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Wir zeigen,

wie gebaut wird Praxis


und womit! Mai 2020

NEU!
DBZ, d
er Pod
cast

Fassade
Fotos, v.l.: Depot Boijmans
Van Beuningen (Foto: Os­-
sip van Duivenbode), Moe-
ding (Foto: Anke Müller-
klein), Hochhaus am Plärrer
(Foto: Knerer und Lang Ar-
chitekten), Reethütte (Foto:
IBBT Stuttgart)

Auf Spotify, Apple Podcast, Deezer, Fokus


Von der Nachbarschaft verkleidet
Arjen Ketting von MVRDV über die Spiegelfassade des Kunstdepots für das Museum Boijmans Van Beuningen
56

Google Podcast, Tuneln, DBZ.de und im Benedikt Crone

Marktplatz 60
DBZ Newsletter. Seit dem 31.03.2020 GIMA Erbusco FK & Erbella FK, Lindner Fassadenelemente, Deutsche Foamglas T4+, Prefa Zackenprofil,
Moeding Keramikplatten, Lasvit Firmensitz in Böhmen

alle zwei Wochen. Detail


Sanierung des Nürnberger Hochhauses am Plärrer durch Knerer und Lang Architekten
64

Josepha Landes

Marktplatz 68
SkinOver Alpine Reethütte des Instituts IBBTE, Heroal Les Couleurs® Le Corbusier, Sedak isosecure,
Lamilux TextureWall, Röben Toulouse, Porcelaingres Urban Great, HYPE Sonnenschutz, Schüco UDC 80,
Solarlux cero

Jetzt anhören!
Foto: Kristin Nierodzik

54 DBZ.de/podcast
BAUWELT PRAXIS Bauwelt 10.2020 Bauwelt 10.2020 BAUWELT PRAXIS 55
Fokus
Blick auf das Depot im
Frühjahr. In der Fassade
spiegelt sich der Turm
des 1935 vom Architekten
Ad van der Steur realisier-
ten Museumsbaus.

Interview Benedikt Crone Fotos Ossip van Duivenbode

Von der Nachbarschaft


verkleidet
Archive liegen oft im Dunkeln, in versteckten
Räumen und bunkerartigen Kellern. Das neue
Arjen Ketting von
Kunstdepot für das Museum Boijmans Van Beu-
ningen, das 2021 eröffnen soll, hat dagegen ei-
MVRDV im Gespräch
ne zentrale Lage in einem Musemspark und soll über die Spiegelfassa-
für Besucher zugänglich sein. Ist das Depot
damit nicht eher eine Museumserweiterung als de des neuen Depots
ein Archiv?
Nein, denn es ist kein kuratierter Ausstellungs-
für das Rotterdamer
raum. Als wir den Wettbewerb gewannen, gab Museum Boijmans Van
es die Idee einer Zweiteilung des Gebäudes: der
Großteil wären Archivräume, daneben hätte es Beuningen
einen öffentlichen Teil gegeben, von dem die Be-
sucher einen Einblick in die Arbeit des Depots Auffällig an dem Bau sind seine spiegelnde geforderte Nutzfläche untergebracht werden
erhalten können. Nachdem wir den Wettbewerb Fassade und seine Form, die manche als große kann. Auch war die Lage mitten im Park, umge-
gewonnen hatten, drehte der Bauherr das Ver- Salatschüssel bezeichnen, aufgrund des ge- ben von bedeutenden Institutionen, für uns ein
hältnis um, und wünschte sich, dass nahezu al- planten Dachgartens. Argument gegen eine klare Vorder- und Rück-
les öffentlich wird. Es wird gern die Anekdote Nicht zu vergessen, dass das Wort Depot sich seite. Stattdessen zeigt sich der Rundbau in alle
des Museumsdirektors bemüht, 99 Prozent des wunderbar in seine zwei Silben zerlegen lässt, Richtungen mit einer ähnlichen Fassade. In die-
Gebäudes sollen nun zugänglich sein, und nur de pot, Niederländisch für „der Topf“. ser spiegeln sich der Park – und die benachbar-
1 Prozent – die Räume des Sicherheitsdienstes – ten Gebäude.
nicht. Wir begrüßen diese Öffnung, aber wir Warum wählten Sie diese Topf-Form?
müssen dabei viel zusammendenken: Besucher- Das Depot befindet sich im Museumspark und be- Woraus bestehen die Spiegelpaneele?
ströme, Luftfeuchtigkeit, Klimatisierung, Brand- legt mit seiner Grundfläche ein Stück von des- Aus zwei Schichten Glas, die von einer PVB-
schutz, Diebstahlsicherheit, … sen Rasenfläche. Mit einem Dachgarten wollen Folie zusammengehalten werden und mit einer
wir das verlorene Grün nicht nur ausgleichen, Folie für den Spiegeleffekt hinterlegt sind. Im
… und den steigenden Meeresspiegel. Um auf sondern aufwerten. Da wir den Fußabdruck des Ofen wurden die Paneele erhitzt und in Form ge-
Überflutungen vorbereitet zu sein, befindet Gebäudes zudem möglichst klein halten und bogen. Das Abkühlen musste möglichst langsam
sich keine Kunst im Erdgeschoss. gleichzeitig das Gebäude nicht höher als den Turm erfolgen, damit sich die Ecken, die immer zuerst
Korrekt. Das Museum hat bisher viele Werke im des Museums werden lassen wollten, vergrö- abkühlen, nicht so stark zurückbiegen.
Keller gelagert und kämpft immer wieder mit ßert sich der Durchmesser von 40 Metern im Erd-
Überflutungen. Im neuen Depot wird daher keine geschoss auf 60 Meter im obersten Geschoss. Mit wem haben Sie die Paneele entwickelt?
Kunst in einer Höhe unter sechs Metern gelagert. So entstand eine schüsselartige Form, in der die Wir haben mit verschiedenen Firmen kooperiert,

56 BAUWELT PRAXIS Bauwelt 10.2020 Bauwelt 10.2020 BAUWELT PRAXIS 57


Planung vor allem aber mit dem fassadenerfahrenen Ingenieursbüro ABT zusam-
mengearbeitet. Es war auch nicht einfach, einen Hersteller zu finden, der
Architekten
biegbare Spiegelpaneele in dieser Größe und Flexibilität anfertigen kann.
MVRDV, Rotterdam

Projektleitung Wo haben Sie ihn gefunden?


Winy Maas, Fokke Moerel In China – hier war die Bereitschaft, zu experimentieren, groß genug und
die Herstellung nicht zu teuer. Allerdings hat der Ausbruch der Corona-
Mitarbeiter
Pandemie die Lieferung kurzzeitig unterbrochen und den Bauprozess ver- heroal C 50 GD

GLÄSERNES
Winy Maas, Jacob van Rijs, Fokke Moerel, Arjen Ketting, Sanne van der Burgh, Marta Pozo,
längert.
Gerard Heerink, Elien Deceuninck, Saimon Gomez Idiakez, Jose Ignacio Velasco, Jason
Slabbynck, Mariya Gyaurova, Lukasz Brzozowski, Gerard Heerink, Jan Knikker, Rico van
de Gevel, Marjolein Marijnissen, Remco de Haan In der Fassade wird die Umgebung nicht glatt und 1:1 gespiegelt, sondern

Tragwerksplanung
IMd Raadgevend Ingenieurs, Rotterdam
mit Brüchen und Sprüngen, von Paneel zu Paneel. War dieser irritierende
Effekt gewünscht?
Wären die Paneele kleiner gewesen, hätten wir eine Art Disco-Kugel erhal-
FASSADENSYSTEM
Landschaftsarchitekten ten. Auch größere Paneele waren bautechnisch schwierig. Wir haben uns
MVRDV, Rotterdam; MTD, Rotterdam schließlich für 64 Paneele je Ring entschieden, denn die Zahl 64 lässt sich einzigartige Systemlösung • Pfosten ver-
durch viele andere Zahlen teilen und bietet eine große Flexibilität, wo zum schwindet optisch • bis 5 m Höhe • opti-
Beispiel Fenster eingesetzt werden. Insgesamt kamen so 1664 Paneele
Hersteller
zusammen, die sich auf 26 den Bau umlaufende Ringe verteilen. Die Ent-
male Wärmedämmung
Fassade scheidung über den Zuschnitt der Paneele hatte also weniger mit dem
Tianjin XinBao Glass Spiegeleffekt zu tun, als mit ihren Kombinationsmöglichkeiten. Dennoch www.heroal.de/architekten
hat die Fassade natürlich eine interessante spielerische Wirkung: Das
Fenster
Spiegelbild zieht durch die Krümmung zum Beispiel die Nachbargebäude
Kloeckner Metal, Sunshield
in die Länge, was die Rotterdamer Skyline höher wirken lässt als sie ist.
Licht
Philips Bereits im Baustellenzustand lassen sich reihenweise Leute vor dem
Depot ablichten. Ist das Gebäude für die neue Medienwelt von Instagram
Aufzüge
und Co entworfen?
Möhringer
Wir haben es nicht als Selfie-Spot geplant, aber ich verstehe die Freude
daran, Aufnahmen mit den Spiegelungen zu machen. Was wir kalkulierten,
Daten war die Reflexion der Leute, die in Zukunft in dem Gras des Parks liegen
und zu dem Gebäude aufschauen können. Die Landschaftsgestaltung um
Bauherr
das Gebäude soll außerdem so ausgeführt werden, dass in der Spiege-
Boijmans Van Beuningen, De Verre Bergen Foundation, Stadt Rotterdam
lung der Eindruck entsteht, der Bau hätte beim Platzieren auf den Boden
Fertigstellung einen kleinen Riss im Park verursacht.
Das Museum (rechts im
Bild) wird derzeit saniert September 2020
und bleibt voraussichtlich Als Betrachter wird man in der Reflexion sehr klein, ein vernachlässig-
bis 2026 geschlossen. barer Punkt auf dem Bürgersteig, die Nachbarbebauung und der Himmel
Grundriss EG, 6. OG sowie
Schnitt im Maßstab 1:1000; gewinnen an Präsenz. Die Wirkung des Gebäudes ist also vollständig
VG Bild-Kunst abhängig von der Erscheinung der Umgebung.
Ein Anwohner fragte uns in einer öffentlichen Sitzung: Warum wollen Sie
das Gebäude mit Bildern der Umgebung verkleiden? Ich finde das super,
es ist wie eine Huldigung der Stadt. Und sobald die Besucher den verhält-
nismäßig kleinen Eingang passieren, vorbei an einer 45 Zentimeter dicken
Betonwand, wird ihnen auch wieder bewusst, dass sie etwas Besonderes
betreten. Spätestens in dem 40 Meter hohen Atrium sind die Spiegelbilder
der Fassade vergessen und die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Funk-
tion des Gebäudes: das Archivieren und Restaurieren wertvoller Werke.

Arjen Ketting
studierte Architektur an der Rotterdam Academy of Architecture. Seit mehr als 10 Jahren
arbeitet er bei MVRDV mit einem Schwerpunkt auf nachhaltige Projekte.

ROLLLÄDEN | SONNENSCHUTZ | ROLLTORE


58 BAUWELT PRAXIS Bauwelt 10.2020 Bauwelt 10.2020 FENSTER | TÜREN | FASSADEN | SERVICE
Schlanke Linie Recyceltes Glas Kopenhagener Untergrund

GIMA

Deutsche Foamglas

Moeding
Warum im Korsett der klassischen Forma- Die Dämmplatten T4+ der Foamglas-Wer- Die Kopenhagener sind stolz auf ihren „Ci-
te verweilen? Gerade Klinker, der aus Ton ke bestehen zu 60 Prozent aus aufge- tyringen“. Die neue Metro-Linie öffnete
gebrannte Stein, hält so viel mehr Mög- schäumtem Altglas. Zudem sind Naturstof- im Herbst und sieben ihrer vierzehn Halte-
lichkeiten bereit als die üblichen Voll- und fe wie Sand und Kalk beigemengt. Dank punkte sind mit Keramikplatten von Moe-
Halbsteine. Für ein Wohnensemble im eines Lamdawerts von unter 0,041 Watt ding ausstaffiert. Die neuen Stationen soll-
Nürnberger St. Johannis Quartier ließen pro Meter und Kelvin reduziert der für ten, gemäß dem Konzept der Planer von
die Münchener Architekten von Blauwerk Wände und Dächer geeignete Baustoff Arup, mehr als Infrastrukturknotenpunkte
schmale Fassadensteine von GIMA anfer- den Heizenergieaufwand. sein und als unterirdische Stadträume mit
tigen. Die 490 mm langen Steine wurden dem Kontext übertage korrespondieren. Al-
T4+, www.foamglas.com
in einer Mischsortierung aus braun-grau- len ist gemein, dass sie in seidenmattem
en Erbusco- und hellgrauen Ebella-Stei- Finish ausgeführt wurden. Abgesehen da-
nen verlegt, deren Farbgebung rein von na- von sind sie divers in Farbe und Muste-
türlichen Zuschlägen herrührt. rung. Die Stationen am Hauptbahnhof und
an der Fredriksberg Allé etwa sind mit
Erbusco FK & Erbella FK,
kräftig roten, respektive grün changeieren-
www.gima-ziegel.de
den Bandfliesen verkleidet; bei Gammel
Strand nahe dem Schloss Christiansborg
Innovation Center hingegen hielt man sich in Sachen Farb­

Lindner
Der neue Hauptsitz der Pharmafirma Merck intensität zurück, nutzte aber ausgefalle-
in Darmstadt wurde 2018 von HENN fertig- ne Verlegemuster. Vibenshus Runddel in
gestellt. Es umfasst Büros und Labore. Die Østerbro bietet von all dem etwas: zarte,
komplettverglaste Doppelfassade muss­- regelmäßig verlegte weiße Platten, akzen-
te hohen Anforderungen zum Beispiel an tuiert mit Farbstreifen werden von expres-
Explosionsschutz genügen und sollte zu- siven Dreiecksplatten bekrönt.
gleich feingliedrig auftreten. Der System-
Keramikplatten, www.moeding.de
hersteller Lindner lieferte dazu eine Pfos-
ten-Riegel-Konstruktion aus Stahl und Alu-
minium, die mit einer Ansichtsbreite von
nur 76 bis 96 mm auskommt.

Fassadendetails, www.lindner-group.com

sec, Osnabrück
Zackige Erscheinung

Prefa
Das Prefa-Zackenprofil zaubert eine
schimmernde Optik an die Fassade. Die
Elemente werden aus Aluminium strang­
gepresst und sind nur 2 mm dick, ihre Za-
cken erheben sich etwa 22 mm. Sie sind
in Stücklängen bis 6,20 m im Farbton ihrer
naturblanken Aluminiumlegierung erhält-
lich. Kürzere Segmente von bis zu 3 m Län-
ge können zudem in jeglichem Wunsch-
RAL-Ton beschichtet werden. Die Profile
werden ohne sichtbare Befestigung mon-
tiert und können sowohl senkrecht als
auch horizontal oder schräg ausgerichtet
werden.

Zackenprofil, www.prefa.de

Neuer Blickfang: »Original Strangfuß Klinker«


Mit sichtbaren Kennzeichen spiegelt unser »Original Strangfuß Klinker« die Oberflächen der klassischen Industrieklinker der Jahrhundert-
wende zum 20. Jahrhundert wider. Vier Farbgebungen sind derzeit erhältlich.
Alles rund um Produktneuheiten und mehr erhalten Sie mit unserem Newsletter: www.privatziegelei-hebrok.de/newsletter

60 BAUWELT PRAXIS Bauwelt 10.2020 Bauwelt 10.2020 BAUWELT PRAXIS 61


www.privatziegelei-hebrok.de Besuchen Sie uns auf Facebook
Wo Licht ist, ist Black Box

Lasvit

Vandersanden
1
Für das Danziger Shakespeare Theater

auch Dunkelheit
spielte Architekt Renato Rizzi die Band-
breite der Schwarzton-Klaviatur. Geländer,
Tragwerk und Wände ergänzen den dunk-
len Fond des Hauses für die Schaupiel-
kunst. Eine Besonderheit des Gebäudes
Research ist, dass sich sein großer Saal zum Him-
mel über riesige Luken für Aufführen unter
Tageslicht öffnen lässt. Auch unter Kunst-
licht kommen die konsequent als Oberflä-
In einem böhmischen Dorf funkelt
chenmaterial verwendeten Vandersan-
ein Haus wie ein Kristall: Der Fir- den-Klinker des Typs Morvan zu Geltung.
mensitz von Lasvit ist ein Projekt, Neben den Wänden pflastern sie auch die
das vom Wissenstransfer zwi- Böden im Inneren und in den drei Höfen.
schen Architekten und Bauherren
Morvan, www.vandersandengroup.com
profitiert.
2 3
Das eigene Handwerk in Architektur zu überset-
zen, kein geringeres war das Ansinnen der Lam-
penhersteller Lasvit für ihr neues Hauptgebäude Tape

Carlisle
im tschechischen Nový Bor. Zu diesem Zweck Der EPDM-Streifen Easy Stick ist beson-
lobten sie einen Wettbewerb aus, den die Prager ders für die Abdichtung von Fassaden-
OV-Architekti gewannen. Nach fünfjähriger Ex- durchdringungen wie rundum Fenster und
perimentier- und Bauzeit war das zweiteilige En- Türen geeignet, kann aber auch zur Aus-
semble 2019 bezugsfertig. kleidung von Dachrinnen verwendet wer-
Mit der Glasherstellung kennen sich die böh- Die Fassade des „Glashaus“ den. Das glasfaserverstärkte Gewebe
ist umlaufend gleichförmig
mischen Fabrikanten hervorragend aus. Die kann sowohl im Neubau als auch bei Sa-
1, bloß der Showroom öff-
region ist als „Crystal Valley“ berühmt für ihre net über ein großes Schiebe- nierungen zum Einsatz kommen. Die ein-
Kunstfertigkeit bei der Glasbearbeitung. Auch element zum Garten 3. fach zu verklebenden Streifen sind jeweils
das Interesse der Inhaber an zeitgemäßem De- Die gemusterten Elemente 1,3 mm stark und auf Rollen mit 20 m Län-
sind fast mannshoch 2.
sign kam der engen Zusammenarbeit mit den ge erhältlich. Es gibt das Produkt in Brei-
Architekten zugute. Auf ihrem Grundstück, gele- ten von 25, 50 und 75 cm, sowie 1 m.
gen zwischen zwei sehr unterschiedlichen, je-
Hartalan Easy Stick, www.carlisle.com
weils denkmalgeschützten Altbauten, entstand Die „Glasschindel“ sind mit
Punkthaltern befestigt. Die
in engem Austausch zwischen Tradition und
4 Erscheinung des „Schiefer-
Moderne ein gleichfalls auf Dualität gründender glases“ war erst nach vielen
Komplex: Ein lichtes „Glashaus“ zur Straße wird Testläufen im Brennofen
ergänz durch ein dunkles „Zementhaus“ im Hof. zufriedenstellend 4.

Beide in ihrer Kubatur zurückhaltenden Bau­-


ten sind mit großformatigen Schindeln verklei-
det, die sich als eine Anleihe der vernakulären
Bauweise der Gegend lesen lassen.
Der Firmensitz dient als Showroom und bein-
haltet Büros. Der in zweiter Reihe gelegene
dunkle Baukörper birgt einen Versuchsraum. Da­
rin werden Mock-Ups großformatiger Lichtins-
tallationen angefertigt und überprüft.

Das „Zementhaus“ im Hof 5


Architekten 5 6
bietet Raum, großformati-
OV-Architekti, Prag ge Installationen auf ihre Wir-
kung und Funktionalität zu
Hersteller testen 6.

Maximale Transparenz in Stahl


Lasvit

Fotos
Tomáš Souček
perfekte Symbiose zwischen alt und modern
• flexible Gestaltung durch individuelle Unterkonstruktion (Stahl, Holz, Alu)
• hervorragende Wärmedämmung mit schlanken Ansichten von 50 mm
• auch als Schrägverglasung mit/ohne Feuerwiderstand
• Profilsystem: forster thermfix light

62 BAUWELT PRAXIS Bauwelt 10.2020 Bauwelt 10.2020 BAUWELT PRAXIS 63

www.forster-profile.ch
Detail
Vor der Sanierung lagen die
Fenster mit Dreh-Kipp­
flügeln hinter Jalousien ver-

Sanierung des Nürnberger Hoch- borgen. Der Schriftzug


„Städtische Werke“ stammt

hauses am Plärrer durch


noch aus den 50er Jahren.
Er blieb auch trotz Umbe-
nennung zu „N-Ergie“ nach
Knerer und Lang Architekten der Sanierung erhalten.
Foto: Architekten

Der Skelettbau ist auf ei-


nem 1,70 m -Raster entwi-
ckelt. Die Schwingflügel-
fenster verliehen der Fassa-
de besonderen Charme.
Foto: Architekturmuseum Text Josepha Landes Fotos Jens Weber
der TU München
1953 stand in Nürnberg das höchste Haus Bayerns. Das Hochhaus am Plär-
rer, für das Architekt Wilhelm Schlegtendal verantwortlich zeichnete, war
als effektive Beton-Skelett-Konstruktion in kürzester Zeit in die erstaunliche
Höhe von 56 Metern gewachsen. Doch nicht nur unter der Devise „Hoch hin-
aus“ verdeutlichte der Bau die Aufbruchstimmung nach dem Krieg; vielmehr
zeugten die Details, außen wie innen, neben der augenscheinlich markierten
Quantitätsmaxime von Qualitätsanspruch. Die Architektur des Hauses grün-
dete auf funktionalen Anforderungen des Bauwesens und der Arbeitswelt
jener Zeit und bediente sich entsprechend bei Stilmitteln der klassischen Mo-
derne. Darüber hinaus jedoch ließ der aus Friesland stammende Schlegten-
dal im Plärrer-Hochhaus Aspekte des „Nordic Design“ zum Vorschein treten.
Im Innenraum führten schwungvolle, offen belassene Treppen durch
die 15 Etagen. Pflanzen, Möblierung und Wandkunst vermittelten zwischen
der strengen Rasterung der Büros und den sinnlichen Bedürfnissen der
Nutzer. Für die Erscheinung im Stadtbild von besonderer Bedeutung war
die Sensibilität, die der bei Paul Bonatz wie auch Paul Schmitthenner in
die Lehre gegangene Schlegtendal in puncto Fassade an den Tag legte. Die
Grundkomposition einer vertikalen Dominante, gepaart mit einem hori-
zontal das Ensemble am Platz verankernden Riegel, findet sich in vielen
Bauherr Büro-Hochhäusern jener Zeit wieder, nicht nur in der BRD. Die Fassung
N-Ergie Aktiengesellschaft des Hochhauses durch eine freie Erdgeschosszone und ein zurücktreten-
Architekt (1952/53)
des Dachgeschoss (in dem sich die sogenannte Teestube, ein Konferenz-
Wilhelm Schlegtendal
raum befindet), wie auch eine Verjüngung um 10 cm nach oben, verfeinern
den Baukörper. Außerordentlich bedeutsam für die Erscheinung des Plär-
Architekten (2017–19) rer-Hochhauses waren jedoch die vom Architekten entwickelten Schwing-
Knerer und Lang Architekten, München/Dresden flügel-Fenster, die über verschiedenfarbigen Terrazzo-Brüstungen in das
rigide Raster der Betonpfeiler eingefügt waren. Auf leichtfüßige Art und Wei-
Hersteller Fenster
se erzeugten sie dank variabler Schwenkbarkeit ein stets sich wandeln- Bei der Sanierung kamen
Forster Profilsysteme unter Berücksichtigung
des Fassadenbild. Seit 1988 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
von Denkmal-, Schall- und
Nichtsdestoweniger hatte sich seine Erscheinung und Tüchtigkeit über Wärmeschutz größten-
die mehr als sechzigjährige Standzeit erheblich verändert. Die Konstruk­ teils wieder Schwingflügel-
fenster aus Stahl zum
tion kam den Anforderungen an Wärmedämmung und Brandschutz nicht
Einsatz.
mehr nach, und die Ästhetik der Fassade war arg in Mitleidenschaft ge­
zogen als Knerer und Lang Architekten 2017 den Auftrag zur Generalsanie-
rung und Rekonstruktion des Gebäudes erhielten. Die Architekten mit
Bürostandorten in München und Dresden wollten die Grundideen der 50er-
Jahre-Achitektur wieder ans Licht holen und legten ein wesentliches Au-
genmerk auf die 1060 Fenster, die mittlerweile durch Schwenk-Kipp-Fens-
ter ersetzt worden waren, teils gar hinter außenliegenden Jalousien ver-
deckt lagen.

64 BAUWELT PRAXIS Bauwelt 10.2020 Bauwelt 10.2020 BAUWELT PRAXIS 65


Auch von innen treten die
Fensterprofile minimalis-
tisch zurück. Aufmerksam-
keit erregen vielmehr die
instandgesetzten und mit
Farbe akzenturierten Trep-
penhäuser. Die Architek-
ten ersetzten massive Ein-
hausungen durch Glas-
wände, so verknüpft sich
das Geschoss zu einem
fließenden Raum.

Die Schwingflügelfenster waren bereits in Wilhelm Schlegten- Die „Teestube“ auf dem Dach
dient als Versammlungs-
dals Entwurf ein prägendes Element. Adäquate Nachbau-
raum und öffnet einen Rund-
ten entwickelten Knerer und Lang nun gemeinsam mit dem umblick über die Stadt
Schweizer Fensterhersteller Forster. Die filigranen Stahlfens- (oben). Die Schwingflügel-
fenster aus Stahl wurden
ter des Typs Unico sind circa 1,80 m auf 1,30 m groß und ver-
von Architekten und Herstel-
fügen über ein integriertes Sonnenschutzsystem. Das Aus- ler passgenau entwickelt.
sehen dieser Schwing-Dreh-Verbundfenster orientiert sich Ansicht und Detailschnitt im
an den Originalfenstern, sie sind jedoch höheren schall- Maßstab 1:25

schutztechnischen Anforderungen (bis 47 dB) gewachsen


und bieten eine gute thermische Isolierung. Sie können um
180° geschwenkt werden. So entstand erneut ein Fassaden-
spiel, mit dem das Hochhaus nicht nur Höhe, sondern auch
Vielseitigkeit demonstriert.

The Fontenay, Hamburg

HIER STECKT GANZ VIEL LINDNER DRIN


Mehr.Ideen. Mehr.Wirkung. Mehr.Sicherheit. Wir nennen es den Lindner Mehr.Wert!
66 BAUWELT PRAXIS Bauwelt 10.2020 Bauwelt 10.2020 BAUWELT PRAXIS 67
www.Lindner-Group.com
Schilf Corbusier an Fenster und Türen

BS

SkinOver

Heroal
1
Auf Basis einer Kooperation mit Les Cou-

statt Schindeln
leurs® Le Corbusier bietet heroal ein neu­-
es Farbspektrum für seine Aluminiumsys- BRANDSCHUTZ
teme in den Bereichen Fenster, Türen und
Fassaden sowie Sonnenschutz an. Die Fär-
IM BAUWESEN
Research bung der Aluminiumsysteme entspricht

NEWSLETTER
einer exakten Wiedergabe der Farblehre
des Architekten mit einer harmonisch
Im Sinne der Nachhaltigkeit wer- abgestimmten Palette aus 63 Tönen. Auch
das Haustürsystem heroal D 72 ist in die-
den alte Baumaterialien wieder-
ser Farbgebung mit allen Komponenten
entdeckt, so auch Reet. Dass man

KOSTENFREI
inklusive Füllung erhältlich.
mit dem Schilfrohr nicht nur Häu-
ser in Küstennähe decken kann, Les Couleurs® Le Corbusier,
zeigt ein alpines Forschungspro- www.heroal.de

jekt der Universität Stuttgart.

Schilf wächst nahezu überall – und es wächst


– ALLE 2 MONATE
2 3 4
schnell. Geerntet wird nur der abgestorbene Teil
der Pflanze, der als Dach- und Fassadenverklei-
dung traditionell vor allem auf dem friesischen
Flachland Verwendung findet. Das Stuttgarter
Institut für Baustofflehre, Bauphysik, Gebäude- Vergleich der Anbaufläche
technologie und Entwerfen (IBBTE) hat nach für Reet und Schindeln 5,
und des jeweiligen Jahres-
zwei Jahren Forschung gemeinsam mit Studie-
ertrags 6. Vergleich der
renden nun erstmals ein Reetprojekt im hoch- CO2 -Speicherung von Wald
alpinen Bereich nahe der Mannheimer Hütte an und Moor weltweit 7.
der schweizerisch-österreichischen Grenze rea-
lisiert. Das kleine Pumpenhaus versorgt die Hüt- 1 Jahr
=
Vergleich
Vergleich
derder
CO 2CO
-Speicherung
-Speicherung
vonvon
te mit Wärme und wurde für Bergsteiger zusätz-
2
Wald
Wald
undund
Moor
Moor
weltweit
weltweit

lich mit einer Sitzgelegenheit versehen.


8,6 ha 2 Hütten = 31%
31% CO 2CO 2

Eine Reduktion aufs Wesentliche durchzieht 1.375.000 Schilfhalme


Fläche
Fläche
derder
Erde
Erde 225
225
Gt Gt
8,6 ha 2 Hütten
das Projekt: Die Holzkonstruktion wurde weit- 1.375.000 Schilfhalme
gehend ohne Metallverbindungen ausgeführt, 3%
3% CO
CO2 2

=
Fläche
Fläche

Holz und Reet stammen aus der Umgebung. 0 Fichten derder


Erde
Erde

=
450
450
Gt Gt
0 Hütten
Auch erhielt die kleine Hütte mit Satteldach durch
8,6 ha 8,6 ha
das sich über Dach wie Wände erstreckende Klare Sicherheit

Sedak
2.236 Fichten
894 Hütten
Schilf eine warme, homogene und haptisch inte- Das Sicherheitsglas isosecure von sedak
ressante Verkleidung. Ziel ist es nun, Reet vor 5 6 7 schützt als 2- bis 4-fach Isolierglas vor
allem als Alternative zur Holzverkleidung im alpi- UV-Licht, Hitze und Schall ebenso wie vor
nen Klima über einen längeren Zeitraum zu er- Bruch, Kratzer und Schüssen – bei gleich-
forsche und so Erkenntnisse über Winddichtig-
8 9
bleibender Ästhetik und klarer Transpa- Brandaktuelle Meldungen
keit, Beständigkeit, Abnutzungsfaktor, Feuchtig- renz. Durch den Scheibenaufbau kann in Bezug auf den baulichen
keit und Lebensdauer zu erhalten. Sicher ist: Die auf das übliche Polycarbonatsystem ver- und gebäudetechnischen
Existenz der Hütte ist mit Blick auf ihre Materia- zichtet werden; beide Außenscheiben
lien bereits jetzt für die Umwelt besser verkaftbar sind aus Glas. In der höchsten Beschuss-
Brandschutz!
als die vieler anderer Neubauten – ob in den Ber- Konstruktion 2, Materialliefe- klasse BR7 schützt isosecure nach DIN
rung auf 2600 m Höhe 3,
gen oder im Flachland.
und das Decken der Hütte
EN 1063 splitterfrei selbst gegen Sturm- Direktlinks
gewehre. Als flaches oder gebogenes
Projektbeteiligte
4, 8, 9.
Isolierglas erhältlich in Größen bis 3,6 m x
zu kostenlosen Apps,
Universität Stuttgart IBBTE, Peter Schürmann; 20 m. Whitepapers und/oder
Deutscher Alpenverein; Ressort Hütten und Wege;
CUBO Architektur isosecure, www.sedak.com
Websites bzw. Videos!
Hersteller
HISS REET Schilfrohrhandel

Fotos und Zeichnungen


IBBTE
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68 BAUWELT PRAXIS Bauwelt 10.2020 Bauwelt 10.2020
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newsletter
Struktur und Schutz von der Rolle Spürbar nuanciert Hohe Gestaltungsfreiheit

Röben

Schüco
Lamilux
Im Modulbau und mit Sandwichkonstruktio- Grau, Beige, Rot oder Schwarz: Röben hat Steigende Bodenpreise,
nen entstehen oft glatte und monotone eine neue Serie von Klinkerriemchen mit schwindender Baugrund – die
Fassaden. Dem will Lamilux mit dem Pro- einer leicht rauen Oberfläche entwickelt. Urbanisierung führt zu ei-
dukt TextureWall entgegenwirken, das ei- Erhältlich sind die Riemchen in Stärken nem Wachstum der Städte in
ne Sandwichfassade mit einer witterungs- zwischen 9 und 25 mm sowie als Eck- und die Vertikale. Für hohe Ge-
beständigen Putzoptik kombiniert. Gegen- Läufer-Winkel. Neben den klassischen bäude und die schnelle, platz-
über einem üblichen Fassadenputz weist Formaten NF, DF und 2DF werden sie auch sparende Montage hat Schü-
TextureWall eine höhere Erosionbestän- in internationalen Formaten angeboten. co die Aluminium Fassaden-
digkeit auf. Auch kann die von der GfK-Rol- Systemplattform UDC ent­
Toulouse, www.roeben.com
le produzierte Fassade problemlos vor wickelt, bei der in Elementbau-
alte Fassaden gesetzt werden. Erhältlich weise verschiedene Gebäu­-
in verschiedenen Farbtönen, Dicken und de bei hoher Gestaltungsfrei-
Putzstrukturen. heit realisiert werden kön-
nen. Bestandteil dieser Platt-
TextureWall, www.lamilux.com
form ist die Aluminium Fas-
sade UDC 80. Sie ermöglicht
Nach eigener Verlegegeometrie mit einer umlaufende Profil-

Porcelaingres
Das Studio Heliopolis 21 hat im toskani- ansichtsbreite von 80 mm eine
schen Peccioli ein baufälliges Gebäude maximale Fassadentranspa-
aus dem 19. und einen Anbau aus dem 20. renz. Die Elemente können in
Jahrhundert rekonstruiert, umgebaut Formaten von 3 m x 4 m aus-
und modernisiert. Bei der belüfteten Wand geführt werden. Energetisch
des Anbaus verwendeten die Architek­- schafft die UDC 80 Uf-Werte
ten Platten aus maßgeschneidertem Stein- von bis zu 0,81 W/(m²K). Nicht
zeug mit einer eigens entworfenen Ver­ zuletzt bietet das System
legegeometrie. Gestaltung des Quadermus- eine hohe Varianz: horizontal
ters und die Montagetechnologie der Plat- versetzt, mit schrägen Spros-
ten wurden gemeinsam mit dem Herstel- sen oder opaken Elementen
ler Porcelaingres auf Basis seiner Kollek­ versehen.
tion Urban Great entwickelt.
UDC 80, www.schueco.com
Urban Great, www.porcelaingres.de

Solarlux
Stählerner Schatten Freie Sicht am Rhein

HYPE
Ein Sonnenschutz aus Cortenstahl prägt Die Rheinuferseite in Köln-Deutz ist inzwi-
die Fassade des mit Lärchenschindeln schen ein beliebter Treffpunkt. Bisher
verkleideten Büroneubaus der Firma Bora fehlte jedoch ein gastronomisches Ange-
im österreichischen Niederndorf. Der von bot. Hierfür hat nun das Büro Gatermann
HYPE entwickelte Sonnenschutz ist von in- + Schossig zwei gläserne Pavillons vor
nen nach außen transparent. Hinter den dem Hyatt Regency Hotel realisiert. Der
3320 mm x 3185 mm großen, und rund 270 Künstler Peter Kogler gestaltete je drei
kg schweren Schiebeladenelementen ver- der gläsernen Außenseiten der Pavillons
birgt sich ein Schiebesystem aus Konsole, und das Metalldach mit dreidimensional
Schiene, Faltrahmen und Antriebseinheit. wirkenden Ornamenten. Die vierte Glasfas-
Durch die Struktur des groben Streckme- sade sollte für einen freien Blick auf den
talls wird eine Transluzenz auch im ge- Kölner Dom transparent bleiben. Hierfür ka-
schlossenen Zustand erzielt. men neun Glasschiebefenster – cero von
Solarlux – zum Einsatz. Sie ermöglichen
Sonnenschutz, www.hype.de
eine Höhe von 4,5 m bei einer Profilansicht
von nur 34 mm und bieten Besuchern
gleich mehrere Eingänge. Die Bodenschie-
ne ist barrierefrei. Solarlux entwickelte für
das Projekt eigens einen Anschluss, durch
den die Fenster nahtlos in die Pfosten-
Riegel-Fassade übergehen und ohne ver-
tikalen Rahmen abschließen können.

cero, www.solarlux.de

70 BAUWELT PRAXIS Bauwelt 10.2020 Bauwelt 10.2020 BAUWELT PRAXIS 71