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Das Fundament 6/2008

Mit Jesus am Arbeitsplatz


- Unverzichtbare Voraussetzungen
und praktische Hilfen
Jürgen Koppitz, Holzkirchen

Im ersten Teil seines Vortrages, der im Fundament 5/2008 veröffentlicht


wurde, behandelte Jürgen Koppitz die Frage nach der Herausforderung und
die Bewährung als Christ am Arbeitsplatz. In einem zweiten Teil geht er
nun der Frage nach, welches die Voraussetzungen für ein gelingendes Zeug-
nis am Arbeitsplatz sind, und gibt dazu ein paar gute Praxistipps.

Unverzichtbare Voraus- liegen, dass exakt dieser Punkt mei-


ne Achillesferse ist. Also der Punkt,
setzungen - Die Verbin- an dem ich am allermeisten zu
dung zu Christus kämpfen habe, aber den ich – nicht
   Nun wollen wir zu der Frage nur deshalb – als den wesentlichen
kommen, welche unverzichtbaren und zentralen erachte. Es ist die
Voraussetzungen es gibt, wenn es enge und vertraute Verbindung mit
sich um „Mit Jesus am Arbeitsplatz” unserem Herrn Jesus Christus.
dreht. Wo soll denn die Kraft und An mehreren Stellen im Neuen
die Motivation herkommen, um die Testament wird die Gemeinschaft
oben genannten Dinge anzugehen? zwischen Jesus und seiner Gemeinde
Wie kann das gelingen? mit dem Bild der Ehe verglichen:
Ich habe mir das Thema ge- Jesus als der Bräutigam und die Ge-
raume Zeit durch den Kopf gehen meinde als die Braut. Es ist wohl
lassen und lange darüber nach- nicht überzogen, dieses Bild auch
gedacht, was denn wohl absolut auf die Gemeinschaft zwischen Jesus
„unverzichtbar” sei. Und mir ist und dem Einzelnen zu übertragen.
eine Sache dabei immer wieder ein- Als wir frisch verliebt waren,
gefallen. Das kann durchaus daran konnten wir diese Vergleiche


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besonders gut nachvollziehen. einander Dinge unternehmen und


Warum? Nun, weil wir jede freie miteinander sprechen über das,
Minute, wenn irgend möglich, was uns bewegt. Aber wie schnell
miteinander verbrachten. Weil es geht das im hektischen Alltag
nichts Wichtigeres gab und wir so unter, und zuletzt bleibt nur noch
manche Unbequemlichkeit und viel der gemeinsame Haushalt und das
Einsatz an Zeit und Geld in diese geteilte Bett.
Beziehung gesteckt haben, in die zu So ähnlich scheint es mir auch
unserem menschlichen Partner. mit unserer Verbindung zu un-
Dann kam der Ehealltag und serem Herrn Jesus zu sein. Neu-
wir mussten es lernen, miteinander bekehrt haben wir jede Menge
im Gespräch zu bleiben. Das heißt, Literatur - auch die Bibel - versch-
am Leben und am Alltag des ande- lungen, gerne und oft mit anderen
ren Anteil zu nehmen, gemeinsam Menschen über Jesus gesprochen,
Zeit zu verbringen, indem wir mit- uns freiwillig in den Dienst in un-


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serer Gemeinde gestellt, Zeit und nicht müde und schläft nicht ein“
Geld investiert. Dann kühlte dies (Psalm 121, 3 - 4).
alles langsam ab, und wir haben Aber Jesus hat sich all´ seiner
vergessen, dass in der Gemein- Gottheit „entäußert“, er wurde
schaft mit dem lebendigen Gott ganz Mensch wie wir, ein Mensch,
Gleiches zu gelten scheint wie in der ausgelaugt war, nachdem er
einer guten zwischenmenschlichen vor 5000 Zuhörern eine mehrstün-
Partnerschaft: aus dem Verliebtsein dige Rede gehalten und Kranke
muss Liebe werden. Und das be- geheilt hatte, der Phasen der Ruhe
deutet: echte Arbeit, allen Einsatz dringend benötigte, so wie jeder
und einige Mühe. andere von uns auch, Phasen des
Wir stellen uns also noch Auftankens und Atemholens, des
einmal die Frage: Wo soll denn engen und vertrauten Gesprächs
nun die Kraft und die Motivation mit Gott, dem Vater. Die Bibel
herkommen, um die zu Beginn des berichtet uns an etlichen Stellen,
Vortrags erläuterten Dinge anzuge- dass Jesus die Stille im Gespräch
hen? Wie kann das gelingen? Die mit seinem Vater suchte:
Antwort lautet: Nur auf Basis einer „Darauf verbreitete sich die
unverzichtbaren Voraussetzung: Nachricht von Jesus noch mehr.
der engen und vertrauten Verbin- Scharenweise kamen die Menschen,
dung zu Jesus Christus. „Ach,” um ihn zu hören und sich von ihren
werden Sie jetzt vielleicht sagen, Krankheiten heilen zu lassen. Aber
„so simpel soll das sein? Ich hatte Jesus zog sich zurück und hielt sich
mir da aber mehr erwartet!” Oh, in einsamen Gegenden auf, um zu
ich wünschte, es wäre so simpel! beten“ (Lukas 5, 15 - 16).
Wie sehr hat Jesus selbst die „Damals geschah Folgendes: Jesus
Gemeinschaft mit Gott, dem ging auf einen Berg, um zu beten.
Vater, gesucht! Jesus war und ist Die ganze Nacht hindurch sprach
Gottes Sohn, ja, die Bibel sagt, er im Gebet mit Gott. Als es Tag
Jesus ist Gott selbst. Und von Gott wurde, rief er seine Jünger zu sich
heißt es doch schließlich in der und wählte aus ihnen zwölf aus,
Bibel: „Und du sollst wissen: Der die er auch Apostel nannte“ (Lu-
Herr lässt nicht zu, dass du zu Fall kas 6, 12 - 13).
kommst. Er gibt immer auf dich Aber wir meinen, ohne solche
acht. Er, der Beschützer Israels, wird Phasen in unserem Leben aus-


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kommen zu können. Jedenfalls Warum ist es so wichtig, dass wir


leben wir so. Jesus selbst nahm sich mit Jesus diese enge Vertrautheit
Zeit zum Gespräch mit Gott nach besitzen?
anstrengenden Aufgaben und vor Wenn ich weiß, was Jesus von
wichtigen Entscheidungen. Und er mir will, wenn meine innere, ver-
lehrte seine Jünger, seinem Beispiel borgene Welt in Ordnung ist und
zu folgen. ich echte persönliche Gemeinschaft
Jeder von uns erlebt als Christ mit Jesus genieße, dann bin ich in-
persönliche Begegnung mit Gott, nerlich gefestigt, um in einer rauen
zum Beispiel in unserer stillen Zeit. Welt zu bestehen und belastbar zu
Samuel Logan Brengle, ein Evan- sein. Enge Verbindung, ja Vertraut-
gelist der Heilsarmee, hat einmal heit mit Jesus bedeutet, Quellen zu
sehr treffend formuliert, was sich in besitzen, von denen man zehren
seiner stillen Zeit abspielt. Er kann kann, wenn alles um uns herum
das besser als ich, und deshalb will zusammenbricht.
ich ihn zitieren: „Ich verbringe viel Was kann man praktisch tun,
Zeit damit zuzuhören. Gebet soll um die Verbindung zu Jesus Chris-
nämlich nicht nur ein Monolog, tus zu halten?
sondern ein Dialog sein. Es ist
Gemeinschaft, eine freundliche
Unterhaltung. Während der Herr
hauptsächlich durch sein Wort mit Stille Zeit einplanen
mir redet, schenkt er mir viel Zu-
neigung auf eine sehr direkte Art Die lebendige und Leben spen-
und Weise. Mit Zuneigung meine dende Beziehung mit Christus ist
ich nicht, dass er mich drückt und ein Privileg, welches wir verspielen,
umarmt, sondern dass er mir eine wenn wir geistlich undiszipliniert
Gewissheit schenkt. Die Gewissheit leben. Das Schlimme daran ist:
seiner Gegenwart in mir und seine dann werden wir auch nur wenig
Freude an meinem Dienst.“ Kraft zur Bewältigung von Krisen-
Ist das nicht das, wonach wir momenten besitzen.
uns alle sehnen? Enge Gemein- Wir sind heute so an Lärm ge-
schaft mit unserem Herrn Jesus, wöhnt, zum Beispiel an die endlose
deren geringe Ausprägung viele Berieselung mit Musik, dass wir
von uns in ihrem Leben beklagen? ganz unruhig werden, wenn es


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einmal ruhig um
uns herum ist.
So wird uns

schon
die Minute der
Stille zu Beginn der Gottes-
dienste in unserer Münchner Ge-
meinde lang: bei sechzig Sekunden
sind wir bereits nervös!
Gott ruft nicht laut, sondern er
spricht in der Stille. Wenn wir uns Auf Gott hören
die Zeit zur Stille nicht nehmen, In der Stille können wir auf Gott
werden wir Gottes Stimme nie hören. Das wird, wenn wir damit
vernehmen! neu beginnen, nicht ganz einfach
Vielleicht ist es die schwierigste sein. Es gibt dazu aber einen guten
Übung überhaupt, echte Stille zu Tipp: eine Art geistliches Tagebuch
suchen, die Routine zu durchbre- zu schreiben.
chen, sich von den Anforderungen Es ist doch komisch: viele
der äußeren Welt zurückzuziehen, Dinge, die für uns in der Arbeit
um Jesus zu treffen. Wir singen selbstverständlich sind, nutzen wir
davon in dem Lied „In der Stille im geistlichen Bereich überhaupt
angekommen ... Zeit mit Gott nicht. Wenn man einen Job hat wie
verbringen, die Welt mit seinen ich, bei dem man geistig arbeitet,
Augen sehn.“


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indem man zum Beispiel Software schönsten, aber auch dunkelsten


entwickelt, indem man ein Projekt Momente in meinem Leben.“
oder eine Marketingstrategie plant, Ich führe auch ein solches
Budgets verfolgt und Ähnliches, Tagebuch. Nicht täglich, eher in
dann greift man zu Stift und loser Folge. Aber es hilft mir, mich
Papier – oder heute eher zum PC zu erinnern an das, was Gott mir
– und beginnt, die Gedanken und gezeigt und deutlich gemacht hat,
Ideen niederzuschreiben, vielleicht und wo ich ihn erfahren habe. Ich
in Form einer MindMap. Dies schreibe dort auch Dinge auf, die
dient dazu, die eigenen Gedanken mir in Bibelarbeiten oder beim Le-
zu strukturieren, es hilft, klarer zu sen eines Buches klar werden. Den
denken und nichts zu vergessen. kleinen Organizer, auf den ich dies
Warum setzen wir diese Technik schreibe, habe ich immer dabei,
eigentlich nicht ein, wenn wir mit wenn ich ein Buch lese, um mir
Gott im Gespräch sind? wichtige Dinge zu notieren. Und
Der amerikanische Pastor ich merke, wie ich davon profitiere.
Gordon MacDonald berichtet über Unsere Gedanken so zu kon-
seine Angewohnheit, Tagebuch zu zentrieren und in die Gegenwart
schreiben, Folgendes: „Ich fand Gottes zu bringen, benötigt Zeit,
heraus, dass, wenn ich mit einem einen Vorlauf, den wir uns erst
Stift vor einem Blatt Papier sitze, nehmen müssen, damit wir – oft
ich schon einmal erwartungsvoll emotional noch beansprucht und
bin und bereit dazu, alles von Gott außer Atem vom Alltag – zur Ruhe
zu hören, was er mir durch mein kommen können.
Bibellesen oder Nachdenken sagen Das Ergebnis dieses Hörens
könnte. ... Ich beschrieb meine Ge- auf Gott kann unterschiedlich
fühle, Ängste, Schwächen, Hoff- ausfallen: Erkennen von Schuld,
nungen und auch meine Entde- Verlangen danach, Gott zu loben
ckungen, wohin Jesus mich führen und ihm Dank zu sagen, willig
wollte. ... Mir wurde zunehmend werden, sich neu Gottes Leitung zu
klar, dass Gottes Heiliger Geist unterstellen und das, was Gott uns
viele der Gedanken und Offen- sagen möchte, neu zu begreifen.
barungen lenkte, während ich sie Und ganz wichtig: lassen Sie
notierte. ... Mein Tagebuch ist ein sich nicht verunsichern, wenn
Dokument der Treue Gottes, der die Gebetszeit angefochten und


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umkämpft ist. Das ist nicht weiter wandeln, damit euer ganzes Denken
verwunderlich. Es ist so, dass der erneuert wird. Dann könnt ihr euch
Sündenfall die geistlichen Dimen- ein sicheres Urteil bilden, welches
sionen des Menschen am stärksten Verhalten dem Willen Gottes ent-
angegriffen und beeinträchtigt hat. spricht, und wisst in jedem einzelnen
Gebet, also das Reden mit Gott, ist Fall, was gut und gottgefällig und
so zu einem unnatürlichen Vor- vollkommen ist“ (Römer 12, 2).
gang für uns Menschen geworden, Es ist wichtig, dass wir in der
den wir erst wieder lernen müssen. Lage sind zu beurteilen, ob un-
ser Tun und das, wozu man uns
auffordert, dem Willen Gottes
entspricht oder nicht. Das können
Unverzichtbare wir nicht aus uns selbst heraus,
sondern nur dann, wenn Gott uns
Voraussetzungen umwandelt, wenn er unser ganzes
- Klare Prioritäten Denken komplett erneuert.
Aus der engen und vertrauten Unser Denken und unsere
Verbindung zu Jesus Christus, die Maßstäbe sind heute vielfach
wir als seine Nachfolger täglich ha- unterwandert und durchsetzt von
ben und genießen können, folgen weltlichen Werten, die manches
eine ganze Reihe von Dingen, die Mal nicht mit dem Willen Gottes
unseren Alltag prägen und verän- vereinbar sind. Ich glaube, dass wir
dern. Ein Punkt ist, dass wir als durch unser heutiges Umfeld als
Nachfolger klare Prioritäten haben, Christen viel mehr gefährdet sind,
die sich zuallererst an dem Wort als wir das wissen und wahrhaben
Gottes, der Bibel, orientieren. wollen. Wir müssen uns immer
Es ist wichtig, dass wir Jesus wieder überprüfen:
täglich darum bitten, dass er uns
sensibel macht für seinen Willen 
Welchem Gedankengut setzen
und dafür, wie wir handeln sollen. wir uns maßgeblich aus?
Paulus schreibt in seinem Brief an 
Was ist unsere Literatur, wel-
die Gemeinde in Rom: „Passt euch che Fernsehsendungen konsu-
nicht den Maßstäben dieser Welt an. mieren wir, welches Gedanken-
Lasst euch vielmehr von Gott um- gut darf uns bestimmen?

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Mit Jesus am Arbeitsplatz


Hat Gott Gelegenheit, uns was weiteres Befremden im Team
ganz zu erneuern? auslöste. Kapitän Bordon erklärte,

Was ist unser Maßstab im dass allein Gott totale Dominanz
Alltag? Das Handbuch zur beanspruchen dürfe, und fand da-
Karriereberatung für Ingeni- mit nicht nur in der beträchtlichen
eure? Oder die Bibel? Bibelfraktion Anklang.“
Ich habe mich sehr über diesen
Es ist wichtig, dass wir durch Abschnitt des Artikels gefreut.
das regelmäßige Lesen in der Bibel Die Reaktion des Schalker Ka-
in unseren Wertvorstellungen pitäns Marcelo Bordon ist ein
geprägt, und durch die Verbindung gutes Beispiel für das Christsein
zu Jesus Christus neu in unserem am Arbeitsplatz. Beeindruckt hat
Gewissen sensibilisiert werden mich hieran gleich mehrerlei: Die
– sensibel dafür zu erkennen, wo unverblümte und klare Stellung-
wir als Christen gefordert sind, nahme von Bordon. Er redet nicht
anders zu sein und uns anders verklausuliert um den heißen Brei
zu verhalten als die Kollegen herum, sondern wird ganz deutlich
um uns her. Ich will ein schönes in seiner Aussage. Er trägt seine
Beispiel dafür bringen, welches Kritik nicht vorsichtig in Form
ich in der Süddeutschen Zeitung einer Frage vor, nach dem Motto:
gelesen habe. Im Sportteil der „Ob das eine gute Strategie ist? Ob
Wochenendausgabe der SZ vom uns das denn weiter bringen wird?“
19./20.05.2007 stand zu lesen, Bordon zeigt hier ein sensibles
dass beim Fußballclub FC Schalke Gewissen und ein feines Gespür
04… „…der neue Mentaltrainer dafür, wo dem Menschen eine
im Trainingslager einen sechs- Stellung eingeräumt wird, die ihm
seitigen Fragenkatalog verteilte, nicht gebührt. Man mag seine Re-
der unter anderem Auskunft über aktion vielleicht überempfindlich
sexuelle Gewohnheiten verlangte. nennen, aber mein Eindruck ist,
Torwart Rost und Vorstopper dass Bordon die biblischen Aussa-
Krstajic verweigerten aus Prinzip gen über Gott sehr ernst nimmt.
die Teilnahme. Es setzte sich damit Dieser kurze Abschnitt zeigt
fort, dass die Spieler Hemden auch, dass eine klare und deut-
mit dem symbolhaften Aufdruck liche Positionierung als Christ am
„Totale Dominanz“ erhielten, Arbeitsplatz nicht zwangsläufig

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Das Fundament 6/2008

nachteilig für die eigene Person „Wohin kann ich gehen, um dir
sein muss. Wenn ich als Person zu entrinnen, wohin fliehen, damit
integer bin und das, was ich sage, du mich nicht siehst? Steige ich
auch zu meinem Verhalten passt! hinauf in den Himmel - du bist da.
Und diese Episode zeigt uns, Verstecke ich mich in der Totenwelt
dass es - wenn wir die Augen und - dort bist du auch. Fliege ich dort-
die Ohren offen halten - in unserem hin, wo die Sonne aufgeht, oder zum
beruflichen Alltag vielleicht mehr Ende des Meeres, wo sie versinkt:
Gelegenheiten zur Stellungnahme auch dort wird deine Hand nach
gibt, als uns das lieb sein mag. mir greifen, auch dort lässt du mich
nicht los“ (Psalm 139, 7 - 10).
„Denn wo zwei oder drei in
meinem Namen zusammenkommen,
Unverzichtbare da bin ich selbst in ihrer Mitte“
Voraussetzungen (Matthäus 18, 20).
„Darum geht nun zu allen
- Gott ist schon da! Völkern der Welt und macht die
Das ist wirklich eine unverzicht- Menschen zu meinen Jüngern und
bare Voraussetzung – so verblüf- Jüngerinnen! Tauft sie im Namen
fend simpel diese Erkenntnis auch des Vaters und des Sohnes und des
sein mag. Wie könnte ich denn mit Heiligen Geistes und lehrt sie, alles
Jesus am Arbeitsplatz sein, wenn er zu befolgen, was ich euch aufgetra-
- wenn der dreieinige Gott - nicht gen habe. Und das sollt ihr wissen:
auch da ist? Ich bin immer bei euch, jeden Tag,
Ja, er ist es, weil er an jedem bis zum Ende der Welt“ (Matthäus
Ort unserer Erde (und darüber 28, 19 - 20).
hinaus) zeitgleich anwesend ist. Wir stehen hier wieder vor einer
Wir nennen das „Allgegenwart Diskrepanz zwischen dem, was wir
Gottes” und es ist eine der Ei- daheim in unserer stillen Zeit oder
genschaften unseres Schöpfers. in der Gemeinde erleben, und der
In der Bibel lesen wir über diese Erfahrung in der Arbeit. Daheim
Eigenschaft an mehreren Stellen in fühlen wir uns im Gebet Gott
unterschiedlichen Zusammenhän- nahe; am Arbeitsplatz scheint er
gen (siehe auch Sprüche 15, 3): jedoch weit weg zu sein.

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Mit Jesus am Arbeitsplatz

Gott hat versprochen, da zu sein, kleinen Dinge unseres Alltags. Wir


wo wir sind. Wir haben es gerade düfen uns auf sein Versprechen, da
in Matthäus 28 gelesen. So hat er zu sein, ganz verlassen.
auch die Exilanten des Volkes Israel Wir dürfen uns nicht nur auf
ermutigt. Aus der Kriegsgefangen- sein „Dabeisein” verlassen, wir
schaft aus Babel zurückgekehrt, müssen es sogar. Wir werden
begannen sie damit, den Tempel als Christen nicht aus eigener
wieder aufzubauen. Bald waren Kraft heraus Zeichen an un-
sie jedoch durch den heftigen serem Arbeitsplatz setzen können.
Gegenwind entmutigt, der ihnen Das wäre eine echte „Mission
entgegenwehte. Da schickte Gott Impossible”(eine nicht mögliche
ihnen den Propheten Haggai, der zu Aufgabe)! Aber Gott hat uns ver-
ihnen sprach: „Wer von euch hat den sprochen: „Du brauchst nicht mehr
Tempel noch gesehen, bevor er zerstört als meine Gnade. Je schwächer du
wurde? Wie prächtig war er damals! bist, desto stärker erweist sich an dir
Und wie kümmerlich ist das, was meine Kraft!“ (2. Korinther 12, 9).
ihr jetzt entstehen seht! Es ist nichts,
verglichen mit dem, was früher hier
stand. Aber jetzt sagt euch der Herr:
Lasst euch nicht entmutigen! Ans
Werk, Serubbabel, ans Werk, Jeschua,
Sohn Jozadaks, du Oberster Priester!
Ans Werk, ihr Leute von Juda! Ich
stehe euch bei. Das sage ich, der
Herr, der Herrscher der Welt. Ich
habe euch meine Hilfe zugesagt,
als ihr aus Ägypten gezogen seid,
und diese Zusage gilt auch jetzt noch.
Mein Geist ist mitten unter euch,
habt keine Angst! Ich stehe euch bei!“
(Haggai 2, 3 - 5)
Es gibt keine Situation, in der Pausen nutzen
wir stehen mögen, an der Jesus
Wir haben also eine Vielzahl an
nicht interessiert wäre. Er interes-
Verheißungen der Gegenwart Got-
siert sich für die großen wie für die

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Das Fundament 6/2008

tes und der Zusage seiner Kraft. Alltag zu schaffen, an denen ich
Nun ist es gut, wenn wir uns ange- mich Jesus ganz bewusst zuwende,
wöhnen, uns dies immer wieder im um mit ihm zu sprechen und ihn
Laufe des Tages zu vergegenwärti- zu loben. Das ist eine Frage der
gen und mit ihm zu sprechen im Gewohnheit. Wir können dafür
Gebet. Ihn um Unterstützung zu die vielen natürlichen Unterbre-
bitten, wo wir sie gerade konkret chungen in unserem täglichen
benötigen, ihn aber auch immer Arbeitsablauf nutzen:
wieder für das zu loben und anzu-
beten, was er für uns getan hat und 
Die Zeit zwischen zwei Be-
was er ist: nämlich der Schöpfer sprechungen: oft eine Zeit des
Himmels und der Erde und der Umschaltens zwischen zwei
liebende Vater. Gott legt Wert auf unterschiedlichen Aufgaben.
unser Lob und unsere Anbetung;

Kurzfristig abgesagte Termine
nicht nur sonntagmorgens im Got-
oder Besprechungen: dies ist
tesdienst unserer Gemeinde.
unerwartet gewonnene Zeit, die
Gott, der Vater, und auch Jesus
wir gerne für die vielen anderen
haben uns einen Rhythmus von
Aufgaben auf unserer To-do-
Arbeit und Pausen gezeigt und
Liste nutzen. Warum nicht
vorgelebt. Dieser Bogen spannt
dann kurz innehalten und et-
sich von der Schöpfung der Erde
was dieser Zeit in ein Gespräch
und der dortigen Verankerung des
mit Jesus investieren?
siebenten Tages - des Sabbat - als
Ruhetag, bis hin zu den Auszeiten 
Kaffeepausen: immer willkom-
Jesu während seines Wirkens als mene Unterbrechungen unserer
Mensch auf der Erde. Solche Pau- täglichen Arbeit. Wir können
sen müssen natürlich nicht gleich sie nutzen, um im Internet zu
ein ganzer Tag sein. Doch einen surfen, durch Zeitschriften zu
solchen Rhythmus sollte man sich sehen oder…
unbedingt für den Verlauf eines

Wartezeiten: es gibt sie auch
Tages zu eigen machen. Das heißt,
heute noch, selbst in unserem
die tägliche Arbeit ab und an zu
gut organisierten Büroalltag.
unterbrechen und darüber nach-
Am Drucker, Kopierer oder
zudenken, von welcher Realität
Faxgerät. Woran denken wir
ich gerade umgeben bin. Inseln im

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Mit Jesus am Arbeitsplatz

„Der Herr ist unser Gott, der Herr


und auf was konzentrieren wir
und sonst keiner. Darum liebt ihn
uns in diesen kurzen Phasen
von ganzem Herzen, mit ganzem
der geistigen Entspannung?
Willen und mit aller Kraft. Behaltet

Reisezeiten zur Arbeit und die Gebote im Gedächtnis, die ich
nach Hause, Aufenthalte an euch heute verkünde! Prägt sie euren
Bahnhöfen oder Flughäfen und Kindern ein und sagt sie euch immer
im täglichen Stau. Muss dabei wieder vor - zu Hause und auf Rei-
immer der MP3-Player laufen? sen, wenn ihr euch schlafen legt und
wenn ihr erwacht. Bindet sie euch zur

Und vor der kommenden Kri-
ständigen Erinnerung an den Arm
senbesprechung gibt es immer
und auf die Stirn. Schreibt sie auf die
noch die Toilette für ein kurzes
Türpfosten eurer Häuser und auf die
Gebet!
Tore eurer Städte“ (5. Mose 6, 4 - 9).
Man findet so viele Stellen
in der Bibel, die eine ungeheure
Aktualität besitzen. Das hier ist so
Erinnerungen schaffen eine – wenn sie auch zunächst vor
Eine meiner Lieblingsstellen in der tausenden von Jahren von Gott
Bibel steht im Alten Testament: über Mose an die Israeliten gerich-

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Das Fundament 6/2008

tet war. Der amerikanische Pastor Der Tischkalender mit


Mike Yaconelli hat garantiert diese
Textstelle im Sinn gehabt, als er
Versen aus Gottes Wort
vor einigen Jahren die Armbänder Das Läuten des Telefons. Ich ver-
schuf, die ihre jugendlichen Träger gegenwärtige mir mit dem ersten
immer wieder an den Satz erinnern Läuten vor dem Abheben: Jesus
sollten: „What would Jesus do?“ ist jetzt hier und er ist dabei in
(Was würde Jesus tun?). dem folgenden Telefongespräch,
Wir haben uns heute gegenüber vor allem, wenn ich schon an der
dem damaligen Volk Israel nicht Vorwahl sehe, dass dies wohl kein
geändert: wir benötigen praktische einfaches Gespräch werden wird!
Hilfen, um immer wieder an Gott Die Türpfosten beim Eintre-
und seine Anwesenheit in unserem ten in den Besprechungsraum: sie
Alltag erinnert zu werden. erinnern mich daran, dass Jesus
Computer bieten hier vielfältige im folgenden Meeting mit anwe-
Möglichkeiten. Die automatisch send ist, und an seine Frage an den
angezeigte Losung beim Starten Blinden in Jericho: „Was willst du?
des PCs am Morgen, das Einbin- Was soll ich für dich tun?“ (Mar-
den von Hintergrundbildern mit kus 10, 51) Und das sage ich ihm
Texten, die Nutzung von Bild- mit einem Satz.
schirmschonern, um ein biblisches Solche Erinnerungen und Pau-
Wort zur Erinnerung anzuzeigen, sen sind wie ein kurzes Atemholen
nebenbei Visitenkarten unserer unserer Seele.
Gesinnung und Zeichen für
andere. Auf einer Dienstreise nach
Dallas habe ich so bei unserem
Geschäftspartner einen Christen Betriebsgebetskreise
kennen gelernt; auf seinem Bild-
schirmschoner wand sich in großen Wir haben gerade mit einem solchen
Lettern der Schriftzug: „Er ist Kreis in unserer Firma begonnen
auferstanden!“ (He is risen!) und sind derzeit zu sechst. Nie sind
dienstagmorgens zu unseren Ge-
betstreffen alle da, aber immer tun
sie den Anwesenden gut, weil wir
eins werden im Gebet für uns, die
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Mit Jesus am Arbeitsplatz

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Firma und die Kollegen, und weil es ich ihn dann nach dem Kalender.
uns auch das vergegenwärtigt: Gott Ob er denn verstehe, was darauf in
ist hier im Betrieb am Werk, und deutscher Sprache zu lesen sei?
wir gehen anschließend anders an Nein, war die Antwort. Er hatte
unseren Arbeitsplatz als sonst. keine Ahnung und sprach kein
Wort deutsch. Den Kalender hatte
er von seinem Vorgänger geerbt,
der ihn auf einer Dienstreise zu
Schluss: Wie es in Asien unserer Firmenzentrale nach Mün-
chen geschenkt bekommen hatte.
weiterging…
Wir sind am Ende unseres heuti-
gen Streifzuges durch das Thema
„Mit Jesus am Arbeitsplatz” ange-
langt. Und vielleicht interessiert es
Sie, wie die Sache mit dem deut-
schen Kalender in dem asiatischen
Land weiterging?
Wie schon gesagt, machte mir
der österliche Bibelvers „Der Herr ist
auferstanden! Er ist wahrhaftig auf-
erstanden!” (Lukas 24, 34), den ich
am ersten Tag der kniffligen Reise Und so konnte ich ihm erzählen,
über dem Schreibtisch entdeckt was dort stand, und von was das
hatte, viel Mut und Freude. Als eine Neue Testament berichtet. Ich weiß
Woche später der asiatische Kollege nicht, ob er darüber heute noch
wieder im Büro war, musste ich den nachdenkt, und ich habe keinen
liebgewordenen Schreibtisch wieder regelmäßigen Kontakt mit ihm.
räumen und nach einem anderen Aber wir sollen und dürfen
freien Platz Ausschau halten. In Zeugen unseres Herrn Jesus sein.
der nächsten Mittagspause fragte Das Resultat dürfen wir dann ge-
trost ihm überlassen. Immer. 
Anmerkungen:
siehe auch Lukas 9, 28-29; Matthäus 14, 23; Matthäus 26, 36.42 (Gethse-
mane); Markus 1, 35; Markus 6, 46.

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