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,

Sammlung

Romanischer Elementarbücher

Unter Mitwirkung von

Philipp August Becker, Wilhelm Cloetta, Vin-

Sextil Puscariu, Schultz - Gora

H. Tiktin, Johann Vising, Karl Voßler, Karl

Warnke, Berthold Wiese

cenzo Crescini, Emil Levy,

Fr. Ed. Schneegans,

Oskar

Herausgegeben

von

Wilhelm Meyer- Lübke

OOj*<O-0

III. Reihe: Wörterbücher

i. Etymologisches Wörterbuch der

rumänischen Sprache

I. Lateinisches Element

********* Heidelberg 1905 ********

Carl Winter's U n i v er s i t ä t s b u c h h a n d 1 u n g

Etymologisches Wörterbuch

der

rumänischen Sprache

I. Lateinisches Element

mit Berücksichtigung aller romanischen Sprachen

Dr. Sextil Pu§cariu

Privatdozent für romanische Philologie an der Universität in Wien, korrespondierendes Mitglied der rumänischen Akademie

******* Heidelberg 1905 *******

Carl Winter's Universitätsbuchhandlung

Alle Rechte, besonders das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen, werden vorbehalten.

Seinem hochverehrten Lehrer

Prof. Dr. Wilhelm Meyer-Lübke

in Dankbarkeit und Hochachtung

gewidmet.

VII

Vorwort.

In den fünfunddreißig Jahren, seit A. de Cihacs:

Dictionnaire ä' Etymologie äaco-romane (I., Elements latins) in Frankfurt a. M. erschienen ist, hat die rumänische Philo- logie durch die fruchtbare Tätigkeit älterer und jüngerer

Gelehrten einen bedeutenden Fortschritt gemacht, so daß

dieses für jene Zeit ausgezeichnete Werk schon lange veraltert und lückenhaft geworden ist. Ich hatte oft die

Gelegenheit, die alten Fehler Cihacs, zu denen noch die

Druckfehler des gänzlich auf ihm fußenden Körting (La-

teinisch-Romanisches Wörterbuch, Paderborn 2 , 1904,) hinzu-

kommen, selbst in den neuesten Arbeiten einiger Roma-

nisten wiedergegeben zu rinden. Das Rumänische steht

heute noch zu sehr vom allgemeinen Interesse der Ro- manistik entfernt, so daß den meisten Forschern auf

diesem Gebiete die nicht sehr leicht zu erwerbende Kritik, ältere Werke über rumänische Philologie zu benützen, abgeht.

Aus dem Drange, Cihacs Wörterbuch durch ein neues,

auf der Höhe der heutigen Wissenschaft stehendes, zu

Der Plan der

ersetzen, ist mein Buch hervorgegangen.

Arbeit ergab sich danach von selbst. Bestimmt, als Nach-

schlagebuch zu dienen, mußte sich vor allem seine Fassung

so knapp als möglich gestalten.

So oft es mir schien,

daß für ein rumänisches Wort ein lateinisches Etymon nachweisbar ist oder rekonstruiert werden darf, habe ich

es in das Wörterbuch aufgenommen, übersetzt und auf

VIII

Vorwort.

sein Vorbild zurückgeführt, ohne mich auf die Anführung

seiner verschiedenen grammatischen Formen, syntaktischen

Funktionen, Bedeutungsentwicklungen und Derivationen

einlassen zu können.

Diese kann man mit Leichtigkeit

in jedem anderen Wörterbuch finden. Nur dort, wo es

mir schien, daß die Bedeutungsübergänge nicht ohne

weiteres klar, oder die Anführung der Ableitungen für

den Romanisten anregend sein könnte, habe ich sie näher

berührt.

Dagegen suchte ich durch die vergleichende Heran-

ziehung der übrigen romanischen Entsprechungen ein Bild der näheren Verwandtschaft des Rumänischen zu

In dieser Beziehung

den Schwestersprachen zu geben.

muß ich aber zugestehen, daß mein Wörterbuch fast nur

auf Kompilation beruht.

Zu einer selbständigen Arbeit

auf diesem Gebiete fehlte es mir an der nötigen Zeit. Es

schien mir, daß die Notwendigkeit eines rumänischen

Wörterbuchs dringender ist als die eines romanischen,

so daß ich mich begnügen mußte, ein ungefähres Bild

der Verwandtschaft, statt eines vollständigen, zu geben.

Auch dieses zeigt uns zur Genüge die besondere Stellung des Rumänischen zur Romania, seine innige Verwandt-

schaft mit dem Albanesischen und Süditalienisch-Sardischen,

die manchmal bis nach Spanien reicht.

Auch die Be-

wahrung solcher Wörter, die in den Sprachen des Westens

nur in buch wörtlicher Form oder gar nicht bekannt sind,

fällt sehr oft auf.

Das Werk, welches ich benützt habe,

war das oben zitierte Buch Körtings. Freilich mußte ich

dabei sehr kritisch vorgehen und

oft habe ich die dort

nicht unterschiedenen Buchwörter und die nicht hinzu-

gehörenden Formen auslassen müssen. Dafür findet man

in meinem Buche viele romanische Wörter, welche bei Körting fehlen, die ich in verschiedenen Abhandlungen

und in gelesenen Texten fand.

Unter den ersteren er-

wähne ich vor allem als wahre Fundgrube: W. Meyer-

Lübkes: Romanische Grammatik, I III, Leipzig 1890 bis

1899, ferner die für die Lexikographie so wichtigen Ab-

Vorwort.

IX

handlungen E. Tappolets über die romanischen Verwandt-

schaftsnamen, Straßburg 1895 und A. Zauners: Die roma-

nischen Namen der Körperteile (Romanische Forschungen XIV,

339 f.), dann A. Mussafias: Beitrag zur Kunde norditalie-

nischer Mundarten, Wien 1873 und E. Lorks: Altberga-

maskische Sprachdenkmäler, Halle 1893, endlich die Kritiken

und Ergänzungen zu Körtings Wörterbuch von Meyer-

Lübke: Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien 1891,

765 ff., von Salvioni: Postille italiane al vocabolario latino-

romanzo, Mailand 1897 und Nuove postille italiane (Sonder-

abdruck aus Rendiconti del R. Yst. Lomb. di sc. e lett.

Serie II, Vol. XXXII, 1899), von Herzog: Zeitschrift für

romanische Philologie XXVII, 123 f., von Behrens: ebenda

XXVI, 650 f., von Densusianu: Romania XXXIII, 272f.

und von Subak: Literaturblatt für germanische und roma-

nische Philologie XXIV, 243 f. Die nähere Verwandt- schaft des Rumänischen mit dem Albanesischen hat mich bewogen, auch die im Albanesischen erhaltenen lateinischen

Lehnwörter (nach G. Meyer: Etymologisches Wörterbuch

der albanesischen Sprache, Straßburg 1891) anzugeben. Statt

f räto-romanisch' habe ich immer genauer die Form eines

bestimmten rätoromanischen Dialektes, meistens des enga- dinischen, oft auch mehrerer, angegeben.

Eine besondere Aufmerksamkeit glaubte ich den

»" manischen Dialekten schenken zu müssen. Was die daco-

ri (manischen Untermundarten betrifft, so habe ich nur dann

Formen angeführt, wenn sie dem Schriftrumänischen

fehlten, oder gegen dieses eine Besonderheit, die sich nicht

nur auf die Aussprache erstreckt, aufwiesen.

Für die

übrigen drei Hauptdialekte entnahm ich das Material

folgenden Schriften: Für das Meglenitische zum Teil aus G. Weigands: Vlacho-Meglen, Leipzig 1892, hauptsächlich aber aus P. Papahagis: Megleno-Romänii, 2 Bde., Bucuresti

1902. Für das Istro-Eumänische benützte ich A. Byhans:

Istrorumänisches Glossar (im VI. Jahresbericht des rum.

Instituts zu Leipzig,

S.

174 f.).

Da ich selber im Begriffe

bin, ein größeres Werk über die Isfcrorumänen zu schreiben,

X

Vorwort.

werde ich bald Gelegenheit haben, einige Mängel in By- hans Glossar und infolgedessen auch in meinem Wörter-

Am besten war ich über das Aro-

buche zu verbessern.

mimische unterrichtet, da mir außer dem umfangreichen

Zettelwörterbuche, welches mir Herr Professor G. Weigand in freundlichster Weise zu benützen erlaubte, auch die

wertvollen Angaben des Aromunen 'aus Avela, Herrn P. Papahagi, zur Verfügung standen. Um eine einheit-

liche Form des von Weigand aus den verschiedensten

Gegenden der Türkei gesammelten Materials zu erzwecken,

schickte ich mein Manuskript Papahagi, der seine ein-

heimischen Mundartformen hinzusetzte. Nur selten gehen

die Angaben W.'s und P.'s auseinander, was auch immer

durch ein dem Worte unmittelbar hinzugesetztes W. oder

P. angedeutet wurde. Dagegen gewann ich durch P.'s

Mitteilungen ein neues unbekanntes Material und war im- stande, in solchen Fällen, wo das schriftrumänische Wort

im Aromunischen verschwunden ist, das entsprechende

Lehnwort (meist neugriechischen Ursprungs) anzugeben. Dadurch kann man nicht nur einen Einblick in das Leben

einer fremden Einflüssen stark ausgesetzten Mundart ge-

winnen, sondern mein Wörterbuch kann auch als ein kleines Dacorumänisch-Aromunisches und die dritte Ab- teilung des Index als ein Aromunisch-Dacorumänisches

Glossar benützt werden.

Der in diesem Buche enthaltene Wortschatz ist sorg- fältig durch viele Jahre hindurch gesammelt worden. Bei

einem Vergleiche mit Cihacs Wörterbuch, auf dem meines

beruht, wird sich herausstellen, daß dort fehlende (meistens

dialektische und altrumänische) Wörter oder solche, die

im zweiten Bande (Moments slaves, magyars, turcs, grecs- moderne et albanais, Frankfurt a. M. 1879) enthalten sind,

bei mir verzeichnet und wieder andere,

von Cihac an-

geführte, ausgelassen worden sind. Letztere erweisen sich

mit Leichtigkeit meistenteils als gelehrte Bildungen oder

auf rumänischem Boden entstandene Ableitungen, oder

endlich es sind dies nur unbekannte und nirgends beleg-

Vorwort.

XI

bare Wörter. Nicht Vieles, sondern Sicheres wollte ich geben; ist doch das Streben nach Vollständigkeit bei dem

heutigen Stand der rumänischen Lexikographie, solange

das große Wörterbuch, an dem die Akademie in Bukarest

seit zwanzig Jahren arbeitet, noch nicht erschienen ist,

Allerdings darf man in

ein Ding der Unmöglichkeit.

der Tendenz, nur sichere Daten anzuführen, nicht über- treiben, wenn man sein Buch auch anregend gestalten

will, daher gab ich, mit der gebührenden Vorsicht, auch

solche Etymologien, die durchaus noch nicht bewiesen

sind. Dagegen klammerte ich solche Wörter ein, die mir,

im Gegensatz zu den meisten anderen Forschern, als

nichtlateinischer Herkunft erschienen.

Nur selten kann

man tatsächlich zweifeln, ob ein Wort Erb- oder Lehngut

ist, vgl. cep, pup,

rus, ud.

Das lateinische Wort wurde immer in der vulgären

Form, auf die das rumänische weist, angeführt und seine

Entsprechung aus der klassischen Latinität in Klammern

Konnte ich Belegstellen für die vulgären

angeführt.

Formen anführen, so habe ich es immer getan.

Dabei

kam mir 0. Densusianus: Histoire de la langue roumaine,

Paris 1901, sehr zustatten und der Kürze wegen verweise

ich immer auf dieses Buch (abgekürzt : Dens. H. I. r.\ wo

man reichliche Zitate finden kann.

Zwei große Schwierigkeiten, auf die ich gestoßen, will ich noch an dieser Stelle besprechen.

Die erste besteht in der Frage: welches ist das Kri- terium, wonach man ein Erbwort von einer späteren Bil- dung unterscheidet? Es kommen hier meistens die Ab-

leitungen in Betracht.

-A, -UM 'steinig', oder PORCARIUS, -UM 'Schweinehirt',

denen rum. pietros und porcar begrifflich genau entsprechen, jedoch in der Behandlung des vortonigen Vokals unregel-

Man hat z. B. lat. PETRÖSUS,

Darf man

sie dennoch auf die lateinischen Typen zurückführen und die Unregelmäßigkeit durch die analogische Rückwirkung

mäßig sind (man erwartet petros und purcar).

von piairä, porc erklären, oder hat man sie als rumänische

XII

Vorwort.

Ableitungen von diesen mittelst der sehr beliebten Suffixe

-os und -ar zu betrachten? Die Frage kompliziert sich noch mehr dadurch, daß in Dialekten tatsächlich die zu

erwartenden Formen petros und purcar vorkommen. Eine

Entscheidung läßt sich natürlich nicht mit Sicherheit

geben.

Ich habe, wenn die lateinische Entsprechung be-

legt ist, das rumänische Wort auf diese zurückgeführt, indem ich dabei die analogische Wirkung des Primitivs

voraussetzte, sonst aber die Wörter als rumänische Bil-

dungen angeführt. Es ist dies nur aus praktischen Rück-

sichten, nicht immer aus Überzeugung geschehen, denn

trotzdem man sich für eine Rekonstruktion *PORCARIA,

-AM schwer entschließen möchte, wird man die Existenz einer solchen Bildung im Urromanischen, angesichts rum.

porcarie, it. porcheria, frz. porcherie, pv. porcaria, sp. por- queria, pg. porcaria, kaum bezweifeln. Hat man vor sich

ein Wort wie degefel 'kleiner Finger' oder mäsar 'Tischler',

so wird man sie trotz der formellen Übereinstimmung

nicht auf lat. DIGITELLUM und MENSARIUS, -UM

zurückführen, da diese im Lateinischen einen zu weit ent-

fernten Sinn ('Hauswurz', 'Geldwechsler') haben und sie

eher aus rum. dcget 'Finger' und masä 'Tisch' im letz-

teren Falle hat sicher, da das Wort nur in Siebenbürgen

vorkommt, das deutsche Wort Tisch-ler als Vorbild ge-

dient erklären.

Dagegen habe ich rum. inchinäciune

'Gebet', doch nicht von lat. INCLINATIO, -ÖNEM 'Nei-

gung, Wechsel, Veränderung' etc. trennen können, da seit

dem Momente, als mä incliin <ME INCL1NO im Rum.

den Sinn 'ich bete' angenommen hat, auch rncJiinäciune

zu der Bedeutung 'Gebet' gelangen konnte, vielleicht auch

mußte.

Eine bestimmte Regel läßt sich in

dieser Be-

ziehung nicht geben und der Lexikograph, der durch in-

tensive Arbeit auf diesem Gebiete eine gewisse Erfahrung

und ein geschärfteres Auge gewinnt, tut, glaube ich, am besten, in jedem einzelnen Falle nach seinem Gefühle

vorzugehen.

So habe ich z. B. gehandelt, wenn ich aläp-

tez 'stille'; infrigur 'habe Fieber', mgl. prived 'sehe wieder 3

,

Vorwort.

XIII

mgl. prubeau 'trinke Wasser' etc. von lapte 'Milch', friguH

'Fieber', mgl. ved 'sehe', mgl. beau 'trinke' ableitete und

nicht auf lat. ALLACTO 'gewöhne ans Säugen, FRIGORO

'kühle ab 5 , PERVIDEO 'sehe durch', PERBIBO 'sauge

ganz aus' etc.

zurückführte, dagegen als Etyma von cu-

viinfi 'Schicklichkeit', cuvintez 'rede' etc., CONVENIENTIA

'Übereinstimmung', CONVENTO 'komme wieder zusam-

men' gab und nur eine begriffliche Anlehnung an sä

cuvine 'es schickt sich' und cuvint 'Rede' voraussetzte.

Weit heikligerer Natur ist

die zweite in Betracht

kommende Frage, die nach dem Urheber der einzelnen Etymologien. Das Ideal einer wissenschaftlichen Forschung wäre, wenn nach der vollständigen Lösung eines Problems

auch die in den Hintergrund rücken würden, die es ge-

löst haben und das erworbene Resultat ganz einfach der

So weit sind wir aber

Allgemeinheit geschenkt würde.

nicht; im Gegenteil stößt man gerade in dieser Hinsicht

auf leicht erklärliche Empfindlichkeiten.

Die Lage eines

jungen Autors wird aber dadurch sehr erschwert.

Er

kann mit Leichtigkeit diesen persönlichen Gefühlen Rech- nung tragen, wenn es sich um solche Probleme handelt,

die in eine Zeit zurückreichen, da er sie selbst sozusagen

erlebt hat. Aber die älteren Errungenschaften der Wissen-

schaft hat er meist aus neuen Büchern und. zum größten

Teil in den Vorlesungen seiner Professoren kennen gelernt,

so daß sie sich für ihn nicht mehr an bestimmte Namen

Um nur ein Beispiel anzuführen, konnte ich

knüpften.

nicht mehr herausfinden, wer der erste war, der die Etymo-

logien femeie << FAMILIA und vor <C VERUS an Stelle von

Cihacs lat. FEMINA und ung. v4r gegeben hat. Ich kenne

sie aus Weigands Vorlesungen und habe sie immer als

so selbstverständlich betrachtet, daß sie mir in der Lektüre nie aufgefallen sind, so daß ich jetzt in der größten Ver-

legenheit bin, die Schrift auszukundschaften, in welcher sie zum erstenmal ausgesprochen worden sind. Die Zeit verhilft uns dadurch, daß sie die Vergessenheit über Namen

ausbreitet, zu dem Standpunkte zu gelangen, den ich

XIV

Vorwort.

früher als ideal bezeichnet habe, und sollten sich die Au-

toren der zwei angeführten Etymologien noch unter den

Lebenden finden, so mögen sie sich über das Fehlen ihrer Namen in meinem Buche damit trösten, daß sie in bester Gesellschaft sind, habe ich doch auch Diezens Namen, so-

viel ich weiß, kein einziges Mal erwähnt!

Die Orthographie der rumänischen Wörter ist die

phonetische, die heute von den meisten Schriftstellern und

zum großen Teil auch von der rumänischen Akademie adop-

Daher suche man unter ä auch #, unter % auch

Über die phonetische

Transkription die ich so oft es mir möglich war ein-

a, e, unter §te,

tiert ist.

§ti auch sce,

sei.

heitlich zu gestalten strebte brauche ich kein Wort zu

verlieren.

Auch die Abkürzung der zitierten Bücher ist

so gemacht, daß sie ohne weiteres verständlich wird. Da-

gegen hielt ich es für nötig, die vielen Abkürzungen der

romanischen Mundarten in einer am Schlüsse des Buches

angebrachten Tafel zu erklären.

In dem Index sind 1. alle lateinischen und vulgär- lateinischen Wörter, die im Text vorkommen, 2. alle be-

sprochenen dacorumänischen Wörter, die nicht unter den

in alphabetischer Reihenfolge angeführten Schlagwörtern

stehen,

3. alle aromunischen , 4. alle meglenitischen,

5. alle istrorumänischen Wörter, die nicht direkt den da-

corumänischen Schlagwörtern entsprechen, angeführt. Wäh-

rend die vier letzten Abteilungen für den Rumänisten ge-

macht worden sind, findet der Romanist in der Anführung

der lateinischen Wörter einen Wegweiser. Alle romanischen Wörter in den Index aufzunehmen, wäre einem Neu-

druck meines Wörterbuchs in anderer Reihenfolge gleich-

gekommen.

Bevor ich schließe, drängt es mich, Herrn P. Papa-

hagi, Professor in Giurgiu, meinen besten Dank für seine

Mitteilungen auszusprechen, vor allem aber meinem hoch-

verehrten Lehrer, Herrn Professor W. Meyer-Lübke, der

mein Manuskript durchgelesen und mich so oft mit seinem

Vorwort.

XV

wertvollen Rate unterstützte, meine ganz besondere An- erkennung auszudrücken. Es ist für mich eine große

Ehre, ihm dieses Buch widmen zu dürfen.

Wien, im Juni 1905.

Dr. Sextil Puscariu.

A.

1. a präp. [ar. ir. ~] < ad.

„nach, zu, auf" nur

a vale; ar. l'i si ncl'inara a tsitsuare)

Gaster Chrest. II, 226, 26),

1. Ortlich

dialektisch (merge a munte,

und alt-rum. (pu^ini bani avern a mine.

heute noch in Adverbien : amünte „bergauf" (= frz. o.mont, n.-pv. amount, cat. amunt) aminte, alocuri, aläturi, aminä etc., sonst

durch la verdrängt. 2. Mit der örtlichen Bewegung verbunden,

steht

a

in

alten Texten

(heute

la) zur Angabe des Zweckes

„nach" : merse in pädure a lemne.

3. Zeitlich an, zu", nur alt-rum.

in Adverbien: ameazäzi, asearä etc., sonst durch la ersetzt.

4. Drückt die Begleitung aus „mit", nur in Adverbien erhalten:

Dosoft. V. J. Sept. 24.

(a timp, a oare), heute noch

anume, anevoie etc.

(vgl.

it. ritrarsi

a forza, frz. condamner ä

tort etc.). 5. Nach bestimmten Verben zur Angabe eines Ver-

gleichs „wie, nach Art von": miros. put, urlu, latru, cobesc, sun,

fluer. scir^äi, seamän, prefac,

calc,

umblu, trag a etc. Vgl.

Kurth, Jb. X, 477483. 6. Über a als Präposition des Gene-

tivs und Dativs vgl. Bacmeister Jb. IV, 55 58. 1. A steht fast

immer vor dem Infinitiv: a läuda, a face etc., worüber Sand-

feld- Jensen Jb. IX, 75 ff.

2. ahät, -üi, üt, III vb. [ar. ~ ir. abgtu] „niederhauen, ablenken"

<abbatto, -ere Thes. 1. lat. :

pg. abater.

it. abbattere,

frz. abattre,

sp.

abatir,

3. abeä adv. „kaum" <( ad-}- vrx: a.-sp. abes, obw. vess, Abea

stammt nicht aus kslav. abije gleich" (Cihac).

4.

abure s. aburesc.

5.

aburescIV vb. „dampfen", nach 0. Densusianu, Rom. XXV,

130131 <(*AB-BtrR0, -Ire (= £re vgl. b u s tum) „brennen". Davon

dbur(e) sm.

dampfen"]

„Dampf, Dunst" [ar. ~, davon abureclzu W. I vb.

und boare sf. „Dunst, Lüftchen", beide Verbalsubstan-

tiva. vgl. Zeitschr. rom. Phil. XXVII, 741. Vgl. indessen G. Meyer:

Alb. TVörtb. 21.

6. ac sm. [ar. ~, mgl. ~ auch: „Gegenstand aus Silber",

ir. gc] „Nadel" <acus, um: it. ago, vegl. yuak, sard. agu, pv. ac, (aret.

ega, abruzz. dke).^

7. acut (acdf, agdf) I vb. [ar. acäts, mgl. cats, ir. (a)cgts\ <*ad-

captio, -are. Die Grundbedeutung des Wortes ist: „ergreife, fasse",

Puscariu, Etymologisches Wörterbuch.

1

2 8. acatäre 14. (a)cölo.

(ir. catsot'a-w-o de peri si

obisit'a-tv-o

la zit = er

ergriff sie an

den Haaren und hat sie an die Mauer gehängt); dann, wie rum.

apuc, fange an" (rngl. cätsg sä ancarcä = er begann zu laden)

nehme" (ingl. tse drum sä cätsgm? = welchen Weg sollen wir

nehmen?) fange" (ar. cätusa acatsä soaretsi = die Katze fängt Mäuse, ir. noi acätsäm pestiu cu unditsa = wir fangen den Fisch mit der Angel). Aus dieser Bedeutung entwickelt sich der Sinn

jagen", den die rom. Entsprechungen allein haben (it. cacciare,

eng-, k'atser, frz. chasser, pv. cassar, sp. cazar, pg.

cacar) und der

schon für lat. captiare seit dem IV Jh. belegt ist (Archiv lat. Lex.

VII, 183). Im Drum, hat acäfare nur den Sinn „hängen" (mä acäp

de poin = ich fasse mich an den Baum an, daher: ich hänge mich

an dem Baume, und daraus :

an den Baum).

acäf ceva de pom = ich hänge etwas

Ob cafä sf. „Hirtenstock mit Haken" davon ab-

geleitet ist, ist fraglich, vgl. indessen alb. grap „ergreife, fange, angle"

und krabe Haken, Hirtenstab", grep „(Angel)haken". Sicherlich

gehört mgl. catsu, zäcatsu „hänge, fange" nicht hierher, sondern zu big. kacja „hängen", zakacja „anfangen" (auf die G. Meyer, Indg. forsch. VI, 121 auch die anderen Formen zurückführen wollte.)

Zu dieser Wortgruppe vgl. noch Schuchardt. Zeitschr. rom. Phil.

XXVIII, 41-42.

8. acdtdre pron. s. atare.

9. ac4l(a)

(cela), fem.

aced (ceä)

pron. [ar. atsel,

atseloa, in

Samarina atsen, mgl. tsela, ir. t§el(a)] „jener" < eccum- (oder atqve)

*Illum: it. quello, a.-eng. (a)quel, a.-pv. aquel, sp. aquel, pg. aquelle.

Die Form acela entspricht dem frl. kel-la, frz. celui-lä und stammt aus eccum- *ill[u-i]llac. Da neben acela ein acel bestand, löste man -a (statt -la) ab und bildete damit auch acest-a u. s. w.

10. dcerä sf.

„Adler" < aquila, -am :

sie acula, berg.

dgola,

sard. äbile,

grödn. eguja,

fass. egua, eng. eula, frz.

aigle, pv. aigla,

sp. aguila, pg. aguia. [ar. vültur, mgl. condur]. 11. ac€st(a), fem. acedstä pron. [mgl. tsista, ir. tSästa) „dieser"

< eccum- (od. atqve) *istum: it. questo, rtr. kest,

a.-pv. aquest, sp.

pg. aqueste. Über auslautendes -a vgl. acel(a). Daneben cest(a),

fem. ceastä: it. questo, -a, eng. quaist, -a, pv. cest, -a.frz.cet, cette.

12. aci (acia, acilea) adv. [ar. atsia, atsie Cod. Dim. 125 b lu ir.

qui(a), acquia, a.-pv. cat.

sp. pg. aqui, frz. ici.

t§i(a)] „hier" <eccum-hic:

it.

qui,

eng.

13. acice adv. „hierselbst" eccum-hic-ce.

14. (a)culo etc. adv. „dort".

Aus eccum-illöc (für die Be-

tonung vgl. Meyer-Lübke, Born. Gramm. III § 475) entstand zu-

nächst ar. aculö (Cod. Dim. 82 /25 , auch aclo, wie im Banat Jb. III,

unter Einfluß von acile(a). ein (a)colo

213 u.

ar. aclotse),

dann,

[ar. ~, ir. colo] und (a)c6le(d) (auch acolö, acoleä, mgl. cola, ir. cole).

Da neben acilea

ein aci und acice bestand,

so

bildete man aus

(a)colea auch ar. aco und *acoace (vgl. intr'acoace).

Neben (a)cölo

besteht ein incolo, daher auch incoä(ce) [ar. ancoatse]. Die Bedeutung des letzteren („hierher") erklärt sich folgendermaßen: ein durch -et verstärktes aci („hier"): acice mußte „hier, in der nächsten

Nähe" bedeuten. Nun lieh man den Sinn der „nächsten Nähe" der Partikel -ce, so daß ein heben aco „dort" bestehendes *acoa-ce

15. acöper 25. adinc.

3

(incoace) nun „hierher" bedeuten konnte. Der ursprüngliche Sinn „dort" ist noch in aoäce (Conv. lit. XX, 1004) erhalten, welches sich zu *acoace wie acice zu aice verhält, während das ar. auätse hier"

bedeutet. (Nach Papahagi bedeutet ar. atsia im Epirus dort".)

15. acöper IV vb. [ar. acoapir] „bedecken" < * ac-cooperio, -Ire

vgl. coper.

16. dcru,

ä adj. [ar. ~, mgl. ~ auch:

„stolz, eingebildet"]

„sauer" <acrus, -a, -um [= acer, acris, -e vgl. l'hes. 1. 1.]: alb. egr§

„rauh, wild", it. agro, sard. agru, argu, frz. aigre, sp. pg. agro.

17. ar.

ac$l adv.

„so,

derart" <eccum-sic: mod. akse, bol.

akusz, roman. akkusi, bari aksi, a.-pv. acsi. Vgl. a§a.

jetzt"

18. actim(a) etc. adv. „jetzt".

(it.

mo,

Zugrunde liegt mo[do] „eben,

sard. moi, cal. mo, neap. mo-ne, ven. mo-ja etc.).

Amii [ar. ~, amo,

mgl. mo(tsi)] geht auf ad-mo[do]:

eng. amo,

comask. ammö zurück. Aus eccum-modo (frl. cumb, acumb) entsteht

*acumü, mit Synkope acmü (Cor. Psalt. 26) [ar. ~,

mgl. cmo(tsi),

ir. (a)cmo(t§e)]. Durch eine Kreuzung mit quomo[do] trat in *acumü

die Akzentverschiebung acümu ein, woraus acüm und mit dem -a:

acüma (auch log. komo „jetzt" erklärt sich durch die Beeinflussung

des eccum-mo[do] durch quomo[doJ). Wie sich dazu acil {actis, acusa,

mgl. (a)cu) „jetzt" verhält, ist dunkel.

19. addog, -aosei (Dan. u. -)- <adans), -aos III vb. (adaog I,

adaog{esc) IV) [ar. adavgu, adapsu, adaptu II, adaogu I, IV, mgl.

ere Dens.

zur

H. 1. r. 147):

daug, daus\ „vermehren" <(adaügeo, -xi, -ctum, -£re

(=

a.-frz. aoire, pv. Prtz. azaut. Der Übergang

IV