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Was ist eine Bilanz und was ist eine GuV?

Bilanz:
- Die Bilanz ist eine Vermögenstabelle
- Wer muss eine Bilanz erstellen?
o Unternehmen Kapitalgesellschaften
o Einzelunternehmungen deren Umsatz 600.00€ im Jahr liegt
o Einzelunternehmen deren Gewinn mehr als 60.000€ liegt
 Wenn die Grenzen in 2 aufeinander folgenden Jahren überschritten wurden
- Grundlage für die Bilanz ist die Inventur, die eine Aufnahme aller Bestände im Unternehmen sind,
dies erfolgt durch zählen, wiegen, messen und schätzen
- Eine Bilanz wird nach Konten gegliedert
- Aktiva nach Liquidität
- Passiva nach Laufzeit des Fremdkapitals (siehe Schaubild)
- Vorteile:
- Die Bilanz schafft Transparenz zwischen Unternehmen
- Kapitalgeber können sich schnell einen Überblick über das Unternehmen verschaffen
- Dritte haben Einblick in die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens
- Nachteile:
- Sehr aufwendig
- Inventur wird vorausgesetzt

GuV:

- Bestandteil der Bilanz


- Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden die Erfolgskonten nicht ins Eigenkapital gebucht, sondern
über das GuV-Konto abgeschlossen
- GuV-Konto ist ein Sammel- oder auch Hilfskonto
- Aus der GuV lässt sich der Unternehmerische Erfolg ablesen
 Übersteigen Erträge die Aufwände = Gewinn
 Übersteigen Aufwände die Erträge = Verlust
- Gegliedert wird die GuV in der Regel nach Konten bzw. Staffelform (siehe Schaubild)

Auszahlung : Abfluss von Zahlungsmittel in der Periode


Einzahlung : Zufluss von Zahlungsmittel in der Periode
Ausgabe : Wert der zergangene Einsatzfaktoren in der Periode
Einnahme: wert die verkauften Güter in der Periode
Aufwand : bewertete Güter Verbrauch in der Periode
Eintrag : bewertete Güter Entstehung in der Periode
Leistung : betriebszweckbezogener, bewertete Güter Verbrauch in der Periode
Kosten : betriebszweckbezogener, bewertete Güter Entstehung in der Periode

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Stromgrößen Bestandsgrößen
1. Einzahlungen und Auszahlungen 1. Liquide Mittel
2. Einnahmen und Ausgaben 2. (Geld-) Vermögen
3. Ertrag und Aufwand 3. Gesamtvermögen
4. Leistung und Kosten 4. Betriebsnotwendiges Vermögen
Auszahlung = Ausgabe: Abfluss von Zahlungsmitteln in der Periode (Auszahlungen) , zugegangenen Güter
in der Periode (Ausgaben)( Bareinkauf von RHB)
Auszahlung != Ausgabe: Auszahlung, der in der aktuellen Periode keine Ausgabe entspricht.
Z.B. Bezahlung einer Ware oder Dienstleistung, die sie bereits in einer Vorperiode erhalten haben
(Anzahlung – Steuerzahlung-Credittilgung-Privatentnahme).
Ausgaben != Auszahlungen :
1. Auszahlungen und Ausgaben fallen zeitlich nicht zusammen (in eine Periode).
Fall A: Es wird eine Auszahlung geleistet, der in dieser Periode keine Ausgabe entspricht
(Beispiel: Anzahlung an einen Lieferanten in Periode 1, die Lieferung fällt in
Periode 2). Z.B. Kauf einer Ware, die sie erst in der nächsten Periode bezahlen
- Kauf auf Ziel
Fall B: Es wird eine Ausgabe getätigt, der in dieser Periode keine Auszahlung entspricht
(Beispiel: Es gehen Lieferungen ein in Periode 1, die Bezahlung erfolgt in
Periode 2).
2. Zu einem Auszahlungsvorgang gehört sachlich überhaupt keine Ausgabe.
-Finanzauszahlungen haben keine direkte Verbindung zur Beschaffung von Gütern, d. h. sie sind nicht
Bestandteil eines Tauschvorganges, in dem Güter beschafft werden. Z.B.
a. Geldabfluss, dem ein gleich hoher Geldzufluss zu einem anderen Zeitpunkt entspricht, z.B.
Kreditvorgänge, Vergabe eines Kredites
b. Geldabfluss als Kapitalrückzahlung an die Eigentümer (z.B. Privatentnahme) oder als
Abgabe an den Staat (z.B. Einkommenssteuer, Körperschaftssteuer).
(Kreditrückzahlungen, Gewährung von Barkrediten, Zahlung von Gewinnsteuern an das Finanzamt,
Kapitalrückzahlung an den (die) Eigentümer des Unternehmens und ähnlichen Vorgängen.)
-Erfolgsauszahlung:
Geldabfluss, der mit der Beschaffung von Gütern verbunden ist.

Ausgabe= Aufwand : Wertes der zugegangenen Güter in der Periode (Ausgaben) zum Wert des
Güterverbrauchs in der Periode (Aufwand).( Kauf und Verbrauch von Rohstoffen in einer
Periode)
Ausgabe!= Aufwand : Ausgabe gegeben ist, der in dieser Periode kein Verbrauch entspricht(Kauf von
Rohstoffen, kein Verbrauch in der Periode (Lagerung)).(Einkauf RHB auf Lager)
Aufwand!=Ausgabe : ein Aufwand vorliegt, dem in dieser Periode kein Güterzugang entspricht . Diese Fall
beinhaltet auch solche Vorgänge, in denen der Güterzugang (Ausgabe) in eine Periode, der
Güterverbrauch (Aufwand) dagegen inmehrere Perioden fällt.( Verbrauch von Rohstoffen ab
Lager (Kauf in Vorperiode)).

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Aufwand : bewertete Güter Verbrauch in der Periode (Rohstoffeinsatz)
Der Aufwand eines Betriebes gliedert sich in Zweckaufwand und neutralen Aufwand:
neutrale Aufwendungen: betreffen das Unternehmen insgesamt, bzw. fallen nicht mit der geplanten
Leistungserstellung bzw. -verwertung an. ( Spenden, Verlust aus Wertpapierverkauf)
a) betriebsfremde Aufwendungen
entstehen bei der Verfolgung betriebsfremder Ziele z.B. Verluste aus Wertpapiergeschäften, Spenden
b) außerordentliche Aufwendungen
entsprechen wegen ihrer besonderen Art oder ihres unregelmäßigen Anfalls nicht dem geplanten
Betriebsgeschehen z.B. Verderb von Rohstoffen, Unfallschäden an Fahrzeugen, Anlageverkauf unter
Buchwert / Totalabschreibungeines Gebäudes aufgrund eines nicht versicherten
Feuerschadens/Sturmschaden.
c) periodenfremde Aufwendungen
gehören in abgelaufene Rechnungsperioden z.B. Steuernachzahlungen /ein
Zweckaufwand:
Derjenige Teil des Aufwands, der auf den Betriebszweck gerichtet ist:
• Grundkosten, derjenige Teil des Aufwands, der ohne Änderungen den Kosten entspricht. z.B.
Fertigungslöhne, Rohstoffverbrauch, Löhne ,Miete, Materialverbrauch .

• Zusatzkosten: stellen einen Güterverbrauch dar, der aus kalkulatorischen Gründen nur in der
Kostenrechnung, nicht aber in der Finanzbuchhaltung erfasst wird.
a) kalkulatorischer Unternehmerlohn
b) kalkulatorische Zinsen (auf das betriebsnotwendige Eigenkapital)

• Anderskosten: sind Güterverbräuche, die sowohl Aufwand als auch Kosten sind jedoch in der
Kostenrechnung anders behandelt werden (andere Werte).( z. B. kalkulatorische Zinsen)
a) kalkulatorische Abschreibung
b) kalkulatorische Zinsen (für das betriebsnotwendige Fremdkapital)
c) kalkulatorische Wagnisse
d) kalkulatorische Miete

• Zusatz- und Anderskosten werden als "Kalkulatorische Kosten“ bezeichnet.


Durch sie soll der tatsächlich entstandene betrieblich notwendige Werteverzehr genauer erfasst werden.
Die Berücksichtigung kalkulatorischer Kosten ist ausfolgenden Gründen wichtig:
1. Die Ertragskraft des Betriebes kann richtig beurteilt werden.
2. Die Ergebnistabelle liefert geeignete Unterlagen für die Betriebskontrolle und die Berechnung der
Selbstkosten der Erzeugnisse.
3. Der Vergleich mit den Ergebnistabellen anderer Betriebe derselben Branche wird nicht durch
Zufälligkeiten der Finanzstruktur oder der Unternehmensform beeinträchtigt.

S. 3
Spiegelbildlich zum Aufwand – Kosten:
Erträge sind alle erfolgswirksamen Wertzuflüsse in ein Unternehmen innerhalb einer Rechnungsperiode.
• neutrale Erträge: betriebsfremde Erträge z.B. Wertpapiererträge außerordentliche Erträge z.B. Erträge
aus dem Verkauf von Anlagegegenständen periodenfremde Erträge z.B. Erstattung von Kostensteuern
• Zusatzleistung: Umsatzerlöse Mehrbestände anfertigen und unfertigen Erzeugnissen
aktivierte Eigenleistungen (ist ein Leistungsbestandteil, dem kein Ertrag entspricht)
(z.B. eine Forschungsleistung).
betrieblichen Erträge sind Leistungen im Sinne der Kosten- und Leistungsrechnung

Abgrenzungsrechnung als Vorstufe der Kosten- und Leistungsrechnung


Aufgabe der Abgrenzungsrechnung ist, aus den Aufwendungen und Erträgen der Geschäftsbuchführung
diejenigen herauszufiltern, die neutral sind. Dies wird in Form einer Ergebnistabelle durchgeführt.

Rechnungskreis I Rechnungskreis
II
G Abgrenzungsrechnung KLR
u
V
Aufwendungen unternehmensbezoge kosten- und
und Erträge der ne Abgrenzungen leistungsrech- nerische Kosten und Leistungen
Konten- klassen (betriebsfremd) Korrekturen
(außerordentl.;
5, 6, und 7 periodenfremd;
Verrechnungskorrekturen)
– + – + – + – +
Aufwan Ertrag
d
Aufwan Ertrag Aufwan Ertrag [(verrechn verrechn Kosten Leistung
d d ete ete kalk. en
kalk. Kosten
Leistungen
)]
Gesamtergebnis = betriebsfremdes + Korrekturergebnis + Betriebsergebnis
Ergebnis
Abgrenzungs- oder neutrales Ergebnis

 kalkulatorische Kosten beeinflussen Abgrenzungs- und Betriebsergebnis, nicht das Gesamtergebnis


Die GUV-Rechnung aus der Sicht der KLR
Pos Kontengruppe Posten der Anal
. GUV yse
01. 5 Umsatzerlöse betriebsbedingt
0
0
0
02. 5 Bestandsmehrung betriebsbedingt
2
0
0
andere aktivierte Eigenleistungen
03. 5 betriebsbedingt
sonstige betriebliche Erträge
3
0
0
nicht aufgrund der Produktion
5 Nebenerlöse aus Vermietung
entstan-
4
den: betriebsfremd
0
0 1
4 5 Nebenerlöse aus der Werksküche betriebsfremd
. 4
0
3
Erträge aus der ... Herabsetzung von betriebsbedingt, aber untypisch:
5
Wertberichtigungen der Forderungen betrieb-
4
lich außerordentlich
5

S. 4
0
5 Erträge aus dem Abgang von Vermögensgegenständen betrieblich außerordentlich
4
6
0
5 Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen betrieblich außerordentlich
4
8
0
5 Steuererstattung des Vorjahres betriebsbedingt, aber periodenfremd
4
9
0
6 Aufwendungen für RHB-Stoffe betriebsbedingt
0 0
5 0
. 0
6 Ausgangsfrachten betriebsbedingt
1
4
0
6 Fremdinstandhaltung betriebsbedingt
1
6
0
06. 6200 - 6400 Personalaufwand betriebsbedingt
6 Abschreibung auf immaterielle Vermögensgegenstände (Firmenwert) betriebsfremd
0 5
7 1
. 0
6 Abschreibung auf Sachanlagen betriebsbedingt
5
2
0
6 Außerordentliche AfA auf Sachanlagen betrieblich außerordentlich
5
5
0
Sonstige Personalaufwendungen
6 betriebsbedingt
(Fahrtkosten, Werksarzt, Weiterbildung)
6
0
0
0 6 Miete (Leasing) betriebsbedingt
8 7
. 0
0
6 Büromaterial, Fachzeitschriften betriebsbedingt
8
0
0
6 Spenden betriebsfremd
8
8
0
6 Verluste aus Schadensfällen betrieblich außerordentlich
9
3
0
6 AfA uneinbringlicher Forderungen betrieblich außerordentlich
9
5
1
6 Verluste aus dem Abgang von Vermögensgegenständen betrieblich außerordentlich
9
6
0
6 Periodenfremde Aufwendungen soweit nicht bei der ... art erfasst periodenfremd
9
9
0
7 Betriebssteuern; Nachzahlung für Vorperiode betriebsbedingt periodenfremd
0
0
0
09. 5 Erträge aus Beteiligungen - Spekulationen betriebsfremd
5
0
0
10. 5 Erträge aus anderen Wertpapieren betriebsfremd
6

S. 5
0
0
5 Zinserträge  Kunden- und Mitarbeiterdarlehen betriebsfremd
1
7
1
1
.
0
5 Diskonterträge betrieblich außerordentlich
7
3
0
12. 7 AfA auf Finanzanlagen betriebsfremd
4
0
0
7 Zinsaufwendungen  Hypothek Wohngeb. betriebsfremd
1
5
3
1
.
0
Zinsaufwendungen  Verzugszinsen Lieferer betrieblich außerordentlich
14. 5 a.o. Erträge z.B. Gemeindezuschuss betrieblich außerordentlich
8
0
0
15. 7 a.o. Aufwendungen z.B. Umweltschaden betrieblich außerordentlich
6
0
0
16. 7 Steuern vom Einkommensteuer (Körperschaftssteuer) betriebsfremd
7
1
0

Einzahlungen != Einnahmen: Barverkauf , Bareingang


• die Abgrenzung zwischen Einnahmen und Ertrag ist wieder eine allein zeitliche.
Einzahlungen != Einnahmen: Kunde bezahlt Ausgangsrechnung aus der Vorperiode

1. Einzahlungen und Einnahmen fallen zeitlich nicht zusammen (in eine Periode)
Einzahlungen != Einnahmen:
Fall E: Es entsteht eine Einzahlung, der in dieser Periode keine Einnahme entspricht (Beispiel:
Kundenanzahlungen, Inkasso von Forderungen aus Lieferungen). z.B. Bezahlung einer Ware oder
Dienstleistung durch den Kunden, die der Kunde bereits in einer Vorperiode erhalten hat (Aktivtausch).
Einnahmen != Einzahlung: Zielverkauf von Erzeugnissen
Fall F: Es entsteht eine Einnahme, der in dieser Periode keine Einzahlung entspricht (Beispiel:
Kreditverkäufe, Lieferungen, für die der Kunde bereits früher bezahlt hat). z.B. Verkauf einer Ware oder
Dienstleistung, die der Kunde erst inspäteren Perioden bezahlt (Bilanzverlängerung ).
Es handelt sich in beiden Fällen um eine zeitliche Abgrenzung von Einzahlungen und Einnahmen.

Finanzeinzahlung
Finanzeinzahlungen haben keine direkte Verbindung zur Beschaffung von Gütern, d.h. sie
sind nicht Bestandteil eines Tauschvorgangs, in dem Güter verkauft werden.
a. Geldzufluss, dem ein gleich hoher Geldabfluss zu einem anderen Zeitpunkt entspricht, z.B.
Kreditvorgänge, Aufnahme eines Kredits
b. Geldzufluss als Kapitalzuführung von dem Eigentümer, z.B. Kapitalerhöhung bei einer
Aktiengesellschaft.

S. 6
Erfolgseinzahlung
Geldzufluss, der mit dem Abgang von Gütern und Dienstleistungen verbunden ist.
Einnahme = Ertrag : Kauf + Lieferung Produkt / DL(
Einnahme != Ertrag : Herstellung von Erzeugnissen und Lagerung
2. Zu einem Einzahlungsvorgang gehört sachlich überhaupt keine Einnahme
Neutraler Ertrag : Gewinn aus Wertpapierverkauf

Ertrag = Leistung (Zweckertrag/Grundleistung) = Verkauf von Erzeugnissen

Zusatzleistung: unentgeltlich abgegebene Leistungen oder Selbsterstelltes


Know-How

-Produktion auf Lager (Zugang an unfertigen und/oder fertigen unverkauften Erzeugnissen),


-den Verkauf ab Lager (Abgang von fertigen und/oder unfertigen Erzeugnissen).

Die sachliche Abgrenzung zwischen Aufwand und Kosten einerseits und Ertrag und Leistung andererseits führt dazu,
dass im betrieblichen Rechnungswesen zwei verschiedene Erfolgskonzepte nebeneinander existieren:

1.Die Differenz zwischen Ertrag und Aufwand ist der Erfolg des externen Rechnungswesens. Diese Erfolgsgröße
heißt pagatorischer Erfolg, da alle Komponenten dieser Größe aus Zahlungen abgeleitet sind (Definition 1.1). Der
Aufwand ist aus Erfolgsauszahlungen abgeleitet, der Ertrag aus Erfolgseinzahlungen. Wir haben gesehen, dass der
Teil des Ertrages, der auf Lagerzugänge entfällt, in Höhe des dafür entstandenen Aufwands bewertet wird
Rechnerisch handelt es sich bei dem Lagerzugang also um eine Aufwandskorrektur, d. h. um eine ebenfalls strikt aus
Erfolgsauszahlungen abgeleitete Größe.
Der pagatorische Erfolg enthält alle Güterentstehungen und alle Güterverbräuche, auch solche, die mit dem
Betriebszweck nichts zu tun haben, die nur zufällig in die betrachtete Periode fallen oder die außergewöhnlich in
ihrer Höhe sind (neutraler Erfolg als Saldo von neutralem Ertrag und neutralem Aufwand).

Definition 1.1. Pagatorischer Erfolg

(Mit Einzahlungen verbundene Güterentstehung)


- (Mit Auszahlungen verbundener Güterverbrauch)
= Pagatorischer Erfolg (Gewinn/Verlust)

Als pagatorische Kosten werden Kosten bezeichnet, die "echte", mit Auszahlungen  verbundene Kosten


darstellen. Zu den pagatorischen Kosten gehören z.B. erworbene Rohstoffe oder gezahlte Gehälter.

S. 7
Neben den pagatorischen Kosten gibt es z.B. auch die kalkulatorischen Kosten  bzw. Opportunitätskosten ,
die zusätzlich zu den pagatorischen Kosten in die Produktkalkulation einbezogen werden.
Für die Kosten- und Leistungsrechnung sind jedoch wertmäßige Kosten – und nicht pagatorische
Kosten – die Basis.
Pagatorischer Kostenbegriff vs. wertmäßiger Kostenbegriff
Die Kosten- und Leistungsrechnung basiert nicht auf pagatorischen Kosten, sondern auf den
sogenannten wertmäßigen Kosten, die den in Euro bewerteten Verbrauch von Einsatzfaktoren für
die betriebliche Leistungserstellung (Produktion und Vertrieb) abbilden.

Beispiel: Abgrenzung pagatorischer Kosten

Erwirbt ein Unternehmen der Automobilbranche z.B. 4.000 Reifen zu je 100 €, die in den Autos verbaut
werden sollen, so liegen pagatorische Kosten in Höhe von 400.000 € vor.
In der auf wertmäßigen Kosten basierenden Kosten- und Leistungsrechnung werden die Reifen jedoch erst
bei Verbrauch (d.h. Einbau in die produzierten Autos) als Materialkosten erfasst.
Solange sie noch auf Lager liegen, werden keine Kosten erfasst.
Auch Abschreibungen  auf die Produktionsmaschinen stellen Kosten dar, sind aber keine pagatorischen
Kosten, da sie nicht in der Periode der Abschreibung mit Ausgaben verbunden sind (lediglich in der
Periode der Anschaffung der Maschine).
2. Der Erfolg des internen Rechnungswesens als Differenz von Leistung und Kosten wird dagegen aus
Mengenbewegungen abgeleitet und heißt kalkulatorischer Erfolg. Der kalkulatorische Erfolg stellt die
betriebszweckbezogene Güterentstehung und den betriebszweckbezogenen Güterverbrauch einander gegenüber,
im Prinzip wird also ein „Saldo aus Gütermengen“ gebildet (Definition 1.2). Da man aber Güter unterschiedlicher
Qualität nicht addieren oder subtrahieren kann, werden die Gütermengen bewertet. Die Bewertungskomponente
sollte den Blick jedoch nicht davon ablenken, dass Mengenbewegungen die Basis der Definition des kalkulatorischen
Erfolges bilden.

Definition 1.2. Kalkulatorischer Erfolg (Betriebsergebnis)

[Betriebszweckbezogene, bewertete Entstehung von Gütern (Leistung)]


-[Betriebszweckbezogener, bewerteter Verbrauch von Gütern (Kosten)]
=Kalkulatorischer Erfolg (Gewinn/Verlust)

Der kalkulatorische Erfolg enthält nicht die neutralen Erfolgselemente, dafür aber Elemente, die aus
Mengenbewegungen resultieren und nicht aus Zahlungen ableitbar sind (Zusatzkosten, Zusatzleistung). Darüber
hinaus wird bei der pagatorischen Erfolgsermittlung die Bewertung der Güterverbräuche aufgrund der
Anschaffungswerte vorgenommen. Bei der kalkulatorischen Erfolgsermittlung ist das Unternehmen frei, mit
Wiederbeschaffungswerten zu rechnen. Der Anschaffungswert ist der dokumentierte Wert am Anschaffungstag.
Der Wiederbeschaffungswert ist der geschätzte Wert am Wiederbeschaffungstag.

Die beiden Gewinnbegriffe des externen und des internen Rechnungswesens stehen in einem bestimmten
Verhältnis zueinander. Ausgangspunkt ist der pagatorische Erfolg. Ist der neutrale Ertrag größer als der neutrale
Aufwand einer Periode, so wird der Saldo vom pagatorischen Erfolg abgezogen. Im umgekehrten Fall wird er addiert
Sind kalkulatorische Kosten aufgrund von Bewertungsunterschieden höher als der entsprechende Aufwand, so wird
der Saldo ebenfalls vom pagatorischen Erfolg abgezogen. Im umgekehrten Fall wird er addiert (vgl. Abb. 1.8,
Anderskosten). Sind die Zusatzkosten höher als die Zusatzleistung, so wird der Saldo wiederum vom pagatorischen
Erfolg abgezogen. Im umgekehrten Fall wird er addiert. Das Ergebnis ist der kalkulatorische Erfolg.

Definition 1.3. Ableitung des kalkulatorischen Erfolgs aus dem pagatorischen Erfolg Wir haben damit den Inhalt der
Kosten- und Leistungsrechnung
über die Abgrenzung der
Begriffe des betrieblichenS. 8
Rechnungswesens bestimmt.
Alles, was unter den Begriff der
PAGATORISCHER GEWINN/VERLUST
– [neutraler Ertrag – neutraler Aufwand]
+/–[Bewertungsdifferenzen] + [Zusatzleistung - Zusatzkosten]
---------------------------------------------------------------------------------------------------
= KALKULATORISCHER GEWINN/VERLUST

Der Kostenbegriff und seine Unterbegriffe

*Review: Vom Aufwand/Ertrag der Finanzbuchhaltung zu Kosten/Leistung

*Gliederungsmöglichkeiten von Kosten

S. 9
*Der allgemeine Kostenbegriff und seine Merkmale

Kosten haben ein „Mengengerüst“ und ein „Bewertungsgerüst“:


-Das Mengengerüst der Kosten wird gebildet durch die verbrauchten Güter, gemessen in:
Stück, kg, m, l, m3, h etc.
Diese Güter heißen Kostengüter und sind sorgfältig von den Absatzgütern des Betriebes zu unterscheiden.
-Die wichtigste Frage, die sich hier stellt, ist die Frage nach der Betriebszweckbezogenheit.
-Bestimmung, welche Güter eines Betriebes noch betriebsbezogen sind und welche nicht.
-Mit der Frage nach dieser Zuordnungsregeln ist eines der zentralen Probleme der Kostenrechnung angesprochen.
Das Bewertungsgerüst der Kosten sind die Preise der verbrauchten Güter. Diese heißen Kostengüterpreise und sind
sorgfältig von den Absatzgüterpreisen zu unterscheiden. Kosten sind also stets das rechnerische Produkt aus
Kostengütermenge und Kostengüterpreis: Kosten = Kostengütermenge X Kostengüterpreis
Kostengüter sind diejenigen Güter, die für den Betriebszweck verbraucht werden (sollen). Kostengüterpreise
dienen der Bewertung der Kostengüter (Definition 2.1).
Die Ermittlung des „richtigen“ Bewertungsgerüst der Kosten (Preis) ist ebenfalls schwierig!
Definition 2.1. Kosten
Kosten = Betriebszweckbezogener, bewerteter Güterverbrauch
Die Definition des Kostenbegriffs ist das Kriterium dafür, ob ein bestimmter Vorgang im Betrieb als Kosten erfasst
wird oder nicht. Damit diese Definition ihre Aufgabe als Prüfkriterium erfüllen kann, müssen die einzelnen
Merkmale des Begriffs genau definiert werden Folgende Merkmale der Definition sind genauer zu analysieren:
 Güterverbrauch,
 Betriebszweckbezogenheit,
 Bewertung.

* Der Kostenbegriff: Betriebszweckbezogenheit


Der Betriebszweck eines Unternehmens ist das geplante Produktions- und Vertriebsprogramm in Form von Art,
Menge und zeitlicher Verteilung der vom Unternehmen geplanten Ausbringungsgüter. Der Betriebszweck eines
Unternehmens ist durch Entscheidungen festzulegen und kann im Zeitablauf Änderungen unterliegen.

Um die Betriebszweckbezogenheit eines Güterverbrauchs feststellen zu können, bedarf es einer


„Zuordnungsregel“:
- Die Bestimmung welche Güterverbräuche eines Betriebes noch betriebszweckbezogen sind und welche nicht?
Die Abgrenzungsschwierigkeit taucht nicht nur bei der Betriebszweckbezogenheit auf. Genauso verhält es sich,
wenn die Kosten z. B. eines Produkts bestimmt werden sollen.
-Welche Güterverbräuche sind dem Produkt als Kosten zuzuordnen und welche nicht?

S. 10
Nach dem Kostenverursachungsprinzip liegt Betriebszweckbezogenheit des Güterverbrauchs dann vor, wenn dieser
durch die Ausbringungsgüter der Periode verursacht wird.

Die modernste Interpretation des Verursachungsprinzips wird von Riebel vorgestellt

Das Kosteneinwirkungsprinzip von Koisol


Das umfassendere Kosteneinwirkungsprinzip besagt, dass „ein Güterverbrauch dann betriebszweckbezogen ist und
damit Kostencharakter besitzt, wenn der betrachtete Güterverbrauch auf die Ergebnisse eines
Produktionsprozesses real einwirkt, so dass die Ausbringungsgüter ohne ihn nicht zustande kommen.

*Die Bewertung des Güterverbrauchs


Kostengüterpreise sind von Absatzgüterpreisen zu unterscheiden:
Der Kostengüterpreis ist ein spezifischer, auf eine Mengeneinheit bezogener Geldbetrag. „Er repräsentiert den der
Mengeneinheit zugeordneten (Kosten)Wert“
Kostengüterpreise haben:
• Verrechnungsfunktion Notwendigkeit der Bewertung des Güterverbrauchs aufgrund der
Dimensionsverschiedenheit der Güter (z.B. kg, Stück, m, l ….).
• Abbildungsfunktion sowie Mengenmäßige Güterverbräuche müssen so bewertet werden, dass die
wirtschaftlichen Sachverhalte zielentsprechend abgebildet werden.
• Lenkungsfunktion Durch die Bewertung der Verbrauchsmengen wird die Höhe der Kosten (mit-) bestimmt und
dadurch die an der Höhe der Kosten orientierten betrieblichen Entscheidungen gelenkt.
Merke: Im Prinzip ist die Kosten- und Leistungsrechnung im Gegensatz zur externen Rechnungslegung frei, über den
Bewertungsansatz (z.B. AW, WBW) zu entscheiden.
*Die Bewertung des Güterverbrauchs: Überblick über Bewertungsansätze

S. 11
Das Beispiel 2.1 erlaubt es gleichzeitig, einen fundamentalen Unterschied in der Erfolgsermittlung des externen und
des internen Rechnungswesens deutlich zu machen: Im externen Rechnungswesen muss der Güterverbrauch mit
Anschaffungswerten bewertet werden, in der Kosten- und Leistungsrechnung sind Wiederbeschaffungswerte
adäquat. Die Abschreibungsverrechnung führt im Beispiel 2.1 dazu, dass Aufwand entsteht, dem in der Periode der
Verrechnung keine Auszahlungen entsprechen (der LKW im Beispiel ist ja bereits bezahlt). Wenn das Unternehmen
keinen Verlust macht und der Ertrag durch Barverkäufe in voller Höhe Einzahlung ist, dann gibt es aufgrund der
Abschreibungen einen periodischen Zahlungsüberschuss, der für Reinvestitionen zur Verfügung steht. Dieser Betrag
ist umso größer, je höher die Abschreibung ist. Die Summe der Abschreibungsgegenwerte (= Ertragsanteile zur
Deckung des Abschreibungsaufwands bzw. Leistungsanteile zur Deckung der Abschreibungskosten) ist also die
Masse, die für Wiederbeschaffungen unter sonst gleichen Bedingungen zur Verfügung stehen kann (Beispiel 2.1).

Beispiel:
Eine Firma kauft einen LKW für 100.000 € der innerhalb von 5 Jahren zu gleichen Jahresbeiträgen linear
abgeschrieben wird (AW). Der WiederBeschaffungsWert (WBW) für ein Fahrzeug dieses Typs wird auf 150.000 €
geschätzt.
Es wird ansonsten unterstellt, dass bei beiden Fällen dieselben Zahlen zu Aufwand/Kosten sowie Ertrag/Leistung
vorliegen.
- Sonstiger Aufwand/Kosten pro Jahr: 250.000 €
- Erträge/Leistung für diesen LKW pro Jahr: 280.000 €
Das externe Rechnungswesen arbeitet mit dem Anschaffungswert.
Das interne Rechnungswesen sollte aber unter kalkulatorischen bzw. Werterhaltungsprinzipien besser den
Wiederbeschaffungswert (Substanzerhaltung) ansetzen.
Aufgabe:
Berechnen Sie den Gewinn des externen und des internen Rechnungswesens. Welche Probleme sehen Sie für das
betriebliche Rechnungswesen damit?

Die Erfolgsermittlung im externen und internen Rechnungswesen über die fünf Jahre hinweg zeigen die beiden
Tabellen (alle Beträge in euro).

S. 12
Allein aufgrund der Bewertungsunterschiede bei der Abschreibung kommt das externe Rechnungswesen zu einem
Gewinn von 10.000,– Euro pro Periode gegenüber 0,– Euro beim internen Rechnungswesen. Wird der pagatorische
Gewinn ausgeschüttet (Besteuerung, Entnahme, Dividende), so steht er für Reinvestitionen nicht mehr zur
Verfügung. Nach fünf Jahren ist der LKW verbraucht, kann aber aus den kumulierten Abschreibungsgegenwerten
nicht wiederbeschafft werden (Substanzverlust). Der kalkulatorische Gewinn dagegen basiert auf dem tatsächlichen
Gutsverzehr, so dass nach fünf Jahren aus den kumulierten Abschreibungsgegenwerten unter sonst gleichen
Bedingungen ein neuer LKW angeschafft werden kann (Substanzerhaltung).
Wir halten fest: Notwendige Voraussetzung für die Berücksichtigung als Kosten ist die Bewertung des
betriebszweckbezogenen Güterverbrauchs. Die Bewertung hat
 eine Verrechnungsfunktion,
 eine Abbildungsfunktion und
 eine Lenkungsfunktion.
Letztere hat in der Kostenrechnung eine besondere Bedeutung im Hinblick auf die Sicherung der Substanzerhaltung
durch den Ansatz von Wiederbeschaffungswerten.

*Kostengliederung: Die Bedeutung fixer und variabler Kosten

Die Kostenrechnung unterscheidet – in Abhängigkeit von der Beschäftigung/ Ausbringung einer


Organisationseinheit des Unternehmens:
• Variable Kosten
• Fixe Kosten sowie
• Intervallfixe (sprungfixe) Kosten
Variable Kosten sind solche Kosten, deren Höhe von der Ausbringungsmenge abhängig ist. Das bedeutet, variable
Kosten verändern sich bei der Veränderung der Ausbringungsmenge. Beispiele: Materialkosten, Energiekosten,
Zeitlohn .
Fixe Kosten sind solche Kostenarten, die unabhängig von der Ausbringungsmenge immer in gleicher Höhe anfallen.
Es handelt sich hierbei meist um Kosten der Betriebsbereitschaft. Beispiele: Miete, Gehalt, Abschreibungen.

1)Einteilung der Kosten nach der Abhängigkeit von der Beschäftigung:

*Die Bedeutung fixer und variabler Kosten

*Lineare Gesamtkostenfunktion

S. 13
*Kostenbegriffe im Überblick

*Fix kosten
Bezogen auf den einzelnen Kostenträger (Leistungseinheit) sind die fixen Kosten aber
beweglich. Sie verteilen sich bei einem Anstieg der Beschäftigung besser. Nehmen wir als
Beispiel eine Tischlerei. Wir unterstellen eine Monatsmiete von 5.000 Euro. Wäre das
Gebäude im Eigentum der Firma würde ein entsprechender Abschreibungsbetrag zu
Buche schlagen. Wir unterstellen zur Vereinfachung, dass nur eine Erzeugnis Art
hergestellt wird.

Produzierte Erzeugnisse in Stück Fixe Kosten in Euro

Gesamt je Stück

1 5.000 5.000
10 5.000 500
50 5.000 100
100 5.000 50

S. 14
200 5.000 25

Fix kosten und Gemeinkosten:


Fixe Kosten sind immer Gemeinkosten. Gemeinkosten können aber auch variable
Kosten sein. Damit gilt:

oder:

Intervallfixe oder sprungfixe Kosten:


Intervallfixe oder sprungfixe Kosten sind solche Kosten, die innerhalb eines bestimmten Ausbringungsintervalls
konstant (fix) bleiben, sobald die Ausbringungsmenge dieses Intervall überschreitet, dann aber auf ein höheres
Fixkostenniveau steigen.
-Intervallfixe Kosten (Sprungfixe Kosten) bleiben innerhalb bestimmter
Beschäftigungsintervalle unverändert. Beim Überschreiten der Kapazitätsobergrenze
steigen diese Kosten jedoch sprunghaft an, und bleiben dann innerhalb dieses neuen

S. 15
Beschäftigungsintervalls konstant. Die Kostenfunktion nimmt in diesem Fall einen
treppenartigen Verlauf an. Das ist darauf zurückzuführen, dass bestimmte Kosten nicht
beliebig teilbar sind, sondern nur in ganzen Einheiten verändert werden können.

Grenzkosten:
Die Grenzkosten eines Unternehmens zeigen an, wie stark die Gesamtkosten steigen (sinken), wenn die
Ausbringungsmenge um eine Einheit gesteigert (gesenkt) wird.

Der Grenzkostenbegriff kann – über die Veränderung einer einzelnen Ausbringungsmenge – hinaus erweitert
werden: Variation der Produktionsmenge um beliebiges ∆x. → „Durchschnittliche Grenzkosten“

1.Ableitung der Kosten nach der Menge:

Merke: Bei linearer Abhängigkeit der Kostenhöhe von Beschäftigungsänderungen (proportionaler Verlauf) stimmen
Grenzkosten und variable Stückkosten überein. Die Grenzkosten sind in diesem Fall konstant.
Variable Kosten:

S. 16
Als "variabel" oder beschäftigungsabhängig wird der Teil der Kosten bezeichnet, der sich
bei einem Anstieg oder Rückgang der Kapazitätsauslastung (Beschäftigung) verändert.
Die Reaktion der Kosten auf die Veränderung fällt aber unterschiedlich aus. Variable
Kosten gibt es als:

 Proportionale Kosten
Die variablen Gesamtkosten ändern sich im selben Verhältnis wie die
Ausbringungsmenge.
 Progressive Kosten (überproportionale Kosten)
Die variablen Gesamtkosten nehmen bei steigender Ausbringungsmenge stärker zu.
 Degressive Kosten (unterproportionale Kosten)
Die variablen Gesamtkosten nehmen bei steigender Ausbringungsmenge langsamer
zu.
 Regressive Kosten
Die variablen Gesamtkosten und die variablen Stückkosten nehmen bei steigender
Ausbringungsmenge ab.

S. 17
S. 18
Reagibilitätsgrad der Kosten

*Kosteneffekte
Die Betrachtung der Kostenverläufe führt zu folgenden praxisrelevanten Ergebnissen:
• Bei linearem Verlauf weisen die variablen Kosten pro Stück immer den gleichen Wert auf.
• Bei degressivem Verlauf sinken die variablen Stückkosten
• Bei progressivem Verlauf steigen die variablen Stückkosten. Aufgrund dieses Umstands besitzen Massenhersteller
mit zumeist degressiven Kostenkurven gegenüber Kleinserienanbietern (fast immer) einen Kostenvorteil. Hinzu
kommt noch der:
Fixkostendegressionseffekt:
Bei ansonsten konstanten Fixkosten (Annahme nicht voll ausgelastete Anlagen) führt eine höhere
Kapazitätsauslastung dazu, dass die fixen Kosten auf eine größere Stückzahl verteilt werden können
► Wirkung, dass die Kosten pro Stück sinken.

S. 19
2)Einteilung nach der Zurechnung zu Bezugsobjekten (i.d.R. Produkte, Auftrag,
Dienstleistung).

*Einzel- und Gemeinkosten


Nach der Einteilung der Kosten nach der Abhängigkeit von der Beschäftigung ist nun noch eine Einteilung nach:
• der Zurechnung zu Bezugsobjekten (i.d.R. Produkte, Auftrag, Dienstleistung) zu treffen.
Frage: Welche Kosten können direkt – verursachungsgerecht – einem Objekt, z.B. der Produktion eins Produkts,
zugeordnet werden? Welche Kosten sind nicht direkt zurechenbar, da sie z.B. durch die Produktion mehrerer
Produkte verursacht werden und verteilt werden müssen.

*Einzelkosten

Einzelkosten sind Kosten, die von der Leistungseinheit einzeln verursacht und der einzelnen Leistungseinheit
aufgrund genauer Aufzeichnungen unmittelbar zugerechnet werden. (Materialkosten, Zeitlohn im Arbeitsplan).
-Verrechnung dieser Kosten meist unproblematisch bzw. als KLR-Sicht einfach zu handhaben.

- Einzelkosten lassen sich den Kostenträgern direkt zurechnen. Gemeinkosten können


den Kostenträgern (Kalkulationsobjekt, Leistungseinheit) nicht direkt zugerechnet
werden, sondern nur über Zuschlagsätze.

-Einzelkosten entstehen damit grundsätzlich pro Leistungseinheit.

-Ob bestimmte Kosten Einzel- oder Gemeinkosten sind, hängt auch von der
Betrachtungsebene ab. Raumkosten sind z. B., in Bezug auf den einzelnen Kostenträger,
Gemeinkosten. Bezüglich einer Produktgruppe können sie aber auch Einzelkosten sein.

*Sondereinzelkosten sind ein Sonderfall der Einzelkosten. Sie sind auf auftragsspezifische
Besonderheiten zurückzuführen. Diese Kosten sind nicht einem einzelnen Kostenträger,
sondern nur einem ganzen Auftrag zurechenbar.

Sondereinzelkosten der Fertigung fallen bei der Erzeugung für einen bestimmten Auftrag
an.
Beispiele: Kosten für Spezialwerkzeuge, Konstruktionspläne, Modelle, Schablonen,
Patente, Lizenzen, Analysen

Sondereinzelkosten des Vertriebs fallen im Verkauf für einen bestimmten Auftrag an.


Beispiele: Kosten für Verpackungsmaterial, Provision, Frachten, Zölle, Werbekosten,
Transportversicherungen

S. 20
Die Einzelkosten können eingeteilt werden in:

1. Fertigungslohnkosten
2. Fertigungsmaterialkosten
3. Sondereinzelkosten der Fertigung
4. Sondereinzelkosten des Vertriebs

Einzelkosten sind stets variable Kosten. Nicht alle variablen Kosten sind aber
Einzelkosten. Damit gilt:

Einzelkosten:
- Einzelkosten können einem Kostenträger (Produkt) direkt zugeordnet werden
- Einzelkosten können verursachungsgerecht zugeordnet werden
➔ Kostenträgereinzelkosten:
o Materialeinzelkosten MEK):
▪ Rohstoffe und Zukaufteile
▪ Werden über Stücklisten der Produkte oder Materialentnahmescheine erfasst
o Fertigungseinzelkosten (FEK):
▪ Fertigungslöhne, die bei der Herstellung der Produkte anfallen
▪ Die Fertigungsschritte und Fertigungszeiten werden in Arbeitsplänen festgehalten
▪ Maschinenkosten (Maschinenstundensätze, Maschinenstückkosten) o Sondereinzelkosten
▪ Sondereinzelkosten der Fertigung
▪ Sondereinzelkosten des Vertriebs - Kostenstelleneinzelkosten: o Diese Kosten werden einer
Kostenstelle direkt zugeordnet, jedoch nicht der Leistungseinheit

*Gemeinkosten

Einzelkosten lassen sich den Kostenträgern direkt zurechnen. Gemeinkosten können den


Kostenträgern (Kalkulationsobjekt, Leistungseinheit) nicht direkt zugerechnet werden,
sondern nur über Zuschlagsätze.

Gemeinkosten sind demgegenüber solche Kosten, die der einzelnen Leistungseinheit nicht unmittelbar zugerechnet
werden. (d.h. nicht ohne Anwendung von Verrechnungen z.B. Schlüsselungen, zurechenbar sind). (Abschreibungen
für Produktionsanlagen, Gehälter, Overhead-Kosten …)
Sie sind Kosten, die für mehr als eine Leistungseinheit gemeinsam anfallen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen:

echten Gemeinkosten – sie können auch bei Anwendung genauester Erfassungsmethoden nicht gesondert für die
Leistungseinheit erfasst werden, da sie von mehreren oder allen Leistungseinheiten gemeinsam verursacht werden
– und unechten Gemeinkosten – sie werden nicht gesondert erfasst, obwohl es prinzipiell möglich wäre; der
Verzicht auf die Erfassung als Einzelkosten ist motiviert durch das Bemühen um Wirtschaftlichkeit der Durchführung
der Kosten und Leistungsrechnung.

-Die Verrechnung dieser Kosten ist eine der schwierigsten Problemstellung an die Kostenrechnung bzw. an das
Controlling.
Die Verursachungsgerechtigkeit ist entscheidendes Kriterium bei der Weiterverrechnung! Unterscheidung in:
• echte Gemeinkosten – können auch mit Erfassungsmethoden nicht direkt verrechnet werden.

S. 21
• unechte Gemeinkosten – können, werden aber aus Wirtschaftlichkeitsgründen mit Erfassungsmethoden nicht
direkt verrechnet.

Echte Gemeinkosten Unechte Gemeinkosten

Die Kosten sind aus grundsätzlichen Die Kosten könnten eigentlich einem
Gründen einem Kostenträger nicht direkt Kostenträger direkt zugeordnet werden.
zurechenbar. Der damit verbundene Arbeitsaufwand ist
Hauptgrund: Es besteht kein direkter aber zu hoch.
Zusammenhang.

Beispiel: Beispiel:
Das Gehalt der Büroangestellten in einem Kleinmaterialien bei der Möbelherstellung
Handwerksbetrieb hat keinen direkten in einer Tischlerei lassen sich zwar exakt
Bezug zu den Endprodukten. erfassen, aber nur mit einem sehr hohen
Aufwand.

Fixe Kosten sind immer Gemeinkosten. Gemeinkosten können aber auch variable Kosten
sein. Damit gilt:

Die Zuschlagskalkulation schlägt Gemeinkosten mit Hilfe der zuvor im


Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ermittelten Zuschlagssätze auf die Einzelkosten auf.
Grundprinzip: Zuschlagssatz = Gemeinkosten / Einzelkosten

Damit gilt folgendes Schema:


   Einzelkosten des Auftrages
+ Gemeinkostenzuschlag gemäß Zuschlagssatz
= Selbstkosten

Gemeinkosten:
- Gemeinkosten können einem Produkt nicht direkt zugeordnet werden

➔ Kostenträgergemeinkosten
o Diese beziehen sich auf Kostenträger

➔ Kostenstellengemeinkosten
o Diese beziehen sich auf Kostenstellen

S. 22
o Verrechnung erfolgt über Betriebsabrechnungsbogen (BAB)
▪ Z.B.: Verteilungsschlüssel, Quadratmeter, etc.

S. 23
*Zusammenhang: Einzel-/Gemeinkosten – Variable und fixe Kosten
Das Begriffspaar „Einzel- und Gemeinkosten“ muss streng getrennt werden von dem Begriffspaar „fixe und variable
Kosten“. Beide beschreiben jeweils einen ganz anderen Sachverhalt. Das Abbildung verdeutlicht, dass drei Fälle zu
unterscheiden sind. Wir erkennen, dass sich die Eigenschaften fix/variabel und Gemein-/Einzelkosten nicht decken.
Zwar gibt es überwiegend Fälle, in denen Übereinstimmung besteht. Variable Gemeinkosten treten jedoch häufig
auf, insbesondere bei Kuppelproduktion Beispiel: Rohstoff- und Energieverbrauch in einer Erdölraffinerie, die in
einem Produktionsprozess mehrere Produkte zugleich hervorbringt. Die Kosten des Rohstoffs und des
Energieverbrauchs sind variabel (abhängig von der Ausbringungsmenge), gleichwohl nicht den einzelnen
Erzeugnismengeneinheiten verursachungsgerecht zurechenbar, also echte Gemeinkosten. Wir haben bisher das
Begriffspaar „Einzel- und Gemeinkosten“ auf die Leistungsmengeneinheit bezogen. Es erweist sich für verschiedene
Zwecke der industriellen Kosten und Leistungsrechnung als sinnvoll, diese Unterscheidung auch auf andere
Bezugsobjekte anzuwenden.

S. 24
*Weitere Kosteneinteilungen: Primäre und sekundäre Kostenarten Unterscheidung von
primären und sekundären Kostenarten.
Primäre Kostenarten entsprechen einem GuV Konto im Kontenplan der Finanzbuchhaltung (auch der Nummer) des
externen Rechnungswesens. Bei einer Buchung in der Finanzbuchhaltung wird auch die Kostenart im internen
Rechnungswesen bebucht. z.B. Lohnkosten, Telefon- / Stromkosten.
Sekundäre Kostenarten sind nur in der Kosten- und Leistungsrechnung definiert und dienen der innerbetrieblichen
Leistungsverrechnung in der Gemeinkostenrechnung. Sie haben keine Entsprechung in der Finanzbuchhaltung des
externen Rechnungswesens. z.B. Kantinenumlage, Instandhaltungsleistung von einer internen Abteilung.

Primäre Kostenarten:
- „primär“ meint Kostenentstehungsart
- Liegen Faktormengen der Waren zugrunde, die das Unternehmen von den Beschaffungsmärkten („von außen“)
bezogen hat
o Bsp.: Lohnkosten, Kosten für Büromaterial, Roh-Hilfs- und Betriebsstoffe

Sekundäre Kostenarten:
- Diese Kosten entstehen für selbsterstellte Güter, die im Eigenverbrauch landen
- Wird im Rahmen der Kostenstellenrechnung (BAB) verrechnet
o Bsp.: Kosten für Eigenreparaturen, selbst erstellte Werkzeuge und Maschinen

- Grundsatz der Reinheit: Eindeutigkeit der Kostenarten


- Grundsatz der Einheitlichkeit: keine Überschneidungen; Beibehaltung der Zuordnung über mehrere Perioden, um
die Vergleichbarkeit zu gewährleisten
- Grundsatz der Vollständigkeit: Verzeichnung aller Kosten
- Grundsatz der Wirtschaftlichkeit: Kosten-Nutzen-Relation

*Relevante und irrelevante Kosten


Wenn Kosteninformationen für Wahlsituationen aufbereitet werden, dann ist zwischen relevanten und irrelevanten
Kosten zu unterscheiden.
Relevante Kosten sind solche Kosten, die von einer bestimmten Entscheidung über eine Maßnahme ausgelöst
werden bzw. durch sie beeinflussbar sind.

S. 25
Irrelevante Kosten sind solche Kosten, die von einer bestimmten Entscheidung nicht beeinflusst werden; sie fallen
unabhängig von der Entscheidung/Maßnahme an.
Diese Unterscheidung ist beispielsweise wichtig bei: „Make or Buy“ Entscheidungen.
Hier sind einige Kosten nicht kurzfristig beeinflussbar, ob auf einer eigenen Maschine produziert wird oder das Teil
fremdbeschafft wird. z.B. Abschreibungen der Maschine, Miete für die Halle …
Aufgabe :
Durch einen Konkurrenten kam 2013 ein neues, überlegenes Verfahren auf den Markt, wodurch die eigene
Maschine nicht mehr absetzbar war. Bis dahin waren 5 Maschinen verkauft, die je 100.000,– C Entwicklungskosten
getragen haben. Die noch ungedeckten 500.000,– C Entwicklungskosten schätzt man als verloren ein. Wider
Erwarten kommt im Jahre 2015, als man über großen Auftragsmangel klagt, eine Anfrage nach einer Maschine vom
Typ SM4. Es wird folgende Rechnung aufgemacht:
Material 70.000,- €
Fert.Lohn 120.000,- €
Abschreibungen 80.000,- €
Entwicklung 100.000,- €
Verwaltung und Vertrieb 70.000,- €
Selbstkosten 440.000,- €
Welches sind relevante, welches sind irrelevante Kosten?
Relevant sind die Materialkosten und die Löhne, da sie für den Auftrag zusätzlich anfallen. Dagegen sind die
Abschreibungen, die Entwicklungskosten sowie die Verwaltungs- und Vertriebskosten irrelevant, da sie durch die
anstehende Entscheidung über Auftragsannahme oder -ablehnung nicht mehr verändert werden können, also
„versunken“ sind.
Aufgabe:
Ein Maschinenbauunternehmen hat bis 2017 für eine Sondermaschine des Typs SM4 1.000.000 Euro Entwicklungskosten in der
Erwartung, davon mindestens 10 Stück verkaufen zu können, aufgebracht.
Durch einen Konkurrenten, der letztes Jahr ein neues überlegenes Verfahren auf den Markt gebracht hat, ist dieser Maschinentyp
nach Auffassung der Unternehmensleitung nun nicht mehr absetzbar. Bisher sind 5 Maschinen verkauft, die je 100.000 Euro
Entwicklungskosten getragen haben. Die noch ungedeckten 500.000 Euro Entwicklungskosten schätzt das Unternehmen nun als
verloren ein.
Wieder erwarten kommt in diesem Jahr, bei großem Auftragsmangel, eine Anfrage nach einer Maschine vom Typ SM4 herein.
Folgende Rechnung wird dazu aufgestellt:

Material:                             70.000
Fertigungslohn:              120.000
Abschreibungen:             80.000
Entwicklung:                    100.000
Verwaltung und Vetrieb: 70.000

Selbstkosten:                  440.000

Aufgabe: Welches sind relevante, welches für die Entscheidung der Auftragsannahme irrelevante Kosten?

Relevant sind die Material und die Fertigungslohne. Dagegen sind die Abschreibungen, die Entwicklung sowie die
Verwaltungs- und Vertriebskosten irrelevant.
Sunk Costs sind Kosten, die in der Vergangenheit bereits angefallen sind bzw. vordisponiert sind, so dass deren
Höhe von der Entscheidung heute und in Zukunft nicht mehr geändert werden kann. ► Sie sind ein Spezialfall der
irrelevanten Kosten.
Der englische Begriff sunk costs bezeichnet bereits angefallene Kosten, die bei einer anstehenden
Entscheidung z.B. über die Weiterführung eines Projekts nicht berücksichtigt werden sollten.

S. 26
Mit anderen Worten: ist eine Entscheidung zu treffen, sind nur die zukünftigen Erträge und Kosten zu
berücksichtigen — die sunk costs sind eben auf jeden Fall "versenkt" und sollten die Entscheidung nicht
beeinflussen.
Der natürliche Instinkt ist jedoch eher, sunk costs einzubeziehen ("ich habe doch schon so viel
investiert ...").
Beispiel:
Ein Immobilienentwickler lässt ein Bürogebäude bauen. Die Gesamtkosten für den Bau belaufen sich auf
10 Mio. Euro.
Der Immobilienentwickler erwartet, die Immobilie nach Fertigstellung für 11 Mio. Euro verkaufen zu
können.
Nachdem von den 10 Mio. Euro Gesamtkosten bereits Planungskosten in Höhe von 1 Mio. Euro angefallen
sind, fallen die Immobilienmarktpreise und es kann nur noch von einem Verkaufserlös von 8,5 Mio. Euro
ausgegangen werden.
Der Immobilienentwickler steht nun vor der Entscheidung, das Projekt weiterzuführen oder eben nicht.
Führt er es weiter, hat er noch Kosten von 9 Mio. Euro zu erwarten, die Erlöse betragen jedoch nur 8,5
Mio. Euro. Aus diesem Grund wird er es wohl nicht fortführen.
Die bereits investierten 1 Mio. Euro stellen sunk costs dar und spielen für seine Entscheidung keine
Rolle.

Opportunitätskosten sind Kosten der/einer entgangenen Gelegenheit. ► Sie sind ein Spezialfall der relevanten
Kosten.
Als Opportunitätskosten bezeichnet man Kosten, die daraus resultieren, dass z.B. auf eine anderweitige
Verwendung von Kapital oder Zeit verzichtet wird.
Opportunitätskosten Beispiel
Sie gründen ein Unternehmen und investieren zum einen 100.000 € Eigenkapital (die bisher auf
dem Aktienmarkt angelegt waren), zum anderen Ihre Arbeitskraft (die Sie bisher als Angestellter für
ein Bruttogehalt von 50.000 € "verkauft" hatten).
Dadurch entgehen Ihnen zum einen die Erträge (z.B. Dividenden) aus der Aktienanlage, zum
anderen Ihr bisheriges Gehalt in Höhe von 50.000 €.
Diese entgangenen Gewinne stellen Opportunitätskosten dar, die bei der Beurteilung, ob sich
die Unternehmensgründung "lohnt", berücksichtigt werden sollten.
In die Kostenrechnung gehen Opportunitätskosten ggf. als kalkulatorische Kosten ein.

Beispiel :

Beispiel: Opportunitätskosten für Eigenkapitaleinsatz berechnen


Ein Unternehmensgründer setzt für ein von ihm gegründetes start-up eigenes Geld (Eigenkapital) in Höhe
von 100.000 Euro ein.
Für dieses Eigenkapital wird in der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens kein Aufwand
(Zinsaufwand) verbucht, da ja auch keine Zinsen gezahlt werden (dem Eigentümer steht dafür der Gewinn
zu).
Gleichwohl fallen indirekt Kosten an: der Gründer hätte die 100.000 Euro anderweitig (z.B. in Festgeld
oder auf dem Aktienmarkt) anlegen können und dann eine Vergütung erhalten.
Diese entgangene Verzinsung seines Kapitals muss über die Produkte des start-ups "mitverdient" werden.

S. 27
Die entgangene Vergütung bezeichnet man als Opportunitätskosten. Sie könnten mittels eines
kalkulatorischen Zinssatzes (vgl. Kalkulatorische Kosten ) in der Kostenrechnung berücksichtigt werden.
Berechnung der Opportunitätskosten
Geht der Gründer davon aus, dass er die 100.000 Euro alternativ auch (bei vergleichbarem Risiko) zu einer
erwarteten Rendite von 8 % auf dem Aktienmarkt anlegen könnte, berechnen sich seine
Opportunitätskosten zu 8 % × 100.000 Euro = 8.000 Euro p.a.

*Der Leistungsbegriff: Der allgemeine Leistungsbegriff:


Genau wie die Kosten hat die betriebliche Leistung ein „Mengengerüst“ und ein „Bewertungsgerüst“.
Das Mengengerüst der Leistung sind die produzierten Güter, gemessen in Stück, kg, m, l, m3, h etc. Diese Güter
heißen Leistungsgüter.
Die wichtigste Frage, die sich auch hier wie schon bei den Kosten stellt, ist die Frage nach der
Betriebszweckbezogenheit
Definition: Leistung
Leistung = betriebszweckbezogene, bewertete Güterentstehung.
Wie schon bei den Kosten, gibt es auch Gutentstehung für außerbetriebliche Zwecke.
Merke: Die Umsatzsteuer ist nicht Bestandteil der Leistung!

*Die Bewertung der Güterentstehung: Überblick über Bewertungsansätze


Das Bewertungsgerüst der Leistung sind die Wertansätze pro Leistungsmengeneinheit (Leistungswert).
Leistung = Leistungsgütermenge X Leistungswert

S. 28
Der Leistungsbegriff: Unterbegriffe

S. 29
S. 30
S. 31
S. 32
Grundprinzipien der Kostenverrechnung
Verteilungsprinzipien der (Gemein-) Kosten
Für die Verrechnung der Kosten auf die Kostenträger kommen unterschiedliche Verrechnungsprinzipien in
Betracht:

Problem: Kosten (und Leistungen) auf Organisationseinheiten (Kostenstellen), Produkte (Kostenträger), Prozesse
(Prozesskosten) oder sonstige Objekte aufzuteilen, ohne dass diese als Einzelkosten (Einzelleistungen) diesen
Objekten direkt zurechenbar sind.

Folgende Prinzipien sollten für die Kostenzurechnung angewandt werden:

• das Verursachungsprinzip oder

• das Identitätsprinzip.

Ziel: Wirklichkeitsgetreu

Wenn es keine realitätsnahe Verrechnung/Verteilung geben kann kommen folgende Prinzipien in Frage:

• das Kostentragfähigkeitsprinzip

• das Durchschnittprinzip

Nur Second Best Lösungen, da sie meist das Kostenverursachungsprinzip verletzten!

Wirklichkeitsgetreue Verteilungsprinzipien:

Das Verursachungsprinzip [und auch das Identitätsprinzip (Wichtiges Prinzip mit Blick auf die
Unternehmensführung/Controlling!)] verfolgt den Ansatz, die Kosten nach ihrer tatsächlichen Verursachung
zuzuordnen.

► Kosten (und Leistungen) entsprechend den auf sie wirkenden Einflussgrößen zuzurechnen.

► Es sollte dazu ein Zusammenhang, z.B. Proportionalität, zwischen den Kosten (Leistungen) und einer
Bezugsgröße bestehen.

Beispiel:

Kostenverteilung auf Basis physikalischer/betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen mit:

► Mengenschlüssel

► Wertschlüssel

S. 33
Nicht wirklichkeitsgetreu Second Best Verteilungsprinzipien:

In vielen Fällen kann keine realitätsnahe Verrechnung gefunden werden. In diesen Fällen können folgende
Prinzipien zur Schlüsselung der Gemeinkosten eingesetzt werden.

► Kostentragfähigkeitsprinzip Hierbei werden die Kosten (Leistungen) nicht verursachungsgerecht, sondern


proportional zu anderen Kosten z.B. Einzelkosten oder Leistungen z.B. Marktpreisen, Leistungen verteilt.
Grundgedanke: Objekte mit hohen Kosten bzw. guten Ergebnissen am Markt können einen größeren Teil der Kosten
tragen.

► Durchschnittsprinzip Hierbei werden die Kosten (Leistungen) nicht verursachungsgerecht sondern gleichmäßig
bzw. in durchschnittlicher Höhe (mit gleichem Anteil) auf verschiedene Bezugsobjekte bzw. Kostenträger verteilt.
Beispiel: Die Divisionskalkulation ► später mehr.

Merke: Jede nicht verursachungsgerechte Schlüsselung ist im Hinblick auf betriebliche Entscheidungen kritisch zu
sehen. Controlling: Schlüsselung möglichst vermeiden!

Abgrenzung der betriebsfremden Aufwendungen und Erträge


Es werden jene Aufwendungen und Erträge herausgefiltert, die in keinem Zusammenhang mit dem Betriebszweck
stehen. Sie entstehen also bei der Verfolgung betriebsfremder Ziele

Betriebsfremde Erträge Betriebsfremde Aufwendungen


Das betrifft vor allem alle Erträge aus nicht Aufwendungen die in keinem
betriebsnotwendigem Vermögen. Zusammenhang zur Leistungserstellung
stehen.
Beispiele: Beispiele:

 Erträge aus Beteiligungen  Spenden


 Erträge aus Finanzanlagen  Zinsaufwendungen
 Währungsgewinne  Abschreibungen auf Finanzanlagen
 Erträge aus Wertpapierverkäufen  Verluste aus dem Abgang von
 Mieterträge aus Werkswohnungen Finanzanlagen
 Pachten aus betrieblich nicht  Aufwendungen für nichtbetriebliches
genutzten Grundstücken Anlagevermögen

Abgrenzung der außerordentlichen und periodenfremden Aufwendungen und Erträge


Diese Abgrenzung ist notwendig um den Grundsatz der Kontinuität und das Periodisierungsprinzip zu erfüllen.

Die Vergleichbarkeit der Werte verschiedener Perioden muss gewährleistet sein. Erträge der jeweiligen Periode
müssen den entsprechenden Aufwendungen gegenübergestellt werden.

Außerordentliche oder periodenfremde Außerordentliche oder periodenfremde


Erträge Aufwendungen
Außerordentliche Erträge stehen zwar mit Außerordentliche Aufwendungen fallen
der Leistungserstellung in einem außerhalb der gewöhnlichen
Zusammenhang, fallen aber unregelmäßig Geschäftstätigkeit an. Sie treten also nur
und nur vereinzelt an. Periodenfremd vereinzelt oder unregelmäßig bzw. in
bedeutet, dass die Erträge aus einer ungewöhnlicher Höhe auf. Periodenfremd
anderen Periode stammen. bedeutet, dass die Aufwendungen aus
einer anderen Periode stammen.
 Erträge aus Zuschreibungen beim  Außerplanmäßige Abschreibungen
Anlage- und Umlaufvermögen  Verluste aus dem Verkauf
 Erträge aus dem Verkauf betrieblicher Vermögenswerte
betrieblicher Vermögenswerte (Verkauf unter Buchwert)
(Verkauf über Buchwert)  Aufwendungen für hohe

S. 34
 Erträge aus der Auflösung von Schadensfälle
Rückstellungen  Aufwendungen für die
 Erträge aus der Auflösung von Umstrukturierung von Betriebsteilen
Wertberichtigungen (Eingang  Prozesskosten die über der dafür
berichtigter Forderungen) gebildeten Rückstellung liegen
 Steuerrückzahlungen durch das  Gewerbesteuernachzahlungen
Finanzamt

Kostenartenrechnung
Welche Kosten sind angefallen?

Kostenerfassung Kostenverteilung

Gemeinkosten

Kostenartenrechnung Kostenstellenrechnung Kostenträgerrechnung

Welche Kosten sind Wo sind die Kosten Wofür sind die Kosten
angefallen? angefallen? angefallen?
BAB

Einzelkosten

Betriebsergebnisrechnung / Managementerfolgsrechnung

•Kostenrechnung aufgeteilt in drei Bereiche: Kostenarten-, Kostensteller-, Kostenträgerrechnung

Kostenartenrechnung: Aufgabe, sämtliche für die Erstellung und Verwertung betrieblicher Leistungen innerhalb
einer Periode anfallenden Kosten vollständig, eindeutig und überschneidungsfrei nach einzelnen Kostenarten
gegliedert zu erfassen und auszuweisen.

Bei der Kostenartenrechnung handelt es sich eigentlich nicht um eine Rechnung, sondern
um eine geordnete Erfassung der Kosten. Unter Kosten wird der Wert aller verbrauchten
Güter und Dienstleistungen pro Periode verstanden, der für die Erstellung der
betrieblichen Leistung notwendig ist.

Die Kostenarten systematisieren die anfallenden Kosten und bilden so die


Kostenartenrechnung.
Die wesentliche Frage der Kostenartenrechnung ist: "Welche Kosten sind angefallen?"
Die Kostenartenrechnung liefert damit die Grundlage für die Kostenstellen- und die
Kostenträgerrechnung.

Die wesentliche Aufgabe der Kostenartenrechnung besteht also darin, alle in einer
Abrechnungsperiode anfallenden Kosten lückenlos zu erfassen und systematisch zu
gliedern.
Kostenarten bezeichnen die einzelnen Kategorien von Kosten, die in einem Unternehmen anfallen. Sie
werden i.d.R. in einem Kostenartenplan gegliedert und dokumentiert.

S. 35
Die ermittelten Kostenarten stellen den Ausgangspunkt bzw. die erste Stufe der Kostenrechnung – die
sogenannte Kostenartenrechnung  – dar.
Aufgaben der Kostenartenrechnung:
► Dokumentationsfunktion
Belegmäßige Erfassung sämtliche in einer Periode angefallenen betriebszweckbezogenen
Gutsverzehre und ihrer Wertansätze.
► Gliederungsfunktion
Sachliche Gliederung sämtlicher in einer Periode angefallenen betriebszweckbezogenen
anfallenden Kosten nach der Art der verbrauchten Kostengüter.

Die Kostenartenrechnung erfasst nur primäre Kostenarten über die FIBU. Primäre
Kostenarten ergeben sich aus dem Verbrauch von Einsatzfaktoren. Sekundäre Kosten(-arten)

setzen sich aus den primären Kosten zusammen.

Beschaffung Produktion Absatz


Input
Einsatzfaktoren Kostenrechnung Output Outputfakt
Kostenarten oren
Kostenträger
Beispiele:

Putzfrauenlöhne primäre Kostenart

Hausreinigung (selbsterstellt) sekundäre Kostenart

Hausreinigung (Fremdleistung) primäre Kostenart

Abschreibungen auf LKW primäre Kostenart

Fuhrparkkosten sekundäre Kostenart

S. 36
•Prinzipien der Kostenzurechnung: Verursachungs- und Kausalprinzip, Durchschnittsprinzip,
Kostentragfähigkeitsprinzip, ldentitätsprinzip .

Die Gesamtkosten eines Unternehmens lassen sich nach verschiedenen Kriterien untergliedern:

 Unterteilung nach der Art der verbrauchten Produktionsfaktoren

• Materialkosten (z.B. Stahl, Öl) • Personalkosten • Dienstleistungskosten • Steuern, Gebühren •


Betriebsmittelkosten • Sachkosten • Kapitalkosten • Fremdleistungen • Kosten der menschlichen
Gesellschaft • Anlagekosten • Kapitalkosten • Abgabe an die öffentliche Hand • Wagniskosten

 Unterteilung nach den betrieblichen Funktionsbereichen

• Beschaffungskosten • Fertigungskosten (z.B. Montage) • Vertriebskosten Beschaffung (Vertrieb und


Marketing) • Lagerhaltung • Fertigung • Verwaltungskosten (z.B. Personal, Buchführung)
•Produktionskosten • Lagerungskosten • Finanzierungskosten • Forschungs- und Entwicklungskosten.

 Unterteilung nach der Art der Kostenerfassung

- aufwandsgleiche Kosten (aus BuFü)

S. 37
• Grundkosten (aufwandsgleiche Kosten) • Anderskosten (aufwandsungleiche Kosten) • Zusatzkosten
(aufwandslose Kosten)

- Kalkulatorische Kosten sind Kosten, denen entweder kein Aufwand (Zusatzkosten) oder aber Aufwand in
anderer Höhe (Anderskosten) gegenübersteht.
- Anderskosten: (Aufwendungen, die in anderer Höhe anfallen, als geplant)

 kalkulatorische Abschreibungen (anderes als extern Rechnungswesen)


 kalkulatorische Zinsen (Erfassung der kosten für die Nutzung der FK und EK)

- Zusatzkosten: (Kosten, für die es keine Aufwandsposition gibt)

 kalkulatorische Wagnisse (Erfassung der kosten für Versicherungsfähige Wagnisse)


 kalkulatorischer Unternehmerlohn (in einzeln Unternehmen oder Personalgesellschaft)
 kalkulatorische Miete(Erfassung der Kosten für betrieblich genutzte Privaträume des Unternehmen)

 Unterteilung nach der Art der Kostenverrechnung auf die Kostenträger

Die Unterscheidung in Einzel- und Gemeinkosten ist die Grundlage der Vollkostenrechnung, deren
wesentliches Interesse in der Kalkulation liegt.

 Einzelkosten (lassen sich direkt den einzelnen betrieblichen Leistungen zurechnen)


 Gemeinkosten ((lassen sich nur indirekt, durch Schlüssel oder Zuschlagsätze, den einzelnen
betrieblichen Leistungen zurechnen --> echte und unechte Gemeinkosten)

 Unterteilung nach dem Kostenverhalten bei Beschäftigungsschwankungen (Änderung der


Kapazitätsausnutzung)

Die Unterscheidung in fixe und variable Kosten ist die Grundlage der
Teilkostenrechnung, deren wesentliches Interesse in der
Deckungsbeitragsrechnung und der Gewinnschwellenrechnung liegt.

 fixe Kosten (leistungsunabhängig; ändern sich bei Ausbringungsänderung


nicht)(fallen immer an)
 variable Kosten (leistungsabhängig; ändern sich bei Ausbringungsänderung)
 Mischkosten (enthalten fixe und variable Bestandteile) (direkter Zusammenhang
zwischen Beschäftigung und Kosten)

 Unterteilung nach der Herkunft der Kosten

 Primäre Kosten (originäre Kosten)


 Sekundäre Kosten (derivative Kosten)

Primäre Kosten sind Kosten für Produktionsfaktoren, die ein Unternehmen nicht
selbst herstellt, sondern von Beschaffungsmärkten bezieht. In der
Kostenartenrechnung werden nur die primären Kostenarten erfasst. Die
sekundären Kosten kommen abrechnungstechnisch erst in der
Kostenstellenrechnung vor.

Hinweis zur Gliederung: Das Auswahlkriterium für die Gliederung der Kostenarten ergibt sich aus dem
Informationszweck auch der weiterführenden Rechnungen. Durch Untergliederung können dabei auch mehrere
Gesichtspunkte miteinander kombiniert werden

Aufwandsgleiche Kostenart: Die Materialkosten:

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Materialkosten: Rohstoffe (gehen in das Erzeugnis ein), Hilfsstoffe (gehen in das Erzeugnis ein, z.B. Schrauben),
Betriebsstoffe (gehen nicht in Erzeugnis ein, werden bei Produktion verbraucht, z.B. Diesel)

•Materialkosten = mengenmäßiger Verbrauch * Preis

Zu den Materialkosten gehört der Verbrauch von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen
sowie fremdbezogener Fertigteile und Waren. Materialkosten sind das Ergebnis des
mengenmäßigen Verbrauches sowie der preislichen Bewertung.

Damit ergeben sich drei konkrete Fragestellungen:

1. Welche Materialarten werden eingesetzt?


2. Welche Menge wurde (wird) verbraucht?
3. Wie sind diese Mengen zu bewerten?

Materialarten:

 Rohstoffe
Rohstoffe gehen als Hauptbestandteile in das Erzeugnis ein und werden
als Einzelkosten erfasst. Bei einem Möbelstück wären das z. B. Spanplatten
und Furniere.
 Hilfsstoffe
Hilfsstoffe gehen ebenfalls direkt in das Erzeugnis ein. Sie stellen aber nur
Nebenbestandteile dar (geringer Anteil am Wert des Produkts). Die Kosten
könnten eigentlich einem Kostenträger direkt zugeordnet werden. Der damit
verbundene Arbeitsaufwand ist aber sehr hoch. Sie werden daher oft
als unechte Gemeinkosten behandelt. Bei einem Möbelstück wären das z. B.
Schrauben, Nägel oder Leim.
 Betriebsstoffe
Betriebsstoffe werden bei der Herstellung verbraucht (genutzt). Sie gehen aber
nicht unmittelbar in das zu fertigende Erzeugnis ein. Bei einem Möbelstück
wären das z. B. Strom zum betreiben der Maschinen, Schmiermittel oder
Putzmaterial.
 Zulieferteile
Zulieferteile gehen ohne weitere Be- oder Verarbeitung in die zu produzierende
Ware ein. Verrechnungstechnisch kann es sich um Rohstoffe (Einzelkosten)
oder Hilfsstoffe (Gemeinkosten) handeln.
 Handelswaren
Handelswaren werden zur Ergänzung der Angebotspalette erworben und werden
ohne Be- und Verarbeitung weiterverkauft.

Ermittlung des mengenmäßigen Verbrauchs

Primäre Materialkosten entstehen durch den betriebszweckbezogenen Verbrauch von Stoffen und Energie:

• Fertigungsmaterialkosten (Rohstoffe, Halbfabrikate, Teile)

• Hilfsstoffkosten (Hilfsstoffe wie Reinigungsmittel, Verpackungsmaterial)

• Betriebsstoffkosten (Strom, Gas, Öl etc.)

S. 39
•zur Erfassung des mengenmäßigen Verbrauchs gibt es verschiedene Verfahren, die jeweils Vor- und Nachteile mit
sich bringen:

1. Inventurmethode:
Inventurmethode --> Verbrauch = Anfangsbestand + Zugänge - Endbestand --> besser, aber dafür Pflicht zur
Inventur; auch keine Differenzierung zwischen ordentlichem und außerordentlichem Verbrauch).

Inventurmethode (Befundrechnung)
Verbrauch der Periode = Anfangsbestand der Periode + Lagerzugänge - Endbestand
(Inventur)
Zuverlässige Ermittlung des tatsächlichen Verbrauchs; hoher Arbeitsaufwand
Da der Verbrauch nur summarisch ermittelt wird, kann er nicht den einzelnen
Kostenstellen und Kostenträgern zugeordnet werden. Außerordentliche
Bestandsminderungen können nicht gesondert ermittelt werden. Für die regelmäßige
unterjährige Verbrauchsermittlung ungeeignet.

Am Anfang und am Ende der Abrechnungsmethode wird eine körperliche Inventur des Lagerbestand festgestellt
und der Materialverbrauch mit Hilfe des Lagerkontos folgendermaßen ermittelt:

Anfangsbestand (laut Inventur)

+ Zugang (laut Lagerkonto)

- Endbestand (laut Inventur)

= Materialverbrauch

Verfahren hat mehrere schwerwiegende Mängel:

• Zuordnung des Verbrauchs zu Bezugsobjekten/Kostenträger nicht möglich.

• Schwund, Verderb, Diebstahl können nicht erfasst werden.

• Verfahren ist umständlich und aufwendig, da mehrmalige körperliche Inventuren notwendig werden.

 Verfahren nicht wirklich geeignet, u.U. nur für kleine Betriebe!


2. Fortschreibungsmethode:
Fortschreibungsmethode --> Zugänge und Verbrauch werden durch Belege erfasst --> Soll-Endbestand =
Anfangsbestand laut Inventur + Zugänge - Abgänge --> Abgänge = ordentlicher Verbrauch, Soll-Endbestand - Ist-
Endbestand laut Inventur = außerordentlicher Verbrauch --> Differenzierung zwischen ordentlichem und
außerordentlichem Verbraucht, Zuordnung zu Kostenstellen möglich, aber hoher Zeitaufwand.

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Fortschreibungsmethode (Skontrationsmethode)
Der Materialverbrauch wird mit Hilfe von Materialentnahmescheinen ermittelt.
Verbrauch = Lagerabgänge
Zuverlässige Ermittlung des tatsächlichen Materialverbrauchs möglich. Es kann nach
Kostenstellen, Kostenträgern und Verbrauchsursachen differenziert werden. Damit ist
eine Trennung in planmäßigen und außerplanmäßigen Verbrauch möglich.

Bei der Fortschreibungsmethode oder Materialentnahmescheinmethode wird bei jeder Materialausgabe ein
Materialentnahmeschein ausgefüllt der mindestens die folgenden Informationen enthält:

► Datum, Materialart, Materialnummer, Menge, Kostenstellen- und/oder Kostenträgernummer.

Der Materialverbrauch ergibt sich aus der Addition der Materialentnahmescheine.

Der Lagersollbestand kann jederzeit ermittelt werden:

Anfangsbestand (laut Inventur)

+ Zugang (laut Lagerkonto

- Abgang (laut Materialentnahmescheine)

+ Zugang (laut Rücknahmescheine)

= Lagersollbestand (Lagerverlust = Lagersollbestand - Lageristbestand)

Einmal im Jahr wird mittels einer körperlichen Inventur der Lageristbestand ermittelt:

► Lagerverluste = Lagersollbestand – Lageristbestand.

Bei der Fortschreibungsmethode erfolgt eine permanente Inventur, d.h. Materialverbrauch und (buchhalterischer)
Lagerbestand sind jederzeit bekannt. Einmal pro Jahr muss eine körperliche Inventur erfolgen. Die
Fortschreibungsmethode hat folgende Vorteile:

• Feststellbar für welches Bezugsobjekt (Kostenstelle, Kostenträger) der Materialverbrauch erfolgte,

• Lagerverluste sind erfassbar und

• Verfahren ist einfach zu handhaben, mit IT/ERP-Systemen läuft es zudem automatisch ab.

3. Rückrechnung (retrograde Methode)


retrograde Methode --> Verbrauch aus den hergestellten Mengen an UE + FE --> relativ einfach, jedoch genau
Kenntnis über Materialien und Menge für ein Produkt notwendig; ordentlicher Verbrauch berücksichtigt,
außerordentlicher Verbrauch komplett außer Acht gelassen.

Rückrechnungsmethode (Retrograde Methode)


Der Materialverbrauch wird aus der Anzahl der hergestellten Halb- und Fertigerzeugnisse
ermittelt.
Verbrauch = hergestellte Stückzahl * Sollverbrauch pro Einheit
Diesem Verfahren kommt nur eine geringe Bedeutung zu.

Bei der Rückrechnung wird der Verbrauch aus den abgelieferten Stückzahlen der Halb- und Fertigfabrikate
abgeleitet. Ausgangspunkt hierzu sind die Stücklisten der einzelnen Bezugsobjekte / Kostenträger. Der Verbrauch an
Gemeinkostenmaterial und auch Lagerverluste sind so nicht ermittelbar

Beispiel: Methoden zur Erfassung des Materialverbrauchs:

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a) Inventurmethode (nicht wirklich geeignet nur für kleine Betrieb) Oktober = 10

31.10 Bestand von 290 kg

1.10 Anfangsbestand (laut Inventur) 200 kg

5.10 + Zugang (laut Lagerkonto) 400kg

14.10 + Zugang (laut Lagerkonto) 200kg

25.10 + Zugang (laut Lagerkonto) 300kg

31.10 - Endbestand (laut Inventur) -290kg

------------------------------------------------------------------------------------

= Ist Verbrauch 810 kg

B) Fortschreibung Methode (Materialentnahmeschein Methode)

Mindestens folgende Info: Datum – Materialart - Materialnummer- Menge -Kostenstellen /kostentraegernummer

3.10 + Zugang (laut Lagerkonto) 160kg

17.10 + Zugang (laut Lagerkonto) 240kg

21.10 + Zugang (laut Lagerkonto) 400kg

- Rückgabe -20kg

---------------------------------------------------------------------------------------------------

= Solverbrauch 780kg

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c) am 31.10  körperlicher Inventur = 290kg

Anfangsbestand 200kg

+ Zugang 900kg

+ Abgang -780kg

-------------------------------------------------------------------------------------------------

= Lagersollbestand 350 kg (Lager Inventur )

-Istbestand -290kg

-------------------------------------------------------------------------------------------------

= Schwund (Diebstahl) 30kg

D) Rückrechnung (retrograd Methode)

20 *25+50=750kg (sollverbrach)

Anfangsbestand 200kg

+ Zugang 900kg

+ Abgang -750kg

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= Lagersollbestand 350 kg (Lager Inventur)

Inventur  Bestandsaufnahme

 Wenn ein Geschäftliche Tätigkeit begonnen


 Am Ende eines Geschäftsjahres
 Geselschafteranderungen oder Änderungen der Rechtforme
 Ende einer gewerblichen Tätlichkeit (zumachen).

Körperliche Inventur: bewegliche und unbewegliche guter sowie Geld in Inventurlisten eingetragen

 Als Grundlage für den Jahresabschluss verwendet

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