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StEOP: Einführung in die afrikanische

Sprachwissenschaft

1. Afroasiatisch und Nilo-Saharanisch

2. Konzise Einführung in die Syntax

afrikanischer Sprachen

Grundlagen

Georg Ziegelmeyer

WiSe 2010

Wichtige Anmerkungen!

Bei den folgenden Folien handelt es sich ausschließlich um einen

Lehrbehelf des Lehrveranstaltungsleiters und nicht um eine Publikation, d.h. die Folien dürfen keinesfalls für Zitate herangezogen werden

Beispiele aus afrikanischen Sprachen sind tlw. ohne Tonmarkierung und ohne Markierung der Vokallänge angegeben,

wenn dies für die jeweilige Darstellung irrelevant ist.

Sprachfamilien in Afrika

Sprachfamilien in Afrika 3

3

Sprachfamilien in Afrika

Sprachfamilien in Afrika 4

Sprachfamilien in Afrika

 

Ls total

living Ls

% of living Ls in the world

% of

Nr. of

% of

living Ls

speakers

speakers

in Africa

in

in the

 

millions

world

Niger-Congo

1,514

1,495

21.63%

71.45%

358

6.24%

Afroasiatic

375

353

5.11%

 

339

5.91%

Afroasiatic in

321

299

4.33%

14.28%

   

Africa

Nilosaharan

204

197

2.85%

9.52%

35

0.610%

Khoisan

27

22

0.32%

1.11%

0,36

0.006%

Total Africa

 

2,092

30.27%

 

666

11.64%

Total World

 

6,912

   

5,724

 

Überblick des Afroasiatischen

Afroasiatisch

Afroasiatisch

375

375

Ägyptisch

Ägyptisch

1

Ägyptisch 1
des Afroasiatischen Afroasiatisch 375 Ägyptisch 1 Berberisch 26 Kuschitisch 47 Omotisch 28
des Afroasiatischen Afroasiatisch 375 Ägyptisch 1 Berberisch 26 Kuschitisch 47 Omotisch 28
des Afroasiatischen Afroasiatisch 375 Ägyptisch 1 Berberisch 26 Kuschitisch 47 Omotisch 28
des Afroasiatischen Afroasiatisch 375 Ägyptisch 1 Berberisch 26 Kuschitisch 47 Omotisch 28
Berberisch

Berberisch

26

26

Kuschitisch

Kuschitisch

47

47

Omotisch

Omotisch

28

28

Semitisch

77

Tschadisch

Tschadisch

195

195

Angaben nach Gordon, Raymond G., Jr. (ed.), 2005. Ethnologue:

Languages of the World, Fifteenth edition. Dallas, Tex.: SIL International. Online version: http://www.ethnologue.com/.

Afroasiatisch

Ägyptisch: bezieht sich auf verschiedene Varianten einer einzigen Sprache;

Altägyptisch (3,100-2,000 BC), Mittelägyptisch (2,000-1,300 BC), Spätägyptisch,

Hieratisch, Demotisch, Koptisch etc.

Berberisch: ursprüngliches Dialektkontinuum dessen Sprachgebiet in Nordafrika liegt; durch die räumliche Isolierung einzelner Varianten, haben so starke regionale Eigenentwicklungen statt gefunden, dass wir heute von sekundär

entstandenen eigenständigen Berbersprachen reden: Siwi (Oase Siwa), Nefusi (Dschebel Nefusa; Libyen), Tuareg (Südalgerien [Tamahaq] und Niger [Tamajeq), Zenaga (Mauretanien), Atlasberberisch und Zenata (vom Nordwesten Marokkos

über Algerien und Tunesien bis nach Libyen).

Afroasiatisch

Kuschitisch: umfasst sechs Gruppen von Sprachen, die tlw. große Unterschiede aufweisen; das Sprachgebiet umfasst den nordöstlichen Sudan, Dschibuti, Somalia, einen großen Teil

Äthiopiens und Kenias und einige verstreuten Inseln im nördlichen Tansania:

Nordkuschitisch (Sudan und Ägypten: Beja/Bedauye), Zentralkuschitisch (Nordwestäthiopien und Eritrea: Bilin, Kemant, etc.), Hochland Ostkuschitisch (zentrales

Südäthipoien: Burji, Sidamo, etc.), Tiefland Ostkuschitisch (Äthiopien, Somalia, Kenya: Saho,

Afar, Oromo, Rendille, Somali, etc.), Dullay (Südäthiopien: Tsamai, etc.) und Südkuschitisch (Tansania: Iraqw, Burunge, Mbugu/Ma’a, etc.)

Omotisch: im südwestlichen Äthiopien entlag des Omo Flusses: Nordomotisch (Dizi, Nayi,

Gonga, etc.), Südomotisch (Aari, Karo, etc.)

Semitisch: umfasst an die 77 Varianten und wird unterteilt in: Nordostsemitisch (Akkadisch),

Nordwestsemitisch (Aramäisch, Hebräisch, Arabisch), Südsemitisch (Südarabisch [Sabäisch,

etc.], Äthiosemitisch [Tigre, Tigrinya, Amharisch, etc.])

Tschadisch: s.u.

8

Hauptzweige des Afroasiatischen

Hauptzweige des Afroasiatischen 9

West

Chadic Family

Biu-Mandara

(Zentral)

Ost

Tschadisch (nach Newman 1990)

Branch

Masa

Subbranch

A

B

A

B

C

A

B

A

Group

Languages

1. Hausa, Gwandara

2. a) Bole, Bele, Kirfi, Deno, Galambu, Gera, Geruma, Kwami, Maha, Ngamo; Karekare

Hausa

Bole

b)

Kanakuru; Kupto, Pero, Tangale

3. a) Angas, Chip, Kofyar, Mapun, Sura; Goemai, Koenoem, Montol, Tal

Angas

b) Gerka

4. a) Ron, Karfa, Kulere, Sha, Shagawu

Ron

b) Fyer

1. Bade, Duwai, Ngizim

2. a) Warji, Diri, Jimbin, Kariya, Mburku, Miya, Siri, Tsagu

Bade

Warji

Saya

b) Pa’a

a) Saya, Dass, Geji, Polchi, Zeem

b) Guruntum, Ju

c) Boghom, Laar, Mangas

3.

1. a) Tera, Jara

Tera

b) Ga’anda, Hona

2. a) Bura/Pabir, Chibak, Putai

Bura

b) Kilba, Margi

3. Higi/Kapsiki, Bana, Hya

4. a) Mandara; Dghwede, Glavda, Guduf, Gvoko; Podoko

Higi

Mandara

b)

a)

Lamang, Mabas

Matakam, Chuvok, Mefele; Balda, Gisiga, Gisiga-South, Mofu-Gudur, Mofu-North; Dugwor, Merey, Zulgo;

5. Mada, Moloko, Muyang, Ouldeme

Matakam

b) Muktile

c) Mboku, Ndreme

6. Sukur

Sukur

7. Daba, Buwal, Gawar, Hina

8. a) Bata/Bachama; Gude, Holma, Nzangi

Daba

Bata

b) Gudu, Ngwaba

1. Kotoko, Logone, Midah; Buduma

Kotoko

2. Musgu

Musgu, Mbara

1. Gidar

Gidar

1. Somrai, Ndam, Tumak; Gadang, Miltu, Mod, Sarwa

2. Lele, Nancere; Gabri, Kabalai, Tobanga

Somrai

Lele

3. Kera, Kwang

1. a) Dangaleat, Bidiya, Jegu, Migama, Mogum

Kera

Dangala

b)

Birgit, Kujarke, Mahwa, Mubi, Toram

2. Mukulu

Mukulu

3. Sokoro, Barain, Saba Masa, Marba, Musey; Mesme, Peve, Zime

1. Masa

Sokoro

10

Tschadisch

Tschadisch 11

Sprachen in Nordostnigeria

Sprachen in Nordostnigeria 12

12

Klassifikation der tschadischen Sprachen innerhalb des

Afroasiatischen

Tschadischen Sprachen als integraler Bestandteil des Afroasiatischen wurden von Greenberg (1950, 1955, 1963) vorgeschlagen.

Hausa ist, trotz seines numerischen Übergewichts, nur eine von vielen genetisch

verwandten Sprachen dieser Gegend; bei einer möglichen Beziehung des Hausa zum Ägyptischen, Berberischen und Semitischen muss man daher die gesamte tschadische

Sprachfamilie berücksichtigen.

Ablehnung der Dichotomie Semitisch - Hamitisch; anstelle konstituieren fünf gleichberechtigte Sprachfamilien das afroasiatische Phylum.

Nachweis, dass die tschadische Familie wirklich zum Afroasiatischen gehört.

Distinktive Merkmale des Afroasiatischen

Die Zugehörigkeit der tschadischen Sprachen zum afroasiatischen Phylum lässt sich in erster Linie durch den morphologischen Vergleich etablieren. Die Anzahl lexikalischer Kognaten ist nicht all zu groß.

a) femininer Formativ t mit dreifacher Funktion 'feminin/diminutiv/singulativ'

b) n/t/n Genus-Numerus Muster im deiktischen System

c) m- Präfix für Nomina loci, instrumenti und Nomen agentis

d) Formation nominaler Plurale u.a. durch Suffigierung von -n und Einfügung des internen Vokals -a-

e) Formation von 'pluractionals' durch interne Konsonantengemination, häufig begleitet

von dem Gebrauch eines internen -a-

f) asymmetrisches Konjugationssystem: suffigierte Feminin- und Pluralmarkierung zusätzlich zu pronominalen Präfixen

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a) femininer Formativ t mit dreifacher Funktion feminin/diminutiv/singulativ'

Arabisch:

yaktubu taktubu as-sikritiir(u) as-sikritiira(tu) nimsaawiy(yun) nimsaawiyya(tun) jamiil(un) (m) jamiila(tun) (f)

er schreibt sie schreibt der Sekretär die Sekretärin ein Österreicher eine Österreicherin schöner schöne

Hausa:

Personalpronomina bzw. PAC (person aspect complex; steht vor dem Verb; bezeichnet Person und Tempus/Aspekt)

direkte Objektspronomina

shi

er

ta

sie

indirekte Objektspronomina

masà

ihm

matà

ihr

PACs:

Completive

yaa yi

er tat

 

taa yi

sie tat

 

Continuous

yanàa yi

er tut (gerade)

Future

tanàa yi zâi zoo zaa tà zoo

sie tut (gerade) er wird kommen sie wird kommen

Arabisch

Die meisten arabischen Wörter bestehen aus drei Wurzelkonsonanten (Radikalen). Daraus werden dann verschiedene Wörter gebildet, z.B. kann man unter anderem aus den drei Radikalen K-T-B folgende Wörter und Formen bilden:

KaTaBa : er schrieb (Perfekt)

yaKTuBu :er schreibt (Imperfekt)

KiTāB : Buch

KuTuB : Bücher

KāTiB : Schreiber (Einzahl)

KuTTāB : Schreiber (Mehrzahl)

KaTaBa : Schreiber (alternative Mehrzahlform)

maKTaB : Schreibtisch im Büro

maKTaBa : Bibliothek, Buchhandlung

maKTūB : Brief

b) n/t/n Genus-Numerus Muster im deiktischen System

Hausa

Stabilizer nee/cee (<*tee)/nee (dem deutschen Verb “sein”)

Genitiv-Linker na/ta/na und Allomorphe naa/taa/naa und -n/ -r /-n)

Previous reference marker -n/ -r/ -n (dem deutschen bestimmten Artikel)

dookìi nee

-r/ -n ( ≈ dem deutschen bestimmten Artikel) dookìi nee cèe dawaakii nèe goo iyooyii nèe

cèe dawaakii nèe

goo

bestimmten Artikel) dookìi nee cèe dawaakii nèe goo iyooyii nèe es ist ein Pferd (m) es

iyooyii nèe

es ist ein Pferd (m)

es ist eine Stute (f) es sind Pferde (pl)

es sind Stuten (pl)

zanèn-n-tà

zannuwà-n-tà

ihr Kleid (m), ihre Kleider (pl)

hùula-r-sà

huulunà-n-sà

sein Hute (f), ihre Hüte (pl)

màatâ-r

maatâ-n

die erwähnte Frau (f), die erwähnten Frauen (pl)

c) m- Präfix bei Nomina agentis, instrumenti und loci

Arabisch:

mu c allim(un)

Lehrer

yu c allimu

lehren

mudiir(un)

Direktor

yudiiru

sich drehen, herumlaufen

miftaah(un)

Schlüssel

yaftahu

öffnen

mihlab(un)

Melkkübel

yahlabu

melken

madrasa(tun)

Schule

yadrusu

lernen, studieren

masjid(un)

Bethaus

yasjudu

beten

c) m- Präfix bei Nomina agentis, instrumenti und loci

Hausa:

Nomina agentis sg.m.

sg.f.

pl.

Verb

Eltern

mahàifii

mahaifìyaa

mahàifaa

hàifaa

gebären

Arbeiter ma’àikàcii

ma’aikacìyaa

ma’àikàtaa

aikàtaa

arbeiten

Lover

masòoyii

masooyìyaa

masòoyaa

soo

lieben

Nomina loci

 

sg.

pl.

Verb

Küche

madafaa

dafàa

kochen

Geburtsort

mahaifaa

hàifaa

gebären

Absteige

masaukii

sàukai

sàuka

absteigen

Schule

makarantaa

kàràntuu

karàntaa

lesen

Nomina instrumenti

 
 

sg.

pl.

Verb

Spiegel

maduubii

dùubai

duubàa

anschauen

Schlüssel

mabuuÞii

bùuÞai

buuÞèe

öffnen

Radiergummi

magoogii

gòogai

googèe

reiben

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d) Formation nominaler Plurale u.a. durch Suffigierung von -n und Einfügung des internen Vokals -a-, z.B. im Hausa

fùree

fùrànnii

Blume

watàa

wàtànnii

Monat

garkaa

garèekanii

(kleiner) eingezäunter Garten

fàrkaa

faràekanii

Liebhaber¦in

rigaa

riigunàa

Robe

tudùu

tuddunàa

Hügel

cikìi

 

cikunkunàa

Bauch

gulbii

gulàabee

Fluss

wurii

wuràaree

Ort, Platz

kiifii

kiifàayee

Fisch

harshèe

haràasaa

Zunge, Sprache

sirdìi

siràadaa

Sattel

20

e) Formation von 'pluractionals' durch interne Konsonantengemination, häufig begleitet von dem Gebrauch eines internen -a-

Pluralität bei Verben kann zwei unterschiedliche grammatische Kategorien betreffen:

a) flektierte pluralische Verbformen, die vom Konkordanzsystem der Konjugation erforderlich

sind

b) abgeleitete pluralische Verbstämme, die semantische Pluralität ausdrücken pluractionals

Das wesentliche semantische Charakteristikum von pluractionals‘ ist, die Pluralität oder

Multiplizität der verbalen Aktion, d.h. intensiv, durativ, habitual, distributiv, frequentativ, iterativ

etc. Bedeutungen und Funktionen hängen von der Einzelsprache ab. Darüber hinaus können

sich pluractionalsauch auf eine Pluralität nominaler Argumente im Satz beziehen, z.B.> Subjet,

dierektes Objekt oder auch indirektes Objekt.

e) Formation von 'pluractionals' durch interne Konsonantengemination, häufig begleitet von dem Gebrauch eines internen -a-

Morphologische Mittel, die zur Bildung von pluractionalsim Tschadischen herangezogen werden sind:

1)

Reduplikation

a)

eines Präfixes CV-, z.B. Bole sammeln dàppu/dàdàppu

 

b)

Verb ± -(V)C(V), z.B. Bade kaufen màsu/màas su

Verb ± -(V)C(V), z.B. Bade kaufen màsu/màas su

c)

völlige Reduplikation, z.B. Margi melken l m/l ml m
völlige Reduplikation, z.B. Margi melken l m/l ml m
völlige Reduplikation, z.B. Margi melken l m/l ml m

völlige Reduplikation, z.B. Margi melken l m/l ml m

d)

Gemination, z.B. Pero schlagen lofò/loffò

 

2)

vokalischer Ablaut, z.B. Angas schneiden cen/can

 

3)

, z.B. Tangale kochen

, z.B. Tangale kochen

3) , z.B. Tangale kochen

4)

5)

-ay/-aw, z.B. Kulere essen ci/cáay, Podoko> berühren tal/talaw

-tV, z.B. Pero kochen fundò/fundutò, Kera> fangen

essen ci/cáay , Podoko> berühren tal/talaw -tV, z.B. Pero kochen fundò/fundutò , Kera> fangen ale/ alte
essen ci/cáay , Podoko> berühren tal/talaw -tV, z.B. Pero kochen fundò/fundutò , Kera> fangen ale/ alte

ale/

alte

f) Suffigierte Feminin- und Pluralmarkierung zusätzlich

zu pronominalen Präfixen, z.B. im Arabischen:

z.B. Arabisch: schreiben (Imperfektiv)

Sg.

ya-ktub-u

ta-ktub-u

ta-ktubu

ta-ktub-iina

a-ktub-u

er schreibt sie schreibt

du (m.) schreibst

du (f.) schreibst

ich schreibe

Pl.

ya-ktub-uuna

ya-ktub-na

ta-ktub-uuna

ta-ktub-na

na-ktub-u

sie (m.)schreiben sie (f.)schreiben

ihr (m.) schreibt

ihr (f.) schreibt

wir schreiben

Lexikalische Kognaten (Übereinstimmungen)

E
E
Lexikalische Kognaten (Übereinstimmungen) E ´ 24
Lexikalische Kognaten (Übereinstimmungen) E ´ 24
Lexikalische Kognaten (Übereinstimmungen) E ´ 24
Lexikalische Kognaten (Übereinstimmungen) E ´ 24
Lexikalische Kognaten (Übereinstimmungen) E ´ 24
Lexikalische Kognaten (Übereinstimmungen) E ´ 24
´
´

24

Pronominalsysteme

 

*AA

Chadic Old Hausa

Berber

Egypt.

Semitic

Chushitic

Tuareg

Akkadian

Arabic

Beja

Sg. 1c

*i, *ni

wa, ni

i

i

i, ni

(n)ii, ya

ø

 

2m

*ka

ka

k

k

ka

ka

ka

 

2f

*kim

kim

()m

čm

ki

ki

ki

 

3m

*šu/su

ši

s

f

šu

hu

s

 

3f

*ša/sa

ta

s

s

ša

haa

s

Pl.

1c

*na

na, mun

nə

Pl. 1c * na na , mun n ə n nu naa n

n

nu

naa

n

 

2c

*kun

kun

wun (m)

čn

kunu (m)

kum (m)

kna

 

kəmət

kina (f)

kunna (f)

(f)

 

3c

*sun

sun

sən (m)

sn

šunu (m)

hum (m)

sna

 

sənət (f)

šina (f)

hunna (f)

Lexikalische Kognaten Tschadisch

Hausa (W) Bade (W) Bura (B-M) Musey (M) Kera (E) baobab Acacia nilotica fish crocodile
Hausa (W)
Bade (W)
Bura (B-M)
Musey (M)
Kera (E)
baobab
Acacia nilotica
fish
crocodile
nile monitor

Nilosaharanisch

Nilosaharanisch 27

Nilosaharanisch

Nilosaharanisch 28

Nilosaharanisch

Nilosaharanisch 29

29

Nilosaharanisch

Nilosaharanisch 30

Saharanisch

Saharanisch 31

Saharanisch

Saharanisch 32

Lexikalische

Kohärenz im

Saharanischen

Lexikalische Kohärenz im Saharanischen 33

Lexikalische Kohärenz im

Saharanischen

Lexikalische Kohärenz im Saharanischen 34

Grammatische Kohärenz im Saharanischen

Die Zusammengehörigkeit der saharanischen Sprachen wird am deutlichsten

sichtbar im Aufbau der verbalen Flexion

Die Zusammengehörigkeit der saharanischen Sprachen wird am deutlichsten sichtbar im Aufbau der verbalen Flexion 35

Grammatische Kohärenz im Saharanischen

Grammatische Kohärenz im Saharanischen 36

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Defintionen von Syntax

‚Die Syntax ist die Lehre vom Bau des Satzes’ (Dürscheid 2007).

Syntax is the study of the principles and processes by which sentences are constructed in particular languages’ (Chomsky 1957: 1).

‚Die Syntax oder, wie man früher allgemein und heute in den Schulgrammatiken

sagt, Satzlehre, ist

(Bünting & Bergenholtz 1995: 9).

Bezogen auf natürliche Sprachen ist Syntax Teil der Grammatik. Im herkömmlichen Sinn bedeutet Syntax dann die Lehre vom (korrekten) Satzbau bzw. der Satzbau selbst’ (Wikipedia).

Was haben diese Definitionen gemeinsam?

Defintion von Syntax nach (Watters 2000: 194)

“In the study of syntax we are concerned with how words and

morphemes combine to form grammatical sentences. We study

how they are placed in a linear order, how they group into larger, patterned units to form phrases and clauses, and how those

units relate to one another to form a hierarchy of structures within structures. We seek to understand how similar structures

might derive from a more basic, shared structure. We also note

that such structures do not exist in a vacuum or in isolation, but are used in social contexts to convey meanings and

communicate messages”.

Aufgabe der Syntax

Aufgabe der Syntax ist es daher, Typen linearer Abfolgen sowie nicht-linearer Beziehungen zu ermitteln und die Regeln des Zusammenwirkens linearer Abfolgen und nicht-linearer Beziehungen der Elemente zu beschreiben.

Der Begriff Syntax hat allerdings auch unterschiedliche Lesarten:

bezieht sich Syntax auf die Struktureigenschaften selbst

wird Syntax als Beschreibungsverfahren von Struktureigenschaften verstanden

1. Erste Lesart trifft dann zu, wenn man z.B. die Struktureigenschaften einer beliebigen Sprache beschreibt, z.B. Hausa, Swahili, Bambara etc.

2. Zweite Lesart trifft dann zu, wenn die syntaktischen Theorien, bzw. deren Beschreibungsverfahren im Mittelpunkt stehen.

39

Ziele der Syntax

Ziel ist es Gesetzmäßigkeiten herauszuarbeiten, nach denen Wörter (z.B.

das, klein Kind) zu Wortgefügen (Phrasen) zusammengesetzt werden

können (z.B. das kleine Kind) bzw. auch einfache Sätze (z.B. das kleine

Kind weint; es hat Hunger) zu komplexen Sätzen (z.B. Das kleine Kind weint, weil es Hunger hat).

Die Gesetzmäßigkeiten der Zusammensetzung sind sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner all derer, die sich mit Syntax befassen. Darüberhinaus stehen in unterschiedlichen Syntaxtheorien unterschiedliche Fragestellungen im Mittelpunkt.

unterschiedliche Syntaxtheorien

Z.B. kann die rein oberflächensyntaktische Struktur, d.h. die lineare Abfolge von sprachlichen Ausdrücken im Satz, im Mittelpunkt stehen → Stellungsfeldmodell

Man kann aber auch den Satz quasi von innen heraus, d.h. von seinem Verb aus betrachten. Dabei wird untersucht in welchen Beziehungen die nicht-verbalen Elemente zum Verb stehen →

Valenztheorie

Wiederum andere versuchen zu erklären, wie der Mensch in der Lage ist, komplexe Strukturen aufzubauen, und beziehen, die erarbeiteten syntaktischen Gesetzmäßigkeiten auf den Spracherwerb → Generative Grammatik

Wiederum andere vertreten die Meinung, dass es nicht genüge, die Struktur syntaktisch zu

analysieren, sondern dass auch gefragt werden müsse, welche Rolle kommunikative Faktoren

beim Aufbau von Strukturen spielen → Funktionale Grammatik

Wo steht die Syntax innerhalb der Linguistik?

Syntaktische Analysen stellen im Spektrum der möglichen linguistischen

Fragestellungen nur einen eingeschränkten Bereich dar. Neben der Syntax gehören

auch Phonologie, Morphologie, Semantik und Pragmatik zu den linguistischen Teildisziplinen (allgemeine Linguistik).

Phonologie: untersucht wie Laute miteinander kombiniert werden können und welche Funktion sie im Lautsystem einer Sprache haben.

Morphologie: befasst sich mit der Analyse der internen Wortstruktur, z.B. nach welchen Prinzipien können Wortbestandteile, d.h. Morpheme, zu Wörtern zusammengefügt

werden (z.B. warum kann man im Deutschen unfreundlich jedoch nicht unnettlich

sagen?). Die wesentlichen Untersuchungsgebiete der Morphologie sind die Wortbildung (Derivation) und die Formenlehre (Flexion).

42

Wo steht die Syntax innerhalb der Linguistik?

Syntax: untersucht den Strukturaufbau von sprachlichen Einheiten, die oberhalb

der Wortgrenze liegen und die Grenze des Satzes nicht überschreiten (Anm.: es

nicht immer ganz einfach diese Grenzen zu definieren).

Semantik: untersucht welche Bedeutung einzelne Teile eines Satzes haben, und wie

sich daraus die Bedeutung des Ganzes ergibt, d.h. was bedeuten einzelne Bestandteile und wie lässt sich diese Bedeutung herleiten.

Pragmatik: befasst sich, so wie die Semantik, mit der Bedeutung sprachlicher

Ausdrücke. Hier steht die Bedeutung sprachlicher Äußerungen in ihrem

Handlungskontext im Mittelpunkt.

Wo steht die Syntax innerhalb der Linguistik?

Beispiel zur Unterscheidung von syntaktischer, semantischer und

pragmatischer Analyse:

Es regnet

Syntax: Subjekt Prädikat

Semantik: Pseudopronomen regnen - Wasser fällt vom Himmel

Pragmatik: kann z.B. unterschiedliche Bedeutungen haben: nimm einen

Schirm mit; geh lieber nicht hinaus; oder es kann sich auch um eine einfach

Feststellung handeln

lineare Anordnung (basic word order)

alle Sprachen haben mehr als nur eine Möglichkeit der linearen Anordnung

Syntax untersucht auch warum und wie die lineare Anordnung in einer Sprache variiert

Sprachen haben normalerweise eine elementare Konstituentenanordnung (basic word order), die gewöhnlich dazu dient einen einfachen Gedanken auszudrücken

in Afrika haben beinahe alle Sprachen eine elementare Konstituentenanordnung, die fixiert ist und nicht frei, d.h. Subjekt und Objekt stehen in einer fixierten

Position in Relation zu dem Verb

Wie wird die elementare Konstituentenanordnung festgelegt?

45

elementare Anordnung

wenn es eine elementare Anordnung gibt, dann muss es auch nicht-

elementare Anordnungen geben

man nimmt an, dass die elementare Anordnung in einem einfachen

affirmativen Deklarativsatz verwendet wird

nicht-elementare Anordnungen sind mit spezialisierten Funktionen verbunden, z.B.:

um Negation auszudrücken

um Fragen zu stellen

um anzugeben worum es in dem Satz geht (Topik)

um die Emphase auf einen bestimmten Teil des Satzes zu lenken (Fokus)

spezifische Anordnung (specific word order)

“The specific word order used in a given sentence depends on how

the speaker packages the idea associated with the sentence. How the sentence is packaged will be sensitive to its place in the context of the current dialogue or monologue and the content it brings to that context. The relationship between the different word orders and the

reasons for the variations serve as important input for developing syntactic theories”. (Watters 2000: 194-195)

elementare Anordnung

wir wollen uns zunächst einmal auf die elementare

Konstituentenanordnung konzentrieren, d.h. die Anordnung von

Konstituenten bzw. Wörtern in einem einfachen affirmativen Deklarativsatz mit einem transitiven aktiven Verb

bevor es aber so weit ist, müssen wir uns aber Gedanken über die

primären Einheiten solcher Strukturen machen, d.h. Wörter bzw.

Wortarten

welche Wortarten finden wir in afrikanischen Sprachen?

Wortarten/kategorie

in der Syntax sind vor allem drei Arten von Kategorisierungen wesentlich:

Klassifikation nach Wortarten (z.B. Nomen, Verb)

Flexionskategorisierung (z.B. Genus, Numerus)

Konstituenten bzw. Phrasenkategorisierung

Eine syntaktische Kategorie umfasst eine Menge von sprachlichen Einheiten, die bestimmte Eigenschaften gemeinsam haben und deren Eigenschaften relevant sind für die Beschreibung syntaktischer

Strukturen.

Wortarten

zunächst muss der Begriff Wort abgeklärt werden

Was ist überhaupt ein Wort? Lexikoneintrag?

Alleine die Orthographie einer Sprache reicht nicht aus um ein Wort zu definieren, z.B.:

Ich gehe am Abend spazieren

Ist nun spazieren gehen ein Wort oder doch zwei Worte?

Um Wörter genau definieren zu können ist folgende Unterscheidung erforderlich:

lexikalisches Wort

syntaktisches Wort

phonologisches Wort

flexivisches Wort

Wortarten

demnach wäre spazieren gehen nach wie vor ein Wort, das als solches im Wörterbuch zu finden ist, also ein lexikalisches Wort

da es aber an zwei Positionen im Syntagma auftritt, besteht es aus zwei syntaktischen Wörtern

werden zwei Wörter zu einer lautlichen Einheit verschmolzen, spricht man von einem

phonologischen Wort, z.B. im Deutschen bei Verschmelzungen von Artikel und Präposition: im

(in dem), am (an dem), zur (zu der) oder Französisch: du (de le), au (à le) etc.

als flexivisches Wort bezeichnet man die jeweilige Wortform, wie sie in ihrer konjugierten bzw. deklinierten Form auftritt, z.B.:

gehen:

Kind:

gehe, gehst, geht

Kinder, Kindern

Wortarten

Wörter, die wir verwenden um grammatische Sätze zu bilden gehören unterschiedlichen Wortklassen an, z.B. Nomen, Verb, Adjektiv, Adposition, Adverb

bestimmte Wortklassen bzw. wie diese verwendet werden, müssen sprachspezifisch festgelegt werden und nicht unbedingt nach der jeweiligen Wortklasse in europäischen Sprachen, z.B. ist nicht jedes Englische Adjektiv auch in anderen Sprachen ein Adjektiv

dennoch gibt es natürlich viele Überschneidungen und wir können davon ausgehen,

dass es in allen Sprachen der Welt zumindest Nomina und Verben gibt

Nach welchen Kriterien können Wörter zu einer Wortart zusammengefasst werden, und wie lassen sich die Wortarten voneinander unterscheiden?

traditionelle Satzanalyse

Die Bestimmung der Wortarten war lange Zeit ein zentrales Anliegen in der Syntax.

Das sieht man daran, dass die traditionelle Satzanalyse primär eine

Wortartenanalyse war, d.h. Sätze wurden analysiert, indem man die Wörter einzelnen Wortklassen zuordnete (z.B. die antike Grammatikbeschreibung

von Dionysios Thrax [1. Jh. n. Chr.].

Im Gegensatz dazu ist die Satzgliedanalyse ein relativ junges Verfahren (erstmals in Karl Ferdinand Becker 1827).

53

Wortartenanlyse

Bsp.: Der älteste Sohn meiner Freundin bleibt

wegen seiner Erkältung heute zu Hause.

Artikel
Artikel

der

Adjektiv
Adjektiv

älteste

Verb
Verb
Substantiv
Substantiv

Sohn

Possessivpronomen
Possessivpronomen

meiner

Possessivpronomen
Possessivpronomen
Substantiv
Substantiv

Freundin

Substantiv
Substantiv

Erkältung

Präposition
Präposition

wegen

Präposition
Präposition

zu

seiner

Substantiv
Substantiv

bleibt

Adverb
Adverb

heute

Hause

klassische Wortarten

Die klassischen Wortarten (nach Dionysios Thrax) sind folgende:

Substantiv/Nomen

N

Verb

V

Adjektiv

A oder Adj

Adverb

Adv

Präposition

P oder Präp

Artikel/Determinans/Determinierer

Art/Det/D

Konjunktion (Complementizer)

Konj, Comp, C

Pronomen

Pron

Numerale/Quantifizierer

Num, Q

Interjektion

Int

Wortarten

Die Zahl der in den einzelnen Grammatiken angesetzten Wortarten kann stark variieren, was mit den Abgrenzungsproblemen zwischen einzelnen Wortarten zusammenhängt

Viele Wortarten können weiter untergliedert werden, z.B. die Verben in Vollverben, Hilfsverben, Modalverben, etc.

Konjunktionen in hauptsatz-einleitende und nebensatz-einleitende Konjunktionen

Pronomina in Possessiv-, Demonstrativ- und Personalpronomina

Partikeln stellen eine Restklasse dar: Modalpartikel, Diskurspartikeln, etc.

Wortarten

manchmal wird auch gesprochen von:

offene Klasse: Nomina, Adjektive, Adverbien

geschlossene Klasse: Präpositionen, Partikeln, Konjunktionen

Die Zugehörigkeit zu offener Klasse, bzw. geschlossener Klasse kann von Sprache zu Sprache variieren

z.B. Adjektiva im Bambara

Die Klassifikation der Wortarten kann nach morphologischen, syntaktischen oder semantischen Kriterien

erfolgen.

1. morphologische Subklassifikation (Flektierbarkeit und Art der Flexion)

2. syntaktische Subklassifikation (distributionelle) Eigenschaften

3. semantische Subklassifikation

Wortarten: Morphologische Subklassifikation

die morphologische Subklassifikation orientiert sich an der Flektierbarkeit von

Wörtern, z.B.:

flektierbar

nicht flektierbar

Nomina

Adverbien

Verben

Konjunktionen

Adjektive

Präpositionen

Artikel

Interjektionen

Pronomina

Numerale (sprachabhängig)

z.B. Numerale

Deutsch Ordinalzahlen flektierbar Kardinalzahlen nicht flektierbar

Im Fulfulde werden z.B. tlw. Kardinalzahlen und auch Ordinalzahlen flektiert, d.h. sie tragen

das jeweilige Klassensuffix:

Kardinalzahlen worb’e njoweenayo

9 Männer

na’i joweenayi

9 Kühe

b’ikkon njoweenayon

9 Kinder

Personen S achen Augmentativa Diminutiva

1

gooto

[Wurzel woot-, trägt alle Klassen Suffixe]

2

d‘id‘o

d‘id‘i

d‘id‘o

ɗiɗon

3

tato

tati

tato

taton

4

nayo

nay(i) nayo

nayon

Ordinalzahlen

z.B.

gorko sappoojo

10. Mann

b‘inngel sappooyel

10. Kind

rawaandu sappooru

10. Hund

‚Flektierbarkeit’ und ‚Art der Flexion’ wird berücksichtigt von

Glinz (1970) in seiner ‚Fünf-Wortarten-Lehre’:

Wörter (Lexeme) nicht flektierbar flektierbar konjugierbar deklinierbar Partikel festes varibales Verb Genus
Wörter
(Lexeme)
nicht
flektierbar
flektierbar
konjugierbar
deklinierbar
Partikel
festes
varibales
Verb
Genus
Genus
nicht-
Nomen
steigerbar
steigerbar
Adjektiv
Begleiter

60

Wortarten

Man kann sagen, dass es allgemeinsprachlich schwierig ist eine

Wortartenklassifikation festzuhalten.

Die Wortartenklassifikation kann nur mit einem Prototypenkonzept erarbeitet werden, d.h. statt nach definitorischen Merkmalen für

eine Wortart zu suchen, genügt es, die prototypischen

Eigenschaften einer Wortart zu benennen. Diese müssen nicht für

alle Wörter gelten, die einer bestimmen Kategorie zugeordnet werden.

Wortarten: Syntaktische Subklassifikation

syntaktische Kriterien, d.h. Vorkommen im Syntagma werden herangezogen

Drei Kriterien spielen bei der syntaktischen Klassifikation der Wortarten eine Rolle:

die Satzgliedfunktion

die syntaktischen Eigenschaften des Wortes

Kombinierbarkeit

z.B. lassen sich Adverbien und Präpositionen, die beide der Klasse der Unflektierbaren angehören, auf Basis ihrer Satzgliedfunktion unterscheiden

Adverbien können als Satzglied fungieren, was Präpositionen nicht können

Er fährt heute nach Paris heute ist Satzglied (Adverbial) nach ist nur Teil eines Satzgliedes

Wortarten: Syntaktische Subklassifikation

Aufgrund ihrer syntaktischen Eigenschaften lassen sich z.B. Konjunktionen

und Präpositionen unterscheiden.

Regiert das Wort in seiner unmittelbaren Umgebung einen Kasus, handelt

es sich um eine Präposition, andernfalls um eine Konjunktion (z.B. wegen des schlechten Wetters vs. weil das Wetter schlecht ist)

zu beachten ist aber auch, dass viele Wörter sowohl als Präposition als auch als Konjunktion verwendet werden können, z.B. Englisch after

Wortarten: Syntaktische Subklassifikation

Bezüglich der Kombinierbarkeit lassen sich bestimmte Beobachtungen

machen, die prototypisch für bestimmte Wortarten sind, z.B.:

Nomina sind potenziell mit einem Artikel, einem Adjektiv oder einem Zahlwort

kombinierbar

Adjektive können zwischen einem Artikel und einem Nomen stehen (im

Deutschen), während das z.B. Possessivpronomina nicht können.

das schöne Haus vs. *das unser Haus

Wortarten: Semantische Subklassifikation

Die semantische Subklassifikation orientiert sich an Eigenschaften oder semantischen Charakterisierungen der Wortarten. Wird vor allem im Schulunterricht herangezogen:

Nomina

Gegenstandswörter

Verben

Tätigkeitswörter

Adjektiva

Eigenschaftswörter

Semantische Charakterisierung der Wortarten in Anlehnung an die Dudengrammatik von 1988

Wortart

semantisch-pragmatische Charakterisierung

Verb

Zustände, Vorgänge, Tätigkeiten, Handlungen

Nomen

Lebewesen, Sachen, Begriffe (Abstrakta)

Adjektiv

Eigenschaften, Merkmale

Artikel, Pronomen

Verweis, nähere Bestimmung

Adverb

nähere Umstände

Partikel

Sprechereinstellung, -bewertung

Präposition

Verhältnisse, Beziehungen

Konjunktion

Verknüpfung im logischen, zeitlichen, kausalen, etc. Sinn

65

Wortarten in afrikanischen Sprachen

“In African languages, nouns and verbs are the important lexical

word classes. African languages tend to use verbs frequently, more

often than English and other European languages do. Many descriptive adjectives in European languages are expressed by verbs in African languages, e.g. ‘he is big’ is often expressed by a single verbal word rather than by the verb ‘to be’ plus an adjective ‘big’.”

(Watters 2000: 195), e.g. in Aghem or Ngiti

in anderen afrikanischen Sprachen ist z.B. die Unterscheidung

zwischen Adjektiv und Nomen schwierig, z.B. Kanuri

Eigenschaftsverben im Aghem und Ngiti

(1) Aghem, Grassfields Bantu, Benue-Congo, Niger-Congo

(Hyman 1979: 32)

nwín

fí-báŋà

bird

C11-red:PRS:IC

FOC

‘the bird is red’

(2) Ngiti, Lendu, Central Sudanic, Nilo-Saharan (Kutsch Lojenga 1994: 228)

mă

m-àndɪ

1PL:EXC SC-ill:PFV:PRS

‘we are ill’

Verb Adverb

in vielen afrikanischen Sprachen entsprechen auch Verben den

Adverbien europäischer Sprachen, z.B. (frequently, not yet, still, again),

z.B. im Hausa ‘etwas schon getan haben wird durch ein Verb ‘vorangehen, Erste(r) sein’ ausgedrückt:

(3) Hausa, West-Chadic A-branch, Chadic, Afroasiatic

naa

rigaa

naa

ci

àbinci

1SG:PF

precede

1SG:PF

eat

food

‘I have already eaten’

Z.B. Yoruba & Ejagham

(4) Yoruba, Defoid, Benue-Congo, Niger-Congo (Welmers 1973: 377)

ó

tún

ń

lọ

3SG

repeat

is

going

‘he is going again’

(5) Ejagham, Ekoid Bantu, Benue-Congo, Niger-Congo (Watters 2000: 196)

a)

à-nyə́

à-chòr-á

3SG:PFV-continue 3SG:HAB-speak-IMPFV

‘she is still talking’

b)

à-nyə́

á-kà-chŏt

3SG:PFV-continue 3

SG-NEG-speak

‘she has not yet talked’

Ideophone

Afrikanische Sprachen sind bekannt für eine spezielle Wortklasse, die wir z.B. in europäischen Sprachen kaum bis gar nicht finden, i.e. Ideophone

aber auch Sprachen aus andern Kontinenten (Australien, Südostasien, Südamerika, finno-ugrische Sprachen) weisen Ideophone auf

Definition nach Doke (1935:119): "Eine lebhafte Darstellung einer Idee in Lautgestalt. Ein Wort, oft ein Onomatopetikon (lautmalendes Wort, z.B. Wau-Wau für Hund), das ein Verb, ein Adjektiv oder ein Adverb in Bezug auf Art und Weise, Farbe, Geräusch,

Geruch, Handlung, Zustand oder Intensität beschreibt."

in vielen Sprachen weisen Ideophone phonologische und morphologische Besonderheiten auf (z. B. Reduplikation von Silben und Konsonantenfolgen, die sonst in der Sprache unüblich sind; bestimmtes Tonmuster, das bei anderen Wortarten eher unüblich ist)

Ideophone im Hausa

Ideophones constitute a large set of highly expressive, phonosemantic

and sometimes collocational words which are used to describe and intensify mainly sensory experiences, e.g. sound, motion, smell, taste,

appearance, colour, shape, action, etc. Ideophones have specific

phonological and phonotactic features which distinguish them from other word classes. Syntactically they are cross-categorial, patterning

mainly with manner adverbs [

(occasionally nouns), and they are widespread in both spoken and

written Hausa(Jaggar 2001: 689)

]

but also functioning as adjectives

Structure and phonology of Hausa Ideophones

Unlike words in other classes, ideophones often end in a consonant [

]. Final

diphthongs /au/ and /ai/ are also common, and some ideophones involve optional

or fixed reduplication. Many ideophones are monosyllabic CVC, e.g.:

cif

exactly

tsit

silently

fat

pure (white)

(lau)

(lau)

healthy

gùm

smelly

zau

very hot

sak

directly

tsai

motionless

sam(sam)

not at all

kwata-kwata

completely

Structure and phonology of Hausa Ideophones

In affirmative declarative contexts, idephones are typically characterized

by an extra high pitch on any H tones in phrase-final position. Similar, L

tones are usually pronounced with an extra low pitch. Monosyllabic idephones of the shape CVV often occur with extra lengthening of the

monophthong.

e
e
r  uf
r  uf

yaa

naa mântaa shaf

of the monophthong. e r  uf yaa naa mântaa  shaf m yaa tsaya 

m

yaa tsaya

wani

sun

r  uf yaa naa mântaa  shaf m yaa tsaya  wani sun nii 
r  uf yaa naa mântaa  shaf m yaa tsaya  wani sun nii 

nii

wulik

mântaa  shaf m yaa tsaya  wani sun nii  wulik i [ iii ]
i [ iii ]
i
[
iii
]

ashi

he closed the door tight

I completely forgot

he stood stock still

a shiny black turban

they got up en masse

Structure and phonology of Hausa Ideophones

Monosyllabic ideophones usually have a H tone, [

• Monosyllabic ideophones usually have a H tone, [ m huge; l very quickly; ] handfull

m

huge;

l
l

very quickly;

]

handfull are L tone, e.g.:

zûr

false

Disyllabic ideophones end in a consonant, occasionally a diphthong, and many have LH or

HH tone, and sometimes identical vowels, e.g.:

lauhave LH or HH tone, and sometimes identical vowels, e.g.: with mouth wide open as in

with mouth wide open

as

as

in a straight line

atil

atil

really drunk

kakaf

completely

dog-tired

dog-tired

it

it

tiny

tukuf

very old

Structure and phonology of Hausa Ideophones

Trisyllabic ideophones are typically monotonal LLL or HHH, e.g.:

i
i
l
l

in a mess

straight and tall

fururu

white from dust

tsalala

very thin

Fully reduplicated ideophones maza-maza rugu-rugu

very quickly

in pieces

Many reduplicated ideophones have also either LL(L)-HH(H) or HH(H)-LL(L) tone pattern, e.g.:

also either LL(L)-HH(H) or HH(H)-LL(L) tone pattern, e.g.: u-cukuu a-hadaa m buguzum- - l underhand dealing

u-cukuu

LL(L)-HH(H) or HH(H)-LL(L) tone pattern, e.g.: u-cukuu a-hadaa m buguzum- - l underhand dealing buying and

a-hadaa

m
m

buguzum-

- l
- l

underhand dealing buying and selling in a clumsy manner round and fleshy

75

Functions of Hausa Ideophones

as adverbs

Functions of Hausa Ideophones • as adverbs abaanaa yaa tsuufa tukuf yaa samsam my father has

abaanaa yaa tsuufa tukuf

yaa

samsamIdeophones • as adverbs abaanaa yaa tsuufa tukuf yaa my father has really got old he

my father has really got old

he refused point-blank

Some intensifier idephones can adverbially postmodify post-head adjectives forming adjectival phrases

a i
a
i

naa

yipost-head adjectives forming adjectival phrases a i naa igaa faraa fat runsa gooma cif/ I’ve got

post-head adjectives forming adjectival phrases a i naa yi igaa faraa fat runsa gooma cif/ I’ve

igaa faraa fat

forming adjectival phrases a i naa yi igaa faraa fat runsa gooma cif/ I’ve got a

runsa gooma cif/

phrases a i naa yi igaa faraa fat runsa gooma cif/ I’ve got a jet black

I’ve got a jet black horse

I’ve bought a pure white gown

he is precisely ten years old

as post-head adjectives

like regular adjectives, attributively modifying a head noun

na ga

adjectives, attributively modifying a head noun na ga bu I saw a small thing rii yaa

bu

adjectives, attributively modifying a head noun na ga bu I saw a small thing rii yaa

I saw a small thing

attributively modifying a head noun na ga bu I saw a small thing rii yaa yi

rii yaa yi haskee wasai

the sky is really bright

76

Functions of Hausa Ideophones

Ideophones can also follow the general verb yi ’do’, in which case they often

translate as predicate adjectives in English, e.g.:

often translate as predicate adjectives in English, e.g.: binci yaa yi - a n yaa yi

binci yaa yi

- a
-
a

n yaa yi kaca-kacaas predicate adjectives in English, e.g.: binci yaa yi - a • as NPs u-cukuu yaa

as NPs

e.g.: binci yaa yi - a n yaa yi kaca-kaca • as NPs u-cukuu yaa yi

u-cukuu yaa yi

a
a

the food is lumpy

the room very messy

n
n

there is too much underhand dealing in this country

n
n
very messy n there is too much underhand dealing in this country n a- gaa ta

a-

very messy n there is too much underhand dealing in this country n a- gaa ta

gaa ta

very messy n there is too much underhand dealing in this country n a- gaa ta

amee ni

this to-ing and fro-ing bothers me

Ideophones in Swahili

Proverb formed exclusively by ideophones except for the negative marker si. Chururu represents a steady flow of water, and ndo! ndo! ndo! is the sound of dripping water.

chururu-si ndo! ndo! ndo!

A flow of water is not as effective as constant dripping

It is better to do/get a little at a time than to do/get a lot at once

One of the most common adverbial ideophones is fofofo (or sometimes foooo), used

in two ways: kulala fofofo, to be sound asleep; amekufa fofofo, he is stone dead.

Ideophone im Bambara

Nach Dumestre (2003: 294ff.) = les adverbes expressifs ou idéophoniques

On appellera idéophone tout élément de la langue qui associe un

phonétisme et un sémantisme particuliers.

Les adverbes expressifs possèdent les caractéristiques suivantes:

Ils figurent en fin absolue d’énoncé ou de proposition

à kúmana dúrututu

tìle gànna déredere

jíri ìn j

à kúmana dúrututu tìle gànna déredere jíri ìn j len b njányi il a parlé sans

len b

kúmana dúrututu tìle gànna déredere jíri ìn j len b njányi il a parlé sans discontinuer

njányi

il a parlé sans discontinuer

le soleil a chauffé très fort

cet arbre est bien droit

Dumestre, Gérard. 2003. Grammaire fondamentale du Bambara. Paris:

Karthala.

79

Ideophone im Bambara

Ils possèdent un ou plusieurs traits phoniques particuliers:

possèdent un ou plusieurs traits phoniques particuliers: – Une consonne finale : pás ‘très (blanc)’; k

Une consonne finale: pás ‘très (blanc)’; k k ‘très (sec)’

finale : pás ‘très (blanc)’; k k ‘très (sec)’ – Une consonne occlusive (p, t, c,

Une consonne occlusive (p, t, c, k, d, j) non initiale: m ku ‘hermétiquement fermé’; gódo ‘gros et rond’

Un redoublement: b

gódo ‘gros et rond’ – Un redoublement : b – Ils apparaissent exclusivement dans des énoncés

Ils apparaissent exclusivement dans des énoncés ou propositions

affirmatives (non interrogatives):

à ká jàn bólolo

apparaissent exclusivement dans des énoncés ou propositions affirmatives (non interrogatives): à ká jàn bólolo 80

Ideophone im Bambara

Ils connaissent de très fortes restrictions de compatibilité avec l’élément prédicatif:

pás ne peut figurer qu’avec j

prédicatif : – pás ne peut figurer qu’avec j ’(être) blanc’; b qu’avec le verbe w

’(être) blanc’; b

pás ne peut figurer qu’avec j ’(être) blanc’; b qu’avec le verbe w si ‘transpirer’ n’apparaît

qu’avec le verbe w si ‘transpirer’

blanc’; b qu’avec le verbe w si ‘transpirer’ n’apparaît – Certains ADX peuvent figurer avec

n’apparaît

Certains ADX peuvent figurer avec plusieurs verbes; par. ex. kólokoto

peuvent figurer avec plusieurs verbes; par. ex. kólokoto à nyíni à f kólokoto ‘il le lui

à nyíni à f

avec plusieurs verbes; par. ex. kólokoto à nyíni à f kólokoto ‘il le lui a demandé

kólokoto

‘il le lui a demandé en vain’

òlu b

à f kólokoto ‘il le lui a demandé en vain’ òlu b d à lá kólokoto

d

à f kólokoto ‘il le lui a demandé en vain’ òlu b d à lá kólokoto

à lá kólokoto‘ils échouèrent tous complètement’

òlu b d à lá kólokoto ‘ils échouèrent tous complètement’ bàn kólokoto ‘il refusa catégoriquement’ 81

bàn kólokoto

‘il refusa catégoriquement’

Syntaktische Einheiten

Als Einheiten der syntaktischen Ebene können zunächst Wort und Satz differenziert werden. Das Wort bildet die kleinste syntaktische Einheit, der Satz die größte, d.h.:

größere sprachliche Ausdrücke (Absätze, Texte) unterliegen anderen Verknüpfungsregeln als Sätze (Gegenstand der Textlinguistik)

die Kombination von Morphemen und Wörtern zu komplexen Wörtern folgt

anderen Regeln als die von Wörtern zu Sätzen (Morphologie)

Basic word order: simple sentence

“To describe the basic word order we commonly use the terms Subject

(S), Verb (V) and Object (O). We usually find the basic word order of any language by studying sentences with all the following

characteristics: they are main, declarative, affirmative, active sentences containing a transitive verb. Such sentences also have

nouns (or noun phrases) serving in S and O positions, rather than

pronouns. The basic word order is the most common word order found in sentences of the given language, often those used to express the main sequence of events in a story or narrative” (Watters 2000: 197)

Basic word order: simple sentence

einer typologischen Untersuchung nach (Bernd Heine 1976: A typology of African languages - based on the order of meaningful elements. Berlin:

Dietrich Reimer), die ca. 300 afrikanische Sprachen heranzieht, weisen 71% SVO Stellung, 24% SOV Stellung und 5% VSO Stellung auf

die Variation der Konstituentenstellung inkludiert

SVO

SOV

VSO

(z.B. Hausa, Swahili)

(z.B. Kanuri, Bambara)

(z.B. Laamang)

SVO

common in Afroasiatic subgroups such as Chadic, nearly all Niger-Congo languages (except Mande,

Senufo and Ijo), in a number od Nilo-Saharan languages (e.g. Bari), and in many Khoisan languages

(except the Khoe group)

Hausa

S

V

O

Abdu

yaa

ci

naama

Abdu

3SG:COMP

eat

meat

‘Abdu ate meat’

Swahili

S

V

O

Halima a-na-pika

 

ugali

Halima

3SG-PRS-cook

porridge

‘Halima is cooking porridge’

SOV

is found in Ethio-Semitic, Chushitic and Omotic within Afroasiatic; in Senufo,

Mande and Ijo of Niger-Congo; in numerous Nilo-Saharan languages and all the

Khoe subgroup of Khoisan, e.g.

Kanuri

S

Oi

Od

V

Musa

sawanzəro

wotiya

ruwo-jin

Musa

friend-POSS-DIR

letter

write-3SG:IPF

‘Musa writes a letter to his friend’

Silt’e, Ethio-Semitic, Afroasiatic (Gutt & Mussa 1997: 900)

S

O

V

išaam ziiṭṭaňe

gilgil

č̣eeňeet

she:and

nine

kids

she:gave:birth

‘and she gave birth to nine kids’

VSO

is uncommon; found primarily among Berber and Chadic languages, Nilotic, Surmic

and Kuliak of Eastern Sudanic and in languages of Southern Sudanic; also in Hadza, a

purported Khoisan language, e.g.

Maasai, Eastern Nilotic, Eastern Sudanic, Nilo-saharan (Tucker & Bryan 1966: 468)

V

S

O

ɛ́ɗɔ́l

ɔltʊ́ŋáni

eŋkolii

see

person:NOM

gazelle:ACC

‘the person sees a gazelle’

cf. World Atlas of Language Structure: features 81, 82

AUX

A common issue concerning basic word orders concerns the presence of auxiliary verbs (AUX).

often indicate a tense, aspect or mood

various languages with SVO as the basic order use the order S-AUX-OV

SOV languages also tend to place AUX immediately after S, e.g.

Supyire, Senufo, Gur, Niger-Congo (Carlson 1994:239)

S

Aux

O

V

u

màha

suro

shwɔhɔ

she

HAB

mush

cook

‘she cooks (usually) mush’

zusätzliche Objekte

besides auxiliaries, word order involves the linear placement of additional objects (such

as benefactives and locations) and adjuncts (such as prepositional or postpositional

phrases)

SVO languages usually place the additional object following the Verb SVOO; most

often the first object has a benefactive semantic role (i.e. the one who benefits from

the action) indirect object

in VSO languages such as Turkana the additional object also precedes the first object,

giving VSOO

V

à-ɪn-a-kɪn-ɪ̀

1SG-give-to-DAT-ASP

‘I will give the children food’

S

ayɔ̀ŋ

1SG

O

ŋɪdɛ̀

children

O

akɪ̀muj

food

locational and temporal phrases

many times locational and temporal phrases are adjuncts of a sentence; they provide

optional clarification as to the place or time of the action

adjuncts in SVO languages generally follow the O, giving a SVOX order

in SOV languages the adjuncts precede the verb, giving SXOV or SOXV order, e.g.

Aiki, Maban, Nilo-Saharan (Nougayrol 1989: 34)

S

O

LOC

V

kàikài

tí

tíɲiŋ

gá

k

gə́n

tàndàrkɛ̀

child

ANA

3SG.mother

ACC

water:SG

LOC

3SG:join:C:ASTR

‘the child joined its mother at the pond’

locational and temporal phrases

otherwise some SOV languages may use the SOVX order for adjuncts,

e.g. in Bambara or Mende

Mende, Mande, Niger-Congo (Givón 1984: 214)

S

O

V

INSTR

è

wúru

tèe

à

bóa

he

stick

cut

with

knife

‘he cut the stick with a knife’

Phrasenebene

Als Einheiten der syntaktischen Ebene können zunächst Wort und Satz differenziert

werden. Das Wort bildet die kleinste syntaktische Einheit, der Satz die größte.

Die Fähigkeit, Sätze seiner Sprache von Nicht-Sätzen zu unterscheiden, ist Teil der

sprachlichen Kompetenz. Neben dem Kriterium der Grammatikalität und Variation

muss auch das Kriterium der Vollständigkeit beachtet werden:

Nicht viele Studierende besuchen die Einführung in die Syntax.

die Einführung in die Syntax

*Studierende in die Syntax besuchen nicht viele die Einführung

Grammatikalität und Variation

Form und Bedeutung eines Satzes

Die Unterscheidung zwischen Form und Bedeutung eines Satzes ist wesentlich. Ein Satz kann gut-geformt sein ohne eine klare oder sinnvolle Bedeutung zu haben.

Chomsky (1957) führt folgendes Paar von Sätzen an.

Colorless green ideas sleep furiously.

Furiously sleep ideas green colorless.

Beide Sätze haben gemeinsam, dass sie keine sinnvolle Bedeutung tragen. Sprecher

des Englischen werden jedoch zustimmen, dass Satz a) korrekt gebildet, d.h.

grammatisch ist, während das in Satz b) nicht der Fall ist.

Grammatikalität und Variation

Daraus folgt, dass Sprecher ein intuitives Bewusstsein haben ob ein Satz grammatisch, bzw. korrekt in seiner Form ist. Dieses Bewusstsein ist unabhängig von unserer Fähigkeit

die Bedeutung eines Satzes interpretieren zu können oder nicht.

Andererseits können wir aber auch Sätze perfekt verstehen, auch wenn sie nicht

‚grammatisch’ sind, vgl. folgende Sätze:

Me Tarzan, you Jane.

Those guys was trying to kill me.

When he came here?

Obwohl wir diese Sätze verstehen, werden sie wohl als ‘ungrammatisch’ oder

‘schlechtes Englisch’ klassifiziert, da bestimmte Regeln der internen Grammatik verletzt

wurden.

94

Grammatikalität und Variation

Ziel des Syntaktikers ist es Regeln zu formulieren, die die Einschätzungen bezüglich der ‚Grammatikalität’ des L1 Sprechers modellieren, d.h. Regeln, die alle Sätze generieren können, die ein L1 Sprecher als grammatisch einschätzt und gleichzeitig alle Sätze ausschließt, die ein L1 Sprecher als ungrammatisch einschätzt.

Ein Problem, das sich hier natürlich stellt ist, dass sich nicht alle L1 Sprecher immer über die Grammatikalität eines Satzes einig sind. Die unten angeführten Sätze sind für Sprecher mancher Gegenden vielleicht korrekt während sie für Sprecher anderer Gegenden nicht korrekt sind.

I might could be persuaded to try that.

My back door needs fixed.

The ship is arriving Monday week.

Variation

Es gibt 2 Arten von Variation. Variation, die regionalabhängig (Dialekte) ist und Variation, die vom Sprecher (Idiolekte) oder der Sprechergruppe (Soziolekte) abhängig ist.

Problem der Variation:

Idealerweise müsste die Grammatik einer Sprache als gemeinsame Basis, die alle Sprecher teilen bezeichnet werden.

Andererseits muss eine Grammatik auch so viel Variation wie möglich zulassen.

Variation stellt den Linguisten, der eine Sprache beschreiben will vor große Herausforderungen, da er einen Kompromiss zwischen gemeinsamer Basis und Variation finden muss.

Sprachwandel

Eine weitere Herausforderung für das Erstellen eines Regelapparates

einer Sprache ist der Sprachwandel.

2 Arten von Sprachwandel:

interner Wandel (drift) z.B.: im Dt. Ersetzen starker Verben durch schwache Verben, Ersatz des Genitivs durch Dativ

externer Wandel (Sprachkontakt) z.B.: Entlehnungen, Sprachwechsel,

Entstehung von “Misch”-Sprachen (z.B. Pidgins und Creoles)

Phrasenebene

Nicht viele Studierende besuchen die Einführung in die Syntax.

die Einführung in die Syntax

*Studierende in die Syntax besuchen nicht viele die Einführung

Warum sind bestimmte Ketten grammatisch während andere das nicht sind?

Es sind zwei Grundmodelle möglich:

Der Satz bildet eine lineare Kette von Wörtern

Sätze sind hierarchisch strukturiert: Wörter bilden Untergruppen und diese erst Sätze

Strukturabhängigkeit

Nach 1) könnte man z.B. folgende strukturunabhängige Regel aufstellen: Das finite Verb steht an 2er Stelle im Satz, z.B.:

Hans hat uns gesehen

Uns hat Hans gesehen

Gesehen hat uns Hans

Dass solche strukturunabhängigen Regeln kaum haltbar sind erkennt man leicht an folgenden Beispielsätzen aus dem Deutschen:

Ein Mann hat uns gesehen.

Der große Mann mit dem grünen Hut hat uns gesehen.

Hans, den Maria gestern um