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Mitschrift Analysis I

Prof. Dr. Harry Yserentant Technische Universität Berlin

WS 2009/10

L A T E Xed by Robert Rudow

13. Dezember 2009

Vorwort

Dies ist eine Mitschrift, kein Skript! Für eventuelle Fehler übernimmt niemand die Verant- wortung, sollten allerdings welche entdeckt werden würde ich mich über Hinweise diesbe- züglich sehr freuen.

Diese Mitschrift enthält leider nur sehr wenig Grafiken, da mir die Zeit fehlt, diese anzufer- tigen. Falls sich jemand darum kümmern möchte empfehle ich das Programm GeoGebra. Die damit erstellten Graphiken unterliegen nicht dem Copyrightschutz und können daher nach belieben in eigenen Dokumenten verwendet werden.

wichtig

Diese Mitschrift dient nicht als Ersatz für die Vorlesung, wichtige Bemerkungen und Er- klährungen des Dozenten tauchen nicht auf. Ich empfehle also trotzdem regelmäßig in die Vorlesung und Übung zu gehen.

i

Inhaltsverzeichnis

1 Der Aufbau des Zahlensystems

 

1

1.1 Die natürlichen Zahlen .

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1

1.2 Die ganzen Zahlen

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2

1.3 Die rationalen Zahlen

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6

1.4 Die reellen Zahlen

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9

1.5 Die komplexen Zahlen

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9

2 Folgen

11

2.1 Gundbegriffe, Folgen in Q

 

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11

2.2 Die reellen Zahlen und ihre Vollständigkeit

 

14

3 Reihen

21

3.1 Grundbegriffe

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21

3.2 Spezielle Konvergenzkriterien

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24

3.3 Unendliche Dezimalbrüche

 

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26

4 Funktionen, Stetigkeit

 

31

4.1 Einige Grundbegriffe

 

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31

4.2 Stetige Funktionen

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33

4.3 Die Zwischenwertsätze

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35

4.4 Gleichmäßige Stetigkeit

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37

4.5 Der Raum der beschränkten Funktionen

 

39

4.6 Gleichmäßige Konvergenz

 

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41

4.7 Der Weierstraß’sche Appoximationssatz

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43

5 Differenzierbarkeit

 

48

5.1 Ableitungen

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48

5.2 Differetiationsregeln

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49

5.3 Die Mittelwertsätze

 

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52

5.4 Der Taylor’sche Satz

 

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54

5.5 Monotone und konvexe Funktionen

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57

Stichwortverzeichnis

 

59

1

1 Der Aufbau des Zahlensystems

1.1 Die natürlichen Zahlen

Bezeichnung:

N = {1, 2, 3, 4,

.}

Peano’sche Axiome (g. peano, 1981)

1) 1 ist eine natürliche Zahl

2) Jede natürliche Zahl besitzt einen Nachfolger n = n + 1

3) Es gibt keine natürliche Zahl mit dem Nachfolger 1

4) Aus n = m folgt n = m

5) N selbst ist die einzige Teilmenge von N, die die Zahl 1 und mit jeder Zahl n auch n enthält.

Bemerkung:

Axiom5 ist das Induktionsaxiom. Es bildet die Grundlage des Beweises durch vollstän- dige Induktion und der Definition durch Rekursion.

Definition 1.1 (Addition)

n + 1 := n ,

n + m = (n + m)

Definition 1.2 (Multiplikation)

n · 1 = n

n · m = n · m + n

Die beiden Definitionen sind Beispiele für die Definition durch Rekursion. Aus ihnen lassen sich die folgenden Rechenregeln ableiten:

Addition:

 

(n

+ m) + k

=

n + (m + k) (Assoziativität)

n

+ m

=

m + n

(Kommutativität)

Multiplikation:

(n

· m) · k

=

n · (k · k)

(Assoziativität)

n

· m

=

m · n

(Kommutativität)

(n

+ m) · k

=

n · k + m · k

(Distributivgesetz)

Beweis: (für Assoziativgesetz der Addition) Induktion über k:

Ind.-Anfang: k = 1

(n + m) + 1

=

(n + m)

(nach Def. der Addition)

=

n + m

(2. Teil der Def.)

=

n + (m + 1)

(2.

Teil der Def.)

2

Schritt: k k + 1

(n + m) + k

=

((n + k) + k)

(nach Def. der Addition)

=

(n + (m + k)) (nach Ind.-Voraussetzung)

=

n + (m + k)

(nach

Def. der Addition)

=

n + (m + k )

(nach

Def. der Addition)

Damit erhält die Menge aller k R, für die gegebenen n und m(n + m) + k = n + (m + k) ist, die Zahl k = 1 und mit jedem k auch den Nachfolger k . Nach dem Induktionsaxiom

ist damit für alle k

Andere Gesetze gelten ähnlich. (s. e. landau, „Grundlagen der Analysis“)

N(n + m) + k = n + (m + k).

Definiton 1.3 (Anordnung auf N) n ist genau dann größer als m, wemm es ein k N mit m + k = n gibt. Man schreibt dann

Weiter ist

n > m

n

m

:

n > modern = m

n

< m

:

m > n

n

m

:

n < modern = m

Einige Eigenschaften:

1. Für alle n ist n n.

(Reflexivität)

2. n m und m k, so ist

Ist

n k.

(Transitivität)

3. n m und m n, so ist

Ist

n = m.

4. Für alle n, m ist n m oder n m.

Bemerkung:

1), 2) und 3) besagen, daß ““ eine Ordnungsrelation auf N ist. Wegen 4) ist ““ eine Totalordnung auf N. Verträglichkeit der Ordnungsrelation mit +, · :S. Abschnitt über rationale Zahlen.

1.2 Die ganzen Zahlen

Bezeichnung: Z =

, 2, 1, 0, 1, 2,

.}

Eigenschaften der Addition auf Z:

1. (n + m) + k = n + (m + k)

2. n + m = m + n

(Assoziativität)

(Kommutativität)

3

4. n + (-n) = 0

(inverses Element)

Mit anderen Worten: Z bildet bezüglich der Addition (im Gegensatz zu N) eine kommu- tative Gruppe.

Definition 1.4 (Gruppe) Eine Menge G, auf der Verknüpfung

: G x G G : (a, b)

a b

definiert ist, heißt eine Gruppe, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

(G1) Assoziativgesetz: (a b) c = a (b c)

(G2) Existenz eines linksneutralen Eelements: e a = a a G

(G2) Existenz eines linksinversen Eelements: a 1 a = e a G

Definition 1.5 Die Gruppe heißt kommutativ oder abelsch, wenn zusätzlich zu den Gesetzen (G1)(G3) das Kommutativgesetz gilt:

Keine Gruppen sind:

a b = b a

N bezüglich der Addition

a, b G

Z bezüglich der Multiplikation

Konstruktion von Z (aus N)

Ganze Zahlen sin „Differenzen“ m n natürlicher Zahlen. Dabei muß man zwei Differenzen m 1 n 1 und m 2 n 2 als gleich ansehen, wenn m 1 + n 2 = m 2 + n 1 ist. Dies führt auf den Begriff der Äquivalenzklassenbildung.

Definition 1.6 Eine Relation R zwischen den Elementen einer Menge A heißt

reflexiv, wenn für alle x A gilt: xRx

symmetrisch, wenn aus xRy stets yRx folgt

transitiv, wenn aus xRy, yRz stets xRz folgt

Definition 1.7 Eine reflexive, symmetrische und transitive Relation auf einer Menge A heißt Äquivalenz- relation.

4

Beispiel 1.8 Durch (m1, n1) (m 2 , n 2 ) m 1 +n 2 = m 2 +n 1 ist eine Äquivalenzrelation auf der Menge der Paare natürlicher Zahlen gegeben.

Dagegen ist „“ auf N keine Äquivalenzrelation, da sie nicht symetrisch ist.

Definition 1.9 Ist eine Äquivalenzrelation auf der Menge A, so heißt für gegebenes x A die Teilmenge:

[x] = {y|y x} ⊇ A

die Äquivalenzklasse oder Restklasse von x.

Satz 1.10 Es ist genau dann [x] = [y], wenn x y ist.

Beweis:

1) ““ (Hinrichtung) Sei zunächst x y. Zu zeigen ist, daß aus z [x] z [y] und umgekehrt. Dann ist [x] [y] und [y] [x] [x] = [y].

Sei also z [x]. Nach Definition von x ist dann z x. Wegen x y folgt mit der Transitivität z y. Nach Definition von [y] folgt z [y], also [x] [y]. Wegen Symmetrie ist y x, daher gilt entsprechend [y] [x] [x] = [y].

2) ““ (Rückrichtung) Sei nun umgekehrt [x] = [y]. Wegen der Reflexibilität von gilt x x. Nach Defi- nition von [x] folgt damit x [x]0[y]. Nach Definition von [y] folgt x y.

 

Folgerung:

Zwei Restklasse sind entweder gleich oder disjunkt, d.h. elementfremd.

Beweis:

Sei z [x] [y]. Dann ist z y, z y. Mit obigen Satz folgt [x] = [z] = [y]

 

Folgerung:

Eine Äquivalenzrelation auf einer Menge A induziert eine Zerlegung von A in disjunkte Teilmengen, die Äquivalenzklassen. Umgekehrt entspricht jeder Zerlegung einer Menge in disjunkte Teilmengen eine Äquivalenzrelation auf A.

Konstruktion der ganzen Zahlen aus den natürlichen Zahlen

1. Führe durch (m 1 , n1 1 ) (m 2 , n 2 ) m 1 + n 2 = m 2 + n 1 eine Äquivalenzrelation auf der Menge der Paare (m, n)natürliche Zahlen in.

5

2. Sehe die Menge Z der ganzen Zahlen als Menge

Z = {[(m, n)] | m, n N}

der entsprechenden Äquivalenzklassen an. (Interpretation „ [(m, n)] = m n“) = Z

3. Definiere durch

[(m 1 , n 1 )] + [(m 2 , n 2 )] = [(m 1 + m 2 , n 1 + n 2 )]

[(m 1 , n 1 )] · [(m 2 , n 2 )] = [(m 1 m 2 + n 1 n 2 , m 1 n 2 +

m 2 n 1 )]

die Addition und Multiplikation auf Z Idee:

(m 1 n 2 ) + (m 2 n 2 ) = (m 1 + m 2 ) (n 1 + n 2 )(m 1 · n 1 ) · (m 2 n 2 ) =

4. Führe durch

[(m 1 , n 1 )] [(m 2 , n 2 )] m 1 + n 2

eine Totalordnung auf Z ein. Idee:

m 1 n 1 m 2 n 2

m 2 + n 2

Zu zeigen ist noch, daß die Addition und die Multiplikation sowie die Ordnungsrelation „wohldefiniert“ sind, d.h. dass sie nicht von der Wahl der Repräsentanten aus der Äquiva- lenzklasse abhängen. Als Beispiel soll dies für die Addition gezeigt werden:

Aus [(m 1 , n 1 )] = [(m 1 , n 1 )], m 2 + n 2 folgt wegen

[(m 2 , n 2 )] = [(m 2 , n 2 )], d.h. m 1 + n 1 = m 1 + n 1 ,

Die Behauptung

(m 1 + m 2 , n 1 + n 2 )

n 2 )

n

2 )

(m 1 +

m 2 ) + (n 1

+

(m 1 +

n 1 ) + (m 2

+

(m 1 + m 2 , n 1 + n 2 )

 

=

(m 1 +

m 2 ) + (n 1 +

n 2 )

=

(m 1 +

n 1 ) + (m 2 +

n 2 )

m 2 , n 2 =

[(m 1 + m 2 , n 1 + n 2 )] = [(m 1 + m 2 , n 1 + n 2 )]

Einbettung von N in Z :[(n + 1), 1] (wgen (n + 1) 1 = n)

Zu zeigen:

1. Aus [(n + 1, 1)] = [(n + 1, 1)] folgt n = n

2. Die Addition und Multiplikation auf Z muss mit der Addition und der Multiplikation auf N verträglich sein:

n + m

[(n + m + 1, 1)] = [(n + 1, 1)] + [(m + 1, 1)],

Außerdem bezeichnet 0 [( 1

11=0

, 1)] und n [(1,

n + 1

)]

1(n+1)=n

6

1.3 Die rationalen Zahlen

Bezeichnung: Q, die Menge aller Brüche m , m, n Z, n = 0 Problem: Wie die natürlichen Zahlen bezüglich der Addition bilden die ganzen Zahlen bezüglich der Multiplikation noch keine Gruppe. Deshalb: Brüche m einführen. Zwei Brüche sind dabei als äquivalent anzusehen, wenn sie durch Kürzen auseinander hervorgehen. 2n = 1 ist in Z nicht lösbar. Äquivalenzrelation auf Z × Z \ {0}

n

n

=0

(m 1 , n 1 ) (m 2 , n 2 ) m 1 n 2 = m 2 n 1

Rationale Zahlen

m

1

n

1

+ m 1

n

2

m

1

· m 1

n

1

n

2

=

=

m n [(m, n)], m, n Z, n

=

= 0

m 1 n 2 + m 2 n 1

n 1 n 2

m 1 m 2 n 1 n 2

sind wohldefiniert und mit der Einbettung von Z in Q verträglich (ohne Beweis). Additions- und Multiplikationsgesetze:

x

+ y

=

y + x

Kommutativität

(x + y) + z

=

x + (y + z) Assoziativität

x

+ 0

=

x

neutrales Element

x + (x)

=

0

inverses Element

Distributivgesetz:

x(y + z) = xy + xz

Mit anderen Worten: Q ist ein Körper.

x

(x · y)z

· 1

x

· y

x

1

· x

=

=

=

=

y · x x(y · z) x

1

mit x = 0

Definition 1.11 Eine Menge K zusammen mit 2 Verknüpfungen +, · (Addition, Multiplikation) auf K heißt Körper, wenn

1. K bezüglich der Addition eine kommutative Gruppe ist (mit neutralem Element)

2. K \ {0}

3. das Distributivgesetz gilt.

Bemerkung:

Q ist der kleinste Erweiterungskörper von Z

Definition der Anordnung auf Q:

Sind n 1 , n 2 > 0, so ist m 1

n 1

m 2 definitionsgemäß genau dann, wenn m 1 n 2 m 2 n 1 ist.

n

2

Auch hier ist wieder die Wohldefiniertheit zu zeigen.

Grundeigenschaften:

7

2. x y, y z, so folgt x z

Ist

3. x y, y x, so folgt x = y

Ist

4. Für alle x, y ist x y

oder y x

5. Aus

x

y folgt

x + z

y + z

6. Aus 0 x, 0 y folgt 0 xy

Beweis: nachrechnen!

Definition 1.12 Ein Körper, auf dem eine Totalordnung (Eigenschften 1-4) gegeben ist, die den Verträg- lichkeitsbedingungen 5 und 6 genügt, nennt man angeordneter Körper.

Mit anderen Worten: Q ist ein angeordneter Körper.

x

< y

:

x y

=

und x

y

x

y

:

y x

x

> y

:

x y

=

und x

y

Satz 1.13

a)

x > 0 (x < 0) ist gleichbedeutend mit x > 0 (x < 0)

b) Aus x < y, y < z folgt x < z

c)

Aus x < y, x < y folgt x + z < y + z

d)

Aus x < y, a > 0 folgt ax < ay

e)

Aus x < y, a < 0 folgt ax > ay

f)

Aus x = 0 folgt x 2 > 0

g)

1

Aus x > 0 folgt x > 0

y <

Beweis: (nur mit den Eigenschaften des angeordneten Körpers!)

h) Aus 0 < x < y folgt 0 <

1

1

x

a) Zeige daß aus x < 0

x > 0 folgt und umgekehrt:

Sei zunächst x < 0. Aus Eigenschaft 5 folgt 0 = x + (x) 0 + (x) = x, also x 0. Wäre x = 0, so wäre x = 0; es folgt also x > 0. Sei nun umgekehrt x > 0. Dann gilt x = 0 + x (x) + x = 0, also x 0. Wäre

x = 0, so wäre x = 0im Widerspruch zu x > 0; es folgt x < 0.

b) Zunächst folgt aus x < y und y < z

x y und y z, mit 2) also x z wäre x = z

so wäre x y und y x, nach 3) also x = y. Dies widerspricht x < y, also ist x < z

8

c) Aus x < y folgt zunächst x y und darum

mit 5) x + z = y + z. Wäre x + z = y + z,

wäre (x + z) + (z) = (y + z) + (z), also x = x + 0 = x = x + (z + (z)) = (x + z) + (z) = y + (z + (z)) = y + 0 = y im Widerspruch zu y = y

so

d) Aus x < y, x < y folgt nach c) x + x < y + y , aus x < y folgt x + y < y + y;

wegen

y + x = x + ynach

b) als x + x < y + y .

e) < y folgt nach c)

Aus x

0 =

x x < y x, nach 6) folgt 0 a(y x). Wäre nun

a(y x) = 0, so wäre a = 0 oder y x = 0 im Widerspruch zu a > 0 und x < y. Also ist a(y x) = ay ax.

f) Nach a) ist a > 0 und damit nach e) (a)x < (a)y. Mit c) folgt ay = (a)x + (ax + ay) < (a)y + (ax + ay) = ay ax.

g) Nach 4) ist stehts x 0 oder x 0, d.h. x < 0, x > 0 oder x = 0. Ist x > 0, so ist nach 6) x2 = x · x 0. Ist x < 0, so ist nach a) x > 0, nach 6) also x 2 = (x)(x) 0. Wäre x 2 = 0, so wäre x = 0.

h) Aus g) und e) folgt

1 x =

x 1 2 · 0 = 0

i) Ist x > 0, y > 0, so folgt nach 6) x · y 0. Da wegen x =

0, y = 0 auch xy = 0

ist, ist damit xy > 0. Nach h) ist damit (xy) 1 > 0. Nach e) also y = (xy) 1 · x <

(xy) 1 · y = 1

1

x

Konsequenzen: 1 = (1 2 ) > 0

1 < 0

Definition 1.14 (Absolutbetrag)

|x| =

x,

x,

x 0 x < 0

Einige Eigenschaften:

1)

2)

Es ist stets |x| ≥ 0 und |x| = 0 genau dann, wenn x = 0 ist.

| − x| = |x|

3)

|xy| = |x| · |y|

4) x

y

=

|x|

|y|

Beweis:

für y = 0

1)-3) Fallunterscheidung (Die Fälle x 0, x < 0, y 0 und y < 0 getrennt abprüfen)

4) x = x y → |x| = x · |y| (mit 3. folgt daraus |x| = x )

y

y

|y|

y

Dreiecksungleichung: Für alle x, y ist |x + y| ≤ |x| + |y|

9

Beweis:

x ≤ |x|,

y ≤ |y|

x + y ≤ |x| + |y|

wegen (x ≤ |x|, y y) ist

 

(x + y) = (x) + (y)

≤ | − x| + | − y|

Da |x + y| = x + y oder |x + y|

=

(x + y) ist, folgt|x + y|

|x| + |y|

Definition: nx für n N, x K

1 · x = x(n + 1) · x = n · x + xn = n · 1 K

Archimedisches Axiom: Für alle x K, x > 0, gibt es ein n N mit nx > 1.

Angeordnete Körper, die diese Eigenschaft haben, nennt man archimedisch angeordnete Körper. Der Körper Q der rationalen Zahlen ist ein solcher Körper. Und hat u.a. folgende Eigenschaften:

1. Zu jedem x > 0 gibt es ein n N mit n > x.

1

2. Zu jdem ε > 0 gibt es ein n N mit n < ε.

Bemerkung: Bis auf „Isomorphie“ (lineare Algebra) ist Q der kleinste archimedisch angeordnete Körper, d.h. jeder archimedisch angeordneter Körper besitzt einen zu Q iso- morphen Unterkörper (= Teilkörper)

1.4 Die reellen Zahlen

R ist die Menge der „unendlichen Dezimalbrüche“. R ist der einzige archimedisch ange-

ordnete Erweiterungskörper von Q, in dem alle Cauchyfolgen konvergieren (siehe nächstes Kapitel). R ist in gewissem Sinne der größte archimedisch angeordnete Körper, d.h. jeder archimedisch angeordnete Körper ist zu einem Teilkörper von R isomorph. Konstruktion und präzise Definition von R: siehe nächstes Kapitel.

1.5 Die komplexen Zahlen

C: Die Menge der komplexen Zahlen

Komplexe Zahlen sind Paare (x, y) reeller Zahlen; Schreibweise x + iy. x ist dabei der Realteil, y der Imaginärteil. Die Zahl i = 0 + i1 ist der imaginäre Einheit.

Definition der Addition und Multiplikation:

(x 1 + iy 1 ) + (x 2 + iy 2 )

:=

(x 1 + x 2 ) + i(y 1 + y 2 )

(x 1 + iy 1 ) · (x 2 iy 2 )

:=

(x 1 x 2 y 1 y 2 ) + i(x 1 y 2 + x 2 y 1 )

Folgerung: i 2 = 1

10

Satz: