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reise

Fotos: Axel Schock, Stockholm Visitors Board


Paradis.se Trendsetter für Homorechte:
Stockholm gilt auch
abseits des Gay Pride als
fortschrittliche Metropole

Nun ist also auch das geschafft. Kaum eine halbe Stun- Beispiel die Kostenübernahme für die künstliche In- mischen“, erklärt Jon Voss, der mit „QX“ das wichtigs-
de ist es her, dass sich das erste lesbische Paar Schwe- semination von Lesben durch die Krankenkasse. Bis- te nationale Queermagazin und auch das größte Inter-
dens das Ja-Wort geben hat. Schon wird es auf einem lang wurde dies nur verpartnerten Lesben gewährt. netportal der Szene betreibt. „Stockholm ist deshalb im
dürftig mit Blumen geschmückten Wagen der Ersten- Singlefrauen fühlten sich diskriminiert: „Aber auch das Gegensatz zu Berlin oder London keine schwule Party-
Mai-Demonstration durch die Stadt gefahren und von war nun sehr schnell vom Tisch“, sagt Kjell mit einem stadt“. Gefeiert wird am liebsten zusammen: Lesben
der Menge am Straßenrand bejubelt. Homopaare kön- Lachen, als kämen ihm diese Luxusprobleme selbst und Schwule gemeinsam mit Heteros. Am stimmungs-
nen in Schweden neuerdings richtig heiraten und sich etwas komisch vor. vollsten übrigens bei Schlagerpartys, wie sie auch re-
nicht nur verpartnern lassen, wie dies seit 1987 mög- Ist Stockholm also das lesbisch-schwule Paradies gelmäßig in schwulen Clubs stattfinden. Der Begriff
lich war. auf Erden? Wer dies allein an der Zahl einschlägiger Lo- „Schlager“ wird in Schweden ganz ohne despektierli-
Kjell Rindar gehörte seinerzeit zu den Ersten, die kalitäten bemisst, wird die Frage verneinen. Die Saunen chen Unterton verwendet und steht für heimische Pop-
damals eine solche Partnerschaft eingegangen sind. Er wurden mit Beginn der Aidskrise geschlossen und er- musik im Allgemeinen und die Lieder des Melodifesti-
ist, was man gerne etwas herablassend als Alt-Aktivis- lebten seither keine Wiederauferstehung. Die klassi- valen, dem schwedischen Vorentscheid zum Eurovi-
ten bezeichnet. Schon als Student gehörte er zum fes- schen Szenebars sind vergleichsweise überschaubar, sion Song Contest, im Besonderen. Ob ABBA, Alcazar,
ten Team des nationalen Homosexuellenverbandes was unter anderem an der strikten Alkoholpolitik des Dana International oder Lill Babs – das Partyvolk er-
RSFL, viele Jahre war er dessen Vorsitzender. Heute Landes liegt. Eine Schanklizenz erhält nur, wer auch weist sich bei diesem speziellen schwedischen Ver-
zeigt er lieber als Stadtführer und wandelndes Lexikon Speisen anbietet; ein ausschließlicher Barbetrieb ist ständnis von Happysound bemerkenswert text- und
der Stockholmer Schwulen- und Lesbengeschichte nicht möglich – was den positiven Nebeneffekt hat, choreografiesicher.
Touristen die Stadt. dass Stockholm etwa mit „Side Track“ oder dem stil- Das größte Event ist dieser Art ist alljährlich im Rah-
„Auf gewisse Weise hatten wir es früher leichter“, vollen „Torget“ ausgezeichnete Restaurants besitzt, men der Open-Air-Konzerte des Stockholm Pride zu
sagt der pensionierte Deutschlehrer. Es gab noch viel die sich zu späterer Stunde sukzessive in belebte Knei- erleben, wenn Dutzende nationale wie internationale
mehr, wofür man kämpfen musste. „Heute sind nur pen verwandeln. „Die lange sozialdemokratische Tra- Grand-Prix-Veteranen und aktuelle schwedische Pop-
noch sehr marginale Forderungen geblieben.“ Zum dition hat aber dazu geführt, dass wir hier alles durch- stars im fünf-Minuten-Takt die Bühne stürmen. „Für

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dieses Partykonzert sind die 16 000 Tickets stets restlos ausverkauft“, er-
zählt stolz Claes Nyberg, Präsident des Stockholm Pride-Komitees. Über-
haupt kann sich der CSD-Event mit großen Zahlen brüsten. 60 000 Teil-
nehmer werden zur diesjährigen Parade, der mit Abstand größten Skan-
dinaviens, erwartet. Über 600 000 Zuschauer säumen dabei die Straßen.
Der alljährliche Pride ist mit seinen rund 500 Programmpunkten inner-
halb der Pride Woche längst zum größten offiziellen Event Stockholms
avanciert. „Wir wissen um unsere Bedeutung, vor allem auch, was das Bild
Lastminute sich noch die
der Schwulen und Lesben in der landesweiten Medienwahrnehmung an-
besten Schnäppchen für den
geht“, sagt Claes. Denn die Metropole Stockholm ist nicht mit dem ganzen
Sommer 2009 sichern. al-village
-reisen.d
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www.glob
Land gleichzusetzen. „Da geht es uns nicht anders wie in anderen Staaten.
Hier in der Stadt gehören Schule und Lesben ganz einfach zum Leben
Ibiza ab 278.-
dazu. Auf dem Land oder in Kleinstädten sieht die Lebenswirklichkeit der Mykonos ab 499.-
Homosexuellen hingegen ganz anders aus. “ Das lesbisch-schwule Paradies Gran Canaria ab 290.-
existiert in Schweden zwar immerhin schon auf dem Gesetzespapier, „aber
wirkliche Gleichberechtigung findet in den Köpfen der Menschen statt“,
New York ab 599.-
sagt Kjell Rindar. Und dazu werden auch weiterhin Homoaktivisten wie er Miami ab 438.-
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