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Baedeker WISSEN

Mount Washington Berg der Extreme


Ivy League Elite-Schmieden im Nordosten
Wale Kamera statt Harpune
Indian Summer Wenn die Blätter fallen

USA
Nordosten
Baedeker Wissen Baedeker Wissen

i Indianersommer
i 
Baedeker Wissen Besonders gern besucht wird der
Nordosten der USA zur Zeit der herbst-
...zeigt Wissenswertes über den Nordosten der USA, zum Beispiel: lichen Laubfärbung, die dort unter der
Surf’n’Turf ist keine spezifische Sportart Neuenglands, sondern Bezeichnung »Indian Summer« be-
etwas Gutes zum Essen. Und die Ivy League hat auch nichts mit kannt ist. Baedeker Wissen klärt über
Sport zu tun, sondern mit Bildung ... dieses Naturphänomen auf. Seite 120
Das erste Atom-U-Boot
o 
e der Welt o
The Winner Takes It All
e  Die »USS Nautilus«, das erste Atom-U-
Wie das politische System der USA Boot der Welt, unterquerte im Sommer
aufgebaut ist und wie dort Wahlen 1958 als erstes Unterseeboot der Welt
organisiert werden Seite 22 den Nordpol. Nach seiner Rückkehr
am 25. August 1958 wurde es in New
r York freudig begrüßt. Seite 160

p Ivy League
p 
Dass es in den USA viele Elite-Univer-
Sieben typische Gerichte
r  sitäten gibt, ist ja bekannt. Dass aber
Sieben typische Gerichte der Küche besonders viele solcher namhaften
Neuenglands sind im Kapitel »Essen Ausbildungsstätten im Nordosten der
und Trinken« beschrieben, darunter USA sitzen, wissen nur Insider.
auch das populäre »Surf’n’Turf«, ein Seite 230
Arrangement aus saftigem Steak und
gegartem Hummer. a
Seite 74

Mayflower
a 
t Der amerikanische Gründungsmythos
Die härteste Liga der Welt
t  hat einen Namen: »Mayflower«. Wer
Im Nordosten ist Eishockey höchst die 102 Passagiere und damit die
populär. Und so verwundert es Gründungsväter, -mütter und -kinder
nicht, dass einige bekannte hiesige waren, ist genau dokumentiert.
Mannschaften in der National Hockey Seite 266
League (NHL), der härtesten Liga der
Welt spielen. Seite 88
Ein geschäftstüchtiger
s 
Schwabe an den Niagarafällen
u u Dass Jakob Friedrich Schoellkopf aus
dem schwäbischen Städtchen Kirch-
Wie entsteht ein Quilt?
u  heim unter Teck die Gewinnung von
Wie man Dekoratives aus Stoffresten elektrischem Strom an den weltbe-
herstellt Seite 98 rühmten Wasserfällen vorangetrieben
hat, weiß kaum jemand. Seite 370
USA
NORDOSTEN

www.baedeker.com

Verlag Karl Baedeker


2 INHALT    Top-Reiseziele

Top-Reiseziele
Auch wenn sich im Nordosten der USA eher kleinere Bundesstaaten
versammeln, muss sich schon viel Zeit nehmen, wer alle Highlights
sehen und erleben will. Die wichtigsten sind hier zusammengestellt.
Noch etliche mehr sind in den Kapiteln zu den einzelnen Bundes­
staaten zu finden.

i M M  Middlebury Gaps (VT)


Wahrlich malerisch präsentiert sich
diese Landschaft im Indianer-
sommer. Seite  501

o M M  Woodstock (VT)


Eine der hübschesten Kleinstädte
Neuenglands Seite  510

p M M  Adirondacks (NY)


Ein Paradies für Bergwanderer,
Mountainbiker, Paddler und
Skiläufer Seite  307

a M M  Finger Lakes (NY)


Die größte und berühmteste Wein-
bauregion im Osten der USA
Seite  327
e M M  Baxter State Park (ME)
Herrliche Wildnis, in der noch Bären, sM M  Niagara Falls (NY/ON)
Biber und Elche leben Seite  176 Die berühmtesten und spek-
takulärsten Wasserfälle Nordamerikas
r M M  Acadia Nat.l Park (ME) Seite  369
Unumstrittene Perle in der Krone
Neuenglands Seite  167 d M M  Hudson Valley (NY)
Schönes Flusstal, noble Villen, edle
t M M  Camden (ME) Restaurants Seite  333
Idyllisches Hafenstädtchen in e
e
zauberhafter Landschaft
Seite  183

u M M  White Mountains (NH)


Herrliche Bergwelt, auch als Neu-
englands Outdoor-Paradies bekannt
Seite  293
Top-Reiseziele    INHALT 3

a ?  M M  Block Island (RI)


Und noch eine paradiesische
Insel Seite  475

{  M M  Mystic (CT)


Hafenstädtchen mit ruhmreicher
Seefahrer-Vergangenheit
Seite  153

s y  M M  New York City (NY)


Bis heute gibt die Ostküsten-
Metropole weltweit den Ton an.
Seite  344

z  M M  Philadelphia (PA)


Stadt der Bruderliebe mit viel
f M M  Berkshire Hills (MA) Historie Seite  428
Besonders reizvolles Teilstück der
Appalachen Seite  203 Y  M M  Pennsylvania
Dutch Country (PA)
g M M  Boston (MA) Hier lebt man noch wie vor
Die Wiege der Unabhängigkeit eineinhalb Jahrhunderten.
Seite 210 Seite  420

M M Plimoth Plantation
:  Z  M M  Gettysburg (PA)
(MA) Hier entschied sich das Schicksal
Hier landeten 1620 die Pilgerväter. der Südstaaten. Seite  400
Seite  264
(  M M  Pittsburgh (PA)
; M M Cape Cod (MA) Das einstige Zentrum der US-
Strandparadies des Nordostens Schwerindustrie präsentiert
Seite  236 sich heute als dynamische und
attraktive Großstadt.
< M M Nantucket Island (MA) Seite  449
Beliebte Urlauberinsel nicht weit
vor der Küste Seite  253

= M M Martha‘s Vineyard >


(MA)
Küstennahe Ferieninsel
Seite  248

>  M M  Newport (RI)


Wo die Reichen, Mächtigen und
Schönen urlaub(t)en Seite  480
4 INHALT    Lust auf...

Lust auf …
... den Nordosten der USA ganz nach Ihrer persönlichen
Interessenlage? Dann helfen vielleicht diese Anregungen.

alte schiffe
• Plymouth, MA “
Mayflower II, originaler Nachbau-
des berühmtesten Schiffes der
US-Geschichte
Seite 266
• Mystic, CT
C. W. Morgan, der letzte
Walfänger ganz aus Holz
Seite 153
• Groton
»USS Nautilus«, das erste
atombetriebene U-Boot der Welt
Seite 160

Moderne Kunst
◀◀ Hudson Valley
Im Dia:Beacon kann man
imposante Werke moderner
Künstler bestaunen.
Seite 338
• North Adams, MA
Gewagteste Installationen und
ungewöhnlichste visuelle
Erlebnisse im MassMoca
Seite 209
• New York City, NY
Im Museum of Modern Art
(MoMA) sind alle bedeutenden
Künstler der Moderne vertreten.
Seite 363
Lust auf...    INHALT 5

Hohe berge
• Baxter State Park, ME ▶
Herrliche Berge, Wälder und Seen,
dazu der Mount Katahdin als
Mekka für Bergfexe
Seite 176
• Mount Macy, NY
Der höchste Berg im Staat New
York bietet tolle Aussichten.
Seite 312
• White Mountains, ME
Die »Weißen Berge« gehören
zu den beliebtesten Landschaften
der USA. Seite 180

nass werden
◀◀ Kennebec River, ME
Im Norden des Bundesstaates
Maine kommen selbst hartgesotte-
ne Wildwasser-Enthusiasten auf
ihre Kosten. Seite 189
• Allegheny River, ME
Die vielen Wasserwege in seinem
Einzugsbereich gelten als Paradies
für Paddler. Seite 395

tiere
• Schwarzbären
Meister Petz ist vor allem in den
White Mountains zu sehen.
Seite 293
• Elche
Die hochbeinigen Könige der
Wälder trifft man u.a. im Baxter
State Park an. Seite 176
• Wale ▶
Aus nächster Nähe erlebt man die
»sanften Riesen« von Bar Harbor
und Provincetown aus.
Seiten 170, 238
66 INHALT    Inhaltsverzeichnis

Hintergrund Erleben &


12 Fakten
Geniessen
13 Natur und Umwelt
18 Pflanzen und Tiere 68 Essen und Trinken
22 Infografik: The Winner 69 Burger, Chowders und Co.
takes it all 74 Sieben typische Gerichte
24 Bevölkerung · Politik · 76 Special: Außen pfui,
Wirtschaft innen hui: Homarus
26 Infografik: USA Nord- americanus
osten im Überblick 78 Special: Boston Baked
30 Willkommen im Alltag Beans
80 Hier essen die Einheimi-
32 Geschichte schen am liebsten
33 Von den Indianern bis 9/11
82 Feiertage · Feste ·
44 Kunst und Kultur Events
45 Von der Architektur 83 Gemeinsam feiern
über die Malerei bis zur 88 Special: NHL: Die
Literatur härteste Liga der Welt

58 Berühmte 90 Kinder
Persönlichkeiten 91 Fremdwort Langeweile
Eine Delikatesse: Homarus americanus – amerikanischer Hummer
Inhaltsverzeichnis    INHALT 7

94 Shopping Reiseziele
95 Shopping bis zum
Umfallen
von A bis Z
98 Infografik: Wie entsteht
ein Quilt? 136 CONNECTICUT
139 Bridgeport
100 Übernachten 140 Special: The Greatest
101 Motels Lodges und Resorts Show on Earth
106 Special: Tipps für 141 Bristol
Pfennigfuchser 142 Connecticut Valley
145 Hartford
108 Urlaub aktiv 150 Litchfield Hills
109 Outdoor-Paradies 153 Mystic
112 Special: Wanderparadies 155 New Haven
der Neuen Welt 158 New London
160 3D: »USS Nautilus«

Touren 164 MAINE


167 Acadia National Park ·
116 Tourenübersicht Mount Desert Island
118 Unterwegs im Nordosten 171 Augusta
der USA 172 Bath
120 Infografik:Wenn die 176 Baxter State Park
Blätter fallen ... 177 Bethel · White Mountains
122 Tour 1: National Forest
Von New York City nach 178 Special: Pfeifenputzer für
Boston und zurück die Seele
124 Tour 2: 181 Blue Hill Peninsula ·
Von Boston durch Maine Deer Isle
und New Hampshire 183 Camden · Rockland
126 Tour 3: 187 Cobscook Bay
Von Montreal durch Ver- 188 Moosehead Lake
mont, New Hampshire und 190 Portland
New York 194 Searsport
128 Tour 4: 196 South Coast
Von New York City durch
die Staaten New York und 200 MASSACHUSETTS
Pennsylvania 203 Berkshire Hills
130 Tour 5: 208 Special: Sanfte
Unabhängigkeitskrieg im Fundamentalisten
Nordosten: Von Boston 210 Boston
nach Philadelphia 230 Infografik: Elite-
Schmieden – Ivy League
233 Cape Ann
8 INHALT    Inhaltsverzeichnis

236 Cape Cod 320 Catskills


243 Lexington · Concord 322 Special: By the time
246 Lowell I got to Woodstock ...
248 Martha‘s Vineyard 327 Finger Lakes
253 Nantucket 333 Hudson Valley
255 New Bedford 341 Mohawk Valley
258 Infografik: Kamera statt 344 New York City
Harpune 354 3D: Brooklyn Bridge
261 Pioneer Valley 369 Niagara Falls
264 Plymouth 372 Special: Nachahmung
266 3D: Mayflower nicht empfehlenswert!
269 Salem 374 3D: Niagara Falls
273 Springfield 379 Rochester
382 Saratoga Springs
276 NEW HAMPSHIRE 385 Syracuse
279 Concord 387 Thousand Islands ·
281 Hanover St. Lawrence Seaway
284 Lake Winnepesaukee
286 Manchester 390 PENNSYLVANIA
288 Mount Monadnock Region 394 Allegheny National Forest ·
289 Portsmouth Susquehannock State
293 White Mountains Forest
296 Infografik: Berg der 397 Erie
Extreme 400 Gettysburg
404 Special: Entscheidung in
304 NEW YORK Pennsylvania
307 Adirondacks 406 Harrisburg · York ·
313 Albany Hershey
316 Buffalo 413 Laurel Highlands
New York mit Brooklyn Bridge im nächtlichen Lichterglanz
Inhaltsverzeichnis    INHALT 9

416 Lehigh Valley 526 Post · Telekommunikation


420 Pennsylvania Dutch 528 Preise · Vergünstigungen
Country 529 Reisezeit
424 Special: Gottesfurcht und 531 Sicherheit
Ackerbau 532 Sprache
428 Philadelphia 538 Toiletten
449 Pittsburgh 539 Verkehr
457 Pocono Mountains · 543 Zeit
Scranton 544 Register
461 Reading 555 atmosfair
463 Southern Alleghenies 556 Verzeichnis der Karten und
468 State College Grafiken
556 Bildnachweis
470 RHODE ISLAND 557 Impressum
473 Block Island 562 Kurioser Nordosten
475 Bristol der USA
477 Narragansett Pier
478 Newport
485 Providence

490 VERMONT
493 Bennington
495 Burlington ·
Lake Champlain
498 Manchester
501 Middlebury
504 Montpelier
507 Northeast Kingdom
509 Stowe Preiskategorien
510 Woodstock Restaurants
(Preis für ein Hauptgericht)
AAAA = über 30 $
Praktische AAA = 20 – 30 $
Informationen AA = 12 – 20 $
A = unter 12 $
514 Anreise · Reiseplanung Hotels (Preis für ein DZ)
517 Auskunft AAAA = über 250 $
520 Elektrizität AAA = 180 – 250 $
520 Etikette AA = 100 – 180 $
521 Geld A = unter 100 $
522 Gesundheit
523 Literaturempfehlungen Hinweis
525 Maße und Gewichte Gebührenreduzierte Service­
526 Medien nummern sind mit einem Stern
526 Notrufe gekennzeichnet: *1 800....
Hintergrund
Wo Amerika geboren wurde: Im Nordosten der USA treffen sich
das »Alte« Europa und das »Neue« Amerika.
12 HINTERGRUND    

Fakten
Natur und Umwelt    HINTERGRUND 13
13

Natur und Umwelt


Im Nordosten der USA treffen sich das »alte« Europa und das
»neue« Amerika. Hier gibt es weltoffene Menschen sowie um-
weltbewusste Bundesstaaten, Städte und Gemeinden. Diese
Region will langsam bereist werden, denn ihre schönsten Sei-
ten serviert sie nicht auf dem Silbertablett, sondern in ver-
steckten Tälern und an stillen Landstraßen.

Das in diesem Reiseführer beschriebene Gebiet reicht von der Atlan- Gebiets­
tikküste im Osten der USA bis zu den Ufern von Erie- und Ontario- abgrenzung
see im Westen und von der kanadischen Grenze im Norden bis zur
Grenze von Maryland im Süden. Es umfasst die Bundesstaaten Con-
necticut, Rhode Island, Massachusetts, Vermont, New Hampshire
und Maine – die Neuenglandstaaten – sowie Pennsylvania und New
York State. Die Bezeichnung »Nordosten« sollte allerdings nicht in
die Irre leiten – noch der nördlichste Punkt des beschriebenen Ge-
biets in Maine liegt auf der geografischen Höhe der südwestfranzö-
sischen Atlantikküste, New York City auf der Höhe von Madrid.

Die dominierende Landschaftseinheit der nordöstlichen USA sind Land­


die vor 250 Mio. Jahren entstandenen Appalachen. Sie erstrecken schaftliche
sich über ca. 3 000 km auf einer Breite von 200 bis 300 km von Ala- Groß­­­räume
bama bis Neufundland fast parallel zur Atlantikküste, flankiert von
den Ebenen des mittleren Westens und der atlantischen Küstenebene
im Südosten. Die Hudson-Mohawk-Senke teilt die Appalachen in
einen nördlichen und einen südlichen Teil. Die nördlichen Appala-
chen, auf US-Gebiet großenteils die Neuenglandstaaten (New Eng-
land Uplands) und vereinzelt über die Baumgrenze reichend, ähneln
deutschen Mittelgebirgen. Dagegen präsentieren sich die felsigeren
südlichen Appalachen fast schon als »Taschenausgabe« der Rocky
Mountains. Nach Osten fallen die Appalachen als sanft geneigtes Pla-
teau zur Atlantikküste ab. Hier erstreckt sich von Washington, DC
über Baltimore bis Boston die dichtest besiedelte Region der Verei-
nigten Staaten von Amerika.

Die New England Uplands werden von weiten Hochflächen ge- Landschafts­
prägt, die ein Netz von Flusstälern tief zerschneidet und kleinräumig formen
gliedert. Überragt werden sie von einzelnen Gebirgszügen wie den
Green oder White Mountains, wobei letztere mit dem Mt. Washing-
ton (1 917 m ü. d. M.) die höchste Erhebung der nördlichen Appala-
chen aufweisen. Mit einer durchschnittlichen Höhe von 150 m
Indian Summer im Bundesstaat Vermont: Explosion der Farben
14 HINTERGRUND    Natur und Umwelt

schließt sich im Osten das sanftwellige Hügelland der New England


Lowlands an und leitet zur felsigen und buchtenreichen Atlantik-
küste über. Westlich der Uplands erheben sich jenseits der Champ-
lain-Senke die Adirondack Mountains mit dem Mt. Mary (1 629 m),
im Süden durch die Mohawk-Senke gegen das Appalachenplateau
abgesetzt. Dieses erhebt sich, gegen die südlichen Appalachen sanft
ansteigend, in einer 200 m hohen Stufe aus dem südlichen Tiefland
der Großen Seen. Seine Flächen sind für große Teile der Bundesstaa-
ten New York und Pennsylvania landschaftsprägend.

Eiszeitlicher In der letzten Eiszeit (Wisconsin-Vereisung vor 75 000 bis 11 000 Jah-


Formenschatz ren) wurden die nördlichen Appalachen, der vorgelagerte Kontinen-
talschelf und Teile des Appalachenplateaus vom Inlandeis überfah-
ren. Ent­­sprechend entwickelte sich eine abwechslungsreiche
Seenlandschaft, die der Skandinaviens ähnelt. Von den New Eng-
land Uplands bis zur Atlantikküste dominieren sanfte Kuppen mit
vom Eis ausgeräumten Tälern. An ihren Rändern und in Küstennähe
werden sie von schmalen, vielfach fjordartigen Tälern abgelöst, in die
das Meer tief eindringen konnte. Demgegenüber sind das Tiefland
der Großen Seen, die Hudson- und Champlain-Senke sowie die süd-
liche Neuenglandküste ein eiszeitliches Aufschüttungsgebiet mit
überwiegend flachen Grundmoränenlandschaften. Im Bereich der
südlichen Neuenglandküste markieren girlandenartig angeordnete
Moränenzüge End- und Rückzugspositionen des letzten Inlandeises.
Diese heute vielfach im Meer versunkene Landschaft macht den gro-
ßen Reiz der Küste und der ihr vorgelagerten Inseln aus.

Küsten Die Landschaftsformen der rund 1 200 km langen und gezeitenstar-


ken Küste von New York und Neuengland (bis 8 m Tidenhub!) sind
eiszeitlichen Ursprungs. An ihr hat Maine mit 365 km Länge den
größten Anteil, gefolgt von Massachusetts (310 km), New York State
(200 km) inkl. Long Island, Connecticut (193 km), Rhode Island
(64 km) und New Hampshire (21 km).
Die Küste des Bundesstaates Maine ist mit ihren Sand- und Geröll-
stränden sowie mit ihren felsigen Buchten stark gegliedert. An expo-
nierten Außenküsten konnten sich 60 bis 100 m hohe Kliffreihen
entwickeln. Von der kanadischen Grenze bis zur Penobscot Bay be-
herrschen massive Granitformationen die Küstenzone, den mittleren
Abschnitt von der Penobscot Bay bis zum Cape Elizabeth charakte-
risieren fjordartige Buchten. Die Südküste wird unübersehbar von
Granit-Landmarken wie Cape Porpoise und Cape Neddick be-
herrscht. Zwischen ihnen erreichen einige ertrunkene Flusstäler den
Atlantik. Vor den kleineren Talmündungen entstanden sandige Neh-
rungen wie Wells Beach und Kennebunk Beach.
Typisch für die Küste von New Hampshire sind felsige Landzun-
gen mit dazwischen liegenden sichelförmigen Buchten. Besonders
Natur und Umwelt    HINTERGRUND 15

Typisch Maine – so auch die Granitküste bei Cape Neddick

markante Steilküsten fehlen. Recht auffällig sind die vielen schmalen


Flussmündungen. Den bedeutendsten Mündungstrichter hat der Pis-
cataqua River geschaffen, der die 15 km landeinwärts gelegene Great
Bay und den Hafen von Portsmouth mit dem Atlantik verbindet.
In den Bundesstaaten Massachusetts, Rhode Island und Connec-
ticut südlich von Boston dominieren Flachküsten mit sandigen bzw.
kiesigen Stränden. Als Ausflugsziele beliebt sind die weiten Sand-
strände der Halbinsel Cape Cod, aber auch die Inseln Nantucket,
Martha's Vineyard, Block und Long Island. Beeindruckend sind die
aus Lockersedimenten aufgebauten Steilküsten von Cape Cod Nati-
onal Sea­shore, deren bis zu 60 m aufragende Kliffreihen dem Atlantik
zugewandt sind. Meeresströmungen sorgen für die Verteilung des
vom Kliff abgespülten Materials entlang der Strände. Aus diesen San-
den werden die ausgedehnten Nehrungssysteme des »Provincetown
spit«, der Strandwall von Nauset sowie Monomoy Island im Süden
der Halbinsel Cape Cod aufgebaut. Ähnlich erosionsgefährdet sind
die Steilküsten von Martha's Vineyard, Nantucket und Block Island,
die bis zu einen Meter pro Jahr (Block Island) zurückweichen.

Die etwa parallel streichenden Gebirgszüge des Nordostens bestim- Flüsse


men den Verlauf der Flusstäler, die nur selten die vorgegebene Rich-
tung verlassen und die Höhenzüge durchbrechen.
Der Susquehanna River ist mit 750 km der mit Abstand längste
Fluss der Region. Er entspringt im zentralen New York State und
durchläuft dann Pennsylvania und Maryland, wo er nördlich von
Baltimore in die Chesapeake Bay mündet.
Der 493 km lange Hudson River ist der wirtschaftlich und verkehrs-
mäßig bedeutendste Fluss der Region. Seine Quelle wird im Hender-
16 HINTERGRUND    Natur und Umwelt

son Lake in den Adirondack Mountains im Bundesstaat New York


angenommen. Kurz bevor er in die Upper Bay von New York City
mündet, durchfließt er ein Durchbruchstal, das an das Rheintal zwi-
schen Mainz und Köln erinnert. Wichtigster Nebenfluss ist der von
Westen kommende Mohawk River, der bei Troy den Hudson er-
reicht. Bis Albany ist der Hudson für Seeschiffe befahrbar; durch den
New York State Barge Canal besteht Anschluss an die Großen Seen
und das St.-Lorenz-Stromsystem.
Der 481 km lange Delaware River entspringt in den Catskill Moun-
tains im Bundesstaat New York. Über weite Strecken bildet sein sehr
naturnaher und unregulierter Oberlauf als »National wild and scenic
river« die Grenze zwischen Pennsylvania und New York.
Der 631 km lange Connecticut River entspringt in Vermont an der
Grenze zur kanadischen Provinz Québec. Zunächst Grenzfluss zwi-
schen Vermont und New Hampshire, durchläuft er dann Massachu-
setts und Connecticut, wo er im Long Island Sound in den Atlantik
mündet. Landschaftlich besonders reizvoll ist sein Oberlauf, der über
weite Strecken durch ein enges Tal zwischen den White und Green
Mountains fließt. Bis Windsor ist der Connecticut schiffbar; die Ge-
zeiten machen sich bis Hartford bemerkbar.
Für den äußersten Westen Pennsylvanias sind der aus dem Allegheny
National Forest kommende Allegheny River und der in West Virgi-
nia entspringende Monongahela River bestimmend. Sie vereinigen
sich in Pittsburgh zum Ohio River, der dem Mississippi zufließt.

Seen Größter See der Region ist der Lake Champlain, der weite Teile der
gleichnamigen Senke zwischen den Green Mountains im Osten und
den Adirondack Mountains im Westen einnimmt. Der maximal
183 m tiefe, 200 km lange und zwischen 0,4 und 22 km breite See
entwässert nach Norden über den schiffbaren Richelieu River in den
St.-Lorenz-Strom. Lake Champlain ist mit 1 137 km² gut doppelt so
groß wie der Bodensee. An den Ufern verlaufen bedeutende Ver-
kehrswege, die die Ballungsräume New York und Montréal verbin-
den. Über den 97 km langen Champlain-Kanal und elf Schleusen ist
der See mit dem Hudson River verbunden.
Die Finger Lakes sind eine Gruppe von elf fingerförmig angeordne-
ten Seen – Conesus, Hemlock, Canadice, Honeoye, Canandaigua,
Keuka, Seneca, Cayuga, Owasco, Skaneateles, Otisco – am Nordrand
des Allegheny-Plateaus im Bundesstaat New York. Sie haben eine
Fläche zwischen 9 und 173 km² und eine maximale Tiefe von 9 bis
188 m. Die Häufung und Anordnung der rinnenartigen Seen wird
auf eine wiederholte Vereisung des Gebiets zurückgeführt.

Große Seen Die fünf Großen Seen (Great Lakes) Lake Superior, Lake Michigan,
Lake Huron, Lake Erie und Lake Ontario bilden mit einer Gesamt-
fläche von 246 286 km² das größte Süßwasser-Binnenseensystem
Natur und Umwelt    HINTERGRUND 17

Die berühmtesten Wasserfälle der Welt sind die Niagara Falls.

der Erde. Lake Superior ist mit einer Spiegelhöhe von 183 m ü.d.M.
der am höchsten, Lake Ontario, der östlichste und letzte in der Reihe,
mit 74 m ü.d.M. der am niedrigsten gelegene See. Über natürliche
Abflüsse stehen alle Seen miteinander in Verbindung. Mit Ausnahme
von Lake Superior und Lake Ontario, deren Wasserstände künstlich
angepasst werden, sind die Seen ein natürlich reguliertes System. Nur
Lake Erie und Lake Ontario haben Anteil an dem in diesem Reise-
führer beschriebenen Gebiet. Der Lake Erie (25 719 km²), viertgröß-
ter der Seen, ist 388 km lang und maximal 92 km breit. Sein Spiegel
liegt 174 m ü.d.M. Mit einer maximalen Tiefe von 64 m ist er der mit
Abstand flachste der Großen Seen. Der Lake Ontario (74 m ü.d.M.)
ist 311 km lang, bis zu 85 km breit und bis 237 m tief. Mit 19 477 km²
Fläche (Bodensee 539 km²) ist er der kleinste der fünf Seen.
Der Niagara River verbindet den Lake Erie mit dem 100 m tiefer
gelegenen Lake Ontario. Auf seinem gut 50 km langen Weg führt der
Fluss pro Sekunde durchschnittlich 57 000 m³ Wasser mit sich, die in
den Niagarafällen auf etwa 1 km Breite über den Rand des Niagara-
Kalksteinplateaus 50 m spektakulär in die Tiefe stürzen. Die verblei­
benden 50 m Höhendifferenz bewältigt der Niagara in einer engen
Schlucht tosend auf einer steilen Gefällstrecke von nur 10 km.

Der Nordosten der USA hat ein kühlgemäßigtes und ganzjährig Grundzüge
feuchtes Klima mit kalten Wintern und warmen Sommern. Nur un- des Klimas
mittelbar an der Küste wird der kontinentale Einfluss durch den At-
lantik gemildert. Allgemein nehmen die Niederschläge von 900 mm
in Pennsylvania auf knapp 1 100 mm an der Neuenglandküste zu.
Nirgendwo sonst in den Vereinigten Staaten sind die Jahreszeiten so
ausgeprägt und die Wetterstürze so dramatisch wie in den nordöst-
lichen Bundesstaaten (Reisezeit “Praktische Informationen, S. 529).
18 HINTERGRUND    Pflanzen und Tiere

Pflanzen und Tiere


Der Nordosten der USA ist sehr waldreich. Es dominieren ar-
tenreiche sommergrüne Laub-Mischwälder in einer Vielfalt,
die in Europa unbekannt ist.

An sonnenexponierten trockenen Standorten der Appalachen über-


Artenreiche
Wälderwiegen Ahorn- und Kastanienwälder, schattige Lagen werden von
Ahorn- und Buchenwäldern, feuchte Niederungen und Flussauen
von Gelbpappeln eingenommen. Die Wälder der südlichen Tiefland-
region der Großen Seen sind die bevorzugten Standorte von Buche,
Zuckerahorn, Birke und Hemlocktanne. Auf dem südlich anschlie-
ßenden Appalachenplateau erreicht die Vielfalt der Laubwälder mit
bis zu 24 Baumarten ihr Maximum. Bis zur Präriegrenze im Westen
folgt der Hickory-(Nussbaum)-Waldgürtel mit bis zu sechs Hickory-
Arten und Eichen, Ulmen, Eschen sowie dem forstwirtschaftlich
wertvollen Tulpenbaum. Einzigartig ist der Indian Summer (“Bae-
deker Wissen S. 120).
Der Zuckerahorn (Maple Sugar, Acer saccharum) wird durch-
schnittlich 40 m hoch, sein hartes und fein strukturiertes Holz wird
für Fußböden und Drechslerarbeiten verwendet. Darüber hinaus
liefert er den Blutungssaft für den beliebten Ahornsirup (Maple Si-
rup), wozu man im Frühjahr die
Zwischen 50 und 100 Liter Pflanzensaft tropfen Stämme anschneidet. Der austre-
aus einem Zuckerahorn. tende Saft, 50 bis 100 l pro Jahr und
Baum, wird durch Eindickung auf
34 % Wassergehalt zu Sirup, der als
Süßungsmittel verwendet wird und
vor allem zum Frühstück ein ty-
pisch amerikanischer Aufstrich für
Toast und Pfannkuchen ist.
Der Tulpenbaum (Yellow Poplar,
Liriodendron tulipifera) gehört mit
bis zu 60 m Höhe zu den größten
nordamerikanischen Laubbäumen.
Charakteristisch sind seine ziem-
lich geraden und weitgehend ast-
freien Stämme. Da der Tulpen-
baum schneller als die anderen der
mit ihm vergesellschafteten Baum-
arten wächst, können die Eichen-
Tulpenbaum-Mischwälder mehre-
re Baumstockwerke haben. Die bis
zu 45 m hohe weißrindige Eiche
Pflanzen und Tiere    HINTERGRUND 19

(Quercus alba) ist besonders im Hickory-Gürtel heimisch. Wegen


ihres scharlachroten Blattkleids, das sie im Herbst annimmt, wird sie
auch als »Königin der Laubbäume« bezeichnet.
Der Hickorybaum (Cyra) gehört zu den Walnussgewächsen. Seine
ca. 30 im Osten der USA heimischen Arten werden 20 bis sehr statt-
liche 60 m hoch. Der Name Hickory ist die Kurzform für Pokahicko-
ry, was wiederum vom indianischen »pawcohiccora« abgeleitet ist.
Damit wurde ein milchiges Getränk aus zerstoßenen Hickory-Nüs-
sen und Wasser bezeichnet. Alle Arten des Hickory liefern ein hartes,
recht elastisches Holz, das bei Sportartikelherstellern und auch im
Maschinenbau begehrt ist.
Einige Arten wie der Pekannussbaum (Cary illinoensis) haben we-
gen ihrer essbaren Früchte einen ganz besonderen Wert.

Reine Nadelwälder konnten sich nur in den Hochlagen der Appala- Nadelbäume
chen oder an nährstoffarmen bzw. trockenen Standorten entwickeln.
Die Pitch Pine (Pinus rigida) ist auf zumeist trockenen und sauren
Stand­orten in Mischwäldern der Appalachen und deren Vorland zu
Hause. Ihr Verbreitungsgebiet stimmt größtenteils mit dem der Ei-
chen-Tulpenbaum-Mischwälder überein. Je nach Höhenlage können
in diesen Mischwäldern auch Virginia Pine (Pinus virginiana) oder
Table Mountain Pine (Pinus pungens) dominieren.
Die bevorzugten Standorte der Weymouthkiefer (Eastern White
Pine, Pinus strobus) und Red Pine (Pinus resinosa) sind die ehema-
ligen Vereisungsgebiete Neuenglands.

Gehölzfreie Pflanzengesellschaften kommen an der Küste und an den Dünen,


Ufern der Großen Seen vor. Auffällig ist der hoch aufragende Meer- Strände,
senf (Sea Rocket, Cakile edentualai), der an vielen Stränden immer Salzmarschen
vor der Hauptdüne zu finden ist. Auf den Dünen selbst dominieren
hoch wachsende Gräser; landwärts trifft man dann auf verfestigten
Dünen auf Küstenheide mit eingestreuten Kleinsträuchern, durch-
setzt von einjährigen Pflanzen, Moosen und Flechten. Stellenweise
haben sich auf schlickhaltigen Böden oder Torf Salzmarschen mit
Salzgraswiesen (engl. Saltmeadows) entwickeln können.

Schon die Indianer griffen durch das Sammeln von Brennholz und Einfluss der
weitflächige Brandrodung massiv in den natürlichen Vegetationsbe- Menschen
stand ihres Lebensraums ein. Die Rodungsflächen waren teilweise
sogar so ausgedehnt, dass sie für die ersten europäischen Siedler als
landwirtschaftliche Nutzflächen für ihr mitgebrachtes Saatgut aus-
reichten. Mit diesem Saatgut wurden aber auch europäische Pflan-
zenkrankheiten und Schädlinge eingeschleppt. Die Bewirtschaftung
flachgründiger Böden und steiler Hänge führte in Teilen der Appa-
lachen zu schwerer Bodenerosion, weshalb viele Farmen aufgegeben
werden mussten.
20 HINTERGRUND    Pflanzen und Tiere

Der Anbau von Wirtschaftspflanzen wie Mais, Bohnen, Kürbis,


Sonnenblumen und Tabak spielte bei den Indianern eine bedeutende
Rolle. Die europäischen Siedler führten ihre Kulturpflanzen ein; als
nichteuropäische Kulturpflanze kam die Sojabohne später hinzu.

Tierwelt
Reduzierte Die Tierwelt im Nordosten der USA ähnelt jener der gemäßigten
Artenvielfalt Breiten Europas. Es gibt jedoch mehr Arten als in Europa, weil in
den Eiszeiten keine von West nach Ost verlaufenden Hochgebirgsrie-
gel den Rückzug von Pflanzen und Tieren in südlichere Gefilde bzw.
ihr Wiedervordringen nach Norden verhindert haben. Allerdings ist
die Tierwelt von den weißen Einwanderern in erheblichem Maß de-
zimiert worden. Dies gilt vor allem auch für solche Säugetiere, mit
deren Pelzen man noch bis vor wenigen Jahrzehnten viel Geld ver-
dienen konnte.

Säugetiere In den gebirgigeren und weniger leicht zugänglichen Gegenden kann


man heute noch Luchse, Füchse, Marder, Iltisse, Nerze und einige
andere Räuber beobachten, die Kleinsäugern wie Taschenmäusen,
Taschenratten, Eichhörnchen (Squirrels), Streifenhörnchen (Chip-
munks), Backenhörnchen, Murmeltieren, Hasen und Federvieh
nachstellen. Natürlich ist in den Wäldern Neuenglands auch der
Dachs (Badger) heimisch. Park Ranger berichten von einigen Berg-
löwen (Pumas) und Schwarzbären in den bergigeren Regionen; als
ausgerottet gelten hingegen Wölfe und Vielfraße. Nicht selten sieht
man die putzigen, aber mit Vorsicht zu genießenden Stinktiere
(Skunks), Baumstachler und Waschbären oder auch Stachelschweine
rasch über Straßen und Wege huschen. Vor allem in der Dämmerung
begegnet man in den Gebirgen dem Weißwedelhirsch (das Jungtier
hat als »Bambi« Weltruhm erlangt), dem Maultierhirsch (Mule Deer)
und – seltener – dem mächtigen Wapiti. Die Hirsche grasen oft in
Lichtungen oder machen sich mit Riesensätzen vor herannahenden
Autoscheinwerfern aus dem Staub. Mit ganz viel Glück kann man
sogar noch den einen oder anderen Elch vors Fernglas bekommen.
Dass sich inzwischen auch wieder Biber im Nordosten der USA hei-
misch fühlen, merkt man an den Biberwiesen bzw. an den Biberbur-
gen, die in einigen Waldgebieten mit feuchten Talzügen anzutreffen
sind. An Flüssen, Bächen, Teichen und Seen leben inzwischen wieder
viele Fischotter.

Amphibien Zu den hier lebenden Schildkröten zählen Sumpf-, Landkarten- und


und Reptilien Geierschildkröten sowie Moschus- und Schnappschildkröten. Ein
ziemlich eigentümlicher Feuchtgebietsbewohner ist der Gefleckte
Furchenmolch. Schlangen (Nattern und Ottern) gibt es in großer
Pflanzen und Tiere    HINTERGRUND 21

Ein Elchkalb unterwegs im Baxter State Park in Maine

Zahl. Unter den vielen Fröschen ist besonders imposant der Ochsen-
frosch, der fast einen Viertelmeter groß werden kann und vor allem
in lauen Sommernächten oft zu hören ist.

In den Flüssen und Seen leben in erster Linie verschiedene Forellen- Süßwasser-
arten, Lachse, Barsche, Hechte, Karpfen und Schlammfische. Im On- fische
tario- und im Eriesee gibt es noch Löffelstöre.

In der warmen Jahreszeit tummeln sich vor der Küste Neuenglands Meerestiere
Meeressäugetiere in großer Zahl. In erster Linie sind es verschiedene
Wal- und Tümmlerarten, die man am besten vom Boot aus beob-
achtet (»Whale Watching«). An der Küste tauchen mitunter Robben
und Meer­otter auf. Neuenglands Küste ist bekannt für ihre Hummer
(Lobster). Inzwischen wird an vielen Stellen entlang der Küste Aqua
Farming betrieben, das heute nicht nur Hummer, sondern auch
Krabben, Muscheln und vor allem Austern züchtet. Die wichtigsten
Seefische sind Hering, Kabeljau, Seelachs, Makrele und Scholle. Auch
Schwertfische, Thunfische und Haie verirren sich gelegentlich in die
Netze der Fischer.

Artenreich ist die Vogelwelt: Allein im Acadia National Park kennt Vögel
man über 300 verschiedene Arten. Außer dem amerikanischen Trut-
hahn sowie den allgegenwärtigen Schwänen, Gänsen (u. a. Kanada-
gänse) und Enten (u. a. Eiderenten) sind es Grau- und Silberreiher,
Eistaucher, Wildtauben sowie Waldhühner und Fasane, die man
ohne viel Mühe erspähen kann. Noch recht häufig vorkommende
Greifvögel sind Habicht, Falke und Eule, immer seltener bekommt
man einen Adler oder gar einen Kolkraben zu Gesicht.
WISSEN Politisches System der USA
23

©
24 HINTERGRUND    Bevölkerung · Politik · Wirtschaft

Bevölkerung · Politik · Wirtschaft


Der Nordosten ist das wirtschaftliche Kernland der USA. Die
ersten Einwanderer brachten ihre puritanische Arbeitshal-
tung; ihr Wissen und Können bildete ein riesiges Fachkräfte-
reservoir.

Bevölkerungs- Zwei der in diesem Reiseführer beschriebenen Staaten zählen zu den


verteilung bevölkerungsreichsten der USA: New York State nimmt den dritten
und Pennsylvania den sechsten Platz ein. Am dichtesten besiedelt ist
Rhode Island – hier tummeln sich 391 Menschen auf einem Qua­
dratkilometer. Die geringste Dichte mit 17 Einwohnern/km² findet
man in Maine. Mit 8,5 Mio. Einwohnern ist New York City nicht nur
die größte Stadt im Nordosten, sondern der ganzen USA; weitere
Großstädte der Region sind Philadelphia, PA (1,6 Mio. Einwohner),
Pittsburgh, PA (303 000 Einw.) und Boston, MA (655 000 Einw.).

Bevölke­rungs- In sieben der vorgestellten US-Bundesstaaten ist der Anteil der wei-
­gruppen ßen Bevölkerung weitaus größer als der Anteil der übrigen Gruppen;
die einzige Ausnahme bildet nur der Bundesstaat New York (16 %
Afro-Amerikaner, 18 % Hispano-Amerikaner, 7,5 % Asiaten). In Ver-
mont, New Hampshire und Maine liegt der Anteil der weißen Bevöl-
kerung über 94 %.

Politik und Die Kompetenzen der US-Bundesstaaten reichen erheblich weiter als
Verwaltung die der deutschen Bundesländer. So gibt es z. B. von Staat zu Staat
verschiedene Verkehrsvorschriften, Steuergesetzgebungen und Rege­
lungen zum Alkoholgenuss. Ähnlich wie auf Bundesebene gibt es
einen aus Senat und Abgeordnetenhaus bestehenden Kongress als
gesetzgebende Gewalt. An der Spitze eines jeden Bundesstaats steht
ein direkt von der Bevölkerung gewählter Gouverneur. Er ist den
Beschlüssen seines Kongresses verpflichtet. Untere Verwaltungsebe-
ne sind die den deutschen Landkreisen vergleichbaren Counties.

Wirtschaft
Wirtschaft- Die Gründung hervorragender Bildungseinrichtungen und For-
liches Kern- schungsstätten wie z. B. der Universitäten Harvard und Yale oder des
land der USA Massachusetts Institute of Technology (MIT) sind darauf zurückzu-
führen. Nicht von ungefähr sind die Namen von Wissenschaftlern
und Tüftlern wie Franklin, Morse, Colt, Deere, Goodyear, Bell oder
Edison und deren Erfindungen mit der Region verbunden. Vor allem
der Eisenbahnbau, verbunden mit den Namen Vanderbilt oder Pull-
Bevölkerung · Politik · Wirtschaft    HINTERGRUND 25

man, war ein wichtiger Impulsgeber der Wirtschaft im 19. Jahrhun-


dert. Auch die Lage am Atlantischen Ozean brachte unschätzbare
Vorzüge mit sich. Von den Hafenstädten ließen sich mannigfaltige
Handelsbeziehungen mit den Wirtschaftszentren der Alten Welt un-
terhalten.

Bereits Ende des 19. Jh.s begann die Abwanderung der Textilindus- Industrie
trie in die Piedmont-Region der Südstaaten, nachdem das Lohnni-
veau durch die Schwerindustrie zu hoch und die Gewerkschaften
mächtiger geworden waren. Die Abwanderung setzte sich nach dem
Ersten Weltkrieg fort. Trotzdem hielt die Attraktivität des Nordos-
tens durch das Verbleiben der gewinnträchtigen Industriezweige un-
gebrochen an. Doch als Folge der großen Depression in den 1930er-
Jahren mussten zahlreiche Betriebe schließen. Im Zuge des Zweiten
Weltkriegs erholte sich die Region zwar wieder, doch die weltweite
Strukturkrise in der Schwerindustrie führte ab 1970 zum Abbau von
Arbeitsplätzen in großem Stil und zu einer Umstrukturierung der
Industrielandschaft, die bis heute nachwirkt.
Industrielles Kernland ist der Manufacturing Belt, der sich von Chi-
cago über Detroit, Cleveland und Pittsburgh bis an die Ostküste nach
Boston, New York und Philadelphia erstreckt. Auf Basis der Schwer-
industrie entwickelten sich Maschinenbau, Elektrotechnik, Metall-
verarbeitung und Automobilindustrie. Als Zentrum der Stahlindus-
trie kristallisierte sich die Region Pittsburgh heraus.
Während der Manufacturing Belt 1870 zur industriellen Gesamtleis-
tung der USA 80 % beisteuerte, waren es 1970 noch 56 %. 1977 wur-
de schließlich die magische Grenze von 50 % unterschritten – kon-
kurrierende Industriegebiete im Süden und Westen der USA hatten
ihre Stellung ausbauen können. Die Stärken des Manufacturing Belts
lagen in der Stahlindustrie, doch alle damit verbundenen Branchen
verzeichneten einen dramatischen Rückgang, sodass innerhalb von
zehn Jahren in den Bundesstaaten New York, Pennsylvania und Ohio
Hunderttausende Arbeitsplätze verloren gingen. Die regionale Ar-
beitslosenquote stieg auf Rekordwerte, was dem Manufacturing Belt
sehr rasch den Beinamen Rust Belt (Rostgürtel) eintrug. Mono­
strukturierte Zentren wie Pittsburgh erholten sich nur langsam, wäh-
rend es Regionen mit einer breiten Palette an Branchen wie New
York City oder Boston leichter hatten, neue Arbeitsplätze zu schaffen.
So konnten die Neuenglandstaaten die Zahl der Industriearbeitsplät-
ze sogar ausbauen. Heute arbeiten weniger als 40 % aller US-Indus-
triebeschäftigten im Manufacturing Belt.
An der Ostküste erstreckt sich eine Megalopolis, d.h. eine Stadt-
landschaft mit mehreren Millionenstädten von Boston im Norden
über New York und Philadelphia südwärts bis Baltimore und Wa-
shington, DC. Auf nur 3 % der Staatsfläche der USA leben und arbei-
ten mit rund 40 Mio. Menschen etwa ein Fünftel der Gesamtbevöl-
WISSEN Zahlen und Fakten
27
28 HINTERGRUND    Bevölkerung · Politik · Wirtschaft

kerung in Veredelungs- und Wachstumsindustrien aus dem


Hightech-Bereich. In den Neuenglandstaaten ist Großindustrie, ab-
gesehen vom Raum Providence und Boston, selten anzutreffen;
Schwerpunkte bilden eher die mittelständischen Betriebe. Massachu-
setts war schon immer berühmt für seine Textilien und Lederwaren;
heute gilt der Großraum Boston als eine der attraktivsten Wachs-
tumsregionen der USA. Aufgrund der Häufung von Hightech-Be-
trieben am Highway 128 wird dieser gern als das »Silicon Valley« der
Neuenglandstaaten bezeichnet. Connecticut ist führend in der Pro-
duktion von Feuerwaffen und Präzisionsinstrumenten.

Land- und Der gesamte Nordosten gehört traditionell zum Dairy Belt (Milch-
Forstwirt- gürtel). Mehr als die Hälfte aller Betriebe erzielt ihr Einkommen mit
schaft, Frischmilch und Milchprodukten, 40 % des Milchviehbestands der
Fischerei USA konzentrieren sich hier. In Vermont, New Hampshire, Pennsyl-
vania und New York erreicht der Gesamtverkaufswert von Milchpro-
dukten über 50 % des Werts aller Agrarprodukte. Auf großen Teilen
der landwirtschaftlichen Fläche wird Futtermais angebaut. Zweites
Standbein der Landwirtschaft im Dairy Belt ist die Geflügelzucht,
v. a. in Connecticut, wo sich viele Landwirte auf die Produktion von
Eiern spezialisiert haben. Besonders die Neuenglandstaaten Maine,

Harte Arbeit, geringer Verdienst:


Hummerfang vor der Küste von Maine
Bevölkerung · Politik · Wirtschaft    HINTERGRUND 29

New Hampshire und Vermont werden landwirtschaftlich intensiv ge-


nutzt. Große Areale wurden inzwischen wieder der Forstwirtschaft
überlassen, nachdem viele Farmer in den Westen abgewandert sind.
Maine ist nach Wisconsin der zweitgrößte Holz- und Papierlieferant
der USA und zudem berühmt für seine hervorragenden Hummer;
ansonsten spielt die Fischerei keine große Rolle mehr. Neben der
Milchwirtschaft ist im Staat New York noch der Weinanbau von Be-
deutung: Die Finger Lakes Region ist nach dem kalifornischen Napa
Valley der zweitgrößte Weinproduzent der USA. In Pennsylvania ent-
stehen 70 % aller landwirtschaftlichen Einkommen durch die Milch-
wirtschaft, daneben ist die Pilzzucht bedeutend. In Massachusetts
und Rhode Island dominiert der Gemüseanbau in Gewächshäusern.

Wichtigster Rohstoff sind die bedeutenden Kohlevorkommen an Rohstoffe


der Westflanke der Appalachen. Die hochwertige Kohle liegt nahezu
an der Oberfläche und kann deshalb häufig im Tagebau abgebaut
werden. An weiteren mineralischen Rohstoffen ist der Nordosten
aber eher arm. Nennenswert sind eine der größten Granitminen der
Welt im Bundesstaat New York sowie die Granitgewinnung in Ver-
mont und New Hampshire.

Ende der 1960er-Jahre hatten noch 140 der 500 wichtigsten Unter- Sonderrolle
nehmen der USA ihren Sitz in NYC, heute sind es weniger als 60. New York
Ende des Zweiten Weltkriegs war die Stadt mit über 1 Mio. Indust- City
riearbeitern noch ein wichtiges industrielles Zentrum und bis heute
gilt sie als ein weltweit führender Hotspot in Sachen Fashion, Kultur
und Unterhaltung. Doch New York City ist die Medienhauptstadt
der USA. Mit der »New York Times«, dem »Wall Street Journal« und
der »Daily News« erscheinen drei der fünf größten Zeitungen des
Landes und dazu die Hälfte der wichtigsten Wochen- und Monats-
zeitschriften in der Stadt; darüber hinaus haben die drei größten
Fernsehanstalten – CBS, ABC und NBC – hier ihr Hauptquartier.
Und selbstverständlich hat New York in der Werbe- und IT-Branche
weltweit einen hervorragenden Ruf. Dazu gilt die Stadt seit Langem
nicht nur als das Finanzzentrum der USA, sondern der ganzen Welt.
Täglich werden hier Transaktionen im Gesamtwert von durch-
schnittlich einer Milliarde Dollar getätigt. Die Entwicklung des Dow-
Jones-Index an der NYSE (= New York Stock Exchange), die seit
Ausbruch der 2007 von den USA ausgehenden globalen Finanzkri-
se im internationalen Blickpunkt steht, beeinflusst die Investitions-
bereitschaft weltweit. Dank massiver Finanzspritzen und Stimulus-
pakete in bislang beispiellosem Ausmaß seitens der US-Regierung
konnten schlimme Auswirkungen in Grenzen gehalten werden. An-
fang 2016 residierten noch immer zahlreiche Fortune-500-Unter-
nehmen in der Stadt und weltweit operiende Anzeigenbüros fuhren
über 10 Milliarden Dollar Gewinn ein.
30 HINTERGRUND    Alltagsbegegnungen

Willkommen im Alltag
Wo lernt man »echte« Neuengländer kennen? Meist abseits
der Touristenpfade, mitunter aber gerade auch dort.
Nachstehend ein paar Tipps.

Ehrenamtliche Mitarbeit bei


Historic New England
Bei Renovierungsarbeiten mithelfen,
bei Veranstaltungen mithelfen, im
Archiv forschen oder einfach im Büro
mitarbeiten – die Aufgaben für
ehrenamtliche Helfer (Volunteers) bei
Historic New England sind recht viel-
fältig. Und ganz nebenbei lernt man
das Arbeitsleben in der Neuen Welt
kennen. Allerdings sollte man das
amerikanische Englisch zumindest
einigermaßen beherrschen.
Infos: Historic New England, 141
Cambridge St., Boston, MA, 02114,
www.historicnewengland.org

Freizeit-Ranger
im Acadia National
Park
Wanderwege anlegen und be-
schildern und Campingplätze
in Ordnung halten, sich um
Ausstellungsbestände und
Archivalien kümmern, Besucher
aller Altersklassen durchs Gelän-
de führen, Wild beobachten
und vieles mehr tun kann man
im einzigen Nationalpark des
US-Bundesstaates Maine unter
Anleitung erfahrener Park-
Ranger.
Infos: www.nps.gov/acad/
getinvolved/volunteer.htm
Alltagsbegegnungen    HINTERGRUND 31

Vom Saft zum Sirup


Von Ende Februar bis Anfang April
herrscht in den Wäldern Neu-
englands Betrieb. Dann werden
Ahornbäume angebohrt, deren
dünnflüssiger Pflanzensaft in Eimern
aufgefangen und anschließend in
»Sugarhouses« zu dickflüssigem
Sirup zusammengekocht wird. Die-
sen Produktionsprozess miterleben
kann man u.a. im »Zuckerhaus« der
Williams Farm am Fuß der Pocum-
tuck Range bei Deerfield, MA.
Infos: http://williamsfarmsugarhouse.com
oder www.massmaple.org

Kochkunst
vom Feinsten
Einheimische und Gäste, die
wissen möchten, wie man Fisch,
Fleisch, Wurzel- und sonstiges
Gemüse lecker zubereitet oder
wie man ein opulentes Thanks-
giving Menu mit obligatori-
schem Truthahn zaubert, treffen
sich bei Chef Matt Storch,
einem der besten Köche im
Nordosten der USA.
Infos: clarkeculinarycenter.com/

BierKunde
Dass man auch in Neuengland gutes
Bier zu brauen versteht, erfährt man
bei einer auch bei Einheimischen be-
liebten Tour durch die Samuel Adams
Brewery in Boston. Nach Belehrun-
gen über das hier verwendete Malz
und den Hallertau-Hopfen gibt es
auch Kostproben in geselliger Runde.
Infos: Samuel Adams Brewery Tours, 30
Germania St., Boston, MA 02130, www.
samueladams.com/boston-brewery/
brewery-tours
32 HINTERGRUND    Geschichte

Geschichte
Geschichte    HINTERGRUND 33
33

Von den Indianern bis 9/11


Ohne Hilfe der Indianer hätten die ersten Siedler bald aufge-
geben. Die nächste Siedlerwelle brachte puritanischen Eifer
ins Land. Der mit ihm erschaffene Wohlstand machte die Ko-
lonisten so selbstbewusst, dass sie sich vom Mutterland lös-
ten.

Vor der Ankunft der Europäer


ca. 12 000 v. Chr. Erste Jäger und Sammler
ca. 1000 – 1600 Späte Waldland-Periode der Algonquin-Völker
1524 Verrazano hat ersten Kontakt mit Indianern.
seit 1602 Planmäßige Besiedlung durch Europäer

Bis etwa 13 000 v. Chr. ist der Nordosten Amerikas von Eismassen Paläo-
bedeckt. Erst tausend Jahre später erreichen die ersten Jäger und Indianer
Sammler die Region. Die Paläo-Indianer jagen Karibus, Nadel- und
Birkenwälder prägen ihre Umwelt. Zwischen 8000 und 4000 v. Chr.,
der sog. mittelarchaischen Periode, verfeinert sich ihre Kultur: Speer-
schleudern vergrößern die Reichweite, steinerne Speerspitzen ma-
chen die Waffen effektiver. Für die spätarchaische Periode von
1700 bis 700 v. Chr. sind Vorratswirtschaft in Behältnissen aus Speck-
stein und ausgedehnte Handelsbeziehungen nachgewiesen.

Etwa bis 1000 n. Chr. dauert die mittlere Waldland-Periode: Kera- Waldland-
mikwaren setzen sich durch, der Gartenbau (bes. Mais, Bohnen) indianer
kommt auf. Auf dem Speiseplan stehen Hirsch und im Atlantik er-
beutete Schalentiere. Pfeife und Tabak ziehen in die Hütten ein. Die
späte Waldland-Periode endet mit der Ankunft der ersten Europäer.
Zu den größten Stämmen zählen die Wampanoag auf Cape Cod, die
Narragansett in Rhode Island, die Abenaki in New Hampshire und
die Passamaquoddy und Penobscot an der Küste Maines. Auf dem
Gebiet der heutigen Bundesstaaten New York und Pennsylvania le-
ben u. a. die Lenni Lenape (Delawaren), Susquehannocks und Shaw-
nee. Sie alle sind Angehörige der Algonquin sprechenden Völker. Im
16. und frühen 17. Jh. kommt es zu einer dramatischen Bevölke-
rungsverschiebung. Von Süden her verdrängen Iroquois sprechen-
de Stämme die Algonquin. Die Oneida, Seneca, Cayuga, Onondaga

Vor der Ankunft der ersten Europäer bevölkerten Waldland-


indianer den Nordosten der heutigen USA.
34 HINTERGRUND    Geschichte

Im September 1609 segelt Henry Hudson auf dem nach ihm be-
nannten Fluss aufwärts bis in die Gegend des heutigen Albany.

und Mohawk schließen sich im Gebiet der Finger Lakes zum mäch-
tigen Bund der Fünf Nationen der Irokesen zusammen.

Ära der Bereits 1524 segelt Giovanni di Verrazano in französischem Auftrag


europäischen in den Gewässern vor Amerika. Er fährt in die New York Bay ein und
Entdeckung bewirtet in der Narragansett Bay lndianer an Bord seines Schiffes.
Die Handelsbeziehungen der Narragansett zu den Franzosen und
später auch zu den Engländern provozieren bewaffnete Auseinander-
setzungen mit den Stämmen im Landesinnern. 1602 erkundet Bart-
holomew Gosnold den Vineyard Sound und die Buzzard Bay. 1603
erforscht Martin Pring Cape Cod, 1609 fährt Henry Hudson den
nach ihm benannten Fluss hinauf bis zum heutigen Albany und be-
ansprucht das Land für die Niederlande. Frankreich schickt Expedi-
tionen an die Küsten und dringt auch im Lande vor: Samuel de
Champlain erreicht von Québec aus den Nordosten des heutigen
Bundesstaates New York und nimmt ihn für Frankreich in Besitz.
1614 segelt der Holländer Adrian Block in die Narragansett Bay und
nennt eine der lnseln »Roodt Eyland« (Rhode Island?). Im gleichen
Jahr kartografiert John Smith die Küste zwischen Monhegan Island
und Cape Cod. Smith, durch das Gedicht »Pocahontas« unsterblich
geworden, schwärmt in England von den guten Böden und schönen
Stränden. Er gibt dem Land den Namen Neuengland. Im 17. Jh. de-
zimieren eingeschleppte Infektionskrankheiten die Küstenstämme
dramatisch. Das Verhältnis zwischen Indianern und weißen Seefah-
Geschichte    HINTERGRUND 35

rern ist kurz vor der Ankunft der ersten Siedler alles andere als
freundlich. Die Chroniken melden Scharmützel und Überfälle. Eine
besondere Rolle spielt der Indianer Squanto. Einst von Engländern
entführt und seitdem des Englischen mächtig, fungiert als Führer,
Übersetzer und Vermittler zwischen den Kulturen. Der durch ihn zu
Stande kommende Frieden zwischen den englischen Siedlern und
seinen Wampanoag hält immerhin ein halbes Jahrhundert lang.

Die Pilgerväter kommen


21. Dez. 1620 Landung der Mayflower am Plymouth Rock
1625 Peter Minnewitt erwirbt Manhattan.
1675/1676 King Philip‘s War
1683 Gründung von Philadelphia

John Smiths Bericht stößt in Europa bei den Puritanern auf Interes- Rigoroser
se. Im holländischen Exil sind sie angesichts des wachsenden spa- Glaube
nisch-katholischen Einflusses in den Niederlanden wieder auf der
Suche nach einem Ort, an dem sie ihren Glauben frei ausüben kön-
nen. Streng protestantisch hatten sie die von Heinrich VIII. gegrün-
dete Church of England von katholischen Traditionen wie Kirchen-
musik, Abendmahl und Kreuzzeichen »purifizieren« wollen. Dabei
waren sie mit dem Königshaus in Konflikt geraten. Als Calvinisten
glauben sie an Vorbestimmung und Auserwähltheit. Dies ist jedoch
nicht ohne Pflichten zu erreichen. Die Schlüsselbegriffe auf dem Weg
zu Gott heißen Disziplin, Sittsamkeit und harte Arbeit. Was die
Vorbestimmung für jeden bereithält, lässt sich letztlich an dessen
Wohlstand ablesen. Die Leidener wenden sich an die Virginia Com-
pany, die mit dem 1607 in Virginia gegründeten Jamestown handelt.
Ein Vertrag wird geschlossen. Am 15. August 1620 verlassen die Pu-
ritaner an Bord der »Mayflower« Southampton – als »Pil-grim Fa-
thers« gehen sie in die amerikanische Geschichte ein. Von den 102
Passagieren an Bord sind nur ein Drittel fromme Pilger, die übrigen
sind Kaufleute und einfache Siedler, die »strangers«. Von wilden
Herbststürmen weit vom Kurs abgetrieben landet die »Mayflower«
nach zwei Monaten Fahrt am 11. November 1620 an der Nordspitze
von Cape Cod. Der Streit beginnt: Weit entfernt von Jamestown füh-
len sich vor allem die »strangers« nicht mehr an den Vertrag mit der
Virginia Company gebunden. Alle erkennen jedoch, dass die Auflö-
sung der Gruppe in der Wildnis das Ende der Expedition bedeuten
würde. Nun setzen Puritaner und »strangers« ein Schriftstück auf,
das heute als erste geschriebene Verfassung Amerikas angesehen
wird: Der Mayflower Compact sah die Bildung einer Regierung auf
der Grundlage »gleicher« und »gerechter« Gesetze vor.
36 HINTERGRUND    Geschichte

Im Museumsdorf Plimoth Plantation wird den Besuchern


das Leben der Pilgerväter sehr eindrucksvoll nahegebracht.

Endlich Am 21. Dezember 1620 landen die Siedler am Plymouth Rock und
angekommen gründen Plimoth Plantation, die erste europäische Siedlung
Neuenglands. Die Indianer verhalten sich friedlich. Der erste Win-
ter in Amerika verläuft katastrophal: Fast die Hälfte der Siedler stirbt
an Skorbut, Lungenentzündung oder Kälte. Erst als die Siedler im
folgenden Frühjahr von ihren indianischen Nachbarn Nachhilfe-
unterricht im Pflanzen, Säen, Fischen und Jagen erhalten, tritt die
Wende ein. Im Herbst feiern Siedler und Indianer einträchtig das
erste Erntedankfest Amerikas: Thanksgiving. Die Kunde von der
erfolgreichen Kolonie dringt bis nach England. 1626 kommen
1 000 weitere Siedler mit Roger Conant an der Spitze und gründen
Salem, 1630 gründet John Winthrop die Massachusetts Bay Colony
und Boston. Entlang der Küste werden Handels­posten errichtet. 1635
gründet Thomas Hooker aus Boston die Hartford Colony.

Auch Weiter im Süden fassen die Holländer Fuß und gründen 1624 beim
das übrige heutigen Albany ihre erste Niederlassung, 1626 kauft Peter Minne-
Europa wit den Indianern Manhattan Island ab und ruft Neu-Amsterdam
mischt mit aus , aus dem New York wird, nachdem die Engländer 1664 die Stadt
und wenig später die ganze holländische Kolonie übernommen hat-
ten. 1641 landen Holländer beim heutigen Philadelphia, 1643 grün-
den Schweden eine erste Ansiedlung, die 1655 von den Holländern
übernommen und 1664 britisch wird. Mit der Abtretung von Lände-
reien der Krone an Sir William Penn entsteht 1681 Pennsylvania.
1683 wird Philadelphia, die »Stadt der Bruderliebe« gegründet.
Geschichte    HINTERGRUND 37

Bald zeigt sich, dass die in England wegen ihres Glaubens Verfolgten Herrschaft
in der neuen Heimat ebenso intolerant gegen Andersdenkende vor- der
gehen. Baptisten werden ausgepeitscht, Quäker gehängt. 1636 hat Intoleranz
Roger Williams genug, verlässt Boston und gründet in Rhode Island
mit Gleichgesinnten Providence. Die Stadt wird Zufluchtsort für Ju-
den, Hugenotten und andere religiös Verfolgte. Die Puritaner sehen
überall den Teufel am Werk. 1648 findet in Charlestown der erste
Hexenprozess statt, Boston folgt 1655. Salem erlebt 1692 die be-
rühmt-berüchtigte »Salem Witch Hunt«, in deren Verlauf 19 arme
Seelen »der Hexerei überführt« und hingerichtet werden.

Puritanischen Glaubenseifer bekommen auch die Indianer zu spü- Kämpfe


ren. Sie müssen Christen werden und ihre Kultur aufgeben. Je mehr mit den
Siedler ins Land strömen, desto mehr sind die Ureinwohner im Weg. Indianern
Der Anfang vom Ende der lndianer Neuenglands ist der King
Philip's War (1675 – 1676). Nach Missverständnissen und gebroche-
nen Verträgen verbünden sich die von Chief Philip Pokanokett ge-
führten Indianer und überziehen den Süden Neuenglands mit Krieg.
Nach schweren Verlusten wendet sich das Blatt zum Jahreswechsel
zu Gunsten der Weißen. Im »Great Swamp Fight« nahe dem heutigen
Narragansett Pier werden der Indianerführer Philip und 800 Krieger
im August 1676 massakriert. Anschließend töten weiße Siedler Hun-
derte von indianischen Frauen und Kindern. Danach verschwinden
die Indianer Neuenglands praktisch in der Bedeutungslosigkeit.

Der Weg zur Unabhängigkeit


1763 Mit dem Frieden von Paris endet der French and Indian War.
16. Nov. 1773 Boston Tea Party
4. Juli 1776 Unabhängigkeitserklärung
1776 – 1783 Unabhängigkeitskrieg

In der Zwischenzeit florieren die Kolonien. Da Ackerbau nur in Ma- Aufstieg der
ßen möglich ist, bringen es Siedler in Fischerei, Walfang und Schiffs- Kolonien
bau zu wahrer Meisterschaft. Fisch wird das Hauptabsatzprodukt der
Kolonien, aber im Mutterland herrscht keine Nachfrage. In Spanien
und vor allem auf den Plantageninseln der Karibik finden die Neu-
engländer hingegen dankbare Käufer. Dort wird Melasse produziert,
ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung, das in Neuengland unent-
behrlich für die Rumproduktion ist. Es schießen so viele Rumfabri-
ken aus dem Boden, dass Zeitgenossen spotten, die Puritaner selbst
seien die besten Abnehmer. Die frommen Kolonisten werden tüchti-
ge See- und gewiefte Geschäftsleute, deren hochprozentige Produkte
im Mutterland gefragt ist. Und noch ein – weitaus lohnenderer –
Markt tut sich für die Bostoner, Salemer und New Yorker Kaufleute
38 HINTERGRUND    Geschichte

auf: Für Rum erwerben sie in Afrika Sklaven und tauschen sie in der
Karibik gegen Melasse. Der berüchtigte Dreieckshandel macht aus
den Kolonien eine frühkapitalistische Gesellschaft, die sich zuse-
hends vom agrarisch-aristokratisch geprägten Süden abhebt. New-
port und Bedford sind führende Rumdestillerien, die Werften von
Boston, Portsmouth und Kittery produzieren stolze Segelschiffe.
Universitäten werden gegründet, darunter Yale und Dartmouth.

Unter der Der Höhenflug dauert bis 1763, als in Europa der Siebenjährige Krieg
Knute des endet, der in Nordamerika als »French and Indian War« geführt
Mutterlands worden war. Im Frieden von Paris verabschiedet sich Frankreich
endgültig aus Nordamerika und London macht aus Neufrankreich
Britisch-Nordamerika. England hat zwar gesiegt, steht aber kurz vor
dem Bankrott. Um die Löcher zu stopfen, erlässt die Krone 1764 den
Sugar Act, eine saftige Steuer auf Melasse; ein Jahr später schiebt sie
den Stamp Act nach, der einen Steuerstempel für alle schriftlichen
Dokumente vorsieht. Die Kolonisten reagieren mit wütendem Pro-
test. So fordert der Kaufmann James Otis im Mai 1764 »No taxation
without representation« – keine Besteuerung ohne Vertretung im
Parlament. Mit dem Boykott englischer Güter erreichen die Kolonis-
ten 1766 die Aufhebung des Stamp Act. Boston entwickelt sich zum
Sprachrohr der 13 Kolonien. 1766 gründen Bürger der Stadt die Ge-
heimgesellschaft »Sons of Liberty« , zu der talentierte Redner wie
John Hancock und Samuel Adams (1722 – 1803) gehören. Letzterer,
Braumeister und Kaufmann, treibt die Solidarisierung der Kolonien
1768 mit dem Circular Letter voran, in dem er gegen erneute Steuern
auf Tee, Glas und Papier protestiert und zum Boykott aller besteuer-
ten Produkte aufruft. Als sich die Stimmung in Boston dem Siede-
punkt nähert, schickt England zwei Regimenter. Am 5. März 1770
endet eine Konfrontation vor dem Customs House (heute Old State
House) mit dem »Boston Massacre«, bei dem fünf Bostoner ster-
ben. Unter dem Eindruck des Widerstands nimmt London alle Steu-
ern wieder zurück – bis auf die Teesteuer auf das beliebteste Getränk
Neuenglands. Der Austausch zwischen den Kolonien ist dank der
1772 von Samuel Adams initiierten Korrespondenzkomitees hervor-
ragend. So verbreitet sich auch die Nachricht von der Boston Tea
Party wie ein Lauffeuer: Am 16. November 1773 entern als Indianer
verkleidete »Sons of Liberty« im Hafen drei englische Schiffe und
werfen die gesamte Tee-Ladung über Bord – ein unerhörter Akt des
Ungehorsams! Georg III. lässt an der aufmüpfigen Kolonie ein Exem-
pel statuieren und 1774 vom Parlament die fünf »Coercive Acts« ra-
tifizieren, die bei den Bostonern Intolerable Acts heißen. Der Hafen
wird geschlossen, Massachusetts verliert seinen Status als Kolonie.
Doch die übrigen Kolonien stellen sich hinter Massachusetts und
erklären noch im gleichen Jahr auf dem ersten Kontinentalkongress
in Philadelphia die Coercive Acts für ungesetzlich, rufen zu erneuten
Geschichte    HINTERGRUND 39

Boykotts auf und denken laut


über die Volksbewaffnung nach.

Die Kolonisten legen geheime Der Krieg


Waffenlager an. ln der Nacht zum beginnt
19. April 1775 wollen britische
Truppen in Lexington ein solches
ausheben. Die vorgewarnten Ko-
lonisten liefern den Soldaten ei-
nen ersten Schusswechsel. Stun-
den später werden die Truppen in
Concord von Siedlermilizen in die
Flucht geschlagen. Boston wird
noch am gleichen Tag von den
Briten besetzt. Die Amerikaner
ziehen einen Belagerungsring um
die Stadt. Am 17. Juni 1775
kommt es zur ersten Schlacht
des amerikanischen Unabhän-
gigkeitskriegs. Die als Befrei-
ungsschlag gedachte Schlacht auf Ikone der US-Geschichte:
dem Bunker Hill gewinnen zwar die Unabhängigkeitserklärung
die Briten, allerdings mit so hohen
Verlusten, dass sich die Amerikaner als moralische Sieger fühlen. Da-
nach ernennt der Kontinentalkongress George Washington zum
Oberbefehlshaber der in »Kontinentalarmee« umgetauften Milizen.
Während Georg III. den Handel mit der Ostküste verbietet, evaku-
ieren die Briten im März 1776 Boston. Am 4. Juli 1776 nimmt der
Kontinentalkongress in der heutigen Independence Hall in Philadel-
phia die von einem Kreis um Thomas Jefferson verfasste Unabhän-
gigkeitserklärung an. Damit war die Idee des kündbaren Staatsver-
trags, der Leitgedanke der Aufklärung des 18. Jh.s, erstmals politisch
umgesetzt worden.

England schickt nun über 30 000 Soldaten, darunter von ihrem Lan- Unabhängig-
desfürsten verkaufte Hessen. Im Sommer 1776 erobern sie New York keitskrieg
und Philadelphia. Der Kongress flieht nach nach York. Dann wenden
sich die Briten nach Norden. Erst in Saratoga können sie von Wa-
shington gestoppt werden, als am 17. Oktober 1777 eine englische
Söldnerarmee kapituliert. Diese Wendung ruft Frankreich auf den
Plan.
1778 verbündet sich Frankreich mit den jungen USA und bringt
Truppen nach Newport, RI, um Washingtons Armee zu unterstützen,
die den Winter in Valley Forge zu überstehen hat. Danach verlagert
sich das Kriegsgeschehen in den Süden, wo am 19. Oktober 1781 in
der entscheidenden Schlacht von Yorktown die Briten unter Ge-
40 HINTERGRUND    Geschichte

neral Cornwallis Amerikanern und Franzosen unterliegen. Im Frie-


den von Versailles (3. Sept. 1783) entlässt Großbritannien die ehema-
ligen Kolonien auch formell in die Unabhängigkeit. 1785 wird New
York zur ersten Hauptstadt des neuen Staats erhoben.

Der Weg in den Sezessionskrieg


17. Sept. 1787 Annahme der Verfassung.
1812 – 1814 Krieg gegen Großbritannien
1825 Eröffnung des Eriekanals
1861 – 1864 Sezessionskrieg

Konstituie- Der Unabhängigkeitskrieg hat den jungen Staat wirtschaftlich schwer


rung der getroffen, es herrscht Inflation. Erst am 17. September 1787 wird in
Union Philadelphia die Verfassung ratifiziert, am 6. Februar 1789 wählt der
in der New Yorker Federal Hall zusammengekommene Kongress
George Washington zum ersten Präsidenten der Vereinigten
Staaten von Amerika. Noch einmal flackert im Krieg von 1812 der
Konflikt mit Großbritannien auf. Die Briten dringen von Kanada aus
ein und bringen die USA an den Rand der Niederlage, die dank der
gewonnenen Seegefechte auf dem Lake Erie 1813 und auf dem Lake
Champlain 1814 doch noch abgewendet werden kann.

Wirtschaft- Der junge Staat kommt nun wirtschaftlich gut voran. Fischfang bleibt
licher so wichtig, dass Massachusetts einen goldenen Kabeljau als Symbol
Aufstieg ins State House übernimmt. In den Häfen Neuenglands liegen die
größten Walfangflotten der damaligen Zeit. Die Unabhängigkeit
öffnet dem Handel den Weg nach Westen: Salem, Boston, Provi-
dence, Portsmouth und New York schicken Schiffe um das Kap der
Guten Hoffnung nach China, beladen mit Pelzen aus Nordamerika
und Sandelholz aus der Südsee. In Kanton tauschen sie Luxusartikel
wie Tee, Seide und Porzellan ein. Dies wiederum treibt den Schiffs-
bau voran. Auf dem Höhepunkt des Chinahandels zwischen 1840
und 1860 laufen in Boston und Wiscasset die schnellen »Clipper«
vom Stapel, elegante, auf Geschwindigkeit getrimmte Dreimaster, die
den bei der Society so begehrten Chinatee in der verlangten Frische
herbeischaffen. Die Fertigstellung des Eriekanals 1825 verkürzt den
Transportweg von den Ostküstenhäfen an die Großen Seen radikal.
New York wird zum größten Hafen der Vereinigten Staaten.

Industrielle Die industrielle Revolution verlässt mit der erfolgreichen Einführung


Revolution der mechanischen Baumwollspinnerei in Pawtucket ihr Experi­
mentierstadium. Samuel Morse entwickelt den Telegrafen, Ely
Whitney, der bereits 1793 die Baumwollentkörnungsmaschine er-
funden hat, setzt Waffen aus austauschbaren Teilen zusammen, Elias
Geschichte    HINTERGRUND 41

Eines der ersten von Robert Fulton gebauten Dampfschiffe verkehrt


auf dem Hudson River.

Howe konstruiert die erste Nähmaschine, Francis Pratt und Amos


Whitney stellen Maschinen- und Ersatzteile, Robert Fulton kons-
truiert das erste diensttaugliche Dampfschiff. Während in den Neu-
englandstaaten die verarbeitende Industrie zu Hause ist, entwickelt
sich in Pennsylvania dank seiner riesigen Kohlevorkommen die
Schwerindustrie. Das Land wird durch die Eisenbahn erschlossen.

Die Industrialisierung führt zur Masseneinwanderung aus Europa. Einwande-


Schon um 1850 ist jeder zehnte Neuengländer Immigrant, 10 Jahre rung
später sind fast zwei Drittel der Bostoner in Europa geboren. Zeit-
gleich gibt es eine massive Binnenwanderungen. Die menschenarme
Wildnis im Hinterland der Küste wird erschlossen. Doch schon um
1850 sind die meisten Farmen wieder verlassen, denn die Bauern
folgen dem Ruf »Go West«. Der Nordosten der USA wird industria-
lisiert. Es ist die Zeit, in der die Astors, Vanderbilts, Carnegies,
Fricks und Rockefellers den Grundstein für ihre Vermögen legen.
Nicht alle heißen die Einwanderer willkommen. Besonders irisch-
katholische Immigranten diskriminiert man. In den Kohlerevieren
Pennsylvanias wird der Keim für die amerikanische Arbeiterbe-
wegung gelegt. Eine andere Gruppe erfährt bemerkenswerte Unter-
stützung: Die Abolitionisten protestieren gegen die Sklaverei in den
Südstaaten, unterstützt vom Welterfolg des Anti-Sklaverei-Romans
»Onkel Tom's Hütte« von Harriet Beecher-Stowe, der 1852 er-
scheint. ln Massachusetts bringt William Lloyd Garrison den »Libe-
rator« heraus, eine Kampfschrift gegen die Sklaverei im Süden.
42 HINTERGRUND    Geschichte

Re-Enactment der besonderen Art: 1993 verfilmte Turner Pictures mit


großem Aufwand die Schlacht von Gettysburg.

Sezessions- Der Norden und der Süden der USA entfremden sich immer mehr.
krieg So setzen die Unternehmer des Nordens in Washington gegen den
Widerstand des Südens die Einführung von Schutzzöllen durch. Im
Süden erklingt der Ruf nach Sezession. Abraham Lincoln, Republi-
kaner und Befürworter der Union, gewinnt die Wahlen von 1860
ohne eine einzige Stimme aus dem Süden. Wenig später verlassen elf
Südstaaten die Union und gründen die Confederate States of
America. Am 12. April 1861 beginnt mit der Beschießung von Fort
Sumter in South Carolina durch die Konföderierten der Sezessions-
krieg. Während Neuengland und New York nicht Kriegsgebiet sind,
erlebt Pennsylvania die größte Schlacht des Krieges: Vom 1. bis zum
4. Juli 1863 tobt die Schlacht bei Gettysburg, die 51 000 Tote fordert
und mit der Niederlage der Konföderierten endet. Damit ist der Ver-
such des Südens, den Krieg im Norden zu entscheiden, gescheitert.
1865 endet der Bürgerkrieg mit der Niederlage der Südstaaten.

20. und 21. Jahrhundert


24. Okt. 1929 Beginn der Great Depression.
1955 – 1975 Vietnamkrieg
11. Sept. 2001 Anschlag aufs World Trade Center
20. Jan. 2009 Barack Obama wird der erste US-Präsident afro-amerikani-
scher Herkunft.
Niedergang
der traditio- Um 1900 werden die städtischen Bastionen der »White Anglo Saxon
nellen Protestants« (WASPs) allmählich römisch-katholisch. Jahrzehnte-
Industrie lang erschüttern Korruptionswellen den Nordosten. Pennsylvania
Geschichte    HINTERGRUND 43

erlebt harte Streiks. Nach dem Ersten Weltkrieg ist der wirtschaftli-
che Höhenflug erst einmal jäh zu Ende. Die einst blühende Textilin-
dustrie zieht in den billigeren Süden. Es beginnt die »great migrati-
on«. In den 1930er-Jahren kommt es zur Depression. Über 100 000
Textilarbeiter verlieren ihre Jobs, in den Kohle- und Stahlrevieren
Pennsylvanias stehen bis zu 80 % der Arbeiter auf der Straße. Hun-
derttausende verlieren Haus und Hof. Der Niedergang – vorüberge-
hend aufgehalten durch die Rüstungskonjunktur im Zweiten Welt-
krieg, im Korea- und im ­Vietnamkrieg – dauert bis in die frühen
1970er-Jahre.

Dann das Comeback: Das dank hervorragender Universitäten hohe Struktur-


Ausbildungsniveau lockt Hightech-Branchen wie Luft- und Raum- wandel
fahrt, IT-Entwicklung und Biotechnik an. In Boston und Hartford,
im Süden New Hampshires und in Rhode Island sowie in Süd-Con-
necticut werden Millionen mit der Zukunft gemacht. Massachusetts
und Connecticut verfügen über die größten Rücklagen der Nation.
In Boston und Hartford, der »Insurance Capital« der USA, haben fast
alle Banken und Versicherungsgesellschaften des Landes ihr Haupt-
quartier. Für den Wandel im Kohle- und Stahlgürtel steht Pittsburgh,
an dessen Vergangenheit noch ein paar alte Hochöfen erinnern und
das sich heute als moderne Dienstleistungsmetropole präsentiert.

Am 11. September 2001 erlebt der Nordosten Terroranschläge 9/11 und


von unfassbarem Ausmaß. Terroristen steuern zwei von ihnen ent- die Folgen
führte Passagiermaschinen in das World Trade Center, dessen beide
Türme einstürzen. Ein drittes Flugzeug schlägt in das Pentagon in
Washington, DC ein, ein viertes stürzt auf freiem Feld in Pennsylva-
nia ab. Insgesamt kommen etwa 3 500 Menschen ums Leben. »9/11«
(amerikanische Schreibweise für 11. September) wird zum Synonym
der nationalen Trauer. Präsident George W. Bush ruft den weltweiten
Kampf gegen den Terrorismus aus. Die über die Methoden des
Antiterrorkampfs und den Irak-Krieg ausgebrochene Debatte verän-
dert das innenpolitische Klima und ist im Januar 2009 einer der
Gründe für die Wahl des Demokraten Barack Obama zum ersten
US-Präsidenten afroamerikanischer Herkunft. Er wird während sei-
ner gesamten Amtstzeit von seinen politischen Gegnern erbittert
und ohne Willen zu jeglichem Komptomiss bekämpft. In seinem
letzten Amtsjahr 2016 zeigt sich die amerikanische Gesellschaft ge-
spalten wie selten zuvor..
44 HINTERGRUND    Kunst und Kultur

Kunst und Kultur


Kunst und Kultur    HINTERGRUND 45

Von der Architektur über die


Malerei bis zur Literatur

Wie verlief der Weg von der »salt box« zum Hightech-Wolken-
kratzer? Wovon ließen sich die Maler in der Region inspirie-
ren? Weshalb kann man den Nordosten der USA als Geburts-
ort der amerikanischen Literatur betrachten?

Architektur
Die Visitenkarte der nordöstlichen US-Bundesstaaten sind die Häu-
ser. Zuallererst das typisch neuenglische Postkartenidyll: der makel-
los weiße Kirchturm, der sich elegant über das Village Green erhebt
und von niedlichen Holzhäuschen umgeben wird, oder die gepflegte
rote Scheune mit weißem Lattenzaun im Vorder- und dem runden
Maissilo im Hintergrund. Weil der Nordosten der Vereinigten Staa-
ten fast 250 Jahre lang so gut wie identisch mit Amerika gewesen ist,
lässt sich hier die Entwicklung von der einräumigen »salt box« der
ersten Siedler bis zum postmodernen Glaspalast in Boston auf engs-
tem Raum studieren.

Allein schon ideologisch hatten die ersten puritanischen Siedler Colonial Style
nichts mit dem in Europa gerade modernen üppigen Barock der Ge-
genreformation im Sinn. Aber selbst wenn sie Luxus gewollt hätten
– das Überleben in der Neuen Welt verlangte andere Prioritäten. Ihre
Behausungen sind am besten im Museumsdorf Plimoth Plantation
(“S. 264) zu besichtigen: Typisch waren kleine, ein- bis zweiräumige
Holzhäuser mit strohgedecktem Steildach, einem großen gemauerten
Kamin an der Querseite und winzigen Fenstern. Schon bald wurden
die Außenwände mit den bis heute gebräuchlichen Zederschindeln
verkleidet und das vorkragende Obergeschoss entwickelt. Das am
leichtesten zugängliche Beispiel dieser »saltbox« genannten Häuser
des »Early Colonial Style« ist das Paul ­Revere House in Boston, MA.
Gemäß einer königlichen Verfügung wurden alle Siedlungen des
17. Jh.s nach einem einheitlichen Muster angelegt. Um das »mee-
tinghouse lot«, auf dem das »meetinghouse« stand, wo man sich zu
An­dachten und Versammlungen traf, wurde die Stadt organisiert,
was zudem Schutz vor lndianern bot. Später wurde der Platz »com-
mon« genannt, weil er der Öffentlichkeit gehörte und diese auf ihm

Norman Rockwell war lange Jahre künstlerischer Chronist von


»smalltown America«: »The Gossip – Klatsch und Tratsch«.
Kühe und Schweine hielt. Um den
Platz herum, aber nicht weiter als
eine Meile von ihm entfernt, bau-
ten die Siedler ihre Häuser und
später auch die typische spitztür-
mige Kirche. Dahinter begann
meist das Farmland. Erst Anfang
des 19. Jh.s wurde der vom Vieh
zertrampelte »common« mit Ra-
sen verschönt und zum »Green«.

Der Georgian Style zwischen


1720 und 1780 war Ausdruck der
immens verbesserten wirtschaftli-
chen Situation der Kolonisten. Da
er in die Regierungszeit gleich
dreier Georgs im Mutterland fiel,
Georgianischer Stil: das Longfellow House
hatte er seinen Namen schnell
in Portland
weg und zeigte auch sonst, dass
die Kolonien noch immer in vie-
len Belangen nach England blickten. Dort ausgebildete Architekten
bauten in Amerika nach, was sie in London oder aber in der dama-
ligen Baumeisterbibel, dem »Book of Architecture« von James
Gibb, gesehen hatten. Inspiriert von der Formensprache der gerade
aktuellen italienischen Renaissance, entlehnte der georgianische Stil
sowohl klassische Elemente wie dorische, ionische und korinthische
Säulen wie auch das strenge Diktat der Symmetrie. Ein Portikus über
dem Eingang und ein palladianisches Fenster zogen zunächst den
Blick auf sich, um ihn von der Mitte des Hauses hinübergleiten zu
lassen zu den Ecksäulen und den beiden Kaminen. Verbaut wurde
nicht mehr nur Holz, sondern auch Naturstein und Backstein. Die
außen gezeigte Eleganz setzte sich innen fort: Massive Holzvertäfe-
lungen, weitläufige Entrees, breite, elegant gewundene Treppen zu
den Obergeschossen demonstrierten Wohlstand und Weltläufigkeit.
Ein besonders schönes Beispiel georgianischer Architektur ist das
Longfellow House in Portland, ME. Der wohl profilierteste Archi-
tekt des georgianischen Stils war Peter Harrison (1716 – 1775). Er
entwarf u. a. die Touro Synagogue in Newport, RI, und die King's
Chapel in Boston. Die bescheidenere Variante des Georgian Style
kann man in Philadelphia in Elfreth's Alley begutachten.

Federal Style Der Federal Style war von 1780 bis 1820 gängig und trotz seines
selbstbewusst ästhetische Eigenständigkeit verkündenden Namens
noch immer stark vom ehemaligen Mutterland inspiriert. In Neu-
england nahm ihn zunächst die wohlhabende Kaufmannschaft auf.
Ein typisches Federal-Style-Haus war ebenso symmetrisch angelegt
Kunst und Kultur    HINTERGRUND 47

und wies die gleichen Elemente wie ein georgianisches, wirkte jedoch
ungleich leichter und nüchterner. In der Regel aus Backstein, hatte es
meist drei Stockwerke, ein flaches Dach und eine schlichte, fast kon-
servative Fassade. lm Gegensatz dazu stand das opulente, formgebe-
risch innovative Interieur. Der Grundriss sah ovale und runde Räu-
me vor, elegante freistehende Treppen und verschwenderisch
gestaltete Kamine, deren Formgebung ebenso von den im soeben in
Italien ausgegrabenen Pompeji gefundenen Dekors beeinflusst war
wie die Holzvertäfelungen.
Besonders viele schöne Beispiele für den Federal Style finden sich vor
allem in Salem, MA, und jeder Besucher wird zumindest ein diesem
Stil verpflichtetes Gebäude sehen: das State House in Boston. Sein
Schöpfer gilt zu Recht als »Vater aller amerikanischen Architekten«:
Charles Bulfinch (1763 – 1844) ist auch für viele Stadthäuser in Bos-
ton verantwortlich, für die gelungene Erweiterung von Faneuil Hall
und das State Capitol in Washington.

Durch Ausgrabungen in Süditalien und die Begeisterung für den Greek Revival
griechischen Befreiungskampf kam zwischen 1820 und 1845 die Style
griechische Klassik in Mode. Die im 5. Jh. v. Chr. in Athen formulier-
ten demokratischen und philosophischen ldeen entsprachen ganz
dem aufgeklärten Weltgefühl der vornehmen Ostküstengesellschaft,
deren Enthusiasmus für alles Griechische sich bald in massiven, tem-
pelartigen Wohnhäusern mit oft überdimensionalen Säulenfronten
und schattigen Arkaden manifestierte, wie man sie heute z. B. noch
in den Villen im Hudson Valley im Bundesstaat New York findet. Vor
allem aber wurden öffentliche Gebäude, Bibliotheken, Universi-
täten und Banken im Greek Revival Style erbaut, um so auf die
geistige Verbindung zwischen der Wiege der Demokratie und der
jungen demokratischen Nation hinzuweisen. Zu den augenfälligsten
Beispielen für diesen Stil gehören die Federal Hall in New York City
und Quincy Market in Boston, dessen Architekt Alexander Parris
zu den bedeutendsten Vertretern dieser Richtung zählt.

Das viktorianische Zeitalter brachte dem Nordosten der USA von Stilvielfalt
Amerika eine Unmenge verschiedenster Stilformen. Besonders auf- der viktoria-
fällig für diese Zeit ist der Gothic Revival Style, der mit steilen Dä- nischen Ära
chern und teils extrem ornamentierten Giebeln Häuser und Cottages
in wahre Lebkuchenhäuschen verwandelte. Der Queen Anne Style
entfernte sich am weitesten von der bis dahin herrschenden Symme-
trie und hält mit Türmchen, Erkern und Balkonen bis heute das Auge
gefangen. Gegen Ende des 19. Jh.s distanzierten sich an der Pariser
Ecole des Beaux-Arts ausgebildete Architekten von diesem Eklekti-
zismus. Die stilistische Reinheit, die sie an europäischen Baustilen
wie dem französischen Barock oder der italienischen Renaissance
bewunderten, setzten sie vor allem an öffentlichen Repräsentativbau-
48 HINTERGRUND    Kunst und Kultur

ten und Häusern der Ostküstenelite um. Tolle Beispiele für diesen
Beaux Arts Style sind die herrschaftlichen Sommersitze in New-
port, RI. Richard Morris Hunt und andere Society-Architekten lehn-
ten sich hier besonders stark an französische und italienische Vorbil-
der an und schufen Schlösser aus Marmor und Granit mit
monumentalen Säulenfassaden und überdimensionalen Fenstern.

20. Jahr- Bis dahin hatten sich Amerikas Architekten nicht unbedingt durch
hundert eigene Ideen ausgezeichnet. Besonders im eher konservativen Neu-
england blickte man in Sachen Form und Gestaltung zur Inspiration
lieber zurück statt nach vorn. In der Metropole New York City hin-
gegen entstand der Wolkenkratzer, der zum typischen Merkmal der
amerikanischen Großstadt geworden ist. Besondere Voraussetzungen
für die Errichtung solcher Hochhäuser waren technische Neuerun-
gen wie z. B. die Verwendung von Stahl und Beton, die Stahlskelett-
Bauweise sowie die Erfindung des Personenaufzugs durch Elisha
Otis. Der erste Lift wurde 1857 in einem Geschäftshaus am New Yor-
ker Broadway eingebaut.
Die frühesten wirklichen Hochhausbauten entstanden in den 1870er-
Jahren in New York und waren 75 bis 90 m hoch, also noch relativ
niedrig. Zu diesen ältesten Hochhäusern gehörten das Tribune Buil-
ding und das Western Union Building, die jedoch nicht mehr erhalten
sind. In Buffalo, NY , entstand 1896 mit Louis Sullivans Guaranty
Building einer der ersten Stahlskelettbauten der Welt. Bostons erstes
Hochhaus, das 1915 errichtete Customs House, maß stolze 16 Stock-
werke und stammte von dem Architektenbüro Young, Peabody and
Sturns. In den 1920er- und 1930er-Jahren folgten in New York die
Klassiker Chrysler Building und Empire State Building. Bewegung in
die Architektenszene brachten die Bostoner Universitäten. Sie verga-
ben in den 1930er-Jahren Lehrstühle an innovative Architekten aus
Europa, allen voran Walter Gropius (1883 – 1969), den Gründer des
deutschen Bauhauses, der als Direktor der Harvard School of Ar-
chitecture Neuengland den International Style brachte. Dieser be-
nutzte jenseits aller Ornamentik und historischer Referenzen neue
Materialien wie Glasbausteine und Chrom und zelebrierte das lndus-
triezeitalter mit glatten, schmucklosen Flächen und riesigen Fens-
tern. Von Gropius selbst stammen das Graduate Center und Harvard
Harkness Common. Nicht weit davon, auf dem Gelände des MIT,
wirkten Eero Saarinen und Alvar Aalto, zwei ebenso kompromiss-
lose Modernisten. Saarinens aus den 1950ern stammende zylinder-
förmige MIT Chapel schockierte als radikale Abkehr von der weißen
Holzkirche Neuenglands sogar die Campus-Kollegen und mit dem
Baker House beschritt auch sein MIT-Kollege Aalto neue Wege. Mies
van der Rohe (1886 – 1969) beeinflusste nachhaltig Philip Johnson,
der mit dem »Glashaus« in New Canaan, CT, sein Gesellenstück ab-
lieferte und mit dem Wolkenkratzer PPG Place der Pittsburgh Plate
Kunst und Kultur    HINTERGRUND 49

Pittsburgh, PA: PPG Place – »Gotik« in Stahl und Glas

Glass Company einen Ausflug in die Stahl- und Glasgotik unter-


nahm. Bleibenden Eindruck jedoch haben die Modernisten bei den
Neuengländern nicht hinterlassen. Selbst die Bauten des Reiß-
brettstars I. M. Pei, der u. a. in Boston für den Hancock Tower und
die John F. Kennedy Library verantwortlich zeichnet, wirkten nicht
als Initialzündung für neue Ideen. Erst die Rückkehr zur Ornamentik
der Postmoderne der 1980er-Jahre zeigte Breitenwirkung. Ein Come-
back erlebte das palladianische Fenster, auch klassische Säulen, wenn
auch oft nur angedeutet, erfuhren neue Wertschätzung – in Vollen-
dung zu studieren in New York am A T & T Building, heute Sony
Building, von Philip Johnson und John Burgee. In stärkstem Kontrast
zur Postmoderne stehen die »New York Five«, eine Gruppe von fünf
Architekten um Richard Meier, die sich wieder am Rationalismus und
Funktionalismus der Architektur der 1920er und im Besonderen an
Le Corbusier orientierten. Für ihre eleganten, ausschließlich in weiß
gehaltenen Gebäude verwendeten sie vorzugsweise Glas, Stahl und
Beton. Auch Frank Lloyd Wright (1867 – 1959) hat natürlich seine
Spuren im Nordosten hinterlassen. Seine Wohnhäuser bilden eine
Einheit zwischen Natur und Architektur, wofür Fallingwater in Bear
Run, PA, beredtes Beispiel ist. Im Wohnbereich werden energiespa-
rende Passiv-Häuser und immer größere, als Hub dienende Küchen
sowie die Nutzung ökologischer Materialien immer beliebter.
50 HINTERGRUND    Kunst und Kultur

Malerei
Anfänge Im 17. Jh. gab es keine professionellen Maler in den Kolonien, denn
man war vollauf mit Überleben beschäftigt. Erst gegen Ende des Jahr-
hunderts erfährt die Porträtmalerei zeitgleich mit dem wirtschaftli-
chen Höhenflug einen Aufschwung. Elaboriert und weltbürgerlich ist
die Arbeit der ersten neuenglischen Malergeneration jedoch noch
nicht: In der Regel wurden nur Kopf und Gesicht dem Modell nach-
empfunden, der Körper darunter war eine stilisierte, mehrfach ange-
wandte und variierte Schablone.

18. Jahr- Erst die Ankunft des schottischen Malers John Smibert (1688 – 1751)
hundert hievte die koloniale Szene auf ein höheres künstlerisches Niveau. Er
eröffnete in Boston ein Studio und hatte bald eifrige Schüler. Viele
seiner Werke dienten der neuen Malergeneration als Vorlage, darun-
ter »Bishop Berkeley and his Entourage«, das heute in der Yale Uni-
versity Art Gallery in New Haven, CT, hängt. Smiberts berühmtester
Anhänger wurde John Singleton Copley (1738 – 1815). Mit seinen
Porträts der Bostoner Elite, darunter »Paul Revere«, und dramati-
schen Themen wie »Watson and the Shark«, einer düsteren Darstel-
lung des Kampfes zwischen Mensch und Natur, eroberte er sich einen
Stammplatz in der amerikanischen Kunstgeschichte (beide Gemälde
im Museum of Fine Arts in Boston). Bemerkenswert sind vor allem
sein fast fotografischer Naturalismus und seine ausgeprägte Freude
am noch so kleinen Detail. Ein anderer herausragender Maler war
Gilbert Stuart (1755 – 1828). Der Nachwelt blieb er dank seiner Por-
träts von George Washington in Erinnerung – eines davon ziert heu-
te die Ein-Dollar-Note. Der aus Springfield in Massa­chusetts stam-
mende Benjamin West (1738 – 1820) hingegen, der in London
studiert hatte, widmete sich der Historienmalerei. Viele dramatische
Schlüsselszenen aus dem Unabhängigkeitskrieg stammen von seiner
Palette.
In Wests Fußstapfen trat John Trumbull (1756 – 1843). Sein »Sig-
ning of the Declaration of Independence« (Yale University Art Gal-
lery) verschaffte ihm einen Platz neben Copley. Die Ikone der US-
Historienmalerei schlechthin schuf aber Emmanuel Gottlieb
Leutze (1816 – 1868) mit »Washington Crossing the Delaware«. In
Deutschland geboren, mit seinen Eltern nach Amerika ausgewan-
dert, kehrte er für 20 Jahre nach Europa zurück und malte in seiner
Heimat dieses Bild.

19. Jahr- Der Ruf »Go West« erreichte auch die neuenglischen Maler. Sie rück-
hundert ten nun die Schönheit der unberührten Landschaften in den Mittel-
punkt. Besonders gepflegt wurde die Landschaftsmalerei von der
Hudson River School, die ihr künstlerisches Zentrum in New York
hatte. Sie setzte sich ab 1825 durch und erreichte ihren Höhepunkt
Kunst und Kultur    HINTERGRUND 51

Das berühmte Historienbild entstand 1851 in Deutschland: Emmanuel


Gottlieb Leutzes »Washington Crossing the Delaware«.

Mitte des 19. Jahrhunderts. Als ihr Begründer und »Vater der Land-
schaftsmalerei« gilt der gebürtige Engländer Thomas Cole (1801 bis
1848). 1825 zog er nach New York, wo er mit seinen Szenerien am
Hudson bald Aufsehen erregte. Er bereiste wiederholt den Nordost-
teil Neuenglands und baute 1828 seine Staffelei in New Hampshires
White Mountains auf. Cole war befreundet mit zwei weiteren wich-
tigen Vertretern der Hudson River School: Asher B. Durand (1796
bis 1886) und Frederic Edwin Church (1826 – 1900). Eines der
bekann­testen Gemälde Durands, »Kindred Spirits« (1849), zeigt den
Maler Cole und den Dichter W. C. Bryant vor einer grandiosen Land-
schaft. »Mount Katahdin« und »Niagara Falls« (1857) zählen zu den
bekannteren Gemälden von F. E. Church. Ebenfalls grandiose Szene-
rien stammen von Albert Bierstadt (1830 – 1902), der sich später
mit Wildwest- und Indianerstücken hervortat. Neben den White
Mountains fanden viele Maler ihre Inspiration an der rauen Küste
Maines. Zahlreiche Künstlerkolonien schossen zwischen Cape Cod
und Bar Harbor aus dem Boden. Der Berühmteste der dort arbeiten-
den Künstler, Winslow Homer (1836 – 1910), verbrachte in Proul
Neck in Maine den größten Teil seines Lebens und schuf kraftvolle
Küsten- und Hafenszenen. Der andere in allen Museen präsente
»Salzwasser-Maler« ist Fitz Hugh Lane (1804 – 1865). Von Glou-
cester aus brachte er Meer, Licht und das Leben der Fischer und
Kaufleute mit zartem Pinselstrich auf die Leinwand. In New Bedford
widmete William Bradford (1823 – 1892) sich vor allem dem harten
Alltag der Walfänger. Nach dem Bürgerkrieg kam die Studienreise
nach Europa in Mode. William Morris Hunt (1824 – 1879) ließ sich
in Frankreich inspirieren und schuf Landschaften nach dem Vorbild
52 HINTERGRUND    Kunst und Kultur

der Barbizon-Schule. Der in Florenz geborene John Singer Sargent


(1865 – 1925) brachte es mit Bildern prominenter Bostonians zu
Ruhm und Wohlstand.

20. und 21. Die Bilder, die Andrew Wyeth (1917 – 2009) während seiner Zeit in
Jahrhundert Cushing, ME, in realistischem Stil schuf, konzentrieren sich vor al-
lem auf das Spannungsfeld Mensch/Natur. Auch Edward Hopper
(1882 – 1967), einer der populärsten amerikanischen Maler des
20. Jh.s und wie Wyeth Mitglied der Painters of the American Scene,
arbeitete hier sowie in Cape Cod, wo er sich vom Licht des Meers
verzaubern ließ. Überhaupt keiner Schule oder Richtung gehörte
Anna »Grandma« Moses (1860 – 1961) an. Als einfache Farmers-
frau begann sie erst mit 70 Jahren zu malen, aber ihre naiv-kindli-
chen Szenen vom Alltag auf dem Lande erfreuten sich rasch interna-
tionaler Nachfrage. Ebenfalls jenseits aller Stilrichtungen steht
Norman Rockwell (1894 – 1978). Der bis heute als »Maler Ameri-
kas« hoch angesehene Illustrator der »Saturday Evening Post« brach-
te mit seinen wertkonservativen Titelbildern, die den amerikani-
schen Familienalltag humorvoll und detailliert wiedergaben, die
Nation fast fünf Jahrzehnte lang zum Schmunzeln. Die zeitgenössi-
sche Kunstszene hat ihr überragendes Zentrum in New York City.
Um diese Stadt mit ihrem geballten Angebot an Museen, Galerien
und Events kam und kommt kaum ein Künstler herum, will er sich
einen Platz in der Szene erobern. Einer, der schon in frühen Jahren
hierher kam, verband in seiner Person zwei große Städte des Nord-
ostens – Andy Warhol, den in Pittsburgh, PA, geborenen Guru der
Pop Art, zog es schon mit 21 Jahren an den Hudson.
Die jüngste Entwicklung studiert man am besten im Massachusetts
Museum of Contemporary Arts in North Adams und im Hudson
Valley, NY, im Dia:Beacon. Einen guten Eindruck von den »lokalen«
Kreativen erhält man bei den inzwischen überall im Nordosten orga-

Dia:Beacon zeigt moderne Klassiker und informiert über neue Trends.


Kunst und Kultur    HINTERGRUND 53

nisierten »Art Walks«. Dabei handelt es sich um regelmäßige, meist


an bestimmten Wochenenden stattfindende Straßenfeste, im Rah-
men derer Galeristen Werke ihrer Künstler auf den Bürgersteigen
präsentieren und die Passanten zum Dialog mit anwesenden Kunst-
schaffenden einladen.

Literatur
Die zumeist englischsprachigen Siedler setzten zunächst die briti- Frühe
schen Literaturformen fort. So pries Captain John Smith im Jahr Kolonialzeit
1616 in seiner »A description of New England« die wirtschaftli-
chen Möglichkeiten und Freiheiten in den Kolonien. Die sinnen-
feindlichen Puritaner konzentrierten sich auf das religiöse Schrift-
tum. John Winthrop vertrat in »The History of New England«
(1630 – 1649) ebenso wie William Bradford in »Of Plymouth Plan-
tation« (1630 – 1649) die Auffassung, die Pilgerväter seien für die
Verwirklichung des wahren Glaubens in der Neuen Welt auserwählt.
Die puritanische Denk- und Glaubensweise förderte auch die Selbst-
erforschung und die Meditation, was sich etwa in den Gedichten von
Anne Bradstreet (»Several Poems«, 1678) und in der Predigt- und
Erbauungsliteratur äußert.

Durch die verlegerische Tätigkeit von Matthew Carey (1760 – 1839) Aufklärung


wurde Philadelphia nach Boston zum neuen literarischen Zentrum, und Unab-
in dem die »American Philosophical Society« als älteste Gelehrten- hängigkeits-
gesellschaft des Landes ihren Sitz hatte. Dort wirkte Benjamin bewegung
Franklin (“S. 430), dessen Schriften »Poor Richard's Almanac«
(1732 – 1757), »The Way to Wealth« (1758) und seine unvollendete,
1771 begonnene »Autobiography« Schlüsselwerke für das amerika-
nische Selbstverständnis sind, in denen der Geist der puritanischen
Ethik in Maximen für das Erwerbsleben umgemünzt wurde. Der
Quäker John Woolman (1720 – 1772) setzte sich für soziale Gerech-
tigkeit ein und verfasste die Schrift »Some Considerations on the
Keeping of Negroes« (1754 – 1762) gegen die Sklaverei. Thomas Pai-
ne (1737 – 1806) war mit seinen patriotisch-radikalen Werken wie
»Common Sense« (1776) einer der geistigen Wegbereiter der Unab-
hängigkeit, die Thomas Jefferson, John Adams, Alexander Hamilton
und James Madison unterstützten.

Der amerikanische Roman begann kontrapunktisch mit dem Quä- Frühes


kerschriftsteller Charles Brockden Brown (1771 – 1810) aus Phila- 19. Jahr-
delphia und dem Großgrundbesitzer James Fenimore Cooper hundert
(1789 – 1851) aus New York. Alpträume und Schrecken herrschten
in den Schauerromanen Browns vor, während Cooper in seinen Le-
derstrumpfgeschichten die edle Haltung seiner indianischen Helden
54 HINTERGRUND    Kunst und Kultur

und Trapper proklamierte. Washington Irving (1783 – 1859) ver-


folgte eine romantisch-historische Erzähltradition wie in »Rip Van
Winkle« (1820) oder in der burlesken »History of New York ... by
Diedrich Knickerbocker«. Von großem Einfluss war die europäische
Romantik auf Edgar Allan Poe (1809 – 1849) mit seinen Schauer-
und Detektivgeschichten. Er gilt auch als Begründer der »short sto-
ry«, die dank des hoch entwickelten Zeitungswesens schnell zu einer
der beliebtesten literarischen Gattungen in den Vereinigten Staaten
wurde

In den 1830er-Jahren formierte sich die New England Renaissance,


als literarische Bewegung, die das wachsende Selbstbewusstsein und
die kritische Reflexion über die eigene Geschichte verarbeitete und
sich auch den intellektuellen Strömungen des Transzendentalismus
zuwandte. Ralph Waldo Emerson (1803 – 1882), dessen Reden und
Gedichte, vor allem sein Essay »The American Scholar« (1837), als
literarische Unabhängigkeitserklärung der USA apostrophiert wur-
den, suchte das Göttliche im Menschen und in der Natur. Seine Ide-
en griff Henry David Thoreau (1817 – 1862) auf und entwickelte
daraus seine Vision eines auf eigener Kraft beruhenden Lebens im
Einklang mit der Natur bei gleichzeitiger Kritik am kapitalistischen
Materialismus und an gesellschaftlichen Institutionen (»Walden«,
1854; »Civil Disobedience«). In seinen historischen Romanen und
Erzählungen wie »The Scarlet Letter« (1850) und »The House of the
Seven Gables« (1851) setzte sich Nathaniel Hawthorne (1804 – 1864)
mit großer psychologischer Schärfe mit puritanischen Themen aus-
einander. Herman Melville (1819 – 1891) schrieb zunächst Abenteu-
erromane und widmete sich dann philosophisch komplexen Roma-
nen wie »The Confidence Man« und v. a. »Moby Dick« (1851).

Cambridge Die Lyrik erreichte mit Philip Freneaus (1752 – 1832) See- und Na-
Poets turhymnen einen ersten Höhepunkt. Seit Mitte des 19. Jh.s waren
Henry Wadsworth Longfellow (1807 – 1882), Oliver Wendell Hol-
mes (1809 – 1894) und James Russell Lowell (1819 – 1891) populär.

Realismus Nach dem Bürgerkrieg reagierten die amerikanischen Schriftsteller


und auf die rasante Industrialisierung mit zunehmender Skepsis. William
Naturalismus Dean Howells (1837 – 1920), Herausgeber des einflussreichen »At-
lantic Monthly« und Kritiker für »Harper's Magazine«, lieferte in
seinen Romanen wie »A Modern Instance« (1882) und »The Rise of
Silas Lapham« (1885) eine ungeschönte Beschreibung der morali-
schen Probleme in einer sich kommerzialisierenden Gesellschaft.
Henry James (1843 bis 1916) sezierte die Irrungen und Wirrungen
seiner Protagonisten in Romanen wie »The Ambassadors« und »The
Golden Bowl« und machte den seiner Heimat entfremdeten Ameri-
kaner zum zentralen Thema. Edith Wharton (1862 – 1937), erste
Kunst und Kultur    HINTERGRUND 55

Pulitzerpreisträgerin, lebte ab 1907 in Europa und analysierte in ih-


ren Gesellschaftsromanen ironisch-kritisch die bürgerliche Kultur,
während sich Willa Cather (1876 – 1947) mit dem Schicksal skandi-
navischer und böhmischer Einwanderer beschäftigte. Stephen Cra-
ne (1871 – 1900) lieferte sein Meisterwerk mit »Maggie. A Girl of the
Streets« (1892), in dem er ein düsteres Bild der Elendsviertel von
New York entwarf. Theodore Dreiser (1871 – 1945) schilderte den
erbitterten Kampf um individuellen Erfolg. Der überzeugte und
kämpferische Sozialist Upton B. Sinclair (1878 – 1968) aus Baltimore
griff mit drastischem Realismus soziale Missstände an und wurde so
zum Chronisten seiner Zeit, vor allem in »The Jungle« (1905).

Walt Whitman (1819 – 1892) formulierte seine mystisch-pantheis- Lyrik


tische Weltauffassung und feierte in Hymnen die Kameradschaft und
den freien Durchschnittsmenschen. Als volkstümlicher Lyriker mit
klarer Sprache in einfacher Form machte sich der in Vermont als Far-
mer lebende Robert Lee Frost (1875 – 1963) einen Namen.

Tendenzen im 20. und 21. Jahrhundert


Nach dem Ersten Weltkrieg wurde New York fast ausschließlich zum Prosa
literarisch-kulturellen Zentrum. John R. Dos Passos (1896 – 1970)
entwarf in »Manhattan Transfer« (1925) eine Form des Kollektivro-
mans, in dem typisierte Figuren lediglich gesellschaftliche Zustände
widerspiegelten. Francis Scott Fitzgerald (1896 – 1940) war der
Hauptvertreter der »Lost Generation«, der in seinen Romanen die
Hoffnungen des »American Dream« zerplatzen ließ und im Zeitgeist
der 1920er, z. B. in »The Great Gatsby« (1925), nur ein Ablenkungs-
manöver vom inhaltsleeren Leben sah. Der gescheiterte Held lieferte
auch den Stoff nach dem Zweiten Weltkrieg. Als literarische Figuren
sind Dean in Jack Kerouacs (1922 – 1968) »On the Road« (1957)
oder McMurphy und Chief Bromden in Ken Keseys (geb. 1935) »One
Flew Over the Cuckoo's Nest« (1962) Repräsentanten jenes amerika-
nischen Individualismus mit der Neigung zur Selbstüberschätzung.
Ähnliches galt auch für William S. Borroughs (1914 – 1997), der in
»The Naked Lunch« (1959) Drogenrauscherlebnisse verarbeitete.
J. D.  Salinger (1919 – 2010) dagegen charakte­risierte in »The Catcher
in the Rye« (1959) Jugendliche im Konflikt mit gesellschaftlichen Wer-
ten und Normen. In einer Durchmischung von Fakt und Fiktion,
angereichert mit einer starken Dosis Subjektivität, arbeiteten die Ver-
treter des sog. New Journalism: Norman Mailer (»The Presidential
Papers«, 1963; »Why are we in Vietnam« 1967), Truman Capote
(1924 – 1984; »In Cold Blood«, 1966) und Tom Wolfe (»The Bonfire
of the Vanities«, 1988). Edgar Lawrence Doctorow erwies sich in
»The Book of Daniel« (1971) ebenfalls als Meister der Montage von
historischer Wirklichkeit und Fik-
tion. Joseph Heller legte in seinen
teils sehr komischen Werken wie
»Catch 22« (1961) die Absurdität
moderner Bürokratien bloß. In
den komisch-grotesken Romanen
wie »The World According to
Garp« (1978) von John Irving
wurde die äußerlich harmonische
Familie plötzlich bedroht durch
Exzentrik, Sexualität und Gewalt.
Vladimir Nabokov (1899 – 1977),
1948 bis 1959 Professor für russi-
In dieser Hütte am Walden Pond widmete sich sche und europäische Literatur an
Thoreau seinen Naturbetrachtungen.
der Cornell University, durch-
leuchtete in Werken wie »Lolita«
(1955) sexuelle Normen und Verhaltensweisen in der US-Gesell-
schaft; auf diese warf Erica Jong mit ihrem Roman »Fear of Flying«
(1973) einen spezifisch weiblichen Blick. Kaum unter »gehobener«
Literatur zu verzeichnen, dafür aber am Markt umso erfolgreicher
sind die zahlreichen Horrorromane des in Maine lebenden Stephen
King. New York City erlebte in den 1990er-Jahren einen literarischen
Skandal erster Güte mit Brad Easton Ellis' »American Psycho«, einem
Roman über einen Börsenbroker im Drogen- und Gewaltexzess. Der
in New York lebende Jonathan Franzen erhielt für seinen 2001 er-
schienenen Roman »Corrections« den National Book Award. Im Üb-
rigen wird die zeitgenössische amerikanische Literatur von einem
stärker werdenden Regionalismus geprägt: Schriftsteller aus Neu-
england untersuchen den puritanischen Hintergrund ihrer Geschich-
ten oder den Überlebenskampf kleiner Farmer in der globalen Welt-
wirtschaft. New York City bleibt das Gateway für Einwanderer. Junge,
mehrsprachige Schriftsteller schreiben – oft satirisch – über das Leben
auf der Überholspur, und auch im Raum Philadelphia beschäftigen
sich der literarische Nachwuchs besonders mit fragmentierten Fami-
lien, Isolation und anderen Realitäten des Alltags im urbanen Brei.

Drama Erst um 1900 entwickelte sich in New York ein eigenes amerikanisches
Sprechtheater. Eugene O'Neill (1888 – 1953) erhielt 1936 den Nobel-
preis: »The Hairy Ape« (1921), »Mourning Becomes Electra« (1931),
»Long Day's Journey into Night« (1941) sind Dramen mit einer fast
zeitlosen Konfliktsituation des zum Scheitern bestimmten Menschen.
Arthur Miller prangerte in seinen sozial- und zeitkritischen Dramen
(»All my Sons«, 1947; »Death of a Salesman«, 1949) das hemmungs-
lose Erfolgsstreben des Bürgertums an. Edward Albee übte ebenfalls
scharfe Kritik am moralischen Verfall der US-Gesellschaft (»Who is
Afraid of Virginia Woolf«; 1962).
Kunst und Kultur    HINTERGRUND 57

Die jüdischen Einwanderer haben eine eigenständige, zugleich ame- Jüdische


rikanisch geprägte Literatur hervorgebracht. Isaac Bashevis Singer Einwanderer
(1904 bis 1991) arbeitete für die New Yorker »Jewish Daily Forward«
und verfasste in jiddischer Sprache Romane und Erzählungen, die ins
Englische übersetzt wurden. Der Literaturnobelpreisträger von 1978
kontrastierte das realistisch geschilderte Milieu des osteuropäischen
Stetl mit fantastischen Einbrüchen des Mystischen. Saul Bellow er-
hielt 1976 den Literaturnobelpreis für sein Schreiben über jüdisch-
amerikanische Lebenskrisen. Philip Roth setzte sich anfänglich recht
ironisch-satirisch mit der jüdisch-amerikanischen Mittelschicht aus-
einander, um später die selbstreflexive Beschäftigung mit der Schrift-
stellerexistenz durch das fiktive Alter ego Nathan Zuckerman in den
Vordergrund zu rücken (»Zuckerman Unbound«, 1981).

Zu den ältesten literarischen Äußerungen der schwarzen Bevölke- Afro-ameri-


rung der USA zählen die religiösen Verse der Sklavin Phyllis Wheat- kanische
ley (um 1753 – 1784). Populäre Erzählungen über das Sklavendasein Literatur
(»slave narrative«) hatten ihren Ursprung in der 1789 veröffentlich-
ten Schrift »The Interesting Narrative of the Life of Olaudah Equiano,
or Gustavus Vassa, the African« und fanden ihre Fortsetzung in dem
Bestseller »Narrative of the Life of Frederick Douglass, an American
Slave« von 1845. Erst gegen Ende des 19. Jh.s entstand der afro-ame-
rikanische Roman durch Schriftsteller wie William Wells Brown
(1815 – 1884) und Paul Laurence Dunbar (1872 – 1906), was auf die
jungen Autoren weiterwirkte, die sich als Gruppe in der Harlem Re-
naissance nach dem Ersten Weltkrieg zusammenfanden. Chester
Bomar Himes (1909 – 1984) übte in seinen frühen naturalistischen
Romanen scharfe Kritik an Rassismus und Gewalt und schrieb später
erfolgreiche Kriminalromane im Milieu von Harlem. Die Helden von
Richard N. Wright (1908 – 1960) scheiterten in der Regel an der Ras-
sendiskriminierung (»Uncle Tom's Children«, 1938). Ralph Waldo
Ellison gelang mit »Invisible Man« (1952) der literarische Durch-
bruch mit einem Romanhelden, der seine rassische Identität zwi-
schen Anpassung und Protest zu definieren versucht. James Bald-
win (1924 – 1987) aus New York war in den 1960er-Jahren einer der
prominentesten Intellektuellen der Bürgerrechtsbewegung. Seine
Werke wie »Go, tell it on the mountain« oder »Blues for Mister Char-
lie« problematisierten die Rassendiskriminierung ebenso wie die
Widersprüche zwischen afro-amerikanischem Künstlertum, Homo-
sexualität und gesellschaftlicher Veränderung. LeRoi Jones, seit 1966
Imamu Amiri Baraka, gehörte dem Beat Movement in New York an
und entwickelte eine schwarze Ästhetik der Literatur. Alex Hailey
dagegen erforschte in seiner Familiensaga »Roots« (1976) die afro-
amerikanische Geschichte. Unter afro-amerikanischen Schriftstelle-
rinnen ragen die Nobelpreisträgerinnen Toni Morrison und Alice
Walker hervor.
58 HINTERGRUND    Berühmte Persönlichkeiten

Berühmte
Persönlichkeiten
Berühmte Persönlichkeiten    HINTERGRUND 59

Humphrey Bogart (1899 – 1957)


James Stewart, Burt Lancaster, Kirk Douglas, Gary Cooper – alle ge- Schauspieler
hörten zu den ganz Großen ihres Geschäfts, aber zur Legende wurde
ein anderer: Humphrey Bogart, geboren am 25. Dezember 1899 in
New York City. Dabei war er schon über 40, als ihm der Durchbruch
gelang. Als Barbesitzer Rick in »Casablanca«, 1942 unter der Regie
von Michael Curtiz gedreht, agierte Bogart als zynisch-schnoddriger
Einzelgänger, der aber doch zur rechten Zeit das Richtige tut. Diesen
Typ Mensch kultivierte er vor allem als Detektiv Philip Marlowe in
»The Big Sleep« und »To Have and Have Not« und stieg zur Kultfigur
auf. Dass er auch ein hervorragender Komödiant und Charakterdar-
steller war, zeigte er u. a. in »African Queen« mit Katharine Hepburn
oder als psychisch kranker Kapitän in »Die Caine war ihr Schicksal«.
Bogart, als Detektiv nie ohne Zigarette im Mund unterwegs (damit
sprachbildend: »to bogart« = auf einer Kippe herumkauen), starb in
Beverly Hills an Lungenkrebs.

Samuel Colt (1814 – 1862)


Jeder gestandene Westmann wäre ohne seinen Geschäftssinn nackt Waffen-
geblieben: Samuel Colt, geboren in Hartford (Connecticut), brachte fabrikant
1836 den ersten funktionsfähigen Trommelrevolver auf den Markt,
den »Colt Single Action«. Die Feuerwaffentechnik war damit revolu-
tioniert, denn mit jedem Spannen des Hahns drehte sich bei diesem
Revolver die Trommel und lieferte eine neue Patrone: Man konnte
schneller schießen. 1872 brachte die Colt's Patent Fire Arms Manu-
facturing Co. mit Sitz in Hartford, heute Hauptlieferant des US-Mi-
litärs für Handfeuerwaffen, mit dem »Single Action Army«, genannt
»Peacemaker«, die legendäre Waffe des Wilden Westens auf den
Markt.

Benjamin Franklin (1706 – 1790)


Benjamin Franklin, als Staatsmann, Wissenschaftler und Publizist Universal-
wahrlich ein Universalgelehrter, kam am 17. Januar 1706 als 17. Kind genie
eines aus dem englischen Oxfordshire eingewanderten Seifen- und
Kerzenmachers in Boston zur Welt. 1732 gründete er die einflussrei-
che »Pennsylvania Gazette«, 1732 bis 1757 gab er die geistreiche Jah-
resschrift »Poor Richard« heraus. Auch im praktischen Leben küm-
merte er sich um seine Mitmenschen, war er doch an der Gründung

Katharine Hepburn – keine verkörperte die kapriziöse


und schlagfertige Ostküsten-Lady besser als sie.
60 HINTERGRUND    Berühmte Persönlichkeiten

der ersten pennsylvanischen Universität, des ersten Krankenhauses


in Nordamerika und eines wissenschaftlichen Vereins beteiligt, aus
dem die »American Philosophical Society« hervorging. Als Erfinder
des Blitzableiters (1752) ging er in die Wissenschaftsgeschichte ein;
das Doppelfernglas ist ihm ebenso zu verdanken wie eine große Zahl
von Erkenntnissen und Veröffentlichungen in Bildung und Natur-
wissenschaften, internationalen Beziehungen, Ingenieurwesen, Mu-
sik, Medizin und Gesundheitswesen, Druck, Werbung und Grafik,
Finanz- und Versicherungsfragen, Religion und Freimaurerei, Land-
wirtschaft und Botanik. Trotz dieser Produktivität weigerte er sich
aber, Patente anzumelden, denn er vertrat den Standpunkt, Erfin-
dungen sollten dem Allgemeinwohl dienen. Benjamin Franklin un-
terstützte frühzeitig die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kolonien,
als deren Gesandter er 1776 bis 1785 in Frankreich so einflussreich
wirkte, dass die französische Unterstützung der Amerikaner als sein
Verdienst anzusehen ist. Folgerichtig war er Mitunterzeichner der
Unabhängigkeitserklärung, der Allianz mit Frankreich gegen Eng-
land, des Friedensvertrags mit Großbritannien und der Verfassung
von 1787. 1788 wurde er zum Präsidenten der ersten Gesellschaft zur
Abschaffung der Sklaverei gewählt.

In Philadelphia ist Benjamin Franklin in Marmor gemeißelt.


Berühmte Persönlichkeiten    HINTERGRUND 61

Robert Fulton (1765 – 1815)


Robert Fulton, geboren am 14. November 1765, begann als Maler, Erfinder
wurde aber später Ingenieur und machte während seines 20-jährigen
Aufenthalts in London und Paris (1786 – 1805) eine Reihe von Erfin-
dungen, darunter ein Unterseeboot und Torpedos. In New York bau-
te er dann die »Clermont«, das erste brauchbare Schiff mit Dampfan-
trieb. Am 17. August 1807 machte sie ihre Jungfernfahrt auf dem
Hudson und benötigte für die 480 km lange Strecke von New York
nach Albany und zurück 62 Stunden. Kurz vor seinem Tod erbaute
er das erste dampfbetriebene Kriegsschiff, »Fulton the First«, das
aber nie erprobt wurde. Sein Geburtsort Little Britain in Pennsylva-
nia heißt heute ihm zu Ehren Fulton.

Katharine Hepburn (1907 – 2003)


Keine andere US-Schauspielerin hat sie so meisterhaft verkörpern Filmdiva
können – die nie um eine schlagfertige Antwort verlegene, selbstbe-
wusst-emanzipierte Frau der »screwball comedies« der 1930er- und
1940er-Jahre. Das verwundert auch kaum, bedenkt man, dass Katha-
rine Hepburn (Bild “ S. 58) in Hartford (Connecticut) in eben jene
begüterten Ostküsten­kreise hineingeboren wurde, in der einer ihrer
erfolgreichsten Filme spielt: »The Philadelphia Story« (»Die Nacht
vor der Hochzeit«, 1940), in der sie die sie umschwärmenden Män-
ner an der Nase herumführt und am Schluss doch ihren Cary Grant
nimmt (mit dem sie 1936 schon den kaum weniger erfolgreichen
»Bringing Up Baby – Leoparden küsst man nicht« – gedreht hatte).
Im Weltkriegsjahr 1941 arbeitete Katharine Hepburn in »Woman of
the Year« (»Die Frau, von der man spricht«) zum ersten Mal mit ih-
rem langjährigen Lebens-, aber nie Ehepartner Spencer Tracy zu-
sammen. Ein weiterer Höhepunkt ihrer Karriere war 1951 ihre Rolle
als zickig-altjüngferliche Missionsschwester in »The African Queen«
an der Seite von Humphrey Bogart. Oft genug hatte sie bewiesen,
dass sie auch das ernste Fach beherrschte, zuletzt 1981 in »On Gol-
den Pond« zusammen mit Henry Fonda, für den sie den letzten ihrer
insgesamt vier Oscars erhielt.

Die Kennedy-Brüder
Die Familie Kennedy, irischen Ursprungs und im Bostoner Vorort
Brookline zu Hause, gehört bis heute zu den »ersten« Familien des
Ostküstenadels. Schon der Vater besaß zumindest in Massachusetts
viel Einfluss. Seine Söhne John, Robert und Edward haben es zu gro-
ßen Namen in der US-Politik gebracht. John Fitzgerald Kennedy,
geboren am 29. Mai 1917, war der
erste katholische US-Präsident. Er
studierte an den besten Universi-
täten des Landes – Princeton,
Harvard und Stanford –, bevor er
im Zweiten Weltkrieg als Schnell-
bootkommandant im Pazifik ein-
gesetzt war. 1946 zog er für die
Demokraten ins Repräsentanten-
haus, 1952 in den Senat ein. Acht
Jahre später setzte er sich mit
knapper Mehrheit gegen Richard
M. Nixon durch und wurde zum
35. Präsidenten der USA gewählt;
seine Antrittsrede – »Frage nicht,
was dein Land für dich tun kann,
sondern was du für dein Land tun
kannst« – ließ die Menschen gro-
ße Hoffnungen in ihn setzen. Um
US-Präsident John F. Kennedy
so härter traf die Nation das At-
tentat, dem John F. Kennedy am
22. November 1963 in Dallas, TX,
zum Opfer fiel. Bis heute wird immer wieder über die Hintergründe
des Attentats spekuliert. In der Rückschau erstaunt es, wie sehr sich
ein Mythos um den jungen Präsidenten gebildet hat. So war seine
Außenpolitik eher von falschen Einschätzungen gekennzeichnet: Er
schickte 16 000 Soldaten nach Vietnam, die Invasion in der Schwei-
nebucht misslang und auch sein Hartbleiben in der Kubakrise war
um den Preis des Abzugs von US-Raketen aus der Türkei und des
Verzichts auf ein Eingreifen in Kuba erkauft; die innenpolitisch trei-
benden Kräfte in Sachen Reformen und Bürgerrechte waren eher
sein Bruder Robert und Vizepräsident Johnson. Sein acht Jahre jün-
gerer Bruder und engster Berater, Robert Kennedy, Justizminister
während seiner Amtszeit, fiel am 8. Juni 1968 während des Präsident­
schaftswahlkampfs ebenfalls einem Attentat zum Opfer. Der jüngste
der Kennedy-Brüder, Edward (»Ted«) Kennedy (1932 – 2009), ver-
baute sich die ganz große politische Karriere durch Skandale und
Skandälchen. Dennoch zählte er, insgesamt neun Mal wiedergewählt,
zu den einflussreichsten demokratischen Senatoren in Washington.

William Penn (1644 – 1718)


Gründer Nur vier Jahre seines Lebens verbrachte William Penn in Nordame-
Philadelphias rika und doch hat er dem Land seinen Stempel aufgedrückt. Er wur-
de am 24. Oktober 1644 in Ruscombe in der englischen Grafschaft
Berühmte Persönlichkeiten    HINTERGRUND 63

Berkshire als Sohn von Admiral William Penn geboren. Sein Vater
schickte ihn nach Oxford, ins französische Saumur und nach Lon-
don, doch einen akademischen Grad hat er nie erworben. Stattdessen
veranlassten ihn 1668 die Predigten des Quäkers Thomas Loe, die er
im irischen Cork als Verwalter der väterlichen Güter hörte, zum
Übertritt zum Quäkertum. Bald wurde er zu einem der heftigsten
Streiter für Toleranz, Glaubens- und Gewissensfreiheit, was ihm eine
Haft im Londoner Tower einbrachte. Dennoch waren ihm König
Charles II. und dessen Bruder, der spätere König James II., freund-
schaftlich zugetan. Charles überließ ihm, zur Tilgung einer alten
Schuld an Penns Vater, Ländereien in den Kolonien. William Penn
sah nun die Chance, sein »heiliges Experiment« einer freien Gesell-
schaft in Amerika zu verwirklichen. Noch in England verfasste er
eine Art Grundgesetz (»Frame of Government«) und eine Reihe von
Gesetzen, bevor er 1682 an Bord der »Welcome« in Amerika eintraf.
Er übernahm die Leitung seiner Kolonie, die er nach seinem Vater
»Pennsylvania« nannte, gründete Philadelphia und holte Glaubens-
brüder ins Land. 1684 kehrte er gezwungenermaßen nach England
zurück; erst 1699 sah er Pennsylvania wieder. Doch bereits 1701
musste er erneut nach England zurücksegeln. Die letzten Jahre seines
­Lebens verbrachte er in Ruscombe, bedrängt von Schulden und vom
Konflikt mit den Siedlern in Pennsylvania, von denen er Zahlungen
zur Tilgung dieser Schulden eintreiben wollte.

Rockefeller-Dynastie
Wohl kaum eine andere Familie steht so archetypisch für das »Land Öl-Magnaten
der unbegrenzten Möglichkeiten«, in dem man vom Tellerwäscher
zum Millionär werden kann, wie die Rockefellers. Ahnherr der rei-
chen Rockefellers war der in Rochford, NY, geborene John Davison
Rockefeller (1839 – 1937), der sein Vermögen in der Öl- und Stahl-
industrie machte. Er gründete 1870 die Standard Oil Company und
kontrollierte bereits 1882 praktisch das gesamte US-Mineralölge-
schäft; nachdem er sich 1896 aus dem Geschäftsleben zurückgezogen
hatte, widmete er sich der »Rockefeller Foundation«, die vornehm-
lich zur Förderung der Medizin tätig ist. Sein einziger Sohn, John
Davison Rockefeller, Jr. (1874 – 1960), vermachte 1947 den Verein-
ten Nationen das Gelände am New Yorker East River für ihr Haupt-
quartier, gründete u. a. 1957 das Museum of Primitive Art in New
York und ließ Williamsburg, die einstige Hauptstadt der Kolonie
Virginia, rekonstruieren.
Zwei Söhne des jüngeren John Davison brachten es – für die repub-
likanische Partei – zu Gouverneuren: Nelson Aldrich Rockefeller
(1908 – 1979) im Staat New York und Winthrop Rockefeller
(1912 – 1973) in Arkansas; Nelson Aldrich war von 1974 bis 1977 gar
64 HINTERGRUND    Berühmte Persönlichkeiten

Vizepräsident unter Gerald Ford. Winthrops Enkel John Davison


Rockefeller IV war zwischen 1977 und 1985 Gouverneur von West
Virginia, allerdings für die Demokraten.

Franklin Delano Roosevelt (1882 – 1945)


32. Präsident Der bedeutendste US-Präsident des 20. Jahrhunderts, Franklin De-
der USA lano Roosevelt, wurde in Hyde Park im Staat New York geboren.
Nach seinem juristischen Studium in Harvard und an der C ­ olumbia
Law School arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt. Trotz einer schwe-
ren, 1921 durch Kinderlähmung ausgelösten Gehbehinderung war er
politisch aktiv und wurde 1932 zum 32. Präsidenten gewählt. Wäh-
rend seiner bis zu seinem Tode ununterbrochenen vier Amtsperio-
den trug er durch die Reformpolitik des »New Deal« zur Überwin-
dung der Wirtschaftskrise bei und führte die USA gut vorbereitet in
den Zweiten Weltkrieg, in dem er die Achsenmächte mit großer Ent-
schlossenheit bekämpfte. Maßgeblich beeinflusste er die Atlantik-
Charta, die zur Gründung der Vereinten Nationen führte. Sein plötz-
licher Tod am 12. April 1945 traf die USA wie ein Schock. Seine Frau
Eleanor (1884 – 1962), Nichte des Präsidenten Theodore Roosevelt,
verstand ihre Position als First Lady nicht als Figur im Hintergrund,
sondern mischte sich aktiv in die Politik ein.

Cornelius Vanderbilt (1794 – 1877)


Eisenbahn- Schon als Zwölfjähriger half der in Port Richmond geborene Corne-
Magnat lius Vanderbilt seinem Vater, Passagiere und Gepäck von Staten Is-
land nach New York überzusetzen. Vier Jahre später besaß er sein
eigenes Boot, nach acht Jahren war er Geschäftsführer einer Damp-
ferlinie und noch einmal zehn Jahre später gründete er seine eigene
Schifffahrtsgesellschaft, mit der er 1849 Goldgräber via Nicaragua
nach San Francisco brachte. Schließlich stieg er in den Transatlantik-
verkehr ein, als dort jedoch die Konkurrenz zu groß wurde, sattelte
er um auf Eisenbahnlinien. 1863 erwarb er die New-York-und-Har-
lem-Eisenbahn, weitere kamen hinzu. Als der »Commodore«, wie er
genannt wurde, starb, hinterließ er ein Vermögen von 105 Millionen
Dollar, eine für damalige Verhältnisse unvorstellbar große Summe.
Sein Sohn William Henry baute das Imperium innerhalb von acht
Jahren auf fünfzig Eisenbahnlinien mit einem Streckennetz von
25 000 km aus. Die Vanderbilts waren die reichste Familie der USA.
Cornelius Vanderbilt ist für die einen der Inbegriff des amerikani-
schen Selfmademan, für die anderen eine Ausgeburt des Kapitalis-
mus, die ihr Vermögen durch Betrug, Ausbeutung und Bestechung
erwarb – ganz wie seine Konkurrenten.
Berühmte Persönlichkeiten    HINTERGRUND 65

Vanderbilts Luxusvilla »The Breakers« in Newport, Rhode Island

Andy Warhol (1928 – 1987)


Der bekannteste Vertreter der Pop Art wurde als Andrew Warhola in Legendärer
Pittsburgh geboren und war ursprünglich Werbegrafiker. 1949 zog er Künstler
nach New York City. Zu Beginn der 1960er-Jahre malte er seine ers-
ten Bilder, um sich dann der Siebdrucktechnik zuzuwenden, mit der
er verfremdete Fotografien aus Massenmedien in Serie reproduzier-
te. Als Motive wählte er meist Alltagsgegenstände wie Dollar-Noten
oder Suppendosen (»200 Campbell's Soup«) und Massenidole wie
Elvis Presley, Elizabeth Taylor oder Marilyn Monroe (»Marilyn Dip-
tych«). Ziel seiner künstlerischen Tätigkeit war die radikale Integra-
tion der Kunst in den mechanischen Arbeitsprozess. Ab 1963 wand-
te er sich dem Film zu (u. a. »Sleep«, »Blue Movie«, »Flesh«). Erst in
den 1970er-Jahren produzierte er wieder Drucke. Seine Werke ent-
standen im Kollektiv mit seiner New Yorker Wohn- und Arbeitsge-
meinschaft, der »Factory«. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad
wurde Warhol selbst zum Idol und Gegenstand seiner eigenen Kunst.
Neben seinen unbestrittenen künstlerischen Gaben besaß Warhol
auch ein großes Talent zur Vermarktung seiner Person; sein Begriff
von Kunst ging soweit, dass er die von ihm in großer Zahl erworbe-
nen Gegenstände und Antiquitäten durch den Kaufakt zum Teil sei-
ner eigenen Existenz und somit zur Kunst erklärte.
Erleben und
geniessen
Was isst man im Nordosten? Wann und wo wird gefeiert? Was
kann man mit Kindern unternehmen? Wo geht man einkaufen?
Wo übernachtet man? Wo gibt es Möglichkeiten für einen
Aktivurlaub? Antworten findet man auf den folgenden Seiten.
Essen und Trinken
Essen und Trinken    ERLEBEN UND GENIESSEN 69

Burgers, Chowders und Co.


Es hat sich etwas getan in der amerikanischen Küche. Und ja,
man bekommt sie immer noch überall, die fettigen Brathühn-
chen und Kalorienbomben aus Hackfleisch, die Berge von Speck
und Röstis mit dem Alibi-Salatblättchen zum Frühstück und die
übergroßen »All U Can Drink«-Pappbecher, die man für ein
paar Cent endlos mit Cola und anderem Zuckerwasser füllt.
Und ja, schwergewichtige Mitmenschen sieht man im Mutter-
land von Hot Dog und Hamburger noch immer häufiger als in
jedem anderen Land der Welt.

Indessen, die Zeiten haben sich geändert – vor allem hier im Nord-
osten der USA, vor allem während der letzten zehn, fünfzehn Jahre.
Bis dahin hatten die so hart arbeitenden wie vergnügungsfernen Pu-
ritaner den Akt des Essen mehr als zeitraubendes Übel behandelt
denn als sinnliches Erlebnis. Und bis heute wird in den Vereinigten
Staaten die Güte eines Restaurants eher über die Schnelligkeit des
Service definiert. Ein anderes zu beobachtendes Phänomen ist, dass
viele Amerikaner noch immer sehr auf Äußerlichkeiten bedacht sind
und deshalb gut aussehendes Essen bevorzugen, weil dieses sie gut
aussehen lässt.

Eine Verschiebung der Wertmaßstäbe ist jedoch in vollem Gange. Gesund und
Stark angekurbelt wurde dieser Vorgang von besorgten Ärzten und nachhaltig
Gesundheitsaposteln. Inzwischen haben sich auch die US-Medien
dieses Themas bemächtigt. Sie alle legten den Finger auf eine offene
Wunde der US-amerikanischen Gesellschaft: das in weiten Bevölke-
rungskreisen verbreitete Übergewicht. Als Reaktion darauf entstand
eine neue Ethik, was die richtige Ernährung betrifft. Sichtbarste Zei-
chen dieses kulinarischen Kurswechsels ist die seit Jahren rapide
wachsende Nachfrage nach »Organic Food«, d. h. insbesondere
nach organisch angebautem Obst und Gemüse sowie nach ohne che-
mische Hilfsmittel erzeugten Lebensmitteln. Dies zeigt sich unter
anderem in der immer größer werdenden Beliebtheit von Wochen-
märkten und so genannten Farmers Markets. Dahinter steht nicht
nur ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein, sondern auch die Neu-
entdeckung von Genüssen aus der Region. Auch verbreitet sich die
Erkenntnis, dass Lebensqualität und wirtschaftlicher Wohlstand ge-
sichert und sogar erhöht werden können, wenn sie von einer ökolo-
gisch nachhaltigen Wirtschaftsweise begleitet werden.
Genüsse aus der Region finden auf immer mehr Farmermärkten
Neuenglands reißenden Absatz.
70
70 ERLEBEN UND GENIESSEN    Essen und Trinken

Grün Im Nordosten haben die Farmers Markets, Coops und unabhängigen


auf dem Obst- und Gemüseläden inzwischen einen festen Platz neben den
Vormarsch großen Supermarktketten erobert. Auch diese schalten nach und nach
auf »grün« um. Der Reisende wird von dieser schönen Entwicklung
nicht zuletzt auch abends beim Essengehen profitieren. Vor allem in
den Städten, aber auch auf dem Land haben Cafés, Bistros und Res-
taurants eröffnet, deren Besitzer oft weltoffene Chefs sind, die an ei-
nem der zahlreichen kulinarischen Institute der Region gelernt haben.

Die drei Für die mobilste Gesellschaft der Welt ist das Auswärtsessen Kult.
Mahlzeiten Schnellrestaurants, Fastfood-Ketten, Cafés, Bistros und Delis, Kanti-
des Tages nen und Restaurants bieten rund um die Uhr Speis und Trank. Der
typisch amerikanische Alltag zerfällt dabei in drei Abschnitte:
Das Breakfast (Frühstück) ist reichlich, besonders in den sog. Fami-
ly Restaurants. Dort besteht ein gewöhnliches Frühstück zumeist aus
Ei (gekocht/»poached«, gebraten als Spiegelei/»sunny side up«,
Rührei/»scrambled« oder auch auf der Oberseite kurz gebraten), ge-
bratenen Speckscheiben (»bacon«) oder kleinen Würstchen (»sausa-
ges«), Bratkartoffeln (»hash browns«), Grießbrei (»grits«), Pfannku-
chen mit Ahornsirup (»pancake with maple sirup«) und natürlich
auch aus etlichen Scheiben Toastbrot mit Butter und diversen Konfi-
türen (»jam«). Längst geht es jedoch auch gesünder: Cornflakes,
Müsli, fettarmer Joghurt und Obst sind inzwischen fester Bestandteil
jeder Speisekarte.
Kein Wunder, dass danach der Lunch (Mittagessen) bescheidener

Zu einem richtigen amerikanischen Frühstück gehören


ein Spiegelei, gebratener Speck und Pfannkuchen mit Ahornsirup.
Essen und Trinken    ERLEBEN UND GENIESSEN 71
71

ausfällt. Suppen, Salate, Pasta und Kurzgebratenes sind am beliebtes-


ten, viele bescheiden sich auch mit einem Sandwich. Generell reflek-
tieren die Speisekarten zunehmend die globale Ausrichtung der
Männer und Frauen an den Kochtöpfen.
Die Hauptmahlzeit des Tages ist das Dinner (Abendessen). Fleisch-
und Fischgerichte sind nach wie vor beliebt, doch gleichauf liegen
Pasta- und andere internationale, weniger kalorienreiche Gerichte.
In einigen Restaurants werden die Gäste mit sogenannten »Dinner
Shows« unterhalten.

Wer Fisch und Meeresfrüchte mag, liegt im Nordosten goldrichtig. Fisch und
Gegrillt, gebacken, geräuchert oder gekocht kommt der kräftige Meeres-
Bluefish, in Butter geschwenkt der Monkfish und als Steaks Heilbutt früchte
(»halibut«) oder Schwertfisch auf den Tisch. Wo »Boston scrod« auf
der Speisekarte steht, handelt es sich meist um Schellfisch oder Ka-
beljau (»cod« bzw. »haddock«); »Fish chowder« ist ein Fischeintopf
mit Kartoffeln und Sahne. Die besten Austern (»oysters«) gibt es auf
Cape Cod – natürlich roh mit Zitronensaft geschlürft. Muscheln
(»clams«) werden entweder ebenfalls roh verzehrt (z. B. die »little-
necks« oder »cherry-stones«), meistens aber gedämpft oder auch
gebacken. »Quahogs« oder »Kohogs« sind handtellergroße Mu-
scheln, deren Fleisch in Streifen gegrillt oder gebraten wird. Ihr
Fleisch und das vieler anderer Muscheln kommt zusammen mit Kar-
toffeln, Mais und Sahne in den Muscheleintopf namens »Clam
chowder« (s. S. 74).
Noch berühmter aber ist der Hummer (»lobster«) nicht nur aus dem
dafür weltbekannten Bundesstaat Maine, sondern von der gesamten
Atlantikküste. Er wird auf verschiedene Weise zubereitet – klassisch
= »boiled«, »stuffed« (mit Fisch und Meeresfrüchten gefüllt und im
Ofen überbacken), als Cocktail oder einfach auf einem Brötchen –
und kostet auch in den Restaurants in der Regel verhältnismäßig
wenig.

T-Bone Steak, Porterhouse Steak und Sirloin Steak sind neben dem Fleisch-
allgegenwärtigen Hamburger die wichtigsten Fleischgerichte. Beliebt gerichte
sind aber auch Hühnchenfleisch (u. a. »Chicken Fingers« = gebacke-
ne Hühnerbruststücke oder »Chicken Wings« = Hühnerflügel) und
Schweinefleisch (»pork). Dazu gibt es fast immer wahlweise eine
»baked potato« (Pellkartoffel mit Crème fraîche) oder Pommes frites
(»French Fries«). Ein Festtagsessen – vor allem am Thanksgiving Day
– ist Truthahn (»turkey«).

Der Nordosten ist ein Beerenparadies. Sie werden vor allem in Ku- Obst
chen und Torten verarbeitet – Erdbeeren (»strawberries«) zusammen
mit Rhabarber, Blaubeeren (»blueberries/huckleberries«) oder auch
Moos- bzw. Preiselbeeren (»cranberries«).
72 ERLEBEN UND GENIESSEN    Essen und Trinken

Weitere Im so genannten Dairy Belt sind natürlich Käse, Milch und Milch-
Spezialitäten produkte von großer Qualität. Ansonsten begegnen auf der Speise-
karte oft »Bread pudding« aus Brot, Milch, Eiern, Nüssen und Tro-
ckenfrüchten, »Indian pudding« aus Milch, Maismehl, Melasse,
Ingwer und Rosinen sowie »grinder« (große Sandwiches mit allerlei
Belag). Schließlich und keinesfalls zu vergessen – der Ahornsirup
(»maple sirup«).

Süßspeisen Wirklich allgegenwärtig sind der Cheese Cake (Käsekuchen; “ Bae-


deker-Tipp S. 73), die Doughnuts (Schmalzkringel), die Muffins
(Hefeküchlein) und allerlei Pies (Mürbteigkuchen). Unbedingt pro-
bieren: Blaubeerkuchen.

Ethnische Neben Steaks, Chicken und Chef 's Salad kann man auch Köstlich-
Küchen keiten aller in den USA lebenden Völker probieren. Die Palette reicht
von der italienischen über die griechische und die spanisch-kubani-
sche bis zur mexikanischen, karibischen und fernöstlichen Küche
mit ihren länderspezifischen Varianten.

Kaffee US-Kaffee ist in der Regel schwach geröstet, oft sehr dünn gebrüht
und steht meist auch lange auf der Elektroplatte. Man bekommt ihn
überall und reichlich angeboten, einmal bestellt, wird er immer
nachgeschenkt. Mittlerweile allerdings setzt sich – zumindest in
Großstädten und touristischen Zentren – mehr und mehr der Ruf
nach einem kräftigen Espresso durch.

Bier Bier wird in den USA immer eisgekühlt serviert und enthält deutlich
weniger Alkohol (3 – 3,5 Vol.%) als vergleichbare deutsche Biere.
Bars halten in der Regel mehrere Flaschen- und Fassbiere (»draft«)
bereit. Weit verbreitete einheimische Marken sind Budweiser, An-
heuser-Busch, Miller, Coors, Michelob und Schlitz. In Neuengland
gibt es eine ganze Reihe für ihre Erzeugnisse bekannte kleine Braue-
reien (»local oder micro breweries«), deren Bier allemal besser ist
als das der großen Braustätten. Importiertes europäisches Bier ist
ungleich teurer als US-Bier.

Wein Die USA gehören zu den führenden Weinproduzenten der Erde.


Etwa vier Fünftel der Rebfläche liegen in Kalifornien. Im Nordosten
ist die Region um die Finger Lakes das bedeutendste Weinanbauge-
biet, in dem auch qualitätvolle Weine erzeugt werden. Im Osten von
Massachusetts werden ebenfalls vereinzelt Rebflächen bewirtschaftet,
doch können hier allenfalls Tafelweine gekeltert werden.

Fruchtsäfte, Überall erhält man Fruchtsäfte und Soft Drinks (Cola-Getränke, aro-
Soft Drinks matisierte und mit Kohlensäure versehene Getränke). Auch Root
Beer, ein aus Wasser, Zucker, Farbstoff und verschiedenen Gewürzen
Essen und Trinken    ERLEBEN UND GENIESSEN 73

zubereitetes Getränk, ist ein beliebter Durstlöscher; desgleichen ge-


eister Tee (iced tea).

Zu jeder Mahlzeit bekommt man Eiswasser, doch Vorsicht: Es ist Lei- Wasser
tungswasser mit gestoßenem Eis. Wer ein Mineralwasser möchte,
bestellt ein »spring water«.

Bevorzugte Spirituosen, die jedoch nur in bestimmten Geschäften Spirituosen


(»liquor store«) erhältlich sind und in Bars nur zu bestimmten Zeiten (Liquor)
genossen werden dürfen, sind Whisky (»whiskey«; Bourbon, Scotch,
Canadian, Rye, Irish, Blended), Gin, Wodka, Brandy, Rum, Wermut
und Liköre (»cordial«).

Restaurants
Eine leckere Mahlzeit kostet keine New York Cheesecake Preise
Unsummen. In vielen Bars werden
schmackhafte Snacks serviert wie
TIPP

In ganz Nordamerika in den


Chili con Carne, Chicken Fingers, Vitrinen der Delis, Diner und
Sandwiches und – gute! – Hambur- Family-Restaurants quasi Teil
ger. Um seinen Geldbeutel zu scho- des Inventars, gehört der New
nen, muss man nicht unbedingt in York Cheesecake unzweifelhaft
eine der Restaurantketten (z. B. Pizza zu den Höhepunkten der tradi-
Hut, McDonald‘s, Burger King, Ken- tionellen amerikanischen Küche.
tucky Fried Chicken) einkehren, wo Der schrecklich leckere Kuchen
man sich zwar relativ billig, aber besteht aus selbstgebackenem
Kuchenboden, einer Käsemasse
nicht unbedingt gut ernährt – zu den
aus Frischkäse mit Zucker, saurer
annehmbaren Ausnahmen zählen Sahne, Mehl, Eigelb sowie Zitro-
Denny‘s und Friday‘s. Bessere, zwar nen- und Orangenschalen. Das
nicht zwangsläufig, aber mitunter Ganze wird in einer mit Back-
sehr teure Restaurants findet man papier ausgelegten Springform
überall dort, wo viele Touristen auf- für Stunden in den Ofen gescho-
treten: in den herausgeputzten histo- ben. Serviert wird dieser Kuchen
rischen Stadtzentren, an den Mari- traditionell mit Erdbeeren und
nas sowie in oder in der Nähe einer Früchte-Mousse.
größerer Ferienanlagen bzw. Groß-
hotels. In Neuengland kommt man
in den Genuss von Hummer-Imbissständen, den Lobster Shacks. In
den allermeisten Lokalen werden außer Bargeld Kreditkarten und
Dollar-Reiseschecks akzeptiert.

In den meisten guten und sehr guten Restaurants wartet man auf eine Wait to be
Platzzuweisung durch das Personal. Sehr oft wird man gefragt, ob seated
man Raucher oder Nichtraucher ist, und bekommt dann einen ent-
sprechenden Platz zugewiesen.
WISSEN Typische Gerichte
Special-Titel

Sieben typische Gerichte


Vorsicht Suchtgefahr! Dass sich die kulinarischen Kreationen aus dem
Nordosten zum Abnehmen eignen, kann man beim besten Willen nicht
behaupten. Dafür schmecken sie einfach zu gut!

Clam Chowder (Neuengland): Die-


se chremige Suppe wird mit Venus-
muscheln (auch Fisch), Schinken-
speck, Zwiebeln, Sellerie,
Kartoffeln, Lorbeerblatt, Kräutern,
Petersilie, Wasser, Milch und etwas
süßer Sahne zubereitet und kann
eine ganze Mahlzeit ersetzen. Im
Restaurant wird sie mit Crackern
und in zwei verschiedenen Portio-
nen – »small bowl« oder »large
bowl« – serviert.

Lobster Roll (Maine, Massachu-


setts): Dieses leckere, in Neueng-
land in zahllosen Varianten ge-
reichte Hummer-Sandwich gilt als
Delikatesse. Die Standardversion:
Ein mit Avocadoscheiben ausgeleg-
tes Mini-Baguette, in das mundge-
rechte Hummerstückchen gemischt
mit Eisbergsalat, Paprika und Cor-
nichons gelegt werden. Darüber
wird eine leckere Sauce aus Ma-
yonnaise, Limettensaft und etwas
Worcestersauce gegeben.

Pastrami Sandwich (New York


City): Pastrami Sandwiches gehö-
ren zu den Grundnahrungsmitteln
der New Yorker und haben eine bis
zu den osteuropäischen Einwande-
rern in Lower Manhattan zurück-
reichende Geschichte. Sie bestehen
aus geräucherten, scharf gewürz-
ten, dünnen Rindfleischscheib-
chen, die als Brotbelag zwischen
zwei mit Senf bestrichenen Weiß-
brotschnitten serviert werden.
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Surf´n´Turf (Atlantiküste): Zu den


Hauptgerichten an der Atlantik-
küste des Nordostens gehört
»Surf'n'Turf«, ein Arrangement
aus saftigem Steak und fein gegar-
tem Hummer bzw. Hummer-
schwanz und gegrillten Garnelen
– angerichtet mit Steakpfeffer,
Kräuterbutter und ein paar Rauke-
blättern. Als Beilagen werden
meist Pommes frites und diverse
Salatkreationen gereicht.

Philly Cheese Steak (Pennsylva-


nia): Im ersten der »Rocky«-Filme
bestellt Sylvester Stallone bei Pat‘s
(www.patskingofsteaks.com) ein Chicken Pot Pie (Pennsylvania):
unförmiges Etwas aus zwei längli- Diese Hühnchenpastete gibt es in
chen Brötchenhälften, belegt mit zahlreichen Variationen. Ursprüng-
dünnen Steakscheiben und mit lich ein Leib- und Magengericht
Cheez Whiz, einer dickflüssigen der »Pennsylvania Dutch« in Lan-
Käsesauce, übergossen. Die ersten caster County, mauserte sich das
dieser Cheese Steaks tauchten in von Teig umhüllte, aus enthäute-
den 1930er Jahren in den italieni- ten Hühnchenstückchen und mit
schen Arbeitervierteln Philadelphi- angebratenen Champignons, Sah-
as auf. Seitdem gehören sie zu ne, Weißwein und Gemüse zube-
»Philly« wie der Eiffelturm zu Pa- reitete Gericht zu einem der be-
ris! liebtesten in den USA.

Boston Cream Pie (Boston): Ob die


Bostoner Cremetorte tatsächlich
1856 vom französischen Küchen-
chef des Parker House Hotel erfun-
den wurde, ist letztlich unwichtig.
Die gelbe Vanilletorte mit der cre-
migen Füllung und dem dunkeln
Schokoüberzug schmeckt einfach
traumhaft. Vor allem in Massachu-
setts populär, gibt es auch in den
übrigen Staaten im Nordosten
zahlreiche Varianten. Die populärs-
te: der Boston Cream Donut. Beide
gelten schon seit 1996 als offizielle
»Massachusetts State Deserts«.
WISSEN Hummer
Special-Titel

Außen pfui, innen hui:


Homarus americanus
60 Zentimeter Länge, Scheren wie Folterwerkzeuge und Mordlust in
den Stielaugen (zumindest der Betrachter will das so sehen). Das ist
kein Hummer, das ist ein Monster aus »Aliens«! »Der beisst einem glatt
den Kopf ab«, flüstert jemand. Ein Teenager macht ein paar Fotos und
stellt sie flugs online. Den gepanzerten Rambo lassen die Gaffer im
Seafoodgeschäft in Rockland, Maine kalt. Die Scheren zusammenge-
bunden, damit er niemanden zwacken kann, liegt er auf der Waage
und harrt seines Schicksals. Dann geht ein Raunen durch die Menge.
»20 Pfund«, ruft der Verkäufer, »größere Hummer gibt´s kaum!«

In der Tat: Größere sind selten. ins Netz gegangenen Giganten


Doch werden sie gefangen, schaf- von sage und schreibe mehr als ei-
fen sie es ins Guinessbuch der Re- nem Meter Länge und gut 20 kg
korde oder per Youtube-Video ins Gewicht!
Netz. Wie verlässlich die Angaben Kaum zu glauben. Normal ist eher
sind, lässt sich jedoch nur schwer eine Körperlänge von 25 bis 55
ermitteln. Schnell schießen die An- Zentimetern, bei einem Gewicht
gaben ins Kraut, wird der Hummer von einem bis sechs Kilogramm.
100, 120 oder gar 150 Jahre alt. Im- Ebenso schwer nachvollziehbar ist
merhin, National Geographic, eine die Tatsache, dass »homarus ame-
der seriöseren Quellen, nennt ei- ricanus«, heute eine teure Delika-
nen 1977 vor der Küste Kanadas tesse, früher als Arme-Leute-Essen
galt. Zu Zeiten der ersten weißen
Fangfrische blauschwarze Hummer Pioniere an Amerikas Gestaden
mit zusammengebundenen Zangen war der zu den Zehnfußkrebsen
gehörende Hummer so häufig,
dass er in halbmeter hohen Haufen
an die Strände gespült wurde. Fi-
scher benutzten sein Fleisch als Kö-
der, Bauern düngten mit ihm die
Felder. Noch bis zum Zweiten Welt-
krieg bekamen die Kinder armer
Eltern das Hühnchen des armen
Mannes auf ihr Pausenbrot, und in
einem der ersten Streiks in den
Vereinigten Staaten sollen die
Hausbediensteten an der Ostküste
durchgesetzt haben, nicht häufi-
ger als dreimal wöchentlich Hum-
mer vorgesetzt zu bekommen.
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Fangmengen, Quoten
Der Aufstieg des Hummers zur be-
gehrten Delikatesse war zu dieser
Zeit allerdings längst im Gange.
Bereits in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts erreichten erste
Hummerladungen die feinen Res-
taurants der Ostküste und von dort
aus mit der Eisenbahn den Mittle-
ren Westen. Um 1900 blühte der
Hummerfang an der Atlantikküste.
130 Millionen Pfund jährlich wur-
den aus den kalten Fluten gehievt,
ein gutes Geschäft für die Fischer,
die an jedem Hummer – zu jener Nach dem Garen leuchtet der
Zeit sagenhafte – zehn Cent ver- Hummer fast zinnoberrot.
dienten. Schon bald jedoch zollten
die Hummerbestände dem Bären- über in einen Topf mit sprudelnd
hunger der Eliten hohen Tribut. Sie kochendem Wasser zu stecken. Der
gingen dramatisch zurück, selbst Tod tritt innerhalb von Sekunden
vom Aussterben des Krustentieres ein und soll angeblich schmerzlos
war die Rede. Erst die Einführung sein. Die Farbe der Schale wechselt
von Fangquoten verschaffte dem dabei von schwarzblau zu rot, die
Hummer eine Atempause. Heute Garzeit hängt von der Größe des
werden vor den Küsten der USA Tieres ab.
nahezu 100 Millionen Pfund pro Genießbar ist nur das Fleisch in den
Jahr gefangen, vor allem vor der Scheren, den Beinen und im
Küste von Maine. Die Küste Süd- Schwanz. Hummerfleisch ist reich
Neuenglands hingegen gilt mitt- an Eiweiß und fettarm, aber dafür
lerweile als überfischt. reich an Cholesterin. Weiß und
fest, ist es aromatisch und schmeckt
Begehrte Delikatesse etwas süßlich. Hummerfleisch erin-
Im Rest des Landes bis heute eine nert eher an Geflügel als als an
teure, leicht verderbliche Delika- Krustentiere wie Garnelen oder
tesse, ist Hummer im Nordosten er- Shrimps. Reisende in Maine kön-
schwinglich geblieben. Gefangen nen es in den sogenannten Lobster
mit Hummerkörben, aus denen er Shacks am Straßenrand genießen.
nicht mehr heraus findet, wird er Dies sind einfache Kantinen, in de-
deshalb erst unmittelbar vor dem nen man sein Hummergericht an
Verzehr getötet. der Theke bestellt und draußen an
Obwohl sie umstritten ist und von einem Picknicktisch verzehrt.
Tierschutzorganisationen heftig Denkbar einfach zubereitet, wird
kritisiert wird, besteht die am häu- Hummer dort mit Kartoffeln,
figsten praktizierte Methode noch Crème fraîche und frischem Salat
immer darin, den Hummer kopf- gereicht.
WISSEN Boston Baked Beans
Special-Titel

Boston Baked Beans


Süß schmecken sie, ein wenig auch nach Speck, und sie gehen
runter wie nichts. Und sie machen satt. Vor allem satt. Dies war
schon immer ihre heiligste Mission. Hart arbeitenden Menschen
zuverlässig den Bauch zu füllen, und zwar schnell, gründlich
und vor allem preiswert.

Sie sind traditioneller Bestandteil fleisch, Bärenfett und Ahornsirup


jedes amerikanischen Frühstücks, in Hirschhaut wickelten und in ge-
eine beliebte Beilage bei Grillge- schlossenen, mit glühenden Stei-
richten und aus den Frühstücksbuf- nen gefüllten Erdgruben buken.
fets der Hotels nicht wegzuden- Für die frommen Puritaner in Mas-
ken. Ihre Zubereitung variiert von sachusetts, deren Glauben ihnen
Region zu Region und manchmal das Arbeiten und Kochen heißer
sogar von Dorf zu Dorf, und längst Speisen am Sabbath (Sonntag) ver-
kann man sie auch im Supermarkt bot, waren die auf diese Art geba-
in der Dose kaufen. Eingefleischte ckenen Bohnen ein hochwillkom-
Fans der gebackenen Bohnen mö- menes Gericht, dass sie bereits
gen deshalb Nachsicht üben, wenn samstagabends in einem Topf zu-
an dieser Stelle etwas prosaisch bereiten und im Laufe des Sonn-
und sehr vereinfacht die am häu- tags zusammen mit Roggenbrot
figsten praktizierte Zubereitungs- noch immer warm genießen konn-
weise vorgestellt wird. Danach ten. »Baked Beans and Brown
werden getrocknete weiße Boh- Bread« wurden so zum traditionel-
nen entwässert, mit Tomatensauce len Sonntagsmahl im puritani-
und Zwiebelstückchen gemischt schen Neuengland und blieben es
und anschließend achtsam mit bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Salz, Pfeffer, Senf und Zucker ge-
würzt. Dann geht es in einem ge- »Beantown«
schlossenen Gefäß für drei bis vier Während des Dreieckshandels im
Stunden zum Backen in den Ofen. 18. Jh. entwickelte sich Boston zu
Voilà! einem wichtigen Hersteller und Ex-
porteur von Rum. Ein Nebenpro-
Puritanermahl dukt bei der Rumherstellung aus
Warum nun das »Boston« vor den Zuckerrohr war Melasse. Es dauer-
»Baked Beans«? Lange bevor sie im te nicht lange, bis dieser braune
16. Jahrhundert Europa erreichte, Zuckersirup – und mit ihm gepö-
war die in zahlreichen Unterarten keltes Schweinefleisch – dem Re-
vorkommende Bohne (lat. »Pha- zept hinzu gefügt wurde. Aus
seolus vulgaris«) in Amerika ein »Baked Beans« wurden so »Boston
Grundnahrungsmittel der Indianer. Baked Beans«, und zu Beginn des
Stämme wie die Narragansett und 20. Jh.s nutzten ein paar kreative
Penobscot bereiteten Bohnen zu, Geister Bostons Bohnen-Connec-
indem sie sie zusammen mit Wild- tion für eine damals hochmoderne
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Das schmeckt! Weiße Bohnen mit Tomatensauce und Zwiebeln, gewürzt


mit Salz, Pfeffer, Senf und Zucker, dann im geschlossenen »Pot« gebacken.

Werbekampagne, die der Stadt Vorfahren bis zur Mayflower zu-


den Beinamen »Bean Town« ein- rückverfolgen konnten, alles ande-
brachte. Zur Ankündigung einer re als entzückt. Anstelle eines der
Veranstaltung namens »Old Home zahllosen patriotischen Symbole
Week« verteilten sie eine Million der »Wiege der Unabhängigkeit«
Sticker, die zwei einander zur Be- als Logo zu benutzen, hatte man
grüßung schüttelnde Hände über einen schlichten, die armen Mas-
einem typischen »Boston Bean sen repräsentierenden Bohnentopf
Pot« zeigten. Die Kampagne war gewählt ... welch ein Affront! Trotz
erfolgreich, trotz oder gerade we- leidenschafticher Proteste blieb es
gen der geteilten Reaktionen. jedoch beim »Boston Baked Bean
Während der griffige neue Beina- Pot« und bei »Beantown«. Heute
me auf Poststempeln und Ansichts- trägt die Stadt den Namen mit
karten erschien und man auswärti- Stolz.
ge Besucher mit Slogans wie »You Und beim Bostoner Versandhandel
don‘t know beans until you come namens »Pot Shop of Boston«
to Boston« in die Stadt lockte, war kann man die Original-Töpfe sogar
die alteingesessene Oberschicht online erwerben. Die Adresse lau-
der »Boston Brahmins«, die ihre tet: www.potshopofboston.com
80 ERLEBEN UND GENIESSEN    Essen und Trinken

Hier essen die Einheimischen am liebsten


Sushi und Sashimi in den Uni-Städten der Ivy League, »Summer
Sausage« und Knödel bei den Amischen in Pennsylvania, Rund-
um-die-Welt-Essen in New York City, Fisch und Seafood in
Maine: Die folgende Auswahl beliebter Restaurants vermitttelt
einen Eindruck davon, wer was wo am liebsten isst. Und jede
Menge Lokalkolorit!

Preiskategorien Ostküste, und Angelo‘s ist seit


AAAA über 30 $ 1924 der beliebteste Nachbar-
AAA 20 – 30 $ schaftstreff. Geboten werden alte
AA 12 – 20 $ Bekannte, aber wie! Fettucini Al­
A unter 12 $ fredo, Ravioli und Cavati Rosalie
(für ein Hauptgericht)
sind einfach ein Genuss (“S. 486).

LITCHFIELDE, CT
The Village Restaurant AAAA
Hier kehrt ein, was in diesem klas-
sischen Neuenglandstädtchen
Rang, Namen, Durst und Hunger
hat: Kalamari und Filet Mignon
sind schöne Höhepunkte am Ende
des Tages. Das Tagesgeschehen
wird an der Theke im »Tap
NEW HAVEN, CT Room« gern auch einmal kontro-
Miya Japanese vers diskutiert (“S. 152).
Restaurant AAA
Das kleine Sushi-Restaurant nahe CAMDEN, ME: Cappy‘s
der Yale University hat zwar das Chowder House AA
Flair einer Studentenkneipe, wird Dem erfahrenen Neuengland-Fah-
aber auch von edel gekleideten rer sagt diese Adresse eigentlich
Yuppies besucht. Sushi-Kenner schon alles. Cappy´s war schon
aus ganz Neuengland schwören,
dass es hier das beste Sushi und
die größte Auswahl weit und
breit gibt. Immer voll, dazu ver-
nünftige Preise (“S. 156).

PROVIDENCE, RI
Angelo‘s Restaurant AAA
Auf dem Federal Hill jenseits der
I-95 schlagen die Uhren langsa-
mer, man begrüßt sich per Hand-
schlag. Dies ist eines der lebhaf-
testen italienischen Viertel der
Essen und Trinken    ERLEBEN UND GENIESSEN 81

immer da und genießt daher BOSTON, MA


nicht nur die beste Lage, sondern Charlie‘s Sandwich Shoppe A
auch eine große Stammkund- Klassischer alter Diner im South
schaft. Die Einrichtung ist einfach, End mit Geschichte: Zu Zeiten der
das Essen – Clam Chowder, Segregation war Charlie‘s eines
Shrimps, Fisch und Hummer – so der wenigen Restaurants in Bos-
herzhafte wie bezahlbare Maine ton, das schwarzen Jazzmusikern
Cuisine. Wer nach Cappy fragt, nach ihren Gigs Frühstück servier-
dem hält der Barkeeper gern ei- te. Bilder dieser Zeit pflastern die
nen Vortrag über den Namensge- Wände des winzigen Lokals. Ein-
ber, ein knorriges Original und heimische »Southies« bilden mor-
beliebter Mitbürger (“S. 185). gens noch inmer die Mehrheit,
geboten wird typische Diner-Kost
GREENVILLE, ME (“S. 214).
Stress-Free Moose Pub &
Café AAA BOSTON, MA
Wo der Name Programm ist: ein- Summer Shack AAA
fache Salate, riesige Burger, große Laut, jovial und auch sonst alles
Bierauswahl. Die Gesprächsthe- andere als fein und zurückhal-
men: Angeln, Elchjagd und die tend: Jasper White‘s Summer
abgerissenen, in Greenville durch- Shack ist eine weitläufige, 300
kommenden »Thru-Hiker«. So Gäste fassende Hummer-und-
Seafood-Kantine, wie es sie frü-
her überall an den Küsten Neu-
englands gab. Den Hummer kann
man sich selbst aus einem der Be-
hälter wählen, dazu gibt traditio-
nelle Neuenglandgerichte wie
»baked beans« und »cod cake«
(Fischkuchen aus Kabeljau). Be-
liebt v.a. bei Bostoner Familien
(“S. 214).

werden die Hiker genannt, die


auf dem Appalachian Trail bis
zum Mount Katahdin ganz in der
Nähe wandern. Im »Stress-Free«
bestellen sie Bier und Burger –
und erzählen tolle Geschichten
(“S. 189).
Feiertage · Feste · Events
Feiertage · Feste · Events    ERLEBEN UND GENIESSEN 83
83

Gemeinsam feiern
Nationale, landesweit geltende Feiertage, Feiertage der einzel-
nen Bundesstaaten, regionale Feiertage: Wer sich den amerika-
nischen Feiertagskalender anschaut, glaubt, es mit einer feier-
wütigen Nation zu tun zu haben. Das Gegenteil ist der Fall. Der
Durchschnittsamerikaner hat i. d. R. nur zwei Wochen Urlaub.
Somit ist jeder arbeitsfreie Feiertag ein kostbares Gut, mit dem
langfristig geplant wird. Wenn er dann auch noch in die Nähe
des Wochenendes fällt und sich zu einem drei- bis viertägigen
Kurzurlaub kombinieren lässt, umso besser.

Unterwegs im Nordosten stellt man fest, dass Feiertage (Holidays)


nicht nur restlos mit Veranstaltungen jeder Art gefüllt, sondern die-
se auch so gut besucht sind, dass deutsche Veranstalter neidisch wer-
den können. Denn einen Feiertag einfach verstreichen zu lassen,
kommt für den Durchschnittsamerikaner nicht in Frage. Ganz oben
auf der Prioritätenliste steht der Familienbesuch. Grandma und
Grandpa, die Schwester im Nachbarstaat, die Tochter in Florida: An
Feiertagen gibt es viel zu tun, es werden mitunter enorme Entfernun-
gen zurückgelegt. Kaum weniger beliebt sind die Barbecue-Abende
auf der Terrasse, vorzugsweise mit den Nachbarn.
Dabei sind feiertägliche Events nicht nur gesellige Ereignisse. Sie
spiegeln auch den Sinn der Amerikaner für ihre Community wider.
Wer einmal nachfragt, was unter »community« verstanden wird, hört
immer wieder die gleichen Antworten. Danach ist Community das
nie aufhörende Bemühen, die eigene Gemeinde noch lebenswerter,
noch besser zu machen. Die ideale Community ähnelt einer Oase.
Man kennt seine Nachbarn, hat Zugang zu allen Annehmlichkeiten
der Großstadt und lebt jedoch zugleich weit genug von ihr entfernt,
um seine Ruhe zu haben. Für den Durchreisenden wird dieser un-
sichtbare, von uramerikanischen Werten getragene soziale Pakt beim
Besuch einer Veranstaltung am besten deutlich.

Auch an offiziellen Feiertagen (public / legal holidays) sind mit Feiertags-


Ausnahme von Thanksgiving Day, Ostersonntag, Weihnachten und regelungen
Neujahr viele Geschäfte geöffnet; Banken, Behörden und Schulen
bleiben allerdings geschlossen. Zu den großen christlichen Festen
Ostern, Pfingsten und Weihnachten gibt es auch keinen zweiten Fei-
ertag. Fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, so ist der darauffolgende
Montag frei. Die meisten offiziellen Feiertage werden alljährlich neu

Geister und Kürbisse im Garten zeigen an:


Halloween, das beliebteste Fest im Herbst, steht bevor.
84 ERLEBEN UND GENIESSEN    Feiertage, Feste, Events

datiert und zur Verlängerung der Wochenenden auf einen Montag


davor oder danach verlegt.

Zuschauer- Die beliebtesten – und fernsehträchtigsten – Zuschauersportarten


sport sind Football, Baseball, Basketball und Eishockey. Der mit Abstand
größte Publikumsrenner ist American Football. Gespielt wird in
der National Football League (NFL) in zwei »Conferences« (Ameri-
can Football Conference und National Football Conference), die
wiederum in je drei Divisionen (East, Central, West) antreten. Höhe-
punkt der Saison ist das Spiel der beiden Spitzenreiter der Conferen-
ces um die Super Bowl, die »Krone des Football« (Ende Januar/
Anfang Februar). Zu den stärksten Teams der letzten Jahre zählten
einige aus dem Nordosten: die New York Giants, die Pittsburgh Stee-
lers, die New England Patriots aus Boston und die Buffalo Bills;
schwächer sind die Philadelphia Eagles. Im Februar 2015 besiegten
die New England Patriots die Seattle Seahawks.
Auf Platz zwei der Beliebtheitsskala rangiert Baseball. Hier gibt es
die in der Major League Baseball (MLB) zusammengefassten Natio-
nal League und American League (mit jeweils zwei Divisionen), in
denen auch kanadische Teams mitmischen. Spitzenteams im Nord-
osten sind die Pittsburgh Pirates und die New York Yankees; als wei-
teres Nordostteam sind noch die Philadelphia Phillies, die New York
Mets und die Boston Red Sox im Oberhaus vertreten.
Basketball: Die National Basketball Association (NBA) spielt in zwei
»Conferences« zu je zwei Divisionen. In der NBA mit Teams wie den
Chicago Bulls, den Los Angeles Lakers oder den Dallas Mavericks zu
spielen ist das Ziel aller Basketballprofis der Welt. Gegen solche
Mannschaften haben die Boston Celtics, die Philadelphia 76ers und
die New York Knicks wenig auszurichten. Die Teams der High
Schools und Universitäten spielen in der NCAA und wie beim Foot-
ball schauen sich die Profiklubs hier nach Nachwuchs um.
Auch das als Amateursport äußerst beliebte Eishockey (»hockey«; “
S. 88) wird in zwei »Conferences« zu je zwei Divisionen gespielt. Die
National Hockey League (NHL) wird von US- und kanadischen
Teams gebildet, die sich u. a. mit
Auf einem zugefrorenen See liefern sich tschechischen und russischen
jugendliche Eishockeyspieler packende Duelle. Spielern verstärken. Die in Play-
offs ermittelten beiden besten
Teams spielen um den Stanley
Cup, die höchste Trophäe des Eis-
hockey-Sports. Im Nordosten
sind viele Erstliga-Teams zu se-
hen: Boston Bruins, Buffalo Sab-
res, New York Islanders und Ran-
gers, Philadelphia Flyers und
Pittsburgh Penguins.
Feiertage, Feste, Events    ERLEBEN UND GENIESSEN 85

Veranstaltungskalender
LANDESWEITE FEIERTAGE JANUAR
1. Januar: New Year Philadelphia (PA)
3. Mo. im Januar: Martin Luther Mummers Parade: prächtige
King Day Neujahrsparade
3. Mo. im Februar: President's
Day Stowe (VT)
Letzter Mo. im Mai: Memorial Winter Carnival mit einem
Day (Gefallenengedenktag) Schlittenhundrennen als
4. Juli: Independence Day Höhepunkt (Monatsmitte)
(Unabhängigkeitstag)
1. Mo. im September: Labor Day MÄRZ
(Tag der Arbeit) Boston (MA)
2. Mo. im Oktober: Columbus New England Spring Flower
Day Show
11. November: Veteran's Day St. Patrick's Day (17. März)
(Veteranentag)
4. Do. im November: Thanks- APRIL
giving (Friedens- und Erntedank- Boston (MA)
fest) Boston Marathon
25. Dezember: Christmas Day (3. Mo. im Monat)
(Weihnachten)
Concord (NH)
REGIONALE FEIERTAGE Patriot's Day Parade and Paul
2. Mo. im Februar: Abraham Revere Reenactment: Erinnerung
Lincoln's Birthday (Maine, New an die Schlacht von Concord
York, Vermont) (19. April)
1. Di. im März: Town Meeting
Day (Vermont) MAI
Letzter Montag im April: Fast Day Boston (MA)
(Fastentag in Maine und New Beacon Hill Garden Tour:
Hampshire) Führungen durch Parks und
Montag nächst dem 19. April: Gärten (3. Do. im Monat)
Patriot's Day (Maine, Massachu-
setts) Albany (NY)
20. Mai: Lafayette Day Tulip Festival (am Muttertags­
(Massachusetts) wochenende)
2. Mo. im August: Victory Day
(Rhode Island) JUNI
16. August: Bennington Battle Hartford (CT)
Day (Vermont) Taste of Hartford Food:
2. Mo. im November: Election Spezialitäten aus CT
Day (New York) (Monatsmitte)
86 ERLEBEN UND GENIESSEN    Feiertage, Feste, Events

Boothbay Harbor (ME) JULI


Windjammer Day New York City (NY)
(Monatsende) New York begeht den Indepen-
dence Day (Unabhängigkeitstag,
Gettysburg (PA) 4. Juli) besonders festlich mit ei-
Civil War Heritage: Erinnerung an nem Riesenfeuerwerk auf dem
die Schlacht von Gettysburg East River.
(Ende Juni)
Boston (MA)
Pittsburgh (PA) Harborfest: großes Fest mit mehr
Three Rivers Art Festival als 200 Programmpunkten; Ende
(Monatsanfang) Juni/Anfang Juli)

4. Juli in New York: Riesenfeuerwerk am East River


Feiertag, Feste, Events    ERLEBEN UND GENIESSEN 87

Lenox (MA) Rutland (VT)


Tanglewood Music Festival: Vermont State Fair: wunderbares
schönste Klassik unter freiem ländliches Fest (Monatsanfang)
Himmel, u. a. mit dem Boston
Symphony Orchestra (Ende OKTOBER
Juni – Anfang August) Boston und Cambridge (MA)
Head of the Charles Regatta: über
Northfield (VT) 3 000 Ruderer am Start (vorletztes
Vermont Quilt Festival: Es geht Wochenende im Monat)
rund um die Patchwork-Decken
(Monats­ende). Salem (MA)
Haunted Happenings: Halloween,
AUGUST besonders gruselig in der Stadt
Milford (CT) der Hexenprozesse
Milford Oyster Festival
(3. Sa. im Monat) Keene (NH)
Pumpkin Festival: Das ganze
Rockland (ME) Städtchen wird mit geschnitzten
Maine Lobster Festival: Kürbissen beleuchtet – der Re-
3 Tage lang Hummer satt kord steht bei über 28 000
(Monatsanfang) (Wochen­ende vor Halloween).

Allentown (PA) NOVEMBER


Awkscht Festival der Pennsyl- Plymouth (MA)
vaniendeutschen: Antiquitäten- Öffentliches Thanksgiving Day
und Oldtimershow, diverse Hand- Dinner (4. Do. im Monat)
werksvorführungen (Monats-
anfang) New York (NY)
New York Marathon: Es ist der
Newport (RI) größte seiner Art weltweit
Newport Jazz Festival, Newport (1. So. im Monat).
Folk Festival: zwei Topereignisse,
die internationale Stars und viel DEZEMBER
Publikum anlocken. Boston (MA)
Boston Tea Party Reenactment:
SEPTEMBER Nachspielen der Boston Tea Party
New York City (NY) (16. Dez.)
Steuben Parade auf der Fifth Ave.
(letzter Sa. im Monat) Washington Crossing
Historical Park (PA)
Saranac Lake (NY) The Crossing Reenactment:
Adirondack Canoe Classic: Hier wird die Überquerung
berühmtes Kanurennen über des Delaware durch George
90 Meilen (1. oder 2. Wochen­ Washington nachgespielt
ende im Monat) (24. Dezember).
WISSEN Eishockey
Special-Titel

NHL: Die härteste Liga der Welt


Das Heimspiel der Boston Bruins gegen die Montréal Canadiens ist
gerade mal 5 Minuten alt, da gibt es schon die erste Keilerei. Brad
Marchand von den Bruins nimmt mit der Linken einen Canadien in
den Schwitzkasten und probiert mit der Rechten einen Trommelwirbel
auf dessen Helm. Die Lautsprecher im TD-Garden, einer 18 000-Sitze-
Arena am Nordrand von Downtown Boston, begleiten die »liebevolle«
Umarmung mit dem unverwüstlichen »Only You«. Es riecht nach
Popcorn und Hotdogs. Die Fans gehen in ohrenbetäubender Weise
mit. Auftakt zu einer ganz normalen Eishockeynacht in den USA.

Die National Hockey League gilt gekämpft. Ein anderer, weitaus


als härteste, beste Eishockey-Profi- einfacherer Indikator der Bedeu-
liga der Welt. Wo für die Amerika- tung des Spiels für die Volksseele:
ner der Nabel der Eishockeywelt In Nordamerika heisst Eishockey
sitzt, spürt man in Europa wenigs- schlicht Hockey. Oder »the
ten einmal im Jahr zur Weltmeis- game«. Die NHL wurde 1917 von
terschaft, wenn ein hastig zusam- kanadischen Teams gegründet.
mengewürfeltes Team aus NHL-, Chicago, Detroit und New York
Nachwuchs- und Collegespielern folgten wenig später. Heute spie-
die nationale Ehre verteidigt, und len 30 Teams in der NHL, davon
das nicht einmal schlecht. sieben aus Kanada. Nach etlichen
Daheim konzentriert man sich lie- Erweiterungen und Umstrukturie-
ber auf den Gewinn des Stanley rungen ist die NHL heute in eine
Cups. Der Pokal wurde 1893 von Eastern und eine Western Confe-
Lord Stanley, dem Governor Gene- rence geteilt. Jede Conference zer-
ral von Kanada, gestiftet und kos- fällt in regionale Divisions, in de-
tete damals ganze 48 kanadische nen jeweils fünf Teams spielen. Die
Dollar. Inzwischen ist der Wert die- reguläre Saison geht von Oktober
ses Wanderpokals aus Silber und bis April, erst danach treten die
Nickel in irrationale Höhen gestie- ersten acht Teams jeder Confe-
gen, nicht zuletzt auch, weil er die rence in den Playoffs (Ausschei-
Namen aller Sieger-Teams, hervor- dungsspielen) um den Stanley Cup
ragender Spieler und Trainer seit gegeneinander an.
der Gründung der Liga trägt. Den
Stanley Cup zu gewinnen, gilt als Hohe Summen
größter Lohn, den diese härteste Die NHL ist ein Unternehmen der
Liga der Welt zu bieten hat. Superlative. Im Durchschnitt besu-
In keiner anderen Liga müssen die chen 17 000 Zuschauer ein NHL-
Spieler so oft ran. NHL-Teams spie- Spiel. Nur das Stadion der New
len mindestens 82 Mal pro Saison, York Islanders hat weniger als
die Teams der deutschen Eisho- 17 000 Plätze. Die meisten Zuschau-
ckeyliga dagegegen »nur« rund 50 er hatten während der Saison
Mal – nirgends sonst wird so hart 2014/2015 die Chicago Blackhawks
89
89

Brenzlige Szene vor dem Tor

mit knapp 22 000 pro Spiel. Über Eishockey-Götter nicht fern. Natür-
21 Mio. Fans zahlten in dieser Sai- lich hat die National Hockey
son im Schnitt 62 US-Dollar für ein League ihren eigenen Pantheon.
Ticket und brachten zusammen Nahezu jedem Kind ein Begriff
3,7 Mrd. US-Dollar in die NHL-Kas- sind Bobby Orr von den Bruins, der
se. Der laut Forbes Magazin wert- beste Verteidiger der NHL, Martin
vollste Klub sind die New York Ran- Brodeur von den New Jersey De-
gers: Während der Saison 2014/ vils, einer der effektivsten Torhüter
2015 erwirtschafteten sie einen der Liga, und Sidney Crosby von
Gewinn von 229 Mio. Dollar. 18 der den Pittsburgh Penguins. Crosby
30 Klubs machten allerdings Ver- wurde 2007 jüngster Mannschafts-
luste, was u.  a. an den hohen kapitän und gewann schon zwei
Spielergehältern liegt. Vorschläge, Jahre später den Stanley Cup. Kei-
die bisher geltende Gehaltsober- ne Besten-Liste wäre jedoch voll-
grenze von 64,3 Mio. US-Dollar pro ständig ohne »The Great One«. So
Team zu senken, wurden bisher nennt man Wayne Gretzky bis heu-
nicht realisiert. 2014/2015 gehör- te. Der von 1979 bis 1999 für die
ten Sidney Crosby (Pittsburgh Pen- Edmonton Oilers, Los Angeles
guins) mit 16,5, Shea Weber (Nash- Kings, St. Louis Blues und New
ville Predators) mit 14, 1 und York Rangers spielende Center
Alexander Ovechkin (Washington schoss 894 Tore, gewann vier Mal
Capitals) mit 14 Mio. US-Dollar zu den Stanley Cup und besaß eine
den Bestverdienern. überragende spielerische Intelli-
genz und technische Fähigkeiten.
Götter auf dem Eis Seine Rückennummer, die 99, ist
Wo so viel Geld im Spiel ist und so seit seinem Rücktritt ligaweit ge-
viel Begeisterung aufkommt, sind sperrt.
Mit Kindern unterwegs
Mit Kindern unterwegs    ERLEBEN UND GENIESSEN 91

Fremdwort Langeweile
Viele Eltern träumen von einem Roadtrip durch Nordamerika.
Mit den lieben Kleinen an Bord wird dieser jedoch oft zum Alb-
traum. Zu groß sind die Entfernungen in den USA, zu lang die
Zeit, die der Nachwuchs still sitzend auf der Rückbank des Miet-
wagen verbringen muss. Die im gefürchteten Quengelton her-
aus gequetschte und monoton wiederholte »Wann sind wir
endlich da?«-Frage hat deshalb schon in so manchem USA-Ur-
laub für Stress gesorgt. Eltern können davon ein Lied singen.

Die gute Neuigkeit: Der Nordosten ist mit etwas über 430 000 Qua- Übersicht-
dratkilometern für amerikanische Verhältnisse sehr übersichtlich. licher Nord-
Die Entfernungen müssen deshalb bei der Routenplanung aufgrund osten
der geografischen Kleinräumigkeit kein Thema sein. Wer eine be-
stimmte Region erkunden möchte, berechnet die Entfernungen eher
in Stunden als in Tagen. Für die Eltern auf den Vordersitzen bedeutet
dies: Keine Etappe braucht länger als drei, vier Stunden zu sein.

Auch die Amerikaner kommen reisenden Familien entgegen. Die Familen-


»family« ist eine der Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft freundliche
und deshalb ein in hohen Ehren stehendes Konzept, seit die Purita- Amerikaner
ner vor über 400 Jahren an diesen Gestaden an Land gingen. Die
touristische Infrastruktur trägt dem gewissenhaft Rechnung. So gut
wie überall – sei es bei Sehenswürdigkeiten, sei es in Hotels und Re-
staurants – gibt es Kinder- und Familienermäßigungen bzw. entspre-
chende Arrangements. Dabei pflegt es keine Standard-Altersgrenze
zu geben: Als »Kind« können sowohl Kleinkinder als auch Teenager
gelten. Deshalb heißt es, die aushängenden Informationstafeln genau
zu studieren!

Weil Amerikaner nicht nur die Familie ehren, sondern auch Welt- Essen gehen
meister der Unterhaltung sind, ist Entertainment als fester Bestand-
teil der Gesellschaft akzeptiert und durchdringt als solcher alle öf-
fentlichen Bereiche. Essen gehen mit Kindern ist deshalb keine
Expedition mit ungewissem Ausgang, sondern ein echtes Vergnügen.
Dies gilt nicht nur für die einschlägig bekannten preiswerten Fast-
food-Ketten mit ihren bunten Animationsprogrammen, sondern vor
allem auch für die noch immer existierenden altmodischen Diner
mit ihren Musikautomaten an den Tischen und die sog. Family Res-
taurants wie Denny‘s, Friendly‘s und Friday‘s mit ihren Mal-Ange-
boten für die Kleinsten und unwiderstehlichen Desserts. Weniger
unterhaltend, dafür aber bezahlbar sind auch die bekannten Steak-
house-Ketten und vielen ethnische Küche anbietenden Restaurants.
Als Alternative dazu bieten sich zumindest in den größeren Städten
92 ERLEBEN UND GENIESSEN    Mit Kindern unterwegs

die meist in den Shopping Malls zu findenden »All You Can Eat«-
Buffets an. Dort kann der Teller für einen Fixpreis so oft aufgefüllt
werden, wie es die Mägen der Sprösslinge aushalten. Und wenn diese
nicht aufessen können, bekommt man den Rest fein säuberlich ein-
gepackt mit auf den Weg. »Doggy Bags« sind nicht umsonst eine
uramerikanische Erfindung.

Was tun? Auch wenn es im Nordosten kein Disneyland gibt und keine Cow-
boys in den Sonnenuntergang reiten: Eltern werden Mühe haben,
ihre Kinder loszueisen. Wie der Rest der USA ist auch der Nordosten
mit Kinderunterhaltung übersät. Das beginnt bei den fantasievollen,
mit den Minigolfanlagen daheim nicht vergleichbaren »Mini Putts«
in den meisten Resortstädtchen und hört bei den dort ebenfalls zum
Inventar zählenden Märchen- und Wasserparks noch lange nicht auf.
An den Küsten Neuenglands sind Walbeobachtungstouren der Ren-
ner, viele Großstädte haben hervorragende Aquarien, in New York
City faszinieren die coolen Aufzüge des Empire State Buildings, und
in vielen Museen gibt es interaktive »Hands-on«-Abteilungen für
Kinder, wo Ausstellungsstücke angefasst und bewegt werden dürfen.
Dazu gibt es in vielen größeren Städten ein sog. Children Museum.
In diesen ausschließlich für Kinder konzipierten Museen werden Na-
turwissenschaft, Geografie und Technik kindgerecht aufbereitet und
unterhaltsam präsentiert.

Die tollsten Attraktionen


Six Flags New England Großer Vergnügungspark mit di-
1623 Main St., Agawam, MA versen Fahrgeschäften, Themen-
Ende Mai – Ende Aug. tgl. ab bereichen für Kleinkinder und
10.00 bis längstens 22.00 Uhr, Wasserpark
Mitte Aug. – Ende Mai u. Ende
Aug. – Ende Okt. nur an Wochen- Hersheypark
enden; Tagesticket: 61,99 $ 100 W. Hersheypark Dr., Hershey,
Vergnügungspark mit etlichen PA; Mai – Sept. tgl. 10.00 – 22.00
»Thrill Rides« und Kinderkarus- Uhr, Tagesticket: 62,95 $
sels, Themenpark für Kleinkin- Der Vergnügungspark des be-
der, Wasserpark »Hurricane Har- rühmten Schokoladeherstellers
bor« bietet mit Achterbahnen, Wasser-
rutschen, Konzerten, Restaurants
The Great Escape & Splash- und Shopping Spaß für die ganze
water Kingdom Familie.
Rte. 9, Lake George, NY
Juni – Aug. tgl.10.00 bis längstens Sesame Place
21.00 Uhr, Ende Mai, Sept., Okt. 100 Sesame Rd., Langhorne, PA
nur an Wochenenden; Tagesticket: Mai – Okt. u. 26. Dez. – 31. Dez.
57,99 $ tgl. 10.00 bis längstens 21.00 Uhr,
Mit Kindern unterwegs    ERLEBEN UND GENIESSEN 93

Ende Nov. – 23. Dez. nur an Wo- erfährt man hier alles über den
chenenden; Tagesticket: 44 $ Schiffbau und den Walfang.
Bei Kindern aller Altersgruppen
außerordentlich beliebter The- New Bedford Whaling
menpark mit den TV-bekannten Museum
Figuren Bert & Ernie, Elmo, Mur- 18 Johnny Cake Hill, New Bed-
ray etc. sowie diversen trockenen ford, MA; Mai – Sept. tgl.
und feuchten Fahrgeschäften 9.00 – 17.00, Okt. – April Di. – Sa.
9.00 – 16.00, So. 11.00 –
16.00 Uhr; Tagesticket: 14 $
In dem weltberühmten Museum
lassen sich Kinder besonders von
den fünf gewaltigen Wal-Skelet-
ten beeindrucken. Außerdem ist
»Moby Dick« ein großes Thema.

Boston Whale Watch


1 Long Wharf, Boston, MA, Bos-
ton Harbour Cruises; Juni – Aug
bis zu 4 Abfahrten tgl., April – Mai
2x tgl.; Ticket: 49 $
»Da bläst er!« Die Begegnung
Plimoth Plantation mit den sanften Riesen auf offe-
137 Warren Ave., Plymouth, MA ner See ist ein Höhepunkt jedes
Mitte März – Ende Nov. tgl. 9.30 Familienurlaubs.
bis 17.00 Uhr; Tagesticket: 25,95$
Das palisadenbewehrte Muse-
umsdorf vor den Toren des heuti-
gen Städtchen Plymouth ist eine
detailgetreue Rekonstruktion der
ersten Siedlung. Kostümierte, Alt-
englisch sprechende Schauspieler
verkörpern historisch verbürgte
Siedler der ersten Stunde und be-
antworten geduldig alle Fragen –
ein Heidenspaß!

Mystic Seaport
75 Greenmanville Ave., Mystic, CT;
Ende März – Okt. tgl. 9.00 bis
17.00, sonst Do.–So. tgl. 10.00 bis
16.00 Uhr; Tagesticket: 25 $
Das »amphibische« Freilicht-
museum im berühmten Hafen der
Long Island Bay beeindruckt mit
historischen Schiffen. Außerdem
Kapitel-/
Shopping
Regioneneinstieg
Shopping    ERLEBEN UND GENIESSEN 95
95

Einkaufen bis zum Umfallen


»Shop ´til you drop!« Dieser typisch amerikanische Ausdruck
gehört schon längst zum Wortschatz von Besuchern aus dem
deutschsprachigen Raum. Und kein anderer ist ähnlich gleich-
bedeutend mit Verfügbarkeit von allem – und das zu jeder
Tageszeit.

Dies gilt auch im Nordosten der USA vor allem für die Großstädte.
New York City (NY), Boston (MA), Philadelphia (PA) und Pitts-
burgh (PA) sind Einkaufsparadiese, die keinen Wunsch unerfüllt
lassen. Kleinere Städte wie Portland (ME), Providence (RI), New Ha-
ven (CT) und Wilmington (PA) stehen hinsichtlich der Breite des
Angebots kaum nach. Und in kleineren Touristenzentren wie Pro-
vincetown (MA) auf Cape Cod, Bar Harbor (ME) und Newport (RI)
ist Shopping aufgrund eines historisch gewachsenen Stadtbildes auch
noch ein ästhetisches Vergnügen.

Die höchste Konzentration von Shopping Malls gibt es in den gro- Malls,
ßen Ballungsgebieten. Sie können mehrere hundert Geschäftslokale Gallerias
umfassen, darunter auch Supermärkte, Food Courts und Restau- und Outlets
rants. Oft an Ausfallstraßen gelegen, sind sie von riesigen Parkplät-
zen umgeben. Manchmal heißen sie auch Galleria oder Market-
place. Auch Factory Outlets findet man häufig an den Stadträndern.
Diese meist gesichtslosen Malls bieten Markenware direkt ab Fabrik,
was Preisnächlässe von bis zu 70 Prozent ermöglicht. Es gibt jedoch
auch Factory Outlets »mit Charakter«, d. h. mit einer ansprechenden
Architektur, so beispielsweise in Grove City (PA), Manchester (VT),
Central Valley (NY), Clinton (CT), Fall River (MA) und Kittery
(ME). Und die Hafenstadt Freeport im Bundesstaat Maine besteht
fast ganz aus Factory Outlets.

Eine interessante Entwicklung der letzten Dekade ist die Wiederbe- Wiederbele-
lebung einst verlassener Innenstädte und Stadtquartiere. Boston, bung der
Philadelphia und vor allem Pittsburgh erleben dieser Tage eine viel- Innenstädte
versprechende Renaissaance, in deren Verlauf nicht nur junge Fami-
lien aus den Vorstädten zuziehen, sondern auch topaktuelle Bouti-
quen, Galerien und Geschäfte aller Art eröffnen. Zusammen mit
Coffeeshops und Bistros schaffen sie eine anregende Atmosphäre, die
den Malls oft abgeht.

Die meisten Geschäfte haben in der Regel Mo. bis Sa. von 9.00 bis Öffnungs-
17.00 Uhr geöffnet, die Shopping Malls meistens sieben Tage in der zeiten

Einkaufen in der Shopping-Metropole New York City


96 ERLEBEN UND GENIESSEN    Shopping

Woche bis ca. 21.00 Uhr (außer sonntags). Viele Geschäfte, insbeson-
dere entlang der Highways und in Großstädten, stehen auch sonntags
(längstens bis 18.00 Uhr) oder 24 Stunden lang offen.

Souvenirs Als Mitbringsel bieten sich Ahornsirup, -pralinen und -bonbons so-
wie Quilts und Patchwork-Decken aus dem Pennsylvania Dutch
Country an. Nicht billig, aber ihr Geld wert sind die schlichten, sehr
funktionalen Möbel aus den Werkstätten der Shaker. Allgemein sehr
beliebt sind Souvenirs wie Sweatshirts und Mützen aus den National-
parks und Museen. Relativ preiswert: Elektronikartikel; sehr preis-
günstig auch Kleidung (Jeans), Wäsche, Lederwaren (bes. Schuhe),
Kosmetik und Sport- und Fanartikel, wobei man für sehr geschätzte
Marken weit weniger ausgeben muss als hierzulande.

Die schönsten Farmers Markets


Produkte aus Salat, Kartoffeln, Mais und Paprika, Äpfel, Orangen, Blau- und Erd-
der Region beeren: Die Stände biegen sich unter der Last von frischem Obst und
Gemüse. Die es angebaut haben, stehen seit Sonnenaufgang dahinter
und preisen ihre Ware an. Nirgend sonst fällt der Kontakt zu Einhei-
mischen leichter, macht das Feilschen um Dollar und Cent und das
Aufsaugen von Lokalkolorit so viel Spaß. Mehr und mehr geht es auf
diesen Märkten um das Thema Gesundheit. Seit dem Siegeszug der
»Local Food«-Bewegung durch Amerika stammen die Köstlichkeiten
zunehmend aus organischem Anbau. Regionale Spezialitäten wie
»summer sausages« von den Amischen in Pennsylvania oder Ahorn-
sirup-Produkte aus Vermont erwirbt man am besten auf einem Far-
mers Market – ebenso lokales Kunsthandwerk. Nachfolgend einige
der schönsten Farmers Markets im Nordosten:

NEW YORK CITY (NY)


Union Square Monday
Greenmarket
Mo. 8.00 – 18.00 Uhr
http://www.grownyc.org/greenmar-
ket/manhattan-union-square-m
Der Grünzeugmarkt auf dem Union
Square begann vor rund vier Jahr-
zehnten mit einer Handvoll Ständen
auf einem Parkplatz an der Kreuzung
59th Street und 2nd Avenue. Das
Konzept, allen New Yorkern Zugang
zu frischem Obst und Gemüse aus
regionalem Anbau zu verschaffen, ist
bis heute höchst erfolgreich.
Shopping    ERLEBEN UND GENIESSEN 97

BIRD-IN-HAND (PA)
Bird-in-Hand Farmers Market
2710 Old Philadelphia Pike
tgl. 8.30 – 17.30 Uhr
www.birdinhandfarmersmarket.com
Über 30 Farmer, Bäcker, Metzger und
Künstler bieten hier im Land der Ami-
schen ihre Erzeugnisse feil.

MONTPELIER (VT)
Capital City Farmers Market
State St.
Mai – Okt Sa 9.00 – 13.00 Uhr
www.montpelierfarmersmarket.com
Über 100 Bauern, Gärtner, Bäcker,
Metzger und Künstler aus dem PORTSMOUTH (NH)
grünsten Staat der USA, dazu Live- Portsmouth Farmers Market
Musik und allerlei Events 1 Junkins Ave., City Hall,
Mai – Nov. Sa 8.00 – 13.00 Uhr
NANTUCKET (MA) www.seacoastgrowers.org
Sustainable Nantucket‘s Far- Spielt seine Stärke vor allem bei
mers & Artisans Market organischem Obst und Gemüse
113 Pleasant St. sowie Blumen aus dem Hinter-
Mitte Juli/Aug. 15.30 – 18.30 Uhr land aus. Dieser Markt liegt mit-
N. Union & Cambridge Sts. ten in einem der schönsten
Mitte Juni – Mitte Okt. Sa. 9.00  bis Städtchen der Atlantikküste.
13.00 Uhr
www.sustainablenantucket.org
Bunter Blumen- und Gemüsemarkt,
Stände von Kunsthandwerkern und
Künstlern sowie Mal- und Bastel-
Tische für Kinder

PORTLAND (ME)
Portland Farmers Market
Deering Oaks Park, Park Ave.
Sa. 7.00 – 12.00 Uhr
Monument Square, Congress St.
Mi. 7.00 – 14.00 Uhr,
www.portlandmainefarmers
market.org
Fast 250 Jahre gibt es diesen Markt
bereits! Heute sind hier drei Dutzend
Bauern und Gärtner aus dem Hinter-
land Portlands vertreten, dazu gibt es
viel schönes Kunsthandwerk.
WISSEN Dekoratives aus Stoffresten
Special-Titel
99
99

©
Übernachten
Übernachten    ERLEBEN UND GENIESSEN 101

Motels, Lodges und Resorts


Die USA sind noch immer die mobilste Nation der Welt. Ame-
rikaner ziehen häufig um und legen täglich größere Entfer-
nungen zurück, um zur Arbeit zu gelangen, Freunde zu besu-
chen oder auswärts zu essen. Das Auto ist ein unverzichtbares
Verkehrsmittel. In vielen US-Großstädten ist trotz Verbesse-
rungen im öffentlichen Verkehrssystem gewissermaßen am-
putiert, wer kein Auto hat. Doch das Auto ist noch mehr als
das: Es hilft auch beim Ausbrechen aus dem bürgerlichen All-
tag – ein oft praktiziertes Ritual, dessen Ursprünge, wie man-
che glauben, bei den meist aus Europa stammenden Vorfah-
ren zu suchen sind. Sie ließen die als einengend empfundene
europäische Zivilisation zurück und erlebten etwas völlig
Neues, indem sie als Abenteurer und Pioniere in ein damals
noch unbekanntes Amerika aufbrachen.

Die Autofahrt, der »Roadtrip« und das Autofahren auf legendären Schlafen »on
Straßen oder in den Sonnenuntergang ist deshalb eine uramerikani- the road«
sche Erfahrung. Natürlich hat die Autofahrer-Nation ihren rastlosen
Bürgern deshalb auch die entsprechende Infrastruktur geschenkt.
Zehntausende Unterkünfte jeder Art säumen die »roads«, highways«
und »freeways«, regelrecht archetypisch: das Motor-Hotel, oder kurz
Motel, das man in Europa vor allem aus klassischen Road-Movies
wie »Convoy« (1978), »Thelma & Louise« (1991) und »Duel« (1971)
kennt. Bezahlbar und von der Straße aus leicht erreichbar, ist es von
A – Z auf die Bedürfnisse der Autofahrer eingestellt. Diese fahren bis
zur Rezeption vor, nehmen dort die Schlüssel in Besitz und rollen
anschließend, mit dem Kofferraum zuerst, bis unmittelbar vor ihr
Zimmer. Viele bieten ein im Übernachtungspreis enthaltenes Früh-
stück und einen Swimmingpool. Bei Roadtrip-Fans besonders be-
liebt ist der Retro-Charme der aus den 1950er-Jahren stammenden
Motels – Neonreklame und klappernde Klimaanlage inbegriffen.

Von der Bezeichnung darf man sich nicht täuschen lassen: Mit dem Vom B&B bis
traditionellen, Familienanschluss und Dinner am Küchentisch mit zur Lodge
einschließenden Bed & Breakfast haben die heutigen B&Bs nur
noch selten etwas gemein. Zudem pflegen sie erheblich teurer zu
sein. Heutzutage sind amerikanische B&Bs deshalb als luxuriöse Un-
terkünfte in zumeist historischen Gemäuern zu verstehen. Deren
Besitzer sind meist wohlhabende Geschäftsleute im Vorruhestand,
Im Trenton Isle View Motel fühlt man sich im Indian Summer
besonders wohl.
102 ERLEBEN UND GENIESSEN    Übernachten

die sich aus der Tretmühle des Alltags zurückgezogen haben und mit
viel Liebe dem Lieblingsprojekt ihrer zweiten Lebenshälfte widmen.
Mit Handschlag begrüßt zu werden, gehört deshalb zur amerikani-
schen B&B-Erfahrung ebenso dazu wie das morgendliche Frühstück
mit den übrigen Gästen im Salon, Tipps von Einheimischen und an-
deren Reisenden sowie viele nette Überraschungen bei Einrichtung
und Dekor.
Auch Country Inns zeichnen sich durch ihren unverwechselbaren
Charakter aus. Sie pflegen in schönen alten Häusern in bester ländli-
cher Lage untergebracht zu sein, verfügen dabei jedoch über einen
Dining Room oder ein Restaurant, wo zwei oder drei Mahlzeiten pro
Tag serviert werden. Der Service ist aufmerksam, das Personal grüßt
den Gast mit Namen. Oft schließen sich die schönsten oder feinsten
Country Inns einer Region zu einer
Hotelgutscheine Assoziation zusammen, um ge-
meinsam um Gäste zu werben und
für ein gleichbleibend hohes Niveau
TIPP

Wer eine Rundreise durch den


Nordosten der Vereinigten garantieren zu können. Allerdings
Staaten plant und nie länger als gibt es auch Country Inn Bed &
zwei oder drei Mal am selben Ort Breakfasts. Dies sind in der Regel
übernachten will, dem seien die Country Inns, die nur Frühstück
im Internet abrufbaren und servieren, ansonsten aber zu groß
manchmal ziemlich stark verbillig- sind, um als B&B zu gelten.
ten Hotelgutscheine empfohlen. Auch Resorts gibt es in vielerlei Va-
Weitere Hinweise findet man rianten: Resort-Hotels, Resort-Lod-
unter folgender Adresse: ges und Cottage-Resorts. Ihnen al-
www.hotelcoupons.com len ist gemeinsam, dass sie in einer
Landschaft mit Erholungswert lie-
gen, an einem Fluss oder einem See
etwa, und über ein großes Freizeitangbot verfügen. Die Aufenthalts-
dauer in einem Resort pflegt ein paar Tage zu sein, ein Resort ist ein
Reiseziel an sich.
Unter Lodges und Camps wiederum werden abgelegene Unterkünf-
te unterschiedlichsten Niveaus verstanden. Lodges pflegen komfor-
tabler zu sein als Camps und v. a. zahlungskräftigere Gäste anzuzie-
hen. Angeboten werden geführte Angeltouren, Flightseeing im
lodgeeigenen Wasserflugzeug usw. Camps hingegen sind rustikaler
und wenden sich fast ausschließlich an Angler und Jäger. Beide Ka-
tegorien bieten ihren Gästen drei Mahltzeiten am Tag.

Kategorien, Amerikanische Beherbergungsbetriebe lassen sich grob in die Kate-


Ausstattung gorien »einfach/günstig«, »komfortabel« und »luxuriös« mit entspre-
und Preise chenden Zwischenstufen einteilen. Einfache Hotels und Motels sind
zweckmäßig, aber ohne großen Komfort eingerichtet. Guten Kom-
fort und guten Service bieten Häuser der Mittelklasse. Viele Häuser,
darunter auch die meisten B&B-Unterkünfte, können gehobene An-
Übernachten    ERLEBEN UND GENIESSEN 103

sprüche an Service und Ausstattung durchaus befriedigen. First-


Class- und Luxus-Hotels bzw. Resorts bieten ein Höchstmaß an Aus-
stattung, Komfort und Service. Selbst in sehr einfachen Unterkünften
sind Doppelbett, Dusche, Klimaanlage, Radio, Farbfernseher und
Telefon Standard. Zimmergröße und Ausstattung sind von der Un-
terkunftskategorie abhängig.

In den meisten Hotels und Motels ist im Gegensatz zu den B&Bs kein Frühstück
Frühstück im Zimmerpreis enthalten. Wenn ein »complementary
breakfast« angeboten wird, ist dies meist recht spartanisch. Opulent
hingegen ist das Frühstück in einer B&B-Unterkunft.

Es ist ratsam, Zimmerreservierungen besonders während der Haupt- Zimmer-


reisezeiten im Voraus telefonisch oder per E-Mail vorzunehmen. reservierung
Unterkunftsverzeichnisse (Accomodation Guides) sind bei den ört-
lichen Touristenbüros erhältlich und auch im Internet zu finden.

Der US-Jugendherbergsverband Hostelling International – Ameri- Jugendher-


can Youth Hostels (HI-AYH) ist dem Internationalen Jugendher- bergen
bergsverband angeschlossen und stattet seine Häuser nach dessen (Youth
Normen aus. Die Preise bewegen sich zwischen 15 und 40 $ pro Hostels)
Nacht.
Achtung! Auch unter den Jugendherbergen gibt es »schwarze Scha-
fe«, die in keiner Weise den HI-AYH-Normen entsprechen und die-
sem Verband auch nicht angehören. Die echten Jugendherbergen
erkennt man am dreieckigen HI-Logo mit dem üblichen Haus- und
Baum-Symbol.

In größeren Städten können junge Menschen in Herbergen der YMCA, YWCA


christlichen Verbände YMCA (Young Men's Christian Association)
und YWCA (Young Women's Christian Association) übernachten.

Während der Hochschulferien kann man recht preisgünstig in Stu- Studenten-


denten- und auch Dozentenwohnheimen logieren. Detaillierte Infor- wohnheime
mationen halten die Fremdenverkehrsstellen bzw. die Hochschulver- (dorms)
waltungen bereit.

Standard auf US-Campingplätzen ist eine Parzelle mit Stellplatz Camping


(Campsite), Tisch, Bank und Feuerstelle. Oft sind Lebensmittelmärk-
te, Snack Bars und Swimming Pools vorhanden. Die staatlichen
Campingplätze in National Parks und State Parks liegen oft sehr
schön, dafür müssen allerdings Abstriche bezüglich Ausstattung und
Komfort hingenommen werden. Vor allem in den Hauptferienzeiten
sowie an verlängerten Wochenenden ist eine rechtzeitige Buchung
von Stellplätzen angeraten. Wildes Kampieren ist in den Vereinigten
Staaten verboten.
104 ERLEBEN UND GENIESSEN    Übernachten

Nützliche Adressen

Preiskategorien Loews
AAAA über 250 $ Tel. *1 800 2 35 63 97
AAA 180 – 249 $ www.loewshotels.com
AA 100 – 179 $
A unter 100 $ Marriott
Für ein Doppelzimmer; zzgl. Tel. *1 888 2 36 24 27
Steuern (bis 15 % des Nettobe- www.marriott.com
trags), ggf. auch Hotel-, Park-
und Safegebühren Motel 6
Tel. *1 800 4 66 83 56
HOTEL- UND www.motel6.com
MOTELKETTEN
Best Western Quality Inn
Tel. *1 800 7 80 72 34 Tel. *1 877 4 24 64 23
www.bestwestern.com www.choicehotels.com

Choice Hotels Radisson


Tel. *1 877 4 24 64 23 Tel. 1 800 9 67 90 33
www.choicehotels.com www.radisson.com

Days Inn Ramada


Tel. *1 800 2 25 32 97 Tel. *1 800 8 54 95 17
www.daysinn.com www.ramada.com

Hilton Red Roof Inn


Tel. *1 800 4 45 86 67 Tel. *1 800 7 33 76 63
www.hilton.com www.redroof.com

Holiday Inn Sheraton


Tel. *1 800 4 65 43 29 Tel. *1 800 3 25 35 35
www.holidayinn.com www.starwoodhotels.com

Howard Johnson Sleep Inn


Tel. *1 800 2 21 58 01 Tel. *1 877 4 24 64 23
www.hojo.com www.choicehotels.com

Hyatt Super 8
Tel. *1 800 2 33 12 34 Tel. *1 888 2 88 50 81
www.hyatt.com www.super8.com

Inter-Continental Travelodge
Tel. *1 800 4 24 68 35 Tel. *1 800 5 25 40 55
www.ichotelsgroup.com www.travelodge.com
Übernachten    ERLEBEN UND GENIESSEN 105

Westin JUGENDUNTERKÜNFTE
Tel. *1 888 6 27 71 15 Hostelling International USA
www.starwoodhotels.com Tel. 1 240 6 50 21 00
www.hiusa.org
BED & BREAKFAST
American Historic Inns YMCA/YWCA
Tel. * 1 800 6 78 89 46 Tel. *1 888 4 77 96 22
www.iloveinns.com www.ymcainternational.org

New England Inns and CAMPING


Resorts Association Kampground of America
Tel. 1 603 9 64 66 89 (KOA)
www.newenglandinns Tel. *1 888 5 62 00 00
andresorts.com www.koakampgrounds.com
Die schönsten und gar nicht mal Diese Organisation verwaltet weit
teuersten Inns im Nordosten. über 400 Plätze in den USA.

Sehr gemütlich: die Stowe Mountain Lodge in Vermont


WISSEN Preiswert übernachten
Special-Titel

Tipps für Pfennigfuchser


Auch wenn man sich sonst auf nichts mehr verlassen zu können
glaubt, auf eines ist stets Verlass: Alles wird immer teurer!
Natürlich bleibt auch die Reisebranche davon nicht verschont.
Treibstoffkosten, Flughafengebühren, Hotel- und Service-
Steuern, Reiseversicherungen – von den Lebenshaltungskosten
am Zielort ganz zu schweigen. Das Reisen ist bis heute ein nicht
gerade billiges Vergnügen.

Die gute Nachricht voran: Es gibt botenen Preis zufriedengibt, wird


zahlreiche Möglichkeiten, seine in vier von fünf Fällen zumindest
Reisekasse zu schonen – besonders mit einem niedrigeren Zimmer-
in den nicht gerade als Billigreise- preis oder aber einem Upgrade be-
ziel bekannten Vereinigten Staa- lohnt.
ten von Amerika, wo der Kampf
um zahlende Kunden schon immer Cheapest Rate
mit ziemlich harten Bandagen aus- Kennen Sie sich aus im Reservie-
getragen wurde. Dabei werden rungs-Chinesisch? Verlassen Sie
leere Hotelbetten, halbleere Flug- sich nicht darauf, dass die als »cor-
zeuge und schwach besetzte Res- porate rates« ausgewiesenen Son-
taurants inzwischen nicht mehr so derkonditionen für Firmen die
vergleichsweise problemlos ver- niedrigsten Preise sind. Es lohnt
kraftet wie noch vor ein paar Jah- sich in den allermeisten Fällen,
ren. Vor allem in der amerikani- nach der »cheapest non-refundab-
schen Hotelbranche gilt deshalb le rate« zu fragen. Einige Hotelket-
der Satz: Lieber die Preise senken ten, so zum Beispiel Best Western,
und etwas kassieren als gar keine bieten auch »low rate programs«.
Kasse zu machen. Vom preisbe- Die genauen Bedingungen findet
wussten Touristen erfordert dies man auf den jeweiligen Home-
eine erhöhte Flexibiliät und vor al- pages der Unternehmen.
lem auch die Bereitschaft, Markt
und Internt nach Last-Minute- Sonderpreise
Deals zu durchforsten. Nach­ Vergessen Sie die gebührenfreien
stehend nun ein paar Tipps, wie 800-Reservierungsnummer, wenn
man sich als Reisender im Dschun- Sie auf der Suche nach Sonderprei-
gel der unterschiedlichsten Ver- sen sind. Rufen Sie stattdessen das
günstigungen der US-Tourismus­ Hotel direkt an und fragen Sie
industrie zurechtfindet. nach »discounts« und aktuellen
»package deals«!
Verhandeln lohnt sich
Verhandeln Sie – und zwar auch Gepostete Angebote
im Fünf-Sterne-Hotel! Untersu- Regelmäßig die Facebook- und
chungen haben Folgendes erge- Twitter-Seiten der Hotels, Hotel-
ben: Wer sich nicht mit dem ange- ketten und -vereinigungen zu stu-
107
107

Auch ein Zimmer mit Aussicht auf die Niagarafälle kann man des Öfteren
günstig bekommen, z. B. wie hier im Marriott Falls View Hotel.

dieren, kann ebenfalls sehr lohnen. Prospekte sind nicht nur schön
Dort werden nicht selten und zu- bunt, sondern enthalten nicht sel-
meist ziemlich kurzfristig sehr ten auch Coupons zum Ausschnei-
preisgünstige Sonderangebote ge- den. Diese Coupons ermöglichen
postet. beim Einschecken im jeweiligen
Motel, Hotel, Resort etc. einen
Deals und $-Zeichen Preisnachlass zwischen 10 und
Es lohnt sich, die offiziellen Touris- 25  Prozent – und manchmal auch
mus-Pages der einzelnen US-Bun- mehr.
desstaaten zu konsultieren. Unter
»Deals« oder ganz schlicht unter Internet-Coupons
dem $-Zeichen findet man in der Wer eine Rundreise durch den
Regel die aktuellen Preisnachlässe Nordosten der Vereinigten Staaten
von Hotels, Resorts und B&Bs gelis- von Amerika plant und nie länger
tet. als zwei oder drei Mal im selben
Hotel übernachten will, dem seien
Coupons schneiden die im Internet abrufbaren und
Besuchen Sie die offiziellen Besu- manchmal stark verbilligten Hotel-
cherzentren der einzelnen US-Bun- gutscheine empfohlen. Weitere
desstaaten bzw. der in Frage kom- und ausführliche Hinweise findet
menden Tourismusregionen! Die man unter folgender Adresse:
dort ausliegenden Broschüren und www.hotelcoupons.com
Kapitel-/
Urlaub aktiv
Regioneneinstieg
Urlaub aktiv    ERLEBEN UND GENIESSEN 109

Outdoor-Paradies
Als Outdoor-Destination scheint der Nordosten der USA im
Schatten anderer Landesteile zu stehen. Zu Unrecht: Hiking,
Trekking und Mountainbiking, Segeln, Rafting und Kanuwan-
dern geht zwischen Maine und Lancaster County ebenso gut
wie anderswo in den Vereinigten Staaten. Dabei teilen sich
die Neuenglandstaaten und Upstate New York den Löwenan-
teil an »Outdoor-Spielplätzen«.

Es gilt die Faustregel: Je näher die kanadische Grenze, desto wilder


und leerer das Terrain. Die schönsten Wildnisgebiete stehen als Sta-
te Parks und National Forests unter dem Schutz des Bundes und
dürfen nur unter Auflagen kommerziell genutzt werden. Wenige
Stunden von den Metropolen der Ostküste entfernt, erfreuen sie sich
im Sommer, Herbst und Winter großer Beliebtheit. Dennoch nötigen
einige von ihnen selbst eingefleischten Outdoor-Fans größten Res-
pekt ab. Die Hiking Trails beispielsweise durch die steilen White
Mountains gelten als die härtesten im Osten.
Was für Neuengland gilt, ist für New York State billig. Doch weil alle
Welt New York City im Süden ansteuert, ist der Rest dieses schönen
sowie überraschend bergigen und seenreichen Bundesstaates zumin-
dest in Europa kaum bekannt. Allein im Staat New York gibt es über
zwei Dutzend National Parks und Forests sowie fast 200 State Parks.
Hier bieten sich dem aktiven Besucher zahllose Freizeitmöglichkei-
ten an der frischen Luft. Bekannt für ihr Outdoor-Angebot sind vor
allem die Catskills etwa drei Autostunden nördlich von New York
City. Noch weiter nördlich erheben sich die rauen, an die White
Mountains erinnernden Adirondack Mountains mit mehreren Dut-
zend Gipfeln über der Baumgrenze. Das hübsche Städtchen Lake
Placid ist ihr Mittelpunkt. 1932 und 1980 fanden hier die Olympi-
schen Winterspiele statt.
Auch Pennsylvania kann diesbezüglich in einigen Regionen mithal-
ten. Mit dem Mittelgebirge der Allegheny Mountains und den
niedrigeren Poconos im Nordosten verfügt der Bundesstaat über
gleich zwei schöne Outdoor-Spielplätze für Naturfreunde und An-
hänger eines aktiven Lifestyle.

Die Küsten der Neuenglandstaaten, vor allem von Maine und um Segeln
Cape Cod, sind ein herrliches Segelrevier mit zahlreichen Marinas,
in denen man Boote mit oder ohne Crew für Segelausflüge mieten
kann. Nähere Informationen erhält man bei den Fremdenverkehrs-
Neuenglands Küste bzw. die zahllosen wunderschönen Buchten
bieten geradezu ideale Möglichkeiten für Segler.
110 ERLEBEN UND GENIESSEN    Urlaub aktiv

stellen. Wer einmal auf einem Windjammer mitfahren (und es sich


leisten) will, findet in der Gegend um das wunderschön gelegene
Hafenstädtchen Camden (Maine) einige Veranstalter bzw. Schiffseig-
ner, die mehrtägige Törns auf Großseglern anbieten.

Kanu und Für Kanu- und Kajakfahren bietet der Nordosten der USA beste Be-
Kajak dingungen. Die Fremdenverkehrsstellen der Bundesstaaten, der
Touristenorte sowie die Nationalverwaltungen informieren über die
Befahrbarkeit einzelner Gewässer und halten aktuelle Listen seriöser
Bootsverleiher bereit. Auf einigen Gewässern können auch Hausboo-
te angemietet werden. Schöne Kanu- und Kajaktouren (canoeing,
kayaking) ermöglichen die Küsten von Ontario- und Eriesee oder die
Adirondacks in New York und die Flüsse in allen Neuenglandstaaten;
eine fantastische Kajakstrecke, die Erfahrung voraussetzt, führt an
der felsigen Küste von Maine entlang. Auf solche Unternehmungen
sollte man sich jedoch gut vorbereiten. Es ist ratsam, dem Bootsver-
leiher oder der Nationalparkverwaltung die Route bzw. das Ziel mit-
zuteilen.

Rafting Rafting-Reviere findet man vor allem im Norden der Neuengland-


(Wildwasser- staaten, so am Saco River in New Hampshire und an den Dead Rivers
fahren) in Maine. Veranstalter bieten Touren mit unterschiedlichen Schwie-
rigkeitsgraden vom familienfreundlichen Paddelausflug (floating
trip) bis zur abenteuerlichen Wildwasserfahrt (whitewater trip) und
stellen in der Regel die gesamte Ausrüstung mitsamt Verpflegung.

Badeurlaub Wem kühlere Wassertemperaturen nichts ausmachen, der kann an


der Atlantikküste von Massachusetts (Cape Cod, Nantucket Island,
Martha‘s Vineyard), Rhode Island (u.  a. Block Island), New
Hampshire, Long Island bei New York City und an verschiedenen
Stellen der südlichen Küste von Maine, etwa um Bar Harbor, baden.
Viele Strände sind mit Parkplätzen, Duschen und Wachstationen
ausgestattet. Wer sich lieber im Süßwasser vergnügen will, findet sein
Glück an den Stränden von Ontario- und Eriesee, am Lake Champ-
lain oder am Lake Winnepesaukee. Nacktbaden ist in den prüden
USA verpönt. Wer von der Polizei erwischt wird, hat mit einer be-
achtlichen Geldstrafe zu rechnen.

Angeln Angeln ist eine der populärsten Freizeitbeschäftigungen der Ameri-


kaner – kein Wunder bei den vielen herrlichen Angelgründen, mit
denen auch die Staaten des Nordostens gesegnet sind. Die lokalen
Fremdenverkehrsämter halten z. T. sehr umfangreiche Broschüren
bereit; zudem wird jedes Geschäft für Anglerbedarf gerne behilflich
sein. In den Bundesstaaten des Nordostens muss, wer in Flüssen,
Bächen und Seen angeln will, eine Lizenz (meist gebührenpflichtig)
besitzen. Man erhält sie in Geschäften für Anglerbedarf.
Urlaub aktiv    ERLEBEN UND GENIESSEN 111

Hochseeangeln (big game fishing) ist von vielen Häfen am Atlantik


aus möglich. Dort können Boote mit Besatzung gechartert werden;
Angelgerät und Köder werden gestellt.

Die USA sind ein Mekka für Golfer. Viele Golfplätze sind öffentlich Golf
zugänglich. Darüber hinaus lassen viele Golfklubs auch Mitglieder
ausländischer Klubs auf ihren Plätzen spielen. Verschiedene Hotels
und Ferienanlagen, die über eigene Golfplätze verfügen oder ihren
Gästen Spielmöglichkeiten in einem der benachbarten Golf & Coun-
try Clubs vermitteln, bieten Pauschalarrangements an.

In den als schneereich gerühmten nördlichen Appalachen findet man Wintersport


einige tolle Skigebiete, die jedoch wegen ihrer Nähe zu den Groß-
städten stark überlaufen sind. Nicht selten werden dann die Zufahr-
ten bereits am Vormittag gesperrt. Besonders beliebt als Skigebiet
sind die Adirondack Mountains im Nordosten des Bundesstaats
New York. Ein Zentrum des dortigen Skibetriebs ist Lake Placid, wo
bereits zweimal – 1932 und 1980 – olympische Wettbewerbe ausge-
tragen worden sind. Auch in den Appalachen von Pennsylvania sind
Skigebiete ausgewiesen. In Vermont locken vor allem die Skigebiete
von Killington, Mount Snow, Stowe und Sugarbrush passionierte
Wintersportler an. In New Hampshire erstrecken sich die White
Mountains mit dem gut erschlossenen Mount Washington. Auch im
äußersten Nordosten der USA, in Maine, gibt es Wintersportreviere
wie z. B. Sugarloaf. Vor allem im Bereich von National und State
Parks bzw. Recreation Areas werden Loipen für den Skilanglauf ge-
spurt. Sehr beliebt, aber nicht unbedingt naturnah und schonend für
die Umwelt, sind Ausflüge mit dem Snow Mobil.

Ski Heil in den Adirondack Mountains bei Lake Placid


WISSEN Anspruchsvolle Bergtouren
Special-Titel

Wanderparadies der Neuen Welt


»Noch nie hatte ich solche Herbstfarben gesehen«, schwärmte
Carl Zuckmayer einstmals über die herrlich bunten Bergwälder
Vermonts. Vielen Amerikanern gelten Neuenglands Berge als
Mekka für Hiker und Bergsteiger bereiten sich hier auf ihre
Mount-Everest-Expedtionen vor.

In den National Parks, National Fo- Hardcore-Hiker schwören auf den


rests, State Parks und Recreational Baxter State Park mit seinem an-
Areas des Nordostens gibt es groß- spruchsvollen Wegenetz in den
artige und miteinander verbunde- Wäldern im Norden von Maine.
ne Wege- bzw. Trailsysteme. Über Der zwar kleine, aber feine Acadia
den Zustand der Wanderpfade, ak- National Park an der Küste von
tuelle Wettervorhersagen etc. Maine und die Berkshire Hills ge-
kann man sich online auf deren nannten südlichen Ausläufer der
Websites und auch vor Ort in den Green Mountains im Bundesstaat
Besucherzentren informieren. In Massachusetts sind ebenfalls be-
den Visitor Centers gibt es auch ak- liebte Wandergebiete.
tuelle Wanderkarten. Zudem bie-
ten in vielen Schutzgebieten ge- Appalachian Trail
schulte Park Ranger ihre Dienste Aus dem Hiking-Angebot im Nord-
an, so auch sachkundig geführte osten der USA ragen einige Trails
Wanderungen. besonders heraus. Wer einen Wan-
derweg unter die Stiefel nehmen
Anstrengend ist eine Bergtour möchte, der alles in allem über
auf dem Appalachian Trail. 3 500  Kilometer lang ist und sich
vom Springer Mountain im Bun-
desstaat Georgia bis hinauf zum
Mount Katahdin im Bundesstaat
Maine schlängelt, kann sich auf
ein- oder mehrtägigen Wanderun-
gen an einer beliebigen Etappe
des berühmten Appalachian Trail
versuchen. Seine schönsten und
steilsten Teilstrecken winden sich
durch die White Mountains in den
Bundesstaaten New Hampshire
und Maine. Dort »mäandert« er
unter und über der Baumgrenze
und erklimmt in der Presidential
Range die höchsten, spektakuläre
Ausblicke bietenden Gipfel im
Nordosten der Vereinigten Staa-
ten. Wetterwendisch und mit einer
113

Baumgrenze bei nur rund 1 200 m liche Berge wie z. B. den über
ü. d.M., gilt die bis knapp 2 000 m
    1 300  Meter hohen Mount Mans-
ü. d. M. reichende Presidential field bei Stowe.
Range als idealer Gebirgszug, um
seine Kondition und Ausrüstung Sonstige Wandergebiete
zu testen. Im Bundesstaat New York locken
Viele durchtrainierte »Bergfexe« Wanderfreunde vor allem die so-
arbeiten sich alljährlich im Som- genannten 4 000 footer: Allein die
mer am Mount Katahdin ab, dem Adirondack Mountains haben
am Ende des Appalachian Trail he- mehrere Dutzend Gipfel mit über
rausragenden Inselberg. Wegen 1 000 Metern Höhe. Baxter Moun-
seiner dramatischen und schwin- tain, Mount Marcy, Algonquin
delerregenden Wegstrecken wie Peak, Mount Golden sowie die
dem über den Gipfelfirst verlau- Whiteface Mountains sind nur eini-
fenden Knife Edge Trail ist der ge der beliebten, auf Trails aller
Mount Katahdin im waldreichen Schwierigkeitsgrade besteigbaren
und dünn besiedelten Nordostzip- Berge dieser Gegend. Die Stärke
fel des Landes das Mekka von Hi- der Adirondacks sind Tageswande-
kern aus ganz Nordamerika. rungen: Gut ausgezeichnet und oft
über die Baumgrenze zu fantasti-
Long Trail schen Fernblicken führend, bieten
Ein anderer legendärer Fernwan- Trails wie der Van Hoevenberg Trail
derweg ist der rund 430 Kilometer auf den Mount Marcy, der East
lange Long Trail in Vermont. Zwi- Side Trail auf den Saddleback
schen den Jahren 1910 und 1930 Mountain und der Roaring Brook
angelegt, begleitet er die längs Trail auf den Giant Mountain un-
durch den Bundesstaat verlaufen- vergessliche Wandererlebnisse.
den Green Mountains und er- Weitere gute Trails gibt es auch in
klimmt dabei nicht minder ansehn- den Allegheny Mountains.

Acadia National Park Appalachian Trail


Tel 1 207 2 88 33 38 New England Regional Office
www.nps.gov/acad Tel. 1 413 5 28 80 02
www.appalachiantrail.org
Baxter State Park
Tel 1 207 7 23 51 40 Long Trail
www.baxterstateparkauthority.com Tel. 1 802 2 44 70 37
www.greenmountainclub.org
Appalachian Mountain Club
(AMC) Adirondack Mountain
Tel. 1 617 5 23 06 55 Hiking
www.outdoors.org Tel. 1 518 8 91 37 45
http://adirondackmountain
4 000 footer hiking.com
www.amc4000footer.org
Touren

Acht Bundesstaaten auf 450 000 Quadratkilometern.


Berge und Täler, Wälder und Seen; Weltstädte und Weiler:
Der Nordosten legt den Touristen eine der vielfältigsten
Regionen der USA zu Füßen.
116 TOUREN    Tourenübersicht

Touren durch den Nordosten


der USA

Acht Bundesstaaten auf insgesamt rund 450 000 Quadratkilo-


metern: Herrliche Berge und wildromantische Täler, im India-
nersommer in allen Farben leuchtende Wälder und im Sonnen-
licht glitzernde Seen, einsame Weiler und heftig pulsierende
Weltstädte. Der Nordosten der Vereinigten Staaten von Ame-
rika legt dem Entdecker eine große Vielfalt von touristischen
Regionen und eine außerordentlich breite Palette von Erleb-
nissen zu Füßen.

Tour 1 Von New York City an der Küste entlang nach


Boston und durchs Hinterland zurück
Alles, was den Nordosten der Vereinigten Staaten aus-
macht, bietet diese Tour: wechselvolle Geschichte, High
Society, hübsche Stadtbilder, schöne Landschaften und
tolle Strände.
““Seite 122

Tour 2 Von Boston durch die Bundesstaaten Maine und


New Hampshire
Nach ein paar grundlegenden Kapiteln der US-Ge-
schichte wird es hier ziemlich wild und ungestüm – an
der Küste des Bundesstaates Maine ebenso wie in den
im Hinterland aufragenden White Mountains.
““Seite 124

Tour 3 Von Montréal durch Vermont, New Hampshire


und New York
Die ostkanadische Metropole Montréal bietet sich als
Ausgangspunkt für eine Fahrt an – besonders dann,
wenn man die Naturschönheiten im Norden der Region
rasch erreichen will.
““Seite 126

Tour 4 Von New York City durch die Bundesstaaten


New York und Pennsylvania
Touristischer Trubel in New York City, an den Niagara-
fällen und in Philadelphia, viel Ruhe dagegen an den
Finger Lakes und bei den Amish im Pennsylvania Dutch
Country.
““Seite 128
Tourenübersicht    TOUREN 117

Tour 5 Der Unabhängigkeitskrieg im Nordosten: von


Boston nach Philadelphia
Boston war Brutstätte revolutionären Gedankenguts, in
Philadelphia mündete die Unzufriedenheit mit der Kro-
ne in die Unabhängigkeitserklärung. Hier wurde erbit-
tert um die Zukunft des Kontinents gekämpft.
““Seite 130
118 TOUREN    Unterwegs im Nordosten

Unterwegs im
Nordosten der USA

USA, Land der Highways und Interstates, Autofahrerland.


Kaum ein Ziel, das nicht mit dem Auto erreichbar wäre. Doch
während die Roadtrip-Klischees von vieltägigen Reisen auf
legendären Traumstraßen vor allem im Westen angesiedelt
sind, ist der eher kleinräumige Nordosten nichts für Kilome-
terfresser. Hier laden kurvenreiche Landstraßen zur Entde-
ckung der Langsamkeit ein.

Europäisch Das hat, je nach individueller Vorliebe, Vor- und Nachteile. Diejeni-
bescheidene gen, die davon träumen, einmal auf einer Straße in den Sonnenun-
Entfernungen tergang zu fahren, werden eher im Westen auf ihre Kosten kommen.
Diejenigen hingegen, denen lange Autofahrten ein Graus sind, dür-
fen aufatmen: Sie werden nie länger als wenige Stunden am Stück am
Steuer verbringen. Die Entfernungen sind europäisch bescheiden.
Schon die Geografie lässt nur wenige jener vielspurigen Interstates
zu, auf denen man in den USA sonst schnell und bequem unterwegs
ist. Vor allem Neuengland, aber auch Upstate New York, zwingen
dazu, den Fuß vom Gas zu nehmen. Die von Norden nach Süden
verlaufenden Appalachen mit ihren engen Tälern sind für den Ver-
kehr veritable Blockaden und wer die wenigen Interstates verlässt,
sollte sich auf kurvenreiche Landpartien gefasst machen, wo es kaum
über 50 mi/80 km in der Stunde hinausgeht. In Pennsylvania kommt
dazu, dass das Straßennetz oft noch aus der Postkutschenzeit stammt:
Während die Straßen im Rest des Landes an den Peripherien der
Städte verlegt wurden, führen Pennsylvanias Überlandstrecken oft
noch mitten durch sie hindurch. Staus auf historischen Main Streets
gehören daher zu jeder Pennsylvania-Tour. Auch wenn all dies den
gängigen Erwartungen an einen Amerika-Urlaub widerspricht: Der
Besucher entdeckt so – mitunter zwangsläufig – das leisere Amerika
abseits der großen, aber letztlich langweiligen Interstates.

Mit dem Im bereits daheim gebuchten Mietwagen bleibt man flexibel und un-
Auto abhängig und gelangt auch in National und State Parks. Außerhalb
Bostons, New Yorks und Philadelphias ist das Navigieren denkbar
einfach, auf dem Autofahrer-Kontinent sind die Straßen gemeinhin
in gutem Zustand und alle Destinationen allgemein verständlich aus-
geschildert. Vor dem Besuch der drei größten Ballungsräume sollte
man jedoch die Karten studieren und sich eine Route zurechtlegen.
Vor allem auf den nach Boston und New York City führenden Inter-
states und Highways sind die Ausfahrten so dicht gesät, dass eine
Unterwegs im Nordosten der USA    TOUREN 119

falsche Abfahrt leicht der Beginn einer unerquicklichen Odyssee


durch Industriegebiete sein kann.

Die eigenen vier Wände auf Rädern stehen von jeher für die große Mit dem
Freiheit, besonders, wenn man in den USA unterwegs ist. In Zeiten Wohnmobil
hoher Benzinpreise sollte man sich jedoch ernsthaft fragen, ob man
einem solchen durstigen Camper den Zuschlag gibt. Hinzu kommen
die oft engen Straßen, vor allem in den White Mountains, in den Adi-
rondacks und in den Alleghenies. Auch wildes Campen ist im Nord-
osten nicht ohne Weiteres möglich, sodass man auf kostenpflichtige
Campingplätze angewiesen bleibt.

Bei Rundreisen bis Mitte Juni (z. B. ab Boston oder New York) sollte Tourenpla-
man einen Besuch der Atlantikküste vorziehen, denn nördlich von nung mit
Cape Cod gibt es dann nur wenige Nebeltage, und erst später in das dem Wetter
noch relativ kühle Bergland fahren. Nach Mitte Juni verfährt man
genau andersherum: zunächst in die Berge oder an die Großen Seen,
dann an die Küste. Hitzeperioden lassen sich auch gut auf den deut-
lich kühleren Inseln vor der Küste überstehen.

Beschaulich: die als Schauplatz olympischer Winterspiele


bekannt gewordene Gegend um den idyllischen Lake Placid
WISSEN Indianersommer
Special-Titel
121
121

©
122 TOUREN    Tour 1

Tour 1 Von New York City nach Boston


und zurück
Start und Ziel: New York City
Länge: 620 mi/990 km

Die eleganten Treffpunkte des alten und neuen Geldes, die


verschachtelten Walfängerstädtchen, faule Tage an tollen
Stränden und liebliche Landschaften im Hinterland: Diese Tour
legt Ihnen die Schokoladenseite des Nordostens zu Füßen.
Und jede Menge Geschichte. Denn hier wird der Gründungs-
mythos der USA aufgeführt.

In Auf dem Interstate I-95, dem »New England Thruway«, lässt man
Connecticut eMM New York City problemlos und schnell hinter sich. Im Bundes-
staat Connecticut befindet man sich zwar immer noch im urbanen
Siedlungsbrei des »Big Apple«, doch nun wechselt man auf den US-1.
Falls Interesse am ersten Super-Zirkus der Welt besteht, lohnt sich
ein Aufenthalt in rBridgeport, um dort das Amerikas größtem
Zirkus-Mann P. T. Barnum gewidmete Museum zu besuchen. Obli-
gatorisch hingegen ist die nächste Station. Links vom Highway und
mitten in tM New Haven liegt der Campus der altehrwürdigen
Yale University, einer der traditionsreichen Elite-Universitäten der
USA. Eine halbe Autostunde weiter östlich mündet der »Rhine of
America«, der Connecticut River, breit und langsam in den Long
Island Sound. Stromaufwärts, im dicht bewaldeten Connecticut Ri-
ver Valley, verstecken sich einige der ältesten Dörfer des Landes.
Wenn man nicht das gesamte Tal aufwärts fahren will, sollte man sich
zumindest das malerische Essex und das verträumte Old Saybrook
ansehen, zwei verträumte Städtchen aus den Kindertagen Neueng-
lands. Zurück am Atlantik setzt man die Reise über New London mit
seinen Kunstgalerien und der Marinebasis Groton nach uMM Mystic
fort. Der Museumshafen Mystic Seaport gilt als die Attraktion des
Bundesstaats schlechthin. Wenig später fährt man bereits nach »Litt-
le Rhody« hinein. Falls man rasch nach Massachusetts will, durch-
quert man das winzige Rhode Island auf der I-95 in Richtung Bos-
ton. Allerdings verpasst man dann auch eine Menge, so zum Beispiel
einen Abstecher in die Welt der Reichen und Schönen in iMM New-
port, der »Party-Town« der College Kids Neuenglands und Yachtha-
fen der New Yorker Society, die sich hier schon vor mehr als einhun-
dert Jahren märchenhafte Schlösser errichtete. Zudem lockt das
wohlhabende »Little Rhody« auch mit Badeurlaub: Die Strände der
tief in den Bundesstaat reichenden Narragansett Bay sind lang,
breit und gelb. Was will man mehr?
Tour 1    TOUREN 123

Dann kommt Massachusetts. Ab der Hafenstadt Fall River folgt man In Massa-
dem stark befahrenen US-6 entlang der Küste bis oM New Bedford. chusetts
Die Hafen- und Arbeiterstadt war einst der wichtigste Walfänger­
hafen der Welt und inspirierte den Schriftsteller Herman Melville zu
seinem berühmten Walfänger-Klassiker »Moby Dick« . Die aufregen-
de Geschichte der Stadt erzählt das höchst imposante New Bedford
Whaling Museum. Zu viel Historie, zu wenig Urlaub? Kein Problem,
die kleinräumige Geographie im Nordosten ermöglicht schnelle
Wechsel. Die hakenförmig in den Atlantik ragende, vor allem aus
Wald und Sand bestehende Halbinsel pMM Cape Cod ist als das »Sylt
der Ostküste« berühmt für ihre Strände und Freizeitmöglichkeiten.
Und wer schon einmal hier ist: Die Ferieninseln Martha‘s Vineyard
und Nantucket zu besuchen ist fast schon obligatorisch ...
Mit frischen Kräften – aber im Grunde sind auch die nächsten Ziele
nicht wirklich anstrengend – erreichen Sie nun den vielleicht ge-
schichtsträchtigsten Abschnitt Ihrer Reise. Wie die ersten Siedler, die
berühmten Pilgerväter, sich in der Neuen Welt einrichteten, erfahren
Sie in dem detailgetreu nachgebauten und palisadenbewehren Mu-
seumsdorf Plimoth Plantation unweit des heutigen aMM Plymouth.
Und dann sMM Boston! Fast jeder Pflasterstein, jedes Gemäuer, jeder
124 TOUREN    Tour 2

Platz kündet von den Anfängen der USA und den wichtigsten Etap-
pen auf dem Weg zur heutigen Supermacht. Wer noch tiefer in die
amerikanische Geschichte – in ihrer grausigeren Version – eindrin-
gen will, kann einen Ausflug durch Bostons Vorstädte nach dM Sa-
lem machen, eine halbe Autostunde nördlich von Boston. Als altes
Zentrum des China-Handels hat diese schöne Stadt jedoch mehr zu
bieten als den von vielen amerikanischen Autoren literarisch ver-
ewigten Hexenwahn im 17. Jahrhundert! Spannende Geschichte(n)
erfährt man auch in fM Lexington und Concord, den eine halbe
Autostunde westlich von Boston in dichtem Wald versteckten Städt-
chen. Dann aber übernimmt endgültig das ländliche Massachusetts,
das nun rechts und links der US-2 Richtung Westen vorbeigleitet. Ab
Millers Falls folgt die Straße dem alten Mohawk Trail, der sich kur-
venreich in die lieblichen gMM Berkshire Hills schraubt, bis nach
dem von der Industrieansiedlung zur Künstlerkolonie mutierten
North Adams. Mehr von dieser idyllischen Berglandschaft erschließt
Ihnen die US-7, auf der Sie von Norden nach Süden typische Neu-
englandstädtchen wie Williamstown, Pittsfield mit der Hancock Sha-
ker Village, Stockbridge und Great Barrington streifen.

Zum Ab- Im grünen Connecticut werden die Berkshire Hills vom engeren,
schluss New aber kaum weniger fotogenen Housatonic Valley abgelöst. Bei Dan-
York City bury verlässt man die langsame US-7 und nimmt den I-84/684, über
den man zügig nach eMM New York City zurückkommt. Alternativ
zur Rückfahrt durch die Berkshire Hills kann man auch über Wil-
liamstown hinaus auf dem US-2 bleiben und weiter in die Hauptstadt
des Bundesstaates New York, Albany, fahren. Von dort aus folgt man
dem US-9 durch das landschaftlich reizvolle :MM Hudson Valley am
Hudson River entlang zurück nach eMM New York City.

Tour 2 Von Boston durch Maine und


New Hampshire
Start und Ziel: Boston
Länge: 640 mi/1 025 km

Amerikanische Geschichte und wahrhafte Wildnis, Neueng-


land könnte nicht vielfältiger sein! Diese abwechslungsreiche
Route führt an der zerlappten Küste von Maine entlang bis
fast hinauf nach Kanada und dann durch die schroffen, bis
weit in den Sommer schneebedeckten White Mountains von
New Hampshire. Neuengland vom Feinsten: kultiviert, rau
und bestürzend schön!
Tour 2    TOUREN 125

Man startet in eMM Boston und folgt der alten Küstenstraße US-1A In Massa-
(später MA-129) Richtung Nordost. Erster Halt ist rM Salem, die chusetts
deutschen Gymnasiasten aus dem Englischunterricht (»The Crucib-
le« von Arthur Miller) bekannte Stadt der Hexenprozesse von 1692.
Nach Besichtigung der »hexigen« Sehenswürdigkeiten und des her-
vorragenden, dem China-Handel gewidmeten Peabody Essex Muse-
um kann man sich an den Stränden von tM Cape Ann entspannen.
Durch New
Bei Newburyport gelangt man auf den landeinwärts verlaufenden Hampshire
US-1 und erreicht New Hampshire. Dieser Bundesstaat findet eigent- nach Maine
126 TOUREN    Tour 3

lich im Landesinnern statt und verfügt nur über wenige, zudem noch
arg verbaute Küstenkilometer. Die große Ausnahme bildet das ver-
winkelte uM Portsmouth: In der Altstadt steigt man aus und schlen-
dert durch Daniel, State und Court Street. Maine beginnt gleich jen-
seits der Stadtgrenze. Kennebunkport, als Ferienresidenz der
Präsidentenfamilie Bush bekannt, ist das berühmteste der schönen
Resort-Städtchen der Südküste Maines. Hinter iM Portland, der
größten – und für viele schönsten –Stadt des Bundesstaates, zweigt
der US-1 nach Osten ab und begleitet die herb-schöne Schärenküste.
Hier wird man zum Entdecker und folgt den immer wieder zum
Wasser abzweigenden, zu den schönsten Orten und Plätzen führen-
den Stichstraßen: in die Schiffsbauerstadt Bath zum Beispiel, nach
dem wunderbaren Popham Beach, nach dem einzigartig gelegenen
Yacht- und Fischerhafen oMM Camden oder aber auf die romanti-
sche Halbinsel Blue Hill Peninsula. Der landschaftliche Höhepunkt
und zugleich Wendepunkt dieser Rundfahrt ist der fotogene pMM A-
cadia National Park, der einzige Nationalpark Neuenglands.

Durch Maine Der Weg zu den nächsten Natur-Highlights führt über den US-1 in
wieder nach die Stephen-King-Stadt Bangor. Dort wechselt man auf den I-95/495,
New auf dem man zunächst Augusta, die Hauptstadt von Maine, streift
Hampshire und später von Auburn aus auf der ME-26 landeinwärts in Richtung
der allmählich aufragenden sMMWhite Mountains reist. Im schläf-
rigen aBethel, das heute als Basis für erlebnisreiche Trips in die
Bergwelt geschätzt wird, erhält man einen ersten Eindruck von die-
sen steil aufragenden Giganten mit den nackten Felsenkuppen.
Gleich ein paar Tage lassen sich hier und im benachbarten New
Hampshire, wo sich der größere Teil der White Mountains erstreckt,
verbringen. Danach reist man auf der NH-16 nach Süden zum insel-
übersäten dM Lake Winnipesaukee. Auf dieser Straße erreicht man
bald wieder uM Portsmouth an der Küste. Noch am gleichen Abend
kann man zurück in eMM Boston sein.

Tour 3 Von Montréal durch Vermont,


New Hampshire und New York
Start und Ziel: Montréal
Länge: 940 mi/1 500 km

Achtung Naturfreunde! Entfernungen sind hier kein Thema:


Die ostkanadische Metropole Montréal ist der ideale Aus-
gangspunkt für die Erkundung der Naturschönheiten im Nor-
den des Nordostens.
Tour 3    TOUREN 127

Auf zu großartigen Naturschauspielen! Von e Montréal aus nimmt In Vermont


man zunächst die Autoroutes 10 und 55 bis zur amerikanischen Gren- und New
ze. Bei Stanstead (Québec) reist man in die USA ein. Die raue und Hampshire
dünn besiedelte Landschaft des rM Northeast Kingdom liegt vor
dem Reisenden. Via US-5 streift man den ins Hügelland eingebetteten
Lake Willoughby. Vom altmodisch wirkenden Hauptort St. Johnsbury
gelangt man via I-93 schnell nach Littleton. Von dort geht es auf der
US-302 zu den tMMWhite Mountains. Die NH-302 führt ins Herz
der »Whites«, den Crawford Notch State Park, zum historischen,
zu Füßen des Mt. Washington wie ein Ozeandampfer ankernden
Mt. Washington Hotel und zum Verkehrsknotenpunkt North Con-
way. Von hier lohnt ein Abstecher auf der NH-16 Richtung Gorham.
Kurz hinter North Conway klettert die Straße in engen Serpentinen
bergan. Auf halber Strecke erreicht die atemberaubende Mt. Wa-
shington Autoroute den höchsten Berg im Nordosten der USA.
Weiter südlich, in Conway, setzt man die Reise auf dem aussichtsrei-
chen Kancamagus Highway (NH-112) nach Westen fort. In Lincoln
kreuzt man den I-93. Nicht entgehenlassen sollte man sich den weiter
128 TOUREN    Tour 4

nördlich gelegenen Franconia Notch State Park. So eng wie sonst


selten in den »Whites« stehen hier die Berge beieinander. Danach
setzt man seine Reise auf dem US-302 ins lieblichere Vermont fort.
Das kantige Barre mit seinen Marmorbrüchen und natürlich das feine
uMMontpelier, die kleinste Hauptstadt eines US-Bundesstaates,
sind die nächsten Ziele. In Montpelier lässt sich ein wenig Lifestyle
tanken, denn hier gibt es die meisten Coffeeshops und Bistros der Ge-
gend! So gestärkt reist man auf dem US-7 weiter an die »Westcoast«
von Neuengland: So nennen überzeugte Yankees das Ufer des langge-
streckten Lake Champlain an der Grenze zum Bundesstaat New
York. Hier liegt auch die Uni-Stadt iM Burlington. Sie ist auch die
größte Stadt von Vermont. Danach wartet Vermont pur auf den Rei-
senden. Der Landstrich, den man auf der US-7 von Burlington aus in
südlicher Richtung durchquert, präsentiert Städtchen und Dörfer wie
aus dem Bilderbuch – vor allem bei einem Abstecher durch die Midd-
lebury Gaps. In Bennington endet diese Straße, dort biegt man Rich-
tung Albany im Nachbarstaat New York ab.

In New York Wo und wie die Ostküstenelite seit mehr als hundert Jahren kurt und
sich die Zeit mit Pferderennen vertreibt, erfährt man im altmodisch-
mondänen oM Saratoga Springs nördlich der überraschend ge-
sichtslosen Hauptstadt Albany. Mutter Natur folgt auf dem Fuße:
Der US-9 und später die NY-73 führen über Glens Falls und am
schönen Lake George vorbei nach Lake Placid, das bereits zweimal
die Olympischen Winterspiele ausgerichtet hat und Hauptferienort
der pMM Adirondacks ist. Vorbei an Seen, Bergen und durch endlo-
se Wälder geht es dann nach Watertown am Südufer des Lake Onta-
rio. Watertown ist das Tor zu den aMThousand Islands, einer mär-
chenhaften Inselwelt im St.-Lorenz-Strom. Die Rückfahrt folgt dem
Strom auf US-Seite, bis man bei Cornwall wieder die Grenze über-
quert und auf kanadischer Seite zurück nach eMontréal kommt.

Tour 4 Von New York City durch New


York und Pennsylvania
Start und Ziel: New York City
Länge: 1 065 mi/1 700 km

So viele Gesichter hat der Nordosten! Mögen Sie Trubel und


Action? Dann sind New York City, Philadelphia und die Niaga-
rafälle für Sie! Oder haben Sie es lieber etwas beschaulicher?
Können Sie haben: bei den Amischen in Lancaster County und
im Gebiet der idyllischen Finger Lakes.
Tour 4    TOUREN 129

Man verlässt eMM New York City via Yonkers und fährt im grünen In New York
rMM Hudson Valley auf dem US-9 bis nach Albany. Nach einer kur-
zen Stippvisite in der Hauptstadt des Bundesstaates New York wen-
dent man sich nach Westen. Auf dem Boden des Mohawk Valley
reist man auf dem NY-5 durch Utica nach Syracuse, das als Tor zu
den tMM Finger Lakes gilt. Diese herrlich romantische Seenland-
schaft ist ein Erholungsraum »par excellence« – Lifestyle und über
100 Weingüter, deren Chardonnays, Pinot Noirs und Vidal Blancs
schon viele renommierte Preise gewonnen haben. Auf diesen land-
schaftlichen wie kulinarischen Genuss folgen weitere Höhepunkte.
Via Rochester erreicht man das Südufer des Lake Ontario, an dem
es immer wieder schöne Badeplätze gibt. Schließlich erreicht man
uMM Niagara Falls. Das Städtchen an der Grenze zu Kanada besitzt
mit den Niagarafällen vor der Haustür eine der meistbesuchten Tou-
rismusattraktionen der Welt. Der Verkehr ist dementsprechend, den-
noch sollte man dieses Naturschauspiel gesehen haben.

Man verschwende nicht zuviel Zeit in Buffalo und Erie, den nächs- In
ten beiden Städten entlang dieser Route. Besondere Aufmerksamkeit Pennsylvania
130 TOUREN    Tour 5

verdient das faszinierende iMM Pittsburgh. Die einstige Stahlhoch-


burg des Landes hat einen bemerkenswandel Wandel zur Kunst- und
Kulturmetropole vollzogen und ist heute mit erstklassigen Museen
wie dem Andy Warhol Museum eine weltweit anerkannte Kunstdes-
tination. Wer sich für alte Eisenbahnen begeistern kann, sollte von
hier aus via US-22 nach Osten durch die oM Southern Alleghenies
fahren, um sich die Horseshoe Curve anzuschauen. Schneller nach
pM Harrisburg geht es auf dem »Pennsylvania Turnpike« (I-70/76).
Schon bald hinter der Hauptstadt Pennsylvanias beginnen die Uhren
langsamer zu ticken, denn jetzt erreicht man das aMM Pennsylvania
Dutch Country mit seinem Hauptort Lancaster. Hier nimmt man
sich am besten zwei oder gar drei Tage Zeit und fährt vor allem vor-
sichtig: Auf den Landstraßen sind die Amish mit ihren Pferdefuhr-
werken unterwegs! Von Lancaster aus ist es dann nicht mehr weit bis
nach sMM Philadelphia, das man am besten via US-30 erreicht. Nach
zwei, drei Tagen in der »Wiege der Nation« tritt man den Rückweg
nach eMM New York City an.

Tour 5 Der Unabhängigkeitskrieg im


Nordosten: Von Boston nach
Philadelphia
Start und Ziel: Boston
Länge: 620 mi/998 km

Boston war die »Brutstätte« revolutionären Gedankenguts, in


Philadelphia mündete die brodelnde Unzufriedenheit mit der
Krone in die Unabhängigkeitserklärung. Bis sich der Krieg in
den Süden verlagerte, wurde in dieser Region erbittert um die
Zukunft des Kontinents gefochten.

Boston und Philadelphia verbindet jeder Amerikaner mit dem Un-


abhängigkeitskrieg (1775–1783). Dazwischen liegen gut 500 Kilome-
ter, auf denen Briten und Amerikaner während der ersten Phase des
Krieges so viele Schlachten und Scharmützel austrugen, dass die
nachstehend beschriebene Tour zu den wohl spannendsten Kapiteln
aus den Kindertagen der Supermacht führt. Der erste Schuss, die
blutigste Belagerung, geschickte Umgehungsmanöver und gemeine
Hinterhalte, aber auch schlimme Niederlagen der Amerikaner, die
den Krieg mehr als einmal fast zugunsten der Briten entschieden
hätten: Diese Tour vermittelt einen lebendigen Eindruck von den
dramatischen Ereignissen jener Zeit.
Tour 5    TOUREN 131

Man beginnt in eMM Boston und schaut sich dort die Stätten des
vorrevolutionären, von königlichen Knebelsteuern geplagten Ame-
rika an. Dann verlässt man die Stadt auf dem vierspurigen I-93 Rich-
tung Norden nach rLexington. Dort fiel am 17. April 1775 auf dem
Village Green der berühmte erste Schuss des »american revolutiona-
ry war«, hier gab es die ersten Opfer dieses acht Jahre währenden
Waffengangs. Anschließend folgt man den amerikanischen »minute-
132 TOUREN    Tour 5

men« und ihren Widersachern, den königlichen Rotröcken, auf der


alten Lexington Road (Rte. 2A) durch dicht bewaldetes Hügelland
nach tConcord. Dort wurden die Soldaten von den amerikani-
schen Milizen im ersten richtigen Gefecht des Krieges zurückgewor-
fen und erlitten auf dem Rückzug nach Boston weitere schwere Ver-
luste. Nach der Schlacht von Bunker Hill am 17. Juni 1775 und der
fortwährenden Belagerung Bostons durch General Washington bis
zum 17. März 1776 verlagerte sich der Krieg von Neuengland in den
Süden. Die Kanonen und weiteres schweres Material für die Belage-
rung stammten übrigens aus dem Überfall der »Green Mountain
Boys« unter Ethan Allen auf das britische uFort Ticonderoga am
Lake Champlain. Von Concord aus erreicht man Fort Ticonderoga
auf den Straßen MA-2 und -140. Letztere geht in New Hampshire in
die Straßen NH-12, -133, - 103, -7 und - 4 über. Diese überqueren die
Green Mountains und hinter Fair Haven die Grenze nach Vermont.
Von hier aus geht es via US-7 und US-4 nach dem bereits im Nach-
barstaat gelegenen Fort am Westufer des Lake Champlain.
Zurück geht es per Fähre ans Westufer des Lake Champlain. Nun
folgt man der NY-22 durch die landschaftlich reizvollen Adirondacks
im Staate New York nach iBennington (VT), das zwischen die
Green Mountains und die Taconic Range eingebettet ist. Hier erin-
nert das monumentale Bennington Battle Monument (“ S. 494) an
eine besonders brutal geführte Schlacht zwischen amerikanischen
Milizen und aus englischen Soldaten und hessischen Söldnern beste-
henden königlichen Truppen am 16. August 1777. Der Sieg der Ame-
rikaner führte zum massenhaften Absprung der indianischen Ver-
bündeten der Briten und stärkte die nach mehrere Niederlagen
lädierte Kampfmoral der Kolonisten. 71 km nordwestlich von Ben-
nington mussten die Engländer schließlich im Herbst dieses Jahres
zwei weitere Niederlagen hinnehmen, die als Wendepunkte dieses
Krieges gelten.
Von Bennington aus fährt man quer durch die Adirondacks, und
zwar auf den kurvenreichen Straßen NY-7, -22, -67, -22 und -29.
Nächstes Ziel ist der feine Kurort oSaratoga Springs (“ S. 382).
Dort erinnert der Saratoga National Historic Park an die beiden
Schlachten im Herbst 1777. Mit den Siegen über die Rotröcke drehte
sich nicht nur das Kriegsglück zugunsten der Amerikaner. Wenig
später trat auch Frankreich auf Seiten der Kolonisten in das Kriegs-
geschehen ein.
Während der Kriegsausgang oft genug auf Messers Schneide stand,
unterzeichneten die Väter der Verfassung bereits am 4. Juli 1776 im
400 km weiter südlich gelegenen aMM Philadelphia die Unabhän-
gigkeitserklärung. Bevor man auf den I-87 und -78 in die Stadt »der
brüderlichen Liebe« einrollt und dort die »Independence«-Stätten
abhakt, sollte man auf der Höhe von Trenton auf die PA-29 nach
pNew Hope abbiegen. Kurz vor dem Städtchen lohnt der Wa-
Die US-amerikanische Unabhängigkeitserklärung wurde
am 4. Juli 1776 in Philadelphia unterzeichnet.

shington Crossing State Park einen Besuch. Dort gab General Wa-
shington der Sache der Kolonisten den gerade wieder einmal drin-
gend benötigten Moralschub, als er in der Nacht zum 26. Dezember
1776 unbemerkt an der Spitze seiner Truppen den Delaware River
überquerte und so den Gegner in Trenton überraschte.
Reiseziele von
A bis Z
Acht Bundesstaaten stellen sich vor: Von der Stadt der Städte New
York City ins Idyll des Pennsylvania Dutch Country, von den
grünen Hügeln Vermonts zur rauen Küste von Maine.
Connecticut
Connecticut     ZIELE 137
137

CONNECTICUT
Fläche: 12 550 km²
Einwohner: 3,6 Mio:
Hauptstadt: Hartford
Beiname: The Constitution State

Der drittkleinste und mit am dichtes-


ten besiedelte Bundesstaat der USA
hat erstaunlich viele Facetten. Wäh-
rend er für Pendler nach dem nahen
New York City nur ein großer Schlafraum ist, schätzen ihn an-
dere als Juwel, das ländliche Idylle und historische Städte auf
engstem Raum verbindet.

Hier gesichtslose Suburbs im Sog des »Big Apple«, dort verschlafene Schlafstadt
Neuengland-Idylle mit Kirche, Green und einer blühenden Kunst- mit
szene: Weil bereits im 19. Jh. das schrumpfende Farmland weniger in Vorgarten
Industrieparks als in Naturschutzgebiete verwandelt wurde, erfreut
sich Connecticut heute eines besonders hohen, Arbeit und Freizeit
gekonnt verbindenden Lebensstandards. Selbst die quirlige Haupt-
stadt Hartford liegt keine halbe Autostunde von grünen Weiden mit
glücklichen Holsteiner Kühen entfernt. Als Rechteck mit Kantenlän-
gen von 88 bzw. 144 km Länge wird Connecticut von den Ausläufern
der nördlichen Appalachen geprägt, die hier fast bis an den Atlantik
heranreichen. Die Küstenlinie ist durch viele fjordartige Buchten ge-
gliedert, in die relativ kurze, aber wasserreiche Flüsse münden.
Der Staat trägt den Namen des Flusses, der ihn von Nord nach Süd
halbiert und der bis Hartford schiffbar ist: »Quinnehktuhqut«
stammt aus einer Algonquinsprache und bedeutet »am Ufer des gro-
ßen Flusses, der sich hebt und senkt«. Am stärksten urbanisiert ist
der Küstenabschnitt westlich des Connecticut River; östlich davon
blieb die Küste meist von Städteplanern verschont, hier liegen schöne
Strände und makellos ­gepflegte, touristisch interessante Städtchen.
Landeinwärts sind der Housa­tonic River, das Connecticut River Val-
ley und die Litchfield Hills weitere Anziehungspunkte.

1638 schlossen sich die seit 1623 am Connecticut River gegründeten Geschichte
Siedlungen zur Hartford Colony zusammen und nahmen die »Fun-
damental Orders of Connecticut« an, die erste geschriebene Ver-
fassung der Neuen Welt. Patriotisch blieben die Einwohner Con-
necticuts auch danach. 1687 versteckten sie ihre Verfassung vor den
königlichen Beamten in einer Eiche und im Unabhängigkeitskrieg

Die Stadtgarde von Hartford in historischen Uniformen


138 ZIELE    Connecticut

Highlights in Connecticut
▶▶ Mystic ▶▶ Submarine Force Museum
Die ruhmreiche Seefahrer- Hauptattraktion dieses Museums ist
Vergangenheit Neuenglands im das erste Atom-U-Boot der Welt.
beschaulichen Küstenstädtchen ent- ““Seite 160
decken
““Seite 153 ▶▶ Mashantucket Pequot
Museum
▶▶ Museen in Yale Eines der besten Museen zur Kultur
Die Schätze der Elite-Uni der amerikanischen Ureinwohner im
““Seite 156 Nordosten
““Seite 161

stellten sie mit über 30 000 Mann die Hälfte der Rebellenarmee Geor-
ge Washingtons. Zu Beginn des 19. Jh.s lieferten sie beste Kostproben
der berühmten »Yankee Ingenuity«, des Erfindergeists: So entwickel-
ten sie das erste Dampfschiff der Welt, das erste Fließband, den Colt-
Revolver, die Baumwollentkörnungsmaschine und das Winchester-
Gewehr. Dem Staat brachte die rastlose Suche nach neuen Produkten
und geeigneten Absatzmärkten bald den zweitenBeinamen »Gadget
State« ein (»der Staat, der den Dreh raus hat«). Von der durch die
Depression in den 1930ern ausgelösten Wirtschaftskrise erholte sich
der von der verarbeitenden Industrie abhängige Staat erst 20 Jahre
später. Die seit den 1990ern stattfindende Sanierung der Innenstädte
gilt landesweit als vorbildlich. Die Finanzkrise 2008–12 und das Mas-
saker an der Schule von Sandy Hook (2012) versetzten ihm zwar
schwere Schläge, doch seit 2013 gehört er mit 70 000 $ zumindest zu
den Bundesstaaten mit dem höchsten Einkommen pro Haushalt.

Bevölkerung Mit einer Bevölkerungsdichte von 280 Einw./km² steht Connecticut


an vierter Stelle in den USA. Von den rund 3,6 Mio. Einwohnern sind
gut 10 % Afro-Amerikaner. Dies ist der höchste Anteil in den Neu-
englandstaaten. Die größten Städte sind Bridgeport mit 144 600 Ein-
wohnern, New Haven mit 130 000 und Hartford mit 125 000.

Wirtschaft Heute ist Connecticut, dessen ausgezeichnete Hochschulen die Elite


des Landes produzieren helfen, ein Zentrum der verarbeitenden In-
dustrie. Elektrotechnische und elektronische Artikel, Mikrochips,
Chemikalien, Düsentriebwerke und Hubschrauber sind die bekann-
testen Produkte des Constitution State. Hartford gilt als Versiche-
rungshauptstadt der USA, Groton als Zentrum des U-Boot­baus.
Hingegen nimmt die Bedeutung der Landwirtschaft ab.
Bridgeport    ZIELE 139

Bridgeport
Region: Fairfield/Southwest
aJ7
Höhe: 0 – 5 m ü. d. M.

Einwohner: 148 000

Die Industriestadt am Long Island Sound liegt bereits im Sog


New Yorks. Während die meisten Touristen an Bridgeport vor-
beifahren, führen Zirkusfans die Stadt in ihrer Routenplanung
ganz oben.

1639 an der Mündung des Pequonnock River gegründet, lebte Die Stadt des
Bridgeport bis zum 19. Jh. vom Walfang und seitdem von der verar- P. T. Barnum
beitenden Industrie. Berühmtheit erlangte Bridgeport jedoch durch
Phineas T. Barnum (1810 – 1891), den genial-gerissenen Promoter
der »Greatest Show on Earth«, der hier lebte und sogar eine Zeit lang
Bürgermeister war.

Sehenswertes in Bridgeport
und Umgebung
Hereinspaziert, hereinspaziert! Das Barnum Museum beschäftigt Barnum
sich mit Barnums schillernder Persönlichkeit und zeigt zahlreiche Museum
Raritäten, darunter u. a. handgearbeitete Zirkusmodelle und Kostü-
me einstiger Zirkusstars. Mehrere Jahre war das Museum aufgrund
von Tornadoschäden geschlossen. Im Sommer 2015 eröffnete aber
ein Flügel mit Ausstellungen historischer Artefakte
i 820 Main St., Info-Tel. 1 203 3 31 11 04, www.barnum-museum.org

Bridgeport erleben
AUSKUNFT ESSEN/ÜBERNACHTEN
Bridgeport Regional Hotel Zero Degrees Norwalk AAA
Business Council 353 Main Ave., Norwalk, CT 06851,
10 Middle Street Tel. 1 203 7 50 98 00,
Bridgeport, CT 06604 www.hotelzerodegrees.com
Tel. 1 203 3 35 38 00 Das moderne, urban anmutende Hotel
www.brbc.org direkt an der Main Street beeindruckt
mit seinen durchdesignten, lichten Zim-
mern und dem Gourmetrestaurant Me-
diterraneo, wo mediterrane Spezialitäten
serviert werden.
WISSEN Phineas Taylor Barnum und der Barnum-Zirkus
Special-Titel

The Greatest Show on Earth


Phineas Taylor Barnum wurde am 5. Juli 1810 in Bethel, CT, geboren.
Mit 24 ging er nach New York, wo er die ehemalige Sklavin Joice Heth
kennenlernte. Sie behauptete, 161 Jahre alt und außerdem George
Washingtons Amme gewesen zu sein. Das war natürlich glatt gelogen.

Barnum heuerte sie trotzdem an, Bridgeport einen orientalischen


hängte seinen Händler-Job an den Palast und konnte Jenny Lind, »die
Nagel und tingelte mit ihr und an- schwedische Nachtigall«, verpflich-
deren »Kuriositäten« – u. a. einer ten. Dann investierte er in marode
»Meerjungfrau« aus einem ausge- Firmen und war 1855 bankrott. Mit
stopften Affentorso mit großem Unterstützung von Tom Thumb,
ausgestopften Fischschwanz – über mit dem er abermals Europa durch-
die Dörfer. Bald vergrößerte er sei- reiste, berappelte er sich wieder.
ne menschliche Menagerie um die
Siamesischen Zwillinge Chiang Zirkus
und Eng, die er in seinem 1841 am Sein Hauptgeschäft blieben »Freak
Broadway in New York eröffneten Shows«, d. h. die Zurschaustellung
»American Museum« ausstellte. bärtiger Damen, ganzkörpertäto-
1842 entdeckte er in Bridgeport ei- wierter Männer, Liliputaner und
nen fünf Jahre alten Liliputaner, Riesen. 1870 organisierte er mit
brachte ihm Singen und Tanzen William C. Coup einen Wanderzir-
bei, nannte ihn »Tom Thumb« kus mit insgesamt 500 Menschen
(nach einer englischen Märchen- und 200 Pferden. Ein Erfolg stellte
figur) und ließ ihn auftreten. sich aber erst ein, als er 1881 mit
James A. Bailey »The Barnum and
Große Erfolge in Europa Bailey Greatest Show on Earth«
Mit ihm als Zugnummer reiste er zusammenstellte. Zugnummer war
1844 nach Europa. Sie durften so- »Jumbo«, der angeblich größte
gar vor Queen Victoria auftreten, Elefant der Welt. In den 1870er-
die sich über Tom Thumbs Napo- Jahren wurde Barnum zweimal
leon-Parodie besonders amüsiert zum Bürgermeister von Bridgeport
haben soll. Barnum, auch »Prinz gewählt. Heute ist »Barnum and
Schwindel« genannt, kehrte als Bailey Ringling Brothers« der größ-
gemachter Mann zurück, baute in te Zirkus der Erde.
Bristol     ZIELE 141
141

Das freundliche Hafenstädtchen 13 mi/21 km südöstlich von Bridge- Norwalk


port erlebte in den 1990er-Jahren den Facelift seiner Waterkant mit
Restaurants, Galerien, trendigen Boutiquen und der Washington
Street. Hier wurden Hollywood-Filme mit Neuengland-Hintergrund
gedreht, so auch »The Stepford Wives« (2004) mit Nicole Kidman
und »Confessions of a Shopaholic« (2009) mit Isla Fisher und John
Goodman.
Hauptattraktion ist das MMaritime Aquarium, wo sich exotische
ebenso wie draußen im Long Island Sound heimische Meeresbewoh-
ner in ihren gekonnt rekonstruierten Lebensräumen beobachten las-
sen. Im angeschlossenen IMAX-Kino werden spektakuläre Natur­
filme gezeigt. Für Freunde viktorianischer Architektur: Die 1864
errichtete 50-Zimmer-Residenz MLockwood-Mathews Mansion
gilt als schönstes Beispiel des Second Empire in den USA und be-
sticht mit prachtvollem Dekor und einer achteckigen, lichtdurchflu-
teten Rotunde.
Maritime Aquarium: 10 N Water St., tgl. 10.00 – 17.00, Juli/Aug. bis 18.00
Uhr, Eintritt: ab $ 19,95, www.maritimeaquarium.org
Lockwood Mathews Mansion: 295 West Ave., März – Jan. Mi. – So.
12.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 10 $, www.lockwoodmathewsmansion.com

Bristol
Region: Litchfield Hills/Northwest
aK7
Höhe: 88 m ü. d. M.
Einwohner: 62 000

Knapp 300 Uhrmacher machten hier einst »Zeit«: Das Städt-


chen war im 19. Jahrhundert das Zentrum der amerikanischen
Uhrenindustrie.

Zeitmesser jeglicher Größe, am Fließband hergestellt, verließen die Hier tickten


Fabriken Richtung Westen, um Siedlern und Indianern zu melden, Amerikas
was die Uhr geschlagen hatte. So bedeutend war die Uhrenindustrie, Uhren
dass zwei Nachbarorte – Terryville und Thomaston – nach besonders
erfolgreichen Uhrmachern benannt wurden. Heute ist Bristol be-
kannt als Sitz von ESPN, des größten Sportfernsehsenders im Land.

Sehenswertes in Bristol und Umgebung


M American
Die schönsten Uhren aus hiesiger Produktion und der Werdegang Clock &
des Zeitmessers von der klobigen Standuhr zur hochmodernen und Watch
flachen Designer­uhr: Eine sehr gut gemachte Ausstellung im 1801 Museum
142 ZIELE    Connecticut Valley

Bristol erleben
AUSKUNFT ESSEN/ÜBERNACHTEN
Central CT Chambers of Chimney Crest Manor AAA
Commerce 5 Founders Dr., Bristol, CT 06010-5209
200 Main Street Tel. 1 860 5 82 42 19
Bristol, CT 06010 www.chimneycrest.com
Tel. 1 860 5 84 47 18 Denkmalgeschütztes B&B im Tudor-Stil
www.centralctchambers.org mit 32 komfortablen Zimmern; das Früh-
stück ist ausgesprochen üppig.

erbauten Lewis House präsentiert rund 3 000 Chronometer aller


Preis- und Größenklassen.
i 100 Maple St., Ende März – Anf. Dez. tgl. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 6 $,
www.clockmuseum.org

New England Dieses Museum zeigt herrlich nostalgische alte Kirmes­karussells.


Carousel Außerdem beherbergt es eine Kunstsammlung sowie das Museum of
Museum Fire History.
i 95 Riverside Ave., April – Nov. Mo. – Sa. 10.00 – 17.00, So. ab 12.00 Uhr;
Dez. – März Do. – So. 10.00 – 17.00, So. ab 12.00 Uhr, Eintritt: 12 $,
www.thecarouselmuseum.org

Lake Com- Der älteste Vergnügungspark der USA wurde 1846 am gleichna-
pounce migen See eröffnet und bietet neben modernen, magenumdrehenden
Theme Park »Thrill Rides« auch hübsch altmodische Attraktionen, darunter eine
hölzerne Achterbahn und einen Badestrand mit Kiosken aus der gu-
ten alten Zeit.
i I-84, Exit 31, Memorial Day – Ende Sept. Mi. – Mo. 9.00 – 20.00 Uhr,
Eintritt: ab 43 $, www.lakecompounce.com

M Connecticut Valley
Regionen: River Valley/Central
aK7
Höhe: 0 – 667 m ü. d. M.

In Neuengland nennt man ihn stolz den »Rhein Amerikas«.


Das mag zwar weit hergeholt sein, doch immerhin: Der Con-
necticut River fließt wie sein deutscher Vetter breit und majes-
tätisch durch ein grünes, von sanft gewellten Hügelländern
flankiertes Tal dem Long Island Sound entgegen. Unaufge-
regte, malerische Städtchen begleiten ihn auf seinem Weg.
Connecticut Valley    ZIELE 143

Orte und Plätze im Connecticut Valley


Eine Fahrt durch das Tal beginnt man am besten in East Haddam M East
etwa 20 mi/32 km landeinwärts. Das zauberhafte Uferstädtchen ist Haddam
berühmt für sein Goodspeed Opera House, ein viktorianisches
Schmuckstück von 1876, einst Ziel der kunstbeflissenen, per Rad-
dampfer anreisenden New Yorker. Heute führt das mit filigranen
Türmchen verzierte Haus von April bis Dezember vor allem Musicals
auf, von denen es manches auch bis an den Broadway schafft.
Etwas südlich von East Haddam thront hoch über dem Fluss das ein-
zige Schloss des Tals: MGillette Castle wurde 1919 vom damals als
»Sherlock Holmes« berühmt gewordenen Schauspieler William Gil-
lette gebaut und erinnert bizarr an transsylvanische Vampirschlösser.
Schöner als die mit Originalmöbeln Gillettes eingerichteten 24 Zim-
mer (manche Möbel auf Gleitschienen, eine Marotte des »Schloss-
herrn«) ist jedoch der Blick von der Terrasse auf den Connecticut
River. Übrigens ist das gesamte Areal samt »Schloss« heute als State
Park ausgewiesen.
Goodspeed Opera House: Spielplan, Karten Tel. 1 860 8 73 86 68,
www.goodspeed.org
Gilette Castle: 67 River Rd., Memorial Day – Columbus Day tgl.
10.00 – 16.30 Uhr, Eintritt: 6 $, www.friendsofgillettecastle.org

Bis Mitte des 19. Jh.s ein blühendes Schiffsbau- und Handelszent- M Essex
rum, träumt das Städtchen südlich von East Haddam am Westufer

Was beeindruckt mehr? Die Brücke über den Connecticut River


oder das Goodspeed Opera House gleich nebenan?
144 ZIELE    Connecticut Valley

Das Connecticut Valley erleben


Auskunft Übernachten / Essen
Connecticut River Valley & The Bee & Thistle Inn AA
Shoreline Visitors Council 100 Lyme St., Old Lyme, CT 06371
393 Main Street Tel. 1 860 4 34 16 67
Middletown, CT 06457 www.beeandthistleinn.com
Tel. 1 860 3 47 00 28 11 Zimmer. Der altehrwürdige, noch
www.cttourism.org aus der Kolonialzeit stammende Gast-
hof ist von schönen Gärten umgeben.
In seinen Himmelbetten schläft man
Eiscreme wie zu Omas Zeiten
bestens. Und das gemütliche Restaurant
mit seiner guten Küche heimst Jahr um
TIPP

Katharine Hepburn traf sich hier


mit Nach­barinnen zu Klatsch und Jahr höchstes Lob ein.
Tratsch. Im anno 1790 als General
Store an der Pennywise Lane 2 The Griswold Inn AA
eröffneten und inzwischen an die 36 Main St., Essex, CT 06426
325 Main Street in Old Saybrook Tel. 1 860 7 67 17 76
verlegten James Gallery & Soda www.griswoldinn.com
Fountain gibt es außer Sprudel 30 Zimmer. Seit 1776 als Hotel in Be-
aus einer altbekannten Quelle vor trieb, ist diese im Kolonialstil eingerich-
allem hausgemachte Eiscreme wie tete Herberge bereits selbst eine Attrak-
zu Omas Zeiten. tion. Die Speisekarte bietet einen
Übrigens: Eine Tafel erinnert an traditionell-innovativen Mix.
den Marquis de Lafayette. Der
Held des Unabhängigkeitskriegs ESSEN
kaufte 1824 hier Seife ... oder ein Fresh Salt AAA
Paar Socken, so genau weiß das 2 Bridge St., Old Saybrook,
niemand mehr. Tel. 1 860 3 88 11 11
Dem General Store ist auch ein Serviert werden traditionelle Seafood-
B&B angegliedert (www.pratt- Gerichte mit globalem Twist. Hervorra-
house.net/jamesgallery.htm).
gende Weinkarte, toller Ausblick.

heute von vergangener Größe. Wo früher tätowierte Seebären das


Bild bestimmten, flanieren nun sonnengebräunte Yachtbesitzer, die
ihre Boote in den Marinas vertäut haben, über die gepflegte Main
Street. Charmant ist v. a. die im Erscheinungsbild um 1880 eingefro-
rene Hauptstraße, die von eleganten Bekleidungsläden, teuren Bou-
tiquen und guten Restaurants gesäumt ist. Kein Wunder hat Essex
den Ruf als eine der lebenswertesten Kleinstädte des Landes.
Das Connecticut River Museum erzählt in einem alten Lagerhaus
die Geschichte der Schifffahrt auf dem Connecticut River und die
Rolle der Schiffsbauer der Stadt, die 1775 das erste Kriegsschiff der
Kolonien, die »Oliver Cromwell«, gebaut hatten.
Hartford    ZIELE 145

Die schönsten Uferabschnitte erkunden und den Fluss von einem


alten Dampfer aus erleben kann man mit dem Essex Steam Train
and Riverboat.
Connecticut River Museum: (Steamboat Dock, 67 Main St., tgl. 10.00 bis
17.00 Uhr; Eintritt: 9 $, www.ctrivermuseum.org
Essex Steam Train & Riverboat: 1 Railrd. Ave., Exit 3, Fahrplan u. Tickets
Tel. 1 860 7 67 01 03, www.essexsteamtrain.com

Die von verlandeten Buchten und Landzungen zerfransten Sandbän- Mündungs­


ke in der Mündung des Connecticut River verbieten größeren Schif- bereich
fen inzwischen die Fahrt flussaufwärts, sodass die hiesigen Orte von
der Zeit vergessen wurden.
Ein verschlafenes »Dornröschen« ist Old Saybrook, das englische
Siedler 1635 holländischen Kolonisten abnahmen. Im Zentrum des
langjährigen Wohnorts der Hollywood-Legende Katherine Hepburn
nehmen gut bestückte Antiquitätenläden und gemütliche Restau-
rants und Straßencafés das Tempo aus dem Schritt. Bis heute ist Old
Saybrook mit seinem innerörtlichen Golfplatz so exklusiv, dass seine
gut betuchten Bewohner selbst darüber bestimmen, wer zuziehen
darf und wer nicht.
Auf der anderen Seite der Mündung liegt Old Lyme. Unbedingt an-
sehen sollte man sich das Florence Griswold Museum. Das vor we-
nigen Jahren um einen modernen Anbau erweiterte frühere Zent-
rum der amerikanischen Impressionisten beherbergt die Werke
prominenter Mitglieder der hier einst angesiedelten Künstlerkolonie,
darunter Childe Hassam und Willard Metcalf.
Florence Griswold Museum: 96 Lyme St., Di. – Sa. 10.00 – 17.00, So. ab
13.00 Uhr, Eintritt: 10 $, www. flogris.org

M Hartford
Region: River Valley/Central
aK7
Höhe: 30 m ü. d. M.
Einwohner: 125 000

Die Hauptstadt von Connecticut liegt im Herzen des Bundes-


staates am gleichnamigen Fluss. Sie gilt bis heute als Versiche-
rungsmetropole der Vereinigten Staaten und präsentiert sich
als dynamische Mischung aus Tradition und Moderne – glit-
zernde Bürotürme, viktorianische Kirchtürme und internatio-
nale Luxushotels inklusive.

Im Jahre 1636 am Ort eines aufgegebenen holländischen Handels- Versicherungs-


postens von Thomas Hooker gegründet, erlebte Hartford schon 1687 metropole
146 ZIELE    Hartford

den ersten Akt zivilen Ungehorsams, als seine Einwohner die libera-
le Verfassung der Kolonie vor dem englischen Statthalter drei Tage
lang in einer hohlen Eiche versteckten.
Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich Hartford zu Amerikas
Versicherungsmetropole, nachdem die Hartford Fire Insurance nach
dem New Yorker Großbrand von 1831 als einzige auszahlen konnte.
Weitere Erfolge ließen das Versicherungsgeschäft boomen. Heute
sitzen über drei Dutzend Versicherungen in Hartford. So erfolgreich
war die Branche, dass die Hartforder in den 1870er-Jahren das
höchste Pro-Kopf-Einkommen der USA aufwiesen und sich mit Pro-
minenten aus Kunst und Kultur, darunter Mark Twain und Harriet
Beecher-Stowe, umgeben konnten. Heute residieren neben Versiche-
rungen auch bedeutende Firmen der verarbeitenden Industrie, allen
voran der Triebwerkhersteller Pratt & Whitney und die Colt Factory
in Hartford.
Die Folgen der dramatischen wirtschaftlichen Abkühlung in der jün-
geren Vergangenheit haben in Hartford viele Firmen zum Wegzug
veranlasst und zu einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit

Hartford erleben
AUSKUNFT Elegante italienische Trattoria mitten
MetroHartford Alliance in Hartford.
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zentrum (855 Main St., Mo., Mi., Fr.) kunft mitten in der City mit zwar
ihre Produkte feil. relativ kleinen, dafür umso gemüt-
licheren Zimmern.
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357 Main St., Tel. 1 860 5 47 17 14 Old State House.
Hartford    ZIELE 147

geführt. Mit aufwendigen Konjunktur- und Kulturprogrammen ver-


sucht man seitens der Stadt gegenzusteuern.

Sehenswertes in Hartford
1792 von Charles Bulfinch im Federal Style erschaffen, beherbergte Old State
der elegante Repräsentativbau erst die Regierung Connecticuts und House
bis 1915 das Rathaus. 1839 fand hier der berühmte Prozess um die
von der »Amistad« geflohenen Sklaven statt, den die 30-minüti-
ge Präsentation »Setting the record straight« beschreibt. Sehenswert
sind auch die einst begehrte Royal Charter von 1662 und die »Fun-
damental Orders« von 1638. Hinter dem Old State House erhebt sich
schiffsförmig die Kulisse des Phoenix Mutual Life Insurance Building.
i 800 Main St., Okt. – Juli Mo. – Fr. 10.00 – 17.00, sonst Di. – Sa. 10.00 –
17.00 Uhr, Eintritt: 6 $, www.ctosh.org
148 ZIELE    Hartford

Center Wenige Schritte weiter südlich steht die Center Church (675 Main
Church St.), ein Gotteshaus, das 1807 an Stelle eines ersten, 1636 aus rohen
Holzbalken gezimmerten Versammlungshauses errichtet worden ist.
An sie grenzt der älteste Friedhof der Stadt, auf dem einige Stadt-
gründer beigesetzt sind.

M Wadsworth Die bereits im Jahre 1842 eröffnete Ausstellung gilt als das älteste
Atheneum Kunstmuseum der Vereinigten Staaten und besitzt als größten
Schatz eine Gemäldesammlung von
Künstlern der besonders in den
Hartford von oben
USA berühmten Hudson River
School. Hinzu kommen Alte Meis-
TIPP

Neben dem Wadsworth Athe-


ter des 16. und 17. Jahrhunderts so-
neum kann man im Travelers
Tower 100 Stufen hinauf zur
wie Arbeiten zeitgenössischer Ame-
Beobachtungsplattform klettern. rikaner und Europäer. Die Amistad
Die Mühe wird mit einem tollen Collection dokumentiert die Kultur
Blick über die Stadt belohnt der Afro-Amerikaner von der Skla-
(Mai – Okt. Mo. – Fr. 10.00  bis verei bis zur Gegenwart.
15.00 Uhr, Eintritt frei). i 600 Main St., Mi. – Fr. 11.00 – 17.00,
Sa., So. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 10 $,
www.thewadsworth.org

M Capitol Weithin sichtbar auf dem Capitol Hill und mächtig über dem weit-
läufigen, vom bekannten Landschaftsarchitekten Frederick Law
Olmsted konzipierten Bushnell Park thronend, verstörte Connecti-
cuts Regierungssitz bei seiner Einweihung im Jahre 1879 so manch
aufrechtes Yankee-Gemüt: Denn nicht alle waren begeistert von den
vielen Türmen und Türmchen und von der mit Skulpturen reich ver-
zierten Fassade aus Connecticut-Marmor, über der sich eine gewal-
tige, mit Goldplättchen belegte Kuppel aufwölbt. Und drinnen erin-
nern zahlreiche Reliefs und Bronzetafeln an bedeutende
Persönlichkeiten des Staates.
i 210 Capitol Ave.; Mo. – Fr. 8.00 – 15.00 Uhr, Eintritt frei,
www.cga.ct.gov/capitoltours

M Mark Twain »The House that Mark built« – das Haus an der Farmington Avenue
House & trägt bis zum letzten Stein die Handschrift des weltberühmten Schrift-
Museum stellers und Vaters von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Twain,
der anno 1874 nach Hartford kam und die Bauarbeiten persönlich
überwachte, ließ selbst die Ziegelsteine als Deko-Material verwenden,
indem er sie in Ausrichtung und Winkel zu geometrischen Mustern
verschieben ließ. Heraus kam ein heimeliges, blutrotes Haus mit Gie-
beln, Türmchen und Balkonen, das stilistisch irgendwo zwischen ent-
spannter Neugotik und Skihütte angesiedelt ist. Die 19 Räume neh-
men den Besucher mit viel Walnussholz und schweren Polstermöbeln
gefangen. In der Bibliothek möchte man gleich mit einem Buch in
Hartford    ZIELE 149

einem der Ohrensessel versinken. Charter Oak


Mark Twains Reich war ein kleines
Arbeitszimmer unterm Dach – der

WISSEN
Ein Sturm fällte anno 1856 die
einzige Ort, an dem ihm seine Frau sog. Charter Oak, also jene Eiche,
das Rauchen und Fluchen gestattete. in der die Verfassung versteckt
Viele der Originalmöbel stehen noch worden war. Schnell erkannten
an ihrem Platz, u. a. der Billardtisch geschäftstüchtige Hart­forder den
und der kleine Schreibtisch, an dem Wert des umgefallenen Symbols
Klassiker wie »The Adventures of und machten es so schamlos zu
Tom Sawyer« (1876) und »Life on the Geld, dass Mark Twain spottete,
Mississippi« (1883) entstanden. die Charter Oak gebe neben
i 351 Farmington Ave., April – Dez. Zahnstochern und Spazierstöcken
Mo. – Sa. 9.30 – 17.00, So.12.00 bis selbst für einen Plankenweg nach
17.30 Uhr, Eintritt: 19 $, Salt Lake City genug Holz her.
www.marktwainhouse.org

Twains Nachbarin war die Schriftstellerin und Abolitionistin Harriet Harriet


Beecher-Stowe (1811 – 1896). Die weithin geschätzte Autorin von Beecher-
»Onkel Tom‘s Hütte« setzte sich vehement für die Abschaffung der Stowe Center
Sklaverei ein. Sie verbrachte ihre letzten Lebensjahre in dem einfa-
chen viktorianischen Cottage, in dem eine kleine Ausstellung ihr
Leben und den Einfluss ihres Buches auf die Antisklaverei-Bewegung
beschreibt.
i 77 Forest St., Memorial Day – Columbus Day Mo. – Sa. 9.30 – 16.30,
So. ab 12.00 Uhr, sonst Mo. geschlossen, Eintritt inkl. Tour: 14 $,
www.harrietbeecherstowecenter.org

Umgebung von Hartford


Im Wettstreit darüber, wer den britischen Kolonialherren zuerst eine Wethersfield
Nase drehte, kann das 5 mi/8 km südlich von Hartford gelegene
Wethersfield mit einem Trumpf aufwarten: 1640 verurteilte der bri-
tische Hof die Altvorderen wegen einer unerlaubten Versammlung
zu einer Geldstrafe von 5 Pfund, die sie nicht bezahlten! Heute prä-
sentiert sich Old Wethersby mit seinen restaurierten Bauten aus dem
17. und 18. Jh. vor allem in der Main Street als wahres Schaufenster
amerikanischer Kolonialromantik.

Etwa 10 mi/16 km südlich von Hartford erstreckt sich der »Jurassic Dinosaur
Park« des Bundesstaates Connecticut. Wo heute das Städtchen Rocky State Park
Hill liegt, stapften im Zeitalter der Trias Eubrontes-Saurier durchs
Gelände und hinterließen etliche Fußabdrücke. Im Diorama kann
man die Echsen bestaunen.
i 400 West St.; tgl. außer Mo. 9.00 – 16.30 Uhr, Eintritt: 6 $,
www.dinosaurstatepark.org
150 ZIELE    Litchfield Hills

Farmington Stolz und souverän, als hätten ihnen selbst die Einführung der Ein-
kommenssteuer und die Anti-Trust-Gesetze nichts anhaben können,
säumen in dem feinen Vorort im Südwesten Hartfords prächtige Vil-
len aus dem 19. Jh. die Main Street.
Sehenswert ist v. a. das Hill-Stead Museum, ein 1900 im Colonial
Revival Style erbautes Haus, das von Theodate Pope Riddle, einer der
ersten Architektinnen der USA und Tochter des Bauherrn, entwor-
fen wurde und heute eine hochwertige Sammlung europäischer Im-
pressionisten beherbergt.
i 35 Mountain Rd.; Mai – Okt. Di. – So. 10.00 – 16.00, sonst 11.00 – 15.00
Uhr, Eintritt: 15 $, www.hillstead.org

New Britain New Britain, 15 mi/24 km südwestlich von Hartford, kam im 19. Jh.
mit der Produktion von Eisenwaren zu Wohlstand, was ihr den Na-
men »Hardware City« und schöne Art-Deco-Häuser in der Innen-
stadt eintrug, wo eine Broschüre des Besucherzentrums (1 Grove St.)
zur »Architectural Walking Tour« einlädt.
Die Einnahmen aus der Eisenindustrie flossen auch in das kleine,
aber feine und im April 2006 um einen Flügel erweiterte New Bri-
tain Museum of American Art. Es gibt einen Überblick über ame-
rikanische Malerei von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart und zeigt
schöne Werke der Hudson River School und der Porträtmaler des
18. Jahrhunderts.
i 56 Lexington St.; Di., Mi., Fr. 11.00 – 17.00, Do. bis 20.00, Sa. ab 10.00,
So. ab 12.00 Uhr, Eintritt: 15 $, www.nbmaa.org

M Litchfield Hills
Region: Litchfield Hills/Western
aJ7
Höhe: 150 – 706 m ü.d.M.

In der Nordwestecke von Connecticut liegt ein Stück Neueng-


land wie aus dem Bilderbuch: Klare Flüsse fließen durch eine
dicht bewaldete Hügellandschaft, hin und wieder spannen
sich romantische »covered bridges« darüber. Die friedvolle
Idylle scheint Lichtjahre vom Großstadtlärm entfernt – was
eben die New Yorker anlockte.

Orte und Plätze in den Litchfield Hills


M Housatonic Durch die Litchfield Hills fließt der Housatonic River durch eine von
Valley Fastfood-Ketten und Neonreklame nahezu verschont gebliebene
Landschaft. Der schönste Weg am Fluss entlang ist die CT 7, die alte
Litchfield Hills    ZIELE 151

Auch die Kirche von Litchfield zeugt von Wohlstand.

Straße von New York nach dem kanadischen Montréal. Von der
überdachten Brücke bei Bulls Bridge nach West Cornwall folgt sie
zweispurig seinen Windungen und gibt dabei hin und wieder den
Blick auf die hübschen Wochenendhäuser betuchter New Yorker frei.
Eine Handvoll Kanu- und Kayakverleihe haben den Fluss so großzü-
gig untereinander aufgeteilt, dass Paddler das klare Wasser meist
ganz für sich alleine haben. Mehrere Ortschaften verdienen den Tritt
auf die Bremse. Das sich an die Foothills der Litchfield Hills schmie-
gende Kent ist ein Künstler-Refugium, wo Maler und Bildhauer ihre
Werke in kleinen Läden am Straßenrand ausstellen. Im urigen Gene-
ral Store von Cornwall Bridge kann man seinen Reiseproviant auf-
frischen. West Cornwall schließlich wirkt wie gemalt und bietet mit
seiner überdachten Brücke und einer renommierten Schreinerei un-
mittelbar am Fluss, die hochwertige Möbel im Shaker­design herstellt,
unwiderstehliche Fotomotive.

Die größte Siedlung der Litchfield Hills liegt etwa eine halbe Auto- Litchfield
stunde westlich von “Hartford, CT in einer reizvollen Hügelland-
schaft. Sie wird als eine der schönsten Neuenglands gerühmt. Breite
152 ZIELE    Litchfield Hills

Die Litchfield Hills erleben


AUSKUNFT ÜBERNACHTEN
Western Connecticut CVB Litchfield Inn AA
PO Box 968, Litchfield, CT 06759-0968 432 Bantam Rd.
Tel. 1 860 5 67 45 06 Litchfield, CT 06759
www.litchfieldhills.com Tel. 1 860 5 67 45 03
www.litchfieldinnct.com
ESSEN Historisches Boutique-Hotel in schönem
The Village Restaurant AA Park am Rand von Litchfield, mit 12 vik-
25 W. St. Litchfield, Tel. 1 860 5 67 83 07 torianisch eingerichteten Zimmern und
Der Treffpunkt mit guter amerikanischer urigem Restaurant »Tavern Off The
Küche und legendärem »Tap Room« Green«..

Alleen und gepflegte Rasenflächen mit prachtvollen alten Residenzen


zeugen vom gediegenen Wohlstand und Bildungsniveau ihrer Ein-
wohner. Anfang des 18. Jh.s gegründet, ließen sich hier nicht nur
Schreiner, Uhrmacher und Tischler nieder, sondern auch Lehrer und
Ärzte.
Noch im 18. Jh. wurde hier nicht nur die erste Hochschule für Mäd-
chen, sondern auch die Litchfield Law School gegründet. Das atem-
lose 19. Jh. mit seiner Industrialisierung raste jedoch an Litchfield
vorbei. Man darf sich daher auf eine nahezu unverbaute Stadt mit
einem nostalgischen Green aus der guten alten Zeit freuen – und vor
der Erkundung in einem der Bistros am Green einen kräftigen Cap-
puccino genießen.
Das am Green liegende Museum der Litchfield Historical Society
(7 South St.) führt mit Möbeln, Haushaltsgegenständen und Gemäl-
den durch die Geschichte des Ortes. Der Eintrittpreis berechtigt auch
zum Besuch der Tapping Reeve House and Litchfield Law School.
Im Tapping Reeve House (82 South St.), einem recht einfachen
Holzhaus von 1774 empfing der Jurist Tapping Reeve 1784 die ersten
Studenten der noch jungen USA. Eine kleine Ausstellung erinnert an
die Wiege der amerikanischen Juristerei, die auch Gouverneure, Se-
natoren und Bundesrichter durchliefen.
Litchfield Historical Society: April – Nov. Di. – Sa. 11.00 – 17.00, So.
13.00. – 17.00 Uhr, Eintritt: 5 $, www.litchfieldhistoricalsociety.org

White Etwas westlich von Litchfield liegt dieses besonders schöne Natur-
Memorial schutzgebiet der White Memorial Foundation. Mehr als 50 Wander-
Foundation wege führen durch Feuchtgebiete, nie gefällte Wälder und über herr-
liche Naturwiesen. Ein kleines Museum informiert über die Arbeit
der Stiftung, die sich dem Schutz gefährdeter Biotope verschrieben
hat (CT 8, Exit 42, dann CT 202).
Mystic    ZIELE 153

MM Mystic
Region: Mystic Country/Eastern
aK7
Höhe: 0 – 3 m ü. d. M.
Einwohner: 4 100

Seebären und Walfänger, Schaluppen und Windjammer: Mys-


tic fand seine Daseinsberechtigung schon immer durch das
Meer, heute beeindruckend dokumentiert durch das beste
Seefahrts- und Schiffsmuseum der USA.

Früher liefen hier einige der schnellsten Clipper vom Stapel, heute Schiffsbau
schlägt der Ort aus seiner Glanzzeit Kapital: Mystic, Schiffsbauzent- und Walfang
rum und Walfängerhafen, steht seit 400 Jahren im Zeichen der See-
fahrt. An den durch den Walfang erzielten Wohlstand erinnern die
schmucken Kapitänshäuser entlang der Gravel Street und der High
Street. Nach dem Ende des Walfangs sattelten die Werften auf den
Bau von Segelyachten für die Ostküstenelite um. Bis heute genießen
Mystics Schiffskonstrukteure einen Ruf als beste Bootsbauer der
Ostküste.

Seefahrerromantik erlebt man heute noch in Mystic Seaport.


Das Freilichtmuseum ist eines der schönsten in den USA.
154 ZIELE    Mystic

Sehenswertes in Mystic und Umgebung


MM Mystic Das Hafenstädtchen Mystic Seaport ist das größte der Seefahrt ge-
Seaport widmete Freilichtmuseum seiner Art. Am Ufer des Mystic River wur-
de ein Hafenstädtchen des 19. Jahrhunderts aufgebaut mit Werften,
Seilereien, Kapitänshäuser, einer Kerzenzieherwerkstatt und natür-
lich auch einer richtigen Hafenspelunke, die in längst vergangene
Walfängerzeiten entführt. Im sog.
Mystic Pizza Preservation Shipyard, wo im Jahre
2000 der Nachbau des berühmt-be-
WISSEN

Weit bekannt wurde Mystic im rüchtigten Sklavenschiffs »Amistad«


Jahr 1988 durch den Film »Mystic für den Steven-Spielberg-Film vom
Pizza«. Die Pizzeria im Stadt- Stapel gelaufen ist, kann man Boots-
zentrum (56 W Main St.) inspi- bauern über die Schultern schauen.
rierte Drehbuchautorin Amy Und in den Ausstellungsräumen
Jones zu der Geschichte dreier sieht man allerlei maritime Ausstel-
junger Damen, die nach ihrem lungsgegenstände wie Galionsfigu-
Schulabschluss in einer Pizzeria ren und Schiffsmodelle.
jobben und derweil allerlei ro- Wahre Prunkstücke sind 14 Muse-
mantische Abenteuer erleben. umsschiffe. Sie liegen an der Pier, al-
Der Film, der Julia Roberts be- len voran die gewaltige, 1841 gebau-
rühmt machte, wurde zwar in
te »Charles W. Morgan«, das
Stonington gedreht, doch die Piz-
letzte amerikanische Walfänger-
zeria »Mystic Pizza« ist bis heute
schiff. Der Zweimaster hat mehr-
auch wegen ihrer »A Slice of
mals die Erde umrundet und wurde
Heaven«-T-Shirts, die auch im Film
getragen werden, eine Attraktion
erst 1913 ausgemustert. Die »Joseph
für Filmfans. Conrad« wurde 1882 in Dänemark
gebaut und dient heute noch als
Schulschiff, der Dampfer »Sabino«
(Baujahr 1908) schippert noch heute von Mai bis Oktober auf dem
Mystic River umher.
i 75 Greenmanville Ave., tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 25 $,
www.mysticseaport.org

M Mystic Das Aquarium zieht mit über 3 500 verschiedenen Meeresbewohnern


Marinelife Besucher aus aller Welt in seinen Bann. Täglich stattfindende Delfin-
Aquarium shows, Seehunde und Seelöwen sowie Inuk, der Belugawal, entfüh-
ren in eine geheimnisvolle Unterwasserwelt, die in jüngster Zeit er-
gänzt wurde durch eine Regenwald-Abteilung, ein »XD Motion Ride
Theater« und einen »Rochen-Streichelzoo«.
Das angeschlossene Institute for Exploration des Tiefseeforschers Dr.
Robert Ballard informiert über die jüngsten Ergebnisse der Tiefsee-
forschung.
i 55 Coogan Blvd.; April – Okt. tgl. tgl. 9.00 – 18.00, Nov. u. März
tgl. 9.00 – 16.00, Dez. – Feb. tgl. 10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: ab 35 $,
www.mysticaquarium.org
New Haven    ZIELE 155

Mystic erleben
AUSKUNFT ESSEN
Mystic Chamber of Commerce S & P Oyster Company AA
12 Roosevelt Ave., Mystic, CT 06355 1 Holmes St., Mystic
Tel. 1 860 5 72 95 78 Tel. 1 860 5 36 26 74
www.mysticchamber.org Hier gibt es bestes Seafood und
auch leckere Lobster Rolls.

Wenige Kilometer östlich von Mystic erreicht man ein weiteres schö- M Stonington
nes Küstenstädtchen. Früher ein wohlhabender Walfängerhafen, er-
innern heute schöne alte Häuser rund um das Green an Stoningtons
goldene Ära. Auch Polarforscher Nat Palmer, der 1821 tief in die
Antarktis vorstieß, brach von hier auf.
Erbauliche Anekdoten aus seinem Leben hört man im Nathaniel B.
Palmer House, einer viktorianischen Villa hoch über Stonington.
Über gleich drei Bundesstaaten reicht der Blick vom 1823 eingeweih-
ten Leuchtturm des Old Lighthouse Museum, das u. a. eine kom-
plette Walfängerausrüstung und als Reminiszenz an die große Zeit
des Chinahandels chinesische Handelsware zeigt.
Nathaniel B. Palmer House: N Water & Palmer Sts.; Mai – Okt. Di. – So.
13.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 9 $, www.stoningtonhistory.org/palmer
Old Lighthouse Mueum: 7 Water St.; Mai – Okt. tgl. 10.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt: 9 $, www.stoningtonhistory.org/light

M New Haven
Region: Greater New Haven/South Central
aK7
Einwohner: 130 000
Höhe: 0 – 112 m ü. d. M.

»Studierte in Yale«: Diese drei Worte öffnen Absolventen


noch immer den Weg in die Chefetage. Die 1716 eröffnete
Elite-Uni prägt mit ihrer würdevollen Neogotik das von
12 500 Studenten verjüngte Zentrum der Hafenstadt.

New Haven wurde 1638 von Puritanern unter der Führung von John Berühmte
Davenport gegründet und kam 1662 zur Connecticut Colony. Im Universitäts-
19. Jh. machte die berühmte »Yankee Ingenuity« die Stadt zur Krea- stadt
tiv-Werkstatt, die neben Waffen, Uhren und Fahrgestellen auch im-
mer neue Erfindungen für den Alltag ausspuckte, darunter den Kor-
kenzieher, den stählernen Angelhaken und den Hamburger, jenen
156 ZIELE    New Haven

New Haven erleben


AUSKUNFT ÜBERNACHTEN
Greater New Haven CVB eStudy at Yale AA
1545 Long Wharf Drive, 1157 Chapel St., New Haven, CT 06511
North Haven, CT 06511 Tel. 1 203 5 03 39 00
Tel. 1 230 7 77 85 50, www.studyatyale.com
www.visitnewhaven.com Europäisch anmutendes Hotel im
Zentrum mit 124 Zimmern
ESSEN
eMiya‘s Sushi AA rNew Haven Hotel AA
68 Howe St., Tel. 1 203 7 77 97 60 229 George St., New Haven, CT 06510
Hier entstehen wahrhaft fantastisch Tel. 1 203 4 98 31 00
Sushi, Dim Sum und Sashimi. www.newhavenhotel.com
92 Zimmer. Freundliches Stadthotel in
Hamburger Heaven der Nähe der Yale University.

SHOPPING / AUSGEHEN
TIPP

Anno 1903 packte Louis Lassen


angeblich als Erster eine gegrill- Die meisten Cafés und Gale­rien findet
te Hackfleischscheibe zwischen man an der Chapel Street. Am Abend
zwei Weißbrotschnitten. Seit- sorgen rund um Yale einige irische Pubs
dem gilt der Imbiss »Louis' für Unterhaltung. Wer Klassik mag: Shu-
Lunch« in 261 Crown Street als bert Performing Arts Center (247 Col-
die Wiege des Hamburgers. lege St., Tel. 1 800 2 28 66 22).

Fleischklops, der heute eher mit der weltgrößten Fastfoodkette in


Verbindung gebracht wird. Im 20. Jh. verödete die Innenstadt, als
Industrie und Bevölkerung in die Vororte abwanderten, und erst ein
groß angelegtes Restaurierungsprogramm rettete die City vor dem
Verfall. Heute lockt New Haven mit seiner jugendlichen Studenten-
szene, Museen und schattigen Alleen als ebenso interessanter wie
angenehmer Stopover auf dem Weg nach New York.

M Yale University

Hier lernt Die mitten in der Stadt liegende, 1701 als Priesterseminar in Bran-
Amerikas ford gegründete und 1716 nach New Haven verlegte Campus-Uni-
Elite versität ist eine der besten Hochschulen des Landes und gehört zur
renommierten Gruppe der Ivy-League-Universitäten. Die sie umge­
benden Restaurants, Cafés und Theater nehmen ihrer vornehme
Würde verbreitenden, neogotischen Architektur ein wenig die Spitze.
1718 nach ihrem Gönner Elihu Yale benannt, kamen 1810 die me-
dizinische und 1824 die juristische Fakultät hinzu. Auf der Liste der
New Haven    ZIELE 157

Yale-Absolventen stehen neben Bill Clinton u. a. auch Jodie Foster


und John F. Kennedy. Die hochwertige Ausbildung der amerikani-
schen Elite hat übrigens ihren Preis: Durchschnittlich 35 000 Dollar
kostet die Eltern das Studium ihrer Kinder pro Jahr. Amüsante, von
Studenten geführte Touren durch die aus einem Dutzend Colleges
bestehende Traditionsuni beginnen am Yale Visitor Center und in-
formieren nicht nur über Wichtiges, sondern auch Erbauliches – wie
die Frage, ob Bill Clinton einst wirklich inhalierte. Die Vielfalt der
Stile New Havens studiert man am besten an The Green. Wo einst
die Kühe friedlich grasten, recken heute drei zwischen 1812 und 1815
errichtete Kirchen ihre markanten Türme in den Himmel: die neu-
gotische Trinity Church, die georgianische Center Church und die
im Federal Style erbaute United Church. Die höchste Spitze gehört
jedoch dem 66 m hohen neugotischen Harkness Tower von 1920.
Yale Visitor Center: 149 Elm St., Mo. – Fr. 9.00 – 16.30, Sa., So. 11.00 bis
16.00 Uhr, auch Führungen, www.yale.edu/visitor/
158 ZIELE    New London

MM Museen Yale ist auch für seine großartigen Museen berühmt. Die Beinecke
und Rare Book & Manuscript Library beherbergt zahlreiche höchst
Sammlungen wertvolle Dokumente, darunter auch eine Gutenberg-Bibel.
Das 1876 eröffnete Peabody Museum of Natural History, eines der
größten naturwissenschaftlichen Museen der USA, zeigt umfangrei-
che paläontologische Sammlungen.
Wertvolle antike Keramik und berühmte Namen wie Picasso, Van
Gogh und Homer Winslow sind in der 1832 eröffneten Yale Univer-
sity Art Gallery zu sehen.
Das Yale Center for British Art wiederum beherbergt in einem lich-
ten Gebäude mit über 1 300 Gemälden, 10 000 Zeichnungen und
20 000 Schriften und Drucken die größte Sammlung britischen
Kunstschaffens außerhalb Großbritanniens.
Auf dem Friedhof an der Grove Street findet man die Gräber be-
rühmter Persönlichkeiten wie Eli Whitney (Erfinder der Baumwoll­
entkörnungsmaschine) und Charles Good­year (Gummi-Magnat.
Beinecke Library: 121 Wall St., Mo. – Fr. 8.30 – 17.00, Sa.
10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei, www.library.yale.edu/beinecke
Peabody Museum: 170 Whitney Ave., Mo. – Sa. 10.00 – 17.00, So.
12.00  – 17.00 Uhr, Eintritt: 13 $, http://peabody.yale.edu
Yale University Art Gallery: 1111 Chapel St., Di. – Sa. 10.00 – 17.00, So.
13.00 – 18.00 Uhr, Eintritt frei, http://artgallery.yale.edu
Yale Center for British Art: 1080 Chapel St., Di. – Sa. 10.00 – 17.00, So.
12.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei, http://britishart.yale.edu

New London
Region: Mystic Country/Eastern
aK7
Höhe: 0 – 8 m ü. d. M.
Einwohner: 28 000

Die Stadt am Thames River hat von Piraten über US-Navy-Of-


fiziere bis hin zu Freizeit-Skippern jede Menge Seefahrervolk
gesehen und ist zudem ein Zentrum für eine blühende, unab-
hängige Kunstszene.

Heimathafen 1646 gegründet, machte ein natürlicher Tiefseehafen den Ort im


der Privateers 18.  Jh. zu einem Stützpunkt der »Privateers«: Die amerikanischen
Freibeuter kaperten mit Billigung der abtrünnigen Kolonien engli-
sche Handelsschiffe, weshalb eine britische Flotte New London 1781
niederbrannte. Bis 1850 erlebte die Stadt dank des Walfangs eine
zweite Blütezeit, deren einstiger Glanz sich bis heute in den herrli-
chen Greek-Revival-Häusern der Walfänger-Kapitäne an der Whale
Oil Row widerspiegelt. Wichtigste Arbeitgeber heute sind die Werf-
New London    ZIELE 159

Dieses Wandgemälde erinnert an New Londons Vergangenheit


als Walfanghafen.
ten und die US Coast Guard Academy. Ein Dutzend hervorragender
Galerien, die vor allem aufstrebende junge Künstler aus der Region
ausstellen, machen die zwei Blocks vom Flussufer liegende Green
Street zur Galeriemeile der Stadt.

Sehenswertes in New London und


Umgebung
Der historische Kern der Stadt liegt am Flussufer und zeigt sich mit Downtown,
den alten Häusern an der Starr Street von seiner besten Seite. Näher Hempsted
anschauen sollte man sich die aus der Kolonialzeit stammenden Houses
Hempsted Houses – so sind z. B. die Außenwände des 1678 errich-
teten Joshua Hempsted House mit Seetang isoliert und die niedrigen
Räume mit Möbeln der zweiten Siedlergeneration ausgestattet.
i Hempsted u. Jay Sts.; Mai – Mitte Okt. Do. – So. 12.00 – 16.00 Uhr,
Eintritt: 7 $, www.ctlandmarks.org

Ein Denkmal am Hafen ehrt – auch wenn man ihn in New ­London Monte Cristo
lange für einen nichtsnutzigen Trunkenbold hielt – ­Eugene O'Neill Cottage
(1888 – 1953), den berühmtesten Bürger der Stadt. Der große Dra-
matiker und Nobelpreisträger verbrachte viele Sommer im Monte
Cristo Cottage, wo man seinem Lebenswerk bekannt gemacht wird;
zu sehen gibt es überdies vielerlei persönliche Gegenstände.
i 325 Pequot Ave., Di. – Sa. 10.00 – 17.00, So. 13.00 – 17.00 Uhr;
Eintritt: 7 $, www.oneilltheatercenter.org

Der weitläufige auffallend rotziegelige Gebäudekomplex am Thames US Coast


River beherbergt diese renommierte Militärakademie und dazu auch Guard
noch ein Museum, das u. a. Galionsfiguren und herrliche Schiffsmo- Academy
WISSEN Das erste Atom-U-Boot der Welt
Special-Titel

MM USS Nautilus
Die »USS Nautilus«, das sechste Schiff dieses Namens, war das erste
atomar betriebene U-Boot der Welt. Im August 1958 unterquerte sie
als erstes U-Boot den Nordpol.

»Operation Sunshine« sowjetische Atom-U-Boot einsatzbe-


Am 23. Juli 1958 verließ die »Nauti- reit. Sie unterquerte jedoch erst im
lus« unter Commander William R. Juni 1962 den Nordpol.
Anderson Pearl Harbor auf Hawaii,
tauchte am 1. August bei Point e Angriffszentrale
Barrow vor Alaska ab und erreich- Von hier wurden Torpedoangriffe
te am 3. August um 23:15 Uhr den gesteuert und die beiden Periskope
geografischen Nordpol. bedient.
In der Nähe von Grönland tauchte sie
am 5. August nach 96-stündiger r Kontrollraum
Unterwasserfahrt wieder auf, nahm Von hier aus wurde das Schiff ge­
Kurs auf den britischen Hafen Port- steuert. Die »Nautilus« konnte über
land. Von dort steuerte sie New York 200 Meter tief abtauchen.
an, wo sie am 25. August eintraf.
Die unter dem Codewort »Sunshine« t Mannschaftsmesse
durchgeführte Operation war nicht Größter Raum im Boot. Alle sechs
nur seefahrererischem Ehrgeiz zuzu- Stunden wurden Mahlzeiten aus­
schreiben: Man hatte gezeigt, dass gegeben.
atomgetriebene U-Boote dank ihrer
überragenden Tauchfähigkeit unent- u Torpedoraum
deckt bis vor die Tore der damaligen Die »Nautilus« war mit 6 Torpedo-
Sowjetunion kommen konnten. Die rohren ausgerüstet und führte 24
Antwort hatte die Rote Flotte schon Torpedos mit. Unmittelbar hinter dem
parat: Bereits seit dem 3. Juli 1958 war Torpedoraum schloss sich eine Mann-
die »Leninski Komsomol«, das erste schaftsunterkunft an.

Nach ihrer Nordpol-Unterquerung wurde die »Nautilus«


am 25. August 1958 mit einer Schiffsparade in New York begrüßt.
161
161

iReaktorraum DATEN DER NAUTILUS ATOM-U-BOOTE WELTWEIT


Die »Nautilus« wurde von einem
Druckwasserreaktor angetrieben. Da- Kiellegung: 14. Juni 1952 auf der Werft USA FRANKREICH
mit konnte das Boot theoretisch ohne von General Dynamics in Groton 71 in Dienst 10 in Dienst
Wartung 90 000 km zurücklegen und Stapellauf: 21. Januar 1954 Größte: Ohio-Klasse (171 m lang) Triomphant-Klasse (138 m lang)
erreichte eine Geschwindigkeit von Außerdienststellung: 3. März 1980
max. 20 kn (41 km/h). Wasserverdrängung: 3 520 t (voll beladen) RUSSLAND CHINA
Länge: 97,5 m 21 (offiziell), 31 (geschätzt) in Dienst unter 10 in Dienst
oHeckräume Breite: 8,5 m Typhoon-Klasse (173 m lang) Jin-Klasse (> 120 m lang)
Das Heck war in 5 Abteilungen geglie- Höhe: 7,9 m
dert: Notausstieg, Kontrollraum für Besatzung: 105 Mann GROSSBRITANNIEN INDIEN
Luftversorgung und Hydraulik, Mann- 11 in Dienst 1 in Dienst
schaftsraum und Krankenstation, Stau- Astute-Klasse (97 m lang)
raum und Kontrollraum für Propeller-
welle und Ruderblätter.

e
o
i t u
r

Ein Offizier erteilt


Anweisungen für Kurs
und Tiefe des U-Boots.

Privatsphäre gibt es auf einem


U-Boot nicht: Blick in den
hinteren Maschinenraum.
162 ZIELE    New London

delle zeigt. Wenn sie im Hafen liegt, lohnt sich auch die Begehung
der »USS Eagle«, des Schulschiffs der amerikanischen Küstenwa-
che. Ironischerweise wurde der herrliche Dreimaster 1936 in
Deutschland als Schulschiff »Horst Wessel« gebaut und von den Al-
liierten beschlagnahmt.
Coast Guard Academy: 15 Mohegan Ave., Mo. – Fr. 9.00 – 16.30 Uhr,
Eintritt frei, Anmeldung in der Waesche Hall erforderlich, www.uscga.edu
»USS Eagle«: i.d.R. Fr. – So. 13.00 – 17.00 Uhr

Lyman Allyn Die der Coast Guard Academy gegenüberliegende und nach einem
Art Museum Walfänger-Kapitän benannte Kunstausstellung beherbergt mit der
»American Collection« einen hochinteressanten Querschnitt durch
das Kunstschaffen in den Vereinigten Staaten und beeindruckende
Exponate zeitgenössischer Kunst.
i 625 Williams St., Di. – Sa. 10.00 – 17.00, So. 13.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt: 10 $, www.lymanallyn.org

Mohegan Der größte Rivale des wenige Meilen weiter nördlich bei Uncasville
Sun Resort & gelegenen Foxwoods Casino (“ S. 163) gehört ebenfalls den indiani-
Casino schen Ureinwohnern dieser Gegend. Die Mohegan-Indianer bieten
ihren Gästen nach einer vor wenigen Jahren erfolgten milliardenteu-
ren Erweiterung neben Hunderten Spieltischen auch einige Tausend
Slot Machines, eine 10 000-Plätze-Arena sowie über drei Dutzend
Geschäfte und Restaurants. Die neueste Attraktion dieses Vergnü-
gungskomplexes ist eines der größten Planetarien der Welt.

Groton
U-Boot- Die gegenüber von New London gelegene städtische Siedlung Gro-
Hauptstadt ton ist keine Schönheit, doch der größte Arbeitgeber lässt allzuviel
der Welt Ästhetik auch gar nicht erst zu: Die Ansiedlung an der Mündung des
Thames River in den Long Island Sound nennt sich nicht unbeschei-
den »U-Boot-Hauptstadt der Welt«. Denn hier residiert der Rüs-
tungskonzern General Dynamics, der größte U-Boot-Hersteller der
Vereinigten Staaten. Ferner ist Groton auch Heimathafen der ame-
rikanischen U-Boot-Flotte. Der nicht zugängliche Marinestützpunkt
umfasst riesige Werftanlagen.

MM Submarine Das Unternehmen General Dynamics baute im Jahr 1954 die legen-
Force däre »USS Nautilus« (“Baedeker Wissen S. 161). Das 1980 ausge-
Museum musterte Boot ist Hauptattraktion dieses Museums gleich neben
dem U-Boot-Stützpunkt, das noch vier U-Boote sowie Filme und
Fotos zur Geschichte der amerikanischen U-Boot-Waffe zeigt.
i Crystal Lake Rd., Mai – Okt. tgl. außer Di. 9.00 – 17.00, Nov. – April tgl.
außer Di. 9.00 – 16.00 Uhr, Eintritt frei, www.ussnautilus.org
New London    ZIELE 163

New London erleben


AUSKUNFT lei Pastas, Wraps und Paninis
New London City Hall serviert. Sehr empfehlenswert:
181 State St. Cod Mediterranean.
New London, CT 06320
Tel. 1 860 4 47 52 01 ÜBERNACHTEN
www.ci.new-london.ct.us Red Roof Inn AA
707 Colman St.
ESSEN New London, CT 06320
On the Waterfront AA Tel. 1 860 4 44 00 01
250 Pequot Ave. www.redroof.com
Tel. 1 860 4 44 28 00 Das verkehrsgünstig am I-95 gelegene
Hier an der Wasserseite der Stadt fühlen Motel ist vor Kurzem aufwendig renoviert
sich besonders Familien mit Kindern worden. Hier können vor allem Familien
wohl, denn außer schmackhaften mit Kindern preisgünstig übernachten,
Fischgerichten werden hier auch aller- denn bis 16 Jahre logiert man umsonst.

Der aus Überresten einer befestigten Anlage des Amerikanischen Fort Griswold
Unabhängigkeitskrieges bestehende Park erinnert mit seinen Aus- Battlefield
stellungen an ein Massaker an amerikanischen Patrioten durch bri- State Park
tische Truppen.
i Monument St. / Park Ave.; tgl. 8.00 Uhr  – Sonnenuntergang; Eintritt frei,
www.revwar.com/ftgriswold/

Die Indianer Neuenglands waren bereits 50 Jahre nach der Ankunft Mashan-
der Weißen so gut wie von der Bildfläche verschwunden. Zumindest tucket
die Mashantucket-Pequot haben ihr Schicksal korrigieren können – Pequot Tribal
so gut, dass plötzlich Hunderte ihrer weißen Nachbarn Indianerblut Nation
in ihren Adern entdeckten, um ein Stück vom großen Kuchen zu er-
gattern.
Der besteht aus dem Foxwoods Resort Casino in Ledyard, 20 Au-
tominuten nördlich von Groton, mit 6 400 Slot Machines, 350 Spiel-
tischen, drei Luxushotels und über zwei Dutzend Restaurants. Das
Casino ist das größte seiner Art der Welt, zieht täglich 40 000 Men-
schen an und wirft über eine Million Dollar ab.
Die Einnahmen finanzierten auch das hervorragende M Mashan-­
tucket Pequot Museum & Research Center. Mit Multimedia und
Riesenaufwand wird hier die 11 000 Jahre alte Kulturgeschichte des
Stammes aufbereitet. Highlights sind die Darstellung einer Karibu-
Jagd vor 11 000 Jahren, ein Pequot-Dorf aus dem 16. Jahrhundert
und ein Wehrdorf aus dem 17. Jahrhundert.
i 110 Pequot Trail, Mi. – Sa. 10.00 – 16.00, letzter Einlass 15.00 Uhr,
Eintritt: 20 $, www.pequotmuseum.org
Kapitel-/
Maine
Regioneneinstieg
Maine    ZIELE 165

MAINE
Fläche: 79 939 km²
Einwohner: 1,33 Mio.
Hauptstadt: Augusta
Beiname: Pine Tree State

Hummer. Fernblick. Brandung. Der


Staat in der äußersten Nordostecke
der USA bietet vor allem rauen Nord-
atlantik, garniert mit Leuchttürmen, kleinen Hafenstädtchen
und bald 5600 km meist felsiger Küstenlinie. Hier lässt sich auf
langen, auch einsamen Strandspaziergängen erahnen, wie
das Leben eigentlich sein sollte.

Größer als die übrigen Neuenglandstaaten zusammen, ist der Pine


Tree State so etwas wie der ungeschliffene Kontrapunkt zur manikür-
ten Neuenglandidylle der Nachbarn. Menschenleere Wälder bede- Raue Natur
cken das Binnenland des Staats, die als »unorganized territories« die
unbestrittene Domäne von Bibern, Wölfen und Elchen sind. Die
höchsten Erhebungen sind der Mount Katahdin (1 605 m ü.d.M.)
im Baxter State Park und die noch immer beeindruckenden Ausläu-
fer der White Mountains nahe New Hampshire. Die wind- und wet-
tergegerbte, extrem zergliederte Felsenküste bringt fast 5 600 km
Küstenlinie zustande, der rund 5 000 Inseln und Schären vorgelagert
sind. Für den Besucher bedeutet dies: Maine findet hauptsächlich an
der Küste statt. Vor allem zwischen Kittery und Portland gibt es schö-
ne Sandstrände, doch Vorsicht: Die kalte Maine-Strömung macht
den Badespaß auch im Hochsommer zu einem nicht sonderlich war-
men Vergnügen!

Im Jahre 1604 ankerte der Franzose Samuel de Champlain in den Geschichte


Gewässern um Mount Desert Island, doch waren es Engländer, die
anno 1607 die kurzlebige Popham Colony gründeten. Die nächsten
hundert Jahre rangen beide um die Vorherrschaft. Während des Un-
abhängigkeitskrieges hielten die Engländer die Küste, im Krieg von
1812 brandschatzten sie die inzwischen amerikanischen Hafenstädte
Maines.
Erst 1820 wurde Maine Bundesstaat, doch fortan blühte die Wirt-
schaft. Holzwirtschaft und Fischfang spülten Geld in die Kassen,
heute verschlafene Städtchen wie Wiscasset, Searsport und Bath wur-
den bedeutende Schiffsbauzentren. Amerikas Expansion nach Wes-

Der beste Hummer kommt aus Maine.


Die Reusen für den Fang sind vorbereitet.
166 ZIELE    Maine

Highlights in Maine
▶▶ Acadia National Park ▶▶ Baxter State Park
Die Perle in der Krone Neuenglands Abgelegene Wildnis
““Seite 167 ““Seite 176

▶▶ Pemaquid Point ▶▶ Camden


Wo die Kräfte der Eiszeit fast Hafenstädtchen in traumhafter
greifbar sind Lage
““Seite 175 ““Seite 183

ten und die Industrialisierung trafen den jungen US-Bundesstaat


Maine umso härter. Sie lösten einen dramatischen Bevölkerungs-
schwund aus und bewirkten eine lange wirtschaftliche Talfahrt, die
während der Depression ihren Tiefpunkt erreichte. Die nach dem
Zweiten Weltkrieg begonnene Diversifizierung zeigte während der
1980er-Jahren erste Früchte. Auch in der Folgezeit verlief die Ent-
wicklung einigermaßen erfreulich. Doch seit dem Ausbruch der
jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2007 hat sich das Bild
wieder eingetrübt.

Bevölkerung Von Maines 1,33 Mio. Einwohnern sind 95,2 % Weiße. Nur noch der
weiter westlich gelegene Bundesstaat Vermont übertrifft diesen Wert
ziemlich knapp. Ansonsten gibt sich der Staat sehr bescheiden – die
größte Stadt, Portland, hat gerade mal 66 200 Einwohner, gefolgt von
Lewiston mit 37 000.

Wirtschaft Nach wie vor bedeutend sind die Holz- und die Papierindustrie. Rei-
che Kartoffelernten machen Maine zu einem der fünf produktivsten
Erdäpfellieferanten der Vereinigten Staaten. Ebenfalls rekordver-
dächtig: 98 % der in den USA verzehrten Blaubeeren werden in
Maine geerntet. Wichtig auch der Hummerfang: Über die Hälfte
dieser in Amerika verspeisten oder aus dem Land exportierten und
in Reusen gefangenen Schalentiere werden vor den Küsten von
Maine aus dem Atlantik gehievt. Der Schiffbau, einst ein prestige-
trächtiges Aushängeschild, konzentriert sich heute in Bath; ein Teil
der US-Atom-U-Boote wird in Kittery gewartet. Sicherstellen sollen
Maines Zukunft jedoch Dienstleistungsindustrien, darunter auch der
Tourismus. Das Geschäft mit den Fremden konzentriert sich auf die
Küste. Geboten werden von Segeltörns mit historischen Windjam-
mern bis hin zu Walbeobachtungstouren und Angelexkursionen; im
Binnenland werden Flüsse wie der Kennebec und der Penobscot als
Paddel- und Rafting-Reviere vermarktet.
Acadia National Park · Mount Desert Island    ZIELE 167

MM Acadia National Park ·


Mount Desert Island
aO4
Region: Down & East Acadia
Fläche: 142 km²

Zwar ist dieses Gebiet der einzige Nationalpark Neuenglands,


doch einer der meistbesuchten der USA. »Wo die Berge das
Meer treffen«, schwärmen die Broschüren und haben damit
ausnahmsweise einmal Recht.

Das größtenteils auf Mt. Desert Island eingerichtete Naturschutzge- Die Perle in
biet ist die unumstrittene »Perle in Neuenglands Krone«: Bis zu Neuenglands
500 Meter hohe und steil aus dem Meer ragende Granitbuckel, tiefe Krone
Fjorde und idyllische Seen sind seine Markenzeichen. Er kann mit
einer artenreichen Flora und Fauna aufwarten. Experten haben in-
nerhalb der Parkgrenzen über 500 Baum- und Pflanzenarten so-
wie rund 300 Vogelarten gezählt. Den wenig gastfreundlichen
Namen erhielt die Insel 1604 von Samuel de Champlain: Der Seefah-
rer aus Frankreich fand ihre felsigen Gipfel »bar aller Bäume« vor.
Das konnte aber die Ostküsten-Elite des 19. Jh.s nicht schrecken,
denn sie machte hier Urlaub, allen voran die Familien Rockefeller,
Ford und Astor. Den Umweltbewussten unter ihnen ist der National-
park zu verdanken: Eine engagierte Gruppe um John D. Rockefeller
vermachte ihr Land zu Beginn des 20. Jh.s der Regierung mit der
Auflage, die Natur für alle Zeit durch einen Nationalpark zu schüt-
zen. Ganzjährig geöffnet, liegt die beste Zeit für einen Besuch außer-
halb der US-Schulferien im Juli und August. Parkinfos halten das
Thompson Island Information Center direkt an der ME 3 und das
Hulls Cove Visitor Center am Parkeingang nordwestlich von Bar
Harbor bereit. Im Park selbst gibt es außer Campingplätzen keine
Unterkünfte. Übernachtet wird in Bar Harbor und anderen Orten auf
Mt. Desert Island sowie dem Festland, etwa in Ellsworth.

Im Acadia National Park


Ein hervorragender Ausgangspunkt für Erkundungen dieses Natio- Ellsworth
nalparks ist das Städtchen Ellsworth im Nordwesten des gern be-
suchten Schutzgebietes.

Die knapp 80 mi/50 km lange Aussichtsroute beginnt am Hulls Cove M Park Loop
Visitors Center und folgt als Einbahnstraße im Uhrzeigersinn zu- Road
nächst der Ostküste, um zuletzt Richtung Jordan Pond landeinwärts
168 ZIELE    Acadia National Park · Mount Desert Island

Den Acadia National Park erleben


AUSKUNFT/ANFAHRT rAcadia Hotel A
Acadia National Park 98 Eden Street,
Information Center Bar Harbor, ME 04609
PO Box 177, Bar Harbor, ME 04609 Tel. 1 207 2 88 57 21
Tel. 1 207 2 88 33 38 www.acadiahotel.com
www.nps.gov/acad 10 Zimmer. Viel Hotel für wenig
Eintritt: Mai – Okt. 25 $ pro Auto inkl. Geld direkt am Green.
Passagiere
WANDERN
ESSEN Man sollte einen der 15 von der letzten
rGalyn's Restaurant AA Eiszeit rund geschliffenen Granitbuckel
17 Main St., Bar Harbor erklommen haben. Beliebtestes Ziel ist
Tel. 1 207 2 88 97 06 der Mt. Cadillac, mit 466 m die höchs-
Leckere Kreationen – vor allem frisches te Erhebung im Nationalpark (auch Fahr-
Seafood, Ribs und Steaks – genießt man straße). Oben bietet sich ein toller Rund-
in schnörkellosem Ambiente. blick, doch ist der Genuss zumindest
während der Sommermonate ein ziem-
eHavana‘s AA lich zweifelhaftes Vergnügen.
318 Main St. Bar Harbor Ruhiger geht es zu auf dem ca. 5 km
Tel. 1 207 2 88 28 22 langen Jordan Pond Shore Trail
Seafood und organische Gerichte nach rund um den Jordan Pond.
Latino-Rezepten gibt es in diesem ge- Richtig ins Schwitzen kommt man auf
schmackvolle eingerichteten Lokal. dem Dorr Ladder Trail, der sich über
gewaltige Granitbrocken arbeitet und
tJasper‘s Restaurant & Motel A besonders schwere Stellen nur mit
High Street, Ellsworth Hilfe von Leitern überwindet.
Tel. 1 207 6 67 53 18
Günstiges und qualitativ hochwertiges RADFAHREN
Steak- und Seafood-Haus, Lobster in vie- Die einst von John D. Rockefeller als
len Variationen. Auch eine sehr günstige Privatstraßen angelegten sogenannten
Übernachtungs­möglichkeit. Carriage Roads sind heute recht be-
schauliche Radwege. Fahrräder (auch
ÜBERNACHTEN Mountainbikes) können in Bar Harbor
eBalance Rock Inn AAA gemietet werden.
21 Albert Meadow,
Bar Harbor, ME 04609 KLETTERN
Tel. 1 207 2 88 2610 Atlantic Climbing School
www.balancerockinn.com 67 Main St., Bar Harbor
14 Zimmer, 3 Suiten. Schöner schlafen Tel. 1 207 2 88 25 21
und mit dem Blick auf die Frenchman Klettern lernen kann man in den aus
Bay aufwachen. Die meisten Zimmer dem Atlantik ragenden Wänden des
verfügen über Whirlpool und Kamin. Nationalparks.
Acadia National Park · Mount Desert Island    ZIELE 169

KAJAK-TOUREN WALE BEOBACHTEN


Coastal Kayaking Tours Bar Harbor Whale Watch Co.
48 Cottage St., Bar Harbor 1 West St., Bar Harbor
Tel. 1 207 2 88 96 05 Tel. 1 207 2 88 23 86
Paddeltouren rund um die French- Walbeobachtungstouren
man Bay von Juni bis Oktober
170 ZIELE    Acadia National Park · Mount Desert Island

zu schwenken. Unterwegs passiert sie mächtige Granitbrocken und


herrliche Aussichtspunkte hoch über der Frenchman Bay. Man sollte
zwei Tage für diese Panoramastrecke einplanen: einen für die Erkun-
dung von Mt. Desert Island, einen weiteren für einen der vielen am
Straßenrand beginnenden Hiking Trails. Der Frenchman Bay Over-
look bietet eine grandiose Aussicht über die Bay hinüber zur Schoo-
dic Peninsula. Ein hübscher, von Felsen umschlossener Sandstrand
ist – wie der Name schon sagt – der Sand Beach. Als »natürliche
Wasserkanone« bekannt ist die Unterwasserhöhle namens Thunder
Hole, und steil aus dem Meer ragen die Otter Cliffs.

Schoodic Eine Autostunde östlich von Mt. Desert Island ragt auf der anderen
Peninsula Seite der Frenchman Bay diese felsige Halbinsel in den Atlantik. Alte
Kiefernbestände klammern sich hier an uralten Granit, eindrucks-
volles Memento der Zeit vor dem systematischen Holzschlag. Eine
herrliche Aussicht auf die bucklige Silhouette von Mt. Desert Island
bietet sich von Schoodic Point am Ende der Halbinsel.

Weitere Orte auf Mount Desert Island


Bar Harbor Als größter Ort auf Mt. Desert Island ist der frühere Fischerhafen
heute das Tor zum Nationalpark. Seine bezaubernde Lage zwischen
Meer und Bergen lockte bereits die Bostoner Oberschicht des 19. Jh.s
an und um 1900 war Bar Harbor die beliebteste Sommerfrische der
Superreichen nach “ Newport, RI. Heerscharen dienstbarer Geister
kümmerten sich damals in herrschaftlichen Residenzen um das
Wohlergehen von Rockefeller & Co. Weltwirtschaftskrise und die
Einführung der Einkommenssteuer machten dem Treiben jedoch ein
Ende und das Feuer von 1947, das fast alle der protzigen Heime in
Schutt und Asche legte, zog auch optisch den Schlussstrich unter die-
se Ära.
Heute ist Bar Harbor ein allen Einkommensklassen offen stehendes
Resortstädtchen – mit allen Vor- und Nachteilen, die Popularität und
Platzmangel mit sich bringen. Hotels und Motels säumen bereits die
einzige Zufahrtsstraße, weitere Unterkünfte, Restaurants und Souve-
nirläden konzentrieren sich rund um die Main Street und im Bereich
der Mount Desert Street. Wie das im Sommer überlaufene Städtchen
früher ausgesehen hat, zeigen die alten Fotos im Bar Harbor Histo-
rical Society Museum. Ein kurzer Spaziergang auf dem Shore Path
beginnt am Fährterminal und führt in etwas mehr als einer Viertel-
stunde amOstufer entlang bis zur Wayman Lane, vorbei an einigen
hübschen Villen, einem alten Inn und mit Blick auf die Porcupine
Islands, Balance Rock, Egg Rock Light die Shoodic-Halbinsel.
Historical Society Museum: 33 Ledgelawn Ave.; Juni – Okt. Mo. – Sa.
13.00 – 16.00 Uhr, Eintritt frei, www.barharborhistorical.org
Augusta    ZIELE 171

Wer in Bar Harbor leben wollte, baute einst im ruhigeren Northeast Northeast
Harbor an der Südspitze von Mount Desert Island. Die verschlafene Harbor
Atmosphäre hat sich der hübsche Ort bewahrt. Ebenfalls still geht es
in den 1928 angelegten Asticou Terraces südlich außerhalb zu, die
besonders zur Azaleenblüte eine Augenweide sind.
Im nahen Southwest Harbor kann man den Hummerfischern zu-
sehen, wie sie ihren Fang anlanden. Noch einmal Hummer und an-
deres Meeresgetier werden im Mount Desert Oceanarium gehalten.

Auf hohem Felsen über dem wogenden Atlantik thront südlich von M Bass Harbor
Southwest Harbor das schwarzweiße Bass Harbor Lighthouse, eines Head
der beliebtesten Fotomotive von Maine.

“Deer Isle Isle au Haut

Augusta
Region: Kennebec & Moose River Valleys
aN4
Höhe: 15 m ü. d. M.
Einwohner: 19 000

Nett, sauber und ansonsten ziemlich unauffällig, ist das 1827


als Hauptstadt Maines eingesetzte Augusta das, was man in
den Vereinigten Staaten gemeinhin mit dem Begriff »low key«
umschreibt.

Das 1628 am Ende des schiffbaren Teils des Kennebec River gegrün- Maines
dete Städtchen begann als Handelsposten der Pilgerväter der Ply- Hauptstadt
mouth Colony und wurde 1797 nach einer Generalstochter benannt.
Einen kurzen Stopover wert ist der ansehnliche Capital District mit
dem State House, dem Maine State Museum und diversen Regie-
rungsgebäuden auf dem Westufer des Flusses.

Sehenswertes in Augusta
Der von einer ansehnlichen Kuppel gekrönte Regierungssitz wurde State House
zwischen 1829 und 1832 nach Plänen des berühmten Bostoner Ar-
chitekten Charles Bulfinch errichtet. Seitdem hat man zwar viele Ver-
änderungen vorgenommen, doch vor allem der Portikus und die
Säulenfassade tragen noch immer die unverkennbare Handschrift
des Baumeisters.
i State u. Capitol Sts.; Mo. – Fr. 9.00 – 17.00, Führungen Mo. – Do. 9.00 bis
13.00, Fr. 9.00 – 12.00 Uhr, www.maine.gov/legis/
172 ZIELE    Bath

Augusta erleben
AUSKUNFT ESSEN
Kennebec Valley Riverfront Barbeque &
Chamber of Commerce Grille AA
269 Western Ave 300 Water St., Augusta
Augusta, ME 04330 Tel. 1 207 6 22 88 99
Tel. 1 207 6 23 45 59 »Seafood & Sausage Jambalaya«, »Veg-
www.kennebecvalleychamber.com gie Risotto« und vieles mehr bekommt
man in netter Atmosphäre angeboten.

Maine State Das größte Museum Maines gehört zum modernen Statehouse Com-
Museum plex und zeigt einen ansprechend inszeniertenQuerschnitt durch die
Natur- und Kulturgeschichte des Bundesstaats.
i 83 State House St.; Di.. – Fr. 9.00 – 17.00, Sa. 10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt
2 $, www.mainestatemuseum.org

Old Fort Das älteste noch existierende hölzerne Fort der USA wurde 1754
Western von den Engländern zum Schutz gegen Indianer und Franzosen ge-
baut, doch nie ernsthaft geprüft. Als Versorgungsstation erlebte es
jedoch während des Unabhängigkeitskrieg den Aufmarsch amerika-
nischer, für Québec bestimmter Invasionstruppen. Noch immer
wuchtig und trutzig, vermittelt es bis heute einen guten Eindruck
vom ersten Kalten Krieg auf amerikanischem Boden.
i tgl. 10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 3,50 $, www.oldfortwestern.org

Bath
Region: Mid Coast
aN5
Höhe: 1 m ü. d. M.
Einwohner: 8 000

Die Arbeiterstadt 60 km nordöstlich von Portland am Kenne-


bec River lebt vom Schiffsbau, seit die ersten Kolonisten vor
fast 400 Jahren hier das erste hochseetüchtige Segelschiff
Nordamerikas, die »Virginia«, zimmerten.

Schiffbauer- Seine Blütezeit erlebte Bath im 18. und 19. Jh. als Heimathafen einer
stadt bis nach China reisenden Handelsflotte. Während der beiden Welt-
kriege und im Kalten Krieg liefen in Bath Kriegsschiffe vom Stapel.
Die Abrüstung brachte Bath an den Rand des Ruins, doch die Um-
stellung auf Frachtschiffe (und weitere Aufträge des Pentagons) ha-
Bath    ZIELE 173

ben die Talfahrt vorerst gestoppt und so sind die zu General Dyna-
mics gehörenden Bath Iron Works nicht nur größter Arbeitgeber der
Stadt, sondern des ganzen Bundesstaates.

Sehenswertes in Bath und Umgebung


Auf dem Gelände und in Gebäuden der Percy und Small Ship­yards, M Maine
die einst einige der größten Segelschiffe der Welt bauten (darun- Maritime
ter 1909 mit der »Wyoming« den größten hölzernen Schoner der Museum

Bath und Umgebung erleben


AUSKUNFT ÜBERNACHTEN
Bath/Brunswick Harbor Region Topside AAA
Chamber of Commerce McKown Hill
2 Main St., Topsham, ME 04086 Boothbay Harbor, ME 04538
Tel. 1 207 7 25 87 87 Tel. 1 207 6 33 54 04
www.midcoastmaine.com www.topsideinn.com
21 Zimmer. Altes Kapitänshaus
Boothbay Region Info Center auf einem Hügel, herrliche Aus-
Rte. 27 & 323 Adams Pond Rd sicht aufs Meer, gemütliche
Boothbay, ME 04537 Zimmer.
Tel. 1 207 6 33 47 43
www.boothbay.org Holiday Inn Bath AA
139 Richardson St., Bath, ME 04530
ESSEN Tel. 1 207 4 43 97 41
Le Garage AAA www.ichotelsgroup.com
Water St., Wisscaset 141 Zimmer. Modernes Mitglied
Tel. 1 207 8 82 54 09 der Mittelklasse-Hotelkette in
Hausmannskost mit Blick auf den Fluss; der Nähe des Maine Maritime
sehr gut: Lamm und Seafood. Museums.

Lobster Dock AA BOOTSAUSFLÜGE


49 Atlantic Ave., Boothbay Harbor Balmy Day Cruises
Tel. 1 207 6 33 71 20 Pier 8, 42 Commercial St.
Handfeste Fischerrezepte mit Lobster, Boothbay Harbor, Tel. 1 207 6 33 22 84
Fisch, Lamm und Rind. www.balmydayscruises.com
u. a. Touren nach Monhegan Island
Beale Street Barbecue A
215 Water St., Bath Boothbay Whale Watch
Tel. 1 207 4 42 95 14 Pier 6, Boothbay, Tel. 1 207 6 33 35 00
Spezialität des Hauses sind Ribs, die Walbeobachteng, aber auch
Grill-Spezialität aus Tennessee. romantische Sunset-Touren
174 ZIELE    Bath

Welt), widmet sich dieses Museum mit informativen Ausstellungen


der glanzvollen Geschichte des Schiffbaus in Bath. Im »Apprentice
Shop« kann man Schiffbauern über die Schulter schauen und erfährt
viel über den Hummerfang; an der Pier liegen historische Schiffe ver-
täut, darunter der 1942 gebaute und fast 50 m lange Schoner »Sher-
man Zwicker«, der einst vor den Grand Banks fischte.
i 243 Washington St.; tgl. 9.30 – 17.00 Uhr, Eintritt: 15,50 $,
www.bathmaine.com

M Popham Südlich von Bath erreicht man auf der kurvenreichen ME-209 nach
Beach 17 mi/26 km durch den lichten Wald Popham Beach. Im Jahr 1607
errichteten englische Siedler am Ende der Landzunge die kurzlebige
Popham Colony, eine der ersten britischen Kolonien in Nordamerika.
Diese scheiterte jedoch schon nach kurzer Zeit – bereits im Jahr darauf
segelten die Überlebenden an Bord der »Virginia« nach England zu-
rück. Das Interesse gilt heute dem Unions-Fort Popham und dem als
State Park geschützten Popham Beach: Der weiße Sandstrand mit den
vorgelagerten, bei Ebbe zu Fuß erreichbaren Felseninseln ist einer der
fotogensten im Nordosten.

Brunswick Das vornehme Städtchen – hier ist übrigens auch das renommierte
Bowdoin College zu Hause – liegt westlich von Bath und erlaubt mit
seinen viktorianischen Bauten an Federal Street und Park Row einen
Blick zurück in die gute alte Zeit. Das Bowdoin College Museum
of Art zeigt amerikanische Malerei, u. a. von Winslow Homer und
Gilbert Stuart. Auf dem College-Campus widmet sich das Peary-
MacMillan Arctic Museum den Verdiensten seiner beiden berühm-
testen Absolventen, der Polarforscher Robert E. Peary und Donald B.
MacMillan.
Bowdoin Museum of Art: Di. – Sa. 10.00 – 17.00, So. ab 14.00 Uhr,
Eintritt frei, www.bowdoin.edu/art-museum
Peary-MacMillan Arctic Museum: Di. – Sa. 10.00 – 17.00, So. ab 14.00
Uhr, Eintritt frei, www.bowdoin.edu/arctic-museum

Wiscasset Kaum zu glauben, aber wahr: Um 1800 war das 10 mi/16 km nörd-
lich von Bath gelegene Wiscasset am Sheepscot River der geschäftigs-
te Hafen nördlich von Boston. Auch liefen hier einige der schnellsten
Klipper des Landes vom Stapel. Der Embargo Act von 1807 versetzte
der blühenden Hafenstadt jedoch den Todesstoß. Seither liegt Wis-
casset im Dornröschenschlaf. Elegante Kapitänshäuser und unver-
hältnismäßig große Kirchen erinnern an jene Zeit. Ein paar hübsche
Restaurants mit Blick auf den träge fließenden Sheepscot laden zu
einem erholsamen Zwischenstopp ein. Das Musical Wonder House,
das Anfang der 1960er gegründet wurde und mit über 500 Musikau-
tomaten aus zwei Jahrhunderten eine der größten Attraktionen der
Stadt war, hat 2014 leider geschlossen.
Bath    ZIELE 175

Die nostalgische Suche nach dem wahren Maine hat den einst idylli- Boothbay
schen Fischerhafen 11m /18 km südlich von Wiscasset am Ende der Harbor
felsigen Boothbay Peninsula zu einem lauten Touristen- und
Segler­treff gemacht. Das Bild des verschachtelten, eng an den Granit
geschmiegten Hafenstädtchens prägen Reklametafeln und Souvenir-
läden. Ende Juni wird es noch enger im Hafenbecken, denn während
der dreitägigen Windjammer Days geben sich prächtige Zwei- und
Dreimastschoner hier ein Stelldichein. Am charmantesten ist Booth­
bay Harbor während eines Segeltörns an Bord eines Schoners. Zahl-
reiche Chartergesellschaften bieten ein- und mehrtägige Törns vor
der tief zerlappten Küste an, Walbeobachtung inklusive.

»Umgebung« ist an der zerklüfteten Küste von Maine ein relativer MM Pemaquid
Begriff: Pemaquid Point erreicht man von Wiscasset auf der US 1 via Point
Damariscotta und dort auf der ME 130 nach Süden. Selten hat die
Eiszeit in Neuengland so fotogene Formen im Fels hinterlassen wie
auf dieser Landspitze am Ende einer schmalen, weit in den Atlantik
reichenden Halbinsel. Der von hellen Längsstreifen durchzogene
dunkle Fels hebt sich eindrucks-
voll vom tief blauen, gegen die Pemaquid Point Lighthouse, einer der meist-
Klippen anrollenden Meer ab. Ein fotografierten Leuchttürme Neuenglands
weißer Leuchtturm mit schwarzer
Kappe, 1827 von John Quincy
Adams in Auftrag gegeben, ver-
vollständigt das Bild, das von Ma-
lern wie Fotografen gern festge-
halten wird.
Das Pemaquid Point Light-
house beherbergt ein kleines
Museum über den Alltag der Fi-
scher und Leuchtturmwärter.
Hinter dem nahen Pemaquid
Beach vermittelt das Museum der
Colonial Pemaquid State Histo-
ric Site einen Eindruck von der
ersten dauerhaften, 1625 von
Engländern hier gegründeten
Siedlung in Maine.
Lighthouse: Memorial Day – Colum-
bus Day, tgl. 10.30 – 17.00 Uhr,
Eintritt frei, Spende erwünscht,
www.lighthouse.cc/pemaquid
Colonial Pemaquid Historic Site:
Memorial Day – Labor Day, tgl.
9.30 – 17.00 Uhr, Eintritt 1,50 $,
www.maine.gov/cgi-bin/doc
176 ZIELE    Baxter State Park

MM Baxter State Park


Region: The Maine Highlands
a N / O 2 / 3
Fläche: 810 km²
Höhe: 1 200 –1 605 m ü.d.M.

Im Jahre 1931 durch eine Schenkung des früheren Gouver-


neurs Percival Proctor Baxter (1876 – 1969) entstanden, schützt
der Park im Norden von Maine ein kaum erschlossenes Out-
door-Paradies.

Den Baxter State Park erleben


AUSKUNFT Von mehreren Eingängen sind der
Baxter State Park Nordosteingang (von Bangor aus via
Park Manager I-95 und ME 159 über Patten) und
64 Balsam Dr., Millinocket 04462 der Südeingang (I-95 und ME 157 via
Tel. 1 207 7 23 5140, Millinocket) die populärsten.
www.baxterstateparkauthority.com Motorräder und übergroße Mobil
Homes sind in diesem State Park nicht
ZUGANG zugelassen.
Die Zufahrten sind von Mitte Mai bis Wanderer und Camper müssen sich
Mitte Oktober täglich von 8.00 bis 16.00 vor Beginn ihrer Touren unbedingt
Uhr geöffnet. vom Parkranger am Eingang registrieren
lassen.
Abenteuerlich ist ein Kanu-Ausflug
auf dem Allagash Waterway.
ÜBERNACHTEN
In dem Schutzgebiet gibt es keine
Hotels und nur zehn sehr einfache
Campingplätze, die vier Monate im
Voraus direkt im Parkhauptquartier
gebucht werden müssen.

AKTIVITÄTEN
Katahdin Outfitters
PO Box 34, Millinocket, ME 04462,
Tel. 1 207 7 23 57 00
www.katahdinoutfitters.com
Bei diesem als sehr erfahrenen gelten-
den Anbieter kann man begleitete Kanu-
und Kajak-Touren auf dem Allagash
Waterway buchen.
Bethel · White Mountains National Forest    ZIELE 177

Bären, Biber und Elche hausen unbehelligt in den dichten Wäldern, Paradiesische
die nur durch Wanderwege und wenige unbefestigte, kaum noch ge- Wildnis
nutzte Holzfällerstraßen erschlossen sind.

Sehenswerte Plätze im baxter state park


Von den Haupteingängen aus führen alle Straßen irgendwann auf die Park Road
Park Road, die als einzige den Park durchquert. Sie ist wie die übri-
gen Straßen schmal und unbefestigt und öffnet nur selten den Blick
auf das Hinterland.

Der Mount Katahdin (1 605 m ü.d.M.) ragt mit seinem mehrere Fuß- MM Mount
ballfelder großen Gipfelblock aus Granit unübersehbar aus dem wel- Katahdin
ligen Wäldermeer heraus. Der Hunt Trail (16,8 km) führt in einer
anstrengenden Tageswanderung auf seinen Gipfel. Lohnend ist auch
der Sandy Stream Pond Trail (2,5 km), von dem aus man schöne
Aussichten auf den Berg hat.

Für Kanuten und Rafter ist der Allagash Waterway nordwestlich vom M Allagash
Baxter State Park eine rund 160 km lange Strecke durch eine wald- Waterway
reiche Flusslandschaft. Mit seinen Stromschnellen und Kanu-Trage-
strecken erfordert er ein Zeitbudget von acht Tagen und gute Kondi-
tion. Bester Einstieg in den Allagash Waterway ist der Chamberlain
Lake westlich vom Baxter State Park. Unerfahrene Naturfreunde
sollten sich unbedingt einem der zahlreichen Ausrüster anvertrauen.

Bethel · White Mountains


National Forest
aM4
Region: Maine Lakes & Mountains
Höhe: 212 m ü.d.M.
Einwohner: 2 500

Mit seiner idyllischen Versammlung historischer Häuser und


dem hübschen Bethel Inn rund um einen parkähnlichen Green
ist das Städtchen zu Füßen der Mahoosuc Mountains im äu-
ßersten Westen von Maine eine ideale Basis für Tagestouren
in die nahen White Mountains.

Erst Mitte der 1980er-Jahre von unternehmerisch gesinnten Hote­


liers aus dem Dornröschenschlaf gerissen, hat sich Bethel seine typi-
sche Neuengland-Atmosphäre trotz der Entwicklung des riesigen
WISSEN In den Wäldern von Maine
Special-Titel

Pfeifenputzer für die Seele


»Gute Nacht, ihr Prinzen von Maine, ihr Könige von Neuengland ...«
Was für ein herrlicher Satz. Unwillkürlich lehnt man sich zurück
und beginnt zu träumen.

Wo liegt dieses Maine? Wer lebt »Gute Nacht« sagt, der pflegt dem
dort? Der Schriftsteller John Irving, Klischeebild des kultivierten Neu-
der den Arzt Wilbur Larch (in der engländers so ganz und gar nicht
Verfilmung gespielt vom wunder- zu entsprechen. Wer hier wohnt,
baren Sir Michael Caine) diesen wurde hier geboren und will hier
Satz in seinem Bestseller »Gottes auch sterben. Trägt Jeans, Wollja-
Werk und Teufels Beitrag« sagen cke und Baseballmütze und be-
lässt, ummauerte Larch's Waisen- treibt, wenn er – oder sie – nicht
haus mit dichtem, tiefgrünem mit einem der riesigen Holztrans-
Wald und ließ als einzige Verbin- porter über die unbefestigten
dung zur Außenwelt nur eine »logging roads« brettert, einen Ge-
holprige Landstraße zu, die dazu neral Store, einen Outfitter für Jä-
noch in eine einzige Richtung führ- ger, Angler und/oder Paddler, oder
te: zur Küste. ein kleines B&B. Die Nachbarn nen-
nen diesen Waldbewohner dann
Unter Maine-iacs auch schon mal »Maine-iac«, seiner
»Gottes Werk und Teufels Beitrag« Ecken und Kanten und Unabhän-
spielt in den 1930er- und 1940er- gigkeit wegen. Und das ist durch-
Jahren, doch geändert hat sich an aus nicht negativ gemeint.
der Dichotomie Maines seitdem
nichts. Die Wälder im Innern sind, Jeder wie er will
auch wenn die Holzindustrie noch Tatsächlich lebt jeder hier nach sei-
so wütet, noch immer groß, grün ner Façon. Dabei gedeiht aber
und undurchdringlich, und der As- manch seltsames Gewächs. Die
phalt, wenn es ihn denn gibt, breite Palette reicht von der letz-
strebt nach wie vor dem Meer ent- ten praktizierenden Shaker-Ge-
gegen. Dort liegen auch heute die meinde (“ S. 194) der Welt, einer
meisten Städte, leben die meisten kleinen Schar sanfter christlicher
Menschen, findet das moderne Fundamentalisten, die vierzig Au-
Maine statt. Die Wälder hingegen, tominuten nördlich von Portland
die hier nur »the Maine Woods« das Himmelreich auf Erden lebt, bis
genannt werden, sind so leer ge- zu Künstlern und Schreinern wie
blieben, dass Gegenden wie das Chris Becksvoort (www.chbecks-
Piscataquis County, wo nur drei voort.com), der bei New Glouces-
Menschen auf dem Quadratkilo- ter viele Monate mit dem Bau ei-
meter leben, bereits als »voll« gel- nes Schranks zubringt, weil ihm
ten. Wer unter dieser tiefgrünen Qualität über alles geht (und seine
Decke aus Nadel- und Laubbäu- Kunden bereit sind, die bis zu fünf-
men lebt und Elch, Bär und Biber stelligen Beträge zu zahlen, ohne
179
-179

In den Wäldern von Maine begegnet man allerlei einsamen Gesellen.

mit der Wimper zu zucken). Weni- weigerer unternahm mehrere


ger sichtbar, doch allgegenwärtig, Wander- und Paddeltouren rund
sind die vielen Unzufriedenen, die um den Moosehead Lake und be-
hier hausen: Demokraten, Republi- stieg auch den Mt. Katahdin. Ihm
kaner, Hippies, linke Gewerkschaf- folgten Kanufahrer und Hiker, da-
ter, rechte Abtreibungsgegner, runter abenteuerliche Gestalten,
Fair-Trade-Aktivisten und militante die auf dem Appalachian Trail aus
Befürworter des zweiten Zusatzar- Georgia heraufkommen und am
tikels zur US-amerikanischen Ver- Ende ihrer dreimonatigen Wande-
fassung, der das Tragen von Waf- rung die härteste aller Prüfungen
fen erlaubt. Zuletzt traf sich dieser zu bestehen haben. Nein, nicht die
skurrile, aber friedliche Haufen im Besteigung des Mt. Katahdin
Jahr 2009 am Rand der Ortschaft (1 605 m ü.d.M.), der sich majestä-
Parsonsfield im Süden von Maine, tisch über die Wälder erhebt. Und
um als »2nd Maine Militia« die auch nicht den 2007 eröffneten
Lage und Moral der Nation zu dis- Thoreau-Wabanaki-Trail, der Tho-
kutieren und – als ritualisierten reaus Spuren folgt. Südlich vom
Ausdruck der Kritik an der ameri- »Berg der Berge«, zwischen dem
kanischen Konsumgesellschaft – Nest Monson und Abol Bridge am
ausrangierte Fernseher mit echten Südrand des Baxter State Park
Gewehren zu »erschießen«. (“  S. 176), verdichtet sich die Wild-
nis zu einem eng verknoteten Inei-
Seelenreinigung nander aus Bäumen, Büschen, Fel-
Die Wälder von Maine reinigen die sen und Sümpfen. Schon die
Seele. Einer der ersten, der das er- hartgesottensten Wanderer haben
kannte, war Henry David Thoreau in diesem »100-Mile-Wilderness«
(1817 –  1862). Der große Philo- genannten Korridor aufgegeben.
soph, Wehrdienst- und Steuerver- Und sich selbst dabei gefunden.
180 ZIELE    Bethel · White Mountains National Forest

Bethel erleben
AUSKUNFT ESSEN / ÜBERNACHTEN
Bethel Area The Bethel Inn AAAA
Chamber of Commerce On the Common, Tel. 1 207 8 24 21 75
8 Station Place, PO Box 1247 www.bethelinn.com
Bethel, ME 04217, Tel. 1 207 8 24 22 82, Traditionsreiche Herberge mit 62 Zim-
www.bethelmaine.com mern, feinem Dining Room und eige-
nem Golfplatz

Sunday River Ski Resort im nahen Newry bewahrt. Über die Ge-
schichte der Region informiert im Robinson House des Regional
History Center eine aus historischen Fotos und volkskundlichen Ar-
tefakten zusammengestellte Ausstellung.
i 14 Broad St., Di. – Fr. 10.00 – 12.00 u. 13.00 – 16.00 Uhr, Eintritt frei,
Spende erbeten, www.bethelhistorical.org

In die White Mountains


M Evans Notch Westlich von Bethel kommt man in eines der schönsten unbewohn-
ten Täler der White Mountains: Evans Notch. Von der ME 2 biegt
man nach 14 mi/25 km links auf die ME 113 nach North Chatham
ab. Eng an die Hänge geschmiegt, begleitet die Straße hoch über dem
Fluss das Cold River Valley und gibt herrliche Blicke auf die bis in
den Frühsommer schneebedeckten White Mountains frei.

M Grafton Schon der Weg zum Grafton Notch State Park ist das Ziel. Von Bethel
Notch State folgt man der ME 26 für 25 mi/40 km nordwestwärts durch das Bear
Park River Valley, dann ansteigend durch Mischwald und Fels. Stärker
befahren ist die Straße im Juli und August, wenn die Frankokanadier
aus Québec sich auf die Fahrt zur Küste machen. An der Straße be-
ginnende Trails enden an schönen
Orgonon Fotomotiven: den Screw Auger
Falls und den Mother Walker
TIPP

Wirklich nur für Spezialisten: Im Falls, von denen aus der Old Speck
60 mi/96 km nördlich von Bethel Mountain (1 274 m ü.d.M.), Mai-
gelegenen Rangeley ließ sich 1942 nes dritthöchster Berg, zu sehen ist.
der Wiener Psychoanalytiker Wil- Wo die ME 26 den Appalachian
helm Reich nieder. Sein Haus »Or- Trail kreuzt, kann man auf dem
gonon« in der Dodge Pond Road Eyebrow Trail zur über 240 m ho-
ist heute Museum (Juli und Aug. hen Eyebrow-Felswand marschie-
Mi. – So. 13.00 bis 17.00 Uhr, Sept. ren und schöne Blicke auf das Bear
nur So., Eintritt 6 $).
Valley genießen.
Blue Hill Peninsula · Deer Isle    ZIELE 181

M Blue Hill Peninsula ·


Deer Isle
aO4
Region: Down East & Acadia Region

Nur wenige Touristen verirren sich hierher: Ein Ausflug an die


Ostseite der Penobscot Bay führt in ein Stück USA aus der Zeit
vor Fastfood und Interstates.

Dichte Wälder, fette Weiden und verschlafene Nester, winzige Fi- Der Zeit
scherhäfen, deren Einwohner den köstlichen Hummer aus der Tiefe entronnen
hieven, prägen die Blue Hill Peninsula und die vorgelagerte Insel
Deer Isle, die per Dammstraße mit dem Festland verbunden ist.

Rundfahrt
Für die knapp 100 mi/60 km lange Rundfahrt sollte man einen gan-
zen Tag veranschlagen. Dazu verlässt man Bucksport auf der US 1

Blue Hill Peninsula · Deer Isle erleben


AUSKUNFT ÜBERNACHTEN
Blue Hill Peninsula The Blue Hill Inn AA
Chamber of Commerce 40 Union St. Blue Hill, ME 04614
107 Main St., PO Box 520 Tel. 1 207 3 74 28 44
Blue Hill, ME 04614, Tel. 1 207 3 74 32 www.bluehillinn.com
42 www.bluehillpeninsula.org 11 Zimmer. Historische, im
eleganten Federal Style mitten
ESSEN im Ort erbaute Herberge mit
Arborvine AAA geschmackvoll eingerichteten
Main St. / Tenney Hill, Blue Hill Zimmern.
Tel. 1 207 3 74 21 19
Raffinierte Spezialitäten wie Tournedos Inn on the Harbor A
Bordelaise mit Ziegenkäse in gediegener 45 Main St. Stonington, ME 04681
Neuengland-Atmosphäre. Tel. 1 207 3 67 24 20
www.innontheharbor.com
Fisherman's Friend Restaurant A Aus vier viktorianischen Häusern
5 Atlantic Ave., Stonington, ME bestehende Unterkunft direkt am
Tel. 1 207 3 67 24 42 Hafen; Terrasse mit schönem Hafen-
Frische Fische und Hummer satt; hüb- blick, 10 der 14 Zimmer haben Blick
scher Blick auf den kleinen Hafen aufs Wasser.
182 ZIELE    Blue Hill · Peninsula Deer Isle

nach Norden und biegt wenig später bei Orland auf die ME 175 nach
Süden ab.

MM Castine Mächtige alte Ulmen säumen die Straßen, große, alte Häuser träu-
men behaglich von vergangenen Zeiten: Castine gilt als einer der
schönsten Orte Maines. Die Vergangenheit war allerdings weniger
friedlich. Im 17. Jh. stritten sich Holländer, Franzosen und Engländer
um den Ort, der erst 1760 unter den Engländern permanent besiedelt
wurde. 1783 ging Castine in amerikanische Hände über. 1941 wurde
die renommierte Maine Maritime Academy hier angesiedelt. Ihr
Schulschiff, die 165 m lange »State of Maine«, überragt den Ort
und kann, wenn es da ist, besichtigt werden. Das aus vier Häusern
bestehende Wilson Museum wartet mit einem liebenswerten Sam-
melsurium prähistorischer Funde aus aller Welt auf. Gleich daneben:
das John Perkins House, das älteste Haus des Orts und britische
Offiziersunterkunft im Krieg von 1812.
Wilson Museum: Perkins St.; Memorial Day – Sept. Di. – So.
14.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei.

M Deer Isle Um nach Deer Isle zu gelangen, fährt man von Castine wieder ein
Stück zurück und dann auf der ME 175 nach Süden. Die Insel ist tat-
sächlich das, was gern mit »off the beaten tracks« (»abseits der Tou-
ristenpfade«) beschrieben wird. Brücken und Dämme verbinden
Auch auf den sandigen und moorigen Böden auf Deer Isle findet
man Cranberries (amerikanische Moosbeeren) in Hülle und Fülle.
Camden · Rockland    ZIELE 183

Inseln und verkürzen Wege um tief eingeschnittene Buchten, Künst-


ler machen mit formlosen Schildern auf ihre Ateliers aufmerksam.
Zwischen Deer Isle Village, einem unprätentiösen Ensemble aus
Schindelhäusern und Hummerkäfigen, und Stonington liegt die re-
nommierte Haystack Mountain School of Crafts, an der Kunst-
freunde aus aller Welt Workshops buchen.
Der lange isolierte kleine Fischerhafen Stonington an der Südspitze
der Halbinsel nähert sich dieser Tage mit neuen Cafés und Galerien
an der Main Street zaghaft dem Tourismus – auch wenn Fischkutter
laut Stadtverordnung bei der Vergabe von Ankerplätzen noch immer
Vorrang haben. Dennoch können Urlauber hier noch ein Stück altes
Maine genießen, das kleine Deer Isle Granite Museum besuchen
und zu einer der schönsten Tagestouren Neuenglands durch die In-
selwelt der Penobscot Bay hinüber zur M Isle au Haut ablegen. Die
Verbindung besorgen mehrmals täglich die Fähren. Das winzige Fel-
seneiland 10 km südlich von Deer Isle wird hälftig vom “Acadia Na-
tional Park verwaltet. Von Duck Harbor aus führen schöne, insge-
samt knapp 30 km lange Trails kreuz und quer über die Insel, die
ihren Namen 1604 von Samuel de Champlain erhielt. Ein Muss ist
die Besteigung des 180 m hohen Duck Harbor Mountain.
Haystack Mountain School of Crafts: 89 Haystack School Dr., Führungen
Mi. 13.00 Uhr, www.haystack-mtn.org
Deer Isle Granite Museum: Main St.; Memorial Day – Labor Day Mo. – Sa.
10.00 – 17.00, So. ab 13.00 Uhr
Isle au Haut: Isle au Haut Boat Services, Stonington, ME, Sea Breeze Ave.,
Tel. 1 207 3 67 51 93, www.isleauhaut.com

Im Namensgeber der Halbinsel ist nicht viel los. Muss es auch nicht: Blue Hill
Gerade die gemächliche Atmosphäre in dem viktorianischen Städt-
chen zwischen dem 300 m hohen Blue Hill und der Blue Hill Bay ist
es, die Stadtneurotiker anlockt. Buch- und Möbelläden, Kunsthand-
werksläden sowie schöne Cafés und Restaurants sorgen dafür, dass
auch verwöhnte New Yorker auf nichts zu verzichten brauchen.

MM Camden · Rockland
Region: Greater Portland & Casco Bay
aN4
Höhe: 10 – 60 m ü.d.M.
Einwohner: Camden 5 200, Rockland 7 300

Zwei Städtchen, dicht beieinander, verkörpern zwei Facetten


von Neuengland: Camden, »eine der schönsten Lagen Neu-
englands«, und Rockland mit gleich zwei Titeln: »Schooner
Capital of the World« und »Lobster Capital of the World«.
184 ZIELE    CAMDEN · ROCKLAND

Als einer der schönsten Naturhäfen der Welt präsentiert sich Camden
im Indianersommer.

Tatsächlich: »Eine der schönsten Lagen Neuenglands«, denn alle üb-


rigen Adjektive erübrigen sich schlichtweg. Zudem ist das zu Füßen
der steil aufragenden Camden Hills liegende Hafenstädtchen seit
über 100 Jahren das Ziel der segelsportbegeisterten Ostküsten-Elite.
Ihre Häuser, in allen einst fashionablen Stilen oszillierend, prägen die
stillen Seitenstraßen noch immer, mit Blumengärten und alten Bäu-
men als dazu passendem Rahmen. Blumen über Blumen auch im
kompakten Zentrum, wo an der Main Street gute Restaurants und
Bistros liegen und Boutiquen hochwertige Freizeitkleidung für Frei-
zeitskipper verkaufen. Der Yachthafen ist hier immer und überall zu
sehen, die Masten prächtiger Segler pflegen das Städtchen zu überra-
gen: Gemeinsam mit dem benachbarten Rockland gilt Camden als
Mekka für Windjammer-Kreuzfahrten. Den besten Blick über die-
ses Juwel hat man vom Gipfel des 264 m hohen Mount Beattie. Auf
dem US 1 und via Camden Hills State Park 2 mi/3 km nördlich von
Camden erreichbar, bietet er schöne Aussichtspunkte über das Städt-
chen und die Inselwelt der Penobscot Bay.
Camden · Rockland    ZIELE 185

Camden · Rockland erleben


AUSKUNFT Captain Lindsey House
Penobscot Bay Inn AA
Regional Chamber of Commerce 5 Lindsey St., Rockland, ME 04841
2 Public Landing, PO Box 919, Tel. 1 207 5 96 79 50
Camden, ME 04843 www.lindseyhouse.com
Tel. 1 207 2 36 44 04 9 Zimmer. Hübsches Haus von 1837. Die
www.mainedreamvacation.com Betten haben weiche Federkissen (in der
amerikanischen Hotellerie keine Selbst-
ESSEN verständlichkeit).
Café Miranda AAA
15 Oak St., Rockland SEGELTÖRNS
Tel. 1 207 5 94 20 34 »Boating« und »Windjammer-
Gemütliches Bistro-Restaurant mit Thai-, Trips« versprechen unvergessliche
Tex-Mex- und amerikanischer Küche. Urlaubs­erlebnisse: an Bord alter
Hummerfänger hinausfahren
Cappy's Chowder House AA oder auf Zweimastern vor dem
Main St., Camden, ME Wind die Felsenküste entlang
Tel. 1 207 2 36 22 54 kreuzen.
Frisches Seafood wird in heimeligem
Seebären-Ambiente serviert. Lively Lady Too
Camden, ME, Public Landing
The Monhegan House Café AA Tel. 1 207 2 36 66 72
Monhegan Island, Tel. 1 207 5 94 79 83 www.camdenharborcruises.com
Pizza, Pasta, Seafood und Salate in üppi-
gen Portionen Schooner American Eagle
Rockland, ME, Tel. 1 207 5 94 80 07
ÜBERNACHTEN www.schooneramericaneagle.com
Island Inn AAA
1 Ocean Avenue NACH MONHEGAN ISLAND
Monhegan Island, ME 04852 Von Mai bis Ende Oktober mit
Tel. 1 207 5 96 03 71 »Elizabeth Ann« und »Laura B.«
www.islandinnmonhegan.com von Port Clyde aus. Fährverbindun-
32 Zimmer. 1807 über dem Hafen er- gen nach Monhegan Island be-
richtet; schöne Zimmer mit Meerblick. stehen auch von New Harbor und
Boothbay Harbor aus. Wegen der
The Blue Harbor House AA begrenzten Kapazitäten sollten
67 Elm St. Camden, ME 04843 Fähre wie Hotel so früh wie mög-
Tel. 1 207 2 36 31 96 lich gebucht werden.
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14 Zimmer mit Himmelbetten; tolles Monhegan Boat Line
Frühstück mit Hummer-Quiche und Blau- Tel. 1 207 3 72 88 48
beerpfannkuchen www.monheganboat.com
186 ZIELE    Camden · Rockland

Rockland Rauer als Camden, aber deshalb kaum weniger interessant, wirbt der
nur wenige Meilen bzw. Kilometer südlich von Camden am Südaus-
gang der Penobscot Bay gelegene Fischerhafen als »Schooner Capital
of the World« und »Lobster Capital of the World« um Besucher. Tat-
sächlich liefen in Rockland mehr Windjammer vom Stapel als an-
derswo an der Ostküste der USA, bieten heute über ein Dutzend
Veranstalter ein- und mehrtägige Windjammer-Kreuzfahrten vor
der Küste an und dreht sich während des Maine Lobster Festival
Anfang August alles um die Delikatesse aus den Fluten. Zahllose Im-
bissbuden locken dann am Hafen mit frischem Hummer direkt aus
dem Kessel.
Klein, aber fein präsentiert sich das M Farnsworth Art Museum and
Wyeth Center. Dieses hervorragende Kunstmuseum konzentriert
sich auf die Werke von Künstlern mit Bezug zu Maine. Zu sehen sind
u. a. Bilder und Skulpturen von Homer Winslow, Andrew und Jamie
Wyeth und Louise Nevelson.
i 16 Museum St.; Mitte Mai – 1. Nov. tgl. 10.00 – 17.00, Mi. bis 20.00, Dez.
bis Mitte Mai Mi. – So. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt 12 $,
www.farnsworth museum.org

M Monhegan Bester Ausgangspunkt für die Fahrt nach Monhegan Island ist Port
Island Clyde 15 mi/24 km südlich von Rockland. Nach etwa eineinhalb-
stündiger Überfahrt taucht der einen Kilometer breite und zweiein-
halb Kilometer lange Felsenrücken wie ein riesiger Wal aus den Flu-
ten auf.
Dieses kleine Eiland ist beliebt bei allen, die Ruhe suchen und
dem Stress auf dem Festland für eine Weile den Rücken kehren wol-
len. Rund 16 mi/25 km Wanderwege führen zu den höchsten Klip-
pen Neuenglands – den zirka 50
Linsen, Wächter, Kringelmuster Meter hohen Felsen White Head
und Burnt Head – sowie zu Seevo-
gelkolonien und einem historischen
TIPP

Leuchtturm-Fans, aufgepasst! In
Rockland findet man die größte Leuchtturm. Gemütliche Hotels,
Sammlung von Leuchtturm-Arte- nette Restaurants und ein kleines
fakten der Welt. Das Maine Light- Kunstmuseum garantieren ebenso
house Museum zeigt Fresnellinsen erholsame wie unvergessliche Insel-
und Gegenstände aus dem einsa- tage.
men Leben der Leuchtturmwärter, Berühmte Maler wie Edward Hop-
dazu Fotos, Dokumente und per und Rockwell Kent, die einst die
Tagebücher aus jener Zeit, als Insel als Quelle der Inspiration ent-
Leuchttürme dicht gestaffelt die deckten, haben zudem eine kleine
Schiffer vor Riffen und Untiefen Künstlerkolonie entstehen lassen.
warnten (1 Park Dr., Juni bis Okt. In den Galerien kann man in der
Mo. – Fr. 9.00 – 17.00, Sa. u. So. sommerlichen Hauptsaison zauber-
10.00 – 16.00, Nov. – Mai Mi. – Sa. hafte Inselmotive bestaunen und
9.00 – 17.00 Uhr) auch erwerben.
Cobscook Bay    ZIELE 187

M Cobscook Bay
Region: Down East & Acadia
aP4
Im äußersten Nordostzipfel der Vereinigten Staaten läuft Mai-
nes Küste ein letztes Mal zu Hochform auf.

Von der Passamaquoddy Bay durch einen knapp 5 km breiten Zerlappte


Durchlass getrennt, liegen an der Cobscook Bay winzige, untouristi- Küste
sche Fischerdörfer. Wie tief die Bay ins Landesinnere dringt, verdeut-
lichen zwei Zahlen: Die Fischerhäfen Eastport und Lubec liegen nur
5 km Luftlinie auseinander, zu Land aber sind es 64 km.

Sehenswertes an der Cobscook Bay


In Lubec sieht Amerika die Sonne zuerst aufgehen. Die östlichste
Siedlung der USA wurde 1780 gegründet. Heute ist der auf einer fel-
sigen Halbinsel liegende Ort beliebt als Ausgangspunkt für Boots-
exkursionen nach Machias Seal Island, wo Robben- und Papageien-
taucherkolonien aus nächster Nähe beobachtet werden können.

Auf hoher Klippe thront das 1808 erbaute Quoddy Head Lighthouse, M Quoddy
der östlichste Punkt der USA. Diese 10 km südöstlich von Lubec Head State
liegende Stelle bietet herrliche Blicke auf die bereits zu Kanada ge­ Park
hörende Insel Grand Manan und die wildromantische Felsenküste.

Cobscook Bay erleben


AUSKUNFT Ferienhäuschen bieten allen Komfort.
Cobscook Bay Area Und wer sportlich aktiv sein möchte,
Chamber of Commerce kommt hier auch auf seine Kosten:
PO Box 42, Whiting, ME 04691 Räder und Kanus stehen zur Verfügung.
Tel. 1 207 7 33 88 00
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1Rte. 189, 385 Country Rd.,
übernachtEN Lubec, ME 04652, Tel. 1 207 7 33 55 01
Cobscook Bay Cottages AAA www.eastlandmotel.com
373 Birch Point Rd. Sympathisches Motel in top Zustand mit
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Hier kann man bestens ausspannen. Die zum Erkunden der Umgebung!
188 ZIELE    Moosehead Lake

Moosehead Lake
Region: The Maine Highlands
aN3
Ein alter Elchbulle pflügt mit seinen mächtigen
Schaufeln das klare Wasser, fleißige Biber schieben Äste über
das Wasser zu ihren Burgen, am Himmel kreisen Weißkopfsee-
adler.

Wildnis mit Die Region um den Moosehead Lake im Norden Maines ist eines der
Schönheits­ wenigen Gebiete im Nordosten, das dem europäischen Wildniskli-
fehlern schee nahe kommt. Straßen und Städte gibt es kaum, dafür umso
mehr Wald und tausende, oft namenlose Seen, die insgesamt ein
Viertel Neuenglands ausmachen. »Unberührt« ist diese Wildnis je-
doch längst nicht mehr. Die Wälder bestehen fast durchweg aus Bäu-
men der dritten oder gar vierten Generation, die prachtvollen, jahr-
hundertealten Kiefern endeten schon vor 150 Jahren als Masten von
Segelschiffen. Dennoch gibt es hier auch noch relativ naturbelassene
Enklaven. Brennpunkt des Geschehens ist der eigentliche 187 km²
große Moosehead Lake. Der See ist mit seinen Inseln und ungezähl-
ten Buchten ein wahres Angler- und Kanuparadies. Als Ausgangs-

Indian Summer am Moosehead Lake


Moosehead Lake    ZIELE 189

Moosehead Lake erleben


AUSKUNFT letzter Abschnitt des Appalachian
Moosehead Lake Region Trail. Diese 160 km zum Mount
Chamber of Commerce Katahdin stellen auch erfahrene
Indian Hill Plaza, PO Box 581 Bergwanderer vor besondere
156 Moosehead Lake Rd. (Rte. 15) Herausforderungen. Für jeder-
Greenville, ME 04441 mann machbar ist hingegen der
Tel. 1 207 6 95 27 02 Trail auf den Mount Kineo.
www.mooseheadlake.org
PaDdeln, Rafting
ESSEN Northern Outdoors
Stress-Free Moose Pub & Cafe AAA 1771 US 201, The Forks
65 Pritham Ave., Greenville Tel. 1 207 6 63 44 66
Tel. 1 207 6 95 31 00 www.northernoutdoors. com
Hier erzählen sich Abenteurer aus nah Südwestlich von Greenville rauscht
und fern tolle Geschichten in Jägerlatein der Kennebec River durch die engen
bei riesigen Burgern und viel Bier. Schluchten der Kennebec Gorge.
Veranstalter bieten von Mai bis
ÜBERNACHTEN Oktober unterschiedliche Touren-
Lodge at Moosehead Lake AAAA pakete an.
Lily Bay Rd., Greenville, ME 04441
Tel. 1 207 6 95 44 00, Dampferfahrt
www.lodgeatmooseheadlake.com Katahdin Cruises
5 Zimmer und 3 Suiten. Luxuriöses 12 Lily Bay Rd., P.O. Box 1151
Versteck bei Greenville, mit ausge- Greenville, ME 04441-1151
dehnten Rasenflächen bis hinunter Tel. 1 207 6 95 27 16
zum See. www.katahdincruises.com
Mit dem 1914 gebauten Dampfer
Wandern »Katahdin« kann man vom
In Monson (südwestlich von Greenville) Memorial Day bis in den Herbst
beginnt die »100-Mile-Wilderness« als hinein Ausflüge unternehmen.

punkt für eine Erkundung dieses Gewässers bietet sich die


156 mi/250 km nördlich von “ Portland gelegene Ortschaft Green-
ville am Südufer des Sees an. Dort gibt es außer einem Museum zur
Geschichte der Region auch »Outfitter«, die Angel- und Kanutrips
auf dem See organisieren.

Von Rockwood etwas nördlich von Greenville aus kann man sich Mount Kineo
mehrmals täglich mit dem Kineo Shuttle zum Mount Kineo am ge-
genüberliegenden Ufer bringen lassen. Seine über 200 m hohen, stei-
len Klippen bieten einen herrlichen Rundumblick über weite Teile
des Moosehead Lake.
190 ZIELE    Portland

M Portland
Region: Greater Portland & Casco Bay
aM5
Höhe: 0 – 18 m ü.d.M.
Einwohner: 68 000

Die größte Stadt Maines liegt 110 mi/170 km nordöstlich von


Boston am Ende der inselübersäten Casco Bay. Museen, Colle-
ges und Straßencafés geben der Stadt ein weltoffenes Flair,
das man gern ein paar Tage länger genießt.

Das Zentrum Portland ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Nord-Neu-
von Neu- englands und Sitz von rund 180 Unternehmen der verarbeitenden
englands Industrie. Von Mai bis Oktober verbinden Autofähren die Stadt mit
Norden der kanadischen Atlantikprovinz Nova Scotia. 1632 als Falmouth ge-

Portland erleben
AUSKUNFT und Suiten liegt am Alten Hafen (Old
Greater Portland CVB Port). Von vielen Zimmern hat man
94 Commercial St., Suite 300 einen tollen Blick auf die Bay.
Portland, ME 04101
Tel. 1 207 7 72 58 00 rHoliday Inn by the Bay AA
www.visitportland.com 88 Spring St., Portland, ME 04101
Tel. 1 207 7 75 23 11
ESSEN www.innbythebay.com
eHugo's AAA 239 Zimmer. Von außen eher nüchtern,
88 Middle St., Tel. 1 207 7 74 85 38 innen dafür umso schöner; von vielen
Kreative Spielereien in elegantem Zimmern bietet sich ein schöner Aus-
Ambiente, sehr gut: alles von der Ente. blick über die Casco Bay.

rBack Bay Grill AA SHOPPING


65 Portland St., Tel. 1 207 7 72 88 33 Portland überrascht mit einem unge-
Eleganter Amerikaner in historischer wöhnlich umfangreichen Shopping-
Apotheke. Alles vom Grill, aber auch angebot. Die beste Adresse für Gale-
exotische Pastagerichte. rien, Kunst- und Antiquitätenläden ist
der Old Port Exchange. An der etwas
ÜBERNACHTEN weiter landeinwärts parallel zur Ufer-
ePortland Harbor Hotel AAA linie verlaufenden Congress Street
468 Fore St. Portland, ME 04101 reihen sich moderne Geschäfte an-
Tel. 1 207 7 75 90 90 einander, darunter Trend-Boutiquen mit
www.portlandharborhotel.com Espresso-Ausschank und mutigen Gale-
Das neue Luxushotel mit 100 Zimmern risten.
Portland    ZIELE 191

gründet, stand Portland dreimal kurz vor dem Aus: 1676, als India-
ner es niederbrannten, 1775, als die Briten die aufmüpfige Stadt in
Schutt und Asche legten, und 1866, als der größte Teil einem Stadt-
brand zum Opfer fiel. Jedes Mal kam Portland jedoch umso schöner
wieder und präsentiert sich heute vor allem im Old Port mit sorgfäl-
tig restaurierter, viktorianischer Eleganz. Commercial, Union und
Pearl Streets bieten hier kopfsteingepflasterte Altstadtromantik mit
etlichen Pubs, Restaurants und schönen Geschäften.
192 ZIELE    Portland

Sehenswertes in Portland
M Old Port Einen geruhsamen Stadtbummel mit anschließendem Cappuccino
verspricht das landesweit als gelungenes Beispiel menschenfreundli-
cher Stadtsanierung geltende Hafenviertel. Restaurants, Kneipen,
Antiquitäten- und Möbelläden lohnen besonders in Fore, Exchange
und Middle Street einen zweiten Blick.

M Portland Selbst ein Kunstwerk – im Jahr 1983 fügte Stararchitekt I. M. Pei dem
Museum of Museum das mit Bullaugen und Dreiecken versehene Shipman Pay-
Art son Building hinzu –, beherbergt das größte Museum des Staats herr-
liche, Natur und Menschen Maines thematisierende Gemälde. Aus-
gestellt sind prominente Künstler wie Edward Hopper und Andrew
Wyeth. In der europäischen Sammlung sollte man sich die Monets,
Picassos und Renoirs nicht entgehen lassen. Gleich mehrfach präsen-
tiert werden Glaswaren und historische Möbel.
i 7 Congress St., Memorial Day – Columbus Day tgl. 10.00 – 17.00, Fr. bis
21.00 Uhr, Eintritt: 15 $, www.portlandmuseum.org

Portland Beim Nachbarn des Kunstmuseums können Kinder bis zu zwölf Jah-
Children's ren u. a. Hummerfischer spielen, in einem »echten« Fluss angeln und
Museum dabei alles Wichtige über ökologische Zusammenhänge erfahren.
i 142 Free St., Memorial Day – Labor Day Mo. – Sa. 10.00 – 17.00, So. ab
12.00 Uhr, sonst Mo. geschlossen, Eintritt: 10,75 $, www.portlandcm.org

Victoria Was beim Feuer von 1866 noch alles verloren ging, ahnt man indieser
Mansion herrlichen Residenz von 1860. Italienische Marmorkamine, schotti-
sche Teppiche, Mobiliar aus Rosenholz: Das im toskanischen Renais-
sancestil errichtete Haus gilt als eines
Inselhüpfen à la Maine der schönsten der Ostküste.
i 109 Danforth St., Mai – Okt. Mo. – Sa.
TIPP

359 der 365 Inseln in der Casco 10.00 – 16.00, So. 13.00 – 17.00 Uhr,
Bay sind unbewohnt – welch Eintritt: 15 $, www.victoriamansion.org
ein Revier für passionierte Insel-
hüpfer! Mit dem täglich an der Das heute ziemlich schmucklos wi-
Waterfront des Old Port Exchange kende Wadsworth – Longfellow
ablegenden Postboot können Sie House wurde anno 1785 erbaut im
sich von Mitte Juni bis Labor Day Auftrag von General Peleg Wads-
von einer Insel zur anderen brin- worth, dem Großvater von Henry
gen lassen, anregend mit den In- Wadsworth-Longfellow. Der US-
sulanern plauschen und dabei die amerikanische Dichterfürst ver-
Skyline Portlands vom Wasser aus brachte in dem auch heute noch mit
genießen (Casco Bay Lines Ferry bestechend schönem originalem
Terminal, 184 Commercial St., Mobiliar eingerichteten ersten
Tel. 1 207 7 74 78 71, Backsteinhaus der Stadt Portland
www.cascobaylines.com). seine Jugend. Das Maine Historical
PORTLAND    ZIELE 193

Feierabend im Hafen von Portland

Society Museum gleich nebenan zeigt Wechselausstellungen zu den


unterschiedlichsten Facetten der Geschichte des Bundesstaates. Und
noch ein Museum: Im Narrow Gauge Railroad Museum geht es
um die einst in nur Maine zuckelnden Eisenbahnen mit gerade zwei
Fuß (60 cm) Spurbreite. Stündlich wird gefahren!
Wadsworth – Longfellow House: 489 Congress St.; Mai – Okt. Mo. – Sa.
10.00 – 17.00, So. ab 12.00 Uhr, Eintritt: 15 $, www.hwlongfellow.org
Historical Society Museum: 489 Congress St.; Mo. – Sa. 10.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt: 8 $, www mainehistory.org
Narrow Gauge Railroad Museum: 58 Fore St.; Mai – Okt. Sa. – Do.
9.30 – 16.00, Fr. ab 11.30 Uhr, Eintritt: 3 $, www.mainenarrowgauge.org

Ein Leckerbissen für Fotografen: Der 1794 errichtete Leuchtturm MM Portland


Portland Head Light ist nicht nur der ä­ l­teste in Maine, er gilt auch als Head Light &
einer der foto­gensten der USA. Bis 1989 trat der Leuchtturmwärter Museum
noch zum Dienst an; seither ist das Leuchtfeuer automatisiert und
das Wärterhaus in ein Museum zum Thema Navigation verwandelt.
i 1000 Shore Rd. (via Cottage Rd. u. Shore Rd.), April – Okt. tgl. 10.00 –
16.00 Uhr, sonst nur Sa. u. So., Eintritt: 2 $, www.portlandheadlight.com

Umgebung von Portland


Ein bisschen Arenal, ein bisschen Fuerteventura: Old Orchard Beach Old Orchard
7 mi/11 km südlich von Portland ist das Mallorca amerikanischer Beach
und frankokanadischer Sonnenanbeter. Wer Sand und Sonne über
Kitsch und Rummel zu setzen vermag, wird hier schöne Strandferien
verbringen.
194 ZIELE    Searsport

M Sabbathday Eine der letzten praktizierenden Shaker-Gemeinden der USA ist


Lake Shaker 25 mi/40 km nördlich von Portland bei New Gloucester zu Hause
Community ­(I-45 und ME-26 Richtung Norway). Ein halbes Dutzend Brüder und
Schwestern dieser Glaubensgemeinschaft, die sich im 18. Jh. in Eng-
land von den Quäkern abspaltete, lebt und arbeitet noch in der 1794
gegründeten Gemeinde (“ Baedeker Wissen S. 178). Auf einer Füh-
rung besucht man das schöne Gemeinschaftshaus, ein kleines Muse-
um, die Baumschule und einen Kräutergarten sowie das schlichte
Gebetshaus. Beim Sonntagsgebet um zehn Uhr sind Besucher will-
kommen. Ansonsten halten sich die Shaker, die keine Touristenat-
traktion sein wollen, weitgehend im Hintergrund.
i Memorial Day – Labor Day Mo. – Sa. 10.00 – 16.30 Uhr; Führungen 10.30
bis 15.15 Uhr, Eintritt: 10 $, http://maineshakers.com

Freeport Das Städtchen 17 mi / 27 km nordöstlich von Portland ist die Wiege
von Maine: Hier wurde noch während der Kolonialzeit die Tren-
nung von Massachusetts beschlossen. Die allermeisten interessiert
das allerdings nur am Rande. Neun von zehn Besuchern kommen
der »Outlet Capital of the World« wegen, in die sich Freeport seit den
1960er-Jahren verwandelt hat. Dutzende Textilienhersteller verkau-
fen hier ab Fabrik, mit bis zu 70 % Ermäßigung! Freeport ist eine
einzige Shopping Mall, vertreten sind u. a. Nike, Gap, Anne Klein
und Patagonia. Ein Muss für jeden Besucher ist das unternehmeri-
sche Herz der Stadt, der Outdoor-Ausstatter L. L. Bean (Main & Bow
Sts., www.llbean.com, 24 Stunden geöffnet), dessen Gründer Leon
Leonwood Bean 1905 mit einem selbst konstruierten, wasser- und
reißfesten Stiefel für Jäger und Angler den Grundstein für einen der
erfolgreichsten amerikanischen Ausrüster legte.

M Searsport
Region: Mid Coast
aO4
Höhe: 0 – 70 m ü.d.M.
Einwohner: 2 600

Das Herz Maines war im 19. Jh. die Schifffahrt und sein Schritt-
macher hieß Searsport: Die 17 hiesigen Werften bauten rund
250 Segler – oder 10 Prozent der damaligen amerikanischen
Handelsflotte.

Seefahrerort Zwangsläufig war der Ort am Ende der tief landeinwärts reichenden
mit Tradition Penobscot Bay Wohnsitz von etwa 300 Kapitänsfamilien. Deren an-
sehnliche Häuser stehen noch immer Spalier an den schattigen Alle-
en am Hafen, vielfach noch geschmückt mit Wetterfahnen in Form
Searsport    ZIELE 195

Searsport erleben
AUSKUNFT übernachten
Belfast Area Bait's Motel A – AA
Chamber of Commerce 215 East Main St., Searsport, ME 04974
14 Main St., Belfast, ME 04915 Tel. 1 207 5 48 72 99
Tel. 1 207 3 38 59 00 14 funktionale, saubere Zimmer; Restau-
www.belfastmaine.org rant. Gute Basis zum Erkunden von Bar
Harbor, Belfast und Camden!

eines Wals oder Segelschiffs und der traditionellen Ananas, dem al-
ten Symbol für Gastfreundschaft, über dem Hauseingang. Ein bedeu-
tender Hafen ist Searsport noch immer. Von hier wird u. a. der Groß-
teil der Kartoffelernte Maines verschifft.

Sehenswertes in Searsport und


Umgebung
Das in sieben historischen Gebäuden, darunter zwei Kapitänshäuser, M Penobscot
untergebrachte Museum gilt als eines der besten der Ostküste. Zu Marine
sehen sind einzigartige Sammlungen von Handelsware aus China, Museum
vergilbende Fotos hiesiger Kapitäne und herrliche Gemälde mit ma-
ritimen Motiven.
i US 1 & Church St., Memorial Day – Okt. Mo. – Sa. 10.00 – 17.00, So. ab
12.00 Uhr, Eintritt: 12 $, www.penobscotmarinemuseum.org

Das 3 000-Einwohner-Städtchen Bucksport liegt 8 mi/13 km nord- Bucksport


östlich von Searsport an der Mündung des Penobscot River in die
Bay und ist mit seinen freundlichen Coffeeshops an der Main Street
ein angenehmer Zwischenstopp auf dem Weg zum Fort Knox State
Park. Während der Grenzstreitigkeiten zwischen den USA und Ka-
nada in den 1840er-Jahren setzte man das wuchtige Fort Knox neben
die Flussmündung. Die Feuertaufe blieb ihm Gottseidank erspart.
Heute ist es als Fort Knox State Park ein außerordentlich eindrucks-
volles Beispiel amerikanischer Festungsarchitektur.
i ME 174, Mai – Okt. tgl. 9.00 bis Sonnenuntergang, Eintritt: 3 $,
http://fortknox.maineguide.com

Eine halbe Autostunde landeinwärts, wo der Penobscot River zu Bangor


flach wird für die Schifffahrt und die endlosen Wälder im Binnen-
land allmählich ins Blickfeld rücken, liegt Bangor, die zweitgrößte
Stadt des Bundesstaats und wirtschaftliches und kulturelles Zentrum
von Nord-Maine. Als Holzfällercamp entstanden, war Bangor in den
196 ZIELE    South Coast

1830er-Jahren als »Lumber Capital of the World« der größte Holz-


umschlaghafen der Welt – und das Hafenviertel berüchtigt für seine
wilden Gelage und Massenschlägereien. Heute inspirieren die dunk-
len Wälder den berühmtesten Sohn der Stadt. Stephen King, König
des Horrorgenres, lebt trotz seines Mega-Erfolgs noch immer in der
Umgebung. Eine Stephen-King-Tour wird angeboten.
Ansonsten gibt es nicht viel zu sehen. Zum Fototermin mit Paul
Bunyan an der unteren Main Street sollte man jedoch kurz ausstei-
gen. In der 10 m hohen Statue des mythischen Holzfällers, der Berge
versetzen konnte und angeblich auch den Grand Canyon schuf, ver-
einigen sich die hier beliebten Legenden und »tall tales« von über-
menschlich starken und trinkfesten Baumfällern, bei denen es mit
der Wahrheit nicht allzu ernst genommen wird.
Stephen King Tours Of Maine: 25 Thomas Hill Road, Bangor, ME 04401,
Tel. 1 207 9 47 71 93, www.sk-tours.com

South Coast
Region: The Maine Highlands
aM5
Maines Südküste – der Abschnitt zwischen Kittery an der
Grenze zu New Hampshire und dem fast 100 km entfernten
Portland – hat alles, was einen guten Badestrand ausmacht:
lange Sandstrände, schöne Dünenlandschaften, Ruhe und
auch Trubel.

Kühler Nur mit den Wassertemperaturen hapert es: Auch im Hochsommer


Badespaß wird das Wasser selten wärmer als 18 Grad. Doch wer sich davon
nicht entmutigen lässt, kommt auf seine Kosten, denn die hiesigen
Hafenstädtchen sind historische Kleinodien.

Sehenswerte Orte an der South Coast


Kittery An der Mündung des Piscataqua River gegenüber von Portsmouth
(New Hampshire) gelegen, gilt das quirlige Städtchen als »Gateway
to Maine«. Heute am bekanntesten für seine Factory Outlets, die
sogenannten Kittery Outlets (US 1 Richtung York), begann Kittery
1623 als Schiffsbauzentrum und Holzumschlagplatz. Historiker ken-
nen es als Schauplatz dreier wichtiger Premieren: 1647 lief hier das
erste in Nordamerika gebaute britische Kriegsschiff vom Stapel, 1777
folge das erste Kriegsschiff unter amerikanischer Flagge und 1917
stach von hier aus das erste amerikanische U-Boot in See.
Das Kittery Historical and Naval Museum erinnert mit histori-
South Coast    ZIELE 197

Die South Coast erleben


AUSKUNFT Tel. 1 207 9 67 26 21
Kennebunkport CoC www.kennebunkportinn.com
16 Water St. 49 Zimmer. Die Fassade ist ein
Kennebunk, ME 04043 stilistisches Chaos, doch die
Tel. 1 207 9 67 08 57 schönen Zimmer sind das Geld
www.gokennebunks.com/ wert.

Ogunquit Chamber Captain Lord AAA


of Commerce Pleasant & Green Sts.
PO Box 2289, Ogunquit, ME 03907 Kennebunkport, ME 04046
Tel. 1 207 6 46 12 79 Tel. 1 207 9 67 31 41
www.ogunquit.org www.captainlord.com
20 Zimmer. Schöner schlafen in
ESSEN der Nr. 1: Chippendale-Möbel,
Tavern at Clay Federal-Style-Architektur und
Hill Farm AAA englischer Rasen.
220 Clay Hill Rd., Ogunquit
Tel. 1 207 3 61 22 72 Dockside Guest
Verträumtes Gourmetplätzchen am Quarters AA
Cape Neddick. Spezialität: marinierter Harris Island Rd. York, ME 03909
Lachs in Cajun-Sauce. Tel. 1 207 3 63 28 68
www.docksidegq.com
Federal Jack´s Restaurant & 25 Zimmer. Die teureren und mit
Brew Pub AAA stilvollen Antiquitäten eingerich-
Lower Village, 8 Western Ave. teten Zimmer befinden sich im
Tel. 1 207 9 67 43 22 Haupthaus, die preis­werteren
Gehobener, zwischen Bootswerften ein- orientieren sich zur Wasserseitehin .
geklemmter Pub mit schönem Blick auf
den Kennebunk River. Neben Hambur- The Anchorage by the Sea AA
ger und Steaks kreative Fischgerichte, 125 Shore Rd.
z. B. mit Krabbenfleisch gefüllter Schell- Ogunquit, ME 03907
fisch. Tel. 1 207 6 46 93 84
www.anchoragebythesea.com
ÜBERNACHTEN 220 Zimmer. Weitläufige Ferien-
Kennebunkport Inn AAAA anlage direkt am Strand. Die hellen
Dock Square Zimmer verfügen meist über
Kennebunkport, ME 04046 Meerblick.

schen Fotografien, alten Navigationsinstrumenten und kostbaren


Schiffsmodellen an die goldene Ära der Stadt.
i Rogers Rd., Ext.; Juni – Columbus Day Di. – Sa. 10.00 – 16.00 Uhr,
Eintritt 4 $, www.kitterymuseum.com
198 ZIELE    South Coast

York Auf Kittery folgt nach wenigen Kilometern – die man im Übrigen
angenehmer auf der ME 103 als auf dem US 1 verbringt – das Städt-
chen York. 1624 von den Pilgervätern als Handelsposten gegründet,
wuchs es trotz gelegentlicher Indianer- und Franzosenüberfälle zu
einem florierenden Hafen und Schiffsbauzentrum heran. Von den
Einheimischen »The Yorks« genannt, besteht das heutige York in
Wirklichkeit aus vier Strandgemeinden: York Village, bei Touristen
besser bekannt als Colonial York, York Harbor, ein elegantes Strand-
resort, York Beach, ein lauter Amüsierbetrieb, und Cape Neddick.
Im MYork Village Historic District, der Hauptattraktion des Städt-
chens, betreibt die Old York Historical Society sieben repräsentative
Häuser aus dem 18. Jh.; Beachtung verdient v. a. das 1719 erbaute
Gefängnis Old Gaol mit seinen düsteren Zellen und Verliesen. Ti-
ckets werden in der Jefferds Tavern gegenüber vom Old Burying
Ground verkauft.
i US-1 & Lindsay Rd., Juni – Okt. Mo. – Sa. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 12 $,
www.oldyork.org

Ogunquit Die Abenaki-Indianer nannten das 10 mi/16 km weiter nördlich lie-


gende Städtchen »schöner Ort am Meer«. Der gleichen Ansicht wa-
ren Ende des 19. Jh.s zahlreiche Maler und Schriftsteller, die sich in
Ogunquit von dem breiten und 5 km langen Sandstrand und der
pittoresken Felsenküste an ihrem Südende inspirieren ließen. Heute
platzt Ogunquit aus allen Nähten – vor allem im Sommer, wenn in
Hotels, Motels und Hummerbuden nichts mehr geht.
An die Zeit als Künstlerkolonie erinnert das schöne, unmittelbar am
Strand lie­gende M Ogunquit Museum of American Art mit Werken
so prominenter Künstler wie Rockwell Kent und Marsden Hartley.
Hummerfischer beim Kontrollieren der Käfige begleiten kann man
in Perkins Cove, einem zauberhaften, auf der Shore Road zu errei-
chenden Yacht- und Fischerhafen. Zu Fuß kommt man über den
hübschen Marginal Way dorthin. Zum Baden geht man an den Main
Beach auf einer vorgelagerten Sandbank – dort ist es oft voll und das
Parken teuer – oder zum etwas nördlich gelegenen und ruhigeren
Footbridge Beach.
Ogunquit Museum of American Art: 543 Shore Rd.; Mai – Okt. tgl. 10.00
bis 17.00, So. 13.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 10 $, www.ogunquitmuseum.org

M Kennebunk- Kennebunkport ist der interessanteste Teil der drei »Kennebunks«,


port zu denen außerdem noch die Stadt Kennebunk und das Strandbad
Kennebunk Beach gehören: Die Souvenirtasse mit dem Namenszug
des 41. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gehört zu
den beliebtesten Mitbringseln, doch Kennebunkport ist nicht erst ein
nobles Ferienresort, seit Familie Bush hier Urlaub macht. Schon früh
im 19. Jh. kauften sich Schiffsbauer, Reeder und Kapitäne in dem um
1650 gegründeten Städtchen ein. Der Schiffsbau blühte damals: Zwi-
SOUTH COAST    ZIELE 199

Ogunquit heißt dieser schöne Platz am Meer in der Sprache


der Indianer.

schen 1800 und 1850 produzierten die rund 50 Werften des Städt-
chens mehr als 1 000 Clipper und Schoner. Seitdem pflegt Kenne-
bunkport jene souveräne Noblesse, die auf große Gesten verzichten
kann.
Die schönsten Häuser stehen im Umkreis des quirlig kommerziellen
Dock Square, darunter das Nott House, eine Greek-Revival-Resi-
denz mit dorischen Säulen von 1853.
Weitere schöne Häuser finden sich am Ocean Drive Spalier, darunter
auch das Sommerhaus von Ex-Präsident George Bush sen. am Cape
Arundel. Am Nordrand von Kennebunkport zeigt das Seashore
Trolley Museum über 200 Straßenbahnwagen aus aller Welt.
Nott House: 8 Maine St.; Juni – Okt. Di., Mi., Fr. 13.00 – 16.00, Do. 10.00
bis 16.00, Sa. 10.00 – 13.00 Uhr
Seashore Trolley Museum: 195 Log Cabin Rd.; Mai – Okt. tgl. 10.00 bis
17.00 Uhr, Eintritt: 10 $
Kapitel-/
Massachusetts
Regioneneinstieg
Massachusetts    ZIELE 201
201

MASSACHUSETTS
Fläche: 20 305 km²
Einwohner: 6,8 Mio.
Hauptstadt: Boston
Beiname: Bay State, Old Colony

Es wird behauptet, dass es die USA


ohne Massachusetts nicht geben
würde. Ja, hier wurde laut gegen
Großbritannien protestiert, hier be-
gann der Unabhängigkeitskrieg. Dröger Geschichtsunterricht
ist indes nicht zu erwarten. Massachusetts ist vielfältig genug,
um auch anspruchsvolle Naturfreunde zu entzücken.

Die Pilgerväter von der »Mayflower«, John F. Kennedy und andere Amerikas
Schlüsselfiguren der amerikanischen Geschichte kamen ebenso aus Kernland
Massachusetts wie einige der größten amerikanischen Schriftsteller
und Philosophen. Dabei ist dieser Bundesstaat ein für amerikanische
Verhältnisse winziges Rechteck zwischen Atlantik und den zu den
Appalachen gehörenden Berkshire Hills, die die traditionelle Grenze
zwischen Neuengland und dem Rest Amerikas bilden. Von dort
senkt sich die Landschaft langsam nach Osten zum Meer ab. Mitten
hindurch fließt von Norden nach Süden der Connecticut River. Die
auffälligste topografische Erscheinung ist eine südlich von Boston
hakenförmig in den Atlantik ragende Halbinsel: Cape Cod beschert
Massachusetts mehrere hundert Strandkilometer.

Die Formel ist so einfach wie endgültig: Die USA begannen in Mas- Die
sachusetts. Die im Dezember 1620 im heutigen Plymouth gelande- Pilgerväter
ten Pilgerväter, orthodoxe Protestanten, die die Church of England
von »katholischem Pomp« hatten reinigen wollen, drückten ihrer
neuen Heimat ihren Stempel auf. Diese »Puritaner« genannten Sied-
ler schufen Verhältnisse, die denen zu Hause kaum nachstanden: Wer
vom Dogma abwich, das Vorbestimmung und göttliche Vorsehung
zum Leitfaden des öffentlichen Lebens erhob, wurde als Ketzer be-
straft. Doch anders als in England war hier Platz genug für Abtrün-
nige. Wer mit den gottesstaatähnlichen Verhältnissen in Boston und
Salem über Kreuz geriet, machte anderswo seine eigene Kirche auf.
Das anfängliche Einvernehmen mit den Indianern verwandelte sich
in Feindseligkeit: Nach blutigen Auseinandersetzungen und dem
King Philip's War in Rhode Island und Connecticut (1670/1671)
spielten die Ureinwohner in Neuengland keine Rolle mehr.
Besonders fotogen: die Acorn Street in Boston
202 ZIELE    Massachusetts

Aus China- und Dreieckshandel, Holzwirtschaft, Walfang: Wirtschaftlich


Wohlstand ging es steil aufwärts. Massachusetts wurde wohlhabend – und
erwächst selbstbewusst. Die Unzufriedenheit über die Bevormundung durch
Selbst- das Mutterland und über die restriktiven Steuergesetze, die vor allem
bewusstsein den Kaufleuten die Hände banden, machte sich in Protestaktionen
und dem heute berühmten Schlagwort »No Taxation without Re-
presentation« (»keine Besteuerung ohne Volksvertretung«) Luft.
London suchte u. a. mit den drakonischen »Intolerable Acts« die auf-
müpfigen Kolonisten in die Knie zu zwingen, doch auf die Schlie-
ßung des Bostoner Hafens und das Verbot von Volksversammlungen
reagierten die Kolonisten 1774 mit der Veranstaltung des Ersten
Kontinentalkongresses in Philadelphia, wo sie erstmals auch die Un-
abhängigkeit von England anmeldeten. Schließlich fielen in Lexing-
ton bei Boston jene Schüsse, die den amerikanischen Unabhängig-
keitskrieg auslösten. Am 4. Juli 1776 erklärten die 13 Kolonien ihre
Unabhängigkeit von England. Nach einem siebenjährigen Krieg wur-
de am 3. September 1783 im Frieden von Paris die Unabhängigkeit
der USA besiegelt. Im Februar 1788 unterzeichnete Massachusetts als
sechste Kolonie die amerikanische Verfassung.

Die Waffen- Im 19. Jh. übersäte die Industrialisierung Massachusetts mit Fabri-
schmiede der ken. Der wirtschaftliche Höhenflug begünstigte die Entstehung der
Nordstaaten modernen amerikanischen Literatur, die in Concord eine Handvoll
Intellektueller um Ralph Waldo Emerson aus der Taufe hob. Die In-
tellektuellen waren nur die Spitze einer Bildungsbewegung, die sich
für ein öffentliches Schulwesen einsetzte und 1837 unter ihrem
Wortführer Horace Mann die Bildung einer Erziehungsbehörde
durchsetzte. Während des Bürgerkriegs war Massachusetts die Waf-
fenschmiede der Nordstaaten, danach erlangte es die Führung in der
Textilproduktion. Mit der Abwanderung der Betriebe in den billige-
ren Süden und der Weltwirtschaftskrise begann für Massachusetts
jedoch eine lange Talfahrt, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg
durch energische Diversifizierung gestoppt wurde. Dabei profitierte
Massachusetts vor allem vom hohen Ausbildungsniveau seiner Ar-
beitskräfte.

Bevölkerung Mit seinen 6,8 Mio. Einwohnern ist Massachusetts der bevölkerungs-
reichste der Neuenglandstaaten. Statistisch gesehen leben hier 313
Menschen auf dem Quadratkilometer, was Massachusetts auf den
dritten Rang in den USA bringt. Die mit Abstand größte Stadt ist
Boston mit 660 000 Einwohnern, gefolgt von Worcester (184 000)
und Springfield (154 000).

Wirtschaft Das wichtigste Kapital des Bundesstaats ist »brain power«. Über 120
Hochschulen pflegen engste Beziehungen zur Industrie. Der Groß-
raum Boston gilt als Silicon Valley des Ostens: Zahlreiche Soft- und
Berkshire Hills    ZIELE 203

Highlights in Massachusetts
▶▶ Berkshire Hills ▶▶ Martha‘s Vineyard,
Sanft-welliges Mittelgebirge Nantucket Island
““Seite 203 Zwei herrliche Ferieninseln
nicht weit vor der Küste
▶▶ Hancock Shaker Village ““Seite 248, 253
Das am besten erhaltene Shaker-
dorf Neuenglands ▶▶ Plimoth Plantation
““Seite 207 Hier fing alles an.
““Seite 264
▶▶ Boston
Die Wiege der Unabhängigkeit ▶▶ Salem
““Seite 210 Deutlich mehr als nur die
Stadt des Hexenwahns
▶▶ Cape Cod ““Seite 269
Strandleben satt
““Seite 236

Hardwarefirmen sind hier angesiedelt. Daneben sind Maschinenbau,


Metallwaren, Druck- und Papierindustrie wichtig. Die Landwirt-
schaft bringt v. a. Kartoffeln, Obst und Getreide hervor; fast die Hälf-
te aller amerikanischen Preiselbeeren kommt aus den Sumpfgebieten
Cape Cods und der Region um Plymouth.

MM Berkshire Hills
Region: The Berkshires
aJ6
Höhe: 300 – 866 m ü. d. M.

In Massachusetts heißen die von Alabama her-


aufziehenden Appalachen Berkshire Hills – ein passender
Name für dieses größtenteils sanft wellige Mittelgebirge im
Westen des Staats.

Hier liegen viele der schönsten Orte von Massachusetts. Die meisten, Schönstes
am Housatonic River gegründet, begannen im frühen 19. Jh. als Massachu-
»Mill Towns« mit Textilindustrie und wurden später von der Ostküs- setts
tenelite als Sommerfrischen entdeckt. Zahllose prachtvolle Residen-
zen, vor allem um Great Barrington und Stockbridge, erinnern an die
Zeiten, als Urlaub das Privileg einiger Weniger war. Aber nicht nur
die Reichen fühlten sich hier wohl: Auch namhafte Literaten, Theo-
204 ZIELE    Berkshire Hills

Die Berkshire Hills erleben


AUSKUNFT 20 Railroad Street Pub AA
Berkshire Visitors Bureau 20 Railroad St., Great Barrington
66 Allen St., Pittsfields, MA 01201 Tel. 1 413 5 28 93 45
Tel. 1 413 4 99 16 00 Solides »pub grub«: Hamburger, Sand-
www.berkshires.org wiches & Steaks in geselligem Ambiente.

ESSEN ÜBERNACHTEN
Once Upon a Tablen AAA The Red Lion Inn AAA
36 Main St., Stockbridge 30 Main St., Stockbridge, MA 01262
Tel. 1 413 2 98 38 70 Tel. 1 413 2 98 55 45
Gemütliches, europäisches Bistro mit www.redlioninn.com
Delikatessen von der Ostküste 111 Zimmer. Seit 1773 ununterbrochen
geöffnet; kleine Zimmer, etwas abge-
Church Street Café AAA stoßenes Mobiliar, aber urgemütlich.
65 Church St., Lenox
Tel. 1 413 6 37 27 45 Gateways Inn AAA
Ein Wärme ausstrahlendes, angenehm 51 Walker St., Lenox, MA 01240
einfaches Ambiente. Dazu passt die Tel. 1 413 6 37 25 32
gelungene Fusion Cuisine. www.gatewaysinn.com
11 Zimmer. Viktorianische Gemütlich-
Mezze Bistro & Bar AAAA keit mit Himmelbetten und Kaminen.
777 Cold Spring Rd., Williamstown Gutes Restaurant, gemütliche Bar.
Tel. 1 413 4 58 01 23
Hier ist die Speisenkarte so weltoffen The Orchards Hotel AAA
wie die von Studenten und Künstlern 222 Adams Rd.
geprägte Atmosphäre. Williamsburg, MA 01262
Tel. 1 413 4 58 96 11,
www.orchardshotel.com
Abkühlung zwischendurch 47 Zimmer. Angenehmes Hotel am
Ostausgang nach North Adams. Zimmer
TIPP

Dies sind zwar nicht die Niagara- im »Good ol‘ England«-Dekor.


fälle, doch an einem heißen
Sommertag gibt es keinen Wainwright Inn AAA
schöneren Ort zum Baden als 518 Main St. Great Barrington, MA
die fotogenen Bash Bish Falls. 01230, Tel. 1 413 5 28 20 62
Die 15 m hohen, südlich von www.wainwrightinn.com
Great Barrington im Mount
Neuenglische Gastfreundschaft in
Washington State Forest liegen-
schönem alten Haus.
den Fälle haben herrliche Pools
aus dem felsigen Bett des Bash
SHOPPING
Bish Brook geschliffen, in denen
Great Barrington, Sheffield und Egre-
es sich ausgezeichnet unter-
tauchen lässt. mont sind bekannt für ihre gut sortier-
ten Antiquitätenläden.
Berkshire Hills    ZIELE 205

logen und spirituell Suchende fanden hier Muße zur Meditation.


Heute bietet diese waldreiche Landschaft mit ihren schmucken, wie
Inseln darin schwimmenden Städtchen dem Besucher das klassische
Neuengland-Erlebnis – »High Tea« inklusive anschließendem Kon-
zert- oder Theaterbesuch.

Sehenswerte Orte und Plätze in den


Berkshires
Die hübsche Kleinstadt ist das Einkaufszentrum der südlichen Berk- Great
shires. 1726 gegründet, führte sie 1886 als eine der ersten Städte der Barrington
Welt die elektrische Straßenbeleuchtung ein. 1868 wurde Dr. W. E. B.
DuBois hier geboren, Amerikas erster Harvard-Absolvent afro-ame-
rikanischer Abstammung und bedeutender Schriftsteller. Nennens-
werte Attraktionen gibt es nicht, dafür machen viele schöne Inns,
gute Restaurants und hochwertige Antiquitätenläden Great Barring-
ton zu einer angenehmen Basis für Tagestrips durch die Berkshires.
4 mi/7 km nördlich von Great Barrington fand im 19. Jh. ein folgen-
reiches Gipfeltreffen statt: Unterwegs zum Gipfel des Monument
Mountain (570 m ü. d. M.), begegnete Herman Melville (»Moby
Dick«) seinem Dichterkollegen Nathaniel Hawthorne (»Der schar-
lachrote Buchstabe«) und fortan trafen sich die beiden hier zu Wan-
derungen. Heute führen zwei anstrengende, direkt an der MA 7 be-
ginnende Trails hinauf zu herrlichen Aussichtsplätzen.

Zauberhaft und wie gemalt: Das 1734 als Missionsstation für India- M Stockbridge
ner gegründete Städtchen 8 mi/13 km nördlich von Great Barrington
gilt gemeinhin als Neuengland wie aus dem Bilderbuch. Die Main
Street ist nach wie vor die Hauptverkehrsader, an ihr liegt eine pitto-
reske Häuserzeile mit kleinen Läden, die noch immer so aussieht, wie
Norman Rockwell sie einst malte. Ortsmittelpunkt ist der Red Lion
Inn, ein Gasthof aus Kolonialzeiten. Drinnen, zwischen alten Buch-
regalen und schweren Plüschsesseln, ticken die Uhren noch langsa-
mer als draußen. Seine mit Schaukelstühlen versehene Veranda ist
der beste Ort zum Kaffeetrinken in den Berkshires. Sehenswert ist
auch das mit Originalmöbeln eingerichtete erste Haus des Orts, Mis-
sion House, das der Missionar John Sergeant 1739 hier für 50 Mo-
hikaner aufbaute.
Das zirka 4 mi/7 km westlich von Stockbridge in einem schönen Park
mit Blick auf den Housatonic River gelegen MNorman Rockwell Mu-
seum widmet sich dem Lebenswerk des beliebtesten Zeichners Ame-
rikas. Norman Rockwell (1894 – 1978), der seine letzten 25 Lebens-
jahre in Stockbridge verbrachte, war 47 Jahre lang Illustrator der
»Saturday Evening Post« und produzierte in dieser Zeit 321 Titelbil-
der, meist positive, wertkonservative Heim-und-Herd-Motive, denen
206 ZIELE    Berkshire Hills

Typisch Berkshires: ein repräsentatives Anwesen inmitten von


sattem Grün und herbstbunten Laubbäumen

er mit fotografisch genauem Pinselstrich und Augenzwinkern Leben


einhauchte. Dass er aber auch anders konnte, bewies er in den
1960ern, als er für das kritischere Magazin »Look« Bilder von der
Bürgerrechtsbewegung und der Armut in den Städten anfertigte.
Die berühmteste Skulptur dieses Bildhauers kennt die ganze Welt:
Den sit­zenden Abraham Lincoln im Lincoln Memorial in Washing-
ton, DC. Daniel Chester French (1850 – 1931), Amerikas produk-
tivster Bildhauer, fertigte das berühmte Denkmal in seiner Sommer-
residenz Chesterwood westlich von Stockbridge. Ausgestellt sind
hier zahlreiche seiner Werke darunter auch Modelle weiterer be-
kannter Statuen wie den »Minute Man« in “Concord.
Mission House: 19 Main St.; Memorial Day – Columbus Day tgl. 10.00 bis
17.00 Uhr, Eintritt: 8 $, www.berkshireweb.com/trustees/mission
Norman Rockwell Museum: 9 Glendale Rd., Mai – Okt. tgl. 10.00 – 17.00,
Nov. – April Mo. – Fr. 10.00 – 16.00, Sa., So. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 18 $,
www.nrm.org
Chesterwood: 4 Williamsville Rd.; Mai – Okt. tgl. 10.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt: 18 $, http://chesterwood.org

Lenox 5 mi / 8 km nördlich von Stockbridge räkelt sich, umgeben von alten
Sommerresidenzen in üppig grüner Parklandschaft, Lenox in behag-
licher Kleinstadtatmosphäre. Das kulturelle Angebot hingegen ist
alles andere als provinziell: Neben der Shakespeare & Company,
die von Mai bis Oktober auf vier Bühnen Werke des großen Meisters
gibt und schon Schauspieler wie Richard Dreyfuss und Sigourny
Weaver zu ihren Reihen zählte, ist es v. a. das international berühm-
te Tanglewood Music Festival (Ende Juni – Anfang Sept.), das Len-
ox seinen Stempel aufgedrückt hat. Das fünf Minuten außerhalb lie-
gende, 1937 an die Berkshire Festival Society übergegangene
Berkshire Hills    ZIELE 207

Anwesen hat eine herrliche Parklandschaft mit diversen Konzerthal-


len und ist zudem der Sommersitz der Bostoner Philharmoniker.
Am Südrand von Lenox lohnt The Mount, die 1902 erbaute Som-
merresidenz der Schriftstellerin Edith Wharton (1862 – 1937). So
formenreich ist das von ihr selbst entworfene Innere, dass The Mount
vielen als stilistischer Trendsetter des 20. Jh.s gilt.
Auch Becket (10 mi/16 km östlich) hat sein Kulturereignis: Von Mit-
te Juni bis Ende August treffen sich hier die angesehensten Tanzthe-
atertruppen der USA. Kein Geringe-
rer als Michail Baryschnikov nannte
das Jacob's Pillow Festival eines Klassik mit Picknick-Korb
der besten des Landes.

TIPP
Das beste Feeling für das renom-
The Mount: 2 Plunkett St., Mai – Okt.
mierte Tanglewood Music Festival
tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 18 $,
kriegt man, indem man für wenig
www.edithwharton.org
Geld ein »lawn ticket« ersteht
Shakespeare & Company: 70 Kemble
und mit Decke und Picknick-
St., Mai – Okt, Tel. 1 413 6 37 33 53, Korb anmarschiert. Nichts ist
www.shakespeare.org erholsamer, als lang ausgestreckt
Tanglewood Music Festival: Ende auf duftendem Rasen und bei
Juni – Anf. Sept., Tel. 1 413 6 37 51 65, fein belegten Sandwiches Klassik-
www.tanglewood.org Interpreten von Weltformat zu
Jacob‘s Pillow Festival: 358 George lauschen!
Carter Rd., Tel. 1 413 2 43 07 45,
www.jacobspillow.org

Mit 45 000 Einwohnern ist Pittsfield größter Ort der Berkshires. Die Pittsfield
einstige Arbeitersiedlung, in der früher holzverarbeitende Betriebe
den Ton angaben, präsentiert sich heute als aufgeschlossene kunst-
freundliche Kleinstadt mit zahlreichen kleinen Galerien und netten
Bed & Breakfast-Unterkünften. Das M Berkshire Museum lohnt ei-
nen Besuch: Zwischen europäischen und amerikanischen Meistern
hängen schöne Werke der Hudson River School.
Im unscheinbaren Haus Arrowhead am Westrand von Pittsfield
wurde Weltliteratur geschrieben. Anno 1851 vollendete der Hausherr
Herman Melville hier seinen »Moby Dick«. Der Roman um den
weißen Wal und den finsteren Kapitän Ahab wurde ein Klassiker. Die
Räumlichkeiten atmen noch immer Melvilles Anwesenheit  –  vor
allem in seiner kleinen Schreibstube im Obergeschoss.
Berkshire Museum: 39 South St., Mo. – Sa. 10.00 – 17.00, Do. bis 20.00,
So. 12.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 13 $, www.berkshiremuseum.org
Arrowhead: 780 Holmes Rd.; über MA 720, Memorial Day  –  Columbus
Day, tgl. 9.30 – 17.00 Uhr, Eintritt: 13 $, www.mobydick.org/

5 mi/8 km westlich von Pittsfield liegt eines der interessantesten MM Hancock


Museumsdörfer der Ostküste. Von 1790 bis 1960 lebte hier eine Shaker
Shaker-Gemeinde, die auf ihrem Höhepunkt Mitte des 19. Jahrhun- Village
WISSEN Die Shaker
Special-Titel

Sanfte Fundamentalisten
Die Glaubensgemeinschaft der Shaker wurde im 18. Jahrhundert im
englischen Manchester von der Textilarbeiterin Ann Lee gegründet.
Sie führte ihre Anhänger 1774 nach Amerika.

Grundlage des Shaker-Glaubens Oberhirten, dass man durchaus das


war das Streben nach Vollkom- Recht habe, die Erfindungen der
menheit durch größere Nähe zu Menschen zu verbessern, solange
Gott. Der Weg ins Paradies auf Er- diese nicht eitlem Ruhm oder et-
den führte über harte Arbeit, Dis- was Überflüssigem dienten.
ziplin und Ehelosigkeit. Um 1840
erlebte die »United Society of Be- Das Aus ist nahe
lievers in Christ‘s Second Appea- Zu Beginn des dritten Jahrtausends
ring« genannte Gemeinschaft ihre steht diese interessante Glaubens-
Blütezeit: 6 000 Mitglieder lebten gemeinschaft jedoch kurz vor dem
und arbeiteten in 19 Gemeinden, Aus. Die letzte ihrer Gemeinden
die meisten davon in Neuengland. befindet sich in Sabbathday Lake
Zulauf erhielten die zölibatär und in Maine (“ S. 194) und wird von
völlig gleichberechtigt le­benden nur noch wenigen Shakern ge-
»Brüder« und »Schwestern« durch führt. Ihrem populärsten Ver-
Waisenkinder, die ihnen anver- mächtnis begegnet man indes
traut wurden und später ganz bei überall in Neuengland: Für ihre
ihnen blieben. Der landläufige einfachen, aber wie es scheint für
Name »Shaker« bezieht sich auf die Ewigkeit gemachten Möbel
eine Erscheinung der Anfangsjah- (Shaker-Leitspruch: »Do it once &
re: Manche »Believer« wurden do it right!«), bei denen allein die
während der Gottesdienste von Funktion die Form vorgibt und so
wilden Zuckungen befallen, wenn bestechend klare Linien ohne sinn-
sie sich vom Heiligen Geist ergrif- und nutz-lose Schnörkel zaubert,
fen fühlten. Alle Shaker-Gemein- werden in diversen Möbelgeschäf-
den waren autark. Als glänzende ten und auf Auktionen horrende
Farmer und Handwerker bekannt, Preise gezahlt. Günstiger: Gut
waren sie allen Neuerungen und nachgebaute Shakermöbel kann
Verbesserungen gegenüber offen, man in vielen Schreinereien und
gemäß dem Leitspruch eines ihrer Designer-Work­shops erstehen.
Ordnung und Symmetrie: Einrichtung der Shaker
Berkshire Hills    ZIELE 209

derts Männer und Frauen umfasste. Zu besichtigen sind über 20 zum


Teil noch mit Original-Shakermöbeln eingerichtete Gebäude. High-
lights: das Brick Dwelling, in dem alle »Believer« der zölibatär leben-
den Gemeinschaft unter einem Dach wohnten, und die große Rund-
scheune, die so funktional konstruiert wurde, dass ein »Bruder«
allein das gesamte Vieh der Gemeinde füttern konnte.
i Mitte April – Okt. tgl. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 20 $, www.hancock
shakervillage.org

Im Jahr 1793 trat Colonel Ephraim Williams einen Teil seiner Län- Williamstown
dereien zum Bau einer Schule ab mit der Auflage, den Ort nach ihm
zu benennen. Heute prägt das Williams College, zu dem 50 würde-
volle Gebäude gehören, die zu Füßen der hier 1 000 m hohen Berk-
shire Hills liegenden Stadt in der Nordwestecke von Massachusetts:
Georgian und Federal Style auf penibel gestutzten Rasenflächen, in
konservative Schuluniformen gekleidete Kollegiaten und viel Kul-
tur – Williamstown vereint alle Klischees einer neuenglischen Stadt.
Robert Sterling Clark und seine Frau Francine, Erben des Singer-
Nähmaschinen-Imperiums, trugen zwischen 1918 und 1956 Bilder
aus 400 Jahren Kunstschaffen in Europa und Amerika zusammen.
Heute enthält der weiße Marmorbau MMThe Clark eine der besten
Kunstsammlungen des Landes. Zu den Kostbarkeiten des »Clark«
zählen die italienischen und flämischen Meister der Renaissance und
die Meister des 17. und 18. Jahrhunderts, unter anderem Goya,
Gainsborough und Fragonard. Unbezahlbar sind die 30 Renoirs,
hinzu kommen einige der schönsten Werke Degas' und Monets so-
wie Bilder von Toulouse-Lautrec. Ein ganzer Saal ist den Amerika-
nern gewidmet, darunter Winslow Homer, Frederic Remington und
John Singer Sargent.
Das kleinere Williams College Museum of Art widmet sich vor al-
lem der amerikanischen Kunst, darunter u. a. Maurice und Charles
Prendergast, Edward Hopper, Andy Warhol und Fernand Léger.
The Clark: 225 South St, Di. – So. 10.00 bis 17.00 Uhr, Juli , Aug. tgl.,
Eintritt :20 $, iwww.clarkart.edu
Williams College Museum of Art: 15 Lawrence Hall Dr., Di. – Sa. 10.00 bis
17.00, So. 13.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei, http://wcma.williams.edu

Die alte Textilstadt fünf Minuten nördlich von Williamsburg erlebte North Adams
wie die übrigen »mill towns« nach dem Zweiten Weltkrieg eine lange
Talfahrt. Erst in den letzten Jahren hat sich die nüchterne Stadt zu
Füßen des Mt. Greylock zum Touristenziel gemausert. Zu verdanken
ist das auch dem 1999 eröffneten M Massachusetts Museum of Con-
temporary Art. Es ist das größte Museum für Gegenwartskunst
der USA und stellt in sechs alten Fabrikgebäuden etablierten Künst-
lern und jungen Unbekannten Platz für Performances, Workshops
und Ausstellungen zur Verfügung.
210 ZIELE    Boston

Von North Adams aus geht es kurvenreich auf den M Mount Grey-
lock (1 064 m ü. d. M.), den höchsten Berg des Bundesstaates. Vom
War Memorial Tower auf der felsigen Gipfelkuppe bietet sich der
schönste Fernblick in Massachusetts.
Massachusetts Museum of Contemporary Art: 87 Marshall St.; Juli ,
Aug. tgl. 10.00 – 18.00, sonst tgl. außer Di. 11.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 18 $,
www.massmoca.org.

MM Boston
Region: Boston & Cambridge
aM6
Höhe: 0 – 42 m ü.d.M.
Einwohner: 660 000 (Greater Boston Area: 4,5 Mio.)

Die an der Mündung des Charles River in den Atlantik lie-


gende Hauptstadt von Massachusetts ist zugleich die inoffizi-
elle Hauptstadt Neuenglands: Als größte Stadt im Nordosten
ist sie wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt einer Re-
gion mit weit über vier Millionen Menschen und derzeit mit
gleich vier Spitzenteams Sporthauptstadt der USA.

Wiege der Von seinen Einwohnern oft »the hub« genannt, wartet Boston zudem
Unabhängig- mit Harvard, einer der berühmtesten Universitäten der Welt, und mit
keit dem nicht minder berühmten Massachusetts Institute of Technology
(MIT) auf. Und als wäre das alles nicht genug, gilt Boston auch noch
als eine der schönsten Städte des Landes: Historische Viertel wie
Beacon Hill, North End und Back Bay blieben von sanierungswüti-
gen Städteplanern verschont, Kopfsteinpflaster, alte Häuser und viel
Grün prägen das menschliche, überaus europäische Antlitz der Stadt.
Die Entfernungen sind im Übrigen kurz, das ist nicht nur für die An-
lieger vorteilhaft, sondern auch für die Touristen, die in Boston auf
engstem Raum so viele historische Sehenswürdigkeiten besuchen
können wie sonst nur selten in den USA.

Bevölkerung, Die Bostoner sind ein bunt gemischtes Völkchen aus aller Herren
Wirtschaft Länder. North End ist fest in italienischer Hand, Roxbury und Dor-
chester sind afro-amerikanische Wohngebiete. Hinzu kommen über
200 000 in knapp 70 Hochschulen im Großraum Boston eingeschrie-
bene Schüler und Studenten. Bis weit ins 19. Jh. war das anders. Da-
mals saßen die wegen ihres Kastendenkens »Boston Brahmins« ge-
nannten WASPs an den Hebeln der Macht. Weiß (White), anglofon
(AngloSaxon), protestantisch (Protestant) und erzkonservativ, führ-
ten sie sich gern auf die Passagiere der »Mayflower« zurück und be-
saßen Cottages auf Cape Cod oder in Maine. Mit der Zuwanderung
Boston    ZIELE 211

irisch-katholischer Immigranten
ab 1840 zerbröckelte die WASP-
Bastion, doch es dauerte noch
über 100 Jahre, bis sie endlich mit
John F. Kennedy einen Irisch-
stämmigen in ihren Kreisen ak-
zeptierte. Die »Brahmins« hatten
ihr Geld im Schiffsbau, Seehandel
und Fischfang gemacht. Zu Be-
ginn des 20. Jh.s wurde der Hafen
ausgebaut, doch zu den größten
zwanzig Hafenstädten des Landes
konnte Boston nicht aufschlie-
ßen. John Hancock Tower und
Prudential Tower signalisieren
den Finanz- und Versicherungs-
sektor. Ab den 1980er-Jahren
setzte die Ostküstenmetropole er-
folgreich auf die Zukunft und
lockte Hightech-Firmen in die
Region, die vom »brain power«-
Potenzial von Harvard und MIT
profitieren. Vor allem in der me-
dizinischen Forschung hat Bos- Bostons Schauseite: das Custom House in der
ton international einen Namen. Kulisse der Waterfront

In Boston ist Europa nah und doch so fern: Nirgends sonst an der Geschichte
Ostküste lassen sich die Anfänge der USA besser begreifen als in der
»Cradle of Independence«, der »Wiege der Unabhängigkeit«. 1630
von John Winthrop an der Spitze von rund 1 000 Puritanern im Auf-
trag der Massachusetts Bay Company gegründet, wuchs das theokra-
tisch geführte Gemeinwesen schnell zur größten Stadt der 13 Kolo-
nien heran. Der Ruf der Kolonisten nach einer Stimme im britischen
Parlament verhallte jedoch ungehört. Stattdessen ersann London für
die amerikanischen Besitzungen immer neue Steuergesetze. Auf
Volksversammlungen und bei Aktionen wie der berühmten Boston
Tea Party am 16. Dezember 1773, bei der als Indianer verkleidete
Bostoner aus Protest gegen die Teesteuer die Teeladung eines briti-
schen Schiffes über Bord warfen, machten die Kolonisten ihrem Un-
mut Luft. London blieb unversöhnlich. Auf die Tea Party reagierte
die Krone mit der Schließung des Bostoner Hafens, was die Kolonis-
ten ihrerseits mit der Gründung bewaffneter Milizen beantworteten.
Die folgenden Ereignisse kennt in den USA jedes Kind. Im April 1775
wurden 700 Soldaten entsandt, um geheime Waffenlager der Kolo-
nisten in Lexington und Concord auszuheben und die Anführer John
Hancock und Samuel Adams zu verhaften. Rechtzeitig vom Bosto-
212 ZIELE    Boston

Highlights in Boston
▶▶ Old State House ▶▶ Beacon Hill
Bostons ältestes öffentliches Ein begehrtes Viertel zum Wohnen,
Gebäude hübsch zum Flanieren
““Seite 219 ““Seite 224

▶▶ Faneuil Hall ▶▶ Museum of Fine Arts


Hier trafen sich die »Sons of Liberty«. Die größte Impressionisten-
““Seite 219 Sammlung außerhalb Frank-
reichs
▶▶ »USS Constitution« ““Seite 226
Das älteste Kriegsschiff der USA
ist zugleich ein herrliches Segelschiff. ▶▶ Cambridge,
““Seite 222 Harvard University
Wo seit langer Zeit Amerikas
▶▶ New England Aquarium Elite geformt wird, herrscht ein
Das beste Aquarium der Ostküste liberaler Geist.
““Seite 223 ““Seite 229

ner Silberschmied Paul Revere gewarnt – angeblich, Reveres nächt-


licher Ritt ist eine amerikanische Legende – waren die Milizen vor-
bereitet: Auf dem Green von Lexington fielen die ersten Schüsse des
Unabhängigkeitskriegs, in Concord schlugen die Rebellen die Solda-
ten in die Flucht und verfolgten sie bis nach Boston. Die folgende
Belagerung endete in der Schlacht von Bunker Hill am 17. Juni 1775
mit einem so verlustreichen Sieg der Briten, dass er heute als mora-
lischer Sieg der Amerikaner gewertet wird. Denn diese setzten schnell
nach. Aufgerüstet mit Kriegsmaterial aus dem kurz zuvor eroberten
Fort Ticonderoga am Lake Champlain, begannen sie am 2. März 1776
erneut die Beschießung Bostons. Wenig später ergaben sich die Briten
und erhielten freies Geleit. An der Spitze seiner Rebellenarmee ritt
General George Washington im Triumphzug in die Stadt. Danach
verlagerte sich das Kriegsgeschehen nach Süden. Für Boston war der
Krieg so gut wie zu Ende. Diese Ereignisse werden heute als Start-
schuss zur Unabhängigkeit angesehen.
Bis 1825 stieg die Einwohnerzahl auf 54 000, bis 1890 auf eine knap-
pe halbe Million. Um Bauland zu gewinnen, wurden Bostons Hügel
(außer Beacon Hill) abgetragen, die Erde wurde in die Buchten ge-
kippt. Back Bay, das eleganteste Wohnviertel, entstand komplett auf
Neuland, ebenso wie 100 Jahre später der Logan Airport. Verschönt
wurde Boston vom berühmtesten Landschaftsarchitekten seiner Zeit,
Frederick Law Olmsted, der einen Ring aus Parks und Allen anlegte.
Boston    ZIELE 213

Die »Boston Brahmins« investierten in prachtvolle Häuser und brach-


ten von ihren Einkaufstouren durch Europa jene Kunstobjekte mit,
die bis heute Highlights der hiesigen Museen sind. So glanzvoll war
das kulturelle Leben der Oberschicht, dass der Chronist Oliver Wen-
dell Holmes Boston widerspruchslos als »Mittelpunkt des Univer-
sums« bezeichnen konnte. In den 1930er-Jahren ließ die Depression
die Innenstadt veröden. Zwanzig Jahre danach begann die Revitali-
sierung, die trotz dem Einstampfen ganzer Stadtviertel erfolgreich
war. North End, Beacon Hill und South End blieben erhalten, char-
mante Zeugnisse der bewahrenden Grundhaltung der Bostoner. Die
legendär schlechte Verkehrssituation in der Innenstadt hat sich durch
die Fertigstellung der »Central Artery«, lange als »Big Dig« die teu-
erste Baustelle der amerikanischen Geschichte, erheblich verbessert.

MM Freedom Trail

Der Freedom Trail (“ S. 214) ist eine Top-Attraktion der Stadt. Vom
Boston Common quer durch die Downtown bis zum Bunker Hill
Monument im benachbarten Charlestown reichend, verbindet er
Bostons wichtigste historische Sehenswürdigkeiten miteinander.

Boston Common im Herzen der Stadt ist der älteste öffentliche Park M Boston
des Landes: Schon 1634 bestimmten die Puritaner, dass er ein für Common
allemal der Öffentlichkeit vorbehalten bleiben sollte. Seitdem war er
Kuhweide, Exerzierplatz, Richtstätte, Versammlungsort und Zuflucht
für Obdachlose. Das beeindruckendste der im Park verteilten
16  Denkmäler und Gedenktafeln ist das Shaw Civil War Monu-
ment gegenüber vom State House. Das Bronzerelief von Augustus
Saint-Gaudens erinnert an das 54th Massachusetts Colored Regi-
ment, die erste schwarze Infanterietruppe, die 1863 beim Angriff auf
Fort Wagner bei Charleston aufgerieben wurde und der Hollywood
1989 mit dem Film »Glory« ein eigenes Denkmal setzte.

Der prächtige Regierungssitz von Massachusetts thront unüberseh- M Massachu-


bar über der Nordostecke des Common, gekrönt von einer 46 m ho- setts State
hen, dennoch schwerelos wirkenden Kuppel, die 1874 zudem mit House
einer Schicht aus Blattgold überzogen wurde. Klassizistisch im Stil,
mit schönem Portikus und großzügiger Freitreppe, wurde das State
House von Charles Bulfinch entworfen und 1798 nach dreijähriger
Bauzeit fertig gestellt. Den Rasen zur Straßenseite zieren vier Statuen,
zwei davon ehren mutige Frauen: Anne Hutchinson, die im 17. Jh.
gegen die männlich dominierte Theokratie Bostons aufbegehrte und
dafür aus der Stadt vertrieben wurde, und die Quäkerin Mary Dyer,
die für ihre religiöse Überzeugung auf dem Common am puritani-
schen Galgen endete. Das State House beherbergt neben heroischen
214 ZIELE    Boston

Boston erleben
AUSKUNFT mani & Co. In Back Bay führt kein Weg
Greater Boston CVB an den Designerläden der eleganten
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MBTA mit der mit »T« gekennzeichne- Küche im North End.
ten Subway und Bussen. Die wichtigsten
Umsteigestationen sind Park Street, rThe Boathouse A – AA
Downtown Crossing und State. Es gibt 49 Mount Auburn St., Cambridge
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teuer. Daher ist man gut beraten, die reitet, zwischen alten, maritim dekorier-
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deutsamen Stätten führt der Freedom sich aufs Panier geschrieben – und das
Trail, ein roter Strich auf dem Bürger- so erfolgreich, dass es mittlerweile einige
steig (ca. 1 Tag; Führungen ab Boston Filialen gibt.
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von Beacon Hill und Back Bay ist ein Shack AAA
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Boston    ZIELE 215

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legentlich noch afroamerikanische Jazz- Harvard Campus entfernt
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geht es kaum in Boston: ausgesprochen wieder Schluss. Den aktuellen Veran-
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Hafenblick. Donnerstagsausgabe des »Boston
Globe« und die Freitagsausgabe des
tA Cambridge House Inn AAA »Boston Herald«.
2218 Massachusetts Ave., Cambridge, Die meisten Klubs mit Live-Musik findet
MA 02140-1836, man um den Kenmore Square und an
Tel. 1 617 4 91 63 00 der Lansdowne Street, in Cambridge
www.acambridgehouse.com rund um den Central Square. Abtanzen
Gekonnt modernisierte viktorianische kann man im Tanzpalast Avalon
Herberge mit zwei Häusern in Subway- (15 Lansdowne St.) oder – etwas gedie-
Nähe.. gener – im Roxy (279 Tremont St.),
wo oft auch Salsa und Swing aufgelegt
uBeacon Inn AA werden. Eine gute Adresse für Jazz  – 
1087 Beacon St., Brookline, MA 02446 Branford Marsalis spielt hier hin und
Tel. 1 617 5 66 00 88 wieder auf  –  ist Wally‘s, eine klassi-
www.beaconinn.com sche Jazzkneipe (427 Massachusetts
25 Zimmer. Viel Holz; geräumige Zim- Ave., Tel. 1 617 4 24 14 08).
216 ZIELE    Boston
Boston    ZIELE 217
218 ZIELE    Boston

Bildern von Paul Revere und der Boston Tea Party die Hall of Flags,
die über 400 Fahnen bewahrt, die Soldaten aus Massachusetts vom
Unabhängigkeitskrieg bis zum Vietnamkrieg getragen haben.
i Beacon St., Mo. – Fr. 10.00 – 15.30 Uhr, Eintritt frei, www.mass.gov

M Park Street Die 71 m hohe Kirche überblickt den Common und gehört zu den
Church beliebtesten Fotomotiven der Stadt. 1809 geweiht, erlebte sie zwei
Jahrzehnte später die Auftritte des Abolutionisten William Lloyd
Garrison, der hier seine berühmten Reden gegen die Sklaverei hielt.
i Park & Tremont Sts., Juni – Aug. Di. – Sa. 9.30 – 15.30, So. Messe 8.30,
11.00, 16.00, 18.00 Uhr, Eintritt frei, Spende erbeten

M Old Granary Auf dem kleinen, 1660 angelegten Friedhof gegenüber der Park
Burying Street Church liegen die Wortführer des Unabhängigkeitskriegs, da-
Ground runter John Hancock, Samuel Adams und Paul Revere. Die einfachen
Grabsteinplatten sind oft noch verziert mit dem aus Puritanertagen
typischen Totenschädel, Stundenglas und gekreuzten Knochen.
i Tremont St., Mitte Juni – Aug. Di. – Sa. 9.30 – 15.30 Uhr, Eintritt frei

King's Chapel Neuenglands erste anglikanische Kirche duckt sich an der beleb-
ten Ecke Tremont und School Sts. zwischen Stadthäuser jüngeren
Datums. Im Jahr 1754 wurde sie den
Wussten Sie schon Kolonisten, die sich doch eigentlich
von der Church of England losge-
WISSEN

Am 24. März 1815 wurde in sagt hatten, von der britischen Kolo-
Boston »The Handel & Haydn nialmacht vor die Nase gesetzt. Ihr
Society« gegründet. Am Weih- düsteres Äußeres kontrastiert mit
nachtstag 1818 wurde erstmals dem hellen, georgianischen Innern.
in Amerika Georg Friedrich Zu sehen sind noch die brusthohen
Händels »Messias« in voller
Boxen, die die Gläubigen im Winter
Länge dargeboten. Im Februar
vor kalter Zugluft schützten. Auf
1819 hat man Haydns »Schöp-
dem Friedhof ist Stadtgründer John
fung« aufgeführt.
Winthrop begraben.

Old City Hall Die 1865 eingeweihte Old City Hall stammt von Arthur Gilman, der
auch für die schönen Second-Empire-Stadthäuser in Back Bay ver-
antwortlich zeichnet. Im Erdgeschoss ist ein Steak-Restaurant einge-
richtet, im linken Vorgarten blickt der in Boston geborene Benjamin
Franklin gedankenvoll in die Ferne (45 School St.).

Old Corner Das schöne alte Ziegelhaus war zwischen 1845 und 1865 unter der
Bookstore Ägide der Verleger Ticknor & Fields Amerikas bedeutendster Li-
teratentreff. Schwergewichte wie Henry David Thoreau, Nathaniel
Hawthorne, Henry Wadsworth Longfellow und Ralph Waldo Emer-
son trafen sich hier zum Gedankenaustausch. Heute beherbergt das
1718 erbaute Haus ein Juweliergeschäft (School u. Washington Sts.).
Boston    ZIELE 219

Ein Stück Revolutionsgeschichte spielte sich gegenüber vom Old M Old South
Corner Bookstore ab: Das schlichte, 1729 als puritanische Versamm- Meeting
lungsstätte erbaute Ziegelhaus mit dem spitzen weißen Kirchturm House
sah am Vorabend der Revolution viele turbulente Volksversammlun-
gen. So beendete am 16. Dezember 1773 Samuel Adams eine der
Kundgebungen mit den Worten: »Gentlemen, diese Versammlung
kann nichts mehr tun, um das Land zu retten.« Anschließend zog er
an der Spitze von 5 000 aufgebrachten Bürgern auf der Milk Street
hinab zur Griffith Wharf und »feierte« die Boston Tea Party. Heute
erklären Schautafeln die Ereignisse im Vorfeld.
i 310 Washington St.; April – Okt. tgl. 9.30 – 17.00, sonst tgl. 10.00 – 16.00
Uhr, Eintritt: 6 $, http://oldsouthmeetinghouse.org

Das 1713 errichtete Gebäude mit dem goldverzierten Türmchen MM Old State
duckt sich tief im Schatten moderner Bürotürme. Dass es die Abriss- House
birnen überlebte, verdankt es den dramatischen Ereignissen, die sich
einst vor seiner Haustüre abspiel-
ten. So rottete sich am 5. März Vom Balkon des Old State House wurde
1770 unterhalb des Balkons eine die Unabhängigkeitserklärung verkündet.
Menge zusammen, nachdem ein
englischer Soldat einen Jungen
mit seiner Muskete geschlagen
hatte. Als die Situation außer
Kontrolle zu geraten drohte,
schossen die Soldaten scharf – ein
in die Verkehrsinsel an der Rück-
seite des Old State House einge-
lassener Stein markiert die Stelle,
wo bei diesem »Boston Massacre«
fünf Bostoner ihr Leben ließen.
Am 18. Juli 1776 wurde der Text
der Unabhängigkeitserklärung
vom Balkon herab der jubelnden
Menge verlesen. Heute befasst
sich eine Ausstellung im Innern
mit dem »Boston Massacre«.
i Washington & State Sts., tgl.
9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 10 $,
www.bostonhistory.org

Im Jahr 1742 schenkte Peter


Faneuil (ausgesprochen: »Fen-
nel«), ein wohlhabender Kauf-
mann hugenottischer Abstam-
mung, MM Faneuil Hall als
Markthalle der Stadt. 1806 von
220 ZIELE    Boston

Charles Bulfinch um das Doppelte vergrößert, dient das schöne Zie-


gelgebäude bis heute als Forum engagierter Redner. Am Vorabend
der Revolution wetterten in der weitläufigen »Meeting Hall« im zwei-
ten Stockwerk die »Sons of Liberty«, unter ihnen Samuel Adams
und James Otis, gegen die britische Steuerpolitik. Im 19. Jh. hielt
William Lloyd Garrison hier seine Reden gegen die Sklaverei; die
Frauenrechtlerin Susan B. Anthony machte sich hier für die Gleich-
berechtigung stark. 1960 hielt John F. Kennedy hier seine letzte
Wahlkampfrede, 2004 gab sich John Kerry hier George W. Bush ge-
schlagen. Drinnen stimmt das riesige Historiengemälde »Daniel
Webster's Second Reply to Haynes« auf die Besichtigung ein.
i Faneuil Hall Sq., tgl. 9.00 – 17.00 Uhr (außer bei besonderen Veranstaltun-
gen), Eintritt frei, www.nps.gov/bost/historyculture/fh

Marketplace Der kopfsteingepflasterte Marktplatz vor Faneuil Hall, wo sich Blu-


menhändler und vor allem viele Kleinkünstler tummeln, ist ein be-
liebter Treffpunkt. Zum Markt gehören auch die drei 1825 erbauten
Granitgebäude. Das mittlere ist einem griechischen Tempel nach-
empfunden und wird Quincy Market genannt. Mit seinen Coffee­
shops und Feinkostbistros ist es ein beliebter Anziehungspunkt zu
jeder Tageszeit geworden.
i Mo. – Sa. 10.00 – 21.00, So. 12.00 – 18.00 Uhr

Auf dem Freedom Trail durch das


North End
Italienisches Der Expressway, der Downtown vom Stadtteil North End trennt, ver-
Viertel läuft inzwischen unter der Erde. Dort, wo noch vor wenigen Jahren
der Autoverkehr 15 m über der Erde durch das Herz Bostons rollte,
erstreckt sich heute über 1,5 km der Rose Fitzgerald Kennedy Green-
way, mit Bänken, Blumenbeeten und Wasserspielen. Gleich dahinter
beginnt das älteste Viertel der Stadt.
Bocconotto, Parigini und viel mehr Seit den 1630er-Jahren ununterbro-
chen bewohnt, wandelte sich das
verwinkelte North End im 19. Jh.
TIPP

... gibt es in Mike‘s Pastry (300 Ha-


nover St.). Hier beherrscht man zum Auffangbecken armer irischer
die Herstellung traditioneller und jüdischer und später italieni-
italienischer Süßspeisen und scher Einwanderer. Die italienisch-
Konditoreiwaren noch wie zu stämmigen Bostonians prägen das
Omas Zeiten. Köstlich sind auch Erscheinungsbild des Viertels bis
die Pasticciotti, die Cannoli, die heute. Hanover Street und Salem
Taralli und die Rumkuchen. Heiß Street mit ihren zahlreichen Tratto-
begehrt ist auch »La Sfogliatella« rias sind die Hauptverkehrsadern
(Hummerschwanz). des ansonsten von engen Gassen ge-
prägten Viertels.
Boston    ZIELE 221

Das fast mittelalterlich wirkende Holzhaus mit den winzigen Fens­ M Paul Revere
tern, dem nach vorne ragenden Obergeschoss und dem schindelge- House
deckten Dach wurde um 1680 erbaut und ist das älteste Gebäude der
Innenstadt. Da von 1770 bis 1800 der Revolutionsheld und Silber-
schmied Paul Revere hier wohnte, blieb es vom Abriss verschont.
Heute beherbergen die niedrigen Räume eine kleine Sammlung mit
Originalmöbeln der Reveres und schönen, vom Hausherrn höchst-
selbst angefertigten Silberarbeiten.
i 19 North Square, April – Okt. tgl. Hört zu, meine Kinder ...
9.30 – 17.15, sonst 9.30 – 16.15 Uhr,

WISSEN
Eintritt: 3,50 $, www.nps.gov/bost/ Paul Revere reitet über Bostoner
historyculture/prh Gedenkmünzen und Poster, dabei
kam er in der Nacht zum 19. April
Die stille, gepflasterte Paul Revere 1775 nie in Lexington an: Er
Mall zwischen der katholischen wurde unterwegs von Soldaten
St.  Stephen Church und der M Old unrühmlich verhaftet. Von den
North Church gehört zu den schöns- anrückenden Briten erfuhren
ten öffentlichen Plätzen der Stadt. die Rebellen stattdessen durch
»One if by land, two if by sea« – die William Dawes und andere, die
schöne, 1723 im georgianischen Stil in jener Nacht nach Lexington
errichtete Kirche spielte am Vor- und Concord ritten. Dass allein
abend der Revolution eine entschei- Revere die Ehre des Nachruhms
dende Rolle. In der Nacht vom 18. zuteil wurde, ist die »Schuld« des
Dichterfürsten Longfellow. Dieser
zum 19. April 1775 signalisierte der
schuf 1861 das Heldenepos von
Küster Robert Newman mit zwei La-
»Paul Revere‘s Ride« und reimte:
ternen vom Kirchturm aus den Re-
»Listen my children and you shall
bellen im benachbarten Charles-
hear, of the midnight ride of Paul
town, dass die Briten den Charles Revere ... «
River nach Lexington genommen
hatten. »Old North« ist die älteste
existierende Kirche Bostons. Innen stehen noch die hohen Sitzboxen
(19. Jh.), jede ausgestattet mit Fußwärmern, die glühende Holzkohle
enthielten. Ein kleiner Souvenirshop verkauft revolutionsrelevante
Memorabilia.
i 193 Salem St., tgl. 9.00 – 17.00, Sonntagsmessen 9.00, 11.00, 16.00 Uhr,
Eintritt frei, Spende erbeten

Der auf der Kuppe von Copp's Hill 1660 angelegte Friedhof ist der Copp's Hill
zweitälteste Bostons. Zahlreiche prominente Bürger wurden hier be-
stattet, darunter der Priester und Hexenverfolger Cotton Mather
(1663 – 1728). Der Charles River, die neue Leonard P. Zakim Bridge
und das benachbarte Charlestown mit dem schlanken Bunker Hill
Monument sind von hier aus gut zu sehen.

66 m hoch und im Jahr 1843 eingeweiht, erinnert die Granitsäule in M Bunker Hill
Form eines ägyptischen Obelisken an die Schlacht von Bunker Hill Monument
222 ZIELE    Boston

am 17. Juni 1775. Die erste Schlacht des Unabhängigkeitskriegs kos­


tete nach offizieller Lesart über 1 000 britischen Soldaten das Leben.
Zwar gewann die Krone, doch mit nur 500 Toten auf Rebellenseite
trugen die Kolonisten einen moralischen Sieg davon. Eine enge Trep-
pe mit 294 Stufen führt zu einer Plattform mit schönem Blick auf
Bostons Skyline. Auf der anderen Straßenseite beschreibt das vor ein
paar Jahren eröffnete Bunker Hill Museum alles Wissenswerte zur
Schlacht.
Bunker Hill Monument: tgl. 9.00 – 16.30 Uhr, Eintritt frei, www.nps.gov/
bost/historyculture/bhm
Bunker Hill Museum: 43 Monument Square; tgl. 9.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt frei, www.nps.gov/bost/historyculture/bhmuseum

MM Unterhalb der Leonard P. Zakim Bridge und gegenüber von North


»USS End liegt im Charlestown Navy Yard das älteste noch in Dienst be-
Constitution« findliche Kriegsschiff der US-Marine vor Anker. Die »USS Constitu-
tion« wurde 1797 in Dienst gestellt und ging, mit 54 Kanonen be-
stückt, zunächst gegen amerikanische Schiffe aufbringende Piraten

Auch auf der USS Constitution wird Living History geboten.


Boston    ZIELE 223

im Mittelmeer vor. Im Krieg von 1812 besiegte sie zahlreiche feind-


liche Schiffe, darunter die britische »HMS Guerièrre«, deren Kano-
nenkugeln an ihrem aus Eichenbohlen aus Georgia und South Caro-
lina gefertigten Rumpf so wirkungslos abprallten, dass sie fortan den
Spitznamen »Old Ironsides« trug. Insgesamt hat die Constitution
42 Seesiege errungen.
Das USS Constitution Museum dokumentiert die glorreiche Ge-
schichte des Dreimasters.
»USS Constitution«: April – Okt. Di. – So. 10.00 – 18.00, sonst nur bis 16.00
Uhr, Eintritt frei, Spende erbeten, www.history.navy.mil/ussconstitution
USS Constitution Museum: April – Okt. tgl. 9.00 – 18.00, sonst nur bis
16.00 Uhr, Eintritt frei, Spende erbeten, www.ussconstitutionmuseum.org

Boston Waterfront
Nach 1900 fiel der einst führende Hafen Amerikas hinter die übrigen Vom Hafen-
Ostküstenhäfen zurück. Der in den 1950ern gebaute Expressway zum
schnitt ihn endgültig von der Stadt ab und erst mit der Revitalisie- Trendviertel
rung der Innenstadt kam wieder viel Leben in die Hafengegend: Alte
Lagerhäuser wichen schicken Apartmenthäusern, internationale Lu-
xushotels entdeckten die Waterfront als ziemlich zeitgeistigen Stand-
ort mit Meerblick.

Wo sich heute das elegante, mit seinem Hangarlook die umliegenden Long Wharf
Hafengebäude zitierende Marriott Long Wharf im Wasser spiegelt,
reichte die Long Wharf einst 600 m weit ins Hafenbecken. Heute be-
ginnen hier Hafenrundfahrten und Walbeobachtungstouren.

Herzstück dieses herrlichen Aquariums ist ein über 700 000 l Salz- MM New
wasser fassender, vier Stockwerke hoher Zylindertank. Von einer den England
Zylinder spiralförmig begleitenden Rampe aus kann man seine Be- Aquarium
wohner beobachten, darunter Haie, Muränen und Stachelrochen.
Insgesamt beherbergt das Aquarium rund 8 000 Tiere in 2 000 Spe-
zies. Von April bis Oktober führt es Walbeobachtungstouren durch.
i Central Wharf; So. – Do. 9.00 – 18.00, Fr., Sa. 9.00 – 19.00 Uhr,
Eintritt: 26,95 $, www.neaq.org

Die Congress Street Bridge führt hinüber zur Museum Wharf mit Children's
dem Children's Museum. »Hands-On« heißt hier das Zauberwort, Museum
»Anfassen erlaubt«. Kinder können hier auf vier Etagen den Geset-
zen von Flieh- und Schwerkraft spielerisch auf die Spur kommen und
in Ausstellungen wie »What if you couldn't« als Rollstuhlfahrer ver-
suchen, mit den Tücken des Alltags zurechtzukommen.
i 300 Congress St., Sa. – Do. 10.00 – 17.00, Fr. 10.00 – 21.00 Uhr,
Eintritt: 16 $, www.bostonkids.org
224 ZIELE    Boston

MM Beacon Hill

Ein nobles Nirgendwo sonst in Amerika werden so viele Rassehunde Gassi ge-
Viertel führt und so viele Luxuskarossen vorgeführt wie auf der Beacon
Street. Die Straße zu Füßen des Beacon Hill ist der Catwalk der Rei-
chen und Schönen Bostons, Beacon Hill ist ihr Biotop. Das alte No-
belviertel, einst eine Enklave der »Boston Brahmins«, ist noch immer
exklusiv und sündhaft teuer, auch wenn sich die Alteingesessenen die
schönen Backsteinhäuser mit den bauchigen Erkern heute mit Neu-
reichen von auswärts teilen müssen. Die Bebauung des Hügels neben
dem Massachusetts State House begann um 1800. Bis Mitte des
19. Jh.s entstanden unter der Federführung des in Boston so aktiven
Charles Bulfinch herrschaftliche, drei- bis vierstöckige, von schwar-
zen Gaslaternen und Bäumen gesäumte Häuserzeilen im Federal und
Greek Revival Style. Auch ans Personal, das das elegante Viertel in
Gang halten musste, wurde selbstverständlich gedacht: Einfachere
Behausungen in engen Seitenstraßen wie z. B. der Chestnut Street
weisen den Weg zu den Unterkünften der Dienerschaft.

Boston Das ehrwürdige Sandsteingebäude östlich vom State House beher-


Athenaeum bergt seit 1849 das Boston Athenaeum, eine der ersten öffentlichen
Bibliotheken Amerikas. In den Lesesälen hat gebüffelt, was in Boston
Rang und Namen hat, angefangen bei Ralph Waldo Emerson bis hin
zu zeitgenössischen Autoren wie David McCullough.

Mount Ver- Von Henry James als »only respectable street in America« bezeich-
non Street net, reihen sich an der Mount Vernon Street einige der schönsten
Residenzen von Beacon Hill aneinander. Beachtung verdient Haus-
nummer 85: Das frei stehende Haus mit den schlanken Säulen wurde
1802 von Charles Bulfinch für seinen Freund, den Investor Harrison
Gray Otis, gebaut. Das damals mit schmuckloser Fassade geübte Un-
derstatement stand deutlich im Gegensatz zum eleganten Lebensstil
dahinter: Erst drinnen zeigte man, was man hatte. Wie die »Boston
Brahmins« lebten, erfährt man allerdings nicht hier, sondern in dem
mit Originalmöbeln eingerichteten, 1804 ebenfalls von Bulfinch ent-
worfenen Nichols House Museum, dem einzigen öffentlich zugäng-
lichen Wohnhaus »on the hill«.
i 55 Mount Vernon St., April – Okt. Di. – Sa. 11.00 – 16.00, sonst Do. – Sa.
11.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 10 $, www.nicholshousemuseum.org

M Louisbourg Westlich öffnen sich die roten Häuserzeilen zum Louisbourg Square.
Square Der kleine Platz verkörpert seit seiner Schaffung in den 1830er-Jah-
ren wie kein anderer Ort den kultivierten Lebensstil von Beacon Hill.
Etliche Schriftsteller lebten hier, u. a. Pulitzerpreisträger Archibald
MacLeish und – von 1885 bis 1888 – Louisa May Alcott (Nr. 10), de-
ren Bestseller »Little Women« die Familie vor dem Bankrott rettete.
Boston    ZIELE 225

Die meistfotografierte Straße auf Beacon Hill ist Acorn Street, eine Weitere
enge Gasse mit Kopfsteinpflaster, deren Mietwohnungen ursprüng- Straßen
lich die Dienerschaft aufnahmen. Charles Street markiert die West-
seite des Viertels, Immobilienbüros informieren hier in Aushängen
darüber, was Beacon Hill pro Quadratmeter kostet. Pinckney Street
ist die Nordgrenze von Beacon Hill. Ihr Charakter als Demarkations-
linie zwischen den wohlhabenden »Brahmins« und dem Rest der
Welt ist daran erkennbar, dass die Planer auf verbindende Querstra-
ßen verzichteten.
Die nach Norden führende Joy Street war im 19. Jahrhundert die
Lebensader der schwarzen Gemeinde Bostons, mit der kurzen Sack-
gasse Smith Court als Zentrum und 46 Joy Street als besonders wich-
tiger Adresse: Die in den 1830er-Jahren erbaute Abiel Smith School
ist die älteste schwarze Schule der Stadt, das im Jahre 1806 von der
schwarzen Baptistengemeinde errichtete African Meeting House
wurde vor dem Bürgerkrieg ein Treffpunkt schwarzer und weißer
Abolitionisten. Heute zeigen beide Gebäude als Museum of Afri-
can-American History packende Ausstellungen zur Geschichte der
schwarzen Bostoner
i 46 Joy St., Mo. – Sa. 10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt 5 $,
www.afroammuseum.org

Back Bay
1857 begann Bostons Metamorphose von der verwinkelten und aus Vom Hinter-
allen Nähten platzenden Stadt in eine zeitgemäße, Fortschritt, Kultur hof zum
und Optimismus angemessen reflektierende Metropole. Durch das Shopping-
Aufschütten der Back Bay wurden 180 ha Bauland hinzugewonnen. und Kultur-
Bei der Gestaltung des neuen Stadtgebiets ließ man sich von Paris viertel
inspirieren. Fünf schnurgerade Ost-West-Achsen, die größte davon
die 80 m breite Commonwealth Avenue, wurden gezogen und mit
schönen, vier- bis fünfstöckigen Häuserzeilen im damals modischen
Second-Empire-Style gesäumt. Bis heute ist Back Bay exklusiv geblie-
ben. Der Stadtteil zwischen den Public Gardens und dem Christian
Science Center bietet außer sündhaft teuren Apartments v. a. Kunst,
Kultur und Savoir Vivre vom Feinsten.
Das East End westlich der Arlington Street ist mit seinen schicken
Boutiquen, Bars und Restaurants quasi der »Hangout« der Bostoner
Yuppies. Die vornehme Newbury Street Bostons versteht sich als
Antwort auf den Rodeo Drive im kalifornischen Beverly Hills. Ken-
more Square mit seinen Kneipen und Secondhandbuchläden ist das
Gravitationszentrum der Studenten und südlich der Boylston Ave-
nue liegen die meisten der Luxushotels der Stadt. Die Charles River
Esplanade am Fluss erlebt im Sommer zahllose Konzerte im Hatch
Memorial Shell.
226 ZIELE    Boston

M Copley Der wichtigste Platz Bostons präsentiert sich, aufgelockert mit


Square Grün und Springbrunnen, als sympathisches Bindeglied zwischen
einigen der schönsten Gebäude der Stadt. Schwer und dunkel, gleich-
wohl in sich harmonisch, liegt an der Ostseite die neoromanische,
1877 von Henry H. Richardson entworfene Trinity Church. Ihr
wuchtiger Hauptturm zitiert die Kathedrale von Salamanca, das reich
dekorierte Westportal lehnt sich an die Kirche St. Triomphe in Arles
an. Gleich daneben schießt der 241 m hohe Wolkenkratzer Hancock
Place in die Höhe. Er wurde 1968 – 1976 nach Entwürfen der Starar-
chitekten I. M. Pei und Henry N. Cobb errichtet. Die Fassade besteht
aus über 10 000 großflächigen Fensterscheiben, die auf dem Grund-
riss eines verzogenen Parallelogramms zusammengestellt wurden.
Der Effekt ist grandios: Je nach Ansicht präsentiert sich der Hauptsitz
der Hancock-Versicherungsgesellschaft deshalb mal als schmales,
sonderbarerweise aufrecht stehendes Handtuch, mal als breite Zünd-
holzschachtel. Das Observatory Deck im obersten Stockwerk ist seit
dem 11. September 2001 bis auf Weiteres geschlossen.
Ein weiterer Kontrapunkt nimmt die gesamte Westseite des Platzes
ein. Die Boston Public Library wurde 1895 nach siebenjähriger Bau-
zeit als »Palast fürs Volk« eröffnet. Komplett in italienische Renais-
sance getaucht, schmücken Friese von Augustus Saint-Gaudens die
Fassaden, zwei Löwen bewachen den herrschaftlichen Treppenauf-
gang aus gelbem Siena-Marmor. Der friedvolle Innenhof ist ein guter
Ort zum Ausruhen, nachdem man in den oberen Etagen ausladende
Wandgemälde von John Singer Sargent bewundert hat.
In der Südwestecke des Platzes steht, halb verdeckt vom Westin Ho-
tel, das schicke Einkaufszentrum Copley Place. Über 100 Geschäf-
te, Restaurants und Kinos sorgen hier für gepflegten Zeitvertreib.
Boston Public Library: 700 Boylston St.; Mo. – Do. 9.00 – 21.00, Fr. – Sa. bis
17.00, So. 13.00 – 17.00 Uhr, www.bpl.org

Prudential Vom Copley Place führt ein gläserner Gang über dem Straßenver-
Center kehr zum Prudential Center hinüber. Das »Pru« war vor fast 40 Jah-
ren Bostons erster Vielzweckkomplex und beherbergt heute Kauf-
häuser, Läden, Restaurants und Hotels. Die Fahrstuhlfahrt wert ist
der 52 Stockwerke hohe Prudential Tower. Im 50. Stock befindet
sich ein Skywalk Observatory mit einer kleinen Ausstellung. Von
hier oben bietet sich eine tolle Rundumsicht auf die Stadt.
i April – Okt. tgl. 10.00 – 22.00, Nov. – März tgl. 10.00 – 20.00 Uhr,
Eintritt: 17 $, www.prudentialcenter.com

MM Museum of 1876 gegründet und seit 1909 an seiner heutigen Adresse, gehört das
Fine Arts Museum of Fine Arts mit einer Million Objekten zu den besten und
umfassendsten Kunstmuseen der Welt. Seit 1913 schmückt das von
Cyrus Dallin geschaffene Standbild eines Indianers zu Pferd »Appeal
to the Great Spirit« die Frontseite. 1981 steuerte I. M. Pei den licht-
Boston    ZIELE 227

Studierende in der Antikensammling des Museum of Fine Arts

durchfluteten, dreistöckigen Westflügel bei, doch inzwischen ist das


MFA schon wieder zu klein. Die 2006 begonnenen, 500 Mio. Dollar
teuren Erweiterungsarbeiten wurden vier Jahre später beendet. Nun
hat das Museum knapp ein Drittel mehr Ausstellungsfläche.
Die Präsentationen reichen von prähistorischen Tonscherben über
indische Fruchtbarkeitsgöttinnen und Silberarbeiten von Paul Reve-
re bis zu Mobiliar aus den verschiedensten europäischen und ameri-
kanischen Epochen. Höhepunkte sind die größte Sammlung fran-
zösischer Impressionisten außerhalb Frankreichs und die – fast
schon obligatorischen – Werke von Picasso, van Gogh und El Greco.
Besonders stolz ist man aber auch auf die Abteilung amerkanischer
Malerei mit Porträts der bedeutendsten Revolutionäre wie Samuel
Adams, John Hancock, Paul Revere und Joseph Warren, gemalt von
John Singleton Copley. Am bekanntesten ist Gilbert Stuarts nicht
vollendetes Porträt von George Washington – es ist auf der Ein-
Dollar-Note in aller Hände.
i 465 Huntington Ave., tgl. 10.00 – 16.45, Mi. – Fr. bis 21.45 Uhr,
Eintritt: 25 $, www.mfa.org

Diese Kunstsammlung, eine der besten privaten der Ostküste, prä- M Isabella
sentiert sich so unkonventionell wie die Frau, die sie einst zusam- Stewart
mengetragen hat. Isabella Stewart Gardner (1840 – 1926), reiche Gardner
Witwe und »Enfant terrible« der Bostoner Gesellschaft, empfing ihre Museum
Gäste mitunter auf eine Stange im Mimosenbaum sitzend und
trank – skandalös – lieber Bier als Wein. Gemälde in langweiligen
228 ZIELE    Boston

Museen zu zeigen war ihr ein Graus: Kunst, sagte sie, müsse Spaß
machen, eine Haltung, die ihr Heim Fenway House, einen Steinwurf
vom MFA, reflektiert. Was sie von ihren Reisen durch Europa mit-
brachte – Gemälde von Botticelli, Tizian, Dürer, Degas – hängt noch
immer dort, wo sie es vor rund 100 Jahren persönlich aufhängte. Hö-
hepunkte des Besuchs sind das Atrium mit seiner Blumenpracht, die
auf den Innenhof blickenden venezianischen Fenster und Balkone
und die immer wieder wie Pünktchen auf dem i wirkenden Gemälde.
i 25 Evans Way, tgl. 11.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 15 $,
www.gardnermuseum.org

Weitere Sehenswürdigkeiten in Boston


M John F. Der schneeweiße Bau aus Glas und Beton auf dem Gelände der Uni-
Kennedy versity of Massachusetts, entworfen von I. M. Pei, blickt auf den Ha-
Presidential fen und die Skyline Bostons. Im von der Kennedy-Familie gestifteten
Library & Museum werden die 1 000 Tage der Kennedy-Ära mit Schautafeln,
Museum Filmen, Interviews und Fernsehauftritten des bis heute populären
US-Präsidenten dokumentiert. Er wurde ganz in der entgegengesetz-
ten Richtung in der Vorstadt Brookline östlich von Back Bay in 83
Beals Street geboren (John F. Kennedy National Historic Site).
John F. Kennedy Presidential Library & Museum: Columbia Point, via
I-93; tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 14 $, www.jfklibrary.org
John F. Kennedy National Historic Site: 83 Beals St., Führungen Ende
Mai – Okt. Mi. – So. Mi. – Fr. 9.30 – 17.00 Uhr, Eintritt frei, www.nps.gov/jofi

M Museum of Eines der größten Museen seiner Art, zu finden auf einer künstlichen
Science Insel am Charles River Dam, verwandelt selbst die kompliziertesten
wissenschaftlichen Probleme in verständliche und nachvollziehbare
Gesellschaftsspiele. Von der Erklärung der Newton'schen Gesetze
mit Skateboards bis zum Spaziergang durch einen Computer – das
Computer Museum ist inzwischen zugezogen – bietet dieses Mu-
seum jede Menge Spaß mit Tiefgang für die ganze Familie.
i Science Park; 5. Juli – Labor Day tgl. 9.00 – 19.00, Fr. bis 21.00, sonst bis
17.00 bzw. 21.00 Uhr, im Winter kürzer, Eintritt: 23 $, www.mos.org

MM Cambridge

Universitäts- Die Hochschulstadt liegt gegenüber von Boston am Ufer des Charles
stadt River. Sie ist Heimat zweier der berühmtesten Lehranstalten der
USA, der Harvard University und des Massachusetts Institute of
Technology (MIT). Sozialer Mittelpunkt der typischen Studenten-
stadt ist der im Sommer belebte Harvard Square, Hauptgeschäftsstra-
ße ist die Massachusetts Avenue.
Boston    ZIELE 229

Cambridge begann 1630 unter dem Namen Newtowne als Haupt-


stadt der Massachusetts Bay Colony. Schon 1636 gründeten die Pu-
ritaner ein Priesterseminar für den geistlichen Nachwuchs und be-
nannten es nach John Harvard, der seine Bibliothek und die Hälfte
seines Grundbesitzes stiftete – die Keimzelle der späteren Universi-
tät. 1640 traf hier die erste Druckerpresse in den Kolonien ein. Wäh-
rend der Revolution war die Stadt Hauptquartier der Rebellen unter
dem Kommando von George Washington. 1779 wurde im Cam-
bridge Meetinghouse die Verfassung von Massachusetts, später Vor-
lage der amerikanischen Verfassung, entworfen.

Einen Spaziergang wert ist die Brattle Street, eine schattige Allee, Historischer
die wegen der hier wohnenden Royalisten einst auch »Tory Row« Stadtkern
hieß. Vom Haus Nr. 105, einer prachtvollen georgianischen Residenz
mit säulenbewehrtem Portiko, übersah George Washington die Be-
lagerung von Boston. Von 1837 bis 1882 wohnte hier Henry Wads-
worth Longfellow, Amerikas beliebtester Dichter. Er schrieb die
längst zum amerikanischen Kulturgut gehörenden Gedichte »Hiawa-
tha« und »Evangeline«. Das Haus 105 Brattle Street ist heute als
Longfellow National Historic Site ausgewiesen.
i 105 Brattle St., Führungen Juni – Okt. Mi. – So. 10.30 – 16.00 Uhr,
Eintritt frei, www.nps.gov/long

1636 begann das Harvard College mit zwölf für Ethik und Religion MM Harvard
eingeschriebenen Studenten, heute studieren hier knapp 20 000 jun- University
ge Menschen und seit 1879 sind auch Frauen zugelassen. Dank eines
überragenden wissenschaftlichen Niveaus und glänzender Lehrer und
Dozenten erwarb sich Harvard einen Ruf als eine der prestigeträch-
tigsten Hochschulen der Welt. Bis heute hat sie sechs US-Präsiden-
ten, darunter John F. Kennedy, und zahlreiche Nobelpreisträger her-
vorgebracht. Als Campus-Uni ist Harvard eine Stadt in der Stadt. Am
besten schließt man sich im Harvard Information Center einem
Rundgang unter der Leitung anekdotenfester Studenten an – der bes-
te Weg, außer trockener Statistik auch witzige, mitunter saftige Details
aus dem Hochschulalltag zu erfahren.
Im November 2014 hat die Einrichtung Harvard Art Museums an
der 32 Quincy Street eröffnet. In dem neuen Bau sind nun mit dem
Fogg Art Museum, dem Busch-Reisinger Museum und dem Arthur
M. Sackler Museum die drei großen Kunsthallen Harvards unter ei-
nem Dach vereint, die gemeinsame Sammlung umfasst über 250 000
Werke, meist Gemälde, Fotos und Skulpturen. Als Lehreinrichtung
ist das Institut eng mit dem unversitären Curriculum verbunden, im
Zuge der Renovierung sind nicht nur zusätzliche Galerien, sondern
auch Seminarräume und ein Wintergarten entstanden. Am neuen
Museumskomplex mit seiner eigenwilligen Glasdachkonstruktion ist
die Handschrift des Stararchitekten Renzo Piano unverkennbar.
WISSEN Ivy League
Special-Titel

©
231
232 ZIELE    Boston

Das Fogg Art Museum konzentriert sich v. a. auf Impressionisten


und italienische Renaissance, das Busch-Reisinger Museum ist auf
mittel- und osteuropäische Expressionisten, u. a. Klee, Beckmann und
Kandinsky, spezialisiert. Das Arthur M. Sackler Museum schließlich
enthält asiatische Kunst.
Cape Ann    ZIELE 233

Im Jahre 1866 von George Peabody gegründet, zeigt das Peabody


Museum of Archeology and Ethnology u. a. völkerkundliche
Schätze, die Harvard-Forscher von ihren Reisen nach Ozeanien und
Südamerika mitbrachten.
Harvard Museum of Natural History Drei Abteilungen gibt es im
Naturkundemuseum: Mineralogie und Geologie, Zoologie (u. a. ein
fast 13 m langer Kronosaurus) sowie Botanik, wo ein einzigartiger
Schatz zu bewundern ist: die berühmten Blashka Glass Flowers, von
Leopold und Rudolf Blaschka zwischen 1877 und 1936 in Dresden
mundgeblasene Nachbildungen von über 700 Blumenarten.
Harvard Information Center: Holyoke Center, 1350 Massachusetts Ave.,
Mo. – Sa. 9.00 – 17.00 Uhr, Führungen, Eintritt frei, www.harvard.edu/visitors
Harvard Art Museums: tgl. 10.00 – 17.00 Uhr (an Feiertagen geschlossen),
Eintritt: 15 $, www.harvardartmuseums.org
Peabody Museum of Archeology and Ethnology: 11 Divinity Ave., tgl.
9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt 12 $, www.peabody.harvard.edu
Harvard Museum of Natural History: 26 Oxford St. u. 11 Divinity Ave.,
tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 12 $, www.hmnh.harvard.edu

An der Harvard Bridge liegt zu beiden Seiten der Massa­chusetts Ave- Massa-
nue das Massachusetts Institute of Technology (MIT), die 1861 ge- chusetts
gründete, aber erst 1916 hier eingerichtete Technische Hochschule Institute of
von Massa­chusetts, eine der bedeutendsten der USA. Vom finni- Technology
schen Architekten Eero Saarinen stammen die MIT Chapel und das
Kresge Auditorium.

M Cape Ann
Region: North of Boston
aM6
Felsenufer und alte Leuchttürme, Küstennebel
und knackiges Meeresklima: Das nur eine halbe Autostunde
nördlich von “Boston liegende Cape Ann vermittelt bereits
einen guten Eindruck von dem, was einen noch weiter nörd-
lich in Maine erwartet.

Anno 1604 von Samuel de Champlain entdeckt und 1614 von John Refugium der
Smith nach Queen Anne benannt, gründeten englische Fischer hier Reichen und
1623 den Fischerhafen Gloucester. Während der nächsten mehr als Kreativen
350 Jahre blieb Kabeljau (engl. »cod«) die Haupteinnahmequelle der
Menschen hier, doch dann zwang der Schwund der Fische zum Um-
satteln auf Hummer. Cape Ann hat jedoch noch eine andere, weniger
raue Seite. Im 19. Jahrhundert entdeckten reiche Bostoner das Kap
als Sommerfrische. Ihre in allen damals fashionablen Stilen erbauten
234 ZIELE    Cape Ann

Häuser reihen sich wie Perlen einer Schnur an der MA 127 und MA
127 A auf. In ihrem Kielwasser kamen die Künstler und begründeten
den Ruf von Cape Ann als Künstlerkolonie.

Sehenswerte Orte auf Cape Ann


M Gloucester Weder niedlich noch malerisch, lebt Gloucester auch fast 400 Jahre
nach seiner Gründung hauptsächlich vom Meer. Seine Fischereiflot-
te, einst eine der größten der Welt, ist inzwischen auf unter 200 Kut-
ter geschrumpft. Das harte Brot der Gloucester-Fischer beschrieb
u. a. der Kinofilm »Der Sturm« mit George Clooney (2000). Se-
henswert in dem Städtchen, das sich nur in zweiter Linie um Touris-
ten kümmert, sind die von Leonard Craske stam­mende Statue des
M Gloucester Fisherman am nördlichen Ende des Stage Fort Park,
die an die über 10 000 auf See gebliebenen Fischer aus Gloucester
erinnert, und das hervorragende M Cape Ann Museum. Es widmet
sich den mit Cape Ann verbundenen Künstlern, allen voran Fitz
Hugh Lane (1804 – 1865), der das zarte Küstenlicht auf die Lein-
wand zu bringen vermochte wie kaum ein anderer.
Kunst zum Kaufen gibt es in der Rocky Neck Art Colony in East
Gloucester. Wenngleich stark kommerzialisiert, versprechen die
zahlreichen kleinen Galerien an der East Main Street Kunstinteres-
sierten einen interessanten Nachmittag. Einen Überblick über die
hiesige Künstlerszene verschafft man sich am besten bei der North
Shore Arts Association.
Cape Ann Museum: 27 Pleasant St., Di. – Sa. 10.00 – 17.00, So. 13.00 bis
16.00 Uhr, Feb. geschl., Eintritt: 10 $, www.capeannhistoricalmuseum.org
North Shore Arts Association: 11 Pirates Lane, Mai – Okt Mo. – Sa. 10.00
bis 17.00, So. 12.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei, http://nsarts.org

»Motif No. 1« heißt der alte rote Schuppen auf der Kaimauer von Rockport.
Cape Ann    ZIELE 235

Cape Ann erleben


AUSKUNFT im Sommer der legendäre Hollywood-
Cape Ann Chamber of Commerce Star Bette Davis.
33 Commercial St., Gloucester, MA
01930, Tel. 1 978 2 83 16 01 WHALE WATCHING
www.capeannchamber.com Cape Ann Whale Watch
415 Main St., Gloucester, Rose‘s Wharf
ESSEN Tel. 1 978  2 83 51 10
The Rudder AA www.seethewhales.com
73 Rocky Neck Ave., Gloucester Die von Gloucester aus durchgeführten
Tel. 1 978 2 83 79 67 Walbeobachtungstouren zählen zu den
Traditionelles neuenglisches Seafood, besten an der ganzen Ostküste. Von Mai
besonders lecker: Schwertfisch. bis Oktober finden täglich mehrstündige
Touren in Begleitung von Biologen des
ÜBERNACHTEN Whale Conservation Institute statt.
Samarkand Guesthouse AA
1 Harbor Rd., Gloucester, MA 01930 STRÄNDE
Tel. 1 978 2 83 37 57 Abgehärtete Naturen können sogar ba-
www.samarkandinn.com den: Der Singing Beach in Manchester-
Hübsches B&B am Endes des Good Har- by-the-Sea und der Crane Beach in Ips-
bor Beach. Früher einmal residierte hier wich sind die schönsten Strände.

Die einen lieben den Fischerhafen am Ende von Cape Ann, den an- Rockport
deren ist er zu touristisch. Im 19. Jh. auch Umschlagplatz für den auf
dem Kap abgebauten Granit, zogen in den 1920-Jahren Maler aus
Boston zu und verwandelten Rockport in eine Künstlerkolonie. Heu-
te bieten an der Main Street Galerien und Souvenirshops Bilder von
Leuchttürmen und Fischkuttern an. Die Qualitätsunterschiede sind
immens, ebenso wie die Massen, die sich von Mai bis September
durch die engen Straßen wälzen. Wer trotz allem eigene Erfahrungen
machen möchte, sollte es nicht versäumen, den ironischerweise
»Motif No. 1« genannten, roten alten Schuppen auf der Kaimauer am
Hafenausgang zu fotografieren. Nördlich von Rockford erstreckt sich
rund um den nördlichsten Punkt von Cape Ann der Halibut Point
State Park. Baden kann man hier nicht, aber dafür durch die Dünen
wandern und den Blick auf den Atlantik genießen.

Umgebung von Cape Ann


Das 22 mi/35 km nördlich von Gloucester auf Cape Ann an der M Newbury-
Mündung des Merrimack River gelegene Städtchen war einst ein blü- port
hendes Schiffsbauzentrum und Handelshafen. Vom Wohlstand der
236 ZIELE    Cape Cod

geschäftstüchtigen Einwohner zeugen die heute zu den schönsten


Federal-Style-Häusern Neuenglands gerechneten Residenzen an der
High Street und die rotziegelige Kleinstadtatmosphäre rund um den
Market Square nahe der Waterfront. Das historische Zentrum, ein
gutes Pflaster für Spaziergänger, ist heute vollgepackt mit hochwerti-
gen Antiquitätenläden, Boutiquen und Restaurants. Auch die ange-
nehmen Spazierwege entlang der Waterfront – hier legen im Sommer
täglich Walbeobachtungsboote ab – machen Newburyport zu einem
charmanten Stopp auf dem Weg nach Maine.
Über einen Damm gelangt man auf die wenige Meilen südöstlich von
Newburyport gelegene, aus Dünen und Salzwassermarschen beste-
hende Plum Island. Ihr Südteil ist als M Parker River National Wild-
life Refuge ausgewiesen. Im Frühjahr und Herbst zählen »Bird Wat-
cher« hier in 48 Stunden bis zu 300 Zugvogelarten. Schöne Trails,
meist hölzerne Plankenwege, ziehen kreuz und quer durch die Dü-
nen, Beobachtungstürme bieten Rundumblicke.

MM Cape Cod
Region: Cape Cod
a M / N 6 / 7
Höhe: 0 – 93 m ü.d.M.

Endlose Sandstrände, puppenstubenhafte Kolonialdörfer und


eine erstklassige Hotellerie und Gastronomie: Die 110 km
lange Halbinsel südlich von Boston ist seit vielen Generatio-
nen der Bostoner liebstes Feriengebiet.

Zweimal Cape Cod Bartholomew Gosnold, der im Jahr


1602 hier als erster Europäer lande-
te, benannte das wie ein Angelhaken
TIPP

Cape Cod wird vor allem im


Hochsommer (Juli, August) von geformte Kap nach den kabeljaurei-
Touristen überschwemmt. Daher chen Gewässern ringsum. 1620
ist es gut zu wissen, dass die setzten auf Cape Cod die Passagiere
Nordküste tendenziell ruhiger der »Mayflower« zum ersten Mal
ist als die Südküste. Während den Fuß auf amerikanischen Boden,
sich die alte Küstenstraße 6 A bevor sie nach “Plymouth weiter­
zweispurig durch die Kolonial- segelten. Den Fischereiflotten und
städtchen der Nordküste bis nach einer blühenden Walfangindustrie
Provincetown schlängelt, machen im 18. und 19. Jahrhundert verdan-
sich im kompromissloser er- ken vor allem solche Orte wie Barn-
schlossenen Süden, vor allem stable, Yarmouth und Provincetown
in Hyannis und Dennis Port, ihre schönen Kapitänshäuser.
Anzeichen von Massentourismus Der Niedergang des Walfangs um
breit. 1850 wurde vom Tourismus aufge-
Cape Cod    ZIELE 237

Noch herrscht morgendliche Ruhe am Strand von Hyannis.

fangen, als wohlhabende Bostoner die Vorzüge des sichelförmigen


Kaps entdeckten. Heute verbindet Cape Cod erholsamen Strandur-
laub mit einer wohldosierten Portion Kultur: Neben Schwimmen,
Wassersport und Sonnenbaden laden Museen, Galerien und Theater
zu vielerlei Aktivitäten ein.

Nordküste (Bayside)
Das Städtchen am Shawme Pond wurde 1637 gegründet, ist damit M Sandwich
das älteste und vor allem eines der schönsten auf dem Cape. Besu-
cher empfängt es, typisch neuenglisch, mit hübscher Kirche, penibel
gestutztem Village Green und makellos restaurierten alten Holzhäu-
sern aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Einen Besuch lohnen die M Heritage Museum and Gardens, die sich
auf amerikanische Volkskunst, Militaria und auf Autos konzentrie-
ren. Ein besonderes Highlight ist der 1931er-Duesenberg von Gary
Cooper.
Unbedingt vorbeischauen sollte man auch im Sandwich Glass Mu-
seum. Diese kleine, aber feine Sammlung schönster Glasprodukte
erinnert an Sandwichs große Zeit als Zentrum der Glasmacherkunst
im 19. Jahrhundert.
Die nötige Bettschwere bekommt man beim Spaziergang auf dem
herrlichen Sandwich Boardwalk, einem Plankenweg über die
Marsch zum schönen Town Neck Beach.
Heritage Museum and Gardens : 67 Grove St., Mai – Okt. tgl. 10.00 bis
17.00 Uhr, Eintritt 15 $, www.heritagemuseumsandgardens.org
Sandwich Glass Museum: 129 Main St., April – Dez. tgl. 9.30 – 17.00,
sonst Mi. – So. 9.30 – 16.00 Uhr, www.sandwichglassmuseum.org
238 ZIELE    Cape Cod

Cape Cod erleben


AUSKUNFT 21 Zimmer. Urgemütliches Ruhen in drei
Cape Cod Chamber of Commerce viktorianischen Gebäuden, u. a. einer
5 Patti Page Way umgebauten Kirche.
Centerville, MA 02632
Tel. 1 506 3 62 32 25 rSnug Cottage AAA
www.capecodchamber.org 178 Bradford St.
Provincetown, MA 02657
Provincetown Chamber of Tel. 1 508 4 87 16 16
Commerce www.snugcottage.com
307 Commercial St., PO Box 1017 Zederschindeln, Fensterläden, schwere
Provincetown, MA 02657 Blumenkästen: herrlich uriges Guest-
Tel. 1 508 4 87 34 24 house, die meisten Zimmer mit Kamin.
www.ptownchamber.com
tEben House AAA
ESSEN 90 Bradford St.
eCiro & Sal's AAA Provincetown, MA 02657
4 Kiley Court, Provincetown Tel. 1 508 4 87 03 86
Tel. 1 508 4 87 25 80 www.ebenhouse.com
Begann 1951 als Kaffeehaus der Künst- Das 2015 restaurierte und modernisierte
lerkolonie und bietet heute raffinierte Hotel ist eines der letzten Bauten der
italienische Küche. Kolonialzeit und über 200 Jahre alt.

rPilot House Restaurant AA AKTIVITÄTEN


14 Gallo Rd., Sandwich Radtouren: Verleiher an der Commercial
Tel. 1 508 8 88 88 89 Street in Provincetown geben zum Zwei-
Frische Küche im Yachthafen mit breiter rad ausführliche Karten. Walbeobach-
Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten. tungstouren mit der »Portuguese
Princess« von Mai bis Oktober.
tPortuguese Bakery A
299 Commercial St., Provincetown STRÄNDE
Tel. 1 508 4 87 18 03 Der nach Norden ausgerichtete Race
Brotpudding heißt hier »pudim de pao«: Point Beach am Ende der Route 6 bei
Seit Jahrzehnten ist diese kombinierte Provincetown ist Tummelplatz der libera-
Bäckerei/Kantine der beste Tipp für por- len Zugezogenen – oben ohne ist hier
tugiesisch-neuenglisches Frühstück und kein Thema. Allerdings ist dieser Strand
Mittagessen. oft überlaufen und es werden hohe
Parkgebühren verlangt. Auf dem noch
ÜBERNACHTEN zum Cape Cod National Seashore ge-
eBelfry Inne & Bistro AAA–AAAA hörenden Herrings Cove Beach auf der
8 Jarves St., Sandwich, MA 02563 Atlantikseite ist es etwas ruhiger. Schöne
Tel. 1 508 8 88 85 50 Strände gibt es auch bei Evanston im
www.belfryinn.com Süden des Schutzgebietes.
Cape Cod    ZIELE 239

In dem im Jahre 1639 gegründeten Barnstable erinnern wunderschö- Barnstable


ne Walfänger- und Kapitänshäuser an der Hauptstraße an die Blüte-
zeit im 18. und frühen 19. Jahrhundert. In italienischer Renaissance
prunkt das U.S. Custom House, in dem das Coast Guard Heritage
Museum untergebracht ist Es erinnert an die maritime Vergangen-
heit des Ortes.
i 3353 Rte. 6 A; JuniOkt. Di. – So. 10.00 – 15.00 Uhr, www.nps.gov/nr/travel/
maritime
240 ZIELE    Cape Cod

Cape Cod Von Wäldern, Marschen und Süßwasserteichen umgeben, gibt dieses
Museum of sehenswerte Cape Cod Museum of Natural History in Brewster mit
Natural seinen schönen Lehrpfaden die beste Einführung in die Landschaft
History des berühmtenKaps.
i 869 Main St., Juni – Sept. tgl. 9.30 – 16.00, Okt. – Dez. 11.00 – 15.00, Jan.
geschl., Feb. – Mai Mi. – So. 11.00 – 15.00 Uhr, Eintritt 10 $, www.ccmnh.org

MM Cape Cod Unterwegs nach Provincetown passiert man dieses bemerkenswerte


National Schutzgebiet. 1961 gegründet, bewahrt es 64 km unberührter Küs­
Seashore tenlinie mitsamt Hinterland vor der Erschließung. Die schönsten
der bis nach Provincetown reichenden Strände – Coast Guard Beach,
Nauset Light Beach, Marconi Beach – sind öffentlich und ausgeschil-
dert. In Eastham liegt an der Rte. 6 das Salt Pond Visitor Center,
gleich dahinter beginnt der durch jungfräuliche Marschgebiete füh-
rende Nauset Marsh Trail (1,6 km). Weiter nördlich führt der Mar-
coni Trail (2 km) zu den Resten der Marconi Station. 1903 gelang
hier dem Italiener Guglielmo Marconi die Vermittlung des ersten
drahtlosen Transatlantik-Gesprächs: US-Präsident Theodore Roose-
velt parlierte mit Eduard VII. von England.
Salt Pond Visitor Center: Nauset Rd./Rte. 6, Eastham, tgl. 9.00 – 16.30 Uhr,
Eintritt frei, www.nps.gov/caco

MM Provincetown

Der alte Walfängerhafen liegt am Nordzipfel von Cape Cod. Enge


Straßen, Gassen, Häuschen dicht an dicht: der beste Ort, um sich
in die Zeit von Moby Dick & Co. zurückzuversetzen! Schon von
Weitem sichtbar: das 1910 zu Ehren der Pilgerväter errichtete, 70 m
hohe Pilgrim Monument & Provincetown Museum, das mit sei-
nem dem Campanile von Siena entlehnten Äußeren ebenso deplat-
ziert wie faszinierend wirkt. 116 Stufen belohnen mit einem Rund-
blick, der bei gutem Wetter über das gesamte Cape und bis Boston
reicht. Das Provincetown Museum zur Stadtgeschichte liegt zu sei-
nen Füßen und stimmt auf das Städtchen ein.
Provincetown empfing Menschen jeglicher Couleur, eine Tradition,
die bis heute gepflegt wird. 1620 betraten die Pilgerväter hier erst-
mals amerikanischen Boden und entwarfen mit dem »Mayflower
Compact« die erste von Freien formulierte Verfassung Amerikas. Bis
um 1850 war die Stadt nach Nantucket und Bedford der größte Wal-
fängerhafen Neuenglands. Die Harpuniere stammten meist von den
Azoren – Grund für das noch heute sichtbare portugiesische
Erbe. Dann erkoren Maler, Schriftsteller und Schauspieler Province-
town zu ihrem Feriendomizil: Eugene O'Neill, Marlon Brando, Al
Pacino, Richard Gere, John dos Passos, Tennessee Williams ... Die
Liste illustrer Namen, die hier nicht nur auftraten, sondern auch
Cape Cod    ZIELE 241

Beschaulicher Urlaub auf Cape Cod: ein Ferienhaus in den Dünen

kräftig feierten, ist lang, und mit ihnen kamen weitere Künstler und
Lebenskünstler aus der ganzen Bandbreite politischer und sexueller
Orientierungen in das nunmehr im Szenejargon »P-Town« genann-
te Städtchen. Heute gilt Provincetown als die liberalste Gemeinde
nördlich von Key West und, durch den Zuzug gleichgeschlechtlicher
Paare, als heißester Immobilienmarkt der Ostküste.
Pilgrim Monument & Provincetown Museum: April – Ende Mai tgl. 9.00
bis 17.00, Ende Mai – Mitte Sept. 9.00 – 19.00, Mitte Sept. – Nov. 9.00 bis
17.00 Uhr, Eintritt: 12 $, www.pilgrim-monument.org

Die parallel zum Wasser verlaufende Straße ist vollgestopft mit Lä- Commercial
den, Menschen, Restaurants sowie Autos und gilt als alte Lebensader Street
der Stadt. Hier kann man die Einwohner, ein buntes Völkchen aus
Fischern, gleichgeschlechtlichen Pärchen und Lebenskünstlern aus
allen Teilen der USA beobachten. In Nr. 463 zeigt das hervorragende
Provincetown Art Association and Museum seit 1914 die Werke
der mit der Stadt verbundenen Künstler.
i 460 Commercial St., Juni – Sept. Mo. – Fr. 11.00 – 20.00, Sa., So. 11.00 bis
17.00, Okt. – Mai Do. – So. 12.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 10 $, www.paam.org

An der noch immer belebten Pier entladen frühmorgens die Fisch- MacMillan
kutter und stechen täglich die Walbeobachtungsschiffe in See. Am Wharf
Ende der Pier widmet sich das M Expedition Whydah Sea-Lab &
Learning Center bzw. das Whydah Pirate Museum einer spannen-
den Fußnote der Geschichte: Es dokumentiert die Hebung des Pira-
tenschiffs »Whydah«, das 1717 unter dem Kommando von »Black
Sam« Bellamy vor Provincetown sank.
i Mitte Mai – Okt. tgl. 10.00 – 17.00 Uhr, Mitte Juni – Labor Day längere
Öffnungszeiten, Eintritt: 10 $, http://whydah.com

Südküste
Die Südküste ist das urbanisierte Alter Ego von Cape Cod. In den
Einkaufszentren von Hyannis und Dennis Port ist der Menschenan-
242 ZIELE    Cape Cod

drang in der sommerlichen Hauptreisezeit entsprechend groß. Be-


sinnlichkeit gibt es jedoch auch hier und die Abstecher nach
“Martha‘s Vineyard und “Nantucket sind ohnehin nur über die
Fährhäfen in Hyannis und Falmouth möglich.

Chatham Beachtung verdient zunächst das hübsche Städtchen Chatham.


Durch die Sandbänke von Nauset Beach vor den Unbilden des Atlan-
tiks geschützt, zeigt sich das Städtchen im äußersten Südosten des
Cape schmuck und für einen Fischerhafen ungewöhnlich lieblich.
Am historischen Chatham Lighthouse hoch über dem Wasser be-
ginnen erholsame Strandspaziergänge mit wunderbarem Blick über
die oft windstille Pleasant Bay. Bester Ort für gepflegtes Kaffeetrin-
ken ist das alte Strandhotel Chatham Bars Inn.
Einen Besuch lohnt auch das Atwood House Museum, das neben
maritimen Artefakten eine interessante Porträtsammlung der See-
fahrerfamilie Atwood zeigt
i 347 Stage Harbor Rd., 2. Junihälfte u. 1. Sept.-hälfte Di. – Sa. 13.00 bis
16.00, Juli, Aug. Di. – Fr. 10.00 – 16.00, Sa. 12.00 – 16.00, 2. Sept.-hälfte  u.
1. Okt.-woche Do., Fr., Sa. 13.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 6 $,
www.chathamhistoricalsociety.org

Harwich Eigentlich aus sieben zusammengewachsenen Dörfern bestehend,


lockt Harwich alljährlich in der dritten Septemberwoche mit dem
Cranberry Festival. Über die Bedeutung der roten Beere informiert
auch das Brooks Academy Museum.
i 80 Parallel St., Ende Juni – Anf. Okt. tgl. 13.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 3 $,
www.harwichhistoricalsociety.org

Hyannis Hyannis ist für Neuengländer untrennbar mit der Kennedy-Familie


verbunden, denn in Hyannis Port erholten sich John F. und Jackie
vom Regieren in Washington. Das M John F. Kennedy Hyannis Mu-
seum widmet sich dieser Ära mit Filmen, Fotos und Berichten von
Freunden.
Von Mai bis Oktober verkehren Fähren zwischen Hyannis Port,
Martha's Vineyard und Nantucket; vom Ocean Street Dock starten
Hafenrundfahrten, die auch einen seeseitigen Blick auf die Anwesen
der betuchten Sommerfrischler erlauben.
John F. Kennedy Hyannis Museum: 397 Main St., Mitte April – Memorial
Day Mo. – Sa. 10.00 – 16.00, So. 12.00 – 16.00, Memorial Day – Okt. Mo. bis
Sa. 9.00 – 17.00, So. 12.00 – 17.00, Nov. Mo. – Sa. 10.00 – 16.00, So. 12.00
bis 16.00 , Eintritt: 10 $, http://jfkhyannismuseum.org

Falmouth Im Jahre 1661 von Quäkern als »Safe Haven« für religiös Verfolgte
Woods Hole gegründet, brachte Falmouth es bis zum 19. Jh. mit Landwirtschaft,
Walfang und Schiffsbau zu beträchtlichem Wohlstand. Ein gepflegtes
Village Green und fotogene alte Neuengland-Häuser reflektieren die-
Lexington · Concord    ZIELE 243

se Vergangenheit. Heute profitiert der Ort von seinen schönen Strän-


den und seinem »Vorort« Woods Hole, wo die Fähren nach Martha's
Vineyard und Nantucket ablegen.
Als Haupthafen des Cape und Standort ozeanografischer For-
schungseinrichtungen ist das enge, an steiler Felsküste klebende
Woods Hole ebenfalls von Interesse. So informiert das Woods Hole
Oceanographic Center über seine Arbeit zum Schutz der Unter-
wasserwelt vor dem Kap. Das von der Regierung betriebene Woods
Hole Science Aquarium zeigt die hiesigen Meeresbewohner in rie-
sigen Wassertanks.
Woods Hole Oceanographic Center: 15 School St.; Mai – Okt. Mo. – Sa.
10.00 – 16.30, Nov., Dez. Di. – Fr. 10.00 – 16.30 Uhr, Eintritt frei, Spende
erbeten, www.whoi.edu
Woods Hole Science Aquarium: Water u. Albatross Sts.; Juni – Aug. Di. bis
Sa. 11.00 – 16.00, sonst Mo. – Fr. 11.00 – 16.00 Uhr, Eintritt frei,
http://aquarium.nefsc.noaa.gov

Lexington · Concord
Region: Merrimack Valley
aM6
Höhe: 62 m bzw. 42 m ü.d.M.
Einwohnerzahl: 32 000 bzw. 17 000

Für die Amerikaner sind die beiden Städte, meist in einem


Atemzug genannt, ein Symbol: Hier begann im Frühjahr 1775
der Unabhängigkeitskrieg, hier »begannen« die USA. Die Stät-
ten der dramatischen Ereignisse jener Tage wurden im Minute
Man National Historical Park zusammengefasst.

Lexington
Das Städtchen vor den Toren Bostons lebt vom Geschäft mit dem Die Stadt der
»shot that was heard around the world«: Es wird geflaggt und be- »Minute
schildert, Eiscreme verkauft und tagtäglich werden die dramatischen Men«
Ereignisse des 19. April 1775 ins Gedächtnis gerufen: Da standen
morgens um fünf 77 »Minute Men« – so wurden die Kolonisten we-
gen ihrer raschen Einsatzbereitschaft genannt – knapp 700 britischen
Soldaten gegenüber. Die Rotröcke unter dem Befehl von General
Gage waren nach Concord unterwegs, um dort ein Waffenlager der
Milizen auszuheben. Bei dem folgenden Schusswechsel wurden acht
Kolonisten getötet – die ersten Toten des Unabhängigkeitskriegs. Die
Soldaten setzten danach ihren Weg nach Concord auf der »Batt­le
Road«, der heutigen MA 2A, fort.
244 ZIELE    Lexington · Concord

Am Ostende von Lexington er-


streckt sich das dreieckigen Villa-
ge Green (Battle Green), auf dem
das erste Gefecht um die Unab-
hängigkeit der USA stattfand. Die
Statue des Minute-Men-Führers
Captain John Parker, die heute
das Areal bewacht, hat Henry Kit-
son geschaffen. Zwar war seiner-
zeit alles nach wenigen Minuten
vorbei, doch amerikanischer Ge-
schichts- und Geschäftssinn hat
den Ablauf der Ereignisse detail-
liert und minutiös im Lexington
Visitor Center mit Dioramen
und einem Landschaftsmodell re-
konstruiert.
i 1875 Massachusetts Ave.;
April – Nov. tgl. 9.00 – 17.00, sonst
10.00 bis 16.00 Uhr, Eintritt frei,
www.lexingtonchamber.org/visitor

Durch die im Jahre 1709 erbaute


John Parker, Captain der Minute Men, blickt Buckman Tavern, in der alles
über das Village Green von Lexington. noch so aussieht wie an jenem
Morgen, an dem sich die Minute
Men hier auf das bevorstehende Gefecht vorbereiteten, gibt es täglich
halbstündige Führungen.
i 1 Bedford St., Mitte April – Okt. tgl. 10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt 6 $,
www.lexingtonhistory.org

Hancock- Die Rebellenführer Samuel Adams und John Hancock erhielten im


Clarke House Haus von Hancocks Großvater Reverend Clarke am Vorabend des
Gefechts die Nachricht von anrückenden Briten und flohen darauf-
hin Richtung Concord. In dem restaurierten Gebäude von 1698 sind
noch diverse Gegenstände aus unruhigen Zeiten zu sehen.
i 36 Hancock St., April – Juni Sa. u. So. 10.00 – 16.00, Juli – Okt. tgl. 10.00
bis 16.00 Uhr, Eintritt 6 $, www.lexingtonhistory.org

Minute Man Ein schmaler und hügeliger Waldstreifen beiderseits der von Lexing-
National ton nach Concord führenden MA 2A ist denkmalgeschützt. An be-
Historical sagtem Frühjahrstag fanden hier die Schießereien zwischen den nach
Park Boston flüchtenden Rotröcken und den nachsetzenden Kolonisten
statt. Im Visitor Center sind die Ereignisse multimedial aufbereitet.
i MA 2A; Mitte April  – Okt. tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt 5 $,
www.nps.gov/mima
Lexington · Concord    ZIELE 245

Concord
6 mi/10 km westlich von Lexington empfangen den Besucher schöne Das amerika-
Häuser aus dem 18. und 19. Jh., Ententeiche und alte Bäume mit nische
mächtigen Kronen. Fast scheint hier die Zeit um 1900 stehengeblie- Weimar
ben zu sein. Im amerikanischen Kollektivbewusstsein kommt Con-
cord fast mythische Bedeutung zu: Hier wurden die britischen Kolo-
nialherren zum ersten Mal von ihren amerikanischen Untertanen
militärisch geschlagen. Im frühen 19. Jh. war Concord eine Weile das
amerikanische Weimar: Ralph Waldo Emerson und Nathaniel Haw-
thorne lebten hier, Bronson Alcott und Tochter Louisa May ver-
brachten hier einige Jahre, und am nahen Walden Pond schrieb Hen-
ry David Thoreau in einer Hütte ein Stück Weltliteratur.

In Sichtweite der Old North Bridge steht The Old Manse, das 1770 Literaten-
erbaute Jugendheim von Ralph Waldo Emerson. Von 1842 bis 1845 häuser
wohnte auch Nathaniel Hawthorne hier. 1852 bezog er The Way-
side, wo zuvor drei Jahre lang Bronson Alcott und seine Töchter ge-
lebt hatten. Hawthornes Schreibkammer blieb unverändert. 1858
kaufte Bronson Alcott Orchard House. Louisa May schrieb dort ih-
ren autobiografisch gefärbten Bestseller »Little Women«.
The Old Manse: 269 Monument St., Mitte April – Okt. Mo. – Sa. 10.00 bis
17.00, So. ab 12.00 Uhr, Eintritt inkl. Tour: 10 $, http://thetrustees.org/
places-to-visit/greater-boston/old-manse
The Wayside: 455 Lexington Rd., Mai – Okt., Eintritt: 6 $, www.nps.gov/
mima/wayside
Orchard House: 399 Lexington Rd., Führungen April – Okt. Mo. – Sa. 10.00
bis 16.30, So. 13.00 – 16.30, Nov. – März Mo. – Fr. 11.00 – 15.00, Sa. 10.00
bis 16.30, So. 13.00 – 16.30 Uhr, Eintritt: 9 $, www.louisamayalcott.org

Lexington und Concord erleben


AUSKUNFT Übernachten
Lexington Visitor Center Concord's Colonial Inn AA
1875 Massachusetts Ave. 48 Monument Sq.
Lexington, MA 02421 Concord, MA 01742
Tel. 1 781 8 62 14 50 Tel. 1 978 3 69 92 00
www.lexingtonma.gov/visitors-center www.concordscolonialinn.com
In der traditionsreichen und sehr
Concord Chamber of Commerce gemütlichen Herberge kann man
15 Walden St., Suite 7 sich wohl fühlen. Die Zimmer
Concord, MA 01742-2504 und Suiten im Haupthaus und in
Tel. 1 978 3 69 31 20 den Dependancen sind geschmack-
www.concordchamberofcommerce.org voll eingerichtet.
246 ZIELE    Lowell

Old North Die Holzbrücke an der Monument Street ist ein Nachbau jener, an
Bridge der die Kolonisten den Vormarsch der Briten mit schweren Salven
aufhielten. Am Fußweg dorthin ehrt die von Daniel Chester French
geschaffene Statue des Minute Man die gefallenen Patrioten.

Concord Das hübsche, in einem Greek-Revival-Haus von 1930 untergebrach-


Museum te Museum zeigt außer der Dokumentation der Stadtgeschichte auch
Thoreaus persönliche Habseligkeiten aus seiner Hütte am Walden
Pond und Ralph Waldo Emersons Schreibstube.
i 200 Lexington Rd.; April – Dez. Mo. – Sa. 9.00 – 17.00, So. 12.00 – 17.00,
Juni – Aug. So. auch 9.00 – 12.00, Jan. – März Mo. – Sa. 11.00 – 16.00, So.
13.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 10 $, www.concordmuseum.org

M Walden Der in den 1960er-Jahren von Hippies und Umweltschützern wieder


Pond State entdeckte Henry David Thoreau schrieb in der Einsamkeit des Wal-
Reservation den Pond etwas südlich von Concord seinen 1854 erschienenen Klas-
siker »Walden Pond – Leben in den Wäldern« und »Von der Pflicht
zum Ungehorsam gegen den Staat« (1849). Damals wie heute im
Sommer ein beliebtes Badeziel, ist der See auch ein »Wallfahrtsort«
für Thoreau-Jünger aus aller Welt. Sie inspizieren die Replik seiner
schlichten Hütte am Parkeingang und pilgern zu der von einer Tafel
gekennzeichneten Stelle, wo der radikale Nonkonformist von 1845
bis 1857 über den Sinn des Lebens nachdachte.
i 95 Walden St., tgl. 8.00 – Sonnenuntergang, Eintritt: 8 $ pro Fahrzeug,
www.mass.gov/dcr/parks/walden

M Sleepy Als stimmungsvoller Abschluss der Concord-Visite bietet sich ein


Hollow Spaziergang über den schönen Sleepy Hollow Cemetery an der Bed-
Cemetery ford Street an, wo Emerson, French, Hawthorne, Thoreau und die
Alcotts begraben sind.

Lowell
Region: North of Boston & Merrimack Valley
aL6
Höhe: 31 m ü. d. M.
Einwohner: 110 000

Die nüchterne Industriestadt am Merrimack River verdankt


ihre Entstehung der Vision eines einzelnen Mannes.

Am Reißbrett 1813 entwickelte der Bostoner Kaufmann Francis Cabot Lowell ei-
geplant nen neuartigen Webstuhl, der zum Rückgrat der ersten am Reißbrett
geplanten Industriesiedlung Amerikas werden sollte. 1822 begann
dann am Zusammenfluss von Concord und Merrimack River der
Lowell    ZIELE 247

Lowell erleben
AUSKUNFT Übernachten
Greater Merrimack Valley Courtyard Marriott Lowell
Convention & Visitors Bureau 30 Industrial Ave. East
40 French St. Lowell, MA 01852 Lowell, MA 01852
Tel. 1 978 4 59 61 50 Tel. 1 978-458-7575, www.marriott.de
www.merrimackvalley.org Moderne Gästezimmer in verkehrs-
günstiger Lage

Bau von Textilmühlen, Kanälen und Arbeitersiedlungen. Schon 1826


erhielt die »Lowell« genannte Stadt das Stadtrecht und bald entwi-
ckelte sie sich zum größten Baumwollproduzenten des Landes –
allerdings nicht ohne die Entstehung des ersten Arbeiterproletariats
der USA und der ersten Arbeitskämpfe. Die Weltwirtschaftskrise
brachte das Aus für die Textilproduktion. Die bedeutendsten Indus-
triedenkmäler stehen seitdem unter Denkmalschutz.

Sehenswertes in Lowell
Die Pionierrolle Lowells in der industriellen Revolution würdigt die- M Lowell
ser Park, der mehrere alte Textilfabriken, ein 9 km langes Kanalsys- National
tem und Arbeiterquartiere umfasst. Im Visitor Center werden Ein- Historic Park
führungsfilme gezeigt und Führungen angeboten; im Sommer kann
man auch an Trolley- und Bootstouren teilnehmen. Ein Höhepunkt
ist das Boott Cotton Mills Museum. Es stellt u. a. mit 88 noch be-
triebsfähigen Webstühlen die Arbeitsbedingungen im 19. Jh. nach
und beschäftigt sich in einer erfreulich kritischen Ausstellung auch
mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der industriellen Revoluti-
on. Die Erzeugnisse von Lowells Fabriken sind im American Textile
History Museum zu sehen.
Visitor Center: 246 Market St., Mo. – Sa. 9.00 – 17.00, So. ab 10.00 Uhr,
Eintritt frei, www.nps.gov/lowe
Boott Cotton Mills Museum: 67 Kirk St., Mo. – Sa. 9.30 – 17.00, So. ab
11.00 Uhr, Eintritt: 6 $, www.nps.gov./lowe
American Textile History Museum: 491 Dutton St., Mi. – So. 10.00 bis
17.00 Uhr, Fei. geschl., Eintritt: 8 $, www.athm.org

Der berühmteste Sohn der Stadt ist frankokanadischer Abstam- Jack Kerouac
mung. An Jack Kerouac (1922 – 1969), den Schriftsteller und Wort- Monument
führer der Beat Generation, die in den 1950er-Jahren der amerikani-
schen Literatur neues Leben einhauchte, erinnert im Kerouac Park
an der Bridge Street ein Denkmal aus glatten Marmorquadern.
248 ZIELE    Martha's Vineyard

MM Martha's Vineyard
Region: Martha's Vineyard
aM7
Fläche: 226,6 km².
Höhe: 0 – 94 m ü.d.M.
Bewohner: 16 000

Die Taxifahrer hier haben viel zu erzählen. Von Holly-


woodstars, die sie zu ihren Anwesen auf der anderen Insel-
seite kutschieren, und davon, dass sie sich zu Saisonbeginn
von ihren Familien verabschieden und bis zum Herbst tagtäg-
lich Touristen fahren, um in vier Monaten Geld genug für den
Rest des Jahres zu machen.

Ferien- Anno 1602 von Bartholomew Gosnold entdeckt und nach seiner
insel der Tochter Martha und dem hiesigen wilden Wein benannt, wuchsen
Prominenz die Siedlungen alsbald zu Walfängerhäfen und -versorgungsstatio-
nen der Ostküstenschifffahrt heran. Heute ist Martha's Vineyard tra-
ditioneller Fluchtpunkt von Prominenten, Neureichen und im Som-
mer Ziel von Tagesausflüglern vom Festland. Alle kommen wegen
der herrlichen Strände und weil es hier das wärmste Badewasser
der Ostküste hat. Die gelassene Atmosphäre, die friedvolle Hügel-
landschaft und sechs hübsche Städtchen machen die 8 km vor Cape
Cods Südküste gelegene Insel zum Paradies für Stadtneurotiker.
Während Edgartown, Oak Bluffs und Vineyard Heaven die Ge-
schäftszentren sind, lässt sich auf Auto- oder Radtouren entlang der
Küste bis zum Fischerhafen Menemsha und zu den Gay Head Cliffs
leicht das besinnliche Martha's Vineyard entdecken.

Sehenswerte Orte auf Martha's Vineyard


Vineyard Das kommerzielle Zentrum der Insel ist nicht unbedingt eine Schön-
Haven heit, aber doch ein umtriebiger Fährhafen. Außerdem lohnt das Old
Schoolhouse Museum, das von der Geschichte der Insel erzählt,
einen Besuch. Und Wein wird immer noch angebaut: Die Chicama
Vineyards ein paar Autominuten südwestlich von Vineyard Haven
produzieren interessante Rot- und Weißweine. Richtung Oak Bluffs
kommt man an der Martha‘s Vineyard Marine Fisheries Field Sta-
tion vorbei, einer der ältesten Hummerzuchten der Welt.
Old Schoolhouse Museum: 110 Main St., Mo. – Fr. 9.00 – 17.00, Sa., So.
10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt frei, Spende erbeten, www.mvy.com
Chicama Vineyards: Stoney Hill Rd., Jan. – Mai Sa. 13.00 – 16.00, Juni – Okt.
Mo. – Sa. 11.00 – 17.00, So. ab 13.00, Nov. – Dez. Mo. – Sa. 13.00 – 16.00
Uhr, Eintritt frei, http://chicamavineyards.com
Martha's Vineyard    ZIELE 249

Martha's Vineyard erleben


AUSKUNFT Beste französisch-amerikanische Küche
Martha's Vineyard CoC mit frischem Fisch und Produkten aus
PO Box 1698 der Region; freundliches Ambiente in
Vineyard Haven, MA 02568 altehrwürdigem viktorianischem Haus
Tel. 1 508 6 93 00 85, www.mvy.com
rPark Corner Bistro AAA
ANREISE 20 Kennebec Rd., Oak Bluffs
Steamship Authority Tel. 1 508 6 96 99 22
Tel. 1 508 4 77 86 00 Zu empfehlen: Black Angus Steak
www.steamshipauthority.com mit Aragula-Salat und Fritten.
Ganzjährig tgl. Autofähren von Woods
Hole (Cape Cod) nach Vineyard Haven ÜBERNACHTEN
(im Sommer Reservie­rung erforderlich) eShiverick Inn AAAA
5 Pease's Point Way
Falmouth Ferry Edgartown, MA 02539
Tel. 1 508 5 48 94 00 Tel. 1 508 6 27 47 84
www.falmouthferry.com www.thevic.com
Personenfähren: Mai – Mitte Okt. Greek-Revival-Luxus. Alle acht Zimmer
5 x tgl. von Falmouth (Cape Cod) mit Kamin, opulentes Frühstück.
nach Edgartown; Mai – Mitte Okt.
7 x tgl. von Falmouth nach Oak Bluffs rThe Christopher AAA
24 South Water St., Egartown,
MV Express Ferry MA 02539, Tel. 1 508 6 93 68 25,
Tel. 1 866 6 83 37 79 www.admiral-benbow-inn.com
www.mvexpressferry.com Komplett renoviert zur Wiedereröffnung
Juni – Sept. 3 x tgl. von Hyannis (Cape im Mai 2016, bietet das Boutiquehotel
Cod) nach Oak Bluffs; 15 Zimmer im modern nautischen Stil.
Mitte Mai – Mitte Sept. von New Bedford
(Festland) nach Oak Bluffs STRÄNDE
Familien bevorzugen den Joseph Sylvia
ESSEN State Beach. Am Katama Beach tum-
eSweet Life Café AAAA meln sich Jugendliche, Surfer mögen
63 Circuit Ave., Oak Bluffs, den Moshup Beach unterhalb der Gay
Tel. 1 508 6 96 02 00 Head Cliffs.

Das reizende Städtchen mit der altmodischen Sonnenschirmatmo- M Oak Bluffs


sphäre umgibt sich mit den längsten Stränden der Insel – nicht um-
sonst drehte Steven Spielberg hier seinen ersten großen Kassenerfolg
»Der Weiße Hai«. Die Circuit Avenue bietet Läden und Restaurants,
die Cottage City hingegen umgarnt mit Besinnlichkeit: Das Dorf
besteht aus rund 300 mit filigran gefertigten Dachgiebeln, Erkern
und Türmchen geschmückten »Lebkuchenhäuschen« (Gingerbread
250 ZIELE    Martha's Vineyard

Cottages) und entstand im 19. Jh. als Weiterentwicklung einer Zelt-


stadt für bis zu 12 000 Menschen, die jeden Sommer zu Freiluftgot-
tesdiensten der Methodisten auf die Insel kamen.
Liebhaber historischer Karussells sollten das Flying Horses Ca-
rousel nicht versäumen: 1876 gebaut, ist es das älteste noch in Be-
trieb befindliche Karussell der USA.
Leuchtturm-»Sammler« wird es zum East Chop Lighthouse ziehen.
Der weiße Leuchtturm mit der schwarzen Kappe überwacht von ei-
ner knapp 30 m hohen Klippe aus seit 1878 die Schifffahrt auf dem
Nantucket Sound.
Martha's Vineyard    ZIELE 251

Flying Horses Carousel: 15 Lake Ave., Oak Bluffs, Ende Mai – Sept. tgl.
10.00 – 22.00, April – Mai Sa. – So. 10.00 – 17.00, Sept. – Okt. Mo. – Fr. 11.00
bis 16.30, Sa., So. 10.00 – 17.00 Uhr, Ticket für eine Fahrt: 2 $,
www.mvpreservation.org/p.php/preservation/community/flying-horses
East Chop Lighthouse: E. Chop Dr., Mitte Juni – Mitte Sept. So. Führungen
bei Sonnenuntergang, Tel. 1 508 6 27 44 41, Eintritt: 5 $
www.lighthouse.cc/eastchop

Das 1642 gegründete Städtchen ist das älteste der Insel und eines der M Edgartown
elegantesten Neuenglands. Wo früher die Galionsfiguren der Walfän-
252 ZIELE    Martha's Vineyard

Hummer satt gibt es in vielen Lokalen auf der Insel.

gerschiffe über die Molen ragten, dümpeln heute sündhaft teure


Yachten. Vor allem an der North Water Street erinnern prachtvolle
georgianische Kapitänshäuser an die lukrativen Zeiten des Wal-
fangs – viele mit dem »Widow Walk«, dem Balkon auf dem Dach,
von wo aus die daheimgebliebenen Ehefrauen Ausschau nach den
Schiffen ihrer Gatten hielten. Besonders beachtenswert bei einem
Bummel durch Edgartown ist das 1672 erbaute Vincent House, das
älteste Haus auf Martha's Vineyard.
Spannend inszeniert das Vineyard Museum die Inselgeschichte im
einfachen Thomas Cooke House. Unter den Walfänger-Artefakten:
das Foto von Kapitän Valentine Pease, der Herman Melville als Vor-
bild für den Kapitän Ahab diente.
Chappaquiddick Island ist ein dicht bewaldetes Prominenten-Refu-
gium. In den 1960er-Jahren gelangte das Inselchen in die Schlagzei-
len durch einen vom Kennedy-Spross Edward fabrizierten Unfall, bei
dem sein Wagen von einer inzwischen abgerissenen Brücke ins Meer
stürzte und seine Sekretärin unter nie ganz geklärten Umständen
ums Leben kam.
Vincent House: Main St.; Ende Mai – Okt. Mo. – Sa. 10.00 – 15.00 Uhr,
Eintritt frei, Spende erbeten, www.mvpreservation.org
Vineyard Museum: 59 School St.; Mitte Juni – Anf. Okt. Mo. – Sa. 10.00 bis
17.00, sonst Mo. – Sa. 10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 10$, http://mvmuseum.org

M Aquinnah Etwa 20 m hoch und wegen ihres Lehmgehalts grau, rötlich und
Cliffs orange schimmernd, ragen diese bis 1999 Gay Head Cliffs genannten
Klippen im äußersten Westen der Insel auf und geben ein sehr be-
liebtes Fotomotiv ab. Tourismus wird trotzdem klein geschrieben:
Zwischen den Hügeln lugen schöne Anwesen hervor und der fotoge-
ne Fischerhafen Menemsha kümmert sich nach wie vor zuallererst
um sein Tagesgeschäft, den Hummerfang. Im Dorf Aquinnah (frü-
her: Gay Head) lebt noch eine Gruppe auf Martha's Vineyard verblie-
bener Wampanoag-Indianer.
Nantucket    ZIELE 253

MM Nantucket
Region: Nantucket Island
a M / N 7
Fläche: 124 km²
Höhe: 0 – 9 m ü. d. M.
Bewohner: 7 400

»Little Gray Lady in the Sea« nannten die von Nantucket stam-
menden Seeleute liebevoll ihre Insel, waren sie doch stolz auf
ihre kleinen, von pinkfarbenen Kletterrosen umrankten »salt
boxes« mit den grauen Zedernschindeln und den weißen
Fensterrahmen. Herman Melville war prosaischer: In »Moby
Dick« beschrieb er das knapp 42 km vor der Südküste von
Cape Cod liegende Eiland als einen »Haufen Sand«.

Nantucket erleben
AUSKUNFT EVENT
Natucket Island Daffodil Festival
Chamber of Commerce Alljährlich Ende April/Anfang
Zero Main St., Nantucket, MA 02554 Mai, wenn die Narzissen blühen,
Tel. 1 508 2 28 17 00 wird auf Nantucket das schönste
www.nantucketchamber.org Frühlingsfest Neuenglands mit
breit gefächertem Veranstaltungs-
ANREISE programm begangen.
Steamship Authority
Tel. 1 508 4 77 86 00 ESSEN
www.steamshipauthority.com Sconset Café AA
Autofährverbindung ganzjährig tgl. Post Office Square, Sconset
mit Hyannis, Cape Cod Tel. 1 508 2 57 40 08
Hier wird nach ideenreichen
Hy-Line Cruises Rezepten gekocht; herrlich
Tel. 1 800 4 92 80 82 entspannte Inselatmosphäre.
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Hyannis; Juni – Mitte Sept. von Oak Jared Coffin House AAA
Bluffs (Martha's Vineyard) 29 Broad St.
Nantucket, MA 02554
Freedom Cruise Line Tel. 1 508 2 28 24 00
Tel. 1 508 4 32 89 99 www.jaredcoffinhouse.com
www.nantucketislandferry.com 60 Zimmer. Repräsentatives
Personenfähren Mitte Mai – Mitte Okt. Backsteinhaus von 1845.
von Harwich Port (Cape Cod) Reichhaltiges Frühstück.
254 ZIELE    Nantucket

»Little Gray Richtig ist beides. Die knapp 23 km lange und nur 6 km breite Insel
Lady in the ist sandig und von hartem Buschwerk bedeckt. Sie verfügt allerdings
Sea« über einen ausgezeichneten Naturhafen, an dessen Ende Nantucket
liegt, die einzige Gemeinde. Die rund 10 000 Insulaner stammen
meist von den Pionierfamilien ab, die 1659 hier an Land gingen und
das »ferne Land«, wie Nantucket in der Sprache der indianischen
Besitzer hieß, für 30 englische Pfund erwarben. Im 18. und 19. Jh.
galten ihre Nachfahren als besonders verwegene Walfänger, Nantu-
cket wurde Walfangzentrum Neuenglands und hatte mit London
seinen Hauptabnehmer für das Walöl, das seine Straßen, Häuser und
Paläste damit erleuchtete.
Nach 100 Jahren Höhenflug versandete die Hafeneinfahrt jedoch
und die Konkurrenz aus “New Bedford überholte die Insel. Der Er-
satz von Walöl durch Petroleum und die industrielle Revolution auf
dem Festland machten dem lukrativen Gewerbe endgültig den Gar-
aus und nachgekommen ist nur wenig. Nantucket präsentiert sich
daher so wie vor 150 Jahren – mit Kopfsteinpflaster und viel Neueng-
land-Nostalgie.

Sehenswertes auf Nantucket


M Nantucket Die kopfsteingepflasterte, von uralten Ulmen gesäumte Main Street
Town ist quasi das Aushängeschild des Städtchens. Hier spielt sich der All-
tag ab, laden Cafés, Läden und Restaurants zum Bummeln und Ver-
weilen ein. Das 1845 im repräsentativen Greek Revival Style für den
Walölhändler William Hadwen gebaute Hadwen House reflektiert
auch mit seinem luxuriösen Innenleben den Lebensstil der wohlha-
benden Nantucketer Kaufleute um 1850.
Das M Nantucket Whaling Museum ist – neben jenem in New Bed-
ford – das spannendste Museum zum Walfang in Neuengland. Wo
einst das Walöl zu Kerzen verarbeitet wurde, werden heute die Por­
träts berühmter Kapitäne präsentiert und die Beiboote, von denen
aus die Harpuniere dem Wal nachstellten. Zu sehen ist natürlich auch
das Logbuch der »Essex«, deren Schicksal Melville zu »Moby Dick«
inspirierte: Das Schiff wurde im Pa-
zifik tatsächlich von einem Wal ge-
So früh wie möglich rammt und versank mit Mann und
Maus. Das Peter Folger Research
TIPP

Eigentlich kein richtiger Tipp,


Center im gleichen Haus befasst
sondern eher eine pure Not-
sich in einem kleinen Museum mit
wendigkeit: Wer im Sommer
mit dem Auto nach Nantucket
der traditionell starken Rolle der
reisen will, muss den Platz auf
Nantucketer Frauen, die während
der Fähre schon Monate im der langen Abwesenheit ihrer Män-
Voraus buchen! ner öffentliche Verantwortung über-
nahmen.
New Bedford    ZIELE 255

Wie im 17. Jh. auf Nantucket ge-


baut wurde, sieht man am besten
auf dem Sunset Hill an The Ol-
dest House, dem ältesten noch
erhaltenen Haus auf der Insel.
Das Jethro Coffin House
stammt aus dem Jahr 1686 und ist
ein typisches Beispiel für die ko-
loniale »Saltbox«-Bauweise. Am
Schornstein erkennt man ein ge-
mauertes Hufeisen – es sollte He-
xen fernhalten.
Hadwen House: 96 Main St.,
Führungen Ende Mai – Anf. Sept. tgl.
10.00 bis 17.00 Uhr, Eintritt: 17 $,
www.nha.org/sites/hadwen Dämmerung im Hafen von Nantucket
Nantucket Whaling Museum:
Mitte Mai – Mitte Okt. tgl. 10.00 – 17.00 Uhr, sonst kürzer, Nov. geschl.,
Eintritt: 20 $, www.nha.org

Eine 7 mi/11 km lange Auto-, besser noch Radtour – Verleihstatio- Quer über die
nen gibt es an der Main Street von Nantucket – führt quer durch die Insel
Insel zur Südwestseite. Dort haben Künstler und frühe Sommer-
frischler aus der Versammlung windschiefer Fischerhütten mit dem
indianischen Namen Siasconset im Laufe der Zeit eine hübsche Fe-
riensiedlung geschaffen, heute Sconset. Von hier aus lassen sich schö-
ne Strandspaziergänge unternehmen.

M New Bedford
Region: Bristol County
aM7
Höhe: 0 – 16 m ü. d. M.
Einwohner: 95 000

Die traditionsreiche, etwa eine Autostunde südlich von “Bos-


ton gelegene Hafenstadt verlegte sich in der zweiten Hälfte
des 19. Jh.s vom immer weniger Gewinn bringenden Walfang
auf das verarbeitende Gewerbe. Dennoch spielt der Fischfang
bis heute eine nicht unbeträchtliche Rolle im Leben der Stadt.
Unten am bis heute quirligen Hafen, aber auch im alten Stadt-
zentrum mit seinen kopfsteingepflasterten Straßen und statt-
lichen historischen Bauten umweht den Besucher immer noch
ein Hauch Walfänger-Atmosphäre. Schon deshalb lohnt sich
ein Abstecher hierher.
256 ZIELE    New Bedford

Ein Stück aus dem New Bedford Whaling Museum: In den Logbüchern
verzeichneten die Steuermänner Walsichtungen mit einem Stempel.

»Whaling Denn von 1830 bis 1860 war New Bedford »Whaling Capital of the
Capital of the World«: 80 Prozent der amerikanischen Walfangflotte stachen von
World« hier in See. Ihren berühmtesten Biografen fand die Stadt in Herman
Melville, der in »Moby Dick« die schönen Häuser der reichen Fa­
brikbesitzer beschrieb und dem tätowierten Schiffsvolk in den ver-
qualmten Hafenspelunken ein literarisches Denkmal setzte. Der An-
fang vom Ende des Walölgeschäfts kam mit dem Petroleum aus
Pennsylvania und den immer seltener werdenden Walen. Ende des
19. Jh.s war »Whaling« Geschichte.

Sehenswertes in New Bedford


MM New Die Partie unten am Hafen mit der Pier 3, der State Pier und der
Bedford Steamship Pier sowie die westlich anschließende historische Altstadt
Whaling von der Front Street über die Water Street bis zur Second Street ste-
National hen seit einigen Jahren als National Historic Park unter Denkmal-
Historic Park schutz. Im Wharfinger Building am Pier 3 ist das Waterfront Visitor
Center eingerichtet, das über die gegenwärtige Bedeutung des Fisch-
fangs für die Stadt informiert. Und draußen gibt es noch ein paar
Erinnerungen an die ruhmreiche Vergangenheit, so etwa den Scho-
ner »Ernestine« am State Pier. Stadteinwärts ist das M National Park
Visitor Center in der »Old Bank« an der North Second Street einge-
richtet. Hier erfährt man, welche Bedeutung der Walfang einmal für
New Bedford und die gesamte Ökonomie der Region hatte.
Wie schwer war eine Walharpune? Warum desertierten so viele See-
leute von Walfängerschiffen? Diese und viele andere Fragen beant-
New Bedford    ZIELE 257

wortet ein paar Schritte weiter südlich das hervorragende MM New


Bedford Whaling Museum, dessen einschlägige Sammlungen zu
den schönsten der Welt gehören. Beiboote, dramatische Jagdszenen
in Öl, historische Filme über traditionelle Fangtechniken, Logbücher
zum Schmökern und eine Herman Melville gewidmete Dauerausstel-
lung: Langeweile kommt hier nicht auf. Glanzstück ist der um die
Hälfte verkleinerte Walfänger »Lagoda«, mit 24 m Länge immerhin
das größte Schiffsmodell der Welt.
Wer »Moby Dick« gelesen hat, wird sich an Pater Mapple erinnern.
Der wortgewaltige Priester bläute den Seebären von einer schiffsför-
migen Kanzel noch einmal den Propheten Jona ein, bevor sie in See
stachen: »Aber der Herr verschaffte einen großen Fisch, Jona zu ver-
schlingen! – Dies Buch, Fahrensleute, zählt nur vier Kapitel; das
Garn, das der Prophet uns spinnt, ist nur Kabelgarn in der gewaltigen
Trosse der Heiligen Schrift. Und dennoch: in was für Tiefen lotet er
damit! Was ist an der Geschichte dieses Propheten nicht alles zu be-
herzigen!« Herman Melville beschrieb keine andere Kanzel als diese
im M Seamen's Bethel schräg gegenüber vom Whaling Museum.
Nahezu alles in dem 1832 errichteten weißen Kirchlein ist noch an
seinem damaligen Platz. Die Gedenktafeln an den Wänden mit den
Namen der auf allen sieben Weltmeeren vermissten Schiffe und Be-
satzungen sind eindrucksvolle Zeugnisse vom oft lebensgefährlichen
Alltag an Bord der Walfänger.
Südwestlich des historischen Stadtzentrums, an der Ecke Madison
Street/7th Street, lädt das M Rotch-Jones-Duff House and Garden
Museum zum Besuch ein. Diese alte Walfänger-Villa mit ihrem

New Bedford erleben


AUSKUNFT In der 1845/1846 im Georgian Revival
Destination New Bedford Style errichteten dreistöckigen Villa des
133 William St. Walfänger- Kapitäns Benjamin Clark sind
Room 119, heute fünf hübsche Gästesuiten einge-
New Bedford, MA 02740, richtet, teilweise mit offenem Kamin.
Tel. 1 508 9 79 17 45 Übernachten kann man hier ab 125 $
www.destinationnewbedford.org pro Nacht.

ÜBERNACHTEN WHALE WATCHING


The Orchard Street Manor Von New Bedford aus gibt es derzeit
B & B AAA keine Walbeobachtungstouren mehr.
139 Orchard St., Wer sich dafür interessiert: Touren wer-
New Bedford, MA 02740-3625 den ab Hyannis (“Cape Cod), Province-
Tel. 1 508 9 84 34 75, town (“Cape Cod), Nantucket Island so-
www.the-orchard-street-manor.com wie ab “Plymouth (MA) angeboten.
WISSEN Wale
Special-Titel
259
259

©
260 ZIELE    New Bedford

AHA! Night herrlichen Garten steht noch auf ih-


rem ursprünglichen Grund und Bo-
den. Hier bekommt man einen Ein-
TIPP

Jeden 2. Donnerstag im Monat


gibt es eine AHA! Night, im Rah- druck vom Leben in der Glanzzeit
men derer man mit Kunst, Ge- des Walfangs im 19. Jahrhundert.
schichte und Architektur (Art, Waterfront Visitor Center:
History, Architecture = AHA) des Wharfinger Bldg., Pier 3, 52 Fishermans
denkmalgeschützten Bereichs der Wharf, Mo. – Fr. 8.00 – 16.00, Mitte
Stadt vertraut gemacht wird. Von Juni – Labor Day auch Sa./So 9.00 bis
17.00 bis 21.00 Uhr gibt es Aus- 16.00, Eintritt frei, http://www.nps.gov/
stellungen, musikalische Darbie- nebe/planyourvisit/visitorcenters.htm
tungen und vieles mehr. AHA!- New Bedford National Park Visitor
Programme liegen im National Center: N. Second St., tgl. 9.00 bis
Park Visitor Center aus. 17.00 Uhr, Jan. – März Mo./Di. geschl.,
Eintritt frei, www.nps.gov./nebe/
New Bedford Whaling Museum: 18 Johnny Cake Hill, April – Dez. tgl.
9.00 bis 17.00, Jan. – März Di. – Sa. 9.00 – 16.00, So. 11.00 – 16.00 Uhr,
Eintritt: 16 $, www.whalingmuseum.org
Seamen‘s Bethel: 15 Johnny Cake Hill, Memorial Day (Ende Mai) –  Colum-
bus Day (Anfang/Mitte Oktober) tgl. 10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt frei, Spende
erbeten, http://seamensbethel.org/
Rotch-Jones-Duff House & Garden Museum: 396 County St., Mo. bis Sa.
10.00 – 16.00, So. 12.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 6 $, http://rjdmuseum.org/

Umgebung von New Bedford


Fall River Der Hauptgrund für einen Stopover in dieser gesichtslosen Indus­
trie- und Hafenstadt kurz vor Rhode Island (15 mi/24 km nordwest-
lich von New Bedford) ist das größte Freiluft-Marinemuseum der
Welt. In der Mount Hope Bay liegen Kriegsschiffe aus dem Zweiten
Weltkrieg und dem Kalten Krieg an der Pier des Museums M Battle-
ship Cove. Stars der Ausstellung sind das 206 m lange Schlachtschiff
»USS Massachusetts«, das im Zweiten Welkrieg 35 Schlachten im
Atlantik und Pazifik erlebte, und die »Hiddensee«, vormals »Rudolf
Egelhofer« der DDR-Marine, ein in der Sowjetunion gebauter Lenk-
waffenzerstörer. Hinzu kommen Torpedoboote, U-Boote, Minensu-
cher und anderes Kriegsmaterial. Ein kurzer Spaziergang führt von
den Schiffen zum Marine Museum, das sich mit der Geschichte der
einst zwischen Fall River und Newport verkehrenden Fall River Line
ebenso befasst wie mit der »Titanic« (über 8 m langes Schiffsmodell)
und der 1956 vor Nantucket verunglückten »Andrea Doria«.
Battleship Cove: 5 Water St., tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 18 $,
www.battleshipcove.com
Marine Museum: 70 Water St., Mo. – Fr. 9.00 – 17.00, Sa., So. ab 12.00
Uhr, Eintritt frei, ww.marinemuseum.org)
Pioneer Valley    ZIELE 261

M Pioneer Valley
Region: Franklin County / Mohawk Trail
aK6
Höhe: 20 – 90 m ü. d. M..

Ein bunter Quilt aus Wiesen und Wäldern, gezogen über eine
sanft gerundete Hügellandschaft: Über das obere, in Nord-
Süd-Richtung verlaufende Connecticut River Valley erschlos-
sen die weißen Siedler im 17. Jh. das Innere Neuenglands.

Bis weit ins 18. Jh. war das folgerichtig nach ihnen benannte Pioneer Ein Tal voll
Valley Amerikas Wilder Westen. Durch die unbekannte Wildnis da- Bildung
hinter streiften nur noch Indianer und mit ihnen verbündete Fran-
zosen. Den Siedlern folgten im frühen 19. Jh. Techniker und Ingeni-
eure, die den Connecticut River bändigten und ihm Papier- und
Textilfabriken auf die Ufer stellten. Die Industriellen der ersten Stun-
de bauten mit dem Gewinn aber nicht nur märchenhafte Residenzen
für ihre Familien, sondern auch eine Reihe höherer Schulen. Heute
büffeln im Pioneer Valley über 60 000 Studenten an Dutzenden Pri-

Pioneer Valley erleben


AUSKUNFT Gehört zur Universitätsstadt
Greater Northampton CoC Amherst wie die Trinkhallen zu
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Tel. 1 413 2 53 34 91 Stadthotel.
262 ZIELE    Pioneer Valley

vatschulen, Colleges und der University of Massachusetts in Am-


herst, was dem Tal ein jugendliches Antlitz verleiht. Die renommier-
testen Lehranstalten heißen Amherst College, Hampshire College
und University of Massachusetts (alle in Amherst), außerdem gibt es
die Frauen vorbehaltenen Smith und Mount Holyoke Colleges in
Northhampton und South Hadley. Die beste Art, das Pioneer Valley
zu »erfahren«, ist die beschauliche MA 5 von “Springfield aus.

Sehenswerte Orte im Pioneer Valley


South Hadley Den Alltag in diesem gepflegten Städtchen 15 mi/24 km nördlich von
Springfield bestimmt das Mount Holyoke College an der MA 116. Als
erstes Frauencollege der USA wurde es 1836 von der Lehrerin
Mary Lyon gegründet und ist heute eine der prestigeträchtigsten
Lehranstalten für Jura, Medizin und Kunst. Sehenswert ist das
Mount Holyoke College Art Museum mit sehr guten Asien- und
Antikenabteilungen und Werken europäischer und amerikanischer
Meister. Das Museum liegt auf dem von Frederic Law Olmsted, dem
damals berühmtesten Landschaftsarchitekten seiner Zeit, gestalteten
Campus.
i Lower Lake Rd., Di. – Fr. 11.00 – 17.00, Sa. , So. 13.0017.00 Uhr,
Eintritt frei, www.mtholyoke.edu/artmuseum

Joseph Allen Das Waldgebiet auf dem Rücken des Mt. Holyoke 5 km nördlich von
Skinner State South Hadley bietet schöne Wanderwege zu reizvollen Zielen wie
Park den Felsformationen wie Titan's Piazza, einem beeindruckenden
Felsüberhang, und Devil's Football, einem angeblich magnetischen
Felsbrocken. Vom 1821 auf einer Basaltklippe errichteten Summit
House aus schaut man hinab auf das Connecticut Valley.

Northampton Die ersten 150 Jahre nach seiner Gründung 1654 verbrachte North-
ampton als raue Frontiersiedlung. Kultur kam erst 1875 in Gestalt des
von Sophia Smith gegründeten Smith College, das in der Folgezeit
so prominente Absolventinnen wie die »Vom Winde verweht«-Au-
torin Margaret Mitchell und die Feministin Gloria Steinem hervor-
brachte. Heute prägen die im eklektischen Stilmix entlang der Main
Street stehenden College-Gebäude den Stadtkern. An den berühm-
testen Sohn der Stadt, Präsident Calvin Coolidge (1871 bis 1933), ob
seiner Wortkargheit auch »Silent Cal« genannt, erinnern Calvin
Coolidge Presidential Library & Museum. Hauptattraktion des
Städtchens ist jedoch das Smith College Museum of Art, das weni-
ger bekannte Werke von Degas, Monet und Picasso besitzt.
Calvin Coolidge Presidential Library & Museum: 20 West St., Mo., Mi.
15.00 – 20.00, Di., Do. 13.00 – 17.00, Sa. 9.00 – 12.00 Uhr, Eintritt frei,
www.forbeslibrary.org/coolidge
Pioneer Valley    ZIELE 263

Smith College Art Museum: Brown Fine Arts Center, Elm St.; Di. – Sa.
10.00 – 16.00, So. 12.00 – 16.00 Uhr, Eintritt 5 $, www.smith.edu/
artmuseum

Drei Hochschulen verpassen dem nach einem englischen General Amherst


aus dem French and Indian War benannten Städtchen ein kräftige
Vitaminspritze. Der Kreuzungsbereich von Pleasant, Amity und
Main Street ist mit seinen Cafés im Sommer der quirlige Treffpunkt
von Bürgern und Studenten. Die attraktivsten der alten Stadthäuser
stehen im Stadtzentrum, wie auch das Amherst College (S. Pleasant
St. & College St.). Zu ihm gehören das ausgezeichnete Beneski Am-
herst College Museum of Natural History und das Mead Art Mu-
seum mit seinen exzellenten Sammlungen aus Europa, Amerika,
Afrika und Asien. Liebhaber der Verse Emily Dickinsons werden
dem Emily Dickinson Museum zustreben: Die ebenso exzentrische
wie feinsinnige Lyrikerin wurde hier geboren und verbrachte hier
auch den Großteil ihres Lebens in völliger Zurückgezogenheit.
Beneski Amherst College Museum of Natural History: Di. – So. 11.00
bis 16.00, Do. auch 18.00 – 22.00 Uhr, Eintritt frei,
www.amherst.edu/museums/naturalhistory
Mead Art Museum: Di. – So. 11.00 – 16.00, Do. auch 18.00 – 22.00 Uhr,
Eintritt frei, www.amherst.edu/museums/mead
Emily Dickinson Museum: 80 Main St., Juni – Aug. Mi. – Sa. 10.00 – 17.00,
So. 13.00 – 17.00, Sept. – Nov. u. März – Mai Mi. – Sa. 13.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt 10 $, www.emilydickinsonmuseum.org

In dem von Wiesen und Feldern umgebenen Städtchen ging es nicht Deerfield
immer so ruhig zu wie heute: In den 1660er-Jahren war der lange
Arm der Krone weit weg und die
Indianer und Franzosen waren Dwight House in Historic Deerfield
nah. 1675 löschten diese nahezu
das ganze Dorf im Bloody Brook
Massacre aus, 1704 töteten oder
entführten sie die meisten Deer-
fielder nach Montréal. Erst 1735
kehrten die Siedler zurück und
machten aus dem Ort in den
nächsten 100 Jahren eine blühen-
de Ackerbaugemeinde mit gro-
ßen Holzhäusern an der Main
Street.
Die Einwohner von Deerfield de-
monstrierten die bewahrende
Grundhaltung in Neuengland üb-
rigens am frühesten: Schon 1848
begannen sie, die schönsten ihrer
264 ZIELE    Plymouth

Häuser unter Schutz zu stellen. Heute säumen mehr als 80 herrliche


Bauten aus dem 17. und 18. Jh. die Main Street – M Historic Deerfield
ist ein lebendes Museum! In 14 von der »Historic Deerfield Associa-
tion« unterhaltenen Häusern kann man noch originale Wohnungs-
einrichtungen, Wohntextilien, Porzellan aus China und altes ameri-
kanisches Silber bewundern.
Das im alten Schulgebäude von 1798 untergebrachte hervorragende
Memorial Hall Museum erweckt die dramatische Vergangenheit
von Deerfield zum Leben: Hauptstück einer dem »Deerfield Raid«
von 1704 gewidmeten Ausstellung ist die von Axt- und Säbelhieben
gezeichnete, schwere Haustür des Stebbins House.
Historic Deerfield: Mitte April – Nov. tgl. 9.30 – 16.30 Uhr, Eintritt: 14 $,
Tickets im Flynt Center of Early New England Life, 37 D Main St.,
www.historic-deerfield.org
Memorial Hall Museum: 8 Memorial St.; Mai – Anf. Nov. Di. – So. 11.30 bis
16.30 Uhr, Eintritt: 6 $, www.deerfield-ma.org

MM Plymouth
Region: Plymouth County
aM7
Höhe: 11 m ü. d. M.
Einwohner: 57 000

1620 setzten die Pilgerväter, in England wegen ihres Glaubens


verfolgt, auf der  »Mayflower« nach Amerika über und gingen
am 21. Dezember schließlich nach gefährlicher Überfahrt am
Plymouth Rock südlich von Boston an Land.

Geplant war So steht es in allen Geschichts- und Englischbüchern. Die Leistungen


alles anders dieser frommen Pioniere lernt man jedoch erst bei einem Besuch der

Plymouth erleben
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Destination Plymouth County John Carver Inn & Spa AAA
130 Water Street 25 Summer St., Plymouth, MA 02360
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räumige Suiten und Gästezimmer. Gern
aufgesucht werden die Einrichtungen
»Beach Plum Spa« und »Med Spa«.
Plymouth    ZIELE 265

Originalschauplätze zu würdigen: Die »Mayflower« war winzig, die


Häuser windschief und zugig und überhaupt waren die Siedler nur
zufällig hier gelandet. Vertraglich an die Londoner Virginia Compa-
ny gebunden, hatten sie sich verpflichtet, Land in der Virginia Co­
lony urbar zu machen – als Gegenleistung für eine freie Überfahrt.
Heftige Stürme trieben die »Mayflower« jedoch vom Kurs ab. Statt
der Mündung des Hudson River sich­tete man Cape Cod, wo man
zunächst beim heutigen Provincetown an Land ging. Das heutige
Plymouth lebt vom Geschäft mit den »pilgrim fathers«. Der Rummel,
insbesonders im Juli und August, ist beträchtlich.

Sehenswertes in Plymouth
Ein 1920 errichteter griechischer Portikus an der Water Street mar- M Plymouth
kiert den geschichtsträchtigsten Stein Amerikas. Er ist zwar eher Rock
unscheinbar, doch – zumindest der Legende nach – jener Stein, den
die Pilgerväter bei ihrer Ankunft zuerst unter die Stiefel nahmen.
Allerdings, soviel räumt eine Texttafel ein, wurde er einige Male hin-
und hergeräumt. So wollten ihn die Patrioten 1774 auf den »Altar der
Freiheit« hieven – allein, er zersprang ...

Das fest im Kollektivbewusstsein der Amerikaner – und in Sichtwei- M May-


te des Plymouth Rock – ankernde Schiff wurde 1955 bis 1956 im flower II
englischen Brixham detailgetreu nachgebaut und kann heute an der
State Pier besichtigt werden. Der kaum 32 Meter lange Dreimaster
beförderte in jenem denkwürdigen Jahr 102 im Unterdeck zusam-
mengepferchte Passagiere. Kostümierte Schauspieler in den Rollen
historisch verbürgter Mayflower-Passagiere erzählen im alten mittel-
englischen Dialekt von der entbehrungsreichen Überfahrt.
i State Pier, tgl. 9.00 – 17.00, im Sommer bis 19.00 Uhr, Eintritt: 12 $,
www.plimoth.org/

Was die Passagiere der Mayflower im Gepäck mitführten und wie sie M Pilgrim Hall
sich in Plymouth einrichteten, erfährt man in diesen wahrlich heili- Museum
gen, 1824 errichteten Hallen: Ausgestellt sind tatsächlich bemerkens-
werte Originalstücke wie die Schwerter von Myles Standish, ein Stuhl
von William Brewster und die Wiege von Peregrin White, der auf der
Mayflower geboren wurde.
i 75 Court St., Feb. – Dez. tgl. 9.30 – 16.30 Uhr, Eintritt: 8 $,
www.pilgrimhall.org

An der Water Street und in den Straßen dahinter stehen einige his- Historische
torische Häuser. Das älteste, Sparrow House von 1640, beherbergt Bauten
heute neben einem kleinen Museum mit zwei im Stil der Puritaner
spartanisch eingerichteten Zimmern eine Töpferei. Im 1666 gebauten
WISSEN Die Reise der Mayflower
Special-Titel

MM Mayflower
Der amerikanische Gründungsmythos hat einen Namen: »Mayflower«.
Ganz genau weiß man nicht, wie das Schiff ausgesehen hat, aber wer
die 102 Passagiere und damit die Gründungsväter, -mütter und -kinder
der USA waren, ist genau dokumentiert.

Reiseverlauf ließen sich die Überlebenden beim


Die Reise der Pilgerväter begann im Juli heutigen Plymouth nieder. Die »May-
1620 im niederländischen Delft, von flower« segelte am 5. April 1621 ohne
wo sie mit der »Speedwell« ins eng- Ladung nach zurück nach England.
lische Southampton übersetzten. Dort
lag die »Mayflower«. Beide Schiffe e Schiffstyp
sollten die Trans-Atlantik-Fahrt antre- Schiffe vom Typ der Galeone »May-
ten, doch musste man wegen Lecks in flower« waren im 16.und 17. Jh. ge-
der »Speedwell« zwei Mal umkehren. bräuchlich. Charakteristisch: schlanker
Am 6. September 1620 legte die über- Rumpf, »Galion« (vorderer Aufbau)
füllte, von Captain Christopher Jones und Achterkastell (hinterer Aufbau).
geführte »Mayflower« in Plymouth ab Ungefähre Daten der »Mayflower«:
mit 102 Passagieren und 31 Mann Be- Länge: 28 m; Breite: 9 m; Tiefgang: ca.
satzung. Ein Besatzungsmitglied und 4 m; Wasserverdrängung: 180 t
ein Passagier starben unterwegs. Eli-
zabeth Hopkins gebar ihren Sohn Oce- r Schaluppe
anus. Am Morgen des 9. November Mit dieser wurden nach dem 11. No-
1620 wurde Land gesichtet – jedoch vember 1620 die Küsten um Cape
Cape Cod und nicht das angesteuer- Cod erkundet.
te Virginia. Nach einem vergeblichen
Versuch, nach Süden zur Hudsonmün- t Oberdeck
dung zu kommen, kehrte man um und Bei gutem Wetter kampierten und
ging am 11. November 1620 an Land. kochten die Passagiere hier oben.
Den Winter verbrachten die Pilgervä-
ter an Bord der »Mayflower«, wo fast u Zwischendeck
die Hälfte an Lungenentzündung und Wo Erwachsene nicht aufrecht stehen
Tuberkulose starb. Am 21. März 1621 konnten, drangvolle Enge und »dicke
Luft« herrschte, verbrachten die Passa-
giere die meiste Zeit.

i Laderaum
Hier waren die Habseligkeiten, Werk-
zeuge sowie Proviant für ein Jahr ver-
staut.
Am 11. November 1620 betraten die
Pilgerväter auf Cape Cod den Boden
der Neuen Welt (Stich nach einem
Gemälde von A. Gisbert, 1864).
267

Berühmte Nachfahren von »Mayflower«-Passagieren

Sarah Palin (*1964; Republikanische Politikerin)


Richard Gere (*1949; Schauspieler)
George W. Bush jun. (*1946; US-Präsident)
Clint Eastwood (*1930; Schauspieler)
Marilyn Monroe (1926 – 1962; Schauspielerin)
Orson Welles (1915 – 1985; Schauspieler und Filmregisseur)
Bing Crosby (1903 – 1977; Sänger)
Humphrey Bogart (1899  – 1957; Schauspieler)
Franklin D. Roosevelt (1882 – 1945; US-Präsident) William Brewster (1566? – 1644)
George Eastman (1854 – 1932; Foto-Pionier) aus Yorkshire war Kirchenältes-
ter der Gemeinde. Seine Frau
und seine beiden jüngsten Söhne
begleiteten ihn in die Neue Welt.

e
©

r
t
e

Das erste Dokument der


amerikanischen Geschichte: i
Am 11. November 1620 unter-
zeichneten die 41 männlichen
Passagiere den »Mayflower
Compact« (Stahlstich, um 1850).
268 ZIELE    Plymouth

Howland House (33 Sandwich St.) lebten die Mayflowerpassagiere


Eliza­beth Tilley und John Howland; Old Farlow House (119 Sand-
wich St.) wurde 1677 gebaut. Das Mayflower Society House (1754)
ist Beispiel für den wohlhabenden Lebensstil im 18. Jh. (4 Winslow
St). In der sehr elitären Mayflower Society finden sich die direkten
Nachfahren der Mayflowerpassagiere zusammen.
Sparrow House: 42 Summer St., April – Nov. tgl. 10.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt: 2 $, www.sparrowhouse.com

MM Plimoth Die palisadenumgebene Plimoth Plantation – die Schreibweise ist


Plantation alten Dokumenten entnommen – ist die penible Rekonstruktion des
Dorfes der Mayflowerpassagiere, wie es sieben Jahre nach ihrer An-
kunft ausgesehen hat. Der Eintritt ins frühe 17. Jahrhundert ge-
schieht durch eine kanonenbewehrte hölzerne Bastion, über der ein
Schild mit der Aufschrift »You are now entering 1627« hängt. Da-
nach tritt man auf eine zum Meer abfallende Staubstraße mit klei-
nen, strohgedeckten Häusern und Gärten dahinter. Die geschäftigen
Bewohner, gekleidet in grobe Arbeitskleidung und historisch beleg-
Salem    ZIELE 269

te Personen spielend, spleißen Holz und füttern Schweine, Enten und


Hühner. Nie von ihrer Rolle abweichend, lassen sie sich gern in Ge-
spräche verwickeln, wobei sie gekonnt den alten englischen Dialekt
der Pilgerväter verwenden. Jenseits der Palisaden führt ein schöner
Spaziergang zur Hobamock's Wampanoag Indian Homesite, wo
Nachfahren der Wampanoag-Indianer ihre Kultur erläutern. Mehr
über »Plimoth« und den historischen Kontext erfährt man im erfreu-
lich kritischen Museum im Dorf.
i 137 Warren Ave., Mitte März – Ende Nov. tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, im
Hoch- sommer länger, Eintritt: 25,95 $, www.plimoth.org

M Salem
Region: North of Boston
aM6
Höhe: 3 m ü.d.M.
Einwohner: 43 000

Das Wort »Hexenjagd« ist in den USA regelmäßig in aller


Munde. Die uramerikanische Vorliebe, die moralischen Verfeh-
lungen prominenter Personen an den Pranger der TV-Öffent-
lichkeit zu stellen, hat konkrete historische Ursachen, deren
Hinterfragung in das 16 mi/26 km nördlich von Boston lie-
gende Salem führen.

Die 1626 von Puritanerführer Roger Conant gegründete Stadt, de- Salem
ren Name eigentlich »Frieden« bedeutet, entwickelte sich zu einem und der
theokratischen, religiös äußerst intoleranten Gemeinwesen. 1692 Hexenwahn
gipfelten Heuchelei und Doppelmoral in der berühmt-berüchtigten
»Salem Witch Hunt«, der Hexenjagd von Salem. Anlass: Die Töch-
ter des Reverend Samuel Parrish begannen in der Öffentlichkeit zu
tanzen und zu fluchen, in der vergnügungsfeindlichen Welt der Pu-
ritaner ein Skandal. Ein Arzt erklärte sie für verhext. Bald darauf
nannten die Mädchen, eingeschüchtert von dem Wirbel um sie her-
um, die Namen derjenigen, die sie angeblich verhext hatten. In den
folgenden sieben Monaten wurden 200 Menschen der Hexerei be-
schuldigt, 150 wurden verhaftet, 19 Frauen und ein Mann schließlich
»überführt« und gehängt. Erst als der Hexenhammer auch nach der
Frau des Gouverneurs von Massachusetts ausholte, war die Jagd
plötzlich zu Ende. Salem hatte seinen Ruf weg. Im Jahre 1850 rech-
nete Nathaniel Hawthorne mit seinem Klassiker »Der scharlach-
rote Buchstabe« mit der Doppelmoral in seiner Heimatstadt ab,
und in den 1950er-Jahren benutzte der Dramatiker Arthur Miller in
seinem Bestseller »Hexenjagd« die Hexenhysterie von Salem als
Allegorie auf den berüchtigten Kommunistenjäger McCarthy, der in
270 ZIELE    Salem

dieser Zeit zahlreiche Künstler und Schauspieler »unamerikanischer


Umtriebe« beschuldigte. Salems »verhexte« Vergangenheit wird na-
türlich touristisch vermarktet – wobei der Hexenrummel die ande-
ren, eigentlich weitaus interessanteren Attraktionen ungebührlich
überschattet. Als Schiffsbauzentrum und Handelshafen reichten Sa-
lems Kontakte im späten 18. Jh. bis nach China: So viele Segler und
Klipper aus Salem handelten mit Fernost, dass die Chinesen es für
ein märchenhaft reiches Land hielten. Mit der Versandung des Ha-
fens nach 1810 begann der langsame Niedergang; heute lebt Salem
vom Tourismus.

Sehenswertes in Salem
Hexenhaftes Nicht imstande, das Hexenimage ihrer Stadt loszuwerden, machten
die Stadtväter von Salem aus der Not eine Tugend: Sie ließen zu, dass
fortan die Zeit der Hexenjagd unter dem einprägsamen Motto »Sa-
lem bewitched« vermarktet werden konnte. So stellt man beispiels-
weise im Salem Witch Museum die Hexenprozesse mitsamt Folte-
rungen mit Wachsfiguren, Kunstblut und viel Geschrei und Gestöhn
vom Band nach. Im Witch Dungeon Museum spielt man die Pro-

Salem erleben
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auch immer freundlich. Angeboten wer-
den traditionelle Speisen aus Norditalien Stadtgründer Roger Conant blickt grimmig
und hauseigene Rezepte.. zum Hexenmuseum hinüber.

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Salem    ZIELE 271

zesse nach alten Akten nach und auch das düstere Witch House, das
Wohnhaus des Hexenrichters Jonathan Corwin, lässt sich besichti-
gen. Hier wurden die Angeklagten verhört.
Salem Witch Museum: 19 1/2 Washington Sq. N., Sept. – Juni tgl. 10.00
bis 17.00, Juli – Aug bis 19.00 Uhr, Eintritt: 11 $, www.salemwitchmuseum.
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Witch Dungeon Museum: 16 Lynde St., tgl. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt:
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Witch House: 310 Essex St., Führungen Mai – Anf. Nov. tgl.
10.00 – 17.00 Uhr, Ticket inkl. Tour: 10,25 $, www.witchhouse.info

Das alte Hafenviertel ist in den letzten Jahren mit großem Aufwand Maritime
restauriert worden und steht heute unter Denkmalschutz. Hauptan- National
ziehungspunkt ist ein Nachbau des 1797 vom Stapel gelaufenen Han- Historic Site
delsschiffs »Friendship«.
272 ZIELE    Salem

M House of Die Geschichte des im Jahre 1668 gebauten und ziemlich düsteren
the Seven Hauses mit den steilen Dächern und sieben Giebeln und seiner Be-
Gables Histo- wohner inspirierte Nathaniel Hawthorne (1804 – 1864) zu »Der
ric Site scharlachrote Buchstabe«. Viele Szenen aus dem berühmten Buch
spielen in den mit zeitgenössischen Möbeln eingerichteten Räumen,
von denen heute sechs zu besichtigen sind. Hawthornes Geburtshaus
steht im Garten.
i 54 Turner St., Nov. – Dez., Mitte Jan. – Juni tgl. 10.00 – 17.00, Juli – Okt.
tgl. bis 19.00 Uhr, Eintritt: 12,50 $, www.7gables.org

MM Peabody Das beste Museum zur maritimen Geschichte Neuenglands im All-


Essex gemeinen und zum Chinahandel im Besonderen! Nicht weniger als
Museum dreißig Galerien, eine Forschungsbibliothek, elf historische Häuser
und weit über 400 000 Arte­fakte in spannend inszenierten Ausstel-
lungen machen einen ganzen Tag zur Besichtigung nötig. Vor allem
Salems Bedeutung im Chinahandel wird auf faszinierende Weise do-
kumentiert: Das Handelsgut aus den Laderäumen der Klipper aus
Salem, die auf den sieben Weltmeeren zu Hause waren, füllt heute die
Vitrinen des Museums. Sehenswert ist die »Asian Export Art«, um
1800 in China für England und die USA hergestellte Haushaltswaren.
Hinzu kommen noch Masken aus Melanesien, rituelle Meji-Kostüme
aus Japan, Textilien aus Indonesien und herrlich geschnitzte Stoß-
zähne aus China. Nicht verpassen: die maritimen Themen in der
Gemäldesammlung, darunter Bilder von Fitz Hugh Lane und John
Singleton Copley.
i East India Sq., Di. – So. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 18 $, www.pem.org

Umgebung von Salem


Marblehead Die südlich der Stadt in den Salem Sound hinausragende Halbinsel
schützt den Hafen von Salem vor Wind, Wetter und hohem Wellen-
gang. Der gleichnamige Fischerhafen wurde im Jahre 1629 gegründet
und ist mit seinen gewundenen Straßen und alten Holzhäusern ein
fotogenes Fragment des alten Neuengland. Besuchenswert ist vor al-
lem die viktorianische Gemeinde­halle Abbott Hall. Sie beherbergt
das in allen amerikanischen Geschichtsbüchern präsente Gemälde
»The Spirit of '76« von Archibald McNeal Willard (1836 – 1918).
Das Bild der drei Patrioten, die, Dramatik im Blick und die Fahne im
Rücken, zum Klang der Trommeln und Pfeifen Richtung Unabhän-
gigkeit marschieren, ist künstlerisch zwar nicht sonderlich wertvoll,
konnte sich jedoch im Herzen vieler Amerikaner einen festen Platz
erobern.
i 188 Washington St.; Mo., Di., Do. 8.00 – 17.00, Mi. 7.30 – 19.30, Fr. 8.00
bis 13.00, Sa., So. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei, Spende erbeten,
www.marblehead.org
Springfield    ZIELE 273

Springfield
Region: Greater Springfield
aK6
Höhe: 22 m ü. d. M.
Einwohner: 154 000

Die am Südende des “Pioneer Valley gelegene Großstadt


Springfield präsentiert sich als – wenn auch nicht gerade be-
sonders schöne, so doch recht interessante – Stadt mit thema-
tisch ungewöhnlichen Museen.

1636 als Handelsposten am Connecticut River gegründet, wurde Die Waffen-


1795 hier das erste Gewehr »Made in USA« zusammengesetzt. Im schmiede der
Bürgerkrieg versorgten Springfields Waffenfabriken die Union mit Union
Kanonen und Handfeuerwaffen. Heute ist die drittgrößte Stadt von
Massachusetts Gastgeber der alljährlich im September stattfindenden
Industriemesse Eastern States Exposition, der größten Schau im
Nordosten.

Sehenswertes in Springfield
Unter dem Namen »Springfield Museums at the Quadrangle« wer- Springfield
ben vier beeindruckende Museen am Merrick Park um Besucher. Museums
Das George Walter Vincent Smith Art Museum enthält europäi- at the
sche und v. a. amerikanische Kunst, u. a. Gemälde von Frederic Quadrangle
Church und Albert Bierstadt; das Museum of Fine Arts präsentiert
Werke von Gauguin, Renoir, Degas, Homer und George Bellows. Das
Springfield Science Museum beherbergt Schätze wie das erste in

Springfield erleben
AUSKUNFT Tel. 1 413 7 81 71 11
Greater Springfield CVB www.marriott.com
1441 Main St. 265 Zimmer und Suiten. Das
Springfield, MA 01103 moderne und zeitgemäß aus-
Tel. 1 413 7 87 15 48 gestattete Hotel liegt sehr ver-
www.valleyvisitor.com kehrsgünstig. Es bietet allen
Komfort, so auch Pool und
ÜBERNACHTEN Fitness Center. Das gut geführte
Springfield Marriott AAA Haus wird von Touristen und
2 Boland Way Geschäftsleuten gleichermaßen
Springfield, MA 01105 geschätzt.
274 ZIELE    Springfield

Landwirtschaft wie annodazumal im Sturbridge Valley

den USA gebaute Planetarium. Last but not least, der Dr. Seuss Na-
tional Memorial Sculpture Garden: Fünf über das Gelände verteil-
te Bronzestatuen aus den in den USA beliebten Dr.-Seuss-Kinderbü-
chern erinnern an deren Schöpfer Theodore Geisel, der in Springfield
geboren wurde.
Springfield Museums at the Quadrangle: Mo. – Sa. 10.00 – 17.00, So.
11.00 – 17.00, Eintritt: 18,00 $, www.springfieldmuseums.org

M Springfield Die einstige Waffenfabrik nördlich vom Merrick Park beherbergt in


Armory ihrem Hauptgebäude eine der größten öffentlich zugänglichen
National Waffensammlungen. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt
Historic Site Henry Wadsworth Longfellows Sammlung von Gewehren aus dem
Bürgerkrieg.
i 1 Armory Sq., tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei, www.nps.gov/spar

M National Anno 1891 erfand ein gewisser Dr. James Naismith aus Springfield
Basketball das Ballspiel mit den Körben, um seine Studenten den langen Winter
Hall of Fame über in Form zu halten. Heute ist dem Spiel, der von den US-ameri-
kanischen Fernsehbildschirmen
Wussten Sie schon nicht mehr wegzudenken ist, diese
moderne Ruhmeshalle gewidmet.
Vom High-School- bis zum NBA-
WISSEN

In den ersten Jahre wurde Basket-


ball mit einem ganz normalen Level zeichnet sie die Entwicklung
Ball und einem hoch aufgehäng- des schnellen Sports nach. In einer
ten Obstkorb gespielt. Jedes Mal, Virtual-Reality-Ausstellung kann
wenn der Ball im Korb gelandet man selbst gegen die NBA-Profis
war, musste eine Leiter erklom- antreten.
men werden, um den Ball wieder i 1150 W Columbus Ave., tgl. 9.30 bis
aus dem Korb herauszuholen. 17.30 Uhr, Eintritt: 22 $, www.hoophall.
com
Springfield    ZIELE 275

Umgebung von Springfield


Das Städtchen Sturbridge 34 mi/54 km östlich von Springfield ist be- M Old
rühmt für sein Museumsdorf am südlichen Stadtrand. Vor rund 60 Sturbridge
Jahren begannen Albert und Joel Cheney, hier historische Häuser aus Village
ganz Neuengland zu einem Dorf aus dem Jahr 1830 zusammenzu-
stellen. Heute ist Old Sturbridge Village eine der meistbesuchten
Attraktionen von Massachusetts. Mehr als 40 Gebäude – Wohn-
häuser, ein Versammlungshaus der Quäker, eine Bank, ein General
Store und eine Schule – zaubern Gute-Alte-Zeit-Atmosphäre, kostü-
miertes Personal pflügt, spinnt und bäckt wie zu Uromas Zeiten.
Hervorhebenswert sind die den Common säumenden, verschiedene
Baustile repräsentierenden Häuser, allesamt geschmackvoll mit zeit-
genössischem Mobiliar eingerichtet.
i 1 Old Sturbridge Village Rd.; April – Okt. tgl. 9.30 – 17.00 Uhr,
Eintritt: 28 $, www.osv.org
Kapitel-/
New Hampshire
Regioneneinstieg
New Hampshire    ZIELE 277
277

NEW HAMPSHIRE
Fläche: 23 231 km²
Einwohner: 1,3 Mio.
Hauptstadt: Concord
Beiname: Granite State

Nicht manikürt wie Vermont, weni-


ger vornehm als Massachusetts und
schon gar nicht so wohlhabend wie
Connecticut und Rhode Island: New
Hampshire ist Neuenglands Alter Ego. Die White Mountains,
rau, wild, schwer zugänglich, haben auf die Bewohner abge-
färbt. Die sind oft knorrig und wortkarg und fahren auf ihren
Nummernschildern das martialische Motto ihres Staats spazie-
ren: »Live free or die«.

Bis in den Sommer schneebedeckte Berge, enge Schluchten, tiefe Tä- Neuenglands
ler: Im dicht bewaldeten New Hampshire wechselt das sonst so kul- Alter Ego
tivierte Neuengland die Garderobe. Überall sind schöne, oft drama-
tische Hinterlassenschaften der letzten Eiszeit zu sehen. Im Süden des
sich wie ein spitzes Dreieck zwischen Maine und Vermont schieben-
den Bundesstaats sind dies hunderte schöner, in den Granit gebette-
ter Seen, darunter der 186 km² große Lake Winnipesaukee bei La-
conia. Im Norden schwingen sich die Appalachen in den White
Mountains zum Dach Neuenglands auf. Der höchste ihrer insgesamt
86 Gipfel ist der Mount Washington (1 917 m ü. d. M.) in der Presi-
dential Range, zugleich der höchste Berg im Nordosten. Charakteris-
tisch für diese grandiose Bergwelt sind die dramatischen »Notches«
(Pässe) und die tiefen, V-förmigen Täler, Resultate der Hobelarbeit
der Gletscher während der letzten Eiszeit. So wild und unzugänglich
sind die White Mountains, dass manches Tal erst zu Beginn des
19. Jh.s entdeckt wurde und bis heute Wanderer in den undurchdring-
lichen Wäldern verloren gehen. Weiter südlich beruhigt sich die Land-
schaft zu bewaldeten Höhenzügen, die vom nach Süden fließenden
Connecticut River und dem Merrimack River voneinander getrennt
werden. Im Südosten fällt das Land allmählich zum Atlantik hin ab.

»Hier belästigen uns keine Landbesitzer mit unverschämten Pacht- Geschichte


forderungen. Hier kann jeder Mann in kurzer Zeit Herr über sein
eigenes Stück Land sein.« Kapitän John Smiths Sätze wurden pro-
grammatisch für die Natur der Bewohner: Stolz und Freiheitsliebe
sind bis heute so leitmotivisch in New Hampshire, dass der Bundes-
Herrlich anzuschauen: Indianersommer in den White Mountains
278 ZIELE    New Hampshire

Highlights in New Hampshire


▶▶ Lake Winnepesaukee ▶▶ White Mountains
New Hampshires größter See Neuenglands Outdoor-Paradies
““Seite 284 ist nicht nur ein Top-Ziel für Natur-
freunde.
▶▶ Portsmouth ““Seite 293
Angenehme Überraschung
am Atlantik
““Seite 289

staat auf Einkommens- und Verkaufssteuer verzichtet, Sicherheits-


gurte nicht vorschreibt und Autoversicherungen erst jüngst einge-
führt hat. Als John Smith 1614 diese Sätze schrieb, waren die
Ureinwohner, die Penacooks und Abenakis, schon weit gehend durch
Kriege und Krankheiten ausgelöscht. 1623 entstanden mit Odiorne's
Point und Dover die ersten Siedlungen. Bereits sieben Monate vor
der offiziellen Unabhängigkeitserklärung der 13 Kolonien am 4. Juli
1776 erklärte New Hampshire seine Unabhängigkeit von England.
Im 19. Jh. brachten Landwirtschaft und – im stärker besiedelten Sü-
den – verarbeitende Industrien den Staat nach vorn: Die industrielle
Revolution fand hier vor allem in den Textilfabriken am Merrimack
River statt. Im 20. Jh. mischte das kleine New Hampshire sogar zwei
Mal in der großen Politik mit: 1905, als im Schiffsbauzentrum Ports-
mouth der russisch-japanische Friedensvertrag unterzeichnet wurde,
und 1944, als die Alliierten in Bretton Woods in den White Moun-
tains den Internationalen Währungsfond aus der Taufe hoben. Nach
dem Zweiten Weltkrieg gesellte sich zur verarbeitenden Industrie der
Tourismus: In den USA ist New Hampshire vor allem als Outdoor-
Ziel bekannt und – darauf sind die Bewohner des Granite State be-
sonders stolz – als Austragungsort der ersten, als richtungsweisend
geltenden »primaries« vor den Präsidentschaftswahlen.

Bevölkerung Die rund 1,3 Mio. Einwohner New Hampshires bringen den Staat auf
einen hinteren Rang in der Liste der US-Bundesstaaten. Nur gut 1 %
der Menschen sind Afro-Amerikaner. Von der Nähe zu Boston pro-
fitierend, ist der Süden erheblich dichter bevölkert und stärker indus-
trialisiert als der stellenweise fast leere Norden.

Wirtschaft Zentren der verarbeitenden Industrie sind Städte wie Manchester,


Nashua, Claremont, Keene, Lebanon und Rochester. Da der Staat
keine Einkommens- und Verkaufssteuer erhebt, haben bis heute über
300 Firmen aus dem benachbarten Massachusetts Ableger in New
Concord    ZIELE 279

Hampshire eröffnet. Trotzdem ist New Hampshire keine Steueroase.


Das Staatssäckel wird mit Steuern auf Alkohol und Zigaretten,
Glücksspiel und mit Einnahmen aus dem Tourismus gefüllt. Die
Landwirtschaft konzentriert sich auf Milchprodukte, Viehzucht,
Obst- und Gemüseanbau sowie Ahornprodukte, vor allem Sirup.

Concord
Region: Merrimack Valley
aL5
Höhe: 79 m ü. d. M.
Einwohner: 43 000

Seit 1808 ist Concord Hauptstadt von New Hampshire. Hier


kreuzen sich die Interstates 89 und 93, und von hier aus füh-
ren Eisenbahnlinien in alle Ecken New Hampshires.

Alles begann 1669 mit einem Handelsposten am Merrimack River. Ein ruhiges
1697 ereignete sich eine kinoreife Szene, als die von Indianern gefan- »Haupt-
gene Siedlerfrau Hannah Dustin ihre schlafenden Entführer tötete städtchen«

Schlemmen à la Shaker
Concord erleben
TIPP

Ein Geheimnis verbirgt sich im


AUSKUNFT Canterbury Shaker Village in der
Greater Concord alten Schmiede. Dort stieben
Chamber of Commerce längst nicht mehr die Funken,
49 South Main St., Suite 104 sondern Koch Sebastian Carosi
Concord, NH 03301 zaubert von Mai bis Oktober von
Tel. 1 603 2 24 25 08, den Shakern inspirierte Köstlich-
www.concordnhchamber.com keiten. Sie sind eine schöne Ab-
wechslung zur sonst in Neueng-
KANUTOUREN land gebotenen Kost.
Quickwater Canoe & Kayak Empfehlenswert: Hackbraten mit
15 Hannah Dustin Drive. Kartoffelbrei, grünen Bohnen und
Concord, NH 03301 hausgemachtem Ketchup, dazu
Tel. 1 603 7 53 00 25 den einst von den Shakern bevor-
http://quickwatercanoe.com zugten leicht gewürzten Trauben-
Hier kann man Kanus und Kajaks saft, als Nachtisch Schokolade-
ausleihen für eine Paddeltour auf Käsekuchen.
dem Merrimack River. Dieser Fluss The Shaker Table, tgl. Lunch,
schlängelt sich mitten durch Concord Candlelight Dinner Do. – So.,
und weiter durch dessen landschaftlich nur mit Reservierung,
recht reizvolle Umgebung. Tel. 1 603 7 08 11 92
280 ZIELE    Concord

und skalpierte. Im 19. Jh. lieferten die Steinbrüche der Umgebung


den Granit für Repräsentativbauten in ganz Neuengland. Lewis
Downing und J. Stephens Abbot wirkten von hier aus an der Er-
schließung des Wilden Westens mit: Zwischen 1813 und 1900 verlie-
ßen zahllose gefederte Pferdekutschen, die berühmten »Concord
Coaches«, ihre Fabrikhallen. Dem heutigen Besucher präsentiert sich
Concord als ruhiges Verwaltungs­städtchen. Die schönsten der alten
Häuser liegen an der breiten, baumbestandenen Main Street.

Sehenswertes in Concord
State House Im 1819 im neoklassizistschen Stil erbauten New Hampshire State
House tritt die gesetzgebende Versammlung des Staates noch in den
Originalräumen zusammen – ein landesweiter Rekord! Innen hän-
gen über 180 Porträts bedeutender Persönlichkeiten aus New
Hampshire. Sehenswert sind auch die Hall of Flags und die von Bar-
ry Faulkner stammenden Wandmalereien im Senate Chamber.
i 107 N. Main St., Mo. – Fr. 8.00 – 16.30 Uhr, www.visitnh.gov

Museum of Diese überraschend reichhaltige Ausstellung widmet sich der Ge-


New Hamp- schichte des Bundesstaates New Hampshires. Besonders sehenswert
shire History ist eine Originalpostkutsche von Downing & Abbot.
i 6 Eagle Sq.; Mo. – Sa. 9.30 – 17.00, So. 12.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 7,00 $,
www.nhhistory.org/museum.html

Pierce Manse Franklin Pierce (1804 – 1869) war der 14. Präsident der USA, ob-
gleich er das Amt gar nicht angestrebt hatte: Seine demokratische
Partei schubste ihn als Kompromisskandidat ins Amt. In Pierce
Manse praktizierte er von 1842 bis 1848 als Rechtsanwalt.
i 14 Penacook St.; Mitte Juni – Labor Day Di. – Sa. 11.00 – 15.00 Uhr,
Eintritt: 7 €, www. www.piercemanse.org www.starhop.com

Christa Das Planetarium am nordöstlichen Stadtrand wurde nach der aus


McAuliffe Concord stammenden Lehrerin benannt, die 1986 bei der Explosion
Planetarium der Raumfähre »Challenger« ums Leben kam. Kindern werden die
vielen »Hands-On«-Ausstellungen gefallen.
i 2 Institute Dr., tgl. 10.00 – 17.00, Fr. bis 21.00 Uhr, Eintritt: 10 $,
www.starhop.com

Umgebung von Concord


M Canterbury 1792 gründeten die Shaker (“Baedeker Special S. 208) im Hügelland
Shaker 13 mi/20 km nördlich von Concord eine ihrer bedeutendsten Ge-
Village meinden in Neuengland. Nach dem Tod des letzten Shaker 1992
Hanover    ZIELE 281

Das Gemeinschaftshaus im Canterbury Shaker Village

wurde Canterbury Shaker Village aufgegeben und in ein Freilichtmu-


seum verwandelt. 25 Scheunen, Workshops, Wohnhäuser und Ver-
sammlungsräume, dazu Felder und Kräutergärten zeigen, dass die
Gemeinschaft weitgehend autark war. Was sie nicht selbst herstellen
konnte, erwarb sie – im 19. Jh. galten die Gemeindemitglieder lan-
desweit als Heilkräuterexperten – vom Erlös ihrer Gärten. Auch die
später so berühmten, zeitlos schönen Shaker-Möbel wurden hier
hergestellt. Man sollte sich einer der mehrmals täglich stattfindenden
Führungen anschließen, um einen umfassenden Eindruck von der
Glaubens- und Arbeitswelt der frommen Brüder und Schwestern zu
gewinnen. Die Touren führen zu den Highlights, u. a. zum Meeting
House mit den schönsten ihrer Möbel und zur Schule, wo sie die ih-
nen anvertrauten Waisenkinder unterrichteten.
i 288 Shaker Rd., I-93, Exit 18; Mitte Mai – Okt. tgl. 10.00 – 17.00, April,
Nov. – Dez. nur Sa. u. So. 10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 17 $, www.shakers.org

Hanover
Region: Dartmouth & Lake Sunapee
aK5
Höhe: 181 m ü. d. M.
Einwohner: 11 800

Das berühmte, zur prestigeträchtigen Ivy League gehörende


Dartmouth College prägt Hanover: Breite Alleen mit alten
Bäumen und typische Neuenglandarchitektur mit viel Back-
stein verlangsamen den Schritt, hübsche Cafés und Kunst-
handwerksläden verführen zum stressfreien Bummel.
282 ZIELE    Hanover

Hanover erleben
AUSKUNFT ÜBERNACHTEN
Hanover Area Chamber of Dowds' Country Inn AA – AAA
Commerce On the Common, Lyme, NH 03768
216 Nugget Bldg., PO Box 5105 (10 mi / 16 km nördlich von Hanover)
Hanover, NH 03755 Tel. 1 603 7 95 47 12
Tel. 1 603 6 43 31 15 www.dowdscountryinn.com
www.hanoverchamber.org Hübsches Landhaus von 1780 mit
21 gemütlichen Zimmern im Dekor
ESSEN der Kolonialzeit
Murphy's on the Green AA – AAA
11 S. Main St., Tel. 1 603 6 43 40 75 SHOPPING
Beliebtestes Pub-Restaurant in Hanover. Südlich von Hanover liegt in West
Sehr empfehlenswert sind die Black Lebanon die Powerhouse Mall (Rte.
Angus Steaks! 12A), ein umgebautes Kraftwerk mit
Boutiquen und diversen Lokalen.

Trotz des Als Reverend Eleazar Wheelock 1769 seine Schule für »junge India-
Namens nicht ner, Engländer und andere« gründete, wohnten in dieser Gegend nur
deutsch 20 Familien. Fortan wuchsen Schule und Gemeinde zum hübschen
Städtchen Hanover heran, benannt nach dem aus dem Hause Han-
nover stammenden englischen König Georg III.

Sehenswertes in Hanover und Umgebung


M Dartmouth Die nach dem Earl of Dartmouth benannte Hochschule zählt viele
College Prominente zu ihren Absolventen, darunter auch Nelson Rockefeller
(1908 – 1979). Berühmt für ihre exzellenten Fakultäten – u. a. wurde
hier die Programmiersprache »Basic« entwickelt –, darf sich Dart-
mouth auch eines ausgezeichneten kulturellen Angebots rühmen.
Das Hopkins Center for the Performing Arts an der Südseite des
Green war Wallace Harrisons Vorentwurf für das Metropolitan Ope-
ra House in New York City und beherbergt hinter seinen mehrge-
schossigen Fenstern u. a. das Dartmouth Symphony Orchestra.
Verbunden mit dem Hopkins Center ist das Hood Museum of Art.
Neben seinen Sammlungen indianischer, europäischer und asiati-
scher Kunst enthält es viele Moderne, darunter Mark Rothko, Joan
Miró und John Sloan
Dartmouth Symphony Orchestra: 6041 Lower Level Wilson Hall,
Kartenverkauf Tel. 1 603 6 46 24 22
Hood Museum of Art: (2 E Wheelock St.; Di., Do. – Sa. 10.00 – 17.00, Mi.
bis 21.00, So. ab 12.00 Uhr, Eintritt frei, http://hoodmuseum.dartmouth.edu
Hanover    ZIELE 283

Das interaktive Technikmuseum Montshire Museum of Science Norwich


wenig westlich in Norwich sollte niemand auslassen, der mit Kindern
unterwegs ist – u. a. werden die jugendlichen Besucher aufgefordert,
Behälter zu bauen, in denen ein rohes Ei den Sturz vom Museums-
dach übersteht.
i tgl. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 16 $, www.montshire.org.

Diese Postkartenidylle 25 Autominuten südlich von Hanover ist seit Cornish


Ende des 19. Jh.s ein Refugium für kreative Geister aus dem ganzen
Land – allein der 2010 verstorbene J. D. Salinger verbrachte hier
über 50 Jahre seines Lebens. Als Begründer der »Cornish Colony«
gilt der Bildhauer Augustus St. Gaudens (1848 – 1907). Sein zur
nationalen Gedenkstätte erklärtes Heim und Atelier »Aspet« wurde
unverändert gelassen, in den Gärten kann man Repliken der schöns-
ten seiner Statuen und Skulpturen bewundern.
Saint-Gaudens National Historic Site: 139 St. Gaudens Rd.; Juni – Okt.
tgl. 9.00 – 16.30 Uhr, Eintritt: 7 $, www.nps.gov/saga

1793 gründeten die Shaker 9 mi/14 km südöstlich von Hanover am Enfield


Lake Mascoma eine Gemeinde, die bis 1927 bestand und in ihrer Shaker
Blütezeit 300 Mitglieder zählte. Die dreizehn historischen Bauten Village
haben zwar mittlerweile die Besitzer gewechselt, doch vermitteln ein
Spaziergang sowie die Besichtigung des »Great Stone Dwelling«, die-
es großen Wohnhauses, in dem die zölibatären Brüder und Schwes-
tern unter einem Dach lebten, einen sehr guten Eindruck von ihrem
Alltag.
i Mo. – Sa. 10.00 – 17.00, So. 12.00 –17.00 Uhr, Eintritt: 12,00 $,
www.shakermuseum.org

26 mi/41 km südöstlich von Hanover blickt New London über be- M New
waldete Höhenzüge, die am Horizont im blauen Dunst verschwin- London
den – besonders während des Indian Summer ein spektakulärer An-
blick. Mit hübschen kleinen Hotels und Country Inns und einer
Reihe guter Restaurants und Cafés an der gepflegten Main Street
bietet das Städtchen, mit seinem spitzen Kirchturm die Quintessenz
von Neuengland-Idyll, eine angenehme Basis für Tagesausflüge. Mit
dem 1837 gegründeten Colby Sawyer College verfügt es sogar über
das in Neuengland so geschätzte Niveau.
Die meisten Touristen zieht es in den südlich liegenden M Mount Su-
napee State Park rund um den gleichnamigen 822 Meter hohen
Berg und den buchtenreichen Lake Sunapee. Für einen Überblick
über die Wälder eignet sich der Sessellift von der North Peak Lodge
auf den Gipfel.
Wasserratten können sich am 2 km langen State Beach tummeln. Im
Ort Sunapee am Nordufer legt die »MV Mount Sunapee II« zu
Dampferfahrten ab.
284 ZIELE    Lake Winnepesaukee

MM Lake Winnepesaukee
Region: Lakesay
aL5
Höhe: 153 m ü. d. M.
Fläche: 186 km²

New Hampshires größter See misst zwar stolze 186 km², doch
wirkt er alles andere als groß, sind seine Ränder doch stark
zerfranst. 274 Inseln, zahllose Buchten, Halbinseln und natür-
liche Kanäle erwecken den Eindruck, dass man von einem See
zum anderen fährt.

Wo der Die schönste Deutung des indianischen Namens lautet »Lächeln des
Große Geist Großen Geistes« und bezieht sich auf eine Legende, wonach ein in
lächelt Seenot geratener Krieger mithilfe eines vom Himmel gesandten
Lichtstrahls heil zum Ufer zurückfand. Viele hundert Jahre später hat
der Tourismus den See in zwei grundverschiedene Welten geteilt:
Das Westufer ist durch und durch kommerziell und hat sein lautes
Zentrum in Weirs Beach, einer Neuengland-Version von Coney Is-
land; das exklusivere Ostufer ist ein unübersichtliches Labyrinth aus
Buchten und Inseln und überwiegend in Privatbesitz, sodass der Weg
zum Wasser meist verbaut oder versperrt ist. Schöne Ausnahme:
Wolfeboro, ein schönes altes Resortstädtchen mit Sandstrand.

Lake Winnipesaukee erleben

Picknick mit Aussicht AUSKUNFT


Lakes Region Association
PO Box 737, Rte. 3, Tilton, NH 03276
TIPP

Wirklich den schönsten Blick


auf das zerlappte Ostufer des Tel. 1 603 2 86 80 08
Lake Winnipesaukee hat man www.lakesregion.org
vom 18 m hohen Abenaki Tower.
Der mittlerweile über hundert ESSEN/ÜBERNACHTEN
Jahre alte Feuerwachturm erhebt The Wolfeboro Inn AA – AAA
sich 11 km nördlich von Wolfe- 90 N. Main St., Wolfeboro, NH 03894
boro an der NH 109. Von hier aus Tel. 1 603 5 69 30 16
lässt sich das eindrucksvolle, am www.wolfeboroinn.com
Horizont von den Ossipee Moun- 44 Zimmer. Freundliches Haus am See,
tains begrenzte Panorama beson- typische USA-Küche in Wolfe's Tavern.
ders gut genießen. Und mit einem
gut gefüllten Picknickkorb – beim BADEN
Turm gibt es rustikale Holzbänke Schöner Ellacoya State Beach am Süd-
und -tische – macht das Ganze westufer des Sees
noch mehr Spaß!
Lake Winnepesaukee    ZIELE 285

Imposant: Sonnenuntergang am Lake Winnipesaukee

Sehenswerte Orte am See


Nur noch die viktorianischen Häuschen hoch über der Bucht erin- Weirs Beach
nern an die Blüte von Weirs Beach als elegantes Ferienresort. Unten
am Wasser herrscht Rummelplatzatmosphäre: Souvenirshops, Auto-
matenspiel und Fastfoodläden, Entertainment für die ganze Familie.
Ruhiger geht es nur weit draußen auf dem See zu: Die alten Aus-
flugsdampfer der Mount Washington Cruises schippern zu des-
sen schönsten Stellen. Besonders schön sind Schiffsausflüge zur Zeit
der herbstlichen Laubfärbung.
Erfrischung an heißen Sommertagen garantiert mit tollen Wasser-
rutschen der Fun Park The WaterSlide vor der Stadt.
Nur wem Motorräder und alles, was dazugehört, nichts ausmachen,
sollte Mitte Juni in Weirs Beach bleiben – denn dann strömen alljähr-
lich 150 000 Motorradfahrer zur Laconia Motorcycle Week herbei.
Die Veranstaltung findet seit 1939 statt und erlebte 1965 einen trau-
rigen Höhepunkt, als die Hells Angels mit brutaler Gewalt das Fest
sprengten. Mittlerweile allerdings geht es wesentlich friedlicher, aber
nicht leiser zu.
Mount Washington Cruises: Weirs Beach Docks, Ende Mai – Ende Okt. tgl.
ab 10.00 Uhr, Fahrten ab 30 $, www.cruisenh.com
The WaterSlide: 74 Endicotte St., Weis Beach, Juni – Sept. tgl.
9.00 – 17.30 Uhr, Eintritt: 25 $, www.weirsbeach.net/waterslide

Wolfeboro gilt als ältestes Ferienresort der USA. Trendsetter war M Wolfeboro
John Wentworth, Gouverneur der Kolonie Massachusetts, der 1762
hier seine Sommerresidenz baute. Die feine Ostküstengesellschaft
286 ZIELE    Manchester

folgte ihm. Ihre Villen sind oft noch in Familienbesitz oder wurden
in Country Inns verwandelt, die auf Hügeln über dem Zentrum den
Besucher mit dem Hauch des alten Neuenglands verzaubern.
Neben einem Stadtbummel lohnen zwei Museen: Der Clark House
Museum Complex erinnert an den Alltag im 19. Jh.; das Libby Mu-
seum zeigt eine gute Sammlung in der Umgebung gefundener indi-
anischer Artefakte. Wer baden möchte: Der schöne Wentworth
State Beach liegt 8 km außerhalb an der NH 109.
Clark House Museum Complex: Main St., Juli, Aug. Mo. – Fr 10.00 bis
16.00, Sa. 10.00 – 14.00 Uhr, Eintritt: 4 $, www.wolfeborohistoricalsociety.
org/clarkhouse
Libby Museum: NH 109, 5 km außerhalb; Memorial Day – Labor Day, Di. bis
Sa. 10.00 – 16.00, So. 12.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 2 $, http://wolfeboronh.us

Manchester
Region: Merrimack Valley
aL6
Höhe: 63 m ü. d. M.
Einwohner: 110 000

Die größte Stadt New Hampshires liegt im Südosten am Mer-


rimack River. Sie ist das Bankenzentrum des Bundesstaats und
Sitz zweier Colleges sowie der New Hampshire University.

Der Name Lange sah es so aus, als werde Manchester am Merrimack River das
kommt nicht amerikanische Gegenstück seines Namensgebers in England. 1831
von ungefähr schufen Bostoner Finanziers aus mehreren Fabriken die Amoskeag
Manufacturing Co. Amoskeag Mills, die damals größte Textilfabrik
der Welt. Sie produzierte in ihren über 8 km langen Fabrikhallen
jährlich 450 000 km Stoffe und Tücher und war größter Arbeitgeber

Manchester erleben
AUSKUNFT Übernachten
Greater Manchester Ash Street Inn AA
Chamber of Commerce 18 Ash St., Manchester, NH 03104
54 Hanover Street Tel. 1 603 6 68 99 08
Manchester, NH 03101 www.ashstreetinn.com
Tel. 1 603 6 66 66 00, Wunderhübsches Bed & Breakfast mit
www.manchester-chamber.org fünf geschmackvoll eingerichteten
Zimmern. Und morgens gibt es ein
opulentes Frühstück.
Manchester    ZIELE 287

der Region. Dann kam der Niedergang, 1935 wurde Konkurs ange-
meldet. Findige Geschäftsleute retteten Manchester, indem sie die
leer stehenden Fabrikhallen an der Commercial Street kauften und
an Unternehmen vermieteten. Die größte Stadt New Hampshires
wurde zu einem der besten Standorte für Business-Start-ups.

Sehenswertes in Manchester
und Umgebung
Diese bedeutendste Kunstsammlung des Staats ist in einem schönen M Currier
Beaux-Arts-Gebäude von 1929 untergebracht und zeigt Werke euro- Gallery of Art
päischer (darunter Tiepolo und Jan Gossaert) und amerikanischer
Maler wie Edward Hopper und Andrew Wyeth. Im Obergeschoss
hängen Landschaftsbilder der Maler der Hudson River School.
i 150 Ash St.; tgl. außer Di. 11.00 – 17.00, Sa. ab 10.00 Uhr, Eintritt: 12 $,
www.currier.org

Das vom Currier aus per Shuttle zu erreichende Zimmerman House Zimmerman
war die Antwort Frank Lloyd Wrights auf die von der Wirtschaftskri- House
se verursachte Wohnungsknappheit. 1950 entworfen, hielt der Star­
architekt das Häuschen klein, funktional und trotzdem zeitlos ele-
gant und rüstete es mit praktischen Einbauschränken aus.
i Führungen April – Dez. Mo., Do. – Fr. 14.00, Sa. 12.30, So. 13.00 Uhr,
Eintritt: 10 $, www.currier.org/collections/zimmerman)

Neben Dokumenten und Fotografien über die Amoskeag Manufac- Manchester


turing Co. zeigt das Museum auch eindrucksvolle Artefakte der in- Historic
dianischen Urbevölkerung. Association
i 129 Amherst St., Di. – Sa. 10.00 – 16.00, So. ab 12.00 Uhr, Eintritt: 8 $,
www.manchesterhistoric.org

Mit den Megalithbauten in Südengland hat die Anlage 14 mi/22 km America's


südlich von Manchester eine Frage gemein: Wer hat sie wann und Stonehenge
warum gebaut? Beim Rundgang durch das Labyrinth aus Gängen,
Räumen und Granitblöcken stößt man u. a. auf einen Stein, den die
aufgehende Sonne am längsten Tag des Jahres (Sommersonnenwen-
de) beleuchtet. Eine mächtige, mit Rillen versehene Platte wird als
Opfertisch interpretiert. Auch Platten mit Schriftzeichen, die man
bislang nur aus dem westeuropäischen bzw. iberischen Raum kannte,
wurden hier gefunden. Nach neueren Erkenntnissen sollen die ältes-
ten Teile der Anlage im zweiten vorchristlichen Jahrtausend entstan-
den sein. Damit wäre sie eines der ältesten Kulturzeugnisse der USA.
i NH 111; Jan. – Juni u. Sept. – Okt. tgl. 9.00 – 17.00, Juli, Aug. tgl. 9.00 bis
18.00, Nov. – Dez. tgl. 9.00 – 16.30 Uhr, Eintritt: 12 $, www.stonehengeusa.
com
288 ZIELE    Mount Monadnock Region

Mount Monadnock
Region
a K 5 / 6
Region: Monadnock

Monadnock, »der Berg, der allein steht«,


nannten ihn die Algonquin sprechenden Ureinwohner dieser
Gegend. So passend war der Name, dass ihn die Geologen
später für die Bezeichnung isolierter Berge auf der ganzen
Welt übernahmen.

Der Berg, der Der »Vater aller Monadnocks« erhebt sich in der südwestlichen Ecke
allein steht von New Hampshire knapp 1 000 m über eine landwirtschaftlich ge-
prägte Region, wo in kleinen Kolonialstädtchen das Green noch im-
mer der Nabel der Welt ist. Mit über 120 000 Besuchern jährlich ist
er einer der am häufigsten bestiegenen Berge der USA.

Orte und Plätze am Mount Monadnock


M Mount Seine schönsten Plätze sind am besten von Jaffrey Center aus erreich-
Monadnock bar. Die besten der rund 30 auf den Gipfel führenden Trails sind der
State Park White Dot Trail, ein vierstündiger, mitunter recht steiler Rundwan-
derweg, und der ebenso lange White Cross Trail, der allerdings nur
konditionsstarken Hikern zuzumuten ist. Der steilste – und auch
kürzeste – Trail ist der Spellman
Kissing Bridges Trail. Einen Besuch wert ist auch
der nahe Rhododendron State
Park, wo wilder Rhododendron im
WISSEN

Seit dem Kinohit »Bridges of


Madison County« mit Clint East- Juni und im Juli eine spektakuläre
wood und Meryl Streep (der aller- Blüte hinlegt.
dings in Iowa spielte) sind »Co-
vered Bridges« auch in Europa Die lebhafte Industriestadt Keene
bekannt. Es gibt sie überall in ist Hauptort der Region. Sie hat au-
Neuengland, die meisten in stillen ßer einer breiten, mit hübschen Lä-
Tälern New Hampshires. Im 19. Jh. den und guten Restaurants auf Be-
von den Gemeinden als Versamm- sucher vorbereiteten Main Street
lungsorte genutzt, schützte das nicht viel zu bieten. Liebhaber his-
Dach die hölzerne Struktur vor torischer Glaswaren werden sich je-
Regen und Schnee. Teenager doch das Historical Society of
nutzten sie für profanere Zwecke: Cheshire County Museum nicht
Im Dunkel der »Kissing Bridges« entgehen lassen wollen. Mit seinen
trafen sie sich zu romantischen Ausstellungen gläserner Gehstock-
Stelldicheins. knäufe, Parfümfläschlein und an-
Portsmouth    ZIELE 289

Den Mount Monadnock erleben


AUSKUNFT Elm City Brewing
Monadnock Travel Council Company A
PO Box 358, Keene, NH 03431 Colony Mill Marketplace
Tel. 1 603 4 32 78 64 222 West St. Unit 46, Keene, NH 03431
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sowie Pale Ale und Porter. Dazu gibt es
essen Deftiges aus der Küche.
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10 Central Square übernachten
Keene, NH 03431 Carriage Barn B & B AA
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In dem gut geführten Restaurant wird Tel. 1 603 3 57 38 12
fantasievoll zubereitete Mittelmeer- www.carriagebarn.com
Küche serviert. Die vier hübsch möblierten Zimmer
ermöglichen den Gästen einen
behaglichen Aufenthalt.

derer seltener Glaswaren erinnert es an Keenes Glas- und Keramik-


industrie, die im 19. Jh. blühte.
i 246 Main St., Di. – Fr. 9.00 – 16.00, Mi. bis 21.00 Uhr, Eintritt frei,
www.hsccnh.org,

Von der NH 10 südlich von Keene zweigen Nebenstraßen zu vier al-


ten M Covered Bridges ab. Drei dieser fotogenen überdachten Brü-
cken wurden bei Ashuelot, West Swanzey und Swanzey Village über
den Ashuelot River geschlagen. Eine weitere führt südlich von Swan-
zey Village über den Südarm des Ashuelot.

M Portsmouth
Region: Seacoast
aM5
Höhe: 4 m ü. d. M.
Einwohner: 22 000

Der einzige Seehafen New Hampshires ist eine angenehme


Überraschung, gibt er sich doch als skandinavisch wirkende,
aus roten Ziegeln gebaute Kleinstadt mit krummen Straßen
und rostig-romantischen Hebebrücken. Möwen sitzen auf Mo-
len und Dächern, altmodische Barbierläden halten aus neben
trendigen Funky Wear Shops.
290 ZIELE    Portsmouth

Romantische Im historischen Zentrum von Portsmouth wird noch immer gelebt


Hafenstadt und gearbeitet, eingekauft und der Feierabend verbracht. 1623 gegrün-
det und nach den hier gefundenen wilden Erdbeeren zunächst Straw-
berry Banke genannt, machte ein guter Naturhafen aus der »Erdbee-
rensiedlung« alsbald einen geschäftigen Hafen und Holzumschlagplatz.
Zeitweise auch Hauptstadt New Hampshires, nahm Portsmouth im
19. Jh. am Chinahandel teil, dessen Umsätze noch heute von pracht-
vollen Häusern im Federal und Georgian Style reflektiert werden.
Die 1800 an der Mündung des Piscataqua River gegründete Ports-
mouth Naval Shipyard entwickelte sich im 20. Jh. zu einem bedeuten-
den U-Boot-Stützpunkt und erlebte 1905 die Unterzeichnung des
russisch-japanischen Friedensvertrags. Bis heute sind die Werft und
die im Jahr 2009 erweiterte Pease Air Force Base die größten Arbeitge-
ber der Stadt.

Sehenswertes in Portsmouth
M Strawbery Das zu den größten Neuenglands zählende Museumsdorf steht an
Banke der Stelle der ersten Siedlung Strawbery Banke unweit der Water-
Museum front und versammelt über 45 Häuser aus drei Jahrhunderten in ver-
schiedenen Phasen der Restaurierung. Ein Dutzend sind komplett
renoviert und eingerichtet, darunter das Drisco House, das den All-
Portsmouth    ZIELE 291

Portsmouth erleben
AUSKUNFT SHOPPING
Greater Portsmouth Wunderbar einkaufen kann man
Chamber of Commerce rund um den Market Square im
500 Market St., PO Box 239 alten Stadtzentrum.
Portsmouth, NH 03801
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eTwo-Fifty Market AAA Mitte Juni – Labor Day tgl. 10.55 Uhr
250 Market St., Tel.1 603 5 59 26 26, und 14.25 Uhr, www.islesofshoals.com
www.250market.com Schiffs­ausflüge zu den in der
Im obersten Stock des noblen »Sheraton Mündung des Piscataqua gele-
Portsmouth Harborside Hotel« bereiten genen Isles of Shoals, die so
Spitzenköche aus Neuengland kreativ raue wie herzliche Namen wie
verfeinertes Seafood zu. Smuttynose und Appledore tragen.
Endpunkt ist der Leuchtturm von
rBlue Mermaid World Grill AA White Island.
116 High St., Tel. 1 603 427 25 83
In dem beliebten Restaurant gibt es Portsmouth
leckeren Fisch vom Holzkohlegrill, Kayak Adventure
zubereitet mit exotischen Früchten 185 Wentworth Rd.
und Gewürzen. Tel. 1 603 5 59 10 00
Geführte Kajak-Ausflüge zu den
ÜBERNACHTEN Seevogelkolonien im Piscataqua
eHotel Portsmouth AAA – AAAA Delta
40 Court St., Portsmouth, NH 03801
Tel. 1 603 4 33 12 00, Water Country
www.thehotelportsmouth.com US 1, Mitte Juni – Labor Day
Das 1831 im verspielten Queen Anne tgl. 10.00 – 18.00 Uhr
Style erbaute Haus bietet 34 geräumige In New Hampshires größtem
und modern ausgestattete Gästezimmer. Wasser-Vergnügungspark geht
es immer recht fröhlich zu.
rInn at Strawbery Banke AA
314 Court St., Portsmouth, NH 03801 BADEN
Tel. 1 603 4 36 72 42, Der Strandtourismus konzentriert
www.innatstrawberybanke.com sich in und um Hampton Beach
Das Haus des Segelmachers Holbrook (ca. 15 mi/23 km südlich; über
wurde um 1825 erbaut. Hier herrscht 5 km Sandstrand). Zum Baden
eine ausgesprochen familiäre Atmo- eignet sich auch der rund 400 m
sphäre. Die sieben Gästezimmer sind lange Sandstrand des Wallis
hübsch eingerichtet. Sands State Park.
292 ZIELE    Portsmouth

tag um 1790 jenem von 1950 ge-


genüberstellt, und das Shapiro
House, dessen Einrichtung den
Alltag einer 1919 aus Russland
eingewanderten jüdischen Fami-
lie widerspiegelt.
i zwischen Marcy, Court,
Washington u. Hancock Sts.,
Mai  – Okt. Mo. – Sa. 10.00 – 17.00,
So. ab 12.00, übrige Monate Do. – Sa.
10.00 – 14.00, So. ab 12.00 Uhr,
Eintritt: 20 $, www.strawberybanke.
org

Das 1760 erbaute, sich im Wasser


des Piscataqua River spiegelnde
In Strawberry Banke taucht man in die MWentworth – Gardner House
Stadtgeschichte von Plymouth ein. gehört zu den schönsten Beispie-
len des Georgian Style in den
USA. Seine Stilelemente, darunter die kunstvollen Voluten und der
Portikus mit seinen korinthischen Säulen, werden von Kennern mit
dem Adjektiv »perfekt« gewürdigt. Drinnen, nicht minder spektaku-
lär, sind vor allem die Holzarbeiten ein Genuss.
i Mechanic / Gardner Sts., Mitte Juni – Mitte Okt. Do. – So. 12.00 – 16.00
Uhr, Eintritt: 5 $, www.wentworthgardnerandlear.org

M Warner Elegante Fassade im Georgian Style, geschmackvolles zeitgenössi-


House sches Interieur: In dem 1716 für Kapitän Archibald McPheadris ge-
bauten Backsteinhaus ließ es sich leben. Die beiden 1716 entstande-
nen, Mohawk-Häuptlinge darstellenden Wandgemälde gelten als die
ältesten »Murals« der USA. Den Blitzableiter hat angeblich Benja-
min Franklin angebracht.
i 150 Daniel St.; Mitte Juni – Mitte Okt. Mi. – Mo. 12.00 – 16.00 Uhr,
Eintritt: 6 $, www.warnerhouse.org

John Paul Berühmtester Mieter dieses 1758 erbauten Kapitänshauses war der
Jones House Seeheld John Paul Jones (1747 – 1792), als er während des Unabhän-
gigkeitskriegs von hier aus den Bau seiner Fregatte »Ranger« über-
wachte. Kostümiertes, anekdotensicheres Personal führt durch die
mit Originalmobiliar bestückten Räume.
i 43 Middle St.; Memorial Day – Okt. tgl. 11.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 6 $,
www.portsmouthhistory.org/john_paul_jones_house

M Moffatt- Auch in diesem in einem weitläufigen Garten liegenden Haus wohn-


Ladd House te ein berühmter Mann: William Whipple, ein Unterzeichner der
Unabhängigkeitserklärung. Sein Schwiegervater, der reiche Kauf-
White Mountains    ZIELE 293

mann John Moffatt, ließ das Haus 1763 bauen, bis 1913 blieb es im
Besitz der Familie. Liebhaber früher amerikanischer Tischler- und
Designerkunst erwartet deshalb ein kaum veränderter Leckerbissen.
Porträts von Familienmitgliedern und die elegante Eingangshalle, wo
noch die Originaltapete hängt, vermitteln einen Eindruck vom Alltag
der neuenglischen Oberschicht.
i 154 Market St.; Mitte Juni – Mitte Okt. Mo. bis Sa. 11.00 – 17.00, So. ab
13.00 Uhr, Eintritt: 7 $, www.moffattladd.org

Die Albacore lief 1953 in Portsmouth vom Stapel. Sie war ein Expe- USS
rimental-Boot zur Erprobung der Tropfenform für den U-Boot- »Albacore«
Rumpf. 1972 wurde sie ausgemustert..
i Albacore Park, 600 Market St.; Memorial Day – Columbus Day tgl. 9.30 bis
17.00, sonst bis 16.30 Uhr, Eintritt: 7 $, www.ussalbacore.org

MM White Mountains
Region: White Mountains
a L 4 / 5
Höher: bis 1  917 m ü. d. M.

Im Norden New Hampshires laufen die von Alabama herauf-


ziehenden Appalachen zu Höchstform auf: Die White Moun-
tains, rau, wild und oft bestürzend schön, sind das beste Out-
door-Revier im Nordosten der USA und können mit allen
Wildnisgebieten im Westen des Landes mithalten.

Ihre bis in den Hochsommer schneebedeckten Gipfel hat der kalte Neuenglands
Wind aus Kanada zu kahlen Felsenkuppen geschliffen. Ihre engen Outdoor-
Täler und Pässe, hier »Notches« genannt, sind die einzigen Verkehrs- Paradies
wege durch die unzugängliche Wildnis, die ihre letzten Geheimnisse
erst zu Beginn des 19. Jh.s preisgegeben hat: Flume Gorge beispiels-
weise (“ S. 302) wurde erst 1808 von einer Anglerin entdeckt, die sich
verlaufen hatte. Die Baumgrenze liegt mit 1 200 m ungewöhnlich
niedrig. Schuld daran ist das subarktische Klima, das im Gipfelbe-
reich eine Flora erzeugt, die sonst erst 2 500 km weiter nördlich auf-
tritt. Vor allem der Gipfelbereich des Mt. Washington, mit 1 917 m
der höchste Berg der White Mountains, ist eine unwirkliche Mond-
landschaft. Über 2 500 km Wanderwege durchziehen die Wildnis,
darunter Amerikas berühmtester Fernwanderweg, der Appala-
chian Trail. Zahllose idyllische Picknickplätze und von der Straße
aus leicht erreichbare Naturschauspiele bringen die wilde Schönheit
der White Mountains auch weniger konditionsstarken Besuchern
näher. Im Winter ein Dorado für Skiläufer, sind die Berge während
des Indian Summer ein beliebtes Ziel der »Leaf Peeper«.
294 ZIELE    White Mountains

Wildromantische Szenerie in den White Mountains

Eine Der erste Weiße stand 1642 auf dem Gipfel des Mt. Washington,
mondäne doch erst im 19. Jh. wurde die herbe Schönheit der White Mountains
Vergangen- von amerikanischen Malern entdeckt. Angeregt von ihren Bildern,
heit kamen die Investoren: Wo die Künstler ihre Staffeleien aufgestellt
hatten, bauten sie luxuriöse Herbergen. Um 1900 waren die White
Mountains ein populäres Urlaubsziel der Ostküstenelite, mit rund
20 Grandhotels und sogar einer eigenen Eisenbahnlinie zur Küste.
Leider sind fast alle diese herrlichen Hotels inzwischen abgebrannt.
Nur das Mount Washington Hotel zu Füßen des Mount Washington
und das Balsams weiter nördlich in Dixville Notch erinnern noch an
diese elegante Ära. Stattdessen kann der Besucher auf eine breite
Übernachtungspalette zurückgreifen, die vom preiswerten Motel bis
zum Fünf-Sterne-Country-Inn reicht.

MM Mount Washington

Berg der Mit 1 916 m nicht einmal sonderlich hoch, hat der höchste Berg im
Superlative Nordosten andere Superlative zu bieten. Beispielsweise darf er sich
des launischsten Wetters außerhalb der Polarregionen rühmen: Je-
derzeit kann es schneien, seine jähen Wetterstürze sind berüchtigt.
Die Wetterstation auf seinem Gipfel registriert jährlich über 100 Stür-
me und 1934 maß sie hier die höchste je außerhalb eines Wirbel-
sturms festgestellte Windgeschwindigkeit: 372 Kilometer pro
Stunde! Verantwortlich für diese Turbulenzen ist Kaltluft aus Kana-
da, die sich am Mount Washington und den übrigen Gipfeln der Pre-
sidential Range staut und mit warmer Luft aus dem Süden und Wes-
ten zusammenstößt.
White Mountains    ZIELE 295

Die White Mountains erleben


AUSKUNFT rOmni Mount Washington
Mount Washington Valley Resort AAA
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www.mtwashingtonvalley.org lichen Grand Hotels in den White
Mountains
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Mountains Hwy., North Conway, NH, AKTIVITÄTEN
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Ambiente: Elch-Burger, Pasta und tial Ridge entlang des Appalachian Trail
üppige Salatplatten. einige Bergwanderhütten. Eine Wande-
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gebauter Inn mit guter Fusion Cuisine. der östlichen White Mountains
WISSEN Mount Washington
Special-Titel

©
297
297
298 ZIELE    White Mountains

Auf dem Gipfelstürmer können den Berg zu Fuß, im Auto und sogar per Ei-
Gipfel senbahn bezwingen. Doch Vorsicht: 40 Grad Temperaturunterschied
zwischen Tal und Gipfel sind nicht ungewöhnlich. Oben stehen ein
halbes Dutzend Gebäude in einer lebensfeindlichen Mondlandschaft,
darunter das 1853 errichtete Tip Top House, das älteste Berghaus
Amerikas, eine Sendeanlage und das bunkerartige Sherman Adams
Summit Building Sherman Adams Summit Building, das die Wet-
terstation, eine Cafeteria und ein kleines Museum beherbergt.
Unterhalb endet die Auto Road (“ S. 300) in einem Parkplatz und
auch die Mount Washington Cog Railway (“ S. 302). 300 Tage im
White Mountains    ZIELE 299

Jahr liegt der Berg in den Wolken, doch bei klarem Wetter reicht der
Blick bis ins kanadische Montréal.
Sherman Adams Summit Building: Öffnung witterungsabhängig,
Memorial Day – Labor Day tgl. 8.00 – 20.00 Uhr, Eintritt: 3 $, www.mount
washington.org

Pinkham Notch
Pinkham Notch ist ein Durchgangstal der östlichen White Moun- Von North
tains. Flankiert von den steil aufragenden Bergen der Presidential Conway nach
Range im Westen sowie Carter Mountain und Carter Dome im Os- Glen House
ten, folgt die Panoramaroute NH 16 einem 1790 vom Siedler Joseph
Pinkham angelegten Ochsenkarrenweg. Man kommt durch hübsche
Weiler, und Wanderwege schlagen sich von hier aus in die Wildnis.

Das wirtschaftliche Zentrum der White Mountains am Südende der North


Pinkham Notch steht ganz im Zeichen von Shopping Malls und Fac- Conway
tory Outlets. Besonders im Sommer kann der Durchgangsverkehr
deshalb äußerst zähflüssig sein. North Conways Motels und Hotels
machen den Ort aber zur kostengünstigen Übernachtungsalternative
zu den stilvolleren Country Inns der übrigen Orte. Die größte At-
traktion führt wieder aus North Conway heraus: Die M Conway
Scenic Railroad, eine historische Eisenbahn aus dem 19. Jh., bricht
täglich vom Bahnhof am Green aus zu Tagestouren durch das Saco
Valley und die wildromantische Crawford Notch auf.
Conway Scenic Railroad: 4. Juli – Weihnachten, tgl. ab 10.30 Uhr,
Tickets ab 17,00 $, www.conwayscenic.com

Der eine Viertelautostunde westlich von North Conway gelegene Echo Lake
State Park besteht im Wesentlichen aus der imposanten Granitwand State Park
Cathedral Ledge, die sich 213 m über das Saco Valley erhebt und
besonders bei Freeclimbern beliebt ist. An der Rückseite führt eine
Straße bis fast hinauf zur Kante, von wo aus man einen herrlichen
Blick über das Saco Valley zu den White Mountains hat. Der zu Fuß
erreichbare Echo Lake bietet gute Bademöglichkeiten.

Der Ort nördlich von North Conway ist das Drehkreuz zwischen Glen
Pinkham und Franconia Notch. Familien legen gern einen Zwischen-
stopp ein: Im Heritage New Hampshire Museum bestaunen die
lieben Kleinen zu Szenen aus der Geschichte New Hampshires zu-
sammengestellte Wachsfiguren, in Story Land gleich daneben kön-
nen sie durch ein liebevoll gestaltetes Märchenland wandern.
Heritage New Hampshire Museum: Di. – Sa. 9.30 – 17.00, So.
12.00 – 17.00 Uhr, Eintritt 5,50 $, /www.nhhistory.org
Story Land: Mitte Juni – Labor Day, tgl. 9.00 – 18.00 Uhr, Eintritt: 32,99 $,
www.storylandnh.com
300 ZIELE    White Mountains

M Jackson Die 15 Autominuten nördlich von North Conway liegende Dorfidyl-


le von Jackson lässt sich stilgerecht nur über die Honeymoon
Bridge, eine der schönsten überdachten Brücken Neuenglands, er-
reichen. Das alte Ferienresort der Ostküstenprominenz wurde in den
1980er-Jahren wiederbelebt und um einen Golfplatz erweitert. Heu-
te ist es ein angenehmes Ganz-Jahres-Resort, das im Winter mit herr-
lichen Langlauf-Loipen lockt.

Pinkham 18 mi/29 km nördlich von North Conway liegt an der NH 16 – und


Notch Visitor bereits zu Füßen des Mount Washington – der populärste Ausgangs-
Center & Joe punkt für Wandertouren durch die White Mountains. Das vom Ap-
Dodge Lodge palachian Mountain Club (AMC) betriebene Besucherzentrum be-
herbergt einen Outfitter-Shop und einen Trading Post, in dem man
Kartenmaterial und Bücher über die White Mountains erhält. Das
Zentrum ist auch ein bedeutender Trailhead: Hier beginnen zahlrei-
che herrliche Wanderwege, u. a. der sehr anstrengende, doch zu
grandiosen Aussichten führende MTuckerman Ravine Trail, auf dem
konditionsstarke Hiker in fünf Stunden den Gipfel des Mount Wa-
shington erreichen. Zum Zentrum gehört die rustikale Joe Dodge
Lodge mit ca. 100 einfachen Schlafstellen. Einen Kilometer südlich
vom Zentrum liegen die fotogenen Glen Ellis Falls.
AMC Visitor Center: tgl. 8.00 – 20.00 Uhr, www.outdoors.org

MM Mount Die Straße auf den Gipfel des Mount Washington gehört zu den
Washington spektakulärsten Panoramastraßen im Osten der USA. Sie be-
Auto Road ginnt am Besucherzentrum Glen House 8 mi/13 km nördlich vom
Pinkham Notch Visitor Center und arbeitet sich in atemberaubenden
Serpentinen durch alle Klima- und Vegetationszonen der Ostküste
zu ebenso atemberaubenden Aussichten empor. Die ca. 45-minütige
Fahrt kann entweder im eigenen Pkw oder aber im mehrmals täglich
von Glen House startenden Shuttlebus absolviert werden; Wohnmo-
bile sind nicht erlaubt. Übrigens: Alljährlich im Juni trifft man sich
hier zum Mount Washington Climb to the Clouds. Dies ist das
älteste Motorsport-Event Amerikas und wird seit 1904 abgehalten.
Mt. Washington Auto Road: witterungsabhängig, Mai – Okt.tgl. 9.00 bis
18.00 Uhr, Auto und Fahrer: 29 $, jeder weitere Erwachsene: 9 $, geführte
Tour: 36 $, Tel. 1 603 4 66 39 88, http://mtwashingtonautoroad.com?

Evans Notch “ Maine, S. 180

Crawford Notch
Von Glen Das breite Tal der Crawford Notch wurde von den Gletschern der
nach Fabyan letzten Eiszeit ausgehobelt. Auf seinem Boden folgen ihm Saco River
und US-302 von Glen im Osten nach Fabyan im Nordwesten. Flan-
White Mountains    ZIELE 301

kiert von den Webster Mountains und den Wiley Mountains, hinter
denen die südlichen Gipfel der Presidential Range aufragen, bereite-
te die Erschließung des Tales Ende des 18. Jh.s die weitere Besiedlung
des Nordens von New Hampshire vor. Entdeckt worden war das Tal
1771 von Timothy Nash, der sich auf der Jagd in diese Gegend ver-
irrte. Crawford Notch führt mitten durch das Herz der White Moun-
tains, vorbei an riesigen Geröllfeldern.

3,5 mi/5,5 km hinter dem verschlafenen Resortstädtchen Bartlett Bear Notch


zweigt eine 8 mi/13 km lange Straße zum Kancamagus Highway wei-
ter südlich ab. Sie windet sich durch die enge, dicht bewaldete Bear
Notch, die besonders während des Indian Summer ein farbenpräch-
tiges Schauspiel bietet.

Kurz vor der engsten Stelle des Tals rauscht der Saco River über M Crawford
mächtige Granitblöcke die Arethusa Falls talwärts. Die mit über Notch State
60 m höchsten Wasserfälle New Hampshires sind vom Parkplatz aus Park
auf einem zweistündigen Rundwanderweg erreichbar. Auf der ande-
ren Seite des Passes steht das vom Mt. Webster überragte Willey
House. Ein Schild erzählt die tragische Geschichte der Willeys: In
einer Herbstnacht 1826 stürzte die gesamte Familie ins Freie, um sich
vor einer Gerölllawine in Sicherheit zu bringen, doch kurz oberhalb
des Hauses teilte sich die Lawine und tötete alle. Nur der Hund über-
lebte – er war als Einziger im Haus geblieben. Nördlich davon liegt
neben der Straße der schöne Wasserfall Silver Cascade, wo der Saco
River zum Baden hervorragend geeignete Becken in den Fels ge-
schliffen hat.
Das wie ein Kreuzfahrtschiff zu Füßen des Namensgebers ankernde
Mount Washington Hotel (Omni Mount Washington Resort) ist
das letzte der herrlichen Grandhotels der White Mountains. 1902
eröffnet und als Bretton Woods sogar mit eigener Postleitzahl, ka-
men in den 1920ern bis zu 20 Züge
täglich mit neuen Gästen an. 1944 Kaffee mit Aussicht
tagte hier die Bretton-Woods-Konfe-
TIPP

renz, im Rahmen derer die Alli­ierten Die 300 Meter lange umlaufende
die Gründung der Weltbank be- Veranda des Mount Washington
schlossen. In der Folgezeit bedenk- Hotel ist der beste Ort für Kaffee
lich heruntergekommen, erlebte das und Kuchen in den White Moun-
Anwesen ab 1991 eine Revitalisie- tains, denn sie bietet einen herrli-
rung. Selbst wer nicht hier absteigt, chen Blick auf den berühmten Ge-
sollte sich das von Golfplätzen um- birgsstock.
gebene Hotel nicht entgehen lassen
um beispielsweise die knapp 100 m lange Lobby zu bewundern. Auch
der oktagonale Speisesaal – die hauseigene Bigband spielt
­allabendlich auf – steht Tagesbesuchern offen. Allerdings besteht
Jackett­zwang.
302 ZIELE    White Mountains

Die Cog Railway ist auf dem Gipfel des Mount Washington angelangt.

MM Mount Seit 1869 keucht die kleine Lokomotive den Mount Washington hi-
Washington nauf – stur, unverdrossen, verlässlich. Einen fast ebenso alten Wag-
Cog Railway gon vor sich herschiebend, wiederholt sie dabei täglich ihren Weltre-
kord: Sie meistert Steigungen bis zu 37 Prozent, wobei sie pro Tour
eine Tonne Kohle frisst und bis zu 4 000 l Wasser säuft. Während der
dreistündigen Hin- und Rückfahrt – auf dem Gipfel sind 20 Minuten
Aufenthalt eingeplant – erklären Zugbegleiter die einfache, aber
wirksame Brems- und Kühltechnik. Man ist gut beraten, warme Klei-
dung an und viel Geld dabei zu haben.
Mt. Washington Cog Railway: Marshfield Base Station 10 km östl. von
Fabyan, Base Rd.; Ende April – Anfang Dez. Abfahrten mehrmals tgl. ab
10.30, im Sommer bereits ab 8.30 Uhr, Ticket: 69 $, Fahrpläne und Tickets
Tel. 1 603 2 78 54 04, http://thecog.com

MM Franconia Notch

Von Lincoln Das enge, in Nord-Süd-Richtung verlaufende, V-förmige Tal trennt


nach die Höhenzüge der Kinsman und Franconia Ranges und ist mit sei-
Franconia ner Konzentration beeindruckender Naturschauspiele die schönste
Notch der White Mountains. Am Talboden folgen, einander hin
und wieder überschneidend, die I 93 und die ältere US 3 dem Pemi-
gewasset River. Besonders spektakulär ist der Abschnitt zwischen
Lincoln und Franconia im Norden. 7 mi/11 km westlich des Resort-
städtchens liegt an der NH 112 zunächst die enge Lost River Gorge,
wo man zwischen mächtigen Felsblöcken auf Treppen und Planken-
wegen zum tief unten rauschenden Wasser hinabsteigt.
Weiter nördlich erreicht man im Franconia Notch State Park die
M Flume Gorge, eine 30 m tiefe und stellenweise nur 3 m breite
White Mountains    ZIELE 303

Schlucht. Das eindrucksvolle Naturschauspiel kann man auf einem


Plankenweg dicht über dem rauschenden Flume Brook bis zu einem
über mehrere Stufen stürzenden Wasserfall verfolgen.
Bis Mai 2003 konnte man weiter nördlich an der Südflanke des Can-
non Mountain noch eine Attraktion bestaunen, doch dann brachen
Nase und Kinn der Old Man of the Mountain genannten Felsfor-
mation hoch über dem Interstate 93 ab und rauschten unwiderruflich
zu Tal.
Wenige Autominuten weiter verkehren die Gondeln der M Cannon
Mountain Aerial Tramway zwischen Tal und Cafeteria auf dem
Gipfel. Von hier aus reicht der Rundumblick über die White Moun-
tains und bis nach Kanada.
Lost River Gorge: Mai – Okt. tgl. 9.00 – 16.00, Juli – Aug. bis 18.00 Uhr,
Eintritt: 19 $, www.findlostriver.com
Flume Gorge: Anf. Mai – Mitte Okt. tgl. 9.00 – 17.00, Juli – Aug. bis 17.30
Uhr, Eintritt: 16 $, www.nhstateparks.org/explore/state-parks/flume-gorge
Cannon Mountain Aerial Tramway: I-93, Exit 34B; Ende Mai – Mitte Okt.
tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Ticket: 17 $, http://cannonmt.com/aerial-tramway.html

M Kancamagus Highway

Die nach einem Indianerhäuptling aus der Kolonialzeit benannte Pa- Von Lincoln
noramastrecke (NH 112) verbindet Lincoln mit dem 50 km entfern- nach Conway
ten Conway. Gesäumt von dichten Ahorn- und Birkenwäldern, bietet
sie vor allem im Indian Summer einen der schönsten Roadtrips Neu-
englands. Neben der Straße fließen munter der Swift und der Pemi-
gewasset River. Beide rauschen glasklar über mehrere Stufen nach
Osten. Aussteigenswert sind unterwegs die fotogenen, zum Baden
geeigneten Sabbaday Falls und der wegen seines Blicks auf die
White Mountains beliebte Mount Chocorua (1 061 m ü. d. M.), des-
sen Besteigung man vom Parkplatz am Champney Falls Trailhead aus
in – schweißtreibenden – fünf Stunden bewerkstelligen kann.

Polar Caves Park


5 mi/8 km westlich von Plymouth am Südrand der White Mountains
erreicht man auf der NH 25 den Polar Caves Park. Plankenwege füh-
ren zu spektakulären Höhlen und Passagen, darunter in die kühle Ice
Cave und zu einer besonders engen Passage namens Lemon Squee-
ze. In der (fast) pechschwarzen Cave of Total Darkness leuchten ab
und an fluoreszierende Mineralien wie Quarz und Beryll auf. Festes
Schuhwerk ist empfehlenswert!
Polar Caves Park: 705 New Hampshire 25, Rumney, NH 03266; Mitte
Mai – Okt. tgl. 9.00  – 17.00 Uhr, Eintritt: 17,50 $, www.polarcaves.com
Kapitel-/
New York
Regioneneinstieg
New York    ZIELE 305
305

NEW YORK
Fläche: 122 310 km²
Einwohner: 20 Mio.
Hauptstadt: Albany
Beiname: Empire State

Wer denkt bei »New York« – und das


zu Recht – nicht sofort an die Stadt
der Städte? Doch hieße es dem Bun-
desstaat Unrecht tun, wollte man
ihn nur auf die Metropole reduzieren, denn landschaftlich zu
abwechslungsreich zeigt sich der Empire State: New York
State ist deutlich mehr als einzig New York City.

New York State erstreckt sich zwischen der Atlantikküste und den Landschaft-
Großen Seen und ist der größte Flächenstaat im Nordosten der USA. liche
Im Südosten hat New York Anteil an der großen Atlantischen Küs- Schönheit
tenebene, nördlich davon und östlich des Hudson River erstreckt
sich das New England Upland als sanft gewelltes Hügelland. Ent-
lang der beiden größten Flüsse des Bundesstaats zieht sich das Hud-
son-Mohawk-Tiefland, eine fruchtbare, 15 bis 50 km breite Talland-
schaft. Westlich des Hudson River erheben sich die Catskill
Mountains als nördliche Ausläufer der Appalachen. Den Westen des
Bundesstaats dominiert das Appalachian Plateau, eine abwechs-
lungsreiche, von ausgedehnten bewaldeten Hochflächen geprägte
Mittelgebirgslandschaft, zu der auch die besonders markanten Finger
Lakes gehören.
Seine nördliche Fortsetzung findet das Appalachian Plateau jenseits
des Mohawk Valley im Tug Hill Plateau, dank seines Schneereich-
tums bei Wintersportlern sehr beliebt. Östlich davon trifft man auf
die Adirondack Uplands mit den höchs­ten Erhebungen des Bundes-
staats, darunter den 1 629 m hohen Mount Marcy. In den Adirond-
acks entspringt der Hudson River, der ab Albany ganzjährig schiff-
bar ist. Ganz im Norden des Empire State breitet sich das fruchtbare
St.-Lorenz-Tiefland aus und im Nordwesten erstreckt sich das eben-
falls stark landwirtschaftlich genutzte Erie-Ontario Lowland entlang
der beiden gleichnamigen Großen Seen.

Als einer der ersten Europäer hat der Italiener Giovanni da Verraza- Geschichte
no 1524 jenen Küstenabschnitt erkundet, an dem sich heute New
York City ausdehnt. Damals lebten hier Stämme der östlichen Wald-
Zwar ist New York State nicht mit New York gleichzusetzen – aber
was wäre der Bundesstaat ohne diese Megastadt?
306 ZIELE    New York

Highlights in New York


▶▶ Adirondacks
Erlebnis pur: Trekking, Paddeln,
Ski ...
““Seite 307

▶▶ Finger Lakes ▶▶ New York City


Das zweitgrößte Weinanbau­- Die Stadt der Städte ist wahrlich
gebiet der USA ein Erlebnis.
““Seite 327 ““Seite 344

▶▶ Hudson Valley ▶▶ Niagara Falls


Schöne Flusslandschaft, noble Villen, Die berühmtesten Wasserfälle
tolle Gastronomie der Welt
““Seite 333 ““Seite 369

landindianer. Im Jahr 1609 segelte Henry Hudson im Auftrag der


holländischen Kolonisten den heute nach ihm benannten Fluss hin-
auf bis nach Albany und im gleichen Jahr erkundete der Franzose
Samuel de Champlain von Québec kommend das Gebiet um den See,
der heute seinen Namen trägt. Peter Minnewitt kaufte 1626 den In-
dianern die Insel Manhattan ab und gründete die Kolonie Nieuw
Amsterdam, die 1664 an die Engländer abgetreten wurde, die sie in
New York umbenannten. In der Folgezeit waren Auseinandersetzun-
gen zwischen Briten und Franzosen an der Tagesordnung. Erst der
im 1763 ausgehandelte Vertrag von Paris klärte die Eigentumsver-
hältnisse in Nordamerika.
Am 4. Juli 1776 erklärten die Kolonien ihre Unabhängigkeit und
1777 gab sich New York eine Verfassung; elf Jahre später trat es als
elfter Gründungsstaat der Union bei, deren Hauptstadt für kurze
Zeit New York City war. Von 1812 bis 1814, als die Amerikaner Krieg
gegen die Briten führten, war der Bundesstaat Schauplatz heftiger
Kämpfe, in deren Verlauf die Briten Buffalo niederbrannten. Vom
Sezessionskrieg blieb die Region allerdings weitgehend verschont,
obwohl Truppen aus New York auf Seiten der Union kämpften. Dank
seiner Bevölkerungsstärke und Wirtschaftskraft hat sich der junge
»Empire State« bereits in der ersten Hälfte des 19. Jh.s eine herausra-
gende Stellung erarbeiten können; erst Mitte der 1960er-Jahre wurde
ihm von Kalifornien der Rang abgelaufen. Bis heute herrscht ein
enormer Gegensatz zwischen der Großstadt New York als einem der
größten Ballungsgebiete der Erde und ihrem sehr ländlich geprägten
Hinterland.
Adirondacks    ZIELE 307

Mit 19, 4 Mio. Einwohnern steht New York State an dritter Stelle un- Bevölkerung
ter den US-Bundesstaaten. Eine Sonderstellung nimmt der Ballungs-
raum von New York City ein, wo ca. 40 % der Gesamtbevölkerung
leben, wovon wiederum die Afro-Amerikaner ca. ein Viertel und
Hispanos ca. ein Fünftel der Einwohner stellen. Dagegen spielen die-
se Minderheiten in Upstate New York eine weniger bedeutende Rol-
le. Weitere größere Städte sind Buffalo mit 261 000 Einwohnern, Ro-
chester (210 000) und Syracuse (145 000). Hauptstadt ist das am
Hudson-River gelegene Albany mit 95 000 Einwohnern. Im Empire
State leben noch einige tausend Nachkommen von Indianern, die
ursprünglich den Iroqouis und Algonquin sprechenden Stämmen
angehörten. 1570 haben sich die Cayuga, Mohawk, Oneida, Onon-
daga und Seneca zum Irokesenbund zusammengeschlossen, die
nicht nur gegen die weißen Einwanderer zu Felde zogen, sondern
auch die feindlichen Algonquin-Stämme vertrieben.

Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind Fleisch (bes. Wirtschaft


Geflügel), Milch, Eier, Gemüse und Obst. Bedeutung hat auch der
Weinbau in der Finger Lakes Region, dem zweitgrößten Anbauge-
biet in den USA. Industrielles Zentrum ist der Ballungsraum um
New York City, wo die Hälfte aller industriellen Erzeugnisse des ge-
samten Bundesstaats erzeugt wird (chemische und pharmazeutische
Produkte, Maschinen und Elektrogeräte, Textilien, Nahrungs- und
Genussmittel, Druckerzeugnisse). Neben New York City haben sich
auch die Regionen Buffalo (Metallindustrie), Rochester und Albany
profilieren können. Der mit Abstand bedeutendste Wirtschaftszweig
ist die Dienstleistungsbranche, die heute etwa vier Fünftel des Brut-
tosozialprodukts erwirtschaftet. Mehr als dominant ist die Stellung
von New York City, dem bedeutendsten Handels- und Finanz-
platz der westlichen Hemisphäre. Auf den drei großen New Yorker
Flughäfen werden jährlich weit über 70 Mio. Passagiere abgefertigt.
Damit ist New York City das mit Abstand wichtigste Ziel des natio-
nalen und internationalen Luftverkehrs.

MM Adirondacks
Region: The Adirondacks
a G – J 4 / 5
Höhe: 560 – 1 629 m ü.d.M..

In den Adirondacks leben nur rund 100 000 Menschen, aber


jährlich zählt man über zehn Millionen Besucher – kein Wun-
der, denn das dicht bewaldete und seenreiche Gebirge mit
dem 1 629 m hohen Mount Marcy ist ein Outdoor-Paradies par
excellence.
308 ZIELE    Adirondacks

Die Adirondacks erleben


AUSKUNFT se Unterkunft vom Beginn des 20. Jh.s;
Adirondack Regional Tourism herrlicher großer Patio, Seeterrasse.
Council Zimmer mit Möbeln örtlicher Handwer-
PO Box 911, Lake Placid, NY 12946 ker und meistens mit offenem Kamin;
Tel. 1 518 8 46 80 16 neues Haupthaus.
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The Lake Champlain Inn AA
ESSEN 428 County Rte.3
Great Adirondack Steak & Putnam Station, NY 12861
Seafood Company AAA Tel. 1 518 5 47 99 42, www.tlcinn.com
2442 Main St. Lake Placid 6 Zimmer. Viktorianisches Haus von
Tel. 1 518 5 23 16 29 1870. Dass die Zimmer nicht allzu groß
Der Name des Lokals sagt genau, was sind, wird wettgemacht durch die tolle
hier am Mirror Lake in guter Qualität auf Aussicht hinaus auf den See, die Berge
den Tisch kommt. Was er nicht sagt: und den schönen Park.
Auch eine sehr gute Hausbrauerei ist
vorhanden. WANDERN
Adirondack Mountain Club
ÜBERNACHTEN Tel. 1 518 6 68 44 47, http://adk.org
Lake Placid Lodge AAAA Gute Wanderführer und -karten gibt
144 Lodge Way, Lake Placid, NY 12946 der Adirondack Mountain Club (AMC)
Tel. 1 518 5 23 27 00 heraus. Es gibt sie in allen gut sortier-
www.lakeplacidlodge.com ten Buchhandlungen und Outdoor-
34 Zimmer und Cabins. Rustikal-luxuriö- geschäften.

Natur- Dementsprechend gibt es ganzjährig ein überreiches Angebot an


erlebnis Freizeit- und Sportmöglichkeiten sowie eine stattliche Zahl von Un-
terkünften. Zahlreiche Seen und Flussläufe machen das Waldgebirge
zu einem Eldorado für Kanuten und Angler, die ihre Zentren in
North Creek, Old Forge, Lake Luzerne und Indian Lake haben. Wan-
derer und Mountainbiker finden über 3 000 km markierte Wege;
Reitställe bieten Ausritte in die faszinierende Natur an und im Win-
ter herrschen ideale Bedingungen für Skiläufer aller Gattungen. Be-
vor europäische Einwanderer in dieses Waldgebirge vordrangen, war
es das Jagd- und Siedlungsgebiet der Mohawk. Die weißen Ankömm-
linge versuchten zwar, das Land urbar zu machen. Doch sie scheiter-
ten an den ungünstigen Böden und zu kurzen Vegetationsperioden,
sodass heute über 40 % der Fläche in Staatsbesitz sind. Seit 1885 ste-
hen die Adirondacks unter Naturschutz. Bereits 1892 wurde der Adi-
rondack Park ausgewiesen, mit mehr als 24 000 km² ist er heute noch
das größte Naturschutzgebiet im Osten der USA. Hier konnte
sich glücklicherweise ein Großteil der ursprünglichen Pflanzen- und
Tierwelt halten.
Adirondacks    ZIELE 309

Südöstliche Adirondacks · Lake George


Größte Siedlung im Südosten der Adirondacks ist die am Hudson Glen Falls
River gelegene 15 000-Einwohner-Stadt Glen Falls, guter Ausgangs-
punkt für Ausflüge an den Lake George, den südlichen Lake Cham-
plain und den Great Sacandaga Lake. Kunstfreunde besuchen hier
die Hyde Collection mit Werken von El Greco, Rubens, Rembrandt,
Cézanne, Renoir, Degas, Van Gogh und Picasso. In einem hübschen
viktorianischen Haus befasst sich das Chapman Historical Museum
mit der Regionalgeschichte. Wasserratten und Vergnügungssüchtige
kommen im Great Escape & Splashwater Kingdom nördlich von
Glen Falls voll auf ihre Kosten: Wasserrutschen, Wellenbecken, ra-
sante Fahrgeschäfte, bunte Shows.
Hyde Collection: 161 Warren St., Di. – Fr. 11.00 – 16.00, Sa., So.
12.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 15 $, www.hydecollection.org
Chapman Historical Museum: 348 Glen St., Di. – Fr. 11.00 – 16.00, Sa., So.
12.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 5 $, www.chapmanmuseum.org
Great Escape & Splashwater Kingdom: 1172 State Route 9, Queensbury,
NY 12804, Eintritt 57,99 $, Parkgebühr 20 $, www.sixflags.com/greatescape

Der Lake George, ca. 12 mi/20 km nördlich von Glen Falls, wurde M Lake George
1646 von einem französischen Jesuitenpater entdeckt und bietet
dank einer Unzahl von Inselchen geradezu ideale Voraussetzungen
für Angler und Wassersportler.
An seiner Südspitze liegt Lake George Village, das hektisch-betrieb-
same Zentrum für die gesamte Ferienlandschaft um den See, den
man von hier per Schaufelraddampfer erkunden kann. Am südlichen
Ortsrand errinnert ein Nachbau des historischen Fort William Hen-
ry an die unruhigen Zeiten im 18. Jh., als sich Engländer, Franzosen
und Indianer bekriegten.
i Canada St., Ecke US 9 / NY 9 N, Mai – Ende Okt. tgl. 9.00 – 18.00 Uhr,
Eintritt: 16,75 $, www.fwhmuseum.com

Westlich des Lake George verstecken sich einige wesentlich beschau- Westlich des
lichere kleinere Seen wie Brant Lake, Paradox Lake oder Schroon Lake George
Lake. In der Ortschaft Brant Lake verschafft das Horicon Museum in
einem um 1800 entstandenen Bauernhaus Einblicke in das beschwer-
liche Leben jener Zeit.

Lake Champlain und Umgebung


Der Lake Champlain, der die Grenze zu Vermont markiert, wird we- M Lake
gen seiner Länge (rund 200 km) oft als »Sechster Großer See« be- Champlain
zeichnet. Bereits 1609 wurde er vom französischen Voyageur Samu-
el de Champlain erforscht. Große wirtschaftliche Bedeutung hatte
310 ZIELE    Adirondacks

Die Franzosen legten 1755 das mächtige Fort Ticonderoga an.

einst der Holzreichtum der Gegend, sodass bis Mitte des 19. Jh.s
weite Flächen abgeholzt wurden, um Bauholz und Holzkohle für die
Eisenverhüttung zu gewinnen. Danach begannen Farmer auf den
abgeholzten Flächen Landwirtschaft zu betreiben.

M Fort Auf der Landenge, die den Lake Champlain von der Nordspitze des
Ticonderoga Lake George trennt, liegt Fort Ticonderoga, 1755 von den Franzosen
erbaut. Vier Jahre später fiel es an die Engländer. Diese wiederum
mussten es 1775 an die um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Ame-
rikaner abgeben. 1777 wurde es von den Briten zwar zurückerobert,
verlor aber bald seine strategische Bedeutung und zerfiel. Noch heu-
te beeindrucken die kolossalen Sandstein-Bastionen und tiefen Grä-
ben. Historisch Uniformierte lassen das 18. Jh. wieder aufleben.
i Anf. Mai – Mitte Okt. tgl. 9.30 – 17.00 Uhr, Eintritt: 22 $, Mitte – Ende Okt.
10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 10 $, www.fortticonderoga.org

Crown Point 16 mi/26 km nördlich von Ticonderoga kann man die Reste einer
Historic Site bereits 1737 errichteten französischen Wehranlage inspizieren. Sie
wurde 1759 von den Briten eingenommen. Diese erbauten weiter
südwestlich noch das wesentlich größere Fort Crown Point. Von hier
bietet sich ein herrlicher Ausblick auf den See und hinüber nach Ver-
mont.

Essex Von Crown Point führt die NY 22 weiter nach Norden über das hüb-
sche, 1765 gegründete Städtchen Essex mit mehr als 150 von 1790 bis
1860 errichteten Gebäuden. Einige Meilen weiter nördlich lohnt ein
Stopp am Ausable Chasm, wo sich der Ausable River durch eine
spektakuläre, stellenweise bis zu 60 m tiefe Klamm zwängt.
Adirondacks    ZIELE 311

Am nordwestlichen Ufer des Lake Champlain, wo sich der Saranac Plattsburgh


River in den See ergießt, liegt Plattsburgh, Standort der State Univer-
sity of New York (SUNY). Einen Besuch verdient das 1797 erbaute
und mit kostbarem Mobiliar ausgestattete Kent-Delord House. Vom
Pier an der Dock Street legt die »Juniper« in den Sommermonaten
zu Ausflugsfahrten auf dem Lake Champlain ab.

Lake Placid · Nördliche Adirondacks


Der bekannteste Ort in den Adirondacks ist Lake Placid (574 m M Lake Placid
ü. d. M.) zu Füßen der höchsten Berge der Adirondacks, 1932 und
1980 Austragungsort der Olympischen Winterspiele. Er bietet sich
das ganze Jahr über als quirlige Touristenhochburg dar: klotzige
Olympiabauten, großzügige Hotel- und Motelkomplexe, überquel-
lende Sport- und Souvenirgeschäfte, edle Boutiquen und schreiend-
bunte Fast-Food-Lokale prägen das Bild.
An der Main Street dominiert das Olympic Center mit der Arena, in
der die Eröffnungs- und Schlussfeier der Winterolympiade 1932
stattgefunden hat und die heute als Eisstadion dient. 1980 wurden
hier die Entscheidungen im Eisschnelllauf, Eiskunstlauf und Eisho-
ckey ausgetragen. Die Geschichte der Spiele in Lake Placid stellt das
Olympic Museum vor.
Südlich außerhalb liegt John Brown Farm. 1855 hat sich der wohl
radikalste Gegner der Sklaverei hier niedergelassen. John Brown
überfiel 1859 mit Gesinnungsgenossen ein Waffenarsenal in West
Virginia und wollte damit zum bewaffneten Widerstand gegen die
Sklavenhalter aufrufen und gleichzeitig die Sklaven mit den erbeute-
ten Waffen ausrüsten. General Robert E. Lee zwang ihn jedoch zur
Aufgabe. Brown wurde Dezember 1859 gehenkt und auf seiner Farm
begraben.
Ganz in der Nähe der Farm fanden 1980 die olympischen Wettbe-
werbe im Skispringen statt. Vom Turm der 120-Meter-Olympia-
Sprungschanze bietet sich ein phänomenaler Rundblick.
Olympic Museum: 2634 Main St.; tgl. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 6 $,
www.whiteface.com/activities/museum
John Browns Farm: Führungen Mai – Okt. Mi. – Sa. 10.00 – 17.00, So.
12.00 bis 17.00 Uhr, Eintritt 2$, http://nysparks.state.ny.us/historic-sites
Olympic Jumping Complex: Führungen Mi. – So, 9.00 – 16.00 Uhr,
Eintritt: 11 $, www.whiteface.com/activities/jumptour

14 mi/22 km südöstlich oberhalb von Lake Placid kommt man via Mount Van
NY 73 in die zauberhafte Bergwelt am Mount Van Hoevenberg. Dort Hoevenberg
oben wurden 1980 die Bob- und Rodel- sowie die Skilanglauf- und
Biathlon-Wettbewerbe ausgetragen. Wer Nervenkitzel sucht, kann
eine rasante Fahrt auf der Sommerbobbahn hinlegen.
312 ZIELE    Adirondacks

Eine lohnende, aber nur für geübte Bergwanderer empfehlenswerte


Tour führt von der Mount Hoevenberg State Recreation Area süd-
wärts zum 1 629 m hohen Mount Marcy.

High Falls Von Lake Placid auf der NY 86 nordostwärts erreicht man nach
Gorge 8 mi/13 km die High Falls Gorge, eine Schlucht mit spektakulären
Wasserfällen des Ausable River. Die alpinen Wettbewerbe von 1980
fanden am Whiteface Mountain ganz in der Nähe der High Falls
Gorge statt. Hier gibt es die längsten und steilsten Abfahrten öst-
lich der Rocky Mountains.
Von Wilmington führt der Whiteface Mountain Veterans' Memo-
rial Highway auf den 1483 m hohen Whiteface Mountain durch eine
atemberaubende Landschaft. Unterwegs passiert man den Ort North
Pole. Seit 1949 gibt es hier den Themenpark »Santa's Home Work-
shop«, denn Santa Claus wohnt im
Adirondack Scenic Railroad Glauben amerikanischer Kinder am
Nordpol. Vor der Kulisse eines ro-
mantischen Alpendorfs wird bereits
TIPP

Ein besonderes Landschaftserleb-


nis verspricht eine Fahrt mit der ab Ende Juni Weihnachten gespielt,
Adirondack Scenic Railroad ab mit Weihachtsmann und echten
Thendara Station oder Utica. Die Rentieren.
(modernen) Züge verkehren von Whiteface Mountain Veterans‘
Mai bis Mitte Oktober. Weitere Memorial Highway: NY 431, Ende
Infos: Tel. *1 800 8 19 22 91, Mai bis Anf. Okt. tgl. 9.00 – 16.00 Uhr,
www.adirondackrr.com Maut: 10 $ pro Fahrzeug, www.
whiteface.com

Saranac Lake Der größte Ort in den nördlichen Adirondacks, Saranac Lake, liegt
knapp 10 mi/16 km nordwestlich von Lake Placid am unteren Ende
einer landschaftlich herrlichen Treppe aus drei Seen. Hier eröffnete
in den 1880er-Jahren Dr. Edward Livingston Trudeau ein Sanatori-
um für Lungenkranke, in dem er auch den schottischen Schriftsteller
Robert Louis Stevenson (1850 – 1894) als Patienten begrüßen
konnte, den Verfasser der »Schatzinsel« und des »Dr. Jekyll und Mr.
Hyde«. Das Robert Louis Stevenson Memorial Cottage hält Erin-
nerungen an den weltberühmten Autor, darunter Erstausgaben, No-
tizen, Fotos und von ihm geschaffene Holzschnitte.
i 44 Stevenson Lane, Juli – Columbus Day Di. – Sa. 9.30 – 12.00 u. 13.00 bis
16.30 Uhr, Eintritt: 8 $, www.robertlouisstevensonmemorialcottage.org

Südwestliche Adirondacks
M Adirondack Schön liegt das Adirondack Museum über dem Blue Mountain Lake.
Museum Hierher hat man einige für die Adirondacks typische Bauten versetzt,
darunter das »Log Hotel« von 1876, das »Adirondack Cottage«, in
Albany    ZIELE 313

dem der Landschaftsmaler Gustav Wiegand zwischen 1900 und


1920 lebtte, und ein Schulhaus von 1907. Selbstverständlich erfährt
man Interessantes über traditionelles Handwerk und in der interak-
tiven Ausstellung »The Great Outdoors« lässt sich gefahrlos und
doch mit Nervenkitzel die Bergwelt erkunden.
i 9097 State Route 30, Blue Mountain Lake, Ende Mai – Mitte Okt. tgl.
10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 18 $, www.adkmuseum.org

Wer die unberührte Natur um Great Camp Sagamore 4 mi/6 km süd- M Great Camp
lich von Raquette Lake in Augenschein nimmt, versteht, warum sich Sagamore
1897 der Ostküsten-Industrielle William West Duran eine rustikale,
aber luxuriös ausgestattete Sommerresidenz bauen ließ, die er schon
1901 an Alfred G. Vanderbilt verkaufen musste. 50 Jahre war Saga-
more dann Sommersitz der Vanderbilts. Bei einer Führung lernt
man, wie die Millionäre in der Wildnis gelebt haben – u. a. mit bis zu
200 Bediensteten und Dutzenden von Gästen. Besonders malerisch:
das Lower Camp auf einer Halbinsel im Raquette Lake. Kurios: ein
Extra-Gebäude für Spiele und eine Bowling-Anlage im Freien.

i Führungen Ende Mai –  Mitte Juni Sa., So. 13.30, Mitte Juni – Sept. tgl.
10.00 u. 13.30, Sept. –  Mitte Okt. tgl. 13.30 Uhr, Ticket inkl. Tour: 16 $,
http://greatcampsagamore.org

Die NY 28 durchquert südwärts die Fulton Chain of Lakes. Von Old Fulton Chain
Forge lohnen eine Dampferfahrt auf den miteinander verbundenen of Lakes
Seen und die Fahrt mit dem Sessellift auf den McCauley Mountain.
Oder man besucht mit Kindern den Vergnügungspark Enchanted
Forest mit dem größten Wasserpark im Staat.

Albany
Region: Capital - Saratoga
aJ6
Höhe: 46 m ü. d. M.
Einwohner: 100 000

Albany hat es nicht leicht, zieht es als Bundeshauptstadt doch


eher Geschäftsleute und Politiker denn Touristen an. Wer aber
kommt, findet eine geschichtsträchtige Stadt mit zwei kolos-
salen Bauten.

Henry Hudson beendete 1609 hier seine Fahrt mit der »Half Moon« Hauptstadt
flussaufwärts von Manhattan aus. 1614 richtete die holländische des Bundes-
Westindische Compagnie einen Pelzhandelsplatz namens Beverwyck staates New
ein, der 1624 die ersten Siedler, hauptsächlich Holländer, Norweger, York
Dänen, Deutsche und Schotten, unter dem Schutz von Kiliaen Van
314 ZIELE    Albany

Rensselaer anzog. Vier Jahrzehnte später übernahmen die Briten den


Stützpunkt, von dem aus sie in den noch unerschlossenen Westen
vordrangen. 1797 wurde Albany zur Hauptstadt des Bundesstaats
New York erhoben. Der 1825 eröffnete Erie-Kanal machte Albany zu
einem enorm wichtigen Warenumschlagplatz, bis 1918 der größere
New York State Barge Canal in Betrieb genommen wurde.

Sehenswertes in Albany
State Capitol Das markanteste Gebäude der Stadt, das State Capitol, thront auf der
Anhöhe über dem Hudson. Sein Bau zog sich von 1867 bis 1899 hin
und verschlang die für damalige Verhältnisse schwindelerregende
Summe von 25 Mio. Dollar. Im Gegensatz zu vielen anderen Bundes-
staaten orientierten sich die hiesigen Baumeister nicht am Kapitol in
Washington, DC, sondern ließen sich von französischen Schlössern
inspirieren. Schon die Treppenhäuser spiegeln die Pracht wider, die
in den einzelnen Sälen zu unbeschreiblicher Opulenz gesteigert wird.
i State Street, Führungen n. V. Mo. – Fr. Tel. 1 518 4 74 24 18, Eintritt frei,
http://nyassembly.gov.

Empire State An Gigantismus kaum zu überbieten ist das Verwaltungs- und Kul-
Plaza turzentrum »Empire State Plaza«, zwischen 1962 und 1978 auf Initi-
ative von Gouverneur Nelson A. Rockefeller errichtet. Im Zentrum
steht das »Ei«, in dem das Performing Arts Center untergebracht ist;
alles überragt der 42 Stockwerke hohe Corning Tower, das höchste
Gebäude zwischen New York City und Chicago. Ganz oben be-
findet sich eine Aussichtsplattform.

Albany erleben
AUSKUNFT ÜBERNACHTEN
Albany Heritage Visitors Center The Morgan State House AAA
25 Quackenbush Sq.,Albany, NY 12207 393 State St., Albany, NY 12210,
Tel. 1 518 4 34 12 17, www.albany.org Tel. 1 518 4 27 60 63
www.statehouse.com
ESSEN 16 Zimmer. Geschmackvoll möbliertes
Albany Pump Station AA Inn im Stadtzentrum, guter Service.
19 Quackenbush Sqare
Tel. 1 518 4 47 90 00 SHOPPING
Der in einer alten Pumpstation einge- Crossgates Mall
richtete Brauerei-Pub bietet abwechs- I-87 Exit 24, www.shopcrossgates.com
lungsreiche und handfeste amerikani- Ca. 125 Geschäfte bieten Kleider,
sche Küche. Elektronik, Schmuck etc.
Albany    ZIELE 315

Das State Capitol wird vom Empire State Plaza fast erdrückt.

Im Riesenbau des Cultural Education Center stellt das New York Sta- M New York
te Museum den »Empire State« vor. Dazu gehören u. a. eine Abtei- State
lung über die Mohawk-Indianer und auch eine Ausstellung über Museum
die Zerstörung des World Trade Center in New York City am
11. September 2001.
i Eagle & Swan Sts., tgl. 9.30 – 17.00 Uhr, Eintritt frei, www.nysm.nysed.gov

Die Stadt und ihr Umland aus dem Blickwinkel von Künstlern zeigt Albany
das Albany Institute of History & Art u. a. anhand von Gemälden der Institute of
Hudson River School. Weitere Abteilungen befassen sich mit Kunst- History & Art
handwerk und Altägyptischem.
i 125 Washington Ave.; Mi. – Sa. 10.00 – 17.00, So. 12.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt: 10 $, www.albanyinstitute.org

Die Shaker Heritage Society im Nordwesten der Stadt erinnert an die Shaker
erste, 1776 gegründete Siedlung der Shaker in Amerika; allerdings ist Heritage
nur das 1848 erbaute Gemeindehaus erhalten. Auf dem Friedhof fin- Society
det man das Grab von Mother Ann Lee, der Begründerin der Ge-
meinschaft.
Wer sich stärker für dieses Thema interessiert: Das M Shaker Re-
search Center Old Chatham (15 mi/24 km südöstlich von Albany)
stellt meisterliche Handwerksarbeiten der Shaker aus.
Von Old Chatham ist es nicht weit zu zwei weiteren alten Shaker-
Siedlungen: Mount Lebanon Shaker Village bei New Lebanon an der
US 20 und das viel größere und bekanntere Hancock Shaker Village
unmittelbar jenseits der Grenze in Massachusetts (“ S. 207).
Friedhof: 875 Watervliet Shaker Rd., Di. – Sa. 9.30 – 16.00 Uhr
Shaker Research Center Old Chatham: 88 Shaker Museum Rd. (für GPS:
202 Shaker Rd.), MItte Juni – Mitte Okt. Fr.–Mo. 10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt:
Spende; Führungen tgl. 10.30, 12.30 u. 14.30 Uhr, 10$, www.shakerml.org/
316 ZIELE    Buffalo

Umgebung von Albany


Rensselaer Gegenüber von Albany, am Ostufer des Hudson, liegt Rensselaer.
Hier, in der Crailo State Historic Site, kann man gut nachvollziehen,
welchen Einfluss die holländischen Einwanderer bei der Besiedlung
des Empire State hatten.
i Riverside Ave., Mitte April – Okt. Mi. – So. 11.00 – 16.00 Uhr, Juni – Aug.
auch Di., Eintritt: 5 $, www.nysparks.com/historic-sites

Watervliet Ca. 6 mi/10 km nördlich von Albany kann man das Museum der
Arsenal 1813 gegründeten Waffenfabrik von Watervliet besuchen, in der heu-
Museum te noch Kanonen hergestellt werden
i NY 32 / Broadway, So. – Do. 10.00 – 15.00 Uhr, Eintritt frei,
www.wva.army.mil/museum.

Buffalo
Region: Greater Niagara
aD6
Höhe: 46 m ü. d. M.
Einwohner: 261 000

An der Nordwestspitze des Lake Erie und nicht weit von den
weltberühmten “Niagarafällen liegt die Industriestadt Buf-
falo. Ihre große Zeit, die namhafte Architekten anzog, liegt
eine Weile zurück.

Vom Handels- Die erste feste Siedlung in dieser Gegend legte im Jahr 1803 die Hol-
platz zur land Land Company an. Sie wurde bereits neun Jahre später während
Industrie- des Britisch-Amerikanischen Krieges fast völlig zerstört. Doch we-
stadt gen ihrer strategischen Bedeutung hat man sie rasch wieder aufge-
baut.
Als Endpunkt des Eriekanals avancierte die Stadt rasch zum wich-
tigsten Warenumschlagplatz zwischen New York City und dem Mitt-
leren Westen und war Mitte des 19. Jh.s dank ihrer unzähligen Ge-
treidemühlen zum größten Mehlproduzenten der USA geworden.
Nach dem Bedeutungsverlust des Eriekanals behielt Buffalo seine
führende Rolle, da es inzwischen an das Eisenbahnnetz angeschlos-
sen war. Als ab 1896 billiger Strom in den Kraftwerken am Niagara
gewonnen werden konnte, kam es zu einem weiteren wirtschaftli-
chen Aufschwung, der bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
andauerte. Doch dann ging es mit Buffalo stetig bergab; erst ab den
1990er-Jahren begannen die Umstrukturierungsmaßnahmen zu
greifen.
Buffalo    ZIELE 317

Buffalo erleben
AUSKUNFT schank sind weit über 200 offene
Buffalo-Niagara Convention & Weine.
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403 Main St., Buffalo, NY 14203-1496 ÜBERNACHTEN
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Angesagter Treff mit tollem Angebot an üppigen Früh­stücksbuffet. Und hervor-
Tapas, die nicht nur spanisch, sondern ragend speist man im angegliederten
international inspiriert sind. Im Aus- Restaurant »Papaya«.
318 ZIELE    Buffalo

Buffalo Wings
TIPP

Überall in den USA sind die


»Buffalo Wings« beliebt und
begehrt. Tatsächlich sind die
frittier­ten Hähnchenschlegel
mit würzigem Dip hier erfunden
worden, und zwar 1964 in der
Anchor Bar in 1047 Main Street.
Die gibt es heute noch, aber
dort gewesen sein muss man
nicht unbedingt. Wer Hühner-
beine nicht mag: »Beef on Weck«
in Charlie‘s Butcher Kitchen im
Historic Ellicott Square Building
(Ellicott Sq. Bldg. / 295 Main
Street) probieren.

Sehenswertes in Buffalo
Architektur in Die 30-stöckige City Hall am Niagara Square wurde 1931 im Art-
Downtown Deco-Stil erbaut. Vor ihr erinnert ein Marmordenkmal an den 1901
in Buffalo ermordeten US-Präsidenten William McKinley. An der
östlich des Niagara Square verlaufenden Franklin Street stehen u. a.
die neugotische Old County & City Hall (Nr. 92) von 1876 und das
1833 im Greek Revival Style erbaute Title Guarantee Building. In der
Church Street trifft man zunächst auf das von Sullivan und Adler
entworfene und 1896 fertig gestellte Guaranty Building (Ecke Pearl
St.), das mit seinen heute bescheidenen 13 Stockwerken dennoch zu
den ersten Wolkenkratzern der Welt zählt. Gegenüber erhebt
sich die neugotische St. Paul's Episcopal Cathedral mit ihrem immer-
hin auch 84 m hohen Turm.

Main Street Die Main Street ist die Haupteinkaufsmeile. Architektonisch beach-
tenswert: das 1895 im Stil der Neorenaissance errichtete Ellicott
Square Building, das lange das größte Bürohaus der Welt war, sowie
das Liberty Bank Building von 1925, auf dessen Dach zwei 10 m hohe
Nachbildungen der Freiheitsstatue ins Auge fallen. Die Market Arca-
de von 1922 ist ein guter Platz zum Shoppen und Ausspannen.

Buffalo & Erie Im Buffalo & Erie County Naval & Military Park am Eriesee kann
County Naval man das U-Boot »USS Croaker«, den Zerstörer »USS The Sullivans«
& Military aus dem Zweiten Weltkrieg, den Lenkwaffenkreuzer »USS Little
Park Rock«, einige Flugzeuge und Panzer besichtigen.
i April – Okt. tgl. 10.00 – 17.00 Uhr, Nov. nur Sa., So., Eintritt: 10 $,
www.buffalonavalpark.org
Buffalo    ZIELE 319

Als Nobelmarke genossen die in Buffalo gebauten Autos von Pierce- Buffalo
Arrow einen guten Ruf. Im Buffalo Transportation Museum sind Transportati-
diese und andere Karossen, dazu der Nachbau der einzigen von on/Pierce
Frank Lloyd Wright entworfenen Tankstelle zu bewundern. Arrow
i 263 Michigan Ave., Sa./So. 11.00 – 16.00 Uhr, Öffnungszeiten werden Museum
nach Wetterlage angepasst (s. Website), Eintritt 10$, www.pierce-arrow.com

Im nördlichen Vorort Allentown steht die mondäne, 1837 im Greek MTheodore


Revival Style errichtete Villa von Rechtsanwalt Ansley Wilscox. Hier Roosevelt
legte Theodore Roosevelt, der Stellvertreter des in Buffalo ermorde- Inaugural
ten Präsidenten William McKinley, am 14. September 1901 seinen National
Amtseid ab. Dieses Ereignis, die Hintergründe der Tat und die Regie- Historic Site
rungszeit Roosevelts würdigt diese Einrichtung.
i 641 Delaware Ave., April – Dez. Mo. – Fr. 9.00 – 17.00, Sa., So. 12.00 bis
17.00 Uhr, Eintritt: 10 $, www.nps.gov/thri

Kunstsinnige treffen sich in der am Delaware Park gelegenen Al- M Albrigth-


brigth-Knox Art Gallery, einer der besten Sammlungen im Nordos- Knox Art
ten. Stark vertreten sind Impressionisten und vor allem Klassiker der Gallery
Moderne wie Picasso, Dalí, Mirò und Chagall.
i 1285 Elmwood Ave.; Di. – So. 12.00 – 17.00, Fr. bis 22.00 Uhr,
Eintritt: 15 $, www.albrightknox.org

Unweit nördlich fällt das geradezu majestätische Gebäude ins Auge, The Buffalo
in dem sich New York zur Panamerika-Ausstellung 1901 präsentier- History
te. Hier wird heute vor allem die wirtschaftshistorische und architek- Museum
tonische Entwicklung der Stadt und ihres Umlands beschrieben.
i 25 Nottingham Ct.; Di. u. Do. – Sa. 10.00 – 17.00, Mi. 10 .00 – .20.00,
So. 12.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 7 $, www.buffalohistory.org

Umgebung von Buffalo


Wie das Leben am Eriesee zu Pionierzeiten war, zeigt das Freilicht- Amherst
museum im nordöstlichen Vorort Amherst mit viel »Living History«. Museum
i 3755 Tonawanda Creek Rd., Di. – Fr. 9.30 – 16.30, April – Okt. auch Sa., So.
12.30 – 16.30 Uhr, Eintritt: 5 $, www.amherstmuseum.org

East Aurora, ca. 20 mi/32 km südöstlich von Buffalo gelegen, ist be- East Aurora
kannt als Zentrum der Roycroft-Bewegung, die Elbert Hubbard ab
1895 aufbaute. Es ging ihm um die Aufwertung alter Handwerks-
künste und so kann man heute noch auf dem Campus von M East
Aurora Roycroft Arts & Craft bestes Kunsthandwerk erstehen und
im Museum die Geschichte der Bewegung studieren.
i 31 S. Grove St., Führungen Juni – Okt. Mi., Sa., So. 12.30 u. 13.30 Uhr,
Eintritt: 15 $, www.roycroftcampuscorporation.com/visit
320 ZIELE    Catskills

M Graycliff Ein Ausflug südwestwärts am Eriesee Richtung “Erie, PA, führt nach
Graycliff, zumindest für jeden Anhänger von Frank Lloyd Wright die
Anfahrt wert (I-90 Exit 57 nach 6472 Old Lake Shore Rd.). Der große
Architekt hat auf einer Anhöhe über dem See 1927 ein großes Som-
merhaus für den Industriellen Darwin D. Martin gebaut.

Chautauqua Bei Dunkirk, wo ein alter Leuchtturm von 1875 mit einer Militäraus-
Lake stellung steht, biegt man ab zum von Wäldern umgebenen Chautau-
qua Lake (70 mi/110 km von Buffalo). Man sollte meinen, dass dieser
415 m ü.d.M. gelegene See einen Abfluss zu dem nur 16 km entfern-
ten, 241 m tiefer gelegenen Eriesee hat. Doch weit gefehlt: Sein Was-
ser fließt über Allegheny, Ohio und
Mississippi Tausende von Kilometer
Wein vom Eriesee
nach Süden bis in den Golf von Me-
xiko.
TIPP

Am Südufer des Eriesees reihen


sich renommierte Weingüter an-
Die Chautauqua Institution am
einander, z. B. Schloss Doepken Westufer des Sees wurde 1874 als
Winery in Ripley, Johnson Estate Fortbildungstätte für Religionsleh-
Winery und Vetter Vineyards in rer gegründet. Heute bekommt man
Westfield, Woodbury Vineyards in hier neben Religiösem ein weit gefä-
Fredonia und Roberian Vineyards chertes Fortbildungsprogramm ge-
in Sheridan. Die meisten bieten boten, das Literatur, Kunst, Musik,
Weinproben an. Weitere Infos: Theater und Tanz umfasst und je-
www.chautauqua-wine-trail.org den Sommer über 100  000 Bil-
dungshungrige anlockt.

M Catskills
Region: The Catskills
a G / H 6 – 7
Höhe: 20 – 1 274 m ü.d.M.

Wo vor hundert Jahren noch Züge aus New York City mit ele-
ganten Sommerfrischlern ankamen, herrscht heute Outdoor-
Fieber: Die Catskills, »America's First Wilderness«, bieten die
ganze Palette an Aktivitäten, die in Bergen, Tälern und Flüssen
möglich sind. Und: »Fly fishing« ist hier sehr angesagt.

»America's Die westlich des Hudson-Tals aufsteigenden und noch im 19. Jh. von
First dichten Hemlocktannenwäldern bestandenen Catskills sind neben
Wilderness« den Adirondacks die zweite Bergregion des Bundesstaats New York.
Höchste Erhebung ist der 1 274 m hohe Slide Mountain im Ulster
County. Der Kern des Gebirges ist als Catskill Forest Preserve Park
geschützt. Viele Catskills-Touristen kommen zum Wandern, aber
auch zum Mountainbiking, Geländereiten und Kanu-Sport. Im Win-
Catskills    ZIELE 321

Die Catskills erleben


AUSKUNFT WEIN
Catskill Association Adair Vineyards
for Tourism Services 52 Allhusen Rd., New Paltz, NY 12561
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New Paltz ist einer der bekann-
ÜBERNACHTEN testen Weinorte im Nordosten.
Scribner‘s Catskill Lodge AA – AAA Adair Vineyards bietet u.a. einen
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Tel. 1 518 5 89 98 58 Hier gibt es köstliche Tropfen,
12 Zimmer. Britische Landhausatmo- darunter Riesling, Chardonnay,
sphäre, Bibliothek, English Breakfast – Merlot und sogar einen Hudson
die Besitzer sind Briten. Valley Port.

ter werden Langlaufloipen und Abfahrtsstrecken präpariert. Die be-


kanntesten Skigebiete sind die Hunter Mountain Ski Bowl, die
Windham Ski Area, das Belleayre Mountain Ski Center, die Bobcat
Ski Area und die Scotch Valley Ski Area.

Schon die Indianer glaubten, dass hier himmlische Mächte wohnen, Eine unheim-
und selbst die im 17. Jh. im Hudsontal siedelnden Holländer fürch- liche Gegend
teten sich vor hiesigen Geistern und Kobolden. Von ihnen stammt
auch der Name »Kaaterskill«, heute »Catskills«. Ende des 19. Jh.s
brach man hier gut zu bearbeitenden Sandstein, der vor allem in der
stürmisch wachsenden Metropole New York City gefragt war. Schon
zu Beginn des 19. Jh.s. hatten Ausflügler von der Ostküste die Cats-
kills entdeckt und zu Beginn des 20. Jh.s gehörte es in New York und
Baltimore zum guten Ton, seine Ferien in den Catskills zu verbringen
oder dort einen Zweitwohnsitz zu haben. Vor allem jüdische Immi-
granten aus Osteuropa eröffneten hier zahlreiche Pensionen, was
dem Waldgebirge bald den Beinamen »Borscht Belt« einbrachte.
Inzwischen haben sich die Reiseströme verlagert. Neue Chancen ver-
spricht man sich durch umweltverträglichen Tourismus.
WISSEN Woodstock Festival
Special-Titel

By the time I got to Woodstock ...


Joan Baez – Blood, Sweat & Tears – The Paul Butterfield Blues Band –
Canned Heat – Joe Cocker – Crosby, Stills & Nash – The Grateful Dead
– Arlo Guthrie – Richie Havens – Jimi Hendrix – Jefferson Airplane –
Janis Joplin – Santana – Ten Years After – The Who – Neil Young ...
Unentschuldigt fehlte The Jeff Beck Group, kurzfristig ausgebootet
wurde Iron Butterfly. Dass Bob Dylan auftreten würde, war so
selbstverständlich, dass man vergaß, ihn einzuladen.

Wie heißt es so schön: Woodstock


= Peace + Love + Music. Liest man Ein ungeplanter Mythos
die Protokolle der Zeitzeugen, Geplant war all dies so jedoch
mag man diese Gleichung nach Sex nicht. Woodstock verdankt seinen
+ Drugs + Rock’n’Roll auflösen, legendären Ruf zum Großteil der
denn speziell die zum Mythos er- Tatsache, dass es zunehmend aus
hobene Friedfertigkeit der halben dem Ruder lief. Initiiert wurde das
Million Hippies war offenbar der Festival von John Roberts, Joel Ro-
reibungslosen Versorgung mit be- senman, Artie Kornfeld und Mi-
wusstseinsvernebelnden Substan- chael Lang. Roberts, steinreicher
zen zu verdanken. Bevor Wood- Erbe einer Zahnpasta­dynastie, gab
stock das Gegenteil bewies, galt mit Rosenman im März 1968 eine
schon die Vorstellung eines Events Anzeige in der »New York Times«
dieser Größenordnung als völlig auf: »Junge Männer mit unbe-
absurd. Das Rock Festival in Monte- grenztem Kapital suchen interes-
rey hatte bereits im Juni 1967 statt- sante, legale Investitionsmöglich-
gefunden, Watkins Glen zog im keiten und Geschäftsvorschläge.«
Sommer noch mehr Besucher an, Unter den Zuschriften fand sich
doch »The Woodstock Music and auch die Idee von Kornfeld und
Arts Fair« vom 15. bis 17. August Lang, in der ländlichen Idylle von
1969 war und bleibt das mit Ab- Woodstock ein Aufnahmestudio
stand berühmteste Ereignis dieser einzurichten. Außerdem sei der
Art. Austragungsort war die Farm Ort wunderbar geeignet für ein
von Max Yasgur bei Bethel in den Festival. Zwei Hippies und zwei
Catskill Mountains, 50 mi/80 km Yuppies taten sich also zusammen
entfernt von Woodstock. Das Festi- und gründeten die Firma Wood-
val war der Höhepunkt der Hippie- stock Ventures. Im Industriegebiet
Ära und galt einen kurzen Sommer von Walkill, NY, mieteten sie ein
lang als Beweis dafür, dass die Gelände mit Platz für 50 000 Besu-
»Woodstock Generation« mit frei- cher. Plakate wurden gedruckt,
er Liebe, psychedelischen Drogen prominente Bands mit fürstlichen
und Rock eine friedfertig-soziale Gagen gelockt. Die braven Bürger
»Woodstock Nation« im Zeichen von Walkill bekamen allmählich
des Wassermanns hervorbringen eine genauere Vorstellung dessen,
könnte. was auf sie zukam und gerieten in
323

15 August 1969: Love & Peace beim Woodstock Festival

Panik. Im Eilverfahren untersagte 15 Meilen Stau, denn die Nach-


die Gemeinde das Festival. Drei drängenden hatten die Straße zum
Wochen vor dem Termin wurde Parkplatz umfunktioniert. Die Zau-
dann doch noch die Farm von berlehrlinge von Woodstock Ven-
Milchfarmer Max Yasgur gefun- tures hatten nun ein Problem:
den. Bis die Bewohner von Bethel Nicht nur 800  000 Sandwiches,
Wind bekamen von Art und Di- auch fast alle Musiker saßen in der
mension des Festivals, war es schon Blechlawine fest.
zu spät. Auch Schilder mit der Auf- Der Freitag sollte ganz im Zeichen
schrift: »Kauft keine Milch! Stoppt des Folk Rock stehen. Tim Hardin
Max Yasgurs Hippie-Festival!« war zwar bereits anwesend, aber
konnten nichts verhindern. noch bis in die Haarwurzeln be-
kifft. So schickte man gegen fünf
Kompletter Fehlstart Uhr nachmittags Richie Havens auf
Als Michael Lang freitags aufwach- die Bühne, der drei Stunden lang
te, fiel ihm ein, dass er vergessen improvisierte – sein verzweifelter
hatte, Kartenhäuschen aufzustel- Schrei nach »Freedom« klang nie
len. Von den geplanten 25 konn- wieder so authentisch. Gerettet
ten noch ganze zwei durch die in- wurde er ausgerechnet von einem
zwischen entstandene Zeltstadt Helikopter der U.S. Army, der Mu-
transportiert werden. Da der Ge- siknachschub einflog. Nun wurde
ländezaun von mehr als 200 000 jeder greifbare Hubschrauber ge-
Musikliebhabern ohne Ticket mitt- bucht, um die Massen aus der Luft
lerweile aber platt gewalzt wor- zu versorgen. Die Musiker traten
den war, machten die Veranstalter entgegen jeglicher Dramaturgie in
gute Miene zum bösen Spiel und der Reihenfolge ihres Auftauchens
deklarierten Woodstock zum Free vor Ort auf. Country Joe McDonald
Festival. Die Polizei kapitulierte vor war schon da, seine Band The Fish
WISSEN Woodstock Festival
Special-Titel

nicht. Nach ihm wurde John Sebas- ze und Wolkenbruch: Die Bühne
tian auf die Bühne komplimen- stand unter Wasser und The Grate-
tiert, der eigentlich nur als Besu- ful Dead buchstäblich unter Strom,
cher gekommen war, doch aus als die berühmteste Live-Band
dem Publikum zwangsrekrutiert Amerikas ihren lausigsten Auftritt
wurde. Nach und nach verlief die ablieferte – schlechte Kabelisolie-
Veranstaltung dann in geordnete- rung führte zu gelegentlichen
ren Bahnen, Tim Hardin kam wie- Stromstößen, so dass Jerry Garcia
der zu sich und auch der mit Polit- und Kollegen verständlicherweise
parolen durchsetzte Funk von Sly nur sehr zögerlich in die Saiten
& The Family Stone löste nicht die griffen. Abbie Hoffman, als Mitbe-
befürchteten Massenkrawalle aus. gründer der radikal-anarchisti-
Gegen Mitternacht, als Ravi Shan- schen Yippie Party einer der promi-
kar seiner Sitar exotische Klänge nentesten amerikanischen Freaks,
entlockte, begann es zu tröpfeln, enterte die Bühne, um eine flam-
als Joan Baez »We shall overcome« mende Rede zur Unterstützung ei-
sang, öffneten sich die Schleusen nes gewissen John Sinclair zu hal-
des Himmels und verwandelten ten, der wegen des Besitzes zweier
das Tal in ein einziges Schlamm- Joints zu zehn Jahren Zuchthaus
bad. Nach Melanies Auftritt legten verdonnert worden war. Pete
sich geschätzte 350 000 Menschen Townshend, Gitarrist von The Who
in einer gigantischen Fangopa- und unerschrockener Brite, hielt
ckung zur verdienten Ruhe. ihn für einen weiteren halluzinie-
renden Irren und zog ihm sein Ins-
Elektrisierende Songs trument über den Schädel – make
Raymond Mizak wurde am Sams- love, not war.
tagmorgen Woodstocks erstes To-
desopfer: Er hatte sich den Frühstück im Bett ...
schlammverkrusteten Schlafsack Den sonntäglichen Sonnenauf-
über Kopf und Körper gezogen gang begrüßte Jefferson Airplane
und wurde von einem Traktor mit »White Rabbit«: »One pill ma-
überrollt. Musikalisch war der Tag kes you larger, one pill makes you
dem harten, treibenden Rock ge- small. The ones that mother gives
widmet mit The Who, Jefferson you don‘t do anything at all ...«
Airplane, Creedence Clearwater Dann bereiteten die Kommunar-
Revival, Grateful Dead, Canned den von der Hog Farm »Frühstück
Heat, Santana, Mountain und Janis im Bett für 400 000« nach folgen-
Joplin. Da man den Eindruck hatte, dem Rezept: Alle verfügbaren
die immer noch anwachsende Brötchen zu Mus verkochen, Erd-
Menge durch permanente Action nüsse zugeben, bis eine gulaschar-
auf der Bühne besser kontrollieren tige Masse entsteht. Gemüse jegli-
zu können, schaffte man die cher Sorte zerhacken, anbraten
Nachtruhe ab und bat die Bands, und untermischen. Auf Papptellern
ihre Sets auszudehnen. Das Wetter servieren ... Für die musikalischen
schlug Kapriolen zwischen Gluthit- Höhepunkte sorgten Crosby, Stills
325
325

Bilanz
Nebst einem augenfälligen Müll-
problem hatte es dem Veranstalter
Woodstock Ventures Schulden in
Höhe von 1,3 Mio. $ eingebracht.
Dennoch: Lang und Kornfeld
machten ein schlechtes Geschäft,
als sie sich bald danach von Rosen-
man und Roberts für je 31 240 $
ihre Anteile abkaufen ließen. Der
von Dokumentarfilmer Michael
Wadleigh gedrehte Film über das
Festival spielte allein an den US-
amerikanischen Kinokassen über
50 Mio. $ ein. Die beiden aufwän-
dig gestalteten Plattenalben gehö-
ren zu den Dauerbrennern unter
den Bestsellern und finden, mitt-
lerweile als CD und DVD, auch heu-
te noch begeisterte Abnehmer. Die
schöne Illusion vom Aufbruch in
eine bessere Welt endete aber im
& Nash, zu denen Neil Young stieß, selben Jahr in den Gewaltexzessen
The Band, Joe Cocker, Johnny Win- beim Altamont Speedway Festival
ter und Ten Years After, deren Gi- und mit den Ritualmorden der
tarrist Alvin Lee beim Solo in »I‘m Manson Family. Möglicherweise ist
going home« demonstrierte, dass es aber gerade die Gewissheit um
er schneller spielte als sein Schat- die Unmöglichkeit einer Wieder-
ten. Die Schwermetaller von Iron holung, die Woodstock zu einem
Butterfly warteten in New York ewig jungen Blütentraum und zum
auf einen Hubschrauber, der nie wehmütigen Mythos einer ganzen
erscheinen sollte: Die nervösen Generation gemacht hat. Man
Veranstalter hatten inzwischen die muss nicht dort gewesen sein, um
Befürchtung, dass die hypnoti- davon zu schwärmen. Bezeichnen-
schen Klänge von »In-A-Gadda-Da- derweise ist der Song »Wood-
Vida« zu Massentumulten führen stock« mit der Zeile »By the time I
könnten. got to Woodstock, they were half
Schließlich war es neun Uhr früh a million strong«, der für Crosby,
am Montag, als Jimi Hendrix, der Stills, Nash & Young zum Hit geriet
darauf bestanden hatte, als Letzter und heute als Hymne des Festivals
aufzutreten, mit kreischenden gilt, von Joni Mitchell geschrieben
Rückkopplungseffekten die ameri- worden. Sie war eine der vielen,
kanische Nationalhymne zerpflück- die die Aquarian Exposition der
te und das Festival in fulminanter Woodstock Music & Art Fair nur
Weise beendete. vom Hörensagen kannten.
326 ZIELE    Catskills

Orte und Plätze in den Catskills


Ulster County Der bekannte Weinort New Paltz (»Neue Pfalz«) ist im Jahre 1678
von Hugenotten am Südrand der Catskills gegründet worden. Sie
kamen seinerzeit aus Mannheim, wo sie sich vorübergehend aufge-
halten hatten. Aus der Gründerzeit stammen noch die sechs »Hugue-
not Street Stone Houses« in der Broadhead Avenue. Die Kirche von
1717 ist ein Nachbau.
Etwa 10 mi/16 km nördlich von New Paltz, in High Falls, kann man
die alten Schleusen des Delaware & Hudson Canal auf dem »Five
Locks Walk« inspizieren. Ein kleines Museum gehört auch dazu.
Quer durch die Kernregion der Catskills führt von Kingston im
“Hudson Valley die landschaftlich besonders schöne M Scenic NY 28.
Sie berührt zunächst das für US-Verhältnisse schon sehr alte, vor
über 300 Jahren gegründete Hurley. Bemerkenswert ist der »Hurley
Patentee Manor«, der aus einem 1696 erbauten holländischen Bau-
ernhaus hervorgegangen ist. Dann folgt Mount Tremper, dessen
Attraktion das weltgrößte Kaleidoskop (»Kaatskill Kaleidoscope«)
ist. Im kurz danach folgenden, geradezu malerischen, von bewalde-
ten Gipfeln ein­geschlossenen Phoenicia startet vom 1910 errichteten
Bahnhof (dort auch ein altes Eisenbahndepot) die Catskill Moun-
tain Railroad zu Fahrten am Esopus Creek entlang.
Von Mt. Tremper führt die NY 212 zum 12 mi/19 km weiter östlich
gelegenen Woodstock, dem Jimi Hendrix, Janis Joplin, The Who
und andere Rockgrößen 1969 mit dem legendären Woodstock-Fes-
tival zu Weltruhm verholfen haben – auch wenn es bei Bethel
Woodsl stattfand, 50 mi/80 km wei-
ter westlich (“ Baedeker Special S.
Rasende Schläuche 322). Dessen ungeachtet lebt das
Städtchen gut von der Legende: Es
TIPP

Ein Heidenspaß: In großen auf- quillt über von Geschäften, in denen


geblasenen Rei­fenschläuchen über
neben Woodstock-Devotionalien
4 km den Esopus Creek hinunter-
auch Skurriles und fürchterlicher
rauschen! Schläuche, Anleitung
Kitsch feilgeboten werden.
und Rückfahrt bietet: The Town
Wer dabei war, wird schwärmen,
Tinker Tube Rental, Phoenicia, NY,
10 Bridge St., Tel. 1 845 6 88 55 53
wer nicht dabei war, kann das Fee-
ling interaktiv nachholen: Das
Woodstock Museum auf dem Fes-
tival-Gelände bei Bethel Woods zeigt die Geschichte des Festivals,
seinen Verlauf und seine Nachwirkungen – mit viel Nostalgie, tollem
Original-Sound und einen Film im Rundum-Kino, dass man sich
mittem im Geschehen wähnt.
Catskills Mountain Railroad: Fahrten ab Mount Tremper Station, Mai bis
Okt. Sa., So., Fei. ab 10.15 Uhr, Ticket: 18 $, http://catskillmtrailroad.com
Woodstock Museum: Sommer tgl. 10.00 – 19.00, Winter Do. – So. 10.00
bis 17.00 Uhr, Eintritt: 15 $, www.bethelwoodscenter.org/museum
Finger Lakes    ZIELE 327

Der nördliche Teil der Catskills gehört zu Greene County und ist das Greene
beste Skigebiet. Auch diese Region erschließt sich auf einer land- County
schaftlich schönen Strecke, der M Scenic NY 23 A. Sie beginnt in Cat-
skill, wo sich die Thomas Cole National Historic Site mit dem
Heim des Begründers der Hudson River School befindet. Sodann
führt die Straße weiter nach Westen.
Westlich von Palenville streift die Straße die knapp 80 m hohen Kaa-
terskill Falls. Von Haines Falls aus lohnt ein Abstecher zur Catskill
Mountain House Site. Dort wurde 1823 ein Hotel eröffnet, das über
hundert Jahre lang beliebter Treffpunkt des New Yorker Jetsets war
und nach der Schließung 1963 schließlich einem Brand zum Opfer
fiel. Nach wie vor bestechend ist die Lage, die nicht nur Thomas Cole,
sondern auch James Fenimore Cooper inspirierte.

Folgt man der NY 23 weiter nach Westen, gelangt man via Prattsvil- Delaware
le und Stamford zu den aus insgesamt 16 Gebäuden bestehenden County
Hanford Mills bei East Meredith, die 1846 als Sägemühle in Betrieb
genommen wurden und zwischen 1880 und 1915 sogar Strom für
den Ort lieferten – heute gibt es hier eine lehrreiche Ausstellung über
die Mühlentechnik.

Den Süden der Catskills nimmt das Sullivan County ein, bekannt für Sullivan
einige hübsche »covered bridges« und als Zentrum für das Fliegen­ County
fischen. Wer darüber mehr wissen möchte, gehe ins Catskill Fly
Fishing Center & Museum in Roscoe. In Narrowsburg kann man
im Sommer das Fort Delaware Museum of Colonial History besich-
tigen. Weiter flussabwärts erinnert der Minisink Battleground Park
an eine blutige Schlacht des Unabhängigkeitskriegs.

MM Finger Lakes
Region: Finger Lakes
a E / F 6
Höhe: 116 – 334 m ü.d.M.

Wie die Finger zweier Hände greifen die Finger Lakes vom Sü-
den des Ontariosees her hinein in eine der schönsten Land-
schaften des Nordostens: Wälder, Milchbauernhöfe, hübsche
Städtchen am Seeufer und – Weingärten, denn die Region ist
nach Kalifornien das zweitgrößte Weinanbaugebiet der Ver-
einigten Staaten.

Der längste der zwischen “Rochester und “Syracuse liegenden elf Von der
Seen ist der 64 Kilometer lange Cayuga Lake, der tiefste der knapp Eiszeit
200 Meter tiefe Seneca Lake, der kleinste der gerade mal fünf Kilo- geformt
328 ZIELE    Finger Lakes

meter lange Canadice Lake und als den hübschesten empfinden vie-
le den Keuka Lake.
Die Finger Lakes gelten als Musterbeispiele von Gletscherzungenbe-
cken, die in der Wisconsin-Kaltzeit vor ungefähr 10 000 Jahren von
den Eismassen ausgehobelt worden sind.
Hier lebten einstmals Waldlandindianer, teils Algonquin und teils
Irokesen. Im 16. Jahrhundert gewannen letztere die Oberhand und
machten die Region zu ihrem Siedlungsschwerpunkt. Bereits in den
1820er-Jahren begann am Keuka Lake der Weinbau. Heute produzie-
ren über 70 Kellereien Weine, vor allem an den sonnenbeschienenen
Hängen von Seneca Lake, Cayuga Lake, Keuka Lake und Canandai-
gua Lake. In der Region sind zwei Dutzend State Parks ausgewiesen,
die reichlich Gelegenheit zum Wassersport, Mountainbiken, Wan-
dern und Reiten bieten.
Finger Lakes    ZIELE 329

Östliche Finger Lakes Region


Auburn (28 000 Einw.), die größte Siedlung der östlichen Finger La- Auburn
kes Region, war im 19. Jh. Station der »Underground Railroad«, einer
Kette von Verstecken, durch die befreite Sklaven nach Kanada ge-
schleust wurden. Eines davon ist das Harriet Tubman Home. Har-
riet Tubman, 1849 selbst der Sklaverei entkommen, schleuste allein
300 Menschen durch. Weiterhin sehenswert: in der Nelson St. die
Willard Memorial Chapel, die einzige erhaltene Innengestaltung
von Louis Comfort Tiffany, sowie das Haus von William H. Seward,
Abraham Lincolns Außenminister, der den Kauf Alaskas einfädelte.
Harriet Tubman Home: 180 South St., Di. – Fr. 10.00 – 16.00, Sa. 10.00 bis
15.00 Uhr, Eintritt: 4 $, www.harriethouse.org
Willard Memorial Chapel: 17 Nelson St., Di. – Fr. 10.00 bis 16.00 Uhr,
Führungen zu jeder vollen Stunde, Eintritt: 8 $,
www.willard-chapel.org

Die Finger Lakes erleben


AUSKUNFT Historisches Inn von 1873 und drei
Finger Lakes Tourism Alliance Gästehäuser; wunderschöne Aus-
309 Lake St., Penn Yan, NY 14527 blicke auf den Lake Cayuga. Das Inn
Tel. 1 315 5 36 74 88 ist auch sehr beliebt wegen seiner
www.fingerlakes.org üppigen (und teuren) Mahlzeiten.

ESSEN / ÜBERNACHTEN tInn at Glenora


eVillage Tavern Wine Cellars AA – AAA
Restaurant & Inn AAA 5435 Rte. 14, Dundee, NY 14837
30 Mechanic St. Tel. *1 800 2 43 55 13 bzw.
Hammondsport, NY 14840 1 607 2 43 95 00, www.glenora.com
Tel. 1 607 5 69 25 28 30 Zimmer. Freundliches Hotel am West-
www.villagetaverninn.com ufer des Seneca Lake inmitten von Wein-
Familienbetrieb am Südufer des Lake bergen, deren Tropfen im vorzüglichen
Keuka mit schmackhafter amerikani- Restaurant ausgeschenkt werden. Zu ei-
scher Küche und vielen Fischspeziali- ner frühzeitigen Reservierung wird gera-
täten. Riesige Auswahl an Weinen der ten, da das Haus oft ausgebucht ist.
Finger Lake Region (und riesige Bier-
auswahl). Vier kuschelige Zimmer uSeneca Lodge AA
zum Übernachten. Walnut Rd., Watkins Glen, NY 14891
Tel. 1 607 5 35 20 14
rTaughannock Farms Inn AAA www.senecalodge.com
2030 Gorge Rd. 80 rustikale Zimmer und Cabins. Gemüt-
Trumansburg, NY 14886 liche Unterkunft auf einem Hügel mit
Tel. 1 607 3 87 77 11, www.t-farms.com empfehlenswertem Restaurant.
330 ZIELE    Finger Lakes

Seneca Falls Der 15 mi/24 km westlich von Auburn gelegene Ort ist bekannt ge-
worden durch das U.S. Women's Suffrage Movement. Ihre erste
Versammlung hielten die um das Frauenwahlrecht kämpfenden Da-
men im Juli 1848 in der Wesleyan Methodist Chapel ab, heute das
Herzstück des Women's Rights National Historical Park.
Das Montezuma National Wildlife Refuge, ein Marschengebiet
am Nordufer des Cayuga Lake, steuern Zugvögel im Frühling und
Herbst an – ein idealer Ort zum Beobachten. Alles Wichtige erfährt
man im Visitor Center, auch über den Nistplatz eines Weißkopfsee-
adlers.
Women‘s Rights National Historical Park: 136 Fall St., tgl. 9.00 – 17.00
Uhr, Eintritt frei, www.nps.gov/wori
Montezuma National Wildlife Refuge Visitor Center: April – Nov. tgl.
10.00 – 15.00, Sa., So. bis 16.00 Uhr, Eintritt frei, www.fws.gov/r5mnwr

M Ithaca Am Südzipfel des Cayuga Lake zeigt sich die Landschaft wildroman-
tisch. Berühmt wurde Ithaca durch die 1865 gegründete Cornell Uni-
versity. Der Campus liegt hoch über der Stadt und der Cascadilla
Gorge. Beachtung verdient die Kol-
Wine Trails lektion asiatischer Kunst des Her-
bert F. Johnson Museum of Art.
Die Cornell Plantations präsentie-
TIPP

Die Weine der Finger Lakes


Region können sich durchaus mit ren sich als gepflegter botanischer
der Konkurrenz aus Kalifornien Garten, hervorgegangen aus einem
messen. Auf eigene Faust lassen 1875 angelegten Arboretum. Kin-
sie sich auf dem Cayuga, Seneca, dern wird ein Besuch im Museum
Keuka oder Canandaigua Wine of the Earth bestimmt gefallen,
Trail erkunden. Broschüren mit denn dort können sie Dino-Skelette
dem jeweiligen Verlauf und bestaunen und im Sommer sogar
Adressen von Weingütern erhält »echte« Fossilien ausgraben.
man vor Ort. 8 mi/13 km nördlich stürzt der
Taughannock Creek 65 Meter in die
Tiefe. Der Canyon ist Kern des Na-
turschutzgebietes Taughannock
Falls State Park, das bis zum schö-
nen Badestrand am Cayuga Lake hi-
nunter reicht.
Herbert F. Johnson Museum of Art:
114 Central, Di. – So. 10.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt frei, Spende erbeten,
http://museum.cornell.edu
Museum of the Earth: 1259
Trumansburg Rd., Ende Mai –  Anf. Sept.
tgl. 10.00 – 17.00, im Winterhalbjahr Di.
u. Mi. geschl., Eintritt: 8 $, www.
priweb.org
Finger Lakes    ZIELE 331

Westliche Finger Lakes Region


Am Nordufer des Seneca Lake liegt das noble Geneva. Nicht von un- M Geneva
gefähr hat man den Namen der berühmten Stadt am Genfer See ge-
wählt. Denn Ende des 18. Jh.s zog die Stadt mit dem hübschen Pul-
teney Park viele Reiche aus den Süd- und den Neuenglandstaaten
an, die sich Sommervillen errichten ließen, z. B. an der South Main
Street. Ja sogar ein Opernhaus konnte man sich 1894 leisten, das
prächtige Smith Opera House, heute Kino und Konzertsaal.
Noch einiges von seiner früheren Noblesse strahlt auch das 1829 im
Federal Style erbaute Prouty-Chew House an der Main Street aus.
i 543 S. Main St., Di. – Fr. 9.30 – 16.30, Sa. 13.30 – 16.30, Juli, Aug. auch
So. 13.30 – 16.30 Uhr, Eintritt frei, www.genevahistoricalsociety.com/
PC_ House

Von Geneva aus lohnt eine Rundfahrt um Seneca Lake, vor allem M Seneca Lake
auch zu den Weinkellereien an der Südspitze. Einen tollen Blick auf
den See genießt man von der Rose Hill Mansion 3 mi/5 km östlich
von Geneva an der Rte. 96a, einem sehr eleganten, 1839 im Greek
Revival Style errichteten Herrenhaus.
i Führungen Mai – Okt. Di. – Sa. 10.00 – 16.00, So. 13.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt: 7 $, http://www.genevahistoricalsociety.com/Rose_Hill

Einen »guten Platz zum Wohnen« findet man 17 mi/27 km westlich Canandaigua
von Geneva, denn so heißt Canandaigua in der Sprache der Seneca-
Indianer. Wichtigste Sehenswürdigkeit sind die wunderschönen
Sonnenberg Gardens & Mansion, wo rund um einen 1887 fertig
gestellten noblen Herrensitz neun ganz unterschiedliche Themengär-
ten gestaltet wurden; auch Weine kann man probieren. Im Granger
Homestead & Carriage Museum, dem Hof von Gideon Granger,
Postminister unter den Präsidenten Jefferson und Madison, sind et-
liche alte Pferdefuhrwerke zu bewundern. Wer sich für die indiani-
sche Urbevölkerung interessiert: In der Ganondagan State Historic
Site ist ein Langhaus der Seneca nachgebaut
Sonnenberg Gardens & Mansion: 151 Charlotte St.; Mitte Mo. – Fr.
9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 12 $, www.sonnenberg.org
Granger Homestead & Carriage Museum: 295 N. Main St., Führungen
Di., Mi., So. 13.00 – 17.00, Do., So. 11.00 – 17.00 Uhr, Eintritt 6 $,
www.grangerhomestead.org
Ganondagan State Historic Site: 1488 SR 444, Mai – Sept. Di. – So. 9.00
bis 17.00, Okt. Di. – Sa. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 3 $, www.ganondagan.org

Das am Chemung River südlich der Seen gelegene Elmira ist als Se- Elmira
gelflughauptstadt der USA bekannt. Ihre Blüte erlebte die Stadt im
19. Jh., wie die schmucken viktorianischen Bauten im Westside His-
toric District zeigen. Weltruhm erlangte Elmira durch Mark Twain,
332 ZIELE    Finger Lakes

der hier seine spätere Frau traf und lange Zeit hier verbrachte. Dabei
schrieb er Teile der »Abenteuer des Huckleberry Finn«. Im Elmira
College kann man sein Arbeitszimmer besichtigen. Das Ehepaar
Twain ist auf dem Woodlawn Cemetery bestattet.
Flugzeugenthusiasten kommen in der näheren Umgebung auf ihre
Kosten: Das Wings of Eagle Discovery Center stellt über 30 Mili-
tärmaschinen aus; nordwestlich außerhalb der Stadt findet man im
National Soaring Museum eine der größten Sammlungen von Se-
gelflugzeugen, darunter als ältestes den Chanute Herring Glider aus
dem Jahr 1896.
Elmira College: 1 Park Pl., Mitte
Berühmtheiten aus Elmira
Juni – Labor Day tgl. 9.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt frei, www.elmira.edu
WISSEN

In Elmira ist man nicht nur auf


Wings of Eagles Discovery Center:
den berühmten Schriftsteller
Mark Twain stolz: Auch der 339 Daniel Zenker Dr., Horseheads,
Modedesigner Tommy Hilfiger Di. – Sa. 11.00 – 15.00 Uhr, Eintritt: 7 $,
(geb. 24. 3. 1951) und die Space- www.wingsofeagles.com
Shuttle-Astronautin Eileen Collins National Soaring Museum: 51
(geb. 19. 11. 1956) stammen Soaring Hill Dr., März – Dez. tgl. 10.00
von hier. bis 17.00 Uhr, Eintritt: 7,50 $,
www.soaringmuseum.org

Corning Ohne Corning gäbe es Corning nicht – das Städtchen westlich von
Elmira lebt mit und arbeitet für die Corning Inc., einen der führen-
den Hersteller für Glas und optische Werkstoffe. Die »Glashauptstadt
der Welt« zieht Jahr für Jahr Hunderttausende Besucher an, die das
MM Corning Museum of Glass sehen wollen, das wohl beste Museum
dieser Art weltweit. Es informiert über die gut 3 500 Jahre alte Kunst
der Glasmacher und Glasbläser. Highlights der Ausstellung sind u. a.
Stücke aus dem alten Ägypten sowie aus dem Römischen Reich; ge-
nauso schön aber auch die weltgrößte Sammlung gläserner Brief-
beschwerer. Selbstverständlich kann man beim Glasblasen zusehen
und sich auch selbst daran versuchen.
In der an der Cedar Street gelegenen City Hall von 1893 zeigt das
M Rockwell Museum seine großartige Western-Art-Sammlung, u. a.
Werke von Remington und Russell.
Corning Museum of Glass: 1 Museum Way, tgl. 9.00 – 17.00 Uhr,
Eintritt: 18 $, www.cmog.org
Rockwell Museum: 111 Cedar St.; tgl. 9.00 – 17.00, im Sommer bis 18.00
Uhr, Eintritt: 6,50 $, www.rockwellmuseum.org

M Watkins An der Südspitze des Seneca Lake liegt der wildromantische Watkins
Glen State Glen State Park. Hier tost der Glen Creek durch eine tiefe Schlucht
Park und stürzt sich dabei recht spektakulär über eine Treppe von 19 Was-
serfällen. In zirka einer Stunde hat man die Schlucht auf den ausge-
wiesenen Pfaden erkundet.
Hudson Valley    ZIELE 333

MM Hudson Valley
Region: Hudson Valley
a J 6 – 8
Höhe: 0 – 1 309 m ü.d.M.

507 km legt der Hudson River von seiner Quelle in den Adi-
rondacks bis zur Mündung in den Atlantik bei New York City
zurück. An seinem Mittellauf fühlt man sich ein wenig an den
Rhein erinnert, denn der Fluss bahnt sich seinen Weg durch
eine anmutige Landschaft, in der viel Wein angebaut wird und
von deren Höhen schlossähnliche Herrensitze grüßen.

Die Weine des Hudsontals, etwa aus Marlboro, Brimstone Hill, Ame- Weinbau und
nia, New Paltz “(Catskills) und Millbrook, werden sehr geschätzt. Gastronomie
Und wo Wein angebaut wird, ist auch gute Gastronomie nicht weit –
hoch gelobt, örtlich aber auch exorbitant teuer, denn viele Restau-
rants setzen auf zahlungskräftige Gäste aus New York City.

Vor der Ankunft der Europäer lebten hier Algonquin-Indianer. 1609 Kernregion
erkundete Henry Hudson den Flusslauf im Auftrag der Holländer bis des
hinauf nach “Albany und schrieb euphorische Berichte über das Unabhängig-
fruchtbare Land, was bald holländische Siedler gleich zu Tausenden keitskriegs

Nein, das ist nicht das Rheintal, sondern das Hudson Valley in Höhe
der Bear Mountain Bridge.
334 ZIELE    Hudson Valley

anlockte, woran noch heute viele Ortsnamen erinnern; mächtige Fa-


miliendynastien wie die Vanderbilts oder die Roosevelts besitzen
ebenfalls niederländische Wurzeln. Das relativ schmale holländische
Siedlungsband war jedoch beiderseits von den Briten eingeschlossen,
die es 1664 übernahmen. Während des Unabhängigkeitskriegs hatte
das Hudsontal eine enorme strategische Bedeutung, stellte es doch
eine natürliche Barriere zwischen den aufsässigen und der übrigen
britischen Einflusssphäre dar. Die rege Handelsschifffahrt auf dem
Hudson war im 19. Jh. einer der Gründe für den rasanten Auf-
schwung von New York City. Im Zeitalter der Industrialisierung hat-
te das so reizvolle Tal jedoch manche Blessuren hinzunehmen.

Lower Hudson Valley


Am Ostufer Das Hudson River Museum in New York Citys nördlicher Vorstadt
Yonkers stimmt auf den Ausflug ein, stellt es doch das Tal unter ver-
schiedensten Aspekten dar: Kunst (auch Warhol), Siedlungsge-
schichte, das 1876 erbaute Glenview Mansion und ein Planetarium.
10 mi/16 km nördlich trifft man kurz vor Tarrytown auf die ersten
noblen Herrensitze, darunter Washington Irving's Sunnyside. Hier
lebte der Begründer der amerikanischen Kurzgeschichte, von 1835
bis zu seinem Tod 1859. Die wunderschön am Fluss gelegene Villa ist
nach seinen Vorstellungen erbaut worden.
Das benachbarte M Lyndhurst wurde 1838 nach Plänen des damals
renommierten Architekten Alexander Jackson Davis für den New
Yor­ker Bürgermeister William Paulding errichtet und ging 1880 in
den Besitz des Eisenbahnmagnaten Jay Gould über. So üppig wie das
Äußere ist auch die Innenausstattung; das Gewächshaus gehört zu
den größten in den USA.
Mit M Philipsburg Manor folgt bald ein weiterer Höhepunkt. Es wur-
de 1685 von Frederick Philips gebaut, der sein Geld mit einer eigenen
Flotte im Westindienhandel machte. Auf seiner 21 000 ha großen
Farm arbeiteten auch 23 Sklaven. Diese Zeit lassen viele kostümierte
Akteure lebendig werden.
Von Philipsburg Manor fahren Pendelbusse zum Prachtschloss M Kyk
uit (dt. = Schau ins Land), das zwischen 1906 und 1913 für John D.
Rockefeller jr. erbaut worden ist. Hier lebten drei Generationen der
Unternehmerdynastie, zuletzt Nelson A. Rockefeller, der einstige US-
Vizepräsident. Er trug eine hervorragende Sammlung moderner
Kunst zusammen, die im Erdgeschoss des sechsstöckigen klassizisti-
schen Prachtbaus zu sehen ist. Über 70 Skulpturen von Künstlern der
Moderne wie Calder und Moore ließ er im Park aufstellen.
Die 1685 erbaute Sleepy Hollow Old Dutch Church nahe Philips-
burg Manor ist der älteste Sakralbau im Bundesstaat New York, in
dem noch Gottesdienste stattfinden. Auf dem Kirchhof sind etliche
Hudson Valley    ZIELE 335

Das Hudson Valley erleben


AUSKUNFT Schon George Washington hat
Hudson Valley Tourism Inc. hier genächtigt. Die Räumlich-
124 Main St., Goshen, NY 10924 keiten verteilen sich auf verschie-
Tel. *1 800 2 32 47 82 dene Gebäude.
www.travelhudsonvalley.org
Hotel Thayer AAAA
ESSEN 674 Thayer Rd.
Culinary Institute of America West Point, NY 10996
(CIA) A – AAAA Tel. 1 845 4 46 47 31
1946 Campus Dr., Hyde Park www.thethayerhotel.com
Tel. 1 845 4 52 96 00, www.ciachef.edu 127 gepflegte Zimmer und Suiten.
Essen, wo die Profis das Kochen lernen: Ruhmreiche Militärtradition:
Das Culinary Institute of America ist eine Das etwas trutzige alte Luxus-
der angesehensten Schulen ihrer Art im hotel steht auf dem Gelände der
Land. Was die angehenden Köche kön- berühmten Militärakademie West
nen, zeigen sie im »Escoffier« (franzö- Point.
sisch), im »Caterina de Medici« (italie-
nisch), im »American Bounty« Bear Mountain Inn AA
(US-Küche), im St. Andrew‘s Café (Pizza, im Bear Mountain State Park
vegetarisch) und im Apple Pie Bakery 3020 Seven Lakes Drive Bear Mountain
Café. Unbedingt reservieren und für die NY 10911, Tel. 1 845 7 86 27 31,
drei erstgenannten Restaurants auf die www.visitbearmountain.com
Garderobe achten. 63 Zimmer. Das für derartige
Häuser typisch rustikale Hotel
Cold Spring Depot AA bietet recht einfache Zimmer,
1 Depot Sq., Cold Spring ist aber für diese Gegend sehr
Tel. 1 845 2 65 50 00 günstig.
Der gemütliche Pub ist in der 1893 er-
bauten Bahnstation eingerichtet. Hier FLUSSKREUZFAHRTEN
wird deftige amerikanische Kost serviert. American Cruise Lines
Und auch einen Hausgeist gibt es hier. Tel. 1 800 4 60 45 18
www.amreicancruiselines.com
ÜBERNACHTEN Einen »trip of a lifetime« kann
Beekman Arms Delamater man vor allem zur Zeit der herbst-
Inn AAAA lichen Laubfärbung auf dem
6387 Mill St., Rhinebeck, NY 12572 Hudson River unternehmen.
Tel. 1 845 8 76 70 77, American Cruise Lines bietet
http://beekmandelamaterinn.com einwöchige Schiffsreisen im
73 nobel ausgestattete Zimmer und Sui- Hudson River Valley an. Stationen
ten. Die älteste ohne Unterbrechung be- sind u.a. Sleepy Hollow, Pough-
triebene Herberge ihrer Art in den Verei- keepsie, Kingston, Catskill und
nigten Staaten wurde 1761 gegründet. Albany.
336 ZIELE    Hudson Valley

Berühmtheiten beigesetzt, darunter Walter Chrysler, Andrew Carne-


gie und Washington Irving, der Sleepy Hollow in seiner Geschichte
vom kopflosen Reiter literarisch verewigte.
Weiter nördlich folgt diese 1921 erbaute M Union Church of Pocan-
tico Hills. Sie besitzt neun großartige Fenster von Marc Chagall , die
die Geschichte des barmherzigen Samariters darstellen (1965); die
Fensterrose schuf Henri Matisse 1954.
Nach weiteren 10 mi/16 km folgt bei Croton-on-Hudson der pracht-
volle, im 18. Jh. gebaute Herrensitz Van Cortlandt Manor der aus
den Niederlanden stammenden Familie. Auch hier wird Living His-
tory geboten.
MM Boscobel, die von der Lage her wohl schönste Villa im Hud-
sontal befindet sich gegenüber von Westpoint. Sie wurde ursprüng-
lich 1804 etwa 25 km abseits vom
heutigen Standort errichtet. Als in
Hudson by train den 1950er-Jahren der Abriss droh-
te, versetzte man das außerordent-
TIPP

Mal etwas anderes: das Hudsontal


lich elegante Gebäude kurzerhand
per Zug erkunden. Von New Yorks
an das Ufer des Hudson. Das nur
Grand Central Station fährt die
Metro-North Railroad am Ostufer
noch in Teilen erhaltene Mobiliar
entlang bis Poughkeepsie. Im An- der Anfangszeit ist durch passende
gebot sind auch Tagesausflüge Antiquitäten stilgerecht ergänzt
mit Eintritt z. B. in Kykuit oder worden. Berühmt sind die wunder-
Dia:Beacon (www.mta.info/mnr/). schönen Gärten und die Orangerie.
Cold Spring, der letzte Ort am
Ostufer des unteren Hudsontales,
liegt so anmutig, dass man sich fast am Rhein wähnt. Hier bummelt
man über die Main Street und stöbert in Antiquitätenläden.
Hudson River Museum: 511 Warburton Ave., Yonkers, Mi. – So.
12.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 6 $, www.hrm.org
Washington Irving‘s Sunnyside: W. Sunnyside Lane, April – Okt. Mi. – Mo.
10.00 – 17.00, sonst nur Fr. – So. 10.00 – 16.00 Uhr, Eintritt 12 $,
www.hudsonvalley.org/historic-sites/washington-irvings-sunnyside
Lyndhurst: 635 S. Broadway, Mitte April – Okt. Di. – So. 10.00 – 17.00 Uhr,
sonst nur an Wochenenden, Eintritt: 12 $, http://lyndhurst.wordpress.com
Philipsburg Manor: NY 9, Sleepy Hollow, Führungen April – Okt. Mi. – Mo.
10.00 – 16.00 Uhr, Nov., Dez. nur Fr., Sa., So., Eintritt: 12 $, www.
hudsonvalley.org/historic-sites/philipsburg-manor
Kykuit: Pocantino Hills, Sleepy Hollow, Führungen Anf. Mai – Anf. Nov. Mi.
bis Mo. 10.00 – 16.00 Uhr, Tickets ab 25 $, www.hudsonvalley.org/
historic-sites/kykuit
Sleepy Hollow Old Dutch Church & Cemetery: 540 N. Broadway,
Führungen tgl. 8.00 – 16.30 Uhr außerhalb von Gottesdiensten
Union Church of Pocantico Hills: April – Okt. Mo., Mi. – Fr. 11.00 – 17.00,
Sa. 10.00 – 17.00, So. 14.00 – 17.00, Nov., Dez. jeweils bis 16.00 Uhr, Eintritt
7 $, www.hudsonvalley.org/historic-sites/union-church-pocantico-hills
Hudson Valley    ZIELE 337

Van Cordtland Manor: (S. Riverside Ave.; Führungen Memorial Day – Labor


Day Mi. – Mo. 10.00 – 17.00 Uhr, Okt. – Dez. nur Sa., So., Ticket: 12 $,
www.hudsonvalley.org/historic-sites/van-cortlandt-manor
Boscobel: 1601 NY 9, Garrison, April – Okt. Mi. – Mo. 9.30 – 17.00 Uhr,
übrige Zeit bis 16.00 Uhr, Eintritt: 12 $, www.boscobel.org

Über das sehr hübsche Nyack erreicht man das im Unabhängigkeits-


krieg heftig umkämpfte Stony Point (Stony Point Battlefield Park).
Im Juli 1779 behielten schließlich die Amerikaner unter General
Wayne die Oberhand. All das wird im Museum erzählt.
Am knapp 400 m hohen Bear Mountain State Park zwängt sich der
Hudson durch eine Engstelle, die den Flussschiffern – ähnlich wie die
Lorelei am Rhein – in der Vergangenheit manche Probleme bereitete.
Der State Park bietet außer schöner Natur einen Zoo, Schwimmbad
und ein fantastisches Karussell.
Danach kommt man nach MWest Point, der berühmtesten und äl-
testen Militärakademie der USA. Bereits 1778 wurde hier Fort

Kadettenparade in West Point


338 ZIELE    Hudson Valley

Putnam angelegt. 1802 beschloss der Kongress die Einrichtung der


Militärakademie, in der pro Jahr über 4 000 Kadetten ausgebildet
werden. Den Campus und damit die 1910 erbaute Cadet Chapel, den
Kadettenfriedhof und Trophy Point bekommt man nur während ei-
ner Bustour zu Gesicht, doch im Visitor Center, wo die Busse starten,
kann man sich über die Geschichte der Akademie informieren und
im Museum dahinter militärische Memorabilien betrachten.
Vom kleinen Storm King State Park hat man einen schönen Blick auf
die über dem Ostufer gelegene Villa Boscobel (“ S. 336). Unweit
westlich, in Mountainville, glänzt das M Storm King Art Center. Über
die sanften Hügel erstreckt sich der größte Skulpturenpark der
USA mit Plastiken u. a. von Richard Serra, Henry Moore und ande-
ren Größen der zeitgenössischen Bildhauerei.
Stony Point Battlefield Park: Schlachtfeld Mitte April – Okt Mo. – Sa. 10.00
bis 17.00, So. 12.00 – 17.00, Museum Mi. – Sa. 10.00 – 16.30, So. 12.00 bis
16.30 Uhr, im Winter eingeschränkte Öffnungszeiten, Eintritt: 5 $ pro
Fahrzeug, www.nysparks.com/historic-sites
West Point: Visitor Center tgl. 9.00 – 16.45, Museum tgl. 10.30 – 16.15 Uhr,
Bustouren tgl. ab Visitor Center, www.usma.edu/museum
Storm King Art Center: 1 Museum Road, New Windsor, April – Anf. Nov.
Mi. – So. 10.00 – 17.30, Nov. Mi.  – So. 10.00 – 16.30 Uhr, Eintritt: 15 $,
www.stormking.org

Mid Hudson Valley


Am Ostufer Das Hudsontal scheint ein guter Platz für moderne Kunst zu sein.
Das zeigte sich zuletzt im Jahre 2003 mit der Eröffnung des Museums
der MM Dia Art Foundation in Beacon (Dia:Beacon), wozu die ehe-
malige Nabisco-Keksfabrik zu einem fantastischen Ausstellungsort
umgebaut wurde, der fast nur mit Tageslicht ausgeleuchtet wird. Da-
runter präsentieren sich die klangvollsten Namen der zeitgenössi-
schen Kunst: Andy Warhol (»Shadows«), Richard Serra (»Torqued
Ellipse«), Walter de Maria, Donald Judd, Joseph Beuys ... ein Muss
für Kunstliebhaber!
Im 1687 gegründeten Poughkeepsie unterzeichneten 1788 Abge-
ordnete des Staats New York den Beitritt zur Union. Berühmtester
Einwohner war von 1847 bis zu seinem Tod 1872 Samuel F. B. Mor-
se. Der Erfinder der Telegrafie war auch ein begnadeter Maler,
nachzu­prüfen in Locust Grove, seinem Wohnsitz.
Der US 9 erreicht dann den Ort MM Hyde Park mit seinen berühmten
historischen Stätten, allen voran die Franklin D. Roosevelt Library
& Home. Der 32. Präsident der USA wurde hier 1882 geboren und
blieb bis zu seinem Tode 1945 dem Anwesen treu, auf dem er und
seine Frau Eleanor im Rose Garden beigesetzt sind. Zahlreiche Ex-
ponate und Dokumente erhellen sein Leben und Wirken.
Hudson Valley    ZIELE 339

Etwas abseits liegt Val-Kill, wo Franklin D. Roosevelt einen Wohnsitz


für seine Frau Eleanor erbauen ließ. Hier empfing die politisch aktive
Präsidentengattin manche Größe ihre Zeit. Nicht weit entfernt ist
MVanderbilt Mansion, der feudale Wohnsitz des Magnaten Fre-
derick Vanderbilt und seiner Gemahlin Louise. Der Ende des 19. Jh.s
erbaute 54-Zimmer-Palast, der vor lauter Prunk fast überquillt, steht
in deutlichem Kontrast zu dem doch bescheidenen Anwesen Roose-
velts. Wie alle anderen großen Villen am Hudson liegt auch Vander-
bilt Mansion inmitten gepflegter Gartenanlagen, von denen man ei-
nen herrlichen Blick auf den Fluss genießen kann.
Noch elf Räume mehr leistete sich die Familie Livingston-Mills für
ihre prachtvolle Villa M Mills Mansion bei Staatsburgh; insbesondere
der Prunk im Louis-XVI-Speisesaal sucht im gesamten Hudsontal
seinesgleichen.
An den alten Vater Rhein dachten wohl im frühen 18. Jh. die deut-
schen Einwanderer, die M Rhinebeck gegründet haben. Viele wohlha-
bende Amerikaner lernten dann im 19. Jh. diesen romantischen Platz
schätzen und bauten sich etliche großartige Villen. Besonders schön
ist der Blick vom Rhinecliff, von wo aus man nach Kingston hinüber-
sehen kann. Für Flugzeugenthusiasten: Im Old Rhinebeck Aerodro-
me sind über 30 (meist nachgebaute) Veteranen der Lüfte versam-
melt, darunter auch viele Flugzeuge aus dem Ersten Weltkrieg, die zu
Airshows aufsteigen.
Im Jahre 1805 entstand M Montgomery Place in Annandale wenige
Meilen nördlich von Rhinebeck als Château Montgomery für die
Witwe von General Montgomery, der 1775 in der Schlacht von Qué-
bec gefallen war. Die mit kostbarem Mobiliar ausgestattete Villa ist
mit viel Liebe zum Detail restauriert worden und beherbergt u. a. das
umfangreiche Archiv der im Hudsontal wohlbekannten Familien Li-
vingston und Montgomery.
Dia:Beacon: 3 Beekman St., Mitte April – Mitte Okt. Do. – Mo. 11.00 – 18.00
Uhr, Eintritt: 12 $, www.diaart.org
Poughkeepsie, Locust Grove: 2683 South Rd., Mai – Nov. tgl. 10.00 bis
15.00 Uhr, Eintritt: 11 $, www.lgny.org
Hyde Park, Franklin D. Roosevelt Library & Home: 4079 Albany Post
Rd., tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 18 $, www.nps.gov/HOFR
Vanderbilt Mansion: Führungen tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 10 $,
www.nps.gov/vama
Mills Mansion: Old Post Rd., April – Okt. Di. – Sa. 10.00 – 17.00, So.
12.00 – 17.00, sonst nur Sa., So. 11.00 – 16.00 Uhr, Eintritt: 8 $,
http://nyspar ks.state.ny.us/historic-sites
Old Rhinebeck Aerodrome: Norton Rd., tgl. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt
werktags 10 $, Sa., So. 20 $, www.oldrhinebeck.org
Montgomery Place: Annandale Rd., tgl. 9.00 – 16.00 Uhr, Eintritt frei,
Führungen Mitte Mai – Okt. Do. – So. 11.00 – 16.00 Uhr, Ticket: 10 $,
www.hudsonvalley.org/historic-sites/montgomery-place
340 ZIELE    Hudson Valley

Bei Vails Gate überwinterten 1782/1783 die 7 500 Soldaten General


Washingtons, der im nahen Newburgh in der Liberty Street sein
Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Sowohl das Haus als auch der
Lagerplatz (New Windsor Cantonment) können als Washington's
Headquarter State Historic Site besichtigt werden.
Kingston wurde 1614 an der Einmündung des Rondout Creek in
den Hudson River als holländischer Handelsposten gegründet und
1777 zur ersten Hauptstadt des Bundesstaats erklärt. Mehr darüber
erfährt man im Senate House. Es liegt an der Fair Street in der Nord-
ostecke des Stockade District, dem historischen Zentrum. Am Rond-
out Landing – hübsch mit Bars und Restaurants – erläutert das reich-
haltige Hudson River Maritime Museum die Schifffahrt auf diesem
Fluss.
Washington‘s Headquarter State Historic Site: 84 Liberty St., Mitte
April – Okt. Mi. – Sa. 10.00 – 17.00, So. 13.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 4 $,
www.nysparks.com/historic-sites
Hudson River Maritime Museum: Mai – Okt. tgl. 11.00 – 17.00 Uhr, Juli,
Aug. Mi. bis 20.00 Uhr, Eintritt: 7 $, www.hrmm.org

Upper Hudson Valley


Am Ostufer Erste Station im oberen Hudsontal ist Clermont State Historic Site,
die 1730 erbaute Villa Clermont in Germantown. Sie ist der älteste
Herrensitz im Tal. Das verglichen mit den späteren Prachtbauten
noch recht bescheidene Gebäude bewahrt Erinnerungen an sieben
Generationen der Familie Livingston.
Kurz vor dem Städtchen Hudson verweilen Kunstbeflissene gern in
der Olana State Historic Site. Frederic Edwin Church (1826 – 1900)
hat sich die Villa Olana 1870 auf einer Anhöhe errichten lassen, wo-
bei er seine Vorliebe für Orientalisches auslebte. Hier oben kann man
Werke des berühmten Landschaftsmalers bewundern.
Das Städtchen Hudson hat bei Antiquitätenliebhabern einen guten
Ruf. Vor allem in der Warren Street reiht sich ein Geschäft ans ande-
re. Auch altertümlich, aber nicht käuflich: die Gegenstände im Mu-
seum of Firefighting, denn Hudson ist stolz auf die älteste freiwil-
lige Feuerwehr in den USA.
Clermont Historic Site: 1 Clermont Ave., Führungen Anf. April – Okt. Mi.
bis So. 11.00 – 16.00 Uhr, sonst nur Sa., So., Eintritt: 5 $, www.nysparks.
com/historic-sites
Villa Olana: Führungen Juni – Okt. Di. – So. 10.00 – 17.00, sonst nur Fr., Sa.,
So. , Ticket: 9 $, www.olana.org
Hudson, Museum of Firefighting: 117 Harry Howard Ave., tgl. 10.00 bis
17.00 Uhr, Eintritt: 7 $, www.fasnyfiremuseum.com

Am Westufer “Catskills
Mohawk Valley    ZIELE 341

Mohawk Valley
a G / H 5 / 6
Region: Capital-Saratoga, Central-Leatherstocking
Höhe: 3 – 280 m ü.d.M.

Der Mohawk, begleitet vom Erie-Kanal, durchmisst auf sei-


nem Weg vom Oneida County zur Mündung in den Hudson
ein Hügelland, das Stammesgebiet der zu den Irokesen zäh-
lenden Mohawk war. James Fenimore Cooper liefert im »Le-
derstrumpf« schöne Beschreibungen dieser Flusslandschaft.

Von Schenectady nach Utica


Die Reise am Mohawk entlang beginnt in der 1661 von holländi- Schenectady
schen Kolonisten nordwestlich von “Albany gegründeten Siedlung
Schenectady. Thomas Alva Edison eröffnete hier 1886 einen Betrieb
zur Herstellung von Elektroartikeln, sechs Jahre später baute die Ge-
neral Electric ihr Hauptquartier auf und binnen Kurzem avancierte
Schenectady zur amerikanischen Elektroindustrie-Metropole.

18 mi/29 km flussaufwärts treffen sich bei Amsterdam Mohawk Ri- Amsterdam


ver und New York Barge Canal. In der Main Street steht das 1766
erbaute Haus des Indianerbeauftragten von König Georg III., Guy

Das Mohawk Valley erleben


AUSKUNFT ESSEN
Greater Utica Danny‘s Market AA
Chamber of Commerce 92 Main St., Cooperstown
200 Genesee St., Utica, NY 13502 Tel. 1 607 5 47 40 53
Tel. 1 315 7 24 31 51 Dieses Lokal ist bekannt für seine
www.greateruticachamber.org fantasievoll belegten Sandwiches.

Cooperstown ÜBERNACHTEN
Chamber of Commerce Inn at Cooperstown AAA
31 Chestnut St. 16 Chestnut St., Cooperstown, NY
Cooperstown, NY 13326 13326, Tel. 1 607 5 47 57 56,
Tel. 1 607 5 47 99 83, www.innatcooperstown.com
www.cooperstownchamber.org Viktorianisches Inn mit 17 Zimmern
und Veranda für Schaukelstuhl-
abende in Ruhe, denn TV und Telefon
gibt es nicht auf den Zimmern.
342 ZIELE    Mohawk Valley

Johnson. Hier erfährt man alles über die Geschichte der indianischen
Ureinwohner und die Bedeutung des Erie-Kanals für die Erschlie-
ßung des Mittleren Westens. Im 6 mi/10 km westlich von Amster-
dam gelegenen Fort Hunter sieht man an der NY 5 South die ältesten
noch erhaltenen Teile des Erie-Kanals, die um 1821 gebaut worden
sind. Ganz in der Nähe liegt Scho­harie Crossing State Historic Site,
ein knapp 5 km langer Kanalabschnitt mit einem 1842 erbauten sie-
benbögigen Aquädukt über den Schoharie Creek.

Herkimer Die nächste Etappe am Fluss hat ihren Namen von General Nicholas
Herkimer, der im August 1777 amerikanische Truppen in die
Schlacht von Oriskany führte. Sein außerhalb gelegener Wohnsitz
von 1752 steht unter Denkmalschutz. Beachtung verdient auch die
Fort Herkimer Church, die bereits 1730 errichtet worden ist. Weiter
nördlich präsentieren die Herkimer Diamond Mines ihre Edelstein-
und Mineralienausstellung. Südwestlich von Herkimer, bei Ilion,
finden Liebhaber alter Gewehre das Remington Arms Museum.

Utica Das »Tor zu den Adirondacks« ist aus einem Handelsposten bei
einem 1758 von den Briten gebauten Fort hervorgegangen. In Utica
wurde 1879 der Grundstein für das Warenhaus-Imperium Wool-
worth gelegt. Für einen Ausflug in die Bergwelt der Adirondacks
ideal: die Fahrt mit der Adirondack Scenic Railroad von der Union
Station aus (“ S. 312). Alle, die Kunst des 18. bis 20. Jh.s mögen, soll-
ten das Munson-Williams-Proctor Arts Institute besuchen: Gemäl-
de u. a. von Paul Klee, Picasso und Dalí, amerikanische Künstler des
19. Jh.s, Möbel. Die F. X. Matt Brewing Company war nach dem
Ende der Prohibition die erste im Nordosten, die ihre Lizenz zurück-
bekam. Nach einer Besichtigung kann man in der 1888 eingerichte-
ten Gaststube z. B. ein »Three Stooges Ale« probieren.
Munson-Williams-Proctor Arts Institute: 310 Genesee St.; Di. – Sa. 10.00
bis 17.00, So. 13.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei, www.mwpai.org

Rome Auf dem Weg nach Rome, 16 mi/26 km nordwestlich von Utica, pas-
siert man Oriskany Battlefield State Historic Site, wo eine der blu-
tigsten Schlachten des Unabhängigkeitskrieges stattgefunden hat.
800 Amerikaner, die ihren um Fort Stanwix kämpfenden Kameraden
zu Hilfe eilen sollten, gerieten hier in einen Hinterhalt der mit den
Briten verbündeten Indianer. Rome selbst geht auf besagtes Fort
Stanwix zurück, das 1758 angelegt und bereits fünf Jahre später von
den Briten wieder verlassen worden ist. Die Amerikaner bauten es
1776 wieder auf und schlossen 1784 hier Frieden mit dem Irokesen-
bund. 1830 wurde das Fort geschleift, sodass die heutige Anlage ein
Nachbau ist, in dem »Living History« geboten wird.
In Rome tat man 1817 den ersten Spatenstich für den neuen Erie-
Kanal. Das M Erie Canal Village am Westrand der Stadt erinnert an
Mohawk Valley    ZIELE 343

jene Zeit, als auf dem Kanal Lastkahnverkehr herrschte. Auf einem
restaurierten Teilstück des Kanals kann man einen Ausflug mit ei-
nem Kahn unternehmen, den Mulis auf dem Treidelpfad ziehen.
Oriskany Battlefield State Historic Park: Mitte Mai – Mitte Okt. Mi. – Sa.
9.00 – 17.00, So. 13.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei, http://nysparks.state.ny.us/
historic-sites
Fort Stanwix: 112 E. Park St.; April – Dez. tgl. 9.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei,
www. nps.gov/fost
Erie Canal Village: 5789 New London Rd.; Memorial Day – Labor Day Mi.
bis Sa. 10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 10 $, www.eriecanalvillage.net

Cooperstown und Umgebung


Cooperstown an der Südspitze des Otsego Lake ist der interessantes- Cooperstown
te Ort der Region zwischen dem Mohawktal im Norden und dem Tal
des Susquehanna im Süden. Es wurde 1786 vom Vater des »Leder-
strumpf«-Autors inmitten einer Landschaft gegründet, die auch heu-
te noch die Kulisse für Indianergeschichten abgeben könnte. Dane-
ben hat Abner Doubleday den Ort berühmt gemacht, denn 1839 soll
er sich hier die Regeln für das Baseball ausgedacht haben. Am See,
wo einst Coopers Haus stand, stellt das Fenimore House Museum
das Lebenswerk des weltberühmten Autors vor und zeigt indiani-
sches Kunsthandwerk. Im nahen Farmers' Museum sind 25 für die
Gegend typische Bauernhöfe und Werkstätten der Pionierzeit aufge-
baut. Akteure in historischen Gewändern zeigen, wie sich das Leben
im 19. Jh. abspielte. Die National Baseball Hall of Fame & Museum
in der Main St. erzählt die Geschichte dieser in den USA, Kanada
und Kuba außerordentlich populären Sportart. Natürlich werden
auch die großen Baseball-Heroen gewürdigt.
Farmers‘ Museum: 5775 State Highway 80, Mitte Mai – Mitte Okt. tgl.
10.00 – 17.00 Uhr, Eintritt: 12 $, www.farmersmuseum.org
Fenimore House Museum: Lake Rd.; Mitte Mai – Mitte Okt. tgl. 10.00 bis
17.00 Uhr, Eintritt: 12 $, www.fenimoreartmuseum.org
National Baseball Hall of Fame & Museum: 25 Main St.; tgl. 9.00 bis
17.00, im Sommer bis 21.00 Uhr, Eintritt: 23 $, http://baseballhall.org

Im östlichen Nachbarort Howes Cave lädt das Iroquois Indian Mu- Howes Cave
seum zum Besuch ein. In der Nähe entdeckte der Farmer Lester
Howe 1842 ein Höhlensystem. Die Howe Caverns sind heute als
größte Schauhöhle im Nordosten der USA erschlossen. Höhe-
punkt jeder Tour ist die Bootsfahrt auf einem unterirdischen See.
Iroquois Indian Museum: 324 Caverns Rd., April – Dez. Di. – Sa. 10.00 bis
17.00, So. 12.00 – 17.00 Uhr, Eintritt 8 $, www.iroquoismuseum.org
Howe Caverns: tgl. 9.00 – 18.00, Juli, Aug. 8.00 – 20.00 Uhr, Touren-Tickets
ab 25 $, www.howecaverns.com
344 ZIELE    New York City

MM New York City


Bundesstaat: New York
a H / J 8
Einwohner: 8,5 Mio. (Metropolitan Area: 18,1 Mio.)
Höhe: 0 – 125 m ü. d. M.

New York City ist weder Hauptstadt des gleichnamigen Bun-


desstaates noch der USA. Wozu auch? Sie ist ganz einfach die
»Stadt der Städte«.

Ausführlich Wo Hudson River und East River in die Long Island Bay münden,
beschrieben liegt die größte Stadt der USA, New York City – »The Big Apple«, die
im Baedeker- Welthauptstadt der Finanzen und des Kapitals, Sitz der Vereinten
Reiseführer Nationen, ein Mekka der Kultur, ein Mosaik der Nationen und eine
»New York« Stadt härtester sozialer Gegensätze, in der verschwenderischer Luxus
und bitterste Armut mitunter nur der Mittelstreifen einer Avenue
trennt. Das seit 1898 offiziell so bezeichnete Greater New York setzt
sich aus fünf Stadtbezirken (»boroughs«) zusammen, von denen je-
der für sich allein schon eine Millionenstadt ist: Manhattan als wirt-
schaftliches und kulturelles Zentrum und dazu Bronx, Brooklyn,
Queens und Staten Island. An der Spitze der Stadt steht der Bürger-
meister (Mayor), Herr über ein Heer von Bediensteten und Polizis-
ten, seit 2014 Bill de Blasio. 120 Sprachen sind in New York zu hören,
doch von einem »Schmelztiegel« zu sprechen trifft die Realität nicht
genau, denn viele Gruppen bewohnen teils noch ihre eigenen Viertel:
Afro-Amerikaner in Harlem, Chinesen in Chinatown, Italiener in
Little Italy, Polen und Ukrainer im East Village, Ungarn, Tschechen
und Deutsche auf der East Side, Hispanos im Barrio ...

Geballte Obwohl New York City schon einige Male wirtschaftlich totgesagt
Wirtschafts- wurde, hat die Stadt es immer wieder geschafft. Nach wie vor ist sie
kraft das Finanzzentrum der Welt sowie die Medienhauptstadt der
USA. Dabei war New York 1949 noch eines der größten Industrie-
zentren des Landes, doch bis Ende der 1970er-Jahre gingen 60 % der
Jobs in diesem Bereich verloren. Nur die Textilbranche hielt sich. Sie
siedelt in dem nach ihr benannten Garment District in Chelsea und
beschäftigt rund 200 000 Menschen. Heute entfallen 85 % der Ar-
beitsplätze auf den Dienstleistungsbereich. So haben mit Chase
Manhattan und Citibank zwei der größten Banken der USA ihren
Sitz in der Stadt, dazu kommen sechs große Versicherungsunterneh-
men und drei der größten US-Zeitungen, die »New York Times«, das
»Wall Street Journal« und die »Daily News«. Die Hauptquartiere der
drei größten Fernsehanstalten CBS, ABC und NBC sind in New York
Die Brooklyn Bridge ist eines der vielen Wahrzeichen von New York.
New York City    ZIELE 345
346 ZIELE    New York City

beheimatet und schließlich gibt es hier die meisten Hotels, Theater,


Museen, Verlage und Werbeagenturen. Eine besondere Bedeutung
hat der Fremdenverkehr, der rund 700 000 Menschen beschäftigt.
2015 empfing die Stadt 56,4 Mio. Gäste. Davon kamen 12,2 Mio. aus
dem Ausland, darunter gut 630 000 aus Deutschland.

Kultur New York ist die größte Theaterstadt des Landes mit rund 35 Broad-
way-Bühnen und vielleicht 200 Kleintheatern, hinzu kommen zwei
Opernhäuser, darunter die Weltruf genießende Metropolitan Opera,
mehrere hervorragende Orchester wie die 1842 gegründeten New
Yorker Philharmoniker und über ein Dutzend Ballett- und Tanzen-
sembles. New York City ist dank einiger der bedeutendsten Museen
der Erde, allen voran das Metropolitan Museum, das MoMa und das
Guggenheim, und über 400 Galerien und Kulturinstituten ein Welt-
kunstzentrum; Wissenschaft und
Bildung wird in mehr als 50 Univer-
Vorbestellen!
sitäten und Colleges betrieben. All
das ist noch lange nicht genug, denn
TIPP

Es lohnt sich, für die großen New


Yorker Attraktionen Tickets on- was wäre New York City ohne seine
line vorzubestellen. Freiheits- Restaurants, Bars, Jazzklubs, schril-
statue: www.statuecruises.com; len Diskotheken und seine Nacht-
Empire State Building: www. schwärmer, die Frank Sinatra nur
esbnyc.com; Top of the Rock: zustimmen können, wenn er von
www.topoftherocknyc.com New York City sang: »I wanna wake
up in a city that never sleeps!«

Geschichte Holländer und Briten: Als erster Europäer fuhr 1524 der in franzö-
sischen Diensten stehende Italiener Giovanni da Verrazzano in die
Bay ein und sah die Halbinsel Manhattan, betrat sie aber nicht. Dies
tat 1609 Henry Hudson, der für die Holländische Ostindien-Kompa-
gnie die Nordwest-Passage finden sollte; vier Jahre später ließen sich
die ersten holländischen Siedler nieder. Die Stadtgründung wird auf
1626 datiert, als Gouverneur Peter Minnewit den Manna-Hatta-In-
dianern ihre Halbinsel abkaufte und die Siedlung Nieuw Amsterdam
anlegte. Unter seinem Nachfolger Peter Stuyvesant wuchs die Stadt
heran, sah sich aber zunehmend von den Briten bedroht, die sie 1664
eroberten, ab 1674 endgültig besaßen und New York tauften.
Aufstieg zur Großstadt: Zu Beginn des Revolutionskriegs verloren
die Amerikaner die Schlacht auf Long Island und mussten New York
bis 1783 den Briten überlassen. George Washington legte 1789 in der
Federal Hall seinen Eid als Präsident ab und New York wurde für
kurze Zeit erste Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Schon 1820
war sie mit 150 000 Einwohnern größte Stadt des Landes. Das 19. Jh.
brachte eine Vervielfachung der Einwohnerzahl durch Einwanderer
aus Europa und, nach dem Sezessionskrieg, durch ehemalige Sklaven
aus dem Süden, sodass 1898 etwa 3,5 Mio. Menschen in der Stadt
New York City    ZIELE 347

Toller Blick auf das Empire State Building vom Top of the Rock

lebten und 1913 schon 5 Mio. Im selben Jahr wurde das Woolworth
Building vollendet, mit dem die Ära der Wolkenkratzer eingeläutet
wurde, die 1931 mit dem Empire State Building, dem Chrysler Buil-
ding und dem RCA Building einen vorläufigen Höhepunkt fand. Zwei
Jahre zuvor allerdings erlebte die New Yorker Börse den »Schwarzen
Freitag«, der die Weltwirtschaftskrise auslöste.
Vom Kriegsende zum 21. Jahrhundert: Nach dem Zweiten Welt-
krieg wurde die Stadt Sitz der Vereinten Nationen. Wichtige Nach-
kriegsdaten waren: 1954 die Schließung von Ellis Island; 1975, als die
Stadt vor dem finanziellen Aus stand; 1987, als die Börse vom
»Schwarzen Montag«, schlimmer als der Crash von 1929, heimge-
sucht wurde, und 1990, als mit David Dinkins erstmals ein Schwarzer
zum Bürgermeister gewählt wurde. Von 1994 bis 2001 regierte Ru-
dolph Giuliani, der mit seiner »zero tolerance«-Politik einen enormen
Rückgang der Kriminalität bewerkstelligte.
9/11: Der schwärzeste Tag in der Stadtgeschichte war der 11. Sep-
tember 2001, als Terroristen zwei Flugzeuge ins World Trade Center
steuerten und die mächtigen Twin Towers zum Einsturz brachten.
Über 3 000 Menschen starben.
Finanz- und Wirtschaftskrise: Im Sommer 2007 kam das amerika-
nische Finanzsystem ins Wanken. Auslöser war ein drastischer An-
stieg von Zahlungsausfällen bei Hypothekenkrediten mit geringer
Bonität (»Subprime«), die Folge war eine globale Finanz- und Wirt-
schaftskrise. Erst seit 2012 nimmt die Wirtschaft der Metropole wie-
der Fahrt auf. NYC ist nun einmal mehr als internationaler Knoten-
punkt von Handel und Wirtschaft der Standort für Banken,
Versicherungen, Medien und HighTech-Industrien. Und die Stadt ist
eines der beliebtesten Reiseziele der Welt.
348 ZIELE    New York City

New York erleben ee  etc. s. Karten S. 352 bzw. S. 358/359


AUSKUNFT Punkte rund um die Uhr verbindet. Ex-
New York City & Company press-Züge halten nur an wichtigen, Lo-
810 7th Ave. New York, NY 10019 cals an allen Stationen. Eine einfache
Tel. 1 212 4 84 12 00, www.nycgo.com Fahrt kostet 2,50 $. Es lohnt sich der
Mo. – Fr. 8.30 – 18.00, Sa., So. Kauf einer MetroCard, die mit bestimm-
9.00 – 17.00 Uhr ten Beträgen aufgeladen wird und auch
für Busse gültig ist (erhältlich in U-Bahn-
Times Square Visitor Center höfen, Kiosken u. in vielen Hotels).
1560 Broadway (zw. 46th / 47th St.)
tgl. 8.00 – 20.00 Uhr SHOPPING
Hier erhält man u. a. den »NYC Travel Das Angebot ist riesig – von exklusiven
Planner« mit allen wichtigen Infos.. Mode- und Schmuckgeschäften in der
Fifth Avenue über Exotisches aus Asien
SIGHTSEEING bis zu Ramsch in der 42nd Street. Eine
Einen ersten Überblick verschafft man Liste aller Kaufhäuser und Läden ver-
sich von den Aussichtsplattformen auf öffentlicht Gerry Frank in seinem jährlich
dem Empire State Building oder auf dem überarbeiteten Buch »Where to Find It,
GE Building im Rockefeller Center. Die Buy It, Eat It«. Aktuelle Schlussverkäufe
Skyline vom Wasser aus erlebt man bei und Schnäppchen (»bargains«) werden
einer organisierten Schiffsrundfahrt. in der Zeitschrift »Sales and Bargains«
Origineller, min­destens genauso schön, aufgelistet, die monatlich erscheint.
aber viel billiger ist eine Fahrt mit der
Staten Island Ferry von der Südspitze AUSGEHEN
Manhattans nach Staten Island und wie- New York ist die unangefochtene »Capi-
der zurück. Zahlreiche Unternehmen tal of Nightlife«. Welche Clubs oder Dis-
bieten Bustouren (Auskunft beim Times kos gerade angesagt sind, lässt sich
Square Visitor Center). kaum voraussagen. Das Magazin »Villa-
ge Voice« (www.villagevoice.com) hat
New York City Pass das Ohr am Trend, vor allem wenn es
1 Tag 109 $, 2 Tage 189 $, 3 Tage 203 $, um moderne Musik geht; gut informiert
5 Tage 254 $, 7 Tage 289 $ (gültig 9 Tage auch das wöchentlich erscheinende
ab der ersten Benutzung) »Time Out New York« (www.newyork.
www.newyorkpass.com timeout.com.
Dieser Pass beinhaltet Zutritt u.a. zum
Empire State Building, American ESSEN
Museum of Natural His­tory, Guggen- eNobu AAAA
heim, Museum of Modern Art und eine 105 Hudson St., Tribeca
Rundfahrt mit der Circle Line. Tel. 1 212 2 19 05 00
U-Bahn: Franklin St.
VERKEHR Muss man noch ein Wort über Robert
Das beste Fortbewegungsmittel ist die de Niros legendäres Restaurant verlie-
U-Bahn (Subway), die alle wichtigen ren? Chef Nobuyuki Matsuhisa darf sich
New York City    ZIELE 349

rühmen, schon seit Jahren die besten oSylvia’s AA


Sushi und Sashimi der Stadt zu kreden- 328 Lenox Ave. (zw. 126th und 127th
zen oder leckere Entrées wie Thunfischt- St.), Tel. 1 212 9 96 06 60
artar an Beluga-Kaviar, beträufelt mit U-Bahn: 125th St.
Sake. Sehr trendiges, schickes Publikum, Restaurant in Harlem, in dem zu durch-
viel Prominenz. schnittlichen Preisen »Soul food« serviert
wird, die scharf gewürzten Gerichte
rRiver Café AAAA der Südstaaten. Zum Sonntagsbrunch
1 Water St., Dumbo (Brooklyn) Gospel live.
Tel. 1 718 5 22 52 00
U-Bahn: High St. pLa Bonne Soupe A
Nicht in einem Wolkenkratzer, sondern 48 W 55th St., Tel. 1 212 5 86 76 50
auf einem ausgedienten Frachtschiff: U-Bahn: Rockefeller Center
ein Nobelrestaurant mit exorbitanten Hier gibt es die besten Suppen von
Preisen, vom dem aus man einen herr- Manhattan. Gemütliches Lokal, vor
lichen Panoramablick auf die Skyline dem die Leute allerdings mittags
von Manhattan hat. Schlange stehen.

tThe Boathouse AAAA aJesus’ Taco A


Central Park, E. 72nd St. & Park Drive N. 501 W 145th St. / Amsterdam Ave.
Tel. 1 212 5 17 22 33 U-Bahn: 145th St.
U-Bahn: 72nd St. Jeffry Chen und seine Crew bieten rund
Sehr schön im Central Park am See- um die Uhr allerbestes Tex-Mex-Food.
ufer gelegenes Nobelrestaurant mit
einer Terrasse, auf der es sich wunder- sTom’s Restaurant A
bar speisen lässt. Fisch und amerikani- 2880 Broadway / Höhe 112th St.
sche Küche. Tel. 1 212 8 64 61 37,
U-Bahn: 110th St. /  Cathedral Pwy.
uHatsuhana Tom‘s ist ein Stück New York, eine
Sushi Restaurant AAAA Institution. Legendär sind die gegrillten
17 E 48th St. (zw. 5th u. Madison Ave.) Käse­sandwiches – nicht nur nach
Tel. 1 212 3 55 33 45, Meinung der vielen Studenten der
U-Bahn: 5th Ave. / 53rd St. Columbia University, die täglich hier
Sehr stilvolles Lokal, das japanische vorbeischauen.
Tradition und Moderne sehr gelungen
verbindet. dAngelica Kitchen A
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Tel. 1 212 4 90 66 50, Küche: Leckereien wie Walnuss-Linsen-
U-Bahn: Grand Central / 42nd St. Paté, Couscous-Gemüse-Salat oder ein-
Edelrestaurant im Untergeschoss des gelegtes Gemüse der Saison klingen
Bahnhofs. Spezialitäten: Fisch, Austern. nicht nur gesund – sie sind es auch.
350 ZIELE    New York City

ÜBERNACHTEN uMetro AAA – AAAA


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18 9th Ave., Höhe 13th St. Tel. 1 212 9 47 25 00,
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U-Bahn 8th Ave./14th St. 179 Zimmer und Suiten. Das Hotel be-
187 Zimmer und Suiten. Ultra-hippes sitzt geschmackvoll eingerichtete Zim-
Hotel im trendigen Meatpacking District. mer und eine Dachterrasse, von der man
Dachbereich mit einem verglasten Pool aufs Empire State Building schaut.
(mit Unterwassermusik!) und traum-
haften Ausblicken; originell designte iChelsea Hotel AAA
Zimmer und erlesenes Interieur. 222 W 23rd St. (zw. 7th u. 8th Ave.)
Tel. 1 212 2 43 37 00
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www.franklinhotel.com Prominenz abstieg: Heming­way, Jimi
U-Bahn: 86th St. Hendrix, Bob Dylan, John Lennon. Seit
92 Zimmer mit ge­schmackvoller Ein- 2011 ist der Hotelbetrieb wegen Reno-
richtung, wo man Luxus zu einem er- vierungen geschlossen, 2017 soll er un-
schwinglichen Preis genießen kann. ter neuen Eigentümern wieder aufge-
Frühstück und Parkplatz sind kostenlos. nommen werden.

tThe Pierre AAAA oLeo House AA


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Tel. 1 212 8 38 80 00 Tel. 1 212 9 29 10 10
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U-Bahn: n, R, W at 5th Ave. Sehr günstig für New Yorker Verhältnis-
189 Zimmer und Suiten.Das Flaggschiff se, sauber und ordentlich. Kein Wunder:
der Hotelkette Taj am Central Park ist Das Hotel war ursprünglich ein Gäste-
nach seiner teuren Renovierung noch haus für katholische Geistliche, aber nun
schöner und noch luxuriöser. ist hier jeder willkommen.

Lower Manhattan (südl. 14th St.)


MM Statue of 2,5 mi/4 km südwestlich der Südspitze von Manhattan reckt die welt-
Liberty berühmte Freiheitsstatue ihre Fackel in die Höhe, für Millionen von
Einwanderer das Erste, was sie von Amerika sahen. Die 93 Meter
hohe Figur der Freiheitsgöttin wurde von dem Elsässer Frédéric Au-
guste Bartholdi geschaffen und ist ein Geschenk Frankreichs zum
hundertjährigen Bestehen der USA.
Von der Aussichtsplattform im Sockel, wo sich ein kleines Museum
mit der Geschichte der Einwanderung befasst, blickt man auf die
Stadt und in entgegengesetzter Richtung auf die über 4 km lange Ver-
New York City    ZIELE 351

Highlights New York City


▶▶ Statue of Liberty ▶▶ Museum of Modern Art
Für Heerscharen von Einwanderern Picasso, Gauguin, Pollock ... das
der erste Blick auf die »Neue Welt« »MoMA« hat sie alle.
““Seite 350 ““Seite 363

▶▶ Fifth Avenue ▶▶ Central Park


Der »Boulevard of Golden Credit New Yorks »Grüne Lunge« taugt
Cards« lockt die Shopping-Wütigen. nicht nur zum Relaxen.
““Seite 360 ““Seite 363

▶▶ Empire State Building ▶▶ Metropolitan Museum


Seit über 75 Jahren das dominierende of Art
Bauwerk in Midtown Manhattan Nicht nur der Tempel von Dendur
““Seite 360 und die Dachterrasse locken die Be-
sucher ins »MET«.
▶▶ Times Square ““Seite 364
Erst seit den 1990er-Jahren ein
Touristenmagnet ▶▶ Guggenheim Museum
““Seite 361 Kandinsky, Picasso, Léger, Cézanne,
van Gogh, Chagall & Co. – präsen-
▶▶ Chrysler Building tiert in einmaliger Architektur von
Für viele der schönste Wolkenkratzer Frank Lloyd Wright.
der Welt ““Seite 366
““Seite 361
▶▶ American Museum of
▶▶ Top of the Rocks Natural History
New Yorks neueste Aussichtsplatt- Von Dinosauriern über die Tierwelt
form lockt mit atemberaubenden Afrikas bis in den Weltall reichen die
Ausblicken. Exponate im »Nat«.
““Seite 362 ““Seite 366

razzano Narrows Bridge zwischen Staten Island und Brooklyn. Vor


dem Betreten der neuen Heimat wurden alle Einwanderer auf Ellis
Island überprüft. Manches Schicksal entschied sich in Minuten, so-
dass Ellis Island seinerzeit auch als »Insel der Tränen« galt. Heute
ist die Anlage als Museum zugänglich. Hier kann man die Geschich-
te der Einwanderung studieren; u. a. gibt ein Computer Auskunft,
wann die Verwandten des Fragestellers die Vereinigten Staaten von
Amerika betreten haben.
Fähren zur Freiheitsstatue und nach Ellis Island: tgl. ab 8.30 Uhr jede
halbe Stunde (im Sommer öfter) ab Battery Park, Tickets ab 18 $,
www.statuecruises.com
352 ZIELE    New York City

Battery Die Südspitze Manhattans – die Battery mit der South Ferry Plaza –
beherrschen die Wolkenkratzer der New York Plaza. In deren Schat-
ten duckt sich Fraunces‘ Tavern, das älteste Haus auf Manhattan,
1719 erbaut, später zweimal abgebrannt und heute Manhattans ein-
ziges Museum zur Revolution beherbergend. In diesem Gasthof ver-
brachte George Washington seine letzten Tage als Oberbefehlshaber
der Revolutionstruppen, bevor er sich am 4. Dezember 1783 nach
Mount Vernon zurückzog. Wenig nordwestlich der Taverne liegt das
Bowling Green mit dem alten Zollhaus (U.S. Custom House). 1811
wurde Castle Clinton im Battery Park fertiggestellt und diente von
1824 bis 1855 als Konzertstätte, war dann Einwanderungsstation und
schließlich bis 1941 Aquarium. Heute zeigen hier Dioramen die Ge-
New York City    ZIELE 353

schichte New Yorks und es werden die Tickets für die Fähre zur Frei-
heitsstatue verkauft.
Am Weg zur Battery Park City liegt das Museum of Jewish Herita-
ge, dessen zentrales Thema der Holocaust ist. Nördlich schließt
M Battery Park City an, das ehrgeizigste Bauprojekt der 1980er-Jahre,
mit dem das Südwestufer am Hudson neu gestaltet wurde.
Die architektonischen Akzente setzen das von César Pelli entworfene
World Financial Center mit den Zentralen von Dow Jones, Ameri-
can Express und Bank of America Merrill Lynch und der dazwischen
gespannte riesige Wintergarten. Die 2 km lange Esplanade ist ein
herrlicher Platz zum Schauen, Spazierengehen und Picknicken.

Östlich von Battery Park City ragten bis zum 11. September 2001 die M One World
420 m hohen Zwillingstürme des World Trade Center in den Him- Trade Center
mel. Terroristen steuerten zwei Flugzeuge in die bis dahin höchsten (Freedom
Gebäude der Stadt und brachten sie zum Einsturz. Heute erinnert die Tower,
»Wall of Heroes« an der Church Street an alle Opfer des Anschlags Ground Zero)
und den Bau des WTC. Nach langen Diskussionen wurde 2004 der
Grundstein für einen Neubau gelegt mit dem 541,30 m hohen Free-
dom Tower in Anlehnung an einen Entwurf von Daniel Libeskind
und der Gedenkstätte »Reflecting Absence« (National September
11 Memorial) von Michael Arad und Peter Walker, bestehend aus
zwei Höfen mit Wasserbecken, welche die Grundrisse der 2001 ein-
gestürzten Türme nachzeichnen. Seit 2014 ist auch der in One World
Trade Center umbenannte neue Wolkenkratzer fertig. Die Aussicht-
setage und das Restaurant im obersten Stockwer eröffneten 2015.

Östlich des One World Trade Centers erreicht man den Broadway. Financial
Nach Süden, vorbei am Old A T & T Building und One Liberty Plaza District
(226 m hoch), kommt man am Beginn der Wall Street zur Trinity
Church, erstmals 1698 erbaut, heutiges Gebäude von 1846. Auf dem
Friedhof, dem ältesten der Stadt, ruhen u. a. Alexander Hamilton
(1755  – 1804), erster US-Finanzminister, und Robert Fulton
(1765 – 1815), Konstrukteur des ersten brauchbaren Dampfschiffs.
Die MWall Street, Inbegriff der Finanzwelt, verdankt ihren Namen
einer von den Holländern gegen die Briten errichteten Schutzmauer.
An ihr folgt auf den 195 m hohen Turm des Irving Trust der 1792
gegründete New York Stock Exchange, das Herz der Finanzwelt,
untergebracht in einem an einen römischen Tempel erinnernden
Gebäude von 1903. Nachbar ist an der Ecke Broad Street das fes-
tungsartige Bankhaus Morgan Guaranty Trust. An der Kreuzung mit
der Nassau Street steht das Federal Hall National Memorial, 1842
als Zollhaus errichtet und heute Gedenkstätte, denn hier befand sich
die Federal Hall, in der Washington seinen Eid ablegte und wo der
Kongress tagte. Etwas weiter nördlich ragt an der Nassau Street der
247 m hohe Chase Manhattan Bank Tower auf. Nur 20 m niedri-
WISSEN Imposantes Brückenbauwerk
Special-Titel

MM Brooklyn Bridge
Die Brooklyn Bridge eröffnet grandiose Ausblicke auf die Skyline von
Manhattan. Mit ihrem 487 m langen frei schwebenden Mittelteil und
den beiden Pfeilertürmen ist sie selbst ein Blickfang. Entworfen hat sie
der Thüringer Johann August Röbling.

e Am Anfang war eine Idee gehalten, um die herum ein Granitge-


Die Idee, eine Brücke über den East wölbe errichtet wurde.
River zu spannen, kam Röbling, als er
mit der Fähre im vereisten Fluss ste- u Schrägkabel-Technik
cken geblieben war. 1886 wurde er Röbling hatte auch die Schrägkabel-
mit der Bauplanung beauftragt. Technik ersonnen. Diagonale Haltesei-
le sorgen für zusätzliche Stabilität. Sie
r Bau der Brückenpfeiler verbinden die Brückenträger direkt mit
Die Fundamente für die Pfeiler wur- den Pylonen.
den im Caisson-Verfahren hergestellt,
d. h. man versenkte zwei unten offe- i Fahrbahnen
ne Holzkisten im East River. Pressluft Die Brücke, deren Konstruktion ins-
verdrängte das Wasser aus ihrem In- gesamt 20  Men­schenleben gefordert
nern. In der Luftblase schaufelten und hatte, wurde am 24. Mai 1883 er-
sprengten Arbeiter ihren Weg durch öffnet. Mit 15 Mio. Dollar Baukos-
das Schlamm- und Kiesbett 20 m in ten war sie doppelt so teuer wie ge-
die Tiefe. Hier wurden die Senkkästen plant. Am Premierentag spazierten
fixiert und mit Zement ausgegossen. 150 000 Schaulustige über die Brook-
Auf ihnen stehen die steinernen Brü- lyn Bridge. Aber erst, als 21 Elefanten
ckenpfeiler mit jeweils zwei 40 m ho- des Zirkus Barnum ihre Tragfähigkeit
hen gotischen Spitzbögen. »bewiesen« hatten, wurde sie für
den Verkehr freigegeben. Heute zählt
t Drahtseile man auf den sechs Fahrspuren täglich
Je 278 Einzeldrähte wurden zu einem über 130 000 Fahrzeuge. Einige Meter
Strang zusammengefasst, 19  Stränge über den Fahrbahnen verläuft eine für
zu einem Kabel. Jedes der vier 38,5 cm Fußgänger und Radfahrer reservierte
dicken Hauptseile besteht aus insge- Trasse, von der aus man die Brücken-
samt 5 659 km verdrilltem Draht. Die konstruktion betrachten und einen
Seilenden werden von Ankerplatten grandiosen Ausblick genießen kann.
355
Johann August Röbling Ursprünglich führten vier Fahrbahnen,
(1806–1869) stammte aus zwei Bahngleise und die heute noch
Mühlhausen in Thüringen existierende Fußgängerpromenade über
und hatte in Berlin die Brücke. 1950 begann eine Sanierung,
Architektur und Ingenieur- bei der Schienen entfernt und zwei
wesen studiert. 1831 weitere Fahrspuren geschaffen wurden.
wanderte er nach Amerika
aus, wo er eine Drahtfabrik
gründete und sich auf den
Brückenbau spezialisierte.
e
t

DIE LÄNGSTEN HÄNGEBRÜCKEN VON NEW YORK CITY

Brückenname Gesamtlänge Spannweite Pfeilerhöhe Fertigstellung

Brooklyn Bridge 1 053 m 487 m 84 m 1883

Williamsburg Bridge 2 225 m 488 m 102 m 1903

George Washington Bridge 1 450 m 1 066 m 184 m 1931 u


Gotische Doppelbögen – einer in
Robert F. Kennedy Bridge 847 m 421 m 96 m 1936
Brooklyn, einer in Manhattan –
erheben sich wie Stadttore zu
Bronx Whitestone Bridge 701 m 2 174 m 115 m 1939
beiden Seiten der Brücke.
r
Verrazano Bridge 4 180 m 1 298 m 211 m 1965
356 ZIELE    New York City

ger ist das Gebäude 60 Wall Street. Die Wall Street weiter hinabge-
hend kommt man zur South Street am East River.

M South Street An der South Street erstreckt sich unterhalb der Brooklyn Bridge
Seaport South Street Seaport, einst das Kernstück des New Yorker Hafens
und nun Museumshafen mit vielen Läden und Restaurants zwischen
Water und Front Street und natürlich mit historischen Schiffen, da-
runter die zu den legendären »Flying P-Linern« gehörende Vier-
mastbark »Peking« (1911).

MM Brooklyn Vom Museumshafen blickt man auf die 1 052 m lange Brook­lyn
Bridge Bridge, die älteste Brücke über den East River, 1867 bis 1883 als ers-
te mit Stahlseilen gespannte Brückenkonstruktion erbaut (“ 3D-
Darstellung S. 355).

City Hall und Die City Hall nahe der Rampe zur Brooklyn Bridge wurde 1803 bis
Umgebung 1812 im Stil der französischen Renaissance als Amtssitz von Bürger-
meister und Stadtrat erbaut. Im Governor's Room sind u. a. der Ses-
sel, auf dem George Washington bei seiner Vereidigung saß, und die
Stühle des ersten Kongresses zu sehen.
Südwestlich des City Hall Parks erhebt sich am Broadway das von
Cass Gilbert entworfene, 1913 fertig gestellte Woolworth Building.
Der 241 m hohe Wolkenkratzer war bis zur Vollendung des Chrysler
Building 1931 das höchste Gebäude der Welt. Das Areal nördlich der
City Hall und östlich des Broadway ist mit dem Civic Center bebaut,
darunter das 177 m hohe Municipal Building, das Federal Building,
das Polizeihauptquartier, das U.S. Courthouse, das Stadtgericht und
das Stadtgefängnis.

M Chinatown Östlich vom Civic Center beginnt Chinatown, mit geschätzten


150 000 Einwohnern die größte von Chinesen bewohnte Stadt
außerhalb Chinas. In den engen Gassen dieses vom restlichen New
York so verschiedenen Viertels trifft man auf allerlei Geschäfte mit
typisch chinesischen Waren, eine Unzahl von Restaurants und eini-
ge buddhistische Tempel. Besonders lohnend: die farbenprächtigen
Umzüge zum chinesischen Neujahrsfest Ende Januar/Mitte Februar.
Nördlich an Chinatown schließt sich Little Italy an, wo Pasta und
Grappa zu Hause sind, allerdings mehr und mehr verdrängt vom
sich ausbreitenden Chinesenviertel.

M SoHo Der Name dieses Viertels nennt seine Lage: »South of Houston
Street« (sprich »hausten«!) und hat nichts mit Londons Soho zu tun.
Das ehemalige Fabrik- und Lagerhausviertel, in dem noch viele
guss­eiserne »Cast Iron«-Häuser stehen, wurde in den 1970ern von
Künstlern und Galeristen entdeckt und stellt heute in seinen Galeri-
en die Trends der US-Kunst aus.
New York City    ZIELE 357

Der prunkvolle Marmorbogen am Washington Square erinnert an die


Amtseinführung des ersten US-Präsidenten.

»The Village« ist ein ausgesprochen schönes (und daher teures) M Greenwich
Wohnviertel nördlich von SoHo zwischen 14th Street und Broadway. Village
Bis in die 1960er wohnten hier gerne Schriftsteller und Künstler, von
deren Ruf das Viertel heute noch ein wenig zehrt. Seinen lebendigen
Hauptplatz Washington Square mit einem Triumphbogen zur
Hundertjahrfeier der Einsetzung Washingtons zum Präsidenten um-
rahmen die Gebäude der New York City University; in der Bleecker
Street reihen sich Antiquitätenläden, Restaurants, Kinos, Bars und
Theater aneinander; Commerce Street und Christopher Street sind
Fixpunkte der New Yorker Schwulenszene.

Östlich jenseits des Broadway liegt East Village, einst ausschließlich East Village
das Viertel der Ukrainer und Polen, in den 1960er-Jahren von den
Blumenkindern entdeckt und heute Zufluchtsort all derer, die sich
eine Wohnung in Greenwich Village nicht mehr leisten können. Um
den St. Mark's Place gibt es viele und vor allem originelle Second-
Hand-Läden. St. Mark's-in-the-Bowerie, Ecke 2nd Ave./10th St., ist
mit dem Gründungsjahr 1799 die zweitälteste Kirche der Stadt.

Midtown Manhattan (zw. 14th u. 57th St.)


Dieser Stadtteil erstreckt sich zwischen 14th und 34th St. und zwi- Chelsea
schen Fifth Avenue und Hudson River. Im historischen Chelsea zwi-
schen 9th und 10th Avenue sowie 19th und 23rd Street ist noch viel
Bausubstanz aus dem 19. Jh. erhalten. Die Gegend westlich der 9th
Avenue, zwischen 21. und 24. Straße, ist ein Magnet für junge Kunst-
358 ZIELE    New York City
New York City    ZIELE 359
360 ZIELE    New York City

schaffende, die Piers am Hudson sind das Mekka für Sportfans und
die 8th Avenue ein Zentrum der Homosexuellen. Neues Trendviertel:
der Gansevoort Market genannte alte Meatpacking District rund
um Gansevoort/14th Street. Mittlerweile ein weltbekanntes Aus-
flugsziel ist der High Line Park, der sich von der Gansevoort Street
bis zur 30. Straße erstreckt. Er ist auf den Stelzen einer alten Bahn-
trasse angelegt und lockt mit bunter Bepflanzung, ungewöhnlichen
Ausblicken sowie mit Freiluftgastronomie und Verkaufsständen.
Ein Stück Heimat kann man in der 22. Straße zwischen der 8. und 9.
Ave. finden. Hier unterhält die letzte deutsche Kirchengemeinde
in New York ein Gotteshaus (dt. ev. Gottesdienst So. 10.30 Uhr).

MM Fifth Hauptachse von Midtown ist die Fifth Avenue, die am Washington
Avenue Square beginnt und an der Ostseite des Central Park weit hinauf nach
Norden zieht. Sie teilt Manhattan in eine östliche und eine westliche
Hälfte; ihr Midtown-Abschnitt ist das eigentliche Zentrum New
Yorks, auf dem die berühmten Paraden stattfinden. An ihr und ihren
Seitenstraßen ballen sich zwischen 34th und 57th Street die Wolken-
kratzer, hier findet man exklusivste Geschäfte wie die Juweliere Tif-
fany, Van Cleef und Cartier, das Modehaus Bergdorf Goodman und
sündhaft teuere Luxusherbergen.

MM Empire Obwohl es schönere und höhere gibt, ist das Empire State Building
State seit der Kletterpartie des Filmaffen »King Kong« 1933 der berühm-
Building teste Wolkenkratzer New Yorks. Jahrzehntelang war der 1931 aus
Kalkstein und Granit gebaute, 381 m hohe Turm (mit Antenne
449 m) das höchste Gebäude der Erde. Von der 86. und der 102. Eta-
ge genießt man unvergleichliche Ausblicke auf die Mega-Stadt
i Ecke 34th St./Fifth Ave., tgl. 8.00 – 2.00 Uhr, Tickets Main Deck: 32 $,.mit
102. Etage/Top Deck: 52 $, http://www.esbnyc.com

Morgan Zwei Blocks nordöstlich vom Empire State Building vereint diese be-
Library & rühmte Kultureinrichtung bibliophile Kostbarkeiten mit hervorra-
Museum genden Kunstwerken, die der Bankier John Pierpont Morgan
(1837 – 1913) zusammengetragen hat: Inkunabeln, Manuskripte, Au-
tografen und Gemälde, darunter die berühmten Hochzeitsporträts
von Martin Luther und Katharina Bora von Lucas Cranach d. Ä.
i 225 Madison Ave. 36th St., Di. – Do. 10.30 – 17.00, Fr. bis 21.00, Sa
10.00 – 18.00, So. 11.00 – 18.00 Uhr, Eintritt: 18 $, www.themorgan.org

Madison Unweit westlich des Empire State Building jenseits des Herald Square
Square wartet das riesige Kaufhaus Macy's auf Kundschaft. Noch weiter
Garden westlich markiert der 233 m hohe Turm One Penn Plaza das als
Center Sportarena berühmte Madison Square Garden Center zwischen Sixth
und Eighth Avenues. Im Untergrund verborgen ist der Großbahnhof
Pennsylvania Station.
New York City    ZIELE 361

Vom Kaufhaus Macy's aus führt der Broadway auf den lang gestreck- MMTimes
ten Times Square, das Herz des Theater District. Der Glanz ver- Square
blasste zwischenzeitlich, denn viele Theater waren durch Porno-
schuppen und Nachtbars ersetzt worden, die das Viertel zu einem
nicht ungefährlichen Platz machten. Anfang der 1990er-Jahre sorg-
ten Investoren aus Manhattan für Straßenreinigung, unterstützten
Programme für Drogenabhängige und Obdachlose und bauten na-
türlich kräftig. Heute herrscht am Times Square Stimmung und an-
stelle von Rotlicht-Etablissements residieren hier heute Disney, Vir-
gin, Marriott Marquis, Bertelsmann, Kinopaläste, das Nobelkaufhaus
Gap und Madame Tussaud's Wachsfiguren­kabinett.

Vom Times Square auf der 42nd Street sechs Blocks in östlicher Rich- 42nd Street
tung, vorbei an der New York Public Library (zweitgrößte Bibliothek
der USA), kommt man zum MM Chrysler Building. Mag das Empire
State Building das berühmteste sein, so ist dieser Art-Deco-Turm,
1930 fertiggestellt und 319 m hoch, unbestritten das schönste
Hochhaus New Yorks.
An der Kreuzung mit der Park Avenue ragt das 246 m hohe MetLife
Building (ehem. PanAm Building) auf, 1963 nach Plänen von Emery
Roth, Pietro Belluschi und Walter Gropius vollendet. Es steht über
der gewaltigen Grand Central Station.
Am Ende der 42nd Street liegen die M United Nations Headquar-
ters, das Hauptquartier der Vereinten Nationen. Das Gelände am

Das UN-Hauptquartier am East River,


dahinter ragt die Spitze des Chrysler Building auf.
362 ZIELE    New York City

East River konnte dank einer Spende von John D. Rockefeller erwor-
ben werden und wird beherrscht vom 134 m hohen, nach Plänen von
Le Corbusier und Niemeyer errichteten Secretariat Building (1953)
mit dem Büro des Generalsekretärs im 38. Stock. Es schließt das fla-
che General Assembly Building mit dem Saal der Vollversammlung
an; dort befinden sich auch ein Souvenirladen und das UN-Postamt.
i Führungen ab Visitors Lobby Mo. – Fr. 9.45 – 16.45 Uhr, Ticket: 16 $,
http://visit.un.org

Park, Madi- An den parallel laufenden Park, Lexington und Madison Avenues
son & Lexing- reihen sich Wolkenkratzer und andere Bauten auf: Union Carbide
ton Avenues Building (270 Park Ave.; 215 m), Chemical Bank (277 Park Ave.;
210 m), American Brands (245 Park Ave; 198 m), Seagram Building
(375 Park Ave.; 160 m) von Mies van der Rohe und Philip Johnson
(1958), Citibank (399 Park Ave.; 226 m), Lever House von 1952 mit
der ersten Glasfassade der Park Avenue sowie das traditionsreiche
Waldorf Astoria Hotel (301 Park Ave.). Blickfänge in der Lexington
Avenue: das General Electric Building (570 Lexington Ave.; 195 m),
das Citcorp Center (575 Lexington Ave; 279 m) von Hugh Stubbins
(1978) mit angeschrägtem Dach sowie, bereits in der 3rd Ave., das
»Lipstick Building« (1986) von Philip Johnson und John Burgee. In
der Madison Avenue unter anderem bemerkenswert: der IBM Tower
(590 Madison Ave.; 183 m) von E. L. Barnes (1984) mit einer wun-
derbaren überdachten Plaza und der IBM Gallery of Science and Art
sowie das Sony Building (ehemals A T & T Building, 550 Madison
Ave.; 197 m), die Ikone der Postmoderne von Philip Johnson (1983).

M St. Patrick's Im von Madison und Fifth Avenue sowie E. 50th und E. 51st Sts. be-
Cathedral grenzten Block behauptet sich die St. Patrick's Cathedral mit ihren
101 m hohen Türmen im Schatten der Hochhausriesen. Die Kathe­
drale, Sitz des Erzbischofs, wurde 1858 bis 1888 errichtet und be-
wahrt u. a. eine Figur von Elizabeth Ann Seton (1774 – 1821), der
1975 als erster US-Amerikanerin heilig gesprochenen Gründerin der
Sisters of Charity.

M Rockefeller Zwischen Fifth und Avenue of the Americas sowie 47th und 52nd Sts.
Center und taucht man ein in die größte zusammenhängend geplante Wol-
Umgebung kenkratzerstadt der Erde, das Rockefeller Center, voller Geschäfte
und Büros und verschönert mit moderner Kunst. Die Sunken Plaza
mit der vergoldeten Prometheus-Figur verwandelt sich im Winter in
eine Eislaufbahn, über der ein riesiger Weihnachtsbaum leuchtet.
Über allem ragt das 259 m hohe General Electric Building (früher
RCA Building) mit den Studios von NBC auf. Fast ein Muss für jeden
New-York-Besucher ist die im 70. Stock gelegene Aussichtsplattform
MMTop of the Rocks. Jenseits an der W. 50th St. liegt die Radio City
Music Hall, 1930 im Art Deco erbaut, mit 6 200 Plätzen größter Büh-
New York City    ZIELE 363

nensaal der Welt. Weitere beeindruckende Wolkenkratzer in der Um-


gebung: Exxon Building (1251 Ave. of the Americas; 229 m), McGraw
Hill Building (1221 Ave. of the Americas; 205 m), Equitable Center
Tower West (787 Seventh Ave.; 229 m), Olympic Tower (645 Fifth
Ave.; 189 m) von Skidmore, Owings und Merrill (1976) und, weiter
nördlich, der MTrump Tower (725 Fifth Ave.; 202 m)