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Alienne Laval, Magistra PhD

Begriffe der Kommunikationstheorie


und Semiotik

Abduktion
Ableitung oder Herleitung einer besonderen Erkenntnis von einer Regel;
abduzieren = wegführen.
Beispiel:
Regel: Diese Bohnen sind weiß
Ergebnis: Alle Bohnen in diesem Sack sind weiß
Fall: Diese Bohnen sind aus diesem Sack

S.a. Deduktion, Induktion

Adressant
Absender eines Textes; einer Sendung, Botschaft, Mitteilung, Werbung / Kampagne

Adressat
Empfänger eines Textes; einer Sendung, Botschaft, Mitteilung, Werbung / Kampagne

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Was ist Semiotik?
Eine verbindliche Definition der Semiotik oder besser: eine einheitliche Interpretation ihres
Diskurs-Universums, gibt es bis heute nicht. Und das ist auch gut so, denn Vielfalt belebt den
Diskurs und befruchtet ihn ständig neu.

Ich will an dieser Stelle nur einige wenige Namen nennen:


Ferdinand de Saussure, Charles Sanders Peirce, Charles William Morris, Jakob von Uexküll,
Thomas Sebeok, Claude Lévi-Strauss, René Thom, Jean Baudrillard, Umberto Eco, Yuri
Lotman u.v.m. Im deutschen Sprachraum waren es vor allem Roland Posner, Walter A. Koch,
Achim Eschbach, Karl Eimermacher und Ivan Bystrina, die hier die Semiotik voranbrachten.

Semiotik wird allgemein verstanden als die Lehre von den Zeichen (von griechisch: semeion),
und da geht der wissenschaftliche Disput schon los: ab wann können wir von Zeichen
sprechen? Gab es Zeichen schon zu Beginn unseres Universums, gar im atomaren Bereich?
Ist unsere Welt eine Schöpfung präfigurierter, quasi-göttlicher Zeichen(-prozesse)? Oder
entstehen Zeichen erst im Verlauf der Evolution? Und wenn Zeichen erst in der Evolution
entstehen, wann sind sie dann entstanden? Sind Stoffwechselprozesse von Einzellern oder
biologischen Zellen zeichenhaft? Oder enstehen sie erst mit höheren Organismen, bei denen
nicht mehr alles vererbt ist? Oder sind Zeichen ausschließlich an menschliches Verhalten
gebunden?

Dies alles sind äußerst spannende Fragen, die oft nicht nur von den naturwissenschaftlich
orientierten Semiotikern anders beantwortet werden als von den kulturwissenschaftlich
orientierten, sondern zur Bildung verschiedener (auch synthetischer, Kultur und Natur
verbindender) semiotischer Ansätze und Schulbildungen geführt haben. Gerade diese
Ansätze, die Natur und Kultur verbinden sollen, sind es, die den Reiz der Semiotik
ausmachen.

Ich kann und will hier deshalb nur vorstellen, wie ich Semiotik verstehe und wie ich sie
betreibe. Zunächst muss deshalb der zu statische Begriff „Zeichen“ eine notwendige
Erweiterung erfahren, damit aus der Semiotik eine Lehre von den Zeichenprozessen, den
„Semiosen“ und den Zeichenräumen, den „Semiosphären“ werden kann.

Zurückführen lässt sich diese Auffassung bis hin zu dem griechischen Arzt Hippokrates (ca.
460 bis 370 v.u.Z), der die von ihm entwickelte Symptomatologie als Semeiologie, als Lehre
von den Krankheitszeichen benannte. Damit gilt er als Erfinder der Semiotik. Er stellte u.a.
fest, dass die Krankheitszeichen unabhängig von Hautfarbe und ethnischen Merkmalen bei
allen Menschen gleich seien und daher auch gleich gedeutet werden müssen. Der griechische
Arzt Galenos (Galen) (130 bis ca. 200) bestimmte dann die Semiotik als jene der sechs
Hauptabteilungen der Medizin, die sich mit der Diagnostik (dem Hier und Jetzt), der
anamnetischen Vergangenheit (Fallgeschichte) und der prognostischen Zukunft befassen
müsse. Beide, Hippokrates und Galenos, fassen „Krankheit“ also schon als prozessuales
Geschehen auf, das auf generalisierbaren, universalen Mustern beruht bzw. solche erzeugt.

In der modernen Semiotik wird die diagnostische Dimension - das Hier und Jetzt des Galenos
- als „synchronische Perspektive“ und die Fallgeschichte/Prognostik als „diachronische
Perspektive“ bezeichnet. Die Synchronie zeigt die Semiosphären in ihrer jeweiligen
raumzeitlichen Gegenwart, während in der Diachronie die Semiosen untersucht werden, die
zu diesem Zustand führten, diesen nun bestimmen, beeinflussen und/oder eventuell verändern.

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Auch John Locke (1632 bis 1704), der 1690 den Begriff Semiotik für seine Erkenntnislehre
nutzte und ihn von der rein medizinischen Anwendung wegführte, war eigentlich Arzt.
Giambattista Vico (1688 bis 1744), ein Kritiker Lockes und Descartes, forderte in seiner
Schrift De antiquissima Italorum sapientia (1709) eine semiotische Fundierung der
Humanwissenschaften:

“ich, der ich denke, bin Geist und Körper: und wenn das Denken die Ursache dafür wäre, daß
ich bin, so wäre das Denken Ursache des Körpers. Nun sind es aber die Körper, die nicht
denken. Also: weil ich aus Körper und Geist bestehe, deshalb denke ich; so ist die Tatsache,
daß Körper und Geist verbunden sind, der Grund des Denkens: denn wenn ich nur Körper
wäre, dächte ich nicht, und wenn bloß Geist, würde ich einsehen. In der Tat ist nämlich das
Denken nicht der Grund dafür, daß ich Geist bin, sondern das Zeichen...”

Das, was Vico hier projektiert, hat mit einer Lehre von den Krankheitszeichen nichts mehr
gemein. Das Zeichen wird ihm zu einer Verbindung zwischen Körper und Geist, zu einem
Bindeglied zwischen Natur und Kultur. Das Zeichen ist für Vico jedoch nichts Gedachtes,
sondern etwas Materielles, an dem sich das Denken entfacht. Auch die Krankheitszeichen des
Hippokrates sind etwas Materielles; doch handelt es sich bei ihnen tatsächlich um Zeichen?
Das Krankheitszeichen ist keine „Botschaft“, es will uns nichts mitteilen, sondern verweist
auf etwas anderes, die Krankheit nämlich. Auch diese teilt sich uns durch die
Krankheitszeichen nicht mit, die erst durch den Arzt gedeutet werden müssen. Tatsächlich
handelt es sich hier um „Anzeichen“, die in eine Gruppe mit den Spuren und Fährten gehören,
die Tiere im Wald durch niedergedrücktes Laub, abgeknickte Zweige und Abdrücke im
Boden hinterlassen. Die Tiere beabsichtigen mit dem Hinterlassen dieser Spuren ja nicht, dass
der Jäger ihnen folgen und sie erlegen kann; es steckt kein absichtliches, intentionales
Verhalten dahinter. Der Jäger - wie auch der Arzt - weiß aber aus Wissen und Erfahrung wie
er diese Anzeichen zu deuten hat.

Ein Zeichen wird dagegen absichtlich hergestellt, wobei aber irrelevant ist, ob dies bewusst
oder unbewusst geschieht. Es stellt sich nämlich die Frage, inwieweit unsere entfernten
hominiden Vorfahren in unserem Sinne „bewusst“ und „rational“ handelten und doch
produzierten sie Zeichen. Rein rationale Zeichen und Texte scheinen in der Kulturevolution
erst recht spät entstanden zu sein und es scheint so, als hätten sich diese aus den unbewussten
heraus entwickelt.

Die von den Menschen bewohnbaren Orte, in denen sich der ikonische Realismus und die
symbolischen Verhaltensmodi treffen und ausgependelt werden, können in Anschluss an den
Semiotiker Yuri Lotman und unter Einbeziehung des ethnologischen Konzeptes der Ethnizität
Semiosphären genannt werden (Uchtmann 1993ff). Semiosphären sind Zeichenräume, mit
denen sich der Mensch durch ein besonderes zeichenhaftes Repertoire und Inventar von seiner
Umwelt und anderen Semiosphären einerseits abgrenzt und andererseits auch verbindet.
Durch Tradition, Sozialisation und Konvention regeln die jeweiligen Semiosphären das, was
als Wachzustand, gewöhnliches, 'ernstes' Alltagsleben, 'echte' Wahrnehmung, psychische
'Normalität', Abstinenz und nüchternes Erleben der Wirklichkeit zu gelten hat (s.a. Bystrina
1989).

Das menschliche Soziale ist Teil der Semiosphären und wird über sie codiert. Diese
semiotische Codierung des 'Normalen' reicht bis in biologische Abläufe hinein. Selbst die
Weise, in der Frauen ihre Babies halten und stillen, ist beim Menschen nicht biologisch,
sondern semiotisch codiert (s.a. Leroi-Gourhan 1980). Auch der biologische und angeborene

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Sexus wird in vielen Kulturen, so auch den euro-amerikanischen, zusätzlich durch vestiäre,
semiotische Codes verstärkt. In anderen Kulturen, z.B. im 'akephalen' Südamerika, waren vor
dem Kulturkontakt alimentäre Codes von entscheidenderer Bedutung, als die vestiären.

In den Semiosphären schwingt aber immer jener urtümliche, redundante Bereich mit, der sich
ursprünglich in Traum, Spiel, Halluzinationen, psychischen Deviationen, Drogen, Rausch,
Ekstasen, Trancen und Visionen zeigte (s.a. Bystrina 1989), in denen wir die genetischen
Vorläufer der Künste, Religionen, Wissenschaften, Philosophien, Utopien, Ideologien usw.
sehen können, die darauf angelegt sind, die Welt erneut zu verwandeln.

Narration bedeutet im semiotischen Sinne nicht nur den Erzählakt und dessen orale oder
schriftliche Tradierung, sondern kann sich auch auf gestische, mimetische, künstlerische und
andere gestalterische Leistungen beziehen.

Leider führt die Semiotik im Reigen deutscher Wissenschaftlichkeit bis heute ein recht
stiefmütterliches Dasein. Häufig ist ihre Ablehnung jedoch auf Missverständnisse
zurückzuführen, die sie in die Nähe rein technologisch ausgerichteter Disziplinen rücken.
Dieser Eindruck kann leicht entstehen weil die Semiotik die einzelwissenschaftlichen
Scheuklappen verweigert und die Entwicklung von Mensch, Kultur und Technik von den
biologischen, sozialen und kulturellen Anfängen bis hin zu Massenmedien, Cyberspace,
artifizieller Intelligenz, Raumfahrt etc. zu erfassen versucht. Anders als in Deutschland ist die
Situation z.B. in Frankreich, Skandinavien, Osteuropa, Nord- und Südamerika.

Ambivalenz
Doppelwertigkeit, Zwiespältigkeit, Unentschiedenheit.
Alle Oppositionen auf den „kulturellen Codes“ sind ambivalent und asymmetrisch (gut
<> böse). Erst Ideologien, Religionen, Politik, Recht, Ökonomie, Kunst, Wissenschaft
Medien usw. weisen ihnen quasi „feste“ und statische Werte zu bzw. verändern oder
invertieren diese per Emergenz oder Konstituierung.

Analyse
Untersuchung; Zerlegung, Zergliederung, Auflösung. Opposition der „Synthese“.

Antithese
Entgegenstellung, Gegenbehauptung; s.a. These, Synthese

Anzeichen
Eine Spur im Sand; ein Vogelnest; von Tieren abgebrochene Äste; ein
zerknautschtes Kissen usw. Auch sog. „Krankheitszeichen“ sind Anzeichen, zB. rote
Flecken bei Masern usw.

Arché (Arche)
Anfang, Ursprung, Beginn. An-arché = Beginnlosigkeit

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Archetyp
Urbild, Urform, Muster

Asymmetrie
Ungleichseitigkeit; s.a. Antithese, Opposition

Autochthon/e
Ureingesessen, bodenständig; „Eingeborene“

Axiom
Grundsatz, Festlegung, Ausgangspunkt. Die „Null“ in der Mathematik ist z.B. ein
Axiom; nicht „bewiesen“, aber einleuchtend. (adj.: axiomatisch)

Bifurkation
Gabelung

Bifurkationskatastrophe
Emergenz einer neuen asymmetrischen Opposition und damit eines „Griff-
Archetyps“; s.a.: These, Antithese

Biosphäre
Der Raum, in dem Leben existieren kann; s.a. Noosphäre, Semiosphäre

Code (primärer, sekundärer, tertiärer)


Code = „Regelsystem“. Ein Code ist also eine Form der Organisation, durch die ein
lebendiges System den Austausch mit seiner Umwelt und/oder anderen Systemen
regelt.

Primäre Codes
genetische Codes, intra- und interorganismische Codes (z.B. Botenstoffe,
hormonale Regelsysteme etc.), Wahrnehmungscodes etc. (hyposprachlich;
hypo = unter)
Vereinfacht: biologische Codes

Sekundäre Codes
z.B. ethologische Codes und 'sozial-sprachliche Codes' (sprachlich)
Vereinfacht: ethologische Codes
(Ethologie = Lehre von der Lebensweise und dem Verhalten
der Lebewesen; nicht zu verwechseln mit Ethnologie = wissenschaftliche
Völkerkunde, die auch tertiäre Codes untersucht)

Tertiäre Codes
'hypersprachliche' (hyper = über) Codes, die Träume, Märchen, Mythen,
Literatur, Kunst, Produkte der Medien usw. regeln.
Vereinfacht: kulturelle Codes

Codifikation / Encodierung
Verschlüsselung; Automatisierung von Regelsystemen (unbewusst)

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Decodierung
Entschlüsselung; Verstehen, Bewusstmachen der Wirkungsweise eines Codes

Deduktion
Ableitung oder Herleitung einer besonderen Erkenntnis aus dem Allgemeinen;
deduktiv = ableitend, deduzieren = ableiten.
Beispiel:
Fall: Diese Bohnen sind aus diesem Sack
Regel: Alle Bohnen in diesem Sack sind weiß
Ergebnis: Diese Bohnen sind weiß

S.a. Abduktion, Induktion

Definition
Begriffsbestimmung

Denotat
Siehe Signifikat

Designat
Siehe Signifikat

Diachronie
Veränderungen von Systemen / Semiosphären in der Zeit, Evolution. Entwicklung
durch Semiosen.

Diskurs
Gespräch, Auseinandersetzung; diskursiv = fortschreitend, schrittweise

Mit dem Begriff Diskurs oder “Diskursuniversum” wird das jeweilige Universum
bezeichnet, das durch Kommunikation erzeugt wird (Fernsehsendungen,
Kommentare, Nachrichten, Werbung, Internet, private Vorstellungen und Gespräche,
Träume, öffentliche Räume usw.) und sich mit einem bestimmten Gegenstand oder
Kontext beschäftigt.

Beispiele: das Diskursuniversum der Medizin (innerhalb dieses Universums z.B. der
“Genetik-Diskurs“), der Mode-Diskurs, der Mobiltelefon- Diskurs, der Auto-Diskurs,
der Anti-Kapitalismus-Diskurs, einzelne Wissenschafts-Diskurse usw.

Die meisten Diskurse/Diskursuniversen sind Teile noch größerer (z.T.


gesamtgesellschaftlicher) Diskurse (z.B. ist der Abtreibungsdiskurs Teil des
Diskurses über den Wert menschlichen Lebens und dieser ist Teil des Ethik-
Diskurses, der wiederum Teil des sozialen, des politischen und des juristischen
Diskurses ist; usw.)

Emergenz
Plötzliches Auftauchen neuer (bzw. höherer) Qualitäten aus vorangehenden
Seinsstufen durch Differenzierung (hier: Bifurkation) und neue Zusammensetzung;
adj. emergieren = emporkommen, auftauchen („von unten“ oder „außen“)

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Emisch
Bedeutungsunterscheidend = distinktiv
Strategien und Redeweisen, die den handelnden Personen innerhalb einer
Ethnie / kulturellen Gemeinschaft / Gruppe als sinnvoll erscheinen, jedoch nicht
ohne weiteres außenstehenden Beobachtern. S.a. etisch

Ethnie
Eine autochthone Bevölkerungsgruppe, die Regeln, Sitten, Moral, Werte,
Geschichte, Religion usw. teilt.

Ethnizität
Analyse und Darstellung einer autochthonen Bevölkerungsgruppe unter
Einbeziehung emischer und etischer Merkmale. S.a. Semiozität

Etisch
nicht bedeutungsunterscheidend = nicht distinktiv
Strategien erscheinen außenstehenden (wissenschaftlichen, politischen,
ökonomischen usw.) Beobachtern als sinnvoll, jedoch nicht ohne weiteres den von
ihnen beobachteten handelnden Personen. S.a. emisch

Evolution
Entwicklung, Fortschritt; Evolutionstheorie = Abstammungslehre; evolutionär = sich
entfaltend, entwickelnd; evolvieren = entfalten, entwickeln.
Griff-Archetyp
Asymmetrische Opposition, Resultat einer „Bifurkationskatastrophe“.

Handlungsoperation
Jede intendierte Zeichenhandlung, texthaftes Handeln. S.a. Zeichen

Induktion
Ableitung oder Herleitung einer allgemeingültigen Regel aus einer Reihe von
Einzelfällen; induktiv = folgernd, schließen, hinführend, induzieren = einführen, vom
Einzelnen zum Allgemeinen hinführen, aus Einzelfällen einen Schluss ziehen.
Beispiel:
Ergebnis: Diese Bohnen sind weiß
Fall: Diese Bohnen sind aus diesem Sack
Regel: Alle Bohnen in dem Sack sind weiß

S.a. Abduktion, Deduktion

Information
Nachricht

Informationstheorie
Mathematische Theorie, die die statistischen Gesetzmäßigkeiten der Übertragung
von Information beschreibt.

Intention
Absicht, Plan, Ziel, Tendenz. Adj. „intentional“, „intendiert“. Alle
Handlungsoperationen / Zeichenhandlungen sind als solche intendiert.

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Interpretation
Auslegung, Deutung

Inversion
Umkehrung. Z.B. Umkehrung der Werte einer Opposition, von „unten“ = schlecht und
„oben“ = gut zu „unten“ = gut und „oben“ = schlecht. Nach dem Muster: „Die Letzten
werden die Ersten sein“, „Sieg des Proletariats“, „Seelig sind die geistig Armen“ usw.

Kohärenz
Zusammenhang, adj. kohärent

Kommunikation
Vereinigung, Verbindung, Umgang, Mitteilung.

Kommunikationstheorie
Analytische Auseinandersetzung mit Teilnehmern, Inhalten, Strukturen, Prozessen
und Kontexten der Kommunikation, deren wechselseitige Zusammenhänge explizit
angegeben werden. Theorienentwicklung zum Gegenstand Kommunikation unter
Einbeziehung einzelwissenschaftlicher Befunde.

Kommunikationswissenschaften
Untersuchung von Gegenständen (Objekten), Inhalten, Techniken und Subjekten der
Kommunikation.
„In der Forschung gehen Kommunikationswissenschaftler/innen der Frage nach, wie
Kommunikation funktioniert - etwa das Senden und Empfangen von Informationen
durch gesprochene Sprache (verbale Kommunikation) oder durch Körpersprache,
Mimik und Gestik (nonverbale Kommunikation). Aber auch das Lesen eines
Zeitungstextes ist Kommunikation.
Ihre Erkenntnisse finden bei den Massenmedien, in der Werbung, der Wirtschaft und
Politik, in der Kultur und im Multimediabereich praktische Anwendung. Hier nehmen
sie beratende, vermittelnde oder auch praktisch-technische Aufgaben wahr. So
beraten sie Unternehmen, Institutionen, Parteien oder Einzelpersonen in Fragen ihrer
Außenwirkung, führen Reichweitenanalysen für die Werbewirtschaft durch oder
befassen sich mit Aufgaben und Methoden der Markt- und Meinungsforschung. Sie
werden im Streit zwischen Tarifparteien oder im Auftrag nationaler und
internationaler Organisationen als Vermittler tätig. Oder sie befassen sich mit
praktisch-technischen Aspekten der Kommunikationswissenschaft, der
Kommunikation von Mensch und Maschine, der maschinellen Spracherkennung, der
Studio-/Übertragungstechnik oder der Unterhaltungselektronik.“ (Bundesanstalt für
Arbeit / BerufeNet)

Konnotation
Die Art und Weise, in der eine Bedeutung realisiert wird (zB. „Stil“ usw.; d.h. u.a. ob
„schriftlich“, „sprachlich“, „bildlich“, „“gestisch“, „filmisch“ usw.)

Konstituierung
Gründung, Festsetzung; Oppposition zu „Emergenz“ („von oben“ oder „innen“)

Kontext
(innerer) Zusammenhang; z.B. der Inhalt einer Textstelle

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Sinn in der Welt erzeugen wir, indem wir alles in einen Kontext stellen.

Jedes “Ding” (semiotisch gesehen ein “Text”) hat für sich gesehen – abgesehen von
seinen materiellen Eigenschaften - keine Bedeutung (Gold z.B. ist dann nicht mehr
als „ein dichtes und träges gelb leuchtendes Element, ein formbares und dehnbares
Metall“).

Erst wenn wir den Text “Gold” in einen kulturellen Kontext stellen zeigt er seine volle
symbolische Bedeutung (Reichtum, Macht, der Ehering, der Goldstandard, Jagd
nach Gold usw.)

Der Begriff Kontext ist eng mit dem Begriff Diskurs verbunden (s.a. weiter unten)

Konvention
Übereinkunft,Schicklichkeit, konventionell= herkömmlich, üblich

Kultur
Bereich der 2. Wirklichkeit, Träume, Spiele, Mythen, Riten, Literatur, Kunst usw. All
das, was der Mensch zum „psychischen Überleben“ braucht. S.a. Wirklichkeit.

Im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch werden viele Bereiche, die in


kontinentaleuropäischer Tradition als „Soziales“ oder „Soziokultur“ bezeichnet
werden, mit dem Begriff „Kultur” belegt. Die Begriffe Soziales und Kultur
überschneiden sich auch in europäischer Auffassung in ihrer Bedeutung, werden in
Amerika jedoch oft synonym (gleichbedeutend) verwendet.

Kultur wird dann oft als ein gemeinsames System von Bedeutungen gesehen. Der
Kulturalanalytiker Geert Hofstede z.B. nennt Kultur “die kollektive Programmierung
des Bewusstseins.

Kultur wird somit gesehen als gemeinschaftliche Auffassung, die Religion, Glauben
usw., Weltanschauungen und als selbstverständlich unterstellte gemeinsame Werte
umfasst. Daraus folgt dann, dass es keine Kultur an sich geben kann, sondern
„Kulturen“ jeweils lokale Formen sind. Als Wurzeln einer jeden Kultur werden dann
die jeweiligen Sprachen gesehen, da wir alle in „unseren Sprachen denken“, sei dies
nun Englisch, Deutsch, Polnisch, Japanisch, Suaheli, Algonkin etc.

Gegen diese Auffassung spricht einerseits die europäische Idee der Aufklärung - wie
sie u.a. Immanuel Kant formuliert hat - und andererseits die Entdeckung globaler und
allgemeinmenschicher kultureller Archetypen – wie sie Ethnologie (Spiele, Mythen,
Riten usw.) Semiotik (Codes) und Psychologie (z.B. Traumdeutung) entdeckten.

Langue
Gegensatz zu „Parole“ (das Gesprochene). Die „Sprache“, hier: Code

Mimesis
Nachahmung; s.a. Poesis

Mythos
"Der Zweck eines Mythos besteht darin, ein logisches Modell anzubieten, das es ermöglicht, einen
Gegensatz (Opposition) zu überwinden.“

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Claude Lévi-Strauss

Sagenhafter Bereich der Ur- und Frühgeschichte. Die Mythen eines Volkes sagen
viel aus über Religion, Weltanschauung usw. Neue Mythenbildungen durch
Massenmedien, Ökonomie usw.

Ein „Marken-Mythos” (d.h. die Marke als Vermittlerin und Versöhnerin von
Oppositionen) ist eine ungemein starke und dynamische Form der Positionierung der
Marke am Markt. Dass Konventionen, ethnische Gegebenheiten usw., die stets
mitbedacht werden müsen, dieser Form der Positionierung Grenzen setzen, ist klar.

Noosphäre
Bereich in dem „Denken“ und „Bewusstsein“ möglich sind; beginnt im Tierreich. S.a.
Biosphäre, Semiosphäre

Objekt
Signifikat, Denotat, Designat usw. Das Bezeichnete, das Vorliegende

Ontogenese
Entwicklung des Einzelwesens (eigentlich von der Zelle bis zur Geschlechtsreife),
s.a. Phylogenese, Evolution

Opposition
Gegensatz, Widerspruch
Begründet in der Evolution des Lebendigen und unserer eigen Stammesgeschichte
nimmt unser Bewusstsein/Unbewusstsein die meisten Dinge als binäre Oppositionen
wahr (s.a. Mythos). Wir erfassen die Dinge über ihre „Nicht-Heit“. Wir bemerken,
dass etwas „kalt” ist weil es nicht „heiß” ist; etwas „Rauhes“ weil es nicht „weich“ ist;
die „Mutter“ weil „sie“ nicht der „Vater“ ist usw.

Dies ist wichtig in der Analyse, weil die jeweilige Opposition in unserem Bewusstsein
bewusst oder unbewusst immer präsent ist – wie das unsichtbare schwarze Loch der
Astronomen.

Ein praktisches Anwendungsbeispiel aus der „Marketing Semiotik”: um


beispielsweise das „Gesprächsverhalten” (zur Ermittlung möglichen
Kundenverhaltens) am Telefon oder in Internet-Chats zu untersuchen und zu
bestimmen, das man als „Small Talk“ bezeichnen könnte, kann man auf seine
Opposition - den „Big Talk“ der Mythen/Diskurse - zurückkgreifen.

Paradigma
Beispiel, Muster; paradigmatisch = beispielhaft

Ein Paradigma ist das Weltbild, das zugrunde liegende Muster einer Epoche (oder
eines Diskurses), ihr „Werte-Muster“. Diese Muster sind nicht statisch, sondern
beinhalten die Möglichkeit des Wandels und informieren gleichzeitig über ihn.

Wenn Weltbilder sich allmählich/plötzlich und unabänderlich verschieben, spricht


man von „Werte-Wandel“ oder „Paradigmen-Wechsel“.

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Parole (gesprochen „parol“)
Gegensatz zu „langue“. Das „Gesprochene“, die Sprechtätigkeit. Hier: das real
Umgesetzte, das Gelebte.

Phylogenese
Stammesentwicklung, s.a. Evolution, Ontogenese

Poesis
Dichtung, Erfindung; s.a. Mimesis

Pragmatik
Analysiert und beschreibt das Verhältnis zwischen Zeichen / Text und Interpret /
Zeichenbenutzer. S.a. Syntax, Semantik

Prozess
Vorgang, Ablauf, Fortgang, Entwicklung

Prozessualer Archetyp
oder: prozessgenerierender (den Prozess erzeugender oder auslösender) Archetyp.
Erstes Auftauchen oder Verwenden eines Griff-Archetypen einer neuen Opposition

Publizistik
Publizistik = öffentliches Recht, Recht der öffentlichen Meinung; neben Legislative,
Exekutive und Jurisdiktion vierte Gewalt im demokratischen Rechtsstaat. S.a.
Kommunikation, Kommunikationstheorie

Realität
Tatsache, Gegebenheit

Redundanz
Begriff aus der Informationstheorie. Das Überflüssige einer Nachricht / Information.
Oft Auslöser kultureller Prozesse

Ritual / Ritus
Handlungsoperationen, die sich zu feststehenden Ritualen ausgebildet haben.
Codiertes Geschehen oder Tendenz zur Encodierung.

Semantik
Analysiert und beschreibt das Verhältnis zwischen Objekt und Interpret, die
Bedeutung. S.a. Pragmatik, Syntax

Semiose
Zeichenprozess

Semiosphäre
Zeichenraum; Bereich in dem Semiosen möglich sind; eigentlicher Bereich typisch
menschlicher Aktivität. S.a. Biosphäre, Noosphäre

Semiotik
Semiotik = hier: interdisziplinär-methodischer Ansatz oder spezialisiertes Teilgebiet
der Kommunikationstheorie.

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Lehre von den Zeichen, Texten, Semiosen und Semiosphären. Sie untersucht u.a.
deren Struktur (Syntax), ihre Bedeutung (Semantik) und ihr Verhältnis zu den
Zeichenbenutzern (Pragmatik). Auch: Biosemiotik, Zoosemiotik, Anthroposemiotik,
Kultursemiotik.

Erste nachgewiesene Verwendung des Begriffes Semiotik durch den griechischen


Arzt Hippokrates. Hippokrates (ca. 460 bis 370 v.u.Z) bezeichnete die von ihm
entwickelte Symptomatologie als Semeiologie, als Lehre von den Krankheitszeichen.
Darin stellte er u.a. fest, dass die Krankheitszeichen unabhängig von Hautfarbe und
ethnischen Merkmalen bei allen Menschen gleich sind und gleich gedeutet werden
müssen.

Der griechische Arzt Galenos (Galen) (130 bis ca. 200) bestimmte die Semiotik als
jene der sechs Hauptabteilungen der Medizin, die sich mit der Diagnostik (dem Hier
und Jetzt), der anamnetischen Vergangenheit (Fallgeschichte) und der
prognostischen Zukunft befassen müsse.
Auch John Locke (1632 bis 1704), der 1690 den Begriff Semiotik für seine
Erkenntnislehre nutzte, war eigentlich Arzt.
Giambattista Vico (1688 bis 1744), ein Kritiker Lockes und Descartes, forderte in
seiner Schrift De antiquissima Italorum sapientia (1709) eine semiotische Fundierung
der Humanwissenschaften:

“ich, der ich denke, bin Geist und Körper: und wenn das Denken die Ursache dafür
wäre, daß ich bin, so wäre das Denken Ursache des Körpers. Nun sind es aber die
Körper, die nicht denken. Also: weil ich aus Körper und Geist bestehe, deshalb
denke ich; so ist die Tatsache, daß Körper und Geist verbunden sind, der Grund des
Denkens: denn wenn ich nur Körper wäre, dächte ich nicht, und wenn bloß Geist,
würde ich einsehen. In der Tat ist nämlich das Denken nicht der Grund dafür, daß ich
Geist bin, sondern das Zeichen...”

Semiozität
Analyse und Darstellung von Semiosphären (z.B. Staaten, Individuen, Subkulturen,
Bevölkerungsgruppen, Ethnien, Wirtschaftsunternehmen, Religionen, Mythen,
Werbung usw.) unter Einbeziehung emischer und etischer Merkmale. S.a. Ethnizität

Signifikant
Das Bezeichnende, der Bezeichner; vgl. Adressant

Signifikat
Siehe Objekt

Signifikation
Bezeichnung

Struktur
Gefüge, Aufbau

Symbol
„das Zusammengeworfene“, Sinnbild

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Symmetrie
Spiegelbildlichkeit, Gleichheit, Ausgewogenheit der Verhältnisse

Synchronie
Gleichzeitigkeit, „Jetzt“-Zustand von Systemen / Semiosphären

Syntax
(adj. syntaktisch)
„Lehre vom Satzbau“; analysiert und beschreibt das Verhältnis zwischen Zeichen
verschiedener Art und ihre Kombinationen, die Struktur. S.a. Pragmatik, Semantik

Synthese
Verknüpfung zur Einheit; Aufbau von Verbindungen aus einfacheren Elementen, z.B.
These > Antithese > Synthese, wobei die Synthese oft zur These einer nächsten
Stufe wird.

System
Sinnvoll gegliederte Struktur

Text
Eine kohärente Menge von Zeichen und deren Relationen.

These
Behauptung; s.a. Antithese, Synthese

Wirklichkeit (1. und 2.)


Die 1. Wirklichkeit ist der Bereich der „physischen Realität“, der sich bis hin zum
täglichen Gebrauchsverhalten erstreckt. Es ist der Bereich, in dem der Mensch
„physisch“ überleben muss.

Die 2. Wirklichkeit ist der Bereich der „psychischen Realität“ und des
Kulturverhaltens. Es ist der Bereich, in dem der Mensch „psychisch“ überleben muss.

Beide Wirklichkeiten sind durch Codes (primäre, sekundäre, tertiäre) miteinander


verbunden, wobei die Codegebundenheit (Codestringenz) zur zweiten Wirklichkeit
(den tertiären Codes) hin abnimmt. Daher werden in der zweiten Wirklichkeit ganze
Arsenale von Regelsystemen (Moral, Ethik, Religion, Recht usw.) installiert, um
diesen Mangel zu kompensieren bzw. zu steuern und zu beeinflussen (Ideologie,
Poltitik, Propaganda, Werbung, Medien usw.). S.a. Code, Diskurs, Paradigma, Kultur,
Mythos

Zeichen
Subjektive Ereignisse / Konnotationen, die keinerlei Aussagen über eine „objektive“,
vom Subjekt unabhängige physische Wirklichkeit machen.
„Ein Zeichen wird... allen Darstellungen zufolge... als Konstitution aus zwei
unentbehrlichen Hälften betrachtet, von denen die eine sinnlich wahrnehmbar und
die andere intelligibel (denkbar, fassbar, verständlich; Anm. R.U.) ist: das
Bezeichnende, ein wahrnehmbarer Einfluss auf zumindest eines der Sinnesorgane
des Interpreten, und der bezeichnete Inhalt.“ Thomas A. Sebeok

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