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WU Offensiv

No. 2 SoSe 2011

Verband Sozialistischer Studentinnen und Studenten I seit 1889

verschwindet
Wohin

Geld
das

ÖH-WU
der
?
Wu Offensiv

Inhalt

Editorial
Seite 2 Diese Inhaltsangabe;
Editorial

Seite 3 Gestank im ÖH-Haus:


ÖH-WU verstößt gegen
eigene Satzung
Dass die Aktionsgemeinschaft die-
Seite 4 Fehlbeträge im Budget: bundesweiten ÖH-Wahlen zu einer rei-
Aktionsgemeinschaft fährt
ÖH-WU an die Wand nen OH-WU-Wahl degradieren will, mag Nur: All die Plakate, Hochglanzbro-
zwar eine wahltaktische Überlegung ge- schüren, Raiffeisengeschenke und der
Seite 6 Verdachtsmomente: Wohin wesen sein, wirkt aber reichlich kleinka- ganze andere Schrott, den die AG ton-
veschwinden die Einnah-
men vom Cocktailstand? riert und provinziell. nenweise auf die die Uni karrt, und mit
dem sie versucht ihre blasse Präsenz
Seite 7 Sozialaktion gekürzt, Überhaupt stengt sich die AG an, aufzublasen, kann nicht darüber hin-
Öffentlichkeitsarbeit aus-
gebaut. Die irre Prioritäten- es anderen wahlwerbenden Verbänden wegtäuschen. Da fehlen völlig die Kon-
setzung der ÖH-WU so schwierig wie möglich zu machen. zepte. Dagegen zu sein, wenn das Rek-
Im Versuch ihre Macht als Platzhirsch torat Prüfungsantritte streichen will, ist
Seite 8 Kein Kopierpickerl für WU- zu demonstrieren, schreiben sie sich to- keine Forderung, sondern Pflicht. Das
Studierende. Warum an der
WU Kopieren teuer bleibt. tal fair einen riesen Dekadenzstand in gleiche gilt für das Ende der Diplom-
der Mitte der Uni zu. Bei der Verteilung studiengänge. Auf die beschissenen Zu-
Seite 9 Interview mit Oona Krois- der Plakatständer auf dem Unigelän- stände auf der WU haben sie auch keine
leitner (ÖH Uni Wien):
„Kopierpickerl von ÖH-WU de kannst du dir ja selber ein Bild ma- Antworten. Im letzten Wahlkampf hieß
abgelehnt“ chen und unsere suchen gehen. Die Ak- es noch „freier Hochschulzugeng“, dann
tionsgemeinschaft führt also auch dieses wollten sie einen Einstiegstest, bei der
Seite 10 Palmen.
Einladung zum Unichillout Jahr einen Wahlkampf nach dem Motto: Abstimmung über die neue Eingangs-
(18. Mai hinter der Bib!) Materrialschlacht statt Inhalte. Das Kir- phase haben sie sich enthalten und nun
scherl auf der dem Ganzen sind die neu- sagen sie gar nichts mehr dazu.
Seite 11 Termine, Glosse
en orangen ÖH-WU Shirts. Jetzt können
alle ÖH-Mitarbeiter_innen in der Frakti- Insgesamt scheint es so, als ob die
onsfarbe der AG herumrennen. Bezahlt AG, je mehr sie sich versucht aufzub-
haben das natürlich die Studierenden der lähen, mehr und mehr inhaltsleer und
WU mit ihrem ÖH-Beitrag. hohl wird. Es gilt also, sich die Ohren
zuzuhalten, denn der Platzhirsch droht
zu platzen. Oder anders gesagt: Was
sich so aufbläht, kann nur einen riesen
Schaß produzieren. Oder noch ander-
ser: Wer ständig herumbläht, dort geht
schnell was in die Hose.
Lawrence Hall
studiert Wirtschaftsinformatik
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Fairkackt

Es stinkt im Hause ÖH-WU


Viele Studierende schätzen die Angebote der ÖH-WU. Leider verschwinden regelmäßig größere Geld-
beträge spurlos. Wenn dann Belege nicht mehr vorgelegt werden, müssen wir den Mief bemerken.

Bei einer Einsicht in die Rechnungen des §16,(3) Satzung der ÖH-WU: Arsch in die nächste Exekutive retten kann.
ÖH-WU Cocktailstands mussten wir enorme Die Mandatarinnen und Mandatare sind be- Und drittens geht das Ganze wieder auf Ko-
Fehlbeträge von mehreren tausend Euro fest- rechtigt, in alle schriftlichen Unterlagen der sten der Studierenden, weil das alles ja aus
stellen: zwischen dem durch den Verbrauch UV Einsicht zu nehmen und Abschriften (Ko- deren ÖH Beitrag gezahlt wird.
errechneten Gewinn und dem von der ÖH- pien) davon zu verfertigen. Die Einsichtnah-
WU angegebenen Gewinn. (Bericht auf Sei- me ist auf die Zeit der Dienststunden be- In einer Demokratie ist die Opposition
te 6) Die Termine für die Rechnungseinsicht schränkt. nicht nur Berechtigt, sondern auch verpflich-
verschob der Wirtschaftsreferent der ÖH-WU tet die Exekutive zu kontrollieren. Zu diesem
mehrmals. Als wir ihn endlich erwischen Dementsprechend überrascht waren wir, Zweck hat eine Opposition auch Einsichts-
konnten, beteuerte er zwar, dass er die Do- dass der Wirtschaftsreferent nach wochen- rechte in alle offiziellen Dokumente des Gre-
komente erst sehr lange suchen müsse und langen Ausreden und Terminverschiebungen miums, indem sowohl Opposition als auch
dass das sicher Stunden dauern würde. Nach- uns erklärte, dass er uns, den UV-Mandadar_ Exekutive sitzen. Dieses Gremium ist auf
dem wir aber fest darauf beharrten und auch innen, von nun an keine Rechnungen mehr der Wirtschaftsuni die Universitätsvertre-
die Warterei in Kauf nahmen, musste er uns zeigen wolle.Weiters wolle er sich einen An- tung (UV). In der UV sitzen gewählte Vertre-
schlussendlich Kopien der verlangten Rech- walt nehmen, der diesen Schritt rechtlich ter_innen der AG, des VSSTÖ und der Gras,
nungen aushändigen. prüfen soll. wobei die AG ja bekanntlich die Exekutive
stellt, und somit auch die Regierung, die ÖH-
Um genau vorzugehen wollten wir die §32,(6) HSG WU besetzt. Rechlich gilt die ÖH-WU aber
erhaltenen Zahlen mit jenen der letzten Jah- Jede Verrechnungsunterlage und jede Ver- immer als Teil der UV. Die Oppositions- und
re abgleichen. Die ÖH-WU ist dazu verpflich- rechnungsaufschreibung ist sieben Jahre auf- Kontrollfunktion kommt demnach dem VS-
tet alle Rechnungen und Verträge einige Jah- zubewahren. Die Aufbewahrungsfrist beginnt STÖ und der Gras zu.
re auftzubewahren und sie auf Verlangen mit dem Ende des Rechnungsjahres, auf das
der Opposition vorzulegen. Dass diese Ein- sich die Unterlage oder Aufschreibung be- Wir im VSSTÖ nehmen unsere Kontroll-
sicht in alle schriflichen Dokumente der ÖH zieht, jedoch nicht vor Erstellung des diesbe- verpflichtung sehr ernst, weil wir auch das
hat ist in der Satzung der ÖH-WU selbst gere- züglichen Jahresabschlusses. Gefühl haben, dass die AG durch ihre jah-
gelt. (Der Satz mit den Dienststundenn ist in- relange Herrschaft an der WU inzwischen
sofern irrelevant, als dass wir auf Nachfra- Diese Aktion ist aus drei Gründen ein glaubt, tun und lassen zu können was sie
ge erfuhren, dass der Wirtschaftsreferent gar Sklandal. Erstens wird uns (VSSTÖ) das will.
keine geregelten Dienststunden hat) Recht auf Kontrolle der Geschäfte der ÖH-
WU genommen. Zweitens dauert diese An-
waltsprozedur sicher solange bis die ÖH-
Wahlen vorüber sind, und die AG ihren

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ÖH-WU macht Verlust:


es fehlen 120.740 Euro
Wäre die von der Aktionsgemeinschaft geführte ÖH-WU eine Firma, dann wäre sie jetzt pleite.
Die Wahrheit hinter dem ÖH-Budget Patrick Pechmann
studiert Volkswirtschaft

In unserer Funktion als starke Oppositi- Fakt ist aber, dass sich die Budgetsi- Bilanzierungstrick gelungen. Offiziell wurde
on an der WU haben wir die Budgetberichte tuation der ÖH-WU von Jahr zu Jahr ver- ein Gewinn von 30.105 Euro erwirtschaftet.
der letzten Jahre analysiert und darin einen schlechtert. Erwirtschaftete die ÖH-WU im Doch wie ist das gelungen?
eindeutig negativen Trend erkannt. Die AG Studienjahr 2007/2008 noch ein Gewinn
geführte ÖH-WU schreibt jedes Jahr schlech- von 101.100 Euro sieht die Situation ein Jahr Die ÖH-WU und die ÖH Uni Wien sind
tere Zahlen. Von vernünftigem Wirtschaf- später schon ganz anders aus: Im Wahl- beide Eigentümer_innen der Buchhandlung
ten mit unseren ÖH-Beiträgen kann nicht die jahr 2008/2009 verzeichnet die ÖH WU ei- Facultas. Facultas wiederum ist eine Akti-
Rede sein. nen Verlust von 120.740 Euro. Überhaupt engesellschaft und kann demnach Dividen-
lässt sich bei der Analyse der Budgetzahlen den ausschütten. Die letzte Ausschüttung be-
Prinzipiell ist die ÖH (Österreichische im Zeitverlauf ganz klar erkennen, dass in lief sich auf 65.000 Euro. An der Uni Wien,
Hochschüler_innenschaft) eine Körperschaft Wahljahren überproportionale Ausgaben an- wo der VSStÖ die ÖH-Exekutive stellt, wur-
öffentlichen Rechts und kann somit keinen Ge- fallen und das Defizit dadurch enorm an- de dieses Geld in die Schaffung des Kopier-
winn oder Verlust bilanzieren. In anderen Wor- steigt. Das legt natürlich den Verdacht nahe, pickerls investiert. Damit ist es den Studie-
ten: wenn der ÖH am Ende eines Jahres Geld dass hier mit Studienbeiträgen der ÖH-Wahl- renden möglich, billiger als vorher Kopien
übrig bleibt, werden Rücklagen gebildet, wird kampf finanziert wird. anzufertigen. Das Geld ist also direkt bei den
hingegen ein Verlust erwirtschaftet, müssen Im Studienjahr 2009/2010 ist den Ver- Studierenden angekommen und wurde so-
diese Rücklagen wieder aufgelöst werden. treter_innen der Aktionsgemeinschaft ein mit sinnvoll eingesetzt. Die Aktionsgemein-

25000

20000 Erträge
15000 Aufwände
Gewinn
10000

5000

0
2006/2007 2007/2008 2008/2009 2009/2010
ÖH-WU Cocktailstand: Erträge und Aufwände schrumpfen im Gleichschritt
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ÖH-WU Budget:
Die Jahresabschlüsse liegen regelmäßig unter Null

schaft an der WU hat dieses Geld lei-


der nicht im Sinne der Studierenden
verwendet, da sie dazu gezwungen
war, es zum Stopfen der Budgetlöcher
zu nutzen. Ansonsten hätte sie auch
in einem Nicht-Wahljahr einen Verlust
von 34.895 Euro eingefahren.

Gleichzeitig werden die knappen


Ressourcen, die die ÖH-WU zur Ver-
fügung hat, katastrophal aufgeteilt.
Während das Budget des Sozialreferats
extrem schrumpft, steigt das Budget
des Öffentlichkeitsreferats stark an.
Hat vor drei Jahren noch 136.000 Euro
an Geldern verbraucht, waren es ein
05/06 06/07 07/08 08/09
Jahr später schon 167.000 Euro, die für
Eigenwerbung draufgegangen sind.
Die wesentlichste Aufgabe dieses Refe-
rats besteht nämlich hauptsächlich in der He- Euro abgespeist. Die Prioritäten der Aktions- Wofür werden also hier tatsächlich die
rausgabe der Zeitung der ÖH-WU (WU-Aktu- gemeinschaft sind aus diesen Gründen nicht ÖH-Beiträge der Studierenden verwendet? Es
ell). Dass dieses Referat ein Fass ohne Boden nachvollziehbar. bleibt der Eindruck, dass der Aktionsgemein-
darstellt, beweisen wiederum die Zahlen für schaft in der ÖH-WU die Eigenwerbung ein
2009/2010. Da waren es denn schon 198.000 Während der Analyse des ÖH-Budgets ha- wichtigeres Anliegen ist, als die wirkliche
Euro, die dieses Referat verbraucht hat. ben wir außerdem einige Rechnungen geprüft. Unterstützung der Studierenden. Daher fällt
Unter anderem waren wir über die sehr nied- es nicht schwer zu beurteilen, dass die Ak-
Auf der anderen Seite wird das Bud- rig ausgewiesenen Gewinne des ÖH-WU Cock- tionsgemeinschaft damit definitiv nicht im
get der Sozialaktion drastisch gekürzt. Die- tailstands überrascht und haben die diesbezüg- Interesse von uns Studierenden handelt und
ses könnte direkt den Studierenden zugute lichen Finanzen daraufhin genauer unter die ihre Verantwortung in der ÖH-WU für Ei-
zu kommen. Die Sozialaktion sollte eine Ein- Lupe genommen. Nach diesen Überprüfungen genzwecke missbraucht.
richtung der ÖH sein, an die sich Studierende liegt es nicht nur nahe, der Aktionsgemein-
wenden können, um Unterstützung während schaft schlechtes Management vorzuwerfen, Der VSSTÖ fordert ein transparentes
einer finanziellen Notsituation zu bekom- sondern in diesen Finanzen scheinen hohe Be- Budget und die Verwendung der ÖH-Beiträ-
men. Auch ein anderes wichtiges Referat, wie träge zu fehlen, die scheinbar nicht im Budget ge für Projekte, die im Interesse der Studie-
etwa das Frauenreferat wird mit nur 3.100 der ÖH-WU gelandet sind. renden sind.

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Wo sind die Einnahmen


des Cocktailstands
Fast alle kennen den Cocktailstand. Nur die wenigsten schaffen es, im Lauf ihres Studiums
einen Bogen um ihn herum zu machen. Leider hat sich in den letzten Jahren ein bitterer
Beigeschmack entwickelt.

Für einen von der ÖH betriebenen, auf Kostendeckung ausgerich- das die tatsächliche Anzahl der verkauften Cocktails ist, ist die Frage,
teten Cocktailstand sind die Preise inzwischen relativ hoch bemessen. warum die ÖH WU 12.500 Becher, also fast das Dreifache, anschafft.
Im letzten Jahr wurden sie von 3 Euro auf 4 Euro erhöht, was gar Schließlich betreibt sie diesen Cocktailstand jedes Jahr und sollte eine
nicht mehr so billig ist. Merkwürdig ist deswegen, dass im Jahresab- gewisse Erfahrung in der Organisation und folglich in der Mengen-
schluss der ÖH-WU ein Gewinn von nur 1.226,99 EUR ausgewiesen kalkulation haben. Der Hausverstand sagt, da kann etwas nicht stim-
ist, und das bei 18 Tagen Vollbetrieb. Deshalb haben wir uns die Zah- men. Unseren Berechnungen zufolge müsste also der tatsächliche
len und Rechnungen einmal genauer angesehen: Gewinn des Cocktailstandes viel höher sein, als im Jahresabschluss
ausgewiesen.
Der Jahresabschluss der ÖH-WU verrät nicht viel über den Cock-
tailstand, abgesehen von 15.469,41 Euro an Aufwendungen und Erträ- Aus dem Finanzbericht der ÖH-WU geht klar hervor, dass sie der-
gen von 16.696,40 Euro, woraus sich der besagte niedrige Gewinn er- zeit mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Ihre Rücklagen
gibt. Bei der normalerweise großen Nachfrage nach WU-Cocktails ist schmelzen dahin. Zufälligerweise schrumpfen gleichzeitig auch die
das ein erstes Indiz dafür, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen Einnahmen der ÖH-WU beim Cocktailstand. Vor 3 Jahren sind diese
zugeht. Vor allem wenn man bedenkt, dass außer dem Materialauf- auf einmal eingebrochen.
wand für die Getränke und Becher kaum Kosten anfallen, denn das
Personal der ÖH-WU arbeitet dort ehrenamtlich. Es sind letztlich unsere ÖH-Beiträge, mit denen Veranstaltungen
wie der Cocktailstand finanziert werden. Wir haben daher ein Recht
Skeptisch wegen des niedrigen Gewinns des Cocktailstandes darauf, dass damit vernünftig umgegangen wird. Doch gerade in die-
haben wir die Rechnungen von 2010 durchgesehen und schon bald ser Causa haben wir wieder den Eindruck bekommen, dass das Geld
tauchten erste Fragen auf: Die ÖH-WU hat im Materialaufwand den für andere Zwecke ausgegeben wird.
Kauf von 12.500 Bechern verbucht. Bei einem Preis von 4 Euro pro
Becher würden sich bei vollem Verbrauch daraus Erlöse in Höhe von Der VSSTÖ hat in dieser Angelegenheit eine Aufsichtsbeschwerde
rund 50.000 ergeben. Die ausgewiesenen Erlöse von 16.969,40 kom- gemäß § 51 HSG 1998 an das Wissenschaftsministierum, das zustän-
men an diesen Betrag bei weitem nicht heran. Diese können nur durch dige Kontrollorgan übermittelt.
einen Verbrauch von rund 5.000 Bechern zustandekommen. Wenn

Die Ungereimtheiten
Geht es nach dem Materialaufwand, stehen 1221,85 Liter für Der ausgewiesene Gewinn aber ist mit 1.226,99 Euro nur ein
Cocktails zur Verfügung. Ein Cocktail hat 250 ml. Bruchteil dieser Summe.
Unter Berücksichtigung, dass ein Cocktail zu 20% aus Eiswür-
feln besteht (also rund 50 ml) verbleiben 200 ml für Alkohol Ein realistischeres Szenario wäre dann schon ein Eisanteil von
und Säfte. In diesem schon sehr konservativen Szenario hätte 40% in einem Cocktail. Dabei würde der Cocktailstand einen
die ÖH-WU einen Gewinn von 7.438,59 Euro erwirtschaften Gewinn von 15.046,29 erwirtschaften. Die Frage ist also: Wo
müssen. bleibt der Rest?

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Die Hälfte ist nicht das Doppelte


Susannika Glötzl
studiert Wirtschaftsrecht

Sozialaktion verdoppelt? Wohl eher halbiert. Im letzten Budgetjahr wurde das Geld für die Sozialaktion
um mehr als die Hälfte gekürzt. Leidtragende sind finanziell schwächere Studierende.

„Für dich erreicht“ – das ist die AG- nanzbericht 2009/2010 nur mehr 34.800 Umso bedenklicher sind diese Budge-
Wahlwerbung wenige Wochen vor der ÖH- Euro ausgewiesen. Das entspricht einer tentwicklungen, wenn man sie mit ande-
Wahl. In diesem Semster wirbt die AG-WU Kürzung von fast 70% in nur 3 Jahren. ren Bilanzposten vergleicht, die im sel-
damit, dass sie das Budget für die Sozi- Also auch wenn dieses Budget nun ben Zeitraum angehoben wurden. Gerade
alaktion verdoppeln will. Ein guter Vor- endlich wieder erhöht werden soll, so im Vergleich mit dem Budget des Öffent-
satz, der unsere volle Unterstützung hat. bleibt es selbst mit einer Verdopplung weit lichkeitsreferats wird man stutzig. Vor
Verschwiegen wird allerdings, dass hinter vergangenen Jahren zurück. Es drei Jahren war es noch mit 136.000 Euro
eben dieses Budget in den vergangenen kommt nicht einmal an die Höhe des Jah- ausgewiesen (und somit schon damals hö-
Jahren stetig enormen Kürzungen unter- res 2008/2009 heran, in dem die Sozialak- her als das damalige Budget der Sozialak-
zogen wurde. Bei der Sozialaktion an der tion noch 75.942,24 Euro zur Verfügung tion). Doch während die Sozialaktion Kür-
WU können Studierende um Unterstüt- hatte. zungen in Kauf nehmen musste, durfte das
zung anzusuchen, um finanziell schwie- Ein niedrigeres Budget bedeutet, dass Öffentlichkeitsreferat stetige Erhöhungen
rige Zeiten zu überbrücken. Es handelt weniger Studierende unterstützt wer- genießen und bekommt 2009/2010 sat-
sich dabei um eine einmalige Auszahlung, den können, bzw. dass die Unterstützung te 198.000 Euro. Noch einmal der direkte
die grundsätzlich allen ordentlichen Stu- nicht mehr in derselben Höhe möglich Vergleich zur Sozialaktion 2009/2010:
dierenden offensteht, die gewisse Voraus- ist. Gerade beim Budget der Sozialakti- 34.800 Euro. Ist der AG-geführten ÖH-WU
setzungen erfüllen. Gerade in Zeiten, in on Kürzungen vorzunehmen, das direkt die Eigenwerbung tatsächlich um so viel
denen Studierende aufgrund des löchrigen den Studierenden zugute kommt, ist un- wichtiger als die finanzielle Unterstützung
Beihilfensystems mit immer mehr Schwie- serer Meinung nach nicht vertretbar und der Studierenden?
rigkeiten zu kämpfen haben, hat diese Ak- bestimmt nicht im Interesse der Studie- Mit einer derartigen Verteilung des
tion eine große Bedeutung. Insbesondere renden. Die Aktionsgemeinschaft versteht Budgets handelt die AG gegen die Interes-
jetzt, wo auch eine Mehrbelastung auf- sich als reine „Service-Fraktion“ und hät- sen der Studierenden. Wir, der VSSTÖ WU
grund der Familienbeihilfenkürzung vor- te in der ÖH-WU alle Möglichkeiten, gutes setzen uns daher für eine Verwendung der
liegt, müssen derartige finanzielle Un- Service zu bieten. Es ist daher ein Wider- ÖH Finanzen ein, die den Studierenden
terstützungen ausgebaut werden. Wo der spruch, dass sie das wohl direkteste „Ser- zugutekommt.
Staat nicht hilft, finden wir es richtig, vice“, nämlich die direkte finanzielle Un-
dass die ÖH Studierende, die sonst vor terstützung drastisch reduziert.
dem Aus stehen würden, helfend unter die
Arme greift.
Doch die angebliche Verdoppelung des Sozialaktion im Budget der ÖH WU
Budgets für die Sozialaktion täuscht. Ge-
genteiliges ist der Fall. Das Budget wur- 2006/2007: 114.095,04
de über Jahre hinweg konsequent gekürzt. 2007/2008: 53.158,39
Die Zahlen sprechen hier Bände: War die 2008/2009: 75.942,24
Sozialaktion im Jahr 2006/2007 noch mit 2009/2010: 34.800,00
114.095,04 Euro dotiert, so werden im Fi-

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Verlustausgleich statt Kopierpickerl


Die ÖH-WU verwendete die Dividendenausschüttung der Facultas im letzten
Jahr um die Löcher in ihrem Budget zu tilgen.
Vinzent Rest
studiert Sozioökonomie

Es hat schon einen guten Grund, wa- Die Aktionsgemeinschaft verhindert für WU-Studierende wünschen. Die ÖH-
rum ausgerechnet die Facultas-Aktienge- aber seit zwei Jahren konsequent, dass der WU wurde als Miteigentümerin der Fa-
sellschaft eine Art Monopolstellung auf VSSTÖ sein Nominierungsrecht für eine_n cultas Aktiengesellschaft für dieses ge-
dem Wiener Universitätslehrbüchermarkt Aufsichtsrät_in wahrnehmen kann. Statt- meinsame Projekt angefragt und schien
hat. Ihre beiden Eigentümer_innen sind dessen besetzt sie weiterhin sämtliche Po- zu Beginn auch davon begeistert zu sein.
nämlich die „Hochschüler_innenschaft“ sten. Während sich der Aufsichtsrat der Nach langen Verhandlungen stieg die von
an der Wirtschaftsuniversität Wien und ÖH Uni Wien nach jeder Wahl dem Wahl- der Aktionsgemeinschaft geführte ÖH-WU
die „Hochschüler_innenschaft an der Uni- ergebnis entsprechend zusammensetzt, allerdings doch aus dem Projekt aus.
versität Wien“. Das begründet auch das ignoriert die Aktionsgemeinschaft WU Anstatt also die Dividenden des letz-
beinahe exklusive Recht der Facultas, di- den geltenden Syndikatsvertrag. ten Jahres in Höhe von 65.000 Euro für
rekt unterhalb des ÖH-WU Vorsitzenden
Stefan Kilga im ÖH-Haus zu residieren.

Die Eigentumsverhältnisse der Facul-


tas-Aktiengesellschaft werden in einem
AG für dich erreicht:
Syndikatsvertrag zwischen den beiden
Hochschüler_innenschaften geregelt. Ein
billiger kopieren...
achtköpfiger Aufsichtsrat, der alljährlich
auf der Hauptversammlung gewählt bzw.
bestätigt wird, kontrolliert das Unterneh- ...not
men. Jeder Universitätsvertretung steht
das Nominierungsrecht für vier Aufsichts-
ratsmitglieder zu, welche unter Berück- die Einrichtung eines Kopierpickerls zu
sichtigung des letzten Wahlergebnisses zu Die vielen Skripten, Lehrbücher und verwenden, nutzte sie die ÖH-WU, um ihr
besetzen sind. Während der Aufsichtsrat Kopien, die sich über das Semester sum- Budgetloch zu stopfen. Das bedeutet, dass
der ÖH Uni Wien aktuell aus zwei Vertre- mieren, sind eine finanzielle Belastung indirekt die Studierenden für die finanzi-
ter_innen der GRAS und jeweils einer_m für viele Studierende. Der VSSTÖ hat des- elle Unfähigkeit der ÖH-WU auf kommen.
Vertreter_in von VSSTÖ und Aktionsge- halb als Teil der ÖH-Exekutive an der Uni Wir wollen, dass derartige Erträge im In-
meinschaft besteht, sind alle vier Auf- Wien im vergangenen Jahr das Kopierpi- teresse der Studierenden verwendet wer-
sichtsrät_innen der ÖH-WU der Akti- ckerl eingeführt und somit das Kopieren den und setzen uns für die Einrichtung
onsgemeinschaft zuzurechnen. Und das für Studierende vergünstigt. Wir, der VS- eines Kopierpickerls an der WU ein.
obwohl dem VSSTÖ WU mit derzeit über STÖ WU würden uns dieses Projekt auch
17% laut Syndikatsvertrag ein Sitz im
Aufsichtsrat zustünde.

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ÖH-WU stieg grundlos aus


Die ÖH der Uni Wien hat Studierenden günstigeres Kopieren ermöglicht. Die ÖH-WU legt
sich quer. Die Gelder aus der Facultas-Dividende müssen Budget-Löcher stopfen.
Interview mit Oona Kroisleitner (ÖH Uni Wien)

Wann und warum kam euch die Idee des “Kopierpickerls” Terminen und Besprechungen zwischen ÖH WU und ÖH Uni Wien
mit dem Studierende billiger kopieren können? beschloss die WU ohne triftigen Grund aus dem Projekt auszu-
Teure Skripten, Bücher und hohe Kopier- und Druckkosten steigen.
stehen im Studium an der Tagesordnung und die soziale Lage der
Studierenden ist heute schlechter als je zuvor. Etwa 80 Prozent al- Ist die Nachfrage nach dem Kopier-Pickerl hoch?
ler Studierenden gehen arbeiten, viele um sich ihren Lebensun- Es kommen regelmäßig Leute zu uns ins Beratungszentrum
terhalt und ihr Studium finanzieren zu können. Hier wollten wir am Campus und fragen explizit nach dem Pickerl. Aber das Pro-
ansetzen. In den Jahren zuvor ist bereits das Mensa-Pickerl ent- jekt ist erst letzten Oktober angelaufen, dementsprechend muss es
standen, welches eine Verbilligung bei den Mittagsmenüs in der noch besser ins Rollen kommen. Insgesamt sind wir zufrieden mit
Mensa bietet. Analog dazu wollten wir den Studierenden aktiv ih- den ersten beiden Semestern.
ren Studienalltag erleichtern und haben das Kopier-Pickerl ins Le-
ben gerufen. Mit dem Pickerl gibt es vergünstigte Kopierkarten Wo siehst du Verbesserungspotential?
bei allen Facultas-Shops, damit kann nicht nur kopiert, sondern Ich denke, dass bei dem Bekanntheitsgrad noch mehr geht.
auch ausgedruckt werden. Darin sehen wir gerade für Studierende Wir haben zwar bereits eine entsprechend große Nachfrage ver-
aus finanziell schlechter gestellten Familien eine reale Verbesse- zeichnet, es kann aber natürlich immer besser gehen. Gerade am
rung der Studiensituation. Anfang des Semesters ist es immer wieder wichtig, dass auf diese
Verbilligung aufmerksam gemacht wird.
Warum läuft das Projekt nicht auch auf der WU?
Ursprünglich wollten wir gemeinsam mit der ÖH WU dieses Würdest du das Projekt anderen ÖHs weiterempfehlen?
Projekt starten, denn sie ist gemeinsam mit der ÖH Uni Wien Ei- Natürlich. Gerade im Service-Bereich ist das Kopier-Pickerl
gentümerin von Facultas. Wir fanden, dass es ein gutes Projekt ein wichtiges Projekt, das ist doch das Thema, dass sich die AG
ist, das auch für Studierende der WU Wien Erleichterungen brin- immer an die Fahnen heftet. Sehr enttäuschend, dass sie bei die-
gen würde. Wir haben dem Vorsitzenden Stefan Kilga vorgeschla- ser Verbesserung für die Studierenden nicht mitgezogen sind.
gen, gemeinsam an die Sache zugehen. Dieser schien vorerst auch
recht begeistert von dem Projekt. Nach mehreren gemeinsamen

Oona Kroisleitner
Oona Kroisleitner studiert Jus an der Uni Wien. Sie ist seit einigen
Jahren beim VSSTÖ engagiert. Seit 2009 ist sie im Vorsitzteam der ÖH
Uni Wien und hat 2010 erfolgreich des Kopierpickerl eingeführt.

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Termine

Termine
Termine Der Duck, der‘s wusste

9.5. D.205 (UZA 4)


Diskussionsveranstaltung
Glosse von Alexander Ackerl
„Die BRIC-Staaten - Emerging Markets als
Konjunkturlokomotive?“
Diskussionsveranstaltung der Studienver-
tretung VWL mit Regina Prehofer (WU),
Stephan Schulmeister (WIFO), Alejandro Dagobert Duck mag vieles sein: eine schrillen spätestens jetzt die Alarm-
Cunat, Stephand Leudolt (beide Uni Wien) Comicfigur oder die Karrikatur des glocken und man könnte erwarten, dass
geizigen Kapitalisten. Manchen ist er die AG, die doch immerhin die ÖH der
sympathisch aufgrund seines Fleißes, Wirtschaftsuniversität besetzt, sofortige
11.5. HS C.1 (Altes AKH, Hof 2) anderen unsympathisch aufgrund seines Schritte einleitete, um die Ursache zu
Elefantenrunde zur ÖH-Wahl berüchtigten Geizes. ergründen! Falsch gedacht.
Unter der Leitung von Armin Wolf (ORF)
Aber egal wen man fragt, alle werden Es ist eben doch ein bisschen wie bei
stehen die Spitzenkandidat_innen aller
eines bestätigen: Onkel Dagobert weiß den Grassers und Meischbergers: Nie-
Fraktionen Rede und Antwort.
vermutlich ganz genau, wo sich jeder mand hat was gesehen, offensichtlich
einzelne seiner Taler und Kreuzer be- wurde nie etwas bemerkt und überhaupt
18.5. hinter der Bibliothek findet und kann wahrscheinlich ebenso hat niemand etwas gewusst. Ein Ver-
Uni Chillout selbstverständlich für jede einzelne von gleich mit Dagobert Duck passt dann
ihm seit 1877 getätigte geschäftliche allerdings schon: Für den VSSTÖ ist es
Gemütliches Klima, angenehmes Essen, Handlung den dazugehörigen Beleg er- beinahe so schwierig die ihm zustehen-
frische Getränke, freundliche Musik und bringen. Wenn das in einem Kindercomic den offiziellen Rechnungen und Belege
Sommer eben. VSSTÖ und GRAS laden wie selbstverständlich ist, so möchte man einzusehen, wie es für die Panzerknacker
jedes Jahr zum Uni Chillout hinter der WU- meinen, hat das in der „echten“ Welt hart ist, Dagobert Ducks Geldspeicher zu
Bibliothek, also vor dem Pharmazentrum erst recht die Normalität zu sein, oder? knacken.
(Uni Wien) Nicht so bei der Aktionsgemeinschaft.
Man könnte jetzt den Verantwortlichen
Diese scheint sich wohl eher an einer vorhalten, dass da wohl der eine oder
19.5. Schweizerhaus anderen, ebenso comichaften Karrikatur andere Hunderter Beine bekommen
StV-VW Heuriger des Kapitalisten zu orientieren. Natürlich und sich heimlich und unbemerkt von
ist der Vergleich mit Karl-Heinz Grasser dannen gemacht hat, um anderswo ein
Vernetzungsheuriger der Studienvertretung nicht gänzlich passend, jedoch tun sich schönes und geldbörserlfreies Leben zu
VWL um gemütlich zu diskutieren und neue bei einem Blick auf die Buchführung führen, aber das wäre der Comics dann
Leute aus dem Studium kennenzulernen, des Wirtschaftsreferenten einige alt- wohl zu viel.
dieses Mal im Schweizerhaus. bekannte Fragen auf: Vergleicht man
etwa den Abschluss des Cocktailstandes Was bleibt ist ein bitterer Beigeschmack
diesen Jahres mit den vorherigen Jah- der Cocktails, die mit unseren Studi-
24. - 26.5. Festsaal
resabschlüssen, zwingt sich die ewig enbeiträgen finaziert werden, und der
ÖH-Wahl
grassersche Frage-Feststellung auf: Wo Gedanken daran, dass die Einnahmen
Bestimm deine Vertretung für die näch- bitteschön ist das Geld?! im nächsten Wahljahr dann vielleicht in
sten zwei Jahre! Verleih der ÖH-WU eine Form von orangen Goodies großzügig
starke Stimme für Verhandlungen mit dem Der Gewinn ist bei praktisch gleich- verteilt werden.
Rektorat. Stärke die ÖH-Bundesvertretung bleibenden Kosten dramatisch einge-
für kompromisslose Vertretungsarbeit brochen. Bei allen BWL-Studierenden
gegenüber dem Ministerium. Deine starke
Stimme für den VSSTÖ.

Seite 11
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VSSTÖ wählen!
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telefo ge : w w w
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Hom

ÖH Wahlen:
24.-26. Mai

Wahltermine WU:

24.5 9:00 - 18:00


25.5 9:00 - 19:00
26.5. 9:00 - 15:00

Festsaal, UZA 1

Diese Zeitung ist in geschlechter-


gerechter Sprache geschrieben. So
sollen alle Geschlechter erwähnt
werden. Wir sind verbandsintern
übereingekommen von nun an den
Gender-Underline (Gender Gap) zu
verwenden. Damit soll aufgezeigt
werden, dass Geschlechter nicht
nur männlich oder weiblich sein
können

Impressum:

Herausgeber: Verband sozialistischer


Student_innen Wien
f.d.I.V.: Natascha Strobl
Chef_inredaktion: Susannika Glötzl,
Florian Bohinc, Lawrence Hall,
Gregor Neupert
Seite 12 Bartensteingasse 4, 1010 Wien
www.vsstoe-wien.at