Werk in Sydney, ein Werk in Tokyo und eines in Hamburg,
und jedes dieser Werke hat einen eigenen Einkauf. Sie könnten also die
dreistelligen alphanumerischen Einkäufergruppen so aufbauen, dass Sie den Einkäufer
eindeutig dem Standort zuordnen können.

Beispiele für Einkäufergruppen in den Standorten

S01, S02, S03 ... für Sydney

T01, T02, T03 ... für Tokyo

H01, H02, H03 ... für Hamburg

Diese Logik kann beim globalen Einkaufscontrolling helfen, gewisse Eingrenzungen


vorzunehmen, ohne sich die Bezeichnung der jeweiligen Einkäufergruppe aufrufen zu
müssen.
Warengruppe

Wie in Abschnitt 3.2.1 bereits beschrieben, wird die Warengruppe verwendet, um


mehrere Materialien oder Dienstleistungen mit denselben Eigenschaften
zusammenzufassen.

Werksspezifischer Materialstatus

Ähnlich wie der Werksübergreifende Materialstatus (vgl. Abschnitt 3.2.1), wird


dieses Feld verwendet, um bestimmte Restriktionen an das Material zu vergeben.

Gültig ab

Gibt wiederum an, ab wann der Werksspezifische Materialstatus gültig sein soll.

Steuerindikator Material

Der Steuerindikator wird zur automatischen Findung des Steuerkennzeichens im


Einkauf verwendet. Dazu werden Steuerkonditionen gepflegt, die im Rahmen der
Preisfindung das Steuerkennzeichen automatisch ermitteln. Die automatische
Ermittlung könnte beispielsweise dann sinnvoll sein, wenn Sie unterschiedliche
Steuersätze verwenden möchten, wenn das Material eingelagert wird oder es direkt in
den Verbrauch geht. Wird das Steuerkennzeichen automatisch über Konditionen
ermittelt, dann hat es Vorrang vor dem Steuerkennzeichen, das im Einkaufsinfosatz
gepflegt ist.

Einkaufsinfosatz

In der SAP-Sprache gibt es Materialstammdaten und Einkaufsstammdaten. Zu letzteren


gehören unter anderem der Infosatz, das Orderbuch und die Nachrichtenkonditionen.
Die Anlage und Pflege dieser Einkaufsstammdaten sind die Grundvoraussetzungen, um
den Einkaufsprozess nutzen zu können. Der Einkaufsinfosatz beinhaltet die
Informationen (Preis, Planlieferzeit, Lieferbedingungen ...), die für ein Material
zu einem bestimmten Lieferanten vereinbart wurden. Anders als in den
Materialstammdaten, wo die Einträge für alle Lieferanten eine Relevanz haben,
können im Infosatz lieferantenspezifische Einträge gepflegt sein. Wenn es
beispielsweise für ein Material mehrere Lieferanten mit unterschiedlichen Preisen
und Lieferzeiten gibt, können diese Informationen im Infosatz gepflegt werden. Je
nachdem, bei welchem Lieferanten das Material eingekauft wird, würden sie
entsprechend vom System berücksichtigt werden.

Über das Orderbuch stellen Sie letztendlich die Verbindung zwischen dem Material,
dem Infosatz und dem zugehörigen Lieferanten her und sagen dem System, bei welchem
Lieferanten der Artikel beschafft werden soll. Mit den oben erwähnten
Nachrichtenkonditionen sagen Sie dem System anschließend, wie die Einkaufsbelege
(Bestellungen, Anfragen, Mahnungen etc.) übermittelt werden sollen (Fax, E-Mail,
EDI etc.).

Naturalrabatt

Dieses Kennzeichen wird derzeit nur im Einkauf verwendet. Es ist ein globales Feld,
daher hat die Aktivierung dieses Attributs eine Auswirkung auf Ihre gesamte
Organisation. Es gibt an, ob und für welche Bereiche das Material
naturalrabattfähig ist.

Material Frachtgruppe

Wie in Abschnitt 4.4.1 beschrieben, dient die Material-Frachtgruppe zur Gruppierung


von Materialien zum Zwecke der Klassifizierung nach Güterarten und Güterklassen.
Diese werden zur Ermittlung der Frachtkosten und bei der Kommunikation mit dem
Logistikdienstleister verwendet.

Automatische Bestellung

Mit Aktivierung dieses Kennzeichens legen Sie fest, dass die Umsetzung von
Bestellanforderungen in Bestellungen für dieses Material automatisch erfolgen soll.
Dies bietet sich vor allem für die Lieferanten an, die eine stabile Versorgung
garantieren und wiederkehrende Bestellungen erhalten. Um die Bestellungen
automatisch zu generieren, ist es allerdings erforderlich, dass der Lieferant das
Kennzeichen Automatische Bestellung auch im Lieferantenstammsatz aktiviert hat.
Diese Funktion kann zur Reduzierung des Arbeitsaufkommens führen, sofern die
Stammdaten korrekt gepflegt sind und es sich um einen zuverlässigen Lieferanten
handelt.

Nutzung der automatischen Bestellungen

Die automatische Bestellerzeugung kann durchaus helfen, das Arbeitsaufkommen zu


reduzieren, da die manuelle Anlage einer Bestellung nicht mehr erforderlich ist.
Allerdings sollte diese Funktion mit viel Vorsicht und nur in enger Abstimmung mit
dem Lieferanten verwendet werden. Stellen Sie gemeinsam mit ihm sicher, dass die
Lieferzeiten und Mindestbestellmengen abgeglichen und gepflegt sind. Darüber hinaus
sollten Sie den Lieferanten überprüfen lassen, dass die Übertragung der Bestellung
aus dem System korrekt ankommt. Es sollte ebenfalls eine klare Vertreterregelung
auf Lieferantenseite etabliert werden, da im besten Falle die Bestellungen
Ihrerseits nicht mehr gesichtet werden und Sie daher bei möglichen Verzögerungen
wenig Reaktionsspielraum haben.

Meine persönliche Intention war es immer, das System für mich arbeiten zu lassen
und es nicht als »Schreibmaschine« zu nutzen. Ich habe meine Stammdaten stets
sauber gehalten und mit immer mehr Lieferanten darauf hingearbeitet, den
Bestellprozess zu automatisieren. Dies hat mir Freiräume im operativen
Tagesgeschäft verschafft, und ich konnte die dadurch gewonnene Zeit für die weitere
Automatisierung der Lieferantenentwicklung verwenden. Damit war es mir möglich,
problemlos tausende Artikel zu beschaffen und zu disponieren.

Chargenpflicht

Dieses Kennzeichen – bereits für die Sicht Vertrieb: allg./Werk in Abschnitt 4.4.1
beschrieben – gibt an, ob das Produkt chargenpflichtig ist oder nicht. Sie können
es im Materialstamm manuell setzen.

5.1.2 Einkaufswerte

Einkaufswerteschlüssel

Mit dem Einkaufswerteschlüssel können Sie festlegen, wie die gültigen Mahntage und
Toleranzgrenzen aussehen sowie welche Versandvorschriften für den Einkauf des
Materials gelten sollen. Darüber hinaus können Sie entscheiden, ob das Material
bestätigungspflichtig sein soll. Diese Einstellungen erfolgen im Customizing Ihres
Systems.

Mit den Mahntagen sagen Sie dem System, nach wie vielen Tagen der Lieferverzögerung
oder Überschreitung der Mahnfrist die voreingestellten Stufen der Mahnungen
ausgegeben werden sollen. Die Toleranzen für Unter- und Überlieferungen dienen
dazu, das System »sauber« zu halten. Wenn Sie z.B. eine Unterliefertoleranz von 10
% gepflegt haben, die Bestellmenge 100 St. war und Ihr Lieferant 99 St. liefert,
würde die Bestellung nach erfolgtem Wareneingang automatisch geschlossen werden,
und es bliebe keine Restmenge von einem Stück offen, die die meisten Lieferanten eh
nicht nachliefern. Der Wareneingang auf die Bestellung könnte dennoch gebucht
werden, sollte der Lieferant die Restmenge von 1 St. doch noch nachliefern.

Versandvorschrift
Sie bezeichnet die vom Lieferanten einzuhaltenden Verpackungs- und
Versandbedingungen.

Unbegrenzte Überlieferung

Wie die Bezeichnung des Feldes bereits vermuten lässt, geben Sie damit an, dass
Überlieferungen ohne Obergrenze akzeptiert werden.

Bestätigungspflicht

Mit diesem Feld legen Sie fest, ob ein Einkaufsbeleg (Bestellung,


Rahmenvertrag ...) vom Lieferanten bestätigt werden soll. Ist dieses Feld
aktiviert, taucht der Artikel in den SAP-Mahnreports für die Auftragsbestätigungen
auf, sofern keine Bestätigung in der Bestellung gepflegt wurde.

5.1.3 Sonstige Daten/Herstellerdaten

Wareneingangsbearbeitungszeit

Sie nennt die Anzahl an Tagen, die benötigt wird, um den Wareneingang
durchzuführen. Dazu zählen die Prüfung und Einlagerung nach Anlieferung des
Materials. Die Wareneingangsbearbeitungszeit wird bei der Terminierung der
Bestellanforderung und anschließend bei der Bestellung berücksichtigt. Wenn Sie
z.B. einen Bedarf für eine Komponente am 12.10. haben und die hinterlegte
Wareneingangsbearbeitungszeit 2 Tage beträgt, wird das System einen
Bestellvorschlag mit Liefertermin zum 10.10. generieren, durch den das Material
nach erfolgter Prüfung und Einlagerung am 12.10. verfügbar wäre.

Buchen in Q-Bestand

Das Feld gibt an, ob das Material der Qualitätsprüfung unterliegt und nach dem
Buchen des Wareneingangs in den Qualitätsprüfbestand gebucht wird. Beim Setzen des
Kennzeichens wird es als Vorschlagswert in die Bestell- und Wareneingangsoptionen
übernommen.
Kritisches Teil

Dieses Kennzeichen zeigt an, ob es sich bei dem Material um ein kritisches
(besonders wichtiges) Teil handelt; etwa bei einem Material, für das es nur eine
Quelle (Single Source) gibt und das daher nur schwer zu beschaffen ist. Das Feld
hat einen rein informativen Charakter.

Quotierungsverwendung

Mit der Quotierungsverwendung können Sie Mengen auf unterschiedlichste Ebenen


aufteilen. Sie können beispielsweise bei einem extern beschafften Artikel die
geplante Bedarfsmenge prozentual auf unterschiedliche Lieferanten verteilen. Wenn
z.B. Ihre gesamte Bedarfsmenge 10.000 St. beträgt, können Sie eine prozentuale
Aufteilung einstellen (50 % Lieferant A, 50 % Lieferant B), sodass bei jedem der
Lieferanten ein Bestellvorschlag über 5.000 St. generiert werden würde.

Einsatz einer Quotierungsverwendung

Angenommen, Sie haben einen Lieferanten A, von dem Sie ein Einkaufsvolumen über 1
Mio. St. eines Artikels pro Jahr abnehmen. Durch die Veränderung des Marktes und
neue Technologien erwarten Sie für das nächste Jahr ein gesteigertes
Einkaufsvolumen von 3 Mio. St. für denselben Artikel. Ihr Lieferant hat allerdings
nicht die Kapazität, um die restlichen 2 Mio. St. zu liefern. Sie können also einen
weiteren Lieferanten suchen und die restliche Menge über den Lieferanten B
beziehen. Das System würde, basierend auf Ihren Einstellungen, die Menge
automatisch auf 1 Mio. St. für Lieferant A und 2 Mio. St. für Lieferant B
aufteilen.

Orderbuchpflicht

Beim Aktivieren der Orderbuchpflicht verlangt das System die Anlage eines
Orderbuches (Abbildung 5.2) für ein fremdbeschafftes Produkt. Wenn das Kennzeichen
für ein Werk gesetzt ist, muss ein Lieferant im Orderbuch eingetragen sein, bevor
eine Bestellung angelegt werden kann. Es ist ein werksspezifisches Feld und daher
nur für das Werk gültig, in dem das Feld aktiviert ist.

Das Orderbuch ist die Verbindung zwischen dem Material, dem Infosatz und den
Lieferanten. Der Lieferant kann sowohl ein externer Lieferant sein als auch ein
anderes Werk, wie z.B. bei der Intercompany-Abwicklung (vgl. Abschnitt 2.4).

Abbildung 5.2: Orderbuch


Feinabruf

Wenn Sie mit Lieferplänen arbeiten, steuern Sie mit diesem Feld, ob ein Lieferant
Feinabrufe zu den Lieferplänen erhalten soll oder nicht.

Die Lieferplanabwicklung hat unter anderem die Eigenschaft, Liefer- und Feinabrufe
zu übermitteln. Lieferabrufe sind nichts anderes als die Information an den
Lieferanten, zu welchem Tag und in welcher Menge ich ein Material angeliefert haben
möchte. Sie dienen in der Regel zur längerfristigen Information an den Lieferanten,
da die Terminangabe zumeist auf Wochen- oder Monatsbasis erfolgt. Feinabrufe
hingegen sind präzisere Angaben zum Wunschliefertermin, da diese die Termine auf
Tages- oder sogar auf Stundenbasis angeben. Damit erhält der Lieferant Ihre exakte
Bedarfsplanung.

In den letzten drei Feldern Hersteller Teilenummer, Hersteller Teileprofil und


Hersteller können Sie Herstellerinformationen zu dem jeweiligen Artikel
hinterlegen. Diese Felder dienen lediglich zur Information.

5.2 Sicht »Außenhandel: Import«

Die Sicht Außenhandel: Import (Abbildung 5.3) dient, genauso wie die Sicht
Außenhandel: Export, als Information bzgl. Speditionen und Zöllen, wenn Sie Artikel
international importieren, und ist für Sie auch nur dann relevant. Die Sicht
beinhaltet drei Segmente:

Außenhandelsdaten,

Ursprung/Marktordnung/Präferenz und

Gesetzliche Kontrolle.

Ich werde nicht im Detail auf diese Felder eingehen.

Abbildung 5.3: Sicht »Außenhandel: Import«

5.3 Einkaufsbestelltext

Wie schon der Vertriebstext (vgl. Abschnitt 4.6) dient auch der Einkaufsbestelltext
als erweiterte Information zum jeweiligen Artikel. Dieser Text wird bei den
Beschaffungsprozessen auf den Dokumenten (Bestellung, Anfrage etc.) angedruckt und
ist ebenfalls ein globales Feld, d.h., die Einträge an dieser Stelle werden auf
sämtlichen Einkaufsdokumenten und in allen Werken ausgegeben.
Die hier getätigten Angaben sollten sich hauptsächlich auf das Material beziehen,
wie z.B. gewisse Spezifika oder Revisionsstände. Die Informationen sollten im
besten Falle keine lieferantenspezifischen Informationen beinhalten. Diese können
im Infosatz (Abbildung 5.4) hinterlegt werden. Andernfalls würden Sie
Informationen, die für Lieferant A gültig sind, dem Lieferanten B übermitteln, wenn
Sie mehrere Lieferanten für einen Artikel haben (was auch als Dual Sourcing
bezeichnet wird).

Abbildung 5.4: Infosatz – Bestelltext

Sie haben die Möglichkeit, sowohl im Materialstamm als auch im Infosatz die Texte
in mehreren Sprachen zu pflegen. Je nach gewählter Kommunikationssprache im
Lieferantenstamm wird der dazugehörige Text vom System herangezogen. Wenn z.B. die
Sprache im Materialstamm auf Deutsch gestellt ist, Sie aber einen Lieferanten in
den USA haben, können Sie für speziell diesen Lieferanten einen Bestelltext in
Englisch pflegen, sodass dieser herangezogen wird, sobald eine Bestellung an ihn
platziert wird.

5.4 Persönliche Anmerkung

Die Einkaufssichten – zusammen mit den Disposichten, die im nächsten Abschnitt


beschrieben werden – beinhalten die wichtigsten Felder eines Materialstamms, um die
korrekte Planung, Beschaffung und Disposition durchzuführen. Sie ermöglichen u.a.,
den Beschaffungsprozess zu automatisieren und Verantwortlichkeiten zu definieren.
Darüber hinaus haben wir gesehen, dass sich mithilfe der Einkaufswerte Toleranzen
vorgeben und Versandvorschriften definieren lassen.

Als Einkäufer und Disponent hatte ich die Möglichkeit, eine Menge über das System
zu lernen und herauszufinden, wie ich es am besten für mich arbeiten lasse. Für
mich war es auch wichtig zu wissen, was sich hinter jeder Materialnummer verbirgt.
Wie sieht das von mir beschaffte Material eigentlich aus, und wie ist es verpackt?
Meist gibt die Bezeichnung eines Materials zumindest eine Idee davon, um was für
ein Produkt es sich handelt. Einfach ist das noch bei »Schraube« oder »Karton«.
Allerdings gibt es auch Bezeichnungen, die nicht ansatzweise darauf hindeuten, um
was für einen Artikel es sich handelt, wie z.B. bei hose ventilation.

Mein persönlicher Rat an jeden Einkäufer oder Disponenten ist, mindestens einmal
die Woche durch das Lager zu gehen und sich ein Bild davon zu machen, was sich
hinter den Materialnummern verbirgt. Sollte dies aus irgendwelchen Gründen nicht
möglich sein, dann empfehle ich, zumindest die jährliche Inventur mitzumachen, um
ein Gefühl für »seine« Artikel zu bekommen. Mir hat es sehr geholfen zu wissen, was
es bedeutet, wenn ich z.B. plötzlich die doppelte Menge beschaffen musste, weil wir
eine Bedarfsspitze abfangen mussten. Ist es einfach nur ein Karton mehr auf einer
Palette oder ist es ein weiterer LKW, der erforderlich ist?

Regelmäßige Lagerbegehungen und Kommunikation mit den Logistikkollegen haben mich


besser verstehen lassen, was im Lagerbereich durch meine Tätigkeit ausgelöst wird,
wenn ich auf den Knopf »Bestellen« drücke. Da habe ich einmal mehr überlegt, ob der
Wareneingang einer größeren Menge tatsächlich am Freitagnachtmittag benötigt wird
oder ob es nicht auch am Montag früh ausreichen würde. Meine Kollegen aus der
Logistik haben es mir gedankt.
Übrigens: »hose ventilation« ist die Bezeichnung für ein Kunststoffteil in einem
Automobil, eingebaut im Cockpit, durch das die Luft der Klimaanlage transportiert
wird.

6 Disposition

Meiner Ansicht nach ist dieses Kapitel das wichtigste, um Ihr Verständnis für die
Materialstammdaten zu stärken. Es beinhaltet sehr viele nützliche, aber auch
kritische Felder, die Ihre Disposition und Materialbedarfsplanung bestimmen. In
diesem Kapitel werde ich beschreiben, wie die jeweiligen Dispositionssichten Ihre
Planung beeinflussen und steuern.

Ich habe schon mehrfach erwähnt, dass ich die meisten meiner Erfahrungen im SAP-
System als Einkäufer und Disponent sammeln konnte, da die relevantesten Felder in
den Sichten der Disposition hinterlegt sind. Ob Sicherheitsbestände,
Mindestlosgrößen oder Lieferzeiten: alles wird in den Dispositionssichten gepflegt.
Die korrekte Nutzung dieser Felder kann wahre Wunder bewirken und Ihnen eine Menge
Zeit und dadurch Kosten sparen.

Da diese Felder enorme Auswirkungen auf Ihr operatives Geschäft haben, ist es umso
wichtiger, die Funktionalitäten zu verstehen. In einem produzierenden und
vertreibenden Unternehmen werden Sie also nicht darum herumkommen, diese Felder zu
pflegen. Mir persönlich liegt es sehr am Herzen, Ihnen speziell diesen Bereich der
Materialstammdaten näherzubringen, da er unheimlich viele Möglichkeiten bietet, Ihr
Unternehmen zu planen, zu steuern und zu überwachen.

6.1 Aufbau der Dispositionsstammdaten

Disposition 1, Disposition 2, Disposition 3, Disposition 4 und Arbeitsvorbereitung:


Das sind die fünf Sichten, die in diesem Abschnitt beschrieben werden. Sie drehen
sich rund um die Planung und Disposition und beinhalten Felder zur Steuerung Ihres
operativen Tagesgeschäftes. Innerhalb dieser Sichten werden unter anderem
Entscheidungen darüber getroffen, ob ein Produkt beschafft oder produziert wird,
mit welchem Dispositionsverfahren gearbeitet werden soll, oder es wird die Höhe des
Sicherheitsbestandes für die jeweiligen Artikel definiert.

Die Entscheidungen über solche Einträge können von Werk zu Werk variieren, daher
sind die Felder in diesen Sichten in der Regel werksspezifischer Natur.

6.2 Sicht »Disposition 1«

Die Sicht Disposition 1 (Abbildung 6.1) beinhaltet die folgenden Segmente:

Allgemeine Daten,
Dispoverfahren,

Losgrößendaten und

Dispositionsbereiche.

Während in den allgemeinen Daten die Felder überwiegend informativen Charakters


sind, geht es in den anderen drei Segmenten mehr um die tatsächliche Steuerung und
Planung des Materials.

Abbildung 6.1: Sicht »Disposition 1«

6.2.1 Allgemeine Daten

Basismengeneinheit

Dieses Feld wurde bereits in Abschnitt 3.2.1 beschrieben. Mehr Informationen


darüber können Sie dort entnehmen.

Dispositionsgruppe

Mit der Dispositionsgruppe können Sie Materialien aus der Sicht der Disposition
zusammenfassen, um ihnen spezielle Steuerungsparameter für die Planung zuzuordnen.
Diese könnten bspw. der Verrechnungsmodus oder der Planungshorizont sein.

Einkäufergruppe

Wie in Abschnitt 5.1.1 beschrieben, gibt das Feld den Schlüssel eines Einkäufers
oder einer Einkäufergruppe an, der bzw. die für bestimmte Einkaufstätigkeiten
zuständig ist.

ABC-Kennzeichen
Wie die Bezeichnung bereits vermuten lässt, können Sie an dieser Stelle das
Material nach seinem Verbrauchswert gemäß der ABC-Analyse, wie sie in der
Betriebswirtschaft definiert ist, klassifizieren.

A: wichtiger Artikel mit hohem Verbrauch,

B: weniger wichtig mit mittlerem Verbrauch,

C: eher unwichtig mit geringem Verbrauch.

Diese Artikel können Sie später über SAP-Standardreports auswerten.

Werksspezifischer Materialstatus

Sie finden die Beschreibung zu diesem und auch dem nächsten Feld Gültig ab in
Abschnitt 3.2.1.

Die beiden Felder ABC-XYZ-Kennzeichen & Planungsrelevant sind speziell für die
Prozesse unseres Unternehmens programmiert und sollten in Ihrem Standardsystem an
dieser Stelle nicht auftauchen.

6.2.2 Dispoverfahren

Dispomerkmal

An dieser Stelle geben Sie vor, wie das Material in Ihrem System geplant werden
soll. SAP bietet im Standard bereits viele Möglichkeiten der Planung an.
Nachfolgend werde ich auf die vier gängigsten eingehen:

ND: Keine Disposition

Damit entscheiden Sie sich, generell keine Planung für dieses Material vorzunehmen.
Egal, ob sich Ihr Bedarf für dieses Material erhöht oder komplett verschwindet, das
System würde an dieser Stelle überhaupt nicht reagieren und keine Elemente
(Planaufträge, Bestellanforderungen, Bestellungen ...) erzeugen, um den Bedarf zu
decken oder eventuelle Zugänge (Bestellungen oder Fertigungsaufträge) zu
stornieren.

PD: Plangesteuerte Disposition

Von den drei gängigsten Dispomerkmalen ist dieses der am meisten verwendete
Standardeintrag in einem normal produzierenden Betrieb. Er plant das Material
basierend auf Ihrer Definition beim Dispositionslauf und erzeugt, je nach
Beschaffungsart, die Zugangselemente (Planaufträge oder Bestellanforderungen).

VB: Manuelle Bestellpunktdisposition

Damit sagen Sie dem System, die Bedarfsplanung des Dispositionslaufs zu ignorieren
und lediglich basierend auf dem Meldebestand zu planen. Das System würde in diesem
Falle ein Zugangselement erzeugen, sobald der Bestand unter den Meldebestand fällt.
Meldebestand – das System verlangt an dieser Stelle einen Eintrag, wenn Sie sich
für das Dispositionsverfahren VB entscheiden. Hier tragen Sie letztendlich manuell
den Wert für den von Ihnen definierten Meldebestand ein.

VM: Maschinelle Bestellpunktdisposition

Wie bei dem Dispoverfahren VB ignoriert das System die Bedarfsplanung des
Dispositionslaufs. Allerdings wird bei diesem Verfahren der Meldebestand nicht
manuell gesetzt, sondern basierend auf historischen Daten vom System automatisch
kalkuliert und angepasst.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Dispomerkmale, die sich mehr oder weniger
voneinander unterscheiden und eventuell auf Ihre Organisation und Entscheidungen
besser zutreffen könnten. Ich stelle Ihnen davon nachfolgend einige mir besonders
wichtig erscheinende vor.

Fixierungshorizont

Der Eintrag an dieser Stelle legt fest, in welchem Zeitraum vom System keine
Änderungen der Planung vorgenommen werden sollen (eingefrorener Bereich).

Fixierungshorizont mit automatischen Bestellabrufen

Während meiner Zeit als Disponent habe ich anstelle von Bestellungen viel mit
Lieferplänen gearbeitet. Diese funktionieren ähnlich wie Bestellungen, allerdings
sind Lieferpläne mehr als Abrufe aus einem Jahresvertrag bzw. Kontrakt zu
verstehen. In einem gewissen Zeitraum geben Sie Ihrem Lieferanten die Freigabe zur
Produktion und rufen lediglich aus dem produzierten Bestand ab. Bei manchen
Artikeln habe ich mit automatischen Lieferabrufen gearbeitet und den dazugehörigen
Lieferanten die Abrufe wöchentlich übermittelt. Ich habe den Fixierungshorizont von
fünf Tagen verwendet, um dem Lieferanten fairerweise keine Änderungen in dem
Zeitraum zu senden, in dem die Ware vielleicht schon versandbereit gemacht wurde
oder vielleicht sogar schon im Transit war. Für dieses Szenario hat sich der
Fixierungshorizont idealerweise angeboten.
Dispositionsrhythmus

Wenn Sie sich bei dem Dispomerkmal für die rhythmische Disposition entscheiden,
können Sie an dieser Stelle den Schlüssel hinterlegen, mit dem Sie festlegen, an
welchem Tag das Material disponiert und bestellt werden soll. Dazu ist es
erforderlich, den gewünschten Planungskalender im SAP-Customizing entsprechend
Ihren Bedarfen zu pflegen.

Disponent

Dies ist der Schlüssel des Disponenten, der diesem Material zugeordnet ist. Je
nachdem, wie Ihre Organisation aufgebaut ist, kann es derselbe Mitarbeiter wie der
Einkäufer sein, oder aber es handelt sich um einen Kollegen mit anderer Funktion
bzw. aus einem anderen Bereich.

Nutzung des Feldes »Disponent«

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen wenige Einkäufer haben, auf die viele Artikel
verteilt sind, kann der Disponent genutzt werden, um gewisse Produkte zu
gruppieren. Dies könnte die Selektion der zu disponierenden Artikel erleichtern. In
meinem operativen Tagesgeschäft war ich der einzige Einkäufer und Disponent an
unserem Standort. Daher war es für mich wenig sinnvoll, die Artikel auf
verschiedene Einkäufergruppen zu verteilen. Ich habe das Feld Disponent genutzt, um
meine Artikel nach Kategorien zu clustern, beispielsweise indem ich alle
Verpackungen, Kleinteile, Granulate oder Lacke in separate Disposchlüssel
unterteilt habe. Mit dieser Eingruppierung konnte ich relativ schnell meine
Produkte pro Kategorie durchplanen. So habe ich etwa zu Beginn der Woche Granulate
und Lacke geplant, Mitte der Woche die Verpackungen und am Ende die restlichen
Produkte. So konnten sich meine Lieferanten ebenfalls auf eine Regelmäßigkeit für
neue Abrufe einstellen.

Ein weiteres Beispiel könnte aber auch sein, dass in Ihrem Unternehmen eine
zweistufige Produktionsplanung eingesetzt wird. Sie haben den Disponenten, der die
Planaufträge in Fertigungsaufträge wandelt und dabei bereits die
Komponentenverfügbarkeit prüft, und Sie haben einen Produktionsplaner, der die
Fertigungsaufträge tatsächlich in die Produktion und die freien Kapazitäten
einplant.

Der Disponent kann also in vielerlei Hinsicht, an Ihre Organisation angelehnt,


genutzt werden.

6.2.3 Losgrößendaten

Dispolosgröße
Mit diesem Feld legen Sie fest, nach welchem Losgrößenverfahren die zu beschaffende
oder zu produzierende Menge errechnet werden soll. Die vom SAP-System angebotenen
Selektionsmöglichkeiten reichen von der exakten Losgrößenberechnung (EX), wie in
Abbildung 6.1 eingetragen, über statische (FX) und periodische (WB/MB) bis hin zu
optimalen Losgrößen (WI). Sie können entweder über die Rundungswerte die Mengen
immer auf die nächste volle Verpackungseinheit aufrunden oder aber nur die
Mindestlosgröße berücksichtigen lassen. Sie können die Materialplanung aber auch
über die maximale Losgröße und den Höchstbestand durchführen lassen.

Mindestlosgröße

Der hier eingetragene Wert ist die kleinste erlaubte Menge bei einem
Beschaffungsvorgang. Diese Menge darf nicht unterschritten werden und wird bei der
Anlage von Planaufträgen und Fertigungsaufträgen berücksichtigt.

Maximale Losgröße

Dies ist analog die maximal erlaubte Menge bei einem Beschaffungsvorgang. Diese
Menge darf nicht überschritten werden und wird ebenso bei der Anlage von
Planaufträgen und Fertigungsaufträgen berücksichtigt.

Höchstbestand

Bei diesem Wert handelt es sich um die maximal erlaubte Menge für das gesamte Werk.
Das Feld ist logischerweise werksspezifisch und wird nur im Zusammenhang mit der
Dispolosgröße HB – Auffüllen bis Höchstbestand verwendet.

Baugruppenausschuss (%)

Wenn Sie für ein Produkt einen wiederkehrenden Ausschuss haben, können Sie an
dieser Stelle den maximal zulässigen Prozentwert an Ausschuss eintragen. Dieser
erhöht anschließend den Bedarf um die eingetragene Höhe. Wenn Sie z.B. einen Bedarf
von 100 St. haben und einen Ausschuss von 10 % hinterlegen, so wird das System mit
einem Bedarf von 110 St. planen.
Taktzeit

Sofern Sie aus Kapazitätsgründen die Bedarfsmenge nicht auf einmal beschaffen
können, wird die Taktzeit genutzt, um die Zugänge entsprechend zeitlich versetzt
einzuplanen.

Rundungsprofil

Wie in Abschnitt 4.2.3 bereits beschrieben, bietet das Rundungsprofil eine noch
umfangreichere Möglichkeit, die Mengen zu beeinflussen. Es ist an dieser Stelle
ebenfalls erwähnt, da es sowohl im Vertriebsprozess als auch im Beschaffungsprozess
angewandt werden kann.

Rundungswert

Sofern Sie sich gegen die Nutzung des Rundungsprofils entscheiden, können Sie an
dieser Stelle die Menge eintragen, auf die das System den Beschaffungsvorschlag
mindestens aufrundet. Wenn Ihr Bedarf geringer ist als der hier eingetragene Wert,
wird das System das Zugangselement (Planauftrag oder Bestellanforderung) auf diesen
Wert aufrunden.

Mengeneinheitengruppe

Wie in Abschnitt 4.2.1 bereits beschrieben, können Sie mit einer


Mengeneinheitengruppe die für einen bestimmten Empfänger erlaubten Mengeneinheiten
eines Materials definieren.

6.2.4 Dispositionsbereiche

Wenn Sie im Customizing die Einstellungen für Dispositionsprofile hinterlegt haben,


können Sie die Dispositionsbereiche nutzen. Diese bieten Ihnen die Möglichkeit,
eine eigenständige Planung abweichend von Ihrer Hauptplanung einzurichten. Wieso
sollten Sie das tun, fragen Sie sich? Nun ja, es kann mehrere Gründe geben.

Nehmen wir mal an, Sie haben einen Hauptdispositionsbereich, in dem Sie
üblicherweise alle Bedarfe und Bestände sehen, und richten einen weiteren
Dispositionsbereich ein, der Ihnen nur besondere Bedarfe angezeigt, die separat
geplant werden sollen. Dies könnten beispielsweise Ersatzteile sein. In dem
zusätzlichen Dispositionsbereich haben Sie die Möglichkeit, andere Dispoverfahren
und Losgrößendaten zu hinterlegen und können ebenfalls die Entscheidung treffen,
wie dieser zusätzliche Dispositionsbereich versorgt werden soll: direkt
hineinfertigen oder per Umlagerungen aus dem Hauptdispositionsbereich versorgen.

Diese und noch viele weitere Optionen bietet Ihnen die Nutzung eines
Dispositionsbereiches.

Nutzung eines Dispositionsbereiches

Das Unternehmen A fertigt ein Produkt an zwei unterschiedlichen Standorten, die


beide demselben Werk zugeordnet sind. In jedem dieser Standorte setzt das
Unternehmen unterschiedliche Fertigungsverfahren für das Produkt ein. Sie wiederum
nutzen für jedes der Fertigungsverfahren eine andere Fertigungsversion und planen
diese separat in den unterschiedlichen Dispositionsbereichen (Dispositionsbereich A
& B). Die Materialversorgung allerdings erfolgt aus dem Dispositionsbereich A an
den Dispositionsbereich B. Sie haben also in zwei unterschiedlichen Bereichen, die
demselben Werk zugeordnet sind, Fertigungsaufträge im System, und die
Dispoverfahren sowie Losgrößendaten und Durchlaufzeiten können voneinander
abweichen.

6.3 Sicht »Disposition 2«

Dieser Bereich setzt sich aus drei Segmenten zusammen: Beschaffung, Terminierung
und Nettorechnung (Abbildung 6.2). Während Sie in dem Segment Beschaffung
festlegen, ob das Produkt beschafft oder produziert wird, ermöglicht Ihnen das
Segment Terminierung, die Wiederbeschaffungszeit zu hinterlegen. In der
Nettobedarfsrechnung kann unter anderem der Sicherheitsbestand eingetragen werden.

Abbildung 6.2: Sicht »Disposition 2«

6.3.1 Beschaffung

Beschaffungsart

An dieser Stelle treffen Sie eine wesentliche Entscheidung für die weitere
Steuerung Ihres Artikels: Beschaffen oder produzieren Sie den Artikel? Die
folgenden drei Auswahlmöglichkeiten bietet Ihnen das System:

Eigenfertigung (E): Sofern Sie sich für diese Beschaffungsart entscheiden, wird das
System nach einer gültigen Stückliste und einem gültigen Arbeitsplan suchen. Wenn
diese angelegt und dem Material entsprechend zugeordnet sind, wird das System beim
nächsten Dispositionslauf Planaufträge generieren, die anschließend in
Fertigungsaufträge umgewandelt werden können. Je nachdem, ob Sie
Produktionsversionen verwenden, müssten Stückliste und Arbeitsplan den jeweiligen
Fertigungsversionen zugeordnet werden.

Fremdbeschaffung (F): Bei dieser Beschaffungsart wird das System nach einem
gültigen Infosatz und Orderbuch suchen. Der Infosatz beinhaltet die Information,
bei welchem Lieferanten und zu welchen Konditionen das Produkt beschafft wird. Das
Orderbuch stellt die Verbindung zwischen Material und Infosatz her. Je nach Ihrer
Systemeinstellung wird das System beim nächsten Dispositionslauf einen Planauftrag
oder eine Bestellanforderung als Beschaffungsvorschlag erzeugen, den bzw. die Sie
anschließend in eine Bestellung umsetzen können. Mehr Informationen zum Thema
»Infosatz und Orderbuch« finden Sie im Kapitel 5.

Beide Beschaffungsarten (X): In diesem Fall wird das System beim nächsten
Dispositionslauf einen Planauftrag erzeugen, und erst beim anschließenden Umsetzen
muss entschieden werden, ob ein Fertigungsauftrag oder eine Bestellung angelegt
werden soll. Die Voraussetzungen sind dieselben wie bei den einzelnen
Beschaffungsarten: eine gültige Stückliste und ein Arbeitsplan für die
Eigenfertigung sowie ein Infosatz und Orderbuch für die Fremdbeschaffung.

Chargenerfassung

Dieses Kennzeichen steuert, zu welchem Zeitpunkt die Chargen beim Fertigungsprozess


bestimmt werden müssen. Es bezieht sich auf die Komponenten eines Auftrages und
nicht auf das zu fertigende Endprodukt. Sie haben die Möglichkeit, zwischen
automatischer (3) oder manueller Zuordnung (1) bei Auftragsfreigabe oder manueller
Zuordnung beim Warenausgang (blank) zu wählen.

Sonderbeschaffungsart

Dieses Feld ermöglicht eine detailliertere Angabe über die Beschaffungsart. Im


Standard bietet Ihnen SAP bereits eine Vielzahl von Selektionsmöglichkeiten. Über
»Konsignation«, »Umlagerung« bis hin zu »Lohnbearbeitung« können Sie die
Beschaffungsart noch präziser definieren. Die Beschaffungsarten lassen sich
beliebig ihren Anforderungen gemäß im Customizing erweitern.

Sonderbeschaffungsart »Lohnbearbeitung«

Das Unternehmen A vertreibt ein medizinisch relevantes Produkt, welches bis zu


einem gewissen Teil an einem anderen Standort (Standort T) gefertigt wird. Sowohl
das Unternehmen A als auch der Standort T haben nicht die Technologien, um das
Endprodukt den Anforderungen gemäß zu sterilisieren. Das Unternehmen A beschafft
per Intercompany-Beziehung am Standort T das unsterile Produkt und beauftragt einen
Lohnbearbeiter (LB), die Sterilisierung durchzuführen, da dieser darauf
spezialisiert ist und über die technologischen Voraussetzungen verfügt. Die
Abwicklung zwischen dem Unternehmen A und dem Lohnbearbeiter (LB) findet per
Lohnbearbeitungsbestellungen statt. In diesem Prozess stellt das Unternehmen A dem
Lohnbearbeiter (LB) das unsterile Produkt zur Verfügung und löst anschließend eine
Lohnbearbeitungsbestellung aus. Diese enthält eine Stückliste mit dem unsterilen
Produkt und einen Liefertermin für das sterile Endprodukt, der gemäß der
Planlieferzeit (Dauer der Sterilisation und Rücktransport), kalkuliert ist. Mit dem
Sonderbeschaffungsschlüssel 30 wird dieser Lohnbearbeitungsprozess aktiviert.

Voraussetzung für die Nutzung des Lohnbearbeitungsprozesses ist unter anderem eine
gültige Lohnbearbeitungsstückliste auf dem zu beschaffenden Material, welche die
Komponenten beinhaltet, die von dem beauftragenden Unternehmen bereitgestellt
werden.

Produktionslagerort

In diesem Feld wird der Lagerort eingetragen, der bei eigengefertigten Produkten in
die Plan- und Fertigungsaufträge übernommen wird. Er legt fest, an welchem Lagerort
das gefertigte Produkt landen soll, nachdem die Wareneingangsbuchung auf dem
Fertigungsauftrag erfolgt ist.

Bei fremdbeschafften Artikeln bzw. bei Komponenten ist dies der Lagerort, von dem
das Material retrograd entnommen wird.

Quotierungsverwendung

Dieses Feld wurde bereits beschrieben. Nähere Informationen können Sie im Abschnitt
5.1.3 nachschlagen.

Vorschlags-Produktionsversorgungsbereich

Der Produktionsversorgungsbereich (PVB) dient als Pufferlager in der Fertigung, um


Material direkt für die Produktion bereitzustellen. Das Feld wird im Zuge der
KANBAN-Steuerung verwendet und dient in erster Linie als Vorschlagswert für dieses
Material.

Retrograde Entnahme

Unter retrograder Entnahme versteht man die Verbrauchsbuchung einer Komponente im


Zuge der Rückmeldung eines Fertigungsauftrages. Mit der Auswahl in diesem Feld
entscheiden Sie darüber, ob die retrograde Entnahme für dieses Material generell
stattfinden soll oder der Arbeitsplatz darüber entscheidet.
Fremdbeschaffung Lagerort

Für fremdbeschaffte Artikel ist dies der Schlüssel für den Empfangslagerort,
welcher in die Bestellanforderungen bzw. in die Bestellungen als Vorschlagswert
herangezogen wird. Im SAP-Customizing wird zu dem jeweiligen Lagerort die Adresse
hinterlegt, die anschließend bspw. auf einer Bestellung an den Lieferanten
angedruckt wird. Im Falle eines fremdbeschafften Artikels sollte das die
Anlieferadresse für die Warenannahme Ihres Unternehmens sein.

Feinabruf

Dieses Feld befindet sich auch unter Sonstige Daten/Herstellerdaten in der


Einkaufssicht; die genaue Beschreibung entnehmen Sie Abschnitt 5.1.3.

Bestandsfindungsgruppe

Zusammen mit der Bestandsfindungsregel bildet die Bestandsfindungsgruppe die


Bestandsfindungsstrategien auf Werksebene. Diese steuern wiederum die
materialbezogene Bestandsfindung.

Kuppelprodukt

Mit diesem Kennzeichen erlauben Sie, dass ein Material als Kuppelprodukt verwendet
werden kann. So bezeichnet man die während eines Produktionsverfahrens anfallenden
Nebenprodukte, die zusätzlich zum Hauptprodukt entstehen, bspw. die Produktion von
Benzin und Diesel bei der Verarbeitung von Erdöl.

Schüttgut

Als Schüttgut werden lose Materialien bezeichnet, die in der Regel


verbrauchsgesteuert disponiert werden und somit nicht in die Nettobedarfsrechnung
eingehen. Das Kennzeichen an dieser Stelle ist ein Indikator dafür, dass das
Material direkt am Arbeitsplatz zur Verfügung steht.
6.3.2 Terminierung

Eigenfertigungszeit

In diesem Feld definieren Sie die Anzahl an Tagen, die in der Eigenfertigung
benötigt wird, um das Produkt herzustellen. Sie ist als losgrößenunabhängig
definiert. Diese Angabe berücksichtigt den in Ihrem Werk hinterlegten
Fabrikkalender und erfolgt demnach in Werktagen.

Planlieferzeit

Über dieses Feld definieren Sie die benötigte Anzahl an Kalendertagen, um das
fremdbeschaffte Material zu beschaffen. Wenn Sie mehrere Lieferanten für ein
Produkt haben, würden Sie an dieser Stelle einen Mittelwert aller zugehörigen
Lieferanten eintragen oder im SAP-Customizing hinterlegen, dass die Planlieferzeit
aus dem Infosatz die Planlieferzeit aus dem Materialstamm übersteuert.

Wareneingangsbearbeitungszeit

Dies ist die Anzahl an Tagen, die benötigt wird, um den Wareneingang durchzuführen.
Dazu zählen die Prüfung und Einlagerung nach Anlieferung des Materials. Mehr
Informationen zu der WE-Bearbeitungszeit finden Sie im Kapitel 5.

Planungskalender

An dieser Stelle können Sie den Planungskalender aktivieren, den Sie zuvor im
Customizing festgelegt haben. Beispielsweise können Sie mithilfe dieses Feldes
einen festen Anliefertag des Lieferanten definieren. Im Zusammenhang mit dem
Dispositionsmerkmal plangesteuerte Disposition und dem Disposlosgrößenverfahren
Periodenlosgröße nach Planungskalender können Sie den Planungskalender an dieser
Stelle aktivieren.

Abwicklung über den Planungskalender

Herr Huber beschafft einen großvolumigen Artikel, der über mehrere Lieferungen
verteilt angeliefert werden muss, um den Wochenbedarf für die Produktion zu decken.
Um zu vermeiden, dass das Arbeitsaufkommen im Lager konzentriert anfällt, indem er
mehrere Lieferungen des Artikels am selben Tag kommen lässt, verwendet er den
Planungskalender und definiert feste Anliefertage für diesen Artikel. Diese stimmt
Herr Huber zudem mit seinem Lieferanten ab und stellt den gewünschten Schlüssel im
Feld Planungskalender ein. Die von ihm gewählte Kombination ist »Anlieferung
dienstags und donnerstags«. Nach dem nächsten Dispositionslauf wird das System
Beschaffungsvorschläge mit Anlieferungen an diesen beiden Wochentagen generieren.
Dadurch werden sowohl der Bedarf als auch der logistische Aufwand über die Woche
nivelliert.

Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, dass die Arbeit mit dem Planungskalender
eine gewisse Stabilität und Routine in die Versorgungskette bringt.

Falsch eingesetzter Planungskalender führt zu Mehraufwand!

An dieser Stelle möchte ich noch einmal erwähnen, dass es sich nicht empfiehlt, den
Planungskalender mit dem großen Kamm über alle Materialien hinweg einzustellen. Die
Auswahl sollte gezielt für einige wenige Artikel stattfinden, und im optimalen
Falle sollte es eine gemeinsame Reise mit dem Lieferanten sein. Starten Sie daher
am besten mit einem Artikel, der einen stabilen Bedarf hat, und einem Lieferanten,
der Sie zuverlässig beliefert. Nur dann wird Ihnen der Planungskalender helfen und
nicht das Gegenteil bewirken – Mehraufwand!

Horizontschlüssel

Mit diesem Schlüssel legen Sie die für die Terminierung eines Auftrages benötigte
Pufferzeit fest. Dazu wählen Sie eine der folgenden, zuvor im Customizing
gepflegten Pufferzeiten:

Eröffnungshorizont:

Zeitpunkt, ab dem der Planauftrag (bei Eigenfertigung) oder die Bestellanforderung


(bei Fremdbeschaffung) in einen Fertigungsauftrag oder eine Bestellung gewandelt
werden soll.

Sicherheitszeit:

Anzahl an Tagen, die als Puffer zwischen dem terminierten Ende und dem Eckendtermin
eines Fertigungsauftrages geplant sind. Dies gilt nur für eigengefertigte Produkte
und wird in Arbeitstagen gerechnet.

Vorgriffszeit:

Anzahl an Tagen, die als Puffer zwischen dem terminierten Starttermin und dem
Eckstarttermin eines Fertigungsauftrages geplant sind. Dies gilt nur für
eigengefertigte Produkte und wird in Arbeitstagen gerechnet.

Freigabehorizont:
Anzahl an Tagen, die zwischen dem geplanten Starttermin und der tatsächlichen
Auftragsfreigabe zum Fertigungsstart eines Auftrages geplant sind. Auch dieser ist
nur für eigengefertigte Produkte gültig und wird in Arbeitstagen berechnet.

6.3.3 Nettobedarfsrechnung

Sicherheitsbestand

An dieser Stelle können Sie den von Ihnen definierten Sicherheitsbestand


hinterlegen. Ist dieser unterschritten, wird das System einen Beschaffungsvorschlag
generieren, um den Bestand wieder aufzufüllen. Dabei berücksichtigt das System
unter anderem die zuvor eingestellten Mindestlosgrößen, Rundungswerte und
Planlieferzeiten. Je nachdem, ob es sich um ein eigengefertigtes oder ein
fremdbeschafftes Produkt handelt, wird das System das zugehörige Element einplanen
(Planauftrag oder Bestellanforderung).

Lieferbereitschaftsgrad (%)

Dieses Feld dient dem System zur Errechnung des Sicherheitsbestandes. Je höher
dieser Wert ist, desto höher kalkuliert das System den Sicherheitsbestand.

Mindest Sicherheitsbestand

Dies ist die von Ihnen vorgegebene Mindestmenge eines Sicherheitsbestandes. Wenn
Ihr System einen Sicherheitsbestand kalkuliert, der unterhalb dieses Wertes liegt,
wird der Sicherheitsbestand mit dem hier eingetragenen Wert hinterlegt.

Reichweitenprofil

Mit diesem Profil können Sie im Customizing die dynamische Sicherheitsberechnung


einstellen. Damit würde in der vorgegebenen Periode, basierend auf
durchschnittlichen Tagesverbräuchen, der Sicherheitsbestand aktuell kalkuliert
werden.
Bedarfsvorlaufkennzeichen

Mithilfe dieses Schlüssels können Sie bei der Bedarfsplanung für das Material einen
Bedarfsvorlauf einschalten. Dieser bewirkt, dass die Bedarfe um die festgelegte
Anzahl von Tagen terminlich vorgezogen werden. Sie haben an dieser Stelle die
Möglichkeit, den Bedarfsvorlauf für Primärbedarfe oder für alle Bedarfe zu
berücksichtigen.

Arbeiten mit einem Bedarfsvorlauf

Der Bedarfsvorlauf kann verwendet werden, um das Material früher als benötigt am
Lager zu haben; entweder durch Fremdbeschaffung oder mittels Eigenfertigung, je
nach der eingestellten Beschaffung des Materials. Wenn die Fertigungsplanung die
Fertigungsaufträge teilweise vorziehen muss, um eine Bedarfsspitze abzufangen, kann
mithilfe des Bedarfsvorlaufs sichergestellt werden, dass das Material bereits zur
Verfügung steht, um den Fertigungsauftrag bedienen zu können. Es gibt durchaus
Beispiele, bei denen die Planung die Aufträge bis zu zwei Wochen vorterminiert, um
die Bedarfe zu nivellieren. Wenn also auf den Komponenten ein Bedarfsvorlauf von
zwei Wochen eingestellt wurde, würde das Material bereits zwei Wochen vor dem
Bedarf ans Lager geliefert werden. Dadurch wäre sichergestellt, dass die
Komponenten verfügbar sind, wenn die Fertigungsplanung ihren Fertigungsauftrag
wieder um eine oder zwei Wochen vorzieht.

Bedarfsvorlaufzeit (in Arbeitstagen)

An dieser Stelle definieren Sie die Anzahl der als Bedarfsvorlauf benötigten Tage.

Bedarfsvorlauf-Periodenprofil

Um saisonal bedingte Bedarfsschwankungen abzufangen, können Sie für frei


definierbare Perioden eine andere Bedarfsvorlaufzeit vorgeben. Diese wird im
Customizing der Bedarfsplanung eingestellt.

6.4 Sicht »Disposition 3«

Die Sicht Disposition 3 (Abbildung 6.3) besteht aus den Segmenten

Prognosebedarfe,

Vorplanung,
Verfügbarkeitsprüfung und

Werksspezifische Konfiguration.

Die Felder der Segmente Prognosebedarfe und Vorplanung helfen Ihnen bei der Planung
und Verrechnung mit einem Forecast. Hier entscheiden Sie unter anderem, wie der
Forecast zu verrechnen ist und welche Perioden berücksichtigt werden. In dem
Segment der Verfügbarkeitsprüfung geben Sie dem System vor, wie z.B. die Ermittlung
des Liefertermins an den Endkunden erfolgen soll. Im letzten Segment dieser Sicht
geht es um die Konfiguration eines Produktes.

Abbildung 6.3: Sicht »Disposition 3«

6.4.1 Prognosebedarfe

Periodenkennzeichen

Wenn Sie mit einem Forecast arbeiten, entscheiden Sie an dieser Stelle, in welchem
Intervall die Verbrauchs- und Prognosewerte des Materials geführt werden. Sie
können sich zwischen täglichen (T), wöchentlichen (W) oder monatlichen (M) Perioden
entscheiden. Darüber hinaus können Sie persönliche Varianten customizen, die auf
Ihre Organisation zugeschnitten sind.

Geschäftsjahresvariante

Hiermit können Sie festlegen, wie viele Buchungsperioden ein Geschäftsjahr hat, wie
viele Sonderperioden Sie benötigen und wie das System die Buchungsperioden
ermitteln soll.

Aufteilungskennzeichen

Dieses Kennzeichen legt fest, wie das System bei stochastischer Disposition den
Prognosebedarf in kleinere Zeitintervalle aufteilt.

6.4.2 Vorplanung
Strategiegruppe

Über diesen Schlüssel fassen Sie die für ein Material möglichen Planungsstrategien
zusammen. Im SAP-Standard wird bereits ein breites Spektrum an Strategiegruppen
mitgeliefert. Diese reichen von »anonymer Lagerfertigung« über »Losfertigung«,
»Vorplanung mit oder ohne Endmontage« bis hin zur »Variantenvorplanung«. Wenn Sie
sich allerdings in einem weitaus komplexeren Planungsszenario befinden, können Sie
darüber hinaus die auf Sie zugeschnittene Planungsstrategie im Customizing
definieren.

Verrechnungsmodus

An dieser Stelle legen Sie fest, ob und wie die Vorplanbedarfe gegen tatsächliche
Kundenbedarfe verrechnet werden sollen. Sie können wählen zwischen:

Ausschließlich Rückwärtsverrechnung (1): Vorplanbedarfe, die vor der Periode eines


Kundenauftrages oder einer Reservierung liegen, werden vom System verrechnet, wenn
bspw. ein neuer Kundenauftrag angelegt wird.

Rückwärts-/Vorwärtsverrechnung (2): Bei Anlage eines neuen Kundenauftrages werden


zunächst die offenen Vorplanbedarfe in vergangenen Perioden verrechnet, bevor die
Vorplanbedarfe aus zukünftigen Perioden betrachtet werden.

Ausschließlich Vorwärtsverrechnung (3): Vorplanbedarfe, die nach der Periode eines


Kundenauftrages oder einer Reservierung liegen, werden vom System verrechnet, wenn
bspw. ein neuer Kundenauftrag angelegt wird.

Vorwärts-/Rückwärtsverrechnung (4): Bei Anlage eines neuen Kundenauftrages werden


zunächst die offenen Vorplanbedarfe in zukünftigen Perioden verrechnet, bevor die
Vorplanbedarfe aus vergangenen Perioden betrachtet werden.

Verrechnungsintervall rückwärts

Die Anzahl an Tagen, die das System bei der Periode während der
Rückwärtsverrechnung betrachten soll. Innerhalb dieses Zeitraums werden die
Perioden in der Vergangenheit betrachtet.

Verrechnungsintervall vorwärts

Die Anzahl an Tagen, die das System bei der Periode während der Vorwärtsverrechnung
betrachten soll. Innerhalb dieses Zeitraums werden die Perioden in der Zukunft
betrachtet.

Mischdisposition

Dieses Feld können Sie nutzen, um festzulegen, wie eine Baugruppenvorplanung


erfolgen soll. Sie haben die Wahl zwischen Baugruppenvorplanung mit und ohne
Endmontage oder die Bruttoplanung.

Vorplanmaterial

Hier geben Sie die Artikelnummer des Materials an, mit dessen Planprimärbedarf der
Kundenbedarf des vorliegenden Materials verrechnet werden soll. Bei
konfigurierbaren Materialien könnte an dieser Stelle die Standardvariante des
Produktes eingetragen werden, welche nicht gefertigt wird, allerdings für die
Vorplanung von Gleichteilungen und Verrechnung von Planprimärbedarfen verwendet
werden kann.

Vorplanungswerk

Dieses Feld wird im Zusammenhang mit dem Feld Vorplanmaterial verwendet. Der hier
eingetragene Schlüssel gibt an, aus welchem Werk das Vorplanmaterial stammt.

Vorplanungsumrechnungsfaktor

An dieser Stelle wird der Faktor eingetragen, mit dem das System die
Basismengeneinheit des aktuellen Materials in die des Vorplanungsmaterials
umrechnet.

Vorplanungs-BME

Die Basismengeneinheit des Vorplanungsmaterials wird an dieser Stelle eingetragen.


6.4.3 Verfügbarkeitsprüfung

Verfügbarkeitsprüfung

Dies ist identisch zu dem in Kapitel 4 beschriebenen Feld. Damit wird gesteuert,
wie die Bedarfsermittlung und Verrechnung stattfinden. Nähere Informationen können
Sie im Abschnitt 4.4.1 nachschlagen.

Gesamtwiederbeschaffungszeit

An dieser Stelle tragen Sie die Gesamtdauer ein, die für das Zur-Verfügung-Stellen
des Produktes benötigt wird. Es ist die Summe aus Eigenfertigungszeit und
Planlieferzeit des längsten Fertigungspfades oder der Komponente. Sie
berücksichtigt demnach die Dauer für alle Fertigungsschritte inkl.
Pufferzeiten/Liegezeit sowie die Komponente mit der längsten Lieferzeit.

Wenn bspw. Ihre Fertigungszeit inkl. Pufferzeiten 30 Tage beträgt und das Produkt
eine Komponente in der Stückliste enthält, die 50 Tage Planlieferzeit hat,
resultiert daraus eine Gesamtwiederbeschaffungszeit von 80 Tagen. Das Feld ist
werksspezifisch.

Korrektes Anwenden der Gesamtwiederbeschaffungszeit

Das Feld kann verwendet werden, um dem Kunden gegenüber die richtigen Zeiten zu
bestätigen und damit die Liefertreue zu verbessern. Wenn Sie beispielsweise eine
auftragsbezogene Fertigung ohne Vorplanung verwenden, können Sie an dieser Stelle
die benötigte Eigenfertigungszeit und die Komponentenlieferzeit eintragen, damit
dem Kunden ein realistischer Liefertermin bestätigt wird. Dieses Feld wird von der
Verfügbarkeitsprüfung (beschrieben in Kapitel 4) im Kundenauftrag berücksichtigt,
sofern es gepflegt ist.

In einem Make-to-Order-Szenario wird das System es nicht zulassen, einen


Kundenauftrag innerhalb einer Zeit zu bestätigen, die kürzer als die gepflegte
Gesamtwiederbeschaffungszeit ist. Es sei denn, es bestehen bereits angelegte
Fertigungsaufträge oder Bestände ohne Reservierungen für andere Kunden. Es ergibt
allerdings keinen Sinn, hier nur die Lieferzeit der Komponenten einzugeben, da
diese in das Feld Planlieferzeit eingetragen wird. Andernfalls wird bei der
Verfügbarkeitsprüfung bei der Auftragsanlage mit einem falschen Wert gerechnet.

Ich empfehle bewusst, dieses Feld zu verwenden, da ich aus eigener Erfahrung
feststellen konnte, dass sich allein durch die Pflege dieses Feldes die Liefertreue
an die Kunden signifikant steigern lässt und eine Stabilität in der gesamten Supply
Chain realisierbar ist.
Projektübergreifendes Material

Mit dem Kennzeichen legen Sie fest, ob die Bestände für dieses Material auch
außerhalb der kontierten Projektbestände berücksichtigt werden sollen.

6.4.4 Werksspezifische Konfiguration

Konfigurierbares Material

Für dieses Feld gelten dieselben Eigenschaften wie in Abschnitt 3.3.5 beschrieben,
allerdings ist dieses ein werksspezifisches Feld.

Variante

Das bereits in Abschnitt 3.3.5 beschriebene Kennzeichen bezieht sich an dieser


Stelle, ebenso wie das nächste Feld Vorplanungsvariante, auf die werksspezifischen
Einstellungen zur Materialkonfiguration.

Bewertung Variante/Vorpl. Variante

Mit Klick auf dieses Symbol gelangen Sie in eine andere Maske, in der die
Planungsvarianten des konfigurierbaren Materials eingestellt werden können.

6.5 Sicht »Disposition 4«

Die letzte Sicht (Abbildung 6.4) der Einstellungen zur Disposition besteht aus vier
Segmenten:

Stücklistenauflösung/Sekundärbedarfe,

Auslaufsteuerung,

Serienfertigung/Montage/Deploymentstrategie und

Lagerortdisposition.
Hier können unter anderem die Versionskennzeichen und ein Nachfolgematerial für
einen Artikel hinterlegt werden. Darüber hinaus können Sie in dieser Sicht die
separate Lagerortdisposition eines Materials aktivieren.

Abbildung 6.4: Sicht »Disposition 4«

6.5.1 Stücklistenauflösung/Sekundärbedarfe

Alternative Selektion

Mit diesem Schlüssel können Sie die Stücklistenalternative auswählen. Ein und
dasselbe Produkt kann z.B. aufgrund unterschiedlicher Herstellungsverfahren durch
verschiedene Stücklisten abgebildet werden. In einem produzierenden Unternehmen ist
es nicht unüblich, mehrere Stücklistenalternativen zu haben. Sie können die
Auflösung nach vier möglichen Verfahren durchführen lassen:

Nach Auftragsmenge (blank) – Hierbei wählt das System die Stücklistenalternative,


in deren Losgrößenbereich die Auftragsmenge liegt. Der Losgrößenbereich muss in der
Stückliste vorher definiert sein, und die Stückliste muss im Gültigkeitszeitraum
des Bedarfs liegen.

Nach Auflösungstermin (1) – Das System wählt die Stücklistenalternative aus, die
innerhalb des Auflösungstermins gültig ist.

Nach Fertigungsversion (2) – Hierbei wählt das System die Stücklistenalternative


aus, die in der gültigen Fertigungsversion hinterlegt ist. Sie können mehrere
Fertigungsversionen für ein Produkt gepflegt haben, die über Gültigkeitszeiträume
gesteuert sind. Entsprechend diesen Zeiträumen und dem Auflösungsdatum wählt das
System die für die zugehörige bzw. zu dem Zeitpunkt gültige Version hinterlegte
Stücklistenalternative aus.

Zwingend nach Fertigungsversion (3) – Mit dieser Selektion wählt das System die
Stücklistenalternative aus, die in der zum Auflösungstermin gültigen
Fertigungsversion hinterlegt ist. Wird keine gültige Fertigungsversion gefunden,
kann das System keine Fertigungsaufträge anlegen.

Komponentenausschuss (%)

Diese Angabe legt fest, um wie viel Prozent der Komponentenbedarf erhöht wird. Der
Komponentenausschuss wird in der Materialdisposition zur Ermittlung der korrekten
Bedarfs- bzw. Einsatzmengen für die Komponenten verwendet. Der Eintrag hat direkten
Einfluss auf die Bedarfs- und Bestandsliste.
Einzel-/Sammel-Kennzeichen

An dieser Stelle geben Sie vor, wie die Sekundärbedarfe des Materials gesteuert
werden sollen: einzeln oder kumuliert. Entscheiden Sie sich für den »Einzelbedarf«,
wird das System die Bedarfe eines jeden Kundenauftrages individuell planen. Bei
einem »Sammelbedarf« jedoch würde das System die Bedarfe in demselben Zeitraum
kumulieren. Die Zusammenfassung von Bedarfen kann sinnvoll sein, wenn Sie dasselbe
Produkt für mehrere Kunden fertigen, um den Leistungsgrad der Produktion zu
steigern.

Bedarfszusammenfassung

Mit diesem Schlüssel können Sie festlegen, ob die Bedarfe eines Materials in der
Bedarfs- und Bestandsliste (MD04) alle einzeln aufgelistet oder tageweise
zusammengefasst werden sollen. Die Zusammenfassung an einem Tag kann durchaus
zweckmäßig sein, um Ihre Bedarfs- und Bestandsliste übersichtlich zu halten. Ein
Beispiel, wie das Ganze aussehen kann, können Sie der Abbildung 6.5 entnehmen.

Abbildung 6.5: Bedarfszusammenfassung

Versionskennzeichen

Dieses Feld wird aktiviert, sobald Sie eine gültige Fertigungsversion für ein
Produkt angelegt haben.

Fertigungsversion

Über diesen Button gelangen Sie in ein weiteres Fenster, wo Sie die Einstellungen
zu den Fertigungsversionen vornehmen können. Die Versionen können verwendet werden,
um das Produkt mit der gültigen Stückliste und einem Arbeitsplan zu verknüpfen,
welche der jeweiligen Fertigungsversion entsprechen (Abbildung 6.6). Die Nutzung
dieser Fertigungsversionen kann durchaus sinnvoll sein, wenn Sie beispielsweise für
ein und dasselbe Produkt zwei verschiedene Fertigungsverfahren haben. Dabei können
die Stückliste und der Arbeitsplan voneinander abweichen.

Abbildung 6.6: Fertigungsversion – Übersicht


Dispositionsrelevanz

Dieses Kennzeichen wird nur in Verbindung mit der Planungsstrategie für anonyme
Lagerfertigung/Baugruppenvorplanung verwendet und steuert, ob abhängige Bedarfe,
wie Reservierungen oder Sekundärbedarfe, dispositionsrelevant sind oder nicht.

6.5.2 Auslaufsteuerung

Im Zuge der Auslaufsteuerung eines Materials sind die nachfolgend beschriebenen


drei Felder zu verwenden. Sie arbeiten zusammen und müssen bei Einsatz dieser
Funktion alle drei gepflegt werden. Das System würde in dem in Abbildung 6.7
gezeigten Fall eine Information ausgeben, dass es sich bei dem angegebenen Material
um einen Auslaufartikel handelt, der von dem Nachfolgematerial abgelöst wird. Die
Sekundärbedarfe werden an das Nachfolgematerial weitergeleitet, sobald sie vom
Lagerbestand des Auslaufmaterials nicht mehr gedeckt werden können. Damit haben Sie
die Möglichkeit, einen Auslauf langfristig zu planen.

Abbildung 6.7: Beispiel Auslaufkennzeichen in der MD04

Auslaufkennzeichen

Hierüber identifizieren Sie das Material als Auslaufmaterial bei der Disposition.

Auslaufdatum

Das Datum, ab dem das Material ausläuft und durch das Nachfolgematerial ersetzt
wird, sobald der Bestand aufgebraucht ist. Zu diesem Zeitpunkt werden die
Sekundärbedarfe, die nicht mehr durch den Lagerbestand des Auslaufmaterials gedeckt
sind, an das Nachfolgematerial weitergeleitet.

Nachfolgematerial

Hier wird schließlich das Material eingetragen, welches das Auslaufmaterial ablöst.
6.5.3 Serienfertigung/Montage/Deploymentstrategie

Serienfertigung

Das Setzen dieses Kennzeichens sagt dem System, dass dieses Material für die
Serienfertigung zugelassen ist. Als Serienfertigung bezeichnet SAP eine Komponente
im SAP-System zur Planung und Steuerung von Serien- und Fließfertigung.

Serienfertigungsprofil

Um die Serienfertigung nutzen zu können, müssen Sie entsprechend ein Profil im


Customizing pflegen. Dieses steuert über die Auftragsart, ob eine Kundeneinzel-
Serienfertigung (basierend auf Kundenaufträgen) oder eine Lager-Serienfertigung
(anonym) stattfindet.

Aktionssteuerung

Mit dieser Funktion lassen sich z.B. eine oder mehrere Aktionen für eine größere
Anzahl von Planaufträgen in einem Schritt abwickeln, die andernfalls alle einzeln
pro Planauftrag durchgeführt werden.

Fair-Share-Regel

Diese Regel kann angewandt werden, wenn der Bedarf das Angebot übersteigt. Damit
legen Sie fest, ob der Bestand proportional über alle Vertriebsbereiche gemäß dem
Bedarf in den Distributionszentren verteilt werden soll oder ob die Bestände in den
einzelnen Distributionszentren auf ungefähr den gleichen Prozentsatz ihres
Ziellagerbestandes erhöht werden.

Push-Distribution

Damit legen Sie fest, wie mit Überschüssen gearbeitet werden soll, wenn das Angebot
den Bedarf übersteigt. Entweder wird der Bestand so verteilt, dass der Bedarf
gedeckt und der Bestandsüberschuss zu einer gleichmäßigen Bestandsreichweite für
alle Distributionszentren führt, oder das System verteilt den Bestand nur auf dem
Bedarf basierend.

Angebots-Horizont

Hier legen Sie die Anzahl Tage fest, die im Bedarf für den Deployment-Lauf
berücksichtigt werden soll.

6.5.4 Lagerortdisposition

Diese Felder sind nur sichtbar, wenn Sie in der Organisationsebene den Lagerort
ausgewählt haben (Abbildung 6.8). Anschließend ist es Ihnen möglich, eine separate
Disposition auf Lagerortebene durchzuführen und Meldebestände zu verwalten, die
speziell für dieses Material in dem gewählten Werk gültig sind.

Abbildung 6.8: Organisationsebenen

6.6 Sicht »Arbeitsvorbereitung«

In diesem Bereich der Materialstammdaten sind die hinterlegten Informationen


überwiegend für die Produktionsplanung und Durchführung relevant (Abbildung 6.9).
Die Segmente

Allgemeine Daten,

Toleranzdaten und

Eigenfertigungszeit in Tagen

beinhalten Informationen, um Ihrem Produkt einen Fertigungssteuerer zuzuordnen,


Über- und Unterliefertoleranzen für die Fertigung und die Durchlaufzeit entweder
losgrößenabhängig oder -unabhängig einzustellen.

Abbildung 6.9: Sicht »Arbeitsvorbereitung«


6.6.1 Allgemeine Daten

Basismengeneinheit

Das bereits in Kapitel 3 beschriebene Feld dient hier lediglich als Referenz für
die Einstellungen in der Arbeitsvorbereitungssicht. Nähere Informationen dazu
entnehmen Sie dem Abschnitt 3.2.1.

Ausgabemengeneinheit

Hier wird angegeben, in welcher Mengeneinheit das Material vom Lager ausgegeben
wird.

Fertigungsmengeneinheit

Wie die Bezeichnung des Feldes bereits vermuten lässt, ist die Logik ähnlich der
Ausgabemengeneinheit, außer dass es sich hierbei um die Mengeneinheit handelt, in
der das Produkt nach Rückmeldung des Fertigungsauftrages im Lager erscheinen soll.
Sofern Sie anderweitige Mengeneinheiten gepflegt haben, wird das System die
vorgegebenen Umrechnungsfaktoren entsprechend berücksichtigen.

Werksspezifischer Materialstatus

Dieses Feld wurde bereits zusammen mit Gültig ab im Detail beschrieben. Nähere
Informationen entnehmen Sie dem Abschnitt 5.1.1.

Fertigungssteuerer

Dieser Schlüssel legt unter anderem fest, wie für ein Material bei dessen
Einplanung die Kapazitätsbedarfe ermittelt werden. Im SAP-Customizing können Sie
die Kapazitätenbetrachtung mit dem Fertigungssteuerer verknüpfen.
Produktionslagerort

Nähere Informationen zu diesem Feld finden Sie bereits in Abschnitt 6.3.1.

Fertigungssteuerungsprofil

Das Fertigungssteuerungsprofil hilft Ihnen, administrative Aufwendungen zu


reduzieren sowie betriebswirtschaftliche Vorgänge parallel auszuführen und zu
automatisieren. Beispielsweise kann eingestellt werden, dass ein Fertigungsauftrag
direkt gedruckt wird, wenn er freigegeben wurde.

Materialgruppe

Dieses Feld können Sie verwenden, um Materialien zu gruppieren, die bspw. dieselben
Arbeitsschritte benötigen. Es ist für Auswertungszwecke gedacht und hat keinerlei
steuernde Funktion.

Serialnummernprofil

Wenn Sie Produkte herstellen, die serialisiert sind, können Sie im Customizing die
entsprechenden Profile anlegen und an dieser Stelle aktivieren.

Serialisierungsebene

An dieser Stelle können Sie vorgeben, ob die Serialnummer einem konkreten Material
oder generell allen Materialien zugeordnet werden soll. Beachten Sie, dass es sich
hierbei um ein globales Feld handelt und damit die Einstellungen für alle Werke
relevant sind.

Gesamtprofil
Mithilfe dieses Profils können Sie den Änderungsdienst für Fertigungsaufträge
steuern. In einem Gesamtprofil ordnen Sie den Prozessen Kundenauftragsprozess,
Stammdatenprozess und Montageabwicklung Änderungsprofile zu. Damit lässt sich jeder
dieser Prozesse individuell steuern.

Buchen in Q-Bestand

Das Feld gibt an, ob das Material der Qualitätsprüfung unterliegt und nach dem
Buchen des Wareneinganges in den Qualitätsprüfbestand gebucht wird. Beim Setzen des
Kennzeichens wird es als Vorschlagswert in die Bestell- und Wareneingangsoptionen
übernommen.

Kritisches Teil

Dieses Kennzeichen wurde bereits in Abschnitt 5.1.3 erläutert.

Versionskennzeichen

Dieses Feld wird aktiviert, sobald Sie eine gültige Fertigungsversion für ein
Produkt angelegt haben.

Fertigungsversion

Dieses Feld wurde bereits zuvor beschrieben. Nähere Informationen entnehmen Sie dem
Abschnitt 6.5.1.

Die Erläuterungen zu den weiteren Feldern Chargenprotokoll erforderlich, Chargen-


Erfassung und Chargenpflicht finden Sie im Abschnitt 4.4.1.

6.6.2 Toleranzdaten

Die folgenden Felder sind Ihnen schon einmal kurz in Abschnitt 5.1.2 begegnet –
dort war der Bezug der Einkauf und somit die Bestellungen. Hier beziehen sie sich
auf die Eigenfertigung und somit auf die Fertigungsaufträge.
Toleranzgrenze für Unterlieferung

Dieses Feld gibt schlichtweg an, um wie viel Prozent die Menge bei der
Wareneingangsbuchung des Fertigungsauftrages unterschritten werden darf.

Toleranzgrenze für Überlieferung

Analog zum soeben beschriebenen Feld gibt dieses an, um wie viel Prozent die Menge
bei der Wareneingangsbuchung des Fertigungsauftrages überschritten werden darf.

Unbegrenzte Überlieferung

Wie die Bezeichnung des Feldes bereits vermuten lässt, geben Sie damit an, dass
unbegrenzte Überlieferungen akzeptiert werden.

6.6.3 Eigenfertigungszeit in Tagen

In diesem Segment der Arbeitsvorbereitung werden die Zeiten für die Herstellung
eines Produktes eingetragen. Diese Felder bieten Ihnen die Möglichkeit, die
Eigenfertigungszeit detailliert vorzugeben und diese ebenfalls »losgrößenabhängig«
einzustellen. Sofern Sie diesen Detaillierungsgrad nicht wünschen, können Sie die
Eigenfertigungszeit auch »losgrößenunabhängig« verwenden.

Die zugehörigen Felder dienen zur Terminierung der Planaufträge und damit der
Übermittlung möglichst realistischer Termine an den Kunden. Die Daten sollten mit
denen aus den Arbeitsplänen übereinstimmen, da die Arbeitspläne gezogen werden,
wenn der Planauftrag in einen Fertigungsauftrag gewandelt wird. Es wäre daher von
Nachteil, wenn aus dem Fertigungsauftrag plötzlich andere Termine resultieren
würden. Dies hätte Störungen in der Versorgungskette zur Folge.

Rüstzeit

Dies ist die Anzahl an Arbeitstagen, die für das Rüsten und Abrüsten von
Arbeitsplätzen benötigt wird, an denen das Material bearbeitet wird.

Übergangszeit

Hier hinterlegen Sie die Anzahl an Arbeitstagen, die für den Übergang eines in der
Fertigung befindlichen Materials von einem Arbeitsplan zum nächsten benötigt wird.
Die Übergangszeit beinhaltet die Transportzeit, Wartezeit, Liegezeit,
Vorgriffszeit, Sicherheitszeit und bei extern ausgeführten Vorgänge die
Planlieferzeit.

Bearbeitungszeit

Sie können auch angeben, wie viele Arbeitstage benötigt werden, um das Material an
den verschiedenen Arbeitsplätzen zu bearbeiten. Diese Zeit ist abhängig von der
Auftragsmenge.

Basismenge

Diese Menge dient als Grundlage zur Ermittlung der Bearbeitungszeit, wenn die
Eigenfertigungszeiten losgrößenabhängig verwendet werden.

Losgrößenunabhängige Eigenfertigungszeit

Wie die Bezeichnung bereits vermuten lässt, wird bei Verwendung dieses Feldes
einzig und allein der hier eingetragene Wert als Eigenfertigungszeit verwendet,
unabhängig von der Auftragsmenge.

6.7 Persönliche Anmerkung

Für eine gute Datenbasis im System ist es wichtig, dass die eingetragenen
Informationen sauber sind und der Realität entsprechen. Was bringt Ihnen bspw. eine
hinterlegte Eigenfertigungszeit, die nicht im Ansatz der Realität entspricht? Das
System wird zwar gewisse Felder verlangen, da es sich um Pflichtfelder handelt.
Allerdings sollten die Informationen nicht willkürlich eingetragen werden, nur
damit ein Wert darinsteht, sondern gut durchdacht und sauber ermittelt worden sein,
bevor sie im System landen. Ich möchte Ihnen dafür ein Beispiel aus meinem
Berufsleben mitgeben.

Pflege der Eigenfertigungszeit

In einer Firma, bei der ich in den letzten Jahren tätig war, wurden
losgrößenunabhängige Eigenfertigungszeiten gepflegt. Diese Werte wurden pauschal
für alle Produkte kalkuliert und in das System eingespielt. Dies hatte zur Folge,
dass die Bedarfstermine, die der Einkauf für die Komponenten im System ablesen
konnte, jedes Mal geändert wurden, sobald ein Planauftrag in einen
Fertigungsauftrag gewandelt wurde. Der Grund dafür war, dass bei diesem Wandeln die
realen Zeiten aus dem Arbeitsplan für die Durchlaufterminierung berücksichtigt
wurden. Infolgedessen wurde dem Einkauf der Bedarf mal vorgezogen, mal verschoben
übermittelt – je nachdem, welches Produkt gerade gefertigt wurde.

An dieser Stelle wurde ein enorm großer Mehraufwand für den Einkauf erzeugt, da
einige Produkte eine längere Durchlaufzeit erst erhielten, nachdem der
Fertigungsauftrag angelegt wurde. Resultierend daraus mussten die Kollegen im
Einkauf einige Bestellungen vorziehen, um sicherzustellen, dass die
Produktionsversorgung gewährleistet werden konnte. Dies erzeugte darüber hinaus
logistische Mehrkosten für Sonderfahrten, wenn ein Normaltransport nicht mehr
ausreichend war. Des Weiteren wurden Sicherheitsbestände erhöht, um die
Bedarfsschwankungen zukünftig abzufangen. Dies führte wiederum zur Erhöhung der
Kapitalbindung.

Aufgrund dieser Erfahrungen wurde ein Report geschrieben, der die


Eigenfertigungszeiten analog zu den im Arbeitsplan hinterlegten Zeiten
synchronisiert. Danach hatte der Einkauf stabilere Bedarfe und eine geringere
Fehlteilquote.

Daher mein Rat an dieser Stelle: Nehmen Sie sich in jedem Fall die Zeit, um die
Daten sauber zu ermitteln. In der ganzheitlichen Betrachtung wird sich der
Mehraufwand auf jeden Fall lohnen.

7 Bestandsführung

Ob Wareneingänge von externen Lieferanten oder Materialbereitstellung für die


Herstellung eigengefertigter Produkte: Alles beginnt mit oder endet in dem Bestand.
In diesem Kapitel werde ich auf die Felder eingehen, die für die Lagerung und die
Bewertung Ihres Lagerbestandes eine wesentliche Rolle spielen werden.

Ich werde nicht müde zu erwähnen, dass ich ein Befürworter dessen bin, jeden
Einkäufer und/oder Disponenten für einige Zeit im Lager arbeiten zu lassen. Ein
Einkäufer/Disponent sollte seine Artikel kennen, um zu verstehen, was der
Knopfdruck auf »Bestellen« oder »Produzieren« im Lager tatsächlich auslöst.

Die Logistikkollegen stehen oftmals vor der schwierigen Aufgabe, den Anforderungen
einer zeitnahen Bearbeitung eintreffender Wareneingänge sowie der
Produktionsversorgung gerecht zu werden. Vor allem, wenn es sich um komplexe
Produkte handelt, für die ein entsprechendes Ausstatten der Produktion sehr viel
Zeit in Anspruch nimmt. Und wenn wir mal ehrlich sind: Trifft es nicht meist die
Bereiche, die nicht unbedingt mit Personalüberschuss bestückt sind?

Daher ist es umso wichtiger, so viel wie möglich zu automatisieren bzw. das
Arbeitsaufkommen so zu gestalten, dass eine Verschwendung von Material und
Arbeitsressourcen weitestgehend vermieden wird.

In einem Buch über die SAP-Stammdaten habe ich gelesen, dass es nach Meinung des
Autors kein besseres Warenwirtschaftssystem gibt als das der SAP. Denn es bietet
sehr viele Möglichkeiten, mithilfe der Stammdaten Prozesse zu optimieren, zu
automatisieren und dadurch Verschwendung zu reduzieren.

Dem kann ich mich voll und ganz anschließen, da ich meine eigenen Erfahrungen mit
den vielschichtigen Möglichkeiten der SAP-Stammdaten sammeln konnte.

In diesem Kapitel geht es im Wesentlichen um die für die Lagerung eines Materials
relevanten Stammdaten. Unter Berücksichtigung der verschiedenen
Einstellungsmöglichkeiten, wie Haltbarkeitsdaten oder Lagerungsstrategien, werde
ich auf die entsprechenden Felder eingehen, die für die Bestandsführung eines
Materials von Bedeutung sind.

7.1 Sicht »Werksdaten/Lagerung 1«

Die Sicht Werksdaten/Lagerung 1 (Abbildung 7.1) besteht aus den Segmenten

Allgemeine Daten und

Haltbarkeitsdaten.

Während wir in den Allgemeinen Daten Felder wiederfinden, die sich durch nahezu
alle Sichten der Stammdaten ziehen, bietet das Segment Haltbarkeitsdaten
Justierungsoptionen zur Gesamthaltbarkeit eines Produktes. Darüber hinaus können
Sie in dieser Sicht ein Material für das Cycle-Counting-Inventurverfahren
aktivieren.

Abbildung 7.1: Sicht »Werksdaten/Lagerung 1«

7.1.1 Allgemeine Daten

Basismengeneinheit

Dieses bereits in Abschnitt 3.2.1 ausführlich erläuterte Feld ist an dieser Stelle
noch einmal aufgeführt, da die Basismengeneinheit für die Lagerdaten eine wichtige
Information ist.
Ausgabemengeneinheit

Auch dieses Feld kennen Sie bereits, es ist Ihnen in der Sicht Arbeitsvorbereitung
(Abschnitt 6.6.1) begegnet. Hier wird angegeben, in welcher Mengeneinheit das
Material vom Lager ausgegeben wird.

Lagerplatz

Dies ist die Kennung des Lagerplatzes, die angibt, an welcher Stelle innerhalb des
Lagerortes das Material abgelegt ist. Es ist allerdings nur von Bedeutung, wenn Sie
das SAP-Lagerverwaltungssystem nicht im Einsatz haben. Ist das SAP-LVS aktiviert,
so hat dieser hier eingetragene Wert einen rein informativen Charakter.

Kommissionierbereich

Mit diesem Schlüssel fassen Sie Lagerplätze zusammen, die unter dem Gesichtspunkt
der Kommissionierstrategien so angeordnet sind, wie es für die Prüfung der
Bestellvorgänge am vorteilhaftesten ist. Der Kommissionierbereich wird für die
Ermittlung der Dauer des Kommissionierbedarfs und die Anlage von Transportaufträgen
verwendet, sofern das Lean-WM im Einsatz ist.

Lean-WM – was ist das?

Unter Lean-WM wird eine Lagerstruktur verstanden, die es erlaubt, Transportaufträge


auch in einfach strukturierten Lagern als Kommissionieraufträge zu nutzen. Anders
als bei der »normalen« Warehouse-Management-Struktur ist es im Lean-WM möglich, die
Bestandsmengen nur in der Bestandsführung des Inventory Management (MM-IM)
anzuschauen und nicht auf der Lagerverwaltungsebene (WM).

Temperaturbedingungen

An dieser Stelle geben Sie vor, unter welchen Temperaturbedingungen das Material
gelagert werden soll.

Raumbedingungen
Das Kennzeichen legt fest, unter welchen Raumbedingungen das Material zu lagern
ist.

Behältervorschrift

Über diesen Schlüssel schreiben Sie vor, in welcher Art von Behälter das Material
gelagert und versendet werden muss.

Gefahrstoffnummer

Hierüber lässt sich das Material als »Gefahrstoff« oder als »Gefahrgut«
identifizieren. Diese Nummern können im SAP-Customizing definiert und den
Gefahrstoff- bzw. Gefahrgutdaten zugeordnet werden. Das Verwenden dieses Feldes
weist darauf hin, dass im Umgang mit dem Material oder für seinen Transport
besondere Vorkehrungen im Lager oder Versand erforderlich sind.

CC-Inventurkennzeichen

Dieser Schlüssel gibt an, dass das Material an dem Cycle-Counting-Inventurverfahren


teilnimmt. Als Cycle Counting bezeichnet man eine wiederkehrende und regelmäßige
Inventur eines Materials innerhalb eines Geschäftsjahres. Dadurch kann bspw.
erreicht werden, dass gängige Materialien öfter inventarisiert werden als weniger
gängige.

Menge WE-Scheine

Die an dieser Stelle angegebene Menge berücksichtigt das System beim Wareneingang
und druckt die entsprechend der automatischen Kalkulation benötigten
Warenbegleitscheine. Wenn Sie in dieses Feld nichts eingeben, wird die
Materialbelegposition nur auf einem Warenbegleitschein gedruckt.

Etikettierungsart
Hier geben Sie an, ob für dieses Material die Etiketten bspw. vom Lieferanten
vorgedruckt werden. Das Feld steuert im Wesentlichen die Entstehung von Etiketten.

Etikettierungsform

Dieses Feld steuert das Layout bzw. die Größe des Etiketts. Damit können Sie
festlegen, ob es sich bspw. um ein Klebeetikett handelt.

Nähere Informationen zu den Feldern Genehmigtes Chargenprotokoll ist erforderlich


und Chargenpflicht finden Sie im Abschnitt 4.4.1.

7.1.2 Haltbarkeitsdaten

Maximale Lagerungszeit

Dies ist ein werksspezifisches Feld, das angibt, wie lange das Produkt maximal
gelagert werden darf. Der hier angezeigte Wert hat rein informativen Charakter.

Zeiteinheit

Ist im System eine maximale Lagerungszeit eingetragen, wird hier die zugrunde
liegende Einheit eingetragen.

Mindestrestlaufzeit

Hier wird die Anzahl an Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren hinterlegt, je nachdem,
welche Einheit Sie als Periodenkennzeichen verwenden, die das Material beim
Wareneingang noch mindestens haltbar sein muss, damit der Wareneingang vom System
akzeptiert wird.

Gesamthaltbarkeit
Dies ist schlichtweg der Zeitraum, in dem das Produkt haltbar ist, gemessen von der
Herstellung bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum. Wenn Sie bspw. einen Joghurt kaufen,
ist dort das Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt. Dieses wird über das Feld
Gesamthaltbarkeit errechnet.

Periodenkennzeichen MHD

Bei Verwendung der Mindestrestlaufzeit oder Gesamthaltbarkeit ist die Auswahl eines
Periodenkennzeichens, also der Maßeinheit für die betreffende Periode,
erforderlich.

Rundungsregel für Berechnung der Mindesthaltbarkeit

Mit diesem cleveren Feld legen Sie die Rundungsregel für die
Mindesthaltbarkeitsermittlung fest. Sie können dem System also sagen, auf welchen
Tag einer Periode auf- bzw. abgerundet werden soll.

Rundungsregel für MHD-Berechnung

Sie haben sich für das Periodenkennzeichen M – Monat entschieden und haben Ihrem
Produkt eine Gesamthaltbarkeit von 365 Tagen gegeben. Wenn Sie also ein Produkt am
21.11.2017 herstellen und als Rundungsregel gewählt haben »erster Tag des Monats«,
wird das System die Mindesthaltbarkeit auf 01.11.2018 setzen. Haben Sie allerdings
die Rundungsregel auf »letzter Tag des Monats gewählt«, wird das System die
Mindesthaltbarkeit auf den 31.12.2018 datieren.

Lagerprozentsatz

Hier bestimmen Sie, wie viel Prozent der gesamten Restlaufzeit des Materials noch
nicht abgelaufen sein dürfen, wenn es von einem zentralen Werk (z.B.
Verteilzentrum) an ein anderes Werk (z.B. Filiale) geschickt wird.

7.2 Sicht »Werksdaten/Lagerung 2«

Die Sicht Werksdaten/Lagerung 2 (Abbildung 7.2) besteht aus den Segmenten

Gewicht/Volumen und

Allgemeine Werksparameter.
Die meisten Felder wurden bereits in Zusammenhang mit anderen Sichten beschrieben,
werden allerdings hier angezeigt, da sie relevant für die Lagerungsdaten sind.

Abbildung 7.2: Sicht »Werksdaten/Lagerung 2«

7.2.1 Gewicht/Volumen

Die Felder in diesem Segment habe ich bereits im Rahmen der Grunddaten beschrieben.
Sie wurden hier hinzugefügt, da sie eine wesentliche Rolle im Lagerungsprozess
spielen. Nähere Informationen zu den Feldern entnehmen Sie dem Abschnitt 3.2.3.

7.2.2 Allgemeine Werksparameter

Auch die Felder in diesem Segment wurden bereits beschrieben. Nähere Informationen
entnehmen Sie dem Abschnitt 4.4.4.

7.3 Sicht »Lagerverwaltung 1«

Die Sicht Lagerverwaltung 1 (Abbildung 7.3) beinhaltet die Segmente

Allgemeine Daten und

Lagerungsstrategien.

An dieser Stelle tauchen wir das erste Mal tiefer in das Warehouse Management des
SAP-Systems ein. Die Felder in den beiden nachfolgenden Bereichen werden verwendet,
um unter anderem Ein- und Auslagertypenkennzeichen zu definieren und
Lagerplatzbestände zu verwalten.

Abbildung 7.3: Lagerverwaltung – Sicht 1


7.3.1 Allgemeine Daten

Basismengeneinheit

Nähere Informationen können Sie im Abschnitt 3.2.1 nachschlagen.

Gefahrstoffnummer

Dieses Feld gehört zu den allgemeinen Daten der Bestandsführung und kann im Detail
in Abschnitt 7.1.1 nachgelesen werden.

WM-Mengeneinheit

Dies ist die Mengeneinheit, die von der Lagerverwaltung für das Material verwendet
wird. Das Feld sollte nur gepflegt werden, wenn die WM-Mengeneinheit von der
Basismengeneinheit oder alternativen Mengeneinheiten abweicht.

Bruttogewicht

Auch dieses Feld dient ausschließlich zu Referenzwecken in der Sicht 1 der


Lagerverwaltung und wurde bereits im Abschnitt 3.2.3 näher beschrieben.

Ausgabemengeneinheit

Hier wird angegeben, in welcher Mengeneinheit das Material vom Lager ausgegeben
wird.

Volumen

Ähnlich wie das Bruttogewicht kann das Feld Volumen helfen, die Lagerkapazität zu
berechnen. Der einzige Unterschied ist, dass die Ermittlung der Lagerkapazität auf
Basis des Rauminhalts und nicht des Gewichts erfolgt.
Vorschlag für Mengeneinheit aus Materialstamm

Im Materialstamm können Sie für ein Material verschiedene Mengeneinheiten


definieren. In der Regel wird pro Material zwar nur eine Mengeneinheit verwendet.
Es kann allerdings sein, dass alternative Mengeneinheiten benötigt werden (siehe
Beispiel in Abschnitt 3.2.1).

Sind diese gepflegt, können Sie dem System sagen, ob und welche alternative
Mengeneinheit bei den Bestandsführungsprozessen verwendet werden soll.

Kapazitätsverbrauch

Über den Kapazitätsverbrauch eines Materials kann innerhalb der Lagerverwaltung


eine Kapazitätsprüfung erfolgen, die auf Lagertypebene zu aktivieren ist.

Plankommilagertyp

Hier wählen Sie den Kommissionierlagertyp, der zur Grob- und Feinplanung verwendet
wird. Der Kommissionierlagertyp hat keine Bedeutung für die Anlage von
Transportaufträgen.

Genehmigtes Chargenprotokoll ist Erforderlich

Wenn Sie ein Produkt herstellen, welches chargengeführt ist, steuert dieses
Kennzeichen, welche Aktivitäten zu einer Charge erst ausgeführt werden können, wenn
das zugehörige Chargenprotokoll genehmigt ist. Z. B. würde das System
Lagerzugangsbuchungen oder Umbuchungen nicht zulassen, solange kein
Verwendungsentscheid zu einem Prüflos der zugehörigen Charge getroffen wurde.

Chargenpflicht

Dieses Kennzeichen kommt Ihnen sicher bekannt vor, da es zu vielen Sichten des
Materialstamms gehört. Es gibt an, ob das Produkt chargenpflichtig ist oder nicht.
Sie können es im Materialstamm manuell setzen. Wenn Bestände in der laufenden
Periode oder in der Vorperiode vorhanden sind, ist das Kennzeichen nicht mehr
änderbar. Eine dahingehende Überprüfung der Vorperiode ist erforderlich, da bei der
Wareneingangsbuchung Bestände auf diese Periode gebucht werden können.

Wie Sie sich sicherlich vorstellen können, ist das Chargenmerkmal bei der
Lagerverwaltung von besonderer Bedeutung. Nicht nur für eine chargenreine Lagerung
ist es von Vorteil; es beinhaltet auch Informationen wie das Herstell- und/oder das
Mindesthaltbarkeitsdatum, welche bei der Ein- und Auslagerung berücksichtigt
werden.

7.3.2 Lagerungsstrategien

Auslagertyp-Kennzeichen

Mit diesem Kennzeichen steuern Sie, dass bei einer Auslagerung das Material
bevorzugt aus einem bestimmten Lagertyp entnommen wird. Im Customizing können Sie
bis zu zehn Lagertypen in hierarchischer Reihenfolge definieren.

Einlagertyp-Kennzeichen

Analog dazu steuert dieses Kennzeichen, dass bei einer Einlagerung das Material
bevorzugt in einen bestimmten Lagertyp eingelagert wird. Auch dafür können Sie im
Customizing bis zu zehn Lagertypen in hierarchischer Reihenfolge definieren.

Lagerbereichskennzeichen

Ähnlich wie die beiden vorherigen Kennzeichen steuert dieses bei der Einlagerung,
dass das Material bevorzugt in einen bestimmten Lagerbereich eingelagert wird. Als
Lagerbereich wird die logische oder physische Unterteilung eines Lagertyps
verstanden, bspw. der Bereich für Verpackungen.

Blocklagerkennzeichen

Wenn Sie ein Blocklager verwenden, können Sie mit diesem Schlüssel die
Klassifizierung von Materialien nach der Art und Weise ihrer Lagerung in einem
Blocklager vornehmen.
Bewegungssonderkennzeichen Lagerverwaltung

Mit diesem Feld können Sie abweichende Regeln für die Bewegung von Material in
Lagertypen festlegen. Wenn Sie etwa die Ware immer auf einen festen Lagertyp (z.B.
Blocklager) vereinnahmen, können Sie für gewünschte Artikel beim Verwenden einer
bestimmten Bewegungsart abweichende Lagertypen (z.B. Hochregallager) ansteuern.

Meldung an Bestandsführung

Sofern Sie ein dezentrales Lagerverwaltungssystem haben, können Sie mit diesem
Kennzeichen die sofortige Datenübermittlung aktivieren.

Zweistufige Kommissionierung

Über dieses Feld bestimmen Sie, ob eine zweistufige Kommissionierung bei dem
gewählten Material angewandt werden soll. Es gibt die Möglichkeit, die
Kommissionierung »direkt« oder »zweistufig« durchzuführen. Wenn Sie z.B. eine große
Sendung kommissionieren, die aus mehreren Lieferungen besteht, wird das System Sie
auffordern, zuerst die gesamte Menge zu kommissionieren und anschließend jede
einzelne Lieferung. Damit wird vermieden, dass der Mitarbeiter jedes Mal an das
Regal fahren muss, um die Lieferungen einzeln zu kommissionieren.

Die Art der Kommissionierung ist oftmals vom Material abhängig. Einige Materialien
lassen sich nur einzeln kommissionieren. Bei anderen hingegen läuft der gesamte
Kommissioniervorgang mit der zweistufigen Methode effizienter ab.

Zulagerung erlaubt

Mit dem Kennzeichen steuern Sie, ob einem bestimmten Material ein weiteres mit
ähnlicher Ausprägung, das aber auf einem anderen Platz liegt, hinzugelagert werden
darf.

7.4 Sicht »Lagerverwaltung 2«


In der Sicht Lagerverwaltung 2 (Abbildung 7.4) werden lediglich die
Palettierungsdaten eingetragen. Diese dienen unter anderem dazu, bei der
Einlagerung mitzuteilen, wie die einzulagernde Menge auf Ladehilfsmittel umzupacken
ist.

Abbildung 7.4: Sicht »Lagerverwaltung 2«

7.4.1 Palettierungsdaten

LHM-Menge

Mithilfe der Ladehilfsmittelmenge teilen Sie bei der Einlagerung mit, wie die
einzulagernde Menge auf Ladehilfsmittel umzupacken ist.

Ladehilfsmittelmenge

Wenn Sie z.B. 200 Kartons zu deponieren haben, die LHM-Menge 1 = 50 Kartons
selektiert haben, wird das System Ihnen vorschlagen, 4 Ladehilfsmittel
(Europaletten, Einwegpaletten etc.) mit jeweils 50 Kartons darauf zu verwenden.

Mengeneinheit (ME)

In diesem Feld wählen Sie die Mengeneinheit für die erste Ladehilfsmittelmenge aus,
z.B. KAR für Karton.

Lagereinheitentyp (LET)

Mit dem Schlüssel können Sie Lagereinheiten klassifizieren und zusammenfassen.


Beispielsweise alle Paletten, die nicht höher als zwei Meter zu bepacken sind,
können einem Typ zugeordnet werden.

7.5 Sicht »Werksbestand«

Die Sicht Werksbestand (siehe Abbildung 7.5) bietet Ihnen die Möglichkeit, sich
einen schnellen Überblick über die aktuelle Werksbestandssituation eines Materials
zu verschaffen. Sowohl die Bestände der laufenden Periode als auch die der
Vorperiode können in dieser Übersicht eingesehen und daher sehr schnell und einfach
miteinander verglichen werden. Darüber hinaus werden auch die unterschiedlichen
Bestandstypen (frei verwendbar, in Qualitätsprüfung, gesperrt etc.) übersichtlich
dargestellt.

Abbildung 7.5: Sicht »Werksbestand«

7.6 Sicht »Lagerortbestand«

Die Sicht Lagerortbestand (siehe Abbildung 7.6) hat dieselbe Funktion wie die Sicht
zum Werksbestand, allerdings bezieht sich dieser Screen auf die Materialbestände
eines bestimmten Lagerorts. Ähnlich wie zum Werksbestand können Sie an dieser
Stelle die laufende mit der vorherigen Periode vergleichen, allerdings konkret auf
den betrachteten Lagerort bezogen. So lässt sich beispielsweise gegenüberstellen,
wie sich der gesperrte Bestand der aktuellen Periode zu der vorherigen Periode
entwickelt hat und ob Sie ggf. Gegenmaßnahmen daraus ableiten müssen.

Abbildung 7.6: Sicht »Lagerortbestand«

7.7 Sicht »Etikettendaten«

Die Sicht Etikettendaten (Abbildung 7.7) können Sie für ganz unterschiedliche
Situationen, in denen Sie den Ausdruck von Etiketten benötigen, aufrufen. Daher ist
deren Einordnung in dieses Kapitel von mir eher willkürlich gewählt. Sie wird
aktiviert, sofern Sie die Etikettenerstellung aus SAP heraus steuern. In diesen
Feldern können Sie sämtliche Angaben zu einem Produkt vornehmen, die anschließend
auf einem Etikett gedruckt werden sollen. Abhängig von Ihren Anforderungen können
diese Angaben Daten wie Warenbezeichnung, Materialnummer, Herstelldatum oder die
Charge beinhalten.

Abbildung 7.7: Sicht »Etikettendaten«

7.8 Persönliche Anmerkung

Ich habe bisher nur bei einem Unternehmen gearbeitet, welches das SAP Warehouse
Management (WM) einsetzt, und hatte daher nicht viel Berührung mit diesem SAP-
Modul; allerdings hat mich das, was ich mitbekommen habe, sehr beeindruckt.
Wie ich im Abschnitt 7.4.1 beschrieben habe, bietet SAP WM weitreichende
Funktionalitäten, um die Prozesse im Lager zu optimieren. Das System gibt direkt
nach dem Wareneingangsprozess Informationen darüber aus, an welcher Stelle das
Material optimalerweise einzulagern ist und auf wie viele Lagereinheitstypen
(Paletten etc.) die Sendung umgepackt werden sollte.

Ich kann auf Basis meiner wenigen Erfahrungen zumindest sagen, dass das Warehouse
Management ein sehr komplexes Thema ist, welches mit einer soliden Logik aufgebaut
werden muss, damit die Prozesse reibungslos funktionieren und es sich positiv auf
das operative Tagesgeschäft auswirkt.

8 Qualitätsmanagement

In diesem Kapitel widmen wir uns den SAP-Stammdaten rund um das Thema »Qualität«.
Ich werde beschreiben, wie die Prüfeinstellungen zu einem Material vorgenommen
werden, und die Abhängigkeiten zwischen Stamm- und Beschaffungsdaten aus
Qualitätssicht erläutern.

Nachdem wir uns durch die Stammdaten vieler Geschäftsbereiche gearbeitet haben und
in der Reihenfolge, als logische Konsequenz, bei dem Qualitätsmanagement angekommen
sind, möchte ich in diesem Kapitel auf die Felder eingehen, die auf die
Prüfeinstellungen für eigengefertigte und fremdbeschaffte Produkte angewendet
werden können. Einige Felder werden aus vorherigen Kapiteln bereits bekannt sein,
andere wiederum sind spezifisch in der Qualitätsmanagement-Sicht verankert.

Wenn wir die bisherigen Kapitel noch einmal Revue passieren lassen, so haben wir
schon gesehen, wie ein Materialstamm initial entsteht, welche Felder relevant sind,
um das Material vertriebsfähig zu machen, wie die Planung und Disposition sowie
dessen Lagerung und Bestandsführung erfolgen bzw. welche Felder dafür relevant
sind, um ein Material in der Produktion physisch entstehen zu lassen.

Nun schauen wir uns einen ebenfalls wichtigen Bereich der Materialstammdaten an,
der am Ende der Kette sicherstellt, dass unser Kunde ein Produkt erhält, welches
Ihren und seinen qualitativen Anforderungen entspricht. Denn schlussendlich geht es
darum, die Kundenzufriedenheit auf einem hohen Niveau zu halten. Das gelingt nur,
wenn das Produkt auch die qualitativen Aspekte erfüllt.

8.1 Sicht »Qualitätsmanagement«

Die Stammdaten des Qualitätsmanagements sind auf einer Sicht im Materialstamm


gruppiert (Abbildung 8.1). Diese umfassen die Segmente

Allgemeine Daten und

Beschaffungsdaten.

Die Allgemeinen Daten schließen sowohl Felder, die wir bereits in vorherigen
Kapiteln gesehen haben, als auch Felder zur Einstellung der Prüfung für das
Material ein. Die Beschaffungsdaten hingegen beinhalten hauptsächlich Felder, die
angeben, welche Dokumente benötigt werden, um ein fremdbeschafftes Produkt zu
vereinnahmen.

Abbildung 8.1: Sicht »Qualitätsmanagement«

8.1.1 Allgemeine Daten

Basismengeneinheit

Dieses Feld finden Sie in Abschnitt 3.2.1 beschrieben.

Prüfeinstellung (Kennzeichen)

Dieses Kennzeichen wird aktiviert, wenn Sie Prüfeinstellungen für dieses Material
definiert haben. Es gibt Ihnen die Möglichkeit, schnell die Produkte zu
identifizieren, zu denen Prüfeinstellungen gepflegt sind, ohne jedes Mal in die
Prüfeinstellungssicht springen zu müssen.

Prüfeinstellung (Button)

Mit Klick auf diesen Knopf gelangen Sie in den Bildschirm für die Prüfeinstellungen
(Abbildung 8.2). Darin können Sie die Prüfarten definieren und deren
Detailinformationen pflegen. Es kann durchaus sein, dass Sie mehrere Prüfarten für
ein Material haben.

Sie können unter anderem entscheiden, ob ein Material nach dem Buchen im Q-Bestand
landen soll und ob eine 100%-Prüfung notwendig ist. Oder aber Sie entscheiden, ob
eine Prüfung mit Materialspezifikationen (Mat.Spez) durchgeführt werden muss und ob
Sie eine dynamische Prüfregel erlauben.

Abbildung 8.2: Prüfeinstellungen im Qualitätsmanagement

Ausgabemengeneinheit
Hier wird angegeben, in welcher Mengeneinheit das Material vom Lager ausgegeben
wird.

QM-Materialberechtigungsgruppe

Mit dieser Gruppe können Sie die Rechte der Benutzer einschränken, wenn diese auf
materialbezogene Daten des Qualitätsmanagements zugreifen. Dies kann bspw. das
Bearbeiten von Prüflosen sein. Die Materialberechtigungsgruppen werden im
Customizing definiert.

Dokumentationspflicht

Mit dem Setzen dieses Kennzeichens bewirken Sie, dass Änderungen an Prüflosen für
dieses Material vom System dokumentiert werden. Es werden Änderungsbelege erzeugt,
die beispielsweise Verwendungsentscheide in einem Prüflos aufzeichnen.

WE-Bearbeitungszeit

Nähere Informationen zu diesem Feld entnehmen Sie bitte Abschnitt 5.1.3.

Prüfintervall

Dieser Wert gibt den zeitlichen Abstand zwischen den verschiedenen Prüfungen an. Es
wird etwa dann verwendet, wenn mehrere Prüfungen vorgenommen werden müssen.

Berichtsschema

Das Berichtsschema wird im Customizing definiert und der Meldungsart zugewiesen. Es


handelt sich um eine Kombination von Codegruppen aus mehreren Katalogen und kann
genutzt werden, um Nonkonformitäten zu dokumentieren.

Die nächsten beiden Felder Werksspezifischer Materialstatus und Gültig ab können


Sie in Abschnitt 5.1.1 nachschlagen.

8.1.2 Beschaffungsdaten

QM-Beschaffung Aktiv

Mit dem Setzen dieses Kennzeichens aktivieren Sie das Qualitätsmanagement in der
Beschaffung für alle Werke, da es sich um ein globales Feld handelt. Sofern Sie
sich dafür entscheiden, müssen Sie noch die QM-Steuerschlüssel in den jeweiligen
Werken definieren.

QM-Steuerschlüssel

Bei aktiver QM-Beschaffung müssen Sie den QM-Steuerschlüssel definieren und


auswählen. Dieser steuert, welche Bedingungen für das Qualitätsmanagement in der
Beschaffung gelten.

Zeugnistyp

Mit dem Zeugnistyp definieren Sie den Inhalt eines Qualitätszeugnisses im Rahmen
der Beschaffung oder Zeugniserstellung. Bei der Beschaffung beispielsweise sind
mehrere Funktionen steuerbar, die im Customizing definiert werden können, wie z.B.
die Werksprüfzeugnisse oder Abnahmeprüfprotokolle.

Soll-QM-System

Wenn Sie einen fremdbeschafften Artikel bestellen, prüft das System, ob das im
Lieferantenstamm hinterlegte QM-System mit dem im Materialstamm eingetragenen
übereinstimmt. Wenn das nicht der Fall ist, wird das System einen Hinweis ausgeben,
der darauf deutet, dass der Lieferant möglicherweise ein anderes QM-System
verwendet. Damit können Sie beispielsweise sicherstellen, dass alle Artikel von
Lieferanten beschafft werden, die gewisse Kriterien erfüllen, wie etwa die ISO-
Zertifizierung.
Technische Lieferbedingungen vorhanden

Ist dieses Kennzeichen aktiv, bedeutet das, dass dem Material technische
Lieferbedingungen zugeordnet sind. Es wird automatisch gesetzt, wenn die SAP-
Dokumentenverwaltung aktiviert ist und ein Steuerschlüssel verwendet wird, der
technische Lieferbedingungen erfordert.

8.2 Persönliche Anmerkung

Zurzeit arbeite ich in einem Unternehmen, das Produkte herstellt, die in der
pharmazeutischen Industrie eingesetzt werden. Diese Produkte kommen teilweise
direkt mit der Haut von Menschen in Berührung. Daher sind die
Qualitätsanforderungen an sie sehr hoch. Es gibt viele Auflagen, die die Lieferung
eines absolut reinen Produkts garantieren sollen. Das Qualitätsteam hat daher
strikte und sehr umfangreiche Prüfregeln aufgestellt, die sowohl alle
fremdbeschafften Artikel als auch unsere eigengefertigten Produkte durchlaufen
müssen. Die Artikel werden teilweise in Laboren analysiert und geprüft, bevor sie
in der Produktion weiterverarbeitet und letztendlich an die Endkunden verkauft
werden können.

Im operativen Tagesgeschäft können diese Prüfeinstellungen teilweise ziemliche


Verzögerungen auslösen, da manchmal eine ganze Fertigungscharge auf die
Qualitätsprüfung warten muss, bis ein Verwendungsentscheid getroffen und das
Ergebnis dokumentiert wurde. Dennoch sind diese Prüfungen enorm wichtig, denn der
potenzielle Schaden, wenn ein unreines Produkt an die Kunden gerät, steht in keinem
Verhältnis zum Prüfaufwand.

9 Rechnungswesen

Die Sichten des Rechnungswesens sind zugegebenermaßen diejenigen, die von den
Logistikern am wenigsten beachtet werden. Sie finden hier Informationen zur
Kontenfindung, Bewertung und Kalkulation, die eher für die Buchhalter und
Controller von Belang sind.

SAP ERP ist ein integriertes System, und die Integration zeigt sich am deutlichsten
bei den Werteflüssen. Wann immer Sie eine Materialbewegung in der Logistik buchen,
werden dabei in aller Regel auch ein Buchhaltungs- und ein Controllingbeleg
fortgeschrieben, welche sich beide direkt auf die GuV und die Bilanz Ihres
Unternehmens auswirken. Deshalb ist es von elementarer Bedeutung, dass auch die
Kontierungs- und Bewertungsdaten der Materialien korrekt sind.

Da Sie es hier mit dem externen Rechnungswesen und somit dem Erfüllen von steuer-
und handelsrechtlichen Vorgaben zu tun haben, stellt sich an dieser Stelle nicht
die Frage, ob es sinnvoll ist, die vier nachfolgend beschriebenen Sichten zu
verwenden. Sofern Sie nicht mit unbewerteten Materialien arbeiten, müssen für jedes
Ihrer Materialien die beiden Buchhaltungssichten gepflegt sein; falls Sie eigene
Produkte herstellen, werden Sie für jedes Material zusätzlich die
Kalkulationssichten benötigen.
In den vier Sichten der Materialstammdaten werde ich Ihnen unter anderem Felder
erläutern, die bspw. für Plankalkulationen und Bewertungen relevant sind. Ich werde
Ihnen außerdem darlegen, welche Bedeutung die Preissteuerung hat und welche Vor-
und Nachteile der Standardpreis bzw. der gleitende Durchschnittspreis mit sich
bringen.

9.1 Sicht »Buchhaltung 1«

Die Sicht Buchhaltung 1 (Abbildung 9.1) beinhaltet die Segmente

Allgemeine Daten und

Aktuelle Bewertung.

Während über den ersten Bereich generelle Angaben wie die Basismengeneinheit oder
die Währung hinterlegt sind, geht es im Segment Aktuelle Bewertung bereits um die
tatsächliche Bewertung des Produktes. Hier werden unter anderem der gleitende Preis
oder der Standardpreis bestimmt, die dann je nach Selektion in die
Bestandsbewertung eingehen.

Abbildung 9.1: Sicht »Buchhaltung 1«

9.1.1 Allgemeine Daten

Basismengeneinheit

Auch an dieser Stelle wird auf die Basismengeneinheit referenziert, da sie für die
Bewertung eines Materials relevant ist. Nähere Informationen zu dem Feld finden Sie
im Abschnitt 5.1.1.

Bewertungstyp

Mit diesem Feld steuern Sie, ob die Bestände eines Materials einheitlich oder
getrennt bewertet werden. Wenn Sie beispielsweise das Material sowohl herstellen
als auch zukaufen, können die unterschiedlichen Chargen separat bewertet werden, je
nachdem, wie das Material beschafft wurde.
Währung

Normalerweise werden Ihre Bestände immer in der Währung des Buchungskreises geführt
– diese Währung ist hier entsprechend eingestellt. Wenn Sie jedoch das Material-
Ledger einsetzen, so können Sie alle Materialien parallel in bis zu drei
verschiedenen Währungen führen. Das Aussehen der Buchhaltungssicht des
Materialstamms verändert sich dann und zeigt Ihnen je Währungssicht die
entsprechende Währung an.

Laufende Periode

Dies ist ein weiteres Feld mit lediglich informativem Charakter. Es handelt sich um
die laufende Buchungsperiode in der Finanzbuchhaltung (nicht zu verwechseln mit der
Buchungsperiode in der Materialwirtschaft).

Sparte

Nähere Informationen zu Sparte können Sie dem Abschnitt 3.2.1 entnehmen.

Preisermittlung

Dieses Kennzeichen ist nur von Bedeutung, wenn das Material-Ledger aktiv ist. An
dieser Stelle geben Sie an, wie die Materialpreisermittlung erfolgen soll. Sie
haben folgende Möglichkeiten:

Bei der vorgangsbezogenen Materialpreisermittlung (2) wird bei V-Preissteuerung der


gleitende Durchschnittspreis errechnet. Bei der S-Preissteuerung wird das Material
mit dem Standardpreis bewertet. Dabei wird der gleitende Durchschnittspreis zu
Informationszwecken berechnet.

Bei der ein-/mehrstufigen Materialpreisermittlung (3) bleibt der Standardpreis


(Bewertungspreis) unverändert, und es wird für die Bewertung der abgeschlossenen
Periode ein periodischer Verrechnungspreis ermittelt.

Material-Ledger aktiv
Ist dieses Kennzeichen gesetzt, erfolgt die Bewertung des Materials durch das
Material-Ledger. Dieses bildet die Grundlage für die Istkalkulation und ermöglicht
die Bestandsbewertung in mehreren Währungen und Bewertungsansätzen.

9.1.2 Aktuelle Bewertung

Bewertungsklasse

Die Bewertungsklasse klassifiziert das Material für die MM-Kontenfindung. Je nach


Buchungsvorgang (z.B. Bestandsbuchung, Verbrauchsbuchung, Inventurdifferenz) können
Sie in Abhängigkeit von der Bewertungsklasse unterschiedliche Sachkonten
hinterlegen, die im Zusammenhang mit dem Material gebucht werden sollen.

Bewertungsklasse und Materialart

Materialarten und Bewertungsklassen scheinen auf den ersten Blick denselben Zweck
zu erfüllen, sind aber technisch in SAP unterschiedliche Felder. Die Materialart
hat ausschließlich Auswirkungen auf die logistischen Funktionen, die für ein
Material erlaubt sind, während die Bewertungsklasse nur für die Kontenfindung
herangezogen wird.

Bewertungsklasse für Kundenauftragsbestand

Dieses Feld hat dieselbe Funktion wie die Bewertungsklasse. Allerdings gibt das
System Ihnen an dieser Stelle die Möglichkeit, eine andere Bewertungsklasse zu
hinterlegen, sofern das Produkt in einem Kundeneinzelbestand geführt wird. Für
Auswertungszwecke kann es durchaus sinnvoll sein, die Kundeneinzelbestände separat
zu betrachten.

Bewertungsklasse für Projektbestand

Genauso wie bei der Bewertungsklasse für Kundenauftragsbestände können Sie hier
eine separate Bewertungsklasse für Projektbestände verwenden.

Preissteuerung

Mit diesem Kennzeichen geben Sie die Art der Preissteuerung vor, nach der das
Material bewertet wird. Man kann zwischen der Bewertung nach Standardpreis (S) oder
nach gleitendem Durchschnittspreis (V) wählen. Je nach der hier eingetragenen
Preissteuerung steht der gültige Preis für das Material dann im entsprechenden Feld
Gleitender Preis oder Standardpreis; der jeweils nicht gültige Preis wird
statistisch mitgeführt.

Wenn Sie ein Material zum Standardpreis führen, tragen Sie diesen Wert entweder
manuell im Materialstamm ein oder ermitteln ihn über die Produktkalkulation
automatisch anhand des Mengengerüsts. Der Standardpreis bleibt dann konstant, bis
Sie ihn erneut ändern; in der Regel werden Sie ihn über einen längeren Zeitraum,
z.B. ein Geschäftsjahr, beibehalten.

Preissteuerung nach Standardpreis

Eine Preissteuerung nach Standardpreis ist für Materialien sinnvoll, die Sie selbst
fertigen und verkaufen.

In der Fertigung dient der Standardpreis als Vergleichswert bei der Analyse, an
welchen Stellen im Wertschöpfungsprozess die Kosten vom Plan abweichen. Für den
Vertrieb ist der Standardpreis notwendige Grundlage für die Margenermittlung. Indem
der Herstellpreis für ein Produkt über den Geschäftszeitraum hinweg konstant
bleibt, wird die Vertriebsmarge ausschließlich vom erzielten Verkaufserlös
beeinflusst. Sie spiegelt so den Geschäftserfolg des Vertriebs wider und wird nicht
durch Schwankungen im Herstellpreis beeinflusst, die der Vertrieb nicht zu
verantworten hat.

Wann immer Sie einen Wareneingang (z.B. aufgrund eines Fertigungsauftrags oder
einer Bestellung) zu einem Material mit Standardpreissteuerung mit einem Wert
buchen, der vom Standardpreis abweicht, wird das Material dennoch zum Standardpreis
ans Lager gebucht. Die Differenz zum Standardpreis wird als Preisdifferenz auf ein
entsprechendes GuV-Konto gebucht.

Wählen Sie für ein Material hingegen eine Bewertung zum gleitenden
Durchschnittspreis, passt das System den Preis des Materials automatisch an, wann
immer eine Wareneingangsbuchung zu einem abweichenden Preis erfolgt.

Der Vorteil der Bewertung zum gleitenden Durchschnittspreis liegt darin, dass die
betroffenen Materialien zu jedem Zeitpunkt mit einem aktuellen Marktpreis bewertet
sind. In der Regel ist es empfehlenswert, Kaufteile (also Rohstoffe und
Handelswaren) zum gleitenden Durchschnittspreis zu führen. Bei Handelswaren können
Sie dann zeitnah den Deckungsbeitrag ermitteln, den Sie mit dem Wiederverkauf der
Ware erzielen, während Preisschwankungen bei Rohstoffen zu Abweichungen in der
Fertigung führen, die Sie analysieren können.

Die Bewertung von Kaufteilen zum Standardpreis empfiehlt sich nur dann, wenn Sie
den Erfolg Ihrer Einkaufsabteilung daran messen wollen, ob sie in der Lage ist,
benötigte Teile zu einem bestimmten vorgegebenen Preis zu beschaffen. Gleitende
Durchschnittspreise sollten Sie jedoch nicht für eigengefertigte Produkte
einsetzen, da Sie dann keine Abweichungen in der Produktion ermitteln können.

Wenn Ihnen die Bewertung zum gleitenden Durchschnittspreis bzw. Standardpreis nicht
genau genug ist oder Sie eine komplexe Fertigung mit vielen Fertigungsstufen
betreiben, kann es für Sie sinnvoll sein, dass Sie das Material-Ledger einsetzen.
In diesem Falle können Sie einen periodischen Verrechnungspreis verwenden, der sich
in jeder Periode neu berechnen lässt.
Preiseinheit

Dies ist schlicht die Anzahl an Mengeneinheiten, auf die sich der Standardpreis
oder der gleitende Durchschnittspreis bezieht.

Gesamtbestand

Er gibt die Summe aller bewerteten Bestände für dieses Material an.

Gesamtwert

Der Wert des gesamten bewerteten Bestandes für dieses Material wird hier angezeigt.
Er wird auf das zugeordnete Bestandskonto der Finanzbuchhaltung gebucht.

Bewertet auf Basis der chargenspezifischen Mengeneinheit

Mit dem Setzen dieses Kennzeichens erlauben Sie dem System, die Bewertung auf Basis
der chargenspezifischen Mengeneinheit durchzuführen.

Zukünftiger Preis

Wenn Sie eine Produktkalkulation für das Material durchgeführt und diese
Kalkulation vorgemerkt haben, zeigt das System den daraus errechneten zukünftigen
Preis an dieser Stelle an.

Gültig ab

Dieses Feld bezieht sich auf das Feld Zukünftiger Preis und gibt an, ab wann dieser
gültig ist.
Vorheriger Preis

An dieser Stelle wird der zuletzt gültige Preis angezeigt, der vor dem aktuellen
gültig war.

Letzte Preisänderung

Entsprechend wird hier das Datum der letzten Preisänderung ausgegeben.

9.2 Sicht »Buchhaltung 2«

Die Sicht Buchhaltung 2 (Abbildung 9.2) besteht aus den beiden Segmenten

Niederstwertermittlung und

LIFO-Daten.

Die Angaben zur Niederstwertermittlung werden für Steuerzwecke verwendet. Die


Felder im Segment LIFO-Daten werden benötigt, wenn Sie sich in einem Last-
In-/First-Out- oder First-In/First-Out-Szenario (siehe Abschnitt 9.2.2) bewegen.

Abbildung 9.2: Sicht »Buchhaltung 2«

9.2.1 Niederstwertermittlung

Die Felder Steuerrechtlicher Bewertungspreis 1 bis 3 und Handelsrechtlicher


Bewertungspreis 1 bis 3 erlauben es Ihnen, für das Material alternative Preise zu
hinterlegen, die Sie entweder mithilfe der Niederstwertermittlung oder über die
Produktkalkulation ermittelt haben. Die Felder haben einen rein informativen
Charakter und keinerlei Einfluss auf andere Funktionen im System.
Abwertungskennziffer

Wenn Sie Ladenhüter abwerten, können Sie mit dieser Kennziffer angeben, wie viele
Jahre das Material bereits als Ladenhüter eingestuft ist. Im Customizing definieren
Sie die Höhe des prozentualen Abschlags in Abhängigkeit von der
Abwertungskennziffer.

Preiseinheit

Dieses Feld gibt die Mengeneinheiten für das Material an, auf die sich der Preis
des Vorjahres bezogen hat.

9.2.2 LIFO-Daten

LIFO/FIFO-Relevant

Wenn Sie nach dem Prinzip Last-In/First-Out (LIFO) oder First-In/First-Out (FIFO)
arbeiten, müssen Sie dieses Kennzeichen setzen, um dem System mitzuteilen, dass das
Material oder die Bewegungsart für die LIFO- und FIFO-Bewertung relevant ist.

LIFO-Pool

Sofern Sie LIFO verwenden, können Sie mithilfe der Poolnummer Materialien
zusammenfassen, die in der LIFO-Bewertung gemeinsam bewertet werden sollen.

9.3 Sicht »Kalkulation 1«

Die Sicht Kalkulation 1 (Abbildung 9.3) besteht aus zwei Segmenten:

Allgemeine Daten und

Mengengerüstdaten.

Als allgemeine Daten sind beispielsweise die Herkunftsgruppe, Gemeinkostengruppe


und das Profitcenter zu spezifizieren. Die Mengengerüstdatenfelder werden
verwendet, um Kostenvoranschläge zu kalkulieren und Aufwandsabschätzungen
durchzuführen.

Abbildung 9.3: Sicht »Kalkulation 1«

9.3.1 Allgemeine Daten

Basismengeneinheit

Dieses Feld ist auch für die Kalkulation relevant. Nähere Informationen zur
Basismengeneinheit können Sie dem Abschnitt 3.2.1 entnehmen.

nicht kalkulieren

Mit dem Setzen dieses Kennzeichens verhindern Sie, dass eine Materialkalkulation
oder Kundenauftragskalkulation für dieses Material möglich ist.

Mit Mengengerüst

Dieses Kennzeichen aktivieren Sie, wenn Sie ein Material generell mit Mengengerüst
kalkulieren möchten. Das System sucht dann bei jeder Neukalkulation nach bereits
vorhandenen Kalkulationen zu dem Material. Wenn innerhalb der Periode bereits eine
Kalkulation durchgeführt und freigegeben wurde, wird diese übernommen und keine
neue durchgeführt.

Herkunftsgruppe

Diese kann verwendet werden, um Material- und Gemeinkosten weiter zu untergliedern.


Sie können die Herkunftsgruppe z.B. verwenden, um Gemeinkostensätze oder
Zusatzkosten zu kalkulieren.

Herkunft Material
Wenn Sie dieses Kennzeichen setzen, wird bei sämtlichen Bewegungen dieses Materials
die Materialnummer in den dazugehörigen CO-Belegen fortgeschrieben. Dies ist
wichtig für den Fall, dass Sie in Controlling-Auswertungen sehen wollen, welches
Material z.B. in die Produktion anderer Materialien mit eingegangen ist. Wenn Sie
ein produzierendes Unternehmen sind, sollten Sie dieses Kennzeichen für alle
Rohstoffe, Halbfabrikate und Fertigprodukte setzen.

Gemeinkostengruppe

Mit diesem Schlüssel können Sie die Materialien für eine homogene Behandlung bei
der Gemeinkostenbezuschlagung gruppieren.

Abweichungsschlüssel

Die im SAP-Customizing gepflegten Abweichungsschlüssel steuern, wie Abweichungen


von Ihren Zielkosten kalkuliert und gemeldet werden.

Die beiden Felder Werksspezifischer Materialstatus und Gültig ab wurden bereits in


Abschnitt 5.1.1 besprochen.

Profitcenter

Mit der Zuordnung zu einem Profitcenter geben Sie an, zu welchem Bereich der
Buchhaltung der Vertrieb dieses Produktes zugeordnet wird.

9.3.2 Mengengerüstdaten

Stücklistenalternative

Nähere Informationen zu diesem Feld können Sie dem Abschnitt 6.5.1 entnehmen.

Stücklistenverwendung
Mit diesem Schlüssel legen Sie fest, in welchem Bereich die Stückliste verwendet
werden kann. Dabei unterscheidet das System beispielsweise zwischen einer
Fertigungs-, Konstruktions- oder Vertriebsstückliste. Bei einer
Fertigungsstückliste (1) erfasst das System die Positionen, die für die Fertigung
relevant sind. Bei einer Kalkulationsstückliste (6) hingegen erfasst es die
Positionen, die für die Ermittlung der Materialeinsatzkosten eines Erzeugnisses von
Belang sind.

Plangruppe

Mit der Funktion Plangruppe bietet Ihnen das System die Möglichkeit, zwei
Arbeitspläne für unterschiedliche Fertigungsabläufe zu einem Material zu
gruppieren.

Plangruppenzähler

Mit diesem Schlüssel können Sie in Kombination mit der Plangruppe einen Arbeitsplan
eindeutig identifizieren. Es lassen sich z.B. unterschiedliche Losgrößenbereiche
aufgrund verschiedener Plangruppenzähler erkennen. Sowohl die Stücklistenverwendung
als auch die Plangruppe und der zugehörige Plangruppenzähler können ebenfalls in
der Fertigungsversion gepflegt werden.

Plantyp

Wenn nicht bereits in der Fertigungsversion selektiert, können Sie an dieser Stelle
den gewünschten Plantyp selektieren. Folgende Plantypen zu Arbeitsplänen stehen
Ihnen zur Auswahl:

Normalarbeitsplan (N),

Standardarbeitsplan (S),

Linienplan (R),

Standardlinienplan (M),

Standardnetz (0),

Grobplanungsprofil (3).
Sonderbeschaffungsart für die Kalkulation

Dieser Schlüssel ermöglicht es Ihnen, für die Kalkulation ein von der Beschaffung
bzw. Fertigung abweichendes Sonderbeschaffungskennzeichen zu verwenden. Sofern Sie
keinen Eintrag an dieser Stelle vornehmen, wird die Sonderbeschaffungsart
hinzugezogen, die in der Sicht Disposition 2 gepflegt ist.

Kalkulationslosgröße

Losgröße des kalkulierten Materials, die in der Erzeugniskalkulation als Basis der
Kalkulation verwendet wurde.

Kuppelprodukt

Mit diesem Kennzeichen erlauben Sie, dass dieses Material als Kuppelprodukt
verwendet wird. Als Kuppelprodukt bezeichnet man die während eines
Produktionsverfahrens zusätzlich zum Hauptprodukt anfallenden Nebenprodukte, z.B.
die Produktion von Benzin und Diesel bei der Verarbeitung von Erdöl.

Festpreis Kennzeichen

Wenn Sie das Kuppelprodukt-Kennzeichen aktiv gesetzt haben, können Sie an dieser
Stelle zusätzlich festlegen, dass Sie für das Kuppelprodukt einen Festpreis
verwenden. Infolgedessen wird dieses nicht über einen extra
Kuppelproduktionsprozess kalkuliert.

Versionskennzeichen

Ist dieses Feld aktiviert, gibt das System im Weiteren aus, dass für dieses
Material Fertigungsversionen gepflegt sind.

Fertigungsversion
Die hier angegebene Version des Produktes dient als Grundlage für die Kalkulation.

9.4 Sicht »Kalkulation 2«

Die Sicht Kalkulation 2 (Abbildung 9.4) besteht aus den drei Segmenten

Plankalkulation,

Planpreise und

Bewertungsdaten.

Das Segment Plankalkulation gibt Einblick in die laufenden, zukünftigen und


vergangenen Kalkulationen zu einem Material. Das Segment Planpreise wird verwendet,
um manuelle Planpreise für ein Produkt zu definieren, sofern Sie keine
mengenbezogenen Aufwandsschätzungen einsetzen. In dem Segment Bewertungsdaten sind
einige bereits erwähnte Felder gruppiert, da Sie für die Kalkulation relevant sind.

Abbildung 9.4: Sicht »Kalkulation 2«

9.4.1 Plankalkulation

Periode/Geschäftsjahr

Hierbei handelt es sich lediglich um das Geschäftsjahr und die Periode, in dem bzw.
der eine vergangene, die laufende oder eine zukünftig gültige Plankalkulation
durchgeführt wurde.

Planpreis

Sofern Sie eine Plankalkulation für ein Material durchführen, werden die Ergebnisse
in diesem Feld eingetragen. Der Planpreis ist der von der betrieblichen Planung
verwendete Verrechnungspreis und sollte dem zukünftigen Istpreis möglichst
nahekommen.
Standardpreis

Sofern das Material zum Standardpreis geführt wird, bekommen Sie diesen an dieser
Stelle angezeigt.

9.4.2 Planpreise

Planpreise 1–3

Ihre Planpreise können Sie manuell eintragen und als Rechengröße für die
Produktkalkulation verwenden.

Verwendung von Planpreisen

Ihre Fertigprodukte kalkulieren Sie immer für die Zukunft, üblicherweise für das
kommende Geschäftsjahr. Wenn Sie bereits wissen, dass sich die Preise Ihrer
Rohstoffe im nächsten Jahr ändern werden, können Sie diese Preise als Planpreis in
den Rohstoffmaterialien eintragen und sie anstelle des aktuell gültigen Preises für
die Kalkulation heranziehen.

Planpreisdatum

Zu jedem der Planpreise 1–3 gibt es dieses Feld, das aussagt, ab wann der jeweilige
Preis für dieses Material gültig ist.

9.4.3 Bewertungsdaten

Die an dieser Stelle aufgezeigten Felder wurden bereits in Abschnitt 9.1.2


beschrieben. Sie werden an dieser Stelle herangezogen, da sie für die Kalkulation
relevant sind.

9.5 Persönliche Anmerkung

Die Einstellungen zur Preissteuerung sind von elementarer Bedeutung für das
Controlling Ihres Unternehmens. Ein früherer Arbeitskollege hat mir von einer Firma
berichtet, in der die Preissteuerung suboptimal eingestellt war – alle Produkte,
auch die Fertigware, waren zum gleitenden Durchschnittspreis bewertet, was dazu
führte, dass man keine aussagefähigen Berichte im Produktkostencontrolling erzeugen
konnte. Der damalige Kollege erzählte auch davon, dass in dem Unternehmen im Laufe
der Zeit mehr als 100 Bewertungsklassen eingeführt worden waren, die zusammen mit
der Existenz von vierzehn verschiedenen Kontenplänen dazu führten, dass die
Einstellungen zur MM-Kontenfindung zu einem Irrgarten wurden. Die Firma hat
schließlich ein aufwendiges Projekt zur Stammdatenbereinigung in der
Materialwirtschaft durchgeführt, in dessen Rahmen sie auch die Bewertungsklassen
auf sechs reduziert hat.

10 Fazit

Ich hatte sehr viel Spaß beim Schreiben dieses Buches. Es erinnerte mich an meine
ersten Gehversuche in SAP. Anfangs schien es mir ein System zu sein, das ich
niemals verstehen würde, denn es kam mir so umfangreich und kompliziert vor.
Später, als ich mehr Berührung damit hatte und begann, die Zusammenhänge zwischen
dem SAP-Materialstamm und meinem Tagesgeschäft zu verstehen, wollte ich noch mehr
darüber lernen.

Was ich Ihnen hoffentlich eindrucksvoll vermitteln konnte, ist, dass die Arbeit mit
dem SAP-Materialstamm niemals zu Ende ist. Es gibt immer Optimierungspotenzial, und
dieses Investment hat unmittelbare Auswirkungen auf Ihr Tagesgeschäft. Die korrekte
Pflege der Felder kann Ihnen die Arbeit mindestens erleichtern, zum Teil aber auch
ganz abnehmen. Sie werden ständig Ihr Wissen und Verständnis rund um die
Zusammenhänge der Felder im Materialstamm ausbauen und neue Dinge lernen. Das geht
mir noch heute so – nach über 15 Jahren Erfahrung damit.

An dieser Stelle würde ich gerne noch erwähnen, dass die Aufrechterhaltung von
»sauberen« Materialstammdaten ein Teamerfolg ist. Im Laufe des Buches haben Sie
gesehen, dass viele unterschiedliche Bereiche mit dem Materialstamm zu tun haben.
Es ist also vonnöten, dass auch die Kollegen ihre Felder so gut wie möglich
pflegen, damit am Ende des Tages ein gemeinsamer Erfolg zu verzeichnen ist. Denn es
bringt nichts, wenn nur einer der Unternehmensbereiche seine Stammdaten pflegt und
aktuell hält, während ein angrenzender Bereich dies nicht tut.

Zu guter Letzt noch ein Tipp: Dokumentieren Sie Ihre Arbeit an den Stammdaten
sauber und regelmäßig – allein schon, um Ihre organisatorischen Entscheidungen rund
um den Materialstamm festzuhalten/transparent zu machen. Dies kann Ihnen aber auch
bei geplanten oder ungeplanten Tests Ihres Systems behilflich sein.

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A Der Autor

Muhamed Karalic ist 34 Jahre alt und gelernter Industriekaufmann. 1992 ist er als
achtjähriger Junge während des Bosnien-Krieges mit seiner Familie nach Deutschland
geflüchtet und begann 2001 seine Ausbildung bei einem Zulieferer der
Automobilindustrie. Nach erfolgreichem Abschluss hat er sein Interesse für die
Logistik entdeckt und eine dreijährige Fortbildung an der Verwaltungs- und
Wirtschaftsakademie in Göttingen zum Logistik-Betriebswirt (VWA) absolviert.

Seit mehr als 15 Jahren arbeitet er mit dem SAP-ERP-System und konnte damit in drei
verschiedenen Branchen viel Erfahrung sammeln.

Zwischen 2013 und 2016 war Muhamed Karalic als Business Process Expert bei seinem
derzeitigen Arbeitgeber aktiv und hat das SAP-ERP-System, zusammen mit einem großen
Projektteam, global ausgerollt. Dazu gehörten das Definieren, Dokumentieren, Testen
und Schulen der Geschäftsprozesse an den unterschiedlichsten Standorten.

Seit 2017 ist er global als Process Consultant im Bereich Order-to-Cash tätig und
kombiniert viele seiner Erfahrungen – sowohl als Mitarbeiter aus dem Tagesgeschäft
als auch als Experte und Trainer der Prozesse – in konsultierender Funktion.

B Disclaimer

Die in diesem Werk wiedergegebenen Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen


usw. können auch ohne besondere Kennzeichnung Marken sein und als solche den
gesetzlichen Bestimmungen unterliegen. Sämtliche in diesem Werk abgedruckten
Bildschirmabzüge unterliegen dem Urheberrecht der SAP SE, Dietmar-Hopp-Allee 16,
69190 Walldorf.

In dieser Publikation wird auf Produkte der SAP SE Bezug genommen. SAP, R/3, SAP
NetWeaver, Duet, PartnerEdge, ByDesign, SAP BusinessObjects Explorer, StreamWork
und weitere im Text erwähnte SAP-Produkte und Dienstleistungen sowie die
entsprechenden Logos sind Marken oder eingetragene Marken der SAP SE in Deutschland
und anderen Ländern. Business Objects und das Business-Objects-Logo,
BusinessObjects, Crystal Reports, Crystal Decisions, Web Intelligence, Xcelsius und
andere im Text erwähnte Business-Objects-Produkte und Dienstleistungen sowie die
entsprechenden Logos sind Marken oder eingetragene Marken der Business Objects
Software Ltd. Business Objects ist ein Unternehmen der SAP SE. Sybase und Adaptive
Server, iAnywhere, Sybase 365, SQL Anywhere und weitere im Text erwähnte Sybase-
Produkte und -Dienstleistungen sowie die entsprechenden Logos sind Marken oder
eingetragene Marken der Sybase Inc. Sybase ist ein Unternehmen der SAP SE. Alle
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