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Liliane Susewind. Ein Meerschwein ist


nicht gern allein - Teil 2
Eine Geschichte von Tanya Stewner mit Illustrationen von Florentine
Prechtel, erschienen im Fischer Kinder- und Jugenbuchverlag.
Hier kommt der zweite Teil der Geschichte.
Wer ist Boogie?
„Wieso ist Boogie nicht gekommen?", fragte Lilli und wischte sich die Tränen

aus dem Gesicht. „Wir haben ihn doch um Hilfe rufen hören, also muss er da

gewesen sein!“

Sie saßen mit den Tieren im Garten der Susewinds, mitten in den Büschen.

Hierhin zogen Lilli und Jesahja sich immer zurück, wenn sie etwas Wichtiges

zu besprechen hatten.

„Ich habe keine Ahnung", sagte Jesahja und kratzte sich am Hinterkopf.

„Vielleicht hängt Boogie irgendwo fest? Immerhin war er drei Tage lang

verschwunden.“

Lilli überlegte. „Ich glaube eher, dass er sich vor dem Kater versteckt hat – vor

dem Miezmonster." Traurig schüttelte sie den Kopf. „Mambo und Boogie

scheinen beide eine Heidenangst vor ihm zu haben.“

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„Ob er sie gejagt hat?", fragte Jesahja. „Dann ist Boogie wahrscheinlich auch

ziemlich klein.“

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Lilli zuckte nachdenklich die Schultern. „Hmm … Mambo hat gesagt, er wäre

gern auf Boogie geritten …"

„Wenn du willst, kannst du auf mir reiten“, schlug Bonsai hechelnd vor, und

Lilli streichelte ihn geistesabwesend.

„Boogie muss größer sein als Mambo, aber klein genug, um vor einer Katze

Angst zu haben", schlussfolgerte Jesahja. „Aber auf einem Kaninchen oder

einem Hasen könnte ein Meerschweinchen nicht reiten, oder?“

Lilli nagte an ihrer Unterlippe. „Was für ein Tier Boogie auch immer ist – er

steckt in ernsten Schwierigkeiten."

Jesahja nickte. „Meinst du, wir könnten mal mit diesem Prinz Mortimer

sprechen? Er müsste doch wissen, was bei ihm zu Hause los ist."

„Mit Prinz Mortimer sprechen?" Lilli zog die Stirn in Falten. „Ich glaube, der ist

eine wirklich harte Nuss.“

„Der Puschel-Heini?", wuffte Bonsai. „Der kann bestimmt gar nicht reden. Der

kann nur schön kucken.“

„Prinz Mortimer? Ist das der Name des Herrn? Wie fürstlich!", miaute Frau von

Schmidt und schien ein klein wenig beeindruckt zu sein. Doch dann schüttelte

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sie sich. „Aber nein, das imponiert mir in keinster Weise!“

„Wenn wir Boogie helfen wollen, müssen wir Prinz Mortimer dazu bringen, uns

etwas über ihn zu verraten", sagte Jesahja.

Lilli seufzte und richtete sich auf. „Dann lass uns sofort noch mal hinfahren."

Zehn Minuten später kamen sie wieder bei dem gelben Haus an und stellten

ihre Fahrräder am Zaun hinter der Hecke ab. Lilli ließ Bonsai aus ihrem

Rucksack springen. Jesahja behielt seinen mit Frau von Schmidt jedoch auf,

damit die Katze nicht wieder jammerte.

So schlüpften sie durch das Gartentor und liefen auf Zehenspitzen zum Haus.

Lillis Herz klopfte wie verrückt. Es durfte sie auf keinen Fall jemand sehen!

Wenn sie erwischt wurden, würde es bestimmt Mordsärger geben.

„Irgendwo muss eine Katzenklappe sein", flüsterte Jesahja, während er sich

mit geducktem Kopf umschaute. „Prinz Mortimer ist ein Freigänger, also

muss er auch irgendwie rauskönnen.“

Lilli erklärte Bonsai flüsternd, wonach sie suchten, und kurz darauf wuffte der

Hund leise: „Kuck mal, Lilli! Hier drüben!“

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Lilli und Jesahja huschten um eine Ecke zur Rückseite des Hauses und

standen vor einem Wintergarten – einem großen Raum, dessen Wände

komplett aus Glas bestanden. In der gläsernen Tür des Wintergartens befand

sich eine Katzenklappe.

„Ist dies der Durchgang des Prinzen?", erkundigte sich Frau von Schmidt,

hüpfte aus Jesahjas Rucksack und schnupperte an der Klappe. „Dieser Prinz

duftet nicht besser als jeder dahergelaufene Straßenkater!“

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Lilli kniete sich vor die Tür, während sich Jesahja nervös umsah. „Hier können

wir leicht gesehen werden!"

Lilli war ebenfalls nicht wohl zumute, und ihr Herz hämmerte, als wolle es

zerspringen. Aber nun mussten sie die Sache auch durchziehen. Für Boogie.

Und für Mambo.

„Gnädigste", wandte sich Lilli an Frau von Schmidt. „Wären Sie eventuell so

freundlich, hineinzugehen und nach dem Prinzen zu suchen?“

„Ich soll sein Revier betreten? Warum sollte ich das tun?"

„Lilli!", hechelte Bonsai mit Blick auf die Klappe. „Ich kann da auch

durchhopsen! Ist kein Ding, ich mach das!“

Lilli hielt ihn jedoch zurück. „Das ist lieb, Bonsai, aber du kannst ja kein

Katzisch. Wir wollen mit dem Kater sprechen, und deshalb müsste jemand ihn

bitten, zu uns rauszukommen."

„Aha!", miezte Frau von Schmidt mit gespitzten Ohren. „Wusste ich es doch:

Ohne mich sind Sie völlig verloren!“

„Das … stimmt“, sagte Lilli.

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Die Katze überlegte. „Nun gut, ich werde es tun. Ich stelle allerdings eine

Bedingung."

„Was für eine Bedingung?“, fragte Lilli alarmiert.

„Ab sofort werden Sie mich jeden Abend streicheln, bis ich einschlafe – mit

beiden Händen!"

Lilli zögerte, aber sie sah keine andere Möglichkeit, an den Kater

heranzukommen. Sie konnte ihn unmöglich selbst rufen, denn das würde

bestimmt jemand hören. „Abgemacht.“

„Fabelhaft“, miaute Frau von Schmidt und hüpfte mit einem eleganten Sprung

durch die Katzenklappe.

Dann war alles still. Sie mussten lange warten, bis die Katze zurückkam.

„Es war absolut grauenhaft!", rief sie, schlüpfte durch die Klappe und rieb sich

heftig an der Wand, als versuche sie, das Geschehene abzuschütteln. „Ich

habe den Prinzen auf dem Sofa im ersten Stock angetroffen. Obgleich er

mich ansah, als sei ich nur eine Straßenkatze, legte ich ihm unser Anliegen

dar und bat um kollegiale Zusammenarbeit.“

„Und?", fragte Lilli gespannt. „Was hat er gesagt?“

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„Es war ein Albtraum!" Frau von Schmidt zog die Lefzen zurück. „Dieser

Möchtegern-Prinz hat angefangen mich anzufauchen!“

„Was hat er denn gefaucht?“

„Entferne dich, Eindringlings-Zwerg! Das hat er gefaucht!", miaute die Katze


erschüttert. „Und dann hat er mich die Treppe hinuntergejagt!"

„Oh, das tut mir leid“, murmelte Lilli.

„Es war eine Erniedrigung von universalem Ausmaß!", rief die Katze

fassungslos. „Solch eine Blamage habe ich noch nie erlebt!“ Sie ließ sich

schwer auf die Pflastersteine fallen. „Ich werde nun vor Schmach sterben.“

Lilli streichelte der Katze den Rücken. „Das ist ja wirklich fürchterlich. Aber

bitte sterben Sie nicht!"

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Die Katze hob den Kopf. „Ich könnte davon absehen zu sterben, wenn Sie

mich als Entschädigung morgens, mittags und abends mit beiden Händen

streicheln, bis ich einschlafe."

Lilli wollte gerade antworten, dass das wirklich ein bisschen viel verlangt sei,

da hörte sie eine Stimme. „Ihr sucht den, den sie Boogie nennen?"

„Der Prinz!“, flüsterte Jesahja.

„Der Puschel-Heini!“, wuffte Bonsai. Und genau der war es.

Boogies Rettung
Lilli drehte sich um. Der Sibirische Kater – Prinz Mortimer – stand vor der

Katzenklappe. Er hatte sich so leise angeschlichen, dass niemand ihn

bemerkt hatte.

„Hallo!", sagte Lilli und war erleichtert, dass der Kater mit ihnen sprechen

wollte. „Ich bin Lilli.“

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Prinz Mortimer ging allerdings nicht darauf ein. „Ich bin nicht Ihretwegen hier",

ließ er Lilli wissen. „Meiner Meinung nach haben Sie einen überaus

schlechten Geschmack in der Wahl Ihrer Begleitung“, sagte er mit Blick auf

Bonsai und Frau von Schmidt.

„Das ist ja wohl die Höhe!“, quiekte die Katze.

Lilli ließ sich aber nicht abschrecken. „Und warum sind Sie dann hier?"

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„Wegen dem, den sie Boogie nennen“, antwortete der Prinz.

„Ist er ein Freund von Ihnen?“, wollte Lilli wissen.

„Wie bitte?" Der Schwanz des Katers peitschte heftig auf den Boden.

„Keineswegs! Der, den sie Boogie nennen, ist nur ein Knilch, der ständig im

Weg herumsteht! Meine Freunde sind allesamt wahre Lichtgestalten und

nicht solch ein schmuckloses Etwas wie der, den sie Boogie nennen.“

„Schmucklos?“, wiederholte Lilli ungläubig. „Wie sieht er denn aus?“

Prinz Mortimer ließ sich herab zu antworten. „Er hat einen gänzlich

unvorteilhaften Körperbau, der für sämtliche interessanten Beschäftigungen

völlig ungeeignet ist."

„Wie meinen Sie das?“, fragte Lilli.

„Er ist breit und platt“, fasste der Kater zusammen. „Einfach hässlich.“

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Lilli übersetzte für Jesahja, der daraufhin rätselnd die Augenbrauen

zusammenzog. Lilli gab es jedoch auf, herausbekommen zu wollen, was für

ein Tier Boogie war. Sie wollte ihm einfach nur helfen.

Der Kater fügte nun hinzu: „Der, den sie Boogie nennen, ist insgesamt ein über

die Maßen armer Wicht ohne jegliche Ausstrahlung."

Lilli schluckte. Der arme Boogie hatte in diesem Haus keinen einzigen Freund.

Prinz Mortimer miaute weiter. „Seit ein paar Tagen versteckt sich der Wicht

vor mir, aber natürlich weiß ich genau, wo er sich befindet. Meine Nase ist

unübertroffen", sagte er und fuhr sich mit der Pfote über das edle Gesicht.

„Falls Sie in Erwägung zögen, den, den sie Boogie nennen, zu entfernen, wäre

ich möglicherweise bereit, Ihnen behilflich zu sein."

Aha, darum ging es dem Kater also! Er wollte Boogie loswerden. Lilli dachte

nach, dann wandte sie sich wieder an den Kater, der Frau von Schmidt eisern

ignorierte und erhaben in die Ferne schaute.

„In Ordnung. Wenn Sie uns helfen, Boogie zu finden, dann verspreche ich

Ihnen, dass wir ihn … entfernen werden."

Lilli wollte den Prinzen gerade darauf hinweisen, dass er Boogie auf keinen

Fall erschrecken oder ihm sonst wie weh tun dürfe, da schlüpfte der Kater

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schon wieder durch die Klappe und verschwand im Haus.

„Was macht er denn jetzt?“, fragte Jesahja.

Wenig später hörten sie ein Kratzen und Schleifen. Es klang, als zöge jemand

einen Stuhl über den Boden.

Da erklang ein Schrei. „Hilfe! O nein! Hilfe!“

„Boogie!“, stieß Lilli hervor.

Ein puscheliges Katzenhinterteil erschien in der Tür zum Wintergarten. Prinz

Mortimer zerrte irgendetwas über die Schwelle. Etwas Bräunliches, Rundes …

… eine Schildkröte!

Jesahja schnappte nach Luft. „Deswegen ist Boogie nicht gekommen, als du

ihn gerufen hast! Er war nicht schnell genug!"

Die kleine Schildkröte hatte den Kopf und die Beine eingezogen, während der

Kater sich mit ihrem Panzer abmühte und ihn in Richtung der Katzenklappe

zog.

„Hör sofort auf, Mortimer!“, verlangte Lilli streng. „Boogie hat Angst!“

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Der Kater ließ von dem Schildkrötenpanzer ab. „Prinz Mortimer, wenn ich
bitten darf", näselte er. „Ich dachte, ich sollte den Wicht
holen? Nun denn, hier ist er. Bitte nehmen Sie ihn und verlassen Sie auf der
Stelle mein Reich." Mit diesen Worten stolzierte der edle Kater von dannen.

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Lilli starrte mit klopfendem Herzen auf den Schildkrötenpanzer, der auf dem

Boden im Wintergarten lag. Das war Boogie. Sie hatten ihn gefunden!

„Hörst du mich?“, rief Lilli mit halblauter Stimme durch die Katzenklappe. Sie

konnte den Schildkrötenpanzer durch die Glasscheiben des Wintergartens

sehen, aber sie kam nicht heran. „Wir wollen dir helfen!“

Da schob sich der Kopf der kleinen Schildkröte aus ihrem Panzer hervor.

„Was?“ Suchend schaute Boogie sich um. Als sein Blick auf Lilli fiel, rief er:

„Uh! Du bist ja riesig!“

„Ich bin ein Mensch", erklärte Lilli. „Hallo, Boogie.“

„Ein Mensch mit Schildkrötengesicht?“

Boogie fuhr seinen langen Hals noch weiter aus, und auch seine Beine

schoben sich hervor. Mit kleinen Schritten kam er auf Lilli zu.

„Wir sind Freunde von Mambo“, sagte Lilli.

„Mambo?" Boogies Augen blitzten auf. „Wo ist er? Ich vermisse ihn ganz

schrecklich.“

Plötzlich stürmte Esmeraldas Mutter in den Wintergarten. Lilli fuhr vor

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Schreck zusammen.

„Wusste ich doch, dass ich was gehört habe. Was macht ihr hier?", fragte die

Frau ungehalten durch die Glaswand. „Wollt ihr etwa einbrechen?“

„Nein!", entgegnete Lilli und stand auf. „Wir waren nicht im Haus drin!“

Esmeraldas Mutter hatte ein wutrotes Gesicht. „Ich rufe jetzt wirklich die

Polizei!“

Nun erhob sich auch Jesahja und blickte die Frau ernst an. „Wir sind wegen

Boogie hier. Wir wollen ihn mitnehmen, weil er hier sehr schlecht behandelt

wird."

„Das geht euch gar nichts an!“, pfefferte die Frau ihnen entgegen.

„Wenn Sie uns Boogie nicht geben, melden wir seinen Fall dem Tierschutz.

Und dann nehmen sie Ihnen vielleicht auch den Kater weg", erklärte Jesahja

und wirkte dabei sehr erwachsen. „Eigentlich wollten Sie Boogie doch

sowieso ins Tierheim bringen. Dann geben Sie ihn uns doch einfach mit.“

Esmeraldas Mutter erstarrte. „Na gut!„, rief sie auf einmal. „Dann nehmt ihn

halt!“ Sie griff nach Boogie, der erschrocken Kopf und Beine einzog, und

reichte Lilli die kleine Schildkröte durch die Katzenklappe. „Ich will keinen

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Ärger.“

Lilli nahm Boogie behutsam entgegen.

„Und jetzt haut ab“, sagte die Frau.

Das ließen sich Lilli und Jesahja nicht zweimal sagen. Sie nahmen die Beine

in die Hand und liefen los. Bonsai und Frau von Schmidt folgten ihnen.

Die Katze zeterte zwar „Es gammelt überall!“, aber sie rannte trotzdem mit

ihnen mit.

Sobald sie durch das Gartentor waren, sagte Lilli zu der Schildkröte: „Boogie,

wir haben dich da rausgeholt!"

Doch Boogie regte sich nicht. Der Kleine schien völlig verängstigt zu sein.

„Fahren wir zu Sonay", schlug Jesahja vor. „Vielleicht kann sie Boogie auch

nehmen?“

„Ich weiß nicht, ob ihr Vater damit einverstanden ist …“, antwortete Lilli.

„Dann fragen wir!“ Jesahja stieg auf sein Rad. „Fahren wir hin!“

Lilli schob Boogie behutsam in die Bauchtasche ihres Sweatshirts, und dann

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ging es los. Kurz darauf kamen sie bei Sonay an.

Sie öffnete ihnen. „Und? Habt ihr Boogie gefunden?"

Sonays Vater erschien neben seiner Tochter im Türrahmen. „Hallo, ihr zwei.

Darf ich auch mal erfahren, was hier los ist?", fragte er freundlich.

Lilli und Jesahja erzählten ihm alles. Dann stürmten sie ins Wohnzimmer und

setzten Boogie dort auf dem Teppich ab. Da kam Mambo unter der Kommode

hervor. Mümmelnd schnupperte er in Richtung der Schildkröte.

„Boogie?“, fiepte er ungläubig. „Boogie? Bist du es wirklich?“

Hastig schob sich der Kopf der Schildkröte aus dem Panzer hervor.

„Mambo?“, quiekte Boogie. „Mambo!“

Mit erstaunlich schnellen Schritten lief er auf das Meerschweinchen zu, das

ihm fiepend entgegenkam.

„Boogie!“

„Mambo!“

Dann erreichten sie einander und beschnüffelten sich aufgeregt. „Oh, du bist

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wieder da!", fiepte das Meerschweinchen und hüpfte mit einem freudigen

Satz auf Boogies Panzer.

Da lachte Boogie ein Schildkrötenlachen und rannte los – so schnell, wie

Schildkröten eben rennen können. Übermütig umrundete er den Esstisch und

lief dann kreuz und quer durch den Raum.

Bonsai schnuffte: „Also, ich kurve ja lieber auf dem Staubsauger rum, aber der

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Schweinetyp passt irgendwie gut auf den Kasten-Fuzzi drauf."

Auch Frau von Schmidt betrachtete das Meerschweinchen und die

Schildkröte mit wohlwollendem Blick. „Ich muss sagen, die beiden haben Stil.

Viel mehr als dieser Möchtegern-Prinz!", miaute sie.

„Die beiden sind wirklich süß zusammen", sagte Sonays Vater. „Die darf man

ja gar nicht trennen.“

Sonay strahlte ihn an. „Echt nicht?“

„Nein", sagte ihr Vater. „Ein Terrarium passt doch ganz wunderbar in die Ecke

da drüben.“

Sonay fiel ihrem Vater um den Hals. „Ich wollte schon immer eine Schildkröte

haben!"

Ihr Vater lachte, und Jesahja drehte sich grinsend zu Lilli um. „Ich find’s super,

wenn alle glücklich sind."

Und da musste auch Lilli lachen. Ganz laut lachte sie, vor Erleichterung und

vor Freude, und an den Topfpflanzen auf der Fensterbank sprossen in

Sekundenschnelle viele kleine fröhliche Blüten hervor.

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Verlag: Fischer Kinder- und Jugenbuchverlag GmbH
Alterseinstufung: ab 7 Jahren
ISBN: 978-3-7373-5202-4

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