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V SEGMENTDREHSCHEIBE HOe

Segmentdrehscheiben, auch Drehbühnen


genannt, können aufgrund ihrer Konstrukti-
on keine Drehung um 360° sondern nur ei-
nen Teil davon ausführen. Sie sind eigent-
lich ein ausgesprochen modellbahnge-
rechtes Ausstattungsdetail, besonders für
Schmalspurbahnen. Beim Vorbild kommen
sie überall dort zum Einsatz, wo kein Platz
für lange Weichenstraßen vorhanden ist
oder wo große Winkel zwischen den An-
schlußgleisen zu überwinden sind (Proble-
me, die auch bei der Modellbahn vorhan-
den sind).
In den Betriebswerken Mansfeld und Neu-
enmarkt- Wirsberg sowie im Bahnhof Zittau
sind noch heute solche Segmentdreh-
scheiben zu finden.
Die nachstehend beschriebene Drehbühne
hat kein konkretes Vorbild, so daß genü-
gend Freiraum für individuelle Ausführung
bleibt. Besondere Maschinen oder Werk-
zeuge werden für den Nachbau nicht be-
nötigt.

Aufbau des Modells:

Die Bühne besteht im Wesentlichen aus ei- Im vorderen Teil des Kastenträgers sor-
nem Kastenträger, in dem ein Faulhaber- gen zwei Zusatzgewichte für die nötige
Getriebemotor eine kugelgelagerte Welle Traktion beim Verfahren der leeren Büh-
antreibt, auf der eine gummibeschichtete ne.
Kassettenrecorder- Antriebsrolle befestigt Eine Arretierung an den Anschlußgleisen
ist. Diese Rolle läuft auf einer Laufschiene, ist nicht vorgesehen, hier ist das Finger-
die auf dem Boden der Grube befestigt ist spitzengefühl des Rangierers gefragt.
und bewegt so die Bühne. Als Antriebs- Gefahren wird die Bühne mittels Tasten-
motor sollte möglichst ein Glockenanker- druck, angehalten wird durch Loslassen.
motor genommen werden, da nur so ein Ein zweipoliger Umschalter legt vorher die
geräuschloser Lauf und eine genaue Re- Laufrichtung fest. In der Endlage dreht
gelung der Stromversorgung und Drehge- das Antriebsrad durch, ohne dabei Scha-
schwindigkeit möglich ist. den zu nehmen. Mit einem in Reihe zum
Als Drehzapfen dient ein dreipoliger Ste- Antriebsmotor geschalteten Potentiometer
reo- Klinkenstecker mit 3,5 mm Durchmes- von 1 kΩ läßt sich die Versorgungsspan-
ser. Dieser wird zum einen zur Lagerung nung von 12 V bis auf etwa 1,5 V stufen-
der Bühne, zum anderen für die Stromver- los herabregeln, also die Geschwindigkeit
sorgung sowohl des Antriebsmotors als der Bühne in einem weiten Bereich ein-
auch des Gleises benutzt. Der Stecker ist stellen.
in Längsrichtung schwenkbar, um kleinere
Ungenauigkeiten beim Bau der Bühne und
der Laufschiene auszugleichen und eine
sichere Auflage der Andruckrolle zu ge-
währleisten.

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Bau der Bühne:

Der Kastenträger der Drehbühne - beim Addiert man zum Durchmesser des Mo-
Original meist eine Blechträgerkonstruktion, tors zweimal die Materialstärke der Perti-
seltener ein Fachwerk - wird aus 1,5 mm naxplatten für die Seitenwände des Ka-
dickem, kupferbeschichteten Pertinax stenträgers, erhält man die Mindestbreite
(Leiterplattenmaterial aus der Elektronik) des Kastens. Beim hier vorgeschlagenen
zusammengesetzt. Man sollte auf jeden Faulhaber- Getriebemo-tor mit einem
Fall das preiswerte Pertinax, auch Hartpa- Durchmesser von 17 mm wären das z.B.
pier genannt, verwenden, da das teurere 20 mm. Um dem Lokpersonal zu ermögli-
Epoxidmaterial mit normalen Werkzeugen chen, an der auf der Bühne stehenden
nur schwer zu bearbeiten ist und auch Lokomotive vorbeigehen zu können, müs-
gesundheitsschädlichen Staub produziert. sen an den Seiten noch je 10 mm breite
Die Größe der Bühne richtet sich nach der Laufstege angebracht werden. Das ergibt
Länge des längsten einzusetzenden Fahr- in unserem Beispiel eine Gesamtbreite
zeuges. Die Breite der Bühne, vor allem von 40 mm.
des Kastenträgers, wird hingegen von der Die Seitenteile werden an der Oberseite
Art des zur Anwendung kommenden An- befestigt (kleben oder löten), wobei die
triebs vorgegeben. Oberseite zwischen den Seitenteilen liegt.

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Spant 1 wird am hinteren Ende der Bühne, Ein Ende der Kardanwelle wird in den Sili-
Spant 2 ca. 20 mm davor eingebaut. Dann konschlauch der Antriebswelle gesteckt,
wird die Kasettenrecorderandruckrolle das andere Ende wird mit einem gleichar-
(Durchmesser 10 mm) auf eine Antriebs- tigen Stück Schlauch (ca. 1 cm lang) mit
welle (Durchmesser 2 mm, Länge ca. 30 der Getriebewelle verbunden.
mm) gesteckt und die Kugellager werden in Auf der Oberseite der Bühne können nun
den Spanten 3 und 4 befestigt. 20 mm vom die Schienen aufgeklebt oder gelötet wer-
vorderen Ende der Bühne wird Spant 3 den (beim Löten elektrische Trennung
eingebaut und die Antriebswelle in das Ku- zwischen den Schienen nicht vergessen).
gellager gesteckt. Danach wird Spant 4 di- Die Schienen sollten einige Millimeter
rekt am vorderen Ende bündig eingebaut. über das vordere Ende der Bühne ragen,
Die Antriebswelle muß sich leicht in den um sie später dem Radius der Gruben-
Kugellagern drehen lassen und darf nicht wand anpassen zu können. Jetzt werden
aus dem vorderen Kugellager vorstehen. die Anschlußdrähte an Motor und Gleis
Auf das innen ca. 10 mm vorstehende En- gelötet, wobei zu beachten ist, daß ein Pol
de der Antriebswelle wird ein Stück Silikon- des Motors mit einer Schiene als gemein-
schlauch (ca. 1 cm lang) gesteckt, das same Stromrückführung zu verbinden ist.
später als Kardangelenk dient. Der Getrie- Die drei Kabel werden mit dem Stereo-
bemotor wird mit dem Getriebegehäuse in klinkenstecker verbunden, von dem nur
die rechteckige Öffnung der Oberseite, der Einschraubteil benötigt wird.
mit Wellenausgang in Richtung Antriebs- Der Klinkenstecker wird mit einem Stück
welle, gesteckt, waagerecht ausgerichtet Messingrohr (Innendurchmesser größer
und mit Zweikomponentenkleber festge- als 2 mm) verlötet. Die Länge des Mes-
klebt. singrohrs wird so bemessen, daß es leicht
Nun wird die Kardanwelle (2 mm Durch- zwischen die Seitenwände des Kastenträ-
messer) angefertigt. Die genaue Länge gers paßt, ohne zu viel Luft zu haben.
hängt von der Länge der Bühne ab, die Dann wird das Ganze in den hinteren Teil
Welle muß mit etwas Luft zwischen die der Bühne gesteckt und durch Einstecken
Getriebeausgangswelle und Antriebswelle eines Bolzens von 2 mm Durchmesser
mit der Andruckrolle passen. beweglich gelagert.

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Der Stecker muß sich leicht in Längsrich- Nach dem Verdrahten der Klinkenbuchse
tung bewegen lassen und genau senk- sollte die eingesteckte Bühne problemlos
recht sitzen, sonst läßt sich die Bühne von einer Endlage in die andere laufen.
später nur schlecht verfahren, bzw. sitzt Hierbei ist besonders darauf zu achten,
schief. daß die Kasettenrecorderandruckrolle
Nach dem Einkleben der möglichst weit immer genau auf der Laufschiene abrollt.
vorne anzubringenden Zusatzgewichte aus Eventuelle Korrekturen lassen sich jetzt
Blei und dem Einpassen der Bühnenunter- an der Laufschiene wesentlich leichter
seite sollten die rechteckigen Öffnungen in durchführen als in eingebautem Zustand.
der Ober- und Unterseite mit Papierstreifen Beim Anbringen der Seitenwände beginnt
verschlossen werden, um den Innenraum man mit den geraden Seitenteilen, wobei
der Bühne vor Verschmutzung zu sichern. ständig zu kontrollieren ist, daß die Bühne
Auf der Oberseite sind anschließend auf nicht in ihrer Bewegung behindert wird.
jeder Seite Querträger (ca. 15 x 2 x 1,5 Danach wird die Rückwand angebracht
mm), Abstand ca. 14 mm (abhängig vom und nach dem Durchhärten aller Klebe-
verwendeten Geländer) anzubringen, auf stellen kann mit der Anbringung der ge-
denen Holzbohlen, Riffelblech oder ein bogenen Vorderwand begonnen werden.
Gitterrost sowie das Geländer für die Lauf- Die Biegung der Vorderwand sowie die
stege befestigt werden. Am hinteren Ende Abrundung der Bühnenvorderkante müs-
der Bühne ist noch ein Prellbock aus Profi- sen mit größter Sorgfalt vorgenom-
len und Holzbohlen samt Sh 0 Tafel anzu- men werden um den unvermeidlichen
bringen. Spalt zwischen Bühne und Wand so klein
Die Bühne ist jetzt fertig zum Lackieren. wie möglich zu halten (möglichst unter 1
Der Kastenträger kann in grauem, blauem mm). Wände und Boden der Grube kön-
oder grünem Farbton gehalten und leicht nen nun farblich gestaltet werden (z.B.
verwittert werden (etwas Rost an den Wände Mauerwerk, Boden Beton).
Kanten und Verbindungen). Jetzt kann die Grube an der vorgesehe-
nen Stelle in die Anlage eingebaut wer-
Bau der Grube: den. Nach dem Ausrichten und Befestigen
der Anschlußgleise werden die Umfas-
Die Größe der Grube richtet sich im We- sung und das Geländer um die Grube an-
sentlichen nach der Länge der Bühne gebracht, die Bühne eingesteckt, die Ver-
und dem Winkel der Anschlußgleise. Der drahtung verlegt und die Segmentdreh-
Drehpunkt liegt mittig 10 mm vor der Hin- scheibe ist fertig.
terkante der Bühne.
Die Maße werden auf ein Grundbrett aus
10 mm Sperrholz gezeichnet. Hierbei sind
die Maße der Bühne in der jeweiligen End-
lage aufzuzeichnen. Das Grundbrett sollte
umlaufend mindestens noch 20 mm größer
sein. Die Laufschiene wird in einem Radi-
us, der dem Abstand zwischen dem Klin-
kenstecker und der Mitte der Laufrolle ent-
spricht, vorgebogen und auf der Grund-
platte befestigt. Das geht am besten mit
Schienennägeln aber auch Kleben mit Se-
kundenkleber ist denkbar. Die Stereoklin-
kenbuchse wird im Drehpunkt der Bühne
genau senkrecht (!) eingebaut (einschrau- Ansteuerung der Drehbühne
ben und nach dem Justieren mit Zweikom-
ponentenkleber sichern).

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Benötigte Bauteile: Lieferant: Anschriften:

Faulhabermotor 1516 E0 12S Conrad Conrad Electronic


Faulhabergetriebe 141:1 Conrad Klaus-Konrad-Str. 1
2 Kugellager ø i = 2 mm Conrad 92242 Hirschau
2 mm Silberstahlwelle Conrad
Messingrohr ø a = 3 mm, ø i = 2,1 mm Conrad
Kasettenrecorderandrukrolle, Set Conrad
Kupplungsschlauch Conrad Hobbyecke Schuhmacher
1,5 mm Pertinaxplatte Conrad Lerchenhofstr. 18
Zweikomponentenkleber Conrad 71711 Steinheim
3,5 mm Klinkenstecker, 3pol Stereo Conrad
3,5 mm Klinkenbuchse, 3pol Stereo Conrad
Taster Conrad
zweipoliger Umschalter Conrad Graupner liefert nur über
Potentiometer 1 kΩ Conrad den Fachhandel
1 mm Balsaholz Conrad
0,5 mm Nußbaumleiste Conrad
Geländer (Reling) Graupner
Walzblei Graupner
Riffelblech Weinert
Gleisprofile Schuhmacher

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