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ERZBISTUM KÖLN

Informationsschrift zu den
Steuerpflichten der Kirchengemeinden
und anderer kirchlicher Körperschaften
Vorwort

„Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er


sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel
für das ganze Vorhaben ausreichen?“ (Lukas 14,28)
Jesus mahnt in zahlreichen Gleichnissen zu einem be-
wussten Umgang mit dem anvertrauten Gut und Geld.
Als „Körperschaften öffentlichen Rechts“ bleiben Ge-
meinden in ihren pastoralen und karitativen Aktivitäten
steuerfrei. Der Umgang mit Steuer- und Finanzfragen
gehört trotzdem für viele Mitarbeiter und Ehrenamtliche
im Erzbistum Köln längst zum Alltag. Kirchengemeinden
und kirchliche Körperschaften engagieren sich heutzu-
tage auch in vielen Bereichen, die über die eigentlichen
Kernaufgaben der Kirche hinausgehen. Auch werden zur Verbesserung
der Haushaltslage ergänzende Einnahmequellen erschlossen oder das
vorhandene Vermögen wird weitergehend genutzt, um die Betriebs-
kosten zu minimieren. Nicht zu übersehen ist bei all diesen Aktivitäten,
dass steuerrechtliche Vorgaben zu beachten sind. Bevor eine Gemein-
de neue Aufgaben übernimmt, Leistungen anbietet oder Investitionen
anstrebt, muss geklärt werden, ob die Grenze zur unternehmerischen
Betätigung überschritten wird.

1
Die vorliegende Broschüre nimmt die unterschiedlichen Tätigkeitsbe-
reiche der Kirchengemeinden in den Blick und informiert über die da-
für geltenden steuerrechtlichen Vorgaben. Als Orientierungshilfe soll
sie Transparenz schaffen und für die Steuerthematik sensibilisieren.
Zugunsten der Übersichtlichkeit wurde auf umfängliche Ausführun-
gen verzichtet. Die Komplexität des Steuerrechts erfordert jedoch an
manchen Stellen das Eingehen auf differenzierte Detail- und Sonder-
regelungen.
Ich danke den Autoren des „Arbeitskreises Steuern“ aus den Erzbis-
tümern Paderborn und Köln und den Evangelischen Landeskirchen
Rheinland und Westfalen für die Unterstützung der verantwortlichen
Ehrenamtlichen vor Ort und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in
den Rendanturen.

Dr. Stefan Heße, Generalvikar

2
Einführung

Während des „Kirchlichen Steuerforums“ im Kath. Sozialen Institut in Bad Honnef


im November 2010 haben sich die für steuerliche Angelegenheiten zuständigen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evangelischen Kirche von Westfalen und im
Rheinland sowie der Erzbistümer Paderborn und Köln entschlossen, eine gemeinsa-
me Informationsschrift zu den Steuerpflichten der Kirchengemeinden zu erstellen.

Im Einzelnen haben mitgewirkt:


Evangelische Kirche von Westfalen, Landeskirchenamt
Martina Heinrich, Jana Rohlfing

Evangelische Kirche im Rheinland, Landeskirchenamt


Georg Wollbrandt

Erzbistum Paderborn, Erzbischöfliches Generalvikariat


Wolfgang Schulte

Erzbistum Köln, Erzbischöfliches Generalvikariat


Marzellenstraße 32, 50606 Köln
Peter Langenbach, Telefon: 0221 1642-1336
Telefax: 0221 1642-1429, E-Mail: peter.langenbach@erzbistum-koeln.de

Die vorliegende Handreichung des Erzbistums Köln basiert auf diesem gemein-
samen Papier.

3
Inhaltsverzeichnis

1. Grundsätzliches...................................................................................................................... 6
- Kirchengemeinden als Körperschaften des öffentlichen Rechts............................... 6
- Schaubild: Tätigkeiten der Kirchengemeinden und steuerliche Folgen.................. 7

2. Hoheitsbetriebe | Kirchlich-hoheitlicher Bereich.................................................... 6


- Hoheitsbetriebe sind nicht steuerbar............................................................................... 6
- Erfüllung von kirchlichen Hoheitsaufgaben.................................................................... 8

3. Vermögensverwaltung......................................................................................................... 9
- Abgrenzung zu steuerpflichtigen Leistungen............................................................... 10

4. Wirtschaftliche Tätigkeiten | Betrieb gewerblicher Art (BgA)......................... 11


- Steuerpflicht bei Vorliegen eines BgA............................................................................ 11
- Entwicklungstendenz bei der Umsatzbesteuerung der jPdöR..................................12
- Sonderfall: Land- und forstwirtschaftliche Betriebe..................................................13
- BgA-Kriterium: Umsatzgrenze von 30.678 EUR..........................................................13
- Anwendung der Umsatzgrenze für verschiedene Tätigkeiten..................................14
- Unterschreitung der Umsatzgrenze.................................................................................15

5. Umsatzsteuer........................................................................................................................17
- Grundlagen der Umsatzbesteuerung..............................................................................17
- Die Kirchengemeinde als „Unternehmerin“...................................................................17

4
6. Allgemeingültige Befreiungstatbestände des Umsatzsteuergesetzes.............19
- Steuerbefreiungen für bestimmte Umsätze..................................................................19
- Besteuerung der Kleinunternehmer................................................................................20

7. Sonderfälle: innergemeinschaftlicher Erwerb, Steuerschuldnerschaft


des Leistungsempfängers................................................................................................. 21
- Erwerb eines Glockenspiels aus den Niederlanden..................................................... 21
- Dienstleistung von einem im Ausland ansässigen Unternehmer............................22

8. Ertragsteuern (Körperschaft- und Gewerbesteuer) | Gewinnermittlung......24


- Körperschaftsteuer...............................................................................................................24
- Gewerbesteuer.......................................................................................................................24
- Gewinnermittlung................................................................................................................24
- Zweckbetrieb..........................................................................................................................25

9. Prüfschema zur Steuerpflicht der Kirchengemeinden..........................................26

10. ABC der Tätigkeiten in der Kirchengemeinde.......................................................27

5
1. Grundsätzliches Auch in Bezug auf weitere Steuerarten
gilt es, Besonderheiten zu beachten.
Kirchengemeinden als
Körperschaften des Das nebenstehende Schaubild soll ei-
öffentlichen Rechts nen groben Überblick über die Steuer-
Die Kirchengemeinden sind Körper- pflichten (Umsatz-, Körperschaft- und
schaften des öffentlichen Rechts. Kör- Gewerbesteuer) der Kirchengemeinden
perschaften und andere juristische verschaffen:
Personen des öffentlichen Rechts (nach-
folgend kurz: jPdöR) sind nur partiell der
2. Hoheitsbetriebe |
Umsatzsteuer, der Körperschaftsteuer
und der Gewerbesteuer unterworfen.
Kirchlich-hoheitlicher
Zur Vermeidung von Wettbewerbsver- Bereich
zerrungen ist ein Finanzierungsvorteil Hoheitsbetriebe sind
durch Steuerbefreiung auszuschließen, nicht steuerbar
wenn die jPdöR mit wirtschaftlich ge- Als Leitlinie für nicht steuerbare Ho-
prägten Betätigungen in Konkurrenz zu heitsbetriebe kann verwendet werden,
privaten und gewerblichen Anbietern dass sich diese Tätigkeiten von ihrem
tritt. Einige Steuerpflichten sind gene- Inhalt her von den Tätigkeiten eines
rell zu beachten, unabhängig davon, in privaten gewerblichen Unternehmens
welchem Tätigkeitsbereich die Kirchen- wesentlich unterscheiden müssen. Sie
gemeinde agiert (vgl. Sonderfälle der müssen der jPdöR durch Gesetz und
Umsatzsteuer - Ziff. 7.). Recht eigentümlich und ihr vorbehalten
sein. Das Kriterium der Wettbewerbs-

6
Die Kirchengemeinde als juristische Person des öffentlichen Rechts
im Steuerrecht
Die Tätigkeiten sind zu differenzieren nach

hoheitliche Tätigkeiten
(Ziff. 2.)

vermögensverwaltenden
keine
Tätigkeiten
Steuerpfl icht
(Ziff. 3.)

keine Betriebe
gewerblicher Art
wirtschaftlichen
Tätigkeiten
(Ziff. 4.)
Betriebe
Steuerpfl icht
gewerblicher Art

7
verzerrung durch die Steuervergüns- Kirchliche Angebote, die sich insbeson-
tigung im Vergleich zu gewerblichen dere an Christen und religiös Interes-
Unternehmern ist hier von wesentli- sierte richten, zählen zu diesen kirch-
cher Bedeutung. Solche steuerschäd- lichen Kernaufgaben. Die Grenze des
liche Wettbewerbsverzerrungen liegen kirchlich-hoheitlichen Bereichs ist dann
dann nicht vor, wenn Privatanbieter überschritten, wenn die Tätigkeiten ih-
keine vergleichbaren Leistungen erbrin- ren spezifischen kirchlichen Charakter
gen oder diese umsatzsteuerfrei sind. verlieren und die Kirche in Wettbewerb
mit privaten Unternehmen tritt.1
Erfüllung von kirchlichen
Hoheitsaufgaben • Ein Beispiel für die Abgrenzung zwi-
Der Ausübung der „öffentlichen Ge- schen hoheitlichen und wirtschaftli-
walt“ und der Erfüllung von Hoheits- chen Tätigkeiten ist die Verwaltung
aufgaben auf staatlicher Ebene wird eines kirchengemeindlichen Fried-
bei den öffentlich-rechtlichen Religi- hofes. Während die Aufgaben des
onsgemeinschaften die Wahrnehmung Bestattungswesens (Grabaushebung,
ihrer Kernaufgaben im seelsorglichen, Sargaufbewahrung, Läuten der Glo-
liturgischen und caritativen/diakoni- cken, Ausschmückung des ausge-
schen Bereich gleichgesetzt. Die Ein- hobenen Grabes, Trauerfeier) dem
richtungen und Dienste sind demnach hoheitlichen Bereich zuzuordnen
hoheitlich, soweit sie nach dem kirch- 1 vgl. OFD Hannover v. 19.02.2004 (Az.: S 2706-165-

StO-; S. 2706-209-StH 231) - „Öffentlich-rechtliche


lichen  Selbstverständnis dazu dienen, Religionsgemeinschaften; Erfassung und Besteuerung
den Verkündungsauftrag der Kirche zu von Betrieben gewerblicher Art und von wirtschaft-
lichen Geschäftsbetrieben“, ebenso OFD Chemnitz v.
erfüllen. 05.07.2004 (Az.: S 2706-91/29-St 21)

8
sind, unterliegen demgegenüber die 3. Vermögensverwaltung
Grabpflege oder der Blumenverkauf
der Steuerpflicht, sofern mit diesen
Zur Vermögensverwaltung, die die An-
wirtschaftlichen Leistungen ein sog.
nahme eines BgAs ausschließt und
Betrieb gewerblicher Art (nachfol-
somit keine steuerrelevante Tätigkeit
gend kurz: BgA; vgl. Ziff. 4.) begrün-
darstellt, gehören das verzinsliche An-
det wird.
legen von Kapital oder die Vermietung
und Verpachtung unbeweglichen Ver-
• Ein weiteres Beispiel ist der Betrieb
mögens (§ 14 Satz 3 Abgabenordnung).
von kirchlichen Bildungshäusern.
Diese können sowohl ausschließlich
Hierunter fallen u.a. die Erträge
hoheitlich betrieben werden (z.B.
• aus der langfristigen Vermietung von
Aus- und Fortbildung von Priestern,
Wohn- oder Geschäftsräumen und
Exerzitienhäuser), den allgemeinen
von Plätzen zum Abstellen von Fahr-
Besteuerungsgrundlagen im Fort-
zeugen (Garagen, Parkplätze),
bildungssektor unterworfen werden
• aus der Verpachtung von landwirt-
(Angebot von Bildungsveranstaltun-
schaftlichen Grundflächen,
gen allgemeiner Art) oder aber als
• aus der Überlassung von Erbbau-
reiner „Hotelbetrieb“ (Bereitstellung
rechten,
für fremde Dritte / nichtkirchliche
• aus der Gestattung der Anbringung
Gruppen) vornehmlich wirtschaftlich
von Mobilfunkantennen,
geprägt sein.2
• aus der Veräußerung kirchlichen
Grundbesitzes (sofern keine beson-
2 BMF-Schreiben v. 28.03.2001 (IV A 2-S 2706-14/01) deren Nebenleistungen, wie z.B.

9
planmäßige Parzellierung, Erschlie- • die Verpachtung eines o.a. Betriebes,
ßung, etc. erbracht werden), sofern das vollständige Inventar (Be-
• aus der Überlassung von Nutzungs- stuhlung, Betriebsvorrichtungen) mit
rechten (z.B. Sponsoringeinnahmen, verpachtet wird; außerdem müssen
sofern keine steuerrelevante Gegen- die Umsätze des Pächters von „eini-
leistungen erbracht werden, vgl. Ziff. gem Gewicht“ sein (vgl. Umsatzgren-
10. „ABC der Tätigkeiten“) sowie ze Ziff. 4.)
• die Zinserträge aus Sparguthaben. • die Vermietung von Räumen im
Pfarrheim für Familienfeste
Abgrenzung zu • die Bewirtschaftung von Kurzzeit-
steuerpflichtigen Leistungen Parkplätzen
• das Angebot von umfangreichen
Sobald über die reine Vermögensver-
Nebenleistungen im Rahmen von
waltung hinausgehend Leistungen be-
Vermietungen (Hausmeisterdienste,
reitgestellt werden oder die Vermietung
Parkwächter, etc.)
kurzfristig auf laufend wechselnde Mie-
• ein gewerblicher Grundstückshandel
ter ausgelegt ist, geht die Vermögensver-
Details sind auch unter Ziff. 10. „ABC
waltung in eine wirtschaftliche Tätigkeit
der Tätigkeiten in der Kirchengemein-
über. Die erzielten Erträge werden steu-
de“ dargestellt (vgl. „Miet- und Pacht-
erpflichtig, sofern ein BgA anzunehmen
verhältnisse).
ist (vgl. Ziff. 4.). Demgemäß sind nicht
mehr vermögensverwaltend:
• der Betrieb einer Gaststätte, eines
Ladenlokals oder einer Kegelbahn
durch die Kirchengemeinde

10
4. Wirtschaftliche Tätig- perschaftsteuergesetzes) und ihrer
land- oder forstwirtschaftlichen
keiten | Betrieb gewerb-
Betriebe gewerblich oder beruflich
licher Art tätig. …“

Juristische Personen des öffentlichen § 1 KStG „Unbeschränkte Steuer-


Rechts sind nur mit ihren Betrieben pflicht“
gewerblicher Art steuerpflichtig (1) Unbeschränkt körperschaftsteu-
Hinsichtlich der Umsatz- und Körper- erpflichtig sind die folgenden
schaftsteuerpflicht der jPdöR stellen die Körperschaften, Personenverei-
gültigen gesetzlichen Ausführungsbe- nigungen und Vermögensmas-
stimmungen auf eine einheitliche Be- sen, die ihre Geschäftsleitung
griffsbestimmung ab. Maßgebend für oder ihren Sitz im Inland haben:
die partielle Steuerpflicht ist demnach …
das Vorliegen eines Betriebes gewerbli- 6. Betriebe gewerblicher Art von
cher Art. In § 2 Abs. 3 Umsatzsteuerge- juristischen Personen des öf-
setz (UStG) erfolgt der Verweis auf das fentlichen Rechts.
Körperschaftsteuergesetz (KStG): …

§ 2 Abs. 3 UStG § 4 KStG „Betriebe gewerblicher Art


„Die juristischen Personen des öf- von jPdöR“
fentlichen Rechts sind nur im Rah- (1) Betriebe gewerblicher Art von
men ihrer Betriebe gewerblicher juristischen Personen des öf-
Art (§ 1 Abs. 1 Nr. 6, § 4 des Kör- fentlichen Rechts im Sinne des

11
§ 1 Abs. 1 Nr. 6 sind vorbehalt- Sind weder die Voraussetzungen für
lich des Absatzes 5 alle Einrich- eine hoheitliche noch für eine vermö-
tungen, die einer nachhaltigen gensverwaltende Tätigkeit gegeben,
wirtschaftlichen Tätigkeit zur handelt es sich grundsätzlich um ei-
Erzielung von Einnahmen au- nen BgA. Hierdurch soll sichergestellt
ßerhalb der Land- und Forst- werden, dass jPdöR hinsichtlich ihrer
wirtschaft dienen und die sich nicht hoheitlichen bzw. vermögens-
innerhalb der Gesamtbetätigung verwaltenden Tätigkeit gegenüber
der juristischen Person wirt- der Privatwirtschaft nicht privilegiert
schaftlich herausheben. Die Ab- werden.
sicht, Gewinn zu erzielen, und
die Beteiligung am allgemeinen Entwicklungstendenz bei der
wirtschaftlichen Verkehr sind Umsatzbesteuerung der jPdöR
nicht erforderlich. Die nationale Ausgestaltung der Um-
… satzsteuer unterliegt den europäischen
(4) Als Betrieb gewerblicher Art gilt Vorgaben, die eine wettbewerbsneu-
die Verpachtung eines solchen trale Harmonisierung im Sinne eines
Betriebs. gemeinsamen Mehrwertsteuersystems
(5) Zu den Betrieben gewerblicher zum Ziel haben. So wird auch die Um-
Art gehören nicht Betriebe, die satzbesteuerung der öffentlichen Hand
überwiegend der Ausübung der durch die entsprechende EG-Richtlinie
öffentlichen Gewalt dienen (Ho- (Mehrwertsteuersystemrichtlinie) sowie
heitsbetriebe). … die Rechtsprechung des Europäischen
… Gerichtshofes geprägt.

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Für die Zukunft ist nicht auszuschließen, schaftsteuer befreit ist auch die Ver-
dass für die Feststellung der Umsatz- pachtung eines solchen Betriebes. Bei
steuerpflicht einer jPdöR eine gesonderte der Umsatzsteuer sind die Einnahmen
Prüfung des Unternehmerbegriffs gem. allerdings steuerlich zu erfassen (vgl.
§ 2 Abs. 3 UStG erforderlich wird und die Ziff. 10. „ABC der Tätigkeiten in der Kir-
Klassifizierung einer Tätigkeit als ‚BgA’ chengemeinde“).
alsdann nur noch für die Ertragsteuern
(Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer – BgA-Kriterium: Umsatzgrenze
vgl. Ziff. 8.) relevant bleibt. von 30.678 EUR
Bis zu einer entsprechenden Anpassung
Wichtig für die Feststellung einer evtl.
der derzeit gültigen nationalen Rechtsla-
Steuerpflicht ist demnach zunächst die
ge können sich die jPdöR aber nach wie
Unterscheidung zwischen hoheitlichen
vor auf eine einheitliche Auslegung des
(= nicht steuerbaren) und wirtschaftli-
Unternehmerbegriffs berufen. Auch die-
chen Tätigkeiten (= steuerbar). Bei den
se Informationsschrift stellt hinsichtlich
wirtschaftlichen Tätigkeiten ist weiter
der Umsatzsteuerpflicht unverändert auf
zu klären, ob diese beachtlich im Sinne
das Vorliegen eines BgAs ab.
eines (insoweit steuerpflichtigen) Be-
triebes gewerblicher Art sind.
Land- und forstwirtschaftliche In den Körperschaftsteuerrichtlinien
Betriebe werden die Kriterien für das Vorliegen
Besonders zu betrachten sind die Ein- eines Betriebes gewerblicher Art gem.
nahmen aus Land- und Forstwirtschaft. § 4 KStG näher dargelegt. 3Demnach ist
Diese bleiben bei der Körperschaftsteu- in der Tatsache, dass der Jahresumsatz
er befreit. Ebenfalls von der Körper- 3 sh. KStR 2004, R 6 Abs. 5

13
30.678 EUR nachhaltig übersteigt, ein Demgemäß sind abgrenzbare Leistun-
wichtiger Anhaltspunkt dafür zu sehen, gen jeweils gesondert zu überprüfen.
dass die Tätigkeit von einigem wirt- Die Umsatzgrenze ist für jede Art der
schaftlichen Gewicht ist. In der Regel Aktivität gesondert anwendbar.
kann deshalb bei Überschreiten dieses
Jahresumsatzes davon ausgegangen • Beispiel: Eine Kirchengemeinde
werden, dass die Tätigkeit sich innerhalb wirbt Anzeigen für Gemeindebriefe
der Gesamtbetätigung der juristischen ein und erzielt hierbei einen Jah-
Person wirtschaftlich heraushebt, was resumsatz von 20.000 EUR. Gleich-
für die Annahme eines steuerpflichtigen zeitig erwirtschaftet sie über die
Betriebes gewerblicher Art spricht. Stromerzeugung durch eine Photo-
In den Fällen der Verpachtung eines voltaikanlage jährlich 22.000 EUR
Betriebes gewerblicher Art ist darauf und aus dem Verkauf von Speisen
abzustellen, ob die Einrichtung beim und Getränken beim Pfarrfest, ei-
Verpächter einen BgA darstellen würde. nem Basar, etc. weitere 25.000
Dabei kommt es für die Frage, ob die Tä- EUR. Da bezogen auf die verschie-
tigkeit von einigem Gewicht ist, auf die denen wirtschaftlichen Tätigkeiten
Umsätze des Pächters an. die Umsatzgrenze von 30.678 EUR
jeweils nicht erreicht wird, begrün-
Anwendung der Umsatzgrenze det die Gemeinde keinen BgA. Die
für verschiedene Tätigkeiten Umsätze werden demgemäß nicht
steuerpflichtig.
Die verschiedenen Tätigkeiten der jP-
döR sind jeweils getrennt zu beurteilen.4
4 sh. KStR R 6 Abs. 3 Satz 1

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Unterschreitung der 30.678 EUR verbleiben. Hintergrund
Umsatzgrenze ist vielfach die Absicht, Finanzie-
Wird ein nachhaltiger Jahresumsatz rungsvorteile bei Investitionsvorha-
von 30.678 EUR im Einzelfall nicht er- ben (z.B. Photovoltaikanlage) durch
reicht, ist ein BgA nur anzunehmen, die Möglichkeit des Vorsteuerabzugs
wenn hierfür besondere Gründe von der zu realisieren. Dies setzt voraus, dass
Körperschaft vorgetragen werden oder die betreffenden Aufwendungen
wenn unabhängig vom Umsatz tatsäch- der Ausführung von steuerpflichti-
lich eine direkte Konkurrenzsituation gen Umsätzen dienen. Hierbei sind
gegenüber privaten und gewerblichen dem angestrebten Liquiditätsvorteil
Anbietern anzunehmen ist. die entstehenden Beratungskos-
ten und die mit einer Besteuerung
• Unter Hinweis auf die Wettbewerbs- einhergehenden Pflichten der Kir-
situation forcieren im Einzelfall jP- chengemeinden gegenüberzustellen.
döR – so auch Kirchengemeinden5 Unverändert ist aber davon auszuge-
– aktiv die Annahme eines steuer- hen, dass die Finanzverwaltung sich
pflichtigen Betriebes gewerblicher selbst an die Nichtaufgriffsgrenze
Art, auch wenn die relevanten Jah- von 30.678 EUR bindet, d.h. von sich
resumsätze deutlich unterhalb von aus bei einer Unterschreitung dieser
Grenze nicht eingreifen wird.6
5 vgl. Urteil Niedersächsisches Finanzgericht v.
6 vgl. Arbeitshilfe der OFD Münster „Besteuerung der
22.03.2010 (Az.: 16 K 11189/08, Revision zugelassen) -
Leitsatz: „Die Stromerzeugung mittels einer Photovol- juristischen Personen des öffentlichen Rechts (http://
taikanlage durch eine Körperschaft des öffentlichen www.ofd-muenster.de/die_ofd_ms/Arbeitshilfen__
Rechts ist auch dann ein Betrieb gewerblicher Art, Leitfaeden__Praxishilfen/PDF_Arbeitshilfen/2007_
wenn der Jahresumsatz den Betrag von 30.678,- Euro Jur_pers_oeff_Recht.pdf; Stand Aug. 2009), Ziff. 8.5
nicht übersteigt.“ ‚Wirtschaftliche Bedeutsamkeit’

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• Allerdings ist auch dann ein BgA Öffnungszeiten während der Wo-
gegeben, wenn eine konkre- che, die Bewerbung des Angebotes
te Wettbewerbssituation vor Ort in den Medien oder ein umfängli-
vorhanden ist (sog. Konkurrenz- ches Caféinventar. Im Hinblick auf
regelung). Die Umsatzgrenze von eine konkrete Wettbewerbssituati-
30.678 EUR ist in diesen Fällen on kann auch bei Unterschreitung
nicht immer anzuwenden. Als Bei- der Aufgriffsgrenze ein BgA ange-
spiele sind insbesondere Gemein- nommen werden. Vgl. auch Ziff. 10.
decafés, Kegelbahnen, Saalvermie- „ABC der Tätigkeiten in der Kirchen-
tungen, Basare, Krematorien, etc. gemeinde“.
zu nennen. Während zum Beispiel
ein vornehmlich auf die Gemein- BgA: Steuerliche Folgen
demitglieder beschränktes Bewir- Sofern eine Tätigkeit die Voraussetzun-
tungsangebot etwa im Anschluss an gen eines BgAs erfüllt, unterliegt dieser
einen sonntäglichen Gottesdienst grundsätzlich der Umsatzbesteuerung
(„Gemeinde- oder Sonntagscafé“; (vgl. Ziff. 5.-7.). Außerdem sind wei-
„Kaffee und Kuchen nach dem tergehend auch evtl. ertragsteuerliche
Gottesdienst“) keine steuerlichen Konsequenzen zu prüfen (vgl. Ziff. 8).
Konsequenzen haben dürfte, ist
ein darüber hinausgehender ‚Café-
Betrieb’ sehr viel kritischer zu be-
werten. Steuerrelevante Anhalts-
punkte sind z.B. ein öffentlicher
Zugang zum Café, längerfristige

16
5. Umsatzsteuer • Beispiel: Eine kirchengemeindliche
Gruppe entrichtet für die Benutzung
des Pfarrheimes zur Mitfinanzierung
Grundlagen der der Betriebskosten ein Entgelt an die
Umsatzbesteuerung ‚Kirchenkasse’.
Der Umsatzsteuer unterliegen u.a. Lie-
ferungen (z.B. Verkäufe von Gegen- Für Eingangsrechnungen, die seinen
ständen) und sonstige Leistungen (z.B. unternehmerischen Bereich betreffen,
Dienstleistungen), die ein Unternehmer kann ein Unternehmer unter bestimm-
im Inland gegen Entgelt im Rahmen sei- ten Voraussetzungen die ausgewiesene
nes Unternehmens ausführt. Umsatzsteuer als Vorsteuer von seiner
Umsatzsteuerschuld absetzen. Der Dif-
Eine Leistung ist grundsätzlich nur ferenzbetrag („Zahllast“) ist an die Fi-
dann steuerpflichtig, wenn ein Leis- nanzverwaltung abzuführen. Bei einem
tungsaustausch stattgefunden hat. Der Vorsteuerüberhang erfolgt eine ausglei-
Leistungsaustausch setzt eine Leistung chende Erstattung durch die Finanzver-
und eine Gegenleistung sowie eine waltung.
wirtschaftliche Verknüpfung zwischen
Leistung und Gegenleistung voraus. Die Kirchengemeinde
als „Unternehmerin“
Fehlt es an der zweiten Person (Leisten- Eine Grundvoraussetzung für die Um-
der/Leistungsempfänger), findet kein satzbesteuerung ist die Leistungser-
Leistungsaustausch statt, sondern liegt bringung durch einen Unternehmer.
ein nicht steuerbarer Innenumsatz vor. Hinsichtlich der unternehmerischen

17
Betätigung auf der Ebene der jPdöR, Schließlich haben die Kirchengemein-
und damit auch der Kirchengemeinden, den besondere Umsatzsteuerpflichten
knüpft das Umsatzsteuergesetz an den zu beachten, die ggf. unabhängig von
BgA-Begriff an (§ 2 Abs. 3 UStG; vgl. einer unternehmerischen Betätigung
Ausführungen unter Ziff. 4.). Sofern ein zur Anwendung kommen können (vgl.
BgA anzunehmen ist, tritt die Kirchen- Ziff. 7.).
gemeinde in diesem Rahmen als Unter-
nehmerin auf.

Umsatzsteuerlich werden alle BgA der


jeweiligen Körperschaft unter dersel-
ben Steuernummer geführt. Es werden
sämtliche Umsätze und Vorsteuerbeträ-
ge in einem Steuerbescheid erfasst.

Weiterhin gilt es, die allgemein gültigen


Befreiungsvorschriften des Umsatz-
steuerrechts (vgl. Ziff. 6.) zu beachten.
Diese finden selbstverständlich auch für
die Kirchengemeinden Anwendung und
sind insbesondere dann zu prüfen, wenn
eine Tätigkeit dem unternehmerischen,
steuerbaren Bereich zuzuordnen ist.

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6. Allgemeingültige • Umsätze des Geld- und Kapitalver-
mögens
Befreiungstatbestände
• Umsätze, die unter das Grunder-
des Umsatzsteuerge- werbsteuergesetz fallen
setzes • Vermietungs- und Verpachtungsum-
sätze (vgl. hierzu im Detail Ziff. 10.
Die nachfolgend dargestellten Ausnah- „ABC der Tätigkeiten“)
men von der Umsatzsteuerpflicht gelten • Umsätze kultureller Einrichtungen
nicht nur für jPdöR, sondern für alle Un- und Veranstaltungen der öffent-
ternehmer im Sinne des Umsatzsteuer- lichen Hand, z.B. Konzerte, Muse-
gesetzes. en, Archive, Büchereien, Denkmäler
(entsprechende Einrichtungen der
Steuerbefreiungen für Kirchengemeinden bedürfen einer
bestimmte Umsätze Bescheinigung der Bezirksregierung
als zuständiger Landesbehörde)
Das Umsatzsteuergesetz sieht insbe-
• Umsätze aus Vorträgen, Kursen und
sondere in § 4 allgemeine Steuerbe-
anderen Veranstaltungen wissen-
freiungen vor, die generell Anwendung
schaftlicher und oder belehrender
finden. Demnach sind diese Umsätze
Art, die von jPdöR, von Volkshoch-
auch bei einer wirtschaftlichen Tätig-
schulen, u.ä. Einrichtungen durchge-
keit steuerlich begünstigt. Div. Leistun-
führt werden, wenn die Einnahmen
gen sind zudem auf der Ebene der jPdöR
überwiegend zur Kostendeckung
bereits im Rahmen der Vermögens-
verwendet werden7
verwaltung steuerbefreit (vgl. Ziff. 3.).
§ 4 UStG erstreckt sich u.a. auf: 7 § 4 Nr. 22 UStG

19
• Umsätze aus dem Verkauf von ge- Besteuerung der
brauchten Anlagegütern, die aus- Kleinunternehmer
schließlich für eine nach § 4 Nr. 8 bis Weiterhin braucht nach der sog. Klein-
27 UStG steuerfreie Tätigkeit (vgl. unternehmerregelung (§ 19 UStG) ein
insbesondere vorstehende Beispiele) Unternehmer keine Umsatzsteuer zu
verwendet wurden entrichten, wenn die steuerpflichtigen
Auf einige dieser Steuerbefreiungen Bruttoeinnahmen aus seiner gesam-
kann verzichtet werden, wenn der Um- ten unternehmerischen Betätigung im
satz an einen anderen Unternehmer für vorangegangenen Kalenderjahr 17.500
dessen Unternehmen ausgeführt wird EUR nicht überstiegen haben und im
(Optionsrecht gem. § 9 UStG). laufenden Kalenderjahr 50.000 EUR
voraussichtlich nicht übersteigen wer-
Darüber hinaus ist auch § 15a UStG zu den. Der Kleinunternehmer hat jedoch
beachten. Danach ist die wegen Aus- das Recht, auf diese Regelung zu ver-
übung der Option in Anspruch genom- zichten (Optionsrecht gem. § 19 Abs. 2
mene Vorsteuer zu berichtigten, wenn UStG). Eine derartige Erklärung bindet
das angeschaffte Wirtschaftsgut vor den Unternehmer mindestens für fünf
Ablauf von 5 Jahren und bei Grundstü- Kalenderjahre.
cken (z.B. steuerpflichtige Vermietung) • Diese allgemeine Befreiungsvor-
vor Ablauf von 10 Jahren nicht mehr schrift des Umsatzsteuerrechts kann
für unternehmerische Zwecke genutzt für Körperschaften des öffentlichen
wird. Eine Vorsteuerberichtigung nach § Rechts dann in Betracht kommen,
15a UStG kann zu erheblichen finanzi- wenn im konkreten Einzelfall trotz
ellen Belastungen führen. einer Unterschreitung der für die

20
Annahme eines BgA relevanten Um- 7. Sonderfälle: innerge-
satzgrenze von 30.678 EUR gleich-
meinschaftlicher Erwerb,
wohl eine steuerpflichtige Betäti-
gung anzunehmen ist (vgl. Ziff. 4.). Steuerschuldnerschaft
Hierbei ist zu beachten, dass die sog. des Leistungsempfän-
Kleinunternehmerregelung auf den gers
Gesamtumfang der steuerpflichtigen
Erträge abstellt, während für die vor- Sonderfall: Die Kirchengemeinde
rangige ‚BgA-Prüfung’ die Umsatz- beabsichtigt, über ein
grenze i.H.v. 30.678 EUR für jede Art niederländisches Unternehmen
der Tätigkeit gesondert anwendbar ein Glockenspiel zu erwerben
ist. (sog. „innergemeinschaftlicher
Erwerb“)
Warenbezüge innerhalb des Gemein-
schaftsgebiets der Europäischen Union
werden im Rahmen des sog. innerge-
meinschaftlichen Erwerbs nach § 1 a
UStG der Umsatzbesteuerung beim
Erwerber unterworfen, sofern es sich
hierbei um einen Unternehmer oder
eine jPdöR (z.B. eine Kirchengemein-
de) handelt. Hier zahlt der Erwerber die
Umsatzsteuer direkt an das Finanzamt

21
und nicht – wie üblich im Rahmen der Sonderfall: Die
Rechnung – an den Vertragspartner. Der Kirchengemeinde bezieht
Erwerb von Gegenständen soll demnach eine Dienstleistung von
grundsätzlich im Staat des Erwerbers einem im Ausland ansässigen
der Umsatzsteuer unterworfen werden. Unternehmer (Ortsbestimmung
Diese Verpflichtung gilt auch dann, bei „sonstigen Leistungen“)
wenn der erworbene Gegenstand dem 8
Erbringt ein Unternehmer mit Sitz
hoheitlichen Aufgabenbereich zuzuord- im Ausland (Europäische Union oder
nen ist. Drittland) eine sonstige Leistung (u.a.
Zur Teilnahme am innergemeinschaftli- Dienstleistungen, Werksleistungen,
chen Warenverkehr ist beim Bundeszen- Gebrauchs- und Nutzungsüberlassun-
tralamt für Steuern eine Umsatzsteuer- gen) an eine jPdöR, kann die sonstige
Identifikationsnummer (USt-IdNr.) zu Leistung der Umsatzbesteuerung in
beantragen (§ 27a UStG). Deutschland unterliegen. Das hat zur
Aus Vereinfachungsgründen hat der Folge, dass die jPdöR steuerliche Erklä-
Gesetzgeber bei nicht unternehmerisch rungspflichten zu erfüllen und Umsatz-
tätigen jPdöR jedoch eine Erwerbs- steuer zu entrichten hat.
schwelle von jährlich 12.500 EUR vor- Maßgebend ist die Ortsbestimmung
gesehen, bis zu deren Grenze der in- gem. § 3a UStG. Der Leistungsort ist
nergemeinschaftliche Erwerb nicht der
8 vgl. OFD Niedersachsen vom 30.08.2010 „MERKBLATT
deutschen Umsatzsteuer unterworfen Bestimmung des Ortes von sonstigen Leistungen, die
werden muss. Auf die Anwendung die- seit dem
1. Januar 2010 durch im Ausland ansässige Unterneh-
ser Ausnahmeregelung kann die jPdöR mer an inländische juristische Personen öffentlichen
jedoch verzichten (§ 1a Abs. 4 UStG). Rechts ausgeführt werden“ (S 7117 – 65 – St 171 –
juris)

22
abhängig davon, ob die jPdöR Unter- Leistung regelmäßig der deutschen
nehmer ist, ob sie die Leistung für ih- Umsatzsteuer. Die Kirchengemeinde
ren unternehmerischen oder ihren ho- hat als Folge die Umsatzsteuer ein-
heitlichen Bereich bezieht, ob ihr eine zubehalten und an die Finanzverwal-
Umsatzsteuer-Identifikationsnummer tung abzuführen. Gegenüber dem
(USt-IdNr.) erteilt worden ist sowie von leistenden Unternehmer ist die USt-
der Art der Leistung. IdNr. zu verwenden.
Es gilt folgende Grundregel: Von diesen Grundsätzen bei der Orts-
• Ist die Kirchengemeinde nicht un- bestimmung im Rahmen von ausländi-
ternehmerisch tätig und ist ihr keine schen Leistungsbezügen gibt es zahlrei-
USt-IdNr. erteilt worden, verbleibt che Ausnahmen und Sonderregelungen.
die Steuerpflicht beim ausländischen Die Kirchengemeinde wird insofern
Unternehmer. Dieser hat die Leistung nicht umhinkommen, sich im Einzelfall
nach dem Recht seines Staates zu der Mithilfe eines Steuerberaters zu be-
besteuern und der Kirchengemein- dienen.
de eine Rechnung mit ausländischer
Umsatzsteuer zu erteilen. Die Kir-
chengemeinde hat in Deutschland
keine steuerlichen Pflichten zu erfül-
len.
• Sofern sich die Kirchengemeinde
hingegen auch unternehmerisch be-
tätigt oder ihr eine USt-IdNr. ausge-
stellt wurde, unterliegt die bezogene

23
8. Ertragsteuern Körperschaftsteuer
(Körperschaft- und Ge- Sofern eine juristische Person des öf-
werbesteuer) | Gewinn- fentlichen Rechts mehrere BgAs unter-
hält, ist sie Subjekt der Körperschaft-
ermittlung steuer wegen jedes einzelnen Betriebes.
Die Körperschaftsteuerpflicht des je-
Erfüllt die Kirchengemeinde die Vor- weiligen BgA beginnt gemäß § 24 KStG
aussetzungen für die Annahme eines mit Überschreiten des Gewinns in Höhe
Betriebes gewerblicher Art, so bedarf des Freibetrages von 5.000 EUR. Der
es einer weitergehenden Prüfung, ob derzeitige Körperschaftsteuersatz be-
und inwieweit die aus dieser Tätigkeit trägt 15 % (§ 23 Abs. 1 KStG).
erzielten Gewinne der Körperschaft-
steuer und ggf. auch der Gewerbe-
Gewerbesteuer
steuer zu unterwerfen sind. Jedoch
sind die Zweckbetriebe (§§ 65 - 68 Der Gewinn eines BgAs unterliegt nur
AO) von der Körperschaftsteuer be- dann der Gewerbesteuer, wenn neben
freit. der Einnahmeerzielungsabsicht auch
Im Falle der Ertragsteuerpflicht ist die eine unwiderlegbare Gewinnerzielungs-
Einschaltung einer fachlichen Beratung absicht vorliegt. Der Freibetrag beträgt
zu empfehlen. Aufgrund der Komplexi- ebenfalls 5.000 EUR.
tät des Ertragsteuerrechts beschränken
sich die nachfolgenden Ausführungen Gewinnermittlung
auf einen bloßen Überblick. Soweit ein BgA buchführungspflichtig
ist (§ 140 Abgabenordnung) oder frei-

24
willig Bücher führt und regelmäßige • Pfarrarchive
Abschlüsse macht, ist der Gewinn durch • Mahlzeitendienste, Sozialstationen
Betriebsvermögensvergleich zu ermit- – vgl. hierzu auch Ausführungen unter
teln. Zum Schluss des Wirtschaftsjahres Ziff. 10. „ABC der Tätigkeiten in der Kir-
sind eine Bilanz sowie eine Gewinn- chengemeinde –
und Verlustrechnung aufzustellen. In
den übrigen Fällen ist lediglich eine Diese Zweckbetriebe unterliegen nicht
Einnahmenüberschussrechnung zu er- der Körperschaft- (§ 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG)
stellen. und Gewerbesteuer (§ 3 Nr. 6 GewStG).
Bei der Umsatzsteuer kommt der ermä-
Zweckbetrieb ßigte Steuersatz in Höhe von zurzeit
7 % zur Anwendung (§ 12 Abs. 2 Nr. 8 a
Bei Annahme eines BgAs kann dieser
UStG), wenn keine Umsatzsteuerbefrei-
neben dem voll steuerpflichtigen Be-
ung greift.
reich unter Umständen auch über einen
steuerbegünstigten Zweckbetrieb ver-
fügen. Sofern nicht bereits die Voraus-
setzungen eines Katalog-Zweckbetriebs
im Sinne der §§ 66 – 68 Abgabenord-
nung (AO) vorliegen, kann sich ein
Zweckbetrieb auch nach den Vorausset-
zungen des § 65 AO ergeben.
Beispiele für entsprechende Zweckbe-
triebe sind:
• Kirchliche Büchereien

25
9. Prüfschema zur Steuerpflicht der Kirchengemeinden
Betätigungsfelder einer Kirchengemeinde im Sinne des Steuerrechts:

hoheitliche Tätigkeit ja
nein
land- und forstwirtschaftliche Tätigkeit ja

nein
Vermögensverwaltung (Ausnahme: verpachteter BgA) ja
nein
nachhaltige wirtschaftliche Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen nein
ja
Jahresumsatz über 30.678 EUR

ja nein
unmittelbarer Wettbewerb gegenüber
nein
privatwirtsch. Unternehmen

ja

Steuerpfl ichtiger BgA Kein steuerpfl ichtiger BgA


Unternehmereigenschaft nach § 2 Abs. 3 UStG ist regelmäßig gegeben,
ebenso Körperschaft-steuerpflicht gem. § 1 Abs. 1 Nr. 6 KStG Tätigkeit fällt nicht in den Rahmen
des Unternehmens, bzw. Unterneh-
(Besonderheit: steuerbegünstigte BgAs - vgl. unter Ziff. 8. „Zweckbetrieb“) mereigenschaft entfällt

26
10. ABC der Tätig- schaftsteuer und die Gewerbesteuer
eine partielle Steuerpflicht vor.
keiten in der Kirchen-
Hingegen ist der Verkauf von eigenem
gemeinde Inventar, gebrauchten Gegenständen,
u.ä. regelmäßig steuerfrei (vgl. ‚Verkauf
Altkleiderverwertung, -sammlung, bzw. Verwertung von Gegenständen
Einnahmen aus der Durchführung und Materialien’).
von Basaren, Flohmärkten (Verkauf
von gebastelten oder gesammelten Pfarrarchive und Archivstellen –
Gegenständen) Berechnung von Gebühren
Wenn die Kirchengemeinde erhaltene Die entgeltliche Nutzung der kirchli-
Gegenstände und Sachen nicht un- chen Archive beschränkt sich im We-
mittelbar gemeinnützigen, kirchlichen sentlichen auf Personenstandsanfragen,
oder mildtätigen Zwecken zuführt, die zeitlich vor der Schaffung von staat-
sondern veräußert (Altkleider, Altpa- lichen Personenstandsregistern liegen.
pier), handelt es sich um einen sog. Demzufolge handelt es sich hier um
„Mittelbeschaffungsbetrieb“. Diese eine hoheitliche – und damit steuerfreie
Verwertung ist steuerpflichtig , sofern
9 – Aufgabenwahrnehmung.
ein Betrieb gewerblicher Art anzuneh- Vgl. im Übrigen auch Ziff. 6. - Allgemei-
men ist (vgl. Ziff. 4.). Unter diesen Vo- ne Befreiungstatbestände des Umsatz-
raussetzungen sieht auch die Körper- steuergesetzes (sofern eine Beschei-
nigung der Bezirksregierung vorliegt);
9 vgl. OFD Hannover v. 19.02.2004 (Az.: S 2706- Ziff. 8. Körperschaftsteuer – steuerfreier
165-StO-; S. 2706-209-StH 231); OFD Chemnitz v.
05.07.2004 (Az.: S 2706-91/29-St 21) Zweckbetrieb

27
Besichtigungen von Kirchen, Kirchen- Kirchliche Büchereien – Ausleihe ge-
führungen, Kirchturmbesteigungen gen Entgelt
(„gegen Entgelt“) Vgl. Ziff. 6. – Allgemeine Befreiungstat-
Ermöglicht eine Kirchengemeinde die bestände des Umsatzsteuergesetzes –
Besichtigung ihrer Kirche(n) außerhalb und Ziff. 8. Körperschaftsteuer – steu-
von kirchlichen Anlässen und gegen erfreier Zweckbetrieb
Entgelt, erbringt sie regelmäßig eine Die notwendige Bescheinigung der Be-
steuerpflichtige Leistung, sofern ein Be- zirksregierung sollte beantragt werden,
trieb gewerblicher Art anzunehmen ist wenn andernfalls hinsichtlich der Ge-
(vgl. Ziff. 4.). Nur ausnahmsweise dürfte wichtigkeit der entgeltlichen Medien-
eine Befreiung von der Umsatzsteuer überlassung ggf. ein Betrieb gewerbli-
basierend auf § 4 Nr. 20 UStG (vgl. Ziff. cher Art (vgl. Ziff. 4.) anzunehmen wäre.
6. – Kirche als „anerkanntes Baudenk- Die Veräußerung von nicht mehr für die
mal“ – Vorbehalt: Bestätigung Bezirks- Entleihe benötigen Bücher durch Kirch-
regierung) in Betracht kommen. liche Büchereien ist steuerfrei (§ 4 Nr.
In Bezug auf die Körperschaftsteuer- 28 UStG).
pflicht (vgl. Ziff 8.) kann ggf. eine Steu-
erbefreiung erreicht werden (steuerfrei- „Eine-Welt-Laden“, Gemeindetreff,
er Zweckbetrieb i.S.v. § 52 Abs. 2 Satz „Frühschoppen“, Sonntagscafé, Kir-
1 Nr. 5 AO „Förderung von Kunst und chencafé, u.ä.
Kultur“), wobei weitergehende Vorga- Mit derartigen Angeboten entfaltet die
ben zu erfüllen sind. Gemeinde unabhängig von der Verwen-
dung der erzielten Gewinne wirtschaft-
liche und damit steuerpflichtige Akti-

28
vitäten, wenn ein Betrieb gewerblicher Flurbereinigungs- und Umlegungs-
Art (vgl. Ziff. 4.) anzunehmen ist. Sofern verfahren
im Einzelfall eine eindeutige Wett- In Ermangelung eines Leistungsaus-
bewerbssituation mit lokalen Gastro- tauschs unterliegen diese Vorgänge
nomen oder Café-Betreibern besteht, grundsätzlich nicht der Umsatzsteuer.
sollte das entsprechende kirchliche An-
gebot auch dann als unternehmerisch Friedhofsverwaltung
eingestuft werden, wenn die Aufgriffs- Hoheitlich; vgl. Ziff. 2. (Abgrenzung
grenze von 30.678 EUR Umsatz p.a. whoheitliche/wirtschaftliche Tätigkeit)
nicht erreicht wird; vgl. auch unter Ziff.
4.: „Unterschreitung der Umsatzgrenze“. Friedhofsgärtnerei, Grabpflege
BgA, vgl. Ziff. 2. (Abgrenzung hoheitli-
Bestellung von Erbbaurechten che/wirtschaftliche Tätigkeit)
Steuerfreie Vermögensverwaltung (dar-
über hinaus gilt allgemeine Befreiungs- Gaststätten, „Kolpinghäuser“ (Eigen-
vorschrift gem. § 4 Nr. 9a UStG; aber betrieb durch Kirchengemeinde)
Optionsrecht) Durch den Betrieb einer Gaststätte, o.ä.
begründet die Kirchengemeinde einen
Exerzitien, Besinnungs- und Einkehr- BgA; vgl. auch ‚Verpachtung von Ge-
tage werbebetrieben’ (Miet- und Pachtver-
Hoheitlich; vgl. Ziff. 2. (Erfüllung von hältnisse).
kirchlichen Hoheitsaufgaben)
Verpachtung von Jagdbezirken
Die Verpachtung eines Eigenjagdbezir-

29
kes durch die Kirchengemeinde ist der Jagdgenossenschaft unterliegt folglich
nichtsteuerbaren Vermögensverwal- mit den aus der Nutzung des Jagdrechts
tung zuzuordnen, es sei denn, die Ver- erzielten Einnahmen nicht der Umsatz-
gabe des Jagdrechts erfolgt im Rahmen steuer.
eines bereits bestehenden land- und Diese Ausführungen gelten sinngemäß
forstwirtschaftlichen Betriebes oder auch für die Verpachtung von Fischerei-
eines BgAs. Nicht unternehmerisch ist rechten.
demgemäß zum Beispiel die Vergabe ei-
nes Jagdrechts, das sich auf verpachtete Kirchliche Kindergärten, Kinderhorte
Grundflächen erstreckt.10 und Kindertagesstätten
Erfolgt demgegenüber die Verpachtung Diese Einrichtungen der öffentlich-
des Eigenjagdbezirkes innerhalb eines rechtlichen Religionsgemeinschaften
land- und forstwirtschaftlichen Betrie- begründen keine Betriebe gewerblicher
bes oder eines BgAs, sind die Entgelte Art. Bei ihnen steht regelmäßig eine
dem Regelsteuersatz zu unterwerfen. pastorale Aufgabenwahrnehmung (Er-
Die Nutzung von Gemeinschaftsjagdre- füllung des Verkündigungsauftrages) im
vieren – sei es durch Eigennutzung oder Vordergrund, die private Unternehmen
durch Verpachtung – stellt nach herr- nicht in gleicher Weise erfüllen kön-
schender Verwaltungsauffassung kei- nen.11
ne unternehmerische Tätigkeit dar. Die
Konzerte, kulturelle Veranstaltungen
10 vgl. Verfügung der OFD Frankfurt/M. v. 15.12.2010 In den Kirchen finden regelmäßig Kon-
(Az.: S 7410 A - 4 - St 16) - „Umsätze im Rahmen der
Selbstnutzung und der Verpachtung von Jagdbezirken“ zertveranstaltungen statt, die sowohl in
sowie Verfügung der Steuerabteilung der ehemaligen
11
OFD Nürnberg v. 07.03.2001 (Az.: S 7416 - 27/St 43) vgl. Verfügung OFD Hannover v. 19.02.2004

30
Eigenregie als auch über einen fremden zertveranstalter zur Verfügung, der die
Veranstalter durchgeführt werden kön- Veranstaltungen selbst durchführt bzw.
nen. Veranstaltet die Gemeinde selbst organisiert, ist in Bezug auf die Steuer-
Konzerte und werden dabei Eintrittsgel- barkeit eine kurzfristige Vermietung von
der erhoben, so sind die Vorgaben für gemeindlichen Räumlichkeiten gegeben
einen steuerbaren Betrieb gewerblicher (vgl. hierzu Ausführungen unter ‚Miet-
Art zu beachten. Handelt es sich um ein und Pachtverhältnisse’ – Buchst. e).
Konzert, das dem hoheitlichen Verkün- Neben der evtl. Besteuerung der Ein-
dungsauftrag zugeordnet werden kann, trittgelder oder der Überlassung der
bleiben die Einnahmen steuerfrei. Bei gemeindlichen Räumlichkeiten sind ggf.
„weltlichen“ Konzerten, die tendenziell auch im Zusammenhang mit vertrag-
den Regelungen eines BgAs zu unter- lichen Absprachen, die die Kirchenge-
werfen sind, kommt eine Befreiung von meinde als Veranstalter mit den Künst-
der Umsatzsteuer im Rahmen von § 4 lern trifft, steuerliche Konsequenzen
Nr. 20 UStG in Betracht (vgl. Ziff. 6.; und Abgabepflichten zu beachten.
v.g. Anmerkungen zu den Umsätzen der
‚Katholischen Öffentlichen Büchereien’ Kursangebote, Fortbildungen, Semi-
gelten sinngemäß). Bei einer Klassifi- nare, Veranstaltungen – gegen Ent-
zierung als steuerfreier Zweckbetrieb gelt –
kommt die Körperschaftsteuer nicht
zum tragen (vgl. Ziff. 8. – „Förderung a) im kirchlich-hoheitlichen Bereich
von Kunst und Kultur“). Hoheitlich; vgl. Ziff. 2. (Erfüllung von
Stellt die Kirchengemeinde ihre Räum- kirchlichen Hoheitsaufgaben)
lichkeiten gegen Entgelt einem Kon-

31
b) Sonstige Kursangebote der Kir- Land- und forstwirtschaftliche Be-
chengemeinde (Veranstalter) triebe
Derartige Angebote sind regelmäßig Das Umsatzsteuergesetz sieht für die
gem. § 4 Nr. 22 UStG von der Um- Umsätze land- und forstwirtschaftli-
satzsteuer befreit. Ebenso wird ein cher Betriebe grundsätzlich eine Be-
ertragsteuerbefreiter Zweckbetrieb steuerung nach Durchschnittssätzen
begründet. Die Steuerbefreiung um- vor (§ 24 UStG). Zweck der Durch-
fasst Vorträge, Kurse und andere schnittsbesteuerung ist es vor allem,
Veranstaltungen wissenschaftlicher den Land- und Forstwirt weitgehend
oder belehrender Art, wenn die Ein- von Aufzeichnungspflichten für die Um-
nahmen überwiegend zur Deckung satzsteuer zu entlasten. Dazu werden
der Kosten verwendet werden.12 Durchschnittssätze für land- und forst-
Nicht befreit sind Eintrittsgelder, wirtschaftliche Betriebe sowohl für die
o.ä., die von Zuschauern oder Besu- Umsatzsteuer als auch für die Vorsteu-
chern von kulturellen Veranstaltun- erbeträge festgesetzt. Land- und Forst-
gen erhoben werden (vgl. „Konzerte, wirte dürfen demnach ihren Abnehmern
kulturelle Veranstaltungen“). Umsatzsteuer in Rechnung stellen,
brauchen jedoch keine Steuer an das Fi-
c) Bereitstellung der Räume für ex- nanzamt abführen. Demgemäß müssen
terne Referenten (gegen Entgelt) bei diesem Pauschalausgleich auch we-
Vgl. ‚kurzfristige Vermietung von ge- der Umsatzsteuervoranmeldungen oder
meindlichen Räumlichkeiten’ (Miet- Umsatzsteuererklärungen abgegeben
und Pachtverhältnisse) werden. Es kann jedoch auch auf die
12
Anwendung dieser Durchschnittssatz-
§ 4 Nr. 22 a UStG

32
besteuerung gegenüber dem Finanzamt befreiung zur Folge hat (vgl. Ziff. 2.).
verzichtet werden. Zu beachten ist jedoch in Anbetracht
Diese Regelungen gelten auch für Kir- entsprechender Angebote von steu-
chengemeinden, soweit sie einen land- erpflichtigen Privatunternehmen eine
oder forstwirtschaftlichen Betrieb un- ggf. steuerschädliche Wettbewerbsver-
terhalten. zerrung. Zumindest lässt sich für ein
kirchengemeindliches Angebot die Be-
Mahlzeitendienste („Essen auf Rä- freiung von der Ertragsteuer (§ 68 Nr. 1
dern“), Sozialstationen AO Mahlzeitendienst als Zweckbetrieb)
Leistungen im Rahmen von „Essen auf und ein ermäßigter Umsatzsteuersatz
Rädern“, Sozialstationen, o.ä. kommen (zurzeit 7 %; § 12 Abs. 2 Nr. 8 a UStG)
regelmäßig körperlich und/oder wirt- erreichen.
schaftlich hilfsbedürftigen Personen zu- Für Mahlzeitendienste von einem amt-
gute. In Bezug auf die Besteuerung der- lich anerkannten Verband der freien
artiger Dienste bedarf es einer Klärung Wohlfahrtspflege oder von einer derar-
im Einzelfall, ggf. auch in Abstimmung tigen Verbänden angeschlossenen Kör-
mit der örtlichen Finanzbehörde. perschaft gelten besondere Befreiungs-
Prinzipiell können diese Dienste als Ge- vorschriften.
genstand des kirchlichen Versorgungs-
auftrags und Ausdruck der tätigen Miet- und Pachtverhältnisse
Nächstenliebe verstanden werden und Die Kirchengemeinde tritt regelmäßig
dem kirchlich-hoheitlichem Bereich als Vermieterin oder Verpächterin von
zugeordnet werden13, was die Steuer- unbebautem Grundbesitz und bebauten
13
Grundstücken auf. Vermietungen und
vgl. BMF-Schreiben v. 05.02.2002 (IV C 6-S 2706-7/02

33
Verpachtungen unbeweglichen Vermö- steuerfrei, da Vermögensverwaltung
gens sind grundsätzlich der Vermögens- (darüber hinaus gilt allgemeine Be-
verwaltung zuzuordnen (vgl. Ziff. 3.; insb. freiungsvorschrift gem. § 4 Nr. 12
auch Abgrenzungen zu steuerpflichtigen UStG)
Leistungen) und als solche steuerfrei.
Darüber hinaus ist auf die allgemein gül- c) Vermietung gewerblich genutzter
tige Befreiungsvorschrift in § 4 Nr. 12 Räume mit Inventar, Betriebsvor-
des Umsatzsteuergesetzes hinzuweisen, richtungen, u.ä.
wonach eine Vielzahl von Vermietungs- Die Verpachtung eines komplett
und Verpachtungsumsätze unabhängig eingerichteten, mit Inventar, Be-
von der Zuordnung zur Vermögensver- triebsvorrichtungen, Mobiliar, etc.
waltung in jedem Fall von der Umsatz- ausgestatteten Gewerbebetriebes
steuerpflicht ausgenommen bleiben. (z.B. Gaststätte) geht über die Ver-
Im Detail ist im Hinblick auf die konkre- mögensverwaltung hinaus. Hier ist
te Ausgestaltung der Grundstücks- und insofern ein BgA anzunehmen (vgl.
Gebäudeüberlassungen, evtl. zusätzli- Ziff. 3. – Vermögensverwaltung –
cher Nebenleistungen, etc. eine diffe- hier: Abgrenzung zur steuerpflichti-
renzierte Betrachtung erforderlich: gen Leistung).

a) Vermietung von Wohnraum d) Vermietung von Garagen, Fahr-


zeugstellplätzen
b) Vermietung gewerblich genutzter Sofern keine besonderen Leistungen
Räume ohne Inventar, Betriebs- (Parkwächter, besondere Betriebs-
vorrichtungen, u.ä. vorrichtungen) hinzukommen, ist bei

34
der Stellplatzvermietung eine steu- derartige Vermietungen an laufend
erfreie Vermögensverwaltung anzu- wechselnde Mieter erfolgen, zudem
nehmen. üblicherweise Betriebsvorrichtungen
Die allgemeine Befreiungsvorschrift (Bestuhlung, etc.) mit überlassen
des Umsatzsteuergesetzes greift oder weitergehende Leistungen (Ver-
hingegen nur dann, wenn die Ver- kauf Speisen u. Getränke, Reinigung,
mietung eines Fahrzeugstellplatzes Hausmeisterdienste) erbracht wer-
als unselbständige Nebenleistung im den. Bei der Vermietung einer Kegel-
Rahmen einer steuerfreien Vermie- bahn handelt es sich grundsätzlich
tung (vgl. Buchst. a u. b) erfolgt.14 um eine einheitliche steuerpflichtige
Vermietung.
e) Kurzfristige Vermietung von ge-
meindlichen Räumlichkeiten (z.B. f) Verpachtung von Grundbesitz
Räume im Pfarrzentrum für pri- („Grundstücksverpachtung“)
vate Familienfeiern), Vermietung Steuerfrei, da Vermögensverwaltung
einer Kegelbahn (darüber hinaus gilt die allgemeine
Bei der Vermietung von Sälen und Befreiungsvorschrift gem. § 4 Nr. 12
anderen Räumen kann es sich zwar UStG)
prinzipiell um steuerfreie Vermö- Eine Grundstücksverpachtung ist
gensverwaltung handeln. In aller Re- gegeben, wenn dem Pächter das
gel ist aber ein BgA anzunehmen, da Grundstück nicht nur zum Gebrauch
14
überlassen, sondern ihm auch der
§ 4 Nr. 12 Satz 2 UStG; Abschnitt 4.12.2. Abs. 1
Satz 1 UStAE; zur steuerfreien Nebenleistung - Details Fruchtgenuss gewährt wird (§ 581
unter Abschnitt 4.12.2. Abs. 3 Satz 6 ff. UStAE, sh. auch
Beispiele

35
BGB).15 Auch der vertraglich ver- Das Gleiche gilt für die Überlassung
einbarte Abbau von Bodenschätzen von Grundbesitz zur Errichtung von
(z.B. Kies, Sand) ist regelmäßig der Strommasten für eine Überlandlei-
umsatzsteuerfreien Grundstücksver- tung, einschl. der Einräumung der
pachtung zuzuordnen. damit zusammenhängenden Rechte.

g) Vermietung von Standorten für Personalgestellung


Mobilfunkfeststationen
Die Gestellung von Personal durch
jPdöR – also auch der der öffentlich
h) Überlassung von Standorten für
rechtlichen Religionsgemeinschaften –
die Errichtung von Strommasten
ist in Abschnitt 2.11 Absatz 15 des Um-
für Überlandleitungen
satzsteueranwendungserlasses (UStAE)
Steuerfrei, da Vermögensverwaltung
geregelt. Danach gilt die Grundaussage,
(darüber hinaus gilt allgemeine Befrei-
dass die Gestellung von Personal durch
ungsvorschrift gem. § 4 Nr. 12 UStG)
jPdöR gegen Erstattung der Kosten
Telefongesellschaften schließen sog.
grundsätzlich ein Leistungsaustausch
Standortmietverträge über Funkfest-
darstellt, sofern die gestellende Person
stationen mit Kirchengemeinden ab.
Arbeitgeber bleibt. Bei der steuerlichen
Nach Vertragsende ist die Funkfest-
Prüfung ist zu bedenken, dass in die-
station wieder zu beseitigen. Diese
sem Bereich hohe „Umsätze“ vorliegen.
Standortmietverträge fallen unter
Zur steuerlichen Würdigung hat die Fi-
die steuerfreie Grundstücksvermie-
nanzverwaltung acht Beispiele gebildet,
tung nach § 4 Nr. 12 UStG.
die man im Einzelfall prüfen muss. Aus
15 vgl. Abschnitt 4.12.1. Abs. 2 Satz 8 UStAE Sicht der öffentlich-rechtlichen Reli-

36
gionsgemeinschaften ist insbesondere sind der Verkauf von Speisen und Ge-
Beispiel 2 von großer Bedeutung. Sofern tränken, etc. zu versteuern, sofern ein
danach eine jPdöR Bedienstete aus ih- Betrieb gewerblicher Art anzunehmen
rem Hoheitsbereich an dem Hoheitsbe- ist (vgl. Ziff. 4.).
reich einer anderen jPdöR abstellt, han-
delt es sich um einen nicht steuerbaren Photovoltaikanlagen
Vorgang.
Zwar ist die Solarstromerzeugung ein
Beitrag zur Schonung der endlichen
Problematischer ist die Fallkonstellation,
Ressourcen, aber sie ist nach Auffas-
die das Beispiel 5 des UStAE aufgreift;
sung der rk. und ev. Kirche keine dem
stellt nämlich eine jPdöR Bedienstete
originären kirchlich-hoheitlichen Be-
aus ihrem Hoheitsbereich an einen als
reich zuzuordnende Aufgabe, zumal
gemeinnützig anerkannten Verein ab,
der erzeugte Strom üblicherweise nach
der nicht unternehmerisch tätig ist,
den Bestimmungen des Erneuerbare-
so wird diese Personalgestellung nicht
Energien-Gesetzes (EEG) verkauft wird.
durch hoheitliche Zwecke veranlasst.
Es wurde seitens der Berliner Büros der
Sie dient vielmehr wirtschaftlichen Zie-
rk. und der ev. Kirche dem Bundesfi-
len, sodass sie insgesamt als Betrieb ge-
nanzministerium gegenüber bestätigt,
werblicher Art zu beurteilen ist.
dass der Betrieb einer Anlage zur Erzeu-
gung regenerativer Energie durch eine
Pfarrfeste, Karnevalsfeiern, etc. Kirchengemeinde – bei Vorliegen der
(Bewirtung, Eintrittsgelder) Tatbestandsmerkmale – einen Betrieb
Aufgrund der potentiellen Wettbe- gewerblicher Art begründet.
werbssituation zu Privatunternehmen

37
Sponsoring, Werbung a) ohne Gegenleistung
Die Kirchengemeinden bemühen sich Erbringt die Kirchengemeinde kei-
zunehmend um sog. Sponsorengelder nerlei Gegenleistung für den Erhalt
oder bieten in gemeindlichen Schriften des Geldes oder der Sachzuwendung,
Möglichkeiten für Werbeanzeigen an. liegt insofern keine Sponsoring- oder
Unter Sponsoring wird üblicherweise Werbeleistung, sondern eine steuer-
die Gewährung von Geld durch Unter- freie Spende vor. Es wird nicht über
nehmen zur Förderung von gemeinnüt- eine Anzeige, o.ä. auf das fördernde
zigen Körperschaften verstanden, mit Unternehmen hingewiesen. Es darf
der das Unternehmen regelmäßig auch demnach auch keine Rechnung über
eigene unternehmensbezogene Ziele den zugewendeten Betrag, sondern
(z.B. Werbung, Imagepflege) verfolgt. allenfalls eine Zuwendungsbestäti-
Die Frage der Steuerpflicht für derarti- gung ausgestellt werden.
ge Zuwendungen ist unabhängig von-
einander auf der Ebene des Sponsors b) Duldungsleistung, geringfügige Ge-
und des Empfängers zu prüfen. Für die genleistung (z.B. öffentlicher Dank,
Kirchengemeinde als Empfängerin der Hinweis auf Unterstützung)
Sponsoringleistung ist dabei Art und Bei Duldungsleistungen weist die
Umfang der Gegenleistung maßgebend. Kirchengemeinde z.B. auf Plaka-
Es ist demnach zu prüfen, ob und inwie- ten, in Veranstaltungsprogrammen
weit aktiv an den Werbemaßnahmen, o.ä. lediglich auf die Unterstützung
o.ä. mitgewirkt wird. durch den Sponsor hin. Ein solcher
Hinweis kann durch Verwendung
des Namens, Emblems oder Logos

38
des Sponsors, jedoch ohne beson- c) Aktive Gegenleistung und Mitwir-
dere Hervorhebung oder Nennung kung der gesponserten Kirchenge-
von Werbebotschaften, erfolgen. meinde
Der Hinweis auf den Sponsor darf Eine bloße Duldungsleistung wird
im Hinblick auf Größe, wiederholte dann überschritten, wenn die Kir-
Nennung, oder Auffälligkeit das Pla- chengemeinde an den Werbemaß-
kat, o.ä. nicht beherrschen. Zulässig nahmen aktiv mitwirkt, z.B. durch
ist so z.B. auch die Verwendung des Aufnahme einer Firmenanzeige
Logos des Sponsors auf der Home- oder Produktwerbung in Program-
page der Körperschaft, wobei jedoch men, Vorhalten von Werbedrucken,
hierdurch keine „Verlinkung“ auf den Einräumung von Werbeflächen auf
Internet-Auftritt des fördernden Un- Fahrzeugen, etc. Die Leistung wird
ternehmens erfolgen darf. Auch kann z.B. steuerrelevant, wenn der Spon-
der Sponsor auf seinen Briefkopf, in sorenname auf einem Veranstal-
Werbeanzeigen usw. den Satz „Spon- tungsplakat größer ist als der eigent-
sor der …. Körperschaft“ ggf. auch liche Veranstaltungshinweis. Diese
mit einem entsprechenden Logo ab- aktive Gegenleistung führt zu Steu-
drucken. erpflicht, sofern ein Betrieb gewerb-
Derartige Duldungsleistungen be- licher Art anzunehmen ist (vgl. Ziff.
gründen keinen BgA und bleiben in- 4.). Unter diesen Voraussetzungen
sofern steuerfrei. sieht auch die Körperschaftsteuer
und die Gewerbesteuer eine partielle
Steuerpflicht vor.

39
Tombola, Lotterien Verkauf von Broschüren,
(Verkauf von Losen) Postkarten, CDs, Souvenirs,
Öffentliche Lotterien und Ausspielun- etc. im Gemeindeladen,
gen dürfen nur mit Erlaubnis der zu- ‚Kirchenshop, -kiosk’
ständigen Behörde veranstaltet werden. Das Angebot von Postkarten, speziel-
Außerdem sind die Vorschriften der Lot- len Artikeln wie CDs, Büchern zur Ge-
terie- bzw. Umsatzsteuer zu beachten. schichte der Kirche, kirchlicher Literatur
Unter bestimmten Voraussetzungen gilt und anderen Souvenirs etwa über einen
für Veranstaltungen von Kirchenge- Kiosk oder einen Gemeindeladen ist als
meinden die so genannte „Allgemeine wirtschaftliches Betätigungsfeld der
Erlaubnis für Kleine Lotterien und Aus- Kirchengemeinde zu klassifizieren und
spielungen“ als erteilt. somit steuerpflichtig, sofern ein Betrieb
Veranstaltungen, die unter die allge- gewerblicher Art begründet wird (vgl.
meine Erlaubnis fallen, sind von der Ziff. 4.). Allenfalls noch denkbar ist es,
Lotteriesteuer befreit. Außerdem liegt die Abgabe eines gemeindeeigenen Kir-
ein ertragssteuerfreier Zweckbetrieb vor chenführers, u.ä. gegen Schutzgebühr
(§ 68 Nr. 6 AO). dem kirchlich-hoheitlichen – und damit
Die Erlöse aus dem Losverkauf sind um- nicht steuerbaren – Bereich zuzuord-
satzsteuerpflichtig, sofern ein Betrieb nen. Sofern die Thematik einer Publika-
gewerblicher Art anzunehmen ist (vgl. tion diesen eng zu fassenden Rahmen
Ziff. 4.). In diesem Fall greift der ermä- überschreitet, ist eine solche Zuordnung
ßigte Steuersatz von zur Zeit 7 % (§ 12 im Hinblick auf die Wettbewerbssituati-
Abs. 2 Nr. 8 a UStG). on gegenüber Privatunternehmen nicht
zu rechtfertigen.

40
Verkauf Grundstücke Für die Annahme eines gewerblichen
(Abgrenzung gewerblicher Grundstückshandels müssen sämtliche
Grundstückshandel) Kriterien eines Gewerbebetriebes im
Der Erwerb und die Veräußerung/Über- Sinne des § 15 Abs. 2 Einkommensteu-
tragung von Grundstücken unterliegen ergesetz erfüllt sein; das sind: Selbst-
grundsätzlich der Grunderwerbsteuer. ständige Tätigkeit, Nachhaltigkeit, Ge-
Für die Kirchengemeinden kann eine winnerzielungsabsicht, Beteiligung am
Befreiungsvorschrift greifen, wenn das allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr.
Grundstück aus Anlass des Übergangs Die Betätigung darf sich nicht nur als
von öffentlich-rechtlichen Aufgaben bloße Vermögensverwaltung darstel-
oder aus Anlass von Grenzänderungen len (z.B. BFH-Urteil vom 03.08.2004).
von der einen auf die andere juristische Zur Abgrenzung zwischen Vermögens-
Person übergeht und es sich nicht über- verwaltung und gewerblichem Grund-
wiegend um einen BgA handelt. stückshandel nimmt ein BMF-Schreiben
Grundstücksverkäufe sind grundsätzlich Stellung.16
von der Umsatzsteuer befreit (Vermö- Nach der BFH-Rechtsprechung ist bei
gensverwaltung, Ziff. 3.; allgemeine Be- der Veräußerung von bis zu drei Ob-
freiungsnorm des § 4 Nr. 9a UStG, vgl. jekten innerhalb eines engen zeitlichen
Ziff. 6.). Zusammenhangs im Regelfall ein ge-
Es sind allerdings die einkommensteu- werblicher Grundstückshandel zu ver-
erlichen Grundsätze des gewerblichen neinen.
Grundstückshandels zu überprüfen. 16 BMF-Schreiben vom 26.03.2004 (BStBl I 2004, 434)
Diese gelten uneingeschränkt auch für - Ein Schaubild als Anlage des BMF-Schreibens enthält
ein vereinfachtes Prüfschema zum gewerblichen
die Kirchengemeinden. Grundstückshandel.

41
Für die kirchlichen Körperschaften ist 4. Unberücksichtigt bleibt auch die
entscheidend, dass längst nicht alle Veräußerung von Grundstücken, die
verkauften Objekte als Zählobjekte im durch Erbschaft oder unentgeltlich
Sinne des gewerblichen Grundstück- erworben wurden.19
handels gelten. Als grobe Typisierung 5. Die erstmalige Bestellung eines Erb-
können hierzu folgende Aussagen ge- baurechts ist kein Objekt i.S. eines
troffen werden: gewerblichen Grundstückshandels
1. War ein veräußertes Objekt langfris- (im Gegensatz dazu: Weiterveräuße-
tig vermietet oder im Besitz (mindes- rung eines bereits bestehenden Erb-
tens zehn Jahre), liegt kein Objekt im baurechts20)
Sinne der Drei-Objekt-Grenze vor.17 Die kirchlichen Körperschaften sollten
2. Wurde das Objekt langfristig (min- davon absehen, Grundstücke planmäßig
destens fünf Jahre) zu eigenen zu parzellieren und diese einzeln an Er-
Wohnzwecken (z.B. Dienstwohnun- werber zu veräußern.
gen Stelleninhaber) genutzt, so liegt Der gewerbliche Grundstückshandel ist
ebenfalls kein Objekt im Sinne der eine sehr komplexe Materie, die immer
Drei-Objekt-Grenze vor.18 auf den Einzelfall abstellt. Bei Zweifels-
3. Erfolgt die Veräußerung des Objek- fragen sollte ein fachkundiger Steuer-
tes ohne Gewinnerzielungsabsicht, berater kontaktiert werden.
ist das Objekt kein Objekt i.S.d. Drei-
Objekt-Grenze.

19 BFH-Urteil vom 20.04.2006 (III R 1/05 unter 2.


17 Rz. 2 des BMF-Schreibens v. 26.03.2004 Buchst. d, BStBl II 2007, 375)
18 20 BFH-Urteil vom 12.07.2007 (X R 4/04)
Rz. 10 des BMF-Schreibens v. 26.03.2004

42
Verkauf bzw. Verwertung mein üblichen Vorgaben der Umsatzbe-
von Gegenständen und steuerung bei jPdöR. Die Umsätze wer-
Materialien (z.B. Abgabe den unabhängig von der Mittelverwen-
gebrauchter PCs, Möbel, etc.) dung steuerpflichtig, sofern ein Betrieb
Sofern die Objekte aus dem hoheitli- gewerblicher Art begründet wird (vgl.
chen Tätigkeitsbereich stammen, bleibt Ziff. 4.).
der Verkauf als sog. „Hilfsgeschäft“
steuerfrei. Verwaltungsdienstleistungen für Dritte
Weiterhin sind befreit die (Verkaufs) Alle Verwaltungsdienstleistungen, die
Umsätze von Gegenständen, die aus- innerhalb der verfassten Kirche erbracht
schließlich für eine nach § 4 Nr. 8 bis werden, sind grundsätzlich nicht steu-
27 UStG steuerfreie Tätigkeit verwendet erbar. In diesem Rahmen bewegen sich
wurden (vgl. Beispiele unter Ziff. 6.).21 z.B. Verwaltungsverbände wie Gesamt-
verbände, Gemeindeverbände, Kirchen-
kreise, Kirchengemeinden, Rentämter,
Verkauf von Weihnachtsbäumen
Diözesen.
Erfolgt der Verkauf im Rahmen eines Steuerrechtlich problematisch wird es
forstwirtschaftlichen Betriebs, greift jedoch, wenn Verwaltungsleistungen
in Bezug auf die Umsatzsteuer die sog. für nicht der verfassten Kirche angehö-
Durchschnittsbesteuerung (§ 24 UStG; rige Einrichtungen erbracht werden, wie
vgl. ‚Land- und forstwirtschaftliche z.B. gegenüber Stiftungen, GmbHs, Ver-
Betriebe’). Außerhalb eines forstwirt- einen, BgAs einer anderen Körperschaft
schaftlichen Betriebs greifen die allge- des öffentlichen Rechts. In diesen Fällen
21
sprechen das Umsatzsteuergesetz und
§ 4 Nr. 28 UStG

43
das Körperschaftsteuergesetz von ei- (§ 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG). Sind die Vor-
nem Betrieb gewerblicher Art, der nicht aussetzungen der umsatzsteuerlichen
mehr der hoheitlichen Sphäre, sondern Organschaft erfüllt, werden die Umsät-
dem steuerpflichtigen Bereich zuzuord- ze zwischen den Beteiligten als nicht
nen ist. steuerbare Innenumsätze behandelt.
Es ist festzustellen, dass die Leistungs- Die Rechtsprechung legt jedoch strenge
erbringung an eine nicht der verfassten Maßstäbe bei den Anforderungen der
Kirche angehörigen Einrichtung eindeu- Organschaft zugrunde, die es erforder-
tig im Wettbewerb zu privaten anderen liche machen, die konkrete Situation
Anbietern steht. So könnte der einge- permanent zu überprüfen.
tragene Verein für seine Buchhaltung
oder für seine Wohnungsverwaltung
auch ohne Probleme einen Anbieter
auf dem freien Markt finden, der diese
Dienstleistung für ihn übernimmt.
Steuerbefreit bleiben allerdings Leis-
tungserbringungen im Rahmen einer
umsatzsteuerlichen Organschaft (§ 2
Abs. 2 Nr. 2 UStG). Eine umsatzsteuer-
liche Organschaft setzt voraus, dass die
Tochtergesellschaft (Organgesellschaft)
finanziell, wirtschaftlich und organisa-
torisch in den Betrieb des Organträgers
(Muttergesellschaft) eingegliedert ist

44
Schlussbemerkung: Haftungsausschluss:
Die Handreichung ist nur für den kirchen-
Wie bereits erwähnt sollen mit dieser eigenen Dienstgebrauch bestimmt. Die
Informationsschrift kirchliche Körper- Ausführungen haben bewusst einen in-
schaften für die möglichen steuerrecht- formellen und grundlegenden Charakter
lichen Problematiken sensibilsiert wer- und basieren ausschließlich auf den ak-
den. In der Zukunft ist u.a. auch durch tuell gültigen Gesetzen, Richtlinien und
veränderte Rechtssprechung zu erwar- Anwendungserlassen. Die Umsetzung
ten, dass die zu beurteilenden umsatz- evtl. hiervon abweichender Rechtspre-
und ertragsteuerrechtlichen Sachver- chung bleibt abzuwarten. Für die An-
halte weiter zunehmen werden. Gerade wendung im konkreten Einzelfall kann
bei der Umsatzsteuer handelt es sich daher keine Gewähr in Bezug auf Inhalt,
dabei um eine Vielzahl von Geschäfts- Richtigkeit und Vollständigkeit der Aus-
vorfällen, die ein enormes Haftungsri- führungen übernehmen. Eine Haftung
siko für die kirchlichen Körperschaften für diesbezügliche Folgen ist ausge-
beinhalten. schlossen. Für den konkreten Sachverhalt
Es ist daher empfehlenswert sich recht- ist eine weitergehende fachlich versierte
zeitig dieser Problematik anzunehmen Beratung unabdingbar.
und möglicherweise fachkundige Bera-
tung im Einzelfall einzuholen. Rechtsstand der Handreichung:
1. Juni 2011
Eine regelmäßige Aktualisierung und
Fortentwicklung der Schrift ist vorge-
sehen.

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Kontakt:
Erzbischöfliches Generalvikariat, Marzellenstr. 32 , 50668 Köln
Hautabteilung Finanzen
Peter Langenbach
Tel. 0221-1642 1336, Fax 0221 – 16421 429
E-Mail: peter.langenbach@erzbistum-koeln.de
Internet: www.erzbistum-koeln.de

Fotos: Robert Boecker, shutterstock/deformer

Gestaltung: Nicolaysen

Weitere Exemplare der Handreichung können bei der Pressestelle des


Erzbistums Köln angefordert werden.

Papier aus nachhaltig bewirtschaftetem Forst und aus


Recycling, FSC® zertifiziert