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Theorie der Eröffnung

Königsindischer Angriff
Das Spielsystem mit dem Aufbau
Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2
Heiko Eggers

Theorie der Eröffnung

Königsindischer Angriff

Das Spielsystem mit dem Aufbau


Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2
Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über http://dnb.ddb.de abrufbar.

2. Aktualisierte und
erweiterte Auflage
Copyright  2008 Heiko Eggers
Umschlag : Petra Stolz, Hamburg
E-Mail : heikoeggers@yahoo.de
Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt
Printed in Germany
ISBN 978-3-8334-3194-6
Alle Rechte vorbehalten
Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ................................................................................................. 5
Über… ................................................................................................................ 11
… die Zielgruppe ........................................................................................... 11
… die benutzte Software ................................................................................ 11
… den praktischen Nutzen ............................................................................. 11
… die KIA-Theorie ........................................................................................ 13
… den Autor .................................................................................................. 13
Vorwort zur 2.Auflage in 2008 ........................................................................... 15
Was ist neu in dieser Auflage? ....................................................................... 15
Zum Stand der Diskussion ............................................................................. 19
Vorwort zur 1.Auflage in 2005 ........................................................................... 25
Einführung .......................................................................................................... 27
Ausgangspunkt dieser Theorie zum KIA ....................................................... 27
Einige Hinweise zur Geschichte des KIA ...................................................... 28
Aspekte zur Schachtheorie eines Spielsystems .............................................. 30
Anmerkungen von Spielern und Autoren ........................................................... 34
Ranglisten zur KIA-Eröffnung ........................................................................... 41
Rangliste der Großmeister.............................................................................. 41
Rangliste der Autoren .................................................................................... 41
Begriffe: Definition und Erläuterung .................................................................. 42
Eröffnung ....................................................................................................... 42
Eröffnungstheorie........................................................................................... 43
Hauptvariante ................................................................................................. 43
Lösungsvariante ............................................................................................. 43
Nebenvariante ................................................................................................ 44
Neuerung ........................................................................................................ 44
Plan ................................................................................................................ 44
Spielsystem .................................................................................................... 47
Stellungsbild .................................................................................................. 47
Theoriesystem ................................................................................................ 48
Variante .......................................................................................................... 49
Zug (Halbzug) ................................................................................................ 49
Zugfolge ......................................................................................................... 49
Zugumstellung ............................................................................................... 50
Hinweise zur Notation ........................................................................................ 51
Figuren ........................................................................................................... 51
Die Algebraische Notation ............................................................................. 51
Die Englische Notation .................................................................................. 51
Symbole ......................................................................................................... 54

5
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Anmerkungen zum Begriff „Theorie“ ................................................................ 55


Vorbemerkungen ............................................................................................ 55
Abgrenzung des Begriffs ................................................................................ 56
Ausblick .......................................................................................................... 58
Allgemeine Aspekte zur „Theorie der Schachsysteme“ ..................................... 59
Allgemeine Voraussetzungen ......................................................................... 60
Allgemeine Definition für Eröffnungstheorien ............................................... 63
Allgemeine Eröffnungsgrundsätze.................................................................. 66
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie ................................................... 68
Spezielle Voraussetzungen ............................................................................. 68
Definition der Eröffnungstheorie des Standard KIA ...................................... 71
Erläuterungen zur Definition .......................................................................... 71
Bemerkungen zu den Anfangszügen .............................................................. 72
Vorgehensbeschreibung zur Partienauswahl .................................................. 76
Konstruktion der Datenbank: KIA2450-2875-O ...................................... 76
Konstruktion der Datenbank: KIA2100-2449-O ...................................... 78
Konstruktion der Datenbank: KIA0000-2875-O ...................................... 78
Übersicht zur Partienauswahl ......................................................................... 79
Ermittlung der (Haupt-)Varianten .................................................................. 81
Die Buchanalyse....................................................................................... 81
Die Fortsetzungen im 7. Zug .................................................................... 83
Zuordnung zu ECO-Schlüsseln ...................................................................... 84
Vorgehen bei der Auswertung des Quellenmaterials ...................................... 85
Zusammenfassung zum Vorgehen bei der Partienauswahl ............................. 86
Präsentation der KIA-Eröffnungstheorie ............................................................ 88
O1. Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ................................................... 91
O1.01 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ........................................ 95
O1.02 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 100
O1.03 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 109
O1.04 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 118
O1.05 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 122
O1.06 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 130
O1.07 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 140
O1.08 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 151
O1.09 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 159
O1.10 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 165
O1.11 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 167
O1.12 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 169
O1.13 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 172
O1.14 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel ...................................... 174
O2. Schwarzes Fianchetto am Damenflügel ................................................. 176

6
Inhaltsverzeichnis

O2.01 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel ...................................... 179


O2.02 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel ...................................... 182
O2.03 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel ...................................... 188
O2.04 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel ...................................... 193
O2.05 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel ...................................... 196
O2.06 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel ...................................... 198
O2.07 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel ...................................... 201
O2.08 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel ...................................... 204
O2.09 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel ...................................... 206
O3. Schwarzer Bauernkeil ........................................................................... 208
O3.01 Schwarzer Bauernkeil ................................................................. 212
O3.02 Schwarzer Bauernkeil ................................................................. 223
O3.03 Schwarzer Bauernkeil ................................................................. 237
O3.04 Schwarzer Bauernkeil ................................................................. 243
O3.05 Schwarzer Bauernkeil ................................................................. 248
O3.06 Schwarzer Bauernkeil ................................................................. 255
O3.07 Schwarzer Bauernkeil ................................................................. 260
O3.08 Schwarzer Bauernkeil ................................................................. 264
O4. Schwarze Bauernkette f/e/d ................................................................... 266
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d ........................................................ 270
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d ........................................................ 299
O4.03 Schwarze Bauernkette f/e/d ........................................................ 322
O4.04 Schwarze Bauernkette f/e/d ........................................................ 327
O4.05 Schwarze Bauernkette f/e/d ........................................................ 331
O4.06 Schwarze Bauernkette f/e/d ........................................................ 335
O4.07 Schwarze Bauernkette f/e/d ........................................................ 337
O4.08 Schwarze Bauernkette f/e/d ........................................................ 339
O4.09 Schwarze Bauernkette f/e/d ........................................................ 341
O5. Schwarzes Bauernduo d/e ..................................................................... 344
O5.01 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 347
O5.02 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 356
O5.03 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 361
O5.04 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 363
O5.05 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 366
O5.06 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 370
O5.07 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 375
O5.08 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 378
O5.09 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 380
O5.10 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 385
O5.11 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 387
O5.12 Schwarzes Bauernduo d/e ........................................................... 389

7
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Zusammenfassung ............................................................................................ 392


Was ist jetzt erreicht?.................................................................................... 392
Welche praktischen Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich? ................... 392
Übersicht zur Statistik der Stellungsbilder ................................................... 400
Übersicht über die am häufigsten gespielten Stellungsbilder ................. 400
Übersicht über die restlichen Stellungsbilder ......................................... 401
Übersicht über die für Weiß erfolgreichsten Stellungsbilder ................. 402
Übersicht über die für Weiß kritischen Stellungsbilder ......................... 402
Anhang ............................................................................................................. 403
Nützliche englischsprachige Sachbegriffe........................................................ 404
Quellenverzeichnis ........................................................................................... 410
KIA-Quellen ................................................................................................. 410
Sonstige KIA-Quellen .................................................................................. 413
Sonstige Quellen ........................................................................................... 414
KID-Quellen ................................................................................................. 416
Zeitschriften .................................................................................................. 416
Rezensionen zur ersten Auflage 2005........................................................... 417
Enzyklopädien und Lexika ........................................................................... 417
Internetquellen .............................................................................................. 418
Elektronische Medien ................................................................................... 418
Personen- und Sachregister .............................................................................. 420

8
Inhaltsverzeichnis

Das Schach ist dem Wesen nach ein Spiel,


der Form nach eine Kunst,
der Darstellung nach eine Wissenschaft.

Tassilo von der Lasa1

Schach lehrt vor allem, objektiv zu sein.


Man kann allein dadurch ein großer Meister werden,
indem man seine Fehler und Unzulänglichkeiten einsieht.

Alexander Aljechin2

1
„Baron Tassilo von Heydebrand und der Lasa“ (*1818, †1899) ist besser unter der Kurzform seines
Namens „Tassilo von der Lasa“ bekannt. Er war Mitglied der berühmten Berliner Schachschule. Zum
Vergleich der Ausspruch von Rudolf Spielmann: „In der Eröffnung ist der Schachspieler ein Buch,
im Mittelspiel ein Künstler und im Endspiel eine Maschine.“ (zitiert nach: Q006-DWOREZKI-
JUSSUPOW95, S. 175).
Hinweis: In diesem Buch werden die benutzten Quellen mit „Qnnn-AUTORmm“ (nnn = laufende
Nummer, AUTOR = Name des jeweiligen Autors, mm = Jahreszahl bzw. Heftnummer, falls mehrere
Quellen eines Autors vorliegen) und Zitate zusätzlich mit der dazugehörenden Seitennummer (Qnn-
AUTOR, S. nn) kenntlich gemacht. Einfügungen und/oder Auslassungen innerhalb der Zitate wurden
von mir generell durch eckige Klammern „[...]“ kenntlich gemacht. Eckige Klammern, die von den
zitierten Autoren stammen, wurden in runde Klammern „(...)“ geändert. Die ausführlichen Angaben
der benutzten Quellen befinden sich im Anhang jeweils unter der Qnnn-Quellennummer.
2
Zitiert nach: Q029-DWOREZKI-JUSSUPOW95, S. 159

9
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Erfahrung ohne Theorie


lehrt das Management kein bisschen darüber was zu tun ist,
um die Qualität und Wettbewerbsstellung
zu verbessern.3

W. Edwards Deming

3
Zitiert nach: http://de.wikipedia.org/wiki/William_Edwards_Deming, vom 05.10.2008.

10
Über…

Über…4
… die Zielgruppe
Zur Zielgruppe dieses Buches gehören prinzipiell alle Schachspieler. Allerdings
wird sich derjenige, der den Praxisbezug nicht zwingend in den Vordergrund
stellt, eher angesprochen fühlen, d.h. der Theoretiker hat eindeutig mehr von
diesem Buch. Das vorliegende Material ist wegen der systematischen Zusam-
menstellung und Vollständigkeit5 aber auch für Schachtrainer geeignet, die
diese Eröffnung mit ihren Schülern studieren wollen. Es lassen sich schnell viele
geeignete Unterrichtsthemen ableiten, ohne den Bezug zum KIA aus den Augen
zu verlieren.6 Darüber hinaus halte ich mein Buch auch dafür geeignet, einen
Orientierungsrahmen für zukünftige Schachbuchautoren abzugeben, die sich
an die Ausarbeitung weiterer Eröffnungstheorien oder ganzer Theoriesysteme
heranwagen wollen.
… die benutzte Software
Als Hilfsmittel verwende ich die Software ChessBase7 und die dazu kompatible
Datenbank „Mega Database“8, die von der gleichnamigen Firma zu beziehen ist.
An Hand dieser öffentlich zugänglichen Hilfsmittel lassen sich die Ergebnisse
meiner Untersuchung vom Leser überprüfen. Stichproben haben gezeigt, dass die
Software Chess Assistant9 der Firma Convecta ein vergleichbares Leistungs-
spektrum bietet. Ebenso empfiehlt sich das kostenlos über das Internet zu bezie-
hende Produkt Scid10 („Shane's Chess Information Database“).
… den praktischen Nutzen
Dieses Buch ist - trotz seines Theorieschwerpunktes - für das persönliche Trai-
ning geeignet und kann die individuelle Wettkampfvorbereitung unterstützen.
Die Stellungsbilder prägen sich als Muster gut ein und die herausgefilterten
Hauptvarianten führen effizient von der KIA-Eröffnung in die relevanten Mittel-

4
In den Anmerkungen von Lesern (mit „Leser“ sind auch immer die „Leserinnen“ gemeint) zur
ersten Auflage dieses Eröffnungsbuches wurden wiederkehrende Fragen gestellt, auf die ich in
diesem Kapitel unter anderem kurz eingehen möchte.
5
Sämtliche öffentlich zugängliche Quellen in deutscher und englischer Sprache, die das Thema
„Königsindischer Angriff“ bzw. „King’s Indian Attack“ im Titel tragen sind ausgewertet worden.
6
Einige Beispiele findet der Leser in dem Abschnitt „Zusammenfassung“ am Ende dieses Buches.
7
Vgl. hierzu Q014-CHESSBASE.
8
Vgl. hierzu Q004-MEGABASE.
9
Vgl. hierzu Q099-CHESSASSISTANT.
10
Siehe http://scid.sourceforge.net

11
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

spielsituationen. Der Leser bekommt die Theorie zu dieser KIA-Eröffnung -


sowie die Übergangsphase in das reine Mittelspiel - übersichtlich präsentiert.
Dieses Eröffnungsbuch ist insbesondere dafür geeignet, sich in dieser Spielphase
zu spezialisieren11 und auf ein Spielsystem zu konzentrieren. Ich gebe aller-
dings zu bedenken, dass der hier von mir vorgestellte Standard-KIA, wegen der
konsequenten Voraussetzung einer ganz bestimmten Ausgangsstellung, nicht als
pädagogisches Lehrbuch konzipiert wurde. Die Behandlung des KIA als fle-
xibles System (z.B. zur Repertoirebildung) mit seinen möglichen Übergängen in
andere Spielsysteme, bzw. das mögliche Einmünden in den KIA aus anderen
Spielsystemen, soll hier bewusst nicht behandelt werden. Hier steht der KIA im
Vordergrund und nicht das „Umgehen“ seiner Spielweise12. Nichtsdestotrotz
findet der Leser mitunter andere Spielsysteme benannt, wenn diese im Verlauf
einzelner Hauptvarianten angetroffen werden.
Für viele Spieler auf dem normalen Spielniveau13 (ELO14 1000-2099) ist eine
verbale Interpretation des Geschehens auf dem Brett als Orientierung wün-
schenswert, da die „Schriftsprache“ des Schachs in Form der möglichen Varian-
ten noch nicht immer sicher und flüssig gelesen werden kann. Diese verbalen
Interpretationen liefere ich aus den öffentlich zugänglichen Quellen15 zum KIA.
Die Aussagen in diesen Quellen beziehen sich indes nicht immer auf die Haupt-
varianten und sind auch nicht immer von Großmeistern verfasst worden. Dem-

11
„Obwohl es [...] keinen stichhaltigen Einwand gibt, verstoßen immer wieder talentierte Spieler [...]
gegen das Prinzip der Spezialisierung. Sie schöpfen dadurch ihre leistungsmäßigen Potenzen nicht
aus und hemmen unbewusst ihr Entwicklungstempo.“ (Vgl. Q047-BÖNSCH, S. 102f)
12
Die unterschiedliche Herangehensweise an den KIA hat GM Emms z. T. deutlich gemacht (vgl.
Q063-EMMS05, S. 7-8): Entweder will der Spieler prinzipiell dem Schwarzen aus der KIA-
Grundformation heraus entgegentreten oder er startet mit 1.e4 und wechselt in eine KIA Variante,
wenn Schwarz hierauf bezogen eine eher nachteilige Verteidigung gewählt hat. Meines Erachtens
bildet die von mir vorgestellte Theoriebetrachtung den ersten wichtigen Schritt hin zu einem Reper-
toire von Eröffnungen, über das man verfügen möchte. Selbstverständlich kann man auch andere
Spielsysteme als Ausgangspunkt zu Grunde legen, man sollte aber mit einer Eröffnungstheorie
starten, die einem persönlich liegt und die man gerne spielt. Hierauf aufbauend können dann schritt-
weise weitere Eröffnungstheorien bzw. ganze Theoriesysteme gesucht werden, die hierzu passen. Ein
Beispiel: Nachdem man den Standard-KIA gespielt hat, kann man gegen den schwarzen Bauernkeil
(vgl. Typ O3) in ein Réti-System überwechseln, wobei es dann optimal wäre, diese Eröffnungstheo-
rie zu kennen usw.
13
Ich differenziere drei Spielniveaus: A) nSN = normales Spielniveau (in der Regel Vereinsspieler,
ELO 1000-2099). B) gSN = gehobenes Spielniveau (z.B. Bundesliga, ELO 2100-2449) und das GM
= Großmeisterniveau (bzw. „Super“-GM-Niveau, ab ELO 2450). Die Partien des nSN sind in der
Datenbank KIA0000-2875-O enthalten.
14
ELO und DWZ verwende ich synonym als Wertungszahl der Spielstärke. Vermutlich wird die
DWZ auf mittlere Sicht ohnehin durch die ELO verdrängt.
15
Quellen können sein: Schachbücher, kommentierte Partien in der Megabase oder im Internet,
DVD-Lehrgänge, Videos und Artikel bzw. Diskussionsforen im Internet.

12
Über…

entsprechend sind diese Erläuterungen zu der KIA-Theorie nicht wertfrei und


deshalb mit einer gesunden Skepsis zu betrachten.
… die KIA-Theorie
Bislang wurde keine explizit formulierte KIA-Theorie veröffentlicht. Insofern
kann ich – wie mitunter vermutet wird - in meinem Buch nicht über eine „vor-
handene Theorie“ informieren (wollen). Durch den von mir vorgestellten neuen
Theorieansatz16 wird erstmals gezeigt, dass die Arbeitsergebnisse der Schach-
meister am Schachbrett systematisch und methodisch aufgearbeitet und trans-
parent, d.h. für jedermann nachvollziehbar, dargestellt werden können. Den
wesentlichen Beitrag zur Theorie liefern die besten Schachspieler der Welt über
ihre im Turniersaal gespielten Partien. In den dokumentierten Zugfolgen sind
ihre Erfahrungen, Gedanken und Ideen verschlüsselt dargestellt. Es handelt sich
hier demnach nicht um „meine persönliche Schachtheorie“, sondern um
eine systematische und transparent dargestellte Aufarbeitung (mit Theorie-
anspruch) bisheriger Erkenntnisse zum KIA in seinem Standardaufbau17.
Es geht mir nicht darum, eine allgemeingültige und für alle Zeiten geltende The-
orie über das Schach im Allgemeinen aufzustellen, sondern ganz konkret um die
Theorie dieses speziellen Spielsystems.18
… den Autor
Ich wurde 1955 in Hamburg geboren und bin heute als zertifizierter Service
Manager im Bereich der Informationstechnik (IT) bei einem großen IT Service
Provider an den Standorten Hamburg, Aachen, Wien und Venedig beschäftigt. In
meiner mehr als 25 jährigen beruflichen Laufbahn habe ich alle Stationen der
Entwicklung der IT durchlaufen: von der Programmierung in vielen Sprachen
über die Leitung von Projekten bis hin zur Wahrnehmung von Führungsaufga-

16
Dieser Ansatz ist der Ansicht von IM Dworetski diametral entgegengesetzt. In seinem Buch Q115-
DWORETSKI00, schreibt er auf S. 10: „Unser Konzept ist ein anderes. Wir verzichten auf die Voll-
ständigkeit der Informationen und wollen die Eröffnungsprobleme lediglich mit Hilfe der wichtigsten
Partien logisch abhandeln. Diese Herangehensweise ist ökonomischer, auch wenn sie verständli-
cherweise nicht frei von Mängeln ist. Die Auswahl der Schlüsselpartien und noch mehr ihre Interpre-
tation und die Bewertung der sich in der Eröffnung vollziehenden Ereignisse unterliegen der subjek-
tiven Wahrnehmung des Autors. Sie kann sich als ungenau, unvollständig oder gar falsch erweisen
[…].“ Und jetzt die falsche Schlussfolgerung aus seinen obigen Ausführungen: „Eine andere Einstel-
lung zur Eröffnung wäre auch undenkbar, denn schon eine einzige neue, inzwischen gespielte Partie
oder eine in der Analyse gefundene Idee kann die Bewertung eines gesamten Eröffnungssystems auf
den Kopf stellen.“ Wer meinen Theorieansatz verstanden hat, der wird erkennen, das IM Dworetski
hier komplett falsch liegt. Sein Ansatz ist nicht „ökonomischer“, sondern „bequemer“.
17
Insofern ist meine persönliche Wertungszahl im Wettkampfschach irrelevant.
18
Vgl. hierzu „Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie“.

13
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

ben. Die lange vorhandene Zuneigung zu dem faszinierenden Brettspiel Schach


hat mich – gestützt durch meine beruflichen Erfahrungen – motiviert, tiefer in
die Gedankenwelt der Erfordernisse moderner Schachtheorie einzutauchen.

14
Vorwort zur 2.Auflage in 2008

Vorwort zur 2.Auflage in 2008


Diese zweite aktualisierte und erweiterte Auflage ist möglich geworden, da mein
KIA-Eröffnungsbuch unter den Schachfreunden in Deutschland, Nieder-
lande, Österreich und der Schweiz gut aufgenommen wurde, so dass dieses
KIA-Projekt auf Basis der aktuellen Partiendatenbank „MegaBase 2008“19
fortgesetzt werden kann. Dafür sei den Lesern recht herzlich gedankt.
Die angekündigten Bücher zur Mittel- und Endspieltheorie des KIA Spielsys-
tems befinden sich weiterhin in der Vorbereitung, obwohl ich die Arbeiten daran
zunächst zurückgestellt habe, um das neue zur KIA-Eröffnung aufgelaufene
Material einarbeiten zu können. Die Eröffnungstheorie bildet die Grundlage
für die Folgephasen und damit die wesentliche Voraussetzung, auf die weitere
Forschungen aufbauen müssen. Deshalb habe ich die zweite Auflage zur KIA-
Eröffnungstheorie vorgezogen. Ich bitte den Leser bezüglich der Folgebände
weiterhin um Geduld.
Was ist neu in dieser Auflage?
Zunächst einige Anmerkungen allgemeiner Art...
 Die Anregungen und Hinweise von den aufmerk- und mitteilsamen Lesern
und Rezensenten zu inhaltlichen und formalen Unzulänglichkeiten wurden
berücksichtigt.
 Formale Fehler (z.B. Rechtschreibung, Layout) und „Stilblüten“ wurden
nach bestem Wissen und Gewissen korrigiert. Für bestehende Mängel,
insbesondere was die Regeln der aktuell geltenden Rechtschreibreform anbe-
langt, möchte ich mich beim Leser vorab entschuldigen. Wenn man als Autor
vor seinem eigenen Text sitzt, lässt sich eine gewisse „Textblindheit“ nicht
immer vermeiden.
 Das Quellenverzeichnis des verwendeten Materials wurde erweitert und neu
gestaltet, so dass der Leser, die für diese KIA-Eröffnung wichtigen Quellen
auf einen Blick erfassen kann. Da die reinen Angaben mit „Qnnn“ bisher die
Zuordnung zu den Autoren und den Werken erschwert hat, wurden die Qnnn
mit einem zusätzlichen Autorenkürzel versehen. Zudem wurde die von den
Lesern vermisste alphabetische Sortierung der Quellen im Anhang vorge-
nommen.
 Für die bis 1980 im englischsprachigen Raum verwendete Englische Notati-
on20 der Spielzüge findet der Leser im Text ein erklärendes Beispiel. Im
Rückgriff auf ältere Schachbücher trifft man diese Art der Notation an. Die
19
Vgl. Q004-MEGABASE
20
Vgl. hierzu „Hinweise zur Notation“

15
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Übersetzung in die heute gebräuchliche Algebraische Notation ist recht müh-


sam.21
 Die Bezeichnungen der KIA-Datenbanken wurden vereinheitlicht; die
ehemals als KIA-BASE bezeichnete Datei heißt jetzt KIA2450-2875-O (O =
Opening). Am Dateinamen lässt sich ablesen, welche ELO-Range die ge-
sammelten Partien abdecken.
 Der Sourcecode zur Ermittlung eindeutiger Stellungsbilder wurde ent-
fernt, da das Programm keine Relevanz für die Theorieaussage hat. Der
Quellcode und eine ausführbare Programmversion kann weiterhin kostenlos
per Mail bei mir angefordert werden.
 Einige nützliche Englische Vokabeln mit Bezug zum Schach sind in den
Anhang aufgenommen worden. In den englischen Textzitaten habe ich (für
mein Gefühl) eher ungewohnte Begriffe mit einer Übersetzung versehen.
Jetzt das für den Leser als Schachspieler wichtige...
 Die aktuelle MegaBase 2008 ist als Basismaterial eingearbeitet worden. Es
sind seit der Buchauflage aus 2005 neun neue Stellungsbilder hinzuge-
kommen (O1.11, O1.12, O1.13, O1.14, O2.08, O2.09, O3.08, O5.11 und
O5.12). Insgesamt stehen jetzt mehr als 700 Großmeisterpartien als Grund-
lagenmaterial zur Verfügung.
 Bei der Auswahl der Partien für die KIA2450-2875-O wurde die Mindestzü-
gezahl von 10 auf 6 heruntergesetzt. Die sechszügige KIA-Grundstellung
muss also wenigstens erreicht werden. Begründung: In der Betrachtungs-
phase der Spieleröffnung ist der Ausschluss kurzzügiger Remispartien
nicht erforderlich.
 „Die Historie zur Partienauswahl“ im Anhang wurde entfernt, um Platz
einzusparen. Die Entwicklung des KIA kann - unter Beachtung der in diesem
Buch beschriebenen Voraussetzungen - über die jährlichen Ausgaben der
MegaBase zurückverfolgt werden.
 Die Zusammenstellung der Praxispartien für das gehobene Spielniveau
(ELO 2100-2449) wurde dem Auswahlverfahren für die KIA2450-2875-O
angeglichen. Das bedeutet, dass eine Partie nur dann selektiert wird, wenn
beide Spieler mit ihrer Wertungszahl in die angegebene Range passen (bis-
lang genügte im Praxissegment der Durchschnitt beider Wertungszahlen).22
Dadurch hat sich die Anzahl der Partien in diesem Bereich etwas verringert.
Der Vorteil liegt darin, dass die Spielstärkebereiche transparenter vonei-

21
Die Arbeit wird von dem ChessBase Tool etwas erleichtert, indem hier zwischen den unterschied-
lichen Notationen leicht hin und zurück gewechselt werden kann. (Vgl. Q014-CHESSBASE).
22
Vgl. hierzu „Vorgehensbeschreibung zur Partienauswahl“.

16
Vorwort zur 2.Auflage in 2008

nander abgegrenzt sind. Alle in diesen „Töpfen“ nicht berücksichtigten Par-


tien finden sich letztlich in der Gesamtauswahl KIA0000-2875-O wieder.
 Die bislang vorhandenen Datenbanken KIA1000-2099 für das normale
Spielniveau (nSN) sowie die KIA-VIP23 wurden entfernt. Die Erstellung
einer VIP-Datenbank lässt sich nur mit sehr hohem Aufwand24 realisieren,
ohne dass der Nutzen diesen rechtfertigt. Die Datenbank KIA0000-2875-O
(bisher KIA-ALL) stellt sicher, dass in der Darstellung der Spielweise des
Praxissegmentes alle Aspekte – sprich Varianten – berücksichtigt werden.
 Die Zugfolgen der Schachengines wurden prinzipiell entfernt. Diese sind
für die Eröffnungstheorie nicht wichtig, da es hier auf die angestrebten Aus-
gangsstellungen und die Hauptvarianten der Meisterspieler ankommt, die
diese in langjähriger Erfahrungsarbeit zusammengetragen haben. Die Engi-
nes können grobe Fehler und Gewinnzüge sehr schnell erkennen. Diese Ei-
genschaft erspart uns Menschen viel Zeit in der Analyse von Schachpartien.
Sie können deshalb in der Mittelspielanalyse nützlicher sein, in der es u. a.
darum geht, Gewinnwege, Kombinationen, Opfer und taktische Fehler zu er-
kennen. Oder im Endspiel, welches Maschinen heutzutage bis zu einer ge-
wissen Anzahl Steinen auf dem Brett bereits vollständig errechnen bzw. in
einer Datenbank nachschlagen können. Dort wo die Rechenergebnisse der
Engines Aussagen in den Quellen untermauern bzw. entkräften oder Ideen
transparenter werden lassen, habe ich sie weiterhin sparsam einfliessen las-
sen.
 Die Brettstellungen nach ausgespielten Hauptvarianten wurden mit Hilfe
der Schach-Engine Fritz 11 (vgl. Q009-FRITZ11) bewertet, um neben der
Erfolgsstatistik einen weiteren Parameter zur Objektivierung einer HV zu be-
kommen. Die Parameter „Erfolgsstatistik“ und „Engine-Bewertung“ haben
allerdings keine Theorierelevanz sondern liefern lediglich einen Beitrag zur
Orientierung in der Theorie. Insbesondere die „Erfolgsstatistik“ darf nicht als
„Gewinnversprechen“ missverstanden werden.
 Die je Stellungsbild per ChessBase ermittelte „Kritische Variante“ wurde
entfernt. Die Darstellung bringt dem Leser, über die gelisteten Hauptvarian-
ten hinaus, keine (theorie-) wichtigen Informationen.

23
V.I.P. = Very Important Person; hier sind berühmte Schachspieler ohne dokumentiertes ELO-
Rating gemeint.
24
Aus sämtlichen Partien von vor 1972 wären die Partien bekannter Schachgrößen herauszufiltern.
Hierzu müsste zunächst festgestellt werden, welcher Spieler in den Pool der VIPs gehört. Das ist nur
mit erheblichem manuellem Aufwand zu machen. Der Nutzen für die heutige KIA-Theorie ist zu
gering, um diesen Aufwand zu rechtfertigen.

17
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Weitere Quellen25. konnte ich auf Grund aktueller Veröffentlichungen und


fortgesetzter Recherchen sowie Hinweisen von Lesern beschaffen und aus-
werten. Die Broschüre von IM Eric Tangborn (Q045-TANGBORN, 1992)
sowie das in 2005 herausgebrachte Buch von GM John Emms (Q063-
EMMS0526) sind hinzugekommen. Zwischenzeitlich konnte ich auch die
Originalversion von Smith/Hall (Q064-SMITH-HALL88, 1988) beschaf-
fen. Da die Übersetzung ins Deutsche von E. Siebenhaar zum Teil sehr frei -
und in meinen Augen nicht immer korrekt - ist, wurde bei Bedarf auf die
Originalfassung zurückgegriffen. Das kleine Heft zum KIA von GM David
Norwood (Q072-NORWOOD, 1991), das Buch von GM Wladimir Bagi-
row27 „Réti-Eröffnung“ mit KIA-relevanten Kapiteln („Altindische Motive
gegen …“), das Video28 zum KIA von GM Roman Dzindzichashvili
(Q065-DZINDZICHASHVILI, 2005), das Buch von IM John Watson
„Play the French“ mit einem separaten Kapitel zum KIA (Q082-
WATSON03, 2003), die DVD „Französisch I“ mit sechs KIA Sequenzen
von GM Thomas Luther (Q087-LUTHER, 2005), das Buch von GM John
Emms „attacking with 1 e4“ (mit einem 39-seitigen Kapitel zum KIA) so-
wie die Artikel aus den New In Chess Yearbooks (Q068-NIC49, Q069-
NIC50, Q070-NIC76) sind ausgewertet worden29. Ebenso die Broschüre „A
Complete Opening System for White: The King’s Indian Attack, by
U.S.C.F. Master John Hall“ (Q085-HALL, 1972), die zweite Auflage „Kö-
nigsindisch bis Altindisch“ (mit einem separaten Kapitel zu Königsindisch
im Anzug) von GM Eduard Gufeld (Q097-TAIMANOW-GUFELD) und
die dritte Ausgabe „Flank Openenings“ von GM R.D. Keene (Q098-
KEENE). Diese KIA-Studie von GM Keene basiert auf der ersten Ausgabe
aus dem Jahre 1968 und ist damit die zurzeit älteste mir vorliegende KIA-
Quelle. In der ChessBase Monographie von GM Robert Hübner zu den Par-
tien von GM Bobby Fischer fand ich eine ausführlich kommentierte Partie

25
Quellen, die den KIA zwar behandeln, aber im Titel nicht explizit darauf hinweisen sind nicht
leicht zu identifizieren. Hier bitte ich weiterhin um die Unterstützung der Leser, mir eventuell bisher
nicht berücksichtigte Quellen per Mail mitzuteilen.
26
Inzwischen ist eine Übersetzung aus dem Englischen erschienen, „da sich [aber] in der deutschen
Übersetzung nichts wesentliches geändert hat“ (Heinz Brunthaler, in: Rochade 6/2007) verwende ich
die Originalfassung.
27
Verstorben 2000.
28
Da ich die auf den Videos der Autoren gesprochene (englische) Sprache für den Leser in Text
gießen musste und nicht immer alles deutlich zu verstehen war, möchte ich mich für evtl. vorhandene
„Schnitzer“ entschuldigen.
29
Wobei die Quelle Q069-NIC50 (trotz explizitem Bezug zum KIA) mit keiner Partie den von mir
behandelten Standard KIA Aufbau untersucht und deshalb hier auch nicht weiter zu Rate gezogen
werden kann.

18
Vorwort zur 2.Auflage in 2008

zum Stellungstyp O1.03, die GM Hübner gegen GM Fischer 1970 Remis


spielte. (Q105-HÜBNER) Das Buch „Winning Chess – Openings“ von
GM Seirawan (dritte Ausgabe, 2006, Q109-SEIRAWAN) konzentriert sich
mehr auf die Barzca-Eröffnung (Sf3 / g3 / Lg2 / 0-0), enthält aber einige
Anmerkungen zu KIA-Typen. Das Buch liefert zwar wenig Neues zum The-
ma, geht aber ebenfalls von einer fünfteiligen Gruppierung aus (vgl. Fußnote
zur Quellenangabe im Anhang). In 2008 ist die Trainings-DVD von GM
Nigel Davies (Q106-DAVIES) erschienen und hier bereits ausgewertet wor-
den. Das für die Schachengine Rybka 3 von Jeroen Noomen (Q117-
RYBKA-BOOK30) entwickelte Eröffnungsbuch ist im August 2008 erschie-
nen. Die für den KIA im Rybkabuch eingestellten Varianten habe ich bereits
in dieser Ausgabe berücksichtigt. Die Quellenlage zum KIA hat sich damit
weiter komplettiert. Andere Quellen sind mir nicht bekannt bzw. sind mo-
mentan nicht zu beschaffen.31
Zum Stand der Diskussion
Die inhaltliche Diskussion zum Thema „Schachtheorie“ entfaltet sich über
Rezensionen, Diskussionen im Internet und die Literatur, die explizit von
Schachtheorie handelt. Dem von mir vorgestellten Theoriebegriff sehe ich bisher
drei Positionen gegenübergestellt:
 Es gäbe bisher keine Schachtheorie und wenn, dann könne sie nur als ma-
thematisch definierte und beweisbare Theorie erarbeitet werden.
 Es gäbe eine „allgemeine Schachtheorie“. Hierbei handele es sich „um die
gesammelten, geprüften und veröffentlichten Erkenntnisse über das Schach-
spiel, die durch (häusliche) analytische Betrachtungen thematischer Positio-
nen und bestimmter materieller (Endspiel-) Konstellationen gewonnen und in
der öffentlichen Diskussion sowie zuweilen durch praktische Erprobung veri-
fiziert worden sind.“32

30
„The Rybka Book has high value outside computer chess. It reflects the state of current opening
knowledge as played in master, correspondence and 100,000 top computer games (up to June 2008).
[…] the value of the book lies in its deep original analysis and move choices, which lead to a re-
evaluation in many critical points of modern theory.” (Vgl. Q117-RYBKABOOK, Covertext). Die
berücksichtigten Partien und die Gründe für die Variantenempfehlungen sind nicht veröffentlicht
worden.
31
Die folgenden Quellen konnte ich bisher nicht beziehen: “How to Play the King's Indian Attack”
(1999) von Malcolm Pein, “Trends in the King's Indian Attack” von Susan Arkell (Lalic) sowie “The
King’s Indian Attack” (1999) von Gábor Kállai.
32
Vgl. Q091-BÄR, S. 73.

19
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Es gäbe den Schachinformator (Šahovski Informator bzw. Chess Informant)


mit seiner ECO-Klassifikation als „das wichtigste Nachschlagewerk über die
Entwicklung der Schachtheorie“.33
 „Jeder Schachspieler muss seine eigene Theorie der Spielanfänge haben, die
den anderen nicht bekannt ist.“ (Michail Botwinnik, zitiert nach: Q115-
DWORETSKI00, S. 53)
Der erste Ansatz wird von Dr. Rainer Seidel seit etwa 1987 verfolgt. Bislang
sind zwei Bücher erschienen, die sich zunächst um begriffliche Definitionen
bemühen.34 Der zweite Ansatz („Theorie = Praxis“) geht m. E. nicht darüber
hinaus eine Stoffsammlung darzustellen. Diese ist wertvoll, sehr nützlich und
erforderlich, um z.B. die Ergebnisse der von mir vorgestellten KIA-Theorie35
verbal zu erläutern und zu erklären – eine Theorie im wissenschaftlichen Sinne
ist diese Stoffsammlung und -bewertung allerdings nicht. Der dritte (kommerzi-
ell motivierte) Ansatz liefert eine Einteilung von Zugfolgen in ein Codierungs-
schema. Diese Klassifizierung von Varianten differenziert, ob bestimmte Züge
gespielt wurden oder nicht.36 Der Versuch, in diesem Kontext eine Theoriedefi-
nition vorzunehmen existiert nicht, auch wenn diesbezüglich immer wieder von
„Theorie“ und „Theorievarianten“ gesprochen wird. Nichtsdestotrotz lassen sich
auf Basis der einen oder anderen Variante im ECO-System vermutlich Theorie-
systeme aufspüren, die meiner Theoriedefiniton genügen. Der zuletzt genannte

33
Vgl. de.wikipedia.org/wiki/Schachinformator; Stand: 13.06.2008
34
„Das Schachspiel steht […] zwischen Logik und Chaos. Aber die traditionelle Schachtheorie, die
ja ein Ausdruck des menschlichen Schachdenkens sein sollte, bleibt hinter den Fähigkeiten des
Schachmeisters weit zurück. Das hat vor allem zwei Gründe: Erstens ist das Schachverständnis des
Meisters teilweise unbewusst (unformuliert, „intuitiv"). Zweitens sind die Schachtheoretiker zu sehr
in der Praxis befangen und haben es nie geschafft, ihren Kopf in die freie Luft des theoretischen
Denkens zu erheben. Eine wissenschaftliche Schachtheorie (wST) erfordert dagegen große begriffli-
che Anstrengungen, deren Bezug auf das praktische Spiel nicht unmittelbar sichtbar ist. […] Die
wST versucht zum einen, das Wissen des Schachmeisters exakt zu formulieren und eben dadurch,
zum zweiten, es zu übersteigen in Richtung auf eine vollkommene Schachtheorie, d.h. eine Theorie,
die die richtigen Züge im strengen Sinne deduzieren kann.“ (vgl. Dr. Rainer Seidel:
http://www.schachtheorie.de/pages/konzept.htm (04.06.2008))
35
Es gibt (vermutlich) viele Spielsysteme im Schach (z.B. „Angriff gegen Najdorf“, „Lasker Vertei-
digung), die gemäß meinem Ansatz als Theoriesystem dargestellt werden können; die KIA-Theorie
mit diesem speziellen Aufbau ist lediglich ein Beispiel für eine spezielle Theorie.
36
“Encyclopaedia of Chess Openings chain is made up of innumerable chains - games. Each game
has the precisely defined place in this chain, which depends on estimation of a new move in opening,
while the complete value of the book depends on the correctness of these estimations.” (Vgl.
http://www.sahovski.com/products/eco/latest.php?id=112, vom 13.06.2008) Was „precisely defined“,
„correctness“ oder „new move“ im Kontext genau bedeuten wird öffentlich zugänglich nicht defi-
niert, noch was überhaupt eine Hauptvariante sein soll. Dementsprechend kommt es auch unter den
ECO- bzw. NCO (vgl. Q096-NCO) Anhängern zu unterschiedlichen Interpretationen bzw. „Vorlie-
ben“.

20
Vorwort zur 2.Auflage in 2008

Ansatz von GM Botwinnik ist nicht ernst zu nehmen, da eine Theorie nicht
individuell unter Verschluss gehalten werden kann, das widerspricht der Defini-
tion von Theorie, wonach eine Theorie anderen Forschern zur Prüfung vorzule-
gen ist. Interessant ist allerdings, dass IM Dworetski dieses Zitat von Botwinnik
bringt und damit offenbar eine gewisse Sympathie für diese Denkweise signali-
siert. Dieser Ansatz ist m. E. in die Rubrik „Wettkampfvorbereitung“ einzuord-
nen und hat mit dem Anspruch der Theoriebildung nichts zu tun.
Aus einer Rezension (Q091-BÄR, S. 73) zur ersten Auflage meiner KIA-
Eröffnungstheorie konnte ich entnehmen, dass ich die Definition eines Spielsys-
tems und die Anwendung dieser Definition noch nicht befriedigend deutlich
machen konnte. So wurde hier gefragt, „[…] was sind weitere Spielsysteme für
den Anziehenden?“. Wird beispielsweise die „Colle-Eröffnung“ (mit dem Auf-
bau d4/Sf3/e3/Ld3/Sbd2/c3) dem von mir beschriebenen Systembegriff gerecht?
Wenn man meine „Allgemeine Definition für Eröffnungstheorien“ auf dieses
Beispiel anwendet, gelangt man zu dem folgenden Ergebnis:
 Punkt-1 (Namensgebung): Das zu betrachtende Spielsystem wird aus der
Sicht des Spielers mit den weißen Steinen analysiert und folgerichtig „Colle-
Angriff“ genannt.
 Puntk-2 (Partiensammlung): In der öffentlich zugänglichen Datenbank
MegaBase können Partien zum Colle-Angriff herausgefiltert werden.
 Punkt-3 (Ausgangsstellung): Das zugrunde liegende Stellungsbild hat den
Aufbau: d4 / Sf3 / e3 / Ld3 / Sbd2 / c3. Es ist auf die Farbe des Spielers mit
den weißen Steinen beschränkt und bildet somit eine halbe Tabija37.
 Punkt-4 (GM Relevanz): Das gewählte Stellungsbild wird von Großmeis-
tern gespielt. Es gibt in der MegaBase 2008 genau 37 Partien auf diesem
Spielniveau.
 Punkt-5 (Erfolgsquote): Die statistische Erfolgsquote liegt bei 53%/47% für
Weiß.
 Punkt-6/7 (Hauptvarianten): Es gibt insgesamt 21 unterschiedliche Ant-
wortbilder des Schwarzen auf den weißen Stellungsaufbau, davon sind sechs
Theoriebilder für die es jeweils mindestens eine Hauptvariante gibt.

37
„Das arabische Wort Tabija (Plural […] Tabijen) bezeichnet eine feststehende Eröffnungsstellung
im persisch-arabischen Shatranj, der im Mittelalter bestehenden Vorform des modernen Schach-
spiels. Bei den verschiedenen überlieferten Tabijen handelt es sich um von Meistern erarbeitete
Positionen des Shatranj, von denen aus die eigentliche Partie begonnen wird. […] In den vergange-
nen Jahren hat der Begriff als Schachausdruck wieder Verwendung gefunden. Gemeint sind dann
häufig vorkommende Schlüsselstellungen, von denen sich die modernen Eröffnungssysteme weiter
verzweigen.“ (Vgl. Wikipedia, Stichwort: Tabija, Stand: 31.05.2008) Al-Adli (gestorben nach 850)
„schrieb eine Abhandlung über das Schachspiel, die Eröffnungen (Tabijas) und Endspiele (Mansub-
en) enthielt, und eröffnete damit die Reihe der namentlich fassbaren Schachmeister und Schach-
schriftsteller der Welt.“ (Vgl. Q005-BORIK-PETZOLD, S. 11)

21
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Damit steht fest: der „Colle-Angriff“ erfüllt die Bedingungen für eine Eröff-
nungstheorie (um ein ganzes Theoriesystem zu bilden müsste noch die Mittel-
spiel- und Endspieltheorie verifiziert werden). Auf diese Weise lassen sich auch
andere Systeme leicht auf Theorietauglichkeit prüfen. Nach 1.d4 erhält man
ebenfalls eine Eröffnungstheorie, welches eine Erfolgsquote von 56%/44% auf-
weist. Allerdings hat man es in diesem Fall mit über 90.000 GM-Partien zu tun!
Und so wäre letztendlich die Grundstellung die umfangreichste Eröffnungstheo-
rie, nämlich das Schachspiel selber (236.315 GM-Partien, 55%/45% Erfolg). Für
eine eingehende Beschäftigung mit einem Spielsystem sollte dieses allerdings
„sinnvoll“ eingegrenzt werden, so dass die verbleibende Komplexität handhab-
bar ist (beispielsweise geeignet, um in Buchform veröffentlich werden zu kön-
nen). Es lassen sich sicherlich auch – über alle Spielphasen hinweg erfolgreiche -
schwarze Spielsysteme finden (die „Lasker-Verteidigung“ mit der Aufstellung:
d5, e6, Sf6, Le7, 0-0, h6 könnte hier beispielhaft geprüft werden; interessanter-
weise erfüllt die Königsindische Verteidigung nicht die Voraussetzungen für
eine Theorie.). Die Definition eines Spielsystems ist selbstverständlich nicht
ausschließlich auf „Angriffssysteme“ des Spielers mit den weißen Steinen
anzuwenden.
Ein formaler Kritikpunkt bezieht sich auf meinen „gewöhnungsbedürftigen“38
Ansatz, nämlich eine Tabija (= ein bestimmtes Stellungsbild) als Ausgangspunkt
einer Untersuchung zu benennen und diesen konsequent zum Gegenstand der
Analyse zu machen. Es wird angemerkt, dass die Zugreihenfolge im Standard-
KIA (z.B. ein frühes d3 und/oder kein e4 in den ersten sechs Zügen) oder gene-
rell der Zug Sbd2 auf dem Weg zur Tabija des KIA nicht immer die optimale
Antwort auf das Verhalten des Schwarzen darstellt und vor Schematismus ge-
warnt39. Diese Warnung richtet sich an den Turnierspieler, bezieht sich aber

38
„Der Ansatz des Autors [H. Eggers] zur Bildung einer verlässlichen Eröffnungstheorie aufgrund
aller gesammelten und statistisch ausgewerteten Turnierpartien zum Thema ist zweifellos neu und
ziemlich gewöhnungsbedürftig. Sicherlich kann der Leser [...] auf diese Weise die aussichtsreichsten
Aufbau-Systeme für Schwarz herausfiltern und schauen, ob sie mit seinen persönlichen Vorlieben
kompatibel erscheinen.“ (Vgl. Q092-SCHWEIZER, S. 70)
39
„Viele Berufstätige, die gern zeitsparend [...] Turnierschach spielen wollen, suchen sich deshalb
ein System, das sich quasi per Autopilot spielen lässt [...].“ (Vgl. Q091-BÄR, S. 73) Ein dürftiger
und m. E. von einem negativen Weltbild geprägter Erklärungsversuch dafür, warum berufstätige
Menschen eine besondere Neigung zum „Schematismus“ im Schach haben sollen. Ernsthafter und
mit Bezug zum Schach äußert sich GM Carlos Matamoros unter der Überschrift „Playing on Autopi-
lot“ zum KIA, wobei er sich speziell mit der „Uhlmann-Variation“ beschäftigt (vgl. Q070-NIC76, S.
228 und meine Quellenauswertung zum Typ O4.01). Eine weitere Stimme verdeutlicht den Stand-
punkt des Praktikers: „Je nach schwarzem Aufbau mag der Weiße dabei manchmal seine Zentrums-
bauern zurückhalten, manchmal vorziehen. Hier eine scharfe Trennung danach zu treffen, ob der
Anziehende seinen d-Bauern ein oder zwei Felder vorrückt bzw. mit dem c-Bauern oder mit dem e-
Bauern vorrückt, mag zwar für Systematik und Nomenklatur entscheidend sein. Für den Praktiker,
der mit 1.Sf3 oder 1.g3 eröffnet, ist dagegen wichtig, über alle diese Möglichkeiten zu verfügen.

22
Vorwort zur 2.Auflage in 2008

nicht auf den Gegenstand meiner Untersuchung. Das spezifische Stellungsbild


(Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2)40 setze ich zwar als gegeben voraus, wobei ich aber
mit der Aneinanderreihung der Züge nicht die „Zugreihenfolge“ meine oder
vorschreiben möchte.41
Durch die von mir vorgestellte KIA-Theorie erhalten Spieler beider Farben wich-
tige Grundlageninformationen für die Wettkampfvorbereitung. Die Schluss-
folgerung, dass durch die hier erarbeitete Transparenz lediglich Schwarz Vorteile
erwirtschaftet, indem er die zu ihm „kompatible“ Antwortstellung herausfiltert,
halte ich für zu einseitig.42
Ich bin überzeugt, dass die von mir vorgelegte KIA-Eröffnungstheorie einen
wertvollen Beitrag zur Transparenz leistet, und ich bin zuversichtlich, dass die
aktualisierte Fassung dieses Buches die Diskussion um das Thema Schachtheorie
inhaltlich weiterhin anregen zu kann.
Der Autor, 2008

Zumindest meiner Ansicht nach ist diese Flexibilität wesentlich für diese Weise, eine Schachpartie zu
eröffnen. Sich von vornherein festzulegen auf eine bestimmte Bauernführung wie etwa d3 und e4 wie
im Königsindischen Angriff oder c4 und b3 wie bei der Réti-Eröffnung wäre so gesehen geradezu
widersinnig.“ (Vgl. Q107-SCHLEMERMEYER). Ein theoretisches Konzept in der Praxis mit Leben
zu füllen, das ist die eigentlich spannende und schöne Herausforderung. Dass es Interpreten unter uns
Menschen gibt, die auf eine mögliche schematische Übertragung in die Praxis hoffen, sollte man m.
E. nicht der Theorie anlasten.
40
Die Zugliste in der ersten Auflage war Sf3/g3/d3/Lg2/0-0/Sbd2. Jetzt ist der Zug d3 etwas nach
vorn gerückt und entspricht damit eher der tatsächlichen Zugreihenfolge (vgl. hierzu „Zuordnung zu
ECO-Schlüsseln“).
41
Statt 1.Sf3 kann man genauso gut 1.g3 ziehen, wenn es in die strategische Planung einer Wett-
kampfpartie passt. Springer f3 verhindert beispielsweise das direkte e7-e5 des Schwarzen, während
g3 dem Schwarzen diese Möglichkeit zunächst ausdrücklich offen hält.
42
Vgl. Q092-SCHWEIZER, S. 70.

23
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

24
Vorwort zur 1.Auflage in 2005

Vorwort zur 1.Auflage in 200543


Mitunter verwechseln Schachspieler die Kenntnis einiger Eröffnungszüge mit
der Kenntnis der „Theorie“ eines Spielsystems44 im Schach. Abweichende Züge
werden leichtfertig als „Neuerung in der Theorie“ bezeichnet. Das ist ein Grund,
weshalb ich das Wort Theorie in Anführungszeichen gesetzt habe. Der andere
Grund für die Anführungszeichen besteht darin, dass sich bisher niemand öffent-
lich mit Erfolg darum bemüht hat, die Theorie eines Spielsystems in einem
wissenschaftlichen45 Sinne darzustellen. Obwohl die wesentlichen Elemente
einer solchen Theorie aus der Summe des vorhandenen Quellenmaterials (=
Praxis) extrahiert werden können, findet man diese bisher nicht vereint und auf
den Punkt gebracht.46 Nach IM47 John Watson hat sich das moderne Schach im
Vergleich zu den „klassischen“ Grundsätzen erheblich weiter entwickelt, ohne
dass es bisher Werke gäbe, die dieses Material theoretisch aufarbeiten. Er
schreibt in seinem Buch „Geheimnisse der modernen Schachstrategie“48:
„Es gibt [...] eine große Zahl neuer Prinzipien und sogar ‚Regeln‘ [...], die im-
plizit im modernen Spiel enthalten sind. Aber diese Prinzipien und Regeln sind
nicht explizit formuliert worden; oder in einigen wenigen Fällen sind sie aufge-
stellt worden, aber haben das allgemeine Bewusstsein der gegenwärtigen Spieler

43
Das Vorwort zur ersten Auflage in 2005 wurde stilistisch dieser aktuellen Buchauflage angepasst.
Der Verweis in der ersten Auflage auf die „vierbändige Buchreihe“ zum KIA wurde entfernt, da der
Eröffnungsband ein in sich abgeschlossenes Werk darstellt.
44
Vgl. hierzu „Definition und Erläuterung der benötigten Begriffe“.
45
Wissenschaft ist „eine Gesamtheit von Erkenntnissen, die sich auf einen Gegenstandsbereich
beziehen und in einem Begründungszusammenhang stehen. [...] W. meint auch den method. Prozeß
intersubjektiv nachvollziehbaren Forschens und Erkennens aufgrund eines Interesses, die Wirklich-
keit der Natur, der Gesellschaft oder des menschl. Geistes zu erschließen, sowie die Institutionalisie-
rung des Wissensbestandes und aller darauf bezogenen Aktivitäten im Rahmen einer Gesellschaft.
[...] Methodisch kennzeichnet die W. ein gesichertes, in einen Begründungszusammenhang von
Sätzen gestelltes und damit intersubjektiv kommunizierbares und nachprüfbares Wissen, das be-
stimmten wiss. Kriterien (z.B. Allgemeingültigkeit, Systematisierbarkeit) folgt.“ (Vgl. Q003-
BROCKHAUS, Bd. 24, S. 277)
46
Mir geht es nicht darum, die wertvolle Arbeit der vielen Schachexperten gering zu schätzen,
sondern vielmehr darum, diese systematisch auszuwerten und zu präsentieren. Die Voraussetzungen
zur Theorie müssen benannt und die Schlussfolgerungen für jeden Schachspieler nachvollziehbar
sein.
47
IM = Internationaler Meister; Titel der internationalen Schachorganisation FIDE.
48
Vgl. Q027-WATSON02, S. 12. Mit dem unscharfen Wort „Geheimnis“ kokettieren Autoren
gerne, um Leser anzulocken. Ich musste feststellen, dass die vermeintlichen „Geheimnisse“ meist gar
nicht benannt, oder aus nicht nachprüfbaren Quellen (z.B. „die Analyse meiner Datenbank…“)
hervorgezaubert werden. Mit ziemlicher Sicherheit erfährt der Leser beim „Lüften“ dieser „Geheim-
nisse“ meist wenig Neues bzw. wenig substantiell Verwertbares.

25
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

nicht wesentlich beeinflusst. Die Gründe für dieses Fehlen der Formulierungen
sind recht einfach: die Subtilität und Komplexität solcher neuen Prinzipien wür-
de Seiten extrem genau geschriebener Prosa benötigen, um sie adäquat zu be-
schreiben, und es ist einfacher und effizienter für Spieler, diese Art ‚Regeln‘ für
sich zu behalten [...].“
Ich möchte mit meinem Buch dafür werben, sich dieser Mühe zu unterziehen,
das Schach für alle Spieler transparenter werden zu lassen, um damit die Voraus-
setzungen für einen fairen Kampf menschlicher Geister untereinander und die
Weiterentwicklung der Schachtheorie zu ermöglichen.
Mit diesem Buch wurde ein umfangreiches Vorhaben gestartet, welches in der
jetzigen Fassung hoffentlich schon deutlich machen kann, in welche Richtung
ich mich bewegen werde. Ich habe mich zur Veröffentlichung durchgerungen,
auch wenn das Buch wegen einer gewissen „Unfertigkeit“ eigentlich noch unter
Verschluss bleiben sollte. Andererseits geht es nicht um Perfektion49, sondern
darum, den strukturierten Ansatz zum Thema „Theorie eines Schachspielsys-
tems“ zur Diskussion zu stellen.
Ich möchte den Leser an dieser Stelle auffordern mein Buch kritisch zu reflektie-
ren und mir die Ergebnisse per E-Mail50 mitzuteilen. Im Gegenzug werde ich
mich bemühen, das Kommunizierte angemessen zu berücksichtigen. Auch selbst
verfasste Kommentare zu eigenen Partien würde ich in zukünftigen Auflagen51
sehr gerne aufnehmen.
Der Autor, 2005

49
„Komplett ausrechnen [...] kann selbst ein Computer eine Partie nicht. Auch wenn Schach in
einem sehr endlichen Universum (64 Felder, 32 Figuren) gespielt wird, ist seine Materie viel zu
komplex. Zu Beginn eines Spiels besitzt jede Seite - Weiß hier, Schwarz da - 20 Zugmöglichkeiten.
So können sich schon nach dem ersten Zug (!) 400 verschiedene Positionen ergeben, nach drei Zügen
sind es über 60 Millionen, im Laufe einer Partie von durchschnittlicher Länge gibt es mehr Varianten
als Atome im Weltall. Schon deshalb muss ein Computer nach 13 bis 14 Halbzügen abbrechen, um
zu einem Ergebnis zu kommen. Wie der Mensch kann auch er am Brett keine absoluten Wahrheiten
finden.“ (Thüringer Allgemeine, vom 7.10.2002, Ausgabe im Internet) Trotz ständiger Verbesserun-
gen im Bereich von Hard- und Software – so wird z.B. die im Zitat angegebene Anzahl von Halbzü-
gen heute weit übertroffen – bleiben die Aussagen prinzipiell korrekt.
50
heikoeggers@yahoo.de
51
Allerdings ohne Gewähr.

26
Einführung

Einführung
Ausgangspunkt dieser Theorie zum KIA
In diesem Buch wird erstmals ein spezielles52 Spielsystem des Königsindischen
Angriffs53 (KIA)54 unter theoretischen Gesichtspunkten wissenschaftlich unter-
sucht. Die Entscheidung für
dieses Spielsystem55 beruht
zunächst natürlich auf meiner
Vorliebe für diese Spielweise
und dann auf der bekannten
Idee, in der Eröffnungsphase56
einer Schachpartie möglichst
viele Züge zu spielen, die von denen des Kontrahenten weitgehend unabhängig
sind. Der weiße KIA-Aufbau mit Sf357/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2 ist hierfür sehr gut
geeignet. Es gibt einen weiteren Aspekte der für dieses System spricht: Mit der
Königsindischen Verteidigung (King’s Indian Defense = KID) liegt bereits eine
umfangreiche Stoffsammlung aus Sicht des Spielers mit den schwarzen Steinen
vor. Der KIA folgt diesbezüglich der Idee, die Erfahrungen mit dem KID auf das

52
Es handelt sich um ein „spezielles“ Spielsystem des KIA, da andere Aufbauten als Ausgangspunk-
te zum Thema des Königsindischen Angriffs gewählt werden können (z.B. bei Dunnington e4 / d3 /
Sd2 / g3 / Lg2 / Sgf3 / 0-0 in Q008-DUNNINGTON98 oder bei Weinstein und Norwood Sf3 / g3 /
Lg2 / 0-0 / d3 in Q031-WEINSTEIN, Q072-NORWOOD bzw. Q065-DZINDZICHASHVILI). Ein
Fianchetto (ital. fianca = Flanke) am Königsflügel inkl. kurzer Rochade ist wegen des Namens
„Königsindisch“ Pflicht, d.h.Sf3, g3, Lg2, 0-0 müssen vorkommen. Ich habe mich für „Standardauf-
bau“ entschieden, da dieser Anfangskomplikationen vermeidet, den Damenspringer so positioniert,
dass er einen Angriff an beiden Flügeln unterstützen kann und e4 bzw.c4 als Möglichkeit offen hält.
Die Auflistung der KIA-Züge bestimmt nicht die Reihenfolge der Ausführung.
53
In der Eröffnungsphase eines Schachspiels spricht man von „Angriff“ (engl. Attack), wenn sich
die Diskussion auf die Züge des Spielers mit den weißen Steinen konzentriert. Analysiert man die
schwarzen Möglichkeiten, nennt man diese Systeme „Verteidigung“. So gibt es eine königsindische
Angriffsformation (Weiß) und eine Eröffnung namens Königsindische Verteidigung (Schwarz). Die
Darstellung in diesem KIA-Spielsystem beschränkt sich auf die Sicht des Spielers mit den weißen
Steinen.
54
Im Englischen steht KIA für „King’s Indian Attack“.
55
Zum Begriff „Spielsystem“ vergleiche man „Begriffe: Definition und Erläuterungen“.
56
Es gibt eine gebräuchliche 3-Phaseneinteilung des Schachspiels: Eröffnung (= Entwicklung, d.h.
günstige Aufstellung der Figuren), Mittelspiel (Phase der Kombinationen und des Figurenabtausches)
und Endspiel (Schlussphase des Spiels mit wenigen Figuren und Bauern).
57
Ein frühes e4 gehört nicht zu dem hier untersuchten KIA-Spielsystem, außerdem könnte Schwarz
mit 1.e4 d5 (Skandinavisch) den gewünschten Aufbau stören (z.B. in der Folge durch d5xe4) oder
den KIA-Spieler zu einem weiteren Bauernzug (e4-e5) in der Eröffnung nötigen. Vgl. zu diesem
Thema auch den Abschnitt „Erläuterungen zur Definition“ der KIA-Eröffnungstheorie.

27
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

weiße Spiel mit einem Anzugsvorteil zu übertragen und somit zu einem erfolg-
reichen58 Eröffnungssystem zu gelangen. Unabhängig von der Farbe der Steine
resultiert diese Spielweise, das Zentrum nicht früh zu besetzen und am Königs-
flügel ein Läuferfianchetto zu spielen, aus den Versuchen der „Hypermodernen“
(s. u.), die damals klassischen und scheinbar festgefahrenen Grundsätze der Er-
öffnung kreativ in Frage zu stellen. Wichtig ist nicht die Entscheidung für den
Königsindischen Angriff, sondern, dass der KIA eines von den vielen möglichen
Systemen im Schach ist, welches die von mir beschriebene Theoriedefinition
erfüllt.
Die angestrebte Brettstellung ist leicht zu behalten, und Weiß betritt die Über-
gangsphase in das Mittelspiel59, ohne sich frühzeitig explizit mit der Komplexität
der schwarzen Verteidigungsmöglichkeiten (z.B. Sizilianisch, Französisch, Caro-
Kann) auseinandersetzen zu müssen. Schwarz bleibt bei dieser Eröffnung in der
Reaktion und muss sich überlegen, wie er dem Vorgehen des Weißen am besten
begegnet. Das bedeutet gleichzeitig, diesen Aufbau und die Folgevarianten im
Wettkampf nicht schematisch abzuspulen, denn es gibt Übergänge in andere
Spielsysteme, die – wegen der schwarzen Antwortzüge – für Weiß in gegebener
Situation effektiver sein können. Diese Übergänge bzw. anderen Spielsysteme
lassen sich allerdings analog zu der in diesem Buch beschriebenen Vorgehens-
weise analysieren und darstellen. Deshalb konzentriere ich mich in diesem Buch
voll und ganz auf den KIA in seiner Standardformation60, ohne den Leser
durch permanente Abzweigungen in andere „Ideenwelten“ anderer Spielsysteme
zu verwirren. Dieser Standard-KIA wird hier konsequent untersucht und darge-
stellt.
Einige Hinweise zur Geschichte des KIA
Der Königsindische Angriff wird den „hypermodernen“ Spielsystemen zugeord-
net, in der es nicht um die sofortige Besetzung des Zentrums geht. Diese Er-
öffnung wird auch als „unregelmäßige Eröffnung“ bezeichnet, da nicht mit den
klassischen Bauernzügen 1.e4 bzw. 1.d4 begonnen wird. „Nicht schnelle Figu-
renentwicklung und Angriff, sondern Langsamkeit, Hemmung des Gegners und
Elastizität war das Stilideal der Hypermodernen. Schönheit im Schach wurde neu

58
Die Königsindische Verteidigung (KID) genügt in dem zum KIA vergleichbaren Aufbau meiner
Theoriedefinition nicht, da die Erfolgsquote im GM-Bereich unter 50% liegt.
59
Die Übergangsphase in das KIA-Mittelspiel beginnt bereits mit dem 7. Zug. Ab hier stehen die
ermittelten Hauptvarianten der Fortsetzung zur Wahl.
60
Vgl. hierzu den Abschnitt „Bemerkungen zu den Anfangszügen“.

28
Einführung

definiert und zeichnete sich […] durch die ruhige Entfaltung verborgener Kräfte
aus, statt in der auf Fehlern des Gegners beruhenden Mattkombination.“ 61
Die Begriffe „Indisch“ und „Hypermoderne Schachschule“ gehen auf Tar-
takower zurück, der ein Buch mit dem Titel „Indisch“62 (1924) sowie das Buch
„Die hypermoderne Schachpartie“ (1924) als Antwort auf das Buch von Tar-
rasch „Die moderne Schachpartie“ (1913) veröffentlichte.63
Tartakower charakterisierte in seinem Buch „Die hypermoderne Schachpartie“
„die neuen Eröffnungsideen, wie sie hauptsächlich von Breyer, Réti, Grünfeld,
Bogoljubow und ihm selbst verfochten wurden. Vorbereiter und Begleiter waren
Nimzowitsch [64] und Aljechin gewesen, die aber eigene Wege gingen. Es kam
den Hypermodernen vor allem auf den Nachweis an, dass man das Zentrum nicht
mit Bauern besetzen müsse, sondern auch durch Leichtfiguren, insbesondere
Läufer in Fianchettostellung [65], kontrollieren und durch Flankenangriffe der
Bauern unterminieren könne.“66 Die klassischen Ansichten zur Eröffnungsphase
wurden hier verfeinert von: „das Zentrum ist zu besetzen“ hin zu: es reicht „das
Zentrum zunächst zu kontrollieren“. Tartakower schrieb: „Während Capablanca
beinahe schon von der Erschöpfung der Schachtheorie sprach und Rubinstein
jedwede Partie nach bequemen Schemen dem Endspielstadium zusteuern zu
können glaubte, rissen jene Schachfakire alle Hebel der Ueberlieferung, alle
Stützen der Schablone, alle Wurzel des Autoritätsglaubens los und ließen nun-

61
Vgl. Q035-BRUNS, S. 99 im Kapitel 5: „Der Erste Weltkrieg und die Kunstrichtung der Hyper-
modernen im Schach“ (S. 84-107).
62
Vgl. hierzu Q005-BORIK-PETZOLD, S. 131. Einerseits wird der Begriff „Indisch” in der
Schachliteratur verwendet, wenn der Damenspringer zusammen mit einem Läufer-Fianchetto gespielt
wird („In the first half of the 19th century MOHESCHUNDER had defended against 1 d4 by 1 …Nf6
and followed with a king’s or queen’s FIANCHETTO, a development that may properly be called
‚Indian’.“ (Vgl. Q084-HOOPER-WHYLD, S. 181)) Andererseits sollte man “Königsindisch” nicht
mit der „Indian Opening” verwechseln (“a name used in the second half of the 19th century when
Valentine Green (1831-77), who had recently returned from India, played this in the London tourna-
ment of 1862, and elsewhere.” (Vgl. Q084-HOOPER-WHYLD, S. 181)), die durch Zugfolge 1.e4 e5
2.d3 gekennzeichnet ist und nicht von „hypermoderner“ Spielweise gekennzeichnet ist. In den
1990iger Jahren hat sich IM Vorotnikov mit 23 belegten Partien und einer Erfolgsquote von 70% auf
einem Niveau von ELO 2448 zu 2406 in dieser Spielweise hervorgetan.
63
Vgl. Q101-TARTAKOWER, S. 5
64
Vgl. z.B. Nimzowitsch – Forgacs, Ostende 1907, 1-0 (KIA Typ O4.01) oder Nimzowitsch - Ru-
binstein, Berlin 1928, 1-0 (KIA Typ O3.01).
65
Der Begriff „Fianchetto“ ist aus dem Italienischen „fianca“ = Flanke abgeleitet. Gemeint ist die
„Entwicklung eines Läufers nach b2 oder g2 bzw. b7 oder g7 nach dem vorausgegangenen erforder-
lichen Bauernzug“ (Q005-BORIK-PETZOLD, S. 94). Im Duden Fremdwörterbuch wird das Wort
„Fianchetto“ als reiner Schachbegriff geführt. (Vgl. Q020-DUDEN-FREMDWÖRTER, S. 249)
66
Vgl. Q005-BORIK-PETZOLD, S. 129.

29
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

mehr das stolze Schiff der Göttin Caïssa im Ozean namenloser Eröffnungen
schwimmen.“67
Großmeister (GM) John Emms schreibt: „The KIA first became prominent
throughout in the 1950s and 1960s, when some of the world’s leading players,
including Fischer, Botvinnik and Smyslov [von mir hervorgehoben], added it
to their opening armouries [Panzer, Rüstung]. The KIA became a particularly
popular set-up against the French Defence, as many players were enticed [an-
gelockt] by White’s attractive attacking possibilities against Black’s castled
king.”68 Bis 1950 war 1.Sf3 meist mit c4 oder d4 gepaart (Réti-Eröffnung), und
für den Zeitraum 1851 bis 1950 sind gerade einmal 49 Partien (Erfolg:
49%/51%) mit dem Standard-KIA dokumentiert. In dieser Phase ging es darum,
neue Eröffnungsideen69 zu erproben. Von 1950 bis 1985 nimmt die Anzahl an
KIA Partien stetig zu, und ab 1985 etwa wird der KIA richtig populär.70
Aspekte zur Schachtheorie eines Spielsystems
Mit meinem Buch möchte ich einen Entwurf für die Schachtheorie71 eines
Spielsystems zur Diskussion zu stellen. Die „Theorie eines Spielsystems“ wurde
bisher - unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten - nicht stringent formuliert,
sondern voraussetzungslos72 behandelt. Zur Formulierung einer Theorie gehört
es, die Voraussetzungen zu benennen und die Begriffe zu definieren, um das was
man unter Theorie verstehen möchte für die Schachöffentlichkeit transparent und
nachvollziehbar darzustellen. Das mit diesem Buch vorgestellte Spielsystem
dient als Forschungsobjekt dafür, wie der Begriff der Theorie auch im Schach
wissenschaftlich fundiert Einzug halten kann. Der Leser hält ein Theoriebuch
bezüglich einer speziellen Schacheröffnung in Händen, in dem die Vorausset-
zungen für die Schlussfolgerungen benannt werden und die vorhandenen Quellen

67
Vgl. Q101-TARTAKOWER, S. 6
68
Vgl. Q063-EMMS05, S. 6. Bobby Fischer punktet in seinen 24 dokumentierten KIA-Partien
(Standard-KIA plus e4) sehr gut mit 77% Erfolg (G=16, R=5 und V=3).
69
„Hypermodern openings include the Réti Opening, King's Indian Defence, Queen's Indian De-
fence, Nimzo-Indian Defence, Grünfeld Defence, Bogo-Indian Defence, Old Indian Defence, Catalan
Opening, King's Indian Attack, Alekhine's Defence, Modern Defence, Pirc Defence and to a lesser
degree the English Opening.“ In: Wikipedia, Hypermodernism (Chess), Stand: 09.Januar 2008.
70
Vgl. die Grafik zur Entwicklung der Partienanzahl zum KIA im Abschnitt „Übersicht zur Partien-
auswahl“ im Kapitel „Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie“.
71
In Meyers Schachlexikon (vgl. Q005-BORIK-PETZOLD) kommt der Begriff (Schach-) Theorie
für sich genommen überhaupt nicht vor und im Oxford Companion to Chess wird Theorie mit dem
was aus der (Schach-) Erfahrung stammt und niedergeschrieben wurde gleichgesetzt („theory means
consensus, broadly represented by current literature“, S. 418).
72
„Voraussetzungen“ bzw. die „Bedingungen“ einer Untersuchung nicht zu benennen stellt ein
philosophisches Logikproblem dar („Aus Falschem folgt Beliebiges“).

30
Einführung

vollständig recherchiert wurden.73 Ein Theoriesystem74 entwickelt sich aus der


Analyse der drei Phasen: Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel. In diesem Buch
wird die „Theorie der Eröffnung“ en detail beschrieben und am Beispiel des
Standard-KIA angewendet. Das an dieser Stelle kurz beschriebene Vorgehens-
modell wird später im Buch ausführlich behandelt:
 Es werden sämtliche Großmeisterpartien75 aus einer repräsentativen Daten-
bank herausgesucht, die nach dem 6. Zug von Schwarz den gewünschten
KIA-Aufbau zeigen. Je nachdem, wie Schwarz sich verteidigt bzw. positio-
niert, ergeben sich typische Stellungsbilder, die auf den umfangreichen Er-
fahrungen von Großmeistern beruhen.76
 Die typischen Stellungen dieser Partien werden in Gruppen eingeteilt. Je
Gruppe gibt es eine Übersichtsseite mit allgemeinen Angaben zu den Stel-
lungsbildern. Hier wird z.B. schnell ersichtlich, welche Stellungstypen dem
Weißen, auf Grund eventuell statistisch geringer Erfolgsaussichten, Probleme
bereiten könnten bzw. noch wenig erforscht sind. Die für Weiß problemati-
schen Aufstellungen von Schwarz kann der Leser gezielt trainieren und auf
dieser Grundlage nach Verbesserungen suchen.

73
Das Kriterium für die „Vollständigkeit“ leitet sich daraus ab, dass sämtliche Quellen im Sprach-
raum (Deutsch und Englisch) gesichtet worden sind, die im Titel den Begriff „Königsindischer
Angriff“ bzw. „King’s Indian Attack“ führen. Die älteste mir vorliegende Literaturquelle ist nach
heutigem Kenntnisstand Raymond Keene (vgl. Q098-KEENE, 1979) zuzuschreiben, der sein Buch
„Flank Openings - A Study of Réti’s Opening, The Catalan, English and King’s Indian Attack Com-
plex” erstmals 1968 veröffentlichte und 1979 in der 3. Auflage präsentierte. Danach folgen John Hall
(Q085-HALL, 1972) und Norman Weinstein (Q031-WEINSTEIN, 1976). Ken Smith war als Editor
an den Broschüren beider Autoren beteiligt. Eric Schiller (vgl. Q022-SCHILLER) bezog nach eige-
nen Angaben seine Anregungen aus Weinstein’s kleiner Broschüre. Sechszehn Jahre nach der Veröf-
fentlichung von John Hall hat Ken Smith unter dem gleichen Titel eine eigene Veröffentlichung zu
dem Thema erstellt (vgl. Q001-SMITH-HALL90). Zehn Jahre darauf folgt Angus Dunnington’s
Buch „The Ultimate King’s Indian Attack“ (vgl. Q008-DUNNINGTON98) als aktualisierte Fassung
seines Buches „How to Play the King’s Indian Attack“ (1993). Smith und Dunnington haben die
Struktur des Themas fast eins zu eins von Weinstein übernommen. Smith und Hall sind 1972 noch
von typischen Stellungsbildern ausgegangen, während mit und nach Weinstein der KIA immer
Schwarzen Verteidigungssystemen gegenübergestellt wurde. Alle bisherigen Veröffentlichungen – in
Buchform oder (immer beliebter) als Lehrvideo – zum KIA schwanken zwischen unterschiedlichen
KIA-Systemen: a) Standardaufbau b) Aufbau ohne Sbd2 (z.B. Hall, Weinstein) c) Standard KIA plus
e4 (z.B. Dunnington) e) Nur d3/e4 (Q082-WATSON03, S. 55). Diese werden allerdings – im Sinne
des von mir vorgestellten Theorieansatzes – nicht konsequent (aus weißer Sicht) und auch nicht
vollständig analysiert.
74
Vgl. hierzu die Begriffsdefinition „Theoriesystem“.
75
„Großmeister [(GM)...] seit 1951 offizieller, an bestimmte Normen geknüpfter Titel der FIDE“
(Weltschachbund, vgl. Q005-BORIK-PETZOLD, S. 114).
76
„Move order is rarely critical in the K.I.A. so this (to illustrate a general structure or set-up which
Black adopts) seems a more sensible method than breaking the book into a catalogue of variations.”
(GM Norwood in:. Q072-NORWOOD, S. 5)

31
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Zu jedem typischen Stellungsbild werden die Hauptvarianten dokumentiert.


Diese werden mit Statistikwerten und Hinweisen aus den vorhandenen Quel-
len untermauert, so dass der Leser eine erste Abschätzung erhält, wie es nach
Erreichen der gewählten KIA-Grundstellung weitergehen kann.77
Die Ermittlung der typischen Antwortbilder und die Herausstellung der theoreti-
schen Fortsetzungszüge78 - werden in meinem Buch zusammengefasst darge-
stellt.

Der Leser bekommt die Theorie zu dieser KIA-Eröffnung - sowie die Über-
gangsphase in das Mittelspiel79 - übersichtlich präsentiert. Er kann dieses Eröff-

77
„Eine Eröffnung zu kennen, heißt zu wissen, was zu tun ist, nachdem die Eröffnungsphase vorbei
ist.“ (Vgl. Q001-SMITH-HALL90, S. 104). Mein Buch liefert die Eröffnung sowie die von den GM
herausgearbeiteten sinnvollen Fortsetzungen. Insofern befinden wir uns beim Ausspielen der Haupt-
varianten bereits in der Übergangsphase zum Mittelspiel.
78
Die Fortsetzungen werden möglichst tief untersucht, z.B. bis die folgende Nimzowitsch-Forderung
für die Figurenentwicklung erfüllt ist: „Entwicklung ist ein Kollektivbegriff; man ist nicht entwickelt,
wenn man 1-2 oder auch 3 Figuren entwickelt hat, sondern es verhält sich vielmehr so, dass alle
Figuren entwickelt sein müssen.“ (Vgl. Q011-NIMZOWITSCH, S. 43) Damit wäre dann der eigent-
liche Zweck der Eröffnung – die Entwicklung der Figuren – abgeschlossen und die Übergangsphase
in das Mittelspiel gestartet.

32
Einführung

nungsbuch verwenden, um sich in der Eröffnungsphase zu spezialisieren.80


Durch die Definition dieses Vorgehens ist die Partien- und Variantenauswahl
nicht mehr von der Vorliebe des jeweiligen Autors abhängig, sondern mittels der
Verwendung eines Theoriekonzeptes, einer allgemein zugänglichen Datenbasis
und einer öffentlich verfügbaren Analysesoftware eindeutig bestimmbar. Die
Einordnung neuer Partien nach diesem Muster macht die Verfolgung und konti-
nuierliche Verbesserung dieser KIA-Theorie möglich und für jedermann je-
derzeit nachvollziehbar.81
Großmeister Larry Evans empfiehlt den Königsindischen Angriff, weil er sich
leise und langsam wie eine Boa constrictor vorwärts bewegt, allerdings ebenso
„tödlich“.82 In meinen Augen ist es ein Genuss bringendes Spielsystem für theo-
riebegeisterte Schachstrategen. In diesem Sinne wünsche ich dem Leser viel
Spaß und viele Entdeckungen auf dem Pfad der Königsschlange. 83

79
„Es wäre falsch, eine Eröffnung ohne Verbindung zum nachfolgenden Mittelspiel und Endspiel zu
studieren.“ (J.R. Capablanca, zitiert nach Q029-DWOREZKI-JUSSUPOW95, S. 158) Hinweis: Im
Anhang zu diesem Buch findet der Leser, die KIA-Stellungstypen im Überblick, die ein „playable
middle game“ (Q045-TANGBORN, S. 1) in Aussicht stellen. Über die benannten und ausgespielten
Hauptvarianten gelangt man in das „reine“ KIA-Mittelspiel.
80
„Ähnlich wie in den meisten Wissenschaftsdisziplinen ereignete sich auch auf dem schachtheoreti-
schen Gebiet eine Wissensexplosion [...]. Diese Informationsflut zu bewältigen [...] gehört zu den
schwierigsten Problemen des wettkampfmäßig tätigen Schachspielers. [...] Da das Speichern univer-
seller Eröffnungskenntnisse nicht möglich ist, bleibt keine Alternative übrig. Das schachliche Wis-
sensgut muss eingeengt und die anzuwendenden Spielsysteme sollten stark reduziert werden. [...]
Obwohl es [...] keinen stichhaltigen Einwand gibt, verstoßen immer wieder talentierte Spieler [...]
gegen das Prinzip der Spezialisierung. Sie schöpfen dadurch ihre leistungsmäßigen Potenzen nicht
aus und hemmen unbewusst ihr Entwicklungstempo.“ (Vgl. Q047-BÖNSCH, S. 102f)
81
Die Grafik auf der vorherigen Seite soll mögliche Ableitungsschritte verdeutlichen, die auf dem
Weg zu diesem Spielsystem bedacht wurden (vgl. hierzu auch „Bemerkungen zu den Anfangszü-
gen“).
82
"Die Art Boa Constrictor zeichnet sich durch die große Vielfalt des Erscheinungsbildes ihrer
Unterarten aus. [...Und die] Boa Constrictor wendet im Allgemeinen zwei unterschiedliche Jagdme-
thoden an: Entweder sie folgt aktiv den Duftspuren der Beutetiere oder wartet als Lauerjäger auf den
günstigen Moment. Wenn die Schlange mit einer dieser Methoden der Beute nahe genug ist schnappt
sie blitzschnell zu und erwürgt das Opfer anschließend mittels ihrer muskulösen Körperschlingen."
(Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Abgottschlange, Stand: 14.06.2008)
83
„As White, I recommend the King’s Indian Reversed [= King’s Indian Attack] – quiet, slow, lethal
as a boa constrictor.“ (Vgl. Q104-EVANS, S. 8)

33
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Anmerkungen von Spielern und Autoren


GM84 Raymond Keene (ELO 2455), 196885: “The typical positions of the
King’s Indian Attack can reached after 1 e4, 1 g3 or 1 Nf3 or even 1 d3 - and it is
ideal for the player who varies his systems and wishes to keep his opponent
guessing as to his later intentions.” (Vgl. Q098-KEENE, S. 107)
U.S.C.F. Master John Hall (ELO 2484), 1972: “The King’s Indian Attack is an
opening system which offers promising vistas to the player of White pieces. […]
The fundamentally sound nature of the King’s Indian Attack precludes any dan-
ger of refutation [Anfechtung]; it will stand the test of time.” (Vgl. Q085-HALL,
S. 49) “One of the basic strengths of this line of play for White is that it can be
arrived at versus almost [fast] any formation Black can dream up. Thus White
has a considerable psychological edge as he is virtually forcing Black into his
type of game.” (Vgl. Q085-HALL, S. 3-4)
GM Larry Melvyn Evans (ELO 2470), 1975: “The logical choice for this ‘re-
verse’ opening is the Barcza System, known variously as the King’s Fianchetto,
King’s Indian Attack, or King’s Indian Reversed.[86] White can reach the desired
setup regardless of what Black replies. This strategy has considerable psycholog-
ical value, because White virtually forces Black into his type of game: the first
five moves are 1 Nf3, 2 g3, 3 Bg2, 4 O-O, 5 d3. [87…] White’s strategy is very
flexible and depends largely on Black’s response. Obviously Black has great
leeway [Spielraum]; in the absence of any direct threats he can erect a wide vari-
ety of defenses, ranging from trenchant [scharf] occupation of the center to total
symmetry. [… But the] psychological pressure on the defender is often greatest
when he is not called upon to deal with direct threats.” (Vgl. Q104-EVANS, S.
37-39)
IM Norman Weinstein (ELO 2430), 1976: „Successes by such leading
grandmasters as Fischer, Petrosian, Smyslov, and Larsen have shown that this

84
FIDE-Titel: GM=Großmeister, IM=Internationaler Meister, FM=FIDE Meister
85
Das Zitat stammt aus der 3. Aufl. in Q98-KEENE, welche 1979 veröffentlicht wurde. GM Keene
gibt an, dass die erste Ausgabe bereits 1968 erschienen ist.
86
Gemeint ist die Idee, die Erfahrungen mit der Königsindischen Verteidigung (KID) aus Schwarzer
Sicht mit dem Anzugsvorteil auf Weiß zu übertragen.
87
Im Original verwendet GM Evans die Englische Notation: 1 N-KB3, 2 P-KN3, 3 B-N2, 4 O-O, 5
P-Q3. GM Seirawan definiert die Barcza-Eröffnung über die Züge Sf3/g3/Lg2/0-0 (vgl. Q109-
SEIRAWAN, S. 201). Die Zuordnung von Titeln (z.B. „Barcza-System“) zu einer Reihe von Zügen
auf dem Schachbrett konnte bis heute nicht einheitlich geregelt werden. Der kreative Freigeist muss
sich daran nicht stören, der Theoretiker schon eher.

34
Anmerkungen von Spielern und Autoren

opening can be used as a powerful weapon against any level of opponent.” (Vgl.
Q031-WEINSTEIN, S. 3)
FM Ken Smith (ELO 2365) / Senior Master John Hall (ELO 2484), 1988:
„The King’s Indian Attack is one of White’s most attractive positional debuts.
Basically the King’s Indian Attack is founded on the thought that if the King’s
Indian Defense is considered sound for Black, it must be ‘extra sound’ when
White plays it a tempo ahead.”88 “One of the greatest advantages of the King’s
Indian Attack is its flexibility. It can be played from the starting positions of
many openings. For example, after 1 e4 c5 (The Sicilian Defense) White follows
2 d3 or 2 Nf3 followed by 3 d3 […]. The same treatment can occur after 1 e4, e6
2 d3 (King’s Indian Attack vs. the French) or 1 e4, c6 2 d3 (King’s Indian Attack
vs. the Caro-Kann). The only pitfalls White can fall into are (1) making unneces-
sary moves, and (2) opening the position too early before completing develop-
ment.” (Vgl. Q064-SMITH-HALL88, S. 7) “In his early competitive years, the
great Bobby Fischer often used the King’s Indian Attack. Especially after 1 e4,
c5 2 Nf3, e6 (locking in the QB [queenside bishop]), Fischer felt 3 d3(!) gave a
superior form of the K.I.A. If player of such unsurpassed talent and aggressive-
ness chooses the ‘quiet’ K.I.A., you can bet it has more bite than many would
suppose.” (Vgl. Q064-SMITH-HALL88, S. 28)
FM Eric Schiller (ELO 2205), 1989: „It was not a popular opening in the early
part of the present century, and remained fairly obscure until Bobby Fischer
adopted it as a significant part of his arsenal.” (Vgl. Q022-SCHILLER, S. 7)
GM Eduard Gufeld (2434) / GM Mark Taimanow (ELO 2393), 1990: „Kö-
nigsindisch im Anzug ist eine Eröffnung, in der sehr elastische Methoden des
Kampfes um die zentralen Felder angewendet werden. Zwar wird zuerst die Kräf-
temobilisierung vorgenommen, jedoch ist die Anfangsphase der Partie mit dem
Mittelspiel verknüpft, und die Probleme der Mobilisierung sind direkt mit dem
künftigen strategischen Plan verbunden. Bei solchen nicht forcierten Systemen[89]

88
Viele Autoren und Spieler zitieren unreflektiert den folgenden Ausgangspunkt: Königsindisch mit
Weiß zu spielen sei möglich und gut, da die Erfahrungen bereits die Spielbarkeit der Eröffnung für
Schwarz - sogar mit einem Minustempo - gezeigt hätten. Im Grunde war der Versuch, diese Eröff-
nung auf Weiß zu übertragen, folgerichtig da das Spielsystem des King’s Indian Defense (KID, im
zum KIA vergleichbaren Standardaufbau) statistisch gesehen nicht erfolgreich ist (in 2008 gab es
2220 Partien auf GM-Niveau mit einer Erfolgsstatistik GRV=33%/49%18%, d.h. 58%/42% für Weiß
gegen KID des Spielers mit den schwarzen Steinen.)
89
Was die Autoren unter einem „forcierten System” verstehen, verraten sie ihren Lesern nicht. Ob es
im Schach so etwas wie eine „erzwungene“ lange Eröffnungsvariante überhaupt gibt, darf bezweifelt
werden. Dass sich ein Spieler darauf einlässt, eine bekannte Variante zu spielen, das ist denkbar, aber
erzwungen / forciert ist das nicht. Und spielt er sie nicht, dann weicht er in andere „Systeme“ ab.

35
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

ist es oft unmöglich, die konkreten Folgen des Eröffnungskampfes vorauszusehen.


Große Bedeutung erlangt deshalb das Verständnis der strategischen Situation, die
sich im Mittelspiel ergibt. Jeder Zug zu Beginn der Partie muss weitsichtig der
Schaffung vorteilhafter strategischer Situationen untergeordnet sein. […] Königs-
indisch im Anzug [wird deshalb] von Schachspielern bevorzugt, die einen kom-
plizierten positionellen Kampf anstreben. (Vgl. Q097-TAIMANOW-GUFELD,
S. 154)
GM David Norwood (ELO 2503), 1991: „Writing […about] the K.I.A. is rather
different from writing about an opening like the Modern Benoni, or the Pirc
Defence. Most openings have a clear move order which enables one to distin-
guish [unterscheiden] a French from a Sicilian, or a Spanish from a Dutch. In this
respect the K.I.A. is a nightmare. Transpositional opportunities are endless. Hav-
ing played the K.I.A. for several years I am no longer surprised when I suddenly
end up in a main line Closed Sicilian or a Reversed King’s Indian, where origi-
nality and creativity often far outweigh opening preparation.” (Vgl. Q072-
NORWOOD, S. 5)
IM Eric Tangborn (ELO 2455), 1992: „The Opening in chess refers to that
phase of the game during which the forces of both sides are mobilized to encoun-
ter each other in the middle game. At the start of the game one should be striving
for these four elements in the opening: 1) the fight for control of the center;
2) the striving for the quickest and most active development; 3) the creation of
conditions that permit early castling; 4) the formation of an advantageous pawn
structure. The King’s Indian Attack is a simple opening that satisfies these ele-
ments. […] The first plan will be to advance the pawn to e4, if necessary preced-
ed by moves such as Nbd2 and Re1. The next plans will depend on what Black
has played in the meantime. Usually White attacks on the kingside, but he can
also concentrate on the queenside. […] The main task in the opening is to reach a
playable middle game.” (Vgl. Q045-TANGBORN, S. 1)90
IM Angus Dunnington (ELO 2386), 1993: „Since even masters can take many
month (perhaps years) studying the numerous variations of, for example, the
Sicilian Defence, it seems logical to find an opening system for White which

Darüber hinaus hat auch der KIA einige recht lange Varianten der Eröffnung (vgl. z.B. die Typen
O1.01, O4.01 oder O5.01).
90
Mit seiner Aussage „The first plan will be to advance the pawn to e4, if necessary preceded by
moves such as Nbd2 and Re1.” unterstützt IM Tangborn meines Erachtens den hypermodernen
Gedanken des KIA. Er argumentiert hier nicht wie viele Autoren, das der KIA sich aus 1.e4 ergibt
(was daher rührt, dass GM Bobby Fischer erst in den KIA wechselte, wenn Schwarz e6 gespielt hat,
wobei Fischer dann immer schon e4 gezogen hatte), sondern betont mit seiner Aussage den eigen-
ständigen Charakter des KIA Eröffnungssystems. Die von GM Tangborn verwendete Tabija stellt
Sbd2 zunächst zurück (also Standard KIA ohne Sbd2).

36
Anmerkungen von Spielern und Autoren

enables us to sit down at the board before battle commences [beginnt] without
having to worry about what Black may play. This book deals with arguably the
most flexible of such systems: the King’s Indian Attack (KIA). The beauty of the
opening is that White adopts the set-up of Sf3, g3, Lg2, d3, Sbd2 and e4 practi-
cally regardless of Black’s play.” (Vgl. Q008-DUNNINGTON98, Q033-
DUNNING-TON93, S. 7)
GM Ron Henley (ELO 2435) / Paul Hodges, (US Postal Master), 1993: „One
of the most interesting features of the King’s Indian Attack is the ability to trans-
pose into it after ‘fishing’ with 1.e4 for a pet opening [zu Hause vorbereitetes]
system. Sometimes you’re interested in playing a specific line, perhaps against
1…e5, and black varies immediately with …e6, …d6, …c6 or …c5. An early
d2-d3 instead of the usual d2-d4 against each of these moves instantly transforms
the opening into a KIA. With the King’s Indian Attack in your repertoire, you
have almost absolute control over the range of monsters black can throw at you –
no more Caro-Kanns, no more French Winawers, [and] no more Dragons, until
you’re ready for them!” (Vgl. Q017-HENLEY-HODGES, S. 1)
IM Mark Dworezki (ELO 2460), 1995: „Ein Schachspieler, der 1. e2-e4 bevor-
zugt, kann in sein Eröffnungsrepertoire auch die Systeme 1.e4 e6 2.d3!? oder
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d3!? aufnehmen. Weiß umgeht91 die Französische oder Sizili-
anische Verteidigung und entwickelt seine Figuren, wie Schwarz dies in der
Königsindischen Verteidigung tut. Dabei kommt ihm nicht nur das Anzugstem-
po, sondern vor allem auch der Umstand zugute, dass der Zug e7-e6 nicht sehr
günstig für Schwarz ist (im Königsinder [Weiß gegen KID] spielt Weiß ja äu-
ßerst selten e2-e3). Die gleiche Stellung kann sich auch im Réti-System nach
1.Sf3 d5 2.g3 c5 3.Lg2 Sc6 4.0-0 ergeben, wenn Schwarz jetzt oder einen Zug
später e7-e6 spielt.“92 (Vgl. Q006-DWORETSKI-JUSSUPOW95, S. 131)

91
Eine unnötig verwirrende und verdrehte Formulierung. Warum sollte Weiß eine Verteidigung des
Schwarzen „umgehen“ und stattdessen seine Figuren analog zum KID entwickeln? Der Punkt ist:
Weiß spielt eine Theorieeröffnung unter Beachtung der Erfahrungsgrundsätze für die Eröffnung.
Während Schwarz mit 1…e6 zunächst einen wenig aussichtsreich anmutenden (19.705 GM-Partien
mit lediglich 44% Erfolg für Schwarz) Verteidigungsweg einschlägt. Interessant ist hier, ob Schwarz
in der Folge eine für ihn spielbare Stellung auf das Brett bringen kann (zum Beispiel den klassischen
Typ O4.01).
92
Die Zugfolge 1.Sf3 d5 2.c4 wird im Allgemeinen als Réti-System bezeichnet (vgl. Q005-BORIK-
PETZOLD, S. 223). Die Namensvergabe für Spielsysteme bezieht sich in der Schachöffentlichkeit
bisher nicht immer auf eindeutige Stellungsbilder und klar differenzierte weiße bzw. schwarze
Sichtweisen.

37
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

GM Semeon Palatnik (ELO 2478), 1996: “The King’s Indian Attack began to
show up in the repertoire of masters around 1950 [93] this was due mainly to the
successes reached by players of the Black pieces in the King’s Indian Defense.
We can, therefore, understand the willingness of the chess players who received
satisfaction from the many variations of the King’s Indian Defense to have their
favourite types of position with the White pieces (and with an „extra” tempo!).”
(Vgl. Q032-HALL-CARTIER, S. 4)
GM Leonid Shamkovich (ELO 2342), 1996: „The King’s Indian Attack (KIA),
is a reversed form of the King’s Indian Defense [(KID)…and] with the intrinsic
[wesentlichen] extra Tempo of the KIA, White has chances for a serious initia-
tive. Therefore we should recognize the KIA as an independent strategical open-
ing, with original theory and practice. The really classic games for the modern
interpretation of the KIA are seen in the efforts of Botvinnik, L. Stein and Bobby
Fischer, whose great expertise lay the foundations of contemporary [zeitgenö-
ssisch] KIA theory.” (Vgl. Q032-HALL-CARTIER, S. 5 mit einer „special editi-
on” zum KIA von GM Leonid Shamkovich)
Don Maddox (Fernschachspieler), 2002: „Weiß punktet sehr gut in Varianten,
wo Schwarz sich im Zentrum zurückhält oder seinen Läufer c8 mit einem frühen
...e6 einschließt. Bei frühem ...Lg4 oder ...Lf5 kann sich der Nachziehende hal-
ten. Man sollte sich allerdings daran erinnern, dass Statistiken nicht Schach spie-
len. Bestenfalls können einen diese Prozentzahlen auf Gefahren bzw. Chancen
hinweisen. […] Experimente zeigen uns, dass der wichtigste Faktor bezüglich
der Fähigkeit eines Spielers, ein Schachproblem am Brett zu lösen, darin liegt,
inwieweit er mit der Stellung vertraut ist. Der Königsindische Angriff ist ein
großartiger Weg, dafür zu sorgen, dass man auf vertrautem Terrain bleibt - oft-
mals auf Kosten des Gegners.“94 (Vgl. Q018-MADDOX, s.p.95)
GM Yasser Seirawan (ELO 2631), 2003: “White’s four opening moves, 1.Nf3,
2.g3. 3.Bg2, and 4.0-0, create the Barcza Opening. After these initial moves, if
White follows up with c2-c4, the opening often transposes into English Opening.
If he plays d2-d4, a likely transposition into a Catalan will occur. And if White
plays for d2-d3 and e2-e4, the opening becomes a King’s Indian Attack (KIA).

93
Kontinuierlich wird KIA seit 1944 gespielt, wobei die erste dokumentierte Partie aus dem Jahre
1851 stammt: Mahescandra – Cochrane, Calcutta, 0-1.
94
Die Aussagen von Maddox sind hier sehr pauschal. Wie sich im Teil „Präsentation der KIA-
Eröffnung“ zeigen wird, schneidet zum Beispiel das „Keres“-System (…Lg4) schlechter ab als das
„Lasker“-System mit …Lf5. Aber auch hier gibt es Ausnahmen (siehe z.B. Stellungstyp O3.04).
95
s.p. sine pagina = ohne Seitenangabe.

38
Anmerkungen von Spielern und Autoren

The KIA became my favourite because the ideas [96] are quite easy to grasp.”
(Vgl. Q109-SEIRAWAN)
GM Roman Dzindzichashvili (ELO 2583), 2005: “White can either play with
1.e4 or 1.Sf3, followed by d3, g3, Bg2, 0-0. Black cannot prevent this flexible
system. […KIA is an] easy to learn[97]opening for white that will help you
achieve a clear middle game plan while avoiding complex variations and simpli-
fications.” (Vgl. das Cover zu Q065-DZINDZICHASHVILI) “It looks like you
develop very passively but then all of the sudden you get very strong attack that
Black is not able to stop.” (s.p. Q065-DZINDZICHASHVILI)
GM John Emms (ELO 2508), 2005: „I was first lured [angelockt] to the KIA in
my teens, and for a few years I played nothing else with the white pieces [98].
One of the major selling points of the KIA is that White can play the same sys-
tem of development against virtually any black set-up. Another positive is that
there is much more emphasis [Betonung] on the understanding of ideas within
the system than the need to learn theory [99] - perfect for someone who has nei-
ther the time nor the inclination to memorise numerous different opening varia-
tions […]. The KIA is very easy to play and is an excellent weapon around
which you can base an opening repertoire.” (Vgl. Q063-EMMS05, S. 5-6) “Its
great advantage over other openings is that it’s a thematic system that can be
employed against many different lines […]. The King’s Indian Attack leads to
rich middle game positions that are full of dynamic possibilities for both sides.”
(Vgl. Q063-EMMS05, Buchrückentext) „I can’t promise [versprechen] a theoret-
ical advantage in all lines of the KIA, but even when Black chooses the best
defences, positions arise which are lively and knife-edged; this is why the KIA is
a favourite weapon for the attacking player.“ (Vgl. Q094-EMMS01, S. 68)
FM Wilhelm Schlemermeyer (ELO 2310), 2007: Es handelt sich „ um eine
ehrenwerte Art und Weise, eine Schachpartie zu eröffnen. Trotz geringer ‚Theo-
riearbeit’ sind unliebsame Überraschungen für den Anziehenden praktisch aus-

96
GM Seirawan benennt diese „leicht zu erfassenden“ Ideen in seinem Buch Q109-SEIRAWAN
leider nicht.
97
„Easy to learn“ (GM Dzindzichashvili), „ideas are quite easy to grasp“ (GM Seirawan) oder „clear
middle game plan“ (GM Dzindzichashvili) sind Aussagen, die einem schnell über die Lippen kom-
men, wenn man sich im Wesentlichen auf das Erreichen des von Weiß anvisierten Stellungsaufbaus
im KIA bezieht. Diesen Aufbau durchzusetzen ist leicht, aber die Übergangsphase in das Mittelspiel
zu bewältigen und die Pläne und Spielideen in Bezug zur jeweiligen schwarzen Antwortstellung zu
kennen und präsent zu haben ist dann schon nicht mehr so „easy“ abrufbar. Denn der Leser meines
Buches wird erkennen, dass nicht für jede schwarze Antwort die Ideen so klar verbalisiert wurden
wie bis jetzt es für den Typ O4.01 geschehen ist, auch wenn es Hauptvarianten gibt.
98
In der Megabase 2008 findet man keine KIA-Partie von GM Emms.
99
Was GM Emms mit „System“ und „Theorie“ genau meint, sagt er seinen Lesern nicht.

39
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

geschlossen. Er bekommt seine Fianchetto-Stellungen und kann dann einfach


spielen. Doch der Preis dafür ist hoch: Denn den Ausgleich, den sich der Nach-
ziehende in schärferen Eröffnungen erst hart erarbeiten muss, bekommt er hier
vergleichsweise geschenkt. Mehr aber eben auch nicht. Deshalb ist dies vor
allem eine Partieanlage für geduldige Positionsspieler, die darauf vertrauen, ihre
Gegner in einfacheren Stellungen überspielen zu können.”100 (Vgl. Q107-
SCHLEMERMEYER)
GM Nigel Davies (ELO 2476), 2008: „The King’s Indian Attack is a unique
opening system in that it offers White a dynamic and interesting game but with-
out the need to know reams of theory. […] It is playable as either a complete,
self-contained opening
system or as part of a
regular 1.e4 reper-
toire.” (Vgl. die
Rückseite der DVD zu
Q106-DAVIES) „The
nature of the King’s
Indian Attack is not
really an opening for
somebody who wants
to force an advantage.
It’s more for someone
who wants to play an
interesting chess game
in which both sides
have chances and the
player who understands the position better will [rewarded for his efforts.]” (Vgl.
Q106-DAVIES, in der Partiebesprechung Fischer - Myagmarsuren)

100
FM Schlemermeyer führt ferner aus, dass „Theorie […] eigenes Analysieren und Forschen ein-
schließt“, aber nicht explizit, was er unter „einfachen Stellungen“ versteht. Er akzeptiert, dass es
spezifische Stellungsbilder auf dem Brett gibt, wobei aber die flexible Beherrschung und Bespre-
chung der Übergänge zwischen diesen Bildern seiner Ansicht nach für den Praktiker wichtiger ist, als
die Fixierung auf eine definierte Stellung. Ferner fragt er, ob es denn überhaupt den KIA-Spieler gibt
und betont: „Mein Eindruck ist eher, dass es nur 1.e4-Spieler und 1.Sf3-Spieler gibt, die gelegentlich
in den Königsindischen Angriff überlenken.“ Das die Ausgangspunkte einvernehmlich definiert sein
sollten, zwischen denen man Übergänge sieht oder diskutieren möchte verliert er dabei m. E. aus den
Augen.

40
Ranglisten zur KIA-Eröffnung

Ranglisten zur KIA-Eröffnung


Rangliste der Großmeister
Die folgende Tabelle zeigt eine Rangliste der Großmeister mit mindestens zehn
KIA-Partien101 absteigend nach dem Erfolg sortiert. Lediglich zwei von acht
Spielern sind mit dieser Eröffnung nicht erfolgreich:

Rangliste der Autoren


Die nächste Tabelle zeigt die Autoren mit mindestens zehn KIA-Partien102 ab-
steigend nach dem Erfolg sortiert. Lediglich zwei von sieben Spielern sind mit
dieser Eröffnung nicht erfolgreich:

101
Die Auswahl wurde unter Berücksichtigung der in diesem Buch beschriebenen Voraussetzungen
zur KIA-Theorie getroffen, d.h. es wurden nur Partien berücksichtigt, die in der KIA2450-2875-O
Database gelistet sind. Die Partien von GM Starosek wurden alle im Jahr 2004 gespielt.
102
Bei den Autoren wurde nicht streng auf die beschriebenen Voraussetzungen zum Standard-KIA
geachtet, aber ihre Partien lassen, z.B. durch Zugumstellung, den KIA-Aufbau erkennen. Hier sind
auch Partien gezählt, die bisher nur in der jeweiligen Quelle des Autors und nicht in der MegaBase
(vgl. Q004-MEGABASE) dokumentiert wurden, deshalb kann ein GM als Autor in der Tabelle
gelistet sein, aber in der Rangeliste der Großmeister nicht.

41
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Begriffe: Definition und Erläuterung103


In diesem Kapitel werden einige Schachbegriffe definiert104 und in alphabeti-
scher Reihenfolge aufgelistet. Benutzte und nicht näher spezifizierte Begriffe
werden weiterhin so verwendet, wie sie dem allgemeinen Verständnis nach auf-
gefasst werden.105
Eröffnung106
Die „Eröffnung“ bezeichnet die erste Phase einer Schachpartie, die „etwa zwi-
schen dem 10. und 20. Zug abgeschlossen ist“107. Das Hauptziel der Eröffnung
ist die so genannte Entwicklung der Figuren108, d.h. die möglichst schnelle
Aufstellung der Spielsteine, so dass sie ihre optimale Kampfkraft entfalten kön-
nen. Ferner geht es um „Initiative“, d.h. darum, den Gegner in die Reaktion zu
zwingen109.
In der Spieleröffnungsphase sind die beschriebenen Erfahrungen von Schach-
spielern zu beachten, die in Eröffnungsgrundsätzen zusammengestellt werden
können.110 Im Rahmen eines Spielsystems wird ein definiertes Stellungsbild
angestrebt (=Tabija) und (Haupt-) Varianten der Fortsetzung als gesicherte Fol-
gepläne für den Übergang in das Mittelsspiel angewendet. Die Eröffnungsphase

103
Die Norm DIN 2342 definiert „Begriff“ als eine „Denkeinheit, die aus einer Menge von Gegen-
ständen unter Ermittlung der diesen Gegenständen gemeinsamen Eigenschaften mittels Abstraktion
gebildet wird“. (Zitiert nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Begriff, Stand: 18.06.2008)
104
„In der Schachliteratur mangelt es durchaus an deutlichen Begriffsbestimmungen der Fachaus-
drücke. Dies ist nicht verwunderlich. Manche Schachschriftsteller glauben, daß die Belehrung ihrer
Leser deren Unterhaltung im Wege steht; aber der Gebrauch klangvoller Wörter wie hypermodern
oder neoklassizistisch kann das Gemüt ergötzen, ohne dass klare Inhalte damit verknüpft sein müs-
sen. Außerdem gibt man sich mit dem Verwenden von Fachwörtern stets einen Anstrich von Fach-
wissen, auch wenn man selbst gar nicht genau versteht, was man wirklich sagt.“ (Dr. Robert Hübner
in Q057-CHESSBASEMAGAZIN05, S. 14)
105
Vgl. zum Beispiel Q005-BORIK-PETZOLD
106
„’Die Kunst der Eröffnung besteht darin, die zunächst eingesperrten Figuren durch einige wenige
Bauernzüge zu befreien und sie an günstige Plätze zu bringen, und zwar so rasch wie möglich. Jedes
Tempo muss man zur Entwicklung voll ausnützen, von Zug zu Zug muss man vorwärts kommen. Die
Zeit spielt also eine wichtige Rolle im Schach. Bei gutem Spiel gehen einmal gewonnene Tempi
nicht wieder verloren, sie setzen sich schließlich um in Raum- oder Kräftegewinn. Wer immer mit
Tempogewinn arbeitet, gewinnt schließlich die Partie.’ Dr. Tarrasch (Das Schachspiel)“. Zitiert nach
Q023-HAAS, S. 36.
107
Vgl. Q005-BORIK-PETZOLD, S. 87
108
„Figuren“ des Schachspiels sind: Turm, Springer, Läufer, Dame, König. Nimmt man die Bauern
dazu, spricht man nicht von Figuren, sondern von Steinen.
109
Vgl. Q006-DWOREZKI-JUSSUPOW95, S. 13f
110
Vgl. hierzu „Aus den Erfahrungen abgeleitete Eröffnungsgrundsätze“.

42
Begriffe: Definition und Erläuterung

umfasst die „reine Eröffnung“, in der die Tabija realisiert wird und die daran
anschließenden Varianten, die den Übergang in das „reine Mittelspiel“ markie-
ren. In dieser Übergangsphase wird die Eröffnung mit dem Mittelspiel „verbun-
den“. Da in der Regel mehrere Varianten der Fortsetzung vorliegen, ist eine
Entscheidung zu treffen, in welche der möglichen Mittelspielsituationen der
Spieler sich begeben möchte. Mit einer ausgespielten Variante der Eröffnung
endet in der Regel die Eröffnungsphase und das reine Mittelspiel beginnt. Eine
ausgespielte Variante kann aber auch zu einem weiteren bekannten Stellungsbild
führen und damit einen Systemübergang zu einer anderen bekannten Eröffnung
markieren.
Eröffnungstheorie
Vergleiche hierzu: „Allgemeine Definition für Eröffnungstheorien“.
Hauptvariante111
Eine Zugfolge in einem Spielsystem wird als Hauptvariante (HV) bezeichnet,
wenn sie von Großmeistern gespielt wird und durch n Partien belegt werden
kann, wobei n 2 gilt.112 Eine Hauptvariante ist eine zu einer Theorie113 gehö-
rende Variante.
Lösungsvariante114
Eine Zugfolge - bezogen auf ein gegebenes Stellungsbild - wird als Lösungsvari-
ante (LV) bezeichnet, wenn diese zur Menge der kurzzügigsten Lösungen einer
lösbar formulierten Aufgabenstellung (z.B. Matt in x, Material gewinnende
Kombination) gehört.

111
Vgl. Q005-BORIK-PETZOLD, S. 122: Eine Hauptvariante ist eine „Variante, die bei der Analyse
einer Eröffnung [...] als die wichtigste angesehen wird“. Diese in der Praxis häufig anzutreffende
Formulierung ist für eine Theoriedefinition nicht geeignet.
112
Die Analysesoftware von ChessBase geht z.B. von n = 3 aus.
113
„Theorie“, wie ich sie in diesem Buch definiere. Wenn ein System nicht die Bedingungen für eine
Theorie erfüllt (z.B. es ist statistisch gesehen nicht erfolgreich), dann sind die hierzu betrachteten
Varianten keine Theorievarianten und somit keine Hauptvarianten, auch wenn diese Varianten aus
dem Blickwinkel des Pragmatikers für „wichtig“ erachtet werden.
114
Da in Q113-SEIDEL („Grundlagen einer wissenschaftlichen Schachtheorie“) mit einem abwei-
chenden Verständnis des, nicht explizit definierten, Begriffes Hauptvariante gearbeitet wird, habe ich
hier den Begriff „Lösungsvariante“ als Vorschlag eingeführt. In diesem Sinne beschreibt Rainer
Seidel Lösungsvarianten an Stellen, wo er unglücklicherweise den Begriff Hauptvariante verwendet.

43
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Nebenvariante
Eine Zugfolge in einem Spielsystem wird als Nebenvariante (NV) bezeichnet,
wenn sie von Spielern des Praxisbereichs115 gespielt wird und durch wenigstens
n 2 Partien belegt werden kann. Eine Nebenvariante ist keine zu einer Theorie
gehörende Variante.116
Neuerung
Wird in einer Partie auf GM-Niveau von der Zugfolge einer Hauptvariante –
ohne dass der Fall der Zugumstellung zutrifft – abgewichen, dann handelt es sich
um eine Neuerung. Dieser „neue“ Zug wurde auf GM-Niveau zwar bisher nicht
gespielt, kann im Praxissegment allerdings bereits (mehrfach) gespielt worden
sein. Die Neuerung ist ein Kandidat für die Begründung einer neuen Hauptvari-
ante in der zu Grunde liegenden Theoriephase (Eröffnung, Mittelspiel oder End-
spiel).117
Plan118
Ein Plan basiert im Schachspiel auf einer Stellungsbewertung der erreichten
Brettstellung. Er berücksichtigt statische (Ist-Analyse) und dynamische Aspekte
(Soll-Festlegung, d.h. Abschätzung der Möglichkeiten) und kommt durch eine
konkrete Zugfolge119 zum Ausdruck, und das Ausspielen dieser Züge verfolgt

115
Der Praxisbereich bezieht sich immer auf eine definierte Auswahl von Partien innerhalb eines
Spielsystems ohne ELO-Eingrenzung.
116
Nebenvarianten haben (im Vergleich zu den Hauptvarianten) eine breitere Partienbasis (ELO-
Range) und können z.B. in der Turniervorbereitung bei der Entscheidung für eine bestimmte Haupt-
variante nützlich sein. Angenommen zwei Hauptvarianten zu einem Stellungsbild sind statistisch
gleich erfolgreich; dann kann ein Blick in das Praxissegment der Partien Hinweise geben, wie z.B.
Spieler im gehobenen Spielniveau mit diesen Varianten zu Recht kommen.
117
Einige Schachautoren (vgl. z.B. Q001-SMITH-HALL90, S. 28) sprechen – ohne eingehende
Begründung – von „theoretischen Neuerungen“, im Sinne von „Verbesserung der Theorie“. Da eine
Abweichung von der HV erst noch durch mindestens eine weitere GM-Partie zu belegen ist, macht
die Begriffsbildung „theoretischen Neuerungen“ in meinen Augen wenig Sinn.
118
Ein Plan umfasst „konkrete Überlegungen mit bestimmten Zielen für den weiteren Verlauf einer
Partie. Voraus geht in der Regel eine Stellungsbeurteilung.“ (Vgl. Q005-BORIK-PETZOLD, S. 209)
Wie andere Begriffe auch (z.B. Tempo) ist der „Plan“ im Universum des Schachspiels zu definieren,
d. h. er muss sich immer durch eine konkrete Zugfolge auf dem Brett verdeutlichen lassen. Begriffe,
die uns Menschen im Alltag geläufig sind, haben i. d. R. auf das Schachspiel bezogen eine andere
Ausprägung. Meines Erachtens ist es wichtig und interessant, ein Gefühl und eine Vorstellung davon
zu bekommen, welchen Wandel die Bedeutung bestimmter Wörter erfahren, wenn wir sie aus unserer
Welt in die Welt des Schachs übertragen.
119
Unterschiedliche Anordnungen derselben Halbzüge ergeben zwar unterschiedliche Varianten,
können aber zu demselben Stellungsbild führen (Zugumstellung) und damit den gleichen Plan ver-
folgen.

44
Begriffe: Definition und Erläuterung

ein verbal formulierbares Ziel (z.B. „Angriff am Damenflügel einleiten“,


„Raumvorteil erreichen“, „Stein erobern“, „Matt setzen“, etc.). Eine verbale
Absichtserklärung ohne konkrete Zugfolge ist noch kein Plan, sondern lediglich
eine Idee für einen Plan.
Exkurs
Das Wort „Plan“ stammt aus dem Französischen und steht eigentlich für „Grundriss“,
„Entwurf“ und „Vorhaben“. Sekundär ist es mit dem frz. plan „Oberfläche“ zusammen-
gefallen120. Ein Plan beinhaltet „die gedankliche Vorwegnahme der Mittel und Schritte
sowie deren Abfolge, die zur effektiven Erreichung eines Zieles notwendig erschei-
nen.“121 Ausgehend von den gegebenen Rahmenbedingungen (= Grundriss, Fläche,
Schachbrett, aktuelle Stellung der Figuren auf dem Brett) werden Handlungen (= Vorha-
ben, Züge, Varianten) entworfen, die ausgeführt zu einem vorher festgelegten und be-
schreibbaren Ziel führen sollen – einem Stellungsbild, welches das formulierte Ziel er-
füllt. Optimale Handlungen eines Individuums hängen vom verfügbaren Wissen (= Erfah-
rungen plus theoretische Erkenntnisse), d.h. anwendbaren Methoden und Verfahren und
den physischen sowie psychischen Möglichkeiten (auch „Begabungen“) ab. Wenn von
Plänen auf dem Schachbrett gesprochen wird, ist das Besondere der aktuellen Stellung
hervorzuheben sowie eine (Teil-) Zielformulierung mitzugeben. Der Plan (=geplante
Zugfolge, Variante) ist dann der angestrebte Weg vom Ist zum Soll.
Hier ein einfaches Beispiel122: Der Spieler einer KIA-Eröffnung geht von der Grundstel-
lung der Steine auf dem Brett aus (= Voraussetzung, die besondere Situation) und will
den vorher festgelegten KIA-Aufbau Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2 erreichen (= Erstes Etap-
penziel, hier: „Wahl der Figurenaufstellung“123), um darauf aufsetzend mit der Entschei-
dung für eine der (eventuell) vorhandenen Hauptvarianten die Eröffnungsphase zu been-
den und in die Übergangsphase des Mittelspiels einzutauchen (= Zweites Etappenziel).
Die Kunst des Spielers besteht in der korrekten Anordnung seiner Züge, um das gesteckte
Ziel (= angestrebtes Stellungsbild vor dem unmittelbaren Beginn der reinen Mittelspiel-
phase) zu erreichen. Er kann gegebenenfalls das Umschwenken auf eine andere HV in
Erwägung ziehen. Wenn der Schwarze mit einer Theoriestellung auf das erste Etappenziel
antwortet, hat Weiß die Wahl zwischen den bekannten Hauptvarianten124. Handelt es sich
nicht um eine Theoriestellung, dann muss Weiß eine sorgfältige Analyse der neuen Situa-
tion - auf der Basis seines Eröffnungswissens sowie erlangter allgemeiner Spielerfahrung
- vornehmen, ein Ziel bestimmen und eine passende Variante dazu ersinnen.
Das Ausspielen einer Hauptvariante oder einer situationsgemäß geplanten Variante führt
zu einem Stellungsbild, das als „Ziel einer Planung“ aufgefasst werden kann, welches

120
Vgl. Q021-DUDEN-ETYMOLOGIE, S. 514
121
Vgl. Q003-BROCKHAUS, Bd. 17, S. 220
122
Der Leser sollte dieses Beispiel unter der Voraussetzung betrachten, dass der KIA zur schwarzen
Spielweise adäquat ist, also nicht schematisch abgespult wird.
123
Vgl. Q066-DWORETSKI-JUSSUPOW03, S. 24, im Kapitel „V Der Plan“.
124
“Often the choice of plans is simply a matter of style more than any objective considerations
[Gesichtspunkte]”. (Vgl. Q032-HALL-CARTIER, S. 133)

45
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

alle angestrebten Merkmale besitzen sollte, um einen Sieg (z.B. klarer Vorteil, Mattan-
griff, gewonnenes Endspiel) bzw. eine für wünschenswert empfundene Stellung (mit ge-
schaffenen einfachen taktischen bzw. - besser noch - langfristig strategischen Drohungen)
zu erreichen. So gesehen stellen Haupt-/Varianten Pläne dar und bilden quasi die „ma-
thematischen“ Formeln zur Erreichung der angestrebten, verbal formulierten (Teil-)
Ziele.
Fazit: Zu einer „Planung“ im Schach gehört als Ausgangssituation immer ein Stellungs-
bild, zu welchem (Haupt-) Varianten existieren bzw. zu errechnen sind.125 Die Variante,
für die ein Spieler sich entscheidet, dient einem definierten (Teil-) Ziel, d.h. soll zu einem
gewünschten Zielbild auf dem Schachbrett führen. Die gewählte (Haupt-) Variante ist die
„formelmäßige“ Beschreibung des gefassten Plans. Die anschauliche verbale Beschrei-
bung des Ziels eines Plans sowie der angestrebten Brettstellung – sofern sie nicht vom
Meisterspieler selbst kommt – bleibt somit der Versuch einer Interpretation bzw. die
Kommentierung eines mehr oder weniger erfahrenen Kommentators.126

125
„Weit verbreitet ist die Meinung, dass die höchste strategische Kunst darin besteht, praktisch die
ganze Partie nach einem einzigen tiefen und in sich geschlossenen Plan zu führen. Zumindest führen-
den Großmeistern wird diese Fähigkeit zugeschrieben. Das ist natürlich ein Irrtum. Es ist sinnlos,
ellenlange Aktionsprogramme zu entwerfen, denn schon der nächste Zug kann die Lage auf dem
Brett vollständig verändern und der Partie eine ganz andere Richtung geben. [...] Einzelne [...] strate-
gische Operationen [...] vereinigen sich beim Nachspielen der Partie in unseren Augen zu einem
konsequent durchgeführten Plan.“ (Vgl. Q066-DWORETSKI-JUSSUPOW03, S. 23f) Dieser Irrtum
wird allerdings genährt durch Formulierungen wie: „Der Plan in der Schachpartie – das ist die Ge-
samtheit der aufeinanderfolgenden strategischen Operationen, die jeweils einen eigenständigen
Gedanken verfolgen, der den Erfordernissen der jeweiligen Stellung entspricht.“ (GM A. Kotow,
zitiert nach Q066-DWORETSKI-JUSSUPOW03, S. 24) „Wie planen die Schachspieler denn nun ihr
Spiel? In der Regel stecken sie lediglich die Richtung ab, sie verfolgen eine ganz allgemeine Akti-
onslinie. Beispielsweise erkennen wir, dass die Stellung einen Angriff am Damenflügel erfordert, wir
nehmen also die Konturen dieses Angriffs geistig vorweg.“ (Vgl. Q066-DWORETSKI-
JUSSUPOW03, S. 24) Die Festlegung, nach der ein Plan die „Gesamtheit aufeinander folgender
strategischer Operationen“ bzw. das „Abstecken einer allgemeinen Aktionslinie“ sei, ist meines
Erachtens unglücklich getroffen worden, vielleicht ist besser von der „Idee“ für einen Plan zu spre-
chen. Denn: Ein Plan ist immer konkret und er verfolgt ein ebenso konkretes Ziel, welches er effektiv
und messbar erreichen möchte. Das Erreichen eines definierten Zieles muss sich nachweisen lassen.
Da Schachpartien in der Regel im Nachhinein kommentiert und interpretiert werden, besteht die
Gefahr, dass man Ziel und Zielerreichung manipulativ entsprechend dem Verlauf der Partien formu-
liert.
126
Kommentare zu jedem KIA-Stellungsbild habe ich – sofern vorhanden – jeweils unter dem Punkt
„Quellenauswertung“ zusammengestellt.

46
Begriffe: Definition und Erläuterung

Spielsystem127
Ein Spielsystem berücksichtigt alle Phasen des Schachspiels (Eröffnung, Mit-
telspiel, Endspiel). Es bezieht sich immer und ausschließlich auf den Spieler mit
den weißen oder den Spieler mit den schwarzen Steinen. Die Komplexität des
Schachspiels wird in der Eröffnungsphase auf eine bestimmte Zugfolge einge-
grenzt, die spielbar ist, d.h. den Spieler – aus dessen Blinkwinkel das System
definiert wird - nicht sofort in einen unwiderlegbaren Nachteil geraten lässt.
Diese Zugfolge hat ein definiertes Stellungsbild zum Ergebnis, welches dem
Spielsystem fortan als Ausgangspunkt zugrunde liegt. Die sich auf der Grundla-
ge der Ausgangsstellung ergebenden Varianten bilden die Übergangsphase in
das Mittelspiel. Die ausgespielten Varianten dieser Übergangsphase ermögli-
chen es, durch erneute Suche, weitere Partien in das System zu integrieren, die
diese ausgespielte Endstellung ebenfalls erreichen. Dadurch lässt sich das Mittel-
spiel darstellen und die Abwicklung in das reine Endspiel einleiten. Die Erfah-
rungen mit diesen Endspielen lassen sich teilweise theoretisch ausformulieren
bzw. vom Computer ausrechnen, weil nur noch relativ wenige Steine auf dem
Brett sind. Auf diese Weise werden in einem Spielsystem Mittel- und Endspiel in
einen Zusammenhang mit den speziellen Eröffnungszügen gebracht. Ein defi-
niertes Spielsystem muss - im Gegensatz zum Theoriesystem – aus dem Blick-
winkel des Systemspielers nicht zwingend statistisch erfolgreich sein.
Stellungsbild128
Eine Momentaufnahme der Anordnung der Spielsteine auf dem Schachbrett wird
als Stellungsbild (oder Tabija) bezeichnet.

127
„Ein System […] lässt sich durch die Definition zweckmäßiger Systemgrenzen von seiner Um-
welt (den übrigen Systemen) weitgehend abgrenzen, um es modellhaft isoliert betrachten zu können.“
(Vgl. Q080-WIKIPEDIA, Stichwort „System“ vom 16.03.2006). Das Ziel der Ausarbeitung eines
Spielsystems im Schach ist es, Erfolg versprechende Ideen für jeden Schachspieler transparent darzu-
stellen. Auf Grund der Kombinationsvielfalt im Schach kann hieraus selbstverständlich kein Ge-
winnversprechen abgeleitet werden. Die Grafik im Text (s. hierzu am Ende von „Anmerkungen von
Spieler und Autoren“) zeigt beispielhaft verschiedene Tabijas für Spielsysteme mit der jeweiligen
Anzahl von Belegpartien (vgl. Q004-MEGABASE).
128
Die Begriffe „Stellung“ „Stellungsbild“, „Stellungstyp“ oder „Brettstellung“ verwende ich syno-
nym. Stellungsbilder gehören zur Theorie, wenn sie sich aus GM-Partien ergeben und es mindestens
eine Hauptvariante als Fortsetzung gibt. Aus Gründen der Vereinfachung oder der Betrachtung aus
unterschiedlichen Blickwinkeln kann als Stellungsbild auch nur eine Spielfarbe betrachtet werden
(z.B. „Stellungsbild der weißen Steine“, „Antwortstellungen des Schwarzen“).

47
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Theoriesystem129
Ein Spielsystem mit Theorieanspruch wird „Theoriesystem“ genannt. Es be-
trachtet alle Phasen des Schachspiels (Eröffnung, Mittelspiel, Endspiel), wobei
jede Phase für sich eine Theorie bildet130. Hier werden ausschließlich Groß-
meisterpartien aus einer repräsentativen (öffentlich zugänglichen und anerkann-
ten) Partiensammlung berücksichtigt, die in der Analyse auf der Grundlage
definierter Brettstellungen ermittelt werden und Hauptvarianten (HVen) aus-
bilden. Die Komplexität des Spielsystems ist in den einzelnen Theoriephasen
thematisch folgendermaßen einzugrenzen:
A) Eine Tabija für die Eröffnungsphase wird so gewählt, dass...
- die Anzahl selektierter Partien groß genug ist, um HVen zu bilden und
- falls eine halbe Tabija verwendet wird: die Anzahl resultierender Antwort-
bilder im System kleiner gleich 100131 ist.
B) Die Mittelspielphase berücksichtigt ausschließlich…
- Partien aus der Eröffnungsdatenbank plus GM-Partien, die durch Selektion
nach ausgespielten HVen der Eröffnung hinzu gekommen sind und
- Hauptvarianten, die sich aus der Mittelspieldatenbank ergeben und im Ver-
gleich zu den übrigen HVen langzügig (>= 5 Züge) ausgeprägt sind oder
- Antwortbilder im System, die durch mindestens 10 GM-Partien belegt sind
(falls eine halbe Tabija im System verwendet wird).
C) Die Endspielphase berücksichtigt nur…
- Partien aus der Mittelspieldatenbank plus Großmeisterpartien, die durch Se-
lektion nach ausgespielten Hauptvarianten des Mittelspiels hinzukommen.
Die Erfolgsquote beträgt in jeder Spielphase mindestens 50%. Schachpartien,
die nicht von Menschen gespielt wurden, werden in einem Theoriesystem nicht
berücksichtigt.

129
Siehe hierzu „Allgemeine Aspekte zur,Theorie von Spielsystemen im Schach’“.
130
In den Fällen, wo nicht jede Phase für sich eine Theorie bildet, liegt also kein Theoriesystem vor.
Nichtsdestotrotz kann es in so einem Spielsystem z.B. eine Eröffnungstheorie geben.
131
Die Brettstellung auf dem Wege zum Standard-KIA ohne Sbd2 liefert z.B. weit über 1000 GM-
Partien. Viele GM-Partien zu haben ist zunächst einmal günstig für die Ausprägung von Hauptvari-
anten. Andererseits ergeben sich in diesem Fall aber zu viele Antwortbilder des Spielers mit den
schwarzen Steinen.

48
Begriffe: Definition und Erläuterung

Variante
Eine Zugfolge wird als Variante (V) bezeichnet, wenn sie durch n Partien belegt
werden kann, wobei n 2 gilt. Zu einem Stellungsbild kann es mehrere Varian-
ten der Fortsetzung geben.132
Zug (Halbzug)
Ein Zug ist eine „regelgerechte
Bewegung einer Schachfigur
[bzw. Schachsteins133, da die
Bauern nicht als Figuren be-
zeichnet werden] auf dem
Schachbrett“. 134
Zugfolge
Als Zugfolge bezeichnet man
aufeinanderfolgende Spielzüge
auf dem Schachbrett. Die kleins-
te Zugfolge kann im Spezialfall
auf einen Halbzug beschränkt sein (zum Beispiel 1.e4).

132
In den KIA-Quellen wird nicht exakt zwischen Variante und Zugfolge unterschieden. Die Varian-
te wird auch als logische Zugfolge definiert (vgl. Q114-SILMAN, S. 446), was aber nicht sehr hilf-
reich ist. Wenn gemäß meiner Definition mindestens zwei Partien – ausgehend von einem gegebenen
Stellungsbild – ein und dieselbe Zugfolge aufweisen, dann haben wir mehr als eine Zugfolge, näm-
lich eine Variante, über die mehrere Menschen nachgedacht haben. Insofern könnte man der Variante
eine Logik zusprechen.
133
Vgl. Q086-FEDERAU-BACHMANN-SEIDEL, S. 9 „Die Schachsteine oder kurz Steine werden
in Bauern und Figuren unterteilt, die Figuren wiederum in König, Schwerfiguren (Dame, Turm) und
Leichtfiguren (Läufer, Springer).“
134
Vgl. Meyers Schachlexikon (Q005-BORIK-PETZOLD, S. 348). Auf dem Partieformular, wel-
ches zur Dokumentation einer Partie benutzt wird, besteht ein Zug aus zwei Halbzügen, nämlich dem
jeweiligen Versetzen eines Steins jeder Farbe. Auch die Rechentiefe von Schachcomputern wird in
Halbzügen gezählt. Von Halbzug spricht man, wenn es gilt die kürzeste Variante (z.B. 1.Sf3) zu
bezeichnen. Demnach macht ein Schachspieler auch immer einen „Halbzug“. Dieser Sprachgebrauch
lässt sich praktisch und logisch allerdings nicht einführen – kein Spieler würde sagen, er mache einen
„Halbzug“ und warte darauf, dass sein Gegner mit seinem Halbzug den Schachzug vollenden würde.
Dort, wo es im Kontext hilfreich erscheint verwende ich den Begriff „Halbzug“ für einen Schachzug.

49
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Zugumstellung135
Das Erreichen des gleichen Stellungsbildes durch unterschiedliche Zugfolgen
nennt man Zugumstellung.
Exkurs
„Das ChessBase-Eröffnungsbuch erkennt alle Zugumstellungen – auch solche,
die in den zugrunde liegenden Partien gar nicht gespielt wurden, doch zwei
Stellungen verknüpfen würden.“ (Q014-CHESSBASE, vgl. hier im Hilfemenü das
Thema „Eröffnungsbuch“). Dies erklärt das Phänomen, dass eine Brettstellung
durch z.B. zwei Partien in einer Datenbank belegt ist, eine darauf aufsetzende
HV aber durch mehr als zwei Partien bestätigt werden kann. ChessBase schaut
auch rückwärts, wie viele Partien – nach ausgespielter HV - zur erreichten
Brettstellung gelangen und betrachtet dabei immer die komplette Partiensamm-
lung. Anders ausgedrückt: Die Suche der Endstellung (nach ausgespielter HV)
kann wegen möglicher Zugumstellungen manchmal mehr Partien finden, als die
Suche der Anfangsstellung.

135
Die Definition in Q005-BORIK-PETZOLD auf S. 348 lautet: Zugumstellung ist eine „Verände-
rung der Reihenfolge von Zügen einer Variante, die aber zum gleichen Ziele führt.“ (Kursiv von mir)
Diese Aussage ist falsch, denn das „gleiche Ziel“ (d.h. die zu betrachtende Endstellung) wird durch
unterschiedliche Varianten erreicht. Denn: Unterschiedliche Anordnungen derselben Halbzüge
ergeben unterschiedliche Varianten bzw. Zugfolgen.

50
Hinweise zur Notation

Hinweise zur Notation


Figuren

Die Algebraische Notation


Das algebraische Notationssystem zur Dokumentation von Schachpartien, hat
sich in der Literatur und in der Wettkampfpraxis durchgesetzt. „Eingeführt wur-
de das algebraische System im 18. Jahrhundert von dem syrischen Schachmeister
Philipp Stamma. 1981 erklärte es die FIDE zum verbindlichen System. Das al-
gebraische System ist wesentlich einfacher zu handhaben als die beschreibende
Notation“, die lange Zeit im englischsprachigen Verwendung fand („Englische
Notation“).136
Die Englische Notation
Einige der von mir benutzten Bücher zur KIA-Eröffnung benutzen noch die
Englische Notation und sind dementsprechend schwer zu lesen. Bei der Sichtung
der Quellen ist deshalb folgendes zu berücksichtigen:
„In der angelsächsischen Literatur aus der Zeit bis zu den 1980er Jahren findet
man überwiegend die englische Notation, im Englischen auch descriptive chess
notation genannt. Bei dieser Notation werden die Felder nicht in einem für beide
Spieler einheitlichen gemeinsamen Koordinatensystem beschrieben, sondern
jeweils aus der Sicht des Spielers, dessen Zug beschrieben wird, ausgehend von
der Ausgangsstellung der Figuren auf seiner eigenen Grundreihe.

136
Vgl. Q005-BORIK-PETZOLD, S. 12

51
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Beispielsweise hat das Feld d3 in dieser Notation folgende Bezeichnung:


 Q3 (queen three) aus Sicht des weißen Spielers
 Q6 aus der Sicht des schwarzen Spielers
Beispiele für Züge in englischer Notation:
 Sg1-f3 wird in englischer Notation je nach Situation zu N-KB3 (knight to
king's bishop three), N-B3 (knight to bishop three reicht als Beschreibung,
wenn kein Springer nach c3 und nur einer nach f3 ziehen kann), KN-B3
(king's knight to bishop three, beide Springer können nach f3 ziehen), QN-B3
(queens's knight to bishop three, beide Springer können nach f3 ziehen, und
der Springer g1 stand zu Partiebeginn auf b1).
 Sg8-f6 hat genau die identische Notation N-KB3 oder N-B3 oder KN-B3
oder QN-B3, da dieser Zug aus der Sicht des Schwarzspielers notiert wird.
 c7-c5 wird zu P-QB4 (pawn to queen's bishop four) oder P-B4 (wenn kein
Bauer nach f5 ziehen kann).
Ab etwa 1980 haben sich die großen angelsächsischen Schachverlage, insbeson-
dere Batsford, auf die algebraische Notation umgestellt, so dass man in neuerer
Literatur und in aktuellen Turnierberichten die englische Notation kaum noch
vorfindet.“137
Hier Auszüge aus einer Beispielpartie:
Kortschnoj, V. - Reshevsky, S., Amsterdam 1968, 1-0138
01. N-KB3139 P-Q4 01.Sf3 d5
02. P-KN3 N-KB3 02.g3 Sf6
03. B-N2 B-B4 03.Lg2 Lf5
04. P-Q3 P-K3 04.d3 e6
05. 0-0 P-B3 05. 0-0 c6
06. QN-Q2 B-K2 06.Sbd2 Le7
07. P-QN3 P-KR3 07.b3 h6
08. B-N2 0-0 08.Lb2 0-0
09. Q-K1 B-R2 09.De1 Lh7

137
Vgl. „http://de.wikipedia.org/wiki/Schach#Englische_Notation“ (Stand: 26.01.2008). In den
Textzitaten zu den einzelnen Stellungsbildern habe ich - im Verlauf meines Buches - die Englische
Notation in die heute gebräuchliche Algebraische Notation umgesetzt.
138
Partie zitiert nach Q031-WEINSTEIN, S. 6ff; in der MegaBase (Q004-MEGABASE) ist diese
Partie stellenweise in einer anderen Zugfolge dokumentiert.
139
Die folgende Schreibweise wird alternativ benutzt: 01. Kt-KB3..., d.h. N = Kt = Knight für Sprin-
ger.

52
Hinweise zur Notation

10. P-K4 P-QR4 10.e4 a5


11. P-QR4 QN-Q2 11.a4 Sbd7
12. Q-K2 QN3 12.De2 Db3
13. P-K5 N-K1 13.e5 Se8
14. B-KR3 N-B2 14.Lh3 Sc7
15. K-R1 QR-K1 15.Kh1 Tae8
16. N-R4 P-B3 16.Sh4 f6
17. PxP BxBP 17.exf6 Lxf6
18. BxB RxB 18.Lxf6 Txf6
19. P-KB4 Q-B4 19.f4 Dc5
20. N(2)-B3 … 20.Sdf3 ...
Die Software von ChessBase kann zwischen der Algebraischen und der
Englischen Notation wechseln. Allerdings erfolgt die Figurenbezeichnung
weiterhin in deutscher Schreibweise (z.B. 1. S-KL3 S-KL3 2. B-KS3 B-D4
usw.).

53
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Symbole
+ Schach (check)
++ Doppelschach (double check)
# Matt (checkmate)
e.p. en passant
0-0 kurze Rochade
0-0-0 lange Rochade
! sehr guter Zug (a good / strong move)
!! ausgezeichneter Zug (an excellent move)
!? beachtenswerter Zug (interesting move / worthy of consideration)
?! zweifelhafter Zug (a dubious move, for theoretical or practical reasons)
? schwacher Zug (a mistake / a bad move)
?? grober Fehler (a blunder / a horrible move)
~ beliebiger Zug
/ besser ist (better is)
schlechter ist (weaker is)
□ einzig möglicher Zug (only move)
Zugzwang (zugzwang)
N Neuerung (a novelty)
x, : Schlagzeichen
∆ mit der Idee bzw. Absicht (with the idea)
mit Initiative (with initiative)
mit Angriff (with attack)
mit Gegenspiel (with counterplay)
leichter Vorteil für Weiß (white stands slightly better)
± klarer Vorteil für Weiß (white has the upper hand)
+ entscheidender Vorteil für Weiß (white with decisive advantage)
mit Kompensation für Weiß (white with compensation)
leichter Vorteil für Schwarz (black stands slightly better)
m klarer Vorteil für Schwarz (black has the upper hand)
+ entscheidender Vorteil für Schwarz (bl. with decisive advantage)
mit Kompensation für Schwarz (black with compensation)
= ausgeglichene Stellung (even / balanced position)
unklare Stellung (unclear position)
Raumvorteil
corr/cr Fernpartie
< stark (strong / sufficient)
> schwach (weak / insufficient)

54
Anmerkungen zum Begriff „Theorie“

Anmerkungen zum Begriff „Theorie“


Vorbemerkungen
„Das Wort Theorie (griechisch [...] theorein: beobachten, betrachten, [an] schau-
en; [...] theoría: das Anschauen, [die] Überlegung, [die] Erkenntnis, die wissen-
schaftliche Betrachtung; [...] bezeichnete ursprünglich die Betrachtung der
Wahrheit durch reines Denken, unabhängig von ihrer Realisierung. Vermutlich
deshalb wird der Begriff alltagssprachlich auch unbestimmt als Gegenteil von
Praxis benutzt.“140 Beide Begriffe bilden meines Erachtens kein absolutes Ge-
gensatzpaar, sondern vielmehr eine notwendige Einheit: Ohne Praxis keine
Theorie und ohne Theorie keine Verbesserung der Praxis.141
Der Praktiker will seine Partie gewinnen und der Theoretiker (der Beobachter)
schaut, wie der Praktiker dies zustande bringt, wertet es aus und sucht die wie-
derkehrenden guten und negativen Elemente. Er bereitet diese systematisch auf
und macht sie dem Praktiker oder Neueinsteiger wiederum zugänglich. Der The-
oretiker bemüht sich um die Herausarbeitung und Darstellung der Gesetzmäßig-
keiten, des Zwingenden, letztendlich um Vorhersagen treffen zu können. Er ist
der Lord Siegelbewahrer menschlicher Erkenntnisse und Erfahrungen in
der Auseinandersetzung bzw. Kampf mit der täglichen Praxis (des Überle-
bens). Der Theoretiker ist die Instanz, welche die schwere und aufopfernde Ar-
beit der Praktiker für die Nachwelt transparent macht und diese damit einer ge-
bührenden Wertschätzung zuführt.

140
Vgl. im Internet Wikipedia zum Begriff „Theorie“ (Stand: 04.06.2008).
141
Theorie und Praxis sind nicht in eins zu setzen. Ein Beispiel für die gängige Auffassung „Schach-
theorie = Schachpraxis“ liefert Boris Zlotnik in Q006-DWOREZKI-JUSSUPOW95, S. 178. Er
bespricht einen Schachzug, der wegen einer bekannten Variante laut „Urteil der Theorie“ nicht
gespielt werden könne. Er führt aus, dass sich die Variante auf „die allgemeine Meinung“ (= Praxis)
gründen würde und „dass viele Bewertungen sich auf ältere Partien bezogen, die nicht immer von
hochqualifizierten Schachmeistern gespielt wurden“ (= Praxis). Diese Umstände bringen ihn „notge-
drungen auf den Gedanken, die Schlussfolgerungen der Theorie in solchen Fällen anzuzweifeln“.
Was Schachtheorie - seiner Meinung nach - sei erklärt Boris Zlotnik nicht. Er spürt hier, dass die
Theorie zwar immer aus der Praxis schöpfen muss, diese aber wissenschaftlich denkend beflügeln
sollte, d. h. das ein „Urteil“ einer definierten Grundlage nicht entbehren darf (z.B. der Benennung
von Voraussetzungen für Schlussfolgerungen). Dieses Beispiel macht deutlich, dass man zwangsläu-
fig ins Schlingern gerät, wenn man sich über die Voraussetzungen seiner Urteile nicht im Klaren ist.

55
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Abgrenzung des Begriffs


Theorie...
 ist eine rein gedankliche Betrachtungs- und Erklärungsweise im Unterschied
zur praktischen Anwendung,
 ist durch Denken sowie aus Beobachtungen abgeleitete Erkenntnis, im Ge-
gensatz zu einem rein durch Erfahrung gewonnenen Wissen142,
 ist ein System von Aussagen, das der Beschreibung, Klassifizierung, Erklä-
rung und Vorhersage von Phänomenen dient,
 fasst zahlreiche und vielgestaltige Phänomene aus dem Forschungsgebiet so
zusammen, dass sie als wissenschaftliche Erkenntnis ausgewiesen werden
können,
 kann von anderen Forschern unter Berücksichtigung der zur Theorie gehö-
renden Voraussetzungen mit gleichen Ergebnissen nachvollzogen werden.
„Damit eine Theorie wissenschaftlich ist, müssen folgende Bedingungen erfüllt
sein:
 Konsistenz (innere und äußere Widerspruchsfreiheit)
 Sparsamkeit (sparsam in den vorgeschlagenen Strukturen oder Erklärungen,
siehe Ockhams Rasiermesser)
 Nützlichkeit (beschreibt und erklärt beobachtbare Phänomene)
 Empirische Prüfbarkeit und Falsifizierbarkeit […]
 Begründung auf vielen Beobachtungen, oft in der Form kontrollierter,
wiederholbarer Experimente
 Korrigierbarkeit und Dynamik (wird geändert, wenn neue Daten entdeckt
werden)
 Progressivität (ist besser als vorhandene Theorien)
 Vorläufigkeit (macht das Zugeständnis, dass sie nicht richtig sein könnte,
statt Sicherheit vorzugeben)
Damit eine Theorie, Hypothese oder Vermutung als wissenschaftlich betrachtet
werden kann, muss sie die meisten, idealerweise alle, dieser Kriterien erfüllen. Je
weniger Kriterien erfüllt sind, desto weniger wissenschaftlich ist sie. Wenn nur

142
W. Haas setzt z.B. Theorie = Wissen und zitiert I. Kant: „Alles Wissen stammt aus der Erfah-
rung.“ (Vgl. Q023-HAAS Einband und S. 5) - wohl zu unrecht. Dieser Standpunkt „Theorie = Wis-
sen“ ist unter Schachautoren verbreitet, Heinz Brunthaler z.B. vertritt in Anlehnung an Q084-
HOOPER-WHYLD, S. 418 die Ansicht: „Unter ‚Schachtheorie’ oder ‚Theorie’ versteht man [...] das
gesamte spieltechnische Wissen über Schach…“ (vgl. Q028-BRUNTHALER, S. 204) Mit derartigen
Pauschalierungen versucht der Praktiker die Theoriedebatte zu vermeiden.

56
Anmerkungen zum Begriff „Theorie“

einzelne oder sogar überhaupt keine erfüllt sind, dann kann sie in keiner sinnvol-
len Bedeutung des Wortes als wissenschaftlich angesehen werden.“143

Für Garri Kasparow – als sehr erfolgreicher Pragmatiker – stehen „Intuiti-


on, Erfahrung und eine von Gott gegebene Begabung“ an erster Stelle. Er
schreibt:
„In meinem theoretischen Ansatz gehe ich davon aus, dass das Schachspiel
aus drei Komponenten besteht: Material, Zeit und Qualität der Stellung. Und
jeder Spieler nutzt diese entsprechend seinem Können. Die Komponente
Material ist eine eindeutige Größe. Auf dieser arithmetischen Ebene denkt
und agiert auch der Computer: Mehrbauer, Mehrfigur usw. Das Material ist
der Ausgangspunkt der Schachwissenschaft. Der zweite Faktor Zeit ist viel-
schichtiger, aber dennoch leicht verständlich: der Gewinn eines Tempos, die
Schwierigkeit des Vorrückens eines Freibauern oder das Erstürmen der
Königsfestung usw. Im Falle eines Materialopfers für den schnellen und vor
allem erfolgreichen Angriff spielt die Zeit eine entscheidende Rolle. Der
dritte Faktor - Qualität der Stellung - ist der am wenigsten offensichtliche,
strategische: Die Bauernstruktur, starke und schwache Felder, das Läufer-
paar, der schwache König usw. Die Qualität der Stellung lässt sich wirklich
nur schwer einschätzen. Im ersten Moment ist diese Qualität wichtiger,
einige Züge später jene. Dies richtig zu beurteilen, ist eine Frage der Intui-
tion. Berücksichtigt der Spieler die Qualität der Stellung, so darf man
durchaus davon sprechen, dass er das Spiel bis zu einem gewissen Grad
beherrscht. Doch erst wenn er alle drei Faktoren genau in sein Handeln
einbezieht, besitzt dieser Spieler eine hohe Meisterschaft. Ein wahrer Meis-
ter wägt alle Für und Wider ab, er bringt ein Opfer zu Gunsten bestimmter
schwacher Felder oder gibt Bauern für zwei Mehrtempi auf. Dieses Niveau
erreichen allerdings nur die Wenigsten. Auf dieser Ebene sind Intuition,
Erfahrung und eine von Gott gegebene Begabung notwendig.“ (Vgl. Q024-
KASPAROW, S. 145)

143
Vgl. Wikipedia (dt.), Stand: 04.06.2008, Stichwort: „Intelligent Design“.

57
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Ausblick
Theorie ist ein Stück „Geschichtsschreibung“ 144, da die aktuell anerkannte Theo-
rie den momentanen Kenntnisstand zu einem begrenzten Thema abbildet. Wenn
man die oben genannten allgemeinen Aspekte einer Theorie auf das Schach
bezieht, bedeutet Schachtheorie zunächst, dass man sich mit dem Spiel als sol-
chem theoretisch, d.h. denkend / beobachtend auseinandersetzt. Der Theoretiker
hat weniger Freude am Spiel, als an der Ergründung seiner „Geheimnisse“. Über
aufgedeckte Gesetzmäßigkeiten möchte er Vorhersagen zum Spielverlauf geben
können (z.B. „Der Spieler mit den weißen Steinen hat eine theoriebekannte Er-
öffnung gewählt“, oder Vorhersagen über beweisbare Remisstellungen, oder zu
konkrete Regeln: „Wenn der König nicht im Quadrat ist, ist der feindliche Frei-
bauer nicht mehr aufzuhalten“.145). Wenn er Gesetzmäßigkeiten entdeckt hat,
(dann erst) möchte er sie praktisch ausprobieren, während der Praktiker seine
individuelle Sichtweise des Spiels derart optimiert, möglichst häufig zu gewin-
nen. Viele Gesetzmäßigkeiten, die der Theoretiker formuliert, wendet der Prakti-
ker mehr oder weniger intuitiv an, meistens ohne den Sachverhalt für Außenste-
hende allgemeinverständlich erklären zu können bzw. erklären zu wollen.
Nachdem ich ausgeführt habe, was ich allgemein unter Theorie verstehe und die
erforderlichen Begriffsdefinitionen vorgenommen habe, folgen in den nächsten
Kapiteln die eingrenzenden allgemeinen sowie speziellen Voraussetzungen zur
Theoriebildung des hier im Mittelpunkt stehenden KIA-Spielsystems146. Die
„Allgemeinen Aspekte“ zur Theorie von Spielsystemen fassen noch allgemein-
gültig zusammen, was für alle Schachtheorien grundlegend vorausgesetzt werden
kann. Während die „Speziellen Aspekte“ eine Anwendung bzw. Konkretisie-
rung des Allgemeinen auf das spezielle KIA-Spielsystem bedeuten. Schließlich
gebe ich eine Theoriedefinition der hier betrachteten „KIA-Eröffnung“.

144
Rudolf Spielmann schreibt: „Die Schachtheorie ist das Werk der gesamten Schachwelt, unsere
Schachtheoretiker sind im Grunde genommen nur Chronisten, die das Gedankengut ihrer Zeitgenos-
sen sammeln und verewigen.“ (Vgl. Q060-SPIELMANN, S. 95)
145
Das Beispiel der „Quadrat-Regel“ zeigt, dass der Theoretiker eine umfassendere Aufgabe als der
Chronist hat. Er muss versuchen aus der chronologisch präsentierten Stoffsammlung Regeln und
Gesetzmäßigkeiten abzuleiten und transparent darzustellen. Eine triviale, aber wichtige Erkenntnis -
aus der in diesem Buch herausgearbeiteten KIA-Theorie - ist z.B., dass in der breiten Praxis - bezo-
gen auf die Anzahl gespielter Partien - noch an der Spielweise des Typ O4.01 festgehalten wird,
während die GM bereits auf den Typ O5.01 umgeschaltet haben.
146
Ich beziehe den Begriff der Theorie immer auf ein definierbares Spielsystem und deren Teile
(z.B. „Eröffnungstheorie“). Definierbar meint hier, dass jeder unter Anwendung der aufgestellten
Definitionen und unter Einhaltung der beschriebenen Voraussetzungen und Techniken zu den glei-
chen Ergebnissen kommt.

58
Allgemeine Aspekte zur „Theorie der Schachsysteme“

Allgemeine Aspekte zur „Theorie der Schach-


systeme“
Die im Folgenden beschriebenen allgemeinen Voraussetzungen gelten für alle
Theorien von Spielsystemen im Schach. Die konsequente Berücksichtigung
dieser Voraussetzungen sowie der vorgenommenen Begriffsdefinitionen ermög-
lichen schließlich eine allgemeine Definition in sieben Punkten147 für die Eröff-
nungstheorie im Schach. Für die Phasen Mittel- und Endspiel sind separate
Theoriedefinitionen vorzunehmen, auf die ich in diesem Eröffnungsbuch nicht
näher eingehe.
Den Entwicklungsgang zur Bildung der Theorie148 eines Spielssystems im
Schach könnte man wie folgt umschreiben: Ein Großmeister (GM) entdeckt und
analysiert eine Zugfolge149, die ihm liegt und mit der er aus einer Brettstellung
heraus erfolgreich spielt oder die resultierende Stellung mindestens Ausgleich
bedeutet. Verlorene oder unentschiedene Partien analysiert er hinsichtlich eige-
ner Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten. Durch die Veröffentlichung der
gespielten Partien bereiten sich die potentiellen Gegner darauf vor und versuchen
ihrerseits vorteilhafte Züge zu finden, d.h. dadurch dass GM bestimmte Varian-
ten spielen, wird ein öffentliches Interesse geweckt. Daraufhin werden diese
Varianten in der Praxis erprobt. Eine mehrfach von Großmeistern gespielte und

147
Vgl. hierzu „Allgemeine Definition für Eröffnungstheorien“.
148
In Meyers Schachlexikon lesen wir: „Eröffnungstheorie. Dieser Begriff ist an sich zu anspruchs-
voll, weil es sich eher um eine Zusammenfassung von praktischen Erfahrungen [...] in Form von
mehr oder minder stichhaltigen Eröffnungsvarianten handelt als um eine Theorie im eigentlichen
Sinne.“ (Q005-BORIK-PETZOLD, S. 88) André Schulz z.B. definiert Theorie wie folgt: „Theorie =
Wettkampfpraxis“, womit er sicherlich ausdrücken möchte, dass sich die (Schach-) Theorie aus der
(Turnier-) Praxis ableitet. Das ist richtig, aber zu allgemein. (Q007-CHESSBASEMAG99, S. 7). Im
Buch „Amateur wird Meister“ (vgl. Q019-EUWE-MEIDEN) von Max Euwe wird die Frage „...was
ist Theorie?“ wie folgt behandelt: „Sie (die Theorie) stammt aus zwei Quellen: der statistischen
Sammlung von Varianten [...] und den Analysen der Spieler [...].“ Hier wird lediglich das Material
geliefert, auf welches sich eine Schachtheorie stützen kann – die Frage nach der Theorie selbst wird
allerdings nicht beantwortet. Mark Dworetzki deutet (vgl. Q006-DWOREZKI-JUSSUPOW95, S.
131) an, dass für ihn eine Partie Theoriebedeutung hat, wenn sie fehlerfrei gespielt wurde. „Fehler-
freiheit“ definiert er in diesem Zusammenhang nicht. Eine auf Varianten begrenzte Definition findet
sich im Internet: Theory means „known and played variations and positions in any phase of the
game.” (Vgl. Q089-ANGELFIRE, Stand: 13.06.2008)
149
John Watson merkt hierzu an: „Man sollte in Bezug auf die Entwicklung der Eröffnungstheorie
allerdings beachten, dass bisher nach meinem Kenntnisstand fast alle radikalen Ideen, die nun zum
Standard geworden sind, von starken Spielern gefunden wurden. Die romantische Betrachtung, dass
es eine Gemeinschaft schwächerer Spieler gibt, die neue Ideen produziert, welche danach von den
führenden Meistern akzeptiert werden, entspricht nach meiner Erfahrung nicht der Realität.“ (Vgl.
Q027-WATSON02, S. 290)

59
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

erfolgreiche Variante wird auf diesem Wege zu einer Hauptvariante. Da es keine


leistungsfähigeren menschlichen Schachspieler als die Großmeister gibt, berück-
sichtigt eine Hauptvariante auch immer die je Seite beste (menschliche) Antwort
auf einen vorausgegangenen Zug. „Theorie“ ist so gesehen als Momentaufnahme
menschlicher Erkenntnis zu verstehen; gleichzeitig aber auch ein Erkenntnispro-
zess im steten Fluss einer sich verändernden Umwelt. So können die GM zum
Beispiel in Zusammenarbeit mit Schachcomputern ihre Zugfolgen heutzutage
schneller optimieren als in früheren Zeiten.150
Allgemeine Voraussetzungen
Die unten benannten Punkte beschreiben die allgemeinen Voraussetzungen für
die Theorie von Spielsystemen im Schach. Diese gelten grundlegend für alle
Spielsysteme mit Theorieanspruch (kurz: Theoriesysteme) im Schach.
1. Die Theorie eines Spielsystems leitet sich aus der Wettkampfvorbereitung
der Großmeister, der Wettkampfpraxis und der Analyseunterstützung
(z.B. durch Partiensammlungen, Bücher und/oder Computerprogrammen)
ab. Sie findet ihren Ausdruck in den öffentlich zugänglichen Schachpartien
von Menschen mit dem Titel „Großmeister“ (GM).
2. Es gelten die Spielregeln der FIDE151. Hier werden u. a. die Aufstellung
der Steine und ihre Gangart beschrieben.152
3. Die Theorie eines Spielssystems untersucht grundsätzlich alle Phasen des
Schachspiels (Eröffnung, Mittel- und Endspiel).
4. Die Theorie der ersten beiden Phasen basiert auf der Spielerfahrung, der
Denkleistung und dem Beurteilungsvermögen von Großmeistern153, wäh-
rend das reine Endspiel – auf Grund der wenigen Steine auf dem Brett – von
Computern sehr tief bzw. vollständig analysiert werden kann.
5. Auf Grund der komplexen Ausprägung des Schachspiels gibt es nicht DIE
Schachtheorie im Allgemeinen, sondern eine konkrete „Theorie eines

150
Vgl. Q083-WATSON04, S. 15. IM Watson führt aus: Ideen finden „ihren Weg in das Spiel, und
zwar traditioneller Weise durch die Beobachtung oder gar Nachahmung neuer Züge und Strategien,
die andere Spieler in den gleichen oder ähnlichen Situationen gefunden haben.“
151
FIDE = Fédération Internationale des Échecs, World Chess Federation, s. a.: www.fide.com
152
Eine zufällig gewählte Aufstellung der Spielsteine – wie z.B. bei dem von Robert Fischer vorge-
schlagenen „Random-Chess“ – macht im Rahmen der Behandlung einer Schachtheorie keinen Sinn.
Die FIDE Regeln zum Schachspiel können im Internet nachgelesen werden.
153
John Watson merkt hierzu an: „Man sollte in Bezug auf die Entwicklung der Eröffnungstheorie
allerdings beachten, dass bisher nach meinem Kenntnisstand fast alle radikalen Ideen, die nun zum
Standard geworden sind, von starken Spielern gefunden wurden. Die romantische Betrachtung, dass
es eine Gemeinschaft schwächerer Spieler gibt, die neue Ideen produziert, welche danach von den
führenden Meistern akzeptiert werden, entspricht nach meiner Erfahrung nicht der Realität.“ (Vgl.
Q027-WATSON02, S. 290)

60
Allgemeine Aspekte zur „Theorie der Schachsysteme“

Spielsystems“, welches durch einen einprägsamen Namen (z.B. KIA) um-


schrieben und durch eine definierte Brettstellung (= Tabija) als Startpunkt
repräsentiert wird.
6. Zur angestrebten Brettstellung als Ausgangspunkt der Theorie werden aus-
schließlich Partien von Großmeistern (ab ELO154 2450) in Beziehung ge-
bracht. Damit ein Stellungsbild zur Theorie gerechnet werden kann, muss
hierzu mindestens eine Hauptvariante existieren. Stellungsbilder ohne HV
sind zunächst „Kandidaten“ für die Theorie.
7. Die betrachteten Stellungsbilder basieren immer auf dem letzten Zug
des Gegenspielers. Beispiel: In Stellungsbildern zum KIA wird der letzte
Zug immer von Schwarz gemacht, so dass die Fortsetzungszüge des gerade
betrachteten Stellungsbildes konsequent aus Sicht des mit Weiß spielenden
KIA-Spielers analysiert werden können.
8. Die auf eine Tabija aufsetzenden Hauptvarianten können mit einem eige-
nen Zug oder mit einem Zug des Gegenspielers enden.
9. Die Theorie wird von der gängigen Praxis abgegrenzt155. In dem „Pra-
xissegment“ werden die Fortsetzungszüge von Spielern auf gehobenem
Spielniveau (gSN156ab ELO 2100) und der gesamten Breite (ELO Minimum
bis Maximum) zum Vergleich herangezogen. Die Partien dieses Praxisseg-
mentes werden nicht zur Theorie gerechnet.
10. Mit Erreichen der Tabija ist die reine Eröffnungsphase beendet. Die Tabija
dient als Ausgangspunkt für die Fortsetzungsanalyse, um die Hauptvarian-
ten (HV) zu bestimmen. Die Hauptvarianten wiederum definieren die Über-
gangsphase von der Eröffnung in das Mittelspiel bzw. zur Tabija eines ande-
ren Theoriesystems. Das reine Mittelspiel beginnt nach ausgespielter HV
bzw. in der Wettkampfpraxis, sobald von einer HV bzw. der angestrebten
Brettausgangsstellung abgewichen wird157. Mit Beginn des reinen Mittel-

154
ELO ist ein nach dem Physikprofessor Arpad E.Elo (*1903, †1992) benanntes Bewertungssys-
tem, welches er 1978 in dem Werk „The Rating of Chessplayers“ begründete. Der Weltschachbund
FIDE benutzt dieses System (seit 1972) zur Aufstellung von Ranglisten. Die Leistung von Schach-
spielern soll hierdurch vergleichbar gemacht werden. ELO 1600-2100 = gute Vereinsspieler(innen),
ab 2100 ELO = Bundesliganiveau, ab 2300 = Internationale Meister (IM) / FIDE-Meister (FM), ab
2450 ELO = Großmeister (GM) und ab 2600 Super-Großmeister (Angaben gemäß „Elozahlen und
Ranglisten“ im Hilfetext der Schachengine Q009-FRITZ11 von ChessBase). Ab ELO 2005 beginnt
die Aufnahme in die Rangeliste der FIDE.
155
Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass in theoretischen Betrachtungen die Praxis nicht
zwingend dargestellt werden muss, da das breite Segment der Spielpraxis mit all ihren Fehlern und
Unzulänglichkeiten bereits in der Theorie der GM erfahrungstechnisch berücksichtigt ist.
156
gSN = gehobenes Spielniveau (hier: z.B. Bundesligaspieler ab 2100 ELO)
157
Das wird in der herkömmlichen Literatur zu Schacheröffnungen etwas anders gesehen. Hier wird
die reine Eröffnungsphase nicht mit dem Erreichen eines bestimmten Stellungsbild (= Tabija) abge-
schlossen. Es wird vielmehr versucht einzelne Varianten (nicht zwingend Hauptvarianten, wenn man

61
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

spiels ist auch der Bereich der aktuell betrachteten Eröffnungstheorie


abgeschlossen. Auf der Basis ausgespielter Hauptvarianten werden die GM
Partien für die Mittelspieldatenbank ermittelt.
11. Die vorhandenen Quellen werden – in dem vom Autor definierten Sprach-
raum - vollständig158 beratend herangezogen und ausgewertet. Das benutzte
Material wird in einem Quellenverzeichnis nach den üblichen Regeln159
angegeben. Zitate sind kenntlich zu machen und der jeweiligen Quelle ein-
deutig zuzuordnen. Von Großmeistern verbal abgefasste Kommentierungen
zu Hauptvarianten, sind als Kommentierung der Theorie aufzufassen. Wäh-
rend die Bemerkungen von anderen Spielern im gleichen Verhältnis zur
Theorie stehen, wie die Varianten der breiten Spielpraxis zu den Hauptvari-
anten der Großmeister.
12. Ehemals erfolgreiche Systeme bzw. Stellungsbilder können in der Zu-
kunft durch die Spielpraxis der GM widerlegt werden. Zum Beispiel
wenn ein ehemals statistisch gesehen erfolgreiches System unter die Marke
von 50% fällt.
13. Spezielle Voraussetzungen für die Theorie eines konkreten Spielsystems
benennen weitere notwendige Voraussetzungen. So ist z.B. eine „Vorge-
hensbeschreibung zur Partienauswahl“ anzugeben. Der Umgang mit
Hilfsmitteln (z.B. Datenbanken, Schachprogramme) ist ebenso zu erklären,
wie die Regeln, nach denen die Schachpartien für die Theorie selektiert
werden. Gegebenenfalls sind Definitionen für neue bzw. vorhandene
Begriffe zu formulieren.

meine HV-Definition zugrunde legt) möglichst langzügig zu verfolgen bzw. auszudehnen. Die Eröff-
nung ist im herkömmlichen Sinne erst beendet, wenn „the book leaves off“ (vgl. Q046-ZNOSKO, S.
76), d.h. das „Eröffnungsbuch“ (besser: Variantenbuch) verlassen wurde. Jede „Neuerung“ (= neuer,
als „gesichert“ geltender Zug) wird dann als Erweiterung der jeweils benannten Eröffnung betrachtet.
In dieser Betrachtungsweise wäre die zu Grunde liegende Tabija die Ausgangsstellung zum Spielbe-
ginn (!), welche sich - angesichts der Vielzahl heute verfügbarer Partien - als nicht praktikabel er-
weist. Die Begriffe „Plan“ und „Hauptvariante“ werden hier meines Erachtens durcheinander ge-
bracht.
158
Dort wo es nicht möglich bzw. sinnvoll ist „Vollständigkeit“ zu gewährleisten, sind die zu benut-
zenden Quellen nach definierten – und für den Leser transparenten - Gesichtspunkten auszuwählen.
Auf das Mittelspiel bezogen könnten z.B. alle Themengebiete durch jeweils ein Werk vertreten sein
(Strategie, Taktik, Bauernstrukturen, Damenflügel, usw.) oder Bücher hoher Auflage (= Indiz für ihre
Relevanz) werden zu Rate gezogen. Wichtig ist hier, eine für die Theoriearbeit akzeptable Begrün-
dung zu liefern.
159
Hier orientiert man sich am besten an den im wissenschaftlichen Sektor üblichen Regeln. Auf
jeden Fall muss neben Autor, Titel, Verlag, Ort und Jahr die ISBN angegeben werden.

62
Allgemeine Aspekte zur „Theorie der Schachsysteme“

Allgemeine Definition160 für Eröffnungstheorien


1. Ein Spielsystem161 wird benannt. Je nachdem aus welcher Sicht dieses
Spielsystem betrachtet werden soll, wird es mit dem Zusatz „Angriff162 /
Attack“ oder „im Anzuge“ (= Weiß) bzw. „Verteidigung / Defense“
(= Schwarz) versehen.163
2. Es wird eine allgemein anerkannte (repräsentative) sowie allgemein
zugängliche (öffentliche) Datenbank mit Schachpartien für die Analyse der
Eröffnungsphase zugrunde gelegt.164
3. Für das betrachtete Spielsystem wird ein typisches Stellungsbild (= Tabija)
in der Eröffnung als Ausgangsstellung für die Analyse und Darstellung der
Theorie gewählt, welche die Komplexität (Anzahl vorhandener Partien, An-
zahl von Antwortstellungen im Falle der halben Tabija) begrenzt. Diese
Ausgangssituation kann auf eine Farbe beschränkt sein (quasi eine halbe
Tabija).
4. Die betrachtete Ausgangsstellung wird im ELO-Segment von Großmeis-
tern (ELO 2450 für beide Spieler) gespielt.165 Auf diese Brettstellung be-
zogen erfolgt die Selektion der Meisterpartien166 für eine Eröffnungsdaten-
bank.
5. Für die Tabija wird eine statistische Erfolgsquote von mindestens 50%
(= Remis) vorausgesetzt, die aus allen zur Eröffnungsdatenbank gehörenden
GM-Partien ermittelt wird.

160
„Definition“ im Sinne von „[...] (genau) bestimmte Angabe, Begrenzung. [Es geht um die] Be-
stimmung des Wesens von Dingen, Eigenschaften, Beziehungen [...], des Inhalts oder der Bedeutung
von Begriffen, Worten, Zeichen bzw. die Festlegung von Begriffs-, Wort- und Zeichenbedeutungen
unter Befolgung logischer Verfahrensregeln.“ (Vgl. hierzu Q062-KLAUS-BUHR, S. 216f)
161
Vgl. hierzu „Begriffe: Definition und Erläuterung“.
162
Statt „Angriff“ ist es auch gebräuchlich, „im Anzuge“ zu verwenden.
163
Ein Beispiel zum Thema „Königsindisch“: „Königsindischer Angriff“ = Weiße Sichtweise und
„Königsindische Verteidigung“ = Schwarze Sichtweise. Die Festlegung der Sichtweise ist z.B. auch
für die Kommentierung von Partien wichtig. Wenn Schwarz z.B. die Partie Kindermann – Lutz,
Internet 2002, 0-1 kommentiert, kann er die Sizilianische Verteidigung besprechen, während Weiß
über den KIA referiert (vgl. Q122-KINDERMANN-LUTZ, S. 216 ff).
164
Viele Schachautoren argumentieren auf der Basis „ihrer“ Datenbank (z.B. Q063-EMMS05,
S. 16) bzw. geben gar keine Quellen an. Diese Vorgehensweise ist auf die Theorie bezogen nicht
zulässig.
165
Es geht um „Ausgeglichene Kämpfe auf höchstem Niveau“, denn es „gibt unzählige Partien
zwischen Spielern sehr unterschiedlicher Spielstärke, in denen der Verlierer kaum Widerstand leistet
und der Sieger schalten und walten kann, wie er will.“ (Vgl. Q026-NUNN02, S. 7)
166
Es geht um Meisterpartien im ELO-Bereich von 2450-2875. Da Großmeister ihren Titel auf
Lebenszeit erhalten und die Spielstärke eines Spielers schwanken kann, wird nicht automatisch jede
GM-Partie für die Eröffnungsdatenbank selektiert, sondern per Definition erst, wenn sie in dem
angegebenen ELO-Bereich gespielt wurde.

63
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

6. Falls eine halbe Tabija als Ausgangsstellung gewählt wurde gibt es ein oder
mehrere Antwortbilder des Kontrahenten167, die jeweils durch eine Min-
destanzahl n von Partien belegt sind, wobei n 2 gilt.
7. Zu der gewählten Ausgangsstellung bzw. jeder Antwortstellung der Theorie
einer halben Tabija existiert mindestens eine Hauptvariante168. Eine
Hauptvariante ist per Definition durch mindestens n Partien zu belegen, wo-
bei n 2 gilt.

167
In diesem Fall muss nicht jede einzelne Antwortstellung eine Erfolgsquote von >= 50% aufwei-
sen. Die Erfolgsquote wird lediglich auf die betrachtete Ausgangssituation (hier: die halbe Tabija)
bezogen (vgl. Punkt 5; dieser muss erfüllt sein).
168
Antwortbilder des Kontrahenten auf die Tabija, für die (noch) keine HV ausgeprägt ist, gehören
nicht zur Theorie, bilden also keine Theoriestellung. Hier handelt es lediglich sich um „Kandidaten“
der Theorie.

64
Allgemeine Aspekte zur „Theorie der Schachsysteme“

Exkurs
Der Mathematiker John Nunn kommt der Theoriedefinition recht nahe, wenn er
im Rahmen von „Wie schlägt man Sizilianisch?“ folgenden Gedanken aufgreift:
„Von allen Abspielen in der Sizilianischen Verteidigung, für die sich Schwarz
entscheiden kann, hat die Najdorf-Variante die
umfangreichste Theorie entwickelt. Über reine
Nebenvarianten der Najdorf-Variante sind ganze
Bücher geschrieben worden [...]“ (vgl. Q030-
NUNN92, S. 15). Da „Sizilianisch“ eine Vertei-
digung aus Schwarzer Sicht darstellt und GM
Nunn fragt, „Wie schlägt man Sizilianisch?“
betrachtet er ein Spielsystem aus Sicht des Wei-
ßen (Punkt-1 der Definition, z.B. Eröffnungsthe-
orie zum „Angriff auf die Najdorf-
Stellung“)169. Hier geht er von einem bestimm-
ten Stellungsbild zu Beginn der Analyse aus
(siehe Grafik), das einer Tabija als Ausgangspunkt entspräche (Punkt-3).
Wenn die von GM Nunn angesprochenen „Nebenvarianten“ Hauptvarianten
wären, hätte er Punkt-4 und -7 erfüllt. Ein Blick in die Mega Database von
ChessBase (der Bezug hierauf würde beispielsweise die Forderung Punkt-2
erfüllen) zeigt, dass für den Aufbau (1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6
5.Sc3 a6) die statistische Erfolgsquote für Weiß ausreichend ist: Bei 8.373 GM-
Partien (ELO-Schnitt: 2557/2563) hat Weiß zu 54% Erfolg (Punkt-5). Der
Punkt-6 (Antwortbilder auf ½ Tabija) der allgemeinen Definition entfällt in
diesem Fall, da eine komplette Tabija als Ausgangsstellung betrachtet wird.
Für eine Eröffnungstheorie „Angriff auf die Najdorf-Stellung“ fehlen lediglich
noch die Benennung von speziellen Voraussetzungen, Begriffsdefinitionen sowie
die Angabe einer Vorgehensbeschreibung zur Partienauswahl. Eine spezielle
Voraussetzung wäre in diesem Fall z.B. die Begrenzung der Komplexität, bei-
spielsweise die Angabe, ob sämtliche Hauptvarianten besprochen werden sollen
oder eine x%ige Verdichtung zu Grunde gelegt wird (bei einer 5% Verdichtung
sind in diesem Beispiel acht Hauptvarianten als Ausgangsbasis für die Mittel-
spielbetrachtung vorhanden, während bei einer 0% Betrachtung, welche die
seltenen Varianten ebenfalls ausgibt, mehrere hundert Hauptvarianten zu unter-
suchen wären!).

169
Ich möchte darauf hinweisen, dass Nunn mit seinem Buch - ausdrücklich betont - kein Theorie-
buch schreiben zu wollen (vgl. Q030-NUNN92, S. 11). Ich halte dieses Beispiel für geeignet, dem
Leser ein „Gefühl“ dafür zu geben, welcher Rahmen beachtet und auszufüllen ist, um zu einer „Theo-
rie“ zu gelangen.

65
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Allgemeine Eröffnungsgrundsätze
Die folgenden Erfahrungsgrundsätze basieren ursprünglich auf den Ausführun-
gen von Walter Haas170. Andere Quellen wurden, wo erforderlich, ergänzend
hinzugezogen. Folgende Grundsätze171 sollten beachtet werden:
 Schnelle Mobilisierung der eigenen Kräfte, so „dass sie einen möglichst
großen Einfluss auf das Zentrum ausüben“172, die gegnerische Entwicklung
hemmen und Platz für die Dame schaffen.
 Die eigenen Türme sollten frühzeitig Kontakt zueinander haben und
offene Linien besetzen. Dies wird z.B. durch eine Rochade des Königs er-
möglicht.
 Die schwachen Punkte f2 bzw. f7 sind zu schützen (sie sind zunächst nur
durch den König gedeckt)173.
 Der König ist früh in Sicherheit zu bringen und zwar durch eine (in der
Regel kurzseitige) Rochade („Wer nicht rochiert – krepiert!“174), da er in der
Brettmitte ziemlich exponiert steht. „Der (vorläufige) Verzicht auf die Ro-
chade ist nur nach sorgfältiger Abwägung der damit verbundenen Risiken
statthaft.“175 Andererseits sollte nicht mit einem Tempo gegeizt werden,
„wenn man dem Gegenüber das Recht auf die Rochade nehmen kann – damit
festigt man den eigenen Entwicklungsvorsprung“176.
 Die Eröffnungszüge sollten der Zentrumskontrolle dienen. „Das Zentrum
des Bretts ist aus zwei Gründen besonders wichtig. Zum einen erzielen die
meisten Figuren ihre größte Aktivität, wenn sie in der Mitte des Bretts aufge-
stellt sind. [...] Der zweite große Vorteil der Zentrumskontrolle liegt in der
Flexibilität.“ Wenn die „Figuren zentrumsnah stehen, können sie ohne

170
Vgl. Q023-HAAS, S. 7f.
171
Die meisten Eröffnungsgrundsätze werden durch den Standard-KIA erfüllt. Die Dame und der
Läufer auf c1 finden ihre Bestimmung allerdings meist erst im Mittelspiel, so dass die beiden Türme
des Weißen erst spät Kontakt zueinander bekommen.
172
Vgl. Q026-NUNN02, S. 22.
173
Vgl. Q047-BÖNSCH, S. 164.
174
Vgl. Q023-HAAS, S. 64. Zu beachten ist hier vielleicht die für W. Kramnik alles entscheidende
Partie Kramnik - Léko, 1:0, World Championship Brissago, 18.10.2004: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5
4.h4 h6 5.g4 Ld7 6.Sd2 c5 7.dxc5 e6 8.Sb3 Lxc5 9.Sxc5 Da5+ 10.c3 Dxc5 11.Sf3 Se7 12.Ld3 Sbc6
13.Le3 Da5 14.Dd2 Sg6 15.Ld4 Sxd4 16.cxd4 Dxd2+ 17.Kxd2 Sf4 18.Tac1 h5 19.Thg1 Lc6 20.gxh5
Sxh5 21.b4 a6 22.a4 Kd8 23.Sg5 Le8 24.b5 Sf4 25.b6 Sxd3 26.Kxd3 Tc8 27.Txc8+ Kxc8 28.Tc1+
Lc6 29.Sxf7 Txh4 30.Sd6+ Kd8 31.Tg1 Th3+ 32.Ke2 Ta3 33.Txg7 Txa4 34.f4 Ta2+ 35.Kf3 Ta3+
36.Kg4 Td3 37.f5 Txd4+ 38.Kg5 exf5 39.Kf6 Tg4 40.Tc7 Th4 41.Sf7+ 1-0.
175
Vgl. Q026-NUNN02, S. 9.
176
Vgl. Q006-DWOREZKI-JUSSUPOW95, S. 13.

66
Allgemeine Aspekte zur „Theorie der Schachsysteme“

Schwierigkeiten und sehr kurzfristig auf den einen oder anderen Flügel ver-
legt werden. [...] Als Faustregel kann gelten, dass es unabhängig davon, ob
das Zentrum von Bauern besetzt ist, entscheidend auf die Entwicklung der
Figuren ankommt.“177
 Die Eröffnung sollte sich um eine günstige Bauernstruktur bemühen
bzw. die Bauernstruktur des Gegners - wenn möglich - schwächen.178
 Keine unnötigen Bauernzüge179 (z.B. prophylaktische Züge mit den Rand-
bauern); diese kosten Zeit (Tempo) und entwickeln meistens nicht die Mög-
lichkeiten der Figuren.
 Eine bereits entwickelte Figur sollte in der Eröffnung möglichst kein zweites
Mal gezogen werden.
 Man vermeide unnötigen Kontakt mit den Steinen des Gegners sowie Kom-
plikationen.
 Man entwickle seine Figuren „nicht auf Felder, von denen sie der Gegner
unter Zeitgewinn wieder vertreiben kann“180. Wagt sich die Dame z.B. zu
früh heraus, kann sie vom Gegner unter Beschuss genommen werden. Die
Dame wird über das Brett gejagt, während der Gegner seine Figuren entwi-
ckelt.
 Man spiele „nicht auf Bauerngewinn, besonders nicht in offenen Stellungen,
wo ein Entwicklungsvorteil entscheidende Bedeutung hat. (Man denke da-
ran): ein Tempo ist in der Eröffnung oft wichtiger als ein Bauer.“181
 Schwache Züge des Gegners sollten nicht unbedingt sofort bestraft werden.
 Verfrühte und nicht zu Ende gedachte „Angriffe“ sollten unterbleiben (z.B.
wenn zu wenig Material einsatzbereit ist).
 In der Eröffnung sollte bereits vor jedem Zug die Fragen beantwortet werden:
„Was droht der Gegner?“ (Tarrasch) und „Was verträgt meine Stellung, be-
vor ihr Gleichgewicht gestört ist?“ (Lasker).

177
Vgl. Q026-NUNN02, S. 22.
178
Vgl. Q006-DWOREZKI-JUSSUPOW95, S. 13.
179
„Eine Faustregel besagt: nicht mehr als drei Bauernzüge in den ersten acht Zügen.“ (Vgl. Q026-
NUNN02, S. 11).
180
Vgl. Q026-NUNN02, S. 9.
181
Vgl. Q006-DWOREZKI-JUSSUPOW95, S. 14.

67
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie


In diesem Kapitel werden die zuvor dargelegten allgemeinen Aspekte zum The-
ma Eröffnungstheorie konkret auf den Standard-KIA angewendet. Nach Angabe
der speziellen Voraussetzungen folgen die spezifische Definition der KIA-
Eröffnung mit einer kurzen Erläuterung sowie eine Beschreibung der einzelnen
Züge, die nach ihrer Ausführung schließlich das Ausgangsbild der Analyse erge-
ben. Über die Vorgehensschreibung zur Partienauswahl erfährt der Leser, wie er
die erforderlichen Datenbanken erzeugen kann. Als logische Krönung erfolgt die
lange erwartete Präsentation der KIA-Eröffnung mit den ermittelten Haupt- und
Nebenvarianten.
Spezielle Voraussetzungen
1. Die „Vorgehensbeschreibung
zur Partienauswahl“ basiert
ausschließlich auf dem auf
DVD (Digital Versatile Disc)
gespeicherten Datenmaterial
der Firma ChessBase182 (Ham-
burg) sowie der verfügbaren
Analysesoftware183 gleichen
Namens (ChessBase). Da diese
Partiensammlung von Chess-
Base „die weltweit größte
Sammlung hochklassig kommentierter Partien“184 darstellt und allgemein
zugänglich ist, ist sie als Voraussetzung für die Theoriearbeit geeignet.185
2. Weiß spielt in diesem KIA-Spielsystem den Aufbau: Sf3 / g3 / Lg2 / 0-0 /
d3 / Sbd2186, wobei die Zugreihenfolge variieren kann. Nach dem Erreichen

182
Die Partiensammlung von ChessBase sieht eine einheitliche Schreibweise der Spielernamen vor.
Turniere werden vollständig verwaltet und viele Partien sind kompetent kommentiert. Die Sammlung
wird jährlich um über hunderttausend Partien ergänzt. Auch die Wertungszahlen der Spieler werden
gepflegt und sogar teilweise für zurückliegende Zeiträume algorithmisch ermittelt (vor 1972 gab es
keine ELO-Wertungszahlen für Spieler).
183
Vgl. Q014-CHESSBASE. Das andere marktgängige Analysetool ChessAssistant 8.1 (vgl. Q099-
CHESSASSISTANT) liefert - bzgl. der hier beschriebenen Aufgabenstellung - gleiche Ergebnisse
wie das Tool von ChessBase.
184
Vgl. Q004-MEGABASE
185
Die Fernschachdatenbanken ICCF und MegaCorr listen bis zum Jahr 2005 weniger als 10 GM-
Partien, welche die genannten Voraussetzungen zum KIA erfüllen.

68
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie

dieser Standardformation muss Weiß sich um die geeignete Fortsetzung


kümmern. Jetzt werden Züge wie e4 / b3 / h3/ De1 / c4 / c3 / Te1 oder Sc4
in Erwägung gezogen187. Falls mehrere Hauptvarianten vorliegen, hat Weiß
zu diesem Zeitpunkt die erste schwere Entscheidung für den Folgeplan zu
treffen, nämlich welcher HV er den Vorzug geben möchte.
3. Partien, die mit 1.e4 beginnen und in der Folge ein KIA-Stellungsbild erge-
ben, sind in der Datenbank KIA2450-
2875-O nicht vorhanden, weil die Partien
voraussetzungsgemäß auf der Basis des
Aufbaus Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2 ohne e4
selektiert werden. Da e4 ein mögliches
Ziel des Weißen ist, könnte man anneh-
men, diese Partien ließen sich nicht aus-
blenden188. Da 1.e4 nicht zur Idee des hy-
permodernen Spiels passt und Schwarz mit
1...d5 (Skandinavisch) den gewünschten
KIA-Aufbau stören könnte (z.B. in der
Folge durch d5xe4), wird 1.e4 hier explizit
nicht betrachtet. Die im nebenstehenden
Diagramm (1.e4 e6 2.d3 d5 3.Sd2 c5 4.Sgf3 Sc6 5.g3 Ld6 6.Lg2 Sge7 7.0-0
0-0) von Schwarze gezeigte Verteidigung189 entsteht beispielsweise bisher
ausschließlich nach 1.e4. Da sich dieses Stellungsbild auch nicht durch

186
Nach 1.Sf3 und 2.g3 kann die Zugfolge variieren. Falls Schwarz frühzeitig e5 spielt, sollte Weiß
den Zug d3 statt zunächst Lg2 folgen lassen. Den gewünschten 6-zügigen Aufbau erreicht Weiß
immer, es sei denn der Schwarze vernachlässigt seine Figurenentwicklung.
187
Vgl. hierzu „Ermittlung der (Haupt-) Varianten“.
188
Die folgende Aussage „A full 50% of all King’s Indian Attacks begin with 1.e4. Only 41% start:
1. Nf3. White hopes black will either play into his 1.e4 preparation or commit to an unfavorable KIA
structure […].“ (Vgl. Q016-HENLEY-MADDOX, S. 1) verdeutlicht, dass man den Königsindischen
Angriff bisher eher als „Abfallprodukt“ – wenn Schwarz nicht auf die Eröffnungsvorbereitung des
Weißen eingeht - bzw. als „Überraschungswaffe“, denn als eigenständiges Spielsystem betrachtet
hat. Hier zwei Beispiele: a) „The most famous example of this strategy was […] Bobby Fischer’s
insistence that the KIA was especially favorable against the Sicilian after black commits to an early
…e6.“ (Vgl. Q016-HENLEY-MADDOX, S. 1) b) “Einer von Botvinniks Lieblingstricks bestand
darin, auf Gelegenheiten zu achten, von einer Eröffnung in eine andere zu wechseln, wodurch ein
überraschter Gegner sich mit zwar bekannten, aber unangenehmen Problemen konfrontiert sah, die er
über normale Zugfolgen leicht vermieden hätte. Der Königsindische Angriff ist für diesen Zweck wie
geschaffen [...]“ (vgl. Q018-MADDOX, s.p., „Meister des KIA“) Diese Aussagen sind ungenau (GM
Fischer hat KIA z.B. auch gespielt, wenn e6 nicht gezogen wurde) und auch wenig hilfreich.
189
Vgl. z.B. Q063-EMMS05, S. 48 oder Q022-SCHILLER, S. 32, Q081-HARDING, S. 6, Q006-
DWOREZKI-JUSSUPOW95, S. 139 sowie Q098-KEENE („The Nge7 Variation“), S. 118-121.
Erfolgsstatistik: 70 GM-Partien, GRV = 23%/56%/21%, Erfolg 51%/49%. Beispielpartie: Fischer -
Ivkov, 1966, 1-0.

69
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Zugumstellungen (im Rahmen der KIA Fortsetzungsvarianten) ableiten


lässt, gehört es nicht zu dieser KIA-Eröffnung. Dieser „Effekt“ ergibt sich
aus dem hier verfolgten theoretischen Ansatz. Der im Diagramm gezeigte
weiße Aufbau ist ein anderes KIA-Spielsystem – nämlich mit dem Aufbau
Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2/e4 und als halbe weiße Tabija mit der Erfolgssta-
tistik 51%/49% aus 847 Partien belegt. GM Emms gibt dem Leser (nach
1.e4 e6 2.d3 d5 3.Sd2 c5) folgende Warnung mit auf den Weg: „Black has
trouble reaching this system if White ‚accelerates’ the fianchetto with 4 g3!?
Because following 4…Nc6 5 Bg2 Bd6? the pawn on d5 is en prise.” (Vgl.
Q063-EMMS05, S. 48) Die „1.e4“-Partien können später bei der Erstellung
der Mittelspieldatenbank zu Ehren kommen, wenn sie nach dem 7.Zug den
Weg einer Hauptvariante der Eröffnung durchschreiten.
4. Die Ermittlung „theoretischer Fortsetzungen“ (= es existiert mindestens eine
Hauptvariante je Stellungsbild) wird durch die von ChessBase angebotene
Software bewerkstelligt. Die Variantenberechnung ist vom Algorithmus der
benutzten Programmversion von ChessBase abhängig sowie von den mög-
lichen optionalen Einstellungen die das Programm bietet. Für die Bestim-
mung der (Haupt-) Varianten benutze ich das von ChessBase standardmäßig
vorgegebene Kriterium „Min. %=5“, d.h. die gefundene Variante muss in
mindestens 5% aller zum Stellungsbild gefundenen Partien vorkommen (vgl.
hierzu „Ermittlung der Haupt-/Varianten“). Hierüber wird die Anzeige sel-
ten vorkommender Varianten vermieden.
5. Da die per ChessBase ermittelten Hauptvarianten alle Zugumstellungen
berücksichtigen, kann die Anzahl der zu einer Hauptvariante ausgewiesenen
Partien größer sein, als die zum jeweiligen Stellungsbild selektierten Partien.
6. Ausgehend von dem Standardaufbau können – je nach schwarzem Spiel –
verschiedene ECO-Codes von der Analysesoftware angezeigt werden.
7. Das vorhandene Quellenmaterial wird bezüglich Aussagen zu bestimmten
Stellungstypen untersucht. Das Quellenmaterial wird vollständig ausgewer-
tet und ist damit für den Leser eindeutig nachvollziehbar und überprüfbar.
Es dient lediglich zur verbalen Erläuterung bestimmter Brettsituationen und
ist kein Bestandteil der eigentlichen Theorie.
8. Es kann Stellungsbilder bzw. einzelne Hauptvarianten in diesem Spiel-
system geben, die statistisch gesehen ungünstig für den Spieler mit den
weißen Steinen sind. Diese deuten daraufhin, dass sie einer näheren Erfor-
schung bedürfen bzw. in einer Wettkampfpartie ggfls. zu vermeiden sind.

70
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie

Definition der Eröffnungstheorie des Standard KIA


1. Das Spielsystem des „Königsindischen Angriffs“ (King’s Indian Attack =
KIA) wird aus der Sicht des Spielers mit den weißen Steinen betrachtet.
2. Die Materialauswertung basiert auf der Mega Database190 von ChessBase.
3. Es gibt eine typische Grundformation (= Tabija) in der Eröffnung. Diese
lautet:
Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2
4. Die angegebene Brettstellung
wird von Großmeistern (ELO
2450 für beide Spieler) ge-
spielt.
5. Die statistische Erfolgsquote aus 719 Partien liegt bei 51% für Weiß und
damit über den vorausgesetzten 50%.
6. Als Antwort auf die gewählte Stellung gibt es 52 Antwortbilder des Spie-
lers mit den schwarzen Steinen zu denen es jeweils mindestens zwei GM-
Partien gibt.
7. Zu 37 Stellungen gibt es Hauptvarianten191. Die Stellungsbilder mit (min-
destens) einer Hauptvariante gehören zur Theorie der Standard-KIA-
Eröffnung.

Erläuterungen zur Definition


 Die typische Ausgangsstellung Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2, die unterschiedli-
chen Stellungsbilder als Antwort des Spielers mit den schwarzen Steinen und
die Hauptvarianten zusammen bilden die KIA-Eröffnungstheorie dieses
Spielsystems.
 Die Kunst des Spielers mit den weißen Steinen liegt nicht darin, die Aus-
gangsposition zum KIA zu erreichen, sondern in der Beherrschung der Über-
gangsphase in das Mittelspiel und damit der Vermeidung von ungünstigen
Varianten. Weiß muss die Schwarzen Antwortstellungen kennen, die dazu
gehörenden Hauptvarianten mit ihren zu Grunde liegenden Plänen (z.B. Zent-
rumsspannung aufrechterhalten oder Linien öffnen) und in der Lage sein, die
daraus resultierenden Stellungen zu bewerten.

190
Vgl. Q004-MEGABASE.
191
Die Software von ChessBase listet Varianten erst ab drei Partien. Im GM-Bereich mit weniger als
drei Partien muss manuell überprüft werden, ob eine HV vorliegt. Diese Varianten sind im jeweiligen
Stellungsbild mit „(m)“ gekennzeichnet.

71
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Bemerkungen zu den Anfangszügen


Die weiße Anfangsaufstellung ist sehr verhalten und geschlossen192; wenn nicht
sogar höflich zurückhaltend. Kein Stein geht direkt an die Mittellinie, noch wird
diese überschritten. Weiß besetzt das Zentrum nicht, „sondern schaut zunächst
tatenlos zu, wie sich [Schwarz] ein Bauernzentrum errichtet und versucht dann
später, dieses [z.B.] zu zerstören.“ (Q072-NORWOOD, S. 5) Die Figurenent-
wicklung schreitet langsam voran und die Verwendung des schwarzfeldrigen
Läufers muss sich erst noch herausstellen (soll er z.B. am Damenflügel fianchet-
tieren, von e3 aus Druck entfachen, auf f4 Platz nehmen, den Sf6 fesseln bzw.
bedrohen oder allgemein einen Angriff am Königsflügel unterstützen?). Weiß
vermeidet zunächst Tuchfühlung mit dem Gegner, während die Aufstellung des
Schwarzen meist deutlich aggressive Züge trägt193. Während der Weiße mit zwei
Bauernzügen auskommt, verbraucht Schwarz in der Regel einen Bauernzug
mehr.
Die angebende Reihenfolge der Züge ist nicht zwingend. Wenn man mit dem
Gedanken spielt, sich Übergänge in andere Systeme offen zu halten, könnte es
z.B. sinnvoll sein, d3 später als angegeben zu spielen, falls der Gegner es zuläßt.
„Starke Spieler benutzen den KIA oft als Stütze für ihr eigenes Eröffnungsreper-
toire, um Varianten zu vermeiden, in denen Sie sich nicht auskennen oder un-
wohl fühlen. Z.B. kann ein Spieler, der gern das Königsgambit spielt (1.e4 e5
2.f4), aber ungern Sizilianisch (1.e4 c5), durch ein frühes d3 statt des normalen
d4 in den Königsindischen Angriff übergehen. Diese chamäleonartige Flexibili-
tät ist besonders wertvoll, wenn man einem bekannten Französisch- (1.e4 e6),
Sizilianisch- [(1.e4 c5)] oder Caro-Kann-Spezialisten (1.e4 c6) gegenüber sitzt,
die Partie aber auf bekanntem Territorium bestreiten will.“ (Q018-MADDOX,
s.p., „Einführung“)
1.Sf3
„The idea behind Reti’s Knight move is to avoid committing White with pawn
moves until he gets a look at Black’s setup. Moreover, the second player may be

192
Als „geschlossen“ werden alle Eröffnungen bezeichnet, die nicht 1.e4 spielen. Diese Kategorisie-
rung ist historisch gewachsen und ein „sachlich nicht unbedingt gerechtfertigter Sammelbegriff“ (vgl.
Q005-BORIK-PETZOLD, S. 112). Der Zug 1. e4 (oder auch 1. c4) ist für die Aufgabenstellung
„Bilden eines Eröffnungsrepertoires“ von Interesse. Diese Thematik systematisch zu betrachten ist m.
E. erst dann sinnvoll, wenn man verschiedene Eröffnungstheorien bzw. ganze Theoriesysteme er-
forscht hat, die sich verknüpfen lasse (vgl. hierzu zum Beispiel „O3. Schwarzer Bauernkeil“, wo
deutlich wird, das ein nach GM Réti benannter Aufbau als Fortsetzung des KIA gespielt werden
kann).
193
Siehe zum Beispiel Typ O5.06, in dem Schwarz mit c5, d5 und e5 an der Grenzlinie zum Spielbe-
reich des Weißen aufmarschiert.

72
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie

tempted to overextend himself by storming the center with pawns.” (Q104-


EVANS, S. 39) This „move controls the d4 and e5-squares and leaves it up to
Black to choose his defense.” (Q109-SEIRAWAN, S. 201) „Dies ist der Stan-
dardanfangszug im Königsindischen Angriff. Er verhindert 1...e5, entwickelt
eine Figur am Königsflügel und verrät Schwarz noch nichts darüber, wie Weiß
seine Zentralbauern zu entwickeln gedenkt.“ (Q001-SMITH-HALL90, S. 9)
„Der Vorteil von 1.Sf3 liegt [...] in der Flexibilität. […] Ein späteres c4 kann zur
Englischen Eröffnung führen [...], mit nachfolgendem d4 sind Übergänge in
verschiedene Damenbauerneröffnungen denkbar. Und wenn Schwarz 1...c5
spielt, kann Weiß sogar mit 2.e4 auf Sizilianisch umschalten.“ (Q026-NUNN02,
S. 11)
2.g3
„Weiß legt sich frühzeitig bei der Entwicklung seines Läufers nach g2 fest, be-
reitet zügig die Rochade vor und erhofft sich vom Läuferfianchetto eine nachhal-
tige Wirkung auf das Zentrum und den gegnerischen Damenflügel.“ (Q005-
BORIK-PETZOLD, S. 148) „Der fianchettierte Königsläufer ist das Markenzei-
chen des Königsindischen Angriffs.“ (Q001-SMITH-HALL90, S. 9) „This move
creates weaknesses around the white king, but the white bishop fills the hole
nicely. From g2, it exerts [ausüben] influence along the a8-h1 diagonal and cre-
ates a bomb shelter [Schutzraum] for white’s king.“ (Q016-HENLEY-
MADDOX, S. 9)194
3.Lg2195
„The palace is finished and ready for the king to move in.“ (Q016-HENLEY-
MADDOX, S. 9) „Die Entwicklung des Läufers nach g2 (bzw. b2, b7 und g7)
wird als Fianchetto bezeichnet.“ (Q026-NUNN02, S. 11) Dieser Zug bereitet
„schnellstmöglich die Rochade vor und gibt immer noch nicht die geplante Auf-
stellung der Zentralbauern preis.“ (Q001-SMITH-HALL90, S. 9) „The bishop is
much more effectively placed on g2 than it would be on e2.[196] For a start it

194
„Capablanca once scornfully referred to this fianchetto as a ‚stupid double hole’ […]“. (Zitiert
nach Q104-EVANS, S. 42). Vergleiche auch: Reti – Capablanca, New York 1924, 1-0, wo Capab-
lanca mit Schwarz ebenfalls fianchettiert. Was die Meister sagen und was sie tun muss nicht immer
deckungsgleich sein.
195
GM John Emms deutet an, dass der Lg2 nicht unbedingt gespielt werden muss (vgl. Q063-
EMMS05, S. 13, siehe Partie Tringov – Porat, Amsterdam 1964, ½-½). Von 371 GM-Partien zum
Aufbau e4 / d3 / Sbd2 / Sgf3 / g3 gibt nur eine einzige, in der Lg2 nicht gespielt wurde. Insofern ist
dieser von GM Emms erwähnte Aufbau nicht als separates KIA-Spielsystem zu betrachten.
196
Vgl. z.B. die Partie K. Georgiev – I. Farago, Warschau 1987: 1.e4 e6 2.d3 d5 3.Sd2 c5 4.Sgf3 Sc6
5.Le2 „Im Falle des Verzichts auf das Fianchetto seines weißfeldrigen Läufers kann der Anziehende
kaum auf Vorteil hoffen […].“ (Q097-TAIMANOW-GUFELD, S. 156) 5...g6 6.Sb3 Lg7 7.c3 b6

73
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

gives good protection to White’s castled king. Secondly, it can greatly influence
the game down the long h1-a8 diagonal. If the knight on f3 moves, the bishop on
g2 adds pressure to the tension-filled centre ([e.g.] the e4-pawn against d5). One
further point is that on e2 the bishop would hinder the queen’s path to the king-
side; with the bishop on g2 White only has to move the f3-knight before the
queen can swing into action via g4 or h5.“ (Q063-EMMS05, S. 12) „Vor langer
Zeit galt eine solche Läuferentwicklung als ziemlich verdächtig, heute findet
man diesen Aufbau in den verschiedensten Eröffnungen. Das Fianchetto ist na-
türlich nicht immer und überall am Platze, es hat aber den unbestreitbaren Vor-
teil, dass der Läufer auf der längsten Diagonale aufgestellt wird, die es auf dem
Schachbrett gibt, wo er später großen Einfluss geltend machen kann. Nachteilig
ist, dass zwei Züge nötig sind, um den Läufer in Stellung zu bringen, und dass
nach einem eventuellen Abtausch des Läufers die Bauernstruktur am Königsflü-
gel durch den Zug g3 geschwächt ist. [...] Der weiße Läufer übt Druck auf die
Felder e4 und d5 aus. Damit hat Weiß im Kampf um das Zentrum zumindest
gleiche Chancen.“ (Q026-NUNN02, S. 11)
4. 0-0
„Jetzt hat Weiß seine Kräfte am Königsflügel vollständig mobilisiert. Der Kö-
nigsturm kann [...z.B.] nach e1 ziehen, um von dort aus den typischen Vorstoß
e2-e4-e5 zu unterstützen.“ (Q001-SMITH-HALL90, S. 9)
5.d3
„Dieser Zug bereitet „den Vormarsch des e- [bzw. c-] Bauern vor.“ (Q001-
SMITH-HALL90, S. 9) Zusätzlich wird die Möglichkeit geschaffen, „den Da-
menläufer und Damenspringer zu entwickeln.“ (Q072-NORWOOD, S. 6) Spielt
Schwarz frühzeitig e5, dann verhindert d3 zunächst einen weiteren Vormarsch
des schwarzen e-Bauern. „Over the years, the 2 d3 system has been used by
some leading players, notably Fischer (although he didn’t stick with it long,

8.Lg5 f6 9.exd5 exd5 10.Lf4 Sge7 11.d4 c4 12.Sbd2 Lf5 13.b3 b5 14.0-0 0-0 15.Te1 g5 16.Lg3 Lg6
17.Sf1 h6 18.a4 a6 19.Se3 Dd7 20.h3 Tae8 21.axb5 axb5 22.bxc4 bxc4 23.Ta6 Ta8 24.Tb6 Ta3
25.Dd2 Tfa8 26.Lh2 Kh7 27.Sg4 Sc8 28.Tb2 Sd6 29.Lxd6 Dxd6 30.Ld1 Le4 31.Lc2 f5 32.Sge5
Sxe5 33.Sxe5 Lxe5 34.dxe5 Dxe5 35.f3 Dxc3 36.Dxc3 Txc3 37.fxe4 dxe4 38.Kh2 Ta7 39.g4 Taa3
40.gxf5 Txh3+ 41.Kg2 Tag3+ 42.Kf2 e3+ 43.Ke2 Th2+ 44.Kd1 Kg7 45.Tb7+ Kf6 46.Tb6+ Ke5
47.Te6+ Kd4 48.Te4+ Kc3 49.T4xe3+ Txe3 50.Txe3+ Kd4 51.Tf3 Th1+ 52.Ke2 Th2+ 53.Kf1 g4
54.Tf4+ Ke5 55.f6 Kxf4 56.f7 Txc2 57.f8D+ Ke3 58.Dxh6+ Kd3 59.Ke1 Te2+ 60.Kd1 Tg2 61.Dd6+
Ke3 62.Da3+ Kd4 63.Da8 Tg3 64.Da7+ Ke4 65.De7+ Kf4 66.Df6+ Ke3 67.De6+ Kf2 68.Dxc4 Kf3
69.Dd5+ Kf4 70.Dd4+ Kf5 71.Ke2 Tf3 72.Dd5+ Kf4 73.Dh5 Te3+ 74.Kd2 Tf3 75.Dg6 Kg3 76.Dh6
Tb3 77.Ke2 Tf3 78.Dg5 Kh3 79.Dh5+ Kg3 80.Dh7 Kf4 81.Dg6 Te3+ 82.Kd2 Tf3 83.Kc2 g3 84.Kd2
Tf2+ 85.Kd3 g2 86.De4+ Kg5 87.De5+ Kg4 88.De6+ ½-½

74
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie

preferring the more dynamic 2 d4 and 3 Sc3). Pal Benko’s[197] creative practice
of the opening should be noted; it was his games that inspired Fischer to take up
the KIA. […] numerous strong players will occasionally dabble in 2 d3 when
they wish to avoid a game with a lot of critical theory, as Short, Bareev, and
Anand have done.” (Q082-WATSON03, S. 55)
6.Sbd2
„Das normale Feld für den Damenspringer im Königsindischen Angriff. Zu be-
achten ist, dass dieselben Züge sowohl gegen Französisch als auch gegen Sizilia-
nisch gespielt werden können, je nachdem wie Schwarz sich weiter entwickelt.“
(Q001-SMITH-HALL90, S. 9) Dieser Zug wird in Verbindung mit dem Schwar-
zen Zug d5 gesehen, der den weißen Zug e2-e4 behindert (bis auf zwei Ausnah-
men des Schwarzen - Typ O1.08 sowie O1.09 - hat Schwarz immer d5 gezogen).
Ein eventuell geplanter Vormarsch des e-Bauern von e2 nach e4 wird nun durch
den d3-Bauern und den Springer auf d2 unterstützt. Zusätzlich schützt der Sprin-
ger vor einem frühen Damentausch nach einem Abtausch der Bauern im Zent-
rum und der Öffnung der d-Linie. „This is not the ideal square for the Knight
[198] because it blocks the c1-Bishop. But White is counting upon the move e2-e4
to provide him with breathing room in the future. The development of the c1-
Bishop is delayed. If White wants he can also fianchetto his Queen’s Bishop.” 199
(Q109-SEIRAWAN, S. 204)

197
GM Benkö spielte im Zeitraum 1956 bis 1976 insgesamt 16 Partien mit dem Standard-KIA
Aufbau und einer beachtlichen Erfolgsquote von 72%.
198
„So ist es beispielsweise möglich, die Entwicklung des Damenspringers zurückzustellen, zu-
nächst c3 zu spielen, um d4 durchzusetzen. Eine weitere Idee besteht darin, den Springer nach vorher
eventuell eingeschaltetem a4 nach a3 zu entwickeln, wonach er häufig nach c2 überführt wird, um
die Bauernvorstöße b4 und d4 zu unterstützen.“ (Vgl. S. Bär, ELO 2001 in Q091, S. 73 )
199
„As soon as you know where that Bishop goes, the game is over.“ (FM Steve Stoyko, siehe:
http://www.kenilworthchessclub.org/games/java/summer05/stoyko-kia.htm)

75
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Vorgehensbeschreibung zur Partienauswahl200


Konstruktion der Datenbank: KIA2450-2875-O201
Die Aufgabe der Partienauswahl ist es, Großmeisterpartien herauszusuchen,
die den typischen Aufbau dieses KIA-Spielsystems ergeben. Dieser wird über
1.Sf3, 1.g3 oder 1.d3 erreicht.202 Auf diesen Partien aufbauend werden die sich
ergebenden typischen Aufstellungen des Spielers mit den schwarzen Steinen
ermittelt.
Das zugrunde liegende Ma-
terial findet der Leser in der
„Mega Database“203 (kurz:
MegaBase), der Partien-
sammlung der Firma
ChessBase GmbH in Ham-
burg. Dieser Datenträger
enthält mehrere Millionen
Partien ab dem Jahr 1560.
Da das Partienmaterial jähr-
lich ergänzt wird, können
„Neuerungen“ schnell er-
kannt und analysiert werden.
In der ChessBase Soft-
ware204 ist die MegaBase
unter Eigenschaften (Rechte
Maustaste auf „Titel“ der
Datenbank im Datenbankfenster) als Referenzdatenbank anzugeben. Dann
definiert man im Suchfenster (im Menü „Bearbeiten / Partien suchen in / Mega
Database ...“) die im Folgenden benannten Parameter.
Im Suchfenster (s. dritter Reiter „Stellung“) erfolgt die Eingabe des typischen
weißen Stellungsbildes. Die Defaulteinstellung: Erster = 1 / Länge = 1 / Letzter =
40 bleibt unverändert, d.h. die Partien müssen das Stellungsbild zwischen dem
1. und 40. Zug aufweisen.

200
Die ausführliche Darstellung zur Partienauswahl mit Hilfe der Software von ChessBase dient
nicht der Erklärung des Tools, sondern lediglich der Transparenz des Auswahlverfahrens von Partien,
damit die von mir erzielten Ergebnisse vom Leser leicht nachvollzogen werden können.
201
KIA=King’s Indian Attack / nnnn-mmmm=Range der Spielstärke / O=Opening.
202
Zu 80% der KIA-Partien auf GM-Niveau beginnen mit 1.Sf3 und 20% starten mit 1.g3. Der Zug
1.d3 kommt auf der Ebene der Großmeister (bezogen auf den KIA-Aufbau) nicht vor.
203
Vgl. Q004-MEGABASE; die Datenbank erscheint jährlich, mit wachsender Anzahl von Partien.
204
Vgl. Q014-CHESSBASE Software zur Speicherung und Analyse von Schachpartien.

76
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie

Dann folgen die Einstellungen im ersten Reiter des Suchfensters („Partieda-


ten“): Die ELO205 der Großmeister ist mit 2450-2875 für beide Seiten (Einstel-
lung: ELO für „Beide“ Spieler206, Farben nicht ignorieren, also den Haken
wegklicken, da nur der weiße Aufbau von Interesse ist) einzustellen. Eine Vor-
gabe für ECO-Codes ist nicht erforderlich, da hierzu keine spezielle Eingrenzung
erfolgen soll.
Für die Mindestanzahl Züge trägt man n ein, wobei n = Anzahl Züge bis zum
Erreichen der gewünschten Ausgangsstellung der Eröffnung ist. In diesem Fall
ist n = 6. Auch wenn die
Partien – die gerade mal
sechs Züge umfassen – zu
keiner weiteren Erkenntnis
beitragen, bleibt es von Inte-
resse zu sehen, welches
Stellungsbild des Schwarzen
daraus resultiert.
Für die maximale Zügezahl
ist 999 einzutragen, so geht
keine Partie verloren. Das
Ergebnis wird mit drücken
des OK-Buttons erzeugt und
als separate Datenbank
„KIA2450-2875-O“ gespei-
chert.
Daraufhin werden die her-
ausgefilterten Partien nach dem 6. Zug von Schwarz miteinander verglichen und
die eindeutigen Stellungsbilder ermittelt. Zu jedem Stellungsbild müssen min-
destens zwei Partien vorhanden sein.207

205
ELO ist im engeren Sinne die von der FIDE verwaltete Wertungszahl. ChessBase unterscheidet
nicht zwischen ELO und der vom Deutschen Schachbund gepflegten Wertungszahl (DWZ).
206
Die Einstellung „Schnitt“, wonach der Durchschnitt der ELO-Zahlen beider Spieler in der Range
liegen muss, lässt zu große ELO-Differenzen der Spieler zu (z.B. Weiß 2645 – Schwarz 2380). Die
Mindeststärke von 2450 für beide Spieler wäre dadurch nicht gewährleistet. Diese Partien werden im
Praxissegment berücksichtigt (KIA0000-2875-O).
207
Im Abschnitt „Zusammenfassung zum Vorgehen bei der Partienauswahl“ findet der Leser eine
Checkliste zur Erstellung der Datenbank, deren Schritte einzuhalten sind, um zu vergleichbaren
Ergebnissen zu gelangen. So kann es z.B. beim Thema „Suchbeschleuniger“ zu nicht definierten
Zuständen im ChessBase Tool kommen. Weitere Hinweise findet der Leser unter http://www.
chessbase.de/support/index.asp?cat=ChessBase+9%2E0.

77
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Konstruktion der Datenbank: KIA2100-2449-O


Die Erstellung dieser Datenbank erfolgt nach dem gleichen Muster wie die Er-
stellung der KIA2450-2875-O. Variiert wird lediglich der Bereich der ELO-
Zahlen. Hier müssen die ELO-Zahlen beider Spieler im angegebenen Intervall
von 2100-2449 liegen. Diese Datenbank enthält Partien aus der KIA-Praxis
auf der Basis eines gehobenen Spielniveaus (z.B. Bundesligaspieler).
Konstruktion der Datenbank: KIA0000-2875-O
Die Erstellung dieser Datenbank erfolgt nach dem gleichen Muster wie die Er-
stellung der KIA2450-2875-O. Hier müssen die ELO-Zahlen beider Spieler im
angegebenen Intervall von 0000-2875 liegen, d.h. die Selektion der Partien er-
folgt hier unabhängig von der ELO-Zahl, d.h. ELO-Range = (keine) anklicken.
Diese Datenbank enthält sämtliche Partien aus der Spielpraxis dieses KIA
Eröffnungssystems.

Die Grafik zeigt das Partienaufkommen zum Standardaufbau des KIA auf Basis aller KIA Partien
(KIA0000-2875-O) über die Jahre verteilt. Um das Jahr 2000 erreicht diese Eröffnung ihren Höhe-
punkt. Die Anzahl neuer dokumentierter Partien pro Jahr nimmt seit dem wieder ab.

78
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie

Übersicht zur Partienauswahl


In der folgenden Tabelle werden - neben der KIA2450-2875-O - die zusätzlich
erzeugten Datenbanken aufgelistet:
KIA2450-2875-O: ELO 2450-2875 719 Partien = 52 Bilder208
GM: Groß- und Die ELO jedes GRV : 169/387/159210
Supergroßmeister Spielers liegt in in % : 24/54/22
der o. g. Range209 total : 51/49
ELO-Schnitt: 2527/2533
KIA2100-2449-O: ELO 2100-2449 4.449 Partien > 150 Bilder
gSN: Gehobenes Die ELO jedes GRV : 1580/1676/1193
Spielniveau (z.B. Spielers liegt in in % : 36/37/27
Bundesliga) der o. g. Range total : 54/46
ELO-Schnitt: 2288/2283
KIA0000-2875-O: ELO 0000-2875 19.361 Partien > 400 Bilder
All: Sämtliche Die ELO jedes GRV : 7131/6077/6146
Partien zum KIA Spielers liegt in in % : 37/31/32
der o. g. Range total : 53/47
ELO-Schnitt: 2201/2198
Von den insgesamt ermittelten unterschiedlichen Antwortstellungen des Schwar-
zen, die sich aus der KIA0000-2875-O ergeben, werden nur die Stellungen aus
der Rubrik der Großmeister als mögliche Theoriestellungen betrachtet.211 Diese
Stellungen werden von den GM mit den schwarzen Steinen gegenüber dem wei-
ßen Aufbau mehrfach angewendet.

208
Antwortbilder des Schwarzen auf den Standardaufbau des Spielers mit den weißen Steinen
(Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2).
209
Die ELO wird von der FIDE international vergeben (die ELO-Zahl, ab der Spieler gelistet wer-
den, wird mit jedem Jahr weiter abgesenkt, so dass mittelfristig die nationalen Wertungszahlen
abgelöst werden können). Die DWZ = Deutsche Wertungszahl wird vom Deutschen Schachbund auf
der Basis eingereichter Spiele (Ligen und öffentliche Turniere) monatlich aktuell ermittelt. Diese
Zahlen können im Internet unter www.schachbund.de abgerufen werden. In diesem Buch werden die
Spielstärkeangaben aus der Q004-MEGABASE verwendet.
210
G = Gewonnen / R = Remis / V = Verloren. Falls die Summe der Einzelwerte nicht die Gesamt-
zahl der vorhandenen Partien ergibt, bedeutet dies, dass die Analysesoftware nicht sämtliche Partien
für die Statistik verwenden konnte (z.B. Partien ohne Ergebnisangabe).
211
Insofern es zu diesen Stellungsbildern überhaupt eine Hauptvariante gibt (vgl. hierzu meine
Begriffsdefinition zur Hauptvariante). Auf Grund der Theoriedefinition kann es sein, dass weniger
Stellungsbilder als oben ermittelt in diese Theorie der KIA-Eröffnung einfließen. Trotzdem werden
sämtliche Bilder der KIA2450-2875-O, die Theoriebilder und die „Kandidaten zur Theorie“ bespro-
chen.

79
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Die Erfolgsbilanz der Großmeister (KIA2450-2875-O) ist gut212 (51%/49%). Mit


zunehmender Spielstärke tendiert die Eröffnung zum Remis213. Andererseits ist
das Großmeisterniveau ein Grenzniveau an Spielstärke, so dass die Wahrschein-
lichkeit des Remis hier größer ist als in unteren Spielklassen. Im gehobenen
Spielniveau (KIA2100-2449-O) ist der Erfolg des weißen Aufbaus mit 54%
markiert. Die Auswertung sämtlicher Partien (KIA0000-2875-O) ergibt eine
Bilanz von 53% zugunsten des Weißen. Alles in allem ergeben sich mit diesem
Spielsystem des Königsindischen Angriffs für den Spieler mit den weißen Stei-
nen also gute Erfolgsaussichten.
Die älteste Partie in der MegaBase mit dem Standard KIA wurde 1851 in
Calcutta gespielt:
Mahescandra214 - Cochrane, J.: 1.d3 d5 2.Sf3 c5 3.g3 Sc6 4.Lg2 Sf6 5.0-0 e6 6.Sbd2
Ld6 7.c3 Lc7 8.e4 0-0 9.Te1 h6 10.e5 Sh7 11.d4 cxd4 12.cxd4 La5 13.a3 f6 14.b4 Lb6
15.Lb2 fxe5 16.dxe5 a6 17.Sb3 Sg5 18.Sbd4 Se4 19.Sxc6 bxc6 20.Ld4 Ta7 21.Tc1 Taf7
22.Txc6 Lxd4 23.Dxd4 Ld7 24.Txa6 Txf3 25.Lxf3 Txf3 26.Te3 Df8 27.Txe4 dxe4
28.Dxd7 Txf2 29.Dxe6+ Kh8 30.Dc4 e3 31.Dd4 Tf1+ 32.Kg2 Tg1+ 33.Kh3 Df1+ 34.Kh4
Dxa6 35.Dxe3 g5+ 36.Kh5 Tg2 37.e6 De2+ 0-1
Die jüngste Partie in der MegaBase mit dem Standard KIA wurde am
21.11.2007 in einem Blitzturnier in Moskau gespielt:
Kasimdzhanov, R. (2690) - Morozevich, A. (2755): 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6 4. O-O
Lg4 5.d3 Sbd7 6.Sbd2 e6 7.De1 Le7 8.e4 O-O 9.h3 Lh5 10.e5 Le8 11.Sh2 Sc7 12.Kh1 f6
13.Sdf3 f5 14.Ld2 c5 15.c4 Sb8 16. La5 b6 17.Lc3 Sc6 18.b3 Dd7 19.Tc1 Tad8 20.Sg1
b5 21. Se2 bxc4 22.Sf4 Lf7 23.bxc4 d4 24. La5 Tb8 25.h4 Tb2 26.Sf3 Txa2 27. Ta1 Txa1
28.Dxa1 Tb8 29.Te1 Sa6 30.Sg5 Lxg5 31.hxg5 Sab4 32.Lxb4 cxb4 33.c5 b3 34. Da6
Sxe5 35.Txe5 b2 36.Te1 b1T 37.Txb1 Txb1+ 38.Kh2 g6 39. c6 Dc7 40.Dc4 Tb8 41.Sxe6
Dd6 42.Ld5 Tc8 43. c7 a5 44.f4 a4 45.Kh3 0-1

212
Zur Bewertung „gut“ siehe Kapitel „Präsentation der KIA-Eröffnung“.
213
„Schach sollte immer zum Remis führen, wenn es perfekt gespielt wird, gewiss eine Behauptung,
die man nicht beweisen kann, die aber, wie ich glaube, zu 99% zutreffend ist.“ (John Nunn in Q030-
NUNN92, S. 13)
214
Alternativ verwendete Namen: Mahesh Chandra Banerji aus Bengalen oder Moheschunder
Bannerjee. Der Schotte John Cochrane (vgl. hierzu http://en.wikipedia.org/wiki/John_Cochrane) - ein
zu der Zeit bekannter und starker Spieler - gewinnt diese Partie durch einen Patzer des Inders. Beide
Spieler spielten über 200 dokumentierte Partien gegeneinander.

80
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie

Ermittlung der (Haupt-)Varianten


In der KIA-Eröffnung ergeben sich die relevanten Antwortstellungen nach dem
6. Zug des Spielers mit den schwarzen Steinen. Nachdem diese typischen Stel-
lungsbilder ermittelt sind, werden die Fortsetzungszüge der Theorie (= Haupt-
varianten) gesucht, um die Eröffnung für Weiß abzuschließen.215 In diesem Ka-
pitel möchte ich aufzeigen, wie die Hauptvarianten ermittelt wurden und welche
Fortsetzungen im 7. Zug von Bedeutung sind.
Die Buchanalyse
Das Aufspüren der Hauptvarianten (HV) erfolgt mit Hilfe der Software Chess-
Base216, so dass hier die Nachvollziehbarkeit für den Leser gegeben ist. Die
Software listet (Haupt-) Varianten, wenn mindestens drei Partien vorhan-
den sind, die diese HV bestätigen (davon abweichend wurden im GM-Bereich
Hauptvarianten bereits mit zwei Partien als Beleg manuell gelistet, wenn sich
keine HV auf Basis von drei Partien finden ließ).
Zur Feststellung der Hauptvarianten geht man folgendermaßen vor:
 Aus der KIA2450-2875-O erzeugt man ein Eröffnungsbuch indem man die
KIA2450-2875-O.CBH in die KIA2450-2875-O.CTG mit dem Parameter
„Länge berechnen“217 importiert (Hinweis: die KIA2450-2875-O.CTG als
neue Datenbank anlegen und dann die KIA2450-2875-O.CBH mit der Maus
darauf ziehen). Hierdurch wird ein Eröffnungsbaum erzeugt, der die Haupt-
varianten enthält.
 Die aus der KIA2450-2875-O ermittelten eindeutigen Stellungsbilder werden
in einer Datenbank KIA-Positionen.CBH abgelegt, dann die gerade zu be-
trachtende Partie aufgeblättert und beim Reiter „Buch“ das Eröffnungsbuch
KIA2450-2875-O.CTG angegeben.

215
Erfahrungswert: Eine Eröffnung (Ziel = Entwicklung der Figuren) ist im Allgemeinen zwischen
dem 10. und 20. Zug abgeschlossen. (Vgl. Q005-BORIK-PETZOLD, S.87) Nimzowitsch Regel:
„Entwicklung ist ein Kollektivbegriff; man ist nicht entwickelt, wenn man 1-2 oder auch 3 Figuren
entwickelt hat, sondern es verhält sich vielmehr so, dass alle Figuren entwickelt sein müssen.“ (Vgl.
Q011-NIMZOWITSCH, S. 43). Wobei für den KIA-Aufbau zu beachten ist, dass der Läufer auf c1
von Anfang an als entwickelt aufzufassen ist.
216
Vgl. Q014-CHESSBASE.
217
ChessBase bietet zwei Parameter: „Feste Länge“ = „Jede Variante wird genau n Züge lang in den
Baum übernommen“ und „Länge berechnen“ = „Die Länge der zu übernehmenden Variante wird ab
der letzten erkannten ECO-Klassifikationsstellung gezählt.“

81
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Über das Menü „Fenster / Fensterflächen“ wird das so genannte „Buchanaly-


sefenster“ aktiviert, in dem die Hauptvarianten angezeigt werden. Die Bewer-
tung im Buchanalysefenster erfolgt immer aus der Sicht des Weißen, auch
wenn die Variante mit einem schwarzen Zug endet.
Ein weiterer Hinweis: Da die per ChessBase ermittelten Hauptvarianten alle
vorhandenen Zugumstellungen218 beachten, kann die Anzahl der zur HV ausge-
wiesenen Partien größer sein, als die zum jeweiligen Stellungsbild selektierten
Partien. Die per rechter Maustaste im Buchanalysefenster einstellbare „Min.
%“ Zahl wird nicht verändert.219

Die beim jeweiligen Stellungsbild angegebenen Varianten der gSN-Partien wer-


den nach demselben Muster erstellt. Da diese Partien aber nicht der Definition
der Theoriezugehörigkeit entsprechen, sind die Fortsetzungszüge Varianten und
keine Hauptvarianten. Die Varianten werden zur Orientierung des Lesers und zur
Unterstützung individueller Forschungen angegeben. Hierdurch wird die breite
Praxis der Theorie gegenübergestellt, ohne beide gleichzusetzen.

218
Vgl. Begriffsdefinition „Zugumstellung“.
219
Der voreingestellte Wert ist 5. Dieser Programmschalter besagt, dass eine ermittelte Variante in
x% der Partien vorkommen muss. Steht der Schalter auf 0% werden sämtliche vorhandenen Varian-
ten gelistet. Ist der Schalter auf größer als 0% eingestellt, werden die vorhandenen Varianten verdich-
tet. Wenn relativ viele Partien (>= 100) zur Verfügung stehen macht sich die Defaulteinstellung von
5% bemerkbar, andernfalls ist kein Unterschied zu erkennen.

82
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie

Die Fortsetzungen im 7. Zug


In den Hauptvarianten werden folgende Fortsetzungen im 7. Zug gespielt:
HV ZUG PARTIEN ERFOLG STELLUNGSTYPEN
H(54) 7.E4 396 51 / 49 % O1, O2, O3, O4, O5
H(16) 7.B3 89 56 / 44 % O2, O3, O4
H(5) 7.H3 88 50 / 50 % O3, O4
H(6) 7.DE1 52 54 / 46 % O3, O4
H(3) 7.C4 34 40 / 60 % O1, O2, O3
H(2) 7.C3 24 50 / 50 % O1, O2
H(1) 7.TE1 13 38 / 62 % O2, O3
H(1) 7.SC4 3 33 / 67 % O1
Legende: H(x) mit H = Hauptvariante und (x) = Anzahl HVen mit dieser Fortsetzung im 7. Zug. Die
Angaben zur Statistik (Anzahl Partien und Erfolg) beziehen sich auf die KIA2450-2875-O. Die
Tabelle ist absteigend nach Anzahl der vorhandenen GM Partien sortiert. Die fett markierten Fortset-
zungen sind die erfolgreichen.

Wenn man zunächst vom Aufbau des Schwarzen absieht und lediglich die Häu-
figkeit des Zuges und seine Erfolgsquote zum Maßstab nehmen möchte, kann
Weiß davon ausgehen, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit mit 7.e4 richtig
liegt - insbesondere, wenn Schwarz ein Fianchetto am Königsflügel (KIA-Typ
O1) spielt (zu diesem Typ passt auch der Zug c3, der hier auffällig oft in den
Varianten auftaucht). Für Bilder vom KIA-Typ O3, in denen Schwarz einen
Bauernkeil aufstellt und Weiß zunächst die Beherrschung der Diagonale a1-h8
überlässt, häuft sich die Anwendung von 7.b3.
Die Züge h3, De1, c3 bzw. Te1 sind in direkter Fortsetzung220 eher „Wartezüge“
(wenn Schwarz z.B. noch nicht erkennen lässt, ob und wie er zu rochieren ge-
denkt) bzw. „Unterstützungszüge“ zur Vorbereitung von e2-e4. Der Zug h3
„befragt“ den gegnerischen Läufers auf g4 („Will Schwarz auf sein Läuferpaar
verzichten?“). Die Züge Te1, c4 bzw. Sc4 scheinen gemäß der Statistik im 7.
Zug weniger nützlich zu sein, wobei 7.Sc4 einen Sonderfall darstellt (vgl. O1.14,
„Wahls-Experiment“).
Eine Einzelzählung der Häufigkeit des Auftretens eines Zuges in den Hauptvari-
anten zeigt, dass der Zug e4 der absolute Spitzenreiter ist (77 Treffer), gefolgt
von Te1 (22) und b3 (21). Die Züge De1, h3, c3 c4 treten in etwa gleich häufig
auf (12-14 Treffer).

220
Die Betrachtung der Hauptvarianten zu den einzelnen Antwortbildern zeigt, das 7.Te1 z.B. als
direkte Fortsetzung quasi nicht vorkommt, aber im Verlauf der Hauptvarianten recht häufig gezogen
wird. Auffällig ist, dass der Zug Te1 in den HVen der Typen O3 und O5 überhaupt nicht vorkommt
(Ausnahme: in O3 gibt es genau eine HV mit Te1).

83
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Zuordnung zu ECO-Schlüsseln
Die Schacheröffnungen werden so genannten ECO221-Schlüsseln zugeordnet.
Diese Schlüsselung setzt auf der ursprünglich für nützlich empfundenen Eintei-
lung (1.e4 e5, 1.e4 und nicht 1...e5, 1.d4 d5 usw.) des Anfangszuges auf. Aufge-
baut ist der ECO-Schlüsselindex nach fünf Hauptgruppen, die als A, B, C, D und
E bezeichnet werden. Jede dieser Hauptgruppen ist wiederum in maximal 100
Untergruppen unterteilt (00-99). Diese Schlüssel sind international als quasi
Standard zur Systematisierung von Schacheröffnungen im Gebrauch. Hinter
einem ECO-Code (z.B. A05) können sich diverse Varianten verbergen, die in
den Quellen z. T. mit eigenen sprechenden Namen belegt werden. Die „Namen“
zu den ECO-Codes sind lediglich Beiwerk und unterliegen dem Geschmack der
Spieler bzw. Autoren.

Die obige Tabelle zur ECO-Statistik - die sich aus der KIA2450-2875-O Daten-
bank ergibt - ist absteigend sortiert nach „Anz = Anzahl“ Partien222. Der Leser
kann erkennen, dass der ECO-Code A07 die mit Abstand meisten GM-Partien
auf sich vereint. Die Erfolgsaussichten in den Code-Segmenten A00 und A04
basieren auf wenigen Referenzpartien. Im Vergleich zum Jahr 2005 haben sich
die Erfolgsprozente für Weiß tendenziell in Richtung 50% verschlechtert (so lag
Weiß z.B. im Code-Segment C00 in 2005 noch bei 52% Erfolg.)

221
ECO steht für “Encyclopaedia of Chess Openings“. Dieses Referenzsystem wird vom jugoslawi-
schen Schachinformator-Verlag seit 1966. Einzelne Varianten werden durch Abkürzungen wie z.B.
‚C43‘ (Russisch mit 3.d4) oder ‚D89‘ (Grünfeldindisch Abtausch - Hauptvariante) angezeigt. (Vgl. in
Q014-CHESSBASE die Hilfefunktion. Siehe im Internet unter: www.sahovski.co.yu oder Wikipe-
dia.)
222
Anzahl = 714 plus 5 nicht gewertete Partien = 719

84
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie

Die Eröffnungsklassifikation in der MegaBase223 versucht die KIA2450-2875-O-


Partien z.B. nach den folgenden Zugschemata einzuordnen. Sobald eine Partie
(möglichst langzügig) in ein vorhandenes Zugschema passt, wird dieser Partie
der damit gekoppelte ECO-Code224 zugeordnet. Die fett markierten Züge definie-
ren den jeweiligen ECO-Code:
A00 : 1.g3 / 1.d3
A04 : 1.Sf3 c5 2.g3 Sc6 3.Lg2 g6 4. 0-0 Lg7
A04 : 1.Sf3 g6 2.g3 Lg7 3.Lg2 e5 4.e4 Sc6 5.d3 …
A05 : 1.Sf3 Sf6 2.g3 b6 3.Lg2 Lb7 4. 0-0 e6 5.d3
A05 : 1.Sf3 Sf6 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4. 0-0 0-0 5.d3
A07 : 1.Sf3 d5 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4. 0-0 e5 5.d3 Se7
A07 : 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6 4. 0-0 Lg4 5.d3 Sbd7
A07 : 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6 4. 0-0 Lf5
A08 : 1.Sf3 d5 2.g3 c5 3.Lg2 g6 4. 0-0 Lg7 5.d3
A08 : 1.Sf3 d5 2.g3 c5 3.Lg2 Sc6 4. 0-0 e6 5.d3
A08 : 1.Sf3 d5 2.g3 c5 3.Lg2 Sc6 4. 0-0 e5 5.d3
A12 : 1.c4 c6 2.Sf3 d5 3.b3
B10 : 1.e4 c6 2.d3
C00 : 1.e4 e6 2.d3 d5 3.Sd2 c5 4.Sgf3 Sc6 5.g3

Vorgehen bei der Auswertung des Quellenmaterials


Eine neue Quelle zum KIA wird wie folgt analysiert:
 erfassen aller in der Quelle benannten KIA-Partien in einer separaten quel-
lenbezogenen Datenbank,
 nicht in der Megabase verzeichnete Partien manuell in die quellenbezogenen
Datenbank hinzu erfassen,
 suchen der einzelnen Theoriestellungen in der quellenbezogenen Datenbank
(wegen möglicher Zugumstellungen sind immer auch einige Fortsetzungszü-
ge zu spielen, um zu prüfen, ob das Stellungsbild in der Quelle behandelt
wird),
 übernehmen der Kommentare des Autors für die Fortsetzungen in der Eröff-
nungsphase ab dem 7. Zug und
 fortschreiben der je Stellungstyp geführten Quellenübersicht.

223
Vgl. Q004-MEGABASE, BigKey: Developed by ChessBase.
224
Vgl. Q095-ECO für die A-Codes.

85
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Zusammenfassung zum Vorgehen bei der Partienauswahl


I) Erstellen einer KIA-Database
- Die Q004-MEGABASE als Referenzdatenbank aktivieren
- Den Suchbeschleuniger zur Sicherheit löschen und wieder anlegen (im
Datenbankfenster: Rechte Maustaste auf Datenbankname / Extras /
Suchbeschleuniger…)
- Auswahl der KIA Partien mit dem weißen Aufbau Sf3/g3/Lg2/
0-0/d3/Sbd2 per Suchfenster vornehmen
- Neue Database (z.B. „KIA2450-2875-O“) anlegen
- Selektierte Partien markieren, kopieren und einfügen in die KIA2450-
2875-O (doppelte Partien werden beim Kopieren verworfen / „VCs
immer kopieren“225 ausschalten)
II) Ermitteln der eindeutigen Stellungsbilder
- Im Datenbankfenster mit der rechten Maustaste auf KIA2450-2875-O
klicken, dann unter „Extras“ die Datenbank entkommentieren (Abfrage:
„Letzten Kommentar erhalten?“ mit „Nein“ beantworten).
- Eine neue Database im PGN-Format anlegen und KIA2450-2875-O mit
der Maus darauf ziehen. Im PGN-Format können die Stellungsbilder per
Programm226 ermittelt werden
- Partien eindeutiger Stellungsbilder per Programm227 ermitteln und die
Bilder zulassen, die durch mindestens zwei Partien belegt sind
- Die selektierten Partien in einer Datenbank „KIA-Positionen“ ablegen

III) Anlegen der restlichen Praxis-Databases


- KIA2100-2449-O für das gehobene Spielniveau (gSN) anlegen (analog
zu Schritt I, hier aber ELO-Range auf 2100-2449 einstellen für beide
Spieler)
- KIA0000-2875-O mit sämtlichen KIA-Partien anlegen (analog zu
Schritt I, hier aber ELO-Range = (keine) wählen)
IV) Ermitteln der Kennzahlen je Stellungsbild
- Das zu untersuchende Stellungsbild in der KIA-Positionen228 aufblättern
- KIA2450-2875-O (bzw. die gerade zu untersuchende Database) als Re-
ferenz-DB festlegen (rechte Maustaste auf DB, dann unter „Eigenschaf-
ten“ die Option „Referenzdatenbank“ anklicken)

225
„VCS“ steht im für V=Variante C=Kommentar und S=Symbol
226
Vgl. hierzu „Konstruktion der Datenbank: KIA2450-2875-O“
227
Hierbei handelt es sich um ein kleines Stück selbstprogrammierter Software, so dass manueller
Aufwand stark reduziert wird.
228
Vgl. hierzu „Ermittlung der theoretischen Fortsetzungsvarianten“

86
Spezielle Aspekte zur KIA-Eröffnungstheorie

- Rechte Maustaste im Stellungsbild und dann im Kontextmenü „Suche in


<db>.cbh“ anklicken bzw. den Reiter „Referenz“ öffnen
- Die Statistik zu den selektierten Partien anzeigen lassen und den ELO-
Schnitt sowie die GRV -Werte notieren
- Statistikwerte in der je Gruppe vorangestellten Tabelle eintragen
V) Ermitteln der Fortsetzungsvarianten
- Den Suchbeschleuniger zur Sicherheit löschen und wieder anlegen (im
Datenbankfenster: Rechte Maustaste auf Datenbankname / Extras /
Suchbeschleuniger…)
- Datenbank öffnen und im Menü „Extras / Klassifikation / ECO Codes
nachtragen ausführen…“
- Je KIA-Datenbank ein Eröffnungsbuch erzeugen (eine Database mit der
Endung „.ctg“ erstellen und die jeweilige KIA-Database mit der Einstel-
lung „Länge berechnen“ und „Varianten nicht mit einbeziehen“ hinein-
kopieren)
- Database mit den KIA-Positionen in ChessBase öffnen
- Buch zur Database laden, welche ausgewertet werden soll
- Buchanalysefenster aktivieren
- Für „Minimum Percentage“ 5% einstellen229 (= Defaultwert)
- Jede Position aus der Datenbank „KIA-Positionen“ durch Aufblättern
der Partie durchgehen
- Den 6. Zug von Schwarz anklicken
- Varianten notieren (es werden auch Varianten mit einer Erfolgsquote
von unter 50% aufgezeichnet)
VI) Auswertung des Quellenmaterials
- Je Quelle eine Datenbank mit den besprochenen Partien anlegen
- Jedes Stellungsbild in der zur Quelle gehörenden Datenbank suchen
- Wenn der jeweilige Stellungstyp in der Quelle besprochen wird, dann
die Kommentare zu den Eröffnungszügen (in der Regel nicht mehr als
10 Folgezüge) aufnehmen
- Zugumstellungen beachten

229
Vgl. Kapitel „Ermittlung der (Haupt-) Varianten“

87
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Präsentation der KIA-Eröffnungstheorie


Die KIA-Eröffnungstheorie wird in einer Darstellungsform präsentiert, die sich
gut zum Nachschlagen und schnellen Auffinden von typischen Stellungsbildern
eignet. Dementsprechend wurde jeweils ein Diagramm an den Seitenrand ge-
stellt, welches beim Blättern im Buch sofort ins Auge fällt. Jeder Stellungstyp,
der sich nach dem 6. Zug von Schwarz ergibt, beginnt auf einer neuen Seite. Die
Gliederung der Darstellung ist immer gleich, so dass die bewusste Aufnahme des
Inhalts eines Stellungstyps beschleunigt wird.
Eindeutige Stellungsbilder, die sich aus der Datenbank KIA2450-2875-O erge-
ben, wurden miteinander verglichen und eine Unterteilung in Gruppen vorge-
nommen. Die Gruppenbezeichnungen ergeben sich aus der Betrachtung der
vorhandenen Stellungsbilder und ihren typischen Stellungsmerkmalen im
schwarzen Aufbau (zum Beispiel ein Fianchetto am Königsflügel oder eine Bau-
ernstruktur). Diese Einteilung ist keine Voraussetzung für die Theorie, sondern
dient lediglich der Übersichtlichkeit und Orientierung. Folgende Gruppenbe-
zeichnungen werden unterschieden:
 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel
 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel
 Schwarzer Bauernkeil
 Schwarze Bauernkette f/e/d
 Schwarzes Bauernduo d/e
Jeder Gruppe wurde eine Tabelle vorangestellt, welche die Erfolgsaussichten
der Stellungstypen übersichtlich darstellt. Hieraus ersieht der Leser sehr
schnell, welche Stellungsbilder prinzipiell Probleme bereiten. Sämtliche Stel-
lungsbilder, die sich aus der Analyse der KIA2450-2875-O ergeben, wurden
berücksichtigt, wobei zu beachten ist, dass einige dieser Stellungsbilder ohne
Hauptvariante sind und somit (noch) nicht zur Theorie gehören.230
Die Reihenfolge der Bilder innerhalb einer Gruppe ergibt sich - absteigend sor-
tiert - aus der je Bild vorhandenen Anzahl von Partien. Damit werden die von
den GM am häufigsten gespielten Stellungsbilder zuerst behandelt.231 Über die
eindeutige Bezeichnung jedes Stellungsbildes lassen sich auch Textreferenzen zu
Stellungstypen eindeutig angeben.

230
Hier findet der Leser den Vermerk: „Das Stellungsbild ist ein Kandidat für diese KIA-Theorie“.
231
Diese Sortierung wurde für die erste Auflage dieses Buches festgelegt. Neue Stellungsbilder, die
aufgrund zusätzlicher Partien hinzukommen, werden dem jeweiligen Kapitel angehängt, damit die
Typbezeichnungen aus der ersten Auflage erhalten bleiben. Die Typenbezeichnungen können somit
weiterhin in der externen Diskussion verwendet werden.

88
Präsentation der KIA-Eröffnungstheorie

Unter der Überschrift „Kennzahlen“ findet der Leser statistische Angaben zum
jeweiligen Stellungsbild. Die Angaben zum Typ GM (= Großmeister) bilden den
Theorieteil, während die anderen Angaben als
Praxisteil zu betrachten sind. Konzeptionell soll
dies verdeutlichen, dass die Theorie sich aus der
Praxis ergibt. Die GM werten ihre und die Erfah-
rungen anderer aus, um größtmöglichen Erfolg
mit ihren Zügen zu haben. Der Typ „All“ zeigt
die Statistik über sämtliche in der MegaBase
gefundenen Partien zu dem betrachteten Stel-
lungstyp. Hier werden auch Partien von Spielern
einbezogen, deren Spielstärke nicht zwingend in
der gleichen Range liegen.
Genauso wie bei den Kennzahlen sind die Fortsetzungszüge der GM
(=Hauptvarianten, HV) als Theorie zu verstehen, während die restlichen Varian-
ten die Züge darstellen, wie sie häufig in der Praxis vorkommen. Theoriezüge
gehören gemäß der Begriffsdefinition zu Hauptvarianten232 und umgekehrt
sind Züge aus Hauptvarianten als Theoriezüge zu werten233. Eine gültige
Hauptvariante des KIA-Spielsystems umfasst in der Eröffnungsphase mindestens
sieben weiße Züge, d.h. es gibt über das zugrundeliegende Stellungsbild, welches
immer sechs Züge umfasst, eine Fortsetzung. Andernfalls ist das Stellungsbild
höchstens ein „Kandidat“ zur Theorie. Falls es mehrere Hauptvarianten zu einem
Stellungsbild gibt, werden diese in der Reihenfolge gelistet, wie sie durch die
ChessBase-Buchanalyse234 ausgewiesen wurden.
Wegen möglicher Zugumstellungen kann eine Hauptvariante durch mehr Par-
tien nachgewiesen werden, als es Partien zur Ausgangsstellung gibt. Das neben-
stehende Diagramm (Typ O1.05) z.B. ist durch fünf GM Partien belegt. Spielt
man die HV allerdings aus (7.e4 0-0 8.Te1), werden mehr als fünf Partien in der
KIA2450-2875-O selektiert.

232
Vgl. die Begriffsdefinition zur Hauptvariante.
233
Somit lässt sich z.B. auch das Thema „Neuerung“ besser fassen: Weicht ein GM auf dem Wege
einer HV ab, zieht also an einer bestimmten Stelle nicht den bekannten Fortsetzungszug der HV,
dann handelt es sich um eine „Neuerung“, die sich in der Zukunft erst noch bewähren muss (insofern
ist die Bezeichnung „theoretische Neuerung“ unsinnig). Anders ausgedrückt: Da von einer HV
abgewichen wird befinden wir uns in einer Theoriephase und da es sich – nach dem neuen Zug –
(noch) um keine HV handelt, wurde die Partie erst in einer GM-Partie gespielt. Kommt dieser Zug in
der Folge in weiteren GM-Partien vor, dann bildet sich aus der „Neuerung“ eine neue Hauptvariante
aus.
234
Vgl. hierzu Q014-CHESSBASE.

89
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Für die Umschreibung der Erfolgsaussichten235 des Weißen bezüglich des Stel-
lungsbildes wurde im Bereich der Anmerkungen folgendes Schema gewählt:
 00 - 20% = sehr schlecht
 21 - 49% = schlecht
 50% = remis
 51 - 80% = gut
 81 - 100% = sehr gut
Unter „Anmerkungen“ werden auch andere bereits gesicherte Erkenntnisse ange-
führt.
Je Stellungsbild gibt es (mindestens) eine Beispielpartie aus der Datenbank
KIA0000-2875-O, als Referenz zu einer Hauptvariante. Die Partien wurden unter
Berücksichtigung der folgenden Kriterien „willkürlich“ ausgewählt:
 jüngste GM-Partie,
 hohe ELO-Zahl und etwa gleichstarke Spieler,
 keine Internet-, Blind-, Blitz- oder Schnellschachpartie,
 Länge der Partie, d.h. möglichst keine kurzzügigen Remis-Partien und
 sonstige interessante Aspekte (z.B. älteste Partie, VIP-Partie oder HV-
relevant).
Die existierenden Quellenhinweise236 werden bei jedem Stellungstyp vollständig
ausgewertet angegeben. Diese Angaben werden allerdings unabhängig von ihrer
„Güte“ zitiert, so dass der Leser sich ein eigenes Urteil zur Qualität der zitierten
Aussagen bilden sollte.

235
Diese Einteilung ist nicht theorierelevant und möglicherweise auch nicht praxisgerecht formu-
liert. Wenn man z.B. der Meinung ist, dass der weiße Anzug prinzipiell ein Vorteil sei, und eine
Einteilung wie 00-45%, 46-52%, 53-87%, 58-65% und 66-100% vorschlägt, dann wäre dagegen auch
nichts einzuwenden. Eine schlüssige Begründung für eine Einteilung habe ich bisher nicht gefunden.
Ich habe deshalb ein triviales Schema benutzt, das von folgender Annahme ausgeht: alles unter 50%
ist schlecht für Weiß und alles was darüber liegt dementsprechend gut.
236
Die englischsprachige Literatur wird im Original zitiert, um Missverständnisse zu vermeiden. Bei
einigen Vokabeln gebe ich Hilfestellung direkt im Textzitat.

90
O1. Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

O1. Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Erfolgsaussichten
In der Spalte „Typ“ der folgenden Tabelle ist die Referenz zum Stellungsbild
vermerkt. Die Erfolgsquote von Weiß für die Partien der Praxis ergibt sich aus
den Erfolgsprozenten der Partien aus der KIA0000-2875-O (= All). Die Anzahl
Partien von „GM“ und „gSN“ sind in der Zählung von „All“ enthalten. Die Sor-
tierung erfolgt absteigend bzgl. der Erfolgsquote der GM-Partien. Stellungsbilder
mit einer Erfolgsquote von unter 50% werden in der Tabelle abgesetzt darge-
stellt. Kursiv gedruckte Zeilen verdeutlichen, dass dieser Typ zwar in der
KIA2450-2875-O vorkommt, aber nicht zur Theorie gehört, da noch keine
Hauptvariante der Fortsetzung existiert.237

Allgemeine Erkenntnisse zur Tabelle und den Stellungsbildern:


a) Die meisten Stellungsbilder dieser Gruppe gehören zu den ECO-Codes A07
und A08.
b) Der von Großmeistern mit Schwarz am häufigsten gewählte Stellungsaufbau
findet sich in dieser Gruppe bei Typ O1.01 (35 von 115 GM-Partien), wäh-
rend in der Wettkampfpraxis der Typ O1.02 bevorzugt wird (1218 von 4066
Partien).

237
Das Zahlenmaterial zu den Partien basiert durchgängig auf der MegaBase 2008 (vgl. Q004-
MEGABASE), d.h. es sind alle verfügbaren Partien bis einschließlich 2007 berücksichtigt worden.

91
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

c) Das GM-Segment ist in der Summe statistisch gesehen erfolgreicher, als der
breite Praxisbereich. Dieser Zustand hat sich gegenüber 2005 nicht verän-
dert. Die Erfolgsstatistik hat sich gegenüber 2005 (mit 56% GM und 52%
Praxis) für beide Bereiche verschlechtert. Die Erfolgsaussichten für den im
GM-Segment am häufigsten gespielten Stellungstyp O1.01 hat sich aller-
dings von 48% auf 51% verbessert.
d) Mit dem Bild O1.02 hat Weiß die meisten
Probleme, hier liegt der Erfolg statistisch ge-
sehen unter 50%. Für die anderen Typen, die
im Erfolg unter 50% liegen, sind bisher we-
nige GM-Partien vorhanden.
e) In den Stellungstypen O1.01 und O1.03 fin-
det man in der gespielten Fortsetzung den im Diagramm gezeigten und seit
1954 bekannten Aufbau des Weißen238. Zu dieser Tabija gibt es insgesamt
52 GM-Partien in der Q004-MEGABASE mit einer Erfolgsstatistik von
50%/50%. Sucht man diesen Weißen Aufbau nur in der KIA2450-2875-O,
dann punktet Weiß mit 69% gut. GM Maiwald hat diesen Aufbau insgesamt
acht Mal gespielt (63% Erfolg); im direkten GM-Vergleich, d.h. beide Spie-
ler liegen in der ELO-Range von 2450-2875, gibt es vier Partien von ihm, in
denen er allerdings lediglich 38% herausholen konnte. Der Zug c3 kommt in
dem Stellungstyp O1 („Schwarzes Fianchetto am Königsflügel“) ver-
gleichsweise häufig vor. Die in der Eröffnungsphase erreichte Stellung ist
für die Mittelspieltheorie von Interesse, die in diesem Buch nicht besprochen
wird.

238
Die Diagrammstellung kommt auch Partie Ubilava – Lukov, Tbilisi 1988, 1-0 vor. Diese Partie
gehört zum KIA-Typ O5.02.

92
O1. Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Quellenübersicht
Die nachfolgende Tabelle gibt eine Quellenübersicht. Diese Quellen beschäfti-
gen sich ausdrücklich mit dem Königsindischen Angriff. Angekreuzte Tabellen-
plätze zeigen an, dass der dazu gehörende Stellungstyp in dieser Quelle ange-
sprochen wird:

93
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Allgemeine Erkenntnisse zur Tabelle und den Stellungsbildern:


a) Die in den Quellen am häufigsten besprochenen Stellungstypen sind O1.06/
O1.07. Während O1.01/O1.02 die im GM-Bereich am häufigsten gespielten
Stellungen markieren.
b) Da die Stellungen O1.06/O1.07 zugleich die für Weiß (statistisch gesehen)
erfolgreichsten Typen sind, wird die Tendenz in den Quellen deutlich, sich
bei der Besprechung auf die für den KIA erfolgreichen Stellungen zu kon-
zentrieren. Extrem geht hier GM Davies in Q106-DAVIES vor; hier werden
ausschließlich weiße Gewinnpartien behandelt.
Zugumstellungen
Folgende Stellungstypen können durch Zugumstellungen in den Hauptvarian-
ten239 ineinander übergehen:

239
Es werden hier nicht alle denkbaren Zugumstellungen aufgeführt, sondern nur die, die sich in den
Hauptvarianten widerspiegeln.

94
O1.01 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

O1.01 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 35 2515/2522 29/ 45/ 26 51/49
gSN 2100-2449 146 2286/2293 24/ 47/ 29 48/52
All ------------- 583 2239/2261 29/ 39/ 32 49/51
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien240


03, 067%: 7.e4 e5 8.c3 a5 9.a4 h6 10.Te1 Te8 11.Dc2 Le6 (= -0.22)
03, 033%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 a5 9.a4 ( -0.33)
03, 050%: 7.c4 e5 8.cxd5 Sxd5 9.a3 (= -0.01)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


13, 050%: 7.e4 e5 8.c3 a5 9.a4 h6
09, 056%: 7.e4 e5 8.c3 h6
14, 057%: 7.e4 e5 8.Te1 Te8 9.c3 a5 10.a4 h6
18, 058%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 e5 9.c3
09, 039%: 7.c3 a5
15, 040%: 7.c4

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


34, 044%: 7.e4 e5 8.c3 a5 9.a4 h6
36, 060%: 7.e4 e5 8.Te1 Te8 9.c3
82, 057%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 e5 9.c3
32, 033%: 7.c4 e5

240
Für eine ausgespielte Variante im GM-Segment wird mit Hilfe von Q009-FRITZ11 eine Stel-
lungsbewertung errechnet, die mit einer Rechentiefe von 18 Halbzügen beendet wird. Damit ergibt
sich eine „Unterbewertung“ der reinen Statistikaussage. In Beispiel O1.01 könnte man folgenderma-
ßen argumentieren: Bei Anwendung der ersten Eröffnungsvariante erreicht Weiß eine Erfolgschance
von 67%. Da nach 7.e4 aber mit 7...dxe4 als Antwort des Schwarzen zu rechnen ist (vgl. Anzahl
Partien im Praxisbereich), ist 7.c4 eine zu prüfende Alternative.

95
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Anmerkungen241
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut, aber im Ver-
gleich zum breiten Spielbereich der Praxis noch zu optimistisch ausgeprägt.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Mark
Hebden, ELO 2545, 8 Partien, 81% Erfolg.
 Die bis zum elften Zug ausgeprägte lange HV hält die Spannung im Zentrum
aufrecht. Statistisch gesehen kommt dies Weiß zugute, während die
Schachengine die sich ergebende Stellung noch für ausgeglichen hält.
 Nach 7.e4 kann Schwarz sofort mit 7...dxe4 8.dxe4 a5 9.a4 die Spannung im
Zentrum auflösen, die d-Linie öffnen und Weiß die Möglichkeit nehmen, mit
exd5 die lange Diagonale h1-a8 zu öffnen (vgl. Q001, S.101). Statistisch ge-
sehen ist das für Schwarz das aussichtsreichste Spiel. Die Fritz-Engine (vgl.
Q009-FRITZ11) sieht Schwarz nach ausgespielter Variante in einer leicht
besseren Stellung.
 Weiß hat neben 7.e4 mit 7.c4 eine alternative Fortsetzungsmöglichkeit 7…e5
8.cxd5 Sxd5 9.a3. Es entsteht eine halboffene c-Linie, und Weiß bewahrt
nach ausgespielter HV eine ausgeglichene Stellung.
Beispielpartien242
Movsesian (2642) – Pert (2525), Dresden 2007, A07, ½-½: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 g6
4.0-0 Lg7 5.d3 0-0 6.Sbd2 Sc6 7.e4 e5 8.Te1 Te8 9.c3 a5 10.Dc2 h6 11.b3 b6 12.Lb2 Lb7
13.a3 dxe4 14.dxe4 De7 15.Sc4 La6 16.Se3 Tad8 17.Tad1 Txd1 18.Txd1 Td8 19.Sd5
Sxd5 20.exd5 Dd6 21.Te1 Dxd5 22.Sxe5 De6 23.Lxc6 Lxe5 24.Lg2 Dd6 25.h4 h5 26.Lc1
Ld3 27.Dd2 Lf6 28.c4 a4 29.bxa4 Lxc4 30.Dxd6 Txd6 31.Lf4 Td3 32.Lxc7 Txa3 33.Lc6
Tb3 34.Td1 Kg7 35.Lf4 Tc3 36.Ld7 Ta3 37.Le3 Lb3 38.Tc1
Botvinnik - O'Kelly de Galway, Budapest 1952, A07, 1-0: 1.Sf3 Sf6 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7
4.0-0 d5 5.d3 0-0 6.Sbd2 Sc6 7.e4 dxe4 8.dxe4 e5 9.Te1 Te8 10.c3 Sd7 11.Dc2 Sc5
12.Lf1 a5 13.b3 f5 14.Lc4+ Kh8 15.La3 Lf8 16.Lf7 Te7 17.Lxg6 hxg6 18.Lxc5 Tf7
19.Lxf8 Dxf8 20.Sc4 Te7 21.exf5 Lxf5 22.Dc1 e4 23.Sh4 Df6 24.Df4 Tf8 25.Tad1 Tef7
26.Sxf5 gxf5 27.Td5 Dxc3 28.Ted1 a4 29.Se3 Se7 30.Td7 axb3 31.Txc7 Db4 32.axb3
Kg8 33.Tdd7

241
Durch Zugumstellungen kann es im Verlauf der (Haupt-) Varianten zu gleichen Stellungsbildern
kommen. In diesem Fall ist es möglich, dass in der Quellenauswertung unterschiedlicher Stellungsty-
pen die Zitatangaben aus den Quellen identisch sind. Zugumstellung ist auch der Grund dafür, dass
zu einer (Haupt-) Variante mehr Partien gefunden werden können, als in der Menge der - durch die
Ausgangsstellung - selektierten Partien überhaupt vorhanden sind.
242
Zur Auswahl der Beispielpartien siehe den Abschnitt „Präsentation der KIA-Eröffnungstheorie“.

96
O1.01 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Quellenauswertung243
 Q001-SMITH-HALL90, S. 100f nennt folgende Variante: 7.e4 dxe4
„Schwarz tauscht sofort selbst, um Weiß jeglicher Möglichkeit zu berauben,
seinerseits mit exd5 die lange Diagonale h1-a8 zu öffnen.“ 8.dxe4 e5
„Schwach ist 8...Sd4?! 9.Sxd4 Dxd4 10.c3 mit einem wichtigen Tempoge-
winn für Weiß.“ (S. 101) 9.c3 „Überdeckt d4 und gewinnt mit b2-b4
Raum.“244 9....b6 10.Te1 a5 11.Dc2 Te8.
 Q004-MEGABASE, P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Sher
(2505) – Ebeling (2375), Helsinki 1992, 1-0 nach 7.e4 e5 „von Euwe emp-
fohlen“.
 P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Boyd (2370) – Bellini (2418),
Baden 1999, 0-1 nach 7.e4 e5 8.c3 a5 9.a4 Te8 10.Te1 h6 11.exd5 Sxd5
12.Sc4 Lf5 13.Ta3 „!? Mowsziszians ehrgeizige Idee: Der Turm soll über b3
ins Spiel eingreifen. 13.Db3 Lxd3 Am einfachsten […]“ 13…Dd7 14.Tb3 b6
„Nimmt dem Tb3 das Ziel weg. Nun fragt man sich, was der Tb3 eigentlich
dort will. Das einzige Zugeständnis von b6 ist die Schwächung der Diagona-
len h1-a8.“15.Tb5 „Damit geht Weiß natürlich ein erhebliches Risko ein,
denn der Turm bewegt sich auf feindlichem Territorium. Der Zug ist aber
konsequent, denn sonst wäre der Tb3 einfach schlecht plaziert.“ 15…Le6
„15…Lg4 16. h3 “ 16.Sfxe5 „Mit ruhigen Zügen ist Weiß nicht gedient.
16.Lxh6!? Lxh6 17.Sfxe5 Sxe5 18.Sxe5 Sd6 19.c4 Sb4 20.Lxa8 Txa8
21.d4 . Eine Hochspannungsstellung mit unsicherem Ausgang.“ 16…Sxe5
17.Sxe5 Lxe5 18.Txe5 c6 19.Tbxd5 „? Besser erscheint es, den Tb5 auf dem
Brett zu lassen: 19.Lxd5 Lxd5 (19…cxd5 20.Lxh6±) 20.Texd5 cxd5
21.Lxh6 “ 19…Lxd5 20.Txde5 „? Ein Qualitätsopfer war genug. 20.Txe8+
Txe8 21.Lxd5 Dxd5 (21…cxd5 22.Lxh6=) 22.Lxh6= Materiell sieht die Sa-
che nicht schlecht aus für Weiß; eine (direkte) Invasion in der e-Linie kann
unterbunden werden. Dennoch scheint mir, daß langfristig eher Schwarz über
Möglichkeiten verfügt, Ärger zu stiften.“
 FM Konikowski (2325) weist auf folgende Partie hin: Nairsh – O’siochru,
Novi Sad 1990, 0-1 mit folgendem kurzen Matt: 7.e4 e5 8.c3 a5 9.a4 h6
10.Kh1 [Weiß verlässt hier ohne Grund die eingeschlagene HV] 10…Le6
11.Sg1 Dd7 12.f4 Sg4 13.Sdf3 dxe4 14.dxe4 Dxd1 15.Txd1 Sf2#.245

243
Solange die Quellenangabe Qnnn nicht wechselt, gehören alle folgenden Spiegelstriche zu der
zuletzt genannten Quelle. Die Behandlung der Quellen erfolgt immer in aufsteigender Sortierfolge
der Qnnn-Numerierung.
244
In dieser Stellung gibt es für den Zug b2-b4 lediglich eine Referenzpartie auf GM-Niveau (Safin
– Vakhidov, 1993, 0-1).
245
Den Hinweis auf dieses Matt findet der Leser in der Partie Socko – Galkin, 1999, 0-1.

97
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 GM Mihail Marin (ELO 2541) kommentiert die folgende Variante in der


Partie Socko (2583) - Kristjansson (2461), Warschau 2005: 7.e4 dxe4
„Stronger is 7...e5 8.a3 a5 0-1 Socko, B (2543) - Galkin, A (2535)/Batumi
1999 […] as was played in a training game Geller - Botvinnik. Curiously,
Socko had his share of bitter experience against this old recommendation.”
8.dxe4 Sd7 „Played in hyper-modern fashion. Black probably disliked to
play the symmetrical position resulting after 8...e5. Indeed, White is not only
a tempo ahead, but has the more flexible development of pieces. He can ex-
pand with c3 and b4 or transfer the knight to d5.”
 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 182 ff mit der Variante: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Lg4
9.h3 Lxf3 10.Dxf3.
 Q016-HENLEY-MADDOX Auf S. 45-46 mit der Variante: 7.e4 dxe4 8.dxe4
e5 9.c3 De7 10.Te1 b6 11.a4 a5 12.Sc4. [Die Kommentierung der Züge ent-
spricht der in Q018-MADDOX, s. u.]
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 45 benennt die gleiche Variante (7.e4 dxe4
8.dxe4 e5 9.c3 De7 10.Te1 b6 11.a4 a5 12.Sc4) wie Ron Henley in Q016-
HENLEY-MADDOX (s.o.), die GM Henley in einer Experimentalpartie ge-
gen ein Schachprogramm spielte (Henley - Fritz, 1993, 1-0). Diese Variante
kam ebenfalls in der Partie Ivkov – Golombek, Venice 1966, 1-0, vor.
 Q018-MADDOX, s.p., („Basic 6“246) mit der Variante.: 7.e4 dxe4 8.dxe4
„Der Springer d2 schirmt die Dame ab.“ 8...e5 „Weiß ist noch immer einen
Zug voraus und plant Sc4 mit Druck gegen e5.“ 9.c3 „Zunächst lässt Weiß
den Gegner nicht nach d4.“ 9...De7 „Räumt d8 für den Turm und deckt e5.“
10.Te1 „Weiß stützt e4, damit sein Springer ungehindert nach c4 kann.“
10...b6 „Eröffnet dem Läufer Perspektiven auf b7 und a6.“ 11.a4 „Weiß
sichert c4 für seinen Springer und liebäugelt mit b4.“ 11...a5 „Stabilisiert den
Damenflügel.“ 12.Sc4 „Endlich besetzt Weiß das Schlüsselfeld“.
 Q045-TANGBORN, S. 13 mit der Partie L. Polugaevsky – J.F. Garcia,
Logrono 1991, 1-0 und der Fortsetzung: 7.e4 e5 8.c3 a5 9.a4 „Preventing the
cramping [einengend] ...a5-a4.“ 9...h6 „Polugaevsky recommends 9...dxe4
10.dxe4 b6 with equality.“ 10.exd5 Sxd5 11.Sc4 Te8 12.Te1.
 Q072-NORWOOD, S. 35 mit der Partie Stull (2235) – Miralles (2460), Lyon
1990, ½-½ und der Variante (S. 36): 7.e4 e5 8.c3 Te8.
 Q085-HALL, S. 6: 7.e4 e5 8.Te1 Te8 9.c3 a5 „White has the threatening 10
b4 capturing more territory on the queen’s side, as well as the thrust b5, un-
seating Black’s Queen Knight from its best square.” 10.exd5 Sxd5 11.a4
“White wants to play Nc4 without having to worry about being repulsed by

246
Don Maddox unterscheidet acht Basis-Aufstellungen im KIA, wobei „Basic 3“, „Basic 4“ und
„Basic 7“ nicht zu dem in diesem KIA-Buch beschriebenen Spielsystem gehören.

98
O1.01 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

…b5” 11...h6 12.Sc4 “so far as in Polugaevsky – Hübner, Büsum 1969; now
best for Black is” 12...Lf5 “After this the position favors White slightly. For
example White might consider playing” 13.Db3 „threatening Qxb7. If Black
then replies“ 13...Lxd3 “then” 14.Scxe5 Sxe5 15.Sxe5 Txe5 16.Txe5 Lxe5
17.Lxd5 „and White has regained the knight he sacrificed on his 14th move
and has achieved a powerful game with his centralized bishop on d5 threaten-
ing Black’s b7 on the Queenside and Black’s f7 on the Kingside. What better
illustration of the power of a centralized piece could be wished?”
 Q095-ECO, S.33 folgt zunächst der HV 7.e4 e5 8.c3 a5 und weicht dann ab
mit 9.exd5 Sxd5 10.a4 h6 11.Sc4 Te8 „ “.
 Q096-NCO, S. 15 folgt zunächst der HV 7.e4 e5 8.c3 a5 9.a4 h6, um dann
abzuweichen mit: 10.exd5 Sxd5 11.Sc4 Te8. Die entstehende Stellung wird
als „=“ eingeschätzt. Die Auswahl dieser seltenen Variante (kommt in 9 von
583 Partien vor) und die Bewertung der Endstellung stammt von GM Emms
(der diese Stellung allerdings in seinem 2005 herausgebrachten Buch Q063-
EMMS05 nicht bespricht).
 Q117-RYBKABOOK, s.p. Das Eröffnungsbuch gibt dem Aufbau O1.02 den
Vorzug, d.h. nachdem Weiß seinen Aufbau mit 6. Sbd2 erreicht hat sollte
Schwarz besser mit 6…c5 statt 6…Sc6 fortsetzen. In dem vorliegenden Stel-
lungsbild wird 7.e4 empfohlen und 7.c3 „verboten“.
 Q119-SUETIN, S. 171 f mit der Partie Botwinnik – O’Kelly, Budapest 1952,
1-0: 7.e4 dxe4 8.dxe4 e5 9.Te1 Te8 10.c3 „Die entstandene Struktur ist für
Weiß günstig. Schwarz hat vorzeitig die Zentrumsspannung aufgehoben und
dem Gegner dadurch freie Hand gelassen. Botwinnik visiert in der Folge den
Punkt d5 an.“ 10…Sd7 11.Dc2 Sc5 12.Lf1 [12. b4, um den Springer zu be-
fragen geht wegen 12…Dd3 nicht] 12…a5 13.b3 f5 „Eine weitere Ungenau-
igkeit. Notwendig war, mit 13…Le6 die Entwicklung abzuschließen.“
14.Lc4+ Kh8 15.La3 Lf8 „Dies verliert einen Bauern. Was aber sollte
Schwarz tun? Nach 15…b6 16.Ld5 Ld7 17.Lxc5 bxc5 18.Sc4 wäre seine
Stellung ohne jede Perspektive.“ [15…fxe4 / Sxe4 bzw. De7 endet alles mit
leichtem Vorteil für Weiß, aber gemäß Fritz11 besser als 15…b6 16.Lf7].

99
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O1.02 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 26 2509/2528 15/ 62/ 23 46/54
gSN 2100-2449 288 2283/2293 32/ 39/ 29 51/49
All ------------- 1218 2207/2223 32/ 31/ 37 47/53
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


05, 050%: 7.e4 Sc6 8.Te1 h6 9.c3 e5 (= 0.18)
03, 100%: 7.e4 Sc6 8.Te1 e6 9.c3 b6 (= -0.01)
03, 033%: 7.e4 Sc6 8.c3 e5 9.exd5 Sxd5(= 0.01)
03, 017%: 7.e4 Sc6 8.c3 e5 9.Db3 (= 0.15)
03, 067%: 7.e4 Sc6 8.exd5 Sxd5 9.Te1 b6 (= 0.03)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


17, 035%: 7.e4 Sc6 8.Te1 e5 9.c3 h6
20, 043%: 7.e4 Sc6 8.Te1 e5 9.exd5 Sxd5 10.Sc4
25, 062%: 7.e4 Sc6 8.Te1 e6 9.c3
33, 056%: 7.e4 Sc6 8.Te1 dxe4 9.dxe4
21, 062%: 7.e4 Sc6 8.Te1 b6 9.c3
54, 057%: 7.e4 Sc6 8.c3 dxe4 9.dxe4
15, 063%: 7.e4 e6

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


061, 55%: 7.e4 Sc6 8.Te1 e6 9.c3 b6
099, 41%: 7.e4 Sc6 8.Te1 e5 9.c3
106, 54%: 7.e4 Sc6 8.Te1 dxe4 9.dxe4
071, 41%: 7.e4 Sc6 8.Te1 h6
206, 53%: 7.e4 Sc6 8.c3 dxe4 9.dxe4
072, 41%: 7.c4

100
O1.02 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A08.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: IM Aleksei
Holmsten, ELO 2392, 6 Partien, 33% Erfolg.
 Nach 7.e4 Sc6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O1.05 nach
7.e4 0-0.
 Nach 7.e4 Sc6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O1.08 nach
7.e4 d5.
 Im Unterschied zu Typ O4.01 bringt Schwarz mit dem Läufer auf g7 einen
weiteren Verteidiger des Feldes e5.
 Weiß kann nach 7.e4 Sc6 mit 8.exd5 Sxd5 9.Te1 sofort die Spannung im
Zentrum aufheben und die halboffene e-Line besetzen. Die Alternative liegt
in der Aufrechterhaltung der Spannung im Zentrum mit 8.Te1 oder 8.c3.
Allerdings sind sich die Autoren hier – im Gegensatz zur Statistik – nicht
darüber im Klaren, welche der beiden Fortsetzungsmöglichkeiten die besse-
ren Perspektiven für Weiß liefert. Insbesondere ist bisher nicht deutlich her-
ausgearbeitet worden, warum Weiß nach 7.e4 Sc6 8.c3 e5 so miserabel punk-
tet.
 Den Versuch von Schwarz, seinerseits die Spannung im Zentrum nach 7.e4
Sc6 8.c3/Te1 mit 8…dxe4 aufzulösen, braucht Weiß aus Sicht der Statistik
nicht zu fürchten. Diese Spielweise des Schwarzen ist in der Praxis aber häu-
fig anzutreffen.
Beispielpartien
Zaichik (2484) - Kamsky (2671), Philadelphia 2006, A08, 0-1: 1.Sf3 Sf6 2.g3 g6 3.Lg2
Lg7 4.0-0 d5 5.d3 0-0 6.Sbd2 c5 7.e4 Sc6 8.c3 Lg4 9.h3 Lxf3 10.Dxf3 d4 11.c4 e5 12.Sb3
Dd6 13.Ld2 a5 14.a4 b6 15.Tae1 Tae8 16.Dd1 Sh5 17.Lf3 Sf6 18.Lg2 Sd7 19.f4 f5
20.exf5 gxf5 21.Dh5 Se7 22.Sc1 Kh8 23.Kh2 Dh6 24.Dd1 Dd6 25.Dh5 Dh6 26.Dd1 Dg6
27.Df3 Lh6 28.Tf2 Dg7 29.Db7 Sg6 30.Lc6 exf4 31.Dxd7 Txe1
Pelikan - Muhring, München 1936, A08, 1-0: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 g6 4.0-0 Lg7
5.d3 0-0 6.Sbd2 c5 7.e4 Sc6 8.Te1 dxe4 9.dxe4 e5 10.c3 De7 11.Dc2 b6 12.Sc4 Lb7
13.Ld2 Tfd8 14.Tad1 b5 15.Se3 Sxe4 16.Dxe4 Sd4 17.Dxb7 Dxb7 18.Sxd4 Dd7 19.Sc6
Te8 20.Lc1 De6 21.Sd5 Tac8 22.Sxa7 Da6 23.Sxc8 Dxc8 24.Lg5 Kh8 25.Sf6 Tf8 26.Sd7
Te8 27.Sxe5 Kg8 28.Sg4 Txe1+ 29.Txe1 Dxg4 30.Te8+ Lf8 31.Lh6 Dd1+ 32.Lf1

101
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 44f, bespricht folgende Variante: 7.e4 Sc6 8.c3
„Dies scheint effektiver zu sein als 8.Te1 […]“ 8...dxe4 9.dxe4247 h6 „Um
...Le6 spielen zu können, ohne Sg5 fürchten zu müssen.“ 10.De2 Le6 11.Se1
„Weiß plant Raumgewinn sowohl im Zentrum als auch am Königsflügel
durch f2-f4 und e4-e5.“
 Q004-MEGABASE, P. Horn (ELO 2295) kommentiert in der Partie Gior-
gadzedie – Bacrot, 1997, ½-½ die Variante 7.e4 Sc6 8.c3 e5 9.Te1 h6
10.exd5 Sxd5 11.Sc4 Te8 12.a4 wie folgt: „Ein häufiges Bild im Königsin-
dischen Angriff: Schwarz pocht auf seinen Raumvorteil, während Weiß ver-
sucht, Figurendruck (speziell auf den weißen Feldern) zu entwickeln.“
 P. Horn (ELO 2295) vermerkt in seiner Kommentierung zur Partie Bogdano-
vski (2495) – Cummings (2375), Pula 1997, 1-0 folgendes: 7.e4 Sc6 8.c3 b6
[HV setzt mit 8…e5 fort] 9.Te1 dxe4 10.dxe4 Lb7 11.Dc2 „11.e5 Mit dieser
Fortsetzung leitet Weiß einen gefährlichen Königsangriff ein. 11...Sd5
12.Da4 Sc7 13.Sg5 b5 14.Dh4 h6 15.Sdf3 f5 16.e6 hxg5 17.Sxg5 Tf6 18.Lf4
Dc8 19.Tad1 Sxe6? […] 20.Sxe6 Txe6 21.Txe6 Dxe6 22.Ld5+- Ost Hansen-
Cain/Luzern ol/1982.“ 11…Sd7 12.e5 „Der Einladung durch das gewagte
11...Sd7 kann Weiß nicht widerstehen.“ 12…Dc7 13.e6 fxe6 14.Se4 „Der
Rückgewinn des Mehrbauern ist nicht wichtig (der zählt sowieso nicht recht);
wichtig ist dagegen, alle Figuren im Spiel zu haben.“
 Q008-DUNNINGTON98, S. 144ff, Fianchetto System, bespricht die Partie
Dunnington - Gutman, Krumbach 1991, 1-0 mit der Variante: 7.e4 Sc6 8.c3
dxe4 „A logical choice. Black immediately clarifies matters in the centre and
can now concentrate on completing his development.” (S. 150) 9.dxe4 h6
10.De2 Le6 11.h3.
 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 210ff, mit den Fortsetzungen:
 7.c4
 7.e4 Sc6 8.exd5 Sxd5 9.Sc4
 7.e4 Sc6 8.Te1 dxe4 9.dxe4 e5 10.c3
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 93-94 kommentiert die Partie: Stein – Moisi-
eev, UdSSR 1970, 1-0, mit der Variante: 7.e4 Sc6 8.exd5 „better is 8.Te1 fol-
lowed by 9.c3 maintaining the tension“ 8...Sxd5 9.Sc4 “We now have a posi-
tion from the KID [King’s Indian Defense] g3 variation with colors reversed”
9...b6 10.a4 Lb7 “Black has developed his pieces without incurring [auf sich
laden] any weaknesses”.

247
Diese Variante ist auf dem gehobenen Spielniveau mit vergleichsweise vielen Partien (54) belegt
und mit 57%/43% statistisch gesehen erfolgreich. Diese Zugfolge hat im GM-Segment – vermutlich
wegen der guten Aussichten des Weißen - bisher keine Hauptvariante ausgebildet.

102
O1.02 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

 Q017-HENLEY-HODGES, S. 47, Nach 7.e4 Sc6 kommentiert IM Henley in


einer Experimentalpartie gegen das Schachprogramm Fritz (Henley - Fritz,
1993, 1-0) die Fortsetzung: 8.Te1 d4248 „?! In general I am opposed to releas-
ing the central tension without obtaining something tangible in return.“ 9.a4
“Thematical securing the c4-square for a knight.” 9…b6 10.Sc4 La6 11.Sfe5
“!? One of many reasonable alternatives white has at his disposal. With the
text I aim to activate my Bg2 and clear the way for my f-pawn to ad-
vance.[…]” 11…Sxe5 12.Sxe5 Lb7 13.f4 “ White has progressed on the
kingside while black has not obtained anything of significance on the
queenside.”
 Q022-SCHILLER, S. 76 (ausgehend von der Stellung nach 7.e4 Sc6) kriti-
siert FM Schiller: Smith & Hall „conclude [vgl. Q001-SMITH-HALL90,
S. 44f] that 8.c3 is better [than 8. Re1], but it would require a departure from
the usual strategy that is not justified by superior chances.“ 249
 Q031-WEINSTEIN, S. 17ff, this is “the setup which allows White to play a
pure King’s Indian Defence with colors reversed. Black must be very careful
as he is allowing White an extra tempo in a line that is completely playable
when adopted by Black. [...] Black’s move c5 establishes a ‘duo’ of pawns on
…c5 und …d5, controlling key central squares.” Besprochen wird die Vari-
ante: 7.e4 Sc6 8.c3 „A typical King’s Indian move. Black’s pieces are denied
use of the d4 square, and White’s queen gains access to the squares c2, b3
and a4” 8...d4 “Closing the center before White has a chance to favourably
play exd5” 9.cxd4 “White opens the c-file, intending to play on the
queenside. An alternate plan is to close the queenside by 9.c4, and then con-
centrate on enforcing f4.” 9...cxd4 10.a4 “White wants to place his knight at
c4, so he first rules out …b5.” 10...e5 11.Sc4 Se8 12.b4 „! Expanding on the
queenside and threatening b5. White would now welcome 12….Sxb4? as ei-
ther 13.La3, or 13.Sf3xe5 would be advantageous for White. It is foolish for
Black to exchange a valuable center pawn for a wing pawn.” (S. 18f, Pla-
chetka (2405) – Pribyl (2455), UdSSR 1974)
 Q032-HALL-CARTIER, S. 132 nach 7.e4 Sc6 in der Partie Vujadinovic -
Ivanovic, Cetinje 1993, 1-0 mit dem Kommentar: „Black has adopted the
Classical Fianchetto Variation - a tempo down. This designation comes from

248
Aktuellere Fritz-Versionen spielen statt 8...d4 den Zug 8...dxe4.
249
Wenn Schiller sich an den Hauptvarianten orientiert, ist seine Kritik zulässig, weil 8.Te1 im GM
Bereich häufiger vorkommt und erfolgreicher ist als 8.c3. Da beide Autoren aber Theorie und Praxis
nicht ausdrücklich auseinanderhalten, haben auch Smith & Hall Recht, denn die von ihnen benannte
Praxis-Variante mit 8.c3 dxe4 9.dxe4 ist in dem Stellungstyp O1.02 mit über 200 belegten Partien
die mit Abstand am häufigsten gespielte Variante und das mit einer ansehnlichen Erfolgsquote von
53%! Interessant ist, dass die GM auf 8.c3 die Antwort 8...e5 spielen, während moderne Schachengi-
nes (z.B. Shredder, Rybka, Fritz) keinen „Gedanken“ auf 8...e5 verschwenden.

103
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

White's line against the King's Indian Defense: i.e., 1.d4 Nf6 2.c4 g6 3.g3
Bg7 4.Bg2 0-0 5.Nf3 d6 6.0-0 Nbd7 7.Nc3 e5. Since the colors are inverted
in our game, a good way to describe the Situation is that White is playing a
King's Indian ‚Defense’ - but has a full extra move. Since the King's Indian
Defense is perfectly good for Black, some might think that with a whole ‚ex-
tra’ move this form of the KIA would automatically give White a definite ad-
vantage. Actually, theory gives Black approximately even chances [250]. But
this evaluation is tempered by the cautionary note that if Black ‚forgets’ he is
a tempo down, that is, tries to push for the initiative too hard, then he can cer-
tainly run into trouble. So with White the Classical Fianchetto against the
King's Indian Defense should allow White a slight plus; but with Black, if it
is played accurately it can equalize - but no more than that“ 8.c3 b6 9.Te1
“Reserving options of both e4-e5 as well as exd5. The first course gains
space, but closes up the position to some extent. The second course is more
active in the sense that it opens lines (the hl-a8 diagonal as well as the e-file).
Often the choice of plans is simply a matter of style more than any objective
considerations [Gesichtspunkte]” 9…dxe4 “Although this is playable, there
is a germ [Keim] of possible trouble in the fact that by exchanging off the d5-
pawn, the e4-square can sometimes be used by White's pieces (after e4-e5).
The continuation 9...e5 is possible though after 10.exd5 Nxd5 11. Nc4 White
has good play against Black's pawn center” 10.dxe4 Lb7 “?! Better was
10...Ng4” 11.e5 “As usual the push of the e-pawn to e5 allows White to
claim the initiative” 11...Se8 12.Da4 ”! A forceful idea. The White Queen is
headed for the Black Kingside to stir up attacking chances”.
 Ab S. 6 in der Partie Stein - Sokolsky, Odessa 1960, 1-0 mit der Hauptvarian-
te: 7.e4 e6 8.Te1 Sc6 9.c3 b6 „?! 9...dxe4!?“ 10.e5 „!“ Sd7 11.d4 f6 „?! This
attempt [Versuch] to challenge White’s center leads to a weakening of the
e5-square; better was 11...cxd4 12.cxd4 Ba6” 12.exf6 Dxf6 13.Sb3 La6
14.Le3 Lc4 15.dxc5 Lxb3 16.axb3 Sxc5 17.Sg5 Tfe8 18.b4 Sb7 19.Lxd5
“!” Tad8 20.Lxc6 “! A brilliant Queen sacrifice”.
 Ab S. 134 in der Partie Reshevsky - Sherwin, New York 1955, 1-0 mit der
Variante: 7.e4 e6 “Unusual, but playable. After 7...Nc6 and …e5 White
would have the typical King’s Indian option of playing for exd5, opening up

250
Dass die Königsindische Verteidigung (KID) für Schwarz „perfectly good“ ist eine oft wiederhol-
te, aber bisher nie belegte Behauptung. Tatsächlich kann KID, da im GM-Bereich statistisch nicht
erfolgreich - nicht zu den Eröffnungstheorien gezählt werden. Explizit in der angegebenen Tabija
1.d4 Nf6 2.c4 g6 3.g3 Bg7 4.Bg2 0-0 5.Nf3 d6 6.0-0 Nbd7 7.Nc3 e5 punktet Schwarz schlecht (1069
GM Partien, 59%/41%). Immerhin wird erkannt - wenn die Farben in der Stellung vertauscht werden
(Stellungstyp O1.02 plus 7.e4 Sc6 ist dann gegeben) - dass Weiß mit seinem „extra move“ nicht
automatisch bessere Aussichten hat. Die Aussage: “theory gives Black approximately even chances”
wird nicht weiter untermauert

104
O1.02 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

the e-file for pressure against Black’s e5-pawn, and the long-diagonal from
h1-a8. With 7...e6, Black is playing ultra stodgy [pampig, schwer verdaulich]
chess. But at the same time, this restrained approach certainly is not calculat-
ed to instill [beibringen] fear in KIA players!” 8.Te1 Sc6 “Now the position
somewhat resembles the Kasparov-Sicilian System, except that the King
Knight is on f6 instead of e7 and Black has castled early – which [...] can be
hazardous to Black’s health. On the other hand, with the Nf6 White cannot
push e4-e5 indiscriminately [wahllos, ohne Unterschied] as after Nfd7 the
point e5 is under more pressure than usual; e.g., 9.e5?! Nd7 10.Nb3 Nxe5 is
quite convenient for Black” 9.exd5 “Another way is 9.c3 with the idea of e5-
e5 and then d3-d4” 9...Sxd5 “If 9...exd5 then 10.d4! cxd4 11.Nb3 and Black
will remain with an isolated d-pawn. But after 9...Nxd5, White’s Queen
Knight will find a good post at c4” 10.Sc4 Dc7 11.a4 Te8 „?! This leaves the
f7-square weakened, a fact which Reshevsky later turns to account.“ 12.De2
“White’s plan is to establish a Knight outpost [251] on e5”.
 Q033-DUNNINGTON93, S. 117ff, kein Unterschied zu Q008-
DUNNINGTON98 (s.o.) In der Ausgabe von 1993 spricht A. Dunnington
nach 7.e4 Sc6 und 8.c3 h6 von „a common move, simply planning to develop
the queen’s bishop on e6 without having to be concerned about a future har-
assing Sg5” (S. 115) 9.Te1 Le6 [im GM-Bereich gibt es allerdings keine Par-
tie hierzu].
 Q045-TANGBORN, S. 22 nach 7.e4 Sc6 8.c3 e5 folgt in der Partie Hickl –
Lev, Bern 1990, 1-0: 9.Te1 h6 10.a4 Te8 11.exd5 Sxd5 12.Sc4 Sb6 „The
start of a very dubious plan. Better is 12…Bf5 as in Wade-Browne, Hastings
1972-73.”
 Q063-EMMS05, S. 156f, nach 7.e4 Sc6 folgt 8.c3 “Giving Black something
to think about, as now there is the very real possibility of playing e4-e5 fol-
lowed by d3-d4. Black has two main ways of continuing here: occupying the
centre with 8…e5 […], and exchanging on e4 with 8…dxe4 […].” (S. 157)
“Although c2-c3 leaves White with a weakness on d3, it’s still considered
worthwhile because the pawn on c3 keeps Black’s knights out of b4 and d4.”
(S. 159)
 S. 158f mit der Partie Foerster – Ullrich, Correspondance 1987, 1-0. 8...e5
9.exd5 “Not the only way to play the position, but the most active. White
gives up the centre but expects to obtain some action with his pieces and
some target practice on c5 and e5.” 9...Sxd5 10.Te1 Te8 11.Sc4 h6 „! This
little move is very important as it prevents a white piece (particularly a

251
GM Emms definiert: „An outpost is a square where it is possible to establish a piece that cannot
easily be attacked by opposing pawns.“ (Vgl. Q063-EMMS05, S. 17)

105
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

knight) coming to g5.“ 12.Db3 “!? Keeping up the pressure in the centre.
Another option here is to cement the knight’s placing on c4 with 12 a4 […].”
 S. 160f mit der Partie Vogt – Petursson, San Bernardino 1990, 0-1. 8...dxe4
„A less ambitious and safer move than 8…e5; Black releases the tension and
is happy not to have defend some central pawns.” 9.dxe4 Dc7 10.Te1 Td8
11.De2 „Preparing e4-e5; the immediate 11 e5? Only succeeds in losing a
pawn after 11...Ng4!“ 11...Sg4 „! Black takes White’s idea seriously and de-
cides to prevent it [...].“
 Q065-DZINDZICHASHVILI, s.p., mit der Variante: 7.e4 Sc6 8.Te1 e5 9.c3
Te8 10.exd5 Sxd5 11.Sc4 „creating certain pressure on the e5-pawn“.
 Q072-NORWOOD, S. 22, „[…] Black plays d5 and c5 […]. The extra Tem-
po is useful for White. Black has roughly even chances.” (S. 22)
 In dem Beispiel: Afifi (2400) – Mascarinas (2465), Manila 1990, 0-1 wird
fortgesetzt mit: 7.h3 „very dubious, disobeying [sich widersetzen] general
K.I. principles.“252 (S. 23)
 Nach Stellung 7.e4 Sc6 geht es in der Partie Matveeva (2360) – Anand
(2555), Prestwich 1990, 0-1 weiter mit: 8.Te1 b6 9.c3 e6 10.Sf1 „Anand
reached a comfortable position [...]. Maybe 10 e5 !? is better.“ (S. 23)
10...dxe4 11.dxe4 Dxd1 12.Txd1 La6 13.Sg5.
 S. 24 mit der Partie Davies (2475) – Gruenfeld (2530), Tel Aviv 1990, ½-½
folgt im Stellungsbild 7.e4 Sc6 die Variante: 8.Te1 d4 this move „should be
comfortable for White.“ (S. 23)
 Q085-HALL, S. 5-8: Black’s strategy is to maintain „a ‚duo’ of pawns on
…c5 and …d5 to control important center squares. As a result Black can re-
strain White from occupying important central squares. On the other hand,
White’s strategy actually embraces [annehmen] this Black idea to set up
pawn outposts in the center, for White has adopted a sort of crouching posi-
tion in the center [geduckte Stellung]. Specifically he intends to break up
Black’s pawn control of the center with the thrust [Vorstoß] e4. This directly
challenges 50% of Black’s center pawn control. White can at will liquidate
Black’s d5 by e4xd5, which has the additional good feature of giving more
scope on the h1-a8 diagonal for White’s King’s Bishop.” 7.e4 Sc6 8.c3
8...Lg4 “The idea behind […this] move is twofold: (1) Black completes the
development of his knights and bishops, and (2) at …g4 Black’s bishop pins
the White Knight against the Queen, thus limiting somewhat White’s mobili-
ty. The disadvantage of the move is that Black must be willing to exchange
this bishop for the White Knight, as otherwise, after the inevitable h3 he can
only retreat (in other words undeveloped!). The result of this exchange would

252
Diese „Prinzipien“ werden vom Autor Norwood nicht ausdrücklich angegeben.

106
O1.02 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

be that Black’s control of many of the white squares would be lessened, es-
pecially in view of the fact that White would still have his white-square bish-
op to exert pressure along them. There are 64 squares on the chessboard, 32
White and 32 Black; thus to gain greater influence on the white squares (or
black, as the case may be) means control of greater territory, which is usually
a significant advantage.”
 Q097-TAIMANOW-GUFELD, nach 7.e4 Sc6 8.Te1 werden folgende Vari-
anten betrachtet:
 S. 175: 8...b6 9.c3 dxe4 „In Anbetracht der Drohung e4-e5 nebst d3-d4 ist
dieser Abtausch praktisch erzwungen.“
 S. 176: 8...e5 9.exd5 „Sonst erlangt Schwarz mittels 9...d4 Raumvorteil.“
9...Sxd5 10.Sc4 „Weiß attackiert den Punkt e5. Ein andere Möglichkeit ist
10.c3, um mit 11.Db3 ein Druckspiel auf den weißen Feldern aufzubauen
[…].“ 10...Te8 11.c3
 S. 177: 8...h6 „Schwarz beabsichtigt Le6 nebst Dd7.“ 9.c3 dxe4 10.dxe4
Le6 11.De2 Sd7
 Q106-DAVIES, s.p., bespricht in seinem Video die Partie Yap (2425) – Bany
(2420), Balatonbereny 1985, 1-0: 7.e4 Sc6 „In this position it’s very difficult
to claim a forced edge for White mainly because of Black’s space but certain-
ly an interesting and playable position.“ 8.c3 “with the idea e5 followed by
d4” 8...e5 “Black’s best move; not so good is to prepare Be6 with 8...dxe4
9.dxe4 in this case the Black’s pawn on c5 was better on c7.” 9.Te1 “9.Db3
tries to gain space with tactical threads against d5; the best way to play for
Black is 9...dxe4 10.dxe4 h6 with the idea Be6 looking for the Queen on b3;
9.a4 this move is very interesting, it fulfils several requirements of White’s
position, first of all the pawn will support Nc4; the other idea is to push the
pawn onward to a5 9…d4 (9...h6 10.a5 dxe4 (10...Sxa5 11.Sxe5) 11.dxe4
Le6 12.De2 Dc7 13.a6 b6 14.Sc4) 10.Sc4” 9...d4 “9...h6 10.exd5 Sxd5
11.Sc4 Te8 12.a4 Lf5 (12...Sb6 13.Se3) 13.Sh4 Le6 14.a5” 10.cxd4 cxd4
11.Sc4 Se8 “11...Sd7 12.Sd6” 12.Db3 Sd6 13.Lg5 Lf6 14.Lxf6 Dxf6
15.Sxd6 Dxd6 16.Tec1 “And Black has got a few problems in this position
because he is behind in development and his King is looking a little bit
weak.” 16...Tb8 17.Dd5 Df6 “17...Dxd5 18.exd5”.
 Q117-RYBKABOOK, s.p. favorisiert die Fortsetzung: 7.e4 Sc6 8.exd5 die-
ser Zug wird zwar empfohlen, es gibt aber im berücksichtigten Partienbe-
stand der Quelle hierzu keine Belegpartien.253 8…Sxd5 9.Te1 hier endet die
Übereinstimmung mit der HV 9…Dc7 Ein neuer Zug, den J. Noomen (ELO

253
In der MegaBase 2008 sind 5 Partien (Erfolgstatistik: 60%/40%) auf GM-Niveau zu finden. (Vgl.
Q004-MEGABASE). Von den 5 Partien folgen vier der HV und setzen mit 9…b6 fort.

107
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

2199) hier empfiehlt. Die übliche Antwort 9…b6 ist in der Praxis für
Schwarz statistisch gesehen ungünstig.

108
O1.03 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

O1.03 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 14 2523/2531 36/ 50/ 14 61/39
gSN 2100-2449 64 2316/2302 42/ 36/ 22 60/40
All ------------- 260 2286/2311 33/ 32/ 35 49/51
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


03, 067%: 7.e4 Sbc6 8.c3 a5 9.a4 h6 10.exd5 Sxd5 11.Sc4 Te8 (=)
03, 050%: 7.e4 c6 8.Te1 ( 0.30)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


04, 038%: 7.e4 Sbc6 8.c3 a5 9.a4 h6 10.Te1
06, 050%: 7.e4 Sbc6 8.c3 h6 9.Te1
04, 063%: 7.e4 Sbc6 8.Te1 Te8 9.c3
07, 029%: 7.e4 Sbc6 8.exd5 Sxd5
05, 020%: 7.e4 c6 8.Te1 Dc7
04, 075%: 7.e4 c6 8.Te1 Sd7
04, 063%: 7.e4 d4 8.Sc4
06, 067%: 7.e4 dxe4 8.dxe4
04, 038%: 7.c4 Sbc6

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


24, 038%: 7.e4 Sbc6 8.c3 a5 9.a4 h6
18, 053%: 7.e4 Sbc6 8.c3 h6
14, 036%: 7.e4 Sbc6 8.Te1 h6
31, 035%: 7.e4 Sbc6 8.exd5 Sxd5
21, 043%: 7.e4 c6 8.Te1 Dc7
15, 040%: 7.e4 c6 8.c3
15, 057%: 7.e4 d4 8.Sc4
19, 074%: 7.e4 dxe4 8.dxe4
19, 039%: 7.c4 Sbc6
16, 047%: 7.c4 c6
17, 038%: 7.c3

109
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut, aber gegenüber
dem breiten Spielbereich noch zu optimistisch ausgeprägt.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07, B10.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: Claudio
Amado (†17.11.1983), ELO 2315, 4 Partien, 75% Erfolg.
 Nach 7.e4 Sbc6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O1.12 nach
7.e4 0-0.
 Die Zugfolge 7.e4 c6 mit der Fortsetzung 8.b4 (statt 8.Te1; „The sharpest
continuation and a great favorite of the late Soviet GM Leonid Stein.“ in:
Q017-HENLEY-HODGES, S. 3) wird in den Quellen vergleichsweise häufig
angesprochen. Da dieser Zug bisher nur in GM-Partien mit 1.e4 vorkommt,
gewinnt er in der Betrachtung des Mittelspiels an Kontur.
 Die Schwarze Zugfolge: 1.Sf3 d5 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4.0-0 e5 5.d3 Se7 wird
als „Pachman System“254 bezeichnet (nach 6.Sbd2 0-0 befinden wir uns im
KIA-Typ O1.03). Für GM Pachman sind hierzu sieben Partien belegt, in de-
nen er mit 36% „Erfolg“ allerdings schlecht abschneidet (vgl. z.B. Botvinnik
- Pachman, Leipzig 1960, A07, 1-0). Betrachtet man allerdings sämtliche
verfügbaren GM-Partien für die halbe Tabija des Schwarzen, dann handelt es
um eine Eröffnungstheorie aus Schwarzer Sicht (65 GM-Partien, ELO
2507/2533, 48/52%) mit acht unterschiedlichen weißen Antwortbildern und
Hauptvarianten. 255
Beispielpartien
Ghaem Maghami (2500) - Ganguly (2556), Doha 2003, A07, ½-½: 1.Sf3 d5 2.g3 g6
3.Lg2 Lg7 4.0-0 e5 5.d3 Se7 6.Sbd2 0-0 7.c4 Sbc6 8.Tb1 a5 9.b3 h6 10.cxd5 Sxd5
11.Lb2 Te8 12.a3 Sd4 13.e3 Sxf3+ 14.Sxf3 c5 15.Sd2 b6 16.Sc4 Tb8 17.Dd2 Sc7 18.f4
exf4 19.Lxg7 Kxg7 20.gxf4 Lb7 21.Tf2 Sb5 22.Tbf1 Sd6 23.f5 Sxc4 24.bxc4 Lxg2
25.Txg2 Dd6 26.fxg6 fxg6 27.Tgf2 De5 28.Tf7+ Kg8 29.e4 Dg5+ 30.Dxg5 hxg5 31.T7f6
Kg7 32.Tf7+ Kg8 33.Td7 Ted8 34.Td5 Kg7 35.a4 Tf8 36.Td7+ Kh6 37.Td6 g4 38.Txf8
Txf8 39.Txb6 Td8 40.Tb5 Txd3 41.Txc5 Tc3 42.Kf2 g5 43.Txa5 Txc4 44.Ta6+ Kg7
45.e5 Te4 46.Kg3 Txe5 47.Kxg4 Te2 48.h3 Tg2+ 49.Kf5 Tg3 50.Ta7+ Kf8 51.Th7 Ta3
52.Kf6 Ke8 53.Th8+ Kd7 54.Kxg5 Txa4 55.h4 Ke7 56.h5 Kf7 57.Kh6 Ta5 58.Tb8 Tc5
59.Tb6 Kg8 60.Kg6 Tc8

254
Vgl. hierzu z.B. http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3. Die Stellung wird auch als
„Pirc Defence Reversed“ bezeichnet.
255
Zum Verständnis möge der Leser noch einmal die Definitionen für ein Spielsystem im Vergleich
zu einem Theoriesystem zur Kenntnis nehmen.

110
O1.03 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Botvinnik - Pachman, Leipzig 1960, A07, 1-0: 1.g3 d5 2.Sf3 g6 3.Lg2 Lg7 4.0-0 e5
5.d3 Se7 6.Sbd2 0-0 7.e4 d4 8.a4 f6 9.Sh4 Le6 10.f4 Sd7 11.f5 Lf7 12.fxg6 hxg6 13.Lh3
Sc5 14.b4 Se6 15.Sc4 Sg5 16.Lxg5 fxg5 17.Sf3 Lxc4 18.dxc4 Lf6 19.Dd2 Kg7 20.Se1 a5
21.Sd3 b6 22.c5 Sc6 23.b5 Sb4 24.Sxb4 axb4 25.cxb6 cxb6 26.Dxb4 Le7 27.Dc4 Lc5
28.Kg2 Dd6 29.Le6 Txf1 30.Txf1 Tf8 31.Txf8 Dxf8 32.Dd5 Kh6 33.Lg4 Dd6 34.Kf3
Kg7 35.Dxd6 Lxd6 36.Ke2 Lb4 37.Kd3 Kf6 38.Kc4 Le1 39.Kd5 Lb4 40.Ld7 Le1 41.Le8
Lc3 42.Kc6

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 16 „Dies ist eine zuverlässige Verteidigung, die
die Vorzüge eines klassischen Bauernzentrums mit denen der hypermodernen
Fianchettierung des Königsläufers kombiniert. Der holländische Exweltmeis-
ter Max Euwe entwickelte dieses System zu einer soliden, doch aktiven Waf-
fe, dem Königsindischen Angriff entgegenzutreten. Oft tauscht Schwarz mit
...d5xe4, um das Zentrum zu stabilisieren, auch wenn es theoretisch möglich
ist, die Spannung aufrecht zu erhalten.“256
 S. 102f, mit der Variante: 7.e4 Sbc6 8.c3 a5 9.a4 Te8 10.Te1 h6 11.Dc2
„Nicht 11.Db3 Le6! Mit Vorteil für Schwarz, weil der b-Bauer wegen
12.Dxb7 Tb8 13. Da6 Tb6 mit Damenfang tabu ist.“
 Q004-MEGABASE, Einen schnellen Sieg konnte Weiß in der Partie Vasiu-
kov (2575) –Alburt (2450), Baku 1972, 1-0 erringen: 7.c3 a5 8.a4 b6 9.e4
Sbc6 10.exd5 Sxd5 11.Te1 Te8 12.Sc4 La6 13.Sg5 Dd7 14.Df3 Tad8
15.Sd6 Dxd6 [?? 15...cxd6] 16.Dxf7+ Kh8 17.Dxe8+ Txe8 18.Sf7+ Kg8
19.Sxd6.
 GM Lukacs kommentiert die Partie Tiviakov (2678) - L'Ami (2519), Leeu-
warden 2005, ½-½. Nach Erreichen des Stellungsbildes 7.e4 c6, geht weiter
mit: 8.b4 “!? Stein' recipe, White begins the fight for the dark squares on the
queenside, and later Bb2 may also come. (8.Te1)” 8...a5 “Black immediately
wants to corrupt White's pawn structure.”
 Q008-DUNNINGTON98, S. 87, in der Stellung 7.e4 c6 wird kommentiert:
8.Te1 „A popular continuation for White is to play b2-b4 here [...] to take
advantage of Black’s decision to voluntarily [freiwillig] close his king’s
bishop’s long a1-h8 diagonal.”257

256
Dass Schwarz …d5xe4 „häufig“ spielt, ist eine nicht fundierte Aussage. Es gibt bisher lediglich
eine einzige Partie im GM-Segment (Radjabov, Teimour (2650) - Azmaiparashvili, Zurab (2693),
Plovdiv 2003, ½-½). Im Praxisbereich existieren 23 Partien auf einem Durchschnittsniveau
2349/2299 und einer Erfolgsbilanz von 65%/35% für Weiß. Schwarz sollte diese Spielweise also
eher vermeiden. Tatsächlich wird so vergleichsweise selten gespielt!
257
Der Zug 8.b4 (11 GM-Partien mit 59%/41% Erfolg) geht bisher nennenswert nur aus Partien mit
1.e4 hervor (vgl. Stein – Haag, Tallinn 1969, 1-0). Die Zugfolge 7.e4 c6 8.b4 a5 9.bxa5 Dxa5 10.Lb2
ist eine Hauptvariante des KIA-Mittelspiels.

111
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 S. 166, mit Partie Petrosian, T.V. - Donner, Santa Monica, 1966, 1-0: 7.e4 c5
“?! White can profit from this ambitious claim to the centre, so better is
7...dxe4, or maintaining the tension with 7...Nbc6” 8.exd5 Sxd5 9.Sb3 “! Ra-
ther than play the normal 9 Nc4 Nc6 White punishes his opponent’s move
order by attacking the c-pawn.” 9…Sd7 “9…b6 is not possible as it opens the
long h1-a8 diagonal, which Black sets about clearing.”
 S. 166, nach 7.e4 d4 in der Partie Botvinnik - Pachman, Leipzig Olympiad
1960, 1-0, folgt: 8.a4 f6 9.Sh4 Le6 10.f4 Sd7 11.f5 Lf7 12.fxg6 hxg6
13.Lh3 “with a clear advantage to White.“
 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 23 ff, mit der Variante: 7.e4 c5.
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 185f mit der Partie Petrosian, T.V. - Donner,
1966, 1-0 und dem Zug 7.e4 c5 „?! Donner plays a setup that was popular
against the KID [King’s Indian Defense] in the 1950’s. Botvinnik was espe-
cially fond [vernarrt] of this system. If white does not achieve activity he can
slowly be squeezed [zerdrückt] by black’s space advantage.”
 Und auf S. 186f mit der Partie Botvinnik - Pachman, Leipzig 1960, 1-0 mit
den Kommentaren von Botvinnik: 7.e4 „White’s slight chances in this KIA
lie not just in the extra tempo also in the awkward [unangenehm] placing of
the black Ne7. If black should now continue 7…Nbc6 it would not be so easy
for white to claim an advantage.” 7...d4 “?! Prematurely [voreilig] releasing
the central tension without deriving anything positive in return.“ 8.a4 f6 “?!
This move too was not called for by the present circumstances. Now White
advantageously places his Knight on h4 and prepares f4, all the more since
…g5 would be met by Nh4-f5.”
 Q017-HENLEY-HODGES, auf S. 6 nach 7.e4 c6 8.c3 folgt in der Partien
Stein - Hort, Schweiz, 1967, 1-0258: 8...Sd7 9.b4 „Less active than 8.b4.
White prefers a slower buildup. [...] Stein pioneered in playing this space-
gaining queenside advance against the Caro-Kann“.
 Auf S. 3 (Stellung nach 7.e4 c6) wird 8.b4... (statt Te1) hervorgehoben: „The
sharpest continuation and a great favorite of the late Soviet GM Leonid Stein.
Now black’s most active continuation is” 8...a5 Beispielpartie: Stein –
Hartoch, Amsterdam 1969, 1-0.
 Q018-MADDOX, s.p. („Basic 5“ 259) bespricht den Stellungsaufbau nach:
7.e4 c6 8.c3 „Kontrolliert d4 und unterstützt eine Expansion am Damenflügel
mit b4“ 8...Sd7 9.b4.

258
In der Quelle wurde abweichend von der in der MegaBase gelisteten Partie „Los Angeles, 1968“
angegeben.
259
Don Maddox unterscheidet acht Basis-Aufstellungen im KIA, wobei „Basic 3“, „Basic 4“ und
„Basic 7“ nicht zu dem in diesem KIA-Buch beschriebenen Spielsystem gehören.

112
O1.03 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

 Die Partie Gelman – Lastin, Ekaterinburg 1996, ½-½, wird von IM Bangiev
kommentiert: 7.e4 c6 8.Te1 „!? Dieser Zug ist eine wichtige Alternative zu
8.b4 womit man sich dem Hauptabspiel nähert.“ 8…Sd7 „Das kritische Feld
e5 erfordert verlässlichen Schutz; jetzt aber wird die Entwicklung des Da-
menflügels gehemmt.“ 9.exd5 „Eine neue Idee.“ 9…cxd5 10.c4 d4 11.b4 “!
In einer typischen Benoni-Stellung mit vertauschen Farben hat Weiß nun ein
Mehrtempo.”
 Q022-SCHILLER, S. 64ff, “The Caro-Kann is a highly popular, solid de-
fense which is difficult to take by storm. By adopting the King’s Indian At-
tack against it, White signals that he is content [zufrieden] to start off with a
slow period of mobilization, after which, however, sparks [Funken] can real-
ly start to fly!” [Wenn 7.e4 c6 gespielt wurde. FM Schiller bespricht an die-
ser Stelle keine für das Stellungsbild relevante Partie].
 Ab S. 83, 7.e4 Sbc6 „In this system White has good chances because the
Ne7, though seemingly naturally posted, is actually misplaced. [...] 7...d4 is
not good, because after restraining [zurückhalten] the queenside White will
have a free hand on the kingside...“ 8.c3 a5 9.a4 Te8 10.Te1.
 Q031-WEINSTEIN, S. 21-24 “The fianchetto of the K-bishop is the most
popular of black’s many possibilities.”260 7.e4 c6 „Play is complex, and
White has good chances for gaining an advantage.“ 8.b4 “!? Popularized by
Stein, the text move is White’s most aggressive continuation. White wants to
play Bb2, without allowing …d4 followed by … c5, in response.” 8...a5
“Black immediately attacks White’s exposed” queenside knight-pawn.
9.bxa5 Dxa5 10.a4 “White anticipates a later …d4 and he secures the c4
square for his knight.” 10...Dc7 11.Lb2 d4 12.c3 dxc3 13.Lxc3 Td8 14.Sc4
f6 15.d4 „White’s central play gives him the advantage.“ (Vgl. Gufeld –
Sivokhin, UdSSR 1973, ½-½)
 Q045-TANGBORN, Auf S. 11 mit der Partie E. Vasiukov – L. Alburt, Baku
1972, 1-0 und der Fortsetzung: 7.c3 a5 8.a4 „It would be a mistake to allow
Black to play 8...a4 after which he would have a bind on the queenside in ad-
dition to his central superiority.“
 Auch auf S. 11 die Partie Botvinnik – Pachman, Leipzig 1960, 1-0. Mit
Kommentaren von Botvinnik selbst (aus „Botvinnik’s Best Games, 1947-
1970“). Hier folgt die Variante: 7.e4 d4 “Better is 7…Nbc6.” 8.a4 f6 „This
move too was not called for by the present circumstances. Now White advan-
tageously places his Knight on h4 and prepares f4, all the more since …g5 is
impossible because of Nf5.” 9.Sh4 Le6 10.f4 Sd7 11.f5… “Provoking a

260
Diese Aussage ist nicht richtig. Der Schwarze Bauernkeil (KIA Typ O3) und das Schwarze
Bauernduo d/e (KIA-Typ O5) wurden auf GM-Niveau bisher häufiger gespielt. Das Schwarze Fian-
chetto am Königsflügel folgt auf Platz drei der Beliebtheitsskala.

113
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

weakening of Black’s g6 and so guaranteeing control of the diagonal h3-c8.”


11...Lf7 12.fxg6 hxg6 13.Lh3 Sc5 14.b4 Se6 15.Sc4 Sg5 16.Lxg5 „At first
sight it might seem that this eases [erleichtern] Black’s defense. In actual fact
the position which soon arises with opposite-colored Bishops is favourable to
White as Black’s Bishop is limited in scope and his pawns weak.”
 Auf S. 12 mit der Partie Petrosian, T.V. – Donner, Santa Monica 1966, 1-0
und der Variante: 7.e4 c5 8.exd5 Sxd5 9.Sb3 „Forcing Black to defend his
c-pawn by placing his Knight on an awkward [unangenehm] square.”
 Auf S. 13 mit der Partie Polugaevsky – Mikenas, UdSSR 1968, ½-½ und der
Variante: 7.e4 dxe4 8.dxe4 b6 9.b3 La6 10.Te1 Sbc6 11.Lb2 Dd7 12.Sf1
„The Knight is moved to the better square e3 where it eyes the strongpoint
d5. Because of this, White has an edge [Vorteil] in this symmetrical posi-
tion.”
 Q063-EMMS05, S. 137f, die Stellung nach 7.e4 c6 findet sich in der Partie
Aronian – Khenkin, Bundesliga 2002, 1-0. Black’s „g7-bishop isn’t blocked
and the e5-pawn remains protected.“ (S. 138) “White has more than one way
of playing this position, but the one constant is Black’s e5-pawn, which can
expect a severe [ernsthaft] examination from White’s pieces.” 8.b4 „!? Gain-
ing space on the queenside and preparing to pepper the e5-pawn with Bb2.“
8...Sa6 “!? The more logical way to attack the b4-prong [Spitze] is with
8…a5!”.
 “White’s other main option here [after 7 e4 c6] is the more traditional” 8.Te1
“and now:” 8...d4 “and here White can prepare Nc4 by playing 9 a4, while
another option 9 c3!?, when 9…dxc3?! 10 bxc3 Qxd3 11 Ba3 Re8
12 Bf1 Qd8 13 Nc4 (Spiridonov) gives White very active piece play for the
sacrificed pawn.” (S. 139)
 Nach 7.e4 c6 8.Te1 Sd7 folgt in der Partie Gelman – Lastin, Ekaterinburg
1996, ½-½: 9.exd5 „!?“ cxd5 10.c4... „!, allowing Black to reach a Modern
Benoni structure with” 10...d4 “The game exploded into life after” 11.b4 h6
12.a4 g5 13.La3 Sg6 14.Se4 f5 15.Sd6 „when it was pretty obvious which
sides of the board White and Black were attacking.“
 Q085-HALL, S. 26-27: “In this variation Black […will] develop his K-
knight to e7 so as to allow his fianchettoed K-bishop greater influence in the
center.” 7.e4 c6 “Black wishes to fortify his center pawn on …d5 so that if
White plays exd5 then Black can maintain a pawn on …d5 with cxd5.” 8.b4
a5 9.bxa5 Dxa5 10.Lb2 d4 11.a4 Dc7 12.c3 “White plans on opening up
play on the queen side and center. […]” 12...dxc3 13.Lxc3 “White has the
better game because virtually all of his pieces are better placed than their
Black counterparts; especially noteworthy is Black’s laggard [zurück-
geblieben] queenside development. […]”

114
O1.03 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

 Q095-ECO, S.32 mit der Variante: 7.e4 Sbc6 8.c3 h6 9.Te1 a5 10.a4 Le6
„=”.
 Q105-HÜBNER, GM Hübner kommentiert261 seine Partie (Fischer - Hübner,
Palma de Mallorca 1970, ½-½) nach Erreichen des Stellungsbildes 7.e4 c6
wie folgt: 8.Te1 d4 „Auch 8...Sd7 ist hier häufiger gespielt worden.“ 9.a4
„9.c3 gefällt mir besser als 9.b3. Die Springer des Schwarzen sind unglück-
lich aufgestellt; Weiß ist bereit, die Stellung mit d3-d4 zu seinem Vorteil zu
öffnen.) 9...d4 10.Lb2 b5 11.c3 c5 12.Tc1 Lb7 mit gleichem Spiel: Fischer-
Hort, Siegen (Olympiade) 1970.“ 9...c5 „Dies ist eine solide Fortsetzung; es
entsteht eine Stellung von königsindischem Typus mit vertauschten Farben.
Schwarz hat mit c7-c6-c5 ein Tempo eingebüßt, aber der Königsturm des
Weißen steht auf e1 falsch. Zieht er zurück nach f1, so hat Weiß zwei Tempi
verschwendet. Zwar steht der Königsspringer des Schwarzen auf e7 nicht
ideal, doch mag er über c8 nach d6 gelangen. Die Fortsetzung 9...a5 scheint
mir schwächer zu sein. Im Augenblick kann 10.Sc4 mit 10...b5 beantwortet
werden, denn 11.Sce5: scheitert an 11...f6; aber Weiß spielt 10.De2 mit der
Absicht, 11.c3 folgen zu lassen. Schwarz wird sich früher oder später doch zu
c6-c5 bequemen müssen; dann zeigt sich, daß er mit 9...a5 lediglich die Fel-
der b5 und b6 geschwächt hat.“ 10.Sc4 Sbc6 11.c3 Le6 12.cxd4 Lxc4
„Schwarz fürchtet das Spiel des Weißen am Damenflügel und möchte auf d4
mit dem e-Bauern wiedernehmen. Bei sofortigem 12...exd4 führt 13.b3 zu
besserem Spiel für Weiß (13...a6 14.Sg5 ); Die Initiative des Weißen am
Damenflügel ist jedoch nicht so schrecklich; Schwarz kann ruhig 12...cxd4
spielen. Nach 13.Ld2 Sc8 hat Weiß die Wahl: 14.Sg5 (14.b4 Sd6 15.Sxd6
(15.b5 Sxc4 16.dxc4 ) 15...Dxd6 16.b5 Sb4 17.Db1 a5 18.bxa6 Sxa6 mit
völlig befriedigendem Spiel für Schwarz.) 14...Lxc4 15.dxc4 a5 Schwarz
plant Sc8-b6-d7-c5; er hat nichts zu fürchten. Auf 16.c5 folgt 16...b6. Indes-
sen führt auch der Textzug zu befriedigendem Spiel für Schwarz.“ 13.dxc4
exd4 „Auch jetzt noch kommt 13...cxd4 in Betracht. Nach dem Textzug er-
hält die Stellung des weißen Königsturmes auf e1 eine Rechtfertigung. Den-
noch verfügt Schwarz über ausreichendes Gegenspiel, weil der Damenflügel
des Weißen Schwächen aufweist. Er plant, mit Sc6-b4 nebst Se7-c6 fortzu-
setzen.“ 14.e5 „Dies ist ein nützlicher Zug. Weiß öffnet dem Läufer g2 eine
erfreuliche Aussicht und schließt den Läufer auf g7 ein. Unter manchen Um-
ständen hat auch der Vorstoß e5-e6 große Drohkraft.“ 14...Dd7 „Auf 14...Sb4
folgt 15.Sg5 d3 (15...Sec6 16.e6 f6 17.e7 Sxe7 18.Se6 und Weiß gewinnt die
Qualität. 15...Dc8 16.e6 f6 17.Sf7 Dieser Eindringling ist höchst unbequem;
Weiß dürfte entscheidenden Vorteil besitzen.) 16.Ta3 h6 17.Se4 Dc7 18.Sf6+

261
Die Erstveröffentlichung der Bearbeitung von GM Robert Hübner ist Erschienen in: „Deutsche
Schachblätter“ 1/1971, S. 3-4.

115
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Kh8 19.Lf4 Ich habe kein Vertrauen in die Stellung des Schwarzen.“ 15.h4
„15.Lf4 h6 Es drohte 16.Sg5. 16.h4 Tad8 könnte zu ähnlichen Bildern führen
wie der Textzug.“ 15...d3 „Schwarz hat Furcht vor der Initiative des Weißen
am Königsflügel und strebt deshalb nach sofortigem Gegenspiel im Zentrum.
Jedoch hätte er auch mit 15...h6 eine befriedigende Stellung erreichen kön-
nen: 16.Kh2 (16.Lf4 Tad8 17.Sd2 (17.Dd2 Kh7 18.b3 Sb4 der Absicht
19...Df5. Schwarz hat nichts zu befürchten.) 17...b6 mit etwa ausgeglichener
Stellung.) 16...De6 17.b3 Tad8 18.Lh3 Sf5 Jetzt scheitert 19.g4 an 19...Se3
20.fxe3 dxe3 21.De2 Lxe5+ Die Stellung des Weißen sieht nicht harmonisch
aus. Indessen ist auch der Textzug genügend für gleiches Spiel.“ 16.Ld2
Tad8 17.Lc3 Sb4 18.Sd4 „Weiß versucht, taktische Verwicklungen herbei-
zuführen. Nach 18.Lxb4 cxb4 19.Db3 Sc6 20.Tad1 Tfe8 wird der Bauer auf
e5 gegen den Bauern auf d3 getauscht werden, und es wird eine Remisstel-
lung entstehen.“ 18...Tfe8 „Schwarz hat mehrere sichere Fortsetzungen: I)
18...Dc8 19.Lxb4 cxb4 (19...Txd4 20.Lc3 Tdd8 21.Te3 führt zum Vorteil für
Weiß.) 20.Dxd3 Dc5 21.Tad1 (21.Sb3 wird mit 21...Dxf2+ beantwortet.)
21...Lxe5 22.Ld5 Lf6 mit gleichem Spiel.; II) 18...Sec6 [gefällt] mir noch
besser als 18...Dc8. 19.Sxc6 (19.e6 De7 20.exf7+ (20.Sxc6 bxc6) 20...Dxf7
21.Se6 Lxc3 22.bxc3 Dxf2+ 23.Kh2 Sc2 mit Vorteil für Schwarz.) 19...bxc6
mit gutem Spiel für Schwarz.“
 Q104-EVANS, S. 84-85 mit 7.e4 c6 „A critical position for assessing this
variation. Many moves have been tried to secure an advantage for White.“
 S. 84: 8.Te1 “is forcing since White threatens to win a pawn with exd.
Weaker is 8 exd cxd 9 Re1 Nc6. The idea of 8. Re1 is to prevent Black’s Nb1
from reaching its ideal post on c6, yet the Rook may get misplaced on e1 if
and when Black closes the center with …d4.”
 S. 85: 8.a4 “starts Queenside action without putting the Rook on e1, but it
gives Black a chance to develop his Bishop on e6 before blocking it with …
Nd7.”
 S. 85: 8.De2 “threatens exd, but the Queen may be misplaced.”
 S. 85: 8.b4 “!? is an active way to expand and prepare Bb2, but after” 8...a5
9.bxa Dxa5 “White must accept a weak a-pawn.”
 S. 85: 8.c3 “is in keeping with the spirit of White’s system idea is to delay
moving either the Rook or the Queen until Black commits himself to a defi-
nite course of action.”
 Q106-DAVIES, s.p., bespricht im Video die Partie Stein – Haag, Tallinn
1969, 1-0 und bescheinigt nach Stellung 7.e4 c6 „a really recommended

116
O1.03 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

setup for Black [262…] This is were Stein comes up with a remarkable strate-
gic idea.“ 8.b4 a5 9.bxa5 Txa5 10.Lb2 “Put pressure on the e5-pawn.”
10...Dc7 11.De2 „Stein intensify the pressure on e5.“ 11...d4 “After this
White is clearly better.” 12.c3 dxc3 13.Lxc3

262
Zu dieser Stellung gibt es 37 GM Partien (ELO-Schnitt 2536/2545) mit einer Erfolgsbilanz von
49/51%.

117
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O1.04 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 11 2545/2577 45/ 37/ 18 64/36
gSN 2100-2449 96 2292/2262 45/ 39/ 16 65/35
All ------------- 634 2156/2105 44/ 35/ 21 61/39
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


04, 050%: 7.e4 Lg4 8.h3 Lxf3 9.Dxf3 (= 0.22)
03, 083%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 (= 0.13)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


09, 050%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Sa6 9.De2 Sc5
10, 065%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Dc7
05, 090%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Lg4 9.h3 Lxf3 10.Dxf3 Sbd7
05, 040%: 7.e4 dxe4 8.Sxe4 Sxe4 9.dxe4
07, 057%: 7.e4 Lg4 8.h3 Lxf3 9.Dxf3
07, 036%: 7.e4 Sbd7
05, 070%: 7.e4 Sa6
06, 067%: 7.c3 Sbd7

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


45, 072%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Lg4 9.h3 Lxf3 10.Dxf3 Sbd7
34, 051%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Sbd7 9.De2 Sc5
38, 061%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Dc7 9.De2
44, 063%: 7.e4 Lg4 8.h3 Lxf3 9.Dxf3
32, 061%: 7.e4 Sbd7
45, 054%: 7.c3 Sbd7
49, 053%: 7.c4 Sbd7
37, 043%: 7.Te1

118
O1.04 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: FM Christof
Herbrechtsmeier, ELO 2300, 4 Partien, 62% Erfolg.
 Schwarz ist bestrebt, die weißen Felder in der eigenen Bretthälfte zu befesti-
gen und ein solides Bauernzentrum zu errichten und ist dafür bereit, sein
Läuferpaar aufzugeben. (Vgl. z.B. Q063-EMMS05, S. 141)
 Der sofortige Abtausch im Zentrum mit Öffnung der d-Linie (7.e4 dxe4
8.dxe4) ist statistisch betrachtet für Schwarz keine günstige Fortsetzung.
Beispielpartien
Kacheishvili (2605) - Gagunashvili (2560), Dubai 2006, A07, 1-0: 1.Sf3 d5 2.g3 c6
3.Lg2 Sf6 4.0–0 g6 5.d3 Lg7 6.Sbd2 0–0 7.e4 dxe4 8.dxe4 Lg4 9.h3 Lxf3 10.Dxf3 Sbd7
11.De2 e5 12.a4 a5 13.Sb3 Dc7 14.Le3 Tfd8 15.Tfd1 Sf8 16.h4 Se6 17.Lh3 Te8 18.Dc4
Tad8 19.Txd8 Dxd8 20.Ld2 Sd4 21.Lxa5 Da8 22.Lb6 Sxe4 23.Sxd4 exd4 24.Dd3 Sf6
25.Lg2 Sg4 26.a5 Se5 27.Db3 Sd7 28.Lc7 Dc8 29.Lf4 Le5 30.Ld2 Dc7 31.Te1 Sf6
32.Dc4 Td8 33.b4 Sg4 34.De2 h5 35.Lf3 d3 36.cxd3 Ld4 37.Lf4 Dd7 38.Lxg4 hxg4
39.Lg5 Dd6 40.Kg2 Lf6 41.Lxf6 Dxf6 42.Dxg4 Kg7 43.Dc4 Td4 44.Dc3 Td5 45.Tc1 Td4
46.Db2 Td6 47.Dxf6+ Kxf6 48.Kf1 Txd3 49.a6 bxa6 50.Txc6+ Kf5 51.Txa6 Tb3 52.Tb6
Tb1+ 53.Kg2 Tb2 54.Tb8 Kf6 55.b5 Tb3 56.b6 Kg7 57.g4 Kh7 58.f3 Tb5 59.Kg3 Tb4
60.Kf2 Tb3 61.Ke2 Kg7 62.b7 f5 63.gxf5 gxf5 64.h5 f4 65.h6+ Kh7 66.Kd2
Fischer (2780) - Ibrahimoglou (2290), Siegen 1970, A07, 1-0: 1.e4 c6 2.d3 d5 3.Sd2 g6
4.Sgf3 Lg7 5.g3 Sf6 6.Lg2 0-0 7.0-0 Lg4 8.h3 Lxf3 9.Dxf3 Sbd7 10.De2 dxe4 11.dxe4
Dc7 12.a4 Tad8 13.Sb3 b6 14.Le3 c5 15.a5 e5 16.Sd2 Se8 17.axb6 axb6 18. Sb1 Db7
19.Sc3 Sc7 20. Sb5 Dc6 21.Sxc7 Dxc7 22.Db5 Ta8 23.c3 Txa1 24.Txa1 Tb8 25. Ta6 Lf8
26.Lf1 Kg7 27. Da4 Tb7 28.Lb5 Sb8 29. Ta8 Ld6 30.Dd1 Sc6 31.Dd2 h5 32.Lh6+ Kh7
33.Lg5 Tb8 34.Txb8 Sxb8 35.Lf6 Sc6 36.Dd5 Sa7 37. Le8 Kg8 38.Lxf7+ Dxf7 39.Dxd6

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, nennt auf S. 55 und kommentiert auf S. 114-116 die
Partie Fischer (2780) - Ibrahimoglou (2290), Siegen 1970,1-0. Nach Errei-
chen des Stellungsbildes 7.e4 folgt in der Partie 7...Lg4: „Dieser Einfall führt
entweder zum Verlust des Läuferpaars oder zu Zeitverlust.“263 (Vgl. S. 114).
 Q008-DUNNINGTON98, kommentiert auf S. 96f die Partie Fischer (2780) -
Ibrahimoglou (2290) (nach 7.e4 Lg4): „Black develops his problem piece.“

263
Zur Untermauerung hier eine Beispielvariante der Schachengine Junior: 7.e4 Lg4 8.h3 dxe4
9.Sxe4 Lf5 10.De2 Sa6 11.Te1 Sxe4 12.dxe4 Le6. Der weißfeldrige Läufer des Schwarzen muss 3x
ziehen.

119
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 163ff, mit


 7.e4 Sbd7 und
 7.e4 Lg4 8.h3 Lxf3 9.Dxf3 e6 sowie
 7.e4 dxe4 8.dxe4 Sbd7.
 Q016-HENLEY-MADDOX, Ab S. 106 wird ebenfalls die Partie Fischer -
Ibrahimoglou kommentiert264: 7.e4 Lg4 „A typical plan is for black to sur-
render [preisgeben] the bishop on f3 and then play …e7-e6 to fortify [befes-
tigen] the light squares. In this case, black must look to expand on the
queenside to create play.”
 Außerdem wird die Partie Stein - Portisch, Moskau 1967, 1-0 besprochen.
Hier wurde nach dem Stellungsbild 7.e4 dxe4 8.dxe4 Sa6 fortgesetzt mit
9.e5 „! Establishing a central spearhead which gives white a space ad-
vantage“ (S. 105)
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 65 verweist unkommentiert auf die Partie
Fischer (2780) - Ibrahimoglou (2290), Siegen 1970, 1-0.
 Q018-MADDOX, s.p. kommentiert die Partie Fischer (2780) - Ibrahimoglou
(2290): „Dies ist eine wichtige Partie. Fischer wechselt ständig zwischen
Spiel am Königs- und am Damenflügel hin und her. Viele Spieler wählen den
KIA, weil sie gerne am Königsflügel attackieren, aber diese Eröffnung ist zu
vielseitig, als dass man sich nur auf eine Facette fixieren könnte.“ Nach 7.e4
wird 7...Lg4 kritisiert: „Entwickelt den Läufer vor die Bauernkette, hier aber
weniger effektiv, da diese Figur keine Rückzugsmöglichkeit am Königsflügel
hat.“ Wegen dem Fianchetto von Schwarz ist g6 belegt; in anderen Stellun-
gen ist 8.h3 Lh5 9.g4 Lg6 möglich.
 Q063-EMMS05, kommentiert auf S. 141-143 die Partie Fischer (2780) -
Ibrahimoglou (2290) nach 7.e4 Lg4: „Not the only move but a reasonable
one. Black’s idea is to give up the bishop pair and then erect a solid pawn
centre (or at least it should be – in this game something goes awry [schief]).”
(S. 141)
 Q095-ECO, S.33 mit der Hauptvariante: 7.e4 Lg4 8.h3 Lxf3 9.Dxf3 und der
Fortsetzung 9...e6 10.De2 Sa6 11.Sb3 Sd7 „ ”.
 Mit der Variante: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Dc7 9.De2 e5 „ “.
 Q096-NCO, S. 15 benennt die Hauptvariante 7.e4 Lg4 8.h3 Lxf3 9.Dxf3 mit
der Fortsetzung 9...e6 10.De2 a5 11.a4 Sa6 und sieht in der entstehenden

264
Der Vergleich der Kommentare in Q001-SMITH-HALL90 und Q016-HENLEY-MADDOX
liefert ein schönes Beispiel für die „Diskussion“ von Partien. Der Leser sollte immer die „Rahmen-
bedingungen“ solcher Kommentare im Auge behalten. So gibt es in diesem Beispiel - auf Grund von
„Vorlieben“ und wohl auch unterschiedlicher Spielstärke der Kommentatoren - Differenzen in der
Einschätzung des Läuferpaares.

120
O1.04 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Stellung „leichten Vorteil“ für Weiß. Die Variante und die Bewertung der
Endstellung stammen von GM Emms.
 Q106-DAVIES, s.p., bespricht in seinem Videolehrgang die Partie Stein –
Portisch, Moskau 1967, 1-0 mit der HV: 7.e4 dxe4 8.dxe4 „This position
looks fairly innocent. It’s almost [fast] symmetrical. The problem for Black is
that he hasn’t managed to get a pawn on e5 and this allows White within a
couple of moves to gain space by playing e5 himself.“ Fortsetzung in der
Partie: 8...Sa6 9.e5 Sd5 10.Sb3 „10.Se4 Lg4 with Black’s pressure on e5 this
is a little bit uncomfortable for White.“ 10...Lg4 11.De2 „maintains White’s
space advantage“ 11...Dc8 “the idea is to play the Bishop to h3” 12.Te1 Sac7
13.Ld2 f6 14.exf6 Lxf6 “If Black's recaptures on f6 with the pawn on e7
himself here then White has a clear advantage, e.g. after c4 then the Knight
can’t retreat to e7 because this is covered by the Queen. So exf6 is not a solu-
tion for Black. But if he takes with the Bishop then he is left with a slightly
weaken e-pawn and also three pawn islands against White’s two. So White
now is slightly better.”
 Q117-RYBKABOOK, s.p. folgt der ersten Hauptvariante: 7.e4 Lg4 also
nicht 7… dxe4 8.h3 Lxf3 9.Dxf3.

121
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O1.05 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 6 2503/2521 0/ 83/ 17 40/60
gSN 2100-2449 108 2270/2277 38/ 30/ 32 53/47
All ------------- 471 2184/2209 32/ 31/ 37 48/52
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


13, 058%: 7.e4 0-0 8.Te1265 ( -0.28)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


17, 035%: 7.e4 0-0 8.Te1 e5 9.c3 h6
20, 043%: 7.e4 0-0 8.Te1 e5 9.exd5 Sxd5 10.Sc4
25, 062%: 7.e4 0-0 8.Te1 e6 9.c3
33, 056%: 7.e4 0-0 8.Te1 dxe4 9.dxe4
21, 062%: 7.e4 0-0 8.Te1 b6 9.c3
54, 057%: 7.e4 0-0 8.c3 dxe4 9.dxe4

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


061, 55%: 7.e4 0-0 8.Te1 e6 9.c3 b6
099, 41%: 7.e4 0-0 8.Te1 e5 9.c3
069, 38%: 7.e4 0-0 8.Te1 e5 9.exd5 Sxd5
106, 54%: 7.e4 0-0 8.Te1 dxe4 9.dxe4
071, 41%: 7.e4 0-0 8.Te1 h6
206, 53%: 7.e4 0-0 8.c3 dxe4 9.dxe4

265
Die Typen 1.2 und 1.5 hätten eigentlich auch in einem einzigen Typ nach Stellung 7.e4 Sc6
(O1.02) bzw. 7.e4 0-0 (O1.05) mit der gemeinsamen Fortsetzung 8.Te1 besprochen werden können.
Da es in der zukünftigen Entwicklung aber möglich ist, dass sich weitere Hauptvarianten herauskris-
tallisieren, wären spätestens dann die Ausgangsstellungen wieder zu separieren. Wenn man den Typ
O1.08 betrachtet wird es deutlich: In der Praxis gibt es die Varianten 7.e4 d5 (dann hätte man O1.02
bzw. O1.05 erreicht) und 7.e4 d6. Die letzte Variante ist eine andere Behandlung der Ausgangstel-
lung, als die die mit Zugumstellung in O1.02 bzw. O1.05 übergeht.

122
O1.05 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A08.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Wolfgang
Uhlmann, ELO 2468, 5 Partien, 90% Erfolg.
 Nach 7.e4 0-0 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O1.02 nach
7.e4 Sc6.
 Nach 7.e4 0-0 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O1.08 nach
7.e4 d5.
Beispielpartien
Suttles (2470) - Uhlmann (2530), Skopje 1972, A08, 0-1: 1.g3 Sf6 2.Lg2 d5 3.d3 g6
4.Sd2 Lg7 5.Sgf3 c5 6.0-0 Sc6 7.e4 0-0 8.h3 e5 9.Te1 h6 10.a3 Te8 11.c3 Le6 12.Kh2 a6
13.b4 dxe4 14.dxe4 b5 15.Lf1 Db6 16.De2 Ted8 17.De3 Sd7 18.Tb1 cxb4 19.axb4 Dxe3
20.Txe3 Sb6 21.Ta1 f5 22.Td3 Sa4 23.Ta3 Lf8 24.Te3 f4 25.Td3 g5 26.Txd8 Txd8
27.Ta1 Sxc3 28.Txa6 Ld7 29.Lb2 Sxb4 30.Tg6+ Kh7 31.Tf6 Sba2 32.Ta6 Le8 33.Ta7+
Lg7 34.Tc7 b4 35.Lc4 Td7 36.Txd7 Lxd7 37.Sxe5 Lxe5 38.Lxa2 fxg3+ 39.fxg3 Sxe4
40.Lxe5 Sxd2 41.Ld5 Le6 42.Lc6 Lf5 43.Lf6 Le4 44.La4 Kg6 45.Lb2 Sf1+ 46.Kg1 Sxg3
47.Le8+ Kh7 48.Kf2 Sf5 49.Lf7 Sd6 50.Lb3 Lf5 51.Le5 Se4+ 52.Ke3 Sc5 53.Lc4 b3
54.Ld4 Le6 55.Lb5 Sd7 56.Ld3+ Kg8 57.Le2 Kf7 58.Lh5+ Ke7 59.Lg7 Sf6 60.Lg6 Lxh3
61.Kd3 Sg8 62.Kc3 Le6 63.Lh5 Lf7 64.Ld1 h5 65.Lxh5 Lxh5 66.Kxb3 Ke6 67.Kc3 Kf5
68.Kd2 Ke4 69.Ke1 Kf3 70.Kf1 Lf7 71.Kg1 Ld5 72.Kh2 Le4 73.Kg1 Ld5 74.Kh2 Lc6
75.Kg1 Lb7 76.Kh2 g4 77.Le5 Se7 78.Kg1 Sg6 79.Ld6 Sf4 80.Kf1 g3 81.Lc5 La6+

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 44f, bespricht die Stellung nach 7.e4 0-0 mit
folgender Variante: 8.c3266 „Dies scheint effektiver zu sein als 8.Te1 […]“
8...dxe4 9.dxe4 h6 „Um ...Le6 spielen zu können, ohne Sg5 fürchten zu müs-
sen.“ 10.De2 Le6 11.Se1 „Weiß plant Raumgewinn sowohl im Zentrum als
auch am Königsflügel durch f2-f4 und e4-e5.“
 Q004-MEGABASE, P. Horn (ELO 2295) kommentiert in der Partie Gior-
gadzedie – Bacrot, 1997, ½-½ nach 7.e4 0-0 die Variante 8.c3 e5 9.Te1 h6
10.exd5 Sxd5 11.Sc4 Te8 12.a4 wie folgt: „Ein häufiges Bild im Königsin-
dischen Angriff: Schwarz pocht auf seinen Raumvorteil, während Weiß ver-
sucht, Figurendruck (speziell auf den weißen Feldern) zu entwickeln.“
 P. Horn (ELO 2295) vermerkt in seiner Kommentierung zur Partie Bogdano-
vski (2495) – Cummings (2375), Pula 1997, 1-0 nach 7.e4 0-0 folgendes:

266
Diese Variante 7.e4 0-0 8.c3 dxe4 9.dxe4 ist auf dem gehobenen Spielniveau mit vergleichsweise
vielen Partien (54) belegt und mit 57% statistisch gesehen erfolgreich. Zu beachten ist, dass diese
Variante im GM-Segment bisher nicht vorkommt.

123
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

8.c3 b6 [HV setzt mit 8…e5 fort] 9.Te1 dxe4 10.dxe4 Lb7 11.Dc2 „11.e5
Mit dieser Fortsetzung leitet Weiß einen gefährlichen Königsangriff ein.
11...Sd5 12.Da4 Sc7 13.Sg5 b5 14.Dh4 h6 15.Sdf3 f5 16.e6 hxg5 17.Sxg5
Tf6 18.Lf4 Dc8 19.Tad1 Sxe6? […] 20.Sxe6 Txe6 21.Txe6 Dxe6 22.Ld5+-
Ost Hansen-Cain/Luzern ol/1982.“ 11…Sd7 12.e5 „Der Einladung durch das
gewagte 11...Sd7 kann Weiß nicht widerstehen.“ 12…Dc7 13.e6 fxe6 14.Se4
„Der Rückgewinn des Mehrbauern ist nicht wichtig (der zählt sowieso nicht
recht); wichtig ist dagegen, alle Figuren im Spiel zu haben.“
 Q008-DUNNINGTON98, S. 144ff, Fianchetto System, bespricht die Partie
Dunnington - Gutman, Krumbach, 1991, 1-0 nach Stellung 7.e4 0-0 mit der
Variante: 8.c3 dxe4 „A logical choice. Black immediately clarifies matters in
the centre and can now concentrate on completing his development.” (S. 150)
9.dxe4 h6 10.De2 Le6 11.h3.
 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 233ff listet nach 7.e4 0-0 8.c3 die Varianten 8...e6
/ h6 / Tb8 / d4 / Lg4 und nach 8...e6 9.Te1 d4 / b5 / Dc7
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 93 ff kommentiert die Partie: Stein – Moisie-
ev, UdSSR 1970, 1-0, (ausgehend von der Stellung nach 7.e4 0-0) mit der
Variante: 8.exd5 „better is 8.Te1 followed by 9.c3 maintaining the tension”
8...Sxd5 9.Sc4 … “We now have a position from the KID [King’s Indian De-
fense] g3 variation with colors reversed” 9...b6 10.a4 Lb7 “Black has devel-
oped his pieces without incurring [auf sich laden] any weaknesses”
(S. 94).
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 47, Nach 7.e4 0-0 kommentiert IM Henley in
einer Experimentalpartie gegen das Schachprogramm Fritz (Henley - Fritz,
1993, 1-0) die Fortsetzung: 8.Te1 d4267 „?! In general I am opposed to releas-
ing the central tension without obtaining something tangible in return.“ 9.a4
“Thematical securing the c4-square for a knight.” 9…b6 10.Sc4 La6 11.Sfe5
“!? One of many reasonable alternatives white has at his disposal. With the
text I aim to activate my Bg2 and clear the way for my f-pawn to ad-
vance.[…]” 11…Sxe5 12.Sxe5 Lb7 13.f4 “ White has progressed on the
kingside while black has not obtained anything of significance on the
queenside.”
 Q022-SCHILLER, S. 76 (ausgehend von der Stellung nach 7.e4 0-0) kriti-
siert FM Schiller: Smith & Hall „conclude [vgl. Q001-SMITH-HALL90, S.
44f] that 8.c3 is better [than 8. Re1], but it would require a departure from the
usual strategy that is not justified by superior chances.“ 268

267
Aktuellere Fritz-Versionen spielen statt 8...d4 den Zug 8...dxe4.
268
Wenn Schiller sich an der Hauptvariante 7.e4 0-0 8.Te1 orientiert, ist seine Kritik zulässig. Da
beide Autoren aber Theorie und Praxis nicht ausdrücklich auseinanderhalten, haben auch Smith &

124
O1.05 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

 Q031-WEINSTEIN, S. 17ff. This is “the setup which allows White to play a


pure King’s Indian Defence with colors reversed. Black must be very careful
as he is allowing White an extra tempo in a line that is completely playable
when adopted by Black. […] Black’s move c5 establishes a ‘duo’ of pawns
on …c5 und …d5, controlling key central squares.” Nach Erreichen des Stel-
lungsbildes 7.e4 0-0 wird wie folgt kommentiert: 8.c3 „A typical King’s In-
dian move. Black’s pieces are denied use of the d4 square, and White’s queen
gains access to the squares c2, b3 and a4” 8...d4 “Closing the center before
White has a chance to favourably play exd5” 9.cxd4 “White opens the c-file,
intending to play on the queenside. An alternate plan is to close the queenside
by 9.c4, and then concentrate on enforcing f4.” 9...cxd4 10.a4 “White wants
to place his knight at c4, so he first rules out …b5.” 10...e5 11.Sc4 Se8 12.b4
„! Expanding on the queenside and threatening b5. White would now wel-
come 12….Sxb4? as either 13. La3, or 13.Sf3xe5 would be advantageous for
White. It is foolish for Black to exchange a valuable center pawn for a wing
pawn.” (S. 18f, Plachetka (2405) – Pribyl (2455), UdSSR 1974)
 Q032-HALL-CARTIER, nach 7.e4 0-0 in der Partie Vujadinovic - B. Iva-
novic, Cetinje 1993, 1-0 auf S. 132 mit dem Kommentar: „Black has adopted
the Classical Fianchetto Variation - a tempo down. This designation comes
from White's line against the King's Indian Defense: i.e., 1.d4 Nf6 2.c4 g6
3.g3 Bg7 4.Bg2 0-0 5.Nf3 d6 6.0-0 Nbd7 7.Nc3 e5. Since the colors are in-
verted in our game, a good way to describe the Situation is that White is
playing a King's Indian ‚Defense’ - but has a full extra move. Since the
King's Indian Defense is perfectly good for Black, some might think that
with a whole ‚extra’ move this form of the KIA would automatically give
White a definite advantage. Actually, theory gives Black approximately even
chances.[269] But this evaluation is tempered by the cautionary note that if
Black ‚forgets’ he is a tempo down, that is, tries to push for the initiative too
hard, then he can certainly run into trouble. So with White the Classical Fian-
chetto against the King's Indian Defense should allow White a slight plus; but
with Black, if it is played accurately it can equalize - but no more than that.“

Hall recht, denn die von ihnen benannte Praxis-Variante mit 7.e4 0-0 8.c3 ist im Stellungstyp O1.05
eine der am häufigsten gespielten Varianten mit einer Erfolgsbilanz von über 50%.
269
Dass die Königsindische Verteidigung (KID) für Schwarz „perfectly good“ ist eine oft wiederhol-
te, aber bisher nie belegte Behauptung. Tatsächlich kann KID, da im GM-Bereich statistisch nicht
erfolgreich - nicht zu den Eröffnungstheorien gezählt werden. Explizit in der angegebenen Tabija
1.d4 Nf6 2.c4 g6 3.g3 Bg7 4.Bg2 0-0 5.Nf3 d6 6.0-0 Nbd7 7.Nc3 e5 punktet Schwarz schlecht (1069
GM Partien, 59%/41%). Immerhin wird erkannt - wenn die Farben in der Stellung vertauscht werden
(Stellungstyp O1.02 plus 7.e4 Sc6 ist dann gegeben) - dass Weiß mit seinem „extra move“ nicht
automatisch bessere Aussichten hat. Die Aussage: “theory gives Black approximately even chances”
wird nicht weiter untermauert

125
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

8.c3 b6 9.Te1 “Reserving options of both e4-e5 as well as exd5. The first
course gains space, but closes up the position to some extent. The second
course is more active in the sense that it opens lines (the hl-a8 diagonal as
well as the e-file). Often the choice of plans is simply a matter of style more
than any objective considerations [Gesichtspunkte]” 9...dxe4 “Although this
is playable, there is a germ [Keim] of possible trouble in the fact that by ex-
changing off the d5-pawn, the e4-square can sometimes be used by White's
pieces (after e4-e5). The continuation 9...e5 is possible though after 10.exd5
Nxd5 11. Nc4 White has good play against Black's pawn center” 10.dxe4
Lb7 “?! Better was 10...Ng4” 11.e5 “As usual the push of the e-pawn to e5
allows White to claim the initiative” 11...Se8 12.Da4 ”! A forceful idea. The
White Queen is headed for the Black Kingside to stir up attacking chances”.
 Ab S. 6 in der Partie L. Stein - A. Sokolsky, Odessa 1960, 1-0 nach 7.e4 0-0
8.Te1 e6 mit der Fortsetzung: 9.c3 b6 „?! 9...dxe4!?“ 10.e5 „!“ Sd7 11.d4 f6
„?! This attempt to challenge White’s center leads to a weakening of the e5-
square; better was 11...cxd4 12.cxd4 Ba6” 12.exf6 Dxf6 13.Sb3 La6 14.Le3
Lc4 15.dxc5 Lxb3 16.axb3 Sxc5 17.Sg5 Tfe8 18.b4 Sb7 19.Lxd5 “!” Tad8
20.Lxc6 “! A brilliant Queen sacrifice”.
 Ab S. 134 in der Partie Reshevsky - Sherwin, New York 1955, 1-0 nach
Erreichen der Stellung 7.e4 0-0 8.Te1 e6 kommentieren die Autoren “Now
the position somewhat resembles the Kasparov-Sicilian System, except that
the King Knight is on f6 instead of e7 and Black has castled early – which
[…] can be hazardous to Black’s health. On the other hand, with the Nf6
White cannot push e4-e5 indiscriminately [wahllos, ohne Unterschied] as af-
ter Nfd7 the point e5 is under more pressure than usual; e.g., 9.e5?! Nd7
10.Nb3 Nxe5 is quite convenient for Black” 9.exd5 “Another way is 9.c3
with the idea of e5-e5 and then d3-d4” 9...Sxd5 “If 9...exd5 then 10.d4! cxd4
11. Nb3 and Black will remain with an isolated d-pawn. But after 9...Nxd5,
White’s Queen Knight will find a good post at c4” 10.Sc4 Dc7 11.a4 Te8 „?!
This leaves the f7-square weakened, a fact which Reshevsky later turns to ac-
count“ 12.De2 “White’s plan is to establish a Knight outpost on e5”.
 In dieser Ausgabe von 1993 spricht A. Dunnington nach 7.e4 0-0 gefolgt von
8.c3 h6 von: „a common move, simply planning to develop the queen’s bish-
op on e6 without having to be concerned about a future harassing Sg5” (S.
115). [Allerdings gibt es im GM-Bereich gar keine Partie hierzu.]
 Q045-TANGBORN, S. 22 nach 7.e4 0-0 8.c3 e5 folgt in der Partien Hickl –
Lev, Bern 1990, 1-0: 9.Te1 h6 10.a4 Te8 11.exd5 Sxd5 12.Sc4 Sb6 „The
start of a very dubious plan. Better is 12…Bf5 as in Wade-Browne, Hastings
1972-73.”

126
O1.05 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

 Q063-EMMS05, S. 156f, nach 7.e4 0-0 folgt 8.c3 “Giving Black something
to think about, as now there is the very real possibility of playing e4-e5 fol-
lowed by d3-d4. Black has two main ways of continuing here: occupying the
centre with 8…e5 […], and exchanging on e4 with 8…dxe4 […].” (S. 157)
“Although c2-c3 leaves White with a weakness on d3, it’s still considered
worthwhile because the pawn on c3 keeps Black’s knights out of b4 and d4.”
(S. 159)
 S. 158f mit der Partie K. Foerster – J. Ullrich, Correspondance 1987, 1-0.
8...e5 9.exd5 “Not the only way to play the position, but the most active.
White gives up the centre but expects to obtain some action with his pieces
and some target practice on c5 and e5.” 9...Sxd5 10.Te1 Te8 11.Sc4 h6 „!
This little move is very important as it prevents a white piece (particularly a
knight) coming to g5.“ 12.Db3 “!? Keeping up the pressure in the centre.
Another option here is to cement the knight’s placing on c4 with 12 a4 […].”
 S. 160f mit der Partie L. Vogt – M. Petursson, San Bernardino 1990, 0-1.
8...dxe4 „A less ambitious and safer move than 8…e5; Black releases the
tension and is happy not to have defend some central pawns.” 9.dxe4 Dc7
10.Te1 Td8 11.De2 „Preparing e4-e5; the immediate 11 e5? Only succeeds
in losing a pawn after 11...Ng4!“ 11...Sg4 „! Black takes White’s idea seri-
ously and decides to prevent it [...].“
 Q065-DZINDZICHASHVILI, s.p., nach 7.e4 0-0 mit der Fortsetzung: 8.Te1
e5 9.c3 Te8 10.exd5 Sxd5 11.Sc4 „creating certain pressure on the e5-
pawn“.
 Q072-NORWOOD, S. 22. „[…] Black plays d5 and c5 thereby giving White
a reversed King’s Indian. The extra Tempo is useful for White. Black has
roughly even chances.” (S. 22)
 Nach Stellung 7.e4 0-0 geht es in der Partie Matveeva (2360) – Anand
(2555), Prestwich 1990, 0-1 weiter mit: 8.Te1 b6 9.c3 e6 10.Sf1 „Anand
reached a comfortable position [...]. Maybe 10 e5 !? is better.“ (S. 23)
10...dxe4 11.dxe4 Dxd1 12.Txd1 La6 13.Sg5.
 S. 24 mit der Partie Davies (2475) – Gruenfeld (2530), Tel Aviv 1990, ½-½
folgt im Stellungsbild 7.e4 0-0 die Variante: 8.Te1 d4 this move „should be
comfortable for White.“ (S. 23)
 Q085-HALL, S. 5-8: Black’s strategy is to maintain „a ‚duo’ of pawns on
…c5 and …d5 to control important center squares. As a result Black can re-
strain White from occupying important central squares. On the other hand,
White’s strategy actually embraces [annehmen] this Black idea to set up
pawn outposts in the center, for White has adopted a sort of crouching posi-
tion in the center [geduckte Stellung]. Specifically he intends to break up
Black’s pawn control of the center with the thrust [Vorstoß] e4. This directly

127
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

challenges 50% of Black’s center pawn control. White can at will liquidate
Black’s d5 by e4xd5, which has the additional good feature of giving more
scope on the h1-a8 diagonal for White’s King’s Bishop.” 7.e4 0-0 8.c3
8...Lg4 “The idea behind […this] move is twofold: (1) Black completes the
development of his knights and bishops, and (2) at …g4 Black’s bishop pins
the White Knight against the Queen, thus limiting somewhat White’s mobili-
ty. The disadvantage of the move is that Black must be willing to exchange
this bishop for the White Knight, as otherwise, after the inevitable h3 he can
only retreat (in other words undeveloped!). The result of this exchange would
be that Black’s control of many of the white squares would be lessened, es-
pecially in view of the fact that White would still have his white-square bish-
op to exert pressure along them. There are 64 squares on the chessboard, 32
White and 32 Black; thus to gain greater influence on the white squares (or
black, as the case may be) means control of greater territory, which is usually
a significant advantage.”
 Q097-TAIMANOW-GUFELD, nach 7.e4 0-0 8.Te1 werden folgende Vari-
anten betrachtet:
 S. 175: 8...b6 9.c3 dxe4 „In Anbetracht der Drohung e4-e5 nebst d3-d4 ist
dieser Abtausch praktisch erzwungen.“
 S. 176: 8...e5 9.exd5 „Sonst erlangt Schwarz mittels 9...d4 Raumvorteil.“
9...Sxd5 10.Sc4 „Weiß attackiert den Punkt e5. Ein andere Möglichkeit ist
10.c3, um mit 11.Db3 ein Druckspiel auf den weißen Feldern aufzubauen
[…].“ 10...Te8 11.c3
 S. 177: 8...h6 „Schwarz beabsichtigt Le6 nebst Dd7.“ 9.c3 dxe4 10.dxe4
Le6 11.De2 Sd7
 Q106-DAVIES, s.p., bespricht in seinem Video die Partie Yap (2425) – Bany
(2420), Balatonbereny 1985, 1-0: 7.e4 0-0 „In this position it’s very difficult
to claim a forced edge for White mainly because of Black’s space but certain-
ly an interesting and playable position.“ 8.c3 “with the idea e5 followed by
d4” 8...e5 “Black’s best move; not so good is to prepare Be6 with 8...dxe4
9.dxe4 in this case the Black’s pawn on c5 was better on c7.” 9.Te1 “9.Db3
tries to gain space with tactical threads against d5; the best way to play for
Black is 9...dxe4 10.dxe4 h6 with the idea Be6 looking for the Queen on b3;
9.a4 this move is very interesting, it fulfils several requirements of White’s
position, first of all the pawn will support Nc4; the other idea is to push the
pawn onward to a5 9…d4 (9...h6 10.a5 dxe4 (10...Sxa5 11.Sxe5) 11.dxe4
Le6 12.De2 Dc7 13.a6 b6 14.Sc4) 10.Sc4” 9...d4 [9...h6 10.exd5 Sxd5
11.Sc4 Te8 12.a4 Lf5 (12...Sb6 13.Se3) 13.Sh4 Le6 14.a5] 10.cxd4 cxd4
11.Sc4 Se8 [11...Sd7 12.Sd6] 12.Db3 Sd6 13.Lg5 Lf6 14.Lxf6 Dxf6
15.Sxd6 Dxd6 16.Tec1 “And Black has got a few problems in this position

128
O1.05 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

because he is behind in development and his King is looking a little bit


weak.” 16...Tb8 17.Dd5 Df6 “17...Dxd5 18.exd5”.
 Q117-RYBKABOOK, s.p. favorisiert nach 7.e4 0-0 die Fortsetzung 8.exd5
dieser Zug wird zwar empfohlen, es gibt aber im berücksichtigten Partienbe-
stand der Quelle hierzu keine Belegpartien.270 8…Sxd5 9.Te1 Dc7 Ein neuer
Zug, den J. Noomen (ELO 2199) hier empfiehlt. Die übliche Antwort 9…b6
schneidet in der Praxis schlecht ab.

270
In der MegaBase 2008 sind 5 Partien (Erfolgstatistik: 60%/40%) auf GM-Niveau zu finden. (Vgl.
Q004-MEGABASE). Von den 5 Partien folgen vier der HV und setzen mit 9…b6 fort.

129
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O1.06 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 4 2542/2549 75/ 25/ 0 88/12
gSN 2100-2449 5 2376/2386 0/ 80/ 20 40/60
All ------------- 24 2340/2350 38/ 33/ 29 54/46
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


07, 086%: 7.e4 Sbc6 8.Te1 (= 0.07)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


28, 055%: 7.e4 Sbc6 8.Te1
05, 090%: 7.e4 0-0 8.Te1 Sbc6 9.c3

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


25, 068%: 7.e4 Sbc6 8.Te1 0-0 9.c3
15, 067%: 7.e4 Sbc6 8.Te1 0-0 9.e5 Dc7 10.De2
19, 063%: 7.e4 Sbc6 8.Te1 b6 9.c3
14, 036%: 7.e4 Sbc6 8.Te1 h6

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen sehr gut. Die
Erfolgsaussichten sind auf Grund einer zu geringen Partienanzahl zu
optimistisch.271
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A08.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Ivan Zaja,
ELO 2489, 2 Partien, 50% Erfolg.
 Nach 7.e4 Sbc6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Stellung 1.7 nach
7.e4 Sge7.
 Eine frühe kurze Rochade des Schwarzen wird als Fehler eingestuft (vgl. z.B.
Q106-DAVIES), da Weiß zu e5 kommt und über den Standardplan Sf1-h4-

271
Die Suche nach ausgespielter HV liefert 90 GM Partien mit einer Erfolgsbilanz von 49%/51%.

130
O1.06 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Lf4-Sh2-Sg4 versucht die schwachen schwarzen Felder um den König des


Schwarzen herum auszubeuten.
Beispielpartien
Socko (2475) - Kengis (2570), Koszalin 1998, A08, 1-0: 1.g3 d5 2.Lg2 e6 3.Sf3 g6 4.0–0
Lg7 5.d3 Se7 6.Sbd2 c5 7.e4 Sbc6 8.Te1 b6 9.e5 Dc7 10.De2 0–0 11.Sf1 Sd4 12.Sxd4
cxd4 13.Lf4 Sc6 14.h4 La6 15.a3 Tac8 16.Sh2 Tfe8 17.Sg4 h5 18.Sh2 Se7 19.Tac1 Sf5
20.Lh3 Dd7 21.Sf3 Db5 22.b3 Tc3 23.Ld2 Tc7 24.Lxf5 exf5 25.Sxd4 Dc5 26.Le3 De7
27.f4 Tec8 28.Ld2 Lb7 29.Lb4 De8 30.a4 a6 31.Kh2 Tc5 32.a5 bxa5 33.Lxc5 Txc5
34.Ta1 Lc8 35.Dd2 Dd8 36.Ta2 Db6 37.Tea1 Lf8 38.c3 Le7 39.Se2 Tb5 40.Sd4 Tc5
41.De1 Lf8 42.Te2 Lg7 43.Tb1 Tc7 44.b4 a4 45.b5 a3 46.Tb3 Lf8 47.e6 Le7 48.exf7+
Kxf7 49.Sc6 Lf6 50.Se5+ Kg7 51.d4 axb5 52.Txa3 b4 53.Tb3 Da6 54.Txb4 Txc3 55.Ta4
Dxa4 56.Dxc3 Le6 57.Dc7+ Kh6 58.Dd6 Db5 59.Tg2 De8 60.Sf3 Dd7 61.Da6 Dc8
62.Dd6 Kg7 63.Te2 Lf7 64.Se5 Lg8 65.Ta2

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 25: „Zwei der stärksten Großmeister der Welt
sind der Jugoslawe Ljubojevic und der Weltmeister Garry Kasparov. Als sie
1983 aufeinander trafen, spielte Ljubojevic den Königsindischen Angriff [es
kam zur Stellung 7.e4 Sbc6] gegen Kasparov und verlor. Der schwarze Sieg
demoralisierte die Anhänger dieser Eröffnung 3 volle Jahre lang, bis dieses
theoretische Hindernis in der Partie Dvorecki – Vulfson, UdSSR 1986, über-
wunden wurde. Der Verlauf dieser beiden Partien ist eine Lehrstunde über
die Entwicklung der Theorie des Königsindischen Angriffs [...].“272
 Ab S. 25ff wird die Partie Ljubojevic (2645) – Kasparov (2690), Niksic
1983, 0-1 (nach Stellungsbild 7.e4 Sbc6) besprochen und zwar mit der Vari-
ante 8.Te1 „der übliche, gut spielbare Zug [...]. Wir werden aber 8.exd5 [...]
empfehlen.“ 8...b6 „Schwarz vermeidet klugerweise das natürliche 8...0-0,
worauf 9.e5 Weiß Vorteil gewährt.“ 9.h4 h6 10.c3 a5.
 Ab S. 28 folgt die Partie Dvorecki273 (ca. 2490) – Vulfson (ca. 2310), UdSSR
1986, ½ - ½ mit der Variante (nach 7.e4 Sbc6): 8.exd5 „! Eine wichtige theo-
retische Neuerung [274] Weiß ergreift im Zentrum die Initiative.“ 8...exd5

272
Diese Textstelle in Q001-SMITH-HALL90 gibt eines von vielen schlechten Beispielen in der
Literatur zum Thema Schach-„Theorie“. Bereits mit einer Partie kommt die „Theorie“ ins wanken.
Und mit einer weiteren (von - im Vergleich zur ersten Partie - eindeutig schwächeren Spielern) renkt
sich ohne erkennbare HV alles wieder ein. Meine Kritik richtet sich nicht gegen die Spieler oder die
Autoren als Schachspieler, sondern gegen ihre Verwendung und Interpretation des Materials.
273
Die Schreibweise des Namens variiert wie folgt: Dvorecki, Dvoretzky, Dvorietzky, Dworezki.
Dieses Problem der Schreibweise der Namen trifft auch auf viele andere Spieler zu.
274
Da die Autoren nicht festlegen, was sie unter einer (theoretischen) Neuerung verstehen möchten,
handelt es sich um in reine Behauptung.

131
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

9.d4 „! Ein vorübergehendes Bauernopfer, mit dem Weiß den Umstand aus-
nutzt, dass Schwarz die Entwicklung seines Königsflügels verbummelt hat.“
9...cxd4 10.Sb3 Db6 11.Lg5 „Dies ist zwar auch logisch, gibt Schwarz aber
eine Chance, das Gleichgewicht zu halten. Am besten war 11.Lf4! Mit der
Idee Ld6-c5 und einem kleinen, aber dauerhaften Plus für Weiß.“ 11...Sf5.
 Ab S. 68ff wird die Variante (nach Stellungsbild ab 7.e4 Sbc6) genannt:
8.exd5 „! ein relativ neuer und unerforschter Zug“ 2758...exd5 9.d4 cxd4
10.Sb3 Db6 gefolgt von 11.Lf4.
 Q004-MEGABASE, P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Damljano-
vic - Costa, 1991, 0-1 nach 7.e4 Sc6 8.Te1 und 8...0-0 „üblich ist die Zurück-
stellung der Rochade“.
 GM Lubomir Ftacnik und Don Maddox kommentieren die Partie Benjamin -
Eingorn, St John 1988, 1-0 nach dem Stellungsbild 7.e4 Sbc6 mit der Varian-
te: 8.Te1 h6 9.h4 „Nach einem sofortigen 9.e5?! g5! spielt Schwarz auf Un-
terminierung des Bauern e5“.
 Leko (2745) - Van Wely (2700), Amber-blind 10th Monte Carlo 2001, ½-½,
nach Erreichen des Stellungsbildes 7.e4 Sbc6 geht es in der Partie mit rasan-
tem Schlagabtausch weiter mit: 8.Te1 b6 9.h4 h6 10.De2 a5 11.e5 g5
12.hxg5 hxg5 13.Sxg5 Sxe5 14.Sdf3 S7g6 15.Sxe5 Sxe5 16.c4 Kf8 17.cxd5
exd5 18.Lf4 Lg4 19.f3 Ld7 20.Lxe5 Dxg5 21.Lxg7+ Kxg7 22. De5+ Dxe5
23.Txe5 Le6 […].
 Q006-DWORETSKI-JUSSUPOW95, S. 131ff listet acht Partien276 zur Stel-
lung nach der Hauptvariante 7.e4 Sbc6 8.Te1. Der „Zug e7-e6 (ist) nicht sehr
günstig für Schwarz“.
 Auf S. 135 mit der Partie Dworezki - Ubilawa, Tbilissi 1979, 1-0 7.e4 Sbc6
8.Te1 0-0 „?! Besser ist 8...b6“ 9.e5 „! Weiß verfolgt einen typischen An-
griffsplan: Sf1, h4, Lf4, Sh2-g4 usw. Im Unterschied zum System mit dem
Läufer auf e7 [vgl. KIA Typ O4.01/O4.02], hat es der Gegner hier schwerer
mit der Verteidigung, weil die schwarzen Felder seines Königsflügels durch
den Zug g7-g6 geschwächt wurden.“ Andererseits lohne es sich für Weiß
nicht, „den Bauern nach e5 vorzurücken, ehe Schwarz rochiert hat, weil sonst
das Gegenspiel h7-h6 und g6-g5 droht.“ (S. 136)
 S. 138: Der Bauerntausch auf d5 wird als „interessanter Zug“ angesehen (ab
Stellung 7.e4 Sbc6). Dvoretsky spielte in der Partie Dvoretsky - Vulfson,
Moskau 1986, ½- ½, die folgende Variante 8.exd5 exd5 9.d4 cxd4 10.Sb3
Db6 11.Lg5 und gibt an: „Stärker ist 11.Lf4! 0-0 12.Ld6 und 13.Lc5, und der

275
Im GM-Bereich gibt es bisher eine Partie mit 8.exd5: Tringov (2455) – Hulak (2450), Borovo
1980, ½-½.
276
Die Partien in dem Kapitel „Königsindisch aus der Sicht von Weiß“ (Q006-DWOREZKI-
JUSSUPOW95, S. 131ff) sind weitgehend leider nicht in der MegaBase verzeichnet.

132
O1.06 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Anziehende verfügt über die besseren Chancen“ (3-facher Angriff auf d4


inkl. Vertreiben der Dame von b6).
 Q008-DUNNINGTON98, S. 22 nennt ebenfalls die in Q001-SMITH-
HALL90, S. 68ff beschriebene Variante nach 7.e4 Sbc6 mit der Fortsetzung
8.exd5 exd5 „Black prefers to maintain his pawn centre because the alterna-
tive 8...Nxd5 grants White a dangerous initiative. […] 9 Nb3 b6 10 c4! Nde7
11 d4 cxd4 12 Nfxd4 Bd7 13 Bg5 f6 14 Be3 0-0 15 Qe2 e5 16 Nb5 Nf5 17
Rad1 Qe7 18 Rd2 Rac8 19 Rfd1 and Black was under pressure.“ (S. 23) 9.d4
cxd4 10.Sb3 Db6, [allerdings mit 11.Lg5 statt 11.Lf4 (vgl. S. 24), wie in der
Originalpartie Dvoretsky - Vulfson, 1986, ½-½277 gespielt].
 Nach Stellung 7.e4 Sbc6 8.Te1 („This normal developing move retains the
tension in the centre“ S. 26) folgt in der Partie Yudasin - Jukic, Bern, 1989,
1-0 8...b6 mit dem Hinweis: „More flexible than 8...0-0. Since the move ...b6
occurs quite frequently in this variation it seems correct to play it immediate-
ly and await White’s intensions. Interesting is 8….h6, hoping for the dubious
9.e5? g5! Followed by …Se7-g6, surrounding White’s e-pawn.” (S. 31) 9.h4
h6 “Otherwise White may push further h4-h5, which Black no longer has to
worry about because of the reply …g6-g5” 10.c3 a5 “! A good move, gaining
space on the queenside (also threatening …a5-a4) and preparing to flee from
dangerous h1-h8 diagonal. The latter could be fulfilled by …Ra8-b8, but
…Ra8-a7 is potentially more active.” (ebda.)
 Q015-CAISSA, Bd. III, S. 34ff, geht es nach 7.e4 Sbc6 8.Te1278 weiter mit:
 8...Dc7
 8...h6
 8...0-0
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 36ff, Schwarz hält die Diagonale a1-h8 für
seinen Läufer offen. Die schwarze Rochade nach 7.e4 Sbc6 8.Te1 wird mit
einem Fragezeichen versehen, weil “there’s no reason to rush the castle here”
(s. S. 37).
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 12-13 “[...] the KIA approach is most effec-
tive when the black Bc8 is locked in behind the pawn wall.” Besprochen wird
die Partie Ljubojevic - Kasparov, Niksic 1983, 0-1. Nach Erreichen der Stel-
lung 7.e4 Sbc6 folgt in der Partie: 8.Te1 b6 9.h4 h6 10.c3 “! A useful
prophylactic move […].” 10...a5 “!? This gains space on the queenside, and

277
Die „Partie, die der ganzen Welt die Korrektheit der weißen Eröffnungsstrategie vor Augen
führte“ (vgl. Q001-SMITH-HALL90, S. 27). Q022-SCHILLER macht sich über die Ansichten von
Q001-SMITH-HALL90 lustig (s. Q022-SCHILLER, S. 41). Die Partie ist nicht in der MegaBase
enthalten. Die komplette Partie findet sich kommentiert in Q008-DUNNINGTON98, S. 22 ff. Vgl.
auch Q006-DWOREZKI-JUSSUPOW95, S. 138 (die Partie ist hier allerdings unvollständig).
278
Die drei im GM-Segment gespielten Fortsetzungen sind: 8…b6 / 8…0-0 bzw. 8…Dc7.

133
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

allows black to develop his Ra8 to a7. On the negative side of the ledger is
the weak square created at b5.” 11.a4 Ta7 12.Sb3 “?! 12.exd5!? exd5
(12...Nxd5 13.Sc4 ) 13. Nb3! Yudasin-Jukic, Bern 1989.” 12...d4 „! Seizing
space in the center and limiting the scope of white’s pieces.“
 Auf S. 13 wird die Partie Benjamin - Eingorn, St John 1988, 1-0 in der Stel-
lung 7.e4 Sbc6 mit der Variante: 8.Te1 h6 9.h4 angegeben.
 Im Stellungsbild nach 7.e4 Sbc6 8.Te1 b6 spielt Kasparov gegen Bonin
(2450) in einer Simultanpartie (New York 1992) 9.Sf1 an „interesting mo-
ment, as Garry allows black to play for an endgame.“ (S. 14)
 Q018-MADDOX, s.p. („Basic 2“279), empfiehlt nach 7.e4 Sbc6 8.Te1 den
Zug 8...b6, denn „es gibt keinen Grund, sich hier mit der Rochade zu beeilen;
Schwarz hat noch immer einiges an Entwicklung zu erledigen. Auf diese
Weise hält er sich seine Möglichkeiten noch ein paar Züge lang offen.“
 Don Maddox sieht in der Partie Ljubojevic - Kasparov, Niksic, 1983, 0-1 im
Zug 12.Sb3 „?!“ eine Ungenauigkeit und im Zug 14.Ld2 „?“ einen Fehler im
weißen Spiel. Die Zugfolge dieser Variante ab 7.e4 Sbc6 lautet: 8.Te1 b6
9.c3 h6 10.h4 a5 11.a4 Ta7 12 Sb3 „?!“ d4 13.cxd4 cxd4 14.Ld2 „? Erfor-
derlich war 14.e5!?“.
 Q022-SCHILLER, S. 37ff, rät nach 7.e4 Sbc6 doch mit 8.Te1 auf Nummer
sicher zu gehen („Despite the negative judgement rendered by Smith & Hall,
this is still White’s best“, S. 37). Eric Schiller distanziert sich deutlich von
dem in Q001-SMITH-HALL90 gepriesenen 8.exd5 „This departure from the
normal scheme of things is thoroughly unwarranted and the hyperbolic praise
given to the line by Smith & Hall is just ridiculous [lächerlich].” (S. 40. Er
geht allerdings wie von Dvoretsky vorgeschlagen mit 11.Lf4 konform.)
 Q031-WEINSTEIN, S. 28f, nach 7.e4 Sbc6 8.Te1 b6 „Black doesn’t yet
commit himself as to the location of his king.” 9.a3 “Planning Rb1 followed
by b4 trying to undermine Black’s control of central squares. [...] but bad
here is 9.e5. After 9...Ba6 10.Nf1 Qc7 11.Bf4 h6! 12.h4 g5! 13.hxg5 hxg5
14.Bxg5 Ng6 Black has excellent chances. This variation is one of the major
reasons why Black has delayed castling.” (S. 29)
 Q032-HALL-CARTIER, S. 10ff. “Early Kingside castling by Black in this
Sicilian System is often ill-advised. Usually this is because White can then
push e4-e5, cramping [einengen] Black’s center and Kingside, thus creating
proper strategical preconditions for a steady increase of pressure there.” Nach
Stellung 7.e4 Sbc6 in der Partie Dvoretzky - Ubilava, UdSSR 1979, 1-0 (S.
13f) folgt: 8.Te1 0-0 9.e5 „?! This is not the right moment for this key pawn

279
Don Maddox unterscheidet acht Basis-Aufstellungen im KIA, wobei „Basic 3“, „Basic 4“ und
„Basic 7“ nicht zu dem in diesem KIA-Buch beschriebenen Spielsystem gehören.

134
O1.06 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

push. Correct is 9.h4 preventing ...g5 or 9. Qe2!?“ 9...Dc7 10.De2 a5 „?


Black is not aware of his opportunity to strike back effectively with 10...g5!,
which knocks out the props of the advanced e-pawn. No doubt he overlooked
this move because it seems to grossly violate the age-old tenet that ‘wild’
pawn advances in front of the castled King position are suicidal. But there are
exceptions to the general rule, as this game could have shown if Ubilava had
looked more closely at the particulars of the position. After 10...g5! Play
could have proceeded 11. Nxg5 (after 11.h3 Ng6 12. Nb3 h6 13. Nxc5 Ncxe5
we prefer Black, mainly because of his central pawn superiority) 11...Qxe5
12. Qxe5 Nxe5 13. Nf1 Nf5 and in the game Damljanovic - Georgadze, Bel-
grade 1992, White meekly [sanft, geduldig] acquiesced to a draw here.”
 Auf S. 18 nach Stellung 7.e4 Sbc6 geht es in der Partie Damljanovic - Lau-
tier, Pamplona 1992/93, ½-½ weiter mit: 8.Te1 b6 „This is the treatment pre-
ferred by many top players today. Black delays Kingside castling while set-
ting up conditions for counterplay on the Queenside and center, as the occa-
sion may demand.” 9.c3 „Blocking the action of the Bg7 and allowing possi-
bilities of a later e5 followed by d4, or even a3 and b4. However, Dolmatov
believes that 9. Nf1 is the best continuation for White. But best of all seems
to be the sharp 9.exd5!”.
 Auf S. 25 nach Stellung 7.e4 Sbc6 folgt in der Partie Pavlenko - Trubitsyn,
Correspondence 1988/91, ½-½: 8.Te1 b6 9.exd5 „! In true hypermodern
style, White gives up his central e-pawn in order to strike back at Black’s
center“ 9...exd5 10.d4 “!” 10…c4 „After 10...cxd4 11. Nb3 White recovers
his pawn with pressure against Black’s isolated d-pawn.“
 Auf S. 19 nach Stellung 7.e4 Sbc6 wird die Partie Dvoretsky - Vulfson,
UdSSR 1986, ½-½ zitiert: 8.exd5 „!! A theoretical novelty of great im-
portance. White exchanges in order to follow up with deep pawn sacrifice“
8...exd5 “After 8... Nxd5 9. Nb3 b6 10.c4 Nde7 11.d4 cxd4 12. Nfxd4 Bb7
13. Bg5 White has an initiative“ 9.d4 „!! A move of great strategic and tacti-
cal depth. The ideas are to exploit Black’s lagging development and to target
Black’s d-pawns“ 9...cxd4 “After 9...c4 10.c3 the Black d-pawn will be per-
manently fixed and thereby subject to increasing pressure from White’s piec-
es.” 10.Sb3 Db6 “?! After 10...Bg4 11.h3 Bxf3 12. Qxf3 0-0 13. Bf4, then
Rfe1 and Rad1 White has good positional compensation for he pawn – Dvo-
retsky” 11.Lg5 “Dvoretsky gives 11. Bf4! 0-0 12. Bd6 and Bc5 as stronger.“
 In der Partie Kaidanov - Saidy, World Open, 1995, 1-0 (S. 57) wird das Stel-
lungsbild 7.e4 Sbc6 8.Te1 über die Zugfolge: 1.e4 e6 2.d3 d5 3.Sd2 c5 4.g3
Sc6 5.Lg2 „A finessful order of moves which rules out 5….Bd6 – the Karpov

135
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

System”280 5…Sge7 6.Sgf3 g6 7.0-0 Lg7 8.Te1 erreicht. 8...Dc7 „? Planning


...0-0-0“281 9.exd5 „!“ exd5 10.d4 “!“ cxd4
 Q045-TANGBORN, S. 6 in der Partie Yudasin – Jukic, Bern 1989. 1-0 nach
Erreichen der Stellung 7.e4 Sbc6 folgt 8.Te1 b6 „If 8...0-0, then 9.e5 is
strong. [...] 8...b6 is better because it does not commit the position of the
King so early. If White now plays 9.e5, then Black replies 9…Qc7 10. Qe2
h6 11.h4 g5.” 9.h4 “Threatening to weaken Black’s kingside with h4-h5.”
9...h6 10.c3 “10.h5 is now bad because of 10…g5.” 10...a5 “To gain space
on the queenside as well as preparing to bring the Queen Rook into play via
a7, where it is no longer on the h1-a8 diagonal and can quickly transfer to
another file.” 11.a4 “Preventing the cramping …a5-a4 and also fixing the
weakness at b5.”
 Ebenfalls auf S. 6 folgt in der Partie Dolmatov – Sokolov, Manila 1990, 1-0
nach 7.e4 Sbc6 die Variante: 8.Te1 b6 9.c3 a5 10.Sf1 „On 10.a4, White was
worried about 10...d4, and not immediately 10.e5 due to 10…g5. The idea of
the text is to play 11.e5.” 10...dxe4 “Dolmatov considers 10…d4 to be better.
The endgame will be better for White.” 11.dxe4 Dxd1 12.Txd1 a4 “Other-
wise White fixes Black’s queenside weakness with 13.a4.”
 Q063-EMMS05, „There is a couple of good rerasons for developing this way
[from Black’s point of view]: firstly, Black’s fianchettoed bishop controls the
vital e5-square and thus puts pressure on White’s spearheading pawn if and
when it arrives there; secondly, the bishop also provides protection to Black’s
king if it castles short. The only real problem with …g7-g6 is that it does
weaken the dark squares on the kingside, and White can always hope to take
advantage of this later on. […] The knight sits well on e7: it neither blocks
the g7-bishop nor encourages [begünstigt] White to play e4-e5.” (Vgl. S. 33-
34)
 S. 40f mit der Partie Solomon – Szuveges, Suncoast 1999, 1-0. Im Bild nach
7.e4 Sbc6 geht es weiter mit: 8.Te1 b6 9.exd5 “!? A departure from the usual
plan e4-e5. In contrast to that push, this exchange in the centre is far more di-
rect, with White attempting to exploit Black’s unfinished developement and
the long h1-a8 diagonal.“
 Auf S. 43f mit der Partie Berry – Gershon, Dresden 2003, 0-1. Im Bild nach
7.e4 Sbc6 geht es weiter mit: 8.Te1 b6 9.c3 0-0 10.e5 „!? This is the move

280
Karpov-System (nach Q032-HALL-CARTIER, S. 106): 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d3 Sc6 4.g3 d5 5.Sbd2
Ld6 „This and Black’s following move introduce the Karpov System” 6.Lg2 Sge7 (vgl. die Partie
Sznapik-Karpov, Skopje, 1972, 0-1). Dieses Spielsystem aus Sicht des Schwarzen ist im GM-
Segment statistisch nicht erfolgreich (51%/49%).
281
Der Hinweis auf die große Rochade scheint hier zweifelhaft zu sein, da 0-0-0 trotz Verzögerung
der Rochade kein Thema ist.

136
O1.06 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

that 10...0-0 encourages, but Black can still hit out with …g6-g5. If White
wishes to avoid the following complications he can opt for something like 10
h4 or 10 Qe2.” 10...Dc7 11.De2 g5 “! […] There’s certainly some risk in-
volved in playing …g6-g5, but if Black plays ‘quietly’ there’s an even great-
er risk of slowly getting squashed on the kingside after h2-h4, Nf1, Bf4 and
N1h2-g4 etc.”.
 Auf S. 45f geht es im Bild nach 7.e4 Sbc6 und der Partie Kaidanov – Zapata,
New York 1993, 1-0 wie folgt weiter: 8.Te1 b6 9.c3 a5 10.a4 La6 „Hitting
the d3-pawn like this is extremely tempting [Versuchung], especially with the
insertion of the moves …a7-a5 and a2-a4 – Black no longer has to worry
about Qa4”.
 Q072-NORWOOD, S. 22: „[…] Black plays d5 and c5 thereby giving White
a reversed King’s Indian. The extra Tempo is useful for White. Black has
roughly even chances.”
 Nach 7.e4 Sc6 gibt GM Norwood die Partie Dolmatov (2615) – Sokolov
(2570), Manila 1990, 1-0 mit der Variante: 8.Te1 b6 9.c3 a5 10.Sf1.
 Q085-HALL, S. 28-30: The “passive looking move [e6] actually has deep
positional motive: Black refrains from building a broad pawn center, i.e., two
pawns placed on […] the K and Q file (…d5 and …e5), often in conjunction
with a Bishop Pawn on […c5 or f5], for such a center can become more of a
liability than an asset. […] The student might object at this point [with c5 and
d5] - - isn’t Black setting up a broad pawn center? The answer is no. Only a
pawn on the Q file or K file is a true center pawn. With the [… move c5]
Black does help control the center, but he does not occupy the […] K and Q
file with two Pawns, by definition the minimum requirement for a broad
Pawn center […].” 7.e4 Sbc6 8.Te1 b6 9.exd5 “A peculiar [eigenartig] fea-
ture of this variation is that White can not safely play 9 e5 […] i.e., 9 e5? Ba6
10 Nf1 Qc7 11 Bf4 h6!! (only now does Black’s counterpoint appear; White
faces the virulent threat …g5 winning the advanced KP [King Pawn e5]. It is
of great significance to note that Black’s aggressive use of his King’s side
Pawns is made possible by the fact that his King is not castled King side, thus
we can see the subtle idea behind Black’s delay in castling.) 12 h4 […] g5 13
hxg5 hxg5 14 Bxg5 Ng6, and Black has good attacking chances for the
pawn.” 9...exd5 10.c3 0-0 11.Sf1 Sf5 12.Lf4 Lb7 13.Dd2 Dd7 14.h3.
 Q094-EMMS01, S. 83 mit dem Stellungsbild 7.e4 Sbc6. „From g7 Black’s
fianchettoed bishop controls the vital e5-square, and thus puts pressure on
White’s spearheading pawn, if and when it arrives there. The bishop also
provides protection to the black king, if he castles short. On the other hand,
the move …g7-g6 does weaken the dark squares on the kingside, and White
can always hope to take advantage of this later on.”

137
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 A) S. 85: 8.Te1 „This flexible move, maintaining the tension in the centre, is
White’s most popular choice. Now Black must make an important decision:
whether to castle or to leave his king in the centre and develop elsewhere.
[e.g. 8...0-0 or 8...b6]”.
 B) S. 83: 8.exd5 „!? Immediately releasing the tension, White plans to open
the centre as quickly as possible, perhaps making use of Black’s uncastled
king. This is a deceptively tricky line, although Black should be okay, if he
knows what he’s doing.” 8...exd5 9.d4 “!? I believe this is an idea of the
well-known Russian International Master and trainer Mark Dvoretsky. White
offers a pawn to mess up Black’s pawn structure. If this pawn can be re-
gained then White usually keeps an advantage.”282
 Q096-NCO, S. 17 benennt nach 7.e4 Sbc6 8.Te1 und der Antwort 8…b6 die
Fortsetzungen, wobei die Varianten mit Bewertung der Endstellung von GM
Emms stammen:
 A) 9.exd5 Sxd5 10.d4 „!?“ cxd4 11.Sb3 Lb7 „=“.
 B) 9.h4 h6 10.c3 a5 11.a4 La6 „=“.
 Q097-TAIMANOW-GUFELD, S. 177, nach 7.e4 Sbc6 wird kommentiert:
„Schwarz beantwortet den königsindischen Aufbau des Anziehenden mit ei-
ner elastischen Figurenentwicklung, die ihm gute Aussichten im Zentrum
verspricht. Allerdings wird der schwarze Königsflügel etwas geschwächt.“
8.Te1 „Die Vorbereitung von f2-f4 durch 8.Sh4 0-0 9.f4 trifft auf starke Er-
widerung 9...f5!?, z.B. 10. ed ed 11.Te1 Dd6 12.Sdf3 Ld7 13.c3! d4! (auf
13...Tae8 ist 14.d4! mit Kontrolle des Punktes e5 stark) 14.c4 Tae8 mit kom-
pliziertem Spiel (Ciocaltea – Jansa, Belgrad 1977).“ 8...b6 „In Anbetracht der
Schwäche des Königsflügels gilt die kurze Rochade als verfrüht […].“
 S. 244-245 nach Stellung in der Hauptvariante 7.e4 Sbc6 8.Te1 folgte 8...b6
9.c3 in der Partie Minić - Marjanović, Bar 1980, 1-0. “Der weiße Plan ist of-
fensichtlich: Kontrolle über die zentralen Felder und Vorbereitung eines An-
griffs am Königsflügel. Ebenso möglich war 9.a3.” 9...La6 “!?” 10.Lf1 0-0
“beachtenswert ist auch 10...de” 11.e5 h6 “?! Dieser Zug war nicht notwen-
dig. Schwarz hat am Königsflügel keine Aussichten auf Gegenspiel, deshalb
war die Beendigung der Entwicklung mit 11...Dc7 logischer.”
 Q098-KEENE, S. 122-123, mit der Partie Hartston - Farago, Örebro 1966,
1-0. Nach Stellungsbild 7.e4 Sbc6 folgte ein Angriff des Weißen am Königs-
flügel. „Black’s idea in this variation is to alow White’s e-pawn to reach e5
and then concentrate fire on it from the Nc6, Bg7 and possibly Qc7“: 8.Te1
0-0 “? It is better not to give White a taget for attack so rapidly. Correct is

282
In der Praxis gibt es 118 Partien mit ungünstiger Statistik für Weiß (48%/52%). Im GM-Segment
existiert bislang lediglich eine Partie (Miroshnichko – Zubarev, Alushta 1999, 1-0). Dass die Zugidee
9.d4 auf IM Dvoretsky zurückgeht, steht außer Zweifel.

138
O1.06 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

8…b6!” 9.De2 b6 10.Sf1 La6 11.e5 Dd7 “11…Qc7 seems more logical”
12.h4 Tae8 13.S1h2 Sf5 14.Lg5 ”Underlining the weakness of the dark
squares f6 and h6” 14…h6 15.Lf4 c4 16.dxc4 Lxc4 17.Dd2 d4 “!? Rather
than submit to the passivity of 17… Kh7 18 Ng4 Black undertakes a risky
manoeuvre. Unfortunately he underestimated White’s attacking changes”
18.g4 “!” 18…Sxh4 19.Sxh4 g5 20.Lxg5 hxg5 21.Dxg5 Sxe5 22.Txe5 f6
“Possibly Farago had calculated no further than this. Hartston evidently had!”
23.Dg6 fxe5 24.Le4 Tf6 25.Dh7+ Kf8 26.g5 Tf5 “He has no choice”
27.S2f3 Kf7 28.Lxf5 exf5 29.Sxf5 Kf8 “Black’s moves lack point – Now
that the destruction of his K-side is complete he could have resigned with a
clear conscience” 30.Te1 Lg8 31.Dxg7+ Dxg7 32.Sxg7 Kxg7 33.Sxe5 Lxa2
34.f4 Tf8 35.Ta1 Ld5 36.Txa7+
 Q104-EVANS, auf S. 40 nach dem Stellungsbild: 7.e4 Sbc6 folgt mit einer
Anmerkung zur Partie Lein – Platonov, USSR 1967, 0-1: 8.Te1 b6 9.exd5
exd5 10.c3 0-0 11.Sf1 Sf5 12.Lf4 Lb7 13.Dd2 Dd7 “After 14 h3 the chances
were about equal, but White might try 14 Bh3 initiating a troublesome pin.”
[Q009-FRITZ11: 14.Se3 (-0.01), 14.h3 ( -0.53) und 14.Lh3 (m -0.92)]
 Q106-DAVIES, s.p., mit der Hauptvariante 7.e4 Sbc6 8.Te1. GM Davies
bespricht die Partie Kaidanov – Zapata, New York 1993, 1-0: “And again we
got the issue where, if Black doesn’t castles too early White should not hurry
with e5.” 8... b6 “Black who understand such things is waiting for White to
play e5. Lot of people who don’t understand this position in depth castles
kingside here. 8...0-0 9.e5 and 9...g5 is not possible here because it would
weaken Black’s kingside too much. 9...Qc7 10. Qe2 and White can now fol-
low up with Nf1-h4-Bf4-Nh2-Ng4 systematically trying to occupy the weak
squares around Black’s king.” [An dieser Stelle zeigt GM Davies beispielhaft
die Partie Ciocaltea – Ilijin, Romania 1976, A08, 1-0: 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d3
d5 4.Sbd2 Sc6 5.g3 g6 6.Lg2 Lg7 7.0-0 Sge7 8.Te1 0-0 9.e5 Dc7 10.De2 b6
11.Sf1 La6 12.Lf4 Tad8 13.h4 d4 14.S1h2 Sb4 15.Dd2 Tfe8 16.Sg4 Sed5
17.Lh6 Lh8 18.Lg5 Td7 19.a3 Sc6 20.Lf6 Sxf6 21.exf6 h5 22.Sh6+ Kf8
23.Sg5 Lxf6 24.Sh7+ Kg7 25.Sxf6 Kxf6 26.Sf5 exf5 27.Txe8 Kg7 28.Tae1
Sd8 29.Dg5 c4 30.Th8 Se6 31.Dh6+ Kf6 32.Te8] 9.c3 “9.e5 is quite a serious
mistake for White 9...Dc7 10. Qe2 g5 and the pawn on e5 is being under-
mind.” 9...a5 “To bring the Bishop behind the a-pawn.” 10.a4 “Hunting
down the b5-square and stopping further advance of Black’s queenside
pawns. With the possibility of Nb1-a3-b5.”
 Q117-RYBKABOOK, s.p. folgt der Hauptvariante: 7.e4 Sbc6 8.Te1.

139
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O1.07 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 3 2514/2515 67/ 33/ 0 83/17
gSN 2100-2449 43 2275/2292 42/ 23/ 35 53/47
All ------------- 140 2188/2227 43/ 21/ 36 53/47
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


07, 086%: 7.e4 Sge7 8.Te1 (= 0.07)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


04, 075%: 7.e4 Sge7 8.Te1 b6 9.c3 0-0
03, 050%: 7.e4 Sge7 8.Te1 b6 9.exd5 exd5 10.d4 0-0 11.dxc5 bxc5
03, 067%: 7.e4 Sge7 8.Te1 b6 9.a4
03, 083%: 7.e4 Sge7 8.Te1 0-0 9.h4
03, 017%: 7.e4 Sge7 8.Te1 h6 9.c3
03, 067%: 7.e4 Sge7 8.exd5 exd5 9.d4 cxd4 10.Sb3
03, 067%: 7.e4 Sge7 8.Sh4 b6 9.f4

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


11, 064%: 7.e4 Sge7 8.Te1 0-0 9.c3 b6
15, 067%: 7.e4 Sge7 8.Te1 0-0 9.e5 Dc7 10.De2
09, 044%: 7.e4 Sge7 8.Te1 b6 9.c3 h6
09, 044%: 7.e4 Sge7 8.c3 0-0 9.Dc2
10, 050%: 7.e4 Sge7 8.exd5 exd5
09, 056%: 7.e4 Sge7 8.exd5 Sxd5

140
O1.07 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen sehr gut. Die Erfolg-
saussichten sind auf Grund einer zu geringen Partienanzahl zu optimis-
tisch.283
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A08.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Sergey
Karjakin, ELO 2658, 2 Partien, 50% Erfolg.
 Nach 7.e4 Sge7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Stellung 1.6 nach
7.e4 Sbc6.
 Eine frühe kurze Rochade des Schwarzen wird als Fehler eingestuft (vgl. z.B.
Q106-DAVIES), da Weiß zu e5 kommt und über den Standardplan Sf1-h4-
Lf4-Sh2-Sg4 versucht die schwachen schwarzen Felder um den König des
Schwarzen herum auszubeuten.
Beispielpartien
Giorgadze (2555) – Conquest Stuart (2495), Calcutta 1994, A08, 1-0: 1.Sf3 c5 2.g3 g6
3.Lg2 Lg7 4.0–0 Sc6 5.d3 d5 6.Sbd2 e6 7.e4 Sge7 8.Te1 h6 9.c3 b6 10.h4 Lb7 11.De2
Dd7 12.Sf1 dxe4 13.dxe4 0–0–0 14.Se3 Dd3 15.Dxd3 Txd3 16.Lf1 Td7 17.Sc4 b5 18.Se3
a6 19.a4 c4 20.axb5 axb5 21.Sc2 f5 22.exf5 exf5 23.Le3 Sd5 24.Ld4 Sc7 25.Lxg7 Txg7
26.Sfd4 f4 27.Sxc6 Lxc6 28.Sd4 Ld7 29.Ta7 g5 30.h5 g4 31.gxf4 Tf8 32.f5 g3 33.f4 Kb8
34.Tea1 g2 35.Le2 Tf6 36.Lf3 Tb6 37.Se6

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 25: „Zwei der stärksten Großmeister der Welt
sind der Jugoslawe Ljubojevic und der Weltmeister Garry Kasparov. Als sie
1983 aufeinandertrafen, spielte Ljubojevic den Königsindischen Angriff [es
kam zur Stellung 7.e4 Sge7] gegen Kasparov und verlor. Der schwarze Sieg
demoralisierte die Anhänger dieser Eröffnung 3 volle Jahre lang, bis dieses
theoretische Hindernis in der Partie Dvorecki – Vulfson, UdSSR 1986, über-
wunden wurde. Der Verlauf dieser beiden Partien ist eine Lehrstunde über
die Entwicklung der Theorie des Königsindischen Angriffs [...].“284
 Ab S. 25ff wird die Partie Ljubojevic (2645) – Kasparov (2690), Niksic
1983, 0-1 (nach Stellungsbild 7.e4 Sge7) besprochen und zwar mit der Vari-
ante 8.Te1 „der übliche, gut spielbare Zug [...]. Wir werden aber 8.exd5 [...]

283
Die Suche nach ausgespielter HV liefert 90 GM Partien mit einer Erfolgsbilanz von 49%/51%.
284
Diese Textstelle in Q001-SMITH-HALL90 gibt eines von vielen schlechten Beispielen in der
Literatur zum Thema Schach-„Theorie“. Bereits mit einer Partie kommt die „Theorie“ ins wanken.
Und mit einer weiteren (von - im Vergleich zur ersten Partie - eindeutig schwächeren Spielern) renkt
sich ohne erkennbare HV alles wieder ein. Meine Kritik richtet sich nicht gegen die Spieler oder die
Autoren als Schachspieler, sondern gegen ihre Verwendung und Interpretation des Materials.

141
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

empfehlen.“ 8...b6 „Schwarz vermeidet klugerweise das natürliche 8... 0-0,


worauf 9.e5 Weiß Vorteil gewährt.“ 9.h4 h6 10.c3 a5.
 Ab S. 28 folgt die Partie Dvorecki285 (ca. 2490) – Vulfson (ca. 2310), UdSSR
1986, ½ - ½ mit der Variante (nach 7.e4 Sge7): 8.exd5 „! Eine wichtige theo-
retische Neuerung [286]. Weiß ergreift im Zentrum die Initiative.“ 8...exd5
9.d4 „! Ein vorübergehendes Bauernopfer, mit dem Weiß den Umstand aus-
nutzt, daß Schwarz die Entwicklung seines Königsflügels verbummelt hat.“
9...cxd4 10.Sb3 Db6 gefolgt von 11.Lg5 „Dies ist zwar auch logisch, gibt
Schwarz aber eine Chance, das Gleichgewicht zu halten. Am besten war
11.Lf4! Mit der Idee Ld6-c5 und einem kleinen, aber dauerhaften Plus für
Weiß.“ 11...Sf5.
 Ab S. 68ff wird die Variante (nach Stellungsbild ab 7.e4 Sge7) angegeben:
8.exd5 „! ein relativ neuer und unerforschter Zug“ 287 exd5 9.d4 cxd4 10.Sb3
Db6 gefolgt von 11.Lf4.
 Q004-MEGABASE, P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Branko
Damljanovic - Jean Luc Costa, 1991, 0-1 nach 7.e4 Sge7 8.Te1 und 8...0-0
„üblich ist die Zurückstellung der Rochade“.
 GM Ftacnik und Don Maddox kommentieren die Partie Benjamin - Eingorn,
St John 1988, 1-0 nach 7.e4 Sge7 8.Te1 mit der Variante: 8...h6 9.h4 „Nach
einem sofortigen 9.e5?! g5! spielt Schwarz auf Unterminierung des Bauern
e5“.
 Leko (2745) - Van Wely (2700), Amber-blind 10th Monte Carlo 2001, ½-½,
nach Erreichen des Stellungsbildes 7.e4 Sge7 geht es in der Partie mit rasan-
tem Schlagabtausch weiter mit: 8.Te1 b6 [die Suche dieses Stellungsbildes
ergibt 54 Partien im GM Bereich. Die drei häufigsten Fortsetzungen sind 9.c3
(24 Partien), 9.h4 (10) und 9.exd5 (9).] 9.h4 h6 10.De2 a5 11.e5 g5 12.hxg5
hxg5 13.Sxg5 Sxe5 14.Sdf3 S7g6 15.Sxe5 Sxe5 16.c4 Kf8 17.cxd5 exd5
18.Lf4 Lg4 19.f3 Ld7 20.Lxe5 Dxg5 21.Lxg7+ Kxg7 22. De5+ Dxe5
23.Txe5 Le6 […].
 Q006-DWORETSKI-JUSSUPOW95, S. 131ff listet acht Partien288 zur Stel-
lung nach der Hauptvariante 7.e4 Sge7 8.Te1. Der „Zug e7-e6 (sei) nicht sehr
günstig für Schwarz“.

285
Die Schreibweise des Namens variiert wie folgt: Dvorecki, Dvoretzky, Dvorietzky, Dworezki.
Dies ist sicherlich auch für andere Spielernamen ein Problem.
286
Da die Autoren nicht festlegen, was sie unter einer (theoretischen) Neuerung verstehen möchten,
handelt es sich um in reine Behauptung.
287
Im GM-Bereich gibt es bisher eine Partien mit 8.exd5: Tringov (2455) – Hulak (2450), Borovo
1980, ½-½.
288
Die Partien im Kapitel „Königsindisch aus der Sicht von Weiß“ (Q006-DWOREZKI-
JUSSUPOW95, S. 131ff) sind weitgehend nicht in der Mega-Base verzeichnet.

142
O1.07 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

 Auf S. 135 mit der Partie Dworezki - Ubilawa, Tbilissi 1979, 1-0 7.e4 Sbc6
8.Te1 0-0 „?! Besser ist 8...b6“ 9.e5 „! Weiß verfolgt einen typischen An-
griffsplan: Sf1, h4, Lf4, Sh2-g4 usw. Im Unterschied zum System mit dem
Läufer auf e7 [vgl. KIA Typ O4.01/O4.02], hat es der Gegner hier schwerer
mit der Verteidigung, weil die schwarzen Felder seines Königsflügels durch
den Zug g7-g6 geschwächt wurden.“ Andererseits lohne es sich für Weiß
nicht, „den Bauern nach e5 vorzurücken, ehe Schwarz rochiert hat, weil sonst
das Gegenspiel h7-h6 und g6-g5 droht.“ (S. 136)
 Der Zug 7...Sf6 statt Sge7 ist „offensichtlich schwächer“: 7...Sf6 „wegen der
Folge“ 8.exd5 Sxd5 (8...exd5 9.Te1+) 9.Sb3 b6 10.c4 Sc7 11.d4.
 S. 138: Der Bauerntausch auf d5 wird als „interessanter Zug“ angesehen (ab
Stellung 7.e4 Sge7). Dvoretsky spielte in der Partie Dvoretsky - Vulfson,
Moskau 1986, ½- ½, die folgende Variante 8.exd5 exd5 9.d4 cxd4 10.Sb3
Db6 11.Lg5 und gibt an: „Stärker ist 11.Lf4! 0-0 12.Ld6 und 13.Lc5, und der
Anziehende verfügt über die besseren Chancen“ (3-facher Angriff auf d4
inkl. Vertreiben der Dame von b6).
 Q008-DUNNINGTON98, S. 22 nennt ebenfalls die in Q001-SMITH-
HALL90, S. 68ff beschriebene Variante nach 7.e4 Sge7 mit der Fortsetzung
8.exd5 exd5 „Black prefers to maintain his pawn centre because the alterna-
tive 8...Sxd5 grants White a dangerous initiative. […] 9 Nb3 b6 10 c4! Nde7
11 d4 cxd4 12 Nfxd4 Bd7 13 Bg5 f6 14 Be3 0-0 15 Qe2 e5 16 Nb5 Nf5 17
Rad1 Qe7 18 Rd2 Rac8 19 Rfd1 and Black was under pressure.“ (S. 23) 9.d4
cxd4 10.Sb3 Db6, [allerdings mit 11.Lg5 statt 11.Lf4 (vgl. S. 24), wie in der
Originalpartie Dvoretsky - Vulfson, 1986, ½-½289 gespielt].
 Nach Stellung 7.e4 Sge7 8.Te1 („This normal developing move retains the
tension in the centre“ S. 26) folgt in der Partie Yudasin - Jukic, Bern, 1989,
1-0 8...b6 mit dem Hinweis: „More flexible than 8...0-0. Since the move ...b6
occurs quite frequently in this variation it seems correct to play it immediate-
ly and await White’s intensions. Interesting is 8….h6, hoping for the dubious
9.e5? g5! Followed by …Se7-g6, surrounding White’s e-pawn.” (S. 31) 9.h4
h6 “Otherwise White may push further h4-h5, which Black no longer has to
worry about because of the reply …g6-g5” 10.c3 a5 “! A good move, gaining
space on the queenside (also threatening …a5-a4) and preparing to flee from
dangerous h1-h8 diagonal. The latter could be fulfilled by …Ra8-b8, but
…Ra8-a7 is potentially more active.” (ebda.)

289
Die „Partie, die der ganzen Welt die Korrektheit der weißen Eröffnungsstrategie vor Augen
führte“ (vgl. Q001-SMITH-HALL90, S. 27). Q022-SCHILLER macht sich über die Ansichten von
Q001-SMITH-HALL90 lustig (s. Q022-SCHILLER, S. 41). Die Partie ist nicht in der MegaBase
enthalten. Die komplette Partie findet sich kommentiert in Q008-DUNNINGTON98, S. 22 ff. Vgl.
auch Q006-DWOREZKI-JUSSUPOW95, S. 138 (die Partie ist hier allerdings unvollständig).

143
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Q015-CAISSA, Bd. III, S. 34ff, geht es nach 7.e4 Sge7 8.Te1290 weiter mit:
 8...Dc7
 8...h6
 8...0-0
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 36ff, Schwarz hält die Diagonale a1-h8 für
seinen Läufer offen. Die schwarze Rochade nach 7.e4 Sge7 8.Te1 wird mit
einem Fragezeichen versehen, weil “there’s no reason to rush the castle here”
(S. 37).
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 12-13 “[...] the KIA approach is most effec-
tive when the black Bc8 is locked in behind the pawn wall.” Besprochen wird
die Partie Ljubojevic - Kasparov, Niksic 1983, 0-1. Nach Erreichen der Stel-
lung 7.e4 Sge7 folgt in der Partie: 8.Te1 b6 9.h4 h6 10.c3 “! A useful
prophylactic move […].” 10...a5 “!? This gains space on the queenside, and
allows black to develop his Ra8 to a7. On the negative side of the ledger is
the weak square created at b5.” 11.a4 Ta7 12.Sb3 “?! 12.exd5!? exd5
(12...Nxd5 13.Sc4 ) 13. Nb3! Yudasin-Jukic, Bern 1989.” 12...d4 „! Seizing
space in the center and limiting the scope of white’s pieces.“
 Auf S. 13 wird die Partie Benjamin – Eingorn, St John 1988, 1-0 in der Stel-
lung 7.e4 Sge7 mit der Variante: 8.Te1 h6 9.h4 angegeben.
 Im Stellungsbild nach 7.e4 Sge7 8.Te1 b6 spielt Kasparov gegen Bonin
(2450) in einer Simultanpartie (New York 1992) 9.Sf1 an „interesting mo-
ment, as Garry allows black to play for an endgame.“(S. 14)
 Q018-MADDOX, s.p. („Basic 2“), empfiehlt nach 7.e4 Sge7 8.Te1 den Zug
8...b6, denn „es gibt keinen Grund, sich hier mit der Rochade zu beeilen;
Schwarz hat noch immer einiges an Entwicklung zu erledigen. Auf diese
Weise hält er sich seine Möglichkeiten noch ein paar Züge lang offen.“
 Don Maddox sieht in der Partie Ljubojevic - Kasparov, Niksic 1983, 0-1 im
Zug 12.Sb3 „?!“ eine Ungenauigkeit und im Zug 14.Ld2 „?“ einen Fehler im
weißen Spiel. Die Zugfolge dieser Variante ab 7.e4 Sbc6 lautet: 8.Te1 b6
9.c3 h6 10.h4 a5 11.a4 Ta7 12 Sb3 „?!“ d4 13.cxd4 cxd4 14.Ld2 „ ? Erfor-
derlich war 14.e5!?“
 Q022-SCHILLER, S. 37ff, rät nach 7.e4 Sge7 doch mit 8.Te1 auf Nummer
sicher zu gehen („Despite the negative judgement rendered by Smith & Hall,
this is still White’s best“, S. 37). Eric Schiller distanziert sich deutlich von
dem in Q001-SMITH-HALL90 gepriesenen 8.exd5 „This departure from the
normal scheme of things is thoroughly unwarranted and the hyperbolic praise
given to the line by Smith & Hall is just ridiculous [lächerlich].” (S. 40. Er
geht allerdings wie von Dvoretsky vorgeschlagen mit 11.Lf4 konform.)

290
Die drei im GM-Segment gespielten Fortsetzungen sind: 8…b6 / 8…0-0 bzw. 8…Dc7.

144
O1.07 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

 Q031-WEINSTEIN, S. 28f, nach 7.e4 Sge7 8.Te1 b6 „Black doesn’t yet


commit himself as to the location of his king.” 9.a3 “Planning Rb1 followed
by b4 trying to undermine Black’s control of central squares. [...] but bad
here is 9.e5. After 9...Ba6 10.Nf1 Qc7 11.Bf4 h6! 12.h4 g5! 13.hxg5 hxg5
14.Bxg5 Ng6 Black has excellent chances. This variation is one of the major
reasons why Black has delayed castling.” (S. 29)
 Q032-HALL-CARTIER, S. 10ff, “Early Kingside castling by Black in this
Sicilian System is often ill-advised. Usually this is because White can then
push e4-e5, cramping Black’s center and Kingside, thus creating proper stra-
tegical preconditions for a steady increase of pressure there.” Nach Stellung
7.e4 Sge7 in der Partie Dvoretzky - Ubilava, UDSSR 1979, 1-0 (S. 13f) mit
der Fortsetzung: 8.Te1 0-0 9.e5… „?! This is not the rigth moment for this
key pawn push. Correct is 9.h4 preventing ...g5 or 9. Qe2!?“ 9...Dc7 10.De2
a5 „? Black is not aware of his opportunity to strike back effectively with
10...g5!, which knocks out the props of the advanced e-pawn. No doubt he
overlooked this move because it seems to grossly violate the age-old tenet
that ‘wild’ pawn advances in front of the castled King position are suicidal.
But there are exceptions to the general rule, as this game could have shown if
Ubilava had looked more closely at the particulars of the position. After
10...g5! Play could have proceeded 11. Nxg5 (after 11.h3 Ng6 12. Nb3 h6
13. Nxc5 Ncxe5 we prefer Black, mainly because of his central pawn superi-
ority) 11...Qxe5 12. Qxe5 Nxe5 13. Nf1 Nf5 and in the game Damljanovic-
Georgadze, Belgrade 1992, White meekly [sanft, geduldig] acquiesced to a
draw here.”
 Auf S. 18 nach Stellung 7.e4 Sge7 geht es in der Partie Damljanovic - Lau-
tier, Pamplona 1992/93, ½-½ weiter mit: 8.Te1 b6 „This is the treatment pre-
ferred by many top players today. Black delays Kingside castling while set-
ting up conditions for counterplay on the Queenside and center, as the occa-
sion may demand.” 9.c3 „Blocking the action of the Bg7 and allowing possi-
bilities of a later e5 followed by d4, or even a3 and b4. However, Dolmatov
believes that 9. Nf1 is the best continuation for White. But best of all seems
to be the sharp 9.exd5!”.
 Auf S. 25 nach Stellung 7.e4 Sge7 folgt in der Partie Pavlenko - Trubitsyn,
Correspondence 1988/91, ½-½: 8.Te1 b6 9.exd5 „! In true hypermodern
style, White gives up his central e-pawn in order to strike back at Black’s
center“ 9...exd5 10.d4 “!” 10…c4 „After 10...cxd4 11. Nb3 White recovers
his pawn with pressure against Black’s isolated d-pawn.“
 Auf S. 19 nach Stellung 7.e4 Sge7 wird die Partie Dvoretsky - Vulfson,
UdSSR 1986, ½-½ zitiert: 8.exd5 „!! A theoretical novelty of great im-
portance. White exchanges in order to follow up with deep pawn sacrifice“

145
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

8...exd5 “After 8... Nxd5 9. Nb3 b6 10.c4 Nde7 11.d4 cxd4 12. Nfxd4 Bb7
13. Bg5 White has an initiative“ 9.d4… „!! A move of great strategic and
tactical depth. The ideas are to exploit Black’s lagging development and to
target Black’s d-pawns“ 9...cxd4 “After 9...c4 10.c3 the Black d-pawn will
be permanently fixed and thereby subject to increasing pressure from White’s
pieces.” 10.Sb3 Db6 “?! After 10...Bg4 11.h3 Bxf3 12. Qxf3 0-0 13. Bf4,
then Rfe1 and Rad1 White has good positional compensation for he pawn –
Dvoretsky” 11.Lg5 “Dvoretsky gives 11. Bf4! 0-0 12. Bd6 and Bc5 as stron-
ger.“
 In der Partie Kaidanov - Saidy, World Open 1995, 1-0 (S. 57) wird das Stel-
lungsbild 7.e4 Sge7 8.Te1 über die Zugfolge: 1.e4 e6 2.d3 d5 3.Sd2 c5 4.g3
Sc6 5.Lg2 „A finessful order of moves which rules out 5….Bd6 – the Karpov
System”291 Sge7 6.Sgf3 g6 7.0-0 Lg7 8.Te1 erreicht. 8...Dc7 „? Planning ...0-
0-0“ 292 9.exd5 „!“ exd5 10.d4 “!“ cxd4
 Q045-TANGBORN, S. 6 in der Partie Yudasin – Jukic, Bern 1989. 1-0 nach
Erreichen der Stellung 7.e4 Sge7 folgt 8.Te1 b6 „If 8...0-0, then 9.e5 is
strong. [...] 8...b6 is better because it does not commit the position of the
King so early. If White now plays 9.e5, then Black replies 9…Qc7 10. Qe2
h6 11.h4 g5.” 9.h4 “Threatening to weaken Black’s kingside with h4-h5.”
9…h6 10.c3 “10.h5 is now bad because of 10…g5.” 10...a5 “To gain space
on the queenside as well as preparing to bring the Queen Rook into play via
a7, where it is no longer on the h1-a8 diagonal and can quickly transfer to
another file.” 11.a4 “Preventing the cramping …a5-a4 and also fixing the
weakness at b5.”
 Ebenfalls auf S. 6 folgt in der Partie Dolmatov – Sokolov, Manila 1990, 1-0
nach 7.e4 Sge7 die Variante: 8.Te1 b6 9.c3 a5 10.Sf1 „On 10.a4, White was
worried about 10...d4, and not immediately 10.e5 due to 10…g5. The idea of
the text is to play 11.e5.” 10…dxe4 “Dolmatov considers 10…d4 to be bet-
ter. The endgame will be better for White.” 11.dxe4 Dxd1 12.Txd1 a4 “Oth-
erwise White fixes Black’s queenside weakness with 13.a4.”
 Q063-EMMS05: „There is a couple of good rerasons for developing this way
[from Black’s point of view]: firstly, Black’s fianchettoed bishop controls the
vital e5-square and thus puts pressure on White’s spearheading pawn if and
when it arrives there; secondly, the bishop also provides protection to Black’s

291
Karpov-System (nach Q032-HALL-CARTIER, S. 106): 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d3 Sc6 4.g3 d5 5.Sbd2
Ld6 „This and Black’s following move introduce the Karpov System” 6.Lg2 Sge7 (vgl. Partie
Sznapik-Karpov, Skopje, 1972, 0-1). Dieses Spielsystem aus Sicht des Schwarzen ist im GM-
Segment statistisch nicht erfolgreich (51%/49%).
292
Der Hinweis auf die große Rochade scheint hier zweifelhaft zu sein, da 0-0-0 trotz Verzögerung
der Rochade kein Thema ist.

146
O1.07 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

king if it castles short. The only real problem with …g7-g6 is that it does
weaken the dark squares on the kingside, and White can always hope to take
advantage of this later on.” (Vgl. S. 33)
 S. 40f mit der Partie Solomon – Szuveges, Suncoast 1999, 1-0. Im Bild nach
7.e4 Sge7 geht es weiter mit: 8.Te1 b6 9.exd5 “!? A departure from the usual
plan e4-e5. In contrast to that push, this exchange in the centre is far more di-
rect, with White attempting to exploit Black’s unfinished developement and
the long h1-a8 diagonal.“
 Auf S. 43f mit der Partie Berry – Gershon, Dresden 2003, 0-1. Im Bild nach
7.e4 Sge7 geht es weiter mit: 8.Te1 b6 9.c3 0-0 10.e5 „!? This is the move
that 10...0-0 encourages [begünstigt], but Black can still hit out with …g6-g5.
If White wishes to avoid the following complications he can opt for some-
thing like 10 h4 or 10 Qe2.” 10...Dc7 11.De2 g5 “! […] There’s certainly
some risk involved in playing …g6-g5, but if Black plays ‘quietly’ there’s an
even greater risk of slowly getting squashed on the kingside after h2-h4, Nf1,
Bf4 and N1h2-g4 etc.”
 Auf S. 45f geht es im Bild nach 7.e4 Sge7 und der Partie Kaidanov – Zapata,
New York 1993, 1-0 wie folgt weiter: 8.Te1 b6 9.c3 a5 10.a4 La6 „Hitting
the d3-pawn like this is extremely tempting [Versuchung], especially with the
insertion of the moves …a7-a5 and a2-a4 – Black no longer has to worry
about Qa4”.
 Q072-NORWOOD, S. 22: „[…] Black plays d5 and c5 thereby giving White
a reversed King’s Indian. The extra Tempo is useful for White. Black has
roughly even chances.”
 „Black adopts the set-up d5, e6 g6 and Sge7 – does this belong under K.I.
reversed?” Nach 7.e4 Sge7 gibt GM Norwood die Partie Dolmatov (2615) –
Sokolov (2570), Manila 1990, 1-0 mit der Variante: 8.Te1 b6 9.c3 a5 10.Sf1.
 Q085-HALL, S. 28-30: The “passive looking move [e6] actually has deep
positional motive: Black refrains from building a broad pawn center, i.e., two
pawns placed on […] the K and Q file (…d5 and …e5), often in conjunction
with a Bishop Pawn on […c5 or f5], for such a center can become more of a
liability than an asset. […] The student might object at this point [with c5 and
d5] - - isn’t Black setting up a broad pawn center? The answer is no. Only a
pawn on the Q file or K file is a true center pawn. With the [… move c5]
Black does help control the center, but he does not occupy the […] K and Q
file with two Pawns, by definition the minimum requirement for a broad
Pawn center […].” 7.e4 Sge7 8.Te1 b6 9.exd5 “A peculiar [eigenartig] fea-
ture of this variation is that White can not safely play 9 e5 […] i.e., 9 e5? Ba6
10 Nf1 Qc7 11 Bf4 h6!! (only now does Black’s counterpoint appear; White
faces the virulent threat …g5 winning the advanced KP [King Pawn e5]. It is

147
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

of great significance to note that Black’s aggressive use of his King’s side
Pawns is made possible by the fact that his King is not castled King side, thus
we can see the subtle idea behind Black’s delay in castling.) 12 h4 […] g5 13
hxg5 hxg5 14 Bxg5 Ng6, and Black has good attacking chances for the
pawn.” 9...exd5 10.c3 0-0 11.Sf1 Sf5 12.Lf4 Lb7 13.Dd2 Dd7 14.h3.
 Q094-EMMS01, S. 83 mit dem Stellungsbild 7.e4 Sge7. „From g7 Black’s
fianchettoed bishop controls the vital e5-square, and thus puts pressure on
White’s spearheading pawn, if and when it arrives there. The bishop also
provides protection to the black king, if he castles short. On the other hand,
the move …g7-g6 does weaken the dark squares on the kingside, and White
can always hope to take advantage of this later on.”
 A) S. 85: 8.Te1 „This flexible move, maintaining the tension in the centre, is
White’s most popular choice. Now Black must make an important decision:
whether to castle or to leave his king in the centre and develop elsewhere.
[e.g. 8...0-0 or 8...b6]”.
 B) S. 83: 8.exd5 „!? Immediately releasing the tension, White plans to open
the centre as quickly as possible, perhaps making use of Black’s uncastled
king. This is a deceptively tricky line, although Black should be okay, if he
knows what he’s doing.” 8...exd5 9.d4 “!? I believe this is an idea of the
well-known Russian International Master and trainer Mark Dvoretsky. White
offers a pawn to mess up Black’s pawn structure. If this pawn can be re-
gained then White usually keeps an advantage.” 293
 Q096-NCO, S. 17 benennt nach 7.e4 Sge7 8.Te1 und der Antwort 8…b6 die
Fortsetzungen, wobei die Varianten mit Bewertung der Endstellung von GM
Emms stammen:
 A) 9.exd5 Sxd5 10.d4 „!?“ cxd4 11.Sb3 Lb7 „=“.
 B) 9.h4 h6 10.c3 a5 11.a4 La6 „=“.
 Q097-TAIMANOW-GUFELD, S. 177, nach 7.e4 Sge7 wird kommentiert:
„Schwarz beantwortet den königsindischen Aufbau des Anziehenden mit ei-
ner elastischen Figurenentwicklung, die ihm gute Aussichten im Zentrum
verspricht. Allerdings wird der schwarze Königsflügel etwas geschwächt.“
8.Te1 „Die Vorbereitung von f2-f4 durch 8.Sh4 0-0 9.f4 trifft auf starke Er-
widerung 9...f5!?, z.B. 10. ed ed 11.Te1 Dd6 12.Sdf3 Ld7 13.c3! d4! (auf
13...Tae8 ist 14.d4! Mit Kontrolle des Punktes e5 stark) 14.c4 Tae8 mit kom-
pliziertem Spiel (Ciocaltea – Jansa, Belgrad 1977).“ 8...b6 „In Anbetracht der
Schwäche des Königsflügels gilt die kurze Rochade als verfrüht […].“

293
In der Praxis gibt es 118 Partien mit ungünstiger Statistik für Weiß (48%/52%). Im GM-Segment
existiert bislang lediglich eine Partie (Miroshnichko – Zubarev, Alushta 1999, 1-0). Dass die Zugidee
9.d4 auf IM Dvoretsky zurückgeht, steht außer Zweifel.

148
O1.07 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

 S. 244-245 nach Stellung in der Hauptvariante 7.e4 Sge7 8.Te1 folgte 8...b6
9.c3 in der Partie Minić - Marjanović, Bar 1980, 1-0. “Der weiße Plan ist of-
fensichtlich: Kontrolle über die zentralen Felder und Vorbereitung eines An-
griffs am Königsflügel. Ebenso möglich war 9.a3.” 9...La6 “!?” 10.Lf1 0-0
“beachtenswert ist auch 10...de” 11.e5 h6 “?! Dieser Zug war nicht notwen-
dig. Schwarz hat am Königsflügel keine Aussichten auf Gegenspiel, deshalb
war die Beendigung der Entwicklung mit 11...Dc7 logischer.”
 Q098-KEENE, S. 122-123, mit der Partie Hartston - Farago, Örebro 1966,
1-0. Nach Stellungsbild 7.e4 Sge7 folgte ein Angriff des Weißen am Königs-
flügel. „Black’s idea in this variation is to alow White’s e-pawn to reach e5
and then concentrate fire on it from the Nc6, Bg7 and possibly Qc7“: 8.Te1
0-0 “? It is better not to give White a taget for attack so rapidly. Correct is
8…b6!” 9.De2 b6 10.Sf1 La6 11.e5 Dd7 “11…Qc7 seems more logical”
12.h4 Tae8 13.S1h2 Sf5 14.Lg5 ”Underlining the weakness of the dark
squares f6 and h6” 14…h6 15.Lf4 c4 16.dxc4 Lxc4 17.Dd2 d4 “!? Rather
than submit to the passivity of 17… Kh7 18 Ng4 Black undertakes a risky
manoeuvre. Unfortunately he underestimated White’s attacking changes”
18.g4 “!” 18…Sxh4 19.Sxh4 g5 20.Lxg5 hxg5 21.Dxg5 Sxe5 22.Txe5 f6
“Possibly Farago had calculated no further than this. Hartston evidently had!”
23.Dg6 fxe5 24.Le4 Tf6 25.Dh7+ Kf8 26.g5 Tf5 “He has no choice”
27.S2f3 Kf7 28.Lxf5 exf5 29.Sxf5 Kf8 “Black’s moves lack point – Now
that the destruction of his K-side is complete he could have resigned with a
clear conscience” 30.Te1 Lg8 31.Dxg7+ Dxg7 32.Sxg7 Kxg7 33.Sxe5 Lxa2
34.f4 Tf8 35.Ta1 Ld5 36.Txa7+
 Q104-EVANS, auf S. 40 nach dem Stellungsbild: 7.e4 Sge7 folgt mit einer
Anmerkung zur Partie Lein – Platonov, USSR 1967, 0-1: 8.Te1 b6 9.exd5
exd5 10.c3 0-0 11.Sf1 Sf5 12.Lf4 Lb7 13.Dd2 Dd7 “After 14 h3 the chances
were about equal, but White might try 14 Bh3 initiating a troublesome pin.”
[Q009-FRITZ11: 14.Se3 (-0.01), 14.h3 ( -0.53) und 14.Lh3 (m -0.92)]
 Q106-DAVIES, s.p., mit der Hauptvariante 7.e4 Sge7 8.Te1. GM Davies
bespricht die Partie Kaidanov – Zapata, New York 1993, 1-0: “And again we
got the issue where, if Black doesn’t castles too early White should not hurry
with e5.” 8... b6 “Black who understand such things is waiting for White to
play e5. Lot of people who don’t understand this position in depth castles
kingside here. 8...0-0 9.e5 and 9...g5 is not possible here because it would
weaken Black’s kingside too much. 9...Qc7 10. Qe2 and White can now fol-
low up with Nf1-h4-Bf4-Nh2-Ng4 systematically trying to occupy the weak
squares around Black’s king.” [An dieser Stelle zeigt GM Davies beispielhaft
die Partie Ciocaltea - Ilijin, Romania 1976, A08, 1-0: 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d3
d5 4.Sbd2 Sc6 5.g3 g6 6.Lg2 Lg7 7.0-0 Sge7 8.Te1 0-0 9.e5 Dc7 10.De2 b6

149
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

11.Sf1 La6 12.Lf4 Tad8 13.h4 d4 14.S1h2 Sb4 15.Dd2 Tfe8 16.Sg4 Sed5
17.Lh6 Lh8 18.Lg5 Td7 19.a3 Sc6 20.Lf6 Sxf6 21.exf6 h5 22.Sh6+ Kf8
23.Sg5 Lxf6 24.Sh7+ Kg7 25.Sxf6 Kxf6 26.Sf5 exf5 27.Txe8 Kg7 28.Tae1
Sd8 29.Dg5 c4 30.Th8 Se6 31.Dh6+ Kf6 32.Te8] 9.c3 “9.e5 is quite a serious
mistake for White 9...Dc7 10. Qe2 g5 and the pawn on e5 is being under-
mind.” 9...a5 “To bring the Bishop behind the a-pawn.” 10.a4 “Hunting
down the b5-square and stopping further advance of Black’s queenside
pawns. With the possibility of Nb1-a3-b5.”

150
O1.08 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

O1.08 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2515/2550 50/ 50/ 0 75/25
gSN 2100-2449 21 2255/2253 38/ 24/ 38 50/50
All ------------- 197 2070/2109 31/ 26/ 43 44/56
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


(Das Stellungsbild ist ein Kandidat für diese KIA-Eröffnungstheorie)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


032, 52%: 7.e4 d5 8.Te1 e5 9.c3
003, 17%: 7.e4 d6 8.c3 e5 9.a4
005, 40%: 7.e4 d6 8.Te1
003, 67%: 7.e4 d6 8.a4 Tb8 9.Sc4
003, 50%: 7.e4 d6 8.h3 Tb8

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


128, 55%: 7.e4 d5 8.Te1 e6 9.c3
099, 41%: 7.e4 d5 8.Te1 e5 9.c3
106, 54%: 7.e4 d5 8.Te1 dxe4 9.dxe4
071, 41%: 7.e4 d5 8.Te1 h6
206, 53%: 7.e4 d5 8.c3 dxe4 9.dxe4
021, 36%: 7.e4 d6 8.c3 Lg4 9.h3
024, 42%: 7.e4 d6 8.c3 e5
017, 65%: 7.e4 d6 8.c3 Tb8
021, 45%: 7.e4 d6 8.Te1 Dc7
017, 32%: 7.e4 d6 8.Te1 e5
019, 50%: 7.e4 d6 8.a4 Tb8 9.Sc4

151
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut. Die Erfolgsbi-
lanz der GM-Partien ist auf Grund weniger Partien zu optimistisch.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A05, A08.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: Matthew
Green, ohne ELO, 2 Partien, 0% Erfolg.
 Nach 7.e4 d5 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O1.02 nach 7.e4
Sc6.
 Nach 7.e4 d5 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O1.05 nach 7.e4
0-0.
 Nach 7.e4 d6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O1.09 nach 7.e4
Sc6.
 Im Vergleich zu den anderen Stellungsbildern dieses Typs besetzt Schwarz
nicht sofort das Zentrum.
 Schwarz entscheidet sich nach 7.e4 in der Regel (vgl. Anzahl Praxispartien)
für die Fortsetzung 7…d5.
 Die Stellung nach 7.e4 d6 8.c3 mit den möglichen Fortsetzungen 8…Se8 /
Tb8 / Ld7 auf dem Weg zum KIA Stellungstyp wird auch etwas umständlich
„Neo-geschlossen Sizilianisch“294 genannt.
Beispielpartien
Plaskett (2475) – Short (2620), Swansea 1987, A05, ½-½: 1.Sf3 Sf6 2.d3 g6 3.g3 Lg7
4.Lg2 0–0 5.0–0 c5 6.Sbd2 Sc6 7.c3 e5 8.a3 a5 9.a4 d5 10.e4 d4 11.Sc4 Te8 12.cxd4 cxd4
13.Ld2 Tb8 14.Db3 Le6 15.Sg5 Lxc4 16.Dxc4 Te7 17.Tac1 h6 18.Sf3 Kh7 19.Db3 Lf8
20.Tc4 Tc7 21.Tfc1 Ld6 22.Lh3 Kg7 23.Se1 Sh7 24.Lg2 Sf8 25.Lh3 Sh7 26.Lg2 Sf8
27.Sc2 Se6 28.Sa3 Lb4 29.Dc2 Te7 30.Sb5 Db6 31.f4 exf4 32.gxf4 g5 33.fxg5 hxg5
34.Lxb4 Sxb4 35.Dd2 Th8 36.Tc5 Sxc5 37.Dxg5+ Dg6 38.Dxe7 Scxd3 39.Sxd4 Sxc1
40.Sf5+ Kh7 41.Dh4+ Kg8 42.Dd8+ Kh7

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 44f, bespricht die Stellung nach 7.e4 d5 mit fol-
gender Variante: 8.c3 „Dies scheint effektiver zu sein als 8.Te1 […]“
8...dxe4 9.dxe4 h6 „Um ...Le6 spielen zu können, ohne Sg5 fürchten zu müs-
sen.“ 10.De2 Le6 11.Se1 „Weiß plant Raumgewinn sowohl im Zentrum als
auch am Königsflügel durch f2-f4 und e4-e5.“
 Q004-MEGABASE, P. Horn (ELO 2295) kommentiert in der Partie Gior-
gadzedie – Bacrot, 1997, ½-½ nach 7.e4 d5 die Variante 8.c3 e5 9.Te1 h6
10.exd5 Sxd5 11.Sc4 Te8 12.a4 wie folgt: „Ein häufiges Bild im Königsin-

294
Vgl. hierzu http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

152
O1.08 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

dischen Angriff: Schwarz pocht auf seinen Raumvorteil, während Weiß ver-
sucht, Figurendruck (speziell auf den weißen Feldern) zu entwickeln.“
 Q008-DUNNINGTON98, S. 144ff, bespricht die Partie Dunnington - Gut-
man, Krumbach 1991, 1-0 in der Stellung 7.e4 d5 mit der Variante: 8.c3
dxe4 „A logical choice. Black immediately clarifies matters in the centre and
can now concentrate on completing his development.” (S. 150) 9.dxe4 h6
10.De2 Le6 11.h3.
 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 210ff nach 7.e4 d5 8.Te1 geht es weiter mit ...h6 /
b6 / e6 oder dxe4 und S. 233ff listet nach 7.e4 d5 8.c3 die Varianten 8...e6 /
h6 / Tb8 / d4 / Lg4 und nach 8...e6 9.Te1 d4 / b5 / Dc7.
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 93 ff kommentiert die Partie: Stein – Moisi-
eev, UdSSR 1970, 1-0, (ausgehend von der Stellung nach 7.e4 d5) mit der
Variante: 8.exd5 „better is 8.Te1 followed by 9.c3 maintaining the tension”
8...Sxd5 9.Sc4 “We now have a position from the KID [King’s Indian De-
fense] g3 variation with colors reversed” 9...b6 10.a4 Lb7 “Black has devel-
oped his pieces without incurring [auf sich laden] any weaknesses”
(S. 94).
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 47, Nach 7.e4 d5 kommentiert IM Henley in
einer Experimentalpartie gegen das Schachprogramm Fritz (Henley - Fritz,
1993, 1-0) die Fortsetzung: 8.Te1 d4295 „?! In general I am opposed to releas-
ing the central tension without obtaining something tangible in return.“ 9.a4
“Thematical securing the c4-square for a knight.” 9…b6 10.Sc4 La6 11.Sfe5
“!? One of many reasonable alternatives white has at his disposal. With the
text I aim to activate my Bg2 and clear the way for my f-pawn to ad-
vance.[…]” 11…Sxe5 12.Sxe5 Lb7 13.f4 “ White has progressed on the
kingside while black has not obtained anything of significance on the
queenside.”
 Q022-SCHILLER, S. 76 (ausgehend von der Stellung nach 7.e4 d5) kritisiert
FM Schiller: Smith & Hall „conclude [vgl. Q001-SMITH-HALL90, S. 44f]
that 8.c3 is better [than 8. Re1], but it would require a departure from the
usual strategy that is not justified by superior chances.“
 In der Partie Schiller (ELO 2183) – Brock (ELO 2001), Illinois Champion-
ship 1989, 0-1296. Nach Erreichen des Stellungsbildes 7.e4 d6 folgte: 8.Te1
Sd7 9.c3 Dc7 10.Sf1 b6 11.Lg5 Lb7 12.Dd2 Tfe8 13.h4 Sce5 14.S1h2
„White has slowly maneuvered all the minor pieces to the kingside and is
preparing to attack. Black reacts appropriately in the center.“ 14...c4 15.d4

295
Aktuellere Fritz-Versionen spielen statt 8...d4 den Zug 8...dxe4.
296
Diese Partie hat Eric Schiller kommentiert und auf seiner Internetseite bereitgestellt; sie wurde im
gleichen Jahr gespielt, in dem er sein Heft zum KIA veröffentlichte. Diese Partie ist in der Quelle
Q022-SCHILLER nicht gelistet.

153
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Sd3 16.Te2 e5 17.d5 f5 „White has tossed away his center. So it seems.“
18.exf5 „!“ gxf5 19.h5 Lxd5 20.h6 Lh8 21.Lh4 f4 22.Tae1 Lb7 23.gxf4
Sxf4 „This is what White was waiting for.“ 24.Dxf4 “!? A sacrifice more of
instinct than calculation.” 24...exf4 25.Txe8+ Sf8 „!“ 26. T8e7 Dc6 27.Lh3
„? I simply missed the win.“297
 Q031-WEINSTEIN, S. 17ff. Nach Erreichen des Stellungsbildes 7.e4 d5
wird wie folgt kommentiert: 8.c3 „A typical King’s Indian move. Black’s
pieces are denied use of the d4 square, and White’s queen gains access to the
squares c2, b3 and a4” 8….d4 “Closing the center before White has a chance
to favourably play exd5” 9.cxd4 “White opens the c-file, intending to play on
the queenside. An alternate plan is to close the queenside by 9.c4, and then
concentrate on enforcing f4.” 9.…cxd4 10.a4 “White wants to place his
knight at c4, so he first rules out …b5.” 10.… e5 11.Sc4 Se8 12.b4 „! Ex-
panding on the queenside and threatening b5. White would now welcome
12….Sxb4? as either 13. La3, or 13.Sf3xe5 would be advantageous for
White. It is foolish for Black to exchange a valuable center pawn for a wing
pawn.” (S. 18f, Plachetka (2405) – Pribyl (2455), UdSSR 1974)
 Ab S. 32 nach 7.e4 d6 mit 8.a4 Tb8 9.Te1 “White prepares central play via
the possibilities of e5” 9... b6 “Black decides on a slow build up…” (S. 33)
 Q032-HALL-CARTIER, nach 7.e4 d5 in der Partie Vujadinovic - Ivanovic,
Cetinje 1993, 1-0 auf S. 132 mit dem Kommentar: „Black has adopted the
Classical Fianchetto Variation - a tempo down. This designation comes from
White's line against the King's Indian Defense: i.e., 1.d4 Nf6 2.c4 g6 3.g3
Bg7 4.Bg2 0-0 5.Nf3 d6 6.0-0 Nbd7 7.Nc3 e5. Since the colors are inverted
in our game, a good way to describe the situation is that White is playing a
King's Indian ‚Defense’ - but has a full extra move. Since the King's Indian
Defense is perfectly good for Black, some might think that with a whole ‚ex-
tra’ move this form of the KIA would automatically give White a definite ad-
vantage. Actually, theory gives Black approximately even chances. [298] But
this evaluation is tempered by the cautionary note that if Black ‚forgets’ he is

297
Fritz 11 sieht zunächst leichten Vorteil für Schwarz und erkennt daraufhin ab einer Suchtiefe 15,
dass Weiß eine ausgeglichene Stellung erreichen kann, um ab einer Tiefe von 20 klaren Vorteil für
Weiß festzustellen! Den gewinnbringenden Zug gebe ich hier zur Freude des Lesers nicht an.
298
Dass die Königsindische Verteidigung (KID) für Schwarz „perfectly good“ ist eine oft wiederhol-
te, aber bisher nie belegte Behauptung. Tatsächlich kann KID, da im GM-Bereich statistisch nicht
erfolgreich - nicht zu den Eröffnungstheorien gezählt werden. Explizit in der angegebenen Tabija
1.d4 Nf6 2.c4 g6 3.g3 Bg7 4.Bg2 0-0 5.Nf3 d6 6.0-0 Nbd7 7.Nc3 e5 punktet Schwarz schlecht (1069
GM Partien, 59%/41%). Immerhin wird erkannt - wenn die Farben in der Stellung vertauscht werden
(Stellungstyp O1.02 plus 7.e4 Sc6 ist dann gegeben) - dass Weiß mit seinem „extra move“ nicht
automatisch bessere Aussichten hat. Die Aussage: “theory gives Black approximately even chances”
wird nicht weiter untermauert

154
O1.08 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

a tempo down, that is, tries to push for the initiative too hard, then he can cer-
tainly run into trouble. So with White the Classical Fianchetto against the
King's Indian Defense should allow White a slight plus; but with Black, if it
is played accurately it can equalize - but no more than that“ 8.c3 b6 9.Tel
“Reserving options of both e4-e5 as well as exd5. The first course gains
space, but closes up the position to some extent. The second course is more
active in the sense that it opens lines (the hl-a8 diagonal as well as the e-file).
Often the choice of plans is simply a matter of style more than any objective
considerations [Gesichtspunkte].” 9….dxe4 “Although this is playable, there
is a germ [Keim] of possible trouble in the fact that by exchanging off the d5-
pawn, the e4-square can sometimes be used by White's pieces (after e4-e5).
The continuation 9...e5 is possible though after 10.exd5 Nxd5 11.Nc4 White
has good play against Black's pawn center” 10.dxe4 Lb7 “?! Better was
10...Ng4” 11.e5 “As usual the push of the e-pawn to e5 allows White to
claim the initiative” 11...Se8 12.Da4 ”! A forceful idea. The White Queen is
headed for the Black Kingside to stir up attacking chances”.
 Ab S. 6 in der Partie L. Stein - A. Sokolsky, Odessa 1960, 1-0 mit der Vari-
ante: 7.e4 e6 8.Te1 Sc6 9.c3 b6 „?! 9...dxe4!?“ 10.e5 „!“ Sd7 11.d4 f6 „?!
This attempt to challenge White’s center leads to a weakening of the e5-
square; better was 11...cxd4 12.cxd4 Ba6” 12.exf6 Dxf6 13.Sb3 La6 14.Le3
Lc4 15.dxc5 Lxb3 16.axb3 Sxc5 17.Sg5 Tfe8 18.b4 Sb7 19.Lxd5 “!” Tad8
20.Lxc6 “! A brilliant Queen sacrifice”.
 Ab S. 134 in der Partie Reshevsky - Sherwin, New York 1955, 1-0 mit einer
ähnlichen Variante: 7.e4 e6 “Unusual, but playable. After 7...Nc6 and …e5
White would have the typical King’s Indian option of playing for exd5, open-
ing up the e-file for pressure against Black’s e5-pawn, and the long-diagonal
from h1-a8. With 7...e6, Black is playing ultra stodgy [pampig, schwer ver-
daulich] chess. But at the same time, this restrained approach certainly is not
calculated to instill [beibringen] fear in KIA players!” 8.Te1 Sc6 “Now the
position somewhat resembles the Kasparov-Sicilian System, except that the
King Knight is on f6 instead of e7 and Black has castled early – which [...]
can be hazardous to Black’s health. On the other hand, with the Nf6 White
cannot push e4-e5 indiscriminately [wahllos, ohne Unterschied] as after Nfd7
the point e5 is under more pressure than usual; e.g., 9.e5?! Nd7 10. Nb3
Nxe5 is quite convenient for Black” 9.exd5… “Another way is 9.c3 with the
idea of e5-e5 and then d3-d4” 9...Sxd5 “If 9...exd5 then 10.d4! cxd4 11. Nb3
and Black will remain with an isolated d-pawn. But after 9...Nxd5, White’s
Queen Knight will find a good post at c4” 10.Sc4 Dc7 11.a4 Te8 „?! This
leaves the f7-square weakened, a fact which Reshevsky later turns to ac-
count“ 12.De2 “White’s plan is to establish a Knight outpost on e5”.

155
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 In dieser Ausgabe von 1993 spricht A. Dunnington nach 7.e4 d5 und 8.c3 h6
von „a common move, simply planning to develop the queen’s bishop on e6
without having to be concerned about a future harassing Sg5” (S. 115), ob-
wohl es im Theoriebereich überhaupt keine Partie hierzu gibt.
 Q045-TANGBORN, S. 7 mit der Partie Kortchnoi – Botvinnik, Moskau
1955, 0-1 nach 7.e4 d6 mit der Fortsetzung (der Kommentar in kursiv
stammt von Botvinnik selbst; vgl. hierzu „Botvinnik’s Best Games, 1947-
1970“): 8.c3 „White’s plan is to play d3-d4.“ 8...Se8 9.De2 Sc7 10.Sb3 b6
“Although the positioning of the Bishop at a6 looks very tempting [verfüh-
rerisch] it does not turn out too well. Probably better was 10…e5.” 11.Td1
La6 12.Lg5 h6 13.Le3 Kh7 14.Dc2 e5 15.d4 De7 16.d5 „A plan worthy of
approval. Black’s game is cramped and in view of his Bishop at a6 and the
weakness of the g-pawn he will not find it easy to get in the counter …f5.”
 Auf S. 8 mit der Partie Smyslov – Botvinnik, UdSSR 1955, 1-0 nach 7.e4 d6
mit der Fortsetzung: 8.a4 „Preventing Black from expanding on the
queenside and securing the c4 square for the Knight.“ 8…Se8 9.Sc4 e5 10.c3
f5 11.b4 “Opening lines on the queenside.”
 Auf S. 22 nach 7.e4 d5 8.c3 e5 folgt in der Partien Hickl – Lev, Bern 1990,
1-0: 9.Te1 h6 10.a4 Te8 11.exd5 Sxd5 12.Sc4 Sb6 „The start of a very
dubious plan. Better is 12…Bf5 as in Wade-Browne, Hastings 1972-73.”
 Q063-EMMS05, S. 156f, nach 7.e4 d5 folgt 8.c3 “Giving Black something to
think about, as now there is the very real possibility of playing e4-e5 fol-
lowed by d3-d4. Black has two main ways of continuing here: occupying the
centre with 8…e5 […], and exchanging on e4 with 8…dxe4 […].” (S. 157)
“Although c2-c3 leaves White with a weakness on d3, it’s still considered
worthwhile because the pawn on c3 keeps Black’s knights out of b4 and d4.”
(S. 159)
 S. 158f mit der Partie Foerster – Ullrich, Correspondance 1987, 1-0. 8...e5
9.exd5 “Not the only way to play the position, but the most active. White
gives up the centre but expects to obtain some action with his pieces and
some target practice on c5 and e5.” 9...Sxd5 10.Te1 Te8 11.Sc4 h6 „! This
little move is very important as it prevents a white piece (particularly a
knight) coming to g5.“ 12.Db3 “!? Keeping up the pressure in the centre.
Another option here is to cement the knight’s placing on c4 with 12 a4 […].”
 S. 160f mit der Partie L. Vogt – M. Petursson, San Bernardino 1990, 0-1.
8...dxe4 „A less ambitious and safer move than 8…e5; Black releases the
tension and is happy not to have defend some central pawns.” 9.dxe4 Dc7
10.Te1 Td8 11.De2 „Preparing e4-e5; the immediate 11 e5? Only succeeds
in losing a pawn after 11...Ng4!.“ 11...Sg4 „! Black takes White’s idea seri-
ously and decides to prevent it [...].“

156
O1.08 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

 Q072-NORWOOD, S. 22: „[…] Black plays d5 and c5 thereby giving White


a reversed King’s Indian. The extra Tempo is useful for White. Black has
roughly even chances.” (S. 22)
 Nach Stellung 7.e4 d5 geht es in der Partie Matveeva (2360) – Anand (2555),
Prestwich 1990, 0-1 weiter mit: 8.Te1 b6 9.c3 e6 10.Sf1 „Anand reached a
comfortable position [...]. Maybe 10 e5 !? is better.“ (S. 23) 10...dxe4
11.dxe4 Dxd1 12.Txd1 La6 13.Sg5.
 S. 24 mit der Partie Davies (2475) – Gruenfeld (2530), Tel Aviv 1990, ½-½
folgt im Stellungsbild 7.e4 d5 die Variante: 8.Te1 d4 this move „should be
comfortable for White.“ (S. 23)
 Q096-NCO, S.13 nach Stellungsbild 7.e4 d6 8.Te1 e5 9.c3 Te8 listet GM
Emms die Fortsetzung 10.a4 Tb8 mit der Bewertung „=“.
 Q097-TAIMANOW-GUFELD, S. 174: „Als Antwort auf den königsindi-
schen Aufbau des Anziehenden hat Schwarz das Schema des schwarzfeldri-
gen Fianchettos gewählt und kann sich jetzt zwischen 7...d5 und 7...d6 ent-
scheiden. Die letztere Fortsetzung führt zur Sizilianischen Verteidigung.“
7.e4 d5 8.Te1
 „Ebenfalls möglich ist 8.h3 (verhindert Lc8-g4) 8...e5 !? 9.Te1 (schwächer
ist 9.a4 h6 10. ed Sxd5 11.Sc4 Le6 12.Te1 Dc7 13.De2 Tfe8 mit besserem
Spiel für Schwarz, Jankoveć – Smejkal, Harrachov 1970) 9...h6 10.a3 Te8
11.c3 Le6 12.Kh2 a6, und Schwarz besitzt vollwertiges Spiel (Suttles –
Uhlmann, Skopje 1972).“
 „Im Falle von 8. ed Sxd5 9.Sc4 b6 10.a4 Lb7 11.a5 Tb8 12. ab ab 13.c3 b5
14.Se3 Sc7 15.De2 Dd7 hat Schwarz keine Schwierigkeiten (Stein – Moisse-
jew, […] UdSSR 1970).“ (S. 175)
 „Passiv ist 8.c3 e5 9.a4. Nach 9...de 10. de Dc7 11.Sc4 Le6 12.Dd6 Dxd6
13.Sxd6 b6 bekommt Schwarz gute Aussichten auf der d-Linie (Mayberry –
Night, Olympiade 1982.)“ (S. 175)
 Q104-EVANS, S. 47-49 nach Erreichen der Stellung: 7.e4 d6 „The pawn
structure clearly defines the relative spheres of influence. White will strive
for a Kingside attack with f4 [299] while Black counters on the other wing
with b5. Under certain conditions White may vie [wetteifern] for the center
by c3 and d4; but unless he does this right away, Black may gain the initia-
tive with …b5-b4 followed by …a5-a4-a3 causing the total disintegration of
White’s Queenside pawns.” 8.a4 “prevents b5 and prepares an outpost for the
Knight on c4.” 8...Tb8 “to expand with …a6 and …b5, is a reasonable idea.
[…] Considering its affinity with the Sicilian, it is not surprising that this po-

299
Auf gehobenem Spielniveau gibt es 13 Partien (aus den Jahren 1971 bis 2007), in denen f2-f4
gespielt wurde, mit einer Erfolgsquote von 46%/54% und einem ELO-Schnitt von 2300/2244.

157
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

sition has been reached in a lot of tournament games.”300 9.Te1 “Freeing f1


for the Knight and keeping an eye on the vital e5 square.” 9...b6 10.Sc4 Lb7
11.h4 “The ‘natural’ 11 e5 Sxe5 leads to a lot of drawish exchanges. White is
trying to preserve the tension.” 11...Dc7 12.Ld2 Tbd8 13.Dc1 d5 14.Lf4 Hi-
er zitiert GM Evans ohne genaue Quellenangabe den GM Larsen: “Probably
correct, and the idea is worth noting: White is trying to create certain threats
on the dark squares around the Black King, so the Black Queen is driven to a
white square.“
 Q106-DAVIES, s.p., mit der Partie Davies – Collins, Birmingham 2006, 1-0.
Nach Erreichen des Stellungsbildes: 7.e4 d6 8.Te1 e5 9.c3 d5 10.a3 d4 fol-
gte 11.cxd4 cxd4 12.b4 a6 13.Sb3 “We have a position which is very famil-
iar to anybody who’s played the King’s Indian with either side.[301] It is a
kind of reversed Kings Indian with White being a couple of tempi up because
first of all he is White and secondly Black plays his pawn from d7 to d6 and
then went on to d5. Of course it doesn’t mean necessarily that the position is
incredibly good for white. But I think it is playable and also interesting.”
13...Se8 14.Lg5 “To provoke some weaknesses here.” 14...f6 15.Ld2.
 Q117-RYBKABOOK, s.p. favorisiert nach 7.e4 d5 die Fortsetzung 8.exd5
dieser Zug wird zwar empfohlen, es gibt aber im berücksichtigten Partienbe-
stand der Quelle hierzu keine Belegpartien.302 8…Sxd5 9.Te1 Dc7 Ein neuer
Zug, den J. Noomen (ELO 2199) hier empfiehlt. Die übliche Antwort 9…b6
schneidet in der Praxis schlecht ab.

300
Im Praxissegment gibt es zur erreichten Stellung 175 Partien (aus den Jahren 1955 bis 2007) mit
einer Erfolgsquote von 43%/57% und einem ELO-Schnitt von 2191/2229.
301
Bislang gibt es nur die angegebene Partie Davies – Collins, mit der Position „which is very
familiar to anybody who’s played the King’s Indian“.
302
In der MegaBase 2008 sind 5 Partien (Erfolgstatistik: 60%/40%) auf GM-Niveau zu finden. (Vgl.
Q004-MEGABASE). Von den 5 Partien folgen vier der HV und setzen mit 9…b6 fort.

158
O1.09 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

O1.09 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2460/2510 50/ 50/ 0 75/25
gSN 2100-2449 10 2223/2237 30/ 40/ 30 50/50
All ------------- 167 2008/2092 28/ 28/ 44 42/58
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


02, 075%: 7.e4 Sc6 8.c3 (m) (= -0.17)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


09, 033%: 7.e4 Sc6 8.c3

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


21, 036%: 7.e4 Sc6 8.c3 Lg4 9.h3
24, 042%: 7.e4 Sc6 8.c3 e5
17, 065%: 7.e4 Sc6 8.c3 Tb8
21, 045%: 7.e4 Sc6 8.Te1 Dc7
17, 032%: 7.e4 Sc6 8.Te1 e5
19, 050%: 7.e4 Sc6 8.a4 Tb8 9.Sc4
09, 022%: 7.c4 Sc6

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut. Die Erfolgsbi-
lanz der GM-Partien ist auf Grund weniger Partien zu optimistisch303.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A05.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: Joerg
Kucheyda, ELO 2177, 2 Partien, 100% Erfolg.
 Nach 7.e4 Sc6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O1.08 nach 7.e4
d6.

303
Nach ausgespielter HV sind 19 GM-Partien mit einer Erfolgsquote von 53%/47% zu finden.

159
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Im Vergleich zu den anderen Stellungsbildern dieses Typs besetzt Schwarz


nicht sofort das Zentrum.
Beispielpartien
Meyer (2470) - Fedorowicz (2530), Philadelphia 1992, A05, 1-0: 1.Sf3 Sf6 2.g3 g6
3.Lg2 Lg7 4.0-0 0-0 5.d3 d6 6.Sbd2 c5 7.c3 Sc6 8.e4 Tb8 9.Te1 b5 10.d4 b4 11.e5 Sd5
12.c4 Sb6 13.dxc5 dxc5 14.b3 Lg4 15.Lb2 Dc8 16.De2 a5 17.De3 a4 18.Tad1 Sd8 19.h3
Lxh3 20.Lxh3 Dxh3 21.Dxc5 Sc8 22.Sd4 axb3 23.axb3 Dd7 24.Se4 Db7 25.f4 Ta8
26.Dd5 Dxd5 27.cxd5 Sb6 28.Sb5 Ta2 29.Te2 Sb7 30.Tc2 Ta5 31.d6 exd6 32.Sbxd6
Sxd6 33.exd6 Lxb2 34.Txb2 Sd7 35.Tc2 Td8 36.Tc7 Kg7 37.Tb7 h5 38.Txb4 h4 39.gxh4
Th5 40.Kg2 Txh4 41.Kg3 Thh8 42.Tb7 The8 43.Sg5 f6 44.Sf3 Kg8 45.b4 Te6 46.Td5
Sf8 47.Tb6 Sd7 48.Ta6 Sb8 49.Ta8 Kf7 50.b5 Te3 51.Kf2 Te6 52.b6 Tee8 53.Sd4 Sd7
54.Ta7 Kf8 55.Tb7
Neikirkh - Smyslov, München 1958, A04, 0-1: 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.g3 Sf6 4.d3 Sc6 5.Lg2
g6 6.0-0 Lg7 7.Sbd2 0-0 8.Sc4 b5 9.Se3 Sg4 10.c3 Tb8 11.h3 Sxe3 12.Lxe3 b4 13.Dd2
bxc3 14.bxc3 Da5 15.Tac1 Da3 16.Tc2 Ld7 17.Lh6 Se5 18.Sxe5 Lxh6 19.Dxh6 dxe5
20.Dc1 Dxc1 21.Tfxc1 Tfd8 22.Td2 Le6 23.f4 f6 24.Kf2 Td6 25.Ke3 Tdb6 26.Tcc2 Tb1
27.d4 Ld7 28.a4 Lxa4 29.Ta2 cxd4+ 30.cxd4 exd4+ 31.Txd4 T8b3+ 32.Td3 Txd3+
33.Kxd3 Lb5+ 34.Kd4 Td1+ 35.Kc5 a6 36.e5 fxe5 37.Ld5+ Kg7 38.fxe5 Td3 39.Tf2 Le8
40.Tg2 a5 41.Lc4 Te3 42.Kd4 Te1 43.e6 g5 44.g4 Lg6 45.Tg3 Te4+ 46.Kd5 Kf6 47.Tf3+
Tf4 48.Te3 h5 49.Le2 h4 50.Ld3 Lxd3 51.Txd3 a4 52.Ta3 Tb4 53.Tf3+ Kg6 54.Ta3 Tb5+
55.Kc6 Tb3 56.Txa4 Txh3 57.Ta8 Td3

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 73f, Schwarz vermeidet Bauern im Zentrum, „um
keine Ziele für strategische Angriffe zu bilden.“. Weiß kann an beiden Flü-
geln spielen. Am „Damenflügel mit c2-c3 nebst b2-b4, im Zentrum mit c2-
c3, gefolgt von d3-d4, oder am Königsflügel mit f2-f4“. Besprochen wird die
Partie Larsen - Gligoric, Vinkovci 1970, die jedoch nicht die vorgestellten
Möglichkeiten mit c2-c3 nutzt, sondern einen Bauernvorstoß auf der h-Linie
zeigt.
 Q008-DUNNINGTON98, S. 15f, bespricht nach 7.e4 Sc6 die Partie Smyslov
- Botvinnik, UdSSR 1955 mit der Zugfolge 8.a4 Se8 „White gains space on
the queenside and prepares Nc4 [...] Black plans …f7-f5.”
 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 115 gibt die Beispielpartie Kislov – Gusev, Mos-
kau 1970, 0-1. Nach Erreichen der Stellung 7.e4 Sc6 folgte in der Partie: 8.a4
Lg4 9.h3 Ld7 10.Kh2 Dc8. [Statt 8.a4 ist auch 8.Te1 bzw.De1 möglich (vgl.
S. 116). Aber a4 sichert zunächst einmal das Feld c4 für den Springer.]
 Q022-SCHILLER, S. 54f, nach Stellungsbild 7.e4 Sc6 mit der Variante
8.Te1 Tb8 „This is a thematic element in the closed Sicilian. By removing
the rook from a8 Black will be able to advance his b-pawn without having to

160
O1.09 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

worry about any nasty discoveries on the long diagonal.“ (S. 55) 9.a4 b6
10.Sc4 Lb7 11.h4 „!? According to Smith & Hall [vgl. Q001-SMITH-
HALL90, S. 75f], Petrosian called this the most strikingly original move of
the tournament. According to Brondum, Larsen called it ‚The most incredible
move of the whole tournament.’ Larsen’s biographer Erik Brondum notes:
‚Time and again the Danish grandmaster has stated that such flank attacks do
not very often lead to simplification, and here it certainly puts new life into a
rather boring position. The main purpose of the move is to prevent Gligoric
from playing the freeing 11…d5 which can be answered with 12 exd5 Nxd5
13.h5! A less ambitious player could consider 11 e5 with mutual exchanges
and a draw as the most likely result.“ (S. 56f)
 In der Partie Schiller (ELO 2183) – Brock (ELO 2001), Illinois Champion-
ship 1989, 0-1304. Nach Erreichen des Stellungsbildes 7.e4 Sc6 folgte: 8.Te1
Sd7 9.c3 Dc7 10.Sf1 b6 11.Lg5 Lb7 12.Dd2 Tfe8 13.h4 Sce5 14.S1h2
„White has slowly maneuvered all the minor pieces to the kingside and is
preparing to attack. Black reacts appropriately in the center.“ 14...c4 15.d4
Sd3 16.Te2 e5 17.d5 f5 „White has tossed away his center. So it seems.“
18.exf5 „!“ 18…gxf5 19.h5 Lxd5 20.h6 Lh8 21.Lh4 f4 22.Tae1 Lb7
23.gxf4 Sxf4 „This is what White was waiting for.“ 24.Dxf4 “!? A sacrifice
more of instinct than calculation.” 24...exf4 25.Txe8+ Sf8 „!“ 26. T8e7 Dc6
27.Lh3 „? I simply missed the win.“305
 Q031-WEINSTEIN, S. 32ff, nach 7.e4 Sc6 mit 8.a4 Tb8 9.Te1… “White
prepares central play via the possibilities of e5” 9...b6 “Black decides on a
slow build up…” (S. 33)
 Q045-TANGBORN, S. 7 mit der Partie Kortchnoi – Botvinnik, Moskau
1955, 0-1 nach 7.e4 Sc6 mit der Fortsetzung (der Kommentar in kursiv
stammt von Botvinnik selbst; vgl. hierzu „Botvinnik’s Best Games, 1947-
1970“): 8.c3 „White’s plan is to play d3-d4.“ 8...Se8 9.De2 Sc7 10.Sb3 b6
“Although the positioning of the Bishop at a6 looks very tempting [verfüh-
rerisch] it does not turn out too well. Probably better was 10…e5.” 11.Td1
La6 12.Lg5 h6 13.Le3 Kh7 14.Dc2 e5 15.d4 De7 16.d5 „A plan worthy of
approval. Black’s game is cramped and in view of his Bishop at a6 and the
weakness of the g-pawn he will not find it easy to get in the counter …f5.”

304
Diese Partie hat Eric Schiller kommentiert und auf seiner Internetseite bereitgestellt; sie wurde im
gleichen Jahr gespielt, in dem er sein Heft zum KIA veröffentlichte. Diese Partie ist in der Quelle
Q022-SCHILLER nicht gelistet.
305
Fritz 11 sieht zunächst leichten Vorteil für Schwarz und erkennt daraufhin ab einer Suchtiefe 15,
dass Weiß eine ausgeglichene Stellung erreichen kann, um ab einer Tiefe von 20 klaren Vorteil für
Weiß festzustellen! Den gewinnbringenden Zug gebe ich hier zur Unterhaltung des Lesers nicht an.

161
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 In der Partie Petrosian, T.V. – Stahlberg, Zürich 1953, 1-0306 folgt nach Stel-
lung 7.e4 Sc6 die Variante (Notes by Bronstein in italics from „The Chess
Struggle in Practice“307): 8.a4 Ld7 9.Sc4 Dc8 „Better is 9...Qc7. See note to
Black’s 13th move.“ 10.Te1 Sg4 11.c3 h6 12.De2 Kh7 13.Sfd2 f5 „? Black,
fooled by his opponent’s outwardly quiet development, starts a skirmish and
commits a serious inaccuracy, weakening not only his Kingside but also his
central squares. Most appropriate for him is to put his Queen on c7 instead
of c8, his Rooks on e8 and d8, and gradually to prepare …d5.”
 Auf S. 8 mit der Partie Smyslov – Botvinnik, UdSSR 1955, 1-0 nach 7.e4
Sc6 mit der Fortsetzung: 8.a4 „Preventing Black from expanding on the
queenside and securing the c4 square for the Knight.“ 8… Se8 9.Sc4 e5 10.c3
f5 11.b4 “Opening lines on the queenside.”
 Q072-NORWOOD, S. 20: „[…] we consider Closed Sicilian positions but
this time Black does not play … e5. Most people play the K.I.A. to avoid
learning stacks of theory so it is not surprising that when faced with a Closed
Sicilian they will attempt to deviate from normal lines.”
 S. 21 nach 7.e4 Sc6 folgt in der der Partie Spraggett (2540) – Sunye Neto
(2465), Manila 1990, ½-½ 8.a4 b6 9.Sc4 Lb7 10.Te1 Tc8.
 S. 21 nach 7.e4 Sc6 folgt in der der Partie Savicevic (2305) – Jukic (2460),
Kladovo 1991, 0-1 8.a4 Tb8 9.Sc4 Se8 10.Sh4 e5.
 S. 22 nach 7.e4 Sc6 folgt in der der Partie Mercier (2230) – Kosten (2515),
Französische Liga 1991, 0-1 8.a4 e6 9.Te1 e5 10.Sc4 h6 „Kosten’s play [...]
(8 ...e6 9 ...e5) does not sensible – White has an ok position after move 10.“
(S.20)
 Q085-HALL, S. 35-38: 7.e4 “In this line Black avoids symmetry [c5 instead
of e5] in order to avoid the potential dangers of following White’s moves too
long. In the text position the White Pawn on e4 and the Black Pawn on …c5
define the relative spheres of action – White will advance on the Kingside
with f4 and/or in the center with e5 while Black will push on the Queenside
with …b5. As for the center, under certain conditions White may advance c3
and d4, forming a pawn center, which Black counters with piece pressure on

306
Diese Partie befindet sich nicht in der Broschüre von E. Tangborn, wohl aber auf seiner Internet
Seite (vgl. http://www.geocities.com/eric_98008/Opening.html, hier: „Game 5“); vgl. die Hinweise
bei Q045-TANGBORN im Quellenverzeichnis. Bronstein bemerkt – laut Tangborn – zur Partie:
„The entire game is an outstanding example of Petrosian’s artistry. The game’s original positional
design, its consistency creates an integrated work of art. It is interesting that annotators of this game,
Stahlberg among them, found no noticeable mistake by Black! The nuances of modern chess are so
subtle that mistakes are difficult to discern […].”
307
Vgl. David Bronstein: „The Chess Struggle in Practice“, London, B.T. Batsford, 1980, Candi-
dates Tournament Zurich 1953. In der deutschen Übersetzung “Sternstunden des Schachs” finden
sich keine Kommentare zur Partie Petrosian gegen Stahlberg.

162
O1.09 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

…d4 or, if necessary, …e5. However, if White does not enforce d4 fairly
soon after c3, Black may gain the initiative by playing …c5-c4 followed by
either …cxd opening the Knight-file or …a5-a4-a3, causing the total disinte-
gration of White’s Queenside Pawn structure.” 7...Sc6 8.a4 “On the immedi-
ate 8 Nc4 Black achieves a good position with 8 …b5 9 Ne3 Ng4 10 c3 […]
10 …Rb8 11 h3 Nxe3 12 Bxe3 b4 13 Qd2 bxc3 14 bxc3 Qa5 15 Rac1 Qa3
(Note how effective Black’s play has been. He has advanced the b-pawn to
open the b-file, which threatens further infiltration by way of the second
rank.) 16 Rc2 Bd7 (Aiming for …a4, harassing the White Rook) 17 Bh6 Ne5
and Black has a clear advantage as his Queenside play is far advanced while
White has accomplished little on the Kingside – Neikirch – Smyslov, Mu-
nich, 1958.” (Vgl. oben angegebene Beispielpartie) 8...Tb8 9.Te1 “White
prepares central play via the possibility of e5.” (S. 36) 9...b6 10.Sc4 Lb7
11.h4 “We are following the game Larsen-Gligoric, Winkovci, 1970. The
idea behind the text move is best expressed by its author: ‘A strange move,
but not a bad one. One of the ideas is 11…d5 12 exd5 Nxd5 13 h5 creating
some play on the Kingside.’ – Bent Larsen. It should be mentioned that the
natural move here is 11 e5, but it would lead to several exchanges which
would give the position a drawish character.” (S. 37) 11...Dc7 12.Ld2 Tbd8
13.Dc1 d5 14.Lf4 „’Probably correct, and the idea is worth noting: White is
trying to create certain threats on the Black squares around the Black King,
so the Black Queen is driven to white square.’ – Bent Larsen.“ 14...Dc8
15.exd5 Sxd5 16.Lh6 Tfe8 17.Lxg7 Kxg7 18.h5 Sf6 19.h6+ Kg8 20. Df4
„White has a slight advantage due to the cramping effect of his Pawn on h6
and the possibility a5 initiating pressure on the Queenside. By the way the
tempting move 20…Nd4 loses to 21 Sxd4 Txd4 (or 21…cxd4 22 Rxe7!!) 22
Lxb7 Qxb7 23 Qxf6 exf6 24 Txe8 mate. Also, if 20…Qg4 21 Rxe7!, winning
at least a Pawn – analysis by Bent Larsen.”308
 Q104-EVANS, S. 47-49 nach Erreichen der Stellung: 7.e4 Sc6 „The pawn
structure clearly defines the relative spheres of influence. White will strive
for a Kingside attack with f4 while Black counters on the other wing with b5.
Under certain conditions White may vie [wetteifern] for the center by c3 and
d4; but unless he does this right away, Black may gain the initiative with
…b5-b4 followed by …a5-a4-a3 causing the total disintegration of White’s
Queenside pawns.” 8.a4 “prevents b5 and prepares an outpost for the Knight
on c4.” 8...Tb8 “to expand with …a6 and …b5, is a reasonable idea. […]
Considering its affinity with the Sicilian, it is not surprising that this position

308
Für Schwarz wurden gemäß Fritz 11 allerdings nicht immer die besten Verteidigungszüge ge-
wählt.

163
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

has been reached in a lot of tournament games.”309 9.Te1 “Freeing f1 for the
Knight and keeping an eye on the vital e5 square.” 9...b6 10.Sc4 Lb7 11.h4
“The ‘natural’ 11 e5 Sxe5 leads to a lot of drawish exchanges. White is trying
to preserve the tension.” 11...Dc7 12.Ld2 Tbd8 13.Dc1 d5 14.Lf4 Hier
zitiert GM Evans ohne genaue Quellenangabe den GM Larsen: “Probably
correct, and the idea is worth noting: White is trying to create certain threats
on the dark squares around the Black King, so the Black Queen is driven to a
white square.“
 Q106-DAVIES, s.p., mit der Partie Davies – Collins, Birmingham 2006,
1-0. Nach Erreichen des Stellungsbildes: 7.e4 Sc6 8.Te1 e5 9.c3 d5 10.a3 d4
folgte 11.cxd4 cxd4 12.b4 a6 13.Sb3 “We have a position which is very fa-
miliar to anybody who’s played the Kings Indian with either side. [310] It is a
kind of reversed Kings Indian with White being a couple of tempi up because
first of all he is White and secondly Black plays his pawn from d7 to d6 and
then went on to d5. Of course it doesn’t mean necessarily that the position is
incredibly good for white. But I think it is playable and also interesting.”
13...Se8 14.Lg5 “To provoke some weaknesses here.” 14...f6 15.Ld2
 Q109-SEIRAWAN, S. 210-211. Black „plans to fianchetto both his Bishops
and leave it up to White to define the center.“ (S.211) Es wird folgende Stel-
lung aufgebaut: 7.e4 Sbd7 8.c3 b6 9.Te1 Lb7. „Black meets White’s King-
side fianchetto with a Kingside fianchetto in order to neutralize the g2-
Bishop.” (S.210) “White can play for d3-d4 and push in the center.” (S.211)

309
Im Praxissegment gibt es 175 Partien (aus den Jahren 1955 bis 2007) mit einer Erfolgsquote von
43%/57% und einem ELO-Schnitt von 2191/2229.
310
Bislang gibt es nur die angegebene Partie Davies – Collins, mit der Position „which is very
familiar to anybody who’s played the King’s Indian“.

164
O1.10 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

O1.10 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2585/2644 0/ 0/100 0/100
gSN 2100-2449 4 2295/2316 25/ 25/ 50 38/62
All ------------- 24 2380/2243 46/ 29/ 25 60/40
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


02, 000%: 7.e4 Lg7 (m) ( 0.56)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


04, 063%: 7.e4 Lg7

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


03, 033%: 7.e4 Lg7 8.exd5 Sxd5 9.Sb3 b6 10.c4 Sde7 11.d4 cxd4
04, 088%: 7.e4 Lg7 8.exd5 Sxd5 9.Se4 b6
61, 055%: 7.e4 Lg7 8.c3 0-0 9.Te1 b6
03, 067%: 7.e4 dxd4 8.dxe4
09, 050%: 7.c3 Lg7 8.Dc2 0-0 9.e4 b6 10.Te1 Lb7 11.Sf1
03, 083%: 7.c3 Lg7 8.Dc2 0-0 9.Te1

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen sehr schlecht. Die
Erfolgsbilanz der GM-Partien ist auf Grund weniger Partien zu pessimis-
tisch.311
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A08.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Aleksei
Lugovoi, ELO 2547, 2 Partien, 100% Erfolg.
 Der nach 7.e4 Lg7 von Weiß eingeleitete Abtausch 8.exd5 sollte nach
8...Sxd5 mit 9.Se4 statt 9.Sb3 fortgesetzt werden.

311
Die Suche nach ausgespielter HV liefert 16 GM Partien mit einer Erfolgsbilanz von 59%/41%. In
dem Suchergebnis finden sich jetzt z.B. Partien, in denen 1.e4 gezogen wurde.

165
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 In der aus Sicht von Q009-FRITZ11 - nach ausgespielter Hauptvariante -


aussichtsreichen Stellung punktet Weiß im GM-bereich (noch) schlecht.
Beispielpartien
Loginov (2540) - Lugovoi (2563), St Petersburg 2003, A08, 0-1: 1.Sf3 Sf6 2.g3 d5
3.Lg2 c5 4.0-0 e6 5.d3 Sc6 6.Sbd2 g6 7.e4 Lg7 8.c3 0-0 9.Te1 e5 10.Db3 d4 11.Sc4 Dc7
12.cxd4 cxd4 13.Ld2 h6 14.Tec1 Le6 15.Da3 Sd7 16.b4 a6 17.Db2 Tfc8 18.a4 Db8
19.Tc2 b5 20.axb5 axb5 21.Sa5 Sxa5 22.Txc8+ Dxc8 23.bxa5 Da6 24.Lb4 Sb6 25.Se1
Sa4 26.Dd2 Tc8 27.f4 Sc5 28.Db2 Lf8 29.Da3 Sb3 30.Tb1 Sd2 31.Tb2 Tc3 32.Da1 Sb3
33.Da3 Sc1 34.Da1 Lxb4 35.Txb4 Sa2 36.Tb1 Dxa5 37.f5 gxf5 38.exf5 Lxf5 39.Ld5 Ta3
40.Db2 Sc3 41.Df2 Lg6 42.Sc2 Sxb1 43.Df6 Da6 44.Dxe5 Sc3 45.Sb4 Dc8 46.Lf3 De6

Quellenauswertung
 Q004-MEGABASE, Nach Erreichen des Stellungsbildes 7.e4 Lg7 kommen-
tiert P. Horn (ELO 2295) die Partie Adams – Khalifman, Dortmund 2000,
½-½: 8.c3 0-0 9.e5 Sd7 10.d4 „Weiß hat den Lg7 eingeschränkt; Schwarz
kann seinen Einfluss mit f7-f6 wieder erhöhen, den Zeitpunkt kann er be-
stimmen.“ 10...b5 Schwarz „entscheidet sich für eine andere Strategie: es
wird lange dauern, bis Weiß ernsthafte Drohungen am Königsflügel aufstel-
len kann, und so hat er Zeit, sein eigenes Spiel am Damenflügel zu finden.“
 Nach 7.e4 Lg7 folgte in der Partie Svidler (2630) – Lputian (2580), Yerevan
1996, ½ - ½, mit Kommentaren von P. Horn (ELO 2295): 8.De2 0-0 9.Sb3
„Normalerweise strebt der Sd2 über f1 zum Königsflügel.“ 9…b6 10.e5 Sd7
11.Lf4 a5 12.c4 „Durch 9.Sb3 hatte Svidler bereits angedeutet, daß er sich
nicht auf Spiel am Königsflügel beschränken will.“
 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 240-241, nach Stellung 7.e4 Lg7 8.c3 0-0 9.Te1
werden folgende mögliche Fortsetzungen genannt: 9...d4 / b5 / Dc7.
 Q018-MADDOX, siehe Q004_MEGABASE.

166
O1.11 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

O1.11 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2524/2587 0/ 50/ 50 25/75
gSN 2100-2449 29 2279/2237 38/ 41/ 21 59/41
All ------------- 162 2141/2116 43/ 32/ 25 59/41
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


02, 025%: 7.e4 e5 (m) (= -0.01)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


13, 046%: 7.e4 e5 8.Te1 Sc6 9.c3 a5 10.a4 h6 11.exd5 Sxd5
06, 050%: 7.e4 e5 8.Te1 Sc6 9.c3 a5 10.a4 h6 11.Dc2 Le6
06, 058%: 7.e4 e5 8.Te1 Sc6 9.c3 h6
03, 050%: 7.e4 e5 8.Te1 d4
03, 033%: 7.e4 e5 8.c3 c6 9.Te1 Sbd7
03, 083%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 e5 9.c3 b6
03, 083%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 e5 9.De2
04, 063%: 7.c3 c6

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


17, 050%: 7.e4 e5 8.Te1 Sc6 9.c3 a5 10.a4 h6 11.Dc2 Le6
23, 061%: 7.e4 e5 8.Te1 Sc6 9.c3 h6
11, 050%: 7.e4 e5 8.Te1 d4
16, 063%: 7.e4 e5 8.c3 Sc6 9.Dc2
13, 062%: 7.e4 e5 8.c3 c6 9.Te1 Sbd7 10.Dc2
15, 063%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 e5 9.c3 Sc6 10.Te1
12, 088%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 e5 9.c3 Sc6 10.De2
11, 068%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Sc6
11, 041%: 7.Te1 c6 8.e4
13, 077%: 7.c3 c6
11, 055%: 7.c4 c6

167
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht, aber auf
Grund weniger Partien noch zu pessimistisch.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: Martin Meer-
tens, ELO 2234, 2 Partien, 50% Erfolg.
 Ein von Schwarz nach 7.e4 initiierter Abtausch mit Öffnung der d-Linie
7...dxe4 ist statistisch gesehen eher vorteilhaft für Weiß. In der Regel wird
Schwarz die Spannung im Zentrum aufrechterhalten.
Beispielpartien
Nikolac (2450) - Andersson (2560), Wijk aan Zee 1979, A07, 0-1: 1.Sf3 Sf6 2.g3 g6
3.Lg2 Lg7 4.0–0 d5 5.d3 0–0 6.Sbd2 Te8 7.e4 e5 8.exd5 Sxd5 9.Sc4 Sc6 10.Te1 h6 11.a4
Sb6 12.Sfd2 Sxc4 13.Sxc4 Lf5 14.Ld2 Dd7 15.Lc3 Lh3 16.Lxh3 Dxh3 17.Df3 Dd7
18.Te2 Te6 19.Tae1 Tae8 20.b4 e4 21.dxe4 Lxc3 22.Dxc3 Dd4 23.Db3 Txe4 24.c3 Dd3
25.Txe4 Txe4 26.Txe4 Dxe4 27.b5 Sd8 28.Se3 Se6 29.Dd5 Dxd5 30.Sxd5 Kf8 31.a5 Ke8
32.b6 cxb6 33.axb6 a5 34.Kf1 Kd7 35.Ke2 Kc6 36.c4 Sc5 37.Ke3 Sd7 38.Kd4 Sxb6
39.Se7+ Kd7 40.Sg8 Ke6 41.Sxh6 f5 42.g4 Kf6 43.gxf5 gxf5 44.Kc5 Kg6 45.Sxf5 Kxf5
46.Kb5 a4 47.Kb4 Ke6 48.h4 a3 49.Kxa3 Sxc4+ 50.Kb4 Sd6 51.Kc5 Kd7 52.h5 Se4+
53.Kb6 Kc8 54.h6 Sf6 55.f3 Kb8 56.f4 Kc8
Polugaevsky (2585) – Huebner (2608), Büsum 1969, A07, 1-0: 1.Sf3 d5 2.g3 g6 3.Lg2
Lg7 4.0-0 Sf6 5.d3 0-0 6.Sbd2 Te8 7.e4 e5 8.c3 a5 9.exd5 Sxd5 10.a4 Sc6 11.Te1 h6
12.Sc4 Sb6 13.Sxb6 cxb6 14.d4 Lg4 15.d5 e4 16.dxc6 Dxd1 17.Txd1 bxc6 18.Le3 exf3
19.h3 fxg2 20.hxg4 b5 21.Td6 Tec8 22.axb5 cxb5 23.Tb6 b4 24.cxb4 a4 25.Ta2 Tc2
26.b5 Ta5 27.Tb8+ Kh7 28.b6 Le5 29.Tb7 Kg7 30.Kxg2 Ld6 31.b4 Txa2 32.bxa5 Le5
33.a6 Tc2 34.a7

Quellenauswertung
 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 154-155 mit der Variante 7.e4 e5. (vgl. Po-
lugaevsky – Hübner, Büsum 1969, 1-0).

168
O1.12 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

O1.12 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2489/2543 50/ 50/ 0 75/25
gSN 2100-2449 20 2282/2337 10/ 60/ 30 40/60
All ------------- 56 2199/2331 16/ 34/ 50 33/67
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


(Das Stellungsbild ist ein Kandidat für diese KIA-Eröffnungstheorie)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


07, 036%: 7.e4 0-0 8.c3 a5 9.a4 h6
11, 059%: 7.e4 0-0 8.Te1
07, 029%: 7.e4 0-0 8.exd5 Sxd5
03, 050%: 7.c3

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


17, 047%: 7.e4 0-0 8.c3 a5 9.a4 h6 10.exd5 Sxd5 11.Sc4
07, 036%: 7.e4 0-0 8.c3 a5 9.a4 h6 10.Te1 Te8
08, 056%: 7.e4 0-0 8.c3 h6 9.Te1 Te8
07, 064%: 7.e4 0-0 8.c3 h6 9.Te1 Le6
28, 029%: 7.e4 0-0 8.exd5 Sxd5 9.Te1 Te8 10.Sc4 h6
03, 050%: 7.e4 d4
04, 038%: 7.c4 0-0 8.Tb1 a5 9.b3 Te8
04, 038%: 7.c4 0-0 8.Tb1 a5 9.b3 h6
15, 033%: 7.c4 0-0 8.cxd5 Sxd5 9.Sc4
03, 067%: 7.c3 a5

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut. Die Erfolgsbi-
lanz der GM-Partien ist auf Grund weniger Partien zu optimistisch.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Igor
Khenkin, ELO 2620, 4 Partien, 75% Erfolg.

169
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Nach 7.e4 0-0 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O1.03 nach 7.e4
Sbc6.
 Die Schwarze Zugfolge: 1.Sf3 d5 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4.0-0 e5 5.d3 Se7 wird
als „Pachman System“312 bezeichnet (nach 6.Sbd2 Sc6 befinden wir uns im
KIA-Typ O1.12). Für GM Pachman sind hierzu sieben Partien belegt, in de-
nen er mit 36% „Erfolg“ allerdings schlecht abschneidet (vgl. z.B. Botvinnik
- Pachman, Leipzig 1960, A07, 1-0). Betrachtet man allerdings sämtliche
verfügbaren GM-Partien für die halbe Tabija des Schwarzen, dann handelt es
um eine Eröffnungstheorie aus Schwarzer Sicht (65 GM-Partien, ELO
2507/2533, 48/52%) mit acht unterschiedlichen weißen Antwortbildern und
Hauptvarianten. 313
Beispielpartien
Hillarp Persson (2524) - Khenkin (2602), Malmö 2006, A07, 1-0: 1.Sf3 d5 2.g3 g6
3.Lg2 Lg7 4.0–0 e5 5.d3 Sc6 6.Sbd2 Sge7 7.c4 0–0 8.Tb1 a5 9.b3 h6 10.a3 Le6 11.cxd5
Lxd5 12.Lb2 Te8 13.Te1 Sc8 14.e4 Le6 15.Sc4 a4 16.b4 Sd6 17.Tc1 Sb5 18.h4 Scd4
19.Sxd4 Sxd4 20.Sa5 b6 21.Sc6 Sxc6 22.Txc6 Ld7 23.Tc2 h5 24.Lc1 Lb5 25.Lf1 Te6
26.d4 Lxf1 27.d5 Td6 28.Kxf1 Dd7 29.Le3 f5 30.exf5 gxf5 31.Dxh5 f4 32.gxf4 exf4
33.Lxf4 Txd5 34.Dg6 Dh3+ 35.Kg1 Dxh4 36.De6+ Kh8 37.Dxd5 Dxf4 38.Dxa8+
Botvinnik - Pachman, Leipzig 1960, A07, 1-0: 1.g3 d5 2.Sf3 g6 3.Lg2 Lg7 4.0-0 e5
5.d3 Se7 6.Sbd2 0-0 7.e4 d4 8.a4 f6 9.Sh4 Le6 10.f4 Sd7 11.f5 Lf7 12.fxg6 hxg6 13.Lh3
Sc5 14.b4 Se6 15.Sc4 Sg5 16.Lxg5 fxg5 17.Sf3 Lxc4 18.dxc4 Lf6 19.Dd2 Kg7 20.Se1 a5
21.Sd3 b6 22.c5 Sc6 23.b5 Sb4 24.Sxb4 axb4 25.cxb6 cxb6 26.Dxb4 Le7 27.Dc4 Lc5
28.Kg2 Dd6 29.Le6 Txf1 30.Txf1 Tf8 31.Txf8 Dxf8 32.Dd5 Kh6 33.Lg4 Dd6 34.Kf3
Kg7 35.Dxd6 Lxd6 36.Ke2 Lb4 37.Kd3 Kf6 38.Kc4 Le1 39.Kd5 Lb4 40.Ld7 Le1 41.Le8
Lc3 42.Kc6

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 102f, mit der Variante: 7.e4 0-0 8.c3 a5 9.a4 Te8
10.Te1 h6 11.Dc2 „Nicht 11.Db3 Le6! Mit Vorteil für Schwarz, weil der b-
Bauer wegen 12.Dxb7 Tb8 13. Da6 Tb6 mit Damenfang tabu ist.“
 Q022-SCHILLER, Ab S. 83, 7.e4 0-0 „In this system White has good chanc-
es because the Ne7, though seemingly naturally posted, is actually misplaced.
[...] 7...d4 is not good, because after restraining [zurückhalten] the queenside
White will have a free hand on the kingside...“ 8.c3 a5 9.a4 Te8 10.Te1.

312
Vgl. hierzu z.B. http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3. Die Stellung wird auch als
„Pirc Defence Reversed“ bezeichnet.
313
Zum Verständnis möge der Leser noch einmal die Definitionen für ein Spielsystem im Vergleich
zu einem Theoriesystem zur Kenntnis nehmen.

170
O1.12 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

 Q095-ECO, S.32 nach 7.e4 0-0 mit der Variante: 8.c3 h6 9.Te1 a5 10.a4 Le6
„=”.

171
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O1.13 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2524/2587 0/ 50/ 50 25/75
gSN 2100-2449 6 2211/2269 50/ 33/ 17 67/33
All ------------- 29 2191/2297 21/ 41/ 38 41/59
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


02, 025%: 7.e4 0-0 (m) ( 0.31)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


13, 038%: 7.e4 0-0 8.Te1

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


08, 050%: 7.e4 0-0 8.Te1 Dc7 9.c3
10, 050%: 7.e4 0-0 8.Te1 d4
07, 050%: 7.e4 0-0 8.Te1 Sd7
15, 040%: 7.e4 0-0 8.c3
11, 050%: 7.e4 0-0 8.De2
03, 083%: 7.e4 Sd7
12, 046%: 7.c4 0-0 8.Tb1

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht, aber auf
Grund weniger Partien noch zu pessimistisch.314
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: B10.
 Es gibt keinen Spieler mit Schwarz in der Datenbank KIA0000-2875-O, der
diese Ausgangsstellung mehr als ein Mal gespielt hat.
 Die Schwarze Zugfolge: 1.Sf3 d5 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4.0-0 e5 5.d3 Se7 wird
als „Pachman System“315 bezeichnet (nach 6.Sbd2 c6 befinden wir uns im

314
Nach ausgespielter HV gibt es 37 GM-Partien mit einer Erfolgsquote von 49%/51%,
315
Vgl. hierzu z.B. http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3. Die Stellung wird auch als
„Pirc Defence Reversed“ bezeichnet.

172
O1.13 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

KIA-Typ O1.13). Für GM Pachman sind hierzu sieben Partien belegt, in de-
nen er mit 36% „Erfolg“ allerdings schlecht abschneidet (vgl. z.B. Botvinnik
- Pachman, Leipzig 1960, A07, 1-0). Betrachtet man allerdings sämtliche
verfügbaren GM-Partien für die halbe Tabija des Schwarzen, dann handelt es
um eine Eröffnungstheorie aus Schwarzer Sicht (65 GM-Partien, ELO
2507/2533, 48/52%) mit acht unterschiedlichen weißen Antwortbildern und
Hauptvarianten. 316
 In der aus Sicht von Q009-FRITZ11 nach ausgespielter Hauptvariante aus-
sichtsreichen Stellung punktet Weiß schlecht. Die Erfolgsquote im gSN lie-
fert eine bessere Perspektive.
Beispielpartien
Mann (2464) - L'Ami (2541), Bundesliga 2006, B10, 0-1: 1.g3 d5 2.Lg2 c6 3.d3 g6
4.Sf3 Lg7 5.0-0 e5 6.Sbd2 Se7 7.e4 0-0 8.b3 f5 9.Lb2 fxe4 10.dxe4 d4 11.c3 c5 12.b4
cxb4 13.cxd4 exd4 14.Db3+ Kh8 15.Sg5 De8 16.Sc4 Dd8 17.Tad1 Sbc6 18.Se3 Sa5
19.Dxb4 Sec6 20.Db5 De7 21.Sc2 a6 22.Dd5 h6 23.La3 Dxg5 24.Lxf8 Lxf8 25.Dxg5
hxg5 26.Sxd4 Sxd4 27.Txd4 Le6 28.Ta4 Sc4 29.e5 a5 30.Lxb7 Td8 31.La6 Lb4 32.Tb1
Sd2 33.Taxb4 axb4 34.Txb4 g4 35.Lb7 Sf3+ 36.Kg2 Td3 37.a4 Ta3 38.Tf4 Kg7 39.Tb4
Sxe5 40.Le4 Ld7 41.Tb7 Kf6 42.Tb6+ Kg5 43.Tb4 Ta1 44.Td4 Lf5 45.Lb7 Ld3 46.h4+
Kh6 47.Le4 Lf1+ 48.Kh2 Le2

Quellenauswertung
 Q004-MEGABASE, Nach Stellung 7.e4 0-0 kommentiert GM Bangiev die
Partie Gelman (2390) – Lastin (2480), Ekaterinenburg 1996, ½ - ½: 8.Te1
„!? Dieser Zug ist heutzutage eine wichtige Alternative zu 8.b4, der lange
Zeit als die Hauptfortsetzung behandelt wurde.“317 8…Sd7 „Der kritische
Punkt e5 muß unbedingt zuverlässig gedeckt werden, aber nun wird die Ent-
wicklung des Damenflügels blockiert.
 Nach 7.e4 0-0 kommentiert GM Lukacs wie folgt: 8.b4 “!? Stein’s recipe,
White begins the fight for the dark squares on the queenside, and later Lb2
may also come.” 8…a5 “Black immediately wants to corrupt White's pawn
structure.”
 Q117-RYBKABOOK, s.p. mit der Variante: 7.e4 0-0 8.b4 a5 9.bxa5 Dxa5
10.Lb2 d4

316
Zum Verständnis möge der Leser noch einmal die Definitionen für ein Spielsystem im Vergleich
zu einem Theoriesystem zur Kenntnis nehmen.
317
Im Praxissegment liegen 55 Partien mit Erfolg (52%/48%) für Weiß vor.

173
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O1.14 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 4 2591/2533 0/ 75/ 25 38/62
gSN 2100-2449 33 2252/2284 33/ 34/ 33 50/50
All ------------- 101 2232/2257 31/ 26/ 43 44/56
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


03, 033%: 7.Sc4 Sc6 8.e4 dxe3 e.p. (= 0.13)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


03, 067%: 7.Sb3 Sc6 8.Ld2 Sd5
03, 017%: 7.e4 dxe3 8.fxe3 c5 9.De2 Sc6 10.Sb3
04, 063%: 7.Sc4
04, 050%: 7.a4

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


15, 033%: 7.Sb3 Sc6 8.e4 dxe3 9.fxe3
06, 050%: 7.Sb3 Sc6 8.Ld2 Sd5
07, 050%: 7.e4 dxe3 8.fxe3 c5 9.De2 Sc6 10.Sb3
06, 050%: 7.e4 Sc6
08, 038%: 7.Sc4 c5
10, 060%: 7.a4

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht, aber auf
Grund weniger Partien noch zu pessimistisch.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Mathias
Wahls, ELO 2550, 3 Partien, 83% Erfolg.
 „Wahls-Experiment“: Mit 1.Sf3 Sf6 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4.0-0 0-0 5.d3 d5
6.Sbd2 6...d4 wird eine fast-symmetrische Antwort von Schwarz gespielt.
Diese Spielweise geht auf den GM Matthias Wahls zurück, der 1987 – in
der Bundesligapartie Speckner (2205) gegen Wahls (2440) - erstmalig den

174
O1.14 Schwarzes Fianchetto am Königsflügel

Zug d5-d4 ausprobierte. Im Praxisbereich wie im GM-Bereich konnte diese


Spielweise von Schwarz (statistisch gesehen) bisher nicht widerlegt werden.
Statistisch gesehen sind die Fortsetzungen Sb3 bzw. Sc4 den Zügen e4 bzw.
a4 vorzuziehen. Die beste Fortsetzung von Fritz 11 (vgl. Q009-FRITZ11) in
Tiefe 19 lautet: 7.Sc4 Sd5 8.e4 dxe3 9.Sxe3 Sxe3 10.Lxe3 Lxb2 11. Tb1
Lf6 12.Sg5 Sc6 13.Dd2 Le5 14.Lf4 Ld4 15.c3 Lf6 (= 0.01), während die
Schachengine Rybka (vgl. Q118-RYBKA3) 7.Sb3 den Vorzug geben würde
und dann Suchtiefe 18 zu folgender Variante gelangt: 7…Sc6 8.Ld2 e5 9.c3
dxc3. In den Quellen zum KIA wird dieser Stellungstyp bisher nicht bespro-
chen.
Beispielpartien
Movsesian (2645) - Naumann (2534), Bundesliga 2006, A07, ½-½: 1.g3 Sf6 2.Lg2 d5
3.d3 g6 4.Sf3 Lg7 5.0-0 0-0 6.Sbd2 d4 7.e4 dxe3 8.fxe3 c5 9.Sb1 Sc6 10.Sc3 Le6 11.Ld2
h6 12.a3 Tc8 13.Tb1 b6 14.De2 Sd7 15.Se4 Sde5 16.Lc3 Sxf3+ 17.Dxf3 f5 18.Lxg7
Kxg7 19.Sd2 Lg8 20.De2 Dd6 21.Lxc6 Txc6 22.e4 Dd4+ 23.Kg2 fxe4 24.Txf8 Kxf8
25.Sxe4
Speckner (2205) - Wahls (2440), Bundesliga 1987, A07, 0-1: 1.Sf3 Sf6 2.g3 g6 3.Lg2
Lg7 4.0-0 0-0 5.d3 d5 6.Sbd2 d4 7.Sc4 c5 8.e4 b5 9.Scd2 Lb7 10.De2 Sc6 11.e5 Sd5
12.Se4 Db6 13.Seg5 Tac8 14.Sxh7 Kxh7 15.Sg5+ Kg8 16.Lxd5 e6 17.Dg4 exd5 18.Dh4
Tfe8 19.f4 Se7 20.e6 fxe6 21.Ld2 Tc6 22.Tae1 Lc8 23.Dh7+ Kf8 24.h4 Dc7 25.g4 b4
26.h5 gxh5 27.Dxh5 Sg8 28.Dg6 Sf6 29.Te5 Te7 30.Tfe1 Ld7 31.Tf5 exf5 32.Txe7 Kxe7
33.Dxg7+ Kd8 34.Sf7+ Kc8 35.g5 Le8 36.g6 Kb7 37.Df8 Lxf7 38.gxf7 Sd7 39.De7 Tg6+
40.Kf1 Th6 41.f8D Sxf8 42.Dxf8 Dh7 43.Le1 Te6 44.Lh4 Dxh4

Quellenauswertung
 Q117-RYBKABOOK, empfiehlt d5-d4 nicht, d.h. mit diesem Zug ist der
Spieler mit Schwarz aus dem Rybkabuch heraus.

175
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O2. Schwarzes Fianchetto am Damenflügel


Erfolgsaussichten
In der Spalte „Typ“ der folgenden Tabelle ist die Referenz zum Stellungsbild
vermerkt. Die Erfolgsquote von Weiß für die Partien der Praxis ergibt sich aus
den Erfolgsprozenten der Partien aus der KIA0000-2875-O (= All). Die Anzahl
Partien von „GM“ und „gSN“ sind in der Zählung von „All“ enthalten. Die Sor-
tierung erfolgt absteigend bzgl. der Erfolgsquote der GM-Partien. Stellungsbilder
mit einer Erfolgsquote von unter 50% werden in der Tabelle abgesetzt darge-
stellt. Kursiv gedruckte Zeilen verdeutlichen, dass dieser Typ zwar in der
KIA2450-2875-O vorkommt, aber nicht zur Theorie gehört, da noch keine
Hauptvariante der Fortsetzung existiert.

Allgemeine Erkenntnisse zur Tabelle und den Stellungsbildern:


a) Die meisten Stellungsbilder dieser Gruppe gehören zum ECO-Code A05.
b) Das GM-Segment ist in der Summe statistisch gesehen erfolgreicher, als der
breite Praxisbereich. Dieser Zustand hat sich gegenüber 2005 für den Praxis-
Bereich von 56% auf 52% verschlechtert.
c) Der von GM mit Schwarz am häufigsten gewählte Stellungsaufbau findet
sich in dieser Gruppe bei Typ O2.01 (25 von 75 Partien), während in der
Wettkampfpraxis der Typ O2.02 bevorzugt wird (389 von 1044 Partien).
d) Mit den Bildern O2.01 und O2.03 hat Weiß die meisten Probleme, hier liegt
der Erfolg statistisch gesehen unter 50%. Bis auf O2.07 und O2.09 hält sich
Schwarz die Möglichkeit zur großen Rochade offen.

176
O2. Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

Quellenübersicht
Die nachfolgende Tabelle gibt eine Quellenübersicht. Diese Quellen beschäfti-
gen sich ausdrücklich mit dem Königsindischen Angriff. Angekreuzte Tabellen-
plätze zeigen an, dass der dazu gehörende Stellungstyp in dieser Quelle ange-
sprochen wird:

177
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Allgemeine Erkenntnisse zur Tabelle und den Stellungsbildern:


a) Die in den Quellen am häufigsten besprochenen Stellungstypen sind
O2.02/O2.03. Dies deckt sich nicht ganz mit den im GM-Bereich am häu-
figsten gespielten Stellungen, die bei O2.01 und O2.02 liegen.
b) Vermutlich wegen seiner Ähnlichkeit mit O4.01 wird O2.03 öfter als der
Stellungstyp O2.01 besprochen.
Zugumstellungen
Folgende Stellungstypen können durch Zugumstellungen in den Hauptvarianten
ineinander übergehen:

178
O2.01 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

O2.01 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 25 2531/2550 22/ 52/ 26 48/52
gSN 2100-2449 73 2314/2308 36/ 38/ 26 55/45
All ------------- 248 2300/2289 32/ 41/ 27 52/48
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


06, 025%: 7.Te1 Lc5 (= 0.25)
03, 083%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 (= 0.14)
03, 033%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Le7 ( 0.33)
03, 067%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sc5 (= 0.21)
04, 038%: 7.c4 ( 0.29)
03, 033%: 7.c3 Le7 ( 0.32)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


04, 075%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Le7 9.Sgxe4 Dc8 10.b3 0-0 11.Lb2
06, 067%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sc5 9.Sgxe4 Sfxe4 10.Sxe4 Sxe4 11.dxe4 Dxd1
04, 038%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sc5 9.Sgxe4 Sfxe4 10.Sxe4 Sxe4 11.Lxe4 Lxe4
04, 050%: 7.Te1 Lc5 8.e4
04, 075%: 7.Te1 Lc5 8.h3
06, 075%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 c5
04, 025%: 7.c3

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


41, 051%: 7.Te1 Lc5
15, 067%: 7.Te1 Le7 8.e4 dxe4
23, 057%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Le7 9.Sgxe4 Dc8
22, 055%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sc5 9.Sgxe4 Sfxe4 10.Sxe4 Sxe4
16, 066%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 c5
24, 044%: 7.c4 Le7
18, 053%: 7.c3 Le7 8.Dc2 0-0

179
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A05.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Aivars
Gipslis, ELO 2492, 5 Partien, 60% Erfolg.
 Dieser Stellungstyp ist der einzige, der Hauptvarianten mit fünf verschiede-
nen Antworten im 7. Zug bereithält, wobei 7.b3 statistisch gesehen am aus-
sichtsreichsten ist.
 Aus den im gSN dokumentierten Abtauschvarianten kann der Schwarze
statistisch gesehen keinen Profit herausschlagen. Weiß kann bisher besser mit
11.dxe4 (Q009-FRITZ11: =0.22 / Tiefe 19) als mit 11.Lxe4 (Q009-FRITZ11:
=0.15 / Tiefe 19) umgehen.
 In den aus Sicht von Q009-FRITZ11 - nach ausgespielten Hauptvarianten
(7.e4 dxe4 8.Sg5 Le7, 7.c4 bzw. 7.c3) - aussichtsreichsten Stellungen punktet
Weiß im GM-Bereich schlecht.
Beispielpartien
Kozul (2609) - Tiviakov (2643), Kreta 2007, A05, 0-1: 1.Sf3 Sf6 2.g3 b6 3.Lg2 Lb7 4.0-
0 e6 5.d3 d5 6.Sbd2 Sbd7 7.Te1 Lc5 8.e3 0-0 9.a3 a5 10.b3 Te8 11.Lb2 e5 12.e4 dxe4
13.dxe4 Sg4 14.Te2 La6 15.c4 De7 16.h3 Sgf6 17.Dc2 Lb7 18.Sb1 c6 19.Lc3 b5 20.Lb2
bxc4 21.bxc4 Ld6 22.Sh4 g6 23.Sd2 Sc5 24.Shf3 Sfd7 25.Sf1 Se6 26.Se3 c5 27.Sd5 Dd8
28.Da4 Lxd5 29.cxd5 Sd4 30.Tee1 Sb6 31.Dd1 Dd7 32.Tb1 Sc4 33.Lc1 Tab8 34.Txb8
Txb8 35.Lf1 Sb2 36.Lxb2 Txb2 37.Kg2 Dd8 38.Sd2 Df6 39.Te3 c4 40.Le2 Lc5 41.Sxc4
Txe2
Saidy – Hearst, New York 1955, A05, 0-1: 1.Sf3 e6 2.g3 d5 3.Lg2 Sf6 4.0–0 Sbd7 5.d3
b6 6.Sbd2 Lb7 7.b3 Le7 8.Lb2 0–0 9.Te1 Sc5 10.c4 a5 11.Tc1 Sg4 12.h3 Sh6 13.Dc2 Sa6
14.d4 f5 15.cxd5 exd5 16.Se5 c5 17.Ted1 Tc8 18.Db1 Sc7 19.dxc5 Lxc5 20.Sdf3 De7
21.Sd3 Se6 22.Sxc5 bxc5 23.Dd3 d4 24.La3 Tfe8 25.Td2 Kh8 26.Db5 Sf7 27.Sh4 Lxg2
28.Kxg2 Sd6 29.Da6 Se4 30.Tdc2 f4 31.Sf5 Dd7 32.Dd3 Dd5 33.f3 Sxg3 34.Sxg3 fxg3
35.De4 Dg5 36.Dg4 De3 37.De4 Df2+

Quellenauswertung
 Q004-MEGABASE, GM Ftacnik empfiehlt mit 7.Te1 Lc5 „!“ fortzusetzen
(vgl. seine Anmerkungen zur Partie Olafsson (2560) – Karpovn (2690), Til-
burg 1977, 0-1, in der 7.c3 Le7 gespielt wurde).
 GM Kharitonov hält die Stellung nach 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sc5 9.Sgxe4 Sfxe4
10.dxe4 e5 für „=“.
 Q15-CAISSA, Bd. V, S. 321f mit 7.Te1 Lc5.
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 173f, mit der Partie Olafsson - Karpov, Til-
burg 1977, 0-1 und der Variante 7.c3 Le7 8.Dc2 „A bit of a passive location

180
O2.01 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

for the queen [...] 8.Te1 0-0 9.e4 dxe4 dxe4 Sc5 . The weakness of d3 gives
black good counterplay.“ 8...0-0 9.e4.
 Q018-MADDOX, s.p., in der Partie Portisch - Karpov, Moskau 1977, 0-1
wurde 7.Te1 Lc5 “!“ 8.c4 gespielt („Weiß attackiert das schwarze Zentrum
mit einer Linken anstatt der üblichen Rechten. Falls Weiß auf dem KIA-
Vorstoß 8.e4 besteht, gewinnt Schwarz die Oberhand: 8...dxe4 9.dxe4 Sg4
10.Te2 La6 11.c4 Lb7“ [Die Aussage ist unbegründet; es gibt auch keine Par-
tien zur resultierenden Stellung. Q009-FRITZ11 sieht in Tiefe 17 leichten
Vorteil für Weiß]) 8...0-0 9.cxd5 exd5 10.Sb3 Lb4 „!“ 11.Ld2 a5 „!“ 12.
Sbd4 Te8 13.Tc1 c5 14.Sf5 Sf8 15.d4 „?! Macht das Feld e4 für den Sf6 zu-
gänglich“ Se4 16.dxc5 „?“ Sxd2 „!+“ 17.Sxd2 Dg5 „!“ 18.Sd6 Lxd2
19.Sxb7 Lxe1 20.Dxe1 „?“ Txe2 „!“ 21.Dxe2 „Der Turm hängt“ Dxc1+ 22.
Df1 Dd2 23.cxb6 Tc8 [und Weiß gab auf].
 Q063-EMMS05, S. 212f, mit der Partie Kaplan – Pomar Salamanca, Madrid
1973, 1-0 und der Fortsetzung: 7.De1 „!? Not the most natural-looking move
to play, but the logic behind it becomes apparent [offensichtlich] once the al-
ternatives are examined: a) After the logical 7 Re1 Black’s idea is to play ac-
tively with 7...Bc5! […] b) 7 e4 dxe4 8 Ng5 Nc5! can lead to dull
[langweilig] equality after 9 Ngxe4 Nfxe4 10 Nxe4 Nxe4 11 Bxe4 Bxe4 12
dxe4 Qxd1 13 Rxd1.” [Vgl. hierzu die von GM Kharitonov vorgeschlagene
Variante, die den umfassenden Abtausch vermeidet; s.o. Q004-
MEGABASE.]
 Q095-ECO, S. 25 benennt die Hauptvariante 7.c3 Le7 mit der Fortsetzung
8.Dc2 0-0 9.e4 dxe4 10.dxe4 Sc5 „=“.
 Q096-NCO, S. 13 benennt die Hauptvariante 7.Te1 Lc5 mit der Fortsetzung
8.c3 a5 9.a4 0-0 10.Dc2 Te8 „=“. Die Variante und die Bewertung der End-
stellung stammen von GM Emms.
 Q098-KEENE, S. 116 mit der Partie Portisch - Karpov, Moskau 1977 mit der
Fortsetzung: 7.Te1 Lc5 „To discourage [abraten] 8 e4. The hallmark
[Kennzeichen] of this variation is the fluid play Black gains for his minor
pieces [Leichtfiguren].” 8.c4 0-0 9.cxd5 exd5 10.Sb3 Lb4.
 Auf S. 116 zeigt GM Keene nach 7.Te1 Lc5, dass Weiß den Einschlag Lxf2+
im Auge behalten muss (“Lombardy’s Plan”). Nach 8.c3 a5 9.a4 0-0 10.Dc2
betrachtet GM Keene die Fortsezung, die verständlicherweise in der zugrun-
de liegenden Partie Planinc - Lombardy, Amsterdam 1974, 0-1, nicht zur
Ausführung kam: 10...Lxf2+ 11. Kxf2 Sg4+ 12. Kg1 Se3 13.Db3 Sc5
14.Da2 Sc2 „±“.

181
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O2.02 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 21 2526/2523 43/ 38/ 19 62/38
gSN 2100-2449 119 2290/2280 35/ 42/ 23 56/44
All ------------- 389 2264/2242 40/ 34/ 26 57/43
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


15, 060%: 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.c3 Dc7 (= 0.13)
03, 050%: 7.e4 c5 8.e5 Sfd7 (=)
03, 083%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 0-0 9.De2 La6 10.c4 ( 0.65)
03, 067%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 0-0 9.e5 ( 0.50)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


42, 050%: 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.c3 Dc7 10.a3
51, 060%: 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.e5 Sd7
26, 067%: 7.e4 c5 8.Te1 0-0 9.e5 Sfd7 10.Sf1 Sc6 11.h4
12, 063%: 7.e4 c5 8.De2 Sc6 9.Te1 Dc7 10.c3
14, 054%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sbd7 9.Sgxe4 Dc8
06, 050%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 0-0 9.Sdxe4 Sxe4 10.Sxe4
06, 075%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 c5
08, 069%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 0-0 9.e5 Sfd7 10.Te1
10, 090%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 0-0 9.De2
11, 045%: 7.Te1 c5 8.c3 0-0 9.Dc2 Sc6 10.e4
08, 063%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c5
06, 050%: 7.c3 0-0 8.Dc2
06, 075%: 7.c4 0-0

182
O2.02 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


084, 57%: 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.c3 Dc7 10.a3
119, 46%: 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.e5 Sd7
107, 74%: 7.e4 c5 8.Te1 0-0 9.e5 Sfd7
023, 57%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sbd7 9.Sgxe4 Dc8
022, 57%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 0-0
043, 76%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 0-0 9.De2
034, 47%: 7.Te1 0-0 8.c3 c5 9.Dc2 Sc6 10.e4
024, 71%: 7.Te1 Sbd7 8.e4
021, 43%: 7.c3 Sbd7
030, 43%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c5
024, 63%: 7.b3 0-0 8.Lb2 Sbd7
035, 61%: 7.c4 0-0
024, 44%: 7.c4 Sbd7

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A05, C00.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Konstan-
tin Chernyshov, ELO 2530, 3 Partien, 33% Erfolg.
 Nach 7.e4 c5 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O2.03 nach 7.e4
Le7.
 Wählt Schwarz auf dem Weg von 7.e4 c5 8.Te1 die kurze Rochade 8...0-0,
so verfügt Weiß über den aus Typ O4.01 bekannten Plan mit dem Spiel am
Königsflügel (Sf1 über h2 zur Unterstützung heranführen / h4 mit der Idee
h5, h6 / Sg5 öffnet den Weg für die Dame Dg4 bzw.Dh5).
 Nach 7.e4 lässt Schwarz zunächst offen, ob er überhaupt rochiert und wenn,
welche Rochade er durchzuführen gedenkt. Weiß muss mit einem Plan basie-
rend auf 0-0-0 und g5 rechnen. Der Zug e4-e5 ist in diesem Fall in der Regel
zurückzustellen, um eine Unterminierung via h6-g5-h5-g4 zu vermeiden (vgl.
Q106-DAVIES).
 Ein von Schwarz nach 7.e4 initiierter Abtausch 7...dxe4 ist im GM-Segment
statistisch gesehen eher vorteilhaft für Weiß.

183
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Beispielpartien
Novikov (2556) - Grachev (2578), Moskau 2007, C00, ½-½: 1.g3 d5 2.Lg2 Sf6 3.d3 b6
4.Sd2 Lb7 5.Sgf3 e6 6.0-0 Le7 7.Te1 c5 8.c3 Sc6 9.e4 Dc7 10.De2 a5 11.a4 La6 12.e5
Sd7 13.h4 h6 14.h5 0-0 15.Sf1 f5 16.exf6 Txf6 17.S3h2 Sde5 18.Lf4 Ld6 19.Tad1 c4
20.d4 Sd3 21.Lxd6 Dxd6 22.Sg4 Taf8 23.Sxf6+ Txf6 24.Txd3 cxd3 25.De3 Se7 26.Lh3
Sf5 27.De5 Dxe5 28.Txe5 Kf7 29.Lxf5 Txf5 30.f4 Txe5 31.dxe5 g6 32.hxg6+ Kxg6
33.Kf2 h5 34.b3 b5 35.axb5 Lxb5 36.Kf3 La6 37.Ke3 Kf5 38.Kf3 d4 39.cxd4 Lb7+
40.Ke3 Kg4 41.Kf2 Kf5 42.d5 exd5 43.Ke3 Lc8 44.Sh2 d2 45.Kxd2 Ke4 46.Ke2 d4
47.Sf1 Lg4+ 48.Kf2 Kd3 49.Sh2 Lc8 50.Sf3 Kc3 51.Sg5 d3 52.Ke3 Lf5 53.Sf3 Lg4
54.Sd2 Kc2 55.Sc4 Le6 56.Sd2 Lf5 57.Sf3 Kc3 58.Sd2 Kc2

Quellenauswertung
 Q004-MEGABASE, Q004-MEGABASE, In dem Stellungsbild 7.e4 Le7
8.Te1 Sc6 9.e5 Sd7 10.h4 kommentiert P. Horn (ELO 2295), in der Partie
Ibragimov – Tiviakov, New York 1998, ½-½, die schwarze Antwort 10...b5
„?! [...] Der schwarze Aufbau wird in aller Regel mit der Idee gespielt, lang
zu rochieren und dann (mit h6/g5) am anderen Flügel vorzugehen. Die von
Uhlmann regelmäßig angewandte Alternative in der Französischen Verteidi-
gung gegen den Königsindischen Angriff besteht darin, kurz zu rochieren
und dann einen Bauern-Sturm (b5, a5, b4) am Damenflügel zu führen. Der
Läufer c8 greift dann über a6 (und nicht b7) ins Spiel ein. Da Tiviakov jetzt
bei einer gelegentlichen 0-0 zwei Züge (Bauern b7-b6-b5, Läufer c8-b7-a6)
gegenüber dem Uhlmann-Plan im Hintertreffen wäre, muss der König e8
entweder im Zentrum bleiben oder lang rochieren.“318
 GM Evgeny Postny (ELO 2482) spielt die von ihm selbst kommentierte
Variante (Almasi - Postny, Budapest 2002, 0-1): 7.e4 dxe4 8.dxe4 0-0 „But
not 8...Sxe4?? 9.Se5 f5 10.Dh5+ g6 11.Sxg6 Sf6 12.Dh3 Lxg2 13.Dxg2 hxg6
14.Dxa8“ (mit Qualitätsgewinn in der Partie Ignatenko - Sviridov, Ekaterin-
burg 1996, ½-½) 9.De2 Sc6 10.e5 Sd7 11.Td1 „White has got some space
advantage, but black's position is out of weaknesses. The chances are about
equal.“
 Von GM Shirov kommentiert: 7.e4 dxe4 8.dxe4 0-0 „8…Sxe4?? 9.Se5 Sd6
10.Lxb7 Sxb7 11.Df3+.“
 Von ChessBase kommentiert: Petrosian, T.V. – Sokolsky, Kiew 1954, 1-0:
7.e4 dxe4 „7...0-0 8.e5 Sfd7 9.Te1 … mit der Idee Sf1, Lf4“ 8.dxe4 0-0
„8...Sxe4? 9.Se5 Sc5 10.Lxb7 Sxb7 11.Df3” 9.e5

318
Hee: Zitat mit formalen Textkorrekturen. Vgl. zur Aussage von P. Horn den Stellungstyp O4.01.

184
O2.02 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

 P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Loginov – Kosyrev, 2003, 1-0.
Folgende Variante wurde gespielt: 7.e4 c5 8.c3 Sc6 9.Te1 Dc7 10.Sf1 0-0-0
11.Lf4 „Wegen dieses Zuges ist die 0-0-0 recht gewagt“.
 Ferner kommentiert P. Horn (ELO 2295) die Partie Davies – Cvetkovic,
Vrnjacka Banja 1991, 0-1 mit der Variante: 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.De2 Dc7
10.c3 0-0 „Man beachte die Finesse: Schwarz wartet c2-c3 ab [bevor er kurz
rochiert].“
 Q006-DWORETSKI-JUSSUPOW95, S. 135, mit der Beispielpartie Partie
Tschechow – Iwanow, Sotschi 1975 und der Variante 7.e4 c5 8.e5 „Wenn
Weiß e4-e5 spielt, sollte Schwarz versuchen, g7-g5 durchzusetzen. Von die-
sem Vorstoß hängt die Beurteilung der Stellung ab.“ 319 8...Sfd7 9.Te1 Sc6
10.Sf1 Dc7 „Jetzt kam 10...g5!? bereits in Betracht.“
 Q008-DUNNINGTON98, S. 41ff. Kommentiert die Partie Psakhis - Pauno-
vic, Minsk 1986, 1-0 nach 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 mit der Fortsetzung 9.a3 „!?
With this useful move White waits to see where the Black king will go. He
also retains [behält] the possibility of a favourable central exchange with
e4xd5.” (S. 46)
 Sowie die Partie Hodgson - Seirawan, Wijk aan Zee 1986, 1-0 nach 7.e4 c5
8.Te1 Sc6 9.c3 mit der Fortsetzung 9...h6 “?! Not as useful as 9….Qc7.
White has not yet commited himself with e4-e5, so the prospect of the thrust
...g7-g5 is still quite remote. Consequently Black has simply weakened his
kingside.” (S. 48)
 In der Partie Konstantinopolsky - Banas, Correspondence 1985, 1-0 setzt
Weiß nach Stellungsbild 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 mit 9.e5 fort: „White shows that
he is happy to follow a more traditional path than waiting with 9.c3 or 9.a3.
From this point on the game revolves around the e5-square, which White will
over-protect.” (S. 50)
 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 324f mit den Varianten:
 7.c3 bzw.
 7.e4 dxe4 8.dxe4 0-0 9.e5 und
 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sbd7 9.Sdxe4.
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 181 bemerkt zur Stellung 7.e4 c5 8.Te1 und
dem Schwarzen Zug 8...0-0 „Black should keep his option of ...0-0-0 open
when playing the French Defence set up with ...b6”.
 Auf S. 183 wird nach erreichen des Stellungsbildes 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.c3
und der Schwarzen Antwort 9...dxe4 kommentiert: „?! Already a typical mis-
take made by several of Fischer and Stein’s opponents. Black releases the

319
Unter der Voraussetzung, dass Schwarz auf die Rochade verzichtet bzw. groß rochiert.

185
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

central tension prematurely [voreilig], and gives white the use of the e4-
square.”
 Q022-SCHILLER, S. 30, bemerkt zum Stellungsbild nach 7.e4 c5 8.Te1 Sc6
über den Zug 9.e5 „!? This is a thematic advance, and it seems to be White’s
best practical chance at present.“
 Q045-TANGBORN, S. 10 in der Partie Petrosian, T.V. – Sokolsky, Kiew
1954, 1-0 geht es nach der Hauptvariante: 7.e4 dxe4 8.dxe4 0-0 9.e5 weiter
mit 9...Sfd7 10.De2 Sc6 11.Te1 Dc8 12.a3 „To deny the Black pieces access
to the b4 square. White’s strategy includes restricting his opponent by con-
trolling key squares. While in this position White can make progress only
very slowly, Black can make no progress at all.”
 Ab S. 30 wird nach 7.e4 c5 die Partie Shirov – Rosentalis, Klaipeda 1988,
0-1 besprochen: 8.e5 Sfd7 9.Te1 Sc6 10.Sf1 “Better is 10.h4, which would
prevent Black’s next move.” 10….g5 “This move is possible because Black
has delayed castling.” 11.h3 h6 12.c3 Dc7 13.d4 0-0-0 14.Le3 f6 “Under-
mining White’s strongpoint at e5 will give Black’s pieces grater mobility.”
 Q063-EMMS05, S. 22, mit der Partie Gonzalez de la Torre – Pomes Marcet,
Ortigueira 2002, 1-0 in der Stellung 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 und der Fortsetzung:
9.c3 „!? A more flexible option than 9 e5. White keeps the tension in the cen-
tre and begins play on the queenside in anticipation of Black’s long castling.“
9...Dc7 10.a3 „Another move dissuading [davon abbringen] Black from cas-
tling queenside – now b2-b4 is in the air.” 10...0-0-0 „Despite [trotz] White’s
previous two moves, Black goes ahead with castling long, but there are cer-
tainly alternatives to this: a) After 10...0-0 White reverts back to the ‘old
plan’ by closing the centre […] L. Psakhis - D. Paunovic, Minsk 1986 b)
10...dxe4!? 11 dxe4 is interesting [...] A. Fedorov - G. Kuzmin, Nikolaev
1993.”
 Q065-DZINDZICHASHVILI, s.p., weist auf eine Eröffnungsfalle hin, die
Schwarz sehen sollte: 7.e4 is playable „no matter Black does“ 7…dxe4
8.dxe4 Sxe4 „??“ 9.Se5 […].
 Q072-NORWOOD, S. 26, mit der Partie Rogers (2535) – Dutreeuw (2405),
Novi Sad 1990, 1-0 und der Hauptvariante: 7.e4 dxe4 „and soon ran into
trouble. I think that 7 …c5 was better.“ 8.dxe4 0-0 9.e5 und der Fortsetzung
9...Sd5 10.a3 b5.
 Q098-KEENE, S. 114-115 mit der Partie Benko - Bisguier, Stockholm 1962,
1-0: „An instructive manoeuvring game. White first places Black’s entire
kingside under restraint [mit dem Plan e4-e5, Te1, Sf1, h2-h4, Sh2, h5, Sg4,
S3h2, f2-f4], then seals up the opposite flank to reduce any possible counter-
play and finally turns his attention back to Black’s paralysed and helpless
King’s wing. [...b6 this] move is nearly always too conservative. b5 in con-

186
O2.02 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

junction with c5 is more aggressive.” Nach 7.e4 0-0 geht es weiter mit 8.e5
Sfd7 9.Te1 Te8 10.Sf1 Sf8 11.h4 Sbd7 12.S1h2 c5 13.h5 h6 „Creating a
target for later attack, but to allow h6 by White would hardly [kaum] be any
better.” 14.Sg4 Sh7 15.Sfh2 „! Preparing a timely f4, depriving [entziehen]
Black’s pieces of the use of g5.” 15...Sdf8 16.f4 “Now there is also a latent
threat of f5, destroying the barricades around Black’s King.” 16...Tb8
17.Ld2 b5 18.Sf2 d4 “It was not so easy to see that this move is almost im-
mediately fatal in a strategic sense. Black would have done better with
18...a5 intending a4-a3 and then c4, trying to break open lines on the
queenside at any cost. If then 19 a4 Black could try either 19…bxa 10 Txa4
Ta8 followed by Lc6 and a4, or 19…b4 and then the sacrificial possibility b3
- deflecting White’s attention from the kingside - must be considered.”
19.Lxb7 Txb7 20.Df3 Td7 21.a4 “! A very fine move. Black must now ei-
ther allow the opening of the a-file, which would be rapidly seized by
White’s Rooks, or close the queenside and allow White a free hand in his op-
erations against Black’s King.” 21...b4 “Now that his pawns are locked on
dark squares, Black suffers from the additional problem of the inactivity of
his King’s Bishop.” 22.b3
 Q106-DAVIES, s.p., bespricht ab Stellungsbild 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 die Partie
Psakhis – Paunovic, Minsk 1986, 1-0. „White having played this move Re1
expecting to be going e5 with the usual 9...Nd7 10.Nf1 et cetera but here is
actually a little bit of a problem because Black hasn’t castled kingside. He
has the option of playing the move g5 either now or in a couple of moves
time. This can be very dangerous for White.” 9.a3 “A waiting move. 9.e5
Nd7 10. Nf1 Qc7 11. Qe2 g5 to undermine e5.” 9...Dc7 10.c3 “Another wait-
ing move.” 10...0-0 “10...0-0-0 11.Qe2 Nd7 12.b4 to nibble away Black’s
queenside pawn structure. This is quite a promising [vielversprechend] plan
for White. Another way for Black is 10...a5 11.a4 0-0 in the game 1-0
Knezevic, M-Jovcic, M/Jugoslavija 1975/Inf 20. Black castled kingside any-
way he saw he couldn’t make any further progress on the queenside. 12.e5 a
good move 12...Nd7 13.Qe2 to defend e5 13...Rfe8 14.Nf1 f5 a move which
White stopped sometimes with bringing the bishop to h3; f6 or f5 is often
weakening if White takes it 15.exf6 Bxf6 16.Ng5 Nf8 17.h4” 11.e5 “Now
…g5 would disastrous weaken Black’s King.” 11...Sd7 12.d4 cxd4 13.cxd4
Sa5 14.Sf1 Tfc8 […].
 Q117-RYBKABOOK, s.p. Das Rybkabuch listet die Fortsetzung: 7.e4.

187
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O2.03 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 12 2541/2537 17/ 58/ 25 46/54
gSN 2100-2449 59 2287/2274 27/ 41/ 32 47/53
All ------------- 193 2277/2275 33/ 32/ 35 49/51
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


15, 060%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.c3 Dc7 (= 0.13)
03, 050%: 7.e4 Le7 8.e5 Sfd7 (= -0.01)
03, 050%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 (= 0.07)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


11, 059%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.c3 Dc7 10.a3 0-0-0
12, 063%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.c3 Dc7 10.De2
14, 064%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.e5 Sd7 10.Sf1 Dc7
19, 066%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.e5 Sd7 10.h4 Dc7 11.De2
09, 044%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.exd5
11, 064%: 7.e4 Le7 8.Te1 0-0 9.e5 Sfd7 10.Sf1 Sc6 11.h4 Te8
10, 075%: 7.e4 Le7 8.Te1 0-0 9.e5 Sfd7 10.Sf1 Sc6 11.h4 Dc7
04, 038%: 7.e4 Le7 8.De2 Sc6 9.c3
07, 064%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Le7 9.Sgxe4 Sc6 10.Sxf6+ Lxf6 11.Se4 Le7
03, 067%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Le7
06, 050%: 7.Te1 Le7 8.c3 0-0 9.Dc2 Sc6 10.e4 Dc7 11.Sf1
03, 017%: 7.Te1 Le7 8.c3 0-0 9.Dc2 Sc6 10.e4 b5 11.Sf1

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


84, 057%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.c3 Dc7 10.a3
43, 058%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.c3 Dc7 10.De2
95, 073%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.e5 Sd7 10.Sf1 0-0 11.h4
10, 070%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Le7
34, 047%: 7.Te1 Le7 8.c3 0-0 9.Dc2 Sc6 10.e4

188
O2.03 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A05, A08, C00.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Sergei
Tiviakov, ELO 2634, 4 Partien, 62% Erfolg.
 Nach 7.e4 Le7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O2.02 nach 7.e4
c5.
 Nach 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O4.01
nach 7.e4 b6 8.Te1 Lb7.
 Wählt Schwarz auf dem Weg von 7.e4 Le7 8.Te1 die kurze Rochade 8...0-0,
so verfügt Weiß über den aus Typ O4.01 bekannten Plan mit dem Spiel am
Königsflügel (Sf1 über h2 zur Unterstützung heranführen / h4 mit der Idee
h5, h6 / Sg5 öffnet den Weg für die Dame Dg4 bzw.Dh5).
 Nach 7.e4 lässt Schwarz zunächst offen, ob er überhaupt rochiert und wenn,
welche Rochade er durchzuführen gedenkt. Weiß muss mit einem Plan basie-
rend auf 0-0-0 und g5 rechnen. Der Zug e4-e5 ist in diesem Fall in der Regel
zurückstellen, um eine Unterminierung via h6-g5-h5-g4 zu vermeiden (vgl.
Q106-DAVIES).
 Ein von Schwarz nach 7.e4 initiierter Abtausch 7...dxe4 ist statistisch gese-
hen eher vorteilhaft für Weiß.
Beispielpartien
Loginov (2510) - Vitiugov (2550), St. Petersburg 2006, C00, 0-1: 1.Sf3 Sf6 2.g3 b6
3.Lg2 Lb7 4.0-0 e6 5.d3 d5 6.Sbd2 c5 7.c3 Sc6 8.e4 Le7 9.Te1 Dc7 10.Sf1 d4 11.cxd4
cxd4 12.Lf4 e5 13.Sxe5 Sxe5 14.Tc1 Dd6 15.Sd2 Sfd7 16.Lh3 Df6 17.Da4 0-0 18.Lxd7
Sxd3 19.Lc6 Sxc1 20.Lxb7 Sd3 21.Lxa8 Txa8 22.e5 De6 23.Te4 Sc5 24.Dxd4 Td8
25.Dc4 Sxe4 26.Dxe4 Dd5 27.De2 Dxa2 28.b3 Da1+ 29.Kg2 Dd4 30.h4 Lb4 31.Sc4 Dd1
32.Da2 Dd5+ 33.f3 Dd1 34.Dxa7 De2+ 35.Kh3 h5 36.Dc7 Td1

Quellenauswertung
 Q004-MEGABASE, In dem Stellungsbild 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.e5 Sd7
10.h4 kommentiert P. Horn (ELO 2295), in der Partie Ibragimov – Tiviakov,
New York 1998, ½-½, die schwarze Antwort 10...b5 „?! [...] Der schwarze
Aufbau wird in aller Regel mit der Idee gespielt, lang zu rochieren und dann
(mit h6/g5) am anderen Flügel vorzugehen. Die von Uhlmann regelmäßig
angewandte Alternative in der Französischen Verteidigung gegen den Kö-
nigsindischen Angriff besteht darin, kurz zu rochieren und dann einen Bau-
ern-Sturm (b5, a5, b4) am Damenflügel zu führen. Der Läufer c8 greift dann
über a6 (und nicht b7) ins Spiel ein. Da Tiviakov jetzt bei einer gelegentli-
chen 0-0 zwei Züge (Bauern b7-b6-b5, Läufer c8-b7-a6) gegenüber dem

189
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Uhlmann-Plan im Hintertreffen wäre, muss der König e8 entweder im Zent-


rum bleiben oder lang rochieren.“320
 P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Loginov – Kosyrev, 2003, 1-0.
Nach 7.e4 Le7 wurde die folgende Variante gespielt: 8.c3 Sc6 9.Te1 Dc7
10.Sf1 0-0-0 11.Lf4 „Wegen dieses Zuges ist die 0-0-0 recht gewagt“.
 Ferner kommentiert P. Horn (ELO 2295) die Partie Davies – Cvetkovic,
Vrnjacka Banja 1991, 0-1 nach 7.e4 Le7 und der Variante: 8.Te1 Sc6 9.De2
Dc7 10.c3 0-0 „Man beachte die Finesse: Schwarz wartet c2-c3 ab [bevor er
kurz rochiert].“
 Q006-DWORETSKI-JUSSUPOW95, S. 135, mit der Beispielpartie Partie
Tschechow – Iwanow, Sotschi 1975 und der Variante 7.e4 Le7 8.e5 „Wenn
Weiß e4-e5 spielt, sollte Schwarz versuchen, g7-g5 durchzusetzen. Von die-
sem Vorstoß hängt die Beurteilung der Stellung ab.“ 321 8...Sfd7 9.Te1 Sc6
10.Sf1 Dc7 „Jetzt kam 10...g5!? bereits in Betracht.“
 Q008-DUNNINGTON98, S. 45-48. Kommentiert wird die Partie Psakhis -
Paunovic, Minsk 1986, 1-0 nach 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 mit der Fortsetzung
9.a3 „!? With this useful move White waits to see where the Black king will
go. He also retains the possibility of a favourable central exchange with
e4xd5.” (S. 46)
 In der Partie Hodgson - Seirawan, Wijk aan Zee 1986, 1-0 wird nach 7.e4
Le7 8.Te1 Sc6 9.c3 fortgesetzt mit 9...h6 “?! Not as useful as 9…. Qc7.
White has not yet commited himself with e4-e5, so the prospect of the thrust
...g7-g5 is still quite remote. Consequently Black has simply weakened his
kingside.” (S. 48)
 In der Partie Konstantinopolsky - Banas, Correspondence 1985, 1-0 setzt
Weiß nach Stellungsbild 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 mit 9.e5 fort: „White shows that
he is happy to follow a more traditional path than waiting with 9.c3 or 9.a3.
From this point on the game revolves around the e5-square, which White will
over-protect.” (S. 50)
 Q015-CAISSA, Bd. V, S. 335f nach 7.e4 Le7 folgt:
 8.Te1 Sc6 9.exd5 bzw.
 8.Te1 Sc6 9.De2 Dc7 10.e5 Sd7 11.c4.
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 181 bemerkt zur Stellung 7.e4 Le7 8.Te1
und dem Schwarzen Zug 8...0-0 „Black should keep his option of ...0-0-0
open when playing the French Defence set up with ...b6”.
 Auf S. 183 wird nach erreichen des Stellungsbildes 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.c3
und der Schwarzen Antwort 9...dxe4 kommentiert: „?! Already a typical mis-

320
Hee: Zitat mit formalen Textkorrekturen. Vgl. zur Aussage von P. Horn den Stellungstyp O4.01.
321
Unter der Voraussetzung, dass Schwarz auf die Rochade verzichtet bzw. groß rochiert.

190
O2.03 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

take made by several of Fischer and Stein’s opponents. Black releases the
central tension prematurely [voreilig], and gives white the use of the e4-
square.”
 Q022-SCHILLER, S. 30, bemerkt zum Stellungsbild nach 7.e4 Le7 8.Te1
Sc6 über den Zug 9.e5 „!? This is a thematic advance, and it seems to be
White’s best practical chance at present.“
 Q045-TANGBORN, ab S. 30 wird nach 7.e4 Le7 die Partie Shirov –
Rosentalis, Klaipeda 1988, 0-1 besprochen: 8.e5 Sfd7 9.Te1 Sc6 10.Sf1
“Better is 10.h4, which would prevent Black’s next move.” 10….g5 “This
move is possible because Black has delayed castling.” 11.h3 h6 12.c3 Dc7
13.d4 0-0-0 14.Le3 f6 “Undermining White’s strongpoint at e5 will give
Black’s pieces grater mobility.”
 Q063-EMMS05, S. 22-25, mit der Partie Gonzalez de la Torre (2420) - Po-
mes Marcet (2382), Ortigueira 2002, 1-0322 in der Stellung 7.e4 Le7 8.Te1
Sc6 und der Fortsetzung: 9.c3 „!? A more flexible option than 9 e5. White
keeps the tension in the centre and begins play on the queenside in anticipa-
tion of Black’s long castling.“ 9...Dc7 10.a3 0-0-0 11.De2 h6 12.b4 “!” c4
“!? Mixing things up in the centre. 12...g5 is the obvious alternative […].”
13.dxc4 “!? Preparing an imaginative and surprisingly strong queen sacri-
fice.” 13...dxe4 14.Sxe4 Sxe4 15.Dxe4 Sxb4 16.Dxb7+ “!!” Dxb7 17.axb4
“White has only two minor pieces for the queen, but the bishop on g2 is a
monster, the rook on a1 is seeing plenty of action ahead, and Black’s king
and queen are very much in the firing line.“ Lf6 18.Sd4 Dc7 19.Lf4 e5
20.Sc6 exf4 21.Sxa7+ Dxa7 22.Txa7 fxg3 23.hxg3 The8 24. Ta8+ 1-0.
 Q072-NORWOOD, S. 26-27, und der Partie Tseitlin (2465) – Liss (2300),
Tel Aviv 1990, 1-0 mit der HV 7.e4 Sc6 8.Te1 Le7 9.c3 Dc7 sowie der Fort-
setzung 10.Sf1 d4 „[...] looks vaguely dubios.“
 Q106-DAVIES, s.p., bespricht ab Stellungsbild 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 die Par-
tie Psakhis – Paunovic, Minsk 1986, 1-0. „White having played this move
Re1 expecting to be going e5 with the usual 9...Nd7 10.Nf1 et cetera but here
is actually a little bit of a problem because Black hasn’t castled kingside. He
has the option of playing the move g5 either now or in a couple of moves
time. This can be very dangerous for White.” 9.a3 “A waiting move. 9.e5
Nd7 10. Nf1 Qc7 11. Qe2 g5 to undermine e5.” 9...Dc7 10.c3 “Another wait-
ing move.” 10...0-0 “10...0-0-0 11.Qe2 Nd7 12.b4 to nibble away Black’s
queenside pawn structure. This is quite a promising [vielversprechend] plan

322
Die Partie geht mit dem ausgespielten sechsten Zug zunächst in den Stellungstyp O4.01 über (mit
dem Unterschied, dass Weiß e4 der Rochade vorgezogen hat). Und wenn man andererseits die HV
7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.c3 Dc7 des Typs O2.03 ausspielt, wird nach dem neunten Zug das gleiche
Stellungsbild wie in der oben genannten Partie erreicht.

191
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

for White. Another way for Black is 10...a5 11.a4 0-0 Black castled kingside
anyway he saw he couldn’t make any further progress on the queenside.
12.e5 a good move 12...Nd7 13.Qe2 to defend e5 13...Rfe8 14.Nf1 f5 a move
which White stopped sometimes with bringing the bishop to h3; f6 or f5 is
often weakening if White takes it 15.exf6 Bxf6 16.Ng5 Nf8 17.h4” 11.e5
“Now …g5 would disastrous weaken Black’s King.” 11...Sd7 12.d4 cxd4
13.cxd4 Sa5 14.Sf1 Tfc8 […].

192
O2.04 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

O2.04 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 5 2534/2532 20/ 40/ 40 40/60
gSN 2100-2449 11 2329/2324 9 / 64/ 27 41/59
All ------------- 42 2330/2345 33/ 41/ 26 54/46
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


(Das Stellungsbild ist ein Kandidat für diese KIA-Eröffnungstheorie)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


03, 050%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sc5 9.Sgxe4

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


03, 050%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Le7 9.Sgxe4 Tb8
03, 067%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Le7 9.Sdxe4
04, 050%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sc5 9.Sgxe4
05, 060%: 7.e4 dxe4 8.dxe4
03, 050%: 7.Te1 Le7 8.e4 dxe4 9.dxe4 e5 10.De2
03, 050%: 7.a4
03, 083%: 7.b3
03, 083%: 7.c3

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A05.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Keith
Arkell, ELO 2468, 6 Partien, 67% Erfolg.
 Ein von Schwarz nach 7.e4 initiierter Abtausch 7...dxe4 ist statistisch gese-
hen eher vorteilhaft für Weiß.

193
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Die Zugfolge 1.Sf3 Sf6 2.g3 b5 auf dem Weg zum KIA Stellungstyp wird
„Spassky’s Variante“323 genannt.
Beispielpartien
Kosic (2523) - Stanojoski (2480), Budapest 1999, A05, 0-1: 1.Sf3 Sf6 2.g3 b5 3.Lg2
Lb7 4.0-0 e6 5.d3 d5 6.Sbd2 Sbd7 7.De1 b4 8.b3 Le7 9.Lb2 0-0 10.e4 a5 11.e5 Se8 12.a4
bxa3 13.Lxa3 c5 14.De3 Sc7 15.c4 a4 16.Tfb1 axb3 17.Sxb3 d4 18.De1 Tb8 19.Sa5 La8
20.Txb8 Sxb8 21.Sd2 Lxg2 22.Kxg2 Sca6 23.Sdb3 Dd7 24.De4 Tc8 25.Db7 Tc7 26.Db5
Dc8 27.Sd2 f5 28.exf6 gxf6 29.Te1 Kf7 30.f4 Sd7 31.Sf3 Da8 32.Kf2 Sf8 33.g4 Sb8
34.Ta1 Sg6 35.Lc1 Sd7 36.Ld2 Ld6 37.Sb3 Dc8 38.f5 exf5 39.Sbxd4 fxg4 40.Sf5 Lf8
41.S3h4 Sxh4 42.Sxh4 Se5 43.d4 cxd4 44.Dd5+ De6 45.De4 Sg6
Ribli (2595) - Larsen (2560), Bled/Portoroz 1979, A05, ½ - ½: 1.Sf3 e6 2.g3 b5 3.Lg2
Lb7 4.0-0 Sf6 5.d3 d5 6.Sbd2 Sbd7 7.a4 b4 8.Te1 Sc5 9.a5 Le7 10.c3 bxc3 11.bxc3 0-0
12.c4 Tb8 13.Lb2 La8 14.Dc1 dxc4 15.dxc4 Sfe4 16.La3 Sxd2 17.Dxd2 Lxf3 18.Dxd8
Tfxd8 19.Lxf3 Kf8 20.Lxc5 Lxc5 21.Teb1 Tb4 22.Txb4 Lxb4 23.a6 Td4 24.Tc1 Ke7
25.c5 La3 26.Tc2 g5 27.h3 Tb4 28.Lc6 Kf6 29.Kg2 h5 30.Td2 Tc4 31.Td7 Lxc5 32.Txc7
Lb6 33.Tc8 h4 34.Lb7 Tb4 35.gxh4 Txh4 36.e3 Kg7 37.Tb8 Ta4 38.Te8 Ta2 39.Kf1 Kf6
40.Kg1 Td2 41.Kf1 Ld8 42.Ke1 Td6 43.Tg8 Ke5 44.Ke2 f5 45.Tg6 f4 46.Kf3 fxe3
47.fxe3

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 15: „Wir nennen dies Sokolsky-Verteidigung,
weil Schwarz dem selben Muster folgt wie Weiß in der Sokolsky-Eröffnung.
Der wild aussehende Vormarsch des b-Bauern lockert die Damenflügelbau-
ern, gewinnt aber Raum. Der schwarze Damenläufer erhält auf b7 einen gu-
ten Platz, von dem aus er den weißen Fianchettoläufer auf g2 neutralisiert.“
[Eine Partie mit dem KIA-Standardaufbau wird hierzu nicht kommentiert.]
 Q004-MEGABASE, P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Loginov –
Galliamova, RUS 1998, 0-1 mit der Variante: 7.c3 Ld6 „Ein kämpferischer
Zug: Schwarz bemüht sich um optimalen Einfluss im Zentrum. Dafür ist der
Läufer d6 gelegentlichen Angriffen ausgesetzt.“ 8.e4 dxe4 9.Sd4 „Gegenüber
den [...] Beispielen mit Springer auf g5 übt der Springer auf d4 mehr Einfluss
im Zentrum aus.“324
 Q106-DAVIES, s.p., „This position is actually much more interesting for
Black if his pawn on b5 is actually back on b6.”
 A) 7.e4 c5 8.Te1 dxe4 9.dxe4 c4 10.e5 Sd5 11.a4 a6 “Davies – Manor,
Israeli Club Championchip 1990, 1-0)”.

323
Vgl. hierzu http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.
324
Zitat mit formalen Textkorrekturen von mir.

194
O2.04 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

 B) A tactical possibility: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Sxe4 9.Sd4 Sdc5 10.Sxe4 Lxe4
11.Sxb5 „And I claim a slight edge for White here because Black’s pawns
have been broken up into three pawn islands whereas White’s just into two.
So I think it’s a better position for White.”

195
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O2.05 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 4 2585/2549 0/100/ 0 50/50
gSN 2100-2449 9 2303/2308 33/ 56/ 11 61/39
All ------------- 37 2313/2355 30/ 51/ 19 55/45
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


02, 050%: 7.e4 Le7 (m) ( 0.35)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


05, 060%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6
03, 083%: 7.e4 Sc6

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


07, 071%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.De2 0-0 10.e5 Sd7
05, 040%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.c3 0-0 10.Dc2 Dc7
08, 056%: 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.e5 Sd7 10.Sf1
28, 073%: 7.e4 Le7 8.Te1 0-0 9.e5 Sfd7 10.Sf1 Sc6 11.h4
06, 075%: 7.e4 Le7 8.De2 0-0
06, 058%: 7.e4 Sc6
03, 017%: 7.De1 Sc6

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen remis.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A05.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Georgi
Timoshenko, ELO 2543, 2 Partien, 75% Erfolg.
 Die am häufigsten gespielte und statistisch erfolgreiche Variante im Praxis-
bereich lautet: 7.e4 Le7 8.Te1 0-0 9.e5 Sfd7 10.Sf1 Sc6 11.h4. Im Unter-
schied zu der meistgespielten HV in O4.01 steht der weissfeldrige Läufer des
Schwarzen hier frühzeitig auf b7, während er im Typ O4.01 eher auf a6 plat-
ziert wird, d.h. in dieser Variante könnte sich Lb7 als Tempoverlust erweisen.

196
O2.05 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

Nach 7.e4 Le7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O2.06 nach 7.e4
c5.
 Die Zugfolge 1.Sf3 Sf6 2.g3 b5 auf dem Weg zum KIA Stellungstyp wird
„Spassky’s Variante“325 genannt.
Beispielpartien
Granda Zuniga (2621) - Ivanov (2547), Cali 2007, A05, ½-½: 1.Sf3 Sf6 2.g3 b5 3.Lg2
Lb7 4.d3 d5 5.Sbd2 e6 6.0-0 c5 7.e4 Le7 8.De2 Sc6 9.Te1 0-0 10.e5 Se8 11.c3 Sc7 12.Sf1
d4 13.c4 bxc4 14.dxc4 a5 15.De4 Kh8 16.h4 Tb8 17.Dg4 f5 18.exf6 gxf6 19.Dh5 De8
20.Dxe8 Tfxe8 21.Ld2 h5 22.S3h2 Sb4 23.Lxb4 axb4 24.f4 Lxg2 25.Kxg2 Ta8 26.Sf3
Kg7 27.S1d2 Ta6 28.b3 Taa8 29.Se4 Tec8 30.Te2 Ta3 31.Tb2 Kf7 32.Se1 Ta5 33.Sd3
Se8 34.Sd2 Sg7 35.Kf3 Sf5 36.Sf1 Ta3 37.Sd2 Se3 38.Sf2 Ld6 39.Sfe4 Lf8 40.Ke2 Ta5
41.Kd3 Kg7 42.Sf2 Ld6 43.Sde4 Lc7 44.Ke2 Sf5 45.Sd3 Lb6 46.Kf3 Kf7 47.Te2

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 15: „Wir nennen dies Sokolsky-Verteidigung,
weil Schwarz dem selben Muster folgt wie Weiß in der Sokolsky-Eröffnung.
Der wild aussehende Vormarsch des b-Bauern lockert die Damenflügelbau-
ern, gewinnt aber Raum. Der schwarze Damenläufer erhält auf b7 einen gu-
ten Platz, von dem aus er den weißen Fianchettoläufer auf g2 neutralisiert.“
[Eine Partie mit dem KIA-Standardaufbau wird hierzu nicht kommentiert.]
 Q004-MEGABASE, GM Dolmatov würde nach Stellung 7.e4 Le7 8.De2 0-0
und 9.Te1 Sc6 statt mit 10.c3 (Bilek – Tal, Moskau 1967, 0-1) lieber mit
„10.e5 Sd7 11.Sf1 “ fortfahren. 10…a5 11.exd5 „?! 11.e5 Sd7 12.Sf1 b4
13.h4 a4 14.a3 “
 Q015-CAISSA, Bd. III, S. 351f, hier wird das nach 7.e4 Le7 8.Te1 Sc6 9.e5
Sd7 10.Sf1 0-0 sich ergebene Stellungsbild gezeigt und dann mit 11.h4 fort-
gesetzt.
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 198 mit der kommentierten Partie Stein -
Kozomara, Sarajevo 1967, 1-0 zog Weiß im Stellungsbild 7.e4 Le7 die Fort-
setzung: 8.e5 „!? Playing this before black is committed to kingside castling
can be premature [zu früh sein]. The normal buildup with 8.Qe2 and 9. Re1
offers white a good game.”
 Q045-TANGBORN, S. 10 mit der kommentierten Partie Stein – Kozomara,
Sarajevo 1967, 1-0. Hier geht es weiter mit: 7.e4 Le7 „If 7...dxe4, then 8.
Ng5.“ 8.e5 Sfd7 9.Te1 Sc6 10.Sf1 g5 „Also possible is to postpone [zurück-
stellen] castling with 10...a5.“

325
Vgl. hierzu http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

197
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O2.06 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2491/2486 50/ 50/ 0 75/25
gSN 2100-2449 15 2321/2272 47/ 40 /13 67/33
All ------------- 65 2238/2253 37/ 31/ 32 52/48
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


02, 075%: 7.e4 (m) ( 0.37)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


03, 017%: 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.De2
03, 050%: 7.e4 c5 8.e5 Sfd7 9.Te1
09, 064%: 7.e4 0-0 8.e5 Sfd7 9.Te1 c5 10.Sf1 Sc6 11.h4
03, 067%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sbd7

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


07, 071%: 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.De2 0-0 10.e5 Sd7
05, 040%: 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.c3 0-0 10.Dc2 Dc7
08, 056%: 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.e5 Sd7 10.Sf1
28, 073%: 7.e4 c5 8.Te1 0-0 9.e5 Sfd7 10.Sf1 Sc6 11.h4
06, 075%: 7.e4 c5 8.De2 0-0
08, 050%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Sbd7
04, 088%: 7.e4 dxe4 8.dxe4
05, 060%: 7.Te1 0-0 8.c3 c5
05, 060%: 7.Te1 Sbd7 8.e4 dxe4 9.dxe4
04, 063%: 7.b3 0-0
04, 025%: 7.c3 c5
04, 075%: 7.c3 0-0

198
O2.06 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut. Die Erfolgsbi-
lanz für GM Partien ist auf Grund zu geringer Partienanzahl zu optimistisch.
Der Optimismus wird allerdings durch die guten Ergebnisse im gSN gestützt.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A05.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: IM Jozsef
Palkovi, ELO 2415, 2 Partien, 50% Erfolg.
 Die am häufigsten gespielte und erfolgreiche Variante für Weiß im Praxisbe-
reich lautet: 7.e4 c5 8.Te1 0-0 9.e5 Sfd7 10.Sf1 Sc6 11.h4.
 Nach 7.e4 c5 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O2.05 nach 7.e4
Le7.
 Nach 7.e4 0-0 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O2.07 nach 7.e4
Lb7.
 Ein von Schwarz nach 7.e4 initiierter Abtausch 7...dxe4 ist statistisch gese-
hen eher vorteilhaft für Weiß.
 Die Zugfolge 1.Sf3 Sf6 2.g3 b5 auf dem Weg zum KIA Stellungstyp wird
„Spassky’s Variante“326 genannt.
Beispielpartien
Loginov (2532) - Sadvakasov (2487), Saint Vincent 1999, A05, 1-0: 1.Sf3 Sf6 2.g3 b5
3.Lg2 Lb7 4.0-0 e6 5.d3 d5 6.Sbd2 Le7 7.e4 dxe4 8.dxe4 0-0 9.De2 b4 10.Td1 La6
11.De1 Sbd7 12.a3 bxa3 13.b3 Lb7 14.Lxa3 c5 15.Lb2 Dc7 16.Lc3 Lc6 17.Sc4 Tfe8
18.Sfe5 Lb5 19.Lf1 Lf8 20.Sxd7 Sxd7 21.Sd6 Lxd6 22.Lxb5 Ted8 23.Lxd7 Txd7 24.Dd2
f6 25.Ta4 Dc6 26.Dd3 a6 27.e5 fxe5 28.Lxe5 Tad8 29.Txa6 c4 30.Txc6 cxd3 31.Lxd6
dxc2 32.Txc2 Txd6 33.Txd6 Txd6 34.Tb2 Kf7 35.Kg2 Ke7 36.b4 Kd7 37.Kf3 Kc6
38.Ke4 Td5 39.Tc2+ Kd6 40.Tc8 Te5+ 41.Kd3 Tf5 42.f4 Tf7 43.Tc5 g6 44.Kd4 Tb7
45.b5 Kd7 46.h4 Tb8 47.Ke5

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 15: „Wir nennen dies Sokolsky-Verteidigung,
weil Schwarz dem selben Muster folgt wie Weiß in der Sokolsky-Eröffnung.
Der wild aussehende Vormarsch des b-Bauern lockert die Damenflügelbau-
ern, gewinnt aber Raum. Der schwarze Damenläufer erhält auf b7 einen gu-
ten Platz, von dem aus er den weißen Fianchettoläufer auf g2 neutralisiert.“
[Eine Partie mit dem KIA-Standardaufbau wird hierzu nicht kommentiert.]
 Q004-MEGABASE, GM Dolmatov würde nach 7.e4 0-0 8.De2 c5 9.Te1 Sc6
statt mit 10.c3 (Bilek – Tal, Moskau 1967, 0-1) lieber mit „10.e5 Sd7

326
Vgl. hierzu http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

199
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

11.Sf1 “ fortfahren. 10…a5 11.exd5 „?! 11.e5 Sd7 12.Sf1 b4 13.h4 a4


14.a3 “
 Q008-DUNNINGTON98, S. 172f, mit der Partie Bilek - Tal, Moskau 1967,
0-1 mit der Fortsetzung: 7.e4 0-0 „7...dxe4 8.Sg5 favours White.“ 8.De2 c5
9.Te1 Sc6 10.c3 „The reader may notice [...] that it is possible for White to
transpose to a French Defence line here with 10 e5.” (S. 173)
 Q015-CAISSA, Bd. III, S. 351f wird das nach 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 9.e5 Sd7
10.Sf1 0-0 sich ergebene Stellungsbild gezeigt und dann mit 11.h4 fortge-
setzt.
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 198 mit der kommentierten Partie Stein -
Kozomara, Sarajevo 1967, 1-0 zog Weiß im Stellungsbild 7.e4 c5 die Fort-
setzung: 8.e5 „!? Playing this before black is committed to kingside castling
can be premature [zu früh sein]. The normal buildup with 8.Qe2 and 9. Re1
offers white a good game.”
 Q045-TANGBORN, S. 10 mit der kommentierten Partie Stein – Kozomara,
Sarajevo 1967, 1-0. Hier geht es nach 7.e4 c5 weiter mit: 8.e5 Sfd7 9.Te1
Sc6 10.Sf1 g5 „Also possible is to postpone [zurückstellen] castling with
10...a5.“
 Q095-ECO, S. 26 nach Stellung 7.a4 b4 mit der Fortsetzung 8.e4 0-0 9.Te1
dxe4 10.Se5 Sbd7 11. Sec4 Tb8 „=“.

200
O2.07 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

O2.07 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2505/2501 50/ 50/ 0 75/25
gSN 2100-2449 6 2317/2353 50/ 33/ 17 67/33
All ------------- 15 2379/2422 40/ 33/ 27 57/43
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


02, 075%: 7.e4 Lb7 8.e5 Sfd7 9.Te1 c5 (m) (=)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


09, 094%: 7.e4 Lb7 8.e5 Sfd7 9.Te1 c5 10.Sf1 Sc6 11.h4

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


28, 073%: 7.e4 Lb7 8.e5 Sfd7 9.Te1 c5 10.Sf1 Sc6 11.h4

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut. Die Erfolgsbi-
lanz für GM Partien ist auf Grund zu geringer Partienanzahl zu optimistisch.
Der Optimismus wird allerdings durch die guten Ergebnisse in allen
Spielsegmenten gestützt.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07, C00.
 Es gibt keinen Spieler mit Schwarz in der Datenbank KIA0000-2875-O, der
diese Ausgangsstellung mehr als ein Mal gespielt hat.
 Nach 7.e4 Lb7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O2.06 nach 7.e4
0-0.
 Nach 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O4.01
nach 7.e4 0-0 8.Te1 b5.
 Auf Grund der Ähnlichkeit mit Typ O4.01 probiert Weiß denselben Angriff
am Königsflügel: e5 / Sf1 / h4 / S1h2 / De2 / Lf4 / Sg5 / Dh5.

201
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Die Zugfolge 1.Sf3 Sf6 2.g3 b5 auf dem Weg zum KIA Stellungstyp wird
„Spassky’s Variante“327 genannt.
Beispielpartien
Nalbandian (2478) - Kanep (2470), Alushta 2003, C00, 1-0: 1.Sf3 Sf6 2.g3 d5 3.Lg2 e6
4.0-0 Le7 5.d3 0-0 6.Sbd2 b5 7.e4 Lb7 8.e5 Sfd7 9.Te1 c5 10.Sf1 Sc6 11.h4 d4 12.S1h2
Dc7 13.De2 Tae8 14.Lf4 Sb6 15.Sg5 Sd5 16.Dh5 Lxg5 17.hxg5 Sxf4 18.gxf4 f5 19.exf6
Sd8 20.Lxb7 Sxb7 21.Sg4 Dxf4 22.fxg7 Kxg7 23.Sf6 Txf6 24.gxf6+ Kf8 25.Dxh7 Dg4+
26.Kf1 Sd6 27.Te5

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 15: „Wir nennen dies Sokolsky-Verteidigung,
weil Schwarz dem selben Muster folgt wie Weiß in der Sokolsky-Eröffnung.
Der wild aussehende Vormarsch des b-Bauern lockert die Damenflügelbau-
ern, gewinnt aber Raum. Der schwarze Damenläufer erhält auf b7 einen gu-
ten Platz, von dem aus er den weißen Fianchettoläufer auf g2 neutralisiert.“
[Eine Partie mit dem KIA-Standardaufbau wird hierzu nicht kommentiert.]
 Q004-MEGABASE Eine vielzitierte Partie wurde zwischen GM Robert
James Fischer (ELO 2780) und IM Lhamsuren Myagmarsuren (ELO 2300)
1967 gespielt. Nach Stellung 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 spielten beide folgendermas-
sen weiter: 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4 a4 13.a3 bxa3 14.bxa3 La6
15.Se3 Sa5 16.Lh3 d4 17.Sf1 Sb6 18.Sg5 Sd5 19.Ld2 Lxg5 20.Lxg5 Dd7
21.Dh5 Tfc8 22.Sd2 Sc3 23.Lf6 De8 24.Se4 g6 25.Dg5 Sxe4 26.Txe4 c4
27.h5 cxd3 28.Th4 Ta7 29.Lg2 dxc2 30.Dh6 Df8 31.Dxh7+ 1-0 (siehe auch
Typ O4.01).
 In der Partie Belov (2532) – Halkias (2533), Thessaloniki 2004, ½-½ vertei-
digt Schwarz (im Vergleich zu obiger Beispielpartie) den Königsflügel er-
folgreich: 1.Sf3 d5 2.g3 e6 3.Lg2 Sf6 4.0-0 Le7 5.d3 0-0 6.Sbd2 b5 7.e4
Lb7 8.e5 Sfd7 9.Te1 c5 10.h4 Sc6 11.Sf1 Dc7 12.Lf4 d4 13.S1h2 Sb6
14.Sg5 Sd5 15.Dh5 Lxg5 16.hxg5 Sce7 17.Ld2 Sg6 18.Sg4 Tae8 19.Te2
Sde7 20. Le4
 Q008-DUNNINGTON98, S. 172f, nach 7.e4 Lb7 mit der Partie Bilek - Tal,
Moskau 1967, 0-1.
 Q015-CAISSA, Bd. III, S. 330 mit diversen Varianten nach Stellungsbild
7.e4 c5 8.Te1 Sc6. Die häufigste Fortsetzung von hier aus erfolgt mit 9.e5
Sfd7 10.Sf1. Außerdem wird 9.De2/c3/a4 bzw. 9.exd5 exd5 gespielt.
 Q063-EMMS05, S. 30f, mit der Partie Kaidanov - Nijboer, Elista Olympiad
1998, 1-0 in der Stellung 7.e4 c5 8.Te1 Sc6 und der Fortsetzung: 9.e5 Sd7

327
Vgl. hierzu http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

202
O2.07 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4 “The ususal move here, but White can also leave
the bishop at home on c1, only going to f4 if Black commits his queen to c7
[…].“ 12….a4 13.a3 “! Preventing Black from playing …a4-a3 is usually a
good idea in this line. Chess principles hammer home the message that you
should never make an unforced pawn move, on the side of the board where
you are weaker. However, this paradoxical idea, the invention of Bobby
Fischer’s, must be the exception that proves the rule.” (Vgl. Dolzhikova -
Malakhatko, Kiew 2000, 0-1) 13….La6 “! The stem game in this line [is] R.
Fischer - L. Myagmarsuren, Sousse 1967 […] 13…bxa3 14 bxa3 Na5? (the
knight does little here; Black should continue with 14… Ba6) 15 Ne3 Ba6 16
Bh3 d4 17 Sf1! (another paradoxical move; 17 Ng4 looks more natural but
White doesn’t want to block the queen’s route to the kingside)”.

203
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O2.08 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2487/2517 50/ 50/ 0 75/25
gSN 2100-2449 9 2307/2286 11/ 67/ 22 44/56
All ------------- 25 2245/2285 28/ 44/ 28 50/50
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


02, 075%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Lg7 9.e5 (m) (± 082)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


03, 033%: 7.e4 dxe4 8.Sg5

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


04, 075%: 7.e4 dxe4 8.dxe4 Lg7 9.e5
03, 050%: 7.e4 dxe4 8.Sg5 Lg7
04, 063%: 7.e4 Lg7
08, 038%: 7.c3 Lg7 8.Dc2 0-0 9.e4
03, 000%: 7.Te1 Lg7

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut. Die Erfolgsbi-
lanz für GM Partien ist auf Grund zu geringer Partienanzahl zu optimistisch.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A04.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Mihai
Suba, ELO 2430, 2 Partien, 50% Erfolg.
 Ein von Schwarz nach 7.e4 initiierter Abtausch 7...dxe4 ist statistisch gese-
hen eher vorteilhaft für Weiß.

204
O2.08 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

Beispielpartien
Cacho Reigadas(2470) - Khamrakulov (2545), Torrelavega 2007, A04, 1-0: 1.Sf3 c5
2.g3 b6 3.Lg2 Lb7 4.0-0 Sf6 5.d3 d5 6.Sbd2 g6 7.e4 dxe4 8.dxe4 Lg7 9.e5 Sg4 10.De2
0-0 11.h3 Sh6 12.Td1 Dc8 13.Sc4 Sc6 14.Lf4 Sf5 15.c3 Sd8 16.g4 Se6 17.Lh2 Sh6
18.Se3 Kh8 19.Sd5 Sg8 20.Sd2 f5 21.exf6 exf6 22.Sc4 La6 23.Sdxb6 axb6 24.Lxa8 Te8
25.Sd6 Sh6 26.Sxc8 Lxe2 27.Sxb6 Lxd1 28.Txd1 f5 29.Lc6 Tf8 30.f3 Sf7 31.Te1 Sfd8
32.Ld5
Loginov (2505) - Tolnai (2490), Budapest 1963, A04, ½-½: 1.Sf3 c5 2.g3 b6 3.Lg2 Lb7
4.0-0 Sf6 5.d3 d5 6.Sbd2 g6 7.e4 dxe4 8.dxe4 Lg7 9.e5 Sd5 10.Sg5 h6 11.Sxf7 Kxf7
12.Df3+ Kg8 13.c4 Sd7 14.cxd5 Sxe5 15.Db3 Kh7 16.Sf3 c4 17.De3 Sxf3+ 18.Lxf3 Tf8
19.Td1 e6 20.De2 exd5 21.Lf4 Dd7 22.Lg2 Tae8 23.Dxc4 Te1+ 24.Lf1 Dg4 25.Dc7 Txd1
26.Le5 Tg8 27.Txd1 Dxd1 28.Dxb7 Kh8 29.Lf4 g5 30.Le3 Lxb2 31.Dxa7 Ld4 32.De7
Lg7 33.Lxb6 d4 34.Dd7 Ta8 35.a3 Da4 36.Lb5 Dd1+ 37.Lf1 Dd2 38.Lc5 Dc3 39.Df5
De1 40.Dd5 Te8 41.Lxd4 Lxd4 42.Dxd4+ De5 43.Db6 Te6 44.Db4 Dd6 45.Dc3+ De5
Mikenas - Alatortsev, Moskau 1950, A04, 1-0: 1.Sf3 Sf6 2.g3 b6 3.Lg2 Lb7 4.0–0 c5
5.d3 d5 6.Sbd2 g6 7.e4 dxe4 8.dxe4 Sc6 9.e5 Sd5 10.e6 f6 11.h4 Sc7 12.Te1 Sd4 13.Sxd4
Lxg2 14.Kxg2 Dxd4 15.c4 0–0–0 16.Da4 Kb7 17.Sf3 Dd6 18.Lf4 Dc6 19.Dxc6+ Kxc6
20.h5 Tg8 21.hxg6 hxg6 22.a3 Se8 23.b4 g5 24.Le3 Sc7 25.bxc5 bxc5 26.Sd2 Sxe6
27.Sb3 Tb8 28.Tab1 Tb6 29.f3 Sf4+ 30.Kf1 Sd3 31.Ted1 Se5 32.Sa5+ Kc7 33.Lxc5 Sxf3
34.Lxb6+ axb6 35.Sb3 e5 36.Ke2 g4 37.a4 Lb4 38.Th1 Ta8 39.Th7+ Kd6 40.Tb7 Ta6
41.Kd3 Ke6 42.Ke4 Ld6 43.Ta1 f5+ 44.Kd3 Sd4 45.Sxd4+ exd4 46.Th1 Ke5 47.Th6
Txa4 48.Txb6 Ta3+ 49.Kd2 Ta2+ 50.Kc1 f4 51.gxf4+ Ke4 52.Tbxd6 g3 53.Tde6+ Kf3
54.Thg6 g2 55.f5 Ta1+ 56.Kd2 g1D 57.Txg1 Txg1 58.f6 Tg8 59.f7 Tf8 60.Te7 Kf4 61.c5
Kf5 62.c6 Kf6 63.Td7 Ke6 64.Kd3 Th8 65.Kxd4 Th4+ 66.Kc5 Tf4 67.Td6+ Kxf7 68.c7
Tf1 69.Td4 Tf5+

Quellenauswertung
 [Bisher sind keine Quellenaussagen vorhanden]

205
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O2.09 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2499/2481 0/ 100/ 0 50/50
gSN 2100-2449 12 2275/2278 42/ 25/ 33 54/46
All ------------- 30 2262/2269 30/ 37/ 33 48/52
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


02, 050%: 7.e4 (m) ( 0.26)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


09, 039%: 7.e4 d6
09, 094%: 7.e4 d5 8.e5 Sfd7 9.Te1 c5 10.Sf1 Sc6 11.h4

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


08, 094%: 7.e4 d5 8.e5 Sfd7 9.Te1 c5 10.Sf1 Sc6 11.h4 Te8
08, 063%: 7.e4 d5 8.e5 Sfd7 9.Te1 c5 10.Sf1 Sc6 11.h4 Dc7
08, 050%: 7.e4 d5 8.e5 Sfd7 9.Te1 c5 10.Sf1 Sc6 11.h4 a5
03, 083%: 7.e4 d5 8.Te1 dxe4
06, 075%: 7.e4 d5 8.De2 c5
05, 040%: 7.e4 d6 8.Te1 c5 9.c3 Sbd7
03, 050%: 7.e4 d6 8.Se1 Sfd7 9.f4
03, 050%: 7.e4 c5 8.c3

Anmerkungen
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A05.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: Marija Uro-
sevic, ELO 2075, 2 Partien, 75% Erfolg.
 Die Zugfolge 1.Sf3 Sf6 2.g3 b5 auf dem Weg zum KIA Stellungstyp wird
„Spassky’s Variante“328 genannt.

328
Vgl. hierzu http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

206
O2.09 Schwarzes Fianchetto am Damenflügel

Beispielpartien
Ribli (2505) - Hecht(2485), Helsinki 1972, A05, ½-½: 1.Sf3 Sf6 2.g3 b5 3.Lg2 Lb7
4.0-0 e6 5.d3 Le7 6.Sbd2 0-0 7.e4 d6 8.Se1 Sfd7 9.f4 c5 10.g4 d5 11.e5 Sc6 12.Sdf3 d4
13.Sd2 f6 14.exf6 Sxf6 15.a4 a6 16.g5 Sd5 17.Se4 Dd7 18.axb5 axb5 19.Txa8 Lxa8
20.Dg4 c4 21.Kh1 Ld6 22.Sxd6 Dxd6 23.f5 exf5 24.Txf5 Txf5 25.Dxf5 Sce7 26.De4 Sb6
27.De2 Lxg2+ 28.Sxg2 Sg6 29.h4 De5 30.Dg4 cxd3 31.cxd3 Sd5 32.Dc8+ Sf8 33.Dc5
Sg6 34.Dxb5 Sde7 35.De8+ Sf8 36.b3 Seg6 37.Dd8 Sxh4 38.La3 Shg6 39.Lb2 De6
40.Dxd4 Dh3+ 41.Kg1 Se6 42.Dc4 Df5 43.b4 Kf7 44.b5 Dxg5 45.Lc1

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 15: „Wir nennen dies Sokolsky-Verteidigung,
weil Schwarz dem selben Muster folgt wie Weiß in der Sokolsky-Eröffnung.
Der wild aussehende Vormarsch des b-Bauern lockert die Damenflügelbau-
ern, gewinnt aber Raum. Der schwarze Damenläufer erhält auf b7 einen gu-
ten Platz, von dem aus er den weißen Fianchettoläufer auf g2 neutralisiert.“
[Eine Partie mit dem KIA-Standardaufbau wird hierzu nicht kommentiert.]
 Q096-NCO, S. 13 [Variante und Bewertung von GM Emms]; nach Stellung
7.e4 d6 wird folgende Variante angegeben: 8.Te1 Sbd7 9.c3 a6 10.De2 c5
„=“.

207
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O3. Schwarzer Bauernkeil


Erfolgsaussichten
In der Spalte „Typ“ der folgenden Tabelle ist die Referenz zum Stellungsbild
vermerkt. Die Erfolgsquote von Weiß für die Partien der Praxis ergibt sich aus
den Erfolgsprozenten der Partien aus der KIA0000-2875-O (= All). Die Anzahl
Partien von „GM“ und „gSN“ sind in der Zählung von „All“ enthalten. Die Sor-
tierung erfolgt absteigend bzgl. der Erfolgsquote der GM-Partien. Stellungsbilder
mit einer Erfolgsquote von unter 50% werden in der Tabelle abgesetzt darge-
stellt. Kursiv gedruckte Zeilen verdeutlichen, dass dieser Typ zwar in der
KIA2450-2875-O vorkommt, aber nicht zur Theorie gehört, da noch keine
Hauptvariante der Fortsetzung existiert.

Allgemeine Erkenntnisse zur Tabelle und den Stellungsbildern:


a) Die meisten Stellungsbilder dieser Gruppe gehören zu den ECO-Codes A07
und A12.
b) Das GM-Segment und der breite Praxisbereich sind statistisch gesehen in
der Summe gleich erfolgreich. Dieser Zustand hat sich gegenüber 2005 für
den GM-Bereich von 52% auf 49% verschlechtert.
c) Der von GM mit Schwarz am häufigsten gewählte Stellungsaufbau findet
sich in dieser Gruppe bei Typ O3.02 (59 von 213 Partien). Die Wettkampf-
praxis bevorzugt den Typ O3.01 (915 von 2737 Partien).
d) Mit den Bildern O3.02 und O3.03 hat Weiß die meisten Probleme, hier liegt
der Erfolg statistisch gesehen unter 50%. Für die anderen Typen, die im Er-
folg unter 50% liegen, sind bisher wenige GM-Partien vorhanden.
e) Der weißfeldrige Läufer des Schwarzen wird in diesem Stellungstyp im
Vergleich zum Typ O4 immer vor die Bauernkette f/e/d auf f5 oder g4 pos-
tiert.

208
O3. Schwarzer Bauernkeil

f) 7.e4 ist hier selten die direkte Fortsetzung und Schwarz hat es mit der Ro-
chade nicht eilig, obwohl eine große Rochade von Schwarz hier nicht ge-
spielt wird. Weiß strebt vielfach auch am Damenflügel ein Fianchetto an
und hat die Wahl mit e4 oder c4 zu spielen.
g) In diesem Stellungstyp O3 findet man in der
gespielten Fortsetzung häufig den im Dia-
gramm gezeigten Aufbau des Weißen. Zu
dieser Tabija gibt es 188 GM-Partien mit ei-
ner Erfolgsstatistik von 52%/48% und
Hauptvarianten. Somit könnte diese Eröff-
nung in dieser weißen Formation als separate Eröffnungstheorie unter-
sucht werden. Sucht man diesen Weißen Aufbau allerdings nur in der Da-
tenbank KIA2450-2875-O, dann punktet Weiß mit 44% schlecht. Da nach
Erreichen dieser Stellung die Eröffnungsphase beendet ist, ist dieses Thema
für die Mittelspieltheorie von Interesse, die ich in diesem Buch allerdings
nicht betrachte. Wenn man diesen „Réti-Aufbau“ anstrebt, dann geht die
Zugfolge nicht unbedingt über den Standard-KIA. Es kann z.B. mit 1.Sf3
(129 Partien 51%, Erfolg), aber genauso gut mit 1.c4 (28 Partien, 59% Er-
folg) oder 1.g3329 (30 Partie, 48% Erfolg) gespielt werden.

329
Der gezeigte Stellungsaufbau wird bevorzugt von GM Hickl gespielt, der im GM-Segement in 11
Partien bisher allerdings lediglich 36% erreichen konnte.

209
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Quellenübersicht
Die nachfolgende Tabelle gibt eine Quellenübersicht. Diese Quellen beschäfti-
gen sich ausdrücklich mit dem Königsindischen Angriff. Angekreuzte Tabellen-
plätze zeigen an, dass der dazu gehörende Stellungstyp in dieser Quelle ange-
sprochen wird:

210
O3. Schwarzer Bauernkeil

Allgemeine Erkenntnisse zur Tabelle und den Stellungsbildern:


a) Die in den Quellen am häufigsten besprochenen Stellungstypen sind
O3.01/O3.02. Dies deckt sich mit den im GM-Bereich am häufigsten ge-
spielten Stellungen.
b) Der Typ O3.08 ist erst mit der Megabase 2007 in den Focus der Theorie
gerückt. Es gibt hierzu insgesamt noch sehr wenige Partien, und eine HV ist
noch nicht ausgeprägt. Dementsprechend ist diese Stellung bislang nicht in
den Quellen besprochen worden.
Zugumstellungen
Folgende Stellungstypen können durch Zugumstellungen in den Hauptvarianten
ineinander übergehen:

211
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O3.01 Schwarzer Bauernkeil


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 58 2535/2542 21/ 67/ 12 54/46
gSN 2100-2449 322 2290/2296 33/ 37/ 30 51/49
All ------------- 915 2285/2296 32/ 35/ 33 49/51
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien330


08, 056%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7 10.a3 a5 (= -0.02)
06, 058%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.De1 Lh7 10.e4 a5 11.a3 (=)
04, 063%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.e3 (= 0.12)
05, 070%: 7.b3 Sbd7 8.Lb2 Le7 ( 0.38)
04, 075%: 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.b3 a5 ( 0.28)
05, 070%: 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.Se5 Sbd7 10.Sxd7 Sxd7 11.f4 0-0 (= -0.14)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


28, 054%: 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.b3 a5
18, 050%: 7.De1 Sbd7
18, 047%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7 10.Tc1
24, 058%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3 Sbd7
21, 043%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.Te1
18, 047%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.De1
17, 026%: 7.b3 Lc5 8.Lb2 0-0
17, 059%: 7.b3 Sbd7 8.Lb2
20, 030%: 7.Te1

330
Bei diesem Stellungstyp scheint es im ChessBase Programm der Version 9 (vgl. Q014-
CHESSBASE) einen Fehler zu geben. Die Anzahl der Hauptvarianten wird nicht gemäß Defaultein-
stellung Min%=5% behandelt. Hier muss man 6% vorgeben, um eine Verdichtung zu bekommen.

212
O3.01 Schwarzer Bauernkeil

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


059, 51%: 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.b3 a5
051, 38%: 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.Te1
049, 63%: 7.De1 Le7 8.e4 dxe4
136, 53%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7
077, 50%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3 Sbd7
062, 48%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.De1
059, 47%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.Te1
049, 61%: 7.b3 Sbd7 8.Lb2
050, 47%: 7.c4 Sbd7
083, 36%: 7.Te1 Le7

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07, A12.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Petr
Haba, ELO 2503, 9 Partien, 50% Erfolg.
 Nach 7.De1 Le7 bzw. 7.b3 Le7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ
O3.05 nach 7.De1 h6 bzw. 7.b3 h6.
 Nach 7.De1 Sbd7 bzw. 7.b3 Sbd7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in
Typ O3.06 nach 7.De1 h6 bzw. 7.b3 h6.
 Nach 7.De1 Le7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O4.03 nach
7.De1 c6.
 Die Stellung nach 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 ist mit der Fortsetzung 9.Se5 Sbd7
10.Sxd7 Sxd7 11.f4 eine Spezialität von GM Vaganian; er hat diesen Zug
in die Spielweise des Weißen 1980 eingeführt (vgl. Vaganian – Sveshnikov,
Sochi 1980, 1-0). In fünf gespielten GM-Partien erzielte er hiermit 70%
(zwei Siege, drei Remis).
 Weiß entscheidet sich prinzipiell zwischen den Plänen a) Vorbereitung und
Durchsetzung von e2-e4 (HV 7.De1 Le7 8.e4…) mit der Idee e4-e5 bzw. f2-
f4 (vgl. „Vaganian-Spezialität“) oder b) in einen bekannten und für Weiß
prinzipiell günstigen Aufbau331 mit b3 / Lb2 / c4 zu wechseln.
 Beim Zug e4-e5 (z.B. in der Hauptvariante 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.e5) muss
Weiß berücksichtigen, dass die Möglichkeiten des weißfeldrigen schwarzen
Läufers auf der Diagonale h7-b1 verbessert werden.
 Statt des Doppelschritts mit der Dame in der Hauptvariante: 7.De1 Le7 8.e4
Lh7 9.De2 0-0, könnte auch der e-Bauer zur Anwendung kommen: 7.e3 Le7

331
Die halbe Tabija: Standard-KIA plus b3 / Lb2 / c4 / a3 ergibt eine neue Eröffnungstheorie aus
weißer Sicht. Dieses System strebt Weiß hauptsächlich im KIA Stellungstyp O3 gegen den schwar-
zen Bauernkeil an.

213
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

8.De2 0-0 9.e4 Lh7, wie in Q103-BAGIROW auf S. 94 angemerkt wird (vgl.
Gutman - Leinov, Israel, 1980).
 Der Zug 7.Te1 schwächt den Punkt f2 und gefährdet die Dame; zum Bei-
spiel: 7...Lc5. Jeder Zug, der jetzt der weißen Dame kein Luftloch verschafft
bzw. dem schwarzen Springer das Feld g4 verwehrt ist „tödlich“ 8.Sh4??
Lxf2+.
 Die Variante: 1.g3 d5 2.Lg2 Sf6 3.Sf3 c6 4.0-0 Lf5 5.d3 e6 6.Sbd2 wird als
“Petrosian Variante”332 (oder auch: Londoner System) bezeichnet.
Beispielpartien
Harikrishna (2646) - Dominguez (2658), Dos Hermanas 2005, A12, ½-½: 1.g3 d5
2.Sf3 Sf6 3.Lg2 c6 4.0-0 Lf5 5.d3 h6 6.Sbd2 e6 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7 10.Dc2
Lh7 11.a3 a5 12.Lc3 b5 13.cxb5 cxb5 14.b4 Dc7 15.Db2 Sb6 16.Le5 Db7 17.Tac1 Sa4
18.Dd4 Tfc8 19.Sb3 axb4 20.axb4 Db6 21.Dxb6 Sxb6 22.Sc5 Sfd7 23.Sxd7 Sxd7 24.Lc3
Sb8 25.Sd4 Sa6 26.Sxb5 Sxb4 27.Ld4 Tcb8 28.Sc3 Sc6 29.Le3 Ta6 30.Sa4 Sb4 31.Lc5
Vaganian (2590) - Sveshnikov (2570), Sochi 1980, A07, 1-0: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6
4.0-0 Lf5 5.d3 e6 6.Sbd2 Le7 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.Se5 Sbd7 10.Sxd7 Sxd7 11.f4 0-0
12.Kh1 a5 13.g4 a4 14.f5 a3 15.b3 Te8 16.Tb1 exf5 17.gxf5 Da5 18.exd5 cxd5 19.Dg3
Lb4 20.Sf3 Kh8 21.f6 Sxf6 22.Lxh6 Sh5 23.Dg4 Ta6 24.Sg5 Lg6 25.Sxf7+ Lxf7
26.Lxg7+ Sxg7 27.Txf7 Lf8 28.Tbf1 Dc5 29.b4 Dd6 30.Txg7 Lxg7 31.Dh5+ Dh6
32.Dxe8+ Kh7 33.Lxd5 Dh3 34.Le4+ Kh6 35.Tg1

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S.13: „Das Londoner System gilt als eines der ver-
trauenserweckendsten schwarzen Verteidigungssysteme. Seine Haupttugend
ist, dem Damenläufer auf f5 einen starken Posten zu schaffen.“ 333
 S. 32: „Die Idee des Nachziehenden [...] ist die Errichtung eines Bauernboll-
werks mit Bauern auf c6, d5 und e6, um die Aussichten des fianchettierten
weißen Königsläufers einzudämmen“.
 Q004-MEGABASE, GM Mihail Marin (ELO 2541) bespricht die schwarzen
Aussichten in der Partie Vaganian (2670) – Dominguez (2661), Poikovsky
2005, ½-½ nach 7.De1 Le7. Zum schwarzen Läufer auf f5 schreibt er:
„Unlike the systems based on ...Lg4, Black intends to preserve this bishop
from a possible exchange. True, the bishop will have to retreat to the
apparently passive h7-square (after White's thematic e2-e4), but Black's hope
is that the pressure along the h7-b1 diagonal will considerably restrict

332
Vgl. hierzu http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.
333
Der Aufbau des Schwarzen mit: c6, d5 Sf6, Lf5 wird als Londoner System bezeichnet. Zu dieser
halben Tabija gibt es 240 GM-Partien mit einer für Schwarz ungünstigen Statistik von 54%/46%.
Worauf die Einschätzung „vertrauenserweckend“ basiert, wird in der Quelle nicht angegeben.

214
O3.01 Schwarzer Bauernkeil

White's possibilities.” In der Partie wird die von GM Vaganian favorisierte


Hauptvariante gespielt: 8.e4 Lh7 9.Se5 „Vaganian has a rich experience with
this position.” 9...Sbd7 10.Sxd7 Sxd7 „10...Dxd7 11.e5 “ 11.f4
0-0 12.Kh1 dxe4 „This looks like the correct strategy. Black has to play in
the centre in order to keep the balance even. Flank actions are rather slow, al-
lowing White to get attacking chances, due to his strong control of the cen-
tre.” 13.dxe4 Sc5 „A very effective plan, apparently designed by Karpov. By
putting pressure against the e4-pawn, Black considerably restricts White's
freedom of action. Although he has a better control of the centre, White is
slightly underdeveloped. His play in the following phase of the game should
aim to solve this problem.” 14.De3 „Novelty. Possibly, Vaganian wanted to
keep the enemy knight under some pressure, but I believe that he failed to
foresee that the queen is slightly exposed here, leaving the back rank slightly
vulnerable as well.” 14...Dd7 15.a4 „?! Better is Sb3” 15...Tfd8 16.Sb3 Sxb3
17.Dxb3 Lc5 18.g4 De7 19.f5 „Finally, White has managed to create a barri-
er against the light squared bishop, but Black's better development will allow
him to break it.” 19...h5 “!= This is it. Because of the vulnerable position of
his king, White cannot maintain his chain of pawns intact with h3.”
 GM Mihail Marin (ELO 2541) kommentiert die Partie: Harikrishna (2646) -
Dominguez (2658), Dos Hermanas 2005 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7
10.Dc2 Lh7 11.a3 a5 12.Lc3 b5 13.cxb5 cxb5 “This is one of the basic posi-
tions of the Reti opening and one with the longest history. The modern theo-
retical discussion was initiated by one of the games of the 58 match between
Botvinnik and Smyslov.” 14.b4 “Although Botvinnik was successful with
White, he was apparently dissatisfied with the outcome of the opening and
later recommended 14.Ld4 and if 14...b4 then 15.a4 . However, I believe that
with the text move White can hope for maintaining the tension for a long
time, which is his main aim in the Reti.” 14...Dc7 “The most logical and
probably the best move. Black completes his development by connecting the
rooks and creates an unpleasant pin along the c-file.”
 P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Babula – Movsesian, Prag 1999,
½-½. Diese folgt zunächst der HV: 7.b3 Sbd7 8.Lb2 Le7 und setzt dann fort
mit 9.De1 0-0 10.e4 Lh7 11.a4 a5 12.De2 Db6 13.Kh1 “Nach der [...] Partie
Kortschnoj - Reshevsky [Amsterdam 1968] galt 13.e5 als stark. Strategisch
ist die Aufhebung der Spannung im Zentrum aber ein zweischneidiges
Schwert, da das schwarze Gegenspiel dank des befreiten Lh7 an Fahrt ge-
winnt.”
 In der Partie Kacheishvili – Zugic, Istanbul 2000, 0-1 merkt er nach der Vari-
ante 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.Se5 a5 10.e4 Lh7 11.a3 Sbd7 12.Sxd7 Sxd7
13.De2 Te8 14.Kh1 Sf8 folgendes an: „Normalerweise ist der Aufbau mit

215
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Lh7 mit Expansionsplänen am Damenflügel verbunden. Hier verfolgt


Schwarz aber weit weniger aggressive Ziele: er baut eine Auffangstellung
auf. Dieser Plan passt aber besser zu Lg4 [statt Lf5].”
 Bonin (2380) - Alexopoulos (2260), New York 1994, A12, ½-½: “This game
won the Brilliancy Prize and appeared in ‘Inside Chess’ magazine (August 8
1994, Volume 7, Issue 15, page 16).” 1.Sf3 Sf6 2.g3 d5 3.Lg2 c6 4.0-0 Lf5
5.d3 h6 6.Sbd2 e6 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7 10.Tc1 Lh7 11.Tc2 Ld6
12.Da1 De7 13.Se5 Sxe5 14.Lxe5 Lxe5 15.Dxe5 Tfe8 16.Tfc1 a5 17.Db2
Tad8 18.cxd5 exd5 19.Sf3 Tc8 20.Lh3 Ta8 21.a3 g5 22.Sd4 g4 23.Lg2 Sd7
24.b4 axb4 25.axb4 Ta4 26.Tb1 De5 27.Dc3 c5 28.Sb5 c4 29.Dd2 cxd3
30.exd3 d4 31.Sc7 Tc8 32.Te1 Txc7 “!!” 33.Txe5 Ta1+ 34.Te1 […]
34...Txc2 35.Dxc2 Txe1+ 36.Lf1 Se5 “with only seconds left Black saw but
then ‘forgot’ 36...Lxd3!! […]” 37.Kg2 Txf1 “!! […]” 38.Dc8+ […] 38...Kg7
39.Kxf1 Lxd3+ 40.Ke1 Sf3+ 41.Kd1 h5 42.Dxb7 Lc4 “!! […]” 43.De4
“[…]” 43...Lf1 “!!” 44.b5 “with seconds left International Master Bonin of-
fered Draw. After a dramatic last round IM Bonin won the prestigious Man-
hattan Chess Club Championship and Alexopoulos was 1/2 point behind
(Alexopoulos lost the title by only drawing, in won positions, with Interna-
tional Master Shipman and International Master Rahman)!” [Kommentiert
von: Bonin, Conticello und Alexopoulos].
 Q008-DUNNINGTON98, S. 105: “So often a piece with which Black has
problems, the queen’s bishop immediately finds a home, allowing Black the
option of establishing a solid pawn centre with …e6 without closing the
bishop out of play.” „… White has the Qe1 plan at his disposal to force
through e2-e4. This has the advantage of leaving a rook on f1, which often
works out to be an important factor when White is ready to build up a dan-
gerous kingside attack by throwing forward his f-pawn.” (S. 129)
 Auf S. 130-133 mit der Partie Polugayevsky - Addison, Palma 1970, 1-0)
und der Fortsetzung 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.De1 „! An alternative way of
achieving the e2-e4 push is by playing 9. Re1. However the idea of Qd1-e1,
e2-e4 and Qe1-e2 (or e2-e3, Dd1-e2 and e3-e4) leaves the rook more usefully
placed on the f-file, as White will eventually push his f-pawn. It is also im-
portant that White keep the e1-square clear so that it will be possible if nec-
essary to play Nf3-f1, both unleashing the f-pawn and defending the c-
pawn.” 9...Lh7 10.e4 a5 “As usual Black must begin active operations on the
queenside in order to distract White’s attention from the other flank.” 11.a4
“This is usually the best reaction to …a7-a5, as 11 a3 invites a future …a5-a4
which could turn out well for Black.”
 Q015-CAISSA, Bd. IV, S. 268 mit den Varianten: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.Se5
Sbd7 und 7.b3 Lc5 8.Lb2 0-0 9.e3 Sbd7 10.De2.

216
O3.01 Schwarzer Bauernkeil

 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 6f, „Black’s basic idea is [...] developing his


bishop before committing to …e6, but the bishop is subject to attack after
white’s inevitable e4. The bishop ultimately seems to have less influence on
the game from f5 than it does from g4.”
 Auf S. 86 wird die Partie Feldstein – Bonin, New York, 1989, 0-1 kommen-
tiert. Nach 7.c3 Sbd7 8.h3 a5 9.Sd4 “?! White begins to lose the thread and
drift without a plan.“
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 59: „Black’s positionally strongest move is
4…Bf5. The idea is simple – if white establishes an advanced pawn center on
d4 and e5, then black’s Bh7 (or g6) will control the beautiful h7-b1 diago-
nal“. White’s b3 is “a ‘Hypermodern’ approach – delaying a decision on the
central pawns and aiming to control the dark squares (d4 and e5) by develop-
ing the bishop at b2.”
 Q045-TANGBORN, S. 17f mit der Partie Benjamin – Shapiro, USA 1975, 1-
0 „Fischer was 12 years old when this game was played.“ (S. 18) Das spiel
folgt zunächst der Hauptvariante 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 und geht
abweichend mit folgendem Zug weiter: 10.b3 a5 11.a4 Sa6 12.Lb2 Sc5
13.Se5 „Preparing to advance the f-pawn. Another plan is to play 13.e5 and
14. Ne1 followed by a kingside pawn storm, but here White has already
commited his Bishop to b2, where it would be somewhat stifled [beengt,
erstickt] after 13.e5.” (S. 17)
 Auf S. 18 mit der Partie Norwood – Dreev, Calcutta 1992, 0-1. Die Variante
dieseser Partie lautet: 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.De2 Dc7 10.b3 a5 11.a4 0-0
12.Lb2 Sa6 13.Kh1 “The King might have been exposed to checks along the
g1-a7 diagonal after White advances his f-pawn.” 13...Tad8 14.e5 Sd7
15.Se1 b5 16.f4 „White attacks on the kingside and Black on the queenside.
Now it is a race between whose attack succeeds first.”
 Q063-EMMS05, S. 164f: “On f5 the bishop directly opposes the KIA plan of
e2-e4, so this needs a bit more preparation than normal. However, White can
still force through this pawn advance, and Black must be in a good position
to react to this. Usually Black plays a quick …h7-h6, giving the bishop an
excellent resting place on h7.”
 Auf S. 170 mit der Variante 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.Te1 „This
move has been played many times, but I’m not sure that I like it – why did
White go to the bother [Mühe, Schwierigkeit] of playing Qe1, e2-e4 and Qe2
if he was going to end up playing Re1 in any case?” in der Partie Kapischka
– Goldberg, Bundesliga 1999, 0-1.
 Ab S. 167f mit dem “Vaganian’s patent – he introduced it in a game against
Sveshnikov in 1980.” 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.Se5 „!? White’s knight clears

217
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

the way for the f-pawn to advance.” (Vaganian – Comp Centaur, The Hague
1996, 1-0)
 S. 172 „A popular way of playing the system for White is to slightly delay
e2-e4 in favour of an early queenside fianchetto.“ In der Partie Kallio –
Nykopp, Vantaa 1999, 1-0 geht es nach Erreichen des Stellungsbildes 7.b3
Le7 8.Lb2 0-0 weiter mit 9.De1 Lh7 10.e4 a5 11.a3 „The plus point of this
is that it eliminates the annoying ...Na6-b4 manoeuvre. The negative is that
Black may well be able to arrange an effective …a5-a4 push (played at once,
White could react with b3-b4).” (S. 176)
 Q065-DZINDZICHASHVILI, s.p., benennt in seinem Video Lehrgang zum
KIA den Anfang der in der Praxis und im GM-Bereich am häufigsten ge-
spielten Variante 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7 „This is very positioning
maneuvering game. White has tiny bit of initiative.”
 Q072-NORWOOD, S. 16 (“…d5, …Sf6 and …Lf5”) mit der Beispielpartie
Ledger – Levitt, Lloyds Bank 1990, 0-1. GM Norwoord kommentiert nach
7.b3 a5 wie folgt: „[...] Black messes up his move order by prematurely play-
ing ...a5. This allows White to push e4 without the preparatory De1 since the
g7 pawn will hang if e4 is grabbed. White won the tempo but still lost.”
 Q085-HALL, S. 9-14: „Black’s basic idea in this variation is to build a
‚pyramid’ of pawns on c6, d5 and e6 to smother the activity of the White
K-bishop on the long diagonal. Before he forges this structure Black devel-
ops his Q-bishop so as not to imprison his own bishop.” 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0
“This is the most accurate move. The plausible 8...Nbd7 is not so good be-
cause White can play the thematic e4 without having to lose time in prepar-
ing it with Qe1 or Re1.” 9.e3 Sbd7 10.De2 Lh7 11.e4 a5 12.e5 Se8 13.a4
Db6 “Black plans a general regrouping with this move, designed to bring his
presently awkwardly posted pieces into better cooperation and effect …f6.
The queen move clears the back rank to allow the Black queen rook to come
to e8 to support Black’s king pawn, which, as was mentioned, is weakened
after …f6. Of course Black has a knight on e8 now, so it must be moved and
the only reasonable square available is …c7.” 14.Lh3 Sc7 15.Kh1 Tae8
16.Sh4 „! Now White’s plans are clarifying; he intends f4 followed by f5
with a formidable assault against the Black king side.”
 Q095-ECO, S. 67 nach ausgespielter HV 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7
10.a3 a5 geht es weiter mit: 11.Tc1 Te8 12.Tc2 Lh7 13. Da1 Db6 14.Tcc1
Lc5 15.d4 Le7 16.e3 Se4 „=“.
 Eine andere Fortsetzung obiger HV wird angegeben mit: 11.Dc2 Lh7 12.Lc3
b5 13.cxb5 cxb5 14.Db2 b4 15.axb4 axb4 16.Ld4 Ld6 „ “.
 Nach eingenommener Stellung 7.b3 Ld6 8.Lb2 0-0 9.c4 e5 folgt 10.cxd5
cxd5 11.Tc1 De7 „=“.

218
O3.01 Schwarzer Bauernkeil

 Q096-NCO, S. 15 folgt zunächst der HV 7.De1 Le7 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 und
fährt dann abweichend fort: 10.Kh1 Te8 11.Se1 c5. Die entstehende Stellung
wird als „=„ eingeschätzt. Die Variante und die Bewertung der Endstellung
stammen von GM Emms.
 Eine zweite HV wird bis zur Stellung 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.De1 a5 10.e4
Lh7 verfolgt. Ab hier geht es weiter mit: 11.a4 Sa6. Die entstehende Stellung
wird als „ “ eingeschätzt. Die Variante und die Bewertung der Endstellung
stammen ebenfalls von GM Emms.
 Q098-KEENE, S. 133 “White chooses less direct methods to force e4. A
highly refined example of modern opening techniques. The delayed central
contact is reminiscent [in Erinnerung] of the influence of the 1966 Petrosian -
Spassky Championship Match.”
 Auf S. 133 nach 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 geht es in der Partie Lein - Po-
lugaevsky, Sochi 1966, 1-0 folgendermassen weiter: 9.Se5 a5 10.a3 „! The
stock reaction to Black’s queenside thrust.“ 10...Sa6 11.e3 Lh7 12.De2 Db6
13. Tab1 Tfd8 14.Kh1 „! Tucking the king away in the corner before com-
mencing active operations. This is always a useful precaution in closed posi-
tions such as this.“ 14...a4 15.b4 c5 16.b5 Sb8 “The struggle is waged essen-
tially for the more aggressive pawn structure on the queenside and in the cen-
tre. […] Lein is certainly one of the most artistic modern practitioners of this
type of opening.”
 S. 134 („Historical Note“). “[…] I came across the following game by Nim-
zowitsch, played 50 years ago. It is a fine example of hypermodern theory
[…]. The most remarkable feature of the game is Nimzowitsch’s adoption of
a rather bizarre move-order which was not to become popular until the late
sixties […].” Nimzowitsch - Rubinstein, Berlin 1928: 1.Sf3 d5 2.b3 Lf5
3.Lb2 e6 4.g3 h6 5.Lg2 Sd7 6.0-0 Sgf6 7.d3 Le7 8.e3 0-0 9.De2 c6 10.Kh1
a5 11.a4 Sc5 12.Sd4 “Preparing for the advance of the f-pawn and also dis-
couraging b5, which is Black’s main hope of counterplay.” Lh7 13.f4 Sfd7
14.Sd2 Dc7334 “Rubinstein never felt comfortable when faced with ‘hyper-
modern’ openings and it is clear from his last two moves that he has difficul-
ty in forming a plan. The idea he attemps to carry out in the game - a frontal
assault against White’s e- and f-pawns - fails; precisely because he cannot
muster sufficient force to blockade these pawns before subjecting them to
attack.” 15.e4 dxe4 16.Sxe4 Sxe4 17.dxe4 e5 18.Sf3 exf4 19.gxf4 Tfe8 20.e5
Sc5 21.Sd4 Se6 22. Tad1 Sxd4 23.Lxd4 Lf5 24. Le4 “Thematic destruction
of a potential blockader; now the pawns roll forwards.” 24...Lxe4+ 25.Dxe4

334
Diese Stellung lässt sich mit Hilfe einer plausiblen Zugfolge (z.B. 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.e3 Sbd7
10.De2 Dc7 11.Kh1 Sc5 12.Sd4 Lh7 13.a4 a5 14.f4 Sfd7) aus dem Typ O3.01 ableiten. Nimzowitsch
spielte den Springer erst sehr spät nach d2.

219
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Tad8 26. e6 Lf8 27. Le5 Dc8 28.f5 fxe6 29. f6 Txd1 30. f7+ Kh8 31.Txd1
Td8 32.Dg6 „forcing mate [vgl. Q009-FRITZ11: 32...Txd1+ (alles andere
33.Dxh6#) 33. Kg2 Tg1+ 34. Kxg1 Lc5+ 35.Kh1 Dg8 36.fxg8D+ Kxg8
37.Dxg7#]“ 1-0.
 Q103-BAGIROW, S. 94-96: 7.De1 „mit der Absicht, den Durchbruch e2-e4
auszuführen.“ 7... Le7 8.e4 Lh7 „Der Bauerntausch im Zentrum 8…de?!
9.de Lh7 10.De2 Sbd7 11.e5 Sd5 12.Se4 Sc5 13.Sc5: Lc5: 14.Sd2 Dc7 15.a3
wäre für Schwarz nach wie vor übereilt, Reschewski – Smyslow, Belgrad
1970, denn der Positionsvorteil ist auf Seiten von Weiß.” 9.De2 0-0 10.b3 a5
11.a4 Sa6 12.Lb2 Sb4 13.Se1 b5 „!“ Hiernach „traf Weiß in der Partie Miles
– Short, London 1982, nicht die beste Wahl: 14.ed? Ed 15.Sdf3 Te8 16.Dd2
Ld6 17.Sd4 Db6 18.Sef3 ba 19.ba (19.Ta4: c5!) 19…Sd7!, und Schwarz dik-
tierte das Gesetz des Handelns. Beachtenswert ist 14.Kh1!? gefolgt von 15.f4
[…].“ (S.96)
 Nach 7.e3 Le7 8.De2 0-0 9.e4 Lh7 “[…] inszenierte Weiß in der Partie Gut-
man – Leinow, Israel 1980, einen untypischen Angriff am Königsflügel und
erhielt die aussichtsreichere Stellung:“ 10.Kh1 „!?“ Sbd7 11.e5 Se8 12. Tg1
Sc7 13.g4 f6 14. ef Lxf6 15.Sf1 De7 16. g5 hxg5 17.Lh3.335 (S. 94)
 Auf den Seiten 96-100 kümmert sich GM Bagirow um die Variante 7.b3 Le7
8.Lb2 0-0 mit folgenden Fortsetzungsmöglichkeiten:
 A) 9.Te1 Lh7 10.e4 a5 „nach 10…de 11.de Sbd7 12.De2 Dc7 13.e5 Sd5
14.Se4 nehmen die weißen Figuren ideale Positionen in der Brettmitte ein,
Flesch – Cholmow, Pecs 1969.“ (S. 97) 11.a4 „Die Fortsetzungen 11.a3 und
11.a4 sind gleich stark.“ – „Vorstellbar ist die Zugfolge 11.e5 Sfd7 12.a3 c5
13.d4 a4 14.c4 dc 15.Sc4:, Dschindschichaschwili – Rytow, UdSSR 1975.
Mit der Sprengung des Zentrums legte Weiß seinen Läufern den Weg frei
und erhielt merkliches Übergewicht.“ 11... Sa6 12.e5 Sfd7 13.Sd4 Db6 14.f4
„Diese zwar haltbare, doch nicht einfach zu spielende Stellung für Schwarz
war in der Praxis mehrmals anzutreffen.[336] Der weiße Springer hat sich, von
seinen Läufern unterstützt, auf dem Schlüsselfeld d4 in der Brettmitte einge-
nistet. Gleichzeitig fällt es schwer, einen geeigneten Spielplan für Schwarz
zu ersinnen. Wegen der Schwäche des Feldes e6 ist die Unterminierung f7-f6
unmöglich. Im Fall von c5 wird das Feld b5 bloßgelegt. Obendrein ließe sich
dann der B[auer] d5 (mittels c2-c4) leicht anrempeln.“ (S. 98)

335
Diese Partie ist nicht in der MegaBase 2008 gelistet. In Q063-EMMS05 auf S. 171 sind weitere
Züge notiert: 17...Lf5 18.Sxg5 Lxg5 19.Lxg5 Df7 20.Lxf5 Dxf5 21.f4 d4 22.Sg3 Dd5+ 23. Tg2 Tf7
24.Se4 e5 25.f5 „!“ Txf5 26.Lh6 Tf7 27. Tag1 „when White had a very strong attack.“
336
In der MegaBase 2008 finden nur die Partie: Polugajewski – Hort, Sarajevo 1975 (1965?). GM
Bagirow nennt zusätzlich die Partie: Aslanow – Bagirow, Baku 1968.

220
O3.01 Schwarzer Bauernkeil

 B) 9.De1 Lh7 10.e4 Sbd7 11.De2 „Weiß steht chancenreicher, da er ständig


mit dem Vorstoß e4-e5 droht mit der Einengung der schwarzen Stellung und
Angriffsaussichten. Zudem befindet sich der Läufer h7, der sich gegen das
Bauernbollwerk c2 und d3 stemmt, tatsächlich im Abseits.“ (S. 99)
 Q106-DAVIES, s.p., mit der Partie Gutman – Leinov, Israel 1980, 1-0,
„White has to prepare the move e5”: 7.e3 Le7 8.De2 „8...Dc7 9.e4 Lh7 10.e5
Sfd7 11.Te1 c5 12.c4 d4 13.Sf1 Sc6 14.Ld2 Tb8 15.g4 Smyslov – Miles,
Teeside 1975, 1-0“ 8...0-0 9.e4 Lh7 “with 7. Qe1 Be7 8.e4 Bh7 9. Qe2 0-0
we come actually to the same thing.“ 10.Kh1 „Gutman started a very inter-
esting plan“ [which will use the g-file to attack Black’s king]. 10...Sbd7
11.e5 Se8 12. Tg1 Sc7 13.g4 f6.
 Q117-RYBKABOOK, s.p. Auf dem Weg der HV 7.De1 Le7 8.e4 Lh7
schlägt Jeroen Noomen (ELO 2199) vor sofort mit 9.b3 fortzufahren. Die
Fortsetzung 9.Se5 ist in seinem Eröffnungsbuch zwar mit der größten Er-
folgswahrscheinlichkeit (11 Partien) und dem höchsten ELO-Schnitt von
2723 angegeben, aber trotzdem mit „Rot“337, also im Turnier mit Spielverbot,
belegt. Schwarz braucht sich also gegen Rybka 3 (vgl, Q118-RYBKA) nicht
vor der „Vaganian-Spezialität“ zu fürchten.
 Rybka wird im Turnier mit Weiß nicht den mit 7.b3 verbundenen Plan ver-
folgen. Dieser Zug ist mit Zugverbot belegt.
 Q121-KOTOW-JUDOWITSCH, S.145-146, GM Kotow kommentiert die
Partie Benko – Petrosian, T.V., Candidates Tournament 1962, 0-1 nach Er-
reichen der Stellung: 7.De1 Sbd7 „Ein interessantes Vorhaben. Petrosjan
fordert Weiß gleichsam auf, dessen Mittelbauern vorrücken zu lassen. Dabei
berücksichtigt er, daß die Einengung der Stellung von Schwarz nur ein zeit-
weiliger Faktor ist, während die geschwächte Lage der weißen Bauern sich
noch sehr lange bemerkbar machen wird.“ 8.e4 Lh7 9.De2 Le7 10.e5 Sg8
11.Sb3 Lf8 „! Um so spielen zu können, muss man das Schachspiel sehr gut
beherrschen. Zu Tarraschs Zeiten wären die Manöver von Schwarz als ein
grober Verstoß gegen die Grundlagen der Eröffnungstheorie erschienen.“
12.c4 Se7 13.Sbd4 Sf5 14.Sxf5 Lxf5 15.cxd5 cxd5 16.d4 „Weiß hat sich of-
fensichtlich keinen klaren Begriff von den Absichten des Gegners gemacht.
Während Benko seine Stellungen im Zentrum ausbaute, eröffnete er für
Schwarz die Möglichkeit, für die aktiven Flankenoperationen.“ 16…a5 „!“
17.Le3 Le7 18.Tfc1 0-0 19.Db5 a4 20.Sd2 Ta7 21.Sb1 Sb8 „Die Manöver
der leichten Figuren von Petrosjan hinterlassen einen nachhaltigen Ein-
druck.“ 22.a3 Sc6 23.Sc3 Da5 24.Lf1 f6 „! Ein rechtzeitiger und wohlgeziel-
ter Schlag. Weiß hat seine Truppen auf den Damenflügel zurückgezogen, der
337
„Rot: Zug, der niemals gespielt wird, gleichgültig, was die Statistik aussagt.“ (Vgl. das Begleit-
heft auf der CD in Q118-RYBKA).

221
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Gegenangriff entfaltet sich aber an einem anderen Frontabschnitt.“ […]


(S.145).

222
O3.02 Schwarzer Bauernkeil

O3.02 Schwarzer Bauernkeil


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 59 2539/2534 20/ 51/ 29 46/54
gSN 2100-2449 280 2300/2303 28/ 47/ 25 52/48
All ------------- 752 2303/2309 30/ 41/ 29 50/50
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


04, 038%: 7.h3 Lh5 8.e4 Le7 9.De1 0-0 10.Sh2 ( -0.51)
04, 063%: 7.h3 Lxf3 8.Sxf3 ( 0.28)
04, 063% : 7.e4 Le7 8.De2 0-0 ( 0.43)
04, 038%: 7.e4 Lc5 ( 0.34)
05, 040%: 7.b3 Ld6 8.Lb2 0-0 (= -0.13)
04, 038%: 7.b3 a5 8.a3 Le7 9.Lb2 0-0 10.c4 (=)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


19, 055%: 7.e4 Le7 8.De1
20, 065%: 7.e4 dxe4 8.dxe4
19, 032%: 7.b3 Ld6 8.Lb2 0-0 9.c4
18, 039%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4
15, 047%: 7.b3 Lc5 8.Lb2
37, 057%: 7.h3 Lh5
16, 056%: 7.h3 Lxf3
18, 025%: 7.c4 Ld6

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


38, 045%: 7.e4 Le7 8.De1 0-0
50, 059%: 7.e4 dxe4 8.dxe4
61, 048%: 7.h3 Lh5 8.e4
48, 061%: 7.h3 Lxf3
43, 045%: 7.b3 Ld6 8.Lb2 0-0 9.c4
42, 051%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4
52, 037%: 7.c4 Ld6

223
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07, A12.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: IM Laszlo
Eperjesi, ELO 2329, 9 Partien, 56% Erfolg.
 Nach 7.b3 Ld6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O3.03 nach 7.b3
Sgf6.
 Nach 7.e4 Le7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O3.04 nach 7.e4
Sbd7.
 Weiß entscheidet sich prinzipiell zwischen den Plänen a) Vorbereitung (7.h3
klärt, was Schwarz mit seinem Läufer zu tun gedenkt) und Durchsetzung von
e2-e4 oder b) in einen bekannten und für Weiß prinzipiell günstigen Auf-
bau338 mit b3/ Lb2 / a3 / c4 zu wechseln.
 Die Idee des Weißen, ausgehend vom Stellungsbild, 1.h3 Lh5 2.g4 Lg6
3.Sh4 (= -0.24 Tiefe 18, Q009-FRITZ11) sofort oder später umzusetzen, mit
dem Ziel, den gegnerischen Damenläufer abzutauschen und das Läuferpaar
für sich zu beanspruchen, ist statistisch gesehen nicht sehr aussichtsreich. Für
diese Spielweise gibt es auf diesen Stellungstyp bezogen drei GM-Partien mit
einer Statistik von 33/67%.
 In der aus Sicht von Q009-FRITZ11 - nach ausgespielter Hauptvariante -
aussichtsreichen Stellung: 7.e4 Lc5 ( 0.34) punktet Weiß schlecht.
 Die Zugfolge 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6 4.0-0 Lg4 auf dem Weg zum KIA
Typ 3.2 wird auch als „Yugoslav Variante“339 bzw. Keres-Variante be-
zeichnet. Auch die Fortsetzung 5.d3 Sbd7 6.Sbd2 e6 und 7.h3 Lh5 8.b3 fir-
miert noch unter dieser Bezeichnung.
Beispielpartien
Kasimdzhanov (2690) - Morozevich (2755), Moskau 2007, A07, 0-1: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6
3.Lg2 c6 4.0-0 Lg4 5.d3 Sbd7 6.Sbd2 e6 7.De1 Le7 8.e4 0-0 9.h3 Lh5 10.e5 Se8 11.Sh2
Sc7 12.Kh1 f6 13.Sdf3 f5 14.Ld2 c5 15.c4 Sb8 16.La5 b6 17.Lc3 Sc6 18.b3 Dd7 19.Tc1
Tad8 20.Sg1 b5 21.Se2 bxc4 22.Sf4 Lf7 23.bxc4 d4 24.La5 Tb8 25.h4 Tb2 26.Sf3 Txa2
27.Ta1 Txa1 28.Dxa1 Tb8 29.Te1 Sa6 30.Sg5 Lxg5 31.hxg5 Sab4 32.Lxb4 cxb4 33.c5 b3
34.Da6 Sxe5 35.Txe5 b2 36.Te1 b1T 37.Txb1 Txb1+ 38.Kh2 g6 39.c6 Dc7 40.Dc4 Tb8
41.Sxe6 Dd6 42.Ld5 Tc8 43.c7 a5 44.f4 a4 45.Kh3

338
Die halbe Tabija: Standard-KIA plus b3 / Lb2 / a3 / c4 ergibt eine neue Eröffnungstheorie aus
weißer Sicht. Dieses System strebt Weiß hauptsächlich im KIA Stellungstyp O3 gegen den schwar-
zen Bauernkeil an. Vergleiche z.B. die Partie Sasikiran (2670) - Anand (2755), Hyderabad 2002, 1-0.
339
Vgl. hierzu z.B. http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

224
O3.02 Schwarzer Bauernkeil

Georgiev (2595) – Hübner (2595), Wijk aan Zee 1988, A07, ½ - ½: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6
3.Lg2 c6 4.0-0 Lg4 5.d3 Sbd7 6.Sbd2 e6 7.h3 Lh5 8.e3 Le7 9.g4 Lg6 10.Sh4 0-0 11.f4
Se8 12.Sxg6 fxg6 13.Sf3 Sd6 14.Sd4 Kf7 15.e4 Sb5 16.Sxb5 Db6+ 17.Kh1 Dxb5 18.c4
Dc5 19.cxd5 cxd5 20.exd5 exd5 21.Db3 Sb6 22.a4 Da5 23.Le3 Tad8 24.Db5 Db4
25.Dxb4 Lxb4 26.a5 Sc8 27.Ta4 Le7 28.Td4 Lc5 29.Lxd5+ Txd5 30.Txd5 Lxe3 31.Td7+
Kg8 32.Txb7 Lxf4 33.h4 h6 34.g5 hxg5 35.hxg5 Tf5 36.Tb4 Ld6 37.Txf5 gxf5 38.Tb7
Kh7 39.b4 Kg6 40.b5 Kxg5 41.Txg7+ Kf6 42.Tg8 Se7 43.b6 axb6 44.a6 Sc6 45.Tc8 Sa7
46.Ta8 Sb5 47.a7 Sxa7 48.Txa7 Ke5 49.Kg2 Lc5 50.Kf3 Kd4 51.Ke2 b5 52.Td7+ Ke5
53.Tb7 b4 54.Td7 Ld4 55.Te7+ Kd5 56.Tb7 Lc5 57.Tb8 Kd4 58.Kd2 Kd5 59.Td8+ Ke5
60.Ke2 Ld4 61.Tb8

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 13: „Das Keressystem, das nach dem großartigen
estnischen Großmeister benannt ist, ist prinzipiell ähnlich zum Londoner
System, nur wird der Damenläufer hier nach g4 statt f5 entwickelt. Dies ist in
zweierlei Hinsicht nützlich: wenn Weiß das unvermeidliche e2-e4 spielt, ver-
braucht der Läufer kein weiteres Tempo für den Rückzug und außerdem ent-
steht dabei die unangehme Fesselung auf der Diagonale d1-h5. Die weiße
Strategie bleibt dennoch die gleiche: e2-e4-e5 wird angestrebt.“
 S. 36ff: „Die Idee des Nachziehenden [...] ist die Errichtung eines Bauern-
bollwerks mit Bauern auf c6, d5 und e6, um die Aussichten des fianchettier-
ten weißen Königsläufers einzudämmen“. (S. 32) Schwarz entwickelt seinen
„Damenläufer, bevor er ...e7-e6 spielt, was diesen einsperren würde.“ Der
Läufer strebt nach g4. „Spielt der Anziehende später h2-h3, so hat Schwarz
grundsätzlich zwei Möglichkeiten, ...Lg4xf3 und ...Lg4-h5. Die Idee von
...Lg4xf3 ist Vereinfachung, wodurch die weißen Aussichten auf einen lang
anhaltenden Druck verkleinert werden, während der Vorteil des Läuferpaars
größtenteils durch das zentrale Bauernbollwerk c6, d5 e6 kompensiert wird,
das es Weiß erschwert, seinen Königsläufer zu aktivieren. Der Rückzug
...Lg4-h5 beabsichtigt, das Läuferpaar sowie die Spannung zu erhalten.“
(S. 36)
 Q004-MEGABASE, Bu Xiangzhi (2558) - Kosteniuk (2397), Lausanne
2001, A07, 1-0. Nach dem Erreichen der Stellung: 7.e4 Le7 8.Te1 0-0 geht
es in der Partie weiter mit 9.e5 Se8 10.Sf1 Sc7 11.Lf4 c5 12.Dd2 [? gemäß
Q009-FRITZ11: 12...Lcf3 13.Lxf3 g5! 14.Le3 d4 15.Lf4 gxf4 16.Dxf4 Sd5
17.Lxd5 exd5 -+ (-2.09) / Tiefe 18] 12...Sb6 13.h3 Lh5 14.g4 Lg6 15.c3 c4
16.d4 Sd7 17.Sg3 b5 18.a3 a5 19.Lf1 Tb8 20. Kg2 b4 21.axb4 axb4 22.h4
h6 23.h5 Lh7 24. Le2 bxc3 25.bxc3 Tb6 [?! Q009-FRITZ11] 26. g5 hxg5
27.Sxg5 Lxg5 28.Lxg5 Db8 [? Q009-FRITZ11] 29. Le7 Te8 30.Dg5 Kh8
31.h6 g6 32.Sh5 Txe7 33.Dxe7 gxh5 34.Dxd7 Dg8+ 35.Kh2 Dg5 36.Dxc7
Df4+ 37. Kg1 Le4 38.Dd8+ Kh7 39. Ta8

225
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Efimov (ELO 2502) – Vezzosi
(ELO 2357), 1998, 1-0 mit der Variante: 7.De1 Lc5 8.e4 0-0 9.e5 „Dieser
Vorstoß hat strategisch in ähnlichen Konstellationen (mit Lg4) keinen guten
Ruf. Er stärkt den Lg4.“
 Karpov (2735) – Anand (2770), FIDE-Wch k.o. f 25' rapid Lausanne 1998,
1-0: 7.e4 Le7 8.De2 „8.De1 [...] führt in der Regel zu spannungsreicheren
Stellungen.“ (P. Horn, ELO 2295)
 P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie: Sasikiran (2670) - Anand
(2755), Hyderabad 2002, A07, 1-0: 7.b3 Lc5 8.Lb2 0-0 9.a3 a5 10.e4 b5
11.De1 Se8 12.h3 Lh5 13.Kh1 Sc7 14.c4 “Insbesondere mit dem Lc5 macht
der Zug Sinn, da d3-d4 evtl. mit Tempo erfolgen kann“ 14…dxc4 15.d4 Le7
16.bxc4 „Weiß hat das Zentrum besetzt. Schwarz ist in der Pflicht, sich
Maßnahmen auszudenken.“
 Die Partie Spangenberg (2530) - Ginzburg (2470), Buenos Aires 1998,
[A07], 1-0 kommentiert P. Horn (ELO 2295) wie folgt: 7.b3 Ld6 8.Lb2 0-0
9.De1 Te8 10.e4 e5 11.h3 Lh5 12.Sh4 a5 13.a3 Lf8 […] 14.Kh1 Sc5
15.De3 „Ein seltenes Feld für die D[ame]. Der Zug macht nur Sinn, weil
Schwarz Sc5 gezogen hat, ansonsten müßte die De3 nach Lc5 den Rückzug
antreten.“ 15...dxe4 „15...Dc7 hält die Spannung im Zentrum aufrecht. Das
aber für Schwarz auch nicht ganz ungefährlich, da der [Bauer] d5 einen Un-
terstützer verliert. Ich habe allerdings keine Möglichkeit gefunden, dies un-
mittelbar zu bestrafen […].“ 16.dxe4 Dc7 17.Dc3 „!? Dieser interessante Zug
gibt der Partie noch lange das Gepräge: die Dc3 greift an vorderster Front in
das taktische und strategische Geschehen ein. Zunächst wird das beabsichtig-
te Se6 unterbunden.“ 17...Sfd7 „Nun geht wieder Se6.“ 18.f4 „Nur so kann
Weiß Dc3 rechtfertigen: wenn Schwarz zu Se6-d4 kommt, steht die Dc3 rest-
los verkehrt.“ 18...exf4 „Eine sehr verpflichtende Entscheidung: Schwarz
öffnet dem Weißen Diagonalen (a1-h8) und Linien (g1-g7), was speziell den
Kg8 in Gefahr bringen kann. Außerdem werden die [Bauern] e4/f4 mobil.
Dafür erhält er freie Schußlinien im Zentrum.“
 Die Partie Kasparow - Deep Blue340, New York 1997, A07, 1-0 kommentiert
GM Nunn sehr ausführlich: 1.Sf3 d5 2.g3 Lg4 3.b3 „Kasparov wählt eine
sehr ruhige Eröffnung – keine schlechte Politik bei Partien gegen einen
Computer.“ 3...Sd7 4.Lb2 e6 5.Lg2 Sgf6 6.0-0 c6 7.d3 Ld6 8.Sbd2
0-0 9.h3 Lh5 „Auf Umwegen haben wir eine Stellung erreicht, die man in
vielen Meister- und GM-Partien findet. Der weiße Plan besteht darin, im
Zentrum Platz mit e4 zu gewinnen. Schwarz muß früher oder später mit der

340
Der IBM Schachcomputer errechnete damals 2-3 Mio Positionen/Sek, d.h. 50-100 Mio Positionen
in 3 Min (= durchschnittliche Bedenkzeit je Zug im Turniermodus). Es war ein IBM RISC Sys-
tem/6000 Parallelsystem mit 256 Prozessoren.

226
O3.02 Schwarzer Bauernkeil

Drohung e5 fertig werden, indem er entweder seine Leichtfiguren aus dem


Weg räumt oder selber ...e5 spielt. Im zweiten Falle entsteht eine leichte
Schwächung des Feldes f5, die Weiß mit Sf3-h4-f5 ausnützen könnte. Im
Augenblick ist das Manöver natürlich unmöglich, da der Springer gefesselt
ist. Aber man versteht, warum der Weißspieler in diesem System häufig zum
merkwürdig aussehenden Zug De1 greift: Weiß will den Vorstoß des
e-Bauern unterstützen und gleichzeitig den Springer von der Fesslung befrei-
en.“ 10.e3 „Ein sehr ungewöhnlicher Zug, für den ich kein Beispiel in prakti-
schen Partien finde. Die normalen Züge sind hier 10.e4 und 10.De1. Den ers-
ten halte ich für den flexibleren. Weiß hält sich je nach schwarzer Erwide-
rung die beiden Optionen De1 oder De2 offen. Der Vorteil von 10.e3 ist nicht
leicht zu erkennen. Kasparov wählt den Plan De1 nebst e4, aber er hat dabei
ein Tempo verloren. Vielleicht wollte er lediglich Deep Blue aus dem Eröff-
nungsbuch werfen.” 10...h6 “Kasparovs Abweichung trägt sofort Früchte.
Statt das Extratempo für die Entwicklung von Gegenspiel am Damenflügel,
etwa mit 10...a5, zu nutzen, macht der Rechner einen Zug, der schlimmer als
wertlos ist, weil er den Königsflügel etwas schwächt. In einigen Zügen wer-
den wir sehen, warum das so wichtig ist. Somit hat Weiß das Extratempo zu-
rückerhalten, und die Stellung ist günstiger für Weiß, besonders weil der
Computer eigenständig spielen muß.” 11.De1 Da5 „Die Spielweise von Deep
Blue in dieser Partiephase läßt viel zu wünschen übrig. Der vernünftige Plan
...La3 mit Abtausch des aktiven Läufers auf b2 wird leicht pariert, und da-
nach hat die Dame keine Zukunft auf dem Feld a5.” 12.a3 Lc7 „?! Ein
merkwürdiger Zug, für den ich zwei mögliche Gründe sehe. Zunächst einmal
kann er in Erwartung eines weißen Bauernvorstoßes e3-e4-e5 gespielt wor-
den sein; zum anderen könnte Deep Blue seine Dame decken wollen, um Va-
rianten wie 12...Tad8 13.Lxf6 Sxf6 14.Se4 Dxe1 15.Sxf6+ gxf6 16.Tfxe1 zu
vermeiden, obwohl die aktiven schwarzen Läufer für die geringfügige
Schwächung der Bauernstruktur am Königsflügel genügend Kompensation
bieten. Ich hätte den Zug 12...Lg6 bevorzugt, der auf e4 die Antwort ...e5
vorbereitet. Das prophylaktische ...Lg6 ist dabei notwendig, da sonst ...e5
durch Sh4 entkräftet wird. Das ist besonders effektiv nach dem schwachen
Zug ...h6, weil nach dem Abtausch des Springers für den Läufer auf g6
Schwarz nicht mit dem h-Bauern wiedernehmen kann. Somit muß Schwarz
im Voraus ...Lg6 spielen, um auf Sh4 mit ...Lh7 zu antworten. In dieser Par-
tiephase reagiert Deep Blue Zug für Zug auf jedes auftauchende Problem,
ohne einen zusammenhängenden Plan für Gegenspiel zu entwickeln. In die-
ser Hinsicht scheint Kasparovs Eröffnungwahl sehr klug gewesen zu sein.”
13.Sh4 “Ein unbequemer Zug. Die Drohung ist 14.g4 Lg6 15.Sxg6, und
Schwarz muß den häßlichen Schlagzug ...fxg6 ausführen. Dennoch glaube
ich, daß es weniger ernst gewesen wäre als die Schwächung des Königsflü-

227
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

gels, die nun folgt.“ 13...g5? 14.Shf3 e5 “Das sieht alles für das menschliche
Auge ziemlich schrecklich aus. Durch den Vorstoß der e- und g-Bauern ist
das Feld f5 sehr schwach geworden. Kann Weiß einen Springer dort platzie-
ren, wäre die Partie bereits entschieden. Ganz so dumm ist Deep Blue freilich
nicht. Es gibt für den Springer keinen direkten Weg zum Schlüsselfeld. Den-
noch bleibt die langfristige Schwäche eine bleibende Last für Schwarz.”
15.e4 „Kasparov ergreift sofort Maßnahmen, um die Schwäche von f5 fest-
zuschreiben.“ 15...Tfe8 16.Sh2 „Kasparov geht vorsichtig ans Werk. Sein
Plan ist Dc1, Te1 und dann Sf1-e3-f5. Das ist ziemlich langsam, aber da die
weiße Stellung sehr stabil ist, wird es für Schwarz nicht leicht sein, ein echtes
Gegenspiel aufzuziehen. Soweit ich es beurteilen kann, hätte Weiß den Plan
sofort mit 16.Dc1 einleiten können, da 16...g4 keine Drohung darstellt, denn
Weiß könnte mit 17.Sh4 den Springer auf kürzestem Weg nach f5 bringen.“
16...Db6 17.Dc1 a5 „Endlich findet Deep Blue einen Plan, wie er Gegenspiel
erhalten kann. Allerdings ist der Plan in dieser Stellung nicht sehr effektiv.
Die natürliche Fortsetzung wäre ...a4, um b4 zu provozieren, wonach ...c5
folgt. Allerdings läßt sich ...c5 wegen des Drucks auf d5 nur schwer durch-
setzen, und wenn Schwarz zunächst auf e4 tauscht, dann ist der Weg für Sd2-
c4-e3-f5 offen. Wir sehen immer wieder in dieser Partie, wie die natürlichen
Pläne von Schwarz durch die Schwäche von f5 durchkreuzt werden.” 18.Te1
Ld6 19.Sdf1 dxe4 „Jetzt, wo der Springer von d2 weggezogen ist, ver-
schwindet die Möglichkeit von Sc4, also wird der Abtausch ausführbar. Aber
der Springer ist bereits auf dem Wege nach f5, allerdings auf einer anderen
Route.” 20.dxe4 Lc5 21.Se3 Tad8 22.Shf1 „Schwarz hat eine gute Methode
gefunden, den Springer von f5 fernzuhalten, jedenfalls vorübergehend. Der
f2-Bauer läßt sich schwer verteidigen, und bevor Weiß den Druck auf der b6-
f2 Diagonale neutralisiert hat, kann der Springer nicht nach f5 hüpfen.
Kasparovs Idee ist Sd2-c4; will Schwarz danach den Druck auf f2 aufrecht-
erhalten, muß er ...Da7 spielen, aber Weiß setzt mit b4 fort, und da der
a-Turm die Dame im Auge hat, gerät Schwarz in Schwierigkeiten.” 22...g4
„Der Computer versucht verzweifelt, den weißen Plan zu stören. Obwohl
dieser Zug weitere Schwächen am Königsflügel bewirkt, bekommt Schwarz
aktiveres Figurenspiel. Das ist eine kritische Phase. Jeder, der gegen einen
Computer gespielt hat, kennt das Szenario: man bekommt eine strategische
Gewinnstellung, der Computer macht einen verzweifelten taktischen Vor-
stoß, man begeht einige kleine Ungenauigkeiten, und plötzlich hat die Ma-
schine die Oberhand.” 23.hxg4 Sxg4 24.f3 “? Kasparov will seine strategi-
schen Ziele ohne Konzessionen erreichen. Er begeht infolgedessen eine
ernsthafte Ungenauigkeit und erlaubt, daß die Maschine signifikantes Gegen-
spiel bekommt.Der offensichtlichste Plan ist 24.Sxg4 Lxg4 25.Se3. Kasparov
hat wahrscheinlich erkannt, daß es nach .25...Le6 nicht leicht ist, Fortschritte

228
O3.02 Schwarzer Bauernkeil

zu erzielen, weil Schwarz seinen weißfeldrigen Läufer auf ein verhältnismä-


ßig aktives Feld gebracht hat. Zum Beispiel wird 26.Dd1, mit dem Ziel Dh5,
durch 26...Ld4 durchkreuzt. Allerdings glaube ich, daß es seine beste Option
war; nach 26.Te2 Kh7 27.De1 kommen die übrigen weißen Figuren ins Spiel,
während die schwarzen Schwächen am Königsflügel nicht verschwinden.
Nach z.B. 27...Ld4 kommt 28.Lxd4 exd4 29.Sd5! cxd5 30.exd5 mit einem
deutlichen Vorteil für Weiß.“ 24...Sxe3 25.Sxe3 Le7 „! Ein hervorragender
Verteidigungszug. Ein Mensch hätte es schwer gefunden, den Druck auf der
b6-g1 Diagonale aufzugeben, aber der Computer merkt, daß der Läufer einen
noch besseren Platz auf g5 hat, von wo aus er die Schwächen am Königsflü-
gel abschirmt und gleichzeitig den Springer auf e3 aus einer ganz anderen
Richtung fesselt.” 26.Kh1 Lg5 27.Te2 „Kasparov hat das gut überstanden.
Er beabsichtigt Dg1, gefolgt von Sf5, und der durch die frühere Ungenauig-
keit entstandene Schaden ist beseitigt. Aber der Computer schlägt zuerst zu.”
27...a4 „Ein guter Einleitungszug. Wie wir sehen werden, hilft die Verfüg-
barkeit von c4 Schwarz.” 28.b4 f5 “Richtig. Schwarz muß seine vorüberge-
hende Figurenaktivität dazu benutzen, um vorwärts zu kommen. Passives
Spiel würde Weiß erlauben, seine strategischen Vorteile auszuspielen.”
29.exf5!? „Wenn Weiß 29.De1 fxe4 30.Sc4 versuchen würde, dann zeigt uns
30...Da6 einen Grund, warum Schwarz dieses Abspiel mit ...a4 vorbereitete.
Der Angriff gegen den Springer auf c4 wirkt unbeholfen, und nach 31.Txe4
Sf6 muß Weiß Material abwerfen. Wegen des geschwächten Königsflügels
bekommt er einige Kompensation z.B. ist hier 32.Sxe5 unklar, aber zumin-
dest hat Deep Blue ein Zufallselement in die Partie hineingebracht. Der Zug
von Kasparov führt zu einem Qualitätsopfer.” 29...e4 30.f4 Lxe2 „Schwarz
darf nicht gierig sein: 30...Lxf4 31.gxf4 Lxe2 32.Dd2 Lh5 erzwungen, sonst
hat Weiß die Möglichkeit zu Sg4. 33.Dc3 Te7 34.Sc4 Dc7 35.Dh8+ Kf7
36.Dxh6 mit Gewinn.“ 31.fxg5 Se5 „Schwarz muß die lange Diagonale ver-
sperren. 31...hxg5 32.Sd5 gewinnt sofort.“ 32. g6 32.g6 “Nach 32.gxh6 spielt
Schwarz 32...Kh7 und hat bessere Chancen als in der Partie. (nicht 32...Td6?
wonach Weiß 33.Sc4! einzügig gewinnen kann.)” 32...Lf3 33.Lc3 “Ein guter
Vorbeugezug. In vielen Varianten werden die Damen getauscht, oder Weiß
schickt seine Dame zum Königsflügel. In solchen Fällen ist es wichtig, ...Td2
zu verhindern.” 33...Db5 “? Ein ernsthafter Fehler. Deep Blue erkennt, daß
dies zum Damentausch führt, und der Rechner hat nichts dagegen. Schließ-
lich hat Schwarz Materialvorteil. Allerdings zählen im Endspiel die verbun-
denen Freibauern von Weiß und seine generelle Beherrschung der Stellung
mehr als der kleine Materialvorteil von Turm gegen Läufer und Bauer. Na-
türlich sollte Schwarz die Damen auf dem Brett lassen. Eine Möglichkeit da-
zu wäre 33...h5, und in vielen Varianten gewinnt Schwarz ein Tempo, da
Weiß nun seine Dame nicht nach f1 ziehen kann. Ein Beispiel dafür ist

229
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

34.De1 Db5 35.Df1 Sg4 36.Sxg4 (36.Dxb5 cxb5 37.f6 Sxe3 38.f7+ Kf8
39.fxe8D+ Txe8 40.Lxf3 exf3 41.Kg1 ist wahrscheinlich remis) 36...hxg4
37.Dxb5 cxb5 38.f6 Te6 und Schwarz kann sich verteidigen. Eine andere
Idee ist 33...Dc7 mit der Absicht, die Dame auf den Königsflügel zu bringen.
Jede dieser Optionen hätte zu einer unklaren Stellung geführt, während Deep
Blue nach dem Textzug den Berg herunterrutscht.” 34.Df1 Dxf1+ “Nun ist
34...Sg4 unmöglich wegen 35.Dxb5 cxb5 36.Sxg4 Lxg4 37.f6” 35.Txf1 h5
36.Kg1 „! Auf den ersten Blick sollte die Stellung für Schwarz nicht allzu
schlecht sein, da der Springer auf e5 den Vorstoß des Bauern auf g6 für den
Augenblick verhindert. Kasparovs Züge machen indes klar, daß er in Ruhe
vorgehen kann, da Schwarz keine konstruktiven Züge hat. Der Läufer auf f3
kann wegen f6 und f7+ nicht ziehen, der Springer muß auf e5 verharren und
g6 überwachen, was auch den Turm auf e8 bindet. Sein Partner auf d8 kann
alleine nichts ausrichten, da die Eindringfelder auf der d-Linie alle unter wei-
ßer Kontrolle sind. Übrig bleibt nur der schwarze König.“ 36...Kf8 37.Lh3
b5 38.Kf2 Kg7 „?! Macht das Leben für Weiß etwas leichter, da nun g4 un-
ter günstigen Bedingungen möglich wird.“ 39.g4 Kh6 40.Tg1 hxg4 41.Lxg4
Lxg4 42.Sxg4+ Sxg4+ 43.Txg4 Td5 44.f6 Td1 “44...Tf5+ 45.Kg3 a) 45.Ke2
Tg8 46.g7 Kh5 47.Tg2 Tf3 48.Ld4 Kh6 49.c3 Kh5 50.Tg1 Kh6 51.Tg4 Kh5
52.Txe4 Tf5 53.Te6 Kg6 54.Txc6 Te8+ 55.Kd2 Th5 56.Te6 Th2+ 57.Kd3
Th3+ 58.Le3 Td8+ 59.Ke4 Kf7 60.Tc6; b) 45.Ke3! Tf3+ 46.Ke2 Txc3 47.f7
Td8 48.g7 Txc2+ 49.Ke1 Tc1+ 50.Kf2 Tc2+ (50...e3+ 51.Kg2 e2 52.g8D
Txg8 53.fxg8D Tg1+ 54.Kf3 Txg4 55.Dh8+ Kg6 56.De8+ Kf5 57.Df7+ Ke5
58.Kxg4) 51.Kg3 Tc3+ 52.Kh4 Tc1 (52...Td1 53.g8S+) 53.g8D Th1+
54.Kg3 Tg1+ 55.Kf4 Tf1+ 56.Ke5 Td5+ 57.Ke6 Tf6+ 58.Kxf6 Td6+;
45...Tf3+ 46.Kh4 Td8 47.f7 Td5” 45.g7 “Eine gut gespielte Partie von
Kasparov, sowohl vom schachlichen als auch vom psychologischen Ge-
sichtspunkt.”
 Q008-DUNNINGTON98, S. 105f: “So often a piece with which Black has
problems, the queen’s bishop immediately finds a home, allowing Black the
option of establishing a solid pawn centre with …e6 without closing the
bishop out of play. [...] White almost always hits the queen's bishop with h2-
h3, giving Black the choice of whether or not to surrender the bishop pair.
Generally this is only a good idea if the resulting simplification decreases
White's attacking potential. It is better to preserve the tension and retreat to
h5. Having said this, it is surprising how many masters make the mistake of
voluntarily exchanging on f3. In general, White's space advantage and attack-
ing possibilities give him a good game, and Black's position also lacks flexi-
bility. [...] Another important feature of the ...Bg4 Variation is Black's pin on
the d1-h5 diagonal. Because the KIA centres around White pushing with e2-
e4, a dual-purpose move here is Qel. This is a good square, as not only does

230
O3.02 Schwarzer Bauernkeil

White escape the pin, releasing the king’s knight to pressure e5 and [...]
threatening Nf3-h4-f5, but also the queen helps support the advance of the e-
pawn.” „… White has the Qe1 plan at his disposal to force through e2-e4.
This has the advantage of leaving a rook on f1, which often works out to be
an important factor when White is ready to build up a dangerous kingside at-
tack by throwing forward his f-pawn.”341 (S. 129)
 Q015-CAISSA, Bd. IV, S. 93 ff mit der Variante: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4
a5 10.a3 worauf Schwarz mit 10...Te8 / Ld6 bzw.b5 antwortet.
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 6: “This aggressive bishop posting [Bg4] is
apparently black’s most effective defense against the King’s Indian Attack
[…] The important thing is that Black developed his bishop BEFORE play-
ing … e6. The additional pressure and the extra kingside defender make a
successful kingside attack much more difficult to mount.“
 Die folgende Variante stammt aus der Partie Azmayparashvili –Vaganian,
UdSSR 1983, 0-1: 7.b3 Ld6 8.Lb2 0-0 9.Te1 Te8 10.e4 e5 11.h3 Lh5
12.exd5 “?! A double-edged decision. White surrenders [ausliefern] the cen-
ter to black; [and] the scope of the Bg2 is improved.” (S. 66)
 Die folgende Variante stammt aus der Partie Kirov – Geller, Skara 1980, 0-1:
7.h3 Lh5 8.De1 Le7 9.e4 0-0 10.Sh2 e5 “!” 11.f4 “11.g4?! A thematic
mistake which weakens f4 without justification.” (S. 66)
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 59: Nach 7.e4 Le7 8.h3 Lh5 9.De2 („Aiming
to establish the KIA ‚spearhead’ at e5“) 9...0-0 10.g4 (“Breaking the pin on
the d1-h5 diagonal”) 10...Lg6 11.Sh4 wird abschließend so kommentiert: “A
prelude to white’s kingside attack, forcing the exchange of knight for the Bg6
and playing for e4-e5 and a kingside pawn storm.”
 Q018-MADDOX, s.p. (“Basic 8”342): „Dies ist vermutlich die solideste
schwarze Verteidigung gegen den KIA und Reti. [343...] Schwarz steht extrem
solide, aktiv und ist bereit, seinen Läufer f8 zu entwickeln.“ Folgende Vari-
ante wird ausführlich kommentiert: 7.h3 „Weiß befragt unmittelbar den Läu-
fer. Auf diese Weise kann er seine eigenen Entscheidungen im Zentrum tref-
fen, sobald sich Schwarz erklärt hat.“ 7...Lxf3 „Erschwert ein bisschen die

341
Die Dame zieht dann auf e2, um e1 für den Springer auf f3 zu räumen. Der Springerzug macht
einerseits den Weg für den f-Bauern frei und deckt andererseits den Bauer auf c2 (vgl. Q008-
DUNNINGTON98 auf S. 130 nach Anmerkungen in der Partie Polugayevsky - Addison, Palma
1970, 1-0).
342
Don Maddox unterscheidet acht Basis-Aufstellungen im KIA, wobei „Basic 3“, „Basic 4“ und
„Basic 7“ nicht zu dem in diesem KIA-Buch beschriebenen Spielsystem gehören.
343
Vgl. Tabelle „Übersicht über die am häufigsten gespielten Stellungsbilder“ in der Zusammenfas-
sung am Ende meines Buches. Der Typ O3.02 ist nach O5.01 die häufigste Antwort des Schwarzen
auf GM-Niveau.

231
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Durchsetzung von e4-e5.“ 8.Sxf3 „Das beste Feld für den Springer, doch nun
bedarf e4 noch weiterer Vorbereitung.“ 8...Le7 9.e3 „Um e4 mit De2 zu un-
terstützen.“ 9...0-0 10.De2 a5 „Schwarz startet seine übliche Expansion am
Damenflügel.“ 11.e4 „Dies hält Weiß aber nicht davon ab, seine sorgsam
entworfenen Pläne zu verfolgen.“ 11...a4 12.e5 „Dieser Vorstoß sichert Weiß
praktisch einen kleinen, aber anhaltenden Vorteil.“ 12...Se8 13.a3 „Nimmt
sich die Zeit, den schwarzen Damenflügelvorstoß die Spitze zu nehmen.“
13...b5 14.d4 „Nun wird es Schwarz schwer fallen, am Damenflügel durch-
zubrechen. Dieser Zug verhindert ...c5 als Bestandteil einer massiven Bau-
ernwalze.“ 14...b4 „?! Schwarz versucht, trotzdem durchzubrechen.“
15.axb4 Lxb4 16.c4... „Pressiert das Zentrum und räumt c2 für die weiße
Dame.“ 16...Sc7 17.Dc2 „Attackiert den a-Bauern und richtet ein Geschütz
auf den schwarzen König.“ 17...Db8 „Verhindert einen Doppelangriff gegen
b4 und c6 nach Txa4 /...Txa4 / Dxa4.“ 18.Sg5 „Erzwingt neue Löcher am
Königsflügel und überlässt Weiß ein leichtes Plus.“ 18...g6.
 Folgende Variante bespricht Don Maddox als Beispiel dafür, wie man die
Eröffnung nicht spielen sollte: 7.e4 Le7 „Schwarz setzt die Entwicklung fort.
Auf Grund der Fesselung von f3 hat er e5 nicht zu fürchten.“ 8.h3 „Weiß be-
schließt, Schwarz das Feld g4 zu nehmen.“ 8...Lh5 „Das Schlagen des Sprin-
gers erleichtert Weiß nur die Entwicklung seines Damenflügels nach...Lxf3/
Sxf3.“ 9.De2 „Unterstützt e4 und einen eventuellen Vorstoß e5.“ 9...0-0
10.g4 „?!Schafft unnötige Schwächen am Königsflügel. Das weiße Spiel ist
eine Lektion, wie man den KIA NICHT spielen soll.“ 10...Lg6 „Schwarz
steht solide, der weiße Königsflügel aber gleicht einem Schweizer Käse.“
11.Sh4 „Weiß investiert Zeit, um das Läuferpaar zu gewinnen und in den
Wall vor dem schwarzen König ein Loch zu schlagen. Diese Schwächung ist
aber minimal im Vergleich zu den Löchern, die Weiß sich freiwillig geschaf-
fen hat.“ 11...dxe4 12.Sxg6 hxg6 13.Sxe4 „Weiß will die Diagonale a8-h1
für seinen Läufer g2 freihalten, überlässt Schwarz aber das bessere Zentrum.“
13...Sxe4 14.Dxe4 e5 „Der ganze Rauch hat sich verzogen und Schwarz ein
leichtes Plus.“
 Q031-WEINSTEIN, S. 11ff, mit der Variante 7.h3 Lxf3 8.Sxf3 Le7 9.e3
„White prepares to play 10. Qe2 and 11.e4“ 9...0-0 10.De2 a5 „Black intends
to push this pawn to a4 and possibly to a3, creating holes in White’s
queenside“.
 Q032-HALL-CARTIER, S. 59ff: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6 4.0-0 Lg4 “is
one of the most solid defenses to the KIA.”344

344
Es gibt Stellungsbilder als Ausgangssituation, die für Weiß statistisch gesehen schlechter sind.
Die Zahlen zeigen aber, dass Schwarz ein sehr großes Vertrauen in seinen Aufbau hat, denn der KIA
Typ O3.02 wird von den GM mit Schwarz vergleichsweise häufig gewählt. Für das Stellungsbild

232
O3.02 Schwarzer Bauernkeil

 Auf S. 104 wird die Partie Hodgson - Van der Weil, Wijk aan Zee 1993, 0-1
mit folgender Variante angegeben: 7.h3 Lh5 8.e4 Dc7 9.De2 „9. Qe1!?“
9...dxe4 10.dxe4 Se5 „!? To be considered was 10...e5!?“
 Q045-TANGBORN, S. 21 in der Partie: Biyiasis – Vasiukov, Hastings 1978-
79, 1-0 mit der Variante: 7.e4 Le7 8.Te1 „This move is good, except that
sometimes the Rook is better placed on the f-file if White advances his f-
pawn.” 8…0-0 9.h3 Lh5 10.e5 Se8 11.Sf1 Sc7 12.S1h2 “This move prepares
the advance of the kingside pawns (h4 followed by g4) and [if Lxf3] also to
recapture with the Knight on f3.”
 Q063-EMMS05, S. 187, im Stellungsbild 7.h3 Lh5 8.e4 Le7 9.De2 0-0 mit
der Fortsetzung 10.g4 „This is the most obvious way to continue the attack,
but there are other otpions for White. 10.e5 Ne8 is possible although […]
White is often reluctant [es widerstrebt ihm] to release the tension in this
way. 10.b3 followed by Bb2 remains an option […].” (Vgl. Partie A. Roiz-
man – W. Uhlmann, UdSSR 1966, 0-1)
 Q072-NORWOOD, S. 6-8 „This [position shown in the diagram] is by far
the most popular [345] method to combat the K.I.A. and in my opinion it of-
fers excellent chances for equality. Black's plan is extremely logical - to limit
the scope of the fianchetto bishop by blocking
the diagonal with ...d5 and ...c6. Black then de-
velops the light squared bishop to g4 where it
can either exchange with the knight on f3 or re-
treat to h5 and g6. I predict that it will remain
difficult for K.I.A. players to prove any ad-
vantage in this System. […] White often gains an
advantage in space but Black has solid pawn
structure with his light squared bishop well
placed outside the chain. Although the chances are roughly even, White’s po-
sition is more flexible, with both positional and aggressive options open.”
 S.8 mit der Partie Karasev (2375) – Klovans (2360) und der Stellung nach
ausgespielter Hauptvariante: 7.h3 Lh5 8.e4 Le7 9.De1 0-0 10.Sh2 kommen-
tiert GM David Norwood „Sh2 was imaginative, but I doubt that White has
any real advantage in this opening.”346
 S.8, Norwood (2530) – Plaskett (2470), Eastbourne 1990, 0-1: 7.h3 Lh5 8.e4
Lxf3 “Black commits an error by conceding the bishop pair […] It is a com-

nach dem vierten Zug, welches von in Q032-HALL_CARTIER genannt wird, gibt es allerdings 516
GM-Partien, mit einer Erfolgsquote von 51% für Weiß.
345
Stellt man noch weißen Züge: Sf3, g3 und Lg2 auf das Brett, dann lassen sich 57 GM-Partien
selektieren, die eine Erfolgsquote von 49% für Weiß ausweisen.
346
Die geringe Erfolgsquote von 38% in 4 Partien untermauert diesen Gedanken.

233
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

mon misconception that exchanging the light squared bishop will give Black
immediate equality. In fact, in this game White ermerges into the middle
game with a clear advantage [was Weiß in der Partie aber nicht in einen
Gewinn führen kann].” 9.Dxf3 Lc5 10.c3 0-0 11.d4 dxe4 12.Sxe4 Sxe4
13.Dxe4 Ld6 14.Dc2 Tc8 15.Le3 b5 16.a4 b4 17 .a5 bxc3 18.bxc3 Sf6
19.c4 c5 20.Tfd1 Dc7 21. Tab1 cxd4 22.Lxd4 Lc5 ( 0.63, Q009-FRITZ11,
Tiefe 18)
 S. 9, Vukic, Milan (2500) - Wittmann, Walter (2390), Graz 1991, 1-0. 1.Sf3
d5 2.g3 c6 3.Lg2 Lg4 4.b3 Sd7 5.Lb2 Sgf6 6.0-0 e6 7.d3 Lc5 8.Sbd2 0-0
9.e4 dxe4 10.dxe4 e5 11.h3 Lxf3 „[…] however Black had to meet h3 with
...Lxf3, whereas in the latter he could play the superior …Lh5 because his
e-pawn was secured. Maybe I’m old fashioned, but I just don’t like to give
away the bishop pair…”
 Q085-HALL, S. 15-17: „In this variation […] Black plans to develop his
Q-bishop outside his pawn structure.“ 7.h3 Lxf3 8.Sxf3 “It might be rea-
soned that since White is intending e4, 8. Bxf3 is more logical since it seems
to give sufficient protection to White’s e4 square to effect an immediate e4,
whereas 8 Nxf3 loses control of e4. However we must realize that White is
aiming for the following configuration: pawn on e4, knight on f3, queen on
e2. [And] to reach it in the minimum number of moves.”
 Q095-ECO, S. 33, folgt der Hauptvariante 7.h3 Lh5 8.De1 Le7 9.e4 0-0 und
weicht dann ab mit dem nächsten Zug 10.Kh1 Se8 11.Sg1 Sc7 12.Sb3 dxe4
13.dxe4 e5 14. Da5 Se6 „ “.
 Nach ausgespielter HV 7.b3 Ld6 8.Lb2 0-0 geht es folgendermaßen weiter:
9.h3 Lh5 10.e4 e5 11.De1 Te8 12.Sh4 a5 „=“.
 Nach erreichter Stellung 7.b3 Ld6 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 folgt 10.a3 De7 11.h3
Lh5 12.Dc2 e5 13.e4 dxe4 „=“ (S.67).
 Nach ausgespielter HV 7.h3 Lxf3 8.Sxf3 geht es folgendermaßen weiter:
8...Le7 9.De1 0-0 10.e4 dxe4 11.dxe4 e5 12.Ld2 Ld6 13.Sh4 Te8 14.Sf5
Lf8 „=“.
 Auf dem Wege der HV 7.h3 Lh5 8.e4 Le7 wird hier abgewichen 9.De2 0-0
10.Te1 dxe4 11.dxe4 e5 12.b3 Dc7 13.Lb2 Tfe8 14. Df1 Tad8 „=“.
 Nach erreichter Stellung 7.b3 Lc5 8.Lb2 0-0 geht es weiter mit: 9.a3 a5
10.h3 Lh5 11.e4 b5 12.De2 Se8 „ “.
 Mit der Variante: 7.e4 Le7 8.De1 0-0 9.h4 Lh5 10.Sh2 Sg4 11.Lh3 Sxh2 12.
Kxh2 f5 13.f4 Kh8 14.Sf3 dxe4 „=“.
 In der Stellung 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 geht es weiter mit 10.a3 Db6
11.Dc2 h6 12.Lc3 Tfc8 13.Tfe1 Dd8 „=“ (S. 67).

234
O3.02 Schwarzer Bauernkeil

 Q096-NCO, S. 15 (Varianten und Bewertungen stammen von GM Emms)


nach Erreichen der Stellung: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 wird folgende Variante ge-
nannt: 10.h3 Lh5 11.e4 a5 12.a3 b5 „ “.
 Nach Erreichen der Stellung: 7.b3 Lc5 8.Lb2 0-0 wird zusätzlich folgende
Variante aufgeführt: 10.e4 dxe4 11.dxe4 e5 12.h3 Lxf3. „=“.
 Auf dem Wege der HV 7.h3 Lh5 8.e4 Le7 wird dann ab hier abgewichen:
9.De2 0-0 10.g4 dxe4 11.dxe4 Lg6 „=“.
 Auf dem Wege der HV 7.h3 Lh5 wird in dieser Variante noch früher abge-
wichen: 8.De1 Le7 9.e4 0-0 10.Kh1 Se8 11.Sg1 Sc7 „=“.
 Q103-BAGIROW, bespricht ab S. 116-118 eine der Hauptvarianten: 7.b3
Ld6 „Noch ein völlig logisches Entwicklungsverfahren. Schwarz legt sich
vorerst mit seinen Plänen nicht fest. Er kann De7, Te8 und e5 wählen mit
Kontrolle über die wichtige e-Linie und eventuellen Aussichten auf Abtausch
des Lb2.“ 8.Lb2 0-0 9.h3 Lh5 10.e4 „Dieser Zug wird mitunter durch die
Entwicklung der Schwerfiguren vorbereitet: 10.Te1 Te8 11.e4 e5. Es entsteht
eine Stellung in dynamischem Gleichgewicht. Nach dem verfehlten 12.ed? cd
13.g4 Lg6 14.Sh4 Sf8 15.Sf1 Dc7 schwächte Weiß das Feld f4 und erhielt
eine fragwürdige Position: 16.g5 Sh5 17.Se3 d4 18.Sd5 Dd8 19.Sg6: hg
20.h4 Tc8! 21.Tc1 Se6, Aismaparaschwili – Waganjan, Moskau 1983. Ein
anderes Verfahren besteht in 10.De1!? e5 11.e4 Te8 12.Sh4! Sc5 13.Sf5 Lc7.
Hier wurde Weiß handgreiflich und riß die Initiative an sich: 14.f4! ef 15.gf
de 16.Se4: (nach 16.de geht das Übergewicht an Schwarz: 16…La5 17.Dg3
Lg6!) 16…Sfe4: 17.de Se6 18.Dg3 Lg6 19.Tad1. In einer Partie Jansa –
Keene, Aarhus 1983, fand sich Schwarz in den Verwicklungen nicht zurecht
und geriet in eine strategisch verlorene Lage: 19…Sf4:? 20. Df4: Lf4:
21.Td8: Td8: 22.Tf4:.“ 10... Se8 „Da ohnehin e5 drohte, zieht der Springer
zurück und überwacht anschließend den Punkt e6 für die Vorbereitung von
nachfolgenden Aktivitäten im Zentrum. Eine weitere Chance besteht in
10…Le5!? mit Läufertausch, weil ihm auf 11.d4 die taktische Wendung
11…Ld4: 12.Ld4: de zur Verfügung steht.“ 11.De1 Sc7 12.Sh2 „Am genau-
esten. Weiß bereitet den Doppelschritt des f-Bauern vor.“
 Q104-EVANS, S. 50 nach der HV 7.h3 Lxf3 „Also possible is 7 …Lh5 but
the Bishop may be shut out of play by a subsequent g4” 8.Sxf3 folgt 8...Le7
9.e3 „ White prepares for Qe2 and e4 in the most efficient manner” 9...0-0
10.De2 a5 11.e4 a4 12.e5 Se8 13 a3 “Preventing [Black’s move] …a3 which
would weaken White’s dark squares on the Queenside” 13...b5 “Black’s play
lies on the Queenside” 14.d4 “with the freer game for White.”
 Q106-DAVIES, s.p., mit der Partie Biyiasas (2450) – Vasiukov (2555),
Hastings 1978, 1-0 („A very good illustration of the themes in this line.”):

235
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

7.e4 Le7 8.Te1 0-0347 9.h3 Lh5 10.e5 Se8 11.Sf1 Sc7 12.Sf1 Sc7 12.S1h2 a5
13.Lf4 a4 14.Dd2 a3 15.b3 Sb5 „A less effective plan; White should play
15...b5. […] The mistake Vasiukov made in this game was trying to play on
the queenside with pieces. […] Advancing with the pawns on the queenside
would be a much better option him.“ 16.c4 Sc7 17.h4 “This is got a threat of
playing g4 after Bishop goes to g6 trapping it with h5.” 17...Lxf3 “Giving
White the two Bishops.”
 Q117-RYBKABOOK, s.p. Hier wird folgende Variante empfohlen: 7.e4 Le7
8.h3 Lh5 9.b3 0-0 10.Lb2 a5. In den meisten für das Eröffnungsbuch be-
rücksichtigten Partien wurde 7.d4 „!?“ gezogen.

347
Die mit diesem Zug erreichte Stellung ist einzig durch die von GM Davies besprochene Partie im
GM Bereich belegt. Im Praxissegment gibt es 9 Partien mit einer Erfolgsquote von 44% auf einem
ELO-Durchschnittsniveau von 2387/2363.

236
O3.03 Schwarzer Bauernkeil

O3.03 Schwarzer Bauernkeil


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 40 2511/2537 18/ 62/ 20 49/51
gSN 2100-2449 92 2310/2323 34/ 38/ 28 53/47
All ------------- 298 2355/2385 27/ 40/ 33 47/53
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


10, 060%: 7.e4 Se7 8.h3 Lh5 9.De1 0-0 (= -0.20)
05, 050%: 7.e4 Se7 8.b3 0-0 9.Lb2 (= 0.05)
04, 025%: 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3 b5 ( 0.29)
04, 050%: 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.h3 Lh5 10.e4 (= -0.06)
05, 040%: 7.b3 Sgf6 8.Lb2 0-0 (= -0.07)
03, 050%: 7.c4 Se7 (= 0.11)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


28, 050%: 7.e4 Se7 8.De1 0-0 9.h3 Lh5
05, 080%: 7.e4 Se7 8.De1 0-0 9.b3
05, 070%: 7.e4 Se7 8.h3 Lh5 9.Te1
12, 067%: 7.e4 Sgf6 8.De1 Dc7
05, 040%: 7.e4 Sgf6 8.De2
09, 033%: 7.b3 Sgf6 8.Lb2 0-0 9.c4 Dc7
05, 050%: 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3
06, 050%: 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.De1
13, 027%: 7.c4 Sgf6 8.b3

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


60, 048%: 7.e4 Se7 8.De1 0-0 9.h3 Lh5
19, 069%: 7.e4 Sgf6 8.De1 Dc7
21, 045%: 7.b3 Sgf6 8.Lb2 0-0 9.c4 De7
19, 037%: 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3
17, 035%: 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.e4
16, 047%: 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.De1
30, 047%: 7.c4 Sgf6 8.b3
22, 055%: 7.c4 Se7

237
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07, A12.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM John van
der Wiel, ELO 2529, 4 Partien, 62% Erfolg.
 Nach 7.b3 Sgf6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O3.02 nach
7.b3 Ld6.
 Nach 7.e4 Se7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O3.07 nach 7.e4
Sbd7.
 Nach 7.e4 Se7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O4.04 nach 7.e4
c6.
 Weiß verfolgt im Wesentlichen den Plan, einen bekannten und für Weiß
prinzipiell günstigen Aufbau348 mit b3 / Lb2 / c4 zu erreichen.
 In der aus Sicht von Q009-FRITZ11 - nach ausgespielter Hauptvariante -
aussichtsreichsten Stellung, holen die GM mit Weiß gerade einmal 25%. Auf
gehobenem Spielniveau sind es immerhin 50%.
 Die Zugfolge 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6 4.0-0 Lg4 auf dem Weg zum KIA
Typ 3.2 wird auch als „Yugoslav Variante“349 bzw. Keres-Variante be-
zeichnet.
Beispielpartien
Nalbandian (2508) - Kharlov (2628), Warschau 2005, A07, ½-½: 1.Sf3 d5 2.g3 Lg4
3.Lg2 Sd7 4.0-0 e6 5.d3 c6 6.Sbd2 Ld6 7.e4 Se7 8.De1 0-0 9.h3 Lh5 10.Sh4 Sg6 11.Sxg6
Lxg6 12.f4 f5 13.Sf3 Db6+ 14.Kh2 Tae8 15.e5 Le7 16.a4 a6 17.a5 Dc7 18.Sd4 Lf7 19.c4
dxc4 20.dxc4 c5 21.Sb3 Lh5 22.Le3 Tb8 23.Tf2 b6 24.axb6 Txb6 25.Sa5 Sb8 26.Td2 Td8
27.Ta3 Tb4 28.Df2 Txd2 29.Dxd2 Le8 30.g4 fxg4 31.hxg4 g5 32.fxg5 Lg6 33.Lf4 Lf8
34.b3 Sd7 35.De3 Tb6 36.Ta2 Lg7 37.Te2 Sf8 38.Td2 Le8 39.Lg3 Tb8 40.Ta2 Sg6
41.Kh3 Lf8 42.De4 Ld7 43.Sb7 Lc8 44.Sd6 Txb3 45.Dc6 Dxc6 46.Lxc6 Sxe5 47.Sxc8
Sxc6 48.Txa6 Sd4 49.Kg2 Tb4 50.Sd6 Lxd6 51.Lxd6 Txc4 52.Le5 Tc2+ 53.Kg3 Tc3+
54.Kf4 Se2+ 55.Ke4 Sg3+ 56.Lxg3 Txg3 57.Kf4 Tg1 58.Txe6 c4 59.Tc6 Tc1 60.Ke3 c3
Vaganian (2645) - Sokolov (2625), Tilburg 1994, A07, 0-1: 1.Sf3 d5 2.g3 c6 3.Lg2 Lg4
4.0-0 Sd7 5.d3 e6 6.Sbd2 Ld6 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3 e5 11.cxd5 cxd5 12.h3
Lh5 13.g4 Lg6 14.Sh4 Sc5 15.Sdf3 d4 16.Tc1 Se6 17.e3 dxe3 18.fxe3 Db6 19.d4 Tad8
20.Sxg6 Sxg6 21.Dc2 exd4 22.Sxd4 Sxd4 23.Lxd4 Da6 24.Tf5 Lxa3 25.Tcf1 Se7 26.Th5
g6 27.Te5 Ld6 28.Te4 Sd5 29.g5 Db5 30.La1 Tc8 31.Tc4 Txc4 32.bxc4 Sxe3 33.Dc3

348
Die halbe Tabija: Standard-KIA plus b3 / Lb2 / c4 / a3 ergibt eine neue Eröffnungstheorie aus
weißer Sicht. Dieses System strebt Weiß hauptsächlich im KIA Stellungstyp O3 gegen den schwar-
zen Bauernkeil an.
349
Vgl. hierzu z.B. http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

238
O3.03 Schwarzer Bauernkeil

De5 34.Dxe5 Lxe5 35.Lxe5 Sxf1 36.Kxf1 Te8 37.Ld4 Te7 38.Kf2 a4 39.Lb2 h6 40.h4
hxg5 41.hxg5 Tc7 42.Ld5 Td7

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 36ff: „Die Idee des Nachziehenden [...] ist die
Errichtung eines Bauernbollwerks mit Bauern auf c6, d5 und e6, um die Aus-
sichten des fianchettierten weißen Königsläufers einzudämmen“. (S. 32)
Schwarz entwickelt seinen „Damenläufer, bevor er ...e7-e6 spielt, was diesen
einsperren würde.“ Der Läufer strebt nach g4. „Spielt der Anziehende später
h2-h3, so hat Schwarz grundsätzlich zwei Möglichkeiten, ...Lg4xf3 und
...Lg4-h5. Die Idee von ...Lg4xf3 ist Vereinfachung, wodurch die weißen
Aussichten auf einen lang anhaltenden Druck verkleinert werden, während
der Vorteil des Läuferpaars größtenteils durch das zentrale Bauernbollwerk
c6, d5 e6 kompensiert wird, das es Weiß erschwert, seinen Königsläufer zu
aktivieren. Der Rückzug ...Lg4-h5 beabsichtigt, das Läuferpaar sowie die
Spannung zu erhalten.“ (S. 36)
 Q004-MEGABASE, Nach der Hauptvariante: 7.b3 Sgf6 8.Lb2 0-0 ist eine
Stellung erreicht, die GM Kasparow 1997 in New York gegen Deep Blue auf
dem Brett hatte.350
 P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie D’Amore - Jean Luc Costa, Biel
1990, 1-0 und merkt nach 7.e4 Se7 an: „Der Aufbau mit Se7 statt Sf6 wurde
durch Beispiele von Keres aktuell. Die Flexibilität der schwarzen Stellung
hat danach immer ihre Anhänger gefunden.“ Und nach 8.exd5 cxd5 9.c4
„Der bereits mit 8.exd5 eingeleitete Angriff im Zentrum scheint mir wenig
Erfolg zu versprechen.“
 Q008-DUNNINGTON98, S. 105f: “So often a piece with which Black has
problems, the queen’s bishop immediately finds a home, allowing Black the
option of establishing a solid pawn centre with …e6 without closing the
bishop out of play. […] White almost always hits the queen's bishop with h2-
h3, giving Black the choice of whether or not to surrender the bishop pair.
Generally this is only a good idea if the resulting simplification decreases
White's attacking potential. It is better to preserve the tension and retreat to
h5. Having said this, it is surprising how many masters make the mistake of
voluntarily exchanging on f3. In general, White's space advantage and attack-
ing possibilities give him a good game, and Black's position also lacks flexi-
bility. […] Another important feature of the ...Bg4 Variation is Black's pin on
the d1-h5 diagonal. Because the KIA centres around White pushing with e2-
e4, a dual-purpose move here is Qel. This is a good square, as not only does

350
Vgl. hierzu die Dokumentation der Partie im Typ O3.02.

239
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

White escape the pin, releasing the king’s knight to pressure e5 and […]
threatening Nf3-h4-f5, but also the queen helps support the advance of the e-
pawn.” „[…] White has the Qe1 plan at his disposal to force through e2-e4.
This has the advantage of leaving a rook on f1, which often works out to be
an important factor when White is ready to build up a dangerous kingside at-
tack by throwing forward his f-pawn.”351 (S. 129)
 Q015-CAISSA, Bd. IV, S. 82 nach 7.b3 Sgf6 8.Lb2 0-0 geht es weiter mit
9.c4 Te8 10.Dc2 (Hickl – Slobodjan, Altensteig 1995, 1-0).
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 6: “This aggressive bishop posting [Bg4] is
apparently black’s most effective defense against the King’s Indian Attack
[…] The important thing is that Black developed his bishop BEFORE play-
ing … e6. The additional pressure and the extra kingside defender make a
successful kingside attack much more difficult to mount.“
 In der Partie Portisch - Ivkov, Amsterdam 1969, 1-0 setzt Schwarz nach dem
Stellungsbild der HV 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.h3 Lh5 10.e4 fort mit 10...Tc8
„?!. This seems rather passive as it allows white to build up.” Don Maddox
prefers „a more active plan with 10...a5” (S. 73).
 In der Variante 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3 spielt Keres 10...b5 „Black
shows proper handling of the variation by seeking active counterplay.“
(S. 78, Butnorius - Keres, Moskau 1972, 0-1)
 Die Fortsetzung der Variante 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.c4 mit 9...f5 kommentiert
Don Maddox wie folgt: „Black sets up a Stonewall [Bezeichnung für die
Bauernformation c6/d5/e6/f5] Dutch formation with the light-squared bishop
developed on g4 instead of locked in at c8.“ (S. 79)
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 59 (In diesem Stellungstyp kann Weiß den
schwarzen Läufer mit h3, g4 nach g6 dirigieren und ihn dann mit Sh4 angrei-
fen.) That is a “prelude to white’s kingside attack, forcing the exchange of
knight for the Bg6 and playing for e4-e5 and a kingside pawn storm.”
 Q031-WEINSTEIN, S. 14ff, mit der Variante 7.e4 Se7 8.b3 0-0 9.h3 Lh5
10.Lb2 Se5 11.g4 „White undertakes a general advance of the kingside
pawns in order to shut the Black Q-Bishop out of play. In addition the bishop
will soon need an escape path to avoid being trapped by the onrushing
pawns. This will require a move of either the Black rook-pawn or the bishop-
pawn, which will enable White to open an avenue of activity for his rooks via
g5.” 11...Sxf3+ 12.Dxf3 Lg6 13.h4 h6 14.h5 Lh7.

351
Die Dame zieht dann auf e2, um e1 für den Springer auf f3 zu räumen. Der Springerzug macht
einerseits den Weg für den f-Bauern frei und deckt andererseits den Bauer auf c2 (vgl. Q008-
DUNNINGTON98 auf S. 130 nach Anmerkungen in der Partie Polugayevsky - Addison, Palma
1970, 1-0).

240
O3.03 Schwarzer Bauernkeil

 Q032-HALL-CARTIER, S. 59ff: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6 4.0-0 Lg4 “is


one of the most solid defenses to the KIA.”352
 Auf S. 79f wird die Partie Stein - Ney, Parnu 1971, 1-0 mit folgender Varian-
te angegeben: 7.c4 „!? Opting for an English-Réti; though varying from the
‚trademark’ early e2-e4 of the KIA, often White – as in this game – will
complement this early c4 with a later e2-e4. This is effectively the same pro-
cedure as if White had played the usual e2-e4 first, and only later c2-c4”
7...Sgf6 8.b3 a5 9.Lb2 a4 “?! Aiming to cramp White. Then he would have
an isolated White a-pawn to pressure down the a-file. However, as Stein
demonstrates, the time it takes Black to win back the pawn allows White to
seize the initiative in the center”. 10.bxa4 “!” Da5 11.cxd5 cxd5 12.e4 0-0
„Of course not 12...Qxa4?? 13. Qxa4 Rxa4 14.e5 [verliert eine Figur]“ 13.h3.
 Q063-EMMS05, S. 209, mit der Fortsetzung 7.e4 Se7 8.h3 Lh5 in der Partie
M. Lazic – M. Dzevlan, Kladovo 1991, 1-0 9.De1 0-0 10.Sh4 Db8 „?! An
over-finesse – there is no reason not to putt he queen on c7, which is a much
better square than b8.“
 Q072-NORWOOD, S. 13 mit der Beispielpartie: Lazic (2495) - Dizdar
(2470), Kladovo, 1990, ½-½ 7.De1 Se7 8.e4 0-0 9.h3 Lxf3 10.Sxf3 Db6
11.Kh1 a5 12.Sd2 a4 13. Tb1 a3 14.b3 Lb4 15.De2 Lc3 16.b4 “the position
quickly became interesting.”
 Q085-HALL, S. 21-22: 7.e4 Se7 “So far both sides’ moves have been easy to
under stand; each player has simply played for his destre piece and pawn
configuration.” 8.b3 0-0 9.h3 “A handy interpolation which allows White to
unpin his knight […].” 9...Lh5 10.Lb2 Se5 “In order to exchange a few piec-
es and thereby draw some of the force out of White’s setup.” 11.g4 “White
undertakes a general advance of his kingside pawns in order to shut the Black
Q-bishop out of play. In addition, the bishop will soon need an escape path to
avoid being trapped by the onrushing pawns.”
 Q095-ECO, S.32 mit der Hauptvariante: 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0 9.h3 Lh5 10.e4
und der Fortsetzung 10...c5 „ ”.
 Mit der HV 7.e4 Se7 8.h3 Lh5 und der Fortsetzung 9.Te1 0-0 10.De2 c5
„ “.
 Q096-NCO, S. 14 benennt die Hauptvariante 7.h3 Lh5 8.e4 Se7 mit der
Fortsetzung 9.b3 0-0 10.Lb2 a5 „ “. Die Variante und die Bewertung der
Endstellung stammen von GM Emms.

352
Es gibt allerdings Stellungsbilder als Ausgangssituation, die für Weiß statistisch gesehen erheb-
lich schlechter liegen (vgl. hierzu „Übersicht über die für Weiß kritischen Stellungsbilder“ in der
Zusammenfassung am Ende dieses Buches).

241
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Q103-BAGIROW, S. 117 mit dem Stellungsbild: 7.b3 Sgf6 8.Lb2 0-0 „Noch
ein völlig logisches Entwicklungsverfahren. Schwarz legt sich vorerst mit
seinen Plänen nicht fest. Er kann De7, Te8 und e5 wählen mit Kontrolle über
die wichtige e-Linie und eventuellen Aussichten auf Abtausch des Lb2.
 Q104-EVANS, S. 41-42 mit der Partie Byrne – Smyslov, Lugano, 1968,
0-1: 7.e4 Se7 8.De2 „Stronger is 8.b3“ 8...0-0 9.h3 Lh5 10.Te1 Kh8 11.d4
Tc8 12.c4 c5 „! With excellent play […]. Note that all of Black’s minor
pieces are working while White’s R[ook] and QB [Queens Bishop] are still
undeveloped.”
 Q106-DAVIES, s.p., mit der Partie Ivkov (2460) – Lima (2385), Hastings
1978, 1-0 und der im Praxisbereich am häufigsten gewählten Variante: 7.e4
Se7 8.De1 0-0 9.h3 Lh5. Fortgesetzt wurde wie folgt: 10.b3 Db6 „in der Par-
tie Azmaiparashvili (2625) - Chernin (2615), Tilburg 1994, 1-0 wurde ge-
spielt: 10...Te8 11.Lb2 Lc7 12.Sh4 Sg6 13.Sxg6 Lxg6 14.f4 f6 15.Kh1 dxe4
16.Sxe4 f5 17.Sg5 e5 18.Db4“ 11.Lb2 „11...Bxg3 12.exd5 cxd5 (12...exd5;
12...Sxd5 13.Sc4) 13.Ld4 very unpleasant for Black.“ 11...a5 12.a3 Tfe8
13.Kh1 c5 14.Sh4 f6 15.a4 Lf7 16.f4 “We see White’s global strategy be
gradually [schrittweise] enfolding here taking lot of space on the kingside.”
16...Tac8 “still angling for the move 17...c4 threatening 18.dxc4 19.dxc4
20.Nxc4 Rxc4 and White’s b-pawn is pinned against bishop on b2 (21.bxc4
Qxb2).” 17. Tb1.

242
O3.04 Schwarzer Bauernkeil

O3.04 Schwarzer Bauernkeil


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 30 2536/2519 31/ 62/ 7 62/38
gSN 2100-2449 40 2332/2316 33/ 44/ 23 55/45
All ------------- 150 2369/2364 29/ 45/ 26 52/48
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


08, 038%: 7.h3 Lh5 8.e4 0-0 9.De2 Sbd7 ( 0.40)
04, 038%: 7.b3 0-0 8.Lb2 a5 9.a3 Sbd7 10.c4 (= 0.01)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


05, 040%: 7.b3 Sbd7 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3 b5
06, 083%: 7.b3 Sbd7 8.Lb2 0-0 9.h3 Lh5 10.e4 a5 11.a3
05, 040%: 7.b3 Sbd7 8.Lb2 0-0 9.e4 a5
04, 050%: 7.b3 Sbd7 8.Lb2 0-0 9.De1
03, 050%: 7.b3 0-0 8.Lb2 a5 9.a3 Sbd7 10.De1
12, 050%: 7.e4 Sbd7 8.De1 0-0 9.h3 Lh5
06, 067%: 7.e4 Sbd7 8.De1 dxe4 9.dxe4 0-0
10, 055%: 7.e4 Sbd7 8.De2 0-0
07, 057%: 7.e4 Sbd7 8.h3
06, 075%: 7.e4 0-0 8.h3 Lh5
03, 017%: 7.h3 Lh5 8.b3

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


37, 046%: 7.e4 Sbd7 8.De1 0-0 9.h3 Lh5
22, 061%: 7.e4 Sbd7 8.De1 dxe4 9.dxe4 0-0
20, 058%: 7.e4 Sbd7 8.De2 0-0
16, 050%: 7.e4 Sbd7 8.Te1
30, 060%: 7.e4 0-0 8.h3 Lh5
28, 045%: 7.b3 Sbd7 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3
19, 066%: 7.b3 Sbd7 8.Lb2 0-0 9.h3 Lh5 10.e4
20, 035%: 7.c3 Sbd7

243
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07, A12.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Ivan
Farago, ELO 2491, 8 Partien, 44% Erfolg.
 Nach 7.e4 Sbd7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O3.02 nach
7.e4 Le7.
 Weiß konzentriert sich in seiner Planung darauf, die Durchsetzung von e4
oder den bekannten und für Weiß prinzipiell günstigen Aufbau353 mit b3 /
Lb2 / c4 zu erreichen.
 Die Zugfolge 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6 4.0-0 Lg4 auf dem Weg zum KIA
Typ 3.2 wird auch als „Yugoslav Variante“354 bzw. Keres-Variante be-
zeichnet.
Beispielpartien
Movsesian (2647) - Acs (2548), Tripoli 2004, A07, 1-0: 1.g3 d5 2.Sf3 Sf6 3.Lg2 c6
4.0-0 Lg4 5.d3 e6 6.Sbd2 Le7 7.h3 Lh5 8.e4 0-0 9.Te1 Sbd7 10.e5 Se8 11.Sf1 c5 12.Lf4
b5 13.g4 Lg6 14.Dd2 c4 15.Sg3 cxd3 16.cxd3 Sc5 17.Lf1 d4 18.h4 h6 19.h5 Lh7 20.Tac1
Sc7 21.g5 Dd5 22.Lg2 Dxa2 23.Txc5 Lxc5 24.gxh6 Sd5 25.hxg7 Tfc8 26.Lh6 Lb4
27.Dg5 Lxe1 28.Sxe1 Db1 29.Dd2 a5 30.Kh2 a4 31.Se4 a3 32.bxa3 Txa3 33.Sd6 Dc1
34.Dxc1 Txc1 35.Lxc1 Ta1 36.Ld2 Td1 37.La5 b4 38.Lxd5 Txe1 39.Lc4 Txe5 40.Lxb4
Txh5+ 41.Kg2 Kxg7 42.Sb5 e5 43.Sd6 Tg5+ 44.Kf1 Lg6 45.Se8+ Kh7 46.Le7 Tf5
47.Ld5 e4 48.dxe4 Te5 49.Sf6+ Kg7 50.Ld8 d3 51.f4 d2 52.Ke2 Lxe4 53.fxe5

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 13: „Das Keressystem, das nach dem großartigen
estnischen Großmeister benannt ist, ist prinzipiell ähnlich zum Londoner
System, nur wird der Damenläufer hier nach g4 statt f5 entwickelt. Dies ist in
zweierlei Hinsicht nützlich: wenn Weiß das unvermeidliche e2-e4 spielt, ver-
braucht der Läufer kein weiteres Tempo für den Rückzug und außerdem ent-
steht dabei die unangehme Fesselung auf der Diagonale d1-h5. Die weiße
Strategie bleibt dennoch die gleiche: e2-e4-e5 wird angestrebt.“
 S. 36ff: „Die Idee des Nachziehenden [...] ist die Errichtung eines Bauern-
bollwerks mit Bauern auf c6, d5 und e6, um die Aussichten des fianchettier-
ten weißen Königsläufers einzudämmen“. (S. 32) Schwarz entwickelt seinen

353
Die halbe Tabija: Standard-KIA plus b3 / Lb2 / c4 / a3 ergibt eine neue Eröffnungstheorie aus
weißer Sicht. Dieses System strebt Weiß hauptsächlich im KIA Stellungstyp O3 gegen den schwar-
zen Bauernkeil an.
354
Vgl. hierzu z.B. http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

244
O3.04 Schwarzer Bauernkeil

„Damenläufer, bevor er ...e7-e6 spielt, was diesen einsperren würde.“ Der


Läufer strebt nach g4. „Spielt der Anziehende später h2-h3, so hat Schwarz
grundsätzlich zwei Möglichkeiten, ...Lg4xf3 und ...Lg4-h5. Die Idee von
...Lg4xf3 ist Vereinfachung, wodurch die weißen Aussichten auf einen lang
anhaltenden Druck verkleinert werden, während der Vorteil des Läuferpaars
größtenteils durch das zentrale Bauernbollwerk c6, d5 e6 kompensiert wird,
das es Weiß erschwert, seinen Königsläufer zu aktivieren. Der Rückzug
...Lg4-h5 beabsichtigt, das Läuferpaar sowie die Spannung zu erhalten.“
(S. 36)
 Q004-MEGABASE, GM Mihail Marin kommentiert die Partie: Vaganian
(2640) - Babula (2571), Bundesliga 2005, ½-½. 1.Sf3 Sf6 2.g3 d5 3.Lg2 c6
4.d3 Lg4 5.Sbd2 e6 “This apparently modest setup is aimed to avoid the
premature weakening of the f5-square.” 6.0-0 Le7 7.e4 a5 “!? A rare move.
Black delays his catstle in order to discourage any active operation from
White's part on that side of the board, making at the same time some general-
ly useful moves on the other wing.” 8.h3 Lh5 9.a4 Sa6 “After the insertion
of the moves a5 and a4, this is a natural development of the knight.” 10.exd5
“!? Since the e5-square is temporarily left without defence, Vaganian starts
play in the centre.” 10...cxd5 11.g4 Lg6 12.Se5 Dc7 13.Sdf3 Sb4 14.c3 Sc6
“! Black correctly decides to question White's stability in the centre. In case
of general exchange of the minor pieces on this square, the weaknesses creat-
ed by the advance of White's king side pawns might become significant,
while the g2-bishop would remain rather passive.” 15.Lf4 Ld6 16.De2 0-0
17.Sxg6 hxg6 18.Lxd6 Dxd6 “After the exchange of the dark squared bish-
ops, the weakness of the f4-square is a permanent source of worry for
White.” 19.d4 Se4 “! Black anticipates his opponent's intentions and is the
first one who sends a knight in the centre.”
 Q008-DUNNINGTON98, S. 105f (“Black plays …d5 and …Lg4”): “So
often a piece with which Black has problems, the queen’s bishop immediate-
ly finds a home, allowing Black the option of establishing a solid pawn cen-
tre with …e6 without closing the bishop out of play. […] White almost
always hits the queen's bishop with h2-h3, giving Black the choice of wheth-
er or not to surrender the bishop pair. Generally this is only a good idea if the
resulting simplification decreases White's attacking potential. It is better to
preserve the tension and retreat to h5. Having said this, it is surprising how
many masters make the mistake of voluntarily exchanging on f3. In general,
White's space advantage and attacking possibilities give him a good game,
and Black's position also lacks flexibility. […] Another important feature of
the ...Bg4 Variation is Black's pin on the d1-h5 diagonal. Because the KIA
centres around White pushing with e2-e4, a dual-purpose move here is Qel.
This is a good square, as not only does White escape the pin, releasing the

245
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

king’s knight to pressure e5 and […] threatening Nf3-h4-f5, but also the
queen helps support the advance of the e-pawn.” „[…] White has the Qe1
plan at his disposal to force through e2-e4. This has the advantage of leaving
a rook on f1, which often works out to be an important factor when White is
ready to build up a dangerous kingside attack by throwing forward his
f-pawn.”355 (S. 129)
 Q015-CAISSA, Bd. IV, S. 120f nach Stellungsaufbau 7.b3 Sbd7 8.Lb2 0-0
9.h3 Lh5 geht es weiter mit folgenden Varianten:
 10.g4 Lg6 11.Sh4 (z.B. Petran – Sergeev, Slovakia 1994, ½-½).
 10.c4 (z.B. Bjarnason – Geller, Reykjavik 1984, ½-½).
 10.c4 a5 11.a3 (z.B. Ribli – Arnason, Malta 1980, 1-0).
 10.e4 (z.B. Jamieson – Rogers, Nomea 1995, ½-½).
 10.e4 dxe4 (z.B. Dunnington – Muhutdinov, Cappelle La Grande 1995,
0-1).
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 6: “This aggressive bishop posting [Bg4] is
apparently black’s most effective defense against the King’s Indian Attack
[…] The important thing is that Black developed his bishop BEFORE play-
ing … e6. The additional pressure and the extra kingside defender make a
successful kingside attack much more difficult to mount.“
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 59: Nach 7.e4 Sbd7 8.h3 Lh5 9.De2 („Aim-
ing to establish the KIA ‚spearhead’ at e5“) 9...0-0 10.g4 (“Breaking the pin
on the d1-h5 diagonal”) 10...Lg6 11.Sh4 wird abschließend kommentiert: “A
prelude to white’s kingside attack, forcing the exchange of knight for the Bg6
and playing for e4-e5 and a kingside pawn storm.”
 Q045-TANGBORN, S. 21 in der Partie: Biyiasis – Vasiukov, Hastings 1978-
79, 1-0 nach 7.e4 Sbd7 mit der Variante: 8.Te1 „This move is good, except
that sometimes the Rook is better placed on the f-file if White advances his
f-pawn.” 8…0-0 9.h3 Lh5 10.e5 Se8 11.Sf1 Sc7 12.S1h2 “This move pre-
pares the advance of the kingside pawns (h4 followed by g4) and also to re-
capture with the Knight on f3 [if Lxf3].”
 Q063-EMMS05, S. 187: Stellungsbild 7.h3 Lh5 8.e4 0-0 9.De2 Sbd7 mit der
Fortsetzung 10.g4 „This is the most obvious way to continue the attack, but
there are other otpions for White. 10.e5 Ne8 is possible although […] White
is often reluctant [es widerstrebt ihm] to release the tension in this way. 10 b3
followed by Bb2 remains an option […].” (Vgl. Partie Roizman – Uhlmann,
UdSSR 1966, 0-1)

355
Die Dame zieht dann auf e2, um e1 für den Springer auf f3 zu räumen. Der Springerzug macht
einerseits den Weg für den f-Bauern frei und deckt andererseits den Bauer auf c2 (vgl. Q008-
DUNNINGTON98 auf S. 130 nach Anmerkungen in der Partie Polugayevsky - Addison, Palma
1970, 1-0).

246
O3.04 Schwarzer Bauernkeil

 Q095-ECO, S. 33 geht es nach Erreichen der Stellung 7.b3 Sbd7 8.Lb2 0-0
wie folgt weiter: 9.h3 Lh5 10.e4 a5 11.a3 b5 12.De1 Db6 „=“.
 Q103-BAGIROW, S. 129: mit der Fortsetzung 7.b3 0-0 8.Lb2 Sbd7 9.h3
Lh5 10.e4 a5 „Schwarz verwirklicht einen für derartige Stellungen her-
kömmlichen Angriffsplan am Damenflügel.“ 11.a3 b5 12.De1 Db6 13.Kh1
a4 14.Sh2 dxe4 „Es droht ein recht unangenehmer Angriff: 15.e5 Se8 16.g4
Lg6 17.f4 und 18.f5. Gegen den feindlichen Plan kann Schwarz nur durch ak-
tives Gegenspiel erfolgreich ankämpfen.“
 Q106-DAVIES, s.p., mit der Partie Biyiasas (2450) – Vasiukov (2555), Has-
tings 1978, 1-0 („A very good illustration of the themes in this line.”): 7.e4
Sbd7 8.Te1 0-0356 9.h3 Lh5 10.e5 Se8 11.Sf1 Sc7 12.Sf1 Sc7 12.S1h2 a5
13.Lf4 a4 14.Dd2 a3 15.b3 Sb5 „A less effective plan; White should play
15...b5. […] The mistake Vasiukov made in this game was trying to play on
the queenside with pieces. […] Advancing with the pawns on the queenside
would be a much better option him.“ 16.c4 Sc7 17.h4 “This is got a threat of
playing g4 after Bishop goes to g6 trapping it with h5.” 17...Lxf3 “Giving
White the two Bishops.”

356
Die mit diesem Zug erreichte Stellung ist einzig durch die von GM Davies besprochene Partie im
GM Bereich belegt. Im Praxissegment gibt es 9 Partien mit einer Erfolgsquote von 44% auf einem
ELO-Durchschnittsniveau von 2387/2363.

247
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O3.05 Schwarzer Bauernkeil


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 16 2520/2531 56/ 38/ 6 75/25
gSN 2100-2449 110 2286/2274 35/ 39/ 26 54/46
All ------------- 362 2246/2241 36/ 35/ 29 54/46
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


08, 044%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7 (= 0.09)
05, 070%: 7.b3 Sbd7 8.Lb2 h6 ( 0.30)
10, 060%: 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 (= 0.12)
09, 078%: 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.Se5 (=)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


16, 056%: 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.b3 a5 11.a4 Sa6
15, 053%: 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.b3 a5 11.a3
16, 050%: 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.Te1
06, 067%: 7.De1 0-0 8.e4
18, 047%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7 10.Tc1
15, 047%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7 10.Dc2
24, 058%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3 Sbd7
21, 043%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.Te1
20, 040%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.De1 Lh7 10.e4
14, 064%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.Se5
07, 100%: 7.c4 Sbd7
06, 058%: 7.c4 0-0

248
O3.05 Schwarzer Bauernkeil

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


59, 052%: 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.b3 a5
51, 036%: 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.Te1
49, 062%: 7.De1 h6 8.e4 dxe4
29, 061%: 7.De1 0-0 8.e4
20, 067%: 7.De1 Sbd7 8.e4 dxe4
44, 048%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.c4 Sbd7 10.Tc1
77, 049%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3 Sbd7
62, 045%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.De1
59, 046%: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 9.Te1
83, 036%: 7.Te1 h6
26, 037%: 7.Te1 0-0
26, 050%: 7.c4 0-0
33, 026%: 7.c3 h6 8.Te1 0-0

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut. Die Erfolgsbi-
lanz der GM-Partien ist auf Grund weniger Partien etwas zu optimistisch.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07, A12.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Evgeny
Sveshnikov, ELO 2570, 7 Partien, 43% Erfolg.
 Nach 7.De1 h6 bzw. 7.b3 h6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ
O3.01 nach 7.De1 Le7 bzw. 7.b3 Le7.
 Nach 7.De1 h6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O4.03 nach
7.De1 c6.
 Die Stellung nach 7.De1 h6 8.e4 Lh7 ist mit der Fortsetzung 9.Se5 Sbd7
10.Sxd7 Sxd7 11.f4 eine Spezialität von GM Vaganian. In fünf gespielten
GM-Partien erzielte er hiermit 70% (zwei Siege, drei Remis). Der Zug 9.Se5
ist aus der Königsindischen Verteidigung bekannt und zeigt in der breiten
Praxis (ELO-Schnitt 2209/2209) eine Erfolgsquote für Schwarz von 53%.
GM Vaganian hat diesen Zug in die Spielweise des Weißen 1980 eingeführt
(vgl. Vaganian – Sveshnikov, Sochi 1980, 1-0).
 Weiß entscheidet sich prinzipiell zwischen den Plänen a) Vorbereitung und
Durchsetzung von e2-e4 (HV 7.De1 h6 8.e4…) mit der Idee e4-e5 bzw. f2-f4
(vgl. „Vaganian-Spezialität“) oder oder b) in einen bekannten und für Weiß
prinzipiell günstigen Aufbau357 mit b3 / Lb2 / c4 zu wechseln.

357
Die halbe Tabija: Standard-KIA plus b3 / Lb2 / c4 / a3 ergibt eine neue Eröffnungstheorie aus
weißer Sicht. Dieses System strebt Weiß hauptsächlich im KIA Stellungstyp O3 gegen den schwar-
zen Bauernkeil an.

249
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Beim Zug e4-e5 (z.B. in der Variante 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.e5;
vgl. Q095-ECO, S. 33) muss Weiß berücksichtigen, dass die Möglichkeiten
des weißfeldrigen schwarzen Läufers auf der Diagonale h7-b1 verbessert
werden.
 Der Zug 7.Te1 schwächt den Punkt f2 und gefährdet die Dame; zum Bei-
spiel: 7...Lc5 Jeder Zug, der jetzt der weißen Dame kein Luftloch verschafft
bzw. dem schwarzen Springer das Feld g4 verwehrt ist „tödlich“ 8.Sh4??
Lxf2+.
 Die Variante: 1.g3 d5 2.Lg2 Sf6 3.Sf3 c6 4.0-0 Lf5 5.d3 e6 6.Sbd2 wird als
“Petrosian Variante”358 (oder auch: Londoner System) bezeichnet.
Beispielpartien
Malakhov (2676) - Potkin (2591), Krasnoyarsk 2007, A07, 1-0: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6
3.Lg2 c6 4.0-0 Lf5 5.d3 e6 6.Sbd2 Le7 7.b3 0-0 8.Lb2 h6 9.De1 a5 10.e4 Lh7 11.a3 c5
12.a4 Sc6 13.De2 Te8 14.Tfe1 Tc8 15.Se5 Sd4 16.Dd1 Dc7 17.f4 Lf8 18.Tc1 Tcd8
19.exd5 exd5 20.Sdf3 Sf5 21.g4 Sd6 22.Sd2 c4 23.Ld4 b5 24.Sf1 bxa4 25.bxa4 Sb7 26.g5
hxg5 27.fxg5 Lc5 28.Lxc5 Txe5 29.Txe5 Dxe5 30.gxf6 Sxc5 31.d4 Dd6 32.dxc5 Dxc5+
33.Kh1 gxf6 34.Df3 d4 35.Dxf6 Td6 36.Df4 d3 37.cxd3 Lxd3 38.Sd2 Dd4 39.Dxd4 Txd4
40.Kg1 Kf8 41.Kf2 Ke7 42.Lc6 Kd6 43.Lb5 Kd5 44.Kg3 f5 45.Lxc4+ Lxc4 46.Sxc4
Tg4+ 47.Kf3
Vaganian (2590) – Sveshnikov (2570), Sochi 1980, A07, 1-0: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2
c6 4.0-0 Lf5 5.d3 e6 6.Sbd2 Le7 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.Se5 Sbd7 10.Sxd7 Sxd7 11.f4 0-0
12.Kh1 a5 13.g4 a4 14.f5 a3 15.b3 Te8 16.Tb1 exf5 17.gxf5 Da5 18.exd5 cxd5 19.Dg3
Lb4 20.Sf3 Kh8 21.f6 Sxf6 22.Lxh6 Sh5 23.Dg4 Ta6 24.Sg5 Lg6 25.Sxf7+ Lxf7
26.Lxg7+ Sxg7 27.Txf7 Lf8 28.Tbf1 Dc5 29.b4 Dd6 30.Txg7 Lxg7 31.Dh5+ Dh6
32.Dxe8+ Kh7 33.Lxd5 Dh3 34.Le4+ Kh6 35.Tg1

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 32 „Die Idee des Nachziehenden [...] ist die Er-
richtung eines Bauernbollwerks mit Bauern auf c6, d5 und e6, um die Aus-
sichten des fianchettierten weißen Königsläufers einzudämmen“.
 Q004-MEGABASE, GM Mihail Marin (ELO 2541) bespricht die schwarzen
Aussichten in der Partie Vaganian (2670) – Dominguez (2661), Poikovsky,
2005, ½-½ nach 7.De1 h6 8.e4 Lh7. Zum schwarzen Läufer auf f5 schreibt
er: „Unlike the systems based on ...Lg4, Black intends to preserve this bishop
from a possible exchange. True, the bishop will have to retreat to the
apparently passive h7-square (after White's thematic e2-e4), but Black's hope
is that the pressure along the h7-b1 diagonal will considerably restrict
White's possibilities.” In der Partie wird die von GM Vaganian favorisierte

358
Vgl. hierzu http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

250
O3.05 Schwarzer Bauernkeil

Variante gespielt: 9.Se5 „Vaganian has a rich experience with this position.”
9...Sbd7 10.Sxd7 „10...Dxd7 11.e5 “ 10...Sxd7 11.f4 0-0 12.Kh1 dxe4
„This looks like the correct strategy. Black has to play in the centre in order
to keep the balance even. Flank actions are rather slow, allowing White to get
attacking chances, due to his strong control of the centre.” 13.dxe4 Sc5 „A
very effective plan, apparently designed by Karpov. By putting pressure
against the e4-pawn, Black considerably restricts White's freedom of action.
Although he has a better control of the centre, White is slightly underdevel-
oped. His play in the following phase of the game should aim to solve this
problem.” 14.De3 „Novelty. Possibly, Vaganian wanted to keep the enemy
knight under some pressure, but I believe that he failed to foresee that the
queen is slightly exposed here, leaving the back rank slightly vulnerable as
well.” 14...Dd7 15.a4 „?! Better is Sb3” 15...Tfd8 16.Sb3 Sxb3 17.Dxb3
Lc5 18.g4 De7 19.f5 „Finally, White has managed to create a barrier against
the light squared bishop, but Black's better development will allow him to
break it.” 19...h5 “!= This is it. Because of the vulnerable position of his
king, White cannot maintain his chain of pawns intact with h3.”
 P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Aronian - Plaskett, Hastings,
2001, 1-0 nach folgender Hauptvariante: 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.Se5 „Eine
Spezialität von Vaganian.“ Er betont, dass die übliche Fortsetzung über
9...Sbd7 10.Sxd7 geht und merkt hierzu an: „Der Tausch kostet zwar Zeit,
aber Weiß muss eh Zeit verlieren, um den Bauer f2 in Gang zu setzen.“
 In der Partie I. Frog – E. Sveshnikov, Elista 1995, ½-½ wird die Variante
7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.Te1 Te8 11.Se5 gespielt. Zur möglichen
Fortsetzung 11.e5 merkt P. Horn (ELO 2295) an: „Das ist zweischneidig, da
der Lh7 an Kraft gewinnt.“
 Q008-DUNNINGTON98, S. 105: “So often a piece with which Black has
problems, the queen’s bishop immediately finds a home, allowing Black the
option of establishing a solid pawn centre with …e6 without closing the
bishop out of play.” „[…] White has the Qe1 plan at his disposal to force
through e2-e4. This has the advantage of leaving a rook on f1, which often
works out to be an important factor when White is ready to build up a dan-
gerous kingside attack by throwing forward his f-pawn.”359 (S. 129)
 Q015-CAISSA, Bd. IV, S. 214-215 nach Stellungsaufbau 7.b3 Sbd7 8.Lb2
0-0 wird keine Fortsetzung der Variante genannt. Die gelisteten Beispielpar-
tien setzen mit 9.De1 / Sh4 / c4 bzw.e3 fort.

359
Die Dame zieht dann auf e2, um e1 für den Springer auf f3 zu räumen. Der Springerzug macht
einerseits den Weg für den f-Bauern frei und deckt andererseits den Bauer auf c2 (vgl. Q008-
DUNNINGTON98 auf S. 130 nach Anmerkungen in der Partie Polugayevsky - Addison, Palma
1970, 1-0).

251
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 6f: „Black’s basic idea is [...] developing his


bishop before commiting to …e6, but the bishop is subject to attack after
white’s inevitable e4. The bishop ultimately seems to have less influence on
the game from f5 than it does from g4.”
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 59: „Black’s positionally strongest move is
4…Bf5. The idea is simple – if white establishes an advanced pawn center on
d4 and e5, then black’s Bh7 (or g6) will control the beautiful h7-b1 diago-
nal“. White’s b3 is “a ‘Hypermodern’ approach – delaying a decision on the
central pawns and aiming to control the dark squares (d4 and e5) by develop-
ing the bishop at b2.”
 Q031-WEINSTEIN, S. 6ff, wird ausgeführt: „Black’s idea in this variation is
to establish a phalanx of pawns at …c6, …d5, and …e6 to limit the scope of
the White king’s bishop on the long diagonal. Before erecting this structure,
black develops his queen’s bishop so as to not imprison his own bishop. In
response to this strategy, white will attempt to undermine black’s strong cen-
ter by e4 and/or c4.”
 Weinstein bespricht die Variante: 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 „This is the most accu-
rate move. The plausible 8...Qc7 is not so good because white can play the
thematic e4 without having to lose time in preparing it with Qe1 or Re1; for
example 8. Qc7 9.e4 dxe4 10.dxe4 Sxe4 11.Lxg7 and black won’t be able to
castle kingside.” 9.De1 „Now 9.e4 doesn’t work because after black has cas-
tled, his g7 is protected. The text move is part of White’s preparation for e4.”
9...Lh7 10.e4 a5 11.a4 Sbd7.
 Q045-TANGBORN, S. 17f mit der Partie Benjamin – Shapiro, USA 1975,
1-0 „Fischer was 12 years old when this game was played.“ (S. 18) Das Spiel
folgt nach 7.De1 h6 zunächst der Hauptvariante 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 und geht
abweichend mit folgendem Zug weiter: 10.b3 a5 11.a4 Sa6 12.Lb2 Sc5
13.Se5 „Preparing to advance the f-pawn. Another plan is to play 13.e5 and
14. Ne1 followed by a kingside pawn storm, but here White has already
commited his Bishop to b2, where it would be somewhat stifled [beengt,
erstickt] after 13.e5.” (S. 17)
 Auf S. 18 mit der Partie Norwood – Dreev, Calcutta 1992, 0-1. Die Variante
dieser Partie nach 7.De1 h6 lautet: 8.e4 Lh7 9.De2 Dc7 10.b3 a5 11.a4 0-0
12.Lb2 Sa6 13.Kh1 “The King might have been exposed to checks along the
g1-a7 diagonal after White advances his f-pawn.” 13...Tad8 14.e5 Sd7
15.Se1 b5 16.f4 „White attacks on the kingside and Black on the queenside.
Now it is a race between whose attack succeeds first.”
 Q063-EMMS05, S. 164f: “On f5 the bishop directly opposes the KIA plan of
e2-e4, so this needs a bit more preparation than normal. However, White can
still force through this pawn advance, and Black must be in a good position

252
O3.05 Schwarzer Bauernkeil

to react to this. Usually Black plays a quick …h7-h6, giving the bishop an
excellent resting place on h7.”
 Nach 7.De1 „Although slightly bizarre at first sight, there’s a clear logic to
this move. White wishes to force through e2-e4, but wants to keep the rook
on f1 where it will be well placed if White decides to move the f3-knight and
play f2-f4 […] So White’s idea is Qe1, e2-e4 and then Qe2 (the manoeuvre
can be archieved in the same amount of time with e2-e3, Qe2 and then
e2-e4).” (S. 165f) 7...h6 „[...] in order to preserve his bishop“ (S. 179) folgt
die Variante 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 Here “we have a position quite similar to
the traditional main line of the KIA versus the French […], the main differ-
ence being that Black’s light-squared bishop is placed outside the pawn
chain. I would say that this is clearly an advantage for Black because this
bishop can be influential both in defence on the kingside and in counterattack
on the queenside. Indeed, although in practice White usually plays a very
quick e4-e5, there’s certainly an argument for holding back on this move,
thus limiting the presence of the h7-bishop.”(S. 167) 10.Te1 „This move has
been played many times, but I’m not sure that I like it – why did White go to
the bother of playing Qe1, e2-e4 and Qe2 if he was going to end up playing
Re1 in any case?” (Vgl. S. 170, Partie Kapischka – Goldberg, Bundesliga
1999, 0-1).
 Ab S. 167f mit dem “Vaganian’s patent – he introduced it in a game against
Sveshnikov in 1980.” Nach Erreichen der Stellung 7.De1 h6 folgt 8.e4 Lh7
9.Se5 „!? White’s knight clears the way for the f-pawn to advance.” (Vagani-
an – Comp Centaur, The Hague 1996, 1-0)
 Auf S. 172: „A popular way of playing the system for White is to slightly
delay e2-e4 in favour of an early queenside fianchetto.“ In der Partie Kallio –
Nykopp, Vantaa 1999, 1-0 geht es nach Erreichen des Stellungsbildes 7.b3
h6 8.Lb2 “If White fianchettoes his c1-bishop, Black often reacts to b2-b3
with …a7-a5.White usually responds to the positional threat of …a5-a4 with
a2-a3 or a2-a4.” (S. 179) 8...0-0 auf S. 176 weiter mit 9.De1 Lh7 10.e4 a5
11.a3 „The plus point of this is that it eliminates the annoying ...Na6-b4 ma-
noeuvre. The negative is that Black may well be able to arrange an effective
…a5-a4 push (played at once, White could react with b3-b4).”
 Q095-ECO, S. 33 benennt die Hauptvariante 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0
mit der Fortsetzung 10.e5 Sfd7 11.Te1 c5 12.Sf1 Sc6 „=“.
 Die folgende HV wird ebenfalls genannt: 7.De1 h6 8.e4 Lh7 9.Se5 mit der
Fortsetzung 9...Sbd7 10.Sxd7 Sxd7 11.f4 0-0 12.Kh1 Te8 „ “.
 In der folgenden Stellung 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 geht es wie folgt weiter: 9.De1
Lh7 10.e4 a5 11.a4 Sa6 12.De2 Sb4 „ “.

253
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 In der folgenden Stellung 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 geht es wie folgt weiter: 9.Te1
Lh7 10.e4 a5 11.a3 Te8 12.De2 Sa6 „ “.
 In der folgenden Stellung 7.b3 0-0 8.Lb2 Sbd7 geht es wie folgt weiter: 9.e3
a5 10.a4 h6 11.De2 Lh7 12.e4 Db8 „=“.
 Q103-BAGIROW, auf den Seiten 96-100 kümmert sich GM Bagirow um die
Variante 7.b3 h6 8.Lb2 0-0 mit folgenden Fortsetzungsmöglichkeiten:
 A) 9.Te1 Lh7 10.e4 a5 „nach 10…de 11.de Sbd7 12.De2 Dc7 13.e5 Sd5
14.Se4 nehmen die weißen Figuren ideale Positionen in der Brettmitte ein,
Flesch – Cholmow, Pecs 1969.“ (S. 97) 11.a4 „Die Fortsetzungen 11.a3 und
11.a4 sind gleich stark.“ – „Vorstellbar ist die Zugfolge 11.e5 Sfd7 12.a3 c5
13.d4 a4 14.c4 dc 15.Sc4:, Dschindschichaschwili – Rytow, UdSSR 1975.
Mit der Sprengung des Zentrums legte Weiß seinen Läufern den Weg frei
und erhielt merkliches Übergewicht.“ 11... Sa6 12.e5 Sfd7 13.Sd4 Db6 14.f4
„Diese zwar haltbare, doch nicht einfach zu spielende Stellung für Schwarz
war in der Praxis mehrmals anzutreffen.[360] Der weiße Springer hat sich, von
seinen Läufern unterstützt, auf dem Schlüsselfeld d4 in der Brettmitte einge-
nistet. Gleichzeitig fällt es schwer, einen geeigneten Spielplan für Schwarz
zu ersinnen. Wegen der Schwäche des Feldes e6 ist die Unterminierung f7-f6
unmöglich. Im Fall von c5 wird das Feld b5 bloßgelegt. Obendrein ließe sich
dann der B[auer] d5 (mittels c2-c4) leicht anrempeln.“ (S. 98)
 B) 9.De1 Lh7 10.e4 Sbd7 11.De2 „Weiß steht chancenreicher, da er ständig
mit dem Vorstoß e4-e5 droht mit der Einengung der schwarzen Stellung und
Angriffsaussichten. Zudem befindet sich der Läufer h7, der sich gegen das
Bauernbollwerk c2 und d3 stemmt, tatsächlich im Abseits.“ (S. 99)
 Q106-DAVIES, s.p., nach Stellung 7.De1 h6 8.e4 Le7 9.De2 0-0 folgt in der
Partie Gutman – Leinov, Israel 1980, 1-0: 10.Kh1 „Gutman started a very in-
teresting plan“ [which will use the g-file to attack Black’s king]. 10...Sbd7
11.e5 Se8 12. Tg1 Sc7 13.g4 f6.

360
In der MegaBase 2008 finden nur die Partie: Polugajewski – Hort, Sarajevo 1975 (1965?). GM
Bagirow nennt zusätzlich die Partie: Aslanow – Bagirow, Baku 1968.

254
O3.06 Schwarzer Bauernkeil

O3.06 Schwarzer Bauernkeil


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 6 2528/2523 17/ 83/ 0 58/42
gSN 2100-2449 46 2300/2261 46/ 30/ 24 61/39
All ------------- 218 2197/2151 43/ 29/ 28 57/43
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


03, 083%: 7.De1 h6 8.e4 ( 0.53)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


04, 088%: 7.De1 h6 8.e4 dxe4 9.dxe4 Lh7 10.De2 Le7 11.b3 0-0
03, 067%: 7.De1 h6 8.e4 dxe4 9.dxe4 Lh7 10.De2 Le7 11.e5 Sd5
03, 017%: 7.De1 h6 8.e4 dxe4 9.dxe4 Lh7 10.De2 Sc5 11.Se1
03, 067%: 7.De1 h6 8.e4 dxe4 9.dxe4 Lh7 10.De2 Dc7
03, 017%: 7.De1 h6 8.e4 dxe4 9.Sxe4
03, 050%: 7.De1 h6 8.b3
03, 067%: 7.De1 Lc5 8.e4 dxe4 9.dxe4 Lg6
03, 050%: 7.De1 Lc5 8.e4 Lg6
03, 083%: 7.De1 Le7 8.e4
09, 056%: 7.b3 h6 8.Lb2 Le7 9.c4 0-0 10.Tc1 Lh7
09, 044%: 7.b3 h6 8.Lb2 Le7 9.c4 0-0 10.Dc2 Lh7
24, 058%: 7.b3 h6 8.Lb2 Le7 9.c4 0-0 10.a3 a5
03, 083%: 7.b3 h6 8.Lb2 Le7 9.e4 dxe4 10.dxe4 Lh7 11.De2 0-0
03, 067%: 7.b3 h6 8.Lb2 Lc5 9.e4
03, 067%: 7.b3 h6 8.Lb2 Lh7
03, 033%: 7.b3 Le7 8.Lb2 0-0 9.De1 h6 10.e4 Lh7 11.De2 a5
08, 031%: 7.b3 Lc5 8.Lb2 0-0 9.c4 h6
03, 033%: 7.Te1

255
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


25, 058%: 7.De1 h6 8.e4 dxe4 9.dxe4 Lh7 10.De2 Le7
17, 068%: 7.De1 Le7 8.e4 dxe4 9.dxe4 Lg6
11, 050%: 7.De1 Lc5 8.e4 dxe4 9.dxe4
11, 082%: 7.Te1 h6 8.e4 dxe4 9.dxe4 Lh7
18, 047%: 7.Te1 Lc5
14, 039%: 7.Te1 Le7 8.e4 dxe4 9.dxe4
44, 047%: 7.b3 h6 8.Lb2 Le7 9.c4 0-0 10.Tc1
19, 061%: 7.b3 h6 8.Lb2 Lc5
11, 045%: 7.b3 Lc5 8.Lb2 0-0
18, 078%: 7.c4 Le7
11, 073%: 7.c4 Lc5
17, 038%: 7.Sh4

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07, A12.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Attila
Czebe, ELO 2434, 2 Partien, 50% Erfolg.
 Nach 7.De1 h6 bzw. 7.b3 h6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ
O3.01 nach 7.De1 Sbd7 bzw. 7.b3 Sbd7.
 Weiß entscheidet sich prinzipiell zwischen den Plänen a) Vorbereitung und
Durchsetzung von e2-e4 (HV 7.De1 h6 8.e4…) mit der Idee e4-e5 oder b) in
einen bekannten und für Weiß prinzipiell günstigen Aufbau361 mit b3 / Lb2 /
c4 zu wechseln.
 Beim Zug e4-e5 muss Weiß berücksichtigen, dass die Möglichkeiten des
weißfeldrigen schwarzen Läufers auf der Diagonale h7-b1 verbessert werden.
 Der Zug 7.Te1 schwächt den Punkt f2 und gefährdet die Dame; zum Bei-
spiel: 7...Lc5 Jeder Zug, der jetzt der weißen Dame kein Luftloch verschafft
bzw. dem schwarzen Springer das Feld g4 verwehrt, verliert 8.Sh4?? Lxf2+.
 Die Variante: 1.g3 d5 2.Lg2 Sf6 3.Sf3 c6 4.0-0 Lf5 5.d3 e6 6.Sbd2 wird als
“Petrosian Variante”362 (oder auch: Londoner System) bezeichnet.

361
Die halbe Tabija: Standard-KIA plus b3 / Lb2 / c4 / a3 ergibt eine neue Eröffnungstheorie aus
weißer Sicht. Dieses System strebt Weiß hauptsächlich im KIA Stellungstyp O3 gegen den schwar-
zen Bauernkeil an.
362
Vgl. hierzu http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

256
O3.06 Schwarzer Bauernkeil

Beispielpartien
Movsesian (2629) - Haznedaroglu (2394), Mallorca 2004, A07, 1-0: 1.Sf3 d5 2.g3 c6
3.Lg2 Sf6 4.0-0 Lf5 5.d3 e6 6.Sbd2 Sbd7 7.b3 Lc5 8.De1 0-0 9.e4 dxe4 10.dxe4 Lg6
11.Lb2 De7 12.a3 a5 13.Sh4 Tfd8 14.Sc4 a4 15.b4 La7 16.Sxg6 hxg6 17.e5 Se8 18.De2
Tab8 19.Tad1 Sb6 20.Sd6 Sc8 21.Se4 Sb6 22.Tde1 Tbc8 23.h4 Sd7 24.h5 Sf8 25.hxg6
Sxg6 26.Dh5 Ld4 27.Lxd4 Txd4 28.c3 Td3 29.Te3 Tcd8 30.Sg5 Sf8 31.Le4 g6 32.Dh6
Td1 33.Tf3
Lundin – Bronstein, Stockholm 1954, A07, ½-½: 1.Sf3 Sf6 2.g3 d5 3.Lg2 c6 4.0-0 Lf5
5.d3 e6 6.Sbd2 Sbd7 7.De1 Le7 8.e4 dxe4 9.Sxe4 0-0 10.Ld2 a5 11.h3 Lxe4 12.dxe4 Sc5
13.e5 Sd5 14.De2 Db6 15.c4 Sb4 16.Le3 Dc7 17.Tfd1 Tad8 18.Ld4 h6 19.a3 Sba6
20.De3 a4 21.Lf1 Td7 22.Le2 Tfd8 23.Lc3 Sb3 24.Txd7 Txd7 25.Td1 Txd1+ 26.Lxd1
Dd7 27.Le2 Sac5 28.h4 Dd8 29.Sd4 Sxd4 30.Dxd4 Dxd4 31.Lxd4 Se4 32.Ld3

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S.13: „Das Londoner System gilt als eines der ver-
trauenserweckendsten schwarzen Verteidigungssysteme. Seine Haupttugend
ist, dem Damenläufer auf f5 einen starken Posten zu schaffen.“363
 S. 32: „Die Idee des Nachziehenden [...] ist die Errichtung eines Bauernboll-
werks mit Bauern auf c6, d5 und e6, um die Aussichten des fianchettierten
weißen Königsläufers einzudämmen“.
 Q008-DUNNINGTON98, S. 105: “So often a piece with which Black has
problems, the queen’s bishop immediately finds a home, allowing Black the
option of establishing a solid pawn centre with …e6 without closing the
bishop out of play.”
 S. 129: „[…] White has the Qe1 plan at his disposal to force through
e2-e4. This has the advantage of leaving a rook on f1, which often works out
to be an important factor when White is ready to build up a dangerous king-
side attack by throwing forward his f-pawn.”
 Q015-CAISSA, Bd. IV, S. 214-215 nach Stellungsaufbau 7.b3 Le7 8.Lb2
0-0 wird keine Fortsetzung der Variante genannt. Die gelisteten Beispielpar-
tien setzen mit 9.De1 / Sh4 / c4 bzw.e3 fort.
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 6f: „Black’s basic idea is [...] developing his
bishop before commiting to …e6, but the bishop is subject to attack after
white’s inevitable [zwangsläufig] e4. The bishop ultimately seems to have
less influence on the game from f5 than it does from g4.”

363
Der Aufbau des Schwarzen mit: c6, d5 Sf6, Lf5 wird als Londoner System bezeichnet. Zu dieser
halben Tabija gibt es 240 GM-Partien mit einer ungünstigen Statistik von 54%/46% für Weiß. Wo-
rauf die Einschätzung „vertrauenserweckend“ basiert, wird in der Quelle nicht angegeben.

257
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Q017-HENLEY-HODGES, S. 59: „Black’s positionally strongest move is


4…Bf5. The idea is simple – if white establishes an advanced pawn center on
d4 and e5, then black’s Bh7 (or g6) will control the beautiful h7-b1 diago-
nal“. White’s b3 is “a ‘Hypermodern’ approach – delaying a decision on the
central pawns and aiming to control the dark squares (d4 and e5) by develop-
ing the bishop at b2.”
 Q022-SCHILLER, S. 88ff: FM Schiller zitiert die Partie Nezhmetdinov –
Mikenas, Kharkov 1967, 1-0 mit der Variante 7.e3 „!? This move is in the
spirit of the Colle opening. White first deploys his forces, to which end the
e2-square must be vacated. But before advancing to the fourth rank, he waits
until his pieces are in position. […]“ 7...h6 “So, Black has set up his pieces in
the Lasker formation in the Réti. It's true that in 1956 Grandmaster Bronstein
had already voiced the opinion that the move of the h-pawn is an obvious
waste of time, and the exchange of the White knight for the Black bishop at
g6 would only improve the Black position, but, so far as I can recall, Black
even now likes to open his little fortress for the bishop. How can one measure
the value of the bishop pair against the force of tradition? I tend toward
Bronstein, drawing the conclusion that already at the 7th move Black is be-
ginning to find himself in trouble.“(S. 89, eine Übersetzung Eric Schiller’s
aus dem Russischen zu den Notizen von Nezhmetdinov zur Partie364) 8.De2
Sc5 9.Se1 Le7 10.e4 Lg6 “Considering the future advance of the White
f-pawn, the bishop should have withdrawn to h7.” (S. 90) 11.e5 Sfd7 12.b3
Db6 “[…] Black responds automatically to White's plan. On 13 Bb2 there
would have followed 13...Na4!, but White is not obligated to station the
bishop at b2. White methodically seizes more and more space, and the unnat-
ural post of the Nc5 and Qb6 are increasingly significant.”
 Q117-RYBKABOOK, s.p. Es wird folgende Variante empfohlen: 7.De1 Le7
Hier also nicht 7…h6 wie in der HV zum Stellungsbild. 8.e4 dxe4 9.dxe4
Lg6. Der ins Auge springende Fortsetzungszug 10.Sh4 ist im RybkaBuch mit
Zugverbot belegt.
 Q121-KOTOW-JUDOWITSCH, S.145-146, GM Kotow kommentiert die
Partie Benko – Petrosian, T.V., Candidates Tournament 1962, 0-1 nach der
Fortsetzung: 7.De1 h6 „Ein interessantes Vorhaben. Petrosjan fordert Weiß
gleichsam auf, dessen Mittelbauern vorrücken zu lassen. Dabei berücksich-
tigt er, daß die Einengung der Stellung von Schwarz nur ein zeitweiliger Fak-
tor ist, während die geschwächte Lage der weißen Bauern sich noch sehr lan-
ge bemerkbar machen wird.“ 8.e4 Lh7 9.De2 Le7 10.e5 Sg8 11.Sb3 Lf8 „!

364
Q022-SCHILLER, S. 89 “Rodian Gibyatovich Nezhmetdinov was one of the finest attacking
players in the Soviet Union, and the book containing his selected games is a prized possession [Be-
sitz] throughout the world. Unfortunately, the collection has not been translated into English.”

258
O3.06 Schwarzer Bauernkeil

Um so spielen zu können, muss man das Schachspiel sehr gut beherrschen.


Zu Tarraschs Zeiten wären die Manöver von Schwarz als ein grober Verstoß
gegen die Grundlagen der Eröffnungstheorie erschienen.“ 12.c4 Se7 13.Sbd4
Sf5 14.Sxf5 Lxf5 15.cxd5 cxd5 16.d4 „Weiß hat sich offensichtlich keinen
klaren Begriff von den Absichten des Gegners gemacht. Während Benko sei-
ne Stellungen im Zentrum ausbaute, eröffnete er für Schwarz die Möglich-
keit, für die aktiven Flankenoperationen.“ 16…a5 „!“ 17.Le3 Le7 18.Tfc1
0-0 19.Db5 a4 20.Sd2 Ta7 21.Sb1 Sb8 „Die Manöver der leichten Figuren
von Petrosjan hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck.“ 22.a3 Sc6 23.Sc3
Da5 24.Lf1 f6 „! Ein rechtzeitiger und wohlgezielter Schlag. Weiß hat seine
Truppen auf den Damenflügel zurückgezogen, der Gegenangriff entfaltet sich
aber an einem anderen Frontabschnitt.“ […] (S.145).

259
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O3.07 Schwarzer Bauernkeil


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2462/2512 0/ 50/ 50 25/75
gSN 2100-2449 4 2294/2230 25/ 75/ 0 63/37
All ------------- 14 2226/2300 21/ 29/ 50 36/64
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


(Das Stellungsbild ist ein Kandidat für diese KIA-Eröffnungstheorie)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


38, 053%: 7.e4 Sd7

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


59, 046%: 7.e4 Sd7 8.De1 0-0
67, 049%: 7.e4 Sd7 8.h3 Lh5
04, 050%: 7.e4 0-0
18, 053%: 7.h3 Lh5 8.b3 Sd7 9.Lb2 0-0 10.e4
03, 017%: 7.c4 0-0

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: Carlos Cruz
Lopez Claret, ELO 2250, 2 Partien, 100% Erfolg.
 Nach 7.e4 Sd7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O3.03 nach 7.e4
Se7.
 Nach 7.e4 Sd7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O4.04 nach 7.e4
c6.

260
O3.07 Schwarzer Bauernkeil

Beispielpartien
Paunovic (2460) - Kovacevic (2545), Yugoslavia 1989, A07, 0-1: 1.Sf3 d5 2.g3 c6
3.Lg2 Lg4 4.0-0 e6 5.d3 Ld6 6.Sbd2 Se7 7.c4 0-0 8.b3 a5 9.a3 Sd7 10.Lb2 b5 11.Dc2
Db6 12.e4 dxc4 13.dxc4 b4 14.a4 Tfd8 15.Tad1 Lc5 16.h3 Lh5 17.e5 Dc7 18.De4 La7
19.Dh4 Lxf3 20.Sxf3 Sc5 21.Sd4 Tac8 22.Dh5 Td7 23.La1 Tcd8 24.Df3 Sxa4 25.Sxe6
fxe6 26.bxa4 Ld4 27.Tfe1 c5 28.Lxd4 Txd4 29.Txd4 Txd4 30.Da8+ Td8 31.Da6 Kf7
32.h4 Tb8 33.Le4 Db6 34.Db5 Da7

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 36ff „Die Idee des Nachziehenden [...] ist die
Errichtung eines Bauernbollwerks mit Bauern auf c6, d5 und e6, um die Aus-
sichten des fianchettierten weißen Königsläufers einzudämmen“. (S. 32)
Schwarz entwickelt seinen „Damenläufer, bevor er ...e7-e6 spielt, was diesen
einsperren würde.“ Der Läufer strebt nach g4. „Spielt der Anziehende später
h2-h3, so hat Schwarz grundsätzlich zwei Möglichkeiten, ...Lg4xf3 und
...Lg4-h5. Die Idee von ...Lg4xf3 ist Vereinfachung, wodurch die weißen
Aussichten auf einen lang anhaltenden Druck verkleinert werden, während
der Vorteil des Läuferpaars größtenteils durch das zentrale Bauernbollwerk
c6, d5 e6 kompensiert wird, das es Weiß erschwert, seinen Königsläufer zu
aktivieren. Der Rückzug ...Lg4-h5 beabsichtigt, das Läuferpaar sowie die
Spannung zu erhalten.“ (S. 36)
 Q008-DUNNINGTON98, S. 105f: “So often a piece with which Black has
problems, the queen’s bishop immediately finds a home, allowing Black the
option of establishing a solid pawn centre with …e6 without closing the
bishop out of play. […] White almost always hits the queen's bishop with h2-
h3, giving Black the choice of whether or not to surrender the bishop pair.
Generally this is only a good idea if the resulting simplification decreases
White's attacking potential. It is better to preserve the tension and retreat to
h5. Having said this, it is surprising how many masters make the mistake of
voluntarily [freiwillig] exchanging on f3. In general, White's space advantage
and attacking possibilities give him a good game, and Black's position also
lacks flexibility. […] Another important feature of the ...Bg4 Variation is
Black's pin on the d1-h5 diagonal. Because the KIA centres around White
pushing with e2-e4, a dual-purpose move here is Qel. This is a good square,
as not only does White escape the pin, releasing the king’s knight to pressure
e5 and […] threatening Nf3-h4-f5, but also the queen helps support the ad-
vance of the e-pawn.” „… White has the Qe1 plan at his disposal to force
through
e2-e4. This has the advantage of leaving a rook on f1, which often works out

261
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

to be an important factor when White is ready to build up a dangerous king-


side attack by throwing forward his f-pawn.”365 (S. 129)
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 6: “This aggressive bishop posting [Bg4] is
apparently black’s most effective defense against the King’s Indian Attack
[…] The important thing is that Black developed his bishop BEFORE play-
ing … e6. The additional pressure and the extra kingside defender make a
successful kingside attack much more difficult to mount.”
 Die folgende Variante ist durch die Partie W.Schmidt – Marszalek, Polen
1973, 1-0 belegt: 7.h3 Lh5 8.b3 Sd7 9.Lb2 f6 “?!” 10.De1 e5 11.e4 0-0 “?!
The text allows white the thematic d3-d4 break.“ 12.d4 “! Blasting open the
position to take advantage white’s superior coordination.” (S. 75)
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 59: (In diesem Stellungstyp kann Weiß den
schwarzen Läufer mit h3, g4 nach g6 dirigieren und ihn dann mit Sh4 angrei-
fen.) That is a “prelude to white’s kingside attack, forcing the exchange of
knight for the Bg6 and playing for e4-e5 and a kingside pawn storm.”
 Q031-WEINSTEIN, S. 14ff, hier wird nach dem Stellungsbild 7.e4 Sd7 die
folgende Variante gelistet: 8.b3 0-0 9.h3 Lh5 10.Lb2 Se5 11.g4 „White un-
dertakes a general advance of the kingside pawns in order to shut the Black
Q-Bishop out of play. In addition the bishop will soon need an escape path to
avoid being trapped by the onrushing pawns. This will require a move of ei-
ther the Black rook-pawn or the bishop-pawn, which will enable White to
open an avenue of activity for his rooks via g5.” 11...Sxf3+ 12.Dxf3 Lg6
13.h4 h6 14.h5 Lh7.
 Q063-EMMS05, S. 209: Nach 7.e4 Sd7 mit der Fortsetzung 8.h3 Lh5 9.De1
0-0 10.Sh4 Db8 „?! An over-finesse – there is no reason not to putt he queen
on c7, which is a much better square than b8.“ in der Partie Lazic – Dzevlan,
Kladovo 1991, 1-0.
 Q103-BAGIROW, S. 128: „Diese Springerpostierung [Se7] wurde von Keres
und Smyslow bevorzugt. Laut Theorie gehört er auf f6.“ [366] Es folgt: 7.h3
Lh5 8.b3 0-0 9.Lb2 Sd7 10.De1 a5 11.a3 Db6 „mit drohendem 12...a4 13.b4
c5“.
 Q106-DAVIES, s.p., mit der Partie Ivkov (2460) – Lima (2385), Hastings
1978, 1-0. Ab dem Stellungsbild: 7.e4 Sd7 8.De1 0-0 9.h3 Lh5 folgt in der
Partie: 10.b3 Db6 „in der Partie Azmaiparashvili (2625) - Chernin (2615),
Tilburg 1994, 1-0 wurde gespielt: 10...Te8 11.Lb2 Lc7 12.Sh4 Sg6 13.Sxg6

365
Die Dame zieht dann auf e2, um e1 für den Springer auf f3 zu räumen. Der Springerzug macht
einerseits den Weg für den f-Bauern frei und deckt andererseits den Bauer auf c2 (vgl. Q008-
DUNNINGTON98 auf S. 130 nach Anmerkungen in der Partie Polugayevsky - Addison, Palma
1970, 1-0).
366
Diese Aussage zur „Theorie“ ist nicht korrekt; man vergleiche hierzu Typ O3.03.

262
O3.07 Schwarzer Bauernkeil

Lxg6 14.f4 f6 15.Kh1 dxe4 16.Sxe4 f5 17.Sg5 e5 18.Db4“ 11.Lb2


„11...Bxg3 12.exd5 cxd5 (12...exd5; 12...Sxd5 13.Sc4) 13.Ld4 very un-
pleasant for Black.“ 11...a5 12.a3 Tfe8 13.Kh1 c5 14.Sh4 f6 15.a4 Lf7 16.f4
“We see White’s global strategy be gradually [schrittweise] enfolding here
taking lot of space on the kingside.” 16...Tac8 “still angling for the move
17...c4 threatening 18.dxc4 19.dxc4 20. Nxc4 Rxc4 and White’s b-pawn is
pinned against bishop on b2 (21.bxc4 Qxb2).” 17. Tb1

263
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O3.08 Schwarzer Bauernkeil


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 2 2462/2512 0/ 50/ 50 25/75
gSN 2100-2449 14 2293/2326 14/ 50/ 36 39/61
All ------------- 28 2332/2361 32/ 32/ 36 48/52
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergebnis,
obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


(Das Stellungsbild ist ein Kandidat für diese KIA-Eröffnungstheorie)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


11, 059%: 7.b3 Sgf6 8.Lb2 0-0
03, 033%: 7.e4 Se7

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


25, 062%: 7.b3 Sgf6 8.Lb2 0-0
03, 017%: 7.b3 Se7 8.Lb2 0-0
05, 050%: 7.h3 Lh5
17, 047%: 7.e4 Sgf6 8.De1 dxe4 9.dxe4 e5
03, 050%: 7.e4 Se7 8.De1 0-0 9.h3 Lh5
08, 069%: 7.c4 Sgf6
04, 050%: 7.c4 Se7
03, 050%: 7.c3

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht, aber auf
Grund weniger Partien noch zu pessimistisch.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: IM Alexander
Rabinovich, ELO 2430, 2 Partien, 50% Erfolg.

264
O3.08 Schwarzer Bauernkeil

 Die Zugfolge 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6 4.0-0 Lg4 auf dem Weg zum KIA
Typ 3.2 wird auch als „Yugoslav Variante“367 bzw. Keres-Variante be-
zeichnet.
Beispielpartien
Moskvin (2691) - Ovetchkin (2548), Ilyumzhinov Cup 2006, A07, 1-0: 1.Sf3 d5 2.g3
Lg4 3.Lg2 Sd7 4.0-0 c6 5.d3 e6 6.Sbd2 Lc5 7.e4 Se7 8.De1 0-0 9.h3 Lh5 10.Sh2 f5
11.Sb3 fxe4 12.dxe4 Lb6 13.Le3 Lf7 14.Td1 Lxe3 15.Dxe3 Db6 16.Tfe1 Tfe8 17.Dc3 a5
18.a3 a4 19.Sd4 e5 20.Sf5 Sxf5 21.exf5 d4 22.Db4 c5 23.Dd2 Sf6 24.c3 Tad8 25.Sg4 Lb3
26.Tc1 Sxg4 27.hxg4 d3 28.c4 Td4 29.Te4 Ted8 30.Txe5 Lxc4 31.Txc4 Txc4 32.Ld5+
Txd5 33.Txd5 Td4 34.Te5

Quellenauswertung
 [Bisher sind keine Quellenaussagen vorhanden]

367
Vgl. hierzu z.B. http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

265
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O4. Schwarze Bauernkette f/e/d


Erfolgsaussichten
In der Spalte „Typ“ der folgenden Tabelle ist die Referenz zum Stellungsbild
vermerkt. Die Erfolgsquote von Weiß für die Partien der Praxis ergibt sich aus
den Erfolgsprozenten der Partien aus der KIA0000-2875-O (= All). Die Anzahl
Partien von „GM“ und „gSN“ sind in der Zählung von „All“ enthalten. Die Sor-
tierung erfolgt absteigend bzgl. der Erfolgsquote der GM-Partien. Stellungsbilder
mit einer Erfolgsquote von unter 50% werden in der Tabelle abgesetzt darge-
stellt. Kursiv gedruckte Zeilen verdeutlichen, dass dieser Typ zwar in der
KIA2450-2875-O vorkommt, aber nicht zur Theorie gehört, da noch keine
Hauptvariante der Fortsetzung existiert.

Allgemeine Erkenntnisse zur Tabelle und den Stellungsbildern:


a) Die meisten Stellungsbilder dieser Gruppe gehören zu dem ECO-Code A07.
b) Das GM-Segment ist in der Summe statistisch gesehen weniger erfolgreich,
als der breite Praxisbereich. Dieser Zustand hat sich gegenüber 2005 (mit
50% GM und 54% Praxis) für beide Bereiche leicht verschlechtert.
c) Der von GM mit Schwarz am häufigsten gewählte Stellungsaufbau findet
sich in dieser Gruppe bei Typ O4.01 (31 von 93 Partien). Ebenso in der
Wettkampfpraxis mit 1424 von 3218 Partien.
d) Mit den Bildern O4.01, O4.03, O4.04 hat Weiß die meisten Probleme, hier
liegt der Erfolg statistisch gesehen unter 50%. Für die anderen Typen, die im
Erfolg unter 50% liegen, sind bisher wenige GM-Partien vorhanden.
e) Eine weitere Klassifizierung dieser Stellungsbilder ergibt sich, wenn man
berücksichtigt, ob der Damenläufer des Schwarzen entwickelt wurde (auf f5
bzw.g4) oder nicht. Die Bauernstruktur e6, d5, c5 und ein passiver Damen-

266
O4. Schwarze Bauernkette f/e/d

läufer sind Wesensmerkmale der Französischen Verteidigung (ECO-Code


C00), die sich in den Typen O4.01 und O4.02 wieder finden.
f) Die Typen O4.01 und O4.02 können durch Zugumstellung ineinander über-
gehen, zeigen gleichzeitig aber erhebliche Unterschiede in der Statistik. Zu
erkennen ist, dass Schwarz in O4.01 noch keine kurze Rochade gespielt hat,
d.h. die Erfolgsaussichten für Schwarz sind besser, wenn er die Rochade
zunächst zurückstellt und damit weiterhin die Wahl hat, kurz, lang oder gar
nicht zu rochieren. Gleichzeitig steigen die Erfolgschancen für Weiß, wenn
der Schwarze in dieser Struktur frühzeitig kurz rochiert.

267
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Quellenübersicht
Die nachfolgende Tabelle gibt eine Quellenübersicht. Diese Quellen beschäfti-
gen sich ausdrücklich mit dem Königsindischen Angriff. Angekreuzte Tabellen-
plätze zeigen an, dass der dazu gehörende Stellungstyp in dieser Quelle ange-
sprochen wird:

268
O4. Schwarze Bauernkette f/e/d

Allgemeine Erkenntnisse zur Tabelle und den Stellungsbildern:


a) Die in den Quellen am häufigsten besprochenen Stellungstypen sind O4.01
und O4.02. Dies deckt sich mit den im GM-Bereich am häufigsten gespiel-
ten Stellungen.
b) Auch die Stellungstypen O4.03 und O4.04 kommen vergleichsweise häufig
auf das Brett, werden aber in den Quellen noch wenig (vermutlich auch we-
gen der geringen Erfolgsaussichten für Weiß) angesprochen.
Zugumstellungen
Folgende Stellungstypen können durch Zugumstellungen in den Hauptvarianten
ineinander übergehen:

269
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 31 2532/2523 16/ 39/ 45 35/65
gSN 2100-2449 378 2292/2288 41/ 33/ 26 58/42
All ------------- 1424 2235/2206 41/ 29/ 30 55/45
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


13, 046%: 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4368 (= -0.08)
06, 058%: 7.e4 0-0 8.Te1 Dc7 (= -0.07)
06, 042%: 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.c3 Dc7 10.De2 (= -0.14)
06, 067%: 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.c3 Dc7 10.Sf1 (= -0.17)
04, 050%: 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.c3 Dc7 10.a3 (= -0.06)
05, 050%: 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.e5 Sd7 (= 0.08)
06, 025%: 7.e4 b6 8.Te1 Dc7 ( 0.37)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


58, 066%: 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4
45, 056%: 7.e4 0-0 8.Te1 Dc7 9.e5 Sd7 10.De2 b5
24, 050%: 7.e4 0-0 8.Te1 Dc7 9.c3
27, 074%: 7.e4 0-0 8.Te1 dxe4 9.dxe4
25, 048%: 7.e4 0-0 8.c3
42, 050%: 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.c3 Dc7 10.a3
51, 060%: 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.e5 Sd7

368
Die Erfolgsstatistik der Uhlmann-Variante wechselt von 13 Partien und 46% in der Eröffnungsda-
tenbank zu 32 Partien und 56% in der Mittelspieldatenbank. Das liegt daran, dass im Mittelspiel auch
Partien, die mit 1.e4 beginnen berücksichtigt werden und in der Eröffnung wegen der definierten
Voraussetzungen keine Beachtung finden. Das zeigt, dass die Eröffnungsphase (= reine Eröffnungs-
züge plus Übergang in das Mittelspiel) einen „natürlichen“ Horizont hat, der erst mit der Mittelspiel-
betrachtung überwunden wird.

270
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


131, 65%: 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4
230, 61%: 7.e4 0-0 8.Te1 Dc7 9.e5 Sd7 10.De2
103, 54%: 7.e4 0-0 8.Te1 Dc7 9.c3
113, 70%: 7.e4 0-0 8.Te1 dxe4 9.dxe4
081, 60%: 7.e4 0-0 8.Te1 b6
137, 50%: 7.e4 0-0 8.c3
176, 57%: 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.c3 Dc7
139, 53%: 7.e4 b6 8.Te1 Dc7

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht. Das Pra-
xissegment schneidet allerdings deutlich besser ab.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: C00.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: GM Janis
Klovans, ELO 2461, 14 Partien, 50% Erfolg. Nach 7.e4 0-0 findet man über
den Zeitraum 1956-2005 genau 26 Partien von GM Uhlmann mit Schwarz,
in denen er eine Erfolgsquote von 67% generieren kann.
 Nach 7.e4 0-0 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O4.02 nach 7.e4
Sc6.
 Nach 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O2.03
nach 7.e4 Sc6 8.Te1 Le7.
 Dieser KIA-Typ ist der in der Praxis am häufigsten gespielte Aufbau.369
 Insbesondere nach 7.e4 0-0 verfolgt Weiß das Ziel, einen Königsflügelangriff
durchzuführen. Folgende Züge als „Standardstrategie“ sind vorgesehen: e5
(schließt das Zentrum), h4 (sichert das Feld g5), Sf1-h2-g4 bzw. Sf1-e3-g4
(Unterstützung des Angriff mit der Möglichkeit sich zu opfern), De2 (unter-
stützt e5), Lf4 (überdeckt e5 und zielt auf c7, wo Schwarz mitunter seine
Dame postiert), Sg5 (provoziert ein h7-h6, woraufhin Schwarz mit Opfern
auf h6 rechnen muss), Dg4 bzw.Dh5 (Angriff), h4-h5-h6 (provoziert Schwä-
chen in der Bauernstruktur des Schwarzen) (vgl. z.B. Q063-EMMS05, S 18).
 GM Luther bezeichnet die Partie Botvinnik - Uhlmann, Moskau, 1956, 1-0
als erste seiner Form, welche auf hohem Niveau gespielt wurde. In der
Spielweise von Botvinnik sieht er „ein absolutes Lehrbeispiel für den
Königsindischen Angriff“ (vgl. Q087-LUTHER). Die Lehren für Schwarz
aus dieser Partie zeigen sich in der später nach GM Uhlmann benannten

369
Hinweis: Der Stellungstyp O5.01 ist im GM-Segement der mit Abstand am häufigsten gespielte
Aufbau.

271
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

„Uhlmann-Variante“ 370: Nach 7.e4 0-0 mit der Fortsetzung 8.Te1 b5 9.e5
Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 (vgl. hierzu z.B. Q070-NIC76, S. 228).
 Schwarz hält sich im Vergleich zu O4.02 mit der Rochade (0-0, 0-0-0 oder
keine) zurück. Die Hauptvarianten mit 7.e4 b6 deuten an, dass Schwarz den
Plan 0-0-0 und g5 verfolgt, um selber am Königsflügel aktiv zu werden. GM
Dzindzichashvili empfehlt Weiß in diesem Fall nicht e4-e5 zu spielen (s. u.
Q065-DZINDZICHASHVILI). Als Gegenbeispiel empfiehlt sich z.B.: Adly
(2494) – Laznicka (2610), Yerevan 2007, 1-0.
 Die HV 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 b4 wird auch als “Französische
Variante”371 bezeichnet.
 Wohl als erster Autor unterscheidet GM Keene bereits 1979 günstige und
ungünstige Umstände, in denen Schwarz f6 spielen kann (vgl. Q098-KEENE,
S. 112). GM Gufeld führt in seinem Buch aus dem Jahr 1990 Praxispartien
auf, in denen Schwarz f6 spielt (s. u. Q097-TAIMANOW-GUFELD, S. 161
bzw. S. 165). IM Dunnington (Q008-DUNNINGTON98, S. 42) und GM
Emms (Q063-EMMS05, S. 17) haben in ihren Büchern ebenfalls auf den
schwarzen Zug ...f6 hingewiesen. Aber lediglich GM Emms positioniert den
schwarzen Zug in 2005 deutlich auf dem Weg der HV 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5
Sd7 10.Sf1: „Black players overly nervous of White’s forthcoming kingside
assault [Angriff] should either: 1) Not play this variation! [or] 2) Consider
fighting back against White’s e5-strongpoint with 10...f6!?”. (Vgl. Q063-
EMMS05, S. 17) Dieser Zug spielt in der Theorie (noch) keine Rolle (vgl.
Belikov – Baramidze, Dortmund 2003, 1-0; s. Beispielpartie unten). Auf dem
Weg der am häufigsten gespielten Praxisvariante 7.e4 0-0 8.Te1 Dc7 9.e5
Sd7 10.De2 sieht GM Dzindzichashvili nach 10...f6 11.exf6 Sxf6 klaren Vor-
teil für Weiß (s. u. Q065-DZINDZICHASHVILI).
 In der aus Sicht von Q009-FRITZ11 - nach ausgespielter Hauptvariante -
aussichtsreichen Stellung: 7.e4 b6 8.Te1 Dc7 ( 0.37) punktet Weiß schlecht.

370
Hinweis: in Q084-HOOPER-WHYLD (S. 466 Variante 287) wird die folgende Zugfolge als
„Uhlmann-Variation“ gelistet: 1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 e6 4.Sc3 exd5 5.cxd5 d6 6.Sf3 g6 7.Lg5 (Uhl-
mann - Planinec, Skopje, 1969). Es ist also zu beachten, ob Uhlmann mit Schwarz gegen KIA spielt
oder selber mit den weißen Steinen spielt, d.h. Uhlmann-Variante ist nicht gleich Uhlmann-Variante!
371
Vgl. hierzu z.B. http://www.remoteschach.de/db/themebrowse.php3.

272
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

Beispielpartien
Movsesian (2637) - Delchev (2637), Sibenik 2006, C00, 0-1: 1.Sf3 Sf6 2.g3 d5 3.Lg2 e6
4.0-0 Le7 5.d3 c5 6.Sbd2 Sc6 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.e5 Sd7 10.Sf1 Dc7 11.De2 0-0-0 12.h4
h6 13.S1h2 g5 14.hxg5 hxg5 15.Sg4 Th5 16.c3 d4 17.cxd4 Sxd4 18.Sxd4 cxd4 19.Ld2
Tdh8 20.Lxb7+ Dxb7 21.f3 Sxe5 22.Tac1+ Lc5 23.Dxe5 Dxf3 24.Txc5+ bxc5 25.Dxc5+
Kb7 26.De7+ Ka8
Belikov (2499) - Baramidze (2470), Dortmund 2003, C00, 1-0: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6 3.Lg2
e6 4.0–0 Le7 5.d3 0–0 6.Sbd2 c5 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 f6 11.exf6 Lxf6
12.Se3 Sde5 13.Sxe5 Sxe5 14.c4 Lb7 15.Sg4 Sxg4 16.Dxg4 e5 17.De6+ Kh8 18.Lxd5
Te8 19.Dxe8+ Dxe8 20.Lxb7 Tb8 21.Ld5 Dd7 22.Tb1 Tf8 23.Le3 Dd6 24.b3 h6 25.h4
Ld8 26.Le4 La5 27.Tec1 b4 28.Te1 Lc7 29.Te2 De7 30.Tbe1 Ld6 31.Lc1 Dd7 32.Kg2 h5
33.Lb2 Df7 34.Kh1 Dd7 35.Ld5 Dh3+ 36.Kg1 Df5 37.Le4 Dh3 38.Te3 Tf6 39.T1e2 Dg4
40.Ld5 Kh7 41.Te4 Tf4 42.T4e3 Tf8 43.Lxe5 Lxe5 44.Txe5 Kh6 45.Kg2 a5 46.T2e3 Dd4
47.Te6+ g6 48.Le4 Tf6 49.Te8 Db2 50.Lf3 Tf7 51.Te2 Dd4 52.Ld5 Tf5 53.Le4 Tf7
54.Tg8 Tf6 55.Th8+ Kg7 56.Ta8
Nimzowitsch - Forgacs, Ostende 1907, C00, 1-0: 1.Sf3 d5 2.d3 c5 3.Sbd2 Sc6 4.e4 e6
5.g3 Sf6 6.Lg2 Le7 7.0-0 0-0 8.Te1 Te8 9.h3 b6 10.exd5 Sxd5 11.Se4 Lb7 12.Ld2 Tc8
13.h4 La8 14.a3 Dc7 15.Sfg5 h6 16.Sh3 Sf6 17.Sf4 Sxe4 18.Lxe4 Se5 19.Lc3 Lxe4
20.Txe4 Sd7 21.De2 Sf6 22.Txe6 fxe6 23.Dxe6+ Kh7 24. Df5+ Kg8 25. De6+ Kh7 26.
Df5+ Kg8 27. De6+ Kh8 28.Sg6+ Kh7 29. Df5 Ld8 30. Se7+ Kh8 31.Sxc8 b5 32.g4 b4
33.axb4 cxb4 34.Txa7 Db8 35.Ld4

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 15: „Dieses Verteidigungssystem ist eines der
theoretisch kritischsten, es gibt noch immer einige ungelöste Probleme für
beide Seiten. Allgemein gesprochen, versucht Schwarz seine Damenflügel-
bauern nach vorne zu stoßen, um Linien für das Gegenspiel zu öffnen. Die
Bauernkette d5/e6, die von der französischen Herkunft dieses Systems zeugt,
gewährleistet ein solides Zentrum, das zu knacken nicht leicht fällt.“372
 S. 87-90 nach 7.e4 0-0 8.Te1 folgt 8...b5 „Die beste Fortsetzung für Schwarz.
Es wird sofort am Damenflügel Gegenspiel gesucht und die Dame wird nicht
exponiert.“ 9.e5 „Weiß setzt seine Standardstrategie fort, hat aber hier auch
in 9.a4 eine interessante Alternative.“ 9...Sd7 „Möglich ist auch hier 9...Se8.
Schwarz sollte sich nicht darum kümmern [gemeint ist vermutlich die weiße
Standardstrategie mit e5] und ganz normal den Angriff weiterführen, z.B.
10.Sf1 b4 11.h4 Sc7 12.S1h2 Sb5 (So wird der Unterschied zu ...Sd7 deut-
lich) 13.Ld2 mit scharfer Stellung.“ 10.Sf1 a5 „Der energischste Zug. Mög-
lich ist auch 10...Lb7.“ 11.h4 b4 „Beide Seiten halten an ihren Flankenplänen

372
Die zur Zeit der Entstehung der Quelle Q001-SMITH-HALL90 vorhandenen „ungelösten Prob-
leme“ werden nicht explizit benannt.

273
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

fest […].“ 12.Lf4 La6 13.Sg5 „Dieser aggressive Zug wurde von David
Bronstein entdeckt. Die Alternative ist 13.S1h2, um Sg5 vorzubereiten. Weiß
lässt dann auch noch Dh5 und/oder Lh3 folgen und drückt gegen e6. Die
stärkste Fortsetzung ist danach 13...a4“ (S. 89) 13...De8 „Dies ist die beste
Verteidigung des Nachziehenden. Die Idee ist, auf 14.Dh5 h6 15.Sf3 f5!
Antworten zu können, da der f-Bauer danach nicht en passant genommen
werden kann.“ 14.Dg4 „Wie erwähnt, richtete sich der letzte schwarze Zug
vornehmlich gegen den Zug 14.Dh5. [...] Der Textzug ist stärker und kam
erstmals in der Partie Bronstein - Uhlmann, Aljechin-Memorial 1971, vor in
der Schwarz an dieser Stelle einen grausamen Fehler machte und die Partie
mit 14...a4?? Wegwarf, worauf Weiß leicht mit 15.Sxe6 fxe6 16.Dxe6+ Kh8
17.Dxc6 gewann. Schwarz hätte sich mit 14...Kh8! verteidigen sollen.“
(S. 90)
 Q004-MEGABASE, Eine vielzitierte Partie ist GM Fischer (2780) gegen IM
Myagmarsuren (2300), Sousse 1967, 1-0. 373
 In der Partie Belov (2532) – Halkias (2533), Thessaloniki 2004, ½-½, vertei-
digt Schwarz den Königsflügel erfolgreich. Nach Erreichen der Stellung: 7.e4
0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.h4 Lb7 folgte in der Partie: 11.Sf1 Dc7 12.Lf4 d4
13.S1h2 Sb6 14.Sg5 Sd5 15.Dh5 Lxg5 16.hxg5 Sce7 17.Ld2 Sg6 18.Sg4
Tae8 19.Te2 Sde7 20. Le4.
 GM Yannick Pelletier (2474) kommentiert seine Partie gegen Movsziszian
(2460) – Pelletier (2474), Barcelona 2000, 0-1: 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7
10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.h5 La6 13.S1h2 a4 14.a3 Db8 “?! Das ist meines Er-
achtens eine neue Idee, wenn Weiß mit a2-a3 spielt. Schwarz plant einfach
mittels Db5 gefolgt von b3 den Bauern d3 zu schwächen. Doch ich befürchte,
es ist zu langsam, und bei richtiger Spielweise sollte Weiß gute Angriffs-
chancen erhalten.“ 374
 Die Partie Belikov (2499) – Baramidze (2470) Dortmund 2003, 1-0 folgt
nach Stellung 7.e4 0-0 zunächst der HV: 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 und
weicht dann ab 10...f6 11.exf6 Lxf6.375

373
Die Zugreihenfolge der Partie wird in den Quellen unterschiedlich dargestellt: 1.e4 e6 2.d3 d5
3.Sd2 c5 [Hall/Cartier (Q032) 3...Sf6 4.g3 c5 5.Lg2 Sc6 6.Sgf3] 4.Sgf3 Sc6 5.g3 Sf6 6.Lg2 Le7 7.0-0
0-0 8.Te1 [Dworezki (Q006), Hall/Cartier 8.e5 Sd7 9.Te1 b5 10.Sf1 b4 11.h4 a5] 8...b5 9.e5 Sd7
10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4 a4 13.a3 bxa3 14.bxa3 La6 [Emms (Q063), Dworezki, Hall/Cartier
14...Sa5 15.Se3 La6] 15.Se3 Sa5 16.Lh3 d4 17.Sf1 Sb6 18.Sg5 Sd5 19.Ld2 Lxg5 20.Lxg5 Dd7
21.Dh5 Tfc8 22.Sd2 Sc3 23.Lf6 De8 24.Se4 g6 25.Dg5 Sxe4 26.Txe4 c4 27.h5 cxd3 28.Th4 Ta7
29.Lg2 dxc2 30.Dh6 Df8 31.Dxh7+ 1-0
374
GM Pelletier testet diese Variante noch einmal in der Partie: Appel (2481) – Pelletier (2474),
Bundesliga 2001, und verliert.
375
Anders als im Schema „Weiß greift am Königsflügel an“ und „Schwarz möchte Gegenspiel am
Damenflügel bekommen“ versucht Schwarz hier den Kampf um das Zentrum zu entfachen. Im GM-

274
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

 GM Alexander Baburin (ELO 2527) kommentiert in der Partie Kochyev –


Shaposhnikov, Petersburg 1998, 1-0 die Hauptvariante („Uhlmann-Variante“,
Bauernsturm am Damenflügel): 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4
„This is a standard plan for such positions - White wants to weaken the resi-
dence of the black king by advancing this pawn to h6. There the pawn would
stick like a bone in Black´s throat, creating various tactical possibilities for
White. It´s my understanding that because of this plan, Black usually tries to
avoid castling kingside too early.” 11...b4 12.h5 „Kochyev ist ein Kenner des
Königsindischen Angriffs; deswegen ist seine Entscheidung [h5] sehr inte-
ressant.“376
 P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Nikolaidis – Muir, EU-chT
1997, 1-0: 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.S1h2 „In den
letzten Jahren hat sich das als Hauptfortsetzung herauskristallisiert. 12.Lf4
Die (alte) Schablone sieht den Läufer auf f4 vor, sofort oder wenige Züge
später. Seit einigen Jahren leuchtet das aber immer weniger Spielern ein, da
man bei einem Plan mit Lg5 ggf. ein Tempo sparen kann.“
 In der Partie Badea – Danilov, Bukarest 1998, 1-0 kommt die folgende Vari-
ante auf das Brett: 7.e4 0-0 8.Te1 dxe4 9.dxe4 e5 „Diese im letzten Zug ein-
geleitete Verteidigung wird von stärkeren Spielern selten angewandt, da
Schwarz sich ständig mit der Felderschwäche auf d5 herumplagen muss.“
(P. Horn, ELO 2295)
 P. Horn (ELO 2295) kommentiert in der Partie Yermolinsky – Ehlvest, Tallin
1998, ½-½ eine der Hauptvarianten: 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.c3 Dc7 10.Sf1 mit:
„Yermolinsky hat angegeben, dass diese Idee von Dorfman stammt: Weiß
möchte mit Lf4 Nutzen aus Dc7 ziehen.“377 10...d4 „Schwarz möchte das
Zentrum (mit Bauer e6-e5) schließen und dann auf seinen Raumvorteil po-
chen. Er könnte dann sehr zufrieden sein, da Sf1 und Te1 nicht optimal ste-
hen.“
 GM Luke McShane (ELO 2643) kommentiert die Partie Chuchelov – Ar-
landi, Mondariz 2000, 1-0: 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.c3 [Ab hier wird die HV
verlassen] 9...0-0 10.e5 Sd7 11.Sf1 „The standard manoeuvre here, winding
the spring [spannt die Feder] on the kingside.” 11...b5 12.h4 a5 13.Lf4 Sb6
14.Sg5 „! The plan is all very standard. White attacks with pieces, Black with

Bereich gibt es zu dieser Strategie bisher nur diese eine Belegpartie. Im Praxissegment gibt es neun
Partien, mit einer Erfolgsquote von 50%.
376
Für GM Kochyev sind 19 Partien mit dem KIA-Standardaufbau in der MegaBase 2008 verzeich-
net. Die Partien sind auf einem ELO-Niveau von 2446/2386 gespielt worden. Kochyev hat keine
einzige dieser Partien verloren und mit 76% eine hervorragende Erfolgsbilanz (GRV = 53/47/0).
377
Lf4 wurde in dieser Partie nicht mehr gespielt. Die Idee Sf1 ist in gleicher Stellung bereits 1968
in der Partie Szabo - Voiculescu gespielt worden. Von GM Dorfman gibt es in der Q004-
MEGABASE keine Belegpartie zu dieser Stellung.

275
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

pawns. But White knows that he is several tempi up on a 'normal' position.“


14...De8 “14...h6 15.Dh5! hxg5 16.hxg5 is the point in these positions. White
will put the knight on g4 and bring a rook to the h-file. Black can't prevent
this as an f7-f6 break allows g5-g6.” 15.Se3 “15.Dh5 Lxg5 16.hxg5 (16.Lxg5
and there is no obvious way to continue the attack.) 16...f5! is a typical motif
here. Whether or not the queens are swapped, Black's king is safe, White's
queenside isn't. However, Black has lost too many tempi. White has time to
attack in other ways...” 15...b4 16.Sg4 La6 „16...Kh8 was necessary, but
White's position is full of possibilities.“ 17.Sf6+ „!!“ gxf6 18.exf6 Lxf6
19.Dh5 h6 „19...Lxg5 20.Dxg5+ Kh8 21. Df6+ Kg8 22.Lh6 and mates.“
20.Dxh6 Lxg5 21.Dxg5+ Kh7 22.Dh5+ Kg8 23.Lh6 „23...f6 (23...f5
24.Dg5+) 24.Dg4+ and mates.“ 1-0.
 GM Ahmed Adly kommentiert seine Partie Adly (2494)– Laznicka (2610),
Yerevan 2007, 1-0 nach 7.e4 b6 8.Te1 „8.e5?! comitting the centre should be
played later: 8...Sd7 9.Te1 Dc7 10.De2 g5 “ 8...Lb7 9.e5 Sd7 10.c4 „! Prov-
ing that Black is quite slow because of the early Be7. 10.Sf1 Dc7 11.De2
0-0-0 Movsesian used this idea against Delchev. And he turned to be using a
very slow plan.” 10...Dc7 11.cxd5 exd5 12.d4 „A logical move completing
the control of the centre and opening up more ideas for White.” A logical
move completing the control of the centre and opening up more ideas for
White.” 12...Sf8 “12...cxd4? Of course taking this pawn is strategically out:
13.Sb3 0-0 (13...Sdxe5 14.Sxe5 Sxe5 15.Lf4 f6 16.Sxd4±) 14.Lf4±“ 13.Sf1
Se6 14.dxc5 bxc5 15.Se3 d4 „? White is happy now because of the weaken-
ing which has happened now that Black has advanced his hanging pawn.”
 GM Curt Hansen kommentiert die Partie Kaidanov (2625) - Nijboer (2525),
Elista 1998, 1-0, nach Erreichen der Stellung 7.e4 b5. In diesem Bild ging es
folgendermaßen weiter: 8.Te1 0-0 9.e5 Sd7 10.Sf1 “A typical position from
the opening usually referred to as the Kings Indian attack. The difference to
the Kings Indian defence is that the colours are reversed and because of that
white has one tempo extra. Since Fischer won some famous games in this
line as white in the late 60's - particulary the game against Miagmarsuren in
the Sousse Interzonal 1967 - few players[378] have been interested in playing
the black setup. More flexibel lines with g7-g6 and Sg8-e7 or Lf8-d6 and
Sg8-e7 have been more popular. With one exception. The French expert
above all - Wolfgang Uhlmann - has always preferred the setup played in this
game.” 10...a5 11.h4 b4.

378
Wie die Statistik zeigt ist diese Aussage ist nicht korrekt: In der Praxis ist die Antwortstellung des
Schwarzen sehr beliebt (vergleichsweise auch auf GM-Niveau; siehe hierzu in der „Zusammenfas-
sung“ am Ende des Buches die „Übersicht zur Statistik der Stellungsbilder“).

276
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

 Kasparov (2815) – Kramnik (2780), Kosmos m 5' blitz Moskau 1998, ½-½.
Im Stellungsbild nach 7.e4 Dc7 folgt in der Partie: 8.Te1 b6 9.Sf1 dxe4
10.dxe4 La6 11.e5 Td8 12.Ld2 Sg4 13.c3 0-0 14. Da4 Lxf1 15.Dxg4 Lxg2
16.Lh6 g6 17. Kxg2 Tfe8 18.Te4 Td3 19.Tae1 Ld8 20.h4 Se7 21.h5 Sf5
22.Lg5 Dd7 23.Lf6 Td1 24.Txd1 Dxd1 25.Te1 Dd3 26.hxg6 fxg6 27. Da4
Tf8 28.Dxa7 Lxf6 29.exf6 Txf6 30.Db8+ Tf8 31.Dxb6 Sg7 32.Te3 Dd5
33.c4 Dxc4 34.Db3 Dg4 35.a4 Df5 36.a5 c4 37.Dxc4 Dxa5 38.b4 Db6
39.Sg1 Dd8.
 Damljanovic (2535) - Vukovic (2425), Kladovo 1990, C00, 1-0, kommentiert
von P. Horn (ELO 2295): 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.c3 Dc7 10.De2 0-0 11.e5 Sd7
12.Sf1 Tae8 13.Lf4 Dd8 “Schwarz strebt konsequent den Vorstoß des
f-Bauern an.“ 14.h4 f5 „14...f6“ 15.exf6 „?!“ 15…Lxf6 16.Sg5 „16.Lh3?! e5
17.Lxd7 Dxd7” 16...Sde5 17.Lxe5 Lxe5.
 Sale (2381) – Volzhin (2524), Abu Dhabi 2001, C00, 0-1, GM Volzhin
kommentiert seine Partie: 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Se8 „!? A relatively rare
line. (9...Sd7 is Black's usual choise. It's impossible to claim which is better -
both continuations have their merits and drawbacks.)” 10.Sf1 b4
 Q006-DWORETSKI-JUSSUPOW95, S. 131 betont „der Zug e7-e6 (sei)
nicht sehr günstig für Schwarz“. „Steht die schwarze Dame auf c7, so ist es
günstig für Weiß, mit seinem Springer nach g4 über e3 zu gehen. Von diesem
Punkt aus [e3] verfügt er zusätzlich über die starke Drohung Sxd5!“ (S. 132,
vgl. Blitzpartie Dvoretsky - Jussupow, Moskau 1987).
 Auf S.133-134 besprechen die Autoren die Hauptvariante 7.e4 0-0 8.Te1
8.b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 und kommentieren die Partie Fischer - Mi-
agmasuren, Sousse 1967, 1-0 nach 12.Lf4 a4 13.a3 „! Weiß darf 13...a3
14.b3 Sa7 und die Überführung des Springers nach c3 nicht zulassen.”
13...bxa3 14.bxa3 „Jetzt muss Schwarz jederzeit mit dem Zentrumsvorstoß
c2-c4 rechnen.“ 14...Sa5 „?! (14...Sd4!)” 15.Se3 La6 16.Lh3 „Fischer berei-
tet offensichtlich Sg5 vor. Der andere Standardplan besteht in 16.h5 mit der
Absicht 17.h6 g6 18.Sg4 und weiterem Spiel auf den geschwächten schwar-
zen Feldern am Königsflügel (Dd2, Lg5 usw.)“
 Q008-DUNNINGTON98, S. 41-42, nach 7.e4 0-0 8.Te1 wird kommentiert:
„This line offers play for both [...]. As a prelude to the coming kingside
onslaught White will close the centre by pushing with e4-e5, subsequently
chasing away Black’s f6-knight and [...] leaving Black with a distinct lack of
minor piece protection for his king. Since the advanced e-pawn is such an
important part of White’s plans, it is imperative that White over-protect it in
order to minimise the chance of Black essaying the undermining …f7-f6. The
queen’s knight can, after h2-h4, make the manoeuvres Nd2-f1-h2-g4 and
Nd2-f1-e3.” The Black’s queen on c7 and White’s move Bc1-f4 “introduces

277
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

the possibility of playing Ne3xd5 followed by e5-e6 [...] As for Black, the
idea is simply to roll the queenside pawns down the board and force White to
make positional concessions…”.
 Ab S. 8 wird die Partie Fischer – Geller, Netanya 1968, 1-0 unter dem Aspekt
„White’s Kingside Attack“ besprochen. Nach 7.e4 0-0 folgt 8.Te1 Dc7 9.e5
Sd7 10.De2 „Control of e5 is critical“ 10...b5 11.h4 “A recurring theme in
this particular variation – Black charges forwardon the queenside and White
endeavours [sich bemühen] to put as much force as possible into an attack
against the opposing king.” 11...a5 12.Sf1 “Intending Nf1-h2-h4, or in some
cases Nf1-e3 with sacrificial possibilities on d5 (or f5) – especially when
Black has played …Qd8-c7.”
 Auf S. 42 wird der HV folgend 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 die Abweichung
9...Se8 mit der Idee 10.Sf1 f5/f6, in der Partie Borik (2400)- Sonntag (2405),
Bundesliga 1996, 1-0, angesprochen. 11.exf6 gxf6 „11...Bxf6 12 Se3 Dd6 13
c4! puts pressure on Black’s centre.“ 12.Lh6 Tf7 13.c4 „!?“ Sc7 14.cxd5
Sxd5 15.a3 Tb8 16.Tc1 „with the better pawn structure for White.“
 Auf S. 53 wird in der Partie Troianska - Jovanovic379, Women’s Olympiad,
Oberhausen 1966, 0-1 nach Stellung 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.e5 Sd7 die Fort-
setzung 10.c3 „?“ folgendermaßen kritisiert: „Too passive. In the [...] games
in which White played an early c2-c3, the e4-e5 push followed only at
White’s convenience [wenn es ihm paßt] – usually once Black had commit-
ted his king. In this game, however, apart from no longer having to worry
about White advantageously playing e4xd5, Black already has a target in
White’s e-pawn. Consequently White’s best continuation in the [...] position
is
10 c4!“
 Q015-CAISSA, Bd. III, S. 229 benennt nach 7.e4 b6 u.a. die Variante 8.Te1
Dc7 9.e5 Sd7 10.De2.
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 32f analog zu Q018-MADDOX. „This is one
of the basic King’s Indian Attack formations [nach 7.e4 0-0 8.Te1], reacha-
ble from the French, Sicilian or KIA move orders. White plans to push e5,
cutting black’s army in half and attacking kingside. Black will try queenside
play.” (S. 32)
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 33 mit der Partie Fischer - Miagmasuren,
Sousse 1967, 1-0: „If a student had time to learn only one game thoroughly in

379
Diese Partie wird von Dunnington - in beiden seiner Bücher (Q008-DUNNINGTON98, Q033-
DUNNINGTON93) - in einer anderen Zugreihenfolge angegeben, als in der Mega Base. In der
MegaBase-Partie wird c3 erst im 12. Zug gespielt: 1.Sf3 c5 2.g3 Sc6 3.Lg2 d5 4.d3 e6 5.Sbd2 Sf6
6.0-0 Le7 7.e4 Dc7 8.Te1 b6 9.e5 Sd7 10.De2 g5 11.h3 Lb7 12.c3 0-0-0, ab dem 13. Zug stimmen
die Partieangaben wieder überein.

278
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

the KIA, I would recommend this game. Fischer’s play in this game became
the standard to which other games are compared!” 12.Lf4 a4 13.a3 “! Fisch-
er’s idea is to spend a tempo to prevent black from playing … a4-a3. White
hopes to hold black back long enough on the queenside to force a favourable
decision on the kingside.”
 Auf S. 34 kommentieren die Autoren die Partie Gheorghiu - Uhlmann, Bul-
garien 1968 [? 1967]380, 1-0 nach gleichem Stellungsbild 7.e4 0-0 8.Te1 b5
9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4 wie folgt: 12...a4 „?! The mark of a se-
rious player is that he has faith in his opening system. After this stunning de-
feat, we see Uhlmann improve his play later with 12... Ba6. Too many play-
ers would abandon their opening after such a loss.” Und weiter: 13.a3 “!? (!)
Fischer & Gheorghiu, (?!) Uhlmann. Uhlmann seems to feel this idea opens
lines on the queenside to black’s advantage.”
 Q018-MADDOX, s.p. („Basic 1“381), nach 7.e4 0-0 8.Te1 „Dies ist eine der
Grundformationen im Königsindischen Angriff, die sich über Französisch-,
Sizilianisch- oder KIA-Zugfolgen ergeben kann. Der Weiße plant den Vor-
stoß e5, um das schwarze Lager in zwei Hälften zu spalten, gefolgt von ei-
nem Königsangriff. Der Nachziehende wird sein Glück am Damenflügel ver-
suchen.“ 8...b5 „Normalerweise hat Weiß in diesen Stellungen bereits e5 ge-
spielt, doch die unterschiedliche Zugfolge ist irrelevant. Schwarz fährt mit
seinem Spiel am Damenflügel fort.“ Während [8...dxe4 9.dxe4] „Weiß klaren
Vorteil (überlässt). Schwarz wird ...e5 spielen müssen, um seine Hälfte des
Zentrums zu kontrollieren. Danach wird Weiß die Herrschaft über d5 haben
und kann c4 als Vorposten für seinen Springer nutzen.“ Mit 9.e5 Sd7 „errei-
chen (wir) die Standardstellung. Die Figuren des Schwarzen sind vom
Königsflügel abgeschnitten, und der Nachziehende prescht am Damenflügel
vor. Beide Seiten haben Chancen, doch der Druck auf den schwarzen König
ist gefährlicher. Ein einziges Versehen kann zum Matt führen.“
 In der Partie Petrosian, T.V. – Barcza, Saltsjobaden Interzonal 1952, 1-0,
nach 7.e4 0-0 folgt 8.Te1 „Unterstützt das thematische e4-e5.“ 8...b6 „?!
Sucht nach einer Entwicklungsmöglichkeit für den Läufer. Heutzutage ist
allgemein bekannt, dass das schwarze Gegenspiel in diesen Stellungen von

380
Diese Partie wird in den Quellen in unterschiedlicher Zugfolge und Partielänge angegeben. Q004:
1.e4 e6 2.d4 [Q068: 2.d3 d5 3.Sd2 Sf6 (Q017: 3...c5 4.Sgf3 Sc6 5.g3 Sf6 6.Lg2 Le7 7.0-0 0-0)
4.Sgf3 Le7 5.g3 c5 6.Lg2 Sc6 7.0-0 0-0] 2...d5 3.Sd2 Sf6 4.Sgf3 Le7 5.g3 c5 6.Lg2 Sc6 7.0-0 0-0
8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4 a4 13.a3 bxa3 14.bxa3 La6 15.Se3 Sxd4 16.c4 Sb3
17.cxd5 Sxa1 18.Dxa1 exd5 19.Sxd5 Ld3 20.e6 Sf6 21.Sxe7+ Dxe7 22.Se5 Lg6 23.Sc6 Db7 24.Ld6
Le4 25.Txe4 Dxc6 26.Lxf8 Txf8 Q004: 27.Dxf6 Dxe4 28.Dxf7+ Txf7 29.exf7+ Kxf7 30.Lxe4 1-0.
Q017 gibt das Jahr mit 1968 statt 1967 wie Q004, Q068 und Q098 an.
381
Don Maddox unterscheidet acht Basis-Aufstellungen im KIA, wobei „Basic 3“, „Basic 4“ und
„Basic 7“ nicht zu dem in diesem KIA-Buch beschriebenen Spielsystem gehören.

279
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

schneller Expansion am Damenflügel abhängt.“ 9.e5 Se8 „?! Petrosian gibt


9...Sd7 als besser an.“ 10.Sf1 Kh8 11.Lf4 f5 12.h4 „! Weiß heftet sich an die
dunklen Felder.“
 Mit der Partie Botvinnik - Uhlmann, Moskau 1956, 1-0 [Kommentare von
GM Chekhov]. „Uhlmann ist Französisch-Spezialist und hat viel zur schwar-
zen Verteidigung gegen den KIA beigetragen.“ Nach 7.e4 0-0 folgt 8.Te1
„Unterstützt e4-e5.“ 8...Tb8 „?! Unnötig. Besser ist 8...Dc7!?, um den Druck
gegen e5 aufrechtzuerhalten.“ 9.e5 „Spaltet das schwarze Lager in zwei Hälf-
ten. Der Anziehende ist auf Spiel am Königsflügel festgelegt, der Nachzie-
hende muss am Damenflügel agieren. (Ebenfalls gut ist 9.a4 a6 10.e5 Sd7
11.Sf1 b5 12.axb5 axb5 13.h4± [...])“ 9...Sd7 10.Sf1 „Lässt den Läufer ins
Spiel kommen und verfolgt die Zielrichtung h2.“ 10...b5 11.h4 „Verstärkt die
weiße Kontrolle über die schwarzen Felder und räumt h2 für den Springer.“
11...La6 "? Dies hemmt die schwarze Damenflügelexpansion noch mehr. Be-
stimmt besser sind 11...b4 12.Lf4 a5 13.S1h2 Te8 14.g4± mit Weißer
Königsflügelinitiative [...] bzw. 11...a5!?. Wenn Schwarz ...c5-c4 mit dem
Läufer unterstützen will, könnte er ein Tempo sparen, indem er erst den a-
Bauern vorzieht.“ 12.S1h2 b4 13.Lf4 Lb5 „Schwarz hat mit diesen Läufer-
manövern zu viel Zeit verschwendet.“ 14.Lh3 „± Das Feld e6 ist anfällig
geworden für Kombinationen und Weiß beschließt, sich darauf einzuschie-
ßen.“ 14...c4 "?! Noch immer besser war 14...a5!?, was erneut unterstreicht,
weshalb ...La6? ein Fehler war.“ 15.d4 „Spaltet das Brett noch mehr und
schneidet die schwarzen Figuren von der Verteidigung des Königsflügels
ab.“ 15...Db6 16.Le3 Tfc8 17.Sg5 „Zielt erneut gegen e6.“ 17...Sf8 „Festigt
diesen Punkt e6. (Es verlieren 17...h6? 18.Sxe6+-; sowie 17...a5? und
18.Sxe6! fxe6 (18...Scxe5 19.dxe5+-) 19.Lxe6+ Kh8 20.Lxd7+-; 17...c3)“
18.f4 „± 18.Shf3“ 18...Sd8 “Die schwarzen Figuren ziehen sich offenbar zu-
rück.“ 19.f5 „?! Voreilig. Besser ist die Unterstützung dieses Bauernvorsto-
ßes mittels 19.g4! a5 20.f5± z.B. 20...a4 21. Df3 mit Angriff. Ebenfalls mög-
lich ist 19.c3“ 19...exf5 20.Lxf5 Sde6 „?! Besser ist 20...Ld7!? 21.g4!? "
21.Df3 „!? Konzentriert weitere Figuren auf den Königsflügel. Auch nach
21.Sgf3 a5 22.g4 Sg6 23. g5 hat Weiß die Initiative.“ 21...Sxg5 „Zum Verlust
führt 21...Sxd4? 22. Df2 Lc5 23.Lxc8+-“ 22.hxg5 „Der Punkt h7 wird nun
entlang der h-Linie unter Druck gesetzt.“ 22...Td8 23.Sg4 „Sämtliche weißen
Figuren stürzen sich auf den schwarzen König.“ 23...Sg6 „23...Ld7!? “
24.Kg2 Ld7 25.Lxd7 Txd7 26.Th1 „± Es spielt nur der Weiße, und die
schwarzen Figuren stehen noch immer unglücklich für die Verteidigung.“
26...De6 „Nach dem interessanten 26...Sf8!?, was das Feld für die Dame frei
macht, hat Weiß 27.Sf6+! gxf6 28.gxf6 Ld8 29.Dg4+ Sg6 30.Dg5‚ mit hefti-
gem Angriff.“ 27.Th5 Tb6 28.Tah1 „Mit mächtigem Druck in der h-Linie.“
28...Sf8 „Alle Figuren des Weißen sind im Spiel, daher sucht er jetzt nach der

280
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

Abschlusskombination.“ 29.Sf6+ „! Unklar ist 29.Sh6+ gxh6 30.Txh6 Sg6


31.Txh7 Lf8 32.Df6! Dxf6 33.gxf6 Td8 34.T7h5 Tdb8 “ 29...gxf6 30.gxf6
Lxf6 „Schlechter ist 30...Ld8 31.Lh6! was Schwarz zwingt, die Figur zu-
rückzugeben: 31...Lxf6 32.exf6 Dxf6 33.Dg4++- 33...Dg6 (33...Sg6
34.Dxd7+-; 33...Kh8 34.Lxf8+-) 34.Tg5+-“ 31.exf6 De4 „?! Notwendig war
31...Dxf6 32.Tf5 (Not 32.Dg4+?! Dg7 (32...Sg6? 33.Dxd7; 32...Kh8? 33.Tg5
Sg6 34.Dxd7) 33.Tg5 (33.Dxg7+?! Kxg7 34.Lh6+ Kg8 35.Lxf8 Kxf8
36.Txh7 Ta6 ) 33...Tg6=; 32...De6 33.Thh5 De4 34.Dxe4 dxe4 35.Tc5,
wonach Weiß zwar Kompensation für sein Material hat, aber keinen einfa-
chen Gewinn.“ 32.Dxe4+- dxe4 33. Tg5+ „!“ 33...Sg6 34.Tc5 Txf6 „34...c3
35.Tc8++-„ 35.Tc8+ Sf8 „35...Kg7?? 36.Lh6#“ 36.Th4 “! Schwarz kommt
zu Gegenspiel nach 36.Lh6?! Txh6 37.Txh6 Txd4” 36...Kg7 “Nicht besser ist
36...Te6 37.Tg4+ Tg6 38.Txe4+-; schlechter ist 36...Te7? 37.Lg5 Tfe6
(37...Tee6 38.Lxf6 Txf6 39.Tg4+ Tg6 40.Txe4+-) 38.Lxe7 Txe7 39.Tg4+
Kh8 40.Txf8#” 37.Txe4 Ta6 38.Txc4 Tb7 „38...Txa2 39.Txb4+-“ 39.d5
Txa2 40.Txb4 Txb2 “?? Ein Bock in verlorener Stellung” 41.Ld4+.
 Q022-SCHILLER, S. 13ff: Nach 7.e4… kommentiert FM Schiller: „This is
considered the starting position of the main line of the King's Indian Attack.
If Black castles immediately, White is going to attack the enemy king after
first limiting the mobility of the Black pieces and cutting down on potential
counterplay in the center. To this end he will advance his e-pawn, creating a
strongpoint at e5 which will be defended by the Rel and Nf3, with some help
from a bishop stationed at f4. He will also advance his h-pawn, at least to the
4th rank, where it keeps an eye on critical squares on the g-file. The vacant
square at h2 will be useful for the knight journey Nd2-f1-h2-g4. The free
space on the kingside will also allow a bishop to be stationed at h3, putting
additional pressure on e6. The queen will step out of the way to e2, so that
the rooks can be connected. Of course Black will not remain idle. Most often
he chooses to storm the queenside with an avalanche [Lawine] of pawns. He
has little to do on the kingside, although sometimes he might find it appropri-
ate to break with f7-f6 to strike at the center, but in most cases this leads to
critical kingside weaknesses. As Keene properly notes, it is easier to play the
White side of these positions, simply because he is attacking the king, while
Black must keep one eye on his monarch and the other on his queenside
counterplay.” Nach Erreichen des Stellungsbildes 7...0-0 8.e5 kommentiert
FM Schiller “White might as well force the issue. 8. Re1 has a few non-
transpositional lines, but Fischer’s move order [zuerst e5 zu spielen, in:
Fischer - Miagmasuren, Sousse 1967, 1-0] is to be preferred.” (S. 14) Schil-
lers Empfehlung folgt damit allerdings nicht der Hauptvariante.
 Q031-WEINSTEIN, S. 38ff: Nach Stellungsbild 7.e4 0-0 und den Zügen 8.e5
Sd7 9.Te1 wird kommentiert “In the diagrammed position White's basic

281
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

strategy is to use the cramping effect of the pawn on e5 to build up strong


pressure against Black's kingside. The Queen Bishop is usually developed to
f4 or g5. The Queen Knight goes to d2 with the idea of the thematic maneu-
ver d2, f1, e3, leaving open the possibility of a sacrifice at d5. Especially im-
portant is the thrust of the kingside rook pawn, which typically moves h5-h6
[after h2-h4], virtually forcing a concession of dark square weaknesses
around the Black king after...g6. If Black attempts to present [the White’s] h6
with ...h6 there arises concern over the possibility of White sacrificing a
piece on the Black kingside rook pawn with the consequent demolition of the
protective pawn barrier in front of Black's king. Black's strategy will be to
advance on the queenside, where he can mobilize his pawns in order to create
opportunities for a breakthrough there. Often Black can open the c- and/or d-
file to create avenues for infiltration. Also typical is the march of the Black
queenside rook-pawn to a5-a4-a3 to weaken White's dark squares on the
queenside. In general, it is safe to leave the Black queen on ...d8 rather than
place it on c7 where it invites Lf4 followed by Nxd-pawn and e6. White’s
game is easier to play than Black’s since his attack is directed against the
king. Although current theory [1976] indicates that Black should maintain
good chances, in practice White usually ends up on top.”
 Q032-HALL-CARTIER, “The most popular system against the KIA in
Fischer's time was the French System 1.e4 e6 2.d3 d5 3.Nd2 Nf6 4. Ngf3 c5
5.g3 Nc6 6.Bg2 Be7 7.0-0 0-0. Note that this position can be obtained by
transposition in several ways: e.g., 1.e4 c5 2.Nf3 e6 3.d3, etc.; or l.Nf3 d5
2.g3 Nf6 3 Bg2 e6, etc.). From this starting point both sides general strategies
became clear: Black will throw forward his pawns on the Queenside. While
White will try to build a Kingside attack by moves like Nbd2, Rel, e5, Nfl,
h4, and Bf4. The ‘tempo game’ (i.e., the efficient utilization of every move)
became very important because of concrete ideas on both flanks. But even
the very young Fischer paid serious attention to what happened on his
Queen's flank; he understood that White cannot let Black have absolute sway
on that flank. If Black could do as he pleased there then White would at some
point be compelled to shift some of his Kingside pieces back to the
Queenside for defense. This, of course. would seriously impede White's am-
bitions against Black's Kingside Specifically, the march of Black's a-pawn
(a5-a4-a3) would give very good chances on the Queenside since his Nc6
could find a fine outpost on b4 without fear of White's a2-a3; the a2-pawn
would be a permanent target in this case. Also (after Black's a4-a3), White
would suffer from a permanent weakness on the dark-squares, since the
White b2-pawn would be forced to either move up to b3 – or, even worse,
capture with bxa3. Fischer’s great discovery involved playing a2-a3, just be-
fore Black’s a4-pawn could advance to a3.” (Vgl. S. 122 - The Evolution of

282
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

Bobby Fischer's Treatment of the King's Indian Attack, by GM Alexander


Chemin.)
 Auf S. 5 mit der Partie Botvinnik, Mikhail - Uhlmann, Wolfgang, Moskau
1956, 1-0. Nach 7.e4 0-0 folgt in der Partie 8.Te1 Tb8 9.e5 Sd7 10.Sf1 b5
„The best chance for an effective counterattack“ 11.h4 La6 “? 11…b4!?”
12.S1h2 b4 13.Lf4 Lb5 14.Lh3 c4 „? 14...a5!?“.
 Ab S. 128 mit der Partie Fischer - Miagmasuren, Sousse 1967, 1-0 wird nach
Stellung 7.e4 0-0 notiert: 8.e5 Sd7 9.Te1 b5 10.Sf1 b4 11.h4 a5 „Black
avoids wasting time on 11...Qc7“ 12.Lf4 “! A good move, overprotecting e5
so that the Nf3 can later play to g5” 12...a4 13.a3 “! Stopping a4-a3”.
 In der Partie Fischer - Feuerstein, U.S. Championship 1957, 1-0 (S. 124ff)
geht es nach 7.e4 0-0 wie folgt weiter: 8.Te1 Dc7 „Current theory [1996]
recognizes 8...b5 as the preferred move. However, 8...Qc7 induces White to
play Qe2, in order to properly reinforce the advance e4-e5” 9.De2 Td8 10.e5
Se8 “Black’s last two moves were not so good, limiting his chances of attack
on the Queenside; better was 10….Sd7”. (Kommentierung von GM A.
Chernin)
 Die Partie Todorcevic - Yudasin, Las Palmas 1993, 0-1 wird auf S. 148f nach
7.e4 b6 fortgesetzt mit: 8.Te1 Lb7 9.c3 0-0 10.a4 „?! 10. Qe2 with the idea
of e5 was better.”
 Q045-TANGBORN, S. 27 mit der Partie Petrosian, T.V. – Barcza, Budapest
1952, 1-0 und der Variante: 7.e4 0-0 8.Te1 b6 „Betters is 8...b5.“ 9.e5 Sd7
10.Sf1 La6 „The Bishop is not very effective on this square. Black seems to
be playing without a plan.”
 In einer weiteren Partie zwischen Petrosian, T.V. – Barcza, Saltsjobaden
Interzonal 1952, 1-0, geht es nach 7.e4 0-0 wie folgt weiter 8.Te1 b6 9.e5
Se8 10.Sf1 Kh8 11.Lf4 f5 „A defensive move against White’s attack on the
kingside.“
 Q063-EMMS05, S. 13f: “Black developes ‘classically’, that is he puts his
knight on its best square where it has most influence on the centre. Of course
Black has to bear in mind that White has the option of attacking this knight at
some point with e4-e5. The variation beginning with 5…Nf6 is regarded as
the traditional main line of the KIA French, and it is still very popular at all
Levels.” (S. 14) Im Stellungsbild nach 7.e4 0-0 folgt der Kommentar: “Cas-
tling kingside is by far Black’s most popular move here. However, given that
White hopes to launch an assault [Angriff] on this side of the board, it’s un-
surprising that some Black players are nervous of committing their king so
early. The flexible 7…b6!?, keeping the option open of castling queenside
[…].” (S. 14) 8.Te1 „! The rook is very well placed on this square as it sup-
ports the intended e4-e5 advance.“ 8...b5 “! With his king ‘safely’ tucked

283
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

away, Black begins his counterplay in aggressive style. It makes sense to at-
tack on the queenside because this is the part of the board where Black holds
major advantage – space. […] 8….b5 is what those in ‘the know’ play here,
but it’s worth checking out some other plausible options. […] 8…Qc7 covers
the e5-square and following 9 e5 Nd7 White must protect the pawn with 10
Qe2 […] 8…b6 is a more restrained [zurückhaltend] version of the text move
[…] 8…dxe4 9 dxe4 […] simplifies the position in the centre, but this ex-
change almost always helps White more than Black […because] White has
more presence in the centre than Black, and after e4-e5 he gains access to the
important e4-square, which effectively becomes an outpost.” (S. 14-15) 9.e5
“! […] The pawn on e5 forces Black to move his f6-knight from its ideal de-
fensive post. This will leave Black’s kingside seriously lacking in minor
piece protection […]. With e4-e5 White has closed the centre – there is no
longer any tension there. This leaves both sides free to concentrate their ef-
forts on the flanks […] White could change tack completely by playing 9
exd5 exd5, but this approach isn’t really in the spirit of this particular KIA-
line. Why deny yourself the chance of an automatic attack against the black
king?” (S. 16) 9...Sd7 “Black keeps an eye on the e5-pawn. However,
9…Ne8!?, though seldom played, isn’t a bad alternative. After say 10 Nf1 b4
the knight can join the queenside action via c7 and b5. […] 9…Ng4!? […] 10
h3 Nh6, the knight isn’t so poorly placed here because it has f5 in sights.
White can prevent this with 11 g4, but 11…f6 12 exf6 gxf6, while obviously
carrying some risk, doesn’t look disastrous for Black. Food for thought.”
(S. 16) 10.Sf1 “The bishop on c1 is released and the f1-knight can join the
action with Ne3-g4 or, after h2-h4, Nh2-g4.” 10...a5 (S. 16-17).
 S. 15: 7.e4 0-0 8.Te1 dxe4 9.dxe4 „simplifies the position in the centre, but
this exchange almost helps White more than Black. […] White has more
presence in the centre than Black”.
 S. 19: Nach 7.e4 b6 folgt in der Partie Nazarov – Yandemirov, Azov 1991,
0-1 der Kommentar: „An attractive choice for Black players wishing to keep
their options open as to which side to eventually castle.“ 8.Te1 Lb7 9.e5 Sd7
10.Sf1 “[...] continuing as if Black were going to castle short. White has an
enticing [verlockende] alternative in the shape of 10 c4!?, nibbling at Black’s
d5-pawn. The point is that after natural-looking 10…d4 White may be able to
make use of the newly created outpost on e4.” 10...g5 “!? Note that …g7-g5
is only a realistic possibility because Black’s king hasn’t commited itself to
kingside castling; with the king on g8 this advance would be risky at best.”
 Auf S. 17, schlägt GM Emms nach 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 vor,
mit 10...f6 „!?“ gegen die Weiße Stärke e5 vorzugehen. „White has no way
of maintaining his pawn spearhead in the centre, and the following 11 exf6

284
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

Nxf6 Black has some breathing space on the kingside and is unlikely to be
checkmated inside 20 moves. The flipside [Kehrseite] is that Black is forced
to accept a couple of weaknesses: the pawn on e6 is backward and vulnerable
to attack down the half-open e-file, and White may be able to make use of the
outpost on e5. […] A possible improvement Black could try 11… Bxf6!?, the
tactical point being that the greedy [gierige] 12 Rxe6? sees the rook trapped
after 12…Nde5!.”
 Auf S. 27 (Yuferov – Zakharov, Moskau 1995, 1-0) mit der Variante: 7.e4
0-0 8.Te1 Dc7 „Covering the e5-square for the second time. The idea of this
move is to force White into playing Qe2 to defend the e5-pawn.” 9.e5 “By
far the most popular choice […].” 9...Sd7 10.De2 „This is forced.“ (S. 28)
 Auf S. 31 nennt GM Emms eine Beispielpartie Dolzhikova (2241) – Ma-
lakhatko (2568), Kiew 2000, 0-1, in der …f6 - allerdings erst im 18. Zug -
gespielt wurde. Ausgehend vom Bild 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5
11.h4 b4 folgte: 12.Lf4 a4 13.S1h2 a3 14.b3 La6 15.Sg5 Sd4 16.Tc1 Tc8
17.Dh5 h6 18.Sh3 f6 “! Following 19 exf6 Nxf6 20 Qg6 Qe8! 21 Qxe8
Tfxe8 Black can be very happy with his active position while in the game the
sacrifice” 19.Lxh6 Sxe5 20.Txe5 fxe5 21.Dg6 Tf7 “didn’t quite work“ [und
Schwarz müht sich noch 45 weitere Züge bis zum Sieg].
 Q065-DZINDZICHASHVILI, s.p., benennt in seinem Video Lehrgang zum
KIA die in der Praxis am häufigsten gespielte Variante 7.e4 0-0 „this position
is the most common way to play for Black“ 8.e5 „closes the center“ 8...Sd7
9.Te1 Dc7 10.De2 “now the e5-pawn is protected and Black can’t attack e5-
pawn anymore.”
 A) If 10...f6 “attacking the e5-pawn” 11.exf6 Sxf6 „this position is clearly
better for White.“382 12.Sf1 Ld6 13.h4 e5 14.Lg5… “White is going to put
some pressure on Black’s d5-pawn by playing Ne3.” 14...d4 “that creates a
lot of weaknesses on c4- and e4-square [Nf1-d2-e4 or –c4]. This is simple
strategy on weak squares.”
 B) If 10...b5 “starts a pawn storm to create some play on the queenside”
11.Sf1 “heading towards the kingside” 11...a5 12.h4 13.Lf4 b4 14.Sh2 a4
“this position was played by Fischer” 15.Sg5 “[e.g. followed by Qh5] the
most active way to attack Black. White wants Black to play h6. After
15...Bxg5 16.hxg5 the position is realy bad for Black. I would say this posi-
tion is lost”383 15...h6 “black has serious weakness on h6 because White may

382
Für Fritz 11 ist die Stellung ausgeglichen: 12.Se5 Sd4 13.Dd1 Ld6 14.f4 Lxe5 15.Txe5 Sc6
16.Te1 e5 17.Sb3 Te8 18.Dd2 b6 19.fxe5 Txe5 20.Df2 Txe1+ 21.Dxe1 Lg4 22.Lf4 Df7 23.Dc3 (=
0.07 Tiefe 20).
383
Auch Fritz 11 kann sich irren. Die Engine errechnet folgende Variante, aus der Weiß angeblich
schlechter herauskommt: 15. ..Sd4 16.Dd1 b3 17.axb3 axb3 18.Txa8 Txa8 19.cxb3 Db6 20.Dh5

285
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

go Ng4 and later on to sacrifies on h6 or maybe even play g4 and g5 opening


some files” 16.Sf3
 GM Roman Dzindzichashvili empfiehlt Weiß nicht e4-e5 zu spielen, solange
Schwarz nicht kurz rochiert hat, sondern einen Plan mit b6, Lb7, g5 verfolgt:
7.e4 Dc7 8.Te1 b6 9.e5?! Sd7 10.De2 Lb7 11.Sf1 g5!? 12.Lxg5 Lxg5
13.Sxg5 Sdxe5 „and Black has the option castling queenside. Do not play e5
unless Black is already castled.“
 Auf dem Wege der Hauptvariante 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 würde er abweichend
fortsetzen mit: 9.exd5 „I would take on d5 that’s what I like [because after-
wards] White has an easy game and easy plan. If 9...exd5 10.d4 cxd4 11.Sb3
and we get the pawn back and the better position. If 10.d4 c4 11.c3 followed
by Ne5 and Nf3 with much better position. If Black takes with the Knight
9...Nxd5 (then 10.d4 is also possible) 10.Sc4 0-0 11.a4 and Black will never
be able to play e5. After c3, Dc2, Bd2, Rad1 or c3, Ne5 we have a very com-
fortable position.“
 7.e4 dxe4 8.dxe4 e5 9.c3 and “White covers every square in the center. The
d4-square is not accessable for Black knight but d5-square will be accessable
at some point to White knight [e.g. Nc4, Ne3, Nd5]. Black’s blacksquare
bishop has no diagonal it can work on.” 9...0-0 10.Dc2 “loose a tempo if
10...h6 11. Nc4 Qc7 12.a4 Be6 13. Qe2” 10...h6 “because on 10...Be6 11.Sg5
and bishop has to go back.”11.Sc4 Dc7 12.a4 “and black has no visible coun-
terplay.”
 Q068-NIC49, S. 186-190: “About 30 years ago [der Artikel im NIC stammt
aus dem Jahr 1998] the King’s Indian Attack was considered to be a danger-
ous weapon to combat the French Defence.” After 7.e4 0-0 “the most com-
mon plan for Black was” 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 (diese Hauptvariante wird auch
als Uhlmann-Variante bezeichnet)384 „This was popularized by the East
German GM Wolfgang Uhlmann, who gained many important victories with
it, although he also suffered some severe defeats (see Bronstein - Uhlmann,
Moskau 1971).“ (Siehe auch die Ausführungen oben unter Q001-SMITH-
HALL90) “With the lapse of time, Black began to play other systems to
counter the KIA (mainly involving …g6, …Lg7 and …Sge7 [vgl. KIA-Typ
O1.03 und vor allem O1.06]), because White’s attack in the main line was

Lxg5 21.Dxg5 Dxb3 22.Sg4 Dxd3 23.Sf6+ Sxf6 24.exf6 g6 25.Ld6 c4 (m -1.00 Tiefe 20). Spielt man
diese Variante aus und lässt Fritz erneut darauf schauen, dann steht Weiß plötzlich auf Gewinn: 26.g4
e5 27.Dh6 Se6 28.Txe5 g5 29.Txe6 Dg6 30.Dxg6+ hxg6 31.Te7 Ta6 32. Le5 Lc6 33.hxg5 Tb6 34.
Ta7 Tb3 35. Ta6 (+-4.86/20).
384
Hinweis: in Q084-HOOPER-WHYLD (S. 466, Variante 287) wird die folgende Variante als
„Uhlmann-Variation“ gelistet: 1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 e6 4.Sc3 exd5 5.cxd5 d6 6.Sf3 g6 7.Lg5 (Uhl-
mann -Planinec, Skopje 1969). Es ist also zu beachten, ob Uhlmann mit Schwarz gegen KIA spielt
oder selber Weiß hat, d.h. Uhlmann-Variante ist nicht gleich Uhlmann-Variante.

286
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

considered more dangerous than Black’s queenside counterplay. However, as


the […] game Vaganian-Nogueiras (Lucern 1997) shows, this line is still
very viable from Black’s point of view.” 385 10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4 La6
13.Se3 a4 14.c4 bxc3 15.bxc3 d4 16.Sc4 (vgl. Vaganian – Nogueiras, Luzern
1997, ½-½).
 Q070-NIC76, S. 228-232 nach 7.e4 0-0 mit der HV-Fortsetzung: 8.Te1 b5
9.e5 Sd7 10.Sf1 a5. „The most important conclusion I arrived at was that the
move a2-a3, which is praised in every book as an adequate answer to…a5-a4,
is just a mistake unless White can continue with c2-c4 in near future and
combine this with the knight sortie f1-e3 (See Sasikiran-Reefat, Kelamakkam
2000). […] Basically, White has two attacking methods: Using his h-pawn to
weaken the dark squares near the black king with h4-h5-h6, or going for a
quick kill with Nf3-g5, Qd1-h5, Nh2-g4, etc.”
 Q072-NORWOOD, S. 26-28, mit den folgenden Partien:
 Damljanovic (2535) - Vukovic (2425), Kladovo 1990, 1-0, mit der HV: 7.e4
b6 8.Te1 Lb7 9.c3 Dc7 10.De2.
 Pablaza (2520) - Parada (2510), Wijk aan Zee 1991, 0-1, mit der HV: 7.e4
Dc7 8.Te1 b6.
 Davies (2475) - Hansen (2460), Graested 1990, 1-0, nach Stellung 7.e4 0-0
folgt die Hauptvariante: 8.Te1 Dc7 „before expanding on the queenside.“
und die Fortsetzung 9.e5 Sd7 10.De2 b5 11.Sf1.
 Granda Zuniga (2510) - Braga (2480), Leon 1990, ½-½, nach 7.e4 0-0 mit
der Fortsetzung 8.Te1 Dc7 „before expanding on the queenside.“ 9.De2 Te8
10.e5 Sd7 11.Sf1.
 Lazic (2495) - Schmittdiel (2455), Dortmund 1990, ½-½, nach Stellung 7.e4
0-0 folgt die Variante: 8.Te1 Sd7 9.De2 dxe4 13.dxe4 Lb7 14.Lxe7 Dxe7.
 Q085-HALL, S. 39-43: 7.e4 0-0 8.e5 Sd7 9.Te1 In this “position White’s
basic strategy is to use the cramping effect of the Pawn on e5 to build up
strong pressure against Black’s King side. The squares f4, g4, g5 and h5 are
especially important for White’s King side piece maneuvers. The Queen
Bishop is usually developed to f4 or g5. The Queen Knight goes to d2 with
the possibility of the thematic maneuver Nd2-f1-h2-g4, increasing the pres-
sure on the King side dark squares. Especially important is the thrust of the

385
Das New in Chess Yearbook 49 von 1998 bringt - unter dem Titel „King’s Indian Attack: Black
castles kingside“ - in 19 von 20 besprochenen Partien die HV 7.e4 8.Te1 9.e5 10.Sf1 11.h4 auf das
Brett. Die Aussage “this line is still very viable from Black’s point of view” ist bis 1997 für gelistete
GM-Partien noch korrekt (10 Partien, Erfolg = 40%/60%, Niveau = 2518/2532), bezüglich des
gesamten Praxissegmentes allerdings nicht, hier punktet Weiß besser (308 Partien, Erfolg =
60%/40%, Niveau = 2332/2325). Alle heute verfügbaren GM-Partien belegen diese Tendenz: Weiß
punktet auf diesen Fall (Typ O4.01 plus o.g. HV) bezogen besser (35 Partien, Erfolg = 57%/43%,
Niveau = 2523/2524).

287
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

h-pawn, which typically moves h5-h6 virtually forcing a concession of more


dark squares after …g6. If Black attempts to prevent [Whites’s] h6 with …h6
there arises concern over the possibility of White sacrificing a piece on the
Black h-pawn with the consequent demolition of the protective Pawn barrier
in front of Black’s King. Black’s strategy will be to advance on the
Queenside, where he can mobilize his pawns in order to create opportunities
for a breakthrough there. Often Black can open the b- and/or c-file to create
avenues for infiltration. Also typical is the march of a-pawn to …a5-a4-a3 to
weaken White’s Queenside dark squares. However, Black’s a-pawn can pre-
vented from reaching …a3 by [White’s] a3, as Black has no useful sacrifice
on White’s a3 as is the case for Black’s h-pawn.” 9...Dc7 „Black hopes to tie
White’s pieces to defense of the e5-pawn.“ […] “more accurate [is 9...b5 fol-
lowed by 10. Nf1 a5 11.h4 b4]” (S. 43)10.De2 b5 “Instead, 10…Nd4 is infe-
rior because after 11 Nxd4 cxd4 12 Nf3 Black’s Queen Pawn [d4] is weak.”
11.Sf1 a5 12.h4 “Now there are three main lines: […]”
 A) 12...b4 13.Lf4 „White develops his Bishop to an active square from
which it exerts masked threats against Black’s Queen on …c7.“ 13...La6
14.Se3 “White centralizes the Knight and threatens in some instances to
sacrifice the Knight on d5 followed e6.” 14...a4 “Of course, not
14…Ncxe5/Ndxe5 15 Nxe5 Nxe5 16 Ng4 f6 17 Nxe5 fxe5 18 Bxe5 with ter-
rific pressure for White on the backward e6-pawn.”
 B) 12...La6 13.Sh2 b4 14.h5 Tfc8 „Hoping to open the c-file and preparing
…Nf8 or …Bf8 to defend the King side.”
 C) 12...Sd4 „Black hopes to exert pressure down the c-file after the exchange
of Knights.” 13.Sxd4 cxd4 14.Lf4 Ta6 „Planning …Rc6, …Ba6, and …Rc8
with terrific pressure.“ 15.Sh2 „The thematic sacrifice on d5 is not effective
here, e.g.; 15 Bxd5 Bb4! 16 Teb1 [m -0.84 Q009-FRITZ11]”.386
 Q087-LUTHER, s.p., GM Luther behandelt in seinem Unterrichtsvideo (das
erste der sechs Sequenzen zum Thema KIA gegen die Französische Verteidi-
gung) die Partie Botvinnik - Uhlmann, Alekhine mem Moskau, 1956, 1-0.
Hier spielt Weiß nach heute bekanntem Muster (Te1, e5, Sf1, h4, S1h2, Lf4),
während Schwarz z.B. mit Tb8 und La6 Zeit verliert, anstatt seinen a- und
seinen b-Bauern zwecks Raumgewinns am Damenflügel vorrücken zu las-
sen387. „Der Gegenangriff am Damenflügel gerät so ins Stocken und der
Königsflügel kann nicht mehr effizient verteidigt werden“.

386
Q085-HALL (S. 42-43) zeigt noch, dass 16.Tec1 bzw. 16.Ted1 wegen 16...exd5 17. e6 Txe6
18.Dxe6 Dxf4 19.Dxd7 gefolgt von 19….Dxc1 bzw. 19...Df3 20 Sh2 Dxd1+ nicht funktionieren.
387
Vgl. z.B. die Partie Nun – Uhlmann, Hradec Králové, 1979, 0-1, in welcher der IM Jiri Nun
(2382) den Altmeister besser nicht in der nach ihm benannten Uhlmann-Variante herausgefordert
hätte.

288
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

 Q094-EMMS01, S. 67 The „King’s Indian Attack is probably most effective,


and certainly most popular, when is played against the French Defence.“ 7.e4
0-0 “This is still Black’s most common choice […]. Black gets his king out
of danger, at least for the time being, and will concentrate on creating coun-
terplay on the queenside.” (S.74) 8.Te1 “Here’s a typical position, White
having just played the move Re1. A characteristic plan of action would begin
with the move e4-e5. This ‘pawn wedge’ on e5 acts as a catalyst for a king-
side attack, as it gives White plenty of space to manoeuvre on the kingside,
and it deprives Black the use of the f6-square, the normal position for a de-
fensive knight. White can follow up e4-e5 with such moves as h2-h4, Nf1,
Bf4, N1h2-g4 and perhaps h4-h5-h6. It’s easy to see how a potentially lethal
attack can arise, especially if Black is not careful.”
 A) S. 75: 8...Dc7 “In anticipation of e4-e5, Black develops his queen to put
extra pressure on that square. There is a question mark, however, as to
whether the queen is well placed here. On the minus side White has tricks in-
volving Nf1, Bf4 and then Ne3xd5. It’s surprising how often this theme
works for White.” 9.e5 Sd7 10.De2 b5 11.Sf1 b4 12.h4 a5 13.Lf4 La6
14.Se3 a4 15.b3
 B) S. 78: 8...b5 “Black’s most popular and ambitious move. Queenside oper-
ations are not delayed any further.” 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4
 C) S. 74: 8...dxe4 “The King’s Indian Attack would lose a lot of its sting if
Black were able to successfully simplify in the centre like this. Fortunately
this exchange almost always helps White more than Black. White now has
more presence in the centre than Black, and after e4-e5 White will be able to
use the important e4-square.” 9.dxe4 b5 10.e5 Sd5 11.Se4 Dc7 12.c3 Lb7
13.Lg5 Lxg5 14. Sexg5 h6
 S. 69-70 mit einer HV 7.e4 b6 “Planning to develop the bishop on a6 or,
more normally, b7. This move is also an indication that Black is more likely
to castle on the queenside.” 8.Te1 Lb7 9.e5 “With this move White blocks
the centre.” 9...Sd7 10.c4 “!? Striking out at the d5-pawn. If this pawn
moves, White will gain possession of the important e4-square. The more tra-
ditional method for White is 10 Nf1 […].” 10...d4 “This advance looks very
natural, but it’s actually quite accommodating to White, who now has posses-
sion of the important e4-square.”
 S. 72 mit der HV 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.c3 „This move is more flexible than
9.e5. White keeps the tension in the centre and begins play on the queenside
in anticipation of Black castling long.” 9...Dc7 10.a3 0-0-0 11.De2 h6 12.b4
„Softening up Black’s queenside pawn structure.“ 12...g5.

289
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Q096-NCO, S. 17 benennt die Hauptvariante 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7


10.Sf1 a5 11.h4 b4 „ “. Die Variante und die Bewertung der Endstellung
stammen von GM Emms.
 Q097-TAIMANOW-GUFELD, nach 7.e4 0-0 8.Te1 folgt die Kommentie-
rung: “Schwarz hat die Wahl zwischen 8...b5 [...] mit aktivem Spiel am Da-
menflügel, 8...b6 [...] sowie 8...Dc7 [...]. Andere Züge können Schwarz nicht
vor Schwierigkeiten bewahren [...].”388
 S. 157-158 mit der Partie Bannik (2175) – Monin (2403), Kiew 1979. In der
Stellung 7.e4 0-0 folgte 8.Te1 b5 „Da die Ereignisse einen scharfen Charak-
ter annehmen und dabei jedes Tempo sehr wichtig ist, scheint der ‚Befesti-
gungszug’ 9.De2 nicht notwendig zu sein.“ 9.a4 „um die gegnerische Bau-
ernkette zu schwächen“ 9...b4 10 exd5 exd5 11.d4 cxd4 12.Sb3 Lb7 13.a5
a6 14.Lf4 Sh5 15.Ld2 Sf6 16.Sfxd4 Sxd4 17.Sxd4 „und die schwarzen Bau-
ern sind auseinandergerissen.“
 S. 161 nach 7.e4 0-0 mit der Variante: 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 a4
„Der Nachziehende deckt etwas zu früh seine Pläne auf (Vorbereitung von
a4-a3), was Weiß erleichtert, die richtige Erwiderung zu finden.” 12.a3 „!?
Weiß möchte den Gegner am Damenflügel zurückhalten und ihm mit dem
eigenen Angriff am Königsflügel zuvorkommen.” 12...b4 13.Sh2 („Einen
unglücklichen Aufbau wählte Schwarz in der Partie Rajkovic – Joachimidis
(Albena 1977): 13...Db6 14.Lf4 f6 15. ef Lxf6 16. Tb1 Sd8 17.Sg4! Ta7
18.Sxf6+ gf 19.d4, und die weiße Stellung ist strategisch gewonnen.”)
 S. 243 mit Hauptvariante: 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 in
der Partie Nun – Uhlmann, Hradec Králové, 1979, 0-1. 12.S1h2 La6 13.Lf4
a4 14.a3 „Beachtenswert ist 14.Sg5 [...] oder auch 14.h5 mit der Absicht h5-
h6.” 14...ba 15. ba „Schwächer ist 15.Txa3 wegen 15...c4! 16.Txa4 cd 17. cd
Sc5 18.Ta3 Db6!, und Schwarz hat angesichts der weißen Schwächen d3 und
b2 trotz des Minusbauern die besseren Chancen.”
 S. 162 mit Variante: 7.e4 0-0 8.Te1 b6 „Eine etwas passive Fortsetzung.”
 S. 164 mit der Variante: 7.e4 0-0 8.Te1 Dc7 „Auf diese Weise kann Schwarz
den Vorstoß e4-e5 nicht verhindern. Die Damenstellung auf c7 ist, wenn der
Nachziehende bereits kurz rochiert hat, ungünstig, weil die Kontrolle über
den Königsflügel geschwächt wird.” 9.e5 „Positionell unbegründet ist 9.c3
wegen 9...de 10. de e5 11.Sf1 Td8.” 9...Sd7 10.De2 b5 11.h4 a5 12.Sf1 La6
13.Lf4 „Der weiße Angriffsplan ist klar: entweder Vormarsch des h-Bauern
oder Überführung des Springers f1 nach g4 oder auch das Manöver Sf3-g5
und darauffolgende Heranführung der Dame nach g4 oder h5.”

388
Im GM-Segment gibt es bisher nur eine einzige Partie mit 8...b6: Ljubojevic – Kortschnoi, Sao
Paulo 1979, ½-½.

290
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

 S. 165 nach 7.e4 0-0 mit der Variante: 8.Te1 Dc7 9.e5 Sd7 10.De2 f6
11.Sxf6 „(ein unbegründeter Zug, da Schwarz dem Gegner den Punkt e5
überläßt [vgl. Ciocaltea – Inkjow, Balkaniade, 1974])”.
 S. 166 mit der Hauptvariante: 7.e4 b6 „Diese Fortsetzung wurde in den 70er
Jahren recht populär. Schwarz beendet die Entwicklung und legt die endgül-
tige Aufstellung seines Königs vorerst noch nicht fest. Er hält sich die Mög-
lichkeit der kurzen als auch der langen Rochade noch offen.“ 8.Te1 Lb7 9.c3
Dc7 10.De2 „Die gebräuchliste Antwort, mit der die Spannung im Zentrum
erhalten bleibt.“
 S. 169 mit der Hauptvariante: 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 9.e5 Sd7 „Unverhofft wur-
de der Bauer e5 zum Angriffsobjekt des Nachziehenden. Jetzt droht schon
10... g5.“ 10.h4 „Das natürliche 10.c3 bringt nichts ein wegen 10...Dc7!, und
nun geht 11.d4 nicht, da Schwarz nach 11...cd 12. cd Sb4! 13.Te3 Dc2! Bes-
ser steht.“ 10...Dc7 11.De2 h6 12.Sf1 „Weiß verhindert 12...g5 und bereitet
c2-c3 und d3-d4 vor.“
 Nach 7.e4 folgt auf S. 170-171: „Außer 7...0-0 und 7...b6 verfügt Schwarz
noch über andere Fortsetzungen, von denen 7...a5!?389 Die interessanteste ist.
Schwarz legt seine Königsstellung noch nicht fest und will dem Gegner mit
seiner Initiative am Damenflügel zuvorkommen.“ 8.e5 Sd7 9.Te1 Dc7
„Schwarz richtet sein Gegenspiel auf den Punkt e5. Durchaus möglich ist
9...a4 mit aktivem Spiel am Damenflügel. In der Partie Assanow - Tschet-
scheljan (Moskau 1979) [Partie nicht in Q004-MEGABASE] verband
Schwarz ein aktives Bauernspiel am Damenflügel mit der Langen Rochade.
Nach 10.h4 h6 11.h5 Dc7 12.De2 b5 13.Sf1 Lb7 14.S1h2 Sb6 15.Sg4 0-0-0!?
16.a3 La6 17.Ld2 Kb7 18.b3 Ka7 ergab sich ein lebhaftes Spiel mit beider-
seitigen Chancen.“ 10.De2 g5 „!? Darin liegt der schwarze Angriffsplan ge-
gen den Bauern e5 begründet.“
 Q098-KEENE, S. 108: “White’s strategy is clear - he will advance his
e-pawn to e5 - using it as a spearhead to cramp Black’s kingside while he
masses his pieces for the assault with moves like Bh3, Qe2, Nf1-h2 (or e3-
g4, Bf4-g5, h4-h5-h6, etc.) In some cases White will also advance his f-
pawn, while there are sacrificial possibilities of Nxd5 and Nf6+ which must
be taken into account […] Black’s counterplay resides in a rapid queenside
strike b5-b4-a5-a4-a3 attempting to create openings for his Knights on c3 and
d4. In special circumstances Black can also play f6, destroying White’s ad-
vance post on e5 - but this can only be successful when White has played in-
accurately, for otherwise the positional weaknesses created would be fatal.

389
Diese Fortsetzung 7...a5 hat in Theorie und Praxis bisher keine Relevanz. Taimanow selbst
bemerkt hierzu: „Das Fehlen einer breiteren praktischen Erprobung erlaubt es nicht, die zu erwarten-
den Verwicklungen genau einzuschätzen.“ (S. 172)

291
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

[see Geller - Bagirov, Leningrad 1963, 1-0, …] As a rule, it is safer to leave


the black Queen on d8 rather than place it on c7 where it invites Nxd5 and e6
sacrifices […]. Black must also beware of opening up the queenside and then
losing control of vital files to his opponent […].”
 Auf S. 108 mit der Partie Tringov - Lee, The Hague 1966, 1-0 und der Fort-
setzung: 7.e4 0-0 8.Te1 b5 „The most active. Black leaves his Queen on d8
to guard the kingside and flings forward his queenside pawns.“ 9.e5 Se8
10.Sf1 a5 11.h4 a4 12.Lf4 „Over-protecting e5 in good Nimzoitsch style.“
12...a3 13.b3 Lb7 „13...b4 followed by Na7-b5-c3 is an interesting alterna-
tive.” 14.S1h2 d4 “Planning to use d5 as a base for the Ne8.” 15.h5 “White’s
kingside attack is based on h5-h6 followed by Bg5, weakening the dark
squares and creating points of entry for the Knights.” 15...Sc7 16.h6 g6
17.Dd2 Sd5 18.Lg5 Scb4 19.Lxe7 Dxe7 20. g5 „!“ Kh8 21.Se4 Ta7 22.Sg4
La8 23.Tec1 ”White intends the exchange of all the knights and then open
the c-file. In the resultant major piece ending, Black will be continually ham-
pered [behindert] by the unfortunate situation of his King”.
 Auf S. 111: „White has an excellent alternative method to the attacking plan
h4-h5-h6 followed by the exchange of darksquared Bishops and infiltration
with the Knights. The other method - which is more fluid and possibly
stronger - depends on piece play. White leaves his pawn on h4 and follows
with Bf4-Nf1-e3-Ng5 and Qh5.” Zum Beispiel in der Partie J. Flesch - G.
Kluger, Ungarn 1966, 1-0. Nach 7.e4 0-0 folgt die Hauptvariante 8.e5 Sd7
9.Te1 b5 10.h4 a5 11.Sf1 b4 mit der Fortsetzung: 12.S1h2 a4 13.Lh3 a3
14.b3 c4 15.d4 cxb3 16.cxb3 Sa7 17.Sg5 Db6 18.Le3 Lxg5 19.hxg5 Sb5
20.Dh5 La6 21.Sg4 Kh8 22.Sf6 gxf6 23.gxf6 Sc3 24.Lh6 „A very simple
game to understand. White’s strategy succeeds too easily.“
 Auf S. 109 kommentiert GM Keene die Partie Gheorghiu - Uhlmann, Sofia
1967, 1-0 nach dem Stellungsbild 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5
11.h4 b4 12.Lf4 wie folgt: 12...a4 13.a3 „!? Fischer’s idea from his game
against Miagmasuren at Sousse. White avoids the black square weaknesses
that result from Black’s playing a3 himself.“ 13...bxa3 14.bxa3 La6 15.Se3
Sd4 “Gheorghiu considers this an improvement on Miagmasuren’s
15...Na5.“ 16.c4 “! The only way for White to obtain the advantage is to de-
stroy Black’s centre in this fashion. Gheorghiu’s manoeuvre involves an ex-
change sacrifice, but this is amply rewarded by increased central control.“
16...Sb3 17.cxd5 “!” 17...Sxa1 18.Dxa1 exd5 19.Sxd5 Lxd3 „? A serious
mistake. Black must attempt to relieve the pressure with Sb6!, after which it
is not clear that White has forced winning lines.“ 20. e6 “!”.
 Auf S. 112-113 unterscheidet Keene günstige und ungünstige Umstände, in
den Schwarz f6 spielen kann. Die Partie Yurkov - Donchenko, Moskau 1964,

292
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

½-½ errreicht die Stellung 7.e4 0-0 und es folgte: 8.Te1 Dc7 9.e5 „? Prema-
ture. Qe2 is more accurate.“ 9...Sd7 10.De2 f6 „!“. In der Partie Petrosian,
T.V. - Barcza, Budapest 1952, 1-0 bewertet Keene den Zug f6 von Schwarz
als Fehler: 7.e4 0-0 8.Te1 b6 9.e5 Sd7 10.Sf1 La6 11.h4 De8 12.Lh3 Ld8
13.Lf4 Lc7 14.S1h2 Sd8 15.Dd2 d4 16.Lg2 Lb7 17.Te2 Sc6 18.Tae1 b5
19.c3 dxc3 20.bxc3 b4 21.cxb4 Sxb4 22.Sg4 Sd5 23.Lg5 Kh8 24.Sfh2 Tb8
25.h5 f6 „? Black seeks to redeploy his Queen on a more active front. How-
ever, his position is now reduced to a collection of pawn weaknesses and
White’s solid set-up easily repulses his meagre [dürftige] threats. Correct was
25 …Bd8 26 h6 g6 when Petrosian would have been obliged [gezwungen
wird] to switch his forces to the queenside to gain more ground.”390
 Auf S. 115: Keene nennt Beispielpartien in denen Schwarz hauptsächlich den
Plan b6, 0-0-0, g5 verfolgt (Troianska - Jovanović391, Lee - Alzate, Jovanović
- Ranniku, Mestrović - Trifunović) und in denen Weiß über ein Remis nicht
hinausgelangt, weil “in all these examples White’s play is too passive. Moves
like c3 and h4 should be avoided. White’s best plan is Qe2 and c4 [...].“
 Auf S. 117 benennt Keene eine Beispielpartie (Stein - Klovans, Leningrad
1963, 1-0), in der Schwarz die Spannung im Zentrum durch dxe4 aufhebt,
bevor Weiß e4-e5 spielen kann: 7.e4 0-0 8.Te1 Dc7 9.Sf1 dxe4 10.dxe4 Td8
11.De2 Sd4 12.Sxd4 cxd4 13.e5 Sd5 14.a3 Ld7 15.Dd3 La4 16. Le4 f5
17.exf6 Sxf6 18.Lf4 „Black has too many weaknesses.“
 Q104-EVANS, bespricht ab S. 39 die Partie Evans – Sherwin, New York
1954/55, 1-0. Zum Stellungsbild 7.e4 0-0 kommentiert der Autor: „This has
come to be known as the ‚long variation’ because the resulting middle game
positions have been deeply analyzed. [Note that it] can result from either the
French Defense […] or the Sicilian, which gives this key position great sig-
nificance.” (S. 51) 8.c3 “In the old days it was not yet known that this is in-
accurate because it provides Black with a ready target after …b5-b4. White
should leave the Queenside strictly alone unless it is absolutely necessary to
stop Black from crashing through on that wing. The question, of course, is
whether 8 R1 or 8 e5 is more precise, or whether it makes any difference at
all! The advantage of 8 Te1, apart from being a handy waiting move, is that
8 …Q7 9 e5 Nd7 transposes into the ‘long line’, where Black often prepares
to save a tempo by not moving his Queen to c7. […An] argument against
8 Re1, [is] when 8 …dxe4 9 dxe4 e5 10 d3 Qc7 11 Qc2 transposes into a

390
Fritz 11 sieht in 25...f6 die beste Fortsetzung für Schwarz, aber trotzdem mit klarem Vorteil für
Weiß (+/- 0.84 in Tiefe 18). Die Schach-Engine bescheinigt Weiß nach 25...Ld8 26.h6 g6 ebenfalls
klaren Vorteil (+/- 0.89 in Tiefe 18).
391
In Q004-MEGABASE ist Blagojević statt Jovanović angegeben. Vermutlich ein Namenswechsel
wegen Heirat.

293
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

standard King’s Indian Defense where White’s extra move is hard to exploit,
although he is very comfortable.” 8...Tb8 […]
 S. 55-59: 7.e4 0-0 8.e5 Sd7 9.Te1 b5 “Black has learned his lesson and loses
no time with the Queen, which is exposed to tactical threats on c7.” 10.Sf1 a5
11.h4 b4 “the die is cast [die Würfel sind gefallen]. If Black can safeguard
his Kingside, his counterattack can become very strong.“ 12.Lf4 a4 13.a3
“!Fischer introduced this move against Miagmarsuren at the Sousse Interzon-
al 1967.” GM Evans zitiert GM Bobby Fischer (ohne Quellenangabe):
“Believe it or not, I actually spent more time on this innocuous [harmlos]
push (15 minutes) than on any other move in the game! I didn’t want to allow
Black to get in …a3 thereby creating ‘holes’ (weak squares) on c3 and a3. On
the other hand, by stopping to meet his positional threat I am forced to post-
pone [zurückstellen] my own schemes for at least one move. Chess is a mat-
ter of delicate judgement, knowing when to punch and how to duck.”
13...bxa 14.bxa “Up to here I think we can safely say both sides have made
their best moves.”
 Q106-DAVIES, s.p., bespricht ab Stellungsbild 7.e4 b6 8.Te1 Lb7 die Partie
Psakhis – Paunovic, Minsk 1986, 1-0. „White having played this move Re1
expecting to be going e5 with the usual thing 9...Sd7 10.Nf1 et cetera but
here is actually a little bit of a problem because Black hasn’t castled kingside.
He has the option of playing g5 either now or in a couple of moves time. This
can be very dangerous for White.” 9.a3 “A waiting move (9.e5 Nd7 10. Nf1
Qc7 11. Qe2 g5 to undermine e5).” 9...Dc7 10.c3 “Another waiting move.”
10...0-0 “10...0-0-0 11.De2 Sd7 12.b4 to nibble away Black’s queenside
pawn structure. Another way for Black is 10...a5 11.a4 0-0 12.e5 a good
move 12...Sd7 13.De2 to defend e5 13...Tfe8 14.Sf1 f5 a move which White
stopped sometimes with bringing the bishop to h3; f6 or f5 is often weaken-
ing if White takes it 15.exf6 Lxf6 16.Sg5 Sf8 17.h4” 11.e5 “Now …g5 would
disastrous weaken Black’s King.” 11...Sd7 12.d4 cxd4 13.cxd4 Sa5 14.Sf1
Tfc8 […].
 Nach 7.e4 0-0 folgt in der Partie Fischer (2780) - Lhamsuren Myagmarsuren
(2300), Sousse 1967, 1-0: „Seen that Black has committed his King to the
kingside Whites goes …” 8.e5 “and drives the Knight on f6 away.” 8...Sd7
“Now what is White’s plan in this position after Nd7? First of all he has to
make sure that the e5-pawn is well defended [9. Re1] and his idea is [to pre-
pare himself] for a Kingside attack [with the typical manoeuvre] Nf1-Bf4-h4-
Qe2 and the Knight on f1 might come to either e3 or h2 and then going on to
g4.” 9.Te1 b5 “Black meanwhile will advance at the Queenside in order to
trying gain space there and hopefully open lines. His typical manoeuvre is
b5-a5-b4-a4 and a3 if he can. [After White goes b3 now Black tries to move

294
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

his Knight from c6 to a7-b5-c3.] In this game Fischer actually stops this plan
as we will see later.” 10.Sf1 b4 11.h4 a5 12.Lf4 a4 13.a3 “I’ve intended to
allow Black to go to a3 and then reply with b3, but I’m not Bobby Fischer.”
13...bx3 14.bxa3 Sa5 “I agree to other commentators which felt that this was
a mistake that the Knight going offside here. Probably 14...Nd4 would have
been rather better. 15. Nxd4 cxd4 16. Nd2 and Nf3 to put pressure to the
pawn on d4. And both sides having chances.”
 Q109-SEIRAWAN, S. 210: “Black is happy with his central gains and plays
to strengthen his center. […] By now White’s play should be quite familiar.
He will […] use his e-pawn as a battering ram.” Es folgt die Kommentierung
der Hauptvariante: 7.e4 0-0 “As White, this was one of Bobby Fischer’s fa-
vorite positions, which he used to score a number of fine wins.[392] While the
center is not locked, it soon will be. The players pursue different plans: White
will go Kingside, Black Queenside.” 8.Te1 b5 “Black gains space on the
Queenside while planning to launch a pawn storm.” 9.e5 Sd7 10.h4 “This is
a key move in White’s plan of attacking Black’s King. The g5-square is to be
used as a likely stepping stone and the h2-square is cleared for reasons that
will soon become apparent:” 10...b4 11.Sf1 a5. Ab hier sieht GM Seirawan
folgende Fortsetzung: 12.S1h2 a4 13.Lf4 „Practice has shown that White has
the better chances.“
 Q117-RYBKABOOK, s.p. nach 7.e4 sind keine weiteren “grünen” Züge
markiert, d.h. keine Züge, die die Engine – unabhängig davon, was die Statis-
tik sagt – ziehen muss. Im Test hat sich Rybka für 7…0-0 8.Te1 Dc7 ent-
schieden.
 Q122-BREUTIGAM, S. 216-221. Die Internetpartie Kindermann – Lutz,
2002, 0-1 wird interessanter Weise live von den beiden GM selbst kommen-
tiert. Die Partie beginnt mit 1.e4, erreicht aber im 7.Zug den Aufbau des
KIA-Typs O4.01 (nach 7.e4 0-0). „Christopher Lutz: Sizilianisch ist meine
bevorzugte Eröffnung gegen 1.e4. […] Stefan spielt also nicht 3.d4 mit
Übergang in den normalen offenen Sizilianer. Stattdessen spielt er den so ge-
nannten königsindischen Angriff, der nach 2... e6 nicht ganz ungefährlich für
Schwarz ist. Stefan Kindermann: Der königsindische Angriff, immer wieder
totgesagt, immer wieder gefährlich... Christopher Lutz: […] Die weißen Chan-
cen in dieser Variante liegen in der Regel am Königsflügel. Er wird e4-e5 folgen
lassen und hat dann dort Raumvorteil. Stefan Kindermann: Christopher spielt
ganz klassisch, die so genannte Uhlmann-Variante. Es sieht so aus, als wür-
de Weiß sehr gute Angriffschancen bekommen, in Wirklichkeit ist die Sache
aber gar nicht klar, Schwarz hat viele Konterchancen. Christopher Lutz: […]

392
In Q004-MEGABASE findet man genau drei Gewinn-Partien: Fischer - Feuerstein (1957), Fi-
scher - Myagmarsuren (1967) und Fischer - Geller (1968).

295
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Der schwarze Plan dagegen ist die Expansion am Damenflügel mit …b7-b5,
…a7-a5 und …b5-b4.“ 8.e5 Sd7 9.Te1 b5 10.Sf1 a5 11.h4 b4 „Christopher
Lutz: Der weiße Plan ist etwas einfacher als der schwarze - er spielt Sf1-h2,
Lc1-f4 und dann Sh2-g4 oder Sf3-g5 und Dd1-h5 und matt. Aber soweit
will ich es natürlich nicht kommen lassen. Es wird auf jedenfalls eine scharfe
Partie. Stefan Kindermann: Das Prinzip ist klar, Schwarz stürmt am Da-
menflügel vorwärts und will dort Linien öffnen. Manchmal muss Weiß
auch auf ...Sd4 aufpassen. Weiß setzt natürlich auf Königsangriff. Uhl-
mann war als Schwarzer mit dieser Variante immer sehr erfolgreich, nur
einmal hat er gegen Bronstein in 16 Zügen verloren.“ Nach der Partie fügte
GM Lutz (=RR) folgenden Kommentar hinzu: „RR: Das schwarze System
genießt kein allzu hohes Vertrauen, da Weiß oft glanzvolle Siege erringen
konnte. Bei umsichtiger Verteidigung hat Schwarz aber meines Erachtens
gute Chancen, z.B. 12.h5 La6 13.h6 g6 14.S1h2 a4 15.Lf4 Lb5 16.Sg4
Sd4 17.Sgh2 Tc8 18.Lf1 Tc6 19.c4 bxc3 20.bxc3 Sxf3+ 21.Sxf3 Tb6
22.Dd2 Lc6 23.Lg2 d4 24.c4? Lxf3! 25.Lxf3 g5 26.Kh2 Kh8 27.Tg1 Tg8
28.Lh5 Df8 und 0:1 in Rubinetti - Uhlmann, Mar del Plata 1966 […]. Die
Partie, auf die sich Stefan bezog, war 12.Lf4 La6 13.Sg5 De8 14.Dg4 a4
15.Sxe6 und 1:0 in Bronstein - Uhlmann, Moskau 1971.“ 12.S1h2 La6 „Stefan
Kindermann: Jetzt muss ich auch manchmal auf c5-c4 aufpassen, wenn mög-
lich zieht Weiß dann mit d3-d4 vorbei. Weiß hat mehrere nützliche Züge, die
Frage ist nur, welche Reihenfolge? Christopher Lutz: Weiß muss am Damen-
flügel möglichst stillhalten, er sollte abwarten, was Schwarz dort unter-
nimmt. Sein Spiel verläuft eindeutig am Königsflügel.“ 13.Lf4 a4 14.a3
„Stefan Kindermann: Dieser Stopper stammt von Fischer, gilt heute wohl als
Bestes […].“ 14…Lb5 15.h5 „Christopher Lutz: Der weiße h-Bauer ist ein läs-
tiger Geselle. In einer normalen französischen Struktur würde Schwarz
jetzt ...h6 spielen, um den Bauern am weiteren Vorrücken zu hindern. In
dieser Stellung wäre, …h6 aber nicht gut, da Weiß dann schnell Sg4 nebst
Opfer auf h6 folgen lassen würde. Dann ginge es mit Schwarz schnell den
Bach herunter. Daher muss Schwarz das Vorrücken des Bauern nach h6 zu-
lassen - jetzt sind starke Nerven gefragt. Ich kann mich nicht mehr genau er-
innern, was hier jetzt eigentlich normalerweise geschieht - jetzt muss ich
selbst anfangen zu denken! Stefan Kindermann: Weiß darf nicht zu früh den
Springer h2 nach g4 ziehen, damit er nach …Sd4 tauschen und Sf3 ziehen
kann. Jetzt könnte Christopher mit ...c5-c4, d3-d4, …c4-c3 durchbrechen
und sich einen a-Freibauern machen, dafür verliert er dann etwas Dynamik.
Jetzt geht die Partie richtig los, bin gespannt, welchen Plan Christopher
wählt. Zumindest scheint die Sache auch für Christopher nicht eindeutig
zu sein, dachte schon, ich wäre der Einzige, der nicht durchblickt. RR:
15.Sg5 ist der prinzipiell andere Plan für Weiß, aber Uhlmann hat dagegen

296
O4.01 Schwarze Bauernkette f/e/d

ein raffiniertes Defensivmanöver entwickelt: 15...De8! Scheinbar setzt Weiß


nach 16.Dh5 Lxg5! 17.hxg5 auf der h-Linie matt, aber 17…f5! greift die
Dame an, weshalb Weiß nicht den f-Bauern en passant schlagen kann. Nach
Damentausch auf e8 oder Rückzug der Dame hat er aber keinerlei Angriffs-
chancen mehr am Königsflügel. Schwarz steht gut. Zwar umginge 17.Dxg5
diesen Trick, Weiß bekäme aber ebenfalls weniger Angriffschancen. Interes-
sant ist aber 16.c4! bxc3 17.bxc3, z.B. 17…h6 18.c4 hxg5 19.hxg5 La6
20.Dh5 Sd4 21.Sg4 oder 20.cxd5 exd5 21.Lxd5 Sb6 22.Le4 Td8 23.Dh5 g6
24.Dh6 Lxd3 25.Sg4.“ 15...Tc8 „Christopher Lutz: Ich weiß jetzt nicht, ob
das der richtige Zug ist. Ich will ...Sd4 vorbereiten, und dann - falls Weiß auf
d4 tauscht - Druckspiel auf der c-Linie erzeugen. Stefan Kindermann: Aha,
Christopher hält sich verschiedene Optionen offen: ...c4 oder ...Sd4, zumin-
dest der nächste Zug ist klar, ebenso wie die schwarze Antwort.“ 16.h6 g6
„Christopher Lutz: Ich muss natürlich den Königsflügel geschlossen halten.
Andererseits ist der Bauer h6 nun ein Sargnagel in der schwarzen Stellung.
Ich muss schauen, dass ich die schwarzen Felder g5, f6 und g7 unter Kontrol-
le halte, sonst wird es eng. Jetzt muss Stefan überlegen, wie er weiterkommt.
Ein Tausch der schwarzfeldrigen Läufer wäre natürlich für ihn wünschens-
wert, aber wie soll er das erreichen? Er könnte jetzt 17.Dd2 spielen, dann
Sh2-g4, um den Bauern e5 zu decken, und dann Lf1-g5. Was spiele ich
dann? Eine Idee nach 17.Dd2 ist vielleicht 17...Kh8 nebst ...Tg8 und …g5,
um den Läufer f4 zu erobern. Uhlmann hat einmal so ähnlich gewonnen.
Aber ob ich das so hinbekomme? Stefan denkt jetzt auch sehr lange nach, die
Stellung ist einfach sehr schwierig. Stefan Kindermann: Auf den h-Bauern
setzt Weiß natürlich seine Hoffnungen. Diese Art von Stellung ist sehr selt-
sam, zwar geht es meistens für Weiß nicht direkt weiter, aber gerade wenn
Schwarz die Stellung öffnet, kann sich das gegen ihn richten und Weiß plötzlich
Mattangriff bekommen. Gerade im Endspiel ist der Bauer auf h6 oft sehr läs-
tig für Schwarz. Sehr schwierige Stellung, das kostet Zeit. Der nächste Zug
kann viel entscheiden. RR: Ich beziehe mich hier auf die Partie Rubinetti – Uhl-
mann […].“ 17.Dc1 „Christopher Lutz: Aha, er hat jetzt endlich gezogen. Wa-
rum hat er die Dame nach c1 anstatt nach d2 gespielt? Eine Idee für
Schwarz ist ...Sd4, allerdings ist dies hier noch nicht so effektiv, da der
Springer h2 auf f3 wiederschlagen kann, ...Sd4 ist erst dann gut, wenn
Weiß den Springer h2 nach g4 gespielt hat. Andererseits ist mir nicht klar,
was ich eigentlich spielen soll. Vielleicht noch einen Abwartezug. Ich über-
lege an 17...Kh8, dann geht Lf4-g5 noch nicht, weil ich nach ...Lxg5,
Sf3xg5 auf e5 den Bauern nehmen kann. Wenn er nach 17...Kh8 aber
18.Sg4 spielt, dann kann ich vielleicht...Sd4 spielen. Stefan Kindermann:
Sehr schwierig, jetzt steht die Dame nach ...Sd4 zwar nicht optimal, dafür
aber relativ günstig für den schwarzen Plan mit ...c5-c4, den ich für gefährli-

297
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

cher halte. Wichtig ist, dass ich auf ...b4-b3 c2-c4 spielen kann. Wenn
Schwarz ‚nichts macht’, will ich natürlich Sh2-g4 und Lf4-g5 spielen, aber
es wird wohl ... Sd4 oder ...c5-c4 kommen!? Auf ...Sd4 will ich übrigens
wohl a3xb4 spielen, das zwingt ihn, auf f3 zu tauschen, dann mache Dc1-
d2.“ 17…Kh8 „Stefan Kindermann: Geniale Prophylaxe! Er will andeuten, dass
ich doch keinen nützlichen Zug habe, nach Sh2-g4 ist dann ...Sd4 stärker,
weil mir der Springer h2 später für f3 fehlt. Das wünschenswerte Lg5 geht
natürlich nicht, weil dann e5 fällt. Christopher Lutz: Ich habe die ganze Zeit
über das weiße Spiel am Königsflügel geredet und die schwarzen Verteidi-
gungsmöglichkeiten dagegen. Das schwarze Spiel am Damenflügel habe
ich bislang kaum erwähnt. In der tat muss Schwarz in dieser Variante zu-
nächst etwas defensiv agieren, um dann langfristig auf seine Chancen am
Damenflügel zu vertrauen. Weiß hat es nämlich auch nicht so leicht, Fort-
schritte zu machen.“ 18.Lf1 „Christopher Lutz: Stefan macht auch einen War-
tezug. Was nun? Er hat jetzt d3 gedeckt, falls er mal den c-Bauern ziehen
sollte. Ich könnte jetzt ...Tg8 spielen, mit der Idee ...g5. Aber dann geht
19.Lg5! mit der Idee 19...Lxg5 20.Sxg5 Sdxe5 21.f4!, und wenn der Springer
dann von e5 wegzieht, schlägt der weiße Springer auf f7, mit Matt. Stefan
Kindermann: Schaut komisch aus, aber ich will den Status quo halten.
Manchmal ist es nützlich, dass d3 gedeckt ist, wenn er ...c4 spielt, kann ich
d3-d4 antworten, ohne dass ...c3 geht. Vielleicht muss er jetzt auch manch-
mal mit c2-c4 rechnen. Aber der Läufer kann später auch auf g2 sehr feh-
len... Manchmal hat er jetzt Ideen mit ...f6 oder ...f5, das ist aber natürlich
sehr zweischneidig.“ 18…Tc7 „Christopher Lutz: Noch ein Abwartezug. So
habe ich auch den Punkt f7 noch einmal gedeckt, das könnte wichtig werden,
wenn ich ... Tg8 spielen will. Zugegeben, das ist jetzt etwas abstrakt ge-
dacht. Wenn ich noch einmal am Zug wäre, könnte ich jetzt ...Tg8 spielen
und nach Lf4-g5 geht dann ...Sdxe5 und falls dann Sxe5, so ...Lxg5, und
der Springer e5 kann nicht auf f7 schlagen, da der Turm c7 diesen Bauern
deckt. Stefan Kindermann: Gemein, er will immer die Karten noch nicht auf
den Tisch legen und mir die Entscheidung überlassen! 19.c4 ist jetzt ganz in-
teressant, aber er kann tauschen und ...Sa5 ziehen, wenn sich so etwas als
schlecht herausstellt, fühlt man sich ganz blöd…“ 19.c4 „?! Christopher
Lutz: Er verliert die Nerven und macht etwas am Damenflügel. Mir soll es
recht sein. Stefan Kindermann: Tja, Nerven verloren. Ich will nach Tausch
und ...Sa5 dann Ta2 spielen, seltsame Stellung. RR: Nach diesem Zug be-
kommt Schwarz langsam die Oberhand, da er am Damenflügel Fortschritte
gemacht hat, während Weiß weiterhin nichts erreicht. Vielleicht kam ein
Wartezug wie 19.Kh1!? in Frage, wonach beide Seiten kaum die Stellung
verändern können.“

298
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 21 2511/2505 38/ 48/ 41 62/38
gSN 2100-2449 186 2302/2261 44/ 31/ 25 59/41
All ------------- 756 2241/2177 45/ 26/ 29 58/42
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


13, 046%: 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 (= -0.08)
06, 058%: 7.e4 Sc6 8.Te1 Dc7 (= 0.03)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


58, 066%: 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4
29, 060%: 7.e4 Sc6 8.Te1 Dc7 9.e5 Sd7 10.De2 b5 11.Sf1
24, 050%: 7.e4 Sc6 8.Te1 Dc7 9.c3
22, 075%: 7.e4 Sc6 8.Te1 dxe4 9.dxe4 e5
25, 048%: 7.e4 Sc6 8.c3

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


131, 65%: 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4
230, 61%: 7.e4 Sc6 8.Te1 Dc7 9.e5 Sd7 10.De2
103, 54%: 7.e4 Sc6 8.Te1 Dc7 9.c3
077, 71%: 7.e4 Sc6 8.Te1 dxe4 9.dxe4 e5
081, 60%: 7.e4 Sc6 8.Te1 b6
137, 50%: 7.e4 Sc6 8.c3

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen gut.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: C00.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: IM Jerzy
Kostro, ELO 2305, 5 Partien, 50% Erfolg.
 Nach 7.e4 Sc6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O4.01.

299
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Im Vergleich zu O4.01 hat Schwarz in diesem Stellungstyp die kurze Rocha-


de frühzeitig durchgeführt, was in dieser Stellung gemäß Statistik zunächst
ungüstig für Schwarz zu sein scheint.
 GM Luther bezeichnet die Partie Botvinnik - Uhlmann, Alekhine mem
Moskau 1956, 1-0 als erste seiner Form, welche auf hohem Niveau gespielt
wurde. In der Spielweise von Botvinnik sieht er ein „absolutes Lehrbeispiel
für den Königsindischen Angriff“ (vgl. Q087-LUTHER). Die Lehren aus
dieser Partie zeigen sich in der später nach GM Uhlmann benannten „Uhl-
mann-Variante“.
 Nach 7.e4 Sc6 wird die Fortsetzung 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4
als „Uhlmann-Variante“393 - nach dem GM Wolfgang Uhlmann - bezeichnet
(vgl. hierzu z.B. Q070-NIC76, S. 228).
 In diesem Stellungstyp verfolgt Weiß das Ziel, einen Königsflügelangriff
durchzuführen. In der Planung des Weißen sind folgende Züge als „Stan-
dardstrategie“ vorgesehen: e5, Sf1, h4, Lf4, Sg5, Dh5, wobei die Gegenmaß-
nahmen des Schwarzen am Damenflügel berücksichtigt werden müssen. GM
Larry Evans empfiehlt: „White should leave the Queenside strictly alone un-
less it is absolutely necessary to stop Black from crashing through on that
wing. The question, of course, is whether 8 Re1 or 8 e5 is more precise, or
whether it makes any difference at all!”
 GM Emms (Q063-EMMS05, S. 17) und IM Dunnington (Q008-
DUNNINGTON98, S. 42) haben in ihren Büchern auf den schwarzen Zug
10...f6 hingewiesen. Dieser Zug spielt in der Theorie zwar (noch) keine Rol-
le, sollte aber auf dem Weg der Hauptvariante beachtet werden, da er bereits
von GM Baramidze getestet wurde.
Beispielpartien
Sasikiran (2601) - Zaw (2537), Jakarta 2001, C00, ½-½: 1.Sf3 Sf6 2.g3 e6 3.Lg2 d5
4.0-0 Le7 5.d3 0-0 6.Sbd2 c5 7.e4 Sc6 8.Te1 dxe4 9.dxe4 e5 10.c3 Lg4 11.h3 Lxf3
12.Dxf3 Sb8 13.Sc4 Sbd7 14.a4 Dc7 15.Lg5 Tfe8 16.h4 Tad8 17.h5 h6 18.Lc1 Sb6
19.Se3 Sc8 20.Sc4 Sb6 21.Lf1 Sxc4 22.Lxc4 Tf8 23.Df5 Dc8 24.Dxe5 Ld6 25.Df5 Dxf5
26.exf5 Sxh5 27.Le3 Sf6 28.Tad1 Tfe8 29.Te2 Lf8 30.Ted2 Txd2 31.Txd2 Te4 32.b3 Te8
33.Lf4 Le7 34.Kf1 Kf8 35.Td3 Td8 36.Ke2 Se4 37.Le3 b6 38.Txd8+ Lxd8 39.Kd3 Sd6
40.Lf4 Lc7 41.Ld5 Ke7 42.g4 Se8 43.Le3 Sd6 44.b4 cxb4 45.cxb4 h5 46.f3 hxg4 47.fxg4
f6 48.Le6 g6 49.Kd4 gxf5 50.gxf5 Se8 51.Kc4 Ld6 52.Ld4 Sc7 53.Lc8 Le5 54.Le3 Kd6
55.Lb7 Se8 56.Le4 Kd7 57.Ld2 Sd6+ 58.Kd5 Sxe4 59.Kxe4 Kc6

393
Hinweis: in Q084-HOOPER-WHYLD (S. 466 Variante 287) wird die folgende Zugfolge als
„Uhlmann-Variation“ gelistet: 1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 e6 4.Sc3 exd5 5.cxd5 d6 6.Sf3 g6 7.Lg5 (Uhl-
mann - Planinec, Skopje 1969). Es ist also zu beachten, ob Uhlmann mit Schwarz gegen KIA spielt
oder selber Weiß hat, d.h. Uhlmann-Variante ist nicht gleich Uhlmann-Variante!

300
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 15 „Dieses Verteidigungssystem ist eines der
theoretisch kritischsten, es gibt noch immer einige ungelöste Probleme für
beide Seiten. Allgemein gesprochen, versucht Schwarz seine Damenflügel-
bauern nach vorne zu stoßen, um Linien für das Gegenspiel zu öffnen. Die
Bauernkette d5/e6, die von der französischen Herkunft dieses Systems zeugt,
gewährleistet ein solides Zentrum, das zu knacken nicht leicht fällt.“394
 S.87-90 nach 7.e4 Sc6 8.Te1 folgt 8...b5 „Die beste Fortsetzung für Schwarz.
Es wird sofort am Damenflügel Gegenspiel gesucht und die Dame wird nicht
exponiert.“ 9.e5 „Weiß setzt seine Standardstrategie fort, hat aber hier auch
in 9.a4 eine interessante Alternative.“ 9...Sd7 „Möglich ist auch hier 9...Se8.
Schwarz sollte sich nicht darum kümmern [vermutlich um die Weiße Stan-
dardstrategie mit e5] und ganz normal den Angriff weiterführen, z.B. 10.Sf1
b4 11.h4 Sc7 12.S1h2 Sb5 (So wird der Unterschied zu ...Sd7 deutlich)
13.Ld2 mit scharfer Stellung.“ 10.Sf1 a5 „Der energischste Zug. Möglich ist
auch 10...Lb7.“ 11.h4 b4 „Beide Seiten halten an ihren Flankenplänen fest;
in solchen Positionen kann der kleinste Fehler fatale Folgen haben.“ 12.Lf4
La6 13.Sg5 „Dieser aggressive Zug wurde von David Bronstein entdeckt.
Die Alternative ist 13.S1h2, um Sg5 vorzubereiten. Weiß lässt dann auch
noch Dh5 und/oder Lh3 folgen und drückt gegen e6. Die stärkste Fortsetzung
ist danach 13...a4“ (S. 89) 13...De8 „Dies ist die beste Verteidigung des
Nachziehenden. Die Idee ist, auf 14.Dh5 h6 15.Sf3 f5! Antworten zu können,
da der f-Bauer danach nicht en passant genommen werden kann.“ 14.Dg4
„Wie erwähnt, richtete sich der letzte schwarze Zug vornehmlich gegen den
Zug 14.Dh5. [...] Der Textzug ist stärker und kam erstmals in der Partie
Bronstein - Uhlmann, Aljechin-Memorial 1971, vor in der Schwarz an dieser
Stelle einen grausamen Fehler machte und die Partie mit 14...a4?? Wegwarf,
worauf Weiß leicht mit 15.Sxe6 fxe6 16.Dxe6+ Kh8 17.Dxc6 gewann.
Schwarz hätte sich mit 14...Kh8! verteidigen sollen.“ (S. 90)
 Q004-MEGABASE, Eine vielzitierte Partie ist GM Robert James Fischer
(2780) gegen IM Lhamsuren Myagmarsuren (2300), Sousse, 1967, 1-0. 395

394
Die zur Zeit der Entstehung der Quelle Q001-SMITH-HALL90 vorhandenen „ungelösten Prob-
leme“ werden nicht explizit benannt.
395
Die Zugreihenfolge der Partie wird in den Quellen unterschiedlich dargestellt: 1.e4 e6 2.d3 d5
3.Sd2 c5 [Hall/Cartier (Q032) 3...Sf6 4.g3 c5 5.Lg2 Sc6 6.Sgf3] 4.Sgf3 Sc6 5.g3 Sf6 6.Lg2 Le7 7.0-0
0-0 8.Te1 [Dworezki (Q006), Hall/Cartier 8.e5 Sd7 9.Te1 b5 10.Sf1 b4 11.h4 a5] 8...b5 9.e5 Sd7
10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4 a4 13.a3 bxa3 14.bxa3 La6 [Emms (Q063), Dworezki, Hall/Cartier
14...Sa5 15.Se3 La6] 15.Se3 Sa5 16.Lh3 d4 17.Sf1 Sb6 18.Sg5 Sd5 19.Ld2 Lxg5 20.Lxg5 Dd7
21.Dh5 Tfc8 22.Sd2 Sc3 23.Lf6 De8 24.Se4 g6 25.Dg5 Sxe4 26.Txe4 c4 27.h5 cxd3 28.Th4 Ta7
29.Lg2 dxc2 30.Dh6 Df8 31.Dxh7+ 1-0

301
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 In der Partie Belov (2532) – Halkias (2533), Thessaloniki 2004, ½-½, vertei-
digt Schwarz den Königsflügel erfolgreich. Nach Erreichen der Stellung: 7.e4
Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.h4 Lb7 folgte in der Partie: 11.Sf1 Dc7 12.Lf4 d4
13.S1h2 Sb6 14.Sg5 Sd5 15.Dh5 Lxg5 16.hxg5 Sce7 17.Ld2 Sg6 18.Sg4
Tae8 19.Te2 Sde7 20. Le4.
 Die Partie Belikov (2499) – Baramidze (2470) Dortmund 2003, 1-0 folgt
nach Stellung 7.e4 Sc6 zunächst der HV: 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 und
weicht dann ab 10...f6 11.exf6 Lxf6.396
 GM Alexander Baburin (ELO 2527) kommentiert in der Partie Kochyev –
Shaposhnikov, Petersburg 1998, 1-0 die Hauptvariante („Uhlmann-Variante“,
Bauernsturm am Damenflügel): 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4
„This is a standard plan for such positions - White wants to weaken the resi-
dence of the black king by advancing this pawn to h6. There the pawn would
stick like a bone in Black´s throat, creating various tactical possibilities for
White. It´s my understanding that because of this plan, Black usually tries to
avoid castling kingside too early.” 11...b4 12.h5 „Kochyev ist ein Kenner des
Königsindischen Angriffs; deswegen ist seine Entscheidung [h5] sehr inte-
ressant.“397
 P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Nikolaidis – Muir, EU-chT
1997, 1-0: 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.S1h2 „In den
letzten Jahren hat sich das als Hauptfortsetzung herauskristallisiert. 12.Lf4
Die (alte) Schablone sieht den Läufer auf f4 vor, sofort oder wenige Züge
später. Seit einigen Jahren leuchtet das aber immer weniger Spielern ein, da
man bei einem Plan mit Lg5 ggf. ein Tempo sparen kann.“
 GM Yannick Pelletier (2474) kommentiert seine Partie gegen Movsziszian
(2460) – Pelletier (2474), Barcelona 2000, 0-1: 7.e4 0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7
10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.h5 La6 13.S1h2 a4 14.a3 Db8 “?! Das ist meines Er-
achtens eine neue Idee, wenn Weiß mit a2-a3 spielt. Schwarz plant einfach
mittels Db5 gefolgt von b3 den Bauern d3 zu schwächen. Doch ich befürchte,
es ist zu langsam, und bei richtiger Spielweise sollte Weiß gute Angriffs-
chancen erhalten.“398

396
Anders als im Schema „Weiß greift am Königsflügel an“ und „Schwarz möchte Gegenspiel am
Damenflügel bekommen“ versucht Schwarz hier den Kampf um das Zentrum zu entfachen. Im GM-
Bereich gibt es zu dieser Strategie bisher nur diese eine Belegpartie. Im Praxissegment gibt es neun
Partien, mit einer Erfolgsquote von 50%.
397
Für GM A. Kochyev sind 19 Partien mit dem KIA-Standardaufbau in der MegaBase 2008 ver-
zeichnet. Die Partien sind auf einem ELO-Niveau von 2446/2386 gespielt worden. Kochyev hat
keine einzige dieser Partien verloren und mit 76% eine hervorragende Erfolgsbilanz (GRV =
53/47/0).
398
GM Pelletier testet diese Variante noch einmal in der Partie: Appel (2481) – Pelletier (2474),
Bundesliga 2001, und verliert.

302
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

 Badea (2530) – Danilov (2335), Bucharest 1998, C00, 1-0, kommentiert von
P. Horn (ELO 2295): 7.e4 Sc6 8.Te1 dxe4 9.dxe4 e5 „Diese im letzten Zug
eingeleitete Verteidigung wird von stärkeren Spielern selten angewandt, da
Schwarz sich ständig mit der Felderschwäche auf d5 herumplagen muß.“
10.c3 h6
 Q006-DWORETSKI-JUSSUPOW95, S. 131 betont „der Zug e7-e6 (sei)
nicht sehr günstig für Schwarz“. „Steht die schwarze Dame auf c7, so ist es
günstig für Weiß, mit seinem Springer nach g4 über e3 zu gehen. Von diesem
Punkt aus [e3] verfügt er zusätzlich über die starke Drohung Sxd5!“ (S. 132,
vgl. die Blitzpartie Dvoretsky - Jussupow, Moskau 1987)
 Auf S.133-134 besprechen die Autoren die Hauptvariante 7.e4 Sc6 8.Te1
8.b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 und kommentieren die Partie Fischer - Mi-
agmasuren, Sousse 1967, 1-0 nach 12.Lf4 a4 13.a3 „! Weiß darf 13...a3
14.b3 Sa7 und die Überführung des Springers nach c3 nicht zulassen.”
13...bxa3 14.bxa3 „Jetzt muss Schwarz jederzeit mit dem Zentrumsvorstoß
c2-c4 rechnen.“ 14...Sa5 „?! (14...Sd4!)” 15.Se3 La6 16.Lh3 „Fischer berei-
tet offensichtlich Sg5 vor. Der andere Standardplan besteht in 16.h5 mit der
Absicht 17.h6 g6 18.Sg4 und weiterem Spiel auf den geschwächten schwar-
zen Feldern am Königsflügel (Dd2, Lg5 usw.)“
 Q008-DUNNINGTON98, S.41-42, nach 7.e4 Sc6 8.Te1 wird kommentiert:
„This line offers play for both [...]. As a prelude to the coming kingside ons-
laught White will close the centre by pushing with e4-e5, subsequently
chasing away Black’s f6-knight and [...] leaving Black with a distinct lack of
minor piece protection for his king. Since the advanced e-pawn is such an
important part of White’s plans, it is imperative that White over-protect it in
order to minimise the chance of Black essaying the undermining …f7-f6. The
queen’s knight can, after h2-h4, make the manoeuvres Nd2-f1-h2-g4 and
Nd2-f1-e3.” The Black’s queen on c7 and White’s move Bc1-f4 “introduces
the possibility of playing Ne3xd5 followed by e5-e6 [...] As for Black, the
idea is simply to roll the queenside pawns down the board and force White to
make positional concessions…”.
 Ab S. 8 wird die Partie Fischer – Geller, Netanya 1968, 1-0 unter dem Aspekt
„White’s Kingside Attack“ besprochen. Nach 7.e4 Sc6 folgt 8.Te1 Dc7 9.e5
Sd7 10.De2 „Control of e5 is critical“ 10...b5 11.h4 “A recurring theme in
this particular variation – Black charges forwardon the queenside and White
endeavours [sich bemühen] to put as much force as possible into an attack
against the opposing king.” 11...a5 12.Sf1 “Intending Nf1-h2-h4, or in some
cases Nf1-e3 with sacrificial possibilities on d5 (or f5) – especially when
Black has played …Qd8-c7.”

303
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Auf S. 42 wird der HV folgend 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 die Abweichung
9...Se8 mit der Idee 10.Sf1 f5/f6, in der Partie Borik (2400)- Sonntag (2405),
Bundesliga 1996, 1-0, angesprochen. 11.exf6 gxf6 „11...Bxf6 12 Se3 Dd6 13
c4! Puts pressure on Black’s centre.“ 12.Lh6 Tf7 13.c4 „!?“ Sc7 14.cxd5
Sxd5 15.a3 Tb8 16.Tc1 „with the better pawn structure for White.“
 Q015-CAISSA, Bd. III, S. 262 und 276 benennt nach 7.e4 Sc6 u.a. die Vari-
anten 8.c3 dxe4 9.dxe4 und 8.Te1 Te8 9.e5 Sd7 10.Sf1
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 32f analog zu Q018-MADDOX: „This is one
of the basic King’s Indian Attack formations [nach 7.e4 Sc6 8.Te1], reachab-
le from the French, Sicilian or KIA move orders. White plans to push e5, cut-
ting black’s army in half and attacking kingside. Black will try queenside
play.” (S. 32)
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 33 mit der Partie Fischer - Miagmasuren,
Sousse 1967, 1-0: „If a student had time to learn only one game thoroughly in
the KIA, I would recommend this game. Fischer’s play in this game became
the standard to which other games are compared!” 12.Lf4 a4 13.a3 “!
Fischer’s idea is to spend a tempo to prevent black from playing …a4-a3.
White hopes to hold black back long enough on the queenside to force a fa-
vourable decision on the kingside.”
 Auf S. 34 kommentieren die Autoren die Partie Gheorghiu - Uhlmann, Bul-
garien 1968, 1-0 nach gleichem Stellungsbild 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7
10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4 wie folgt: 12...a4 „?! The mark of a serious player
is that he has faith in his opening system. After this stunning defeat, we see
Uhlmann improve his play later with 12... Ba6. Too many players would
abandon their opening after such a loss.” Und weiter: 13.a3 “!? (!) Fischer &
Gheorghiu, (?!) Uhlmann. Uhlmann seems to feel this idea opens lines on the
queenside to black’s advantage.”
 Q018-MADDOX, s.p. („Basic 1“), nach 7.e4 Sc6 8.Te1: „Dies ist eine der
Grundformationen im Königsindischen Angriff, die sich über Französisch-,
Sizilianisch- oder KIA-Zugfolgen ergeben kann. Der Weiße plant den Vor-
stoß e5, um das schwarze Lager in zwei Hälften zu spalten, gefolgt von
einem Königsangriff. Der Nachziehende wird sein Glück am Damenflügel
versuchen.“ 8...b5 „Normalerweise hat Weiß in diesen Stellungen bereits e5
gespielt, doch die unterschiedliche Zugfolge ist irrelevant. Schwarz fährt mit
seinem Spiel am Damenflügel fort.“ Während [8...dxe4 9.dxe4] „Weiß klaren
Vorteil (überlässt). Schwarz wird ...e5 spielen müssen, um seine Hälfte des
Zentrums zu kontrollieren. Danach wird Weiß die Herrschaft über d5 haben
und kann c4 als Vorposten für seinen Springer nutzen.“ Mit 9.e5 Sd7 „errei-
chen [wir] die Standardstellung. Die Figuren des Schwarzen sind vom Kö-
nigsflügel abgeschnitten, und der Nachziehende prescht am Damenflügel vor.

304
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

Beide Seiten haben Chancen, doch der Druck auf den schwarzen König ist
gefährlicher. Ein einziges Versehen kann zum Matt führen.“
 In der Partie Petrosian, T.V. – Barcza, Saltsjobaden Interzonal 1952, 1-0,
nach 7.e4 Sc6 folgt 8.Te1 „Unterstützt das thematische e4-e5.“ 8...b6
„?!Sucht nach einer Entwicklungsmöglichkeit für den Läufer. Heutzutage ist
allgemein bekannt, dass das schwarze Gegenspiel in diesen Stellungen von
schneller Expansion am Damenflügel abhängt.“ 9.e5 Se8 „?! Petrosian gibt
9...Sd7 als besser an.“ 10.Sf1 Kh8 11.Lf4 f5 12.h4 „! Weiß heftet sich an die
dunklen Felder.“
 Mit der Partie Botvinnik - Uhlmann, Moskau 1956, 1-0 [Kommentare von
GM Chekhov]. „Uhlmann ist Französisch-Spezialist und hat viel zur schwar-
zen Verteidigung gegen den KIA beigetragen.“ Nach 7.e4 Sc6 folgt 8.Te1
„Unterstützt e4-e5.“ 8...Tb8 „?! Unnötig. Besser ist 8...Dc7!?, um den Druck
gegen e5 aufrechtzuerhalten.“ 9.e5 „Spaltet das schwarze Lager in zwei Hälf-
ten. Der Anziehende ist auf Spiel am Königsflügel festgelegt, der Nachzie-
hende muss am Damenflügel agieren. (Ebenfalls gut ist 9.a4 a6 10.e5 Sd7
11.Sf1 b5 12.axb5 axb5 13.h4± [...])“ 9...Sd7 10.Sf1 „Lässt den Läufer ins
Spiel kommen und verfolgt die Zielrichtung h2.“ 10...b5 11.h4 „Verstärkt die
weiße Kontrolle über die schwarzen Felder und räumt h2 für den Springer.“
11...La6 "? Dies hemmt die schwarze Damenflügelexpansion noch mehr. Be-
stimmt besser sind 11...b4 12.Lf4 a5 13.S1h2 Te8 14.g4± mit Weißer Kö-
nigsflügelinitiative [...] bzw. 11...a5!?. Wenn Schwarz ...c5-c4 mit dem Läu-
fer unterstützen will, könnte er ein Tempo sparen, indem er erst den a-Bauern
vorzieht.“ 12.S1h2 b4 13.Lf4 Lb5 „Schwarz hat mit diesen Läufermanövern
zu viel Zeit verschwendet.“ 14.Lh3 „± Das Feld e6 ist anfällig geworden für
Kombinationen und Weiß beschließt, sich darauf einzuschießen.“ 14...c4 "?!
Noch immer besser war 14...a5!?, was erneut unterstreicht, weshalb ...La6?
ein Fehler war.“ 15.d4 „Spaltet das Brett noch mehr und schneidet die
schwarzen Figuren von der Verteidigung des Königsflügels ab.“ 15...Db6
16.Le3 Tfc8 17.Sg5 „Zielt erneut gegen e6.“ 17...Sf8 „Festigt diesen Punkt
e6. (Es verlieren 17...h6? 18.Sxe6+-; sowie 17...a5? und 18.Sxe6! fxe6
(18...Scxe5 19.dxe5+-) 19.Lxe6+ Kh8 20.Lxd7+-; 17...c3)“ 18.f4 „±
18.Shf3“ 18...Sd8 “Die schwarzen Figuren ziehen sich offenbar zurück.“
19.f5 „?! Voreilig. Besser ist die Unterstützung dieses Bauernvorstoßes mit-
tels 19.g4! a5 20.f5± z.B. 20...a4 21. Df3 mit Angriff. Ebenfalls möglich ist
19.c3“ 19...exf5 20.Lxf5 Sde6 „?! Besser ist 20...Ld7!? 21.g4!? " 21. Df3
„!? Konzentriert weitere Figuren auf den Königsflügel. Auch nach 21.Sgf3
a5 22.g4 Sg6 23. g5 hat Weiß die Initiative.“ 21...Sxg5 „Zum Verlust führt
21...Sxd4? 22. Df2 Lc5 23.Lxc8+-“ 22.hxg5 „Der Punkt h7 wird nun entlang
der h-Linie unter Druck gesetzt.“ 22...Td8 23.Sg4 „Sämtliche weißen Figu-
ren stürzen sich auf den schwarzen König.“ 23...Sg6 „23...Ld7!? “ 24. Kg2

305
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

Ld7 25.Lxd7 Txd7 26.Th1 „± Es spielt nur der Weiße, und die schwarzen
Figuren stehen noch immer unglücklich für die Verteidigung.“ 26...De6
„Nach dem interessanten 26...Sf8!?, was das Feld für die Dame frei macht,
hat Weiß 27.Sf6+! gxf6 28.gxf6 Ld8 29.Dg4+ Sg6 30.Dg5‚ mit heftigem
Angriff.“ 27.Th5 Tb6 28.Tah1 „Mit mächtigem Druck in der h-Linie.“
28...Sf8 „Alle Figuren des Weißen sind im Spiel, daher sucht er jetzt nach der
Abschlusskombination.“ 29.Sf6+ „! Unklar ist 29.Sh6+ gxh6 30.Txh6 Sg6
31.Txh7 Lf8 32.Df6! Dxf6 33.gxf6 Td8 34.T7h5 Tdb8 “ 29...gxf6 30.gxf6
Lxf6 „Schlechter ist 30...Ld8 31.Lh6! was Schwarz zwingt, die Figur zu-
rückzugeben: 31...Lxf6 32.exf6 Dxf6 33.Dg4++- 33...Dg6 (33...Sg6
34.Dxd7+-; 33...Kh8 34.Lxf8+-) 34.Tg5+-“ 31.exf6 De4 „?! Notwendig war
31...Dxf6 32.Tf5 (Not 32.Dg4+?! Dg7 (32...Sg6? 33.Dxd7; 32...Kh8? 33.Tg5
Sg6 34.Dxd7) 33.Tg5 (33.Dxg7+?! Kxg7 34.Lh6+ Kg8 35.Lxf8 Kxf8
36.Txh7 Ta6 ) 33...Tg6=; 32...De6 33.Thh5 De4 34.Dxe4 dxe4 35.Tc5,
wonach Weiß zwar Kompensation für sein Material hat, aber keinen einfa-
chen Gewinn.“ 32.Dxe4+- dxe4 33. Tg5+ „!“ 33...Sg6 34.Tc5 Txf6 „34...c3
35.Tc8++-„ 35.Tc8+ Sf8 „35...Kg7?? 36.Lh6#“ 36.Th4 “! Schwarz kommt
zu Gegenspiel nach 36.Lh6?! Txh6 37.Txh6 Txd4” 36...Kg7 “Nicht besser ist
36...Te6 37.Tg4+ Tg6 38.Txe4+-; schlechter ist 36...Te7? 37.Lg5 Tfe6
(37...Tee6 38.Lxf6 Txf6 39.Tg4+ Tg6 40.Txe4+-) 38.Lxe7 Txe7 39.Tg4+
Kh8 40.Txf8#” 37.Txe4 Ta6 38.Txc4 Tb7 „38...Txa2 39.Txb4+-“ 39.d5
Txa2 40.Txb4 Txb2 “?? Ein Bock in verlorener Stellung” 41.Ld4+.
 Q022-SCHILLER, S. 13ff: Nach 7.e4… kommentiert FM Schiller: „This is
considered the starting position of the main line of the King's Indian Attack.
If Black castles immediately, White is going to attack the enemy king after
first limiting the mobility of the Black pieces and cutting down on potential
counterplay in the center. To this end he will advance his e-pawn, creating a
strongpoint at e5 which will be defended by the Rel and Nf3, with some help
from a bishop stationed at f4. He will also advance his h-pawn, at least to the
4th rank, where it keeps an eye on critical squares on the g-file. The vacant
square at h2 will be useful for the knight journey Nd2-f1-h2-g4. The free
space on the kingside will also allow a bishop to be stationed at h3, putting
additional pressure on e6. The queen will step out of the way to e2, so that
the rooks can be connected. Of course Black will not remain idle. Most often
he chooses to storm the queenside with an avalanche of pawns. He has little
to do on the kingside, although sometimes he might find it appropriate to
break with f7-f6 to strike at the center, but in most cases this leads to critical
kingside weaknesses. As Keene properly notes, it is easier to play the White
side of these positions, simply because he is attacking the king, while Black
must keep one eye on his monarch and the other on his queenside counter-
play.” 7...Sc6 8.e5 “White might as well force the issue. 8. Re1 has a few

306
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

non-transpositional lines, but Fischer’s move order [zuerst e5 zu spielen, in:


Fischer - Miagmasuren, Sousse 1967, 1-0] is to be preferred.” (S. 14) Schil-
lers Empfehlung folgt damit allerdings nicht der Hauptvariante.
 Q031-WEINSTEIN, S. 38ff: Nach Stellungsbild 7.e4 Sc6 und den Zügen
8.e5 Sd7 9.Te1 wird kommentiert: In this “position White's basic strategy is
to use the cramping effect of the pawn on e5 to build up strong pressure
against Black's kingside. The Queen Bishop is usually developed to f4 or g5.
The Queen Knight goes to d2 with the idea of the thematic maneuver d2, f1,
e3, leaving open the possibility of a sacrifice at d5. Especially important is
the thrust of the kingside rook pawn, which typically moves h5-h6 [after h2-
h4], virtually forcing a concession of dark square weaknesses around the
Black king after...g6. If Black attempts to present [the White’s] h6 with ...h6
there arises concern over the possibility of White sacrificing a piece on the
Black kingside rook pawn with the consequent demolition of the protective
pawn barrier in front of Black's king. Black's strategy will be to advance on
the queenside, where he can mobilize his pawns in order to create opportuni-
ties for a breakthrough there. Often Black can open the c- and/or d-file to
create avenues for infiltration. Also typical is the march of the Black
queenside rook-pawn to a5-a4-a3 to weaken White's dark squares on the
queenside. In general, it is safe to leave the Black queen on ...d8 rather than
place it on c7 where it invites Lf4 followed by Nxd-pawn and e6. White’s
game is easier to play than Black’s since his attack is directed against the
king. Although current theory [1976] indicates that Black should maintain
good chances, in practice White usually ends up on top.”
 Q032-HALL-CARTIER, “The most popular system against the KIA in Fi-
scher's time was the French System 1.e4 e6 2.d3 d5 3.Nd2 Nf6 4. Ngf3 c5
5.g3 Nc6 6.Bg2 Be7 7.0-0 0-0. Note that this position can be obtained by
transposition in several ways: e.g., 1.e4 c5 2.Nf3 e6 3.d3, etc.; or l.Nf3 d5
2.g3 Nf6 3 Bg2 e6, etc.). From this starting point both sides general strategies
became clear: Black will throw forward his pawns on the Queenside. While
White will try to build a Kingside attack by moves like Nbd2, Rel, e5, Nfl,
h4, and Bf4. The "tempo game" (i.e., the efficient utilization of every move)
became very important because of concrete ideas on both flanks. But even
the very young Fischer paid serious attention to what happened on his
Queen's flank; he understood that White cannot let Black have absolute sway
on that flank. If Black could do as he pleased there then White would at some
point be compelled to shift some of his Kingside pieces back to the Queensi-
de for defense. This, of course, would seriously impede White's ambitions
against Black's Kingside Specifically, the march of Black's a-pawn (a5-a4-
a3) would give very good chances on the Queenside since his Nc6 could find
a fine outpost on b4 without fear of White's a2-a3; the a2-pawn would be a

307
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

permanent target in this case. Also (after Black's a4-a3), White would suffer
from a permanent weakness on the dark-squares, since the White b2-pawn
would be forced to either move up to b3 – or, even worse, capture with bxa3.
Fischer’s great discovery involved playing a2-a3, just before Black’s
a4-pawn could advance to a3.” (Vgl. S. 122 - The Evolution of Bobby Fi-
scher's Treatment [Behandlung] of the King's Indian Attack, by GM Alexan-
der Chemin.)
 Auf S. 5 mit der Partie M. Botvinnik – W. Uhlmann, Alekhine mem Moskau
1956, 1-0. Nach 7.e4 Sc6 folgt in der Partie 8.Te1 Tb8 9.e5 Sd7 10.Sf1 b5
„The best chance for an effective counterattack“ 11.h4 La6 “? 11…b4!?”
12.S1h2 b4 13.Lf4 Lb5 14.Lh3 c4 „? 14...a5!?“.
 Ab S. 128 mit der Partie Fischer - Miagmasuren, Sousse 1967, 1-0 wird nach
Stellung 7.e4 Sc6 notiert: 8.e5 Sd7 9.Te1 b5 10.Sf1 b4 11.h4 a5 „Black
avoids wasting time on 11...Qc7“ 12.Lf4 “! A good move, overprotecting e5
so that the Nf3 can later play to g5” 12...a4 13.a3 “! Stopping a4-a3”.
 In der Partie Fischer - Feuerstein, U.S. Championship 1957, 1-0 (S. 124ff)
geht es nach 7.e4 Sc6 wie folgt weiter: 8.Te1 Dc7 „Current theory [1996]
recognizes 8...b5 as the preferred move. However, 8...Qc7 induces White to
play Qe2, in order to properly reinforce the advance e4-e5” 9.De2 Td8 10.e5
Se8 “Black’s last two moves were not so good, limiting his chances of attack
on the Queenside; better was 10….Sd7”. (Kommentierung von GM A.
Chernin)
 Q045-TANGBORN, S. 27 nach 7.e4 Sc6 mit der Partie Petrosian, T.V. –
Barcza, Budapest 1952, 1-0 und der Variante: 8.Te1 b6 „Betters is 8...b5.“
9.e5 Sd7 10.Sf1 La6 „The Bishop is not very effective on this square. Black
seems to be playing without a plan.”
 In einer weiteren Partie zwischen Petrosian, T.V. – Barcza, Saltsjobaden
Interzonal 1952, 1-0, geht es nach 7.e4 Sc6 wie folgt weiter 8.Te1 b6 9.e5
Se8 10.Sf1 Kh8 11.Lf4 f5 „A defensive move against White’s attack on the
kingside.“
 Q063-EMMS05, S. 13f: “Black developes ‘classically’, that is he puts his
knight on its best square where it has most influence on the centre. Of course
Black has to bear in mind that White has the option of attacking this knight at
some point with e4-e5. The variation beginning with 5…Nf6 is regarded as
the traditional main line of the KIA French, and it is still very popular at all
Levels.” (S. 14) Im Stellungsbild nach 7.e4 Sc6 folgt der Kommentar: “Cast-
ling kingside is by far Black’s most popular move here. However, given that
White hopes to launch an assault [Angriff] on this side of the board, it’s
unsurprising that some Black players are nervous of committing their king so
early. The flexible 7…b6!?, keeping the option open of castling queenside

308
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

[…].” (S. 14) 8.Te1 „! The rook is very well placed on this square as it sup-
ports the intended e4-e5 advance.“ 8...b5 “! With his king ‘safely’ tucked
away, Black begins his counterplay in aggressive style. It makes sense to
attack on the queenside because this is the part of the board where Black
holds major advantage – space. […] 8….b5 is what those in ‘the know’ play
here, but it’s worth checking out some other plausible options. […] 8…Qc7
covers the e5-square and following 9 e5 Nd7 White must protect the pawn
with 10 Qe2 […] 8…b6 is a more restrained [zurückhaltend] version of the
text move […] 8…dxe4 9 dxe4 […] simplifies the position in the centre, but
this exchange almost always helps White more than Black […because] White
has more presence in the centre than Black, and after e4-e5 he gains access to
the important e4-square, which effectively becomes an outpost.” (S. 14-15)
9.e5 “! […] The pawn on e5 forces Black to move his f6-knight from its ideal
defensive post. This will leave Black’s kingside seriously lacking in minor
piece protection […]. With e4-e5 White has closed the centre – there is no
longer any tension there. This leaves both sides free to concentrate their ef-
forts on the flanks […] White could change tack completely by playing 9
exd5 exd5, but this approach isn’t really in the spirit of this particular KIA-
line. Why deny yourself the chance of an automatic attack against the black
king?” (S. 16) 9...Sd7 “Black keeps an eye on the e5-pawn. However,
9…Ne8!?, though seldom played, isn’t a bad alternative. After say 10 Nf1 b4
the knight can join the queenside action via c7 and b5. […] 9…Ng4!? […] 10
h3 Nh6, the knight isn’t so poorly placed here because it has f5 in sights.
White can prevent this with 11 g4, but 11…f6 12 exf6 gxf6, while obviously
carrying some risk, doesn’t look disastrous for Black. Food for thought.”
(S. 16) 10.Sf1 “The bishop on c1 is released and the f1-knight can join the
action with Ne3-g4 or, after h2-h4, Nh2-g4.” 10...a5 (S. 16-17).
 S. 15: 7.e4 Sc6 8.Te1 dxe4 9.dxe4 „simplifies the position in the centre, but
this exchange almost helps White more than Black. […] White has more
presence in the centre than Black”.
 Auf S. 17, schlägt GM Emms nach 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 vor,
mit 10...f6 „!?“ gegen die Weiße Stärke e5 vorzugehen. „White has no way
of maintaining his pawn spearhead in the centre, and the following 11 exf6
Nxf6 Black has some breathing space on the kingside and is unlikely to be
checkmated inside 20 moves. The flipside [Kehrseite] is that Black is forced
to accept a couple of weaknesses: the pawn on e6 is backward and vulnerable
to attack down the half-open e-file, and White may be able to make use of the
outpost on e5. […] A possible improvement Black could try 11… Bxf6!?, the
tactical point being that the greedy [gierige] 12 Rxe6? sees the rook trapped
after 12…Nde5!.”

309
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Auf S. 27 (Yuferov – Zakharov, Moskau 1995, 1-0) nach 7.e4 Sc6 mit der
Variante: 8.Te1 Dc7 „Covering the e5-square for the second time. The idea
of this move is to force White into playing Qe2 to defend the e5-pawn.” 9.e5
“By far the most popular choice […].” 9...Sd7 10.De2 „This is forced.“
(S. 28)
 Auf S. 31 nennt GM Emms eine Beispielpartie Dolzhikova (2241) – Ma-
lakhatko (2568), Kiew 2000, 0-1, in der …f6 - allerdings erst im 18. Zug -
gespielt wurde. Ausgehend vom Bild 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5
11.h4 b4 folgte: 12.Lf4 a4 13.S1h2 a3 14.b3 La6 15.Sg5 Sd4 16.Tc1 Tc8
17.Dh5 h6 18.Sh3 f6 “! Following 19 exf6 Nxf6 20 Qg6 Qe8! 21 Qxe8
Tfxe8 Black can be very happy with his active position while in the game the
sacrifice” 19.Lxh6 Sxe5 20.Txe5 fxe5 21.Dg6 Tf7 “didn’t quite work“ [und
Schwarz müht sich noch 45 weitere Züge bis zum Sieg].
 Q065-DZINDZICHASHVILI, s.p., benennt in seinem Videolehrgang zum
KIA die in der Praxis am häufigsten gespielte Variante 7.e4 Sc6 „this positi-
on is the most common way to play for Black“ 8.e5 „closes the center“
8...Sd7 9.Te1 Dc7 10.De2 “now the e5-pawn is protected and Black can’t at-
tack e5-pawn anymore.”
 A) If 10...f6 “attacking the e5-pawn” 11.exf6 Sxf6 „this position is clearly
better for White.“399 12.Sf1 Ld6 13.h4 e5 14.Lg5… “White is going to put
some pressure on Black’s d5-pawn by playing Ne3.” 14...d4 “that creates a
lot of weaknesses on c4- and e4-square [Nf1-d2-e4 or –c4]. This is simple
strategy on weak squares.”
 B) If 10...b5 “starts a pawn storm to create some play on the queenside”
11.Sf1 “heading towards the kingside” 11...a5 12.h4 13.Lf4 b4 14.Sh2 a4
“this position was played by Fischer” 15.Sg5 “[e.g. followed by Qh5] the
most active way to attack Black. White wants Black to play h6. After
15...Bxg5 16.hxg5 the position is realy bad for Black. I would say this positi-
on is lost”400 15...h6 “black has serious weakness on h6 because White may
go Ng4 and later on to sacrifies on h6 or maybe even play g4 and g5 opening
some files” 16.Sf3

399
Für Fritz 11 ist die Stellung ausgeglichen: 12.Se5 Sd4 13.Dd1 Ld6 14.f4 Lxe5 15.Txe5 Sc6
16.Te1 e5 17.Sb3 Te8 18.Dd2 b6 19.fxe5 Txe5 20.Df2 Txe1+ 21.Dxe1 Lg4 22.Lf4 Df7 23.Dc3 (=
0.07 Tiefe 20).
400
Auch Fritz 11 kann sich irren. Die Engine errechnet folgende Variante, aus der Weiß angeblich
schlechter herauskommt: 15. ..Sd4 16.Dd1 b3 17.axb3 axb3 18.Txa8 Txa8 19.cxb3 Db6 20.Dh5
Lxg5 21.Dxg5 Dxb3 22.Sg4 Dxd3 23.Sf6+ Sxf6 24.exf6 g6 25.Ld6 c4 (m -1.00 Tiefe 20). Spielt man
diese Variante aus und lässt Fritz erneut darauf schauen, dann steht Weiß plötzlich auf Gewinn: 26.g4
e5 27.Dh6 Se6 28.Txe5 g5 29.Txe6 Dg6 30.Dxg6+ hxg6 31.Te7 Ta6 32. Le5 Lc6 33.hxg5 Tb6 34.
Ta7 Tb3 35. Ta6 (+-4.86/20).

310
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

 Q068-NIC49, S. 186-190: “About 30 years ago [der Artikel im NIC stammt


aus dem Jahr 1998] the King’s Indian Attack was considered to be a dange-
rous weapon to combat the French Defence.” After 7.e4 Sc6 “the most com-
mon plan for Black was” 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 (diese Hauptvariante wird auch
als „Uhlmann-Variante“ bezeichnet.)401 „This was popularized by the East
German GM Wolfgang Uhlmann, who gained many important victories with
it, although he also suffered some severe defeats (see Bronstein-Uhlmann,
Moskau 1971). With the lapse of time, Black began to play other systems to
counter the KIA (mainly involving …g6, …Lg7 and …Sge7 [vgl. KIA-Typ
O1.03 und vor allem O1.06]), because White’s attack in the main line was
considered more dangerous than Black’s queenside counterplay. However, as
the […] game Vaganian-Nogueiras (Lucern 1997) shows, this line is still
very viable from Black’s point of view.”402 10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4 La6
13.Se3 a4 14.c4 bxc3 15.bxc3 d4 16.Sc4 (vgl. Vaganian – Nogueiras, Luzern
1997, ½-½).
 Q070-NIC76, S. 228-232 nach 7.e4 Sc6 mit der HV-Fortsetzung: 8.Te1 b5
9.e5 Sd7 10.Sf1 a5. „The most important conclusion I arrived at was that the
move a2-a3, which is praised in every book as an adequate answer to…a5-a4,
is just a mistake unless White can continue with c2-c4 in near future and
combine this with the knight sortie f1-e3 (See Sasikiran-Reefat, Kelamakkam
2000). […] Basically, White has two attacking methods: Using his h-pawn to
weaken the dark squares near the black king with h4-h5-h6, or going for a
quick kill with Nf3-g5, Qd1-h5, Nh2-g4, etc.”
 Q072-NORWOOD, S. 26-27 (“…d5 and …e6 without …g6”) gibt drei Par-
tien aus dem GM-Bereich an:
 Davies (2475) - Hansen (2460), Graested 1990, 1-0, nach Stellung 7.e4 Sc6
folgt die Hauptvariante: 8.Te1 Dc7 „before expanding on the queenside.“
und die Fortsetzung 9.e5 Sd7 10.De2 b5 11.Sf1.

401
Hinweis: in Q084-HOOPER-WHYLD (S. 466, Variante 287) wird die folgende Variante als
„Uhlmann-Variation“ gelistet: 1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 e6 4.Sc3 exd5 5.cxd5 d6 6.Sf3 g6 7.Lg5 (Uhl-
mann -Planinec, Skopje 1969). Es ist also zu beachten, ob Uhlmann mit Schwarz gegen KIA spielt
oder selber Weiß hat, d.h. Uhlmann-Variante ist nicht gleich Uhlmann-Variante.
402
Das New in Chess Yearbook 49 von 1998 bringt - unter dem Titel „King’s Indian Attack: Black
castles kingside“ - in 19 von 20 besprochenen Partien die HV 7.e4 8.Te1 9.e5 10.Sf1 11.h4 auf das
Brett. Die Aussage “this line is still very viable from Black’s point of view” ist bis 1997 für gelistete
GM-Partien noch korrekt (10 Partien, Erfolg = 40%/60%, Niveau = 2518/2532), bezüglich des
gesamten Praxissegmentes allerdings nicht, hier punktet Weiß besser (308 Partien, Erfolg =
60%/40%, Niveau = 2332/2325). Alle heute verfügbaren GM-Partien belegen diese Tendenz: Weiß
punktet auf diesen Fall (Typ O4.01 plus o.g. HV) bezogen besser (35 Partien, Erfolg = 57%/43%,
Niveau = 2523/2524).

311
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Zuniga (2510) - Braga (2480), Leon 1990, ½-½, mit der HV 7.e4 Sc6 8.Te1
Dc7 „before expanding on the queenside.“ und der Fortführung 9.De2 Te8
10.e5 Sd7 11.Sf1.
 Lazic (2495) – Schmittdiel (2455), Dortmund 1990, ½-½, nach Stellung 7.e4
Sc6 folgt die Variante: 8.Te1 Sd7 9.De2 dxe4 13.Dxe4 Lb7 14.Lxe7 Dxe7.
 Q085-HALL, S. 39-43: 7.e4 Sc6 8.e5 Sd7 9.Te1 In this “position White’s
basic strategy is to use the cramping effect of the Pawn on e5 to build up
strong pressure against Black’s King side. The squares f4, g4, g5 and h5 are
especially important for White’s King side piece maneuvers. The Queen Bis-
hop is usually developed to f4 or g5. The Queen Knight goes to d2 with the
possibility of the thematic maneuver Nd2-f1-h2-g4, increasing the pressure
on the King side dark squares. Especially important is the thrust of the h-
pawn, which typically moves h5-h6 virtually forcing a concession of more
dark squares after …g6. If Black attempts to prevent [Whites’s] h6 with …h6
there arises concern over the possibility of White sacrificing a piece on the
Black h-pawn with the consequent demolition of the protective Pawn barrier
in front of Black’s King. Black’s strategy will be to advance on the Queen si-
de, where he can mobilize his pawns in order to create opportunities for a
breakthrough there. Often Black can open the b- and/or c-file to create
avenues for infiltration. Also typical is the march of a-pawn to …a5-a4-a3 to
weaken White’s Queenside dark squares. However, Black’s a-pawn can pre-
vented from reaching …a3 by [White’s] a3, as Black has no useful sacrifice
on White’s a3 as is the case for Black’s h-pawn.” 9...Dc7 „Black hopes to tie
White’s pieces to defense of the e5-pawn.“ […] “more accurate [is 9...b5
followed by 10. Nf1 a5 11.h4 b4]” (S. 43)10.De2 b5 “Instead, 10…Nd4 is in-
ferior because after 11 Nxd4 cxd4 12 Nf3 Black’s Queen Pawn [d4] is
weak.” 11.Sf1 a5 12.h4 “Now there are three main lines: […]”
 A) 12...b4 13.Lf4 „White develops his Bishop to an active square from
which it exerts masked threats against Black’s Queen on …c7.“ 13...La6
14.Se3 “White centralizes the Knight and threatens in some instances to
sacrifice the Knight on d5 followed e6.” 14...a4 “Of course, not
14…Ncxe5/Ndxe5 15 Nxe5 Nxe5 16 Ng4 f6 17 Nxe5 fxe5 18 Bxe5 with
terrific pressure for White on the backward e6-pawn.”
 B) 12...La6 13.Sh2 b4 14.h5 Tfc8 „Hoping to open the c-file and preparing
…Nf8 or …Bf8 to defend the King side.”
 C) 12...Sd4 „Black hopes to exert pressure down the c-file after the exchange
of Knights.” 13.Sxd4 cxd4 14.Lf4 Ta6 „Planning …Rc6, …Ba6, and …Rc8

312
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

with terrific pressure.“ 15.Sh2 „The thematic sacrifice on d5 is not effective


here, e.g.; 15 Bxd5 Bb4! 16 Teb1 [m -0.84 Q009-FRITZ11]”.403
 Q087-LUTHER, s.p., GM Luther behandelt in seinem Unterrichtsvideo (das
erste der sechs Sequenzen zum Thema KIA gegen die Französische Verteidi-
gung) die Partie Botvinnik - Uhlmann, Alekhine mem Moskau 1956, 1-0.
Hier spielt Weiß nach heute bekanntem Muster (Te1, e5, Sf1, h4, S1h2, Lf4),
während Schwarz z.B. mit Tb8 und La6 Zeit verliert, anstatt seinen a- und
seinen b-Bauern zwecks Raumgewinns am Damenflügel vorrücken zu lassen.
„Der Gegenangriff am Damenflügel gerät so ins Stocken und der Königsflü-
gel kann nicht mehr effizient verteidigt werden“.
 Q094-EMMS01, S. 67: The „King’s Indian Attack is probably most effecti-
ve, and certainly most popular, when is played against the French Defence.“
7.e4 Sc6 “This is still Black’s most common choice […]. Black gets his king
out of danger, at least for the time being, and will concentrate on creating
counterplay on the queenside.” (S. 74) 8.Te1 “Here’s a typical position, Whi-
te having just played the move Re1. A characteristic plan of action would
begin with the move e4-e5. This ‘pawn wedge’ on e5 acts as a catalyst for a
kingside attack, as it gives White plenty of space to manoeuvre on the
kingside, and it deprives Black the use of the f6-square, the normal position
for a defensive knight. White can follow up e4-e5 with such moves as h2-h4,
Nf1, Bf4, N1h2-g4 and perhaps h4-h5-h6. It’s easy to see how a potentially
lethal attack can arise, especially if Black is not careful.” (S.67)
 A) S. 75: 8...Dc7 “In anticipation of e4-e5, Black develops his queen to put
extra pressure on that square. There is a question mark, however, as to whe-
ther the queen is well placed here. On the minus side White has tricks invol-
ving Nf1, Bf4 and then Ne3xd5. It’s surprising how often this theme works
for White.” 9.e5 Sd7 10.De2 b5 11.Sf1 b4 12.h4 a5 13.Lf4 La6 14.Se3 a4
15.b3
 B) S. 78: 8...b5 “Black’s most popular and ambitious move. Queenside ope-
rations are not delayed any further.” 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 12.Lf4
 C) S. 74: 8...dxe4 “The King’s Indian Attack would lose a lot of its sting if
Black were able to successfully simplify in the centre like this. Fortunately
this exchange almost always helps White more than Black. White now has
more presence in the centre than Black, and after e4-e5 White will be able to
use the important e4-square.” 9.dxe4 b5 10.e5 Sd5 11.Se4 Dc7 12.c3 Lb7
13.Lg5 Lxg5 14. Sexg5 h6

403
Q085-HALL (S. 42-43) zeigt noch, dass 16.Tec1 bzw. 16.Ted1 wegen 16...exd5 17. e6 Txe6
18.Dxe6 Dxf4 19.Dxd7 gefolgt von 19….Dxc1 bzw. 19...Df3 20 Sh2 Dxd1+ nicht funktionieren.

313
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Q096-NCO, S. 17 setzt nach 7.e4 Sc6 die Hauptvariante fort 8.Te1 b5 9.e5
Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 „ “. Die Variante und die Bewertung der Endstel-
lung stammen von GM Emms.
 Q097-TAIMANOW-GUFELD, nach 7.e4 Sc6 8.Te1 folgt die Kommentie-
rung: “Schwarz hat die Wahl zwischen 8...b5 [...] mit aktivem Spiel am Da-
menflügel, 8...b6 [...] sowie 8...Dc7 [...]. Andere Züge können Schwarz nicht
vor Schwierigkeiten bewahren [...].”404
 S. 157-158 mit der Partie Bannik (2175) – Monin (2403), Kiew 1979. In der
Stellung 7.e4 SC6 folgte 8.Te1 b5 „Da die Ereignisse einen scharfen Charak-
ter annehmen und dabei jedes Tempo sehr wichtig ist, scheint der ‚Befesti-
gungszug’ 9.De2 nicht notwendig zu sein.“ 9.a4 „um die gegnerische Bau-
ernkette zu schwächen“ 9...b4 10 exd5 exd5 11.d4 cxd4 12.Sb3 Lb7 13.a5
a6 14.Lf4 Sh5 15.Ld2 Sf6 16.Sfxd4 Sxd4 17.Sxd4 „und die schwarzen Bau-
ern sind auseinandergerissen.“
 S. 161 nach 7.e4 Sc6 mit der Variante: 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4
a4 „Der Nachziehende deckt etwas zu früh seine Pläne auf (Vorbereitung von
a4-a3), was Weiß erleichtert, die richtige Erwiderung zu finden.” 12.a3 „!?
Weiß möchte den Gegner am Damenflügel zurückhalten und ihm mit dem
eigenen Angriff am Königsflügel zuvorkommen.” 12...b4 13.Sh2 („Einen
unglücklichen Aufbau wählte Schwarz in der Partie Rajkovic – Joachimidis
(Albena 1977): 13...Db6 14.Lf4 f6 15. ef Lxf6 16. Tb1 Sd8 17.Sg4! Ta7
18.Sxf6+ gf 19.d4, und die weiße Stellung ist strategisch gewonnen.”)
 S. 243 mit Hauptvariante: 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 b4 in
der Partie Nun – Uhlmann, Hradec Králové, 1979, 0-1. 12.S1h2 La6 13.Lf4
a4 14.a3 „Beachtenswert ist 14.Sg5 [...] oder auch 14.h5 mit der Absicht h5-
h6.” 14...ba 15. ba „Schwächer ist 15.Txa3 wegen 15...c4! 16.Txa4 cd 17. cd
Sc5 18.Ta3 Db6!, und Schwarz hat angesichts der weißen Schwächen d3 und
b2 trotz des Minusbauern die besseren Chancen.”
 S. 162 mit Variante: 7.e4 Sc6 8.Te1 b6 „Eine etwas passive Fortsetzung.”
 S. 164 mit der Variante: 7.e4 Sc6 8.Te1 Dc7 „Auf diese Weise kann Schwarz
den Vorstoß e4-e5 nicht verhindern. Die Damenstellung auf c7 ist, wenn der
Nachziehende bereits kurz rochiert hat, ungünstig, weil die Kontrolle über
den Königsflügel geschwächt wird.” 9.e5 „Positionell unbegründet ist 9.c3
wegen 9...de 10. de e5 11.Sf1 Td8.” 9...Sd7 10.De2 b5 11.h4 a5 12.Sf1 La6
13.Lf4 „Der weiße Angriffsplan ist klar: entweder Vormarsch des h-Bauern
oder Überführung des Springers f1 nach g4 oder auch das Manöver Sf3-g5
und darauffolgende Heranführung der Dame nach g4 oder h5.”

404
Im GM-Segment gibt es bisher nur eine einzige Partie mit 8...b6: Ljubojevic – Kortschnoi, Sao
Paulo 1979, ½-½.

314
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

 S. 165 nach 7.e4 Sc6 mit der Variante: 8.Te1 Dc7 9.e5 Sd7 10.De2 f6
11.Sxf6 „(ein unbegründeter Zug, da Schwarz dem Gegner den Punkt e5
überläßt [vgl. Ciocaltea – Inkjow, Balkaniade, 1974])”.
 Q098-KEENE, S. 108: “White’s strategy is clear - he will advance his
e-pawn to e5 - using it as a spearhead to cramp Black’s kingside while he
masses his pieces for the assault with moves like Bh3, Qe2, Nf1-h2 (or
e3-g4, Bf4-g5, h4-h5-h6, etc.) In some cases White will also advance his
f-pawn, while there are sacrificial possibilities of Nxd5 and Nf6+ which must
be taken into account […] Black’s counterplay resides in a rapid queenside
strike b5-b4-a5-a4-a3 attempting to create openings for his Knights on c3 and
d4. In special circumstances Black can also play f6, destroying White’s
advance post on e5 - but this can only be successful when White has played
inaccurately, for otherwise the positional weaknesses created would be fatal.
[see Geller - Bagirov, Leningrad 1963, 1-0, …] As a rule, it is safer to leave
the black Queen on d8 rather than place it on c7 where it invites Nxd5 and e6
sacrifices […]. Black must also beware of opening up the queenside and then
losing control of vital files to his opponent […].”
 Auf S. 108 mit der Partie Tringov - Lee, The Hague 1966, 1-0 und der Fort-
setzung: 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 „The most active. Black leaves his Queen on d8
to guard the kingside and flings forward his queenside pawns.“ 9.e5 Se8
10.Sf1 a5 11.h4 a4 12.Lf4 „Over-protecting e5 in good Nimzoitsch style.“
12...a3 13.b3 Lb7 „13...b4 followed by Na7-b5-c3 is an interesting alternati-
ve.” 14.S1h2 d4 “Planning to use d5 as a base for the Ne8.” 15.h5 “White’s
kingside attack is based on h5-h6 followed by Bg5, weakening the dark
squares and creating points of entry for the Knights.” 15...Sc7 16.h6 g6
17.Dd2 Sd5 18.Lg5 Scb4 19.Lxe7 Dxe7 20. g5 „!“ Kh8 21.Se4 Ta7 22.Sg4
La8 23.Tec1 ”White intends the exchange of all the knights and then open
the c-file. In the resultant major piece ending, Black will be continually ham-
pered [behindert] by the unfortunate situation of his King”.
 Auf S. 111: „White has an excellent alternative method to the attacking plan
h4-h5-h6 followed by the exchange of darksquared Bishops and infiltration
with the Knights. The other method - which is more fluid and possibly stron-
ger - depends on piece play. White leaves his pawn on h4 and follows with
Bf4-Nf1-e3-Ng5 and Qh5.” Zum Beispiel in der Partie Flesch - Kluger,
Ungarn 1966, 1-0. Nach 7.e4 Sc6 folgt die Hauptvariante 8.e5 Sd7 9.Te1 b5
10.h4 a5 11.Sf1 b4 mit der Fortsetzung: 12.S1h2 a4 13.Lh3 a3 14.b3 c4
15.d4 cxb3 16.cxb3 Sa7 17.Sg5 Db6 18.Le3 Lxg5 19.hxg5 Sb5 20.Dh5 La6
21.Sg4 Kh8 22.Sf6 gxf6 23.gxf6 Sc3 24.Lh6 „A very simple game to
understand. White’s strategy succeeds too easily.“

315
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Auf S. 109 kommentiert GM Keene die Partie Gheorghiu - Uhlmann, Sofia


1967, 1-0 nach dem Stellungsbild 7.e4 Sc6 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5
11.h4 b4 12.Lf4 wie folgt: 12...a4 13.a3 „!? Fischer’s idea from his game
against Miagmasuren at Sousse. White avoids the black square weaknesses
that result from Black’s playing a3 himself.“ 13...bxa3 14.bxa3 La6 15.Se3
Sd4 “Gheorghiu considers this an improvement on Miagmasuren’s
15...Na5.“ 16.c4 “! The only way for White to obtain the advantage is to de-
stroy Black’s centre in this fashion. Gheorghiu’s manoeuvre involves an
exchange sacrifice, but this is amply rewarded by increased central control.“
16...Sb3 17.cxd5 “!” 17...Sxa1 18.Dxa1 exd5 19.Sxd5 Lxd3 „? A serious
mistake. Black must attempt to relieve the pressure with Sb6!, after which it
is not clear that White has forced winning lines.“ 20. e6 “!”.
 Auf S. 112-113 unterscheidet Keene günstige und ungünstige Umstände, in
den Schwarz f6 spielen kann. Die Partie Yurkov - Donchenko, Moskau 1964,
½-½ errreicht die Stellung 7.e4 Sc6 und es folgte: 8.Te1 Dc7 9.e5 „? Prema-
ture. Qe2 is more accurate.“ 9...Sd7 10.De2 f6 „!“. In der Partie Petrosian,
T.V. - Barcza, Budapest 1952, 1-0 bewertet Keene den Zug f6 von Schwarz
als Fehler: 7.e4 0-0 8.Te1 b6 9.e5 Sd7 10.Sf1 La6 11.h4 De8 12.Lh3 Ld8
13.Lf4 Lc7 14.S1h2 Sd8 15.Dd2 d4 16.Lg2 Lb7 17.Te2 Sc6 18.Tae1 b5
19.c3 dxc3 20.bxc3 b4 21.cxb4 Sxb4 22.Sg4 Sd5 23.Lg5 Kh8 24.Sfh2 Tb8
25.h5 f6 „? Black seeks to redeploy his Queen on a more active front. How-
ever, his position is now reduced to a collection of pawn weaknesses and
White’s solid set-up easily repulses his meagre [dürftige] threats. Correct was
25 …Bd8 26 h6 g6 when Petrosian would have been obliged [gezwungen
wird] to switch his forces to the queenside to gain more ground.”405
 Auf S. 117 benennt Keene eine Beispielpartie (Stein - Klovans, Leningrad
1963, 1-0), in der Schwarz die Spannung im Zentrum durch dxe4 aufhebt,
bevor Weiß e4-e5 spielen kann: 7.e4 Sc6 8.Te1 Dc7 9.Sf1 dxe4 10.dxe4 Td8
11.De2 Sd4 12.Sxd4 cxd4 13.e5 Sd5 14.a3 Ld7 15.Dd3 La4 16. Le4 f5
17.exf6 Sxf6 18.Lf4 „Black has too many weaknesses.“
 Q104-EVANS, bespricht ab S. 39 die Partie Evans – Sherwin, New York
1954/55, 1-0. Zum Stellungsbild 7.e4 Sc6 kommentiert der Autor: „This has
come to be known as the ‚long variation’ because the resulting middle game
positions have been deeply analyzed. [Note that it] can result from either the
French Defense […] or the Sicilian, which gives this key position great
significance.” (S. 51) 8.c3 “In the old days it was not yet known that this is
inaccurate because it provides Black with a ready target after …b5-b4. White

405
Fritz 11 sieht in 25...f6 die beste Fortsetzung für Schwarz, aber trotzdem mit klarem Vorteil für
Weiß (+/- 0.84 in Tiefe 18). Die Schach-Engine bescheinigt Weiß nach 25...Ld8 26.h6 g6 ebenfalls
klaren Vorteil (+/- 0.89 in Tiefe 18).

316
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

should leave the Queenside strictly alone unless it is absolutely necessary to


stop Black from crashing through on that wing. The question, of course, is
whether 8 R1 or 8 e5 is more precise, or whether it makes any difference at
all! The advantage of 8 Te1, apart from being a handy waiting move, is that
8 …Q7 9 e5 Nd7 transposes into the ‘long line’, where Black often prepares
to save a tempo by not moving his Queen to c7. […An] argument against
8 Re1, [is] when 8 …dxe4 9 dxe4 e5 10 d3 Qc7 11 Qc2 transposes into a
standard King’s Indian Defense where White’s extra move is hard to exploit,
although he is very comfortable.” 8...Tb8 […]
 S. 55-59: 7.e4 Sc6 8.e5 Sd7 9.Te1 b5 “Black has learned his lesson and loses
no time with the Queen, which is exposed to tactical threats on c7.” 10.Sf1 a5
11.h4 b4 “the die is cast [die Würfel sind gefallen]. If Black can safeguard
his Kingside, his counterattack can become very strong.“ 12.Lf4 a4 13.a3
“!Fischer introduced this move against Miagmarsuren at the Sousse Interzon-
al 1967.” GM Evans zitiert GM Bobby Fischer (ohne Quellenangabe):
“Believe it or not, I actually spent more time on this innocuous [harmlos]
push (15 minutes) than on any other move in the game! I didn’t want to allow
Black to get in …a3 thereby creating ‘holes’ (weak squares) on c3 and a3. On
the other hand, by stopping to meet his positional threat I am forced to post-
pone [zurückstellen] my own schemes for at least one move. Chess is a mat-
ter of delicate judgement, knowing when to punch and how to duck.”
13...bxa 14.bxa “Up to here I think we can safely say both sides have made
their best moves.”
 Q106-DAVIES, s.p. Nach 7.e4 Sc6 folgt in der Partie Fischer (2780) - My-
agmarsuren (2300), Sousse 1967, 1-0: „Seen that Black has committed his
King to the kingside Whites goes …” 8.e5 “and drives the Knight on f6 a-
way.” 8...Sd7 “Now what is White’s plan in this position after Nd7? First of
all he has to make sure that the e5-pawn is well defended [9. Re1] and his
idea is [to prepare himself] for a Kingside attack [with the typical manoeuv-
re] Nf1-Bf4-h4-Qe2 and the Knight on f1 might come to either e3 or h2 and
then going on to g4.” 9.Te1 b5 “Black meanwhile will advance at the
Queenside in order to trying gain space there and hopefully open lines. His
typical manoeuvre is b5-a5-b4-a4 and a3 if he can. [After White goes b3 now
Black tries to move his Knight from c6 to a7-b5-c3.] In this game Fischer ac-
tually stops this plan as we will see later.” 10.Sf1 b4 11.h4 a5 12.Lf4 a4
13.a3 “I’ve intended to allow Black to go to a3 and then reply with b3, but
I’m not Bobby Fischer.” 13...bx3 14.bxa3 Sa5 “I agree to other commenta-
tors which felt that this was a mistake that the Knight going offside here.
Probably 14...Nd4 would have been rather better. 15. Nxd4 cxd4 16. Nd2 and
Nf3 to put pressure to the pawn on d4. And both sides having chances.”

317
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Q109-SEIRAWAN, S. 210: “Black is happy with his central gains and plays
to strengthen his center. […] By now White’s play should be quite familiar.
He will […] use his e-pawn as a battering ram.” Es folgt die Kommentierung
der Hauptvariante: 7.e4 Sc6 “As White, this was one of Bobby Fischer’s fa-
vorite positions, which he used to score a number of fine wins.[406] While the
center is not locked, it soon will be. The players pursue different plans: White
will go Kingside, Black Queenside.” 8.Te1 b5 “Black gains space on the
Queenside while planning to launch a pawn storm.” 9.e5 Sd7 10.h4 “This is
a key move in White’s plan of attacking Black’s King. The g5-square is to be
used as a likely stepping stone and the h2-square is cleared for reasons that
will soon become apparent:” 10...b4 11.Sf1 a5. Ab hier sieht GM Seirawan
folgende Fortsetzung: 12.S1h2 a4 13.Lf4 „Practice has shown that White has
the better chances.“
 Q117-RYBKABOOK, s.p. Das Rybkabuch folgt zunächst der HV 7.e4 Sc6
8.Te1, wobei die Engine dann - auf Basis der im Buch festgehaltenen Statis-
tik – mit der Fortsetzung 8…Dc7 rechnen würde.
 Q122-BREUTIGAM, S. 216-221. Die Internetpartie Kindermann – Lutz,
2002, 0-1 wird interessanter Weise live von den beiden GM selbst kommen-
tiert. Die Partie beginnt mit 1.e4, erreicht aber im 7.Zug den Aufbau des
KIA-Typs O4.01 (nach 7.e4 Sc6). „Christopher Lutz: Sizilianisch ist meine
bevorzugte Eröffnung gegen 1.e4. […] Stefan spielt also nicht 3.d4 mit
Übergang in den normalen offenen Sizilianer. Stattdessen spielt er den so ge-
nannten königsindischen Angriff, der nach 2... e6 nicht ganz ungefährlich für
Schwarz ist. Stefan Kindermann: Der königsindische Angriff, immer wieder
totgesagt, immer wieder gefährlich... Christopher Lutz: […] Die weißen Chan-
cen in dieser Variante liegen in der Regel am Königsflügel. Er wird e4-e5 folgen
lassen und hat dann dort Raumvorteil. Stefan Kindermann: Christopher spielt
ganz klassisch, die so genannte Uhlmann-Variante. Es sieht so aus, als wür-
de Weiß sehr gute Angriffschancen bekommen, in Wirklichkeit ist die Sache
aber gar nicht klar, Schwarz hat viele Konterchancen. Christopher Lutz: […]
Der schwarze Plan dagegen ist die Expansion am Damenflügel mit …b7-b5,
…a7-a5 und …b5-b4.“ 8.e5 Sd7 9.Te1 b5 10.Sf1 a5 11.h4 b4 „Christopher
Lutz: Der weiße Plan ist etwas einfacher als der schwarze - er spielt Sf1-h2,
Lc1-f4 und dann Sh2-g4 oder Sf3-g5 und Dd1-h5 und matt. Aber soweit
will ich es natürlich nicht kommen lassen. Es wird auf jedenfalls eine scharfe
Partie. Stefan Kindermann: Das Prinzip ist klar, Schwarz stürmt am Da-
menflügel vorwärts und will dort Linien öffnen. Manchmal muss Weiß
auch auf ...Sd4 aufpassen. Weiß setzt natürlich auf Königsangriff. Uhl-

406
In Q004-MEGABASE findet man genau drei Gewinn-Partien: Fischer - Feuerstein (1957), Fi-
scher - Myagmarsuren (1967) und Fischer - Geller (1968).

318
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

mann war als Schwarzer mit dieser Variante immer sehr erfolgreich, nur
einmal hat er gegen Bronstein in 16 Zügen verloren.“ Nach der Partie fügte
GM Lutz (=RR) folgenden Kommentar hinzu: „RR: Das schwarze System
genießt kein allzu hohes Vertrauen, da Weiß oft glanzvolle Siege erringen
konnte. Bei umsichtiger Verteidigung hat Schwarz aber meines Erachtens
gute Chancen, z.B. 12.h5 La6 13.h6 g6 14.S1h2 a4 15.Lf4 Lb5 16.Sg4
Sd4 17.Sgh2 Tc8 18.Lf1 Tc6 19.c4 bxc3 20.bxc3 Sxf3+ 21.Sxf3 Tb6
22.Dd2 Lc6 23.Lg2 d4 24.c4? Lxf3! 25.Lxf3 g5 26.Kh2 Kh8 27.Tg1 Tg8
28.Lh5 Df8 und 0:1 in Rubinetti - Uhlmann, Mar del Plata 1966 […]. Die
Partie, auf die sich Stefan bezog, war 12.Lf4 La6 13.Sg5 De8 14.Dg4 a4
15.Sxe6 und 1:0 in Bronstein - Uhlmann, Moskau 1971.“ 12.S1h2 La6 „Stefan
Kindermann: Jetzt muss ich auch manchmal auf c5-c4 aufpassen, wenn mög-
lich zieht Weiß dann mit d3-d4 vorbei. Weiß hat mehrere nützliche Züge, die
Frage ist nur, welche Reihenfolge? Christopher Lutz: Weiß muss am Damen-
flügel möglichst stillhalten, er sollte abwarten, was Schwarz dort unter-
nimmt. Sein Spiel verläuft eindeutig am Königsflügel.“ 13.Lf4 a4 14.a3
„Stefan Kindermann: Dieser Stopper stammt von Fischer, gilt heute wohl als
Bestes […].“ 14…Lb5 15.h5 „Christopher Lutz: Der weiße h-Bauer ist ein läs-
tiger Geselle. In einer normalen französischen Struktur würde Schwarz
jetzt ...h6 spielen, um den Bauern am weiteren Vorrücken zu hindern. In
dieser Stellung wäre, …h6 aber nicht gut, da Weiß dann schnell Sg4 nebst
Opfer auf h6 folgen lassen würde. Dann ginge es mit Schwarz schnell den
Bach herunter. Daher muss Schwarz das Vorrücken des Bauern nach h6 zu-
lassen - jetzt sind starke Nerven gefragt. Ich kann mich nicht mehr genau er-
innern, was hier jetzt eigentlich normalerweise geschieht - jetzt muss ich
selbst anfangen zu denken! Stefan Kindermann: Weiß darf nicht zu früh den
Springer h2 nach g4 ziehen, damit er nach …Sd4 tauschen und Sf3 ziehen
kann. Jetzt könnte Christopher mit ...c5-c4, d3-d4, …c4-c3 durchbrechen
und sich einen a-Freibauern machen, dafür verliert er dann etwas Dynamik.
Jetzt geht die Partie richtig los, bin gespannt, welchen Plan Christopher
wählt. Zumindest scheint die Sache auch für Christopher nicht eindeutig
zu sein, dachte schon, ich wäre der Einzige, der nicht durchblickt. RR:
15.Sg5 ist der prinzipiell andere Plan für Weiß, aber Uhlmann hat dagegen
ein raffiniertes Defensivmanöver entwickelt: 15...De8! Scheinbar setzt Weiß
nach 16.Dh5 Lxg5! 17.hxg5 auf der h-Linie matt, aber 17…f5! greift die
Dame an, weshalb Weiß nicht den f-Bauern en passant schlagen kann. Nach
Damentausch auf e8 oder Rückzug der Dame hat er aber keinerlei Angriffs-
chancen mehr am Königsflügel. Schwarz steht gut. Zwar umginge 17.Dxg5
diesen Trick, Weiß bekäme aber ebenfalls weniger Angriffschancen. Interes-
sant ist aber 16.c4! bxc3 17.bxc3, z.B. 17…h6 18.c4 hxg5 19.hxg5 La6
20.Dh5 Sd4 21.Sg4 oder 20.cxd5 exd5 21.Lxd5 Sb6 22.Le4 Td8 23.Dh5 g6

319
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

24.Dh6 Lxd3 25.Sg4.“ 15...Tc8 „Christopher Lutz: Ich weiß jetzt nicht, ob
das der richtige Zug ist. Ich will ...Sd4 vorbereiten, und dann - falls Weiß auf
d4 tauscht - Druckspiel auf der c-Linie erzeugen. Stefan Kindermann: Aha,
Christopher hält sich verschiedene Optionen offen: ...c4 oder ...Sd4, zumin-
dest der nächste Zug ist klar, ebenso wie die schwarze Antwort.“ 16.h6 g6
„Christopher Lutz: Ich muss natürlich den Königsflügel geschlossen halten.
Andererseits ist der Bauer h6 nun ein Sargnagel in der schwarzen Stellung.
Ich muss schauen, dass ich die schwarzen Felder g5, f6 und g7 unter Kontrol-
le halte, sonst wird es eng. Jetzt muss Stefan überlegen, wie er weiterkommt.
Ein Tausch der schwarzfeldrigen Läufer wäre natürlich für ihn wünschens-
wert, aber wie soll er das erreichen? Er könnte jetzt 17.Dd2 spielen, dann
Sh2-g4, um den Bauern e5 zu decken, und dann Lf1-g5. Was spiele ich
dann? Eine Idee nach 17.Dd2 ist vielleicht 17...Kh8 nebst ...Tg8 und …g5,
um den Läufer f4 zu erobern. Uhlmann hat einmal so ähnlich gewonnen.
Aber ob ich das so hinbekomme? Stefan denkt jetzt auch sehr lange nach, die
Stellung ist einfach sehr schwierig. Stefan Kindermann: Auf den h-Bauern
setzt Weiß natürlich seine Hoffnungen. Diese Art von Stellung ist sehr selt-
sam, zwar geht es meistens für Weiß nicht direkt weiter, aber gerade wenn
Schwarz die Stellung öffnet, kann sich das gegen ihn richten und Weiß plötzlich
Mattangriff bekommen. Gerade im Endspiel ist der Bauer auf h6 oft sehr läs-
tig für Schwarz. Sehr schwierige Stellung, das kostet Zeit. Der nächste Zug
kann viel entscheiden. RR: Ich beziehe mich hier auf die Partie Rubinetti – Uhl-
mann […].“ 17.Dc1 „Christopher Lutz: Aha, er hat jetzt endlich gezogen. Wa-
rum hat er die Dame nach c1 anstatt nach d2 gespielt? Eine Idee für
Schwarz ist ...Sd4, allerdings ist dies hier noch nicht so effektiv, da der
Springer h2 auf f3 wiederschlagen kann, ...Sd4 ist erst dann gut, wenn
Weiß den Springer h2 nach g4 gespielt hat. Andererseits ist mir nicht klar,
was ich eigentlich spielen soll. Vielleicht noch einen Abwartezug. Ich über-
lege an 17...Kh8, dann geht Lf4-g5 noch nicht, weil ich nach ...Lxg5,
Sf3xg5 auf e5 den Bauern nehmen kann. Wenn er nach 17...Kh8 aber
18.Sg4 spielt, dann kann ich vielleicht...Sd4 spielen. Stefan Kindermann:
Sehr schwierig, jetzt steht die Dame nach ...Sd4 zwar nicht optimal, dafür
aber relativ günstig für den schwarzen Plan mit ...c5-c4, den ich für gefährli-
cher halte. Wichtig ist, dass ich auf ...b4-b3 c2-c4 spielen kann. Wenn
Schwarz ‚nichts macht’, will ich natürlich Sh2-g4 und Lf4-g5 spielen, aber
es wird wohl ... Sd4 oder ...c5-c4 kommen!? Auf ...Sd4 will ich übrigens
wohl a3xb4 spielen, das zwingt ihn, auf f3 zu tauschen, dann mache Dc1-
d2.“ 17…Kh8 „Stefan Kindermann: Geniale Prophylaxe! Er will andeuten, dass
ich doch keinen nützlichen Zug habe, nach Sh2-g4 ist dann ...Sd4 stärker,
weil mir der Springer h2 später für f3 fehlt. Das wünschenswerte Lg5 geht
natürlich nicht, weil dann e5 fällt. Christopher Lutz: Ich habe die ganze Zeit

320
O4.02 Schwarze Bauernkette f/e/d

über das weiße Spiel am Königsflügel geredet und die schwarzen Verteidi-
gungsmöglichkeiten dagegen. Das schwarze Spiel am Damenflügel habe
ich bislang kaum erwähnt. In der tat muss Schwarz in dieser Variante zu-
nächst etwas defensiv agieren, um dann langfristig auf seine Chancen am
Damenflügel zu vertrauen. Weiß hat es nämlich auch nicht so leicht, Fort-
schritte zu machen.“ 18.Lf1 „Christopher Lutz: Stefan macht auch einen War-
tezug. Was nun? Er hat jetzt d3 gedeckt, falls er mal den c-Bauern ziehen
sollte. Ich könnte jetzt ...Tg8 spielen, mit der Idee ...g5. Aber dann geht
19.Lg5! mit der Idee 19...Lxg5 20.Sxg5 Sdxe5 21.f4!, und wenn der Springer
dann von e5 wegzieht, schlägt der weiße Springer auf f7, mit Matt. Stefan
Kindermann: Schaut komisch aus, aber ich will den Status quo halten.
Manchmal ist es nützlich, dass d3 gedeckt ist, wenn er ...c4 spielt, kann ich
d3-d4 antworten, ohne dass ...c3 geht. Vielleicht muss er jetzt auch manch-
mal mit c2-c4 rechnen. Aber der Läufer kann später auch auf g2 sehr feh-
len... Manchmal hat er jetzt Ideen mit ...f6 oder ...f5, das ist aber natürlich
sehr zweischneidig.“ 18…Tc7 „Christopher Lutz: Noch ein Abwartezug. So
habe ich auch den Punkt f7 noch einmal gedeckt, das könnte wichtig werden,
wenn ich ... Tg8 spielen will. Zugegeben, das ist jetzt etwas abstrakt ge-
dacht. Wenn ich noch einmal am Zug wäre, könnte ich jetzt ...Tg8 spielen
und nach Lf4-g5 geht dann ...Sdxe5 und falls dann Sxe5, so ...Lxg5, und
der Springer e5 kann nicht auf f7 schlagen, da der Turm c7 diesen Bauern
deckt. Stefan Kindermann: Gemein, er will immer die Karten noch nicht auf
den Tisch legen und mir die Entscheidung überlassen! 19.c4 ist jetzt ganz in-
teressant, aber er kann tauschen und ...Sa5 ziehen, wenn sich so etwas als
schlecht herausstellt, fühlt man sich ganz blöd…“ 19.c4 „?! Christopher
Lutz: Er verliert die Nerven und macht etwas am Damenflügel. Mir soll es
recht sein. Stefan Kindermann: Tja, Nerven verloren. Ich will nach Tausch
und ...Sa5 dann Ta2 spielen, seltsame Stellung. RR: Nach diesem Zug be-
kommt Schwarz langsam die Oberhand, da er am Damenflügel Fortschritte
gemacht hat, während Weiß weiterhin nichts erreicht. Vielleicht kam ein
Wartezug wie 19.Kh1!? in Frage, wonach beide Seiten kaum die Stellung
verändern können.“

321
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

O4.03 Schwarze Bauernkette f/e/d


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 15 2526/2519 7/ 80/ 13 47/53
gSN 2100-2449 127 2278/2270 27/ 38/ 35 46/54
All ------------- 395 2253/2252 30/ 34/ 36 47/53
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


03, 050%: 7.De1 0-0 8.e4 Lh7 9.De2 c5 10.Se5 Sbd7 11.Sxd7 Dxd7 (= 0.14)
03, 050%: 7.b3 0-0 8.Lb2 Lh7 (= 0.17)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


28, 054%: 7.De1 c6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.b3 a5
07, 043%: 7.De1 0-0 8.e4 Lh7 9.De2 c5 10.Se5 Sbd7 11.Sxd7 Dxd7
18, 047%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.c4 Sbd7 10.Tc1
24, 058%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.c4 a5 10.a3 Sbd7
21, 043%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.Te1
18, 047%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.De1
11, 045%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c5
10, 065%: 7.b3 0-0 8.Lb2 Sbd7
14, 057%: 7.e3 0-0 8.De2 c6

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


059, 51%: 7.De1 c6 8.e4 Lh7 9.De2 0-0 10.b3 a5
021, 43%: 7.De1 0-0 8.e4 Lh7 9.De2 c5 10.Se5 Sbd7
136, 53%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.c4 Sbd7
077, 50%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.c4 a5 10.a3 Sbd7
062, 48%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.De1
059, 47%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.Te1
031, 42%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c5
028, 66%: 7.b3 0-0 8.Lb2 Sbd7
024, 60%: 7.b3 0-0 8.Lb2 Lh7
083, 36%: 7.Te1 c6
032, 39%: 7.Te1 0-0
020, 50%: 7.e3

322
O4.03 Schwarze Bauernkette f/e/d

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07, A12.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: IM Stephen
Mannion, ELO 2331, 5 Partien, 60% Erfolg.
 Nach 7.De1 c6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O3.01 nach
7.De1 Le7.
 Nach 7.De1 c6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O3.05 nach
7.De1 h6.
 Schwarz entwickelt seinen Damenläufer (z.B. im Gegensatz zu O4.01) in
eine aktive Position.
 Der Schwarze kontrolliert das Feld e4. Er versucht hierdurch den typischen
weißen Zug e2-e4 zu verhindern und den Weißen zu einem Tempoverlust
(De1, De2) zu verleiten. Eine Möglichkeit für Weiß wäre: 7.Se5 0-0 8.e4
Lh7 9.De2 bzw. 7.Se5 Sbd7 8.Sxd7 Dxd7 9.e4 dxe4 10.Sxe4 0-0 11.De2
 Weiß entscheidet sich prinzipiell zwischen den Plänen a) Vorbereitung und
Durchsetzung von e2-e4 (HV 7.De1 0-0 8.e4…) mit der Idee e4-e5 oder oder
b) in einen bekannten und für Weiß prinzipiell günstigen Aufbau407 mit b3 /
Lb2 / c4 zu wechseln.
 Beim Zug e4-e5 (z.B. in der Variante 7.De1 0-0 8.e4 Lh7 9.e5; vgl. Q100-
PALLISER, S.184) muss Weiß berücksichtigen, dass die Möglichkeiten des
weißfeldrigen schwarzen Läufers auf der Diagonale h7-b1 verbessert werden.
Beispielpartien
Anastasian (2548) - Riazantsev (2485), Ubeda 2001, A07, ½-½: 1.Sf3 d5 2.g3 Sf6
3.Lg2 Lf5 4.0-0 e6 5.d3 h6 6.Sbd2 Le7 7.b3 0-0 8.Lb2 Sbd7 9.De1 Lh7 10.e4 dxe4
11.dxe4 c6 12.De2 Dc7 13.e5 Sd5 14.Se4 Sc5 15.Sfd2 Tfd8 16.a3 a5 17.h4 Sb6 18.Tad1
Sbd7 19.f4 Sxe4 20.Sxe4 Lxe4 21.Lxe4 Sc5 22.Lf3 Sa4 23.Lc1 Sc3 24.Txd8+ Txd8
25.De1 Sb5 26.a4 Lb4 27.Df2 Sc3 28.h5 b5 29.Le3 Sd5 30.Lc5 bxa4 31.bxa4 Tb8 32.Td1
Db7 33.Ld4 Lc3 34.La7 Tc8 35.Lc5 Db2 36.De2 Lb4 37.Lf2 Sc3 38.Da6 Tf8 39.Td7
Dxc2 40.Dxc6 Dxa4

Quellenauswertung
 Q004-MEGABASE: FM Meulders kommentiert die Partie Chuchelov (2525)
– Kuijf (2475), Antwerpen 1998, A07, 1-0: 7.De1 0-0 8.e4 Lh7 9.De2 Sfd7
10.Se1 Sc5 11.Sb3 Sc6 12.Le3 Sa4 13.c3 „Vielleicht ein bißchen eingelullt

407
Die halbe Tabija: Standard-KIA plus b3 / Lb2 / c4 / a3 ergibt eine neue Eröffnungstheorie aus
weißer Sicht. Dieses System strebt Weiß hauptsächlich im KIA Stellungstyp O3 gegen den schwar-
zen Bauernkeil an.

323
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

durch den vorsichtig schlurfenden Chuchelov entschließt Kuijf sich jetzt zu


einem ambitiösen Plan: der Aufmarsch von d5.“ 13...Lf6 „? Es wäre wohl
besser die Entwicklung weiter zu setzen mit ...Dd7 und 14.f4 mit f5!? zu be-
antworten um den weißen f-Bauer zu stoppen.“ 14.f4 „! Sofort zieht Weiß
den Kampfanzug an. Es droht Einschnürung mittels e5 und d4.“ 14...d4
„Konsequent, aber jetzt wird die Diagonale h1-a8 geschwächt.“ 15.cxd4
Sxd4 16.Df2 „! Weiß steht schon klar besser. Um nicht überrannt zu werden,
muß Schwarz den Damenflügel weiter schwächen.“ 16...c5
 Q015-CAISSA, Bd. IV, S. 268 nach Stellungsaufbau 7.b3 c6 8.Lb2 0-0 wird
mit 9.e3 (Wohlfahrt – Von Alvensleben, Dortmund 1992, ½-½) bzw. 9.Se5
(Kataev – Yudasin, Sverdlovsk 1991, ½-½) fortgesetzt.
 Q095-ECO, S.32 folgt der HV bis 7.De1 0-0 8.e4 Lh7 9.De2 c5 10.Se5 und
setzt dann fort mit 10...Te8 11.b3 Sfd7 „=“.
 Folgt der HV bis 7.b3 0-0 8.Lb2 und setzt dann fort mit 8...c5 9.c4 Sc6
10.cxd5 exd5 11.Tc1 Db6 „=“.
 Nach erreichen des Stellungsbildes 7.b3 0-0 8.Lb2 Sc6 9.c4 Lh7 geht es
weiter mit: 10.a3 a5 11.cxd5 exd5 „=“.
 Q096-NCO, S. 15 benennt die HV 7.b3 0-0 8.Lb2 Lh7 und setzt wie folgt
fort: 9.c4 Sc6 10.Se5 Sxe5 11.Lxe5 Sd7. Die entstehende Stellung wird als
„=“ eingeschätzt. Die Variante und die Bewertung der Endstellung stammen
von GM Emms.
 Q100-PALLISER, S. 183-186. 7.De1 „Forcing through the e4-advance, and I
imagine that this direct approach will be especially popular at club level.
Stronger players may well prefer one of the more flexible alternatives:”408
 A) 7.b3 0-0 8.Lb2 Lh7 mit der Fortsetzung 9.c4 “!? realizing that pushing
through e4 isn’t especially promising, White tries to deviate […]” 9...Sc6 “!
obstructing the c-pawn may appear a little strange, but Black wants to advan-
ce with …d4 and …e5” 10.Se5 “drawish exchanges now follow, but 10 a3 is
simply met with 10…a5 and White continues to experience problems since
he can’t move his e-pawn due to the weakness of d3” 10...Sxe5 11.Lxe5 Sd7
12.Lb2 Lf6 13.Dc2 Lxb2 14.Dxb2 Df6 15.Dxf6 Sxf6 „was rather equal and
agreed drawn in B. Gulko - A. Yusupov, Horgen 1955.“
 B) 7.Se5 “is an intriguing way to try and gain a tempo on the main line. Af-
ter” 7...0-0 8.e4 Lh7 9.De2 “White has done just that[409], and so Black

408
Da es sich um eine Theoriestellung mit vergleichsweise vielen Belegpartien handelt irrt IM
Palliser mit seiner Annahme, dass die Variante 7.De1 eher auf vereinsniveau gespielt wird.
409
Die Spielweise der Hauptvariante (main line) wäre De1 und später dann De2. In diesem Beispiel
kann Weiß sofort De2 ziehen und damit ein Tempo gewinnen.

324
O4.03 Schwarze Bauernkette f/e/d

should prefer 7…Nbd7! 8 Nxd7 Nxd7 (Emms[410]), when 9 e4 dxe4


10 Nxe4 0-0 11 Qe2 c6 is pretty even.”
 C) 7.c4 c6 8.b3 Sbd7 9.Lb2
 IM Palliser folgt in seinem Text zunächst der HV 7.De1 0-0 8.e4 Lh7 und
weicht dann ab mit 9.e5 „A typical advance, but it might well be more testing
not to open up the h7-bishop […Q009-FRITZ11: -0.43 Tiefe 18]” 9...Sfd7
10.De2 c5 11.Te1 „Preparing Nf1, h4 and Nh2-g4 in typical King’s Indian
Attack fashion.” 11...Sc6 12.Sf1 Kh8 „!?“ “Preparing to break up White’s
kingside play with a timely …f6 break.” 13.h4 Tc8 14.h5 f6 „! Both sides
have continued in consistent vein [Stimmung], except that White’s play has
rather neglected [vernachlässigen] the position of Black’s light-squared bis-
hop.“
 Q103-BAGIROW, S. 93: „Eine ‚listige’ Behandlungsweise der Eröffnung
besteht für Schwarz darin, daß er […] auf den Zug c6 verzichtet.“ Nach
7.De1 0-0 8.e4 Lh7 9.De2 in der Beispielpartie Plachetka – Jussupow, 1982,
0-1, „rückt er den c-Bauern mit Tempogewinn gleich zwei Felder vor –
9…c5. Die naheliegende Spielweise“ 10.b3 Sc6 11.Lb2 c4 „!“ 12. bc de 13.
de Dc7 14.e5 Sd7 15.Sb3 Tac8 „sichert dem Nachziehenden für den geop-
ferten Bauern eine vortreffliche Stellung“. Besser für Weiß dürfte“ 10.Se5
„!?“ Sbd7 11.Sxd7 Dxd7 12.e5 Se8 „sein, und nun entweder“:
 A) 13.Sf3 Sc7 14.g4 „?!“ f5 15.exf6 e.p.Lxf6 16.h4 e5 17. g5 e4 „mit kom-
pliziertem Spiel, Gutman – Dworezki, Moskau 1979“411, oder
 B) 13.f4 Sc7 14.Sf3 d4 15.Sd2 Sd5 16.Se4 b5 17.g4 „und die Stellung steckt
voller Leben, Podgagjez – Ubilawa, Tallinn 1983 [½–½]. Mir scheint, daß
Weiß die besseren Chancen besitzt, weil sich seine Offensive in der Nähe des
gegnerischen Herrschers abspielt.“
 Q109-SEIRAWAN, “[…] Black’s pieces control the e4-square. Good for
him! So what should White’s plan be? The King’s Indian Attack is based up-
on White trying to push his e2-pawn up the board. […] Note that Black has
developed the f5-Bishop outside of his pawn chain.” (S. 203) „Black is happy
to develop and to prepare to castle.” (S. 204) Mit der im Praxisegment für
Weiß – statistisch gesehen – erfolgreichsten Variante 7.b3 0-0 8.Lb2 Sbd7
und der angegebenen Fortsetzung 9.Te1 kommentiert der GM Seirawan:
„White is now prepared to push his e-pawn up the board with tempo. He can
then play for a Kingside attack by playing e4-e5 to push away the f6-Knight,
or by playing in the center: White’s good Bishops and flexible position gives

410
Da GM Emms den Typ O4.03 in seinem Buch zum KIA (Q063-EMMS05) nicht behandelt ist die
Quellenlage hier unklar.
411
Diese Partie ist nicht in der MegaBase gelistet.

325
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

him the advantage in a position where neither player needs to worry about the
latest theoretical wrinkle [Kniff].”412
 Q106-DAVIES, s.p., nach Stellung 7.De1 c6 8.e4 Le7 9.De2 0-0 folgt in der
Partie Gutman – Leinov, Israel 1980, 1-0: 10.Kh1 „Gutman started a very
interesting plan“ [which will use the g-file to attack Black’s king]. 10...Sbd7
11.e5 Se8 12. Tg1 Sc7 13.g4 f6.

412
Es stellt sich die Frage, warum Schwarz 8...Sbd7 (= +0.22, Fitz11) spielen sollte, wie von GM
Seirawan vorgeschlagen? GM spielen in der Theorie hier 8...Lh7 (= +0.09, Q009-FRITZ11). Davon
auszugehen, dass der Gegner nicht den stellungsgemäßen (Theorie-) Zug kennt bzw. findet, ist nicht
empfehlenswert.

326
O4.04 Schwarze Bauernkette f/e/d

O4.04 Schwarze Bauernkette f/e/d


Kennzahlen
Typ Spielstärke Anz ELO-ø GRV-% in-%
GM 2450-2875 13 2539/2583 8/ 61/ 31 38/62
gSN 2100-2449 13 2264/2324 31/ 23/ 46 42/58
All ------------- 47 2309/2399 17/ 36/ 47 35/65
GM = Großmeister / gSN = gehobenes Spielniveau / All =
Partien unabhängig von der ELO-Zahl. n, m% = Variante mit
n belegten Partien und einer Erfolgsquote von m% aus der
Sicht von Weiß für Weiß / n bzw. die Summe der n kann
wegen Zugumstellungen größer sein als Anz der Partien zum
Stellungsbild. (m) = Manuell (Analysesoftware ohne Ergeb-
nis, obwohl die Zugfolge in zwei Partien vorkommt).

Eröffnungsvarianten auf Basis der GM-Partien


05, 050%: 7.e4 0-0 (= 0.06)
07, 029%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.c4 (= -0.03)
16, 041%: 7.h3 Lh5 8.e4 c6 (= 0.20)
03, 033%: 7.h3 Lh5 8.e4 0-0 (= 0.01)

Nebenvarianten auf Basis der gSN-Partien


23, 061%: 7.De1 0-0 8.e4 c6
03, 033%: 7.b3 0-0 8.Lb2
04, 063%: 7.c4 c6

Nebenvarianten auf Basis der All-Partien


60, 048%: 7.e4 c6 8.De1 0-0 9.h3 Lh5
04, 038%: 7.e4 0-0 8.De1 c5 9.h3 Lh5
19, 037%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.c4 a5 10.a3
17, 035%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.e4
16, 047%: 7.b3 0-0 8.Lb2 c6 9.De1
06, 067%: 7.b3 0-0 8.Lb2 a5 9.a3 c6 10.De1 b5 11.e4

Anmerkungen
 Die Erfolgsaussichten für Weiß sind statistisch gesehen schlecht.
 Die GM-Partien sind vom ECO-Code: A07.
 Die meisten Partien in der KIA0000-2875-O mit Schwarz hat: IM Jean Pierre
Boudre, ELO 2340, 3 Partien, 100% Erfolg.
 Nach 7.e4 c6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O3.03 nach 7.e4
Se7.

327
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

 Nach 7.e4 c6 ergibt sich dasselbe Stellungsbild wie in Typ O3.07 nach 7.e4
Sd7.
 Weiß konzentriert sich in seiner Planung darauf, die Durchsetzung von e4
oder den bekannten und für Weiß prinzipiell günstigen Aufbau413 mit b3 /
Lb2 / c4 zu erreichen.
 Schwarz entwickelt seinen Damenläufer (z.B. im Gegensatz zu O4.01) in
eine aktive Position.
Beispielpartien
Comas Fabrego (2507) - Perez Candelario (2522), Lorca 2005, A07, ½-½: 1.Sf3 d5
2.g3 Lg4 3.Lg2 Sd7 4.d3 e6 5.0-0 Ld6 6.Sbd2 Se7 7.b3 0-0 8.Lb2 a5 9.a3 c6 10.c4 Db8
11.Tc1 h6 12.Tc2 Te8 13.Da1 e5 14.cxd5 cxd5 15.Tfc1 Sc6 16.Sf1 Le6 17.Se3 d4 18.Sc4
Lf8 19.Sfd2 Ta6 20.Db1 Se7 21.b4 axb4 22.axb4 Sd5 23.b5 Ta4 24.Sf3 Tb4 25.Da1 f6
26.La3 Txb5 27.Lxf8 Txf8 28.Da3 Tc5 29.Sfd2 Tc6 30.Lxd5 Lxd5 31.Tb2 Da8 32.Dxa8
Txa8 33.Tcb1 Tca6 34.f4 Kf7 35.Kf2 Ke6 36.Sf3 Lc6 37.Txb7 Lxb7 38.Txb7 Ta2
39.fxe5 fxe5 40.Tb5 Tb8 41.Txb8 Sxb8 42.Scxe5 Kd5 43.Sg6 Sc6 44.Sf4+ Kd6 45.h4
Ke7 46.g4 Kf6 47.Sh5+ Kf7 48.Sf4 g6 49.Kg3 Ta8 50.Kf2 Ta2 51.Kg3 Tb2 52.Kf2 Ta2
53.Kg3 Ta4 54.Kf2 Ta2

Quellenauswertung
 Q001-SMITH-HALL90, S. 36ff: „Die Idee des Nachziehenden [...] ist die
Errichtung eines Bauernbollwerks mit Bauern auf c6, d5 und e6, um die Aus-
sichten des fianchettierten weißen Königsläufers einzudämmen“. (S. 32)
Schwarz entwickelt seinen „Damenläufer, bevor er ...e7-e6 spielt, was diesen
einsperren würde.“ Der Läufer strebt nach g4. „Spielt der Anziehende später
h2-h3, so hat Schwarz grundsätzlich zwei Möglichkeiten, ...Lg4xf3 und
...Lg4-h5. Die Idee von ...Lg4xf3 ist Vereinfachung, wodurch die weißen
Aussichten auf einen lang anhaltenden Druck verkleinert werden, während
der Vorteil des Läuferpaars größtenteils durch das zentrale Bauernbollwerk
c6, d5 e6 kompensiert wird, das es Weiß erschwert, seinen Königsläufer zu
aktivieren. Der Rückzug ...Lg4-h5 beabsichtigt, das Läuferpaar sowie die
Spannung zu erhalten.“ (S. 36)
 Q004-MEGABASE, P. Horn (ELO 2295) kommentiert die Partie Carlo
D’Amore - Jean Luc Costa, Biel 1990, 1-0 und merkt nach 7.e4 c6 an: „Der
Aufbau mit Se7 statt Sf6 wurde durch Beispiele von Keres aktuell. Die Fle-
xibilität der schwarzen Stellung hat danach immer ihre Anhänger gefunden.“

413
Die halbe Tabija: Standard-KIA plus b3 / Lb2 / c4 / a3 ergibt eine neue Eröffnungstheorie aus
weißer Sicht. Dieses System strebt Weiß hauptsächlich im KIA Stellungstyp O3 gegen den schwar-
zen Bauernkeil an.

328
O4.04 Schwarze Bauernkette f/e/d

Und nach 8.exd5 cxd5 9.c4 „Der bereits mit 8.exd5 eingeleitete Angriff im
Zentrum scheint mir wenig Erfolg zu versprechen.“
 Q008-DUNNINGTON98, S. 105f: “So often a piece with which Black has
problems, the queen’s bishop immediately finds a home, allowing Black the
option of establishing a solid pawn centre with …e6 without closing the bis-
hop out of play. […] White almost always hits the queen's bishop with h2-h3,
giving Black the choice of whether or not to surrender the bishop pair. Gene-
rally this is only a good idea if the resulting simplification decreases White's
attacking potential. It is better to preserve the tension and retreat to h5. Ha-
ving said this, it is surprising how many masters make the mistake of volun-
tarily exchanging on f3. In general, White's space advantage and attacking
possibilities give him a good game, and Black's position also lacks flexibility.
[…] Another important feature of the ...Bg4 Variation is Black's pin on the
d1-h5 diagonal.”
 Q016-HENLEY-MADDOX, S. 6: “This aggressive bishop posting [Bg4] is
apparently black’s most effective defense against the King’s Indian Attack
[…] The important thing is that Black developed his bishop BEFORE
playing … e6. The additional pressure and the extra kingside defender make
a successful kingside attack much more difficult to mount.“
 In der Partie Portisch - Ivkov, Amsterdam 1969, 1-0 setzt Schwarz nach dem
Stellungsbild 7.e4 c6 8.b3 0-0 9.h3 Lh5 10.Lb2 fort mit 10...Tc8 „?!. This
seems rather passive as it allows white to build up.” Don Maddox prefers „a
more active plan with 10...a5” (S. 73).
 Nach 7.b3 c6 spielt Keres in der Variante 8.Lb2 0-0 9.c4 a5 10.a3 b5 „Black
shows proper handling of the variation by seeking active counterplay.“
(S. 78, Butnorius - Keres, Moskau 1972, 0-1)
 Nach 7.b3 c6 wird fortgesetzt mit 8.Lb2 0-0 9.c4 f5 und Don Maddox kom-
mentiert wie folgt: „Black sets up a Stonewall [Bezeichnung für die Bauern-
formation c6/d5/e6/f5] Dutch formation with the light-squared bishop deve-
loped on g4 instead of locked in at c8.“ (S. 79)
 Q017-HENLEY-HODGES, S. 59: [Weiß kann den Läufer mit h3, g4 nach g6
dirigieren und dann mit Sh4 angreifen.] “A prelude to white’s kingside
attack, forcing the exchange of knight for the Bg6 and playing for e4-e5 and
a kingside pawn storm.”
 Q031-WEINSTEIN, S. 14ff, nach 7.e4 c6 mit der Variante 8.b3 0-0 9.h3
Lh5 10.Lb2 Se5 11.g4 „White undertakes a general advance of the kingside
pawns in order to shut the Black Q-Bishop out of play. In addition the bishop
will soon need an escape path to avoid being trapped by the onrushing
pawns. This will require a move of either the Black rook-pawn or the bishop-

329
Theorie der KIA-Eröffnung für Sf3/g3/Lg2/0-0/d3/Sbd2

pawn, which will enable White to open an avenue of activity for h