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Kaufhaus des Südostens

Wien bekommt dank Die Nachricht, dass das Karstadt-Warenhaus am des Office for Metropolitan Architecture (OMA) 1. Preis OMA schlagen eine

Immobilientycoon René
Hermannplatz, nach Plänen von David Chipper-
field, in alter Pracht rekonstruiert werden soll,
bei laufendem Betrieb grundlegend umgebaut.
Weniger Hindernisse dürfte es in Wien geben,
1 ungewohnt brave Fassa­-
de für das Warenhaus vor.
Rundbögen im Erdgeschoss

Benko sein KaDeWe. wühlte jüngst in Berlin alte und neue Gräben
auf. In Friedrichshain-Kreuzberg reagiert man
wo Benko (Kanzler Sebastian Kurz half hinter
den Kulissen mit) 2017 das in finanzielle Schwie-
und ein rhythmisches Re­-
lief wanden das Gebäude –
Im Wettbewerb wurde auf solchen Bombast nervös, im August erteil- rigkeiten geratene Möbelhaus Kika-Leiner für
modischer Zug oder doch
eher Referenz an das gedie-
versucht, Konzepte te Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) den Plä- kolportierte 60 Millionen Euro erwarb. Hier soll gene Umfeld?
Alle Abbildungen: Verfasser
nen eine Absage: Zu monumental, ein „Fremd- nun – vielleicht auch, um den störrischen Ber­
der europäischen Stadt körper“, eine nicht-authentische Replik, reine linern zu signalisieren, dass ihr Traditionskauf-
mit Kaufhaus-Architek­- Fassadenkosmetik. haus auch nur eine Marke wie tausend andere

tur zu fusionieren, mit er- Investor am Hermannplatz ist die Signa Hol-
ding des Tiroler Immobilienmilliardärs René
ist – eine KaDeWe-Außenstelle entstehen.

staunlich zaghaften Benko, der sich seit Jahren auf einer Art Einkauf- Berliner Schnauze und Wiener Schmäh

Ergebnissen, die wenig stempel-Einkaufstour befindet. Das mag in


Zeiten des Onlinehandels ungewöhnlich schei-
Zentraler könnte die Lage kaum sein, am Anfang
der Mariahilferstraße, der wichtigsten Einkaufs-
begeistern. nen, doch er setzt vor allem auf große inner- straße Wiens, die von der Ringstraße zum West-
städtische Objekte und Grundstücke und deren bahnhof führt. Dennoch kein Bauplatz, der sich
Text Maik Novotny Location-Mehrwert. Neben der Kaufhof-Kar­ für ein repräsentatives Statement eignet: Das Vor-
stadt-Gruppe erwarb er im Rahmen dieser Stra- feld fehlt, die Straße steigt an und biegt dabei
tegie unter anderem die Berliner Nobel-Insti­ um die Flanke des Museumsquartiers (MQ). Das
tution KaDeWe. Diese wird seit 2016 nach Pläne Kika-Leiner-Areal, eingezwängt in diese Kurve,

Eingeladener einstufiger Realisierungswettbewerb


1. Preis OMA, Rotterdam
Weitere Teilnehmer Snøhetta, Innsbruck; BIG, Kopenha-
gen; Hadi Teherani, Hamburg

Juryvorsitz
Elke Delugan-Meissl

Auslober
Signa Holding, Wien

Die Architekten aus Rotter-


dam führen die Straßen der
Umgebung im Inneren des
Kaufhauses fort. Städtebau-
lich hebt sich der Entwurf
dadurch von den anderen
Teilnehmern ab.
Grundriss EG im Maßstab
1 :1500

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umfasst zwei Parzellen an der Mariahilfer Straße Schlichtheit war hier nicht gefragt, übertriebe- sen finden im Inneren ihre logische Fortsetzung Schlichtheit war hier nicht ge-
und eine lange Front an der Karl-Schweighofer- nes Auftrumpfen aber ebenso wenig. Dennoch in Form gekreuzter Passagen, eine scharfe Zä-
fragt, übertriebenes Auftrump-
Gasse, die um 90 Grad abzweigt. Der große Bo- erstaunt die Zurückhaltung fast aller Entwürfe, sur an der Karl-Schweighofer-Gasse trennt den
nus liegt hier nicht auf Straßenebene, sondern die bisweilen etwas ratlos wirken. Es mag da­­- Baukörper entzwei und schafft eine neue Achse
fen aber ebenso wenig. Den­-
in der Aussicht, die sich vom Dach auf Kunsthis- ran liegen, dass ein Kaufhaus im Inneren räumlich zum MQ. Ob sich die in der Ausschreibung ange- noch erstaunt die Zurückhaltung
torisches Museum und Ringstraße bietet. kaum mehr benötigt als gestapelte Verkaufs- dachte Anbindung der Museumshöfe realisie- fast aller Entwürfe, die biswei­-
Der bestehende Bau suggerierte einst Welt- fläche (hier rund 50.000 Quadratmeter). Blieben ren lässt, ist noch unsicher, wünschenswert ist len etwas ratlos wirken.
städtisches, heute ist wenig davon übrig. Vom also die Fassade, das Dach, die verti­k ale Er- es, denn das MQ laboriert seit seiner Eröffnung
Original aus dem Jahr 1895 blieb nach mehreren schließung und die städtebauliche Einbindung 2001 an seiner hermetischen Zugangssituation. cke den Eindruck generisch-banaler Kommerz-
Umbauten nur noch das Skelett und ein Trep- als Spielwiese. Alle vier versuchten sich dabei Für Koolhaas-Verhältnisse geradezu brav wirkt Architektur der 80er Jahre nicht ausräumen
penhaus. Daher hatten die Teilnehmer des ein- an einer Interpretation der europäischen Stadt, dagegen die Fassade mit den zur Zeit offenbar konnten und die obendrein kaum nutzbare Rest-
stufigen, geladenen und nichtanonymen Wett- mit dem vom Auslober versprochenen öffentli- unvermeidlichen Rundbögen. flächen erzeugen. Ein Bild der europäischen
bewerbs für das neue Wiener KaDeWe nur die chen Zugang zur Dachterrasse als Argument für Snøhetta gingen die Aufgabe ähnlich vorsich- Stadt, das an diesem Ort und zu dieser Zeit nie-
Gründerzeitfassade des früheren Nachbarbaus, die Heraufbeschwörung eines „urbanen Mix“. tig an und verzichteten auf Ikonisches, man woll­- mand braucht oder will, und es half auch nicht,
der in das alte Kaufhaus integriert worden war, zu te ein „wienerisches Haus,“ das den Beginn des dass die Gründerzeitfassade wie eine zweidimen-
erhalten, um die dem Historismus zugeneigte Old-Europe-Collage Einkaufsboulevards markiert. Auch hier feine sionale Tapete karikaturenhaft unsensibel ins
Seele mancher Wiener zu besänftigen. Das im Oktober verkündete Ergebnis: OMA darf dreigliedrige Fassadentektonik. Auch hier Rund- Spiegelraster geklebt wurde.
Vier Büros waren geladen: BIG, Hadi Teherani, auch das zweite KaDeWe bauen. Während man bögen, allerdings metallisch dünn – dazu ließ Hadi Teherani dagegen verzichtete auf solche
Snøhetta und die schon im Berliner Haupthaus in Berlin chirurgisch am Bestand operiert, soll in man sich vom nahen Jugendstil-Kaufhaus Herz- Im Inneren lassen sie eine großgeometrischen Oberflächeneffekte und
monumentale runde Treppe
aktiven OMA. „Das Projekt hat auch die Aufgabe, Wien der Neubau Kontinuität suggerieren. Eine mansky inspirieren. Auch hier eine Fuge – der setzte stattdessen auf feierlich-kühle Noblesse,
um ein Atrium sich empor-
die Mariahilfer Straße, die in den letzten Jahr- für OMA-Verhältnisse zaghafte Old-Europe-Col- angrenzende Bauteil für das vorgesehene Hotel schwingen. Auf dem Dach die allerdings eigenartig ortlos in der Luft hing –
zehnten etwas an Glanz verloren hat, wieder auf- lage, die nichts mit den muskulösen Dunkler- steht als solider Block, ganz zurückgenommen, lädt ein gewächshaus- ein KaDeWe, das auch in Dubai, Istanbul oder
zuwerten“, sagte die Juryvorsitzende Elke De- Stahl-Dunkles-Glas-Produkten gemein hat, die daneben. Das bombastische Kaufhaus-Atrium artiger Gastronomischer Hongkong stehen könnte. Vielleicht ist das so­-
Betrieb.
lugan-Meissl zu Beginn des Verfahrens. „Wir wol- in den letzten Jahren in dem Rotterdamer Büro mit frei eingehängten, übereinandergetürmten lide durchgearbeitete Old-Europe-Modell von
len, dass das neue Kaufhaus das Thema Retail vom Band liefen. Treppen wirkt dagegen wie eine Überkompensa- OMA doch gar keine so schlechte Lösung für
neu denkt, konsumfreie Zonen beinhaltet und Dennoch eine nachvollziehbare Juryentschei- tion des sonst fehlenden Wow-Effekts. die „Wiener Melange“ eines Kaufhauses des süd-
nach Möglichkeit eine öffentliche Querverbin- dung, denn die Einbindung in die Umgebung ist BIG legten eine verspiegelte Rasterfassade östlichen Westens. Die Eröffnung ist für Herbst
dung zum Museumsquartier schafft.“ das große Plus des Entwurfs. Angrenzende Gas- um den Block, deren Dynamik suggerierende Kni- 2023 geplant.

Teilnehmer Snøhetta über-

T ziehen das Haus mit einer


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WETTBEWERBE ENTSCHEIDUNGEN 23
Teilnehmer Hadi Teherani

T setzen auf eine zurück­


haltend klare Schaufens-
terfassade. Im Inneren
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