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Juni/Juli 2019 Nr. 4/2019 € 4,95 Österreich € 5,70 . Schweiz sFr 8,40 BeNeLux € 5,90 .

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Marder III
So gefährlich
war der
Panzerjäger

1944: Westheer in der Falle

Der Kessel
von Falaise
Schulschiff Deutschland Die 12. Isonzoschlacht
Unterwegs mit dem größten Kriegsschiff 1917: Wie die Mittelmächte über
der Bundesmarine Italien triumphierten
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Herausgeber Dr. Guntram Schulze-Wegener
über Hitlers Etappen auf dem Weg in die Katastrophe
KOLUMNE

Der Kriegstreiber

or 80 Jahren steuerte Deutsch- häufig „Frieden“ und Friedenssehn- eng gefassten Volkstumsparolen ab-

V land zielgerichtet auf den Krieg


zu, woraus Hitler selbst kein
Geheimnis (mehr) machte. Die sich
sucht des deutschen Volkes vorge-
schoben zu haben, um seine wahren
Ziele zu verschleiern. Dies könne im
löste, als die Resttschechei durch den
Einmarsch deutscher Truppen in Prag
im März „erledigt“ war. Geschickt
steigernde aggressive Außen-, Innen- Volk die Ansicht nähren, das national- deutete die Propaganda den bevor-
und Propagandapolitik des Deut- sozialistische Regime wolle unter al- stehenden Kampf als einen Abwehr-
schen Reiches von Oktober 1938 bis len Umständen den Frieden bewah- und Verteidigungskrieg um die Frei-
zum 1. September 1939 spiegelt sich ren. „Das würde aber nicht nur zu
in Aussagen des Reichskanzlers wi- einer falschen Beurteilung der Zielset-
der, die keine Zweifel lassen. zung dieses Systems führen, sondern
Sein Kurs nach der Konferenz von es würde vor allem auch dahin füh-
München am 29./30. September 1938, ren, daß die deutsche Nation, statt
als ihm die Westmächte das Sudeten- den Ereignissen gegenüber gewapp-
land auf dem Silbertablett überreich- net zu sein, mit einem Geist erfüllt

Hitler redete jahrelang vom Frieden. Aber:


„So kann es auf keinen Fall weitergehen.“
ten (was ihn bekanntlich in Rage ver- wird, der auf die Dauer als Defaitis-
setzte), war eindeutig. Als eines der mus gerade die Erfolge des heutigen
Schlüsseldokumente gilt Hitlers Rede Regimes nehmen würde und neh-
vor deutschen Pressevertretern am men müßte. Der Zwang war die Ursa-
10. November 1938, einen Tag nach che, warum ich jahrelang nur vom
der „Reichskristallnacht“, auf die er Frieden redete. (...); so aber kann es auf
mit keinem Wort einging, die aber den keinen Fall weitergehen.“
Hebel zur Gewalt im Innern für alle Dann vernahmen die Journalisten Vorstufe zum Krieg:
sichtbar umlegte. einen Satz, der alles bisher Gesagte heit des deutschen Volkes und instru- Im Gefolge der
Und nach außen? Es sei noch in übertraf: die „pazifistische Platte“ ha- mentalisierte die „Einkreisung“ von Wehrmacht zog auch
diesem Jahr die Aufgabe gestellt, so be sich jetzt „bei uns abgespielt“, weil 1914 ebenso wie die „Kriegsschuld- Hitler 1939 in Prag
Hitler, das deutsche Volk vorzuberei- man ihr ohnehin keinen Glauben lüge“ von 1919. ein. Dass England
ten – gemeint war: auf Krieg. Er habe mehr schenken würde. Nun habe die Derweil schuf die Führung außen- und Frankreich
bisher „fast nur vom Frieden“ ge- Presse die Pflicht, binnen zwei Jahren politisch Fakten: Nachdem Hitlers weiteren Annexio-
sprochen, wozu ihn die Umstände ge- den Willen zum Krieg in einem Volk Bemühungen gescheitert waren, Eng- nen nicht tatenlos
zwungen hätten, denn nur so habe er zu wecken, das ihm wegen seiner land in sein Konzept einzubinden, zusehen konnten,
eine Rüstung vorantreiben können, pazifistischen Grundhaltung offen- billigte er Ende Januar 1939 den gegen hatte er da schon
„die immer wieder für den nächsten bar nicht ganz geheuer war. das Inselreich gerichteten „Z-Plan“, fest eingeplant
Schritt als Voraussetzung notwendig Was in den nächsten Monaten der ein gigantisches Flottenrüsten
war.“ Da hatte Deutschland längst zwangsläufig folgte, war eine plan- vorsah, und kündigte zwei Monate
schon den Völkerbund verlassen, die mäßig gesteuerte psychologische später den deutsch-britischen Flot-
allgemeine Wehrpflicht eingeführt, Mobilmachung auf allen Ebenen. Vor tenvertrag. Zu einem Zeitpunkt, als
Abb.: Interfoto/ERB

das Rheinland besetzt und im Spa- allem rückten Wehrmacht und Solda- er sich mit Blick auf die Sowjetunion,
nischen Bürgerkrieg den militäri- tendienst in den Mittelpunkt eines Rumänien und Ungarn entschlossen
schen Ernstfall geprobt. historisch vermeintlich legitimen völ- hatte, den polnischen Nachbarn mili-
Hitler gab offen zu, in der Vergan- kischen Strebens, wobei die weit aus- tärisch auszuschalten. Ohne jeden
genheit aus rein taktischen Gründen greifende Lebensraumfrage die allzu Zweifel: Hitler wollte den Krieg.

Militär & Geschichte 3


TITEL

Kessel von Falaise


INHALT

Zwei Monate nach dem D-Day


entbrannte südlich von Caen die größte
Kesselschlacht an der Westfront

Schulschif
Die Deutschland legte sich bei
ihren Auslandsfahrten schnell
auf die Seite – um aus Kadetten
echte Seemänner zu machen
Isonzoschlacht
Nach elf vergeblichen Anläufen
58 konnten die Mittelmächte 1917
endlich Italiens Abwehrfront im
Gebirgskrieg durchbrechen

46

4
Georg von
Frundsberg
revolutionierte
3 KOLUMNE Der Kriegstreiber mit seinen
1938 ließ der vermeintlich „friedliebende“ Hitler die Maske fallen Landsknechten
das Kriegswesen
6 PANORAMA Wussten Sie, dass ..., Die historische Zahl, Zitate in Europa

8 TITEL Entscheidung in der Normandie 24


Im August 1944 drohte das deutsche Westheer eingekesselt zu werden. Es blieb
ein enger Fluchtkorridor nach Osten – würde die Truppe ihn nutzen können?

24 MENSCHEN & SCHICKSALE Vater der Landsknechte


Wie Georg von Frundsberg seine Söldnerarmeen von Sieg zu Sieg führte
Abb.: United Archives/TopFoto/SZ Photo, Sammlung Holger Ott (2), Sammlung M&G (2), Interfoto/Austrian National Library, Norbert Weise, MIREHO

30 WAFFEN & TECHNIK Ein überzeugendes Provisorium


Warum der Panzerjäger Marder III für die Wehrmacht unentbehrlich wurde

38 NEU AM KIOSK Einblicke in unser Schwestermagazin


Clausewitz Spezial „Geheimwaffen des Dritten Reiches“ und Clausewitz 3/2019

40 KRIEGE & SCHLACHTEN Begehrt, belagert, beschossen


So wurde Straßburg 1870 von deutschen Truppen sturmreif geschossen

46 KRIEGE & SCHLACHTEN „Ein erschütterndes Spektakel“


1917: Die 12. Isonzoschlacht bescherte Italien eine katastrophale Niederlage

52 DOKUMENT Brisante Geschäfte


Wie „China-Klein“ in den 1920er-Jahren Waffen für die Reichswehr besorgte

54 VERBÄNDE & EINHEITEN In den Krieg gezwungen


Hunderttausende eingedeutschte Polen mussten in der Wehrmacht kämpfen Zeitreise: Im Oktober 2018 kam es zu
68 einer „Neuaulage“ der Schlacht bei
58 WAFFEN & TECHNIK Das schwimmende Klassenzimmer Wartenburg von 1813
Ab 1965 war das Schulschiff Deutschland auf allen Weltmeeren unterwegs

66 MILITARIA Feind hört mit!


Enigma-Nachfolger: Das Schlüsselgerät 41 war vom Feind nicht zu knacken

68 SPEZIAL Wieder gegen Napoleon


Reenactment: Geschichtsfans stellen Schlachten der Befreiungskriege nach

72 SPEZIAL Häuserkampf an der Donau


Österreich 1934: Warum sich linke und rechte Kräfte blutige Gefechte lieferten

78 SERVICE Bücher, Ausstellungen, Militärhistorisches Stichwort


Von den Bogenschützen des Mittelalters bis zur Schlacht von Stalingrad

80 EINST & JETZT Das Licht in den Alpen


1945 stauten sich Kriegsflüchtlinge an der Grenze zu Liechtenstein
Februarkämpfe: 1934 musste das
82 RUBRIKEN Vorschau, Impressum 72 österreichische Bundesheer gegen
linke Aufständische antreten

Titelthema
Panzerjäger: Der Marder III
konnte den Kampfpanzern
der Alliierten Paroli bieten

Zum Titelbild: Zerstörte Panzer IV 30


und VI in der Normandie, davor ein
MG-Schütze der Wafen-SS. Quellen:
BArch 101I-494-3376-08A und 146-
1983-109-14A, BArch 101I-297-1729-19,
Slg. Holger Ott, Scherl/SZ Photo

Militär & Geschichte 5


„Der Krieg ist die höchste Steigerung
PANORAMA

menschlicher Leistung, er ist die


natürliche, letzte Entwicklungsstufe
in der Geschichte der Menschheit. “
Hans von Seeckt (1866–1936), deutscher Generaloberst
und Chef der Heeresleitung der Reichswehr

Das antike Sax-Schwert gab dem WUSSTEN SIE, DASS …


Stamm der Sachsen seinen Namen
… die Sachsen ihren Namen von dem
Schwert Sax erhielten?
Das Sax oder Sachs ist ein einschneidiges
Hiebschwert, das in verschiedenen Varianten
von der Eisenzeit bis zum Mittelalter in Mittel-
Die Preußen und Nordeuropa verbreitet war.
waren Mitte des
18. Jahrhunderts … die schnellsten Schützen im Sieben-
die schnellsten jährigen Krieg die Preußen waren?
Schützen – auch Ein Infanterist im Heer Friedrichs des Großen
weil man sie konnte im Schnitt bis zu sechs Schuss pro
intensiv drillte Minute abfeuern – mehr als die Soldaten
anderer Armeen. Die Preußen waren damals die
schnellsten und auch treffsichersten Schützen.

… das britische Königshaus sich wegen der

Abb.: Sammlung M&G (2), Scherl/SZ Photo, Scott Dunham (CC BY 3.0), p-a/akg-images, Claudio Fernandez
deutschen Gotha-Bomber umbenannte?
Die seit 1840 in Großbritannien herrschende
Dynastie Sachsen-Coburg und Gotha gab sich
1917 unter anderem aufgrund der Angriffe der
zweimotorigen Langstreckenbomber Gotha G.II
bis G.V auf England den Namen Windsor.

… der wohl weltweit erste Hybridantrieb


für einen deutschen Panzer entwickelt wurde?
Ferdinand Porsche entwickelte ihn für einen
Der Jagdpanzer im Frühjahr 1942 fertiggestellten Prototypen.
„Elefant“ ging aus Zwei Benzinmotoren fungierten dabei als
einem Panzer- Generatoren, die den Strom für zwei Elektro-
prototypen mit motoren produzierten, die wiederum die
frühem Hybrid- Kettenräder antrieben. Der Antrieb fiel bei der
motor hervor Geländevorführung jedoch mehrfach aus.
Später entwickelte man aus diesem Prototyp
den schweren Jagdpanzer Ferdinand/Elefant.

… Japan mit 18.000 Fahrrädern im Winter


Unter Japans 1941/42 die Malaiische Halbinsel überrannte?
Militärflagge Der japanische Generalleutnant Tomoyuki Ya-
war die Armee mashita kopierte hierbei die Blitzkriegstrategie
Ende 1941 mit Deutschlands und legte mit drei Divisionen,
einer Blitzkrieg- 200 leichten Panzern und den Zweirädern in
strategie nicht einmal 70 Tagen eine Strecke von knapp
erfolgreich 1.000 Kilometern zurück – und das trotz schwieri-
gen Geländes und numerisch überlegener Briten.

6
„ Man muss die Obristen sehr gut bezahlen,
sonst machen sie Beute auf eigene Faust.“
Albrecht von Wallenstein (1583–1634), Feldherr des Dreißigjährigen Krieges

„Unsicherheit im Befehlen erzeugt Unsicherheit im Gehorchen.“


Helmuth von Moltke (1800–1891), preußischer Generalfeldmarschall

„ Die Admiralität hatte sechs Schlachtschiffe verlangt, die Sparmeister wollten


nur vier genehmigen, und als Kompromiss haben wir dann acht gebaut.“
Winston Churchill (1874–1965), britischer Staatsmann, über seine Zeit als Marineminister vor dem Ersten Weltkrieg

DIE HISTORISCHE ZAHL

15.000
Angehörige der US-Luftwaffe kamen zwischen 1941 und
Emblem der USAAF:
Aus den United States
1945 allein durch Flugunfälle in den USA ums Leben. Army Air Forces ging
1947 die United States
Air Force (USAF) hervor

Im Zweiten Weltkrieg
starben fast 89.000 An-
gehörige der USAAF,
darunter über 52.000 im
Kampfeinsatz. Im Bild eine
bruchgelandete Grumman
F6F-3 Hellcat auf dem
Deck der USS Enterprise

Militär & Geschichte 7


TITELTHEMA

DER KESSEL
VON FALAISE, 1944
Abb.: Interfoto/awkz

Entscheidung in
Im August 1944 konnten die Alliierten südlich von Caen die deutschen Linien
durchbrechen. Mehrere deutsche Divisionen drohten rund um Falaise
eingekesselt zu werden – und der schmale Korridor, der für einen Ausbruch
nach Osten verblieb, schloss sich mit beängstigender Geschwindigkeit

8
Auf dem Vormarsch: Im Sommer 1944 versuchten die
Invasionstruppen ins Landesinnere vorzustoßen. Der
„Panther“ am Straßenrand zeugt von schweren Kämpfen

der Normandie

Militär & Geschichte 9


nübersehbar zeichnete sich schen in die Zange zu nehmen. Damit 2. und 116. Panzer-Division aus dem

U Ende Juli 1944 ab, dass die über-


spannte deutsche Front in der
Normandie bald reißen würde. Schon
geriet das deutsche Westheer in akute
Gefahr, eingekesselt zu werden.
Kampfraum südlich von Caen in den
Frontabschnitt der 7. Armee.
Die Taktik der Amerikaner und Bri-
fast zwei Monate dauerte die Mate- Die Front reißt auf ten gegen die Deutschen in der Nor-
TITELTHEMA

rialschlacht, und niemand auf deut- Am 25. Juli 1944 starteten die Ameri- mandie ähnelte jener, welche die Rote
scher Seite konnte noch ernsthaft kaner die Operation „Cobra“. Massive Armee bei ihren Gegenoffensiven an
daran glauben, es würde gelingen, die Luftangriffe schwächten die deut- der Ostfront praktizierte: Durch ab-
Alliierten wieder ins Meer zu werfen. schen Verbände, und am folgenden wechselnde Vorstöße an verschiede-
Am 28. Juli meldete die deutsche Pan- Tag konnte die 1. US-Armee unter nen Frontabschnitten zwangen sie
zergruppe West, sie verfüge über kei- General Omar Bradley westlich von die Wehrmacht, bewegliche Verbände
nerlei Reserven mehr. Dabei traten Saint-Lô die Front aufreißen. Der aus den jeweils weniger bedrohten
Räumen abzuziehen. Kaum waren
die Verbände unterwegs, griffen die
Die Amerikaner bekamen die Chance, die Alliierten an jenem Abschnitt an, der
deutsche Front von hinten aufzurollen. nun durch den Abzug der Kräfte ge-
schwächt war.
die Angloamerikaner gerade zu einer deutschen 7. Armee, die in diesem Am 30. Juli begann die britische Of-
groß angelegten Durchbruchs- und Abschnitt kämpfte, gelang es nicht, fensive „Bluecoat“. Ziel war, die Deut-
Umfassungsoperation an. Während die Amerikaner aufzuhalten. General- schen am Abzug weiterer Kräfte zu
die Briten von Norden Richtung Fa- feldmarschall Günther von Kluge, hindern und die östliche amerikani-
laise vorstießen, holten die Amerika- der Oberbefehlshaber West, befahl sche Angriffsflanke zu decken. Zu-
ner nach Süden aus, um die Deut- deshalb am 27. Juli die Verlegung der gleich sollten die Angreifer die Stadt

Ein „Panther“ im Feuerkampf.


Mehrere Panzerdivisionen
von Wafen-SS und Wehr-
macht wurden südlich von
Falaise zusammengedrängt

10
Die SS-Division „Hitlerjugend“ konnte die
alliierte Ofensive auf Falaise Anfang August Das Selbstlade-
kurzzeitig auhalten. Rechts: Ein Spähtrupp gewehr 43 kam
der Wafen-SS, der Feind ist schon nah heran im Westheer häuig
zum Einsatz. Auch
Vire erreichen, die als Verkehrskno- Vorstoß nach Süden beginnen. Die Der Korridor ostwärts von Avran- wenn es sehr dem
tenpunkt für die Versorgung der deut- Amerikaner erhielten nun die Chan- ches, durch den die US-Verbände un- Karabiner 98k
schen 7. Armee unentbehrlich war. ce, die gesamte deutsche Front von gehindert nach Süden strömten, war ähnelte, war damit
Um den britischen Vorstoß zu parie- hinten aufzurollen. Anfang August etwa 40 Kilometer doch erstmals
ren, mussten die Deutschen am 1. Au- Während die Kämpfe bei Caen bis- breit. Die deutsche Führung hoffte, Schnellfeuer-
gust das II. SS-Panzer-Korps in den her meist den zähen Materialschlach- dass ein eigener Gegenangriff zur abgabe möglich
Raum ostwärts von Vire verlegen. ten des Ersten Weltkriegs ähnelten, Küste gelingen und die durchgebro-
konnte Pattons Armee jetzt im weit- chenen Amerikaner abschneiden
Der Schlüssel zur Bretagne gehend freien Raum operieren. Das würde. Daher erteilte das Oberkom-
Abb.: Scherl/SZ Photo (3), MIREHO (2)

Doch inzwischen hatte sich die Lage Konzept der schnellen Panzeropera- mando der Wehrmacht (OKW) dem
für die Deutschen weiter westlich tionen, das der Wehrmacht während Oberbefehlshaber West am 2. August
drastisch verschärft. Am 31. Juli fiel ihrer „Blitzfeldzüge“ immer wieder die Weisung, mit starken Panzerkräf-
den Amerikanern bei Pontaubault erstaunliche Erfolge gebracht hatte, ten einen Gegenstoß auf Avranches Die 12. SS-Panzer-
südlich von Avranches eine unzer- wandten die Amerikaner nun gegen durchzuführen. division rekrutierte
störte Brücke über den Fluss Sélune die Deutschen an. Dabei kam ihnen Generalfeldmarschall von Kluge sich anfangs aus
in die Hand. Diese Brücke war der zugute, dass sie die absolute Luftherr- hatte diesen Gedanken bereits selbst wehrplichtigen
Schlüssel zur Bretagne. Über sie konn- schaft hatten und enorme Mengen an erwogen, und alle Frontoberbefehls- Angehörigen der
te die 3. US-Armee unter General Nachschub erhielten, während für die haber befürworteten den Gegenan- HJ, die diesen
George Patton am nächsten Tag ihren deutschen Kräfte kaum Ersatz eintraf. griff. Die deutsche Führung glaubte Streifen am linken
Unterärmel trugen

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

In Falaise eingeschlossene deutsche Divisionen


Am 19. August 1944, als die Alliierten den Die 2. SS-Pz.Div. „Das Reich“ und die 9. SS-
Kessel von Falaise schlossen, befanden sich Pz.Div. „Hohenstaufen“ waren am 16. August
darin: 2. Pz.Div., Teile der 21. Pz.Div., 116. Pz.Div., aus dem sich schließenden Kessel nach
84. Inf.Div., 89. Inf.Div., 271. Inf.Div., 276. Inf.Div., Osten abmarschiert, um für Gegenangrife
277. Inf.Div., 326. Inf.Div., 353. Inf.Div., 363. Inf.Div., von außen bereitzustehen.
3. Fsch.Jg.Div., 1. SS-Pz.Div. „Leibstandarte SS Vor der Schließung des Kessels waren zudem
Adolf Hitler“, 10. SS-Pz.Div. „Frundsberg“, nach Osten abgedrängt worden: 9. Pz.Div.,
12. SS-Pz.Div. „Hitlerjugend“. Teile der 21. Pz.Div., 85. Inf.Div., 708. Inf.Div.

Militär & Geschichte 11


Gefahr aus der Luft. Dieses Gemälde
gibt besser als jedes Foto wieder, was
die deutschen Truppen im Kessel
TITELTHEMA

auszuhalten hatten: Die nach Osten


liehenden Kolonnen waren den
alliierten Kamplugzeugen fast
schutzlos ausgeliefert

Banger Blick nach oben:


Mit seinem MG 42 konnte
dieser Soldat gegen die
absolute Luftherrschaft
der Amerikaner und Briten
wenig ausrichten

12
Abb.: United Archives/TopFoto/SZ Photo, Scherl/SZ Photo, MIREHO
Wegen Treibstoffmangels konnten
Vielseitig: die Deutschen zudem nur 120 Panzer
Das MG 42 mit zum Angriff antreten lassen. Trotz-
50 Patronen in dem gelangen ihnen zunächst Gelän-
der Gurttrommel degewinne, Mortain und Juvigny fie-
zwar nicht, dass ein eigener Hitler und das OKW wollten eigent- verwendete man len in ihre Hand. Doch nach Tages-
Erfolg bei Avranches das lich noch warten, bis weitere Panzer- 1944 nicht nur im anbruch dominierten alliierte Flieger
Kriegsglück im Westen wenden verbände zur Verfügung standen, infanteristischen den Luftraum. Außerdem traten die
und eine alliierte Gesamtnieder- doch Kluge drängte, denn die Zeit Bodenkampf, Amerikaner zu Gegenstößen an.
lage in der Normandie zur Folge ha- arbeitete für die Alliierten. Diesen sondern auch in Trotzdem setzten die Deutschen die
ben würde. Aber man wollte wenigs- blieb der deutsche Aufmarsch für den der Flugabwehr Operation „Lüttich“ am folgenden Tag
tens die nötige Zeit gewinnen, um die Gegenangriff nicht verborgen. Zum ei- und als Sekundär- fort. Die 2. Panzer-Division schaffte es,
stark geschwächten eigenen Verbän- nen bemerkten sie den Abzug deut- wafe am Panzer bis auf 15 Kilometer an das Operati-
de geordnet aus der Normandie zu- scher Truppen aus der Front südlich onsziel Avranches heranzukommen.
rückziehen zu können. von Caen, zum anderen hatten sie Aber dann brachten die Amerikaner
Auf Befehl Kluges begann der deut- den deutschen Funkschlüssel gebro- den Angriff mit frisch in den Kampf
sche Gegenstoß mit dem Decknamen chen und lasen den Funkverkehr ih- geworfenen Kräften und ihrer Luft-
„Lüttich“ in der Nacht zum 7. August. res Gegners mit. herrschaft vollends zum Stehen.

Militär & Geschichte 13


TITELTHEMA

Am selben Tag, dem 8. August 1944, Michael Wittmann, einer der bekann- aussichtslose Operation „Lüttich“ auf-
Abb.: Interfoto/Granger, NYC, Slg. M&G, MIREHO-Weitze, Graik: Anneli Nau (Quelle. MGFA 04313-16)

starteten kanadische, britische und testen Panzerkommandanten des zugeben und die Panzerverbände
polnische Kräfte im Verband der 1. Ka- Zweiten Weltkriegs. Sein „Tiger“ er- rasch nach Osten zurückzunehmen,
nadischen Armee südlich von Caen hielt auf kurze Entfernung Treffer in um der Gefahr der Einschließung zu
die Offensive „Totalize“. Mit ihren die linke Wannenseite. Der Panzer ex- entgehen. Doch dies geschah nicht,
60.000 Soldaten und mehr als 600 Pan- plodierte, die gesamte Besatzung fiel. und nach dem Krieg schoben alle be-
zern waren sie den Deutschen perso- Am folgenden Tag erreichten die teiligten Generäle die Schuld auf Hit-
nell dreifach, bei der Anzahl der Pan- Spitzen von Pattons 3. US-Armee Le ler. In Wirklichkeit war es jedoch Klu-
zer sogar zehnfach überlegen. Mans, das 100 Kilometer südlich von ge, der dem OKW meldete, er wolle
Schwarze Feld- Falaise liegt. Eine klassische Zangen- den Angriff auf Avranches fortführen
Bittere Verluste mütze 43 für operation zeichnete sich ab, wobei die und das damit verbundene Risiko ein-
Schwere Bombenangriffe begleiteten Panzermänner 1. Kanadische Armee bei Falaise die gehen. Hitler befahl daraufhin die
die alliierten Vorstöße, deren Ziel die der Wafen-SS.
Stadt Falaise war. Trotzdem gelang es Mit ihrem oft aus-
der 12. SS-Panzer-Division „Hitlerju- ladenden Schirm
Bei Argentan wollten die Alliierten ihre Stoß-
gend“ und dem III. Flak-Korps mit sei- schützte sie vor keile vereinen und den Kessel schließen.
nen 8,8-cm-Kanonen, den alliierten blendender Sonne
Vorstoß etwa 20 Kilometer nördlich wie auch vor nördliche, Pattons 3. US-Armee die Fortsetzung der Operation „Lüttich“.
von Falaise aufzuhalten. Allerdings starkem Regen südliche Schneide bildete. Pattons Allerdings wollte der „Führer“ zu-
erlitten die Deutschen dabei emp- Verbände schwenkten nach Norden nächst weitere Kräfte heranführen
findliche Verluste: Bei der Ort- ein und stießen weiter Richtung Ar- und günstigeres Wetter abwarten.
schaft Cintheaux schossen bri- gentan vor. Dort wollten sie sich Am 10. August meldete Kluge dem
tische und kanadische Panzer mit den Kanadiern vereinigen OKW, der Angriff auf Avranches kön-
gegen Mittag fünf „Tiger“ der und den Kessel schließen, in ne frühestens am 20. August wieder
schweren SS-Panzer-Abtei- dem sich die Masse des deut- aufgenommen werden. Er schlug vor,
lung 501 ab. Einen dieser schen Westheeres befand. einen Teil der verfügbaren Panzer-
Panzer kommandierte Für die Deutschen wäre es kräfte in der Zwischenzeit zum An-
SS-Hauptsturmführer nun höchste Zeit gewesen, die griff nach Südosten gegen Pattons

14
SOMMER 1944
Desaster im Westen und im Osten
Zur gleichen Zeit, als das deutsche Westheer bei macht an der Westfront insgesamt etwa 35.500 Solda-
den Kämpfen in der Normandie aufgerieben wurde, ten (Tote, Verwundete, Vermisste), an der Ostfront
erlitt die Wehrmacht an der Ostfront eine noch dagegen 125.500. Im Juli 1944 betrugen die Gesamtver-
größere Niederlage. Am 22. Juni 1944 begann die luste im Westen zirka 105.000 Mann, im Osten dage-
Rote Armee ihre Großofensive „Bagration“, in deren gen mehr als 400.000. Im August stiegen die deut-
Verlauf es ihr gelang, die gesamte Heeresgruppe schen Verluste an der Westfront auf 148.500. An der
Mitte zu zerschlagen. Dieser sowjetische Sieg stand Ostfront betrugen sie im selben Monat fast 375.000
in der Geschichtsschreibung jahrzehntelang im Schat- Mann. An beiden Fronten verloren die Deutschen im
ten der alliierten Invasion in der Normandie. Sommer 1944 demnach rund 1,19 Millionen Mann.
Welche Dimensionen und gravierenden Folgen die Fast 95.000 Soldaten starben, etwa 395.000 wurden
Kämpfe an der Ostfront hatten, zeigt indes ein Ver- verwundet, mehr als 700.000 galten als vermisst.
gleich der Verlustzahlen. Im Juni 1944 verlor die Wehr- Die meisten von ihnen gerieten in Gefangenschaft.

Generalfeldmarschall
Günther von Kluge wurde als
OB West von Hitler für die
Niederlage in der Normandie
verantwortlich gemacht
und Mitte August abgesetzt

Häuserkampf: Amerikanische
Soldaten nehmen ein Dorf in der
Normandie ein; wieder haben die
deutschen Verbände einen ihrer
wertvollen „Panther“ verloren

15
Ruinen und Tote:
Große Teile von
Falaise wurden
TITELTHEMA

während der
Kesselschlacht
zerstört; links
die Kirche Saint-
Gervais. Rechts:
Vor einem Halb-
kettenfahrzeug
liegt einer von
10.ooo deutschen
Gefallenen

3. US-Armee anzusetzen. Diese stand Trümmer überhaupt noch als solche die Briten zu kränken, wenn sie die
am selben Tag bereits 25 Kilometer anzusprechen?! Unser Panzerregi- vereinbarte Grenze zum britischen
nördlich von Le Mans und traf kaum ment verfügt über, sage und schreibe, Operationsgebiet überschritten. Sol-
auf nennenswerten Widerstand. fünf einsatzfähige Panzer trotz der che politischen Erwägungen beein-
Doch erst einen Tag später, am 11. Au- unermüdlichen Einsatzbereitschaft flussten bei den Angloamerikanern
gust, sah Kluge ein, dass der weitere und Arbeit der technischen Dienste. immer wieder die operativen Ent-
Angriff auf Avranches aussichtslos Bei den anderen Divisionen dürfte es scheidungen, was ein großes Dilem-
Abb.: SZ Photo/SZ Photo, Scherl/SZ Photo, ap/dpa/p-a/SZ Photo

war, und bat Hitler um die Genehmi- ähnlich aussehen.“ ma der alliierten Kriegführung war.
gung, seine Panzerkräfte nach Südos- Am 12. August stießen Pattons Ver- Um Argentan doch noch so rasch
ten angreifen zu lassen, um den ame- bände weiter nach Norden vor und er- wie möglich zu erreichen, begann die
rikanischen Vorstoß auf Argentan zu oberten Alençon. Dort hatte die deut- 1. Kanadische Armee am 14. August
stoppen. Hitler war einverstanden, sche 7. Armee ihre Versorgungsbasis, eine neue Offensive: die Operation
wollte den Angriff auf Avranches aber deshalb wog der Verlust dieser Stadt „Tractable“. Begleitet von massiven
noch nicht völlig aufgeben. für die Wehrmacht besonders schwer.
Am folgenden Tag erreichten die Ame-
Aussichtslose Lage rikaner ihr Operationsziel Argentan.
Doch in Wirklichkeit war weder an Eigentlich sollten sie sich dort mit den
den erneuten Vorstoß auf Avranches Briten und Kanadiern vereinigen, die
noch an einen Angriff gegen Pattons von Caen aus nach Süden vorstießen.
Verbände zu denken. Der Erste Ordon- Doch die 1. Kanadische Armee steckte
nanzoffizier (O1) der 10. SS-Panzer- noch immer nördlich von Falaise fest,
Division „Frundsberg“ bemerkte da- und Pattons Vorgesetzte erlaubten
zu: „Die Befehle sprechen von Panzer- ihm nicht, weiter nach Norden vorzu-
divisionen. Sind diese dezimierten stoßen. Die Amerikaner befürchteten,

Im Rückzugskampf: Eine 5-cm-PaK 38 der Wafen-SS


eröfnet das Feuer auf britische Spähwagen

16
INTERVIEW

Eine komplett neue Erfahrung


Der Historiker Markus Pöhlmann erläutert, was die Panzertruppe 1944 noch leisten
konnte und welchen Zwängen sie unterlag. Das Gespräch führte Roman Töppel

Herr Dr. Pöhlmann, Sie haben 2016 ein Buch macht den Panzerkrieg führen wollte, Waffen hatte, waren die Kampfgrup-
über die Geschichte des Panzers von 1890 darüber konnte sie ja gar nicht mehr pen ein gefährliches Instrument für
bis 1945 veröffentlicht. Darin haben Sie sich frei entscheiden. lokale Gegenangriffe. Der Aufbau von
unter anderem mit dem jeweiligen Kriegs- Und was bedeutet das für die Frage „Klasse Kampfgruppen – und selbstständigen
bild auseinandergesetzt, das die deutsche oder Masse“ bei der Panzerrüstung? Panzerbrigaden – ist aber auch ein In-
Führung hatte. Offenbart nicht gerade die Pöhlmann: Mit den Panzertypen V und diz dafür, dass es 1944 kräftemäßig
Schlacht in der Normandie die massive VI betrat in der Tat eine neue Generati- deutlich dem Ende zuging.
Überschätzung des Waffensystems Panzer on von Kampfpanzern das Schlacht- Die Nachkriegsgeschichtsschreibung hat
durch die Deutschen? feld. Aber was nutzte der beste Panzer, Hitler allein für alle Fehlentscheidungen ver-
Pöhlmann: Ich denke, dass die Panzer- wenn die Massenfertigung nicht im antwortlich gemacht. Sie haben in Ihrem
divisionen bis zum letzten Kriegstag zu erforderlichen Umfang auf den Weg Buch hingegen zu Recht darauf hingewie-
Recht eine zentrale Rolle im taktischen gebracht werden konnte, wenn Ersatz- sen, dass Hitler keineswegs jener inkompe-
und operativen Werkzeugkasten der teile, Munition, Betriebsstoffe und vor tente Dilettant war, als der er gern gesehen
Wehrmacht spielten. Bei der Diskussi- allem gut ausgebildete Besatzungen wird. Wie ist seine Rolle beim Rückzug aus
on, ob die Panzertruppen bei der Ab- knapp wurden? Bis zum Ende des Krie- der Normandie zu bewerten?
wehr der Invasion zweckmäßig einge- ges blieben doch letztlich die kampf- Pöhlmann: Die These, dass es Hitler
setzt waren, vergisst man allerdings oft wertgesteigerten Panzer IV die Träger „verbockt“ habe, ist natürlich ein Argu-
einen Aspekt: Die Deutschen hatten die des Gefechts. So wichtig wie die Frage ment der Generalität nach 1945. Diese
Luftherrschaft verloren. Ihre Divisio-
nen wurden vor allem aus der Luft ge- Der Aufbau von Kampfgruppen verdeutlicht,
lähmt, ja sogar zerschlagen. Das Schick-
sal der Panzerlehrdivision im Verlauf dass es 1944 kräftemäßig dem Ende zuging.
des Unternehmens „Cobra“ ist das bes-
te Beispiel. Das war eine komplett neue nach „Klasse oder Masse“ ist, so wichtig versuchte damit von ihren eigenen mi-
Erfahrung für die Wehrmacht, vor erscheint mir auch der Hinweis, dass es litärischen Fehlern und Verstrickungen
allem für ihre Panzertruppen. insgesamt einen klaren Trend weg in die Verbrechen abzulenken. Hitler
In den Feldzügen im Westen 1940 und in der vom Kampfpanzer und hin zu Sturm- als militärischer Führer ist ein span-
Sowjetunion 1941 hat die Wehrmacht er- geschützen und Jagdpanzern gab. Das nendes Thema. Dabei muss man aber
staunliche Erfolge erzielt. Dabei waren da- war eine zwingende Folge davon, dass die einzelnen Phasen genau betrach-
mals gerade ihre Panzer dem Gegner unter- sich die Wehrmacht an allen Fronten in ten. Für 1944 treten jedoch seine Defizi-
legen. In der zweiten Kriegshälfte legte die der Abwehr befand. te schon sehr stark hervor: chronisches
deutsche Führung hingegen immer größe- Sie haben in Ihrem Buch dargelegt, dass die Misstrauen in die eigene militärische
ren Wert auf die qualitative Überlegenheit deutsche Führung nach der Niederlage ihrer Führung, Mikromanagement bei den
der Panzer als vermeintlich kriegsentschei- Panzerdivisionen in der Normandie organi- Operationen und in Fragen der Rüs-
dende Waffe. Hatte man die Lehren der Ver- satorisch Konsequenzen zog.Welche waren tung, Flucht in den Glauben an irgend-
gangenheit vergessen beziehungsweise die das denn? welche „Wunderwaffen“. Dazu kommt
Zeichen der Zeit nicht erkannt? Pöhlmann: Die gliederungsmäßigen der gesundheitliche Verfall, auch der
Pöhlmann: Bei der deutschen Panzer- Veränderungen waren nicht allein das Schock durch das Attentat am 20. Juli.
kriegführung gab es zwischen 1939 und Ergebnis der Normandiekämpfe. Hier Das passierte ja während der Norman-
1945 Erfolge, Brüche und Krisen. Das flossen auch Erfahrungen von der Ost- diekämpfe. Danach hat sich kaum
Problem ist, dass wir in der Regel nur front ein. Das zeigte sich bei der Gliede- noch jemand getraut, dem Diktator in
auf die Erfolge der ersten zwei Jahre rung der Panzer- und der Panzergrena- militärischen Fragen die Stirn zu bie-
schauen und dann die späteren Krisen dierdivisionen. Diese wurden ab Mitte ten. Die Generalität hat den Krieg aber –
als eine Folge des Abweichens vom 1944 „schlanker“, verfügten anteilsmä- teilweise wider besseres Wissen – bis
angeblichen „Siegesrezept“ operativer ßig über weniger Kampfpanzer und vor zum bitteren Ende durchgezogen.
Panzerkriegführung erklären. Das ist allem wurde die Logistik neu organi-
natürlich Unsinn. Wir sollten vielmehr siert. Wichtig ist außerdem, dass die Dr. habil. Markus Pöhlmann arbeitet
genauer auf die taktischen, operativen, Division als Ganzes in den Abwehr- am Zentrum für Militärgeschichte und
strategischen und rüstungsmäßigen kämpfen ohnehin immer seltener zum Sozialwissenschaften der Bundeswehr.
Bedingungen schauen, unter denen Einsatz kam. Stattdessen warf man bei Zu seinen Veröfentlichungen zählt das
Buch Der Panzer und die Mechanisierung
ab 1942 Panzerkrieg geführt werden Bedarf zusammengesetzte, gepanzerte
des Krieges. Eine deutsche Geschichte
musste. Auch der mächtigste Gegner Kampfgruppen ins Gefecht. Wenn die- 1890 bis 1945, Paderborn 2016
der Wehrmacht, die Rote Armee, hatte se gut geführt waren und die Truppe
schließlich dazugelernt. Wie die Wehr- Erfahrung im Gefecht der verbundenen

Militär & Geschichte 17


Dramatische Bilder an
der Straße von Caen nach
Falaise; Bombenabwürfe
und Artillerie haben Brän-
TITELTHEMA

de verursacht, die den


Himmel verdüstern. Im
Vordergrund sind kanadi-
sche Soldaten zu sehen

Abb.: United Archives/TopFoto/SZ Photo, Scherl/SZ Photo


Bombenangriffen, traten zwei kanadi- wagen zerstört hatten, steigerte sich
sche Infanteriedivisionen sowie eine Hitlers Zorn. Er glaubte, Kluge sei ein
Hofnungslos: kanadische und eine polnische Pan- Komplize der Attentäter des 20. Juli
Trotz höchstem zerdivision zum Angriff beiderseits und verhandle mit den Alliierten.
Einsatz blieb der Straße Caen–Falaise an. Unter Zwar meldete sich der Feldmarschall
auch den SS- dem Schutz einer künstlichen Nebel- am Abend des 15. August wieder und
Soldaten der wand durchbrachen sie die deutsche bat das OKW noch einmal dringend
„Hitlerjugend“ Front und standen am Abend acht Ki- um die Genehmigung zum Rückzug
am Ende nur
die Flucht
Mitte August erkannte selbst Hitler, dass die
Schlacht in der Normandie verloren war.
lometer nördlich von Falaise. Der Kor- nach Osten. Aber Hitlers Entschluss,
ridor zwischen ihnen und den Ameri- Kluge abzulösen, stand nun fest. Am
kanern im Süden war jetzt nur noch 17. August erschien ohne Ankündi-
28 Kilometer breit. gung Generalfeldmarschall Walter
Generalfeldmarschall von Klu- Model bei Kluge und überreichte ihm
ge hielt nun alle weiteren eige- ein Schreiben Hitlers. Darin gab der
nen Angriffe für unmöglich „Führer“ Kluges Ablösung durch Mo-
und forderte von Hitler den del bekannt. Als völlig gebrochener
Befehl zum Rückzug nach Mann beging Kluge zwei Tage später
Osten. Auch Hitler erkannte, Selbstmord.
dass die Schlacht in der Nor-
mandie verloren war. Für die Hitler genehmigt Rückzug
Niederlage machte er Kluge Inzwischen hatte sich die Lage für die
verantwortlich. Dieser habe den Deutschen noch weiter zugespitzt.
Gegenangriff „Lüttich“ auf Avran- Am 15. August führten die Alliierten
ches zu früh und mit zu geringen in Südfrankreich eine zweite Lan-
Kräften begonnen, daher sei er dungsoperation durch, sodass die
gescheitert. Wehrmacht an einer weiteren Front
Als Kluge am nächsten Tag kämpfen musste. Nördlich von Fa-
nicht erreichbar war, weil alli- laise rissen Briten und Kanadier die
ierte Jagdbomber seinen Funk- Front des I. SS-Panzer-Korps in einer

18
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Breite von 15 Kilometern auf. Das se ein. Am selben Tag genehmigte Hit- beiden Flüsse Orne und Dives nur
Korps meldete, die 85. Infanterie- ler endlich die Absetzbewegung nach wenige Brücken und Furten zur Ver-
Division sei fast aufgerieben und Osten. Diese musste nun in aller Eile fügung standen, vor denen sich die
die Division „Hitlerjugend“ habe nur vonstattengehen, denn die Alliierten zurückflutenden Truppen stauten.
noch 15 Panzer. Trotzdem leisteten verengten den deutschen Rückzugs-
TITELTHEMA

die Deutschen noch immer derart hef- raum immer weiter. Zugleich griffen Unbeschreibliche Szenen
tigen Widerstand, dass die britische sie den ständig schrumpfenden Kes- Zwei Tage später näherten sich kana-
Führung beschloss, den Hauptstoß sel konzentrisch an und beschossen dische Einheiten von Nordwesten bis
nicht weiter auf Argentan zu führen. ihn ununterbrochen mit Artillerie. auf wenige Kilometer der Ortschaft
Stattdessen griff die 1. Kanadische Um so rasch wie möglich dieser Todes- Chambois, wo es zur Vereinigung mit
Armee Richtung Chambois an, das et- zone zu entgehen, blieb den Deut- den Amerikanern kommen sollte.
wa zehn Kilometer nordostwärts von schen nichts anderes übrig, als auch Diese hatten sich unterdessen bis an
Argentan liegt. Dort wollte man sich tagsüber nach Osten zu marschieren.
mit den Amerikanern vereinigen Dadurch waren sie jedoch den stän- Schulterklappe
und den Kessel von Falaise schließen. digen alliierten Luftangriffen fast eines Soldaten der
Am 16. August drangen kanadi- schutzlos ausgesetzt und erlitten un- 1. SS-Panzer-Divisi-
sche Truppen in das von der briti- geheure Verluste. Erschwerend kam on „Leibstandarte
schen Luftwaffe völlig zerstörte Falai- hinzu, dass für den Übergang über die SS Adolf Hitler“
mit aufgesticktem
LAH-Symbol

20
Gegen Feindlieger getarnt:
Schützenpanzer auf dem Rückzug;
Hunderte Fahrzeuge aller Art
mussten im Kessel zurückbleiben

Abb.: Scherl/SZ Photo, MIREHO-Weitze

Militär & Geschichte 21


den Südrand von Chambois herange- nordwestlich von Chambois zu schlie-
ZAHLEN, DATEN, FAKTEN kämpft. Der deutsche Rückzugsweg ßen und etwa 100.000 deutsche Solda-
war damit nicht nur bis auf wenige ten einzukesseln.
Gerettetes Material Kilometer verengt, sondern lag auch Generalfeldmarschall Model, der
Bei den aus dem Kessel entkommenen Panzerdivisionen unter direkter gegnerischer Waffen- neue Oberbefehlshaber West, befahl
TITELTHEMA

waren an Kampfwagen und Geschützen noch vorhanden: wirkung. Der Erste Ordonnanzoffizier den Divisionen „Das Reich“ und „Ho-
• 116. Panzer-Division: zwölf Panzer, keine Artillerie der Division „Frundsberg“ schrieb da- henstaufen“ noch am 19. August, den
• 2. SS-Panzer-Division: 15 Panzer, sechs Geschütze rüber: „Unbeschreibliche Szenen spie- Kessel von außen wieder aufzubre-
• 9. SS-Panzer-Division: 20 bis 25 Panzer, 20 Geschütze len sich ab.Tote Menschenknäuel, zer- chen. Doch die geplante Luftversor-
• 12. SS-Panzer-Division: zehn Panzer, keine Artillerie. rissene Pferdekadaver, zerstörte Fahr- gung klappte nicht, und die beiden
Drei weitere Divisionen hatten weder Panzer noch zeuge liegen auf und an der Straße. Divisionen hatten kein Benzin mehr.
Geschütze retten können. Verwundete schleppen sich weiter. Daher konnte der Angriff erst in der
Im Kessel zurückgeblieben waren (laut Zählung einer Rücksichtslos fahren die Fahrzeuge folgenden Nacht beginnen. Zugleich
britischen Untersuchungskommission)
• 187 Panzer und Selbstfahrlafetten
• 157 weitere gepanzerte Fahrzeuge Tote Menschenknäuel, Pferdekadaver und
• 252 Geschütze Fahrzeuge säumten den Fluchtkorridor.
• 1.778 Lkw
• 669 Pkw
an ihnen vorbei. Sie müssen teilweise sollten die eingeschlossenen Kräfte
gezwungen werden, ihre unglückli- zum Ausbruch nach Osten antreten.
chen Kameraden aufzunehmen. Ich Für den Vorstoß zur Öffnung des
Abb.: United Archives/TopFoto/SZ Photo, Interfoto/HH sehe, wie mein Divisionskomman- Kessels standen den beiden SS-Pan-
deur einen solchen Fahrer, der nicht zerdivisionen nur noch 24 Kampf-
halten will, vom Sitz herunterreißt wagen zur Verfügung: Die „Hohen-
Das Ende: Begleitet von und eigenhändig verprügelt.“ staufen“ hatte 20 einsatzbereite Pan-
den reservierten Blicken zer, „Das Reich“ nur vier. Auch die
britischer Soldaten, Korridor des Todes infanteristische Kampfkraft der bei-
werden deutsche Landser Der Ausgang aus dem Kessel ging als den Verbände war gering. Daher blieb
Richtung Argentan in die „Korridor des Todes“ in die Geschichte der Angriff nach wenigen Kilometern
Gefangenschaft geführt; der Schlacht bei Falaise ein. Am 18. Au- im gegnerischen Feuer liegen. Immer-
40.000 Kameraden gust konnten ihn die beiden SS-Pan- hin gelang es, einige Kilometer nord-
teilten dieses Schicksal. zer-Divisionen „Das Reich“ und „Ho- ostwärts von Chambois eine beherr-
Rechts: Sommerfeldbluse henstaufen“ noch mühsam offenhal- schende Höhenstellung zu erreichen
für Besatzungsmitglieder ten. Doch am nächsten Tag gelang es und den dort stehenden polnischen
der Sturmgeschütze den Alliierten, die letzte kleine Lücke Kräften schwere Verluste zuzufügen.

22
Dies erleichterte den Soldaten im Kes- Einer dieser letzten Verbände im Bis zum Abend dieses Tages entka-
sel am Morgen des 20. August den Aus- Kessel war die 10. SS-Panzer-Division men noch etliche deutsche Soldaten
bruch nach Nordosten. „Frundsberg“. Ihr Erster Ordonnanz- nach Nordosten, doch dann hatten
Die verbliebenen Truppen im Kes- offizier erreichte am Nachmittag des die Alliierten den Kessel von Falaise
sel hatten nicht mehr die Kraft, nach 20. August nordwestlich von Cham- endgültig beseitigt.Von den ursprüng-
Osten durchzubrechen. Die spärliche bois die Dives: „Vor der Dives-Brücke lich 100.000 Eingeschlossenen war die
Luftversorgung reichte nicht aus, und dehnt sich ein unübersehbarer Fahr- Hälfte ausgebrochen. Dagegen fan-
etliche Panzer und andere Fahrzeuge zeugfriedhof aus. Schwarze, ausge- den 10.000 Soldaten den Tod, 40.000
mussten wegen Benzinmangels ge- brannte Wracks, umgeworfene Pfer- gerieten in Gefangenschaft.
sprengt werden. Die Soldaten hatten dewagen, durch- und übereinander- Auch der materielle Aderlass war
seit Tagen nicht richtig geschlafen liegende Pferdekadaver. An einem gewaltig. Die Panzerdivisionen, die aus
und waren körperlich sowie seelisch ausgebrannten Lastkraftwagen lehnt dem Kessel entkommen waren, mel-
am Ende ihrer Kräfte. Der Ausbruch noch ein Motorrad, darauf sitzend die deten am 21. August ihre noch vor-
glich daher zum großen Teil einer verkohlte Leiche des Fahrers. Grauen- handenen Kampfwagen und Geschüt-
Flucht, bei der die Soldaten versuch- haft! Hier vor der Dives-Brücke hat ze: Nur etwa 60 Panzer und 26 Kano-
ten, am Gegner vorbeizuschleichen. der Tod furchtbare Ernte gehalten.“ nen hatte man retten können, wäh-
Die erste Welle von Soldaten be- Viele Soldaten versuchten gar rend eine sehr viel höhere Anzahl
gann in der Nacht zum 20. August mit nicht mehr, durch das mörderische zurückgeblieben war – ein deprimie-
dem Durchbruch nach Nordosten. alliierte Feuer aus dem Kessel aus- render Befund (siehe Kasten links).
Viele von ihnen erreichten im Laufe zubrechen, sondern gaben sich lieber
Das Westheer ist zerschlagen
Mit dem Ende des Kessels von Falaise
Beim Ausbruch versuchten die deutschen endete auch der Kampf in der Nor-
Soldaten am Gegner vorbeizuschleichen. mandie. Das deutsche Westheer war Dr. Roman Töppel
zerschlagen und musste neu aufge- arbeitet als
des Tages die eigenen Linien. Dagegen gefangen, um zu überleben. Andere stellt werden. Am 25. August zogen Historiker mit dem
mussten die Angehörigen jener Ver- dagegen schlossen sich in der Nacht die siegreichen Alliierten unter dem Schwerpunkt
Militärgeschichte
bände, die am weitesten westlich im zum 21. August einer weiteren Aus- Jubel der Bevölkerung in Paris ein. Si-
in München
Kessel standen, erst das Gebiet bei bruchswelle an. Zu dieser gehörten cherlich ahnten damals die wenigs-
Chambois erreichen und die Dives die Kommandeure der 2. Panzer-Divi- ten von ihnen, dass der Zweite Welt-
überqueren. Dann stand ihnen noch sion und der 10. SS-Panzer-Division. krieg trotz der schweren deutschen
der sechs Kilometer lange Fluchtweg Sie erreichten am Morgen des 21. Au- Niederlage insgesamt noch ein Jahr
zu den eigenen Linien bevor. gust ebenfalls die deutschen Linien. dauern würde.

Bücher zur Kriegsgeschichte von Peter Schmoll

Faszination Vergangenheit
PETER SCHMOLL befasst sich seit Anfang der 70er Jahre mit der Geschichte der Luftangriffe auf
Regensburg und der Flugzeugproduktion von Messerschmitt. Besuche in Archiven im In- und Ausland
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MENSCHEN & SCHICKSALE

GEORG VON FRUNDSBERG


(1473–1528)

Frundsberg
revolutionierte um
1500 mit seinen
Abb.: Sammlung M&G (2), Interfoto/HH

Landsknechten das
Kriegswesen

24
Vater der Landsknechte
Seinen Wahlspruch „Viel Feind’, viel Ehr’!“ hatte er klug gewählt: Der Reichsritter
Georg von Frundsberg brachte erst ganz Italien gegen sich auf, anschließend
führte er das kaiserliche Heer zum Triumph von Pavia. Doch dann begannen seine
eigenen Landsknechte gegen ihn zu meutern

ie schwäbische Burg Mindel- dermann vom Krieg abschrecken: die Gut geschützt: Solche

D heim am 20. August 1528. Im


Schlafzimmer liegt, umgeben
von seinen letzten Getreuen, ein hü-
Verderbung und Unterdrückung der
armen, unschuldigen Leute; das un-
ordentliche und sträfliche Leben der
Sturmhauben waren auch
noch lange nach Frunds-
bergs Zeiten in Gebrauch
nenhafter Recke. Der 54-jährige Georg Kriegsknechte; und die Undankbar-
von Frundsberg ringt schweißgeba- keit der Fürsten.“ Doch die Nachwelt
det mit dem Tod. Ein Jahr zuvor stand hat Frundsbergs Heldentaten nicht Frundsberg war für eine
er noch auf dem Gipfel der Macht: vergessen: Heute gilt er als bedeu- Militärkarriere geradezu
berühmtester Feldherr Europas, Ver- tendster Feldherr des ausgehenden berufen. Auf jeden Fall
trauter des Kaisers und Freund Mar- Mittelalters. sollte der jüngste von
tin Luthers. Aber mittlerweile ist sein neun Söhnen eines Ti-
Ruhm verblasst. Frundsbergs letzte Ein Leben lang Soldat roler Adeligen Soldat wer-
Worte sind eine Mahnung an künftige Der am 24. September 1473 im den – so der Wunsch des Va-
Generationen: „Drei Dinge sollten je- schwäbischen Mindelheim geborene ters, der selbst als Hauptmann
im kaisertreuen Schwäbischen Bund
diente. Im Frühjahr 1492 begab sich
Frundsberg mit gerade mal 18 Jahren
auf seinen ersten Feldzug. Im Heer
des Schwäbischen Bundes befreite er
die Reichsstadt Regensburg, die Her-
zog Albrecht IV. von Bayern-München
annektiert hatte.
Von Januar bis September 1499
nahm er am Schwabenkrieg teil: Da-
mals unterlagen das Haus Habsburg-
Österreich und der Schwäbische
Bund gegen die Schweizerische Eidge-
nossenschaft. Scharfsinnig erkannte
Frundsberg die Ursache der Nieder-
Auch im Zwei- lage: Das habsburgische Heer baute
kampf stand noch immer auf die schwer gepanzer-
„Herr Jorg von te Reiterei und war somit der viel
Frundtsperg“ mobileren eidgenössischen Infante-
seinen Mann rie klar unterlegen.
(aus Des Kaisers
Maximilian I. Zukunftsweisende Ideen
Turniere und Als Militärstratege setzte Frundsberg
Mummereien, verstärkt auf die Landsknechte (siehe
Buch von 1882) Kasten Seite 28). Seine damals revolu-
tionären Ideen drangen bis an den
Wiener Hof: Der designierte Kaiser
Maximilian I. von Habsburg ernannte
Frundsberg zum Feldhauptmann von
Tirol; und beauftragte ihn mit dem
Aufbau einer schlagkräftigen Lands-
knecht-Truppe. Im Jahr 1504 ent-
brannte ein Krieg zwischen Bayern
und der Pfalz um die Erbfolge im
Teilherzogtum Bayern-Landshut. Am
12. September siegte der von Maximi-
lian unterstützte Albrecht IV. von

Militär & Geschichte 25


Bayern-München in der Schlacht von
MENSCHEN & SCHICKSALE

Wenzenbach bei Regensburg – dank


HINTERGRUND Frundsberg, der mit seinem „wilden
Haufen“ aufopferungsvoll kämpfte.
Landsknechte um 1500 Zum Dank verlieh Maximilian sei-
nem Landsknechtführer ein damals
1 Barrett, garniert mit Pfauen- und Straußenfedern
unerhörtes Privileg: Frundsberg durf-
2 Katzbalger als Seitenwafe. Er leitet sich von „katzbalgen“ ab,
te sich als selbstständiger Kriegs-
was raufen oder streiten bedeutet
unternehmer betätigen. Damit etab-
3 Geschlitzte Stofe der Hosenbeine aus Wolle, Wollilz oder Loden,
die unter dem Knie von Bändern gehalten wurden lierte er einen neuen Typus des Feld-
herrn, der sich im Dreißigjährigen
4 Anfangs einfarbig gefärbte Beinlinge
Krieg (1618–1648) endgültig durch-
5 Kuhmaulschuhe wurden ab 1500 immer ausgeprägter in ihrer Form
setzte. Frundsberg wählte selbst seine
6 Unterhosen aus Leinen, die bis zum Knie reichten
Söldner aus, trainierte sie und bezahl-
7 Luntenschlossmusketen konnte man nur aufgelegt abfeuern te ihren Sold. Die Finanzierung funk-
8 Mehrfarbig gewebte Beinlinge im senkrechten Streifenmuster tionierte, indem er sich auf eigene
9 Aufällig ausgepolsterter Schamlatz der Kniehose Faust Kredite besorgte, die der Kaiser
10 Kord- oder Wollwams über einem am Hals gebundenen Leinenhemd dann regelmäßig ausglich. Zu seinen
Geldgebern gehörten große deutsche
Handelshäuser wie die Augsburger
Landsknecht mit Luntenschlossmuskete (links) und ein Fugger. Frundsberg musste also ne-
Schweizer Söldner (Reisläufer). Die aufgebauschte und ben seinen militärischen Kompeten-
extrem geschlitzte Bekleidung war alles andere als zen auch außergewöhnliches ökono-
praktisch im Gefecht Mann gegen Mann misches Wissen und Verhandlungs-
geschick besessen haben.

Operation in Italien
Seit 1494 kämpften die Habsburger
und das französische Königshaus
Valois um die Herrschaft über Italien.
Maximilian ernannte Frundsberg
zum Sonderbevollmächtigten für die-
ses umkämpfte Gebiet. 1507 eskor-
tierte der Landsknechtführer seinen
Dienstherrn bis nach Rom, wo Maxi-
1 milian vom Papst die Kaiserkrone
10 erhielt. Anschließend führte Frunds-
berg neun Jahre lang Krieg gegen
die Republik Venedig, einen Verbün-
deten Frankreichs.
Am 7. Oktober 1513 focht er eine
2 denkwürdige Schlacht. Bei Creazzo
zwischen Verona und Vicenza hatte
ein gewaltiges venezianisches Heer
habsburgische Truppen und spani-
9

Pulverflasche:
3 Solch ein Behält-
nis (hier aus
6 Eisen) gehörte
zur Wafenaus-
stattung der
Abb.: Interfoto/Hermann Historica (2), MIREHO (2)

Arkebusiere, die
damit die Pulver-
7 ladungen ihrer
4 Vorderlader do-
sieren konnten
8

26
sche Verbündete eingeschlossen. Ein reits 23.000 Soldaten in den Groß-
Gesandter des Gegners überbrachte raum Mailand verlegt. Anfang April er-
Frundsberg ein demütigendes Ange- fuhr der habsburgische Oberbefehls-
bot: Wenn er und seine Landsknech- haber Graf von Pescara von der Bela-
te sich entkleiden, ihre Rüstungen gerung Pavias. In Windeseile setzte
zu Boden werfen und nackt um Gna- er die kaiserlichen Truppen mitsamt
de flehen würden, dann wollte man Frundsbergs Landsknechten in Bewe-
sie verschonen. Empört entgegnete gung. Doch bereits aus der Ferne er-
Frundsberg: „Wenn meine nackten kannte Pescara, welches Himmels-
Knaben einen Pokal Wein im Leib hät- fahrtkommando ihn erwartete!
ten, wären sie mir lieber als alle feind-
lichen Geharnischten.“ Aufgestachelt Bollwerk Pavia
vom Hochmut der Venezianer, feier- Die Franzosen hatten die Stadt mit
ten die Landsknechte einen grandio- einem Belagerungsring, der nach bei-
sen Sieg. Fortan lautete Frundsbergs den Seiten hin befestigt war, großräu-
Wahlspruch: „Viel Feind’, viel Ehr’!“ mig umschlossen. Diese Maßnahme
Als er 1516 triumphierend ins Reich bot ihnen Schutz für den Fall, dass die
zurückkehrte, kürte ihn Maximilian Kaiserlichen in ihrem Rücken angrei-
zum kaiserlichen Rat und Reichsritter. fen würden. Zwischen dem Ring und
dem Stadttor von Pavia befand sich ei-
Waffentechnisch überlegen ne rund 500 Meter breite Ebene, wo die
Drei Jahre später starb Kaiser Maximi- französischen Truppen kampieren
lian. Sein Nachfolger Karl V. vertraute und aufmarschieren konnten.
ebenfalls auf Frundsberg. 1522 reiste Pescaras mutige Mannen atta-
der Landsknechtführer erneut nach ckierten tagelang das Bollwerk – ohne
Norditalien. Am 27. Februar erwartete
ihn in Bicocca bei Mailand ein Schwei-
zer Söldnerheer, das für den Franzo-
senkönig Franz I. kämpfte. Frunds-
berg schaffte es als erster kaiserlicher Arkebusier mit Erfolg. Das Wetter war klirrend kalt,
Heerführer, die gefürchtete eidgenös- Luntenschloss- der kaiserliche Sold blieb aus und die
sische Infanterie zu schlagen. Seinen muskete und dem Soldaten drohten zu desertieren.
Sieg verdankte er der waffentechni- glimmenden Pescara wollte bereits aufgeben, da
schen Überlegenheit: Vorderlader-Ge- Luntenstrick in schlug die große Stunde des Georg
wehre schossen den Gegner gnaden- querte der Franzosenkönig die Alpen der rechten Hand. von Frundsberg. Mit markigen Wor-
los zusammen! und zog in Mailand ein. Dann belager- Am Gürtel seine ten appellierte er an das Ehrgefühl
Nach weiteren zähen Kämpfen in te er mit seinem 29.000 Mann starken Seitenwafen, die seiner Landsknechte und schilderte
der Lombardei stand Frundsberg im Söldnerheer, darunter 8.000 Schwei- Pulverlasche und in grellen Farben, wie sehr sich gera-
Jahr 1525 vor der größten Herausfor- zern, Pavia. Hinter den dicken Mauern vorbereitete de die für Frankreich kämpfenden
derung seines Lebens: Denn Franz I. der strategisch wichtigen Stadt ver- Ladungsbeutel Schweizer über die vermeintliche
schloss ein Bündnis mit dem Papst schanzten sich 6.000 tapfere italieni- Feigheit der Kaiserlichen freuen wür-
und wollte sich endgültig in Italien sche Soldaten. Doch deren Lage wur- den. Schließlich waren die Eidgenos-
festsetzen. Unter dem Vorwand, den de zunehmend aussichtslos. sen seit Jahren Vor- und zugleich
Kirchenstaat vor den expandieren- Karl V. hatte mit einer französi- Feindbild der deutschen Landsknech-
den Habsburgern zu schützen, über- schen Offensive gerechnet und be- te. Frundsbergs flammender Appell
MENSCHEN & SCHICKSALE

Vor Pavia 1525 konnten Frundsbergs


Landsknechte den nach beiden Seiten
befestigten Belagerungsring der
Franzosen durchbrechen und die
Stadt befreien (zeitgenössisches
Gemälde von Ruprecht Heller)

HINTERGRUND
Landsknechtwesen zu
Frundsbergs Zeiten hatte Erfolg: Seine Kämpfer verspra- ne Kavallerie als massierten Block
Entstanden: Kurz vor 1500 im süddeutschen chen ihm, noch einen weiteren Tag aufstellen, an dem die Kaiserlichen
Abb.: Sammlung M&G, RomkeHoekstra (CC BY-SA 4.0), p-a/dpa, MIREHO

Raum lang zu kämpfen. abprallen sollten. Nun befanden sich


Vorbild: Schweizer Söldnertruppen zu Fuß In der Nacht vom 23. zum 24. Feb- aber die französischen Geschütze di-
(„Reisläufer“) ruar 1525 machten seine Späher eine rekt im Rücken der eigenen Reiter. Sie
Typische Waffen: Langspieß, Hellebarde, Schwert, entscheidende Entdeckung: In Höhe konnten daher nicht feuern, ohne
Dolch, auch Vorderladergewehre
des Parks von Mirabello war die Befes- schwere Verletzungen der eigenen
Uniformierung: Aus bunten Flicken zusammen-
genähtes „Patchwork“ tigungsanlage nur schwach ausge- Männer zu riskieren.
Rekrutierung: Durch spezialisierte Werber baut und zudem kaum von Soldaten
Einstiegssold: Vier Gulden pro Monat (deutlich bewacht. Im Schutz der Dunkelheit In die Zange genommen
mehr als Handwerksgesellen-Lohn) holten sie eilig Schanzgeräte herbei Frundsberg handelte blitzschnell:
Organisationsform: „Haufen“ aus mehreren „Fähnlein“ und brachen eine große Öffnung in Während sich die beiden Heerhau-
(jeweils bis zu 300 Mann) die Mauer. Dann stieß eine Vorhut hin- fen bekämpften, teilte er seine 12.000
durch und griff die überraschten fran- Landsknechte in zwei Einheiten und
zösischen Wachposten an. In der Zwi- befahl ihnen einen Zangenangriff.
schenzeit hatte sich das kaiserliche Von links und rechts attackierten sei-
Hauptheer kampfbereit gemacht. Oh- ne Söldner mit Spießen und Geweh-
ne Rücksicht auf Verluste drang es ren die französischen Reiter. Dann for-
Gefürchtete Namenserben: Im Zweiten Weltkrieg führte durch die schmale Gasse ein. In Panik derte er die in Pavia ansässige Stadt-
die 1943 gegründete SS-Panzer-Grenadier-Division 10 beging der Franzosenkönig Franz I. garnison zu einem Ausfall auf – und
den Namen „Frundsberg“ (oben das Ärmelband) einen gravierenden Fehler: Er ließ sei- die seit Wochen hungernden Italiener

28
Peter Joachim Lapp

Gesellschaft
für Sport und Technik –
Schule der Soldaten von morgen
Militärpolitische Studie
einer DDR-Wehrorganisation

Ehrendes Gedenken: In seiner Geburtsstadt Mindelheim trefen sich alle drei Jahre
historische Darsteller zum Frundsbergfest. Auch ein Glasfenster in der Gedächtnis-
kirche der Protestanten in Speyer erinnert an den berühmten Heerführer (links)

ließen ihrer unbändigen Wut freien verwüsteten sie Rom; der Papst konn-

Helios
Lauf! Von allen Seiten umringt, muss- te vor der Meute gerade noch rechtzei-
ten die stark dezimierten Franzosen tig in die Engelsburg flüchten! neu
kapitulieren. Ihr König Franz I. stürzte
vom Pferd; bald darauf trat er gefes- Berühmt bis heute Lapp, Peter Joachim
selt und gedemütigt den weiten Weg Sein letztes Lebensjahr verbrachte Gesellschaft für Sport und Technik –
zu Kaiser Karl V. nach Madrid an. Die Frundsberg einsam und verbittert auf Schule der Soldaten von morgen
blutige Bilanz des Gemetzels: 10.000 seinem Stammsitz in Mindelheim. Militärpolitische Studie einer DDR-
Wehrorganisation
Tote und 9.000 Verwundete auf Seiten Damals konnte der Reichsritter nicht
der Franzosen und Schweizer sowie ahnen, dass sein Nachruhm die Jahr- 167 Seiten, Hardcover, 25 Abbildungen,
davon 22 schwarz/weiß und 3 farbig,
5.000 Tote und ebenso viele Verletzte hunderte überdauern würde. Bereits
17x24 cm; ISBN 978-3-86933-226-0
auf Seiten der Kaiserlichen. im Dreißigjährigen Krieg diente er
Wallenstein als Vorbild. Die deut- 22,00 €
Finanzielle Schwierigkeiten schen Romantiker, die im 19. Jahrhun- Stich, Karl
Noch befand sich Frundsberg auf dem dert das Mittelalter wiederentdeck- Der Kampf um die
Weg des Erfolgs, doch bald verließ ihn ten, stilisierten ihn gar zum Mythos. Seelower Höhen
das Glück. Zwar besiegte er 1526 bei Als Ludwig I. von Bayern 1842 die Wal- April 1945 –
Brescia die Truppen des Papstes, der halla bei Regensburg einweihte, stifte Ein blutiges Drama
mit Frankreich verbündet war. Aber er eine Büste für den Landsknechtfüh- 280 Seiten, Hardcover,
im Winter 1526/27 geriet er in finan- rer. Auch die k.u.k. Monarchie rühmte 74 Abb., davon 53
Fotos, 21 Grafiken/
Schaubilder, 17x24
Mit Spießen und Musketen drangen die cm; ISBN 978-3-
Landsknechte auf französische Reiter ein. 86933-221-5
neu 26,00 €
zielle Schwierigkeiten. Seit Monaten Frundsberg, dessen Vater ja aus Tirol Wijers, Hans J.
hatte er vom Kaiser kein Geld mehr stammte: 1863 nahm ihn Kaiser Franz
Die Ardennenoffen-
erhalten und musste sein Familien- Joseph I. in die Liste der „berühmtes-
sive
silber verpfänden. Nur mühsam ten, zur immerwährenden Nacheife-
3. Fallschirmjäger-
konnte er seinen Landsknechten den rung würdigen Kriegsfürsten und Division/Kämpfe im
waghalsigen Plan ausreden, die Stadt Feldherren Österreichs“ auf. Nordabschnitt der
Rom auszurauben. Und auch Mindelheim hält das his- Ardennenoffensive
1944/45/Augenzeugen-
Doch am 16. März 1527 rotteten torische Erbe seines berühmten Soh- berichte, Band IV
sich die Söldner in Bologna zusam- nes in Ehren: Alle drei Jahre findet hier
182 Seiten, Hardco-
men, zogen vor Frundsbergs Zelt und das „Frundsbergfest“ statt. Elf Tage
ver, 172 Abb., Karten,
brüllten: „Geld her!“ Anfangs versuch- lang kehrt die Stadt ins Mittelalter zu- Übersichten 17x24 cm;
te er den Aufruhr zu bändigen; aber rück und feiert den Landsknechtfüh- ISBN 978-3-86933-
als die Männer ihre Spieße auf ihn rer mit Festzügen, Theateraufführun- neu 230-7
richteten, erlitt Frundsberg einen gen und Konzerten. 24,00 €
Schlaganfall und fiel ohnmächtig zu
Boden. Schwer gezeichnet, musste DER AUTOR
er seine Italienmission beenden und
die Heimreise antreten. In der Zwi-
Julius Bruckner war zutiefst beeindruckt,
wie Frundsberg schafte, was dem legendären
Helios-Verlag.de
schenzeit machten seine führungs- Stauferkaiser Friedrich Barbarossa nie gelang: Brückstraße 48, 52080 Aachen
losen Landsknechte ihre Drohung trotz bergigen Geländes und stark befestigter Tel.: 0241-555426 Fax: 0241-558493
Städte in Norditalien zu triumphieren.
wahr: Am 6. Mai 1527 plünderten und eMail: Helios-Verlag@t-online.de
Militär & Geschichte versandkostenfreie Auslie-
ferung innerhalb Deutschlands
Abb.: Scherl/SZ Photo
WAFFEN & TECHNIK

30
PANZERJÄGER MARDER III
Ein überzeugendes
Provisorium
Viele Panzerentwicklungen des „Dritten Reiches“ stellten taktische
oder technologische Sackgassen dar. Nicht so der Panzerjäger
Marder III: Mit ihm konnte man vorhandene Ressourcen konsequent
ausnutzen, und effektiv war er noch obendrein

Auf der Lauer: Mit dem kleinen Marder konnte


man gut aus der Deckung operieren; hier werden
anrückende sowjetische Panzerverbände beschossen.
Auf dem Foto ist die Mündungsbremse der Kanone
einer (schlechten) Retusche zum Opfer gefallen

Militär & Geschichte 31


n den von der Wehrmacht besetz- genen Kanonen kämpfen müssen. Das war beim Nachfolgemodell,

I ten oder noch umkämpften Län-


dern tauchten ab 1942 gepanzerte
Die Panzerabwehrkompanien (später
Pz.Jägerkompanien) der Infanteriere-
der 1,5 Tonnen schweren Pak 40, nicht
mehr möglich. Sie kam Ende 1941
WAFFEN & TECHNIK

Fahrzeuge auf, die seltsam unförmig gimenter schützten mit ihren Panzer- zur Truppe und sorgte für höhere
wirkten: Auf einem vergleichsweise abwehrkanonen (Pak) die Fußsolda- Reichweite und Durchschlagskraft ge-
kleinen Fahrwerk thronte hinten ein ten vor Feindpanzern, außerdem war gen die gut gepanzerten sowjetischen
Abb.: Scherl/SZ Photo, Werner Willamnn (CC BY 2.5), Interfoto/awkz, MIREHO
klobiger Aufbau, aus dem eine gewal- auf Divisionsebene noch eine Pz.Ab- Kampfwagen, mit denen es die Wehr-
tige Kanone herausragte. Das Ganze wehrabteilung (später Pz.Jägerabtei- macht nun massenhaft zu tun bekam.
wirkte auf den ersten Blick wie ein Pro- lung) vorhanden. Als Standardwaffe Obwohl die Anzahl an geeigneten
visorium – und genau das waren die
Panzerjäger der Marder-Reihe auch. Selbst ein eingespielter Trupp brauchte wert-
Egal, ob der beschriebene Marder I,
der Nachfolger II oder der sogar noch volle Zeit, um die Pak in Stellung zu bringen.
ulkiger aussehende III, der in der Aus-
führung H mit seinem mittig plat- diente die Pak 35/36 im Kaliber 37 Mil- Zugfahrzeugen begrenzt blieb, mau-
zierten, kantigen Turm an einen Spiel- limeter. Man bewegte das Geschütz serte sich die gezogene Pak 40 zur
zeugpanzer erinnerte. durch Kraftzug, also angehängt an ei- Standardwaffe der Panzerjäger. Er-
ne Zugmaschine, auf der auch die Ge- gänzt wurde sie durch Sturmgeschüt-
Probleme mit gezogener Pak schützbedienung mitfuhr. Diese Lö- ze, die man zunehmend zur Panzer-
Gleichwohl: Diese zusammengestü- sung war alles andere als ideal; selbst abwehr einsetzte, und durch neu ent-
ckelten Vehikel konnten feindlichen ein eingespielter Trupp brauchte wert- wickelte schwere Jagdpanzer.
Kampfwagen brandgefährlich wer- volle Zeit, um die Kanone in Stellung
den, und die deutsche Panzerjäger- zu bringen, ein rascher Ortswechsel Der Weg zum Marder III
truppe mochte schon bald nicht mehr war schwierig. Aber immerhin ließ Hauptaufgabe der Panzerjäger blieb
auf sie verzichten. sich die Pak mit ihren rund 330 Kilo- der Schutz der eigenen Infanterie;
Schließlich hatte sie zu Kriegs- gramm Einsatzgewicht gerade noch dazu benötigten sie eine Waffe, die
beginn fast ausschließlich mit gezo- im Mannschaftszug bewegen. feindliche Panzer effektiv bekämpfen,

Panzerjäger der
„ Die Abwehr von Panzerangriffen gelang
Wehrmacht hatten mit gezogener Panzerabwehr selten,
anfangs nur gezogene
Geschütze wie diese mit Panzerjägern auf Selbstfahrlafette stets,
75-mm-Pak 40 zur
Verfügung – eine Pak
auch wenn die Zahl der angreifenden
auf Selbstfahrlafette
war heiß erwünscht
Panzer weit überlegen war. “
Aus einem Erfahrungsbericht der 9. Armee vom 20. August 1943

32
Frühe Modelle:
schnell Feuerbereitschaft herstellen 40/3 zur Verfügung stand. Dabei hatte Das von den produzierten Exemplaren sollte diese
und rasch Stellungswechsel vorneh- man den Motor aus dem Heck des Skoda-Werken Ausführung die Spitze der Marder-
men konnte. Kurz: Es fehlte eine Pak Fahrzeuges nach vorne zum Wechsel- übernommene Reihe bilden. Inzwischen war aus
auf Selbstfahrlafette. Versuche in die- getriebe verlegt, was es ermöglichte, Fahrwerk des dem Provisorium des Jahres 1942 eine
ser Richtung hatte es schon vor dem die Waffe im Heck unterzubringen. Panzers 38(t) Standardwaffe der Panzerjäger ge-
Krieg gegeben; die Briten experimen- Dies erleichterte den Zugang zum kam beim Mar- worden. Doch im Mai 1944 lief die
tierten mit auf Lkw verlastbaren leich- Kampfraum und bescherte dem Pan- der III erneut Fertigung dann zu Gunsten des Jagd-
ten Pak, bei den Franzosen gab es Pak zerjäger einen niedrigeren Aufbau. zum Einsatz. panzers „Hetzer“ (ebenfalls auf Fahr-
auf einem teilgepanzerten Radfahr- Dessen Panzerung war nun rundhe- Rechts: Die Vor- gestell 38t) aus.
zeug, die Belgier hatten sogar ein paar rum zehn Millimeter stark. Für die gängerversion
Panzerjäger auf Kettenfahrgestell. 75-Millimeter-Pak wurden 27 Schuss Marder II passiert Einsatz an allen Fronten
Deutscherseits setzte man erbeu- Munition mitgeführt. ein russisches Dorf Bis dahin hatten die Marder aber ihre
tete 47-Millimeter-Pak auf Fahrgestel- Die Fahrzeuge behielten die Be- Tauglichkeit eindrucksvoll unter Be-
le des Panzers I oder rüstete franzö- zeichnung Sd.Kfz. 138, und mit 975 weis gestellt. Beispielsweise gehörten
sische Renault-35-Panzer damit aus. sie zu den wichtigsten deutschen
Diesen Fahrzeugen mangelte es aber Kampffahrzeugen beim „Unterneh-
an Kampfwert, weil die Waffe ein zu men Zitadelle“ (die Stärkeberichte
kleines Kaliber hatte. Es folgte eine differenzieren nicht zwischen den
Reihe von Experimenten mit schwe- verschiedenen Ausführungen des
reren Pak-Geschützen, die man auf
verschiedenste Fahrgestelle aufsetz-
te, doch das Ergebnis blieb jedesmal TECHNIK
unbefriedigend.
Versionen des
Verbesserungspotenzial Panzerjägers Marder
Schließlich entwarfen die Ingenieure Marder I (Sd.Kfz.135): Fahrgestelle französischer
das Sd.Kfz. 135, indem sie die Fahrge- Beutefahrzeuge (Lorraine-Schlepper, FCM,
stelle französischer Beutefahrzeuge Hotchkiss H39); ofener heckseitiger Kampfraum;
mit der bewährten 75-Millimeter-Pak Bewafnung 75-mm-PaK 40/L46; ab 1942
40/1 L46 kombinierten. Der so ent- ca. 190 Stück gebaut; Verwendung hauptsächlich in
standene Marder I war sehr langsam, Frankreich; Anfang 1944 noch 131 Stück vorhanden
die Weiterentwicklung führte dann Marder II (Sd.Kfz. 131): Fahrgestelle des Kampfpanzers II;
über den Marder II konsequenterwei- 76,2-mm-PaK 36 (modiizierte sowjetische Feldkanone);
se zum Marder III. Bei ihm wurde die rund 200 Stück durch Neu- oder Umbau entstanden
Pak 40/1 auf das schnelle und zuver- (Produktionszeitraum: 1942–1943)
lässige Fahrgestell des Kampfpanzers Marder II (Sd.Kfz. 132): Dem Sd.Kfz.131 sehr ähnlich,
38t montiert. In der Ausführung H allerdings mit 75-mm-PaK 40/1 L46
(= Heckmotor) lag der nach hinten of-
fene Kampfraum in der Fahrzeugmit- Marder III G (Sd.Kfz. 139): Fahrgestelle des
Kampfpanzers 38t Ausführung G; modiizierte
te, die Silhouette des Fahrzeugs war
sowjetische Beutekanone F-22 im Kaliber 76,2 mm;
recht hoch. Auf jeden Fall sahen die 344 Stück gebaut; auch beim Afrikakorps eingesetzt
Ingenieure hier noch einiges Verbes-
serungspotenzial. Marder III H (Sd. Kfz.138): Fahrgestelle des
Schließlich wurde im Mai 1943 in Französische Fahrgestelle für Kampfpanzers 38t; Kampfraum in der Mitte;
75-mm-Pak 40/3; 450 Stück produziert
den Werkhallen bei BMM in Prag die Marder-I-Versionen von Hotchkiss,
Produktion auf die M-Ausführung Lorraine und FCM mit jeweils Marder III M (Sd.Kfz.138): Letzte Variante der
umgestellt. Bereits seit Februar lief 75-mm-Pak 40 L/46 als Bewafnung Entwicklungsreihe Marder; Kampfraum hinten;
der „Geschützwagen 38(t)“ vom Band, (von oben nach unten) 75-mm-Pak 40/3; 975 Stück produziert
welcher nunmehr auch für die Pak

Militär & Geschichte 33


WAFFEN & TECHNIK

Der Marder III H


Marder III). Im Juli 1943 standen im zer-Division „Leibstandarte“ bei Pro- bot der Besatzung Allerdings waren die wenigsten
entsprechenden Frontabschnitt 350 chorowka die 25. sowjetische Panzer- weniger Platz als Panzerjägerabteilungen „sortenrein“.
Stück bereit, 80 waren in der Zufüh- brigade aufreiben – maßgeblich betei- die spätere Ausf. M. Die 78. Sturm-Division hatte während
rung oder wurden gerade instand ge- ligt waren die 20 einsatzbereiten Mar- Beide Fotos ent- des „Unternehmens Zitadelle“ 26 Mar-
setzt. Damit waren die Marder zahlen- der der Panzerjägerabteilung. standen 1942 im der, die meisten Infanteriedivisionen
Abb.: BArch 101I-218-0526-26, 101I-217-0485-28, Scherl/SZ Photo, MIREHO (4)

mäßig wichtiger als die neuen Panzer- Bei der Truppe erfreuten sich die Süden der Ostfront konnten sich schon glücklich schät-
typen Tiger oder Panther oder der Marder längst großer Beliebtheit. Ge- zen, wenn sie über eine einzige mit
Mardern ausgerüstete Kompanie (die
An der Front gehörten die Marder zu den dann oftmals mit einer Sturmge-
schützbatterie verstärkt wurde) ver-
wichtigsten deutschen Panzerfahrzeugen. fügten. Viele Panzerjägerabteilungen
stützten sich neben den Mardern, die
schwere Jagdpanzer Ferdinand, auf genüber normalen Pak, die von Last- man möglichst in einer Kompanie
deren Verfügbarkeit der „Führer“ ex- wagen oder Halbkettenfahrzeugen konzentrierte, noch immer auf her-
tra noch gewartet hatte, bis er den gezogen wurden, hatten die Selbst- kömmliche gezogene Pak.
Angriffstermin festsetzte. Die Marder fahrlafetten den Vorteil, dass sie sich Als den Frontverbänden später
bewährten sich, am 12. Juli konnten gegnerischem Beschuss durch rasche neue Jagdpanzer wie der Hetzer oder
Panzer und Panzerjäger der 1. SS-Pan- Stellungswechsel entziehen konnten. der Jagdpanzer IV zuliefen, blieben

Abgeschossen: Der Marder konnte den Waffenfarbe Rosa und ein stilisiertes
gängigen Panzertypen der Alliierten „P“ mit Verbandsnummer, hier auf der
stets gefährlich werden; hier hat es einen Schulterklappe eines Unteroiziers,
sowjetischen T-34/85 erwischt waren die Symbolik der Panzerjäger

34
TECHNIK

Panzerjäger Marder III Ausf. M (Sd.Kfz.138) ab 1942


1 Zurrungen des Geschützes und 13 15 Millimeter starke Motorraum- und Wannenpanzerung
des Rohres bei der Marschfahrt 14 Wanne und Fahrgestell des Panzers 38(t) mit
2 Einstieghilfe für die Kampfraum- Blattfederung und Kettenantrieb vorne
besatzung (3 Mann) mit Tritt und Grif 15 Sitz und Optik des Richtschützen mit Schutzblech
3 Hintere Kampfraumklappe am Rohrrücklauf
4 Auspufrohr und Auspuftopf 16 Abdeckung der Bereitschaftsmunition.
5 Rohrrücklaufschiene für 7,5-cm-Pak 40/3 Insgesamt 38 Granaten 1
L/46. Unterlafette mit Seitendrehbereich im Kampfraum
von 30 Grad nach links oder rechts. 9
Höhenrichtbereich von +25 bis –10 Grad
6 Schlitze der Wasserkühlung des 150-PS- 8
Praga-E.P.A.-Motors
7 Vernieteter, zehn Millimeter starker
Panzerplattenschutz des Kampfraumes 16
8 Klappen der Motorraumabdeckung 7
9 Luke des Fahrerraumes hinter 25 Milli- 5
meter starker Frontpanzerung 15
10 Panzerverstärkung sensibler Trefer-
bereiche mit Panzerkettengliedern 2 6
11 Funkantenne und -apparat auf der 1
Ladeschützenseite
12 Befestigungsrahmen für die Abdeckplane 3
des Kampfraumes
2

Motor in der Mitte: Mit nach


vorn verlagertem Motor bekam 4
der Marder III den Zusatz „M“ 12
(für Motor in der Mitte) im 11
Gegensatz zum Marder III der
9 10
Ausführung H, der den Motor-
raum hinten hatte. Durch
die Verlagerung des 10
Kampfraumes nach 13
hinten entstand
mehr Platz für 14
10
das Geschütz
und die drei Mann
der Bedienung

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WAFFEN & TECHNIK

Aufmarsch: Von
der Ausführung M die Marder weiter im Bestand. Bei- ZAHLEN, DATEN, FAKTEN
entstanden fast spielsweise verfügte im Frühjahr 1944
1.000 Stück. Er- die SS-Pz.Jägerabteilung 12 in Nord- Marder III Ausf. M
staunlich, wie viele frankreich über zehn Jagdpanzer IV
Motor: Sechs-Zylinder-Vergasermotor Praga AC
Infanteristen auf- (jeweils fünf in der 1. und 2. Kompa-
Leistung: 150 PS bei 2.600 U/min
gesessen darauf nie) und über zwei Marder III M in
Getriebe: Praga-Wilson-Planetengetriebe mit
Platz fanden der Stabskompanie. Und beim Angriff
5 Vorwärtsgängen, 1 Rückwärtsgang
der 17. SS-Pz.Grenadier-Division bei
Länge: 4.650 mm
Carentan am 13. Juni 1944 unterstütz-
Breite: 2.150 mm
te ein Zug der 3./SS-Panzer-Jäger-Ab-
Höhe: 2.480 mm
teilung 17 das SS-Pz.Gren.Rgt. 37. Die
Gefechtsgewicht: 10.500 kg
Kampfpause für erwähnte 3. Kompanie war die einzi-
Kraftstofvorrat: 218 Liter
die vierköpfige ge Panzerjägerkompanie mit Selbst-
Höchstgeschwindigkeit: 45 km/h
Besatzung eines fahrlafetten in der ganzen Gegend.
Panzerung: 11 bis 25 mm
Marder III M. Der Weitere Marder III kamen zum Ein-
Seitenrichtbereich: 21° nach links und nach rechts (Hauptwafe)
Geschützführer satz, als die 9. SS-Panzer-Division „Ho-
Besatzung: 4 Mann
steht hier vorn im henstaufen“ gegen die britischen Fall-
Fahrerraum

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Beliebtes Beutegut: Selbst die Alliierten wussten den Marder zu schätzen. Oben laden
zwei Soldaten der 1st Royal Fusiliers die 75-mm-Kanone, das Foto entstand 1943 in
Italien. Darunter blickt man in den offenen Kampfraum eines Museumsfahrzeugs

schirmjäger in Arnheim einen Gegen- tiken, da die dünne Panzerung offene


stoß führte, und auch auf dem italie- Duelle mit feindlichen Kampfpan- 387.401 - +DQRPDJ..HWWHQVFKOHSSHU
nischen Kriegsschauplatz waren die zern nicht erlaubte. Der Marder war
kampfstarken „Provisorien“ zu finden. leichter zu tarnen als schwerere Fahr-
So hatte die Fallschirm-Panzerjäger- zeuge, kam mit seinem akzeptablen DER AUTOR
Abb.: Slg. M&G (2), BArch 101I-297-1729-23, 101I-298-1768-25, MIREHO

Henrik van Bune


weiß als ehe-
Das „Provisorium“ hatte seine Tauglichkeit maliger Panzer-
eindrucksvoll unter Beweis gestellt. grenadier
um den Wert
einer Panzer-
Abteilung 1 am 15. März 1945 noch Gewicht und seiner relativ geringen abwehr, die 6870226 - 5HQDXOW)7%HXWHIDKU]HXJ
einen Marder II und 13 Marder III.Fahr- Fahrzeugbreite auch da durch, wo der Infanterie
zeuge der Ausführung III wurden da- Sturmgeschütze und Kampfpanzer nicht einfach
,QXQVHUHP:HEVKRSÀQGHQ6LH
rüber hinaus bei der Bekämpfung des umdrehen mussten. Die Ausstattung davonfährt.
slowakischen Nationalaufstandes im mit der Standard-Pak des deutschen PHKUDOV0LOLWlUPRGHOOH
Oktober 1944 eingesetzt, ebenso bei Heeres machte den Marder mit ande- LP0D‰VWDE%HVXFKHQ6LH
den schweren Kämpfen in Ungarn ren Waffensystemen zur Panzerbe- ZZZDUWLWHFVKRSGHRGHUIUDJHQ
Anfang 1945. kämpfung kompatibel. Ein „Allheil- 6LH,KUHQ0RGHOOIDFKKlQGOHU
mittel“ war er jedoch nicht: So wenig
Unspektakulär, aber effektiv wie er von moderneren Jagdpanzern
Im Gefecht bevorzugten die Besatzun-
gen des Marder III Hinterhaltetak-
ganz verdrängt wurde, so wenig konn-
te er die gezogene Pak ganz ersetzen.
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11:40 Seite 66
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CWS_25_66_73_Flugze

Wehrmacht sodann
biner 98a musterte die
Heer de Reichswehr, auch
auflösen. Die nachfolgen nach und nach aus.
durfte gemäß bahnte sich je-
100.000-Mann-Heer genannt, Etwa zur gleichen Zeit
keine modernen Waf- an. Denn zu Beginn
dem Versailler Vertrag doch eine Alternative
die Reichswehr der Patronen-
fen nutzen. Deshalb führte der 1930er-Jahre entwickelte
bekannt als Rad- & Co. (GECO) in Ei-
den Karabiner 98b, auch hersteller Genschow
neu ein. Seine Länge betrug e im Kaliber
fahrergewe hr,
Waffe handelte es geninitiative eine Kurzpatron
125 Zentimeter. Bei dieser Und im Februar 1935
7,75 x 39,5 Millimeter.
Gewehr 98 mit einem Vollmer-Werke in Bi-

Abb.: p-a/ullstein bild


sich eigentlich um ein beauftragte GECO die

Den Alliier ten um


ngel. Um die Geweh- dazu passende Waffe zu
gebogenen Kammerste berach damit, eine
en zu können, war der vollautomati-
re voneinander unterscheid entwickeln. Ergebnis
98 den Kara- 35, den die Fir-
machte man aus dem Karabiner sche Maschinenkarabiner
M
die Reichswehr zeit- Munition am 16. De-
biner 98a. Somit besaß ma mitsamt der neuen
: das Gewehr 98, den fenamt vor-
weise drei Langwaffen zember 1935 dem Heereswaf
und den Karabiner 98b. Als Heereswaffenamtes
Karabiner 98a
diente die deut- stellte. Auf Wunsch des
den Karabiner,
Munition für alle drei Waffen überarbeitete der Hersteller

v raus
sche Ordonnanzpatrone
98. einem Personalwech-
doch kam es 1938 zu

Jahre vo
der dazu führte,
sel im Heereswaffenamt,
es nach dem Wil- Der Karabiner 98k kommt langen, dass Deutschland dieses Projekt nicht mehr
SELTENES BILD: Wäre mit diesen ECO auf ih-
müsste dieser Sol- Glücklich war das Heer weiterverfolgte und Vollmer/G
len Hitlers gegangen, allerdings nicht. Und blieben.
98k schießen an- unhandlichen Waffen ren Konstruktionen „sitzen“
dat mit einem Gewehr d unter Missachtung Haenel in Suhl
statt mit dem Sturmgewe
hr 44. Die Auf- während Deutschlan n begann, Dafür erhielt die Firma
aufzurüste fenamt ei-
nahme stammt vom September
1943
des Versailler Vertrages Mai 1938 vom Heereswaf
Wehrmacht am 18. eine Waffe,
führte die frisch gegründete Länge von nen Entwicklungsauftrag für
Foto: Bundesarchiv
mit einer der M 35 auf-
1935 den Karabiner 98k gleichen Eckdaten wie
affe ein. Die die die ein besonde-
111 Zentimetern als Standardw den Kara- wies, wobei Haenel allerdings
98b sowie
langen Gewehre 98 und

HINTERGRUND

Deutsche Gewehre

hr M 1898. Wurde
Gewehr 98 mit Seitengewe
ÜBER DEN KRIEG HINAUS: Bayern (EWB – FÜR DIE ELITE: Ka-
bei der Einwohnerwehr

nicht geben sollte


nach dem Ersten Weltkrieg Fotos (4): Joachim Bleher
rabiner 98 (später
endet

Das Gewehr, das es


Schaftstempel) weiterverw Karabiner 98a) mit
Seitengewehr M

Sturmgewehr 44
1898/05. Es wurde
bevorzugt bei den

Das erste Sturmgewehnrder


Sturmtruppen und

Firewall der Wehrmachict ht


dem deutschen Al-

Im Geheimen entwickenlt
penkorps eingesetzt
o
Nicht mal Hitler wusste vS
Warum die Enigma lange n geheimen Forschung am
tG 44
Was die Flak 8,8 zur bescte te zu knacken war n wie der Tiger oder
Kanone des Krieges ma h CWS_25_84_87_FlugzeugClass
ic_Klassiker 06.03.19
15:31 Seite 85

Das Sturmgewehr 44
gehört heute genauso
zu den Waffenlegende
das Gewehr zunächst
energisch
STANDARD:
Der Karabiner
ten wissen: Hitler hat 98k mit Seitenge-
die Me 262. Was die wenigs Rücken erforschte!
15:31 Seite 84
ic_Klassiker 06.03.19
wehr M 1884/98
acht es hinter seinem
CWS_25_84_87_FlugzeugClass
die Wehrm war die Standard- SELBSTLADER:
bekämpft, sodass waffe der Das Gewehr 43,
Von Joachim Bleher Wehrmacht später auch
einer vollautomati- Karabiner 43, war
beitete die Industrie an
Marine der nur einen Schönheits-
am ein guter Entwurf, Welt-
it der HMS Royal Oak versank Der G/7 hatte einen Dampfan- doch sanken im Ersten zur Maschinen- der in größerer
schen Waffe, was schließlich
M 14. Oktober 1939 auch eine
gehörige fehler hatte:
eine gut sichtbare Spur
aus Abgas-
m Anfang stand eine Idee.
Und zwar gen ausgelegt, Hinzu Zahl bei der Wehr-

A
den Fluten. trieb, der Gefechtsdistanzen deutlich. pistole 18 führte. Diese
auch als Bergmann
Portion Navy-Stolz in blasen erzeugte. Aus diesem
Grund arbeitete e, geboren krieg die mit einer macht eingeführte
Schlachtschiff nicht die Idee einer Kurzpatron das Repetiergewehr 98 MP bekannte erste echte
Maschinenpistole
Schließlich ging das Industrie bereits an einem
Torpedo mit
Ersten Welt- kam, dass Halbautomat
aus den Erfahrungen des n sehr unhandlich
Torpedo steckt
SCHIFFSTOD: In einem einem heimtücki- die rone 08 (9 Millime-
Länge von 125 Zentimeter
Typs
kämpfend, sondern nach Erste Exemplare dieses verschoss die Pistolenpat
bedeutend mehr Technik,
als es der Zweck
Doch zum Wun- Elektroantrieb. Frontboote erreichen, doch Schützengräben hatte während des
die mitunter sehr schen Torpedotreffer unter. des sollten 1919 die krieges. Denn in den Ordon- war. Deshalb hatte man schon ter Para).
vermuten lässt. Technik, Zeit. Noch am Ende der Elektro- die deutsche Sturmtruppen Ersten Weltkrieg
denlecken blieb keine man festgestellt, dass Krieges vor allem die
Einsatz
ist. Im Bild kam das Kriegsende dem Nach dem verlorenen
störanfällig und sogar gefährlich First Lord of the Ad- 7,92 x 57 Millime- Großen
Monats quälte sich der ausgestattet, die kaiserliche Armee
versenkt U 68 am 8. März
1942 den briti-
zu einem Krisen- Torpedos
zuvor.
nanzpatrone 98 im Kaliber Repetierkarabiner 98 musste Deutschland
67
miralty Winston Churchill hatten die Ge- mit dem Gleichzeitig ar-
ter zu stark war. Ihre Schöpfer
Baluchistan
schen 7.000-Tonnen-Dampfer
treffen auf die alten Planken
der HMS Nelson.
in der Krise nur 111 Zentimeter maß.
Foto: picture-alliance/akg-images Homefleet Marine Schussentfernun- der
Im Verband der mächtigen Der Versailler Vertrag verbot wehrpatrone 98 auf weite
den Deutschen
Clausewitz Spezial
dem hohen Gast an bemer-
pflügte die Nelson mit indes nicht nur die U-Boote, sondern Seite 21
den Orkney-In-
Bord um 10 Uhr morgens
an se auch den Bau von Torpe- CWS_25_20_31_FlugzeugClassic_
Klassiker 07.03.19 08:23
Premierminister kenswerterwei durfte lediglich
seln vorbei. Was der spätere rasten dos. Die neue Reichsmarine
nicht wusste: In diesem
Augenblick Großen Krieg
die Restbestände aus dem 66 Klassiker 07.03.19 08:22
Seite 20
Schlachtschiff zu – noch CWS_25_20_31_FlugzeugClassic_
drei Torpedos auf das und pflegen. Die 1919 gegründete
detonierten nicht. verwalten hsanstalt (TVA) hielt dies
al-
und sie trafen. Allein sie
von U 56, das Torpedoversuc gründlich
Wilhelm Zahn, Kommandant nicht davon ab, den G/7
hatte, traute lerdings
den Dreifach-Fächer abgefeuert ren. Die überarbeitete Version
gesagt seinen Oh- umzukonstruie war nun strömungsgünsti-
seinen Augen oder besser 1920er-Jahre Luftwaffe
konnten nämlich der
ren nicht. Seine „Lauscher“

Blutige
per
der modernen Marschlugkör
schung bis 1945 Fieseler Fi 103: Der Urahn
Die deutsche Torpedofor Schock. Hatten die Deutschen
mit ihr eine Waffe,

Der „Geier” wartet schon


Die V 1 traf London wie ein oder war sie am Ende ein

Vergeltung
strategische Bomberlotte,
die eizienter war als jede Von Peter Cronauer
kostspieliger Fehlschlag?
litten zu Beginn des Krieges
Die deutschen Torpedos
die Forscher einen
an allerlei Mängeln, bis Der Torpedoraum war nichts
für VOR DEM EINSATZ: Verladen
eines Torpedos auf
Verlag Archiv
erzielten – basierend lagerte VERDAMMT ENG:
Foto: p-a/Sammlung Berliner
technischen Durchbruch UMLADEN: Dieser Torpedo
SZ-Photo/Scherl groß gewachsene
Menschen Foto: picture-alliance/akg-i
mages ein Kriegsschiff

Von Stefan Krüger an Deck Foto: ullstein bild – besaß eine größere Reichweite
und war
auf der Quantenphysik! deutlich hören, wie die
Torpedos gegen die ger,
mit 40 Knoten auch bedeutend
schneller.
Hülle des Schiffes stießen. die Marine, end-
bekam U 39 den Zugleich bemühte sich
Gut einen Monat zuvor entwickeln, aber
eine Elektrovariante zu
Ark Royal vor die Flinte und lich auf die alliierten Sieger-
Flugzeugträger das war im Hinblick
allerdings zu früh ex- hatte die TVA
schoss zwei Aale ab, die mächte heikel. Denn offiziell
seinen Coup in Scapa hei-
plodierten. Und als U 47 Torpedos für Überwasserein
sieben Torpedos die neuen
Flow landete, waren ganze wie etwa Zerstörer und
Schnellboote
darunter waren, ten blieben.
nötig, bis wenigstens zwei da U-Boote verboten
auch detonierten. konzipiert, Letz-
die die Royal Oak trafen und os aber ergaben nur für
Phase der deutschen U-Boote Elektro-Torped begann, in aller
Diese glücklose
die Geschichte ein. tere Sinn, sodass die Marine
ging als Torpedokrise in und Spanien zu
der den deutschen Heimlichkeit mit Schweden
Der launische Torpedo, was jedoch im Sande verlief.
Kummer bereitete, kooperieren, es der Dampftorpedo mit der
U-Boot-Fahrern so viel Daher war
und ging auf einen Bezeichnung G7a, der
im
trug die Bezeichnung G7
Torpedowerkstatt in schmucklosenschließlich Serienreife erlangte.
kaiserlichen Entwurf der 1933
1906 zurück. In der Frühjahr zum kaiserli-
Eckernförde aus dem Jahr Aal besaß ein im Vergleich
G/7, wie man ihn zu Der von 533 Milli-
finalen Version hatte der G/7 vergrößertes Kaliber
von 50 Zentime- chen wiederum
jener Zeit nannte, ein Kaliber metern. Der größere Gefechtskopf
sieben Metern. dimensionierten
tern und eine Länge von Krei- bedingte einen großzügiger
aus zwei Kessel Platz fand,
Ein fortschrittliches System Körper, in dem ein größerer
die Streuung niedrig besaß
seln sorgte dafür, dass der G7a eine höhere Reichweite
Alles in allem also sodass
und das Tempo hoch blieb.
85

Clausewitz Spezial

84

von einem
morgens Augenzeugen berichten später
ienstag, der 13. Juni 1944,

Opulente Bildfülle: Clausewitz Spezial D


brennenden Flugzeug,
Explosi- niedrig fliegenden
um 4:25 Uhr: Eine gewaltige Feuerschweif hinter sich
Stadtteil das einen langen
GEBURT DER MARSCHFLUGKÖ
RPER: on erschüttert den heutigen vermutlich Motorprobleme
hat-
Londons. Ir- herzog und
Am 13. Juni 1944 startet die
erste Waltham Forest im Nordosten wie ein Motorrad ohne
neben der te. Es habe geklungen
Fi 103 Richtung England. Der
Raketen- gendetwas detoniert unmittelbar Auspuff … oder ein altersschwaches
Motor-
führenden Eisenbahn- es sich
über die Grove Road oder … Tatsächlich handelte

stellt im ersten Teil eine Fülle an Sonderprojekten


beschuss traf die Insel unvorbereitet, Anglia, beschä- boot …
doch machten sich die Briten
entschei- brücke der Trasse nach East Einschlag einer „V 1“ genann-
Häuser in um den ersten
dende Schwächen der V 1
zunutze digt Brücke, Geleise und mehrere Fi 103 im Stadtgebiet von
Lon-
Sechs Menschen ten Fieseler an jenem 13. Juni
Foto: akg-images der näheren Umgebung. don, vier weitere sollten
verlieren dabei ihr Leben.

und besonders efektive Wafensysteme vor 20


Clausewitz Spezial
21

38
Clausewiittz
Wegweisende
AUS
PANZER VIeIIPanMzer
Der schwerstchichte
Weltges
der We

merone

Wehrtechnik
63
schen Taanks
Wie 65
Legionäre So bezwingt der A7V die engli
2000
exikanern
Mex
rotzen

In Clausewitz Spezial und im regulären Heft geht es


um bahnbrechende Neuerungen deutscher Ingenieure,
vom Panzer A7V bis zum Nurflügel-Jäger Horten Ho IX
Rschew 1942/43
Kampf um das Sprung-
Clausewitz Spezial Nr. 25 Clausewitz 3/2019 b tt hM k

Raketen, Düsenjäger und April 1918: Im Norden Frankreichs


SPURENSUCHE
Monsterkanonen: Die deutsche treffen Sturmpanzerwagen A7V im Adlerhorrst
Rüstungsindustrie entwickelte Rahmen der deutschen Frühjahrs- Hitlers
geheimnisvolles
zahlreiche zukunftsweisende offensive im direkten Duell auf eine orck
Ludwig Yo Hauptquar tiier
im Taunus
ssic_Klassiker 20.03.19 07:39
Seite 11

Waffen, brachte aber auch groteske Übermacht an alliierten Tanks. Der Wie er Napoleons
CW_2019_03_10_15_FlugzeugCla

Seite 10
ssic_Klassiker 20.03.19 07:39

Untergang einleitete
CW_2019_03_10_15_FlugzeugCla

Projekte hervor. Clausewitz Spezial Kampf der Stahlkolosse wogt hin Titelgeschichte | Villers-Breto
nneux 1918

stellt nun die spektakulärsten und her, doch wer behält am Ende
Waffen vor: Hatte die Wehrmacht die Oberhand auf dem Schlachtfeld PANZERANGRIFF IM April 1918: Die deutsche
Michael-Offensive

WESTEN
Wieder
fest.
frisst sich nach Anfangserfolgen
rieg.
droht ein zermürbender Stellungsk
Eine heftige Attacke mit neuen
tatsächlich eine Kanone, die bis bei Villers-Bretonneux? Sturmpanzerwagen soll endlich
Front durchbrech en Von
die alliierte
Jörg-M. Hormann

nach London schießen konnte? Erfahren Sie in der aktuellen Dramatischer Showdown in
Nordfrankreich
Besaß sie einen futuristischen Clausewitz-Titelgeschichte alles
Nurflügel-Jet, der über 1.000 Stun- Wissenswerte über den dramati-
denkilometer erreichte? Und was schen Panzer-Showdown an der
hat es mit diesem mysteriösen Westfront im Frühjahr 1918!
Torpedo auf sich, der auf den Lesen Sie spannende Beiträge auch Großes Leid
Die Westfront mutierte 1918
zu
S. 24

einer monströsen Blutmühle.

Gesetzen der Quantenmechanik zu diesen Themen: Ohne Rücksicht WUCHTIGE ANGRIFFSWAF


Mit den 30 Tonnen schweren
Sturmpanzerwagen A7V wollen
FE:

die

5 KURZE FAKTEN
ux
Deutschen bei Villers-Bretonne
östlich von Amiens die feindlichen

beruhte? Außerdem erklärt das auf Verluste – Schlachten an der ZEIT: 24./25. April 1918
ORT: Villers-Bretonneux (östlich
LAND: (Nord-)Frankreich
Amiens)
Panzerzeitalter
1918 brachen sich neue Waffen-
S. 28
Linien durchstoßen. Doch
die Alliierten
werfen ihre Tanks in die Schlacht
es kommt zur ersten Panzerschlacht
der Geschichte

Foto: ChezOC/Shotshop/picture-alliance
GEGNER: Deutsches Reich /
Alliierte technologien Bahn.

Magazin den Aufbau und die Ostfront bei Rschew 1941–1943; EREIGNIS: Deutsche Offensive;
alliierter Gegenschlag

CW_2019_03_43_46_Layou
t 1 20.03.19 10:05 Seite
Clausewitz 3/2019
45 11

10:05 Seite 44

Funktion verschiedener Hightech- Camerone 1863 – Die härteste CW_2019_03 _43_46_Layout 1 20.03.19
10

Militärtechnik im Detail

Geräte des Zweiten Weltkriegs wie Schlacht der Fremdenlegion; Unter Druck

Der bemannte SLC


verließ das
Die Besatzung des Maiale
Wasserlinie. Erst
Mutter-U-Boot in Höhe der
Ziel ging man
mit der Annäherung an das

etwa die Knickebein-Anlage (das Kolossaler Kettengigant – Panzer- den Torpedo


zum Tauchen über. Der Vorgang, etwa sieben
auf Tauchtiefe zu bringen, nahm
Die ruhige Art

Torpedo
entließ der Elektromotor mit
Sekunden in Anspruch. Dabei Der SLC wurde von einem
rn und durch
Pilot Luft aus zwei Pressluftzylinde 1,6 Pferdestärken angetrieben
und Tiefenruder gesteuert.
überdimensionierte Höhen- be war ebenfalls

„Navi“ der deutschen Bomber), die kampfwagen VIII Maus; Tatort im


Die einzige Antriebsschrau
so einen ruhigen
überdimensioniert und erlaubte
Geschwindigkeit
Fahrbetrieb bei der niedrigen
des Fahrzeugs

Enigma und die V1. Ausführlich Taunus – Hitlers geheimes Haupt-


wird erläutert, wie die verschiede- quartier „Adlerhorst“; Ludwig Yorck
nen Systeme funktionierten und von Wartenburg – Signalgeber der
ob sie ihren Zweck tatsächlich er- Befreiungskriege u. v. m.
füllten. Ferner bietet Clausewitz Clausewitz 3/2019 ist noch bis zum
einen umfassenden Überblick über 2. Juni 2019 am Kiosk erhältlich. Zuschlagen und verschwinden
Haftmine an seiner
Der SLC trug die abnehmbare der Sprengladung
Vorderseite. Nach dem Anbringen
am Rumpf des feindlichen
Schiffes stellte die
Seepferdchen
Die Besatzung des Maiale
saß auf diesem
Die Konstruk-
auf 2,5 Stunden, fuhr rittlings wie auf einem Pferd.
Besatzung den Zeitzünder Torpedos mit
teure versahen die Seiten des

die geheime Forschungsarbeit seit


den SLC und
dann in Richtung Ufer, versenkte die Be-
stählernen „Steigbügeln“, damit einen
versuchte über Land zu entkommen satzungen bei der Fahrt im
Wasser
guten Halt fanden Die Konkurrenz

dem Jahr 1918 bis zum Ausbruch Der japanische Kaiten

Clausewitz 3/2019
Der deutsche Neger Anzahl der Einheiten in dieser
Schiffsklasse:
Der britische Chariot

des Zweiten Weltkriegs.


Schiffsklasse:
Schiffsklasse: Anzahl der Einheiten in dieser ungefähr 330 Stück
Anzahl der Einheiten in dieser ungefähr 200 Stück Besatzung: 1 Mann (innen)
240 Stück Besatzung: 1 Mann (innen) Länge: 14,7 Meter
rengkopf
Besatzung: 2 Mann Länge: 7,6 Meter Bewaffnung: 1x 3.420-Pfund-Sp
Länge: 6,8 Meter Bewaffnung: 1x G7T3b-Torpedo Reichweite: 78 Seemeilen
Illustration: Jim Laurier

ex-Sprengkopf
Der italienische Maiale 42–50
Bewaffnung: 1x 600-Pfund-Torp Reichweite: 48 Seemeilen
4 Knoten
Höchstgeschwindigkeit: 12
Knoten
– mehr als 100 Japa-
der Einheiten in dieser Schiffsklasse: Reichweite: 8–10 Seemeilen Höchstgeschwi ndigkeit: Der Kaiten galt als Fehlschlag
Anzahl Knoten navigierbar zu bleiben, nur drei amerikanische
Besatzung: 2 Mann Höchstgeschwindigkeit: 3,5 Um auf Höhe der Wasserlinie ner starben, während damit
des Chariot auf derjenigen Wetter und eine leichte
Länge: 7,3 Meter Obwohl die Konstruktion
Chariot in kälteren und
benötigte der Neger ruhiges Schiffe versenkt werden konnten
oder 2x 273-Pfund-Minen

84 Seiten, ca. 200 Abb., Preis: 5,95 € Bewaffnung: 1x 507-Pfund-Mine des SLC basierte, konnte der Strömung
als sein italienisches
Reichweite: 15 Seemeilen einer Seemeile) tieferen Gewässern operieren
Knoten (ein Knoten entspricht 45
Höchstgeschwindigkeit: 2,5 Maiale Gegenstück
des SLC gaben ihm den Spitznamen
Die italienischen Konstrukteure
zu manövrieren war
(Schwein), da er so schwer Clausewitz 3/2019
1 20.03.19 10:03 Seite 33

GeraMond Verlag GmbH 1 20.03.19 10:03 Seite 32


CW_2019_03_32_37_Layout 44
CW_2019_03_32_37_Layout

Bezug: www.verlagshaus24.de Schlachten der Weltgeschic


hten | Rschew 1941–1943
er Jahreswechsel 1941/42
an der Ost-
front verläuft dramatisch: Während
der
miss-
Wehrmacht der Stoß auf Moskau
aller Macht, die
glückt, versucht Stalin mit
n. Nach
feindlichen Armeen zurückzudränge
beste Verteidi-
dem Motto „Angriff ist die
seit Dezember
gung“ stößt die Rote Armee
bei Rschew nordwestlich von Moskau
1941
Operation
im Rahmen einer groß angelegten
westwärts vor.
dort vor allem
Auf deutscher Seite kämpft
(HGr. Mitte) un-
die der Heeresgruppe Mitte
dem Oberbefehl
terstellte 9. Armee unter
General der Pan-
(seit Mitte Januar 1942) von

Alle Verkaufsstellen in Ihrer Nähe unter Die Wehrmacht verteid


igt den Frontbogen von
Rschew
abzeichnet,
zertruppe Walter Model.
Offensivverbände versuchen
Die sowjetischen

den Monaten nahezu unablässig,


ihrem Rückzug im Frontbogen
in den folgen-
die nach
bei Rschew
isionen durch ei-
von Hitlers Sturm auf Moskau stehenden Wehrmachtsdiv

www.mykiosk.com inden, den QR-Code scannen ENDE 1941: Als sich das Scheitern Front bei Rschew entbrennen in der Folge und zu
ne Zangenbewegung einzuschnüren
aus. Um die
holt Stalin zum Gegenschlag
zerschlagen.
zählen unter ihrem
Die Verbände der HGr. Mitte
blutigsten des Zweiten Weltkriegs
heftige Kämpfe, die zu den
schall
Oberbefehlshaber Generalfeldmar Be-
sich nach
Von Tammo Luther Günther von Kluge mussten seit

oder ein Testabo mit Prämie bestellen unter ginn der sowjetischen Winteroffensive
Ende 1941 schrittweise auf
– Rschew – Wjasma zurückziehen,
Vernichtung durch den Gegner
Bereits am 4. Januar 1942,
die Linie Newel
um der
zu entgehen.
kurz nach Be-
von Rschew,
ginn der ersten Winterschlacht

www.clausewitz-magazin.de/abo gelingt es den für den Krieg


Eis hervorragend ausgerüsteten
Divisionen, über den zugefrorenen
strom hinweg die nur dünn
in Schnee und
sibirischen
Wolga-
besetzte deut-
von Rschew
sche Verteidigungslinie westlich
die Rote Ar-
zu durchbrechen. Damit steht
vor den To-
mee weniger als zehn Kilometer
ren der Stadt.
im Mittelabschnitt an der
Was sich nun
ereignet, zählt
Ostfront über Monate hinweg
des Zwei-
zu den verlustreichsten Kämpfen
Winter- und
ten Weltkriegs. In mehreren
die Rote Armee
Sommerschlachten versucht
Stützpfeiler
bis März 1943, den wichtigen
zerschlagen. Die
der deutschen Ostfront zu
Kalininer Front
Divisionen der sowjetischen
Konew und der
unter Iwan Stepanowitsch

Einblicke in das Heft: 5 KURZE FAKTEN


ZEIT: Dezember 1941 bis
März 1943
Westfront unter Georgi Konstantinowits
Schukow erhalten den Auftrag,
chen Linien zu durchstoßen.
ch
die feindli-

(nordwestlich Moskau)
ORT: Großraum bei Rschew
Reich
GEGNER: Sowjetunion / Deutsches Dramatischer Auftakt
der Roten Armee für die deut-
EREIGNIS: Großoffensiven Besonders kritisch ist die Lage

Titelgeschichte „Panzer 1918“, ERGEBNIS:Halten des Frontbogens


macht und geordneter Rückzug
durch die Wehr-

ABWEHRKAMPF: Eisern hält


die 9. Armee
schen Divisionen der HGr.
Mitte gleich zu
Jahresbeginn 1942: Von Südwesten
ein sowjetischer Angriffskeil
15 Kilometer breite Frontlücke
her stößt
durch eine etwa
vor. Seine
1942 unmittel-
im Frontbogen von Rschew
stand – obwohl Spitzen stehen am 11. Januar

Militärtechnik im Detail,
bedeut-
bar vor dem Bahnhof des strategisch
der Roten
die drückende Überlegenheit
punktes Sytschewka
Armee ständig zunimmt samen Verkehrsknoten
Zeitung Photo/Scherl
Foto: pullstein bild - Süddeutsche
33

Schlachten um Rschew
Clausewitz 3/2019

32

Militär & Geschichte 39


KRIEGE & SCHLACHTEN

KAMPF UM STRASSBURG 1870

Begehrt, belagert,
beschossen
Das ehemals deutsche Straßburg hätten die preußisch-deutschen Armeen
1870 am liebsten unversehrt in die Hand bekommen. Doch als sich die
Belagerung nicht vermeiden ließ, wurde schwerstes Geschütz aufgefahren

Eine deutsche Geschützbatterie


vor Straßburg. Die schwere
Belagerungsartillerie versuchte
die feindlichen Kanonen
auszuschalten und eine Bresche
in die Mauern zu schlagen

40
General Jean-Jacques Uhrich General August von
leitete als Kommandant der Werder war 1870
Festung Straßburg deren Oberbefehlshaber
Verteidigung – und übergab des Belagerungs-
sie schließlich in auswegloser korps. Zuerst setzte
Situation. Unten ein er auf Einschüchte-
Generalshut aus jener Zeit rung per Artillerie-
beschuss, ging dann
aber zur förmlichen
Belagerung über

ls die deutschen Truppen An- tor“ nach Frankreich militärstrate-

A fang August 1870 auf französi-


sches Territorium vordrangen,
erreichten sie rasch eine Stadt, deren
gisch äußerst wichtig war.
Bereits am 22. Juli 1870, drei Tage
nach der französischen Kriegserklä-
Name bei vielen Patrioten Sehnsüch- rung, hatten die Deutschen die Rhein-
te weckte: Straßburg. Die Hauptstadt brücke gesprengt, um einen feindli-
des Elsass hatte einst zum deut- chen Vorstoß nach Süddeutschland
schen Herrschaftsbereich ge- zu erschweren. Nach einem französi-
hört, war aber 1681 an Frank- schen Scheinangriff auf Saarbrücken
reich gefallen. und den französischen Niederlagen
Jetzt schien die Gelegenheit güns- in den Schlachten bei Weißenburg
tig, das Rad der Geschichte zurückzu- (4. August) sowie Wörth und Spichern
drehen und das Elsass sowie Lothrin- (6. August) hatten die Franzosen das
gen wieder in Besitz zu nehmen. Und Elsass geräumt – und damit Stadt und
was hätte diesen Anspruch besser un- Festung Straßburg dem deutschen
termauern können, als das symbol- Angriff ausgesetzt.
trächtige Straßburg mitsamt seiner Man konnte solche Orte auf ver-
85.000 Einwohner in die Hand zu be- schiedenen Wegen einnehmen. Bei
kommen? Dazu musste man die zur kleineren Festungen griff die Artille-
Festung ausgebaute Stadt allerdings rie mit konzentrischem Feuer einen
erst einmal erobern. bestimmten Punkt der Verteidigungs-
anlagen an. Dieses Vorgehen war ge-
„Einfallstor“ nach Frankreich gen Toul, Soissons, Schlettstadt und
Das war in den ersten Kriegswochen Neubreisach erfolgreich, bei Verdun
durchaus ungewöhnlich, denn in der hingegen nicht. Größere Städte wie
Regel haben sich die deutschen Feld- Paris, Belfort oder eben Straßburg
armeen bei ihrem Vormarsch von musste man förmlich belagern, was
Abb.: Interfoto/Friedrich, Interfoto/Hermann Historica, Interfoto/Pulfer, Slg. M&G

französischen Festungen nicht auf- meistens mit längeren Bombarde-


halten lassen. Sie sind an ihnen vor- ments einherging. Hier spielte die Be-
beigegangen und haben lediglich Ab- lagerungsartillerie die entscheidende

Straßburg musste erobert werden – um den


Anspruch auf das Elsass zu untermauern.
teilungen zurückgelassen, die den Rolle. Sie sollte zunächst die feindli-
Feind beobachten und dessen Ope- che Artillerie niederkämpfen, damit
rationen gegen die eigenen Etappen- sich die eigenen Truppen systema-
linien unterbinden sollten. Diese tisch der Festung annähern konnten.
Einschließungstruppen wurden ge- Um dort einzudringen, musste die Be-
wöhnlich durch Reserve und Land- lagerungsartillerie schließlich eine
wehr abgelöst. Nach und nach stellte Bresche in die Mauern schlagen.
sich aber die Frage, welche Festungen
man einnehmen sollte, um Reserven Weiträumig eingeschlossen
für andere Kriegszwecke freizuma- Genau so wollte man auch bei Straß-
chen. Straßburg stand nicht nur we- burg vorgehen. In diesem Falle war
gen seiner Symbolik ganz oben auf das Anlegen von näher gelegenen Bat-
der Liste, sondern weil es als „Einfalls- teriestellungen auch deshalb notwen-

Militär & Geschichte 41


HINTERGRUND
KRIEGE & SCHLACHTEN

Preußisch-deutsche Belagerungsartillerie
Zwischen 1860 und 1870 vollzog sich in den deutschen Staaten Für den Einsatz vor feindlichen Festungen stellte man jeweils
der Übergang vom glatten zum gezogenen Geschützsystem, vier oder sechs Geschütze zu Batterien zusammen, die
sodass beide Systeme 1870/71 parallel verwendet wurden. aus ausgehobenen Unterständen, sogenannten Batteriehöfen,
Die Preußen hatten bereits in Friedenszeiten einen Belagerungs- feuerten. Dabei betrug der Abstand der Geschütze voneinander
park von 320 Kanonen unterschiedlicher Kaliber angelegt. sechs Meter. Für eine Batterie von vier Geschützen waren
Er bestand aus 250 Mann notwendig, die sich um Transport und Bedienung
• 15- und 12-cm-Kanonen (Schussweite 4.500 bzw. 4.000 Meter), kümmerten. Im Gefecht bestand eine Geschützbesatzung aus
• kurzen 15-cm-Kanonen (Schussweite 4.400 Meter), fünf bis sechs Mann sowie einem Geschützkommandeur.
• gezogenen 21-cm- und glatten 23-cm-Mörsern Ein Belagerungsgeschütz gab am Tag 40 bis 50 Schüsse ab,
(Schussweite 2.600 bzw. 1.725 Meter). bei Nacht 15 bis 20. Die Kanonen schossen direkt mit lachen
Im deutsch-französischen Krieg wurde dieser Belagerungspark Geschossbahnen oder indirekt mit etwas gekrümmter Bahn
durch Geschütze der preußischen Festungen vervielfacht. gegen aufrecht stehende Ziele.

dig, um mit äußerster Präzision die sche General Johann Jacob Uhrich, ein
aus der Ferne unsichtbaren französi- tapferer Offizier, der bereits im Krim-
schen Linien bekämpfen zu können. krieg gedient hatte. Er gebot über
Doch das war gerade südlich der Stadt 23.000 Verteidiger, darunter viele Ver-
nicht ungefährlich: Durch Straßburg sprengte der Schlacht bei Wörth. Fer-
floss die schnell strömende Ill, die ner verfügte er über die sehr große An-
auch die Wassergräben der Festung zahl von 1.200 Kanonen, von denen
speiste und bei Bedarf das südliche aber nur etwa 200 zum Einsatz gelang-
Vorland überschwemmen konnte. ten, da es an Artilleristen mangelte.
Der Kampf begann am 12. August
1870. An jenem Tag ließ General Au- Übergabe verweigert
gust von Werder, der Befehlshaber der General Uhrich hatte kurz vor der An-
badischen Division, den Ort weiträu- näherung der Deutschen durch das
mig einschließen, was erst nach ver- Fällen von Bäumen und das Abreißen
lustreichen Gefechten gelang. Sein von Häusern Schusslinien für die Ver-
Gegenpart als Oberbefehlshaber über teidiger freimachen und zusätzliche Gedenkmünze
Stadt und Festung war der französi- Hindernisse durch das Öffnen der mit Gefechts-
spangen zum
Nachweis
AUSRÜSTUNG der Schlacht-
teilnahme,
15-cm-Belagerungs- und daneben die
Zentenar-
Festungsgeschütz Medaille zum
8 Andenken an
1 Mit Eisenring beschlagenes Kaiser Wilhelm I.
Holzspeichenrad für den Transport in
vorbereitete Stellungen
2 Eiserne Belagerungslafette zum 7
Abb.: Interfoto/UIG/W.B. Interfoto/Hermann Historica, MIREHO, SZ Photo (2)

Absetzen auf entsprechende Bettung


3 Blattfederblock des Räderwerks 6
4 Eiserner Holm zur Lagerung in der Bettung
5 Kruppscher Rundkeilverschluss 5
6 Schildzapfen als Lager für die
Höhenrichtung des Rohres
7 Gezogenes Gussstahlrohr 2
8 Verstärktes Rohrende mit
grober Zieleinrichtung
1
3

Kanone C/64 von Krupp


aus dem Jahr 1864 für die
preußische Festungsartillerie 4

42
Panik auf den Straßen: Auch als die Deutschen ihr Feuer auf die Befestigungs- Mut zur Aktion: Die umjubelte Besatzung trat mehrmals zu
werke konzentrierten, gab es in der Stadt noch viele Schäden und Todesopfer Ausfällen an, musste sich aber stets erfolglos zurückziehen

Die Kanonade von Straßburg


erstreckte sich über mehrere Wochen.
Weil die Stadt über keine vorgeschobe-
nen Festungswerke verfügte, konnten
die Belagerer dicht an sie heranrücken

Militär & Geschichte 43


KRIEGE & SCHLACHTEN

ZEITTAFEL
Einzug zwischen Trümmern: Am 27. September befand sich die Stadt in deutscher
Hand. 500 Gebäude waren völlig zerstört, viele Kulturgüter vernichtet Der Krieg bis zur
Einnahme Straßburgs
Schleusen schaffen lassen. Da er die durch bis zu 186 Geschütze (davon
Übergabe der Stadt verweigerte, be- 67 schwere) bombardiert, wobei die 13. Juli 1870: Veröfentlichung der redigierten Emser
fahl König Wilhelm I. von Preußen, deutsche Artillerie rund 13.500 Schüs-
Depesche in der Norddeutschen
Allgemeinen Zeitung
ein Belagerungskorps zusammen- se abgab. Dabei fielen die Gemälde-
zuziehen, das schließlich aus badi- galerie und die städtische Bibliothek 19. Juli: Französische Kriegserklärung
schen, württembergischen und preu- mit ihren unersetzbaren Handschrif- 2. August: Sechs französische Divisionen erobern
ßischen Truppen in einer Stärke von ten in Trümmer. Obwohl es verschont Saarbrücken und ziehen sich wieder
zurück
zirka 50.000 Mann bestand. werden sollte, bekam auch das be-
Am 15. August feuerten die Deut- rühmte Straßburger Münster Treffer 4. August: Schlacht bei Weißenburg
schen eine erste Granate auf Straß- ab. Der Dachstuhl des Kirchenschiffes 6. August: Schlachten bei Wörth und Spichern,
burg ab, die in der Küche eines Wohn- brannte aus, der Turm und ein Fenster Rückzug der Franzosen aus dem Elsass
hauses explodierte und unter der erlitten Schäden. 12. August: Beginn der Belagerung von Straßburg
zahlreich herbeigeeilten Bevölkerung Da der Beschuss keinen schnellen 16. August: Schlachten bei Mars-la-Tour und
einen großen Eindruck machte. Drei militärischen Erfolg brachte, musste Gravelotte, Rückzug der französischen
Tage später trafen die ersten von ins- General von Werder zu einer regel- Rheinarmee nach Metz, wo sie ein-
Abb.: BAO/imageBROKER/SZ Photo, Interfoto/Hermann Historica

gesamt 36 deutschen Festungsartille- rechten Belagerung übergehen und geschlossen wird (Belagerung von Metz:
20. August bis 27. Oktober 1870)
riekompanien ein, und schon am fol- Parallelgräben anlegen lassen. Die
genden Tag begann sich die deutsche französischen Verteidiger hatten auf 2. September: Niederlage der französischen Ersatzarmee
unter Mac Mahon bei Sedan, Gefangen-
Artillerie mit ihren 15-Zentimeter-Ka- der westlichen Front den deutschen
nahme Kaiser Napoleons III.
nonen auf Straßburg einzuschießen. Angriff erwartet, da hier die Über-
Dabei ging man davon aus, durch Ein- schwemmungen unbedeutend wa-
4. September: Proklamation der Dritten Republik
schüchterung am schnellsten zum ren und es praktisch keine vorgescho- 19. September: Beginn der Belagerung von Paris
Ziel zu kommen und sich eine lange benen Befestigungswerke gab. Die 27. September: Kapitulation von Straßburg
Belagerung zu ersparen. Deutschen aber hatten sich für einen
nordwestlichen Angriffspunkt ent-
Intensiver Beschuss schieden, weil sie im westlichen Be- 400 Schritt von den feindlichen Anla-
Vom 19. bis zum 23. August nahmen reich Minen vermuteten. gen entfernt war. Die erste Parallele
24 schwere Geschütze vom badischen Zuvor mussten sie allerdings die (ein für Infanterie ausgebauter Gra-
Kehl her die Zitadelle östlich von Festungswerke vor dem nordwestli- ben mit Artillerieständen) wurde so
Straßburg unter Feuer. Anschließend chen Hauptwall ausschalten. General nah wie möglich an die nordwestli-
wurden Stadt und Zitadelle drei Tage von Werder ließ eine Postenkette chen Stellungen herangeführt, am
lang mit sich steigernder Intensität aufziehen, die an einigen Stellen nur 30. August war sie fertig. Eine zweite

44
Parallele entstand bis zum 6. Septem- deutsche Pioniere in den zerstörten
ber, wobei ein französischer Ausfall Schutzwerken des Steintors fest, An-
und starkes Geschützfeuer die Arbei- griffstruppen gingen in Stellung. R U S S EN V ERTEIDIGE
EN
ten zwischenzeitlich verzögerten. Da endlich musste Uhrich einse- DEN ATLA NTIK WA LL 1944
hen, dass er mit seinen Männern auf I S B N : 978-3-952
978-3-9524583-3-4
Gebäude sinken in Trümmer verlorenem Posten stand. Weil sich
Als General Uhrich von der Katastro- alle Gerüchte über herannahenden
phe bei Sedan und der Gefangen- Ersatz als haltlos erwiesen hatten
nahme Kaiser Napoleons III. erfuhr, und eine weitere Verteidigung Straß- CHF 39.–
sah er sich keineswegs zum Aufgeben burgs nicht mehr aussichtsreich war,
veranlasst. Doch seine Chancen, eine kapitulierte die Stadt am 27. Septem-
lang anhaltende Verteidigung zu or- ber. Als auf dem Münster die weiße
ganisieren, schwanden dahin. Von Fahne wehte, reagierten viele Ein-
ihrer zweiten Parallele aus konnten wohner verärgert – und stimmten
die Belagerer die Festungsschanzen lautstark die Marseillaise an, wäh-

Nach dem Fall der Stadt stand die schwere


Artillerie für neue Belagerungen bereit.
EIN A PPENZELLER R
schon mit Gewehrfeuer belegen. Un- rend die Deutschen draußen ihren IN DER WA F F EN-S S
terdessen setzten sie das Bombarde- Sieg bejubelten. Sie konnten zahlrei-
I S B N : 978-3-9523714-7-3
ment fort, legten die Zitadelle in che Kanonen und eine Menge Kriegs-
Schutt und Asche, vollendeten das material erbeuten sowie 17.000 Fran-
Brescheschießen auf die Schutzwer- zosen gefangen nehmen. Französi-
ke des Steintors und schalteten geg- sche Offiziere ließ man gegen das
nerische Geschützstellungen aus. Ehrenwort, in diesem Krieg nicht wie- H F 36 . –
Zahlreiche Gebäude der Stadt sanken der aktiv zu werden, frei.
in Trümmer, überall loderten Feuer Die Deutschen hatten vor Straß-
auf.Viele Einwohner, darunter Frauen burg zirka 900 Mann verloren, ihre
und Kinder, wurden verletzt oder ge- Artillerie hatte insgesamt 200.000
tötet, viele suchten Zuflucht im Müns- Schüsse abgegeben. Nach der Ein-
ter oder in Mauerresten. nahme der Stadt wurden dort elf
Festungsartilleriekompanien als Be-
Vor der Kapitulation satzung zurückgelassen. Die übrigen
Am 12. September war die dritte Paral- Truppen, einschließlich der schweren
lele fertig – und damit die Ausgangs- Artillerie, standen nun zur Belage-
stellung für den nahe bevorstehen- rung weiterer Festungen bereit. ENDS T ATION A LGER IEN
den Angriff. Erschwert wurden diese I S B N : 3-9522456-9-0
Arbeiten durch zahlreiche kleinere Prof. Jürgen Angelow ist
Ausfälle der Franzosen und durch außerplanmäßiger Professor
starken Regen, der die Gräben in für Neuere Geschichte an
Schlammbetten und die Schanzarbei- der Universität Potsdam und
ten in eine Tortur verwandelte. In den Lehrbeauftragter an der HF 39.–
Hauptwall im Bereich der Nordwest- Freien Universität Berlin.
front zwischen Stein- und Saverner-
tor wurden nun weitere Breschen ge-
schossen. Anschließend setzten sich
Schlachtfeldfunde
auf Marmorplatten:
Vermutlich haben
patriotische
Deutsche nach
dem Krieg mit Blick
auf solche Tisch- Erhältlich im Buchhandel.
dekorationen von
der „Großen Zeit“
geschwärmt

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Militär & Geschichte


KRIEGE & SCHLACHTEN

DIE 12. ISONZOSCHLACHT

„ Ein erschütterndes
Spektakel “ *
*Aus dem Tagebuch eines italienischen Artillerieoiziers

Nach elf ergebnislosen Schlachten am Isonzo wollten die


Mittelmächte 1917 eine Entscheidung erzwingen.
Für die Italiener entwickelte sich die „Schlacht von Karfreit“
zu einem beispiellosen Debakel, das fast
den gesamten Alpenkrieg entschieden hätte

46
Sinnbild des Desasters: Entlang der Rückzugswege der Italiener türmte sich das
zurückgelassene Material. Rechts wird eines ihrer Flugabwehr-Geschütze inspiziert

em italienischen Offizier Luigi Auge reicht, übervoll mit Wägen, Kar-

D Merlini bot sich ein schreck-


liches Bild, als er Anfang No-
vember 1917 den Fluss Tagliamento
ren, Artillerie, Kanonen, Automobilen,
Motorrädern (…). Stellt euch alle diese
Fahrzeuge vor, wie sie umgestürzt,
erreichte. Tagelang hatte er sich mit zerbrochen oder zertrümmert dalie-
seinem Bataillon über 80 Kilometer gen, umgekippt und mit der ganzen
von den südlichen Ausläufern der Al- Ladung auf der Erde verteilt, ausge-
pen hierher in die Ebene der Provinz leerte Kisten, Blätter überall, ganze
Udine zurückziehen müssen, dicht Kommando-Archive verstreut (…).
gefolgt von den vorrückenden Deut- Alle liefen hastig [umher] und stiegen
schen und Österreichern. Mit ihm war dabei auf Uniformen, Unterwäsche,
die Masse des italienischen Heeres in Medizin, Karten. Alles Vorräte, die für

In elf Schlachten war es keiner Seite


gelungen, die Isonzofront zu durchbrechen.
Abb.: Scherl/SZ Photo (3), Graik: Anneli Nau

einem überstürzten Rückzug begrif- eine Armee notwendig waren, um


fen, dessen Resultat er nun auf der sich zu bewegen, zu leben, zu kämp-
Hauptstraße in Richtung des Städt- fen: und die Männer benötigten dies
chens Codroipo überblicken konnte. alles ja auch weiterhin.“
„Mein Entsetzen und die Entmu-
tigung, als ich das Ausmaß des Zu- Immense Verluste
sammenbruchs unseres Heeres sah, Was der Offizier mit diesen Worten
werde ich nie in Worte fassen können. kommentierte, war das Ergebnis eines
Stellt euch eine Straße von etwa acht Gebirgskampfes, der als 12. Isonzo-
Metern Breite vor und länger als das schlacht in die Geschichte eingehen
sollte. Damit endete eine gleichnami-
ge Schlachtenreihe, in der sich die
ZUR LAGE Italiener bislang ganz wacker geschla-
gen hatten. Sowohl für sie als auch
für die Österreicher galt seit 1915: Wer
die Isonzofront nicht halten konnte,
brachte die gesamten Hochgebirgs-
fronten, vom Ortler über Gardasee
und Dolomiten bis zu den Karnischen
Alpen, in Gefahr.
Ein österreichischer Bis Ende August 1917 hatte das ita-
MG-Schütze, bei ihm lienische Oberkommando (Comando
zwei Gefallene. Die Supremo) in nunmehr elf Offensiven
12. Isonzoschlacht versucht, die Front am Isonzo zu
bescherte den Mittel- durchbrechen. Gelungen war jedoch
mächten einen nur ein Geländegewinn von zwölf Ki-
enormen Gelände- lometern, der mit 300.000 Toten und
gewinn (rechts) 700.000 Verwundeten erkauft wurde.
Erst in der 11. Isonzoschlacht hatten

Militär & Geschichte 47


ZUR LAGE
KRIEGE & SCHLACHTEN

Das leichte MG 15
wurde ab dem
Sommer 1917 an die
deutschen und
österreichischen
Schützenkompa-
nien ausgegeben

sie durch einen überraschenden An- arbeiten konnte. Machte der Talan-
griff nördlich von Görz größere Erfol- griff auf diesen Straßen schnelle Fort-
ge erzielt, weswegen die Österreicher schritte, so mussten die Italiener ver-
dort einen Abschnitt des ostwärtigen suchen, die Berge beiderseits der Tä-
Isonzoufers verloren. ler zu halten. Und da ihre Reserven
den südlich der Straße Tolmein–Kar-
Die Deutschen greifen ein freit gelegenen Kolovrat, an den sich
In dieser Situation versuchte nun die westlich der Monte Matajur an-
k. u. k. Armee, einem weiteren Angriff schließt, noch leicht erreichen konn-
zuvorzukommen und die „Karst- ten, würde dieser Höhenzug zu einem
hölle am Isonzo“ aufzubrechen. Die Brennpunkt des Kampfes werden.
deutsche Oberste Heeresleitung ent- Die Österreicher und Deutschen
schloss sich, diese Offensive mit der hingegen mussten das Gebirge mög-
deutschen 14. Armee zu unterstützen. lichst schnell bis in die Ebene durch-
Deren Oberbefehlshaber, General Otto stoßen, wenn ihr Angriff einen gro-
von Below, schlug vor, den operativen ßen operativen Erfolg haben sollte.

Statt erst die Höhenstellungen zu erobern,


griff die Infanterie entlang der Täler an.
Schwerpunkt auf die Höhen nordöst- Deshalb bestimmten sie als Angriffs-
Abb.: Sammlung M&G (3), MIREHO, Graik: Anneli Nau

lich von Cividale zu legen. ziele von vornherein den Monte Jua-
Der nördliche Flügel der bisher zur nes und den Monte Zufine, die den
Offensive in den Julischen Alpen ein- Ausgang in die oberitalienische Ebe-
gesetzten italienischen Hauptkraft ne deckten. Für den Talangriff bei
stand bei Karfreit, operative Reserven Flitsch setzte man die vier Divisionen
hielten sich um Cividale und Udine starke Gruppe Krauß ein, wobei die
bereit. Bei Flitsch wie bei Tolmein führ- k. u. k. 22. Schützen-Division und die
te der Isonzo mitten durch die italie- Edelweiß-Division den Angriff in ers-
nischen Kampflinien. Die Straßen ter Linie vorzutragen hatten. Aus der
von Flitsch auf Saga und von Tolmein südlich anschließenden, 16 Kilome-
auf Karfreit bildeten mit dem Flusstal ter breiten Front zwischen dem Krn
Gräben, in denen sich der Angreifer und Log am Isonzo sollten die Grup-
von Osten her gegen Flanke und Flü- pen Stein, Berrer und Scotti mit insge-
gel der italienischen Hauptkräfte vor- samt acht Divisionen angreifen.

48
ZAHLEN, DATEN, FAKTEN
Die Kriegsgegner
Mittelmächte
Truppenstärke (zu Beginn): ca. 350.000
Truppenteile (zu Beginn):
– Deutsche 14. Armee
– K. u. k. Heeresgruppe Boroevic mit 1. und 2. Isonzo-Armee
– K. u. k. 10. Armee (Teile)
– 36 Infanteriedivisionen (einschl. Reserven)
Artillerie: 3.631 Geschütze

Italien
Truppenstärke (zu Beginn): ca. 400.000
Truppenteile (zu Beginn): General Otto von Below führte die deutsche
– 2. Armee 14. Armee, die auch Wilhelm II. (rechts) besuchte
– 3. Armee
– 41 Infanterie- und 2 Kavalleriedivisionen
(einschl. Reserven)
Artillerie: 3.620 Geschütze

Rast und Vormarsch:


Österreichische
Truppen während
der Ofensive. Auch
wenn das Foto einen
anderen Eindruck
vermittelt, kamen
die Verbündeten
im Eiltempo voran

Militär & Geschichte 49


KRIEGE & SCHLACHTEN

Marschall
Luigi Cadorna,
Generalstabs-
chef der italie-
nischen Armee,
musste wegen
der Niederlage
seinen Abschied
nehmen

Der Angriffsraum
Der Schwerpunkt lag im Abschnitt umgeben von Höhen, die nicht ge- im Isonzotal mit Frontlinien die Signalraketen abge-
der Gruppe Stein, der vom Krn bis süd- nommen sind. Aber die Höhen sind Blick nach Westen. schossen, die anzeigen, dass der
lich Tolmein reichte. Zum entschei- blind im Morgennebel und im Regen, Tolmein liegt in Feind angreift: dann entwickelt sich
denden Talangriff von Tolmein auf und den gesamten Nachschub haben der unteren Bild- ein schreckliches Trommelfeuer: man
Karfreit und südlich davon setzte die- die Deutschen und Österreicher in mitte, dahinter kann keinen Schuss mehr vom ande-
se Gruppe neben der k. u. k. 50. Infan- der Hand. Das Heil liegt nicht im Be- erhebt sich am ren unterscheiden: alles ist ein einzi-
terie-Division die deutsche 12. Infan- sitz der Höhe, sondern im Besitz der linken Ufer das ges Donnergrollen: ein wirklich er-
terie-Division und die einzige verfüg- Talstraßen. Ohne Straßen keine Artil- Kolovrat-Massiv. schütterndes Spektakel.“
bare deutsche, für den Gebirgskrieg lerie, aber auch keine Verpflegung, Die Armee hat auf Oberst Gagliani war in der Karst-
dem Foto Orte und region südlich von Görz stationiert.
Die bittere Niederlage hat bei den Italienern Berge markiert Dort gab es zunächst nur österrei-
chische Ablenkungsangriffe. Als die
ein nationales Trauma hinterlassen. Front zwischen Karfreit und Flitsch
zusammenbrach, musste auch die im
ausgerüstete und geschulte Truppe, keine Reserven, keine Sanität, keine Karst stationierte 3. italienische Ar-
das Alpenkorps, zum Angriff ein. Die Befehlsgebung …“ mee die Flucht gen Westen antreten,
117. Infanterie-Division hielt sich in Die Gebirgsstellungen der Italie- um nicht von der von Norden kom-
zweiter Linie bereit. ner waren vor der mechanischen menden k. u. k. Armee eingekesselt
Wirkung („Brisanz“) der An- zu werden. Gagliani schrieb am
Verteidiger überrumpelt griffsartillerie viel besser ge- 27. Oktober resigniert: „Was für ei-
Am Morgen des 24. Oktober 1917 griff schützt als Stellungen auf ne Qual, dass wir unsere starken
der Großteil der österreichisch-unga- dem französischen und russi- Positionen nun verlassen müs-
risch-deutschen 14. Armee die italie- schen Kriegsschauplatz, denn sen, die wir so mühevoll in zwei-
nischen Stellungen bei Karfreit an. die Italiener hatten sich in den einhalb Jahren andauernden, har-
Der Hauptstoß konzentrierte sich auf Felsen bombensichere Deckun- ten Kampfes erobert hatten. Wie
den durch die Ortschaften Flitsch und gen geschaffen. Um diese auszu- viele junge Leben nutzlos verloren!
Tolmein begrenzten Frontabschnitt, schalten, wurden nicht nur Bri- […] Und trotzdem müssen wir zurück-
wo die italienische 1. und 2. Armee sanz-, sondern auch Gasgranaten weichen, um nicht der 3. Armee den
postiert waren. Ausgewählte Truppen, eingesetzt. An der Italienfront star- Stabschef im Rückzugsweg abzuschneiden.“
darunter auch jene von Oberleutnant ben bis Kriegsende etwa 10.000 Italie- Regen: Diese Ihren Plan, bis zum Tagliamento
Erwin Rommel (der spätere „Wüsten- ner (und zirka 5.000 Soldaten der Bronzemedaille vorzudringen, konnten die Österrei-
fuchs“), überrumpelten die italieni- österreichisch-ungarischen Armee) des deutschen cher und Deutschen in nur sechs Ta-
sche Verteidigung und bedrohten in durch den Einsatz von Giftgas. Künstlers Karl gen verwirklichen. Weitere zehn Tage
der Folge die italienische 3. Armee. Goetz von 1917 später, am 10. November, standen ih-
Das Ziel des Angriffes war der dem Ein heftiger Beschuss sollte Luigi Cador- re Truppen am Fluss Piave, ein Vor-
Abb.: Sammlung M&G, Scherl/SZ Photo, MIREHO (2)

Isonzofluss folgende Bergrücken Viele italienische Soldaten haben in na nach dessen marsch von etwa 150 Kilometern.
(Kolovrat). Die Militärdoktrin, dass zu- ihren Tagebüchern die demoralisie- Scheitern am Hier lief sich der Angriff fest. Unterm
nächst die Stellungen in den höheren renden ersten Tage geschildert. Der Isonzo verspotten Strich ein überragender Erfolg – der
Lagen erobert werden müssen, wurde Artillerieoffizier Oberst Pasquale Atti- auf der Gegenseite personelle Konse-
beiseitegeschoben, stattdessen griff lio Gagliani notierte zum 24. Oktober quenzen haben musste: Der italieni-
die Infanterie ohne Flankendeckung beispielsweise: „Um 6:30 Uhr beginnt sche Generalstabschef Cadorna wur-
entlang der Täler an. von österreichischer Seite ein heftiger de seines Amtes enthoben und durch
Am Isonzo gelang es dann tatsäch- Beschuss auf der gesamten ersten General Armando Diaz ersetzt.
lich, die italienischen Gipfelstellun- Linie. Es regnet stark: Zwischen dem Der Innsbrucker Historiker Rolf
gen zu isolieren. Der Schweizer Offi- Nebel und dem Rauch der explodie- Steininger urteilte zur Schlacht von
zier und Militärschriftsteller Eugen renden Geschosse kann man gerade Karfreit, sie sei „einer der wenigen ein-
Bircher fasste die Ereignisse zusam- noch die Erhebungen erkennen, die deutigen deutsch-österreichischen
men: „Die Deutschen und Österrei- das Schlachtfeld im Osten begrenzen. Siege des Ersten Weltkrieges [gewe-
cher stehen also im Tale, in den Orten, […] Um 8 Uhr werden von unseren sen] und führte bei den Ententemäch-

50
Italienische Kriegs-
ten zu der Einsicht, gemeinsam pla- die Front im Südwesten um 240 Kilo- heute ein nationales Trauma, das so- gefangene in Trient.
nen zu müssen.“ Tatsächlich waren meter verkürzt. Die heimische Presse gar im italienischen Sprachschatz Infolge der Schlacht
bald mehrere französische und briti- sprach von einem „Wunder von Kar- seine Spuren hinterlassen hat: Das gerieten 293.000
sche Divisionen zur Verstärkung der freit“, und in Wien wurde die Hoffnung Idiom è stata una caporetto („dass es ein Italiener in Gefangen-
Italiener unterwegs. Dank der Hilfe geweckt, dass der Krieg doch noch ei- Caporetto war“) ist hin und wieder im- schaft, 40.000 ielen,
aus den USA konnten auch die exis- ne entscheidende Wende nehmen mer noch gebräuchlich, um eine voll- 50.000 desertierten
tenzbedrohenden Materialverluste würde. Eine trügerische Hoffnung. ständige Niederlage oder Katastro-
ausgeglichen werden, sodass sich die Denn wie sich zeigen sollte, kam phe zu charakterisieren.
italienische Armee von diesem diese Frontverkürzung auch den Ita-
Schlag rasch wieder erholte. lienern zugute, die nun de facto pro Dr. Alexander Jordan, Direktor des Wehr-
Solche Aussichten konnten aber Frontabschnitt wesentlich mehr Sol- geschichtlichen Museums Rastatt, untersuchte
auf Seiten der Mittelmächte die Eu- daten und Material als je zuvor kon- in seiner Dissertation den Krieg um die Alpen.
phorie nicht trüben. Zwar hatte der zentrierten. Mit Erfolg: Ein Jahr später Der Erste Weltkrieg im Alpenraum und
Vorstoß zum Piave 70.000 Mann an ging Italien aus dem Krieg als Sieger der bayerische Grenzschutz in Tirol,
Verlusten (Verwundete, Gefallene, Ge- hervor. Dennoch verbindet sich mit Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2008.
fangene) gekostet, aber gleichzeitig dem Ort Karfreit (ital. Caporetto) bis

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Orden & militärhistorische
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(inkl. Deutschland bis 1918)

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DAS DOKUMENT

Geld stinkt nicht:


Hans Klein (links)
lieferte Wafen an
NACHLASS EINES den chinesischen

WAFFENHÄNDLERS Armeeführer
Chiang Kai-shek
(rechts), machte
aber auch mit
dessen Gegnern
gute Geschäfte

Brisante Geschäfte
Von 1920 bis 1945 arrangierte der Waffenhändler Hans Klein die Beziehungen
zwischen China und der deutschen Armee. Erst heimlich, dann ganz offen.
Und auch nach dem Krieg war er an Rüstungsgeschäften beteiligt

as für unscheinbare und Direktor der STAMAG, der Stahl- und Unternehmen nicht um eine Privat-

W doch aufschlussreiche Do-


kumente fanden sich im
Nachlass des Geschäftsmannes, Waf-
Maschinengesellschaft mbH, einer
Tarnfirma, dazu geschaffen, die ge-
heime Militärkooperation zwischen
angelegenheit handelte. Bis 1937 er-
langte der umtriebige Mann die chine-
sische Staatsbürgerschaft, zeitweise
fenhändlers und chinesischen Kon- Deutschland und der Sowjetunion zu sogar das Amt eines chinesischen
suls Hans Klein! Etwa der „Erste Ver- verschleiern. Dank solcher Unter- Konsuls – und den Spitznamen „Chi-
trag mit Canton vom 1.8.1933 und da- nehmungen verlor Deutschland in je- na-Klein“. Das hinderte ihn aber nicht
zu gehörige Vereinbarungen (nebst nen Jahren nicht den Anschluss in der daran, Waffen an all jene zu liefern,
Vorgeschichte). Auftrag für Flugzeug- Panzer- und Luftrüstung. die dafür bezahlten. Nicht nur an die
fabrik. Optionen für weitere Fabri- Offiziell trat Klein als privater Ge- Truppen Chiang Kai-sheks, dem er ja
ken.“ Eine schmucklose Aktenmappe, schäftsmann auf, doch tatsächlich als Berater diente, sondern auch an
wie sie mitunter heute noch benutzt handelte er im Auftrag der Reichs- dessen Bürgerkriegsgegner.
Nach dem Angriff Japans auf China
Die Reichswehr musste geheime Kontakte am 7. Juli 1937 kam der Rubel erst so
richtig ins Rollen. Das Deutsche Reich
knüpfen – da kam Hans Klein genau richtig. lieferte noch im November für 50 Mil-
lionen Reichsmark Waffen und Rüs-
wird. In diesem Jahr kam Klein nach wehr – und zwar der regulären wie tungsgüter, im Dezember für weitere
China, um Handelsgeschäfte mit der auch der „schwarzen“ Reichswehr. So 44 Millionen, darunter auch Sturz-
Hafenstadt Guangzhou nordwestlich nannte man jene geheime Ersatz- kampfbomber. Pikantes Detail am
Abb.: Interfoto/Hermann Historica (2), p-a/dpa, Sammlung M&G

von Hongkong zu vereinbaren. Aus armee aus Freikorps, Einwohner- Rande: Auch die Japaner wurden von
dem Deal mit der Flugzeugfabrik kann wehren und ehemaligen Verbänden den Deutschen mit Waffen beliefert.
aber nichts geworden sein, denn erst der Armee des Kaiserreichs, die vor Mit der Anerkennung des von den
Ralph Kreuzer
1934 entwickelte der Engländer Wil- den Augen der Siegermächte verbor- Japanern installierten Marionetten-
ist freiberuf-
liam Pawley einen entsprechenden, gen bleiben sollte. Über Generaloberst staates Mandschukuo nördlich der
licher Lektor und
konkreten Plan. Doch der Reihe nach. Hans von Seeckt, bis 1932 Mitglied des Koreanischen Halbinsel erloschen Journalist. Das
Hans Klein hatte schon vor dem Reichstags und bis 1935 Militärbera- 1938 die deutsch-chinesischen Rüs- Beispiel Hans
Ersten Weltkrieg als Kolonialge- ter von General Chiang Kai-shek, ge- tungsbeziehungen. China-Klein ging Klein zeigt ihm,
schäftsmann in Ostafrika gelernt, wie langte Klein nach China. Hier setzte in die Schweiz; auch hier konnte er lu- was unter der
man internationale Beziehungen auf- ihn Seeckt als Wirtschaftsberater ein. krative Waffendeals einfädeln. Noch Bezeichnung
baut. In den 1920er-Jahren war er der Im Januar 1934 gründete Klein die 1952 finden sich Verbindungen zum „Berater“ so
ideale Partner der deutschen Reichs- HAPRO, die Handelsorganisation für Octogon-Trust, einer Waffenschieber- alles möglich ist.
wehr, die nach Zauberkünstlern wie industrielle Produktion. Das Reichs- zentrale in Liechtenstein. 60 Jahre
ihm Ausschau hielt, nach Männern, wirtschafts- wie auch das Reichs- später wurden die erhaltenen Doku-
die es verstanden, die strengen Vor- wehrministerium wickelten Geschäf- mente, Briefe und Verträge vom Auk-
gaben des Versailler Vertrags zu um- te über die HAPRO ab, und bald war tionshaus Hermann Historica für
gehen. Und so avancierte Klein zum jedem klar, dass es sich bei diesem mehrere Tausend Euro versteigert.

52
Kleins Konvolut: Der Waffenhändler hinterließ
Dutzende Akten und Verträge, die seine Geschäfts-
beziehungen zu China und die verdeckte Aufrüstung der
Reichswehr in den 1920er-Jahren belegen. Diese musste
seinerzeit meist mit Provisorien auskommen (unten)

Militär & Geschichte 53


MENSCHEN & SCHICKSALE

POLEN IN DER WEHRMACHT

Im Waffenrock der Wehrmacht: deutsche Landser


auf dem Vormarsch. Das Foto verrät nicht, ob hier
auch gebürtige Polen dabei sind – sie unterschieden
sich nur durch ihren Akzent oder mangelnde Sprach-
kenntnisse von den übrigen Soldaten

54
In den Krieg gezwungen
In Polen wollte man von dem Thema jahrzehntelang nichts wissen: Im Zweiten
Weltkrieg haben auch Hunderttausende polnische Staatsbürger, die das NS-Regime
zuvor zu Deutschen erklärt hatte, in den Reihen der Wehrmacht gekämpft

m Januar 1944 war die Wehrmacht ten, in denen insgesamt 3,1 Millionen lem eins: die Pflicht, für das „Dritte

I zwar an den meisten Fronten


schon stark in Bedrängnis – gänz-
lich am Boden lag sie aber noch nicht.
Menschen verzeichnet waren. Die
in Liste 1 geführten sogenannten Be-
kenntnisdeutschen und die in Liste 2
Reich“ in den Krieg zu ziehen. Für die
Wehrmacht ein lohnenswertes Unter-
fangen, konnte sie doch auf diese Wei-
Ihr oberster Befehlshaber Adolf Hitler katalogisierten Personen, die als se Hunderttausende neue Soldaten
klammerte sich noch immer an die Deutsche geboren waren und wäh- rekrutieren. Rassische Grundsätze, LITERATUR-TIPP
Vision eines deutschen „Endsieges“. rend der Zeit nach der Gründung des die die Nationalsozialisten sonst so Kaczmarek, Ryszard:
Und dafür brauchte er Soldaten, sehr polnischen Staates, als ihre Heimat hoch hielten, spielten im Laufe der Polen in der Wehr-
dringend sogar. Denn nach der Nie- zu Polen gehörte, an der deutschen Zeit, als die Not und der Mangel an Sol- macht. Schriften
derlage von Stalingrad und dem end- Kultur und Sprache festgehalten hat- daten immer größer wurden, eine im- des Bundesinstituts
gültigen Verlust der strategischen ten, wurden zu deutschen Staats- mer geringere Rolle. für Kultur und
Initiative nach der Panzerschlacht bürgern erklärt. Liste vier erfasste die Geschichte der
von Kursk sowie dem Abfall Italiens, „Renegaten“, die nach NS-Auffassung In Massen eingedeutscht Deutschen im
durch den sich im Süden Europas eine deutschstämmig, aber ins Polentum Ryszard Kaczmarek, Historiker an östlichen Europa.
Abb.: Scherl/SZ Photo, SZ Photo/SZ Photo (2), ullstein bild/Westend61/Dieter Heinemann

Band 65.
neue Front aufgetan hatte, war es der „abgeglitten“ waren. der Universität Kattowitz, schätzt die
Oldenburg 2017
Armee endgültig nicht mehr möglich, Es blieb Liste 3. Sie war mit nahe- Zahl der zuerst eingedeutschten und
die Verluste allein mit „reichsdeut- zu zwei Millionen Personen die mit dann in die Wehrmacht eingezoge-
schen“ Männern auszugleichen. Abstand größte Gruppe. Die in dieser nen polnischen Männer auf insge-
Liste verzeichneten Personen, die samt bis zu 500.000. „Da es aber nur
Von NS-Behörden erfasst deutsche Vorfahren hatten, aber als sehr unvollständige Zahlen gibt, ist
So richtete sich der Blick in die von
Deutschland annektierten Gebiete Po- Wer Deutscher wurde, hatte die Pflicht,
lens. Hier gab es vor allem zwei Regio-
nen, in denen Millionen Deutsche leb- für das „Dritte Reich“ in den Krieg zu ziehen.
ten oder solche Menschen, die man
angesichts der Not zu solchen mach- „polonisiert“ galten, erhielten auf An- das nur eine grobe Schätzung“, sagt
te: den Reichsgau Danzig-Westpreu- trag die eingeschränkte deutsche er. Auf jeden Fall waren es Hundert-
ßen sowie Oberschlesien. Schon in Staatsangehörigkeit.Wie viele diesen tausende, und die meisten Männer Neue Bürger:
den Jahren zuvor hatten die NS-Be- Antrag freiwillig einreichten, muss kamen aus Pommern und aus Ober- Die in der Deutschen
hörden die Bevölkerung nach ihren dahingestellt bleiben. Denn im Falle schlesien. Vermutlich bis zu 250.000 Volksliste erfassten
pseudowissenschaftlichen Maßstä- einer Weigerung drohten drakoni- stammten allein aus Oberschlesien, Personen (links)
ben in verschiedene Gruppen unter- sche Strafen bis hin zur Einlieferung diesem von Deutschen und Polen erhielten meist die
gliedert. Alle Einwohner, die irgend- in ein Konzentrationslager. Und das gleichermaßen umworbenen und volle oder zumindest
wie deutsche Vorfahren hatten, wur- galt jeweils nicht nur für den Verwei- umkämpften Raum. eingeschränkte
den seit März 1941 in die Deutsche gerer, sondern für die ganze Familie. Auch Jan Norek ging es so. Der 27- deutsche Staats-
Volksliste eingetragen. Die bestand Für junge Männer bedeutete das Jährige, der in einem kleinen Dorf in bürgerschaft – ein
genau genommen aus vier Unterlis- „Recht“, Deutscher zu werden, vor al- der Nähe von Gleiwitz (heute Gliwice) begehrtes Potenzial
für die Wehrmacht

Militär & Geschichte 55


MENSCHEN & SCHICKSALE

HINTERGRUND
Kontroverse im heutigen Polen
Bei unseren östlichen Nachbarn waren die
Wehrmachtsoldaten aus den eigenen Reihen
jahrzehntelang ein gesellschaftliches Tabuthema.
Im Präsidentschaftswahlkampf 2005 spielte
es plötzlich eine Rolle, als die rechtspopulistische
Regierungspartei PiS dem liberalen Kandidaten
Donald Tusk vorwarf, dass sein Großvater für die
Wehrmacht gekämpft habe. In Polen ist dieser Aspekt
der jüngeren Geschichte bis heute höchst umstritten.
Ein Grund liegt darin, dass vielen Polen nicht klar
ist, dass die betrofenen Männer kaum eine Chance
hatten, sich gegen die Einberufung zu wehren.

Zwei Schicksale von vielen: Jan Norek (rechts) sprach nur gebrochen Deutsch,
als er 1943 zur Wehrmacht einberufen wurde. Auch der damals 17-jährige Wiktor
(links) zog für Deutschland in den Krieg, den beide glücklich überlebten

„ Als Soldat ist der Oberschlesier nach allen


Fronturteilen und Erfahrungen ausgezeichnet,
tapfer und zuverlässig, sofern er richtig, also
nicht der Sprache oder des Namens wegen
verächtlich oder spöttisch, behandelt wird. “
Aus einem Merkblatt des Wehrkreiskommandos VIII, Juli 1943

Zusammen im Einsatz: Viele polnische Wehrmacht-


soldaten hielten an ihrem kulturellen Hintergrund
fest; das Fronterlebnis vermittelte aber auch ein
Gemeinschaftsgefühl mit den deutschen Kameraden

56
aufgewachsen war und nur gebro- unter täglicher Lebensgefahr an der Jan Norek und seine polnischen
chen Deutsch sprach, musste für Hit- Front kämpfte, ebenfalls für die deut- Landsleute, die sich nun als deutsche
ler in den Krieg ziehen. Wie viele an- sche Wehrmacht. Immerhin hatte Staatsbürger bezeichnen durften,
dere junge Männer aus seiner Gegend Wiktor, der seinen Nachnamen nicht wurden jedenfalls denkbar schlecht
hatte er in einem der oberschlesi- öffentlich lesen möchte, weil ehema- ausgebildet in die Schlacht geschickt.
schen Bergwerke gearbeitet. Bis zu lige polnische Wehrmachtsoldaten „Als wir in Italien ankamen, war die
dem Tag, an dem im Herbst 1943 der bis heute in Polen manchmal Angrif- Wehrmacht schon auf dem Rückzug“,
Brief mit dem Stempel der Wehr- fen ausgesetzt sind, Glück im Un- erinnerte er sich im Jahr 2016 als
macht im Briefkasten lag – die Einbe- glück. Als man ihn im November 1944 100-Jähriger. Auch die mangelnden
rufung. Gefragt, ob er für Deutschland einzog, war der Krieg fast vorbei. Sprachkenntnisse machten immer
kämpfen und sein Leben lassen wolle, Jan Norek und Wiktor gehörten zur wieder Probleme.
wurde er nicht. Er gab sich seinem dritten Gruppe der Eingezogenen. Die Eines Tages bekamen er und seine
Schicksal hin. Jahrzehnte später sagte erste Welle der Aushebung verlief Kameraden den Befehl, eine amerika-
er dazu: „Ich konnte ja doch nichts noch während der deutschen „Blitz- nische Einheit anzugreifen, die sich in
machen. Befehl ist Befehl.“ siege“ – zu einem Zeitpunkt also, als einer Kapelle verschanzt hatte. Aber
es die Deutsche Volksliste noch gar Norek und die anderen Polen missver-
Polen schießen auf Polen nicht gab. Die deutsche Staatsangehö- standen das Wort „Kapelle“. Sie glaub-
Norek wurde nach seiner Grundaus- rigkeit wurde seinerzeit noch nicht ten, es handele sich um eine Gruppe
bildung in Italien eingesetzt und förmlich vergeben. Mit Beginn des von Musikanten, mit denen sie ge-
gleich im Januar 1944 in die berüchtig- Krieges gegen die Sowjetunion im Ju- meinsam gegen den Feind vorgehen
te Schlacht am Monte Cassino, eine ni 1941 schnellte der Bedarf an Solda- sollten. „Ich dachte: Mein Gott, es
der grausamsten Schlachten des ten dann deutlich in die Höhe, und so muss wirklich schlecht um Deutsch-
Zweiten Weltkriegs, geworfen. Die kam es zur zweiten Welle der Jahre land stehen, wenn schon Musiker ge-
Deutschen wollten den Alliierten un- 1941 bis 1943. Schließlich folgte die gen die Amerikaner kämpfen müs-
bedingt den Weg nach Rom versper- dritte Welle in der Endphase des Krie- sen.“ Er erlitt eine schwere Verletzung
ren. Der führte über die „Gustav- ges 1943 bis 1945. am Bein und geriet in amerikanische
Linie“, die zur Verteidigung errichtet Kriegsgefangenschaft.
worden war, und diese wiederum Fremd und doch verbunden
über den Berg Monte Cassino. Die Die Situation für die polnischen Sol- Später Seitenwechsel
Wehrmacht schickte eine ganze Rei- daten in der Wehrmacht war nicht Andere hatten dieses Glück nicht.Wie
he Soldaten polnischer Herkunft an einfach. Viele der jungen Männer viele Polen in Wehrmachtuniform ihr
diesen Ort. Sie bildeten allerdings – konnten nur schlecht oder gar kein Leben ließen, ist unbekannt. Aber es
wie anderswo auch – niemals eigene Deutsch, oftmals blieben sie und die dürften Zehntausende sein. Der Blut-
zoll konnte jedenfalls sehr hoch sein.
Die Männer wurden denkbar schlecht In Wiktors Heimatdorf Boyszowy wur-
den 500 Männer eingezogen, das war
ausgebildet in die Schlacht geschickt. ein Siebtel der gesamten Bevölke-
rung. 60 blieben im Krieg zurück. Die
Einheiten, sondern wurden stets in deutschen Wehrmachtsoldaten sich Zahl der Toten stieg noch dadurch,
die deutschen integriert. Da auf der fremd. Die Armeeführung hoffte, dass dass ein Teil der Männer, die in alli-
anderen Seite polnische Einheiten diese Männer sich im Laufe der Zeit ierte Kriegsgefangenschaft gerieten,
Armin Fuhrer,
Schulter an Schulter mit den Alliier- „germanisieren“ würden. „Nach ihrer sich dort für die polnische Exilarmee
langjähriger Redak-
ten kämpften, schossen am Monte Einberufung waren die vormaligen rekrutieren ließ und gleich wieder in teur bei Die Welt und
Cassino Polen auf Polen. polnischen Staatsangehörigen dem den Krieg zog. Diesmal aber auf der Focus, schreibt als
ungehinderten Einfluss der Wehr- anderen Seite. „Als wir im Kriegsge- freier Journalist für
Mit 17 Jahren einberufen macht auf ihre Haltungen und Einstel- fangenenlager in England interniert in- und ausländische
Auch der heute 92-jährige Wiktor lungen unterworfen“, so der Histori- waren, warfen die Engländer Steine News-Portale und
musste als gebürtiger Pole für die ker Ryszard Kaczmarek. nach uns, denn wir hatten deutsche Tageszeitungen.
deutsche Wehrmacht kämpfen. Zur Gleichwohl ist schwer einzuschät- Wehrmachtuniformen an“, erinnerte Als er von den
Welt gekommen war er 1927 in dem zen, inwieweit sich diese Einflüsse sich Wiktors Bruder Franciszek. Sechs Hunderttausenden
Polen in der Wehr-
kleinen Dorf Boyszowy in Oberschle- ausgewirkt haben. Vermutlich gab es Wochen später hatte er die Uniform
macht erfuhr, machte
sien, das seinerzeit zu Polen gehörte. Männer, die sich tatsächlich bis zu ei- und die Seite gewechselt: Jetzt kämpf-
er sich auf die Suche
Als aber seine Eltern dort geboren nem gewissen Grad offen zeigten, te er in der polnischen Exilarmee ge- nach den letzten
Abb.: Scherl/SZ Photo, Sammlung Armin Fuhrer (2)

worden waren, hatte der Ort den aber es ist auch bekannt, dass polni- gen die Deutschen. Überlebenden, um
Namen Boischow getragen und zu sche Wehrmachtsoldaten bewusst Jan Norek wurde als Kriegsgefan- sie über ihre Erleb-
Deutschland beziehungsweise Preu- Polnisch sprachen und öffentlich pol- gener in die USA gebracht. 1946 kam nisse zu befragen.
ßen gehört. Als ihn der Einberufungs- nische Lieder sangen. Zudem wur- er wieder frei und kehrte nach Hause
befehl erreichte, war er gerade einmal den die eingedeutschten Soldaten zurück. Auch Wiktor und Franciszek
17 Jahre alt. „Meine Eltern waren ent- grundsätzlich nicht zu Offizieren be- schafften es schon kurz nach dem
setzt“, erinnerte er sich viele Jahre fördert. Andererseits kämpften Deut- Ende des Krieges unversehrt wieder
später. „Er ist doch noch ein Kind“, sche und eingedeutschte Polen Seite nach Hause. Dass der eine in der Uni-
klagte seine Mutter – aber machen an Seite, und das gemeinsame Front- form der Wehrmacht zurückkam und
konnte sie nichts. Sie traf die Einberu- erlebnis konnte die Männer zusam- der andere in der Uniform der polni-
fung ihres Sohnes besonders heftig, menschweißen – ganz gleich, ob Sach- schen Exilarmee, war beiden völlig
weil ihr zwei Jahre älterer Spross Fran- sen, Rheinländer, Bayern oder eben egal. Wiktor: „Für uns galt nur eins:
ciszek schon seit fast zwei Jahren Oberschlesier. Hauptsache, wir hatten überlebt.“

Militär & Geschichte 57


WAFFEN & TECHNIK

SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND (A59)


Bordwappen: Der Komman-
dant überreichte es im Ausland
an oizielle Gäste, unser Autor
erhielt es zur Verabschiedung

Das schwimmende
Klassenzimmer
Von 1965 bis 1989 wurden fast alle Offzieranwärter der Bundesmarine
auf dem Schulschiff Deutschland ausgebildet. Das größte Kriegsschiff der
Marine war perfekt für diesen Zweck ausgestattet – und wies sogar einen
eingebauten „Schwachpunkt“ auf, um die Kadetten seetüchtig zu machen
Abb.: Sammlung Holger Ott (4)

58
Keine Kreuzfahrt:
ls die Bundesmarine in den Bis 1964 nutzte die Bundesmarine Vor jeder Reise dem man viele weitere Fahrten unter-

A 1950er-Jahren ein neues Schul-


schiff plante, war eine Reise
in ferne Länder etwas Besonderes.
alte Minensuchboote und Fregatten,
die man von den Engländern erhal-
ten hatte, um junge Offizieranwärter
mussten Stamm-
mannschaft und
Kadetten die
nehmen und dabei bis zu 250 Kadet-
ten gleichzeitig ausbilden konnte.
Schnell zeigte sich, dass ein dafür ge-
Selbst das Mittelmeer gehörte noch auszubilden. Die Seereisen führten Ausrüstung an eignetes Schiff das durch die West-
nicht zu den bevorzugten Urlaubs- hauptsächlich ins europäische Aus- Bord bringen. europäische Union (WEU) auferlegte
zielen der Deutschen. Da lag es nahe, land, nur ganz selten erreichten die Rechts: Auf der Höchstdeplacement für Überwasser-
mit der Aussicht auf Weltreisen den damaligen Schulschiffe andere Kon- Schanz lernten Kriegsschiffe von 3.000 Tonnen über-
Nachwuchs an Marineoffizieren zu tinente. Das war auf die Dauer unbe- die Kadetten den schreiten würde. Doch nachdem die
gewinnen – unter dem Motto „Join the friedigend – und so stand bald ein Umgang mit dem Bedenken der neuen militärischen
Navy, see the World“. Schiff auf dem Wunschzettel, mit Feuerlöschgerät Partner ausgeräumt waren, erhielt
die Bundesregierung im Jahr 1958
schließlich die Erlaubnis, ein Schul-
Die Deutschland schiff mit einem Typdeplacement von
war Schulschif 4.850 Tonnen zu bauen.
und zugleich mari-
timer Botschafter. Vorausschauendes Konzept
Vor jedem Aufent- Übernehmen sollte das die damals
halt in einem aus- noch sehr kleine Werft Nobiskrug in
ländischen Hafen Rendsburg, die über sehr gute Fach-
wurde sie – wie leute und eine große Erfahrung im
hier 1989 vor Vigo/ Schiffbau verfügte. Bei der Konzep-
Spanien – von der tion achtete man darauf, möglichst
Besatzung „ein- viele Anlagen einzubauen, die auch
laufein“ gemacht auf anderen Schiffen der Flotte ge-
läufig waren – damit die Kadetten das
Gelernte später überall einsetzen
konnten (siehe Kasten Seite 61). Und
die Werft verwirklichte die Pläne in er-
staunlich kurzer Zeit: Vom Baubeginn

Militär & Geschichte 59


WAFFEN & TECHNIK

In heimischen Gewässern: Die Deutschland war nicht nur in weiter Ferne Frischluft: Das Schif wurde von der ofenen Brücke gefahren, der
unterwegs; hier passiert sie 1966 den Nord-Ostsee-Kanal Wachhabende Oizier und die Ausguckposten standen im Freien

1959 bis zur Taufe durch die Gattin des sierten und überwachten. Neben ei- • Schiffsoperation und Navigation,
damaligen Bundespräsidenten Hein- nem Kadettenoffizier (Korvettenkapi- • Schiffstechnik.
rich Lübke vergingen nur 13 Monate. tän) kamen vier bis sechs Offiziere Die Gesamtzeit, die die Kadetten
Schon 1965 konnte die Deutschland und die gleiche Zahl Unteroffiziere für gemäß jeweils gültiger Ausbildungs-
zur ersten Auslandsfahrt aufbrechen, eine oder mehrere Reisen an Bord. Sie anweisung auf der Deutschland ver-
die im Verlauf von fünf Monaten ein- gaben erste Einweisungen und Unter- brachten, variierte relativ stark. Bis
Wie alles begann: mal um den Erdball führte. richte, konnten sich aber ansonsten 1970 blieben sowohl Berufsoffizieran-
Am 5. November auf die Stammbesatzung verlassen, wärter (BOA) als auch Zeitoffizieran-
1960 wurde die Umfassend ausgebildet
Deutschland auf Ob fern der Heimat oder in eigenen 1965 ging es los: Die erste große Fahrt führte
der Nobiskrug- Gewässern: Die Kadetten wurden an
Werft in Rends- Bord hauptsächlich von der Stamm- gleich um den gesamten Erdball.
burg vom Stapel besatzung der Deutschland ausgebil-
gelassen det. Außerdem gab es noch speziell die den Theorie- und Praxisunterricht wärter (ZOA) ein halbes Jahr an Bord.
zuversetzte oder nur für eine Reise stemmte. Auch im Hafen- und See- Ab 1971 reduzierte sich das für die
eingeschiffte Offiziere und Unteroffi- wachbetrieb erhielten die Kadetten ZOA auf ein Vierteljahr. Und nachdem
ziere, welche die Ausbildung organi- einen umfassenden Einblick in alle man 1973 das Studium für BOA und
Aufgaben eines Kriegsschiffs. ZOA 12 eingeführt hatte, dienten alle
Die Ausbildung wurde im Wesent- Kadetten nur noch ein Vierteljahr auf
lichen in drei Funktionsgruppen / Teil- dem Schiff. Selbst diese Zeit wurde zu-
abschnitten durchgeführt, wobei je letzt noch um einige Wochen gekürzt.
ein Drittel der Zeit auf die folgenden In der Marine galt eben schon immer
Bereiche entfiel: der ironische Grundsatz: „Wir verkür-
• Schiffswaffen, Decks- und zen die Ausbildungszeit, damit der
Brückendienst, Ausbildungserfolg besser wird.“

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

Schulschiff Deutschland (A 59)


Stapellauf: 5.11.1960
Indienststellung: 25.5.1963
Außerdienststellung: 28.6.1990
Verdrängung: 4.635 t
Länge: 138,2 m
Breite: 16 m
Tiefgang: 4,8 m
Besatzung: max. 500 Mann
Gesamtantriebsleistung: 12.000 kW (16.000 PS)
Geschwindigkeit: max. 22 kn
Bewafnung: 4 Creusot-Loire-100-mm/L55-Einzeltürme,
2 Breda-40-mm/L70-Doppellafetten,
2 Bofors-40-mm/L70-Einzellafetten,
2 x 4 Bofors-375-mm-U-Jagd-Raketenwerfer,
bis 1975 zusätzlich 533-mm-Torpedorohre,
2 WaBo-Ablaubühnen

60
Im Steuerstand war der Platz des Rudergängers und des Posten In den Kadettendecks schliefen (in Hängematten) und lebten jeweils bis zu
Maschinentelegraf, der die Befehle an die Maschine weitergab 36 Kadetten, außerdem erhielten sie dort theoretischen Unterricht

TECHNIK
Anlagen an Bord
Schon bei den Bauplanungen wurde berücksichtigt,
dass die Kadetten an Anlagen ausgebildet werden sollten,
die auch in den damals modernen Einheiten der Flotte
eingebaut waren oder werden sollten. Dies waren …
im Bereich Schifswafen:
40-mm-Einzel- und Doppellafetten wie auf Schnellbooten
Auf Reede im Jade- der Jaguar-Klasse, Zerstörern der Hamburg-Klasse,
busen, Backbord- Fregatten der Köln-Klasse, Minensuchbooten, Tendern.
ansicht von achtern.
im Bereich der Schifsoperation:
„A 59“ war die Radar-, Sonar- und Navigationsanlagen, Plottische nach dem
Natokennung neuesten Stand und wie auf allen Schifs- und Bootsklassen.
im Bereich Schifstechnik:
WAHODAG-Dampfanlage wie auf Zerstörern der Hamburg-Klasse.
Mercedes-AnDiMot MB 839 wie in zwei Schnellbootgeschwadern.
Maybach-AnDiMot MD 871 wie in zwei weiteren Schnellboot-
geschwadern, auf Tendern und Versorgern.
MWM-EDiMot TB 12 und TB 518 wie auf Tendern und Versorgern.

Abb.: Sammlung Holger Ott (4), p-a/WZ-Bilddienst (2)


2 Gasturbinen (bis 1970) im E-Abschnitt ähnlich denen auf Fregatten.

Militär & Geschichte 61


WAFFEN & TECHNIK

Spaßiges Ritual: Äquatortaufe im März Bundeskanzler Schmidt wird im April


1966 im Atlantik zwischen Afrika und 1979 bei einem Staatsempfang in Santo
Südamerika. „Neptuns Gehilfen“ nahmen Domingo vom damaligen Kommandan-
sich die Neulinge ordentlich zur Brust ten Gerhard Krancke an Bord begrüßt

Nur auf der ersten Ausbildungsrei- Die Kadetten schliefen auf allen
se 1965 waren alle damaligen Offizier- Reisen in Hängematten, was den See-
anwärter (insgesamt weit über 200) gang nachts erträglicher machte – ab-
zur Ausbildung auf der Deutschland. In gesehen von den bis zu vier Stunden,
späteren Jahren fuhr bei einer zu gro- die sie jede Nacht auf Seewache wa-
ßen Kadettenzahl ein Teil auf einem ren. Manch einer wird dabei überlegt
parallel fahrenden Tender, den man haben, was er bis dahin schon alles
dafür eigens zu einem Schulschiff Taufschein: Jeder für das Schiff geleistet hatte. Denn im-
umfunktionierte (Tender Ruhr, Donau, Auf den Reisen lernten die Kadet- Oizieranwärter merhin beteiligten sich „Neulinge“ be-
Weser und Werra). ten, wie alle Bordabschnitte im See- erhielt nach seiner reits vor Beginn einer Auslandsreise
betrieb und unter Gefechtsbedingun- „Taufe“ solch eine an der umfangreichen Ausrüstung
Monatelang auf See gen zusammenarbeiteten. Nebenbei Urkunde – selbst- des Schiffs, indem sie Verpflegung,
Während ihrer 27-jährigen Fahrens- sollten sie auch mit den Wetter- und verständlich auch Ersatzteile, Munition, Schmierstoffe
zeit unternahm die Deutschland 35 of- Seegangsbedingungen auf hoher See unser Autor und Farben an ihren jeweilige Bestim-
fizielle Auslandsreisen, auf denen et- vertraut gemacht werden. Dazu be- mungsort schleppten und verstauten.
wa 3.500 Offizieranwärter ihre Aus- saß die Deutschland sogar eine speziel-
bildung durchliefen. Dabei legte das le Unterwasserform, scherzhaft als Botschafter der Bundesrepublik
Schiff über 730.000 Seemeilen zurück Badewannenform bezeichnet. Sie ver- Natürlich ging es bei umfangreichen
Auslandsreisen nicht zuletzt auch
darum, andere Länder und Kulturen
Das Schiff schaukelte mit voller Absicht – kennenzulernen sowie als maritimer
damit den Kadetten „Seebeine“ wuchsen. Botschafter der Bundesrepublik auf-
zutreten. In den Auslandshäfen durf-
und besuchte 130 Häfen in 75 Gastlän- passte dem Schiff eine geringe An- ten immer einige Kadetten an den
dern. Die Reiseziele wurden in enger fangsstabilität, sodass es bei kleins- Bordempfängen für ausländische
Abstimmung zwischen der Bundes- tem Seegang sofort anfing zu schau- Gäste teilnehmen, andere halfen bei
marine und dem Auswärtigen Amt keln. Der Hintergedanke: Den jungen der Bewirtung.
festgelegt. Zweimal umrundete die Männern sollten durch diesen effekti- Diesen Aufgaben haben sich Schiff
Deutschland auf solchen Reisen sogar ven Trick „Seebeine“ wachsen. Auf- und Besatzung über 27 Jahre mit En-
den kompletten Globus. Auf der zeit- grund einer hohen Endstabilität war gagement und Erfolg gestellt. Auf ih-
lich längsten Tour 1978 fuhr sie jedoch die Deutschland jedoch in der Lage, ren Reisen in die ganze Welt diente die
in sieben Monaten nur bis in die Süd- auch Hurrikans und Orkane zu über- Deutschland häufig als Plattform für
see und dann wieder zurück. stehen („abzuwettern“). Staatsempfänge. Die Bundespräsi-
Ein Höhepunkt waren die Äquator- denten Walter Scheel (1978 in Tokio)
und die Polartaufen beim Überschrei- und Karl Carstens (1982 in Kingston/
ten des jeweiligen Breitenkreises. HINTERGRUND Jamaika) sowie die Kanzler Helmut
Hierbei machten sich erfahrene Sol- Schmidt (1979 in Santo Domingo) und
Die am häufigsten
Abb.: Sammlung Holger Ott (5)

daten der Stammbesatzung einen Helmut Kohl (1987 in Shanghai) nutz-


Heidenspaß daraus, solche Kadetten, angelaufenen Häfen ten dabei die Gelegenheit, den Frie-
die zu viel Standesdünkel gezeigt denswillen der Bundesrepublik nach-
hatten, kräftig „einzuseifen“. Andere • Ponta Delgada/Azoren (14-mal, haltig zu unterstreichen.
„Nicht-Getaufte“, die sich unvorsichti- meistens als Bunkerstopp) Aber auch ohne deutsche Staats-
gerweise negativ über Neptun und die • Las Palmas (neunmal) vertreter konnten hohe Persönlich-
Taufe geäußert hatten, erwartete das • New York, Tokio, Manila, Lissabon (je viermal) keiten an Bord begrüßt werden, so
gleiche Schicksal. beispielsweise 1978 der König Taufa’

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TECHNIK

Schulschiff
Deutschland (A 59)
1 100-mm-Geschütz/L55 von Creusot-Loire im
geschlossenen Einzelturm (4 Stück)
2 Aubauten aus Aluminium auf dem Rumpf Schräglage mit System:
aus geschweißtem Schibaustahl 42 Bereits bei geringem
3 Kutter und Beiboote für die Ausbildung im Seegang neigte sich die
Decksdienst der I. Schifsdivision Deutschland stark auf die
4 Ofene und geschlossene Gefechtsbrücke Seite, so auch hier vor der
5 2 x 40-mm-Geschütze/L70 von Breda Küste von Grönland
in ofener Doppellafette (2 Stück)
6 4 x 375-mm-U-Jagd-Raketenwerfer
von Bofors (2 Stück)

Militär & Geschichte 63


WAFFEN & TECHNIK

Keine Zukunft: Am 27. März 1990 lief


das Schif letztmals in den Marine-
stützpunkt in Wilhelmshaven ein.
Keine drei Monate später wurde es
außer Dienst gestellt

weil sie langsamer fuhr als ein Zerstö-


Trauriges Ende: rer und aufgrund der Wellenanord-
Wie so viele nung schlechter zu manövrieren war.
Schife landete Aber spätestens nach einem Perso-
auch die stolze nalwechsel mit anderen Einheiten
Deutschland in war man vom Wissen der Deutschland-
einer Abwrack- Fahrer beeindruckt.
werft an der Insgesamt wurde die Deutschland
Küste Indiens in der Flotte durchaus bewundert und
neidvoll betrachtet, und das nicht nur
aufgrund der weiß gestrichenen Auf-
bauten, mit denen sie sich von den üb-
rigen grauen „Pötten“ der Bundesma-
rine elegant abhob. Sie war nämlich
ahau Tupou IV. von Tonga. Und natür- heiten der Bundesmarine gedient. das größte Kriegsschiff und durfte
lich haben die Männer auch bei ihren Auch viele Offiziere und Bootsleute auch als einziges Schiff der Bundes-
Landgängen viel erlebt und gesehen. kamen von anderen Schiffen und marine bis in die 1980er-Jahre die gan-
Zu den Höhepunkten zählen sicher- Booten und gingen nach einiger Zeit ze Welt befahren. Eine Anekdote von
lich eine Privataudienz im Vatikan, die wieder dorthin zurück. Damit war der siebenmonatigen Weltreise soll
Abb.: p-a/WZ-Bilddienst, Sammlung Holger Ott

Papst Paul VI. 1969 einer Abordnung ein gleicher Wissensstand auf der ironisch charakterisieren, wie sehr
der Deutschland gewährte, sowie ein Deutschland wie auf anderen Einhei- die Besatzung an große Entfernungen
Besuch im Kaiserpalast in Tokio, bei ten der Flotte gewährleistet. gewöhnt war: „Ein Heizer kommt auf
dem der Bordchor vor Kaiser Hirohito Überhaupt konnte das Schulschiff die Brücke und fragt den Wachoffizier
singen durfte. trotz seiner Sonderstellung auch im nach der Position des Schiffes. Dieser
Verband operieren; in gemeinsamen will sie ihm gerade exakt mit Abstand
Mal spöttisch, mal neidisch Manövern nach Ende jeder großen und Entfernung zu Lissabon mittei-
Im Laufe von 27 Jahren durften Tau- Werftliegezeit bewies es seine natio- len, da ruft der Heizer nur: ,Bitte keine
sende Marinesoldaten die Deutsch- nale und auch internationale Einsatz- Einzelheiten, welcher Erdteil?‘ “
land kennenlernen. Nicht nur ihre elf bereitschaft. Natürlich haben Besat- Natürlich waren die schiffs- und
Kommandanten hatten vor ihrem zungen der Flotteneinheiten die waffentechnischen Anlagen auf der
Kommandoantritt auf anderen Ein- Deutschland auch gerne mal belächelt, Deutschland im Laufe der Dienstzeit

64
nicht mehr ganz aktuell. Spätestens Die Besatzung erfuhr es an einem lands hinsteuerte. Gerade jetzt konn-
mit dem Zulauf der Lenkwaffenzer- sonnigen Tag im Scheerhafen in Kiel te man doch ein Schiff mit dem Na-
störer, der FK-Schnellboote und mo- vom Kommandeur der vorgesetzten men Deutschland nicht außer Dienst
dernen Fregatten, konnte das Schul- Marineschule Mürwik. Natürlich wa- stellen, so hofften viele.
schiff nicht mehr mithalten. Aber da ren die Männer schockiert, traurig
die Kadetten gegen Ende der Fahrens- und auch etwas wütend – und so ging Vergebliche Hoffnung
zeit der Deutschland nur noch acht bis es bald unter dem Motto „der Marine Als auch diese letzte Chance vertan
zehn Wochen zur Ausbildung an Bord zeigen wir es“ auf die letzte große Aus- war, ersehnte man den Umbau der
verbrachten, konnten sie sowieso nur landsausbildungsreise. Mit Kadetten Deutschland zu einem Museumsschiff
die Bordroutine und die wichtigsten der Crew VI/1988 und zusammen mit in Wilhelmshaven. Einige der letzten
Aufgaben in den Abschnitten kennen- dem Tender Werra führte sie über Fun- Besatzungsmitglieder gründeten
Holger Ott war
lernen.Vom Gefechtsdienst erhielten chal, Edinburgh, Tromsö und Kopen- sogar einen gemeinnützigen „Verein 41 Jahre bei der
sie nur einen kurzen Einblick. hagen bis nach Kristiansand. zur Erhaltung des Schulschiffs Bundesmarine und
Unterdessen führte die Besatzung ,Deutschlands‘ 1989 e.V.“ Doch es viermal auf der
Letzte Fahrt mit Hochglanz einschließlich der Kadetten freiwillig fand sich kein Träger, kein Verein, kei- Deutschland statio-
Ende der 1980er-Jahre kam dann viele Arbeiten aus, die eigentlich spä- ne Stadt, nicht einmal die Marine, niert, zuletzt 1988
plötzlich das Aus für das stolze Schiff. ter die Werft erledigen sollte. Und so auch kein seriöser Käufer, der bereit bis 1990 als Schifs-
Für 1990 war wieder eine große Werft- wurde das Schiff in allen Abschnitten gewesen wäre, eine größere Geldsum- technikoizier
liegezeit geplant und die Finanzmittel von Tag zu Tag schöner. Als man nach me für den Umbau in die Hand zu neh- (STO). Er hat an
men. So endete die Deutschland nach neun großen Aus-
landsausbildungs-
Auf 35 Auslandsreisen wurden 3.500 der Außerdienststellung im Juni 1990
reisen teilgenom-
vier Jahre später in einer Abwrack- men. 2006 ging
Kadetten ausgebildet – eine stolze Bilanz. werft am Strand von Alang/Indien. er als Kapitän zur
Was der ehemaligen Besatzung See in Pension.
der Marine waren knapp. Die Besat- neun Wochen am 12. September 1989 und Freunden der Deutschland als ein-
zung lieferte deshalb zwei unter- letztmalig in Kiel einlief, war es in ziger Trost bleibt, ist der besagte Ver-
schiedliche Arbeitslisten für die Werft einem tadellosen Zustand. Innerlich ein, der seit dem endgültigen Ende
ab, eine umfangreiche und eine stark hatten viele gehofft, dass die Marine des Schiffs nur noch „Verein Schul-
reduzierte. Ohne Prüfung dieser letz- ihre Entscheidung rückgängig ma- schiff ,Deutschland‘ 1989 e.V.“ heißt.
ten Alternative entschied der Inspek- chen würde. Ein kleiner Hoffnungs- In ihm sind zirka 350 Mitglieder aktiv,
teur der Marine während der Kieler schimmer kam auf, als am 9. Novem- die ein sehr reges Vereinsleben prak-
Woche 1989, dass die Deutschland 1990 ber die Berliner Mauer fiel und alles tizieren und viele maritime Organi-
außer Dienst gestellt werden sollte. auf eine Wiedervereinigung Deutsch- sationen finanziell unterstützen.

GEWALTIGE
TECHNIK SONDER-
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224 Seiten · ca. 200 Abb.
ISBN 978-3-95613-078-6

Schlachtschiffe, Kreuzer, Panzerschiffe, Segelschulschiffe, Zer-


störer und sogar ein Flugzeugträger: Mit der Machtergreifung
der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann auch in der Reichs-
marine eine gewaltige Aufrüstung. Ab 1935 wurde sie schließlich
von Reichs- in Kriegsmarine umbenannt. Ulf Kaack und Harald
Focke liefern einen faktenkundigen Gesamtüberblick der großen
Schiffsklassen der damaligen deutschen Seestreitkräfte – mit
allen historischen und technischen Basisdaten.

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NEUE RUBRIK
MILITARIA

SCHLÜSSELGERÄT 41

Das abgebildete Gerät steht bald


zum Verkauf. Es hat die Serien-
nummer 000352 und kam bei der
deutschen Abwehr in den letzten
Kriegsmonaten zum Einsatz

Feind hört mit!


Unsere neue Rubrik befasst sich mit Orden und Uniformen, mit historischen
Waffen, Gerätschaften und vielem mehr. Heute: das „Schlüsselgerät 41“, das die
berühmte „Enigma“ ersetzen sollte. Ein Exemplar wird demnächst versteigert

n den letzten Wochen hörte Bern- 1940 auffallend erfolgreich auswei- der Algorithmus des SG 41 für die

I hard Pacher, Geschäftsführer des


Auktionshauses Hermann Histo-
rica in München, häufig eine recht
chen konnten, hegte man schon da-
mals den Verdacht, dass der Feind den
mit der „Enigma“ verschlüsselten
Kryptologen ein Geheimnis. Ameri-
kanische Fachleute haben nach dem
Krieg das Schlüsselgerät 41, an dem
ähnliche Frage. Sie kam, wenn seine Funkverkehr mitlesen konnte. Wie ihre britischen Kollegen verzweifel-
Besucher diese seltsame Schreib- nach dem Krieg bekannt wurde, war ten, zwar bis ins Detail untersucht
maschine mit auffälliger roter „J“- Tas- dem tatsächlich so: Britische Spe- und das Ergebnis veröffentlicht, aber
te bestaunten: „Was ist denn das für zialisten hatten die geheimen deut- einige wichtige Verschlüsselungsele-
eine geheimnisvolle Maschine?“ schen Marinecodes und die Funktion mente wohlweislich verschwiegen.
Des Rätsels Lösung: In fast neu- der „Enigma“ entschlüsselt. Der „Kalte Krieg“ begann mit der Mili-
Wie gefällt wertigem Zustand präsentierte sich tärtechnologie des späten Zweiten
Ihnen unsere dem Betrachter das Nonplusultra Wegweisende Technik Weltkriegs, und die Textverschlüsse-
neue Rubrik? deutscher Feinmechanik der letzten Das jetzt bei Hermann Historica an- lung mit mechanischen Geräten ge-
Haben Sie Kriegsphase. Das „Schlüsselgerät 41“, gebotene seltene Exemplar eines hörte ganz explizit dazu.
Themen-
bezeichnet nach dem Entwicklungs- Schlüsselgerätes 41 ( SG 41), seinerzeit Trotz der bekannten Schwächen
wünsche?
beginn dieses Wunderwerks im Jahr von Fritz Menzer entwickelt und bei der „Enigma“ und der Überlegenheit
Schreiben
Sie uns! 1941, sollte die berühmte Schlüssel- den Wanderer Werken in Chemnitz des SG 41 bestellte das Oberkomman-
maschine „Enigma“ ersetzen. gebaut, wäre mit den damaligen Mög- do der Wehrmacht erst 1944 einige
Weil die alliierten Atlantikkonvois lichkeiten der Technik jedoch nicht Tausend Geräte, von denen aber wohl
den Angriffen deutscher U-Boote seit zu knacken gewesen. Selbst heute ist weniger als 500 Exemplare noch pro-

66
TECHNIK

Mechanisches Schlüsselgerät SG 41 von 1944


1 Tastatur mit 26 Buchstabentasten
2 Herausklappbares Fach mit zwei Papierrollen für
die Papierstreifen der Klartextausgabe 7
3 Rote Taste „J“ als Zifernzuordnung für die Darstellung
von Zahlen im alphabetischen Klartext, beispielsweise
„1945“ durch die Eingabe von „JQORTJ“
4 Sechs fest eingebaute Schlüsselräder, die nach einer
tagesaktuellen Schlüsselliste eingestellt wurden 8 6
5 Hochgeklappte Bedienklappe, um die Schlüsselräder einzustellen 5
6 Funktionskurbel, nach jedem Tastenanschlag zu bedienen 9
7 Gefederter Konzepthalter für die einzugebende Textvorlage
8 Ausgabeschlitz für die Klartextstreifen 4
10
9 Wechselfach für die tintengetränkten, paarweisen Stempelrollen
10 Sichtfenster des Zählwerkes für das mechanische Getriebe 3
der Walzenfortschaltung 3

Deutscher Funker: Die Verschlüsselung per „Enigma“


hatten die Alliierten bald geknackt. Das Nachfolgemodell
SG 41 sollte Abhilfe schafen, kam aber zu spät

duziert wurden. Unklar ist, ob dies am Auktionshaus Hermann Historica in lich oder über die Webseite, während
Mangel an Leichtmetallen lag, was diesem Jahr im Gespräch. „Wir lösen der laufenden Auktion aber nur über
letztlich zum hohen Gewicht des uns von dem bisher durchgeführten das Internet geboten werden kann.
kompletten Geräts samt Transport- halbjährlichen Auktionsrhythmus Wir beenden die Auktion jedes Loses
schutzdeckel von rund 13 Kilogramm und werden zukünftig sechs Auktio- nicht, wie die anderen, zu einem fes-
führte, oder ob schlicht Produktions- nen pro Jahr mit den jeweils bekann- ten Zeitpunkt, sondern geben jedem
probleme den Anlauf der Massenfer- ten thematischen Schwerpunkten Bieter die Chance, das aktuelle
tigung verzögerten. durchführen“, berichtet Bernhard Höchstgebot zu überbieten, so lange,
Pacher gegenüber Militär & Geschichte. bis niemand mehr bietet – wie bei
Versteigerung Ende Mai
Jedenfalls kam das SG 41 erst Ende Das Verschlüsselungsgerät ist äußerst
1944 an die deutsche Abwehr, die da-
mit ihre bis dahin verwendeten Enig- selten – und dementsprechend wertvoll.
ma-G ersetzte. Im Chaos des Kriegs-
endes wurden die meisten SG-41- „Unsere Schwerpunkte bleiben aber einer klassischen Saalauktion.“ Auch
Abb.: Hermann-Historica (2), SZ Photo/SZ Photo

Geräte zerstört, nur eine Handvoll Schusswaffen aus fünf Jahrhunder- Vorbesichtigungen zu den angekün- DER AUTOR
hat die Zeiten überdauert. Am 24. Mai ten sowie Orden, Militaria und andere digten Zeiten sind möglich. Volker A. Behr
2019 kann jetzt jedermann unter Objekte der Zeitgeschichte, alte Waf- Und das wird den Interessenten hat unter ande-
www.hermann-historica.com verfol- fen und Antiken sowie besondere in Zukunft noch einfacher gemacht: rem zahlreiche
gen, wie das wertvolle Exemplar auf Auktionen zu Sammlungsauflösun- Stichwort „Besucherfreundlichkeit“. Nachschlage-
werke zu den
einer Präsenzauktion versteigert wird gen oder Ähnlichem.“ Wie Bernhard Pacher ankündigt, wird
Auszeichnungen
– oder gar selbst ein Gebot abgeben. Neu ist, dass es nun zusätzlich zu die Hermann Historica GmbH „im der Wehrmacht
Mit 75.000 Euro wird der Ausruf des den klassischen Präsenzauktionen Sommer in neue Geschäftsräume veröfentlicht.
SG 41 beginnen. mit Bieterschlachten im Saal und am nach Grasbrunn, Bretonischer Ring 3,
Doch nicht nur wegen solch exor- Telefon auch reine Onlineauktionen umziehen, und nicht nur mehr Aus-
bitanter Angebote für die internatio- geben wird. „Online bedeutet bei uns, stellungsfläche, sondern auch jede
nale Kundschaft ist das renommierte dass bereits vor der Auktion schrift- Menge Parkplätze haben.“

Militär & Geschichte 67


SPEZIAL

REENACTMENT

Wieder gegen Napoleon


Nicht nur das Mittelalter, auch die Zeit der Befreiungskriege animiert
immer mehr Geschichtsfans, eine längst vergangene Epoche nachzustellen.
Wir haben einen Trupp der „Kurmärkischen Landwehr“ besucht

n jedem zweiten Samstag im Mo- bürgte Truppe im Kern auferstehen Entstanden ist es in Eigenleistung aus

A nat unternimmt Johannes Brau-


er eine Zeitreise, die ihn mehr
als 200 Jahre zurückführt und in die
zu lassen, haben sich zwei Dutzend
Gleichgesinnte im Verein „Kurmärki-
sche Landwehr 1813 e.V.“ zusammen-
dem verfallenen Nebengelass eines
Bauernhauses unmittelbar an der
B 101. Das Gebäude präsentiert sich
Epoche der Befreiungskriege versetzt. gefunden. Ihr gemeinsames Hobby: außen und innen so, wie es vielleicht
Dazu legt er eine täuschend echt Reenactment, also das authentische auch vor 200 Jahren aussah. Der Trakt
nachgebildete Uniform mitsamt den Nachstellen vergangener Lebenswel- besteht aus Werkstatt, Obristenkam-
passenden Waffen an und verwan- ten und Ereignisse. mer, Offiziers- und Gemeinschafts-
delt sich in Kapitän (Hauptmann) Jo- Dreh- und Angelpunkt der Aktivi- raum, Küche, Keller und hat vor allem
hannes Brenneisen, dem das 4. Batail- täten ist das Vereinshaus („Werner- eines zu bieten: den Genius Loci des
lon (Bataillon Schönholz) des 3. Kur- von-Prechel-Kaserne“) in Großbeeren/ Jahres 1813.
märkischen Landwehr-Regiments Brandenburg, in dem sich die „Kur- Der „Geist der Ortes“ umweht die
untersteht. Um diese historisch ver- märker“ seit 1995 regelmäßig treffen. Vereinsmitglieder nämlich keine

Vorwärts: Im Herbst Erschreckend:


2018 wurde die Solch eine
Schlacht bei Warten- „Feuerwand“ aus
burg am Original- 500 Geschossen
schauplatz nachge- verfeuerte ein
stellt. Auf diesem MG des Ersten
Foto marschiert die Weltkriegs in
preußische Landwehr einer Minute

68
Im Vereinsheim: Unter dem Dach der „Werner-von-
Prechel-Kaserne“ versammelt Kapitän Brenneisen
(sitzend an der Stirnseite) regelmäßig sein Bataillon

Die „Kurmärker“ formieren sich in


Wartenburg. Ihr jüngster Landwehrmann
ist 15 Jahre alt (Mitte) und erlebt hier
vermutlich seine Feuertaufe

den Hornisten Ernst Gottlieb Katz-


dangen, einen Wehrmann namens
Hans Heinrich Jakob Hünerbein und
dergleichen mehr.
Die regelmäßigen Zusammenkünf-
te beinhalten neben Routinedienst
wie Koch-, Putz- und Flickstunden und
200 Meter weiter auf einem längst ent- der notwendigen „Vereinsmeierei“
widmeten Kirchhof mit viel Efeu, we- auch die kritische Musterung neuer
nigen Grabsteinen, aber einer wasch- Anwärter, außerdem die Sorge um
echten Schinkel-Kirche. Exakt vor den Erhalt der umliegenden Denk-
deren Mauern gingen am 23. August mäler. Sehr viel Zeit nimmt die Her-
1813 Preußen und in napoleonischen stellung der Uniformen, Effekten,
Diensten stehende Sachsen aufeinan- Ausrüstungsgegenstände und Waf-
der los.Was könnte einen „Reenactor“ fen in Anspruch. Alles wird selbst ge-
mehr inspirieren als solch ein histori- schneidert, gesattlert und geschrei-
scher Schauplatz? nert. In manch einem Kurmärker
steckt im wahren Leben ein Holz-
Drei Generationen „Kurmärker“ oder Metallhandwerker. Nur die Schu-
Die Kurmärkische Landwehr unter ih- he werden extern geordert, allerdings
rem Kapitän Brenneisen existiert als alle über einen Leisten gefertigt und
eingetragener Verein seit 1993 und re- anschließend individuell eingelau-
krutiert sich gegenwärtig aus 22 Män- fen, was die eine oder andere Quälerei
nern und den beiden „Marketenderin- zur Folge haben dürfte.
nen“ Dagmar und Magda. Jüngster
Wehrmann ist der 15-jährige Aaron, Der Tag von Wartenburg
Abb.: Norbert Weise (3), Jörg Mückler (1)

der erst im vergangenen Jahr zu den Und dann wäre da noch die notwendi-
schwarz-weißen Fahnen stieß. Zwi- ge Terminplanung. Immerhin fallen
schen ihm und dem Urgestein und Jahr für Jahr Auftritte auf Jubiläums-
Vereinsmitgründer „Feldwebel und veranstaltungen und Volksfesten im
Spieß Max Klinger“, der seit 1987 dem In- und Ausland an. Auch 2018 waren
preußischen König die Treue hält, ver- die Kurmärker gut gebucht, schließ-
sammeln sich altersmäßig fast drei lich jährten sich die Befreiungskriege
Generationen mit oft phantasievollen zum 205. Mal. Einer der Höhepunk-
Nomes de Guerre (Kampfnamen). Da te gegen Ende der Saison war die
gibt es einen Fourier Fritz Mühlstein, „Schlacht bei Wartenburg“ von 1813,

Militär & Geschichte 69


Auftakt: Schon am 25. August 2018 hatte man bei Großbeeren
einmal mehr Napoleons Marsch gen Berlin gestoppt
SPEZIAL

„Feuer frei“ gibt es nur mit Böllerschein


(Kanonier) und Beschussbescheinigung
(Kanone). Husaren (rechts) dürfen ohne
amtliche Zertiikate ins Gefecht

die am historischen Ort nachgestellt


wurde. Dabei waren nicht nur die „Kur-
märker“ mit von der Partie, sondern
auch die Kanoniere und Bombardiere Fußgefecht auf den Wartenburger
vom 2. Zug der 1. Halbbatterie der Elbwiesen. Bei den Preußen
preußischen 6-pfündigen Fußbatterie war vor allem Linieninfanterie
Nr. 3, die seit August 1996 ebenfalls des Korps Yorck engagiert
in der „Werner-von-Prechel-Kaserne“
ansässig sind.

Historisch nicht immer korrekt


Bei dieser Konstellation müssen ein
paar historische Ungenauigkeiten
hingenommen werden, denn beide
Verbände hatten bis zur Völker-
schlacht bei Leipzig nichts miteinan-
der zu tun. Das Bataillon Schönholz
gehörte bis zum siegreichen Gefecht
bei Hagelberg am 27. August 1813
zur kurmärkischen Landwehrdivisi-
on unter Generalleutnant Karl Fried-
rich von Hirschfeld und damit zur
Nordarmee (Graf Bernadotte). Die Di-
vision trat anschließend nicht mehr
geschlossen in Erscheinung, ihre Ba-
taillone wurden auf die regulären Bri-
gaden verteilt. Hingegen bildeten die
6-Pfünder der Fußbatterie Nr. 3 nach
ihrer Aufstellung im März 1813 einen
Teil des Brigade Yorck und gehörten
damit zur Schlesischen Armee (Blü-
cher). Ihre Kanoniere sicherten unter

70
Der Feind gehörte zum französischen Korps Bertrand. INTERVIEW
Nach diesem Event ging es für alle Darsteller gleich weiter
zur „Völkerschlacht bei Leipzig“ Zwischen Tradition
und Moderne
M&G: Herr Krug, Sie verkörpern bei den
„Kurmärkern“ einen Kanonier. Wie sind Sie
zu diesem Hobby gekommen?
Krug: Als ich zehn Jahre alt war, hat mich
mein Vater zu einer Theodor-Körner-
Ehrung bei Gadebusch mitgenommen.
Dieses Erlebnis mit viel Fackelschein hat
mich regelrecht iniziert. Ich habe mich
dann schon als Kind viel mit den Befrei-
ungskriegen beschäftigt und alle in der
DDR verfügbare Literatur verschlungen.
M&G: Sie haben dann aber erst mal in der
modernen NVA Karriere gemacht …
Krug: Ja, ich wollte unbedingt Fallschirm-
jäger werden. 1973 wurde ich als Leutnant
in das Fallschirmjäger-Bataillon 40 nach
Prora versetzt, 1975 übernahm ich die
3. Fallschirmjäger-Kompanie. Nach einem
Studium an der Militärakademie Frunse
in Moskau kehrte ich 1982 als Hauptmann
und Stabschef zum Bataillon zurück, stieg
dann rasch zum Kommandeur und Major

Klaus-Dieter Krug als Kommandeur des


Fallschirmjäger-Bataillons 40 und 30 Jahre
später als Landwehrmann „Paule“
auf. 1988 wurde ich als Oberstleutnant
Stabschef des AZ-19 (Ausbildungszentrum,
der Führung von Kapitän Ziegler am
d. Verf.) in Burg bei Magdeburg.
3. Oktober 1813 den Elbe-Übergang M&G: Hat Sie damals das Thema
bei Wartenburg ab (siehe links). Befreiungskriege noch begleitet?
Zum Jubiläumstag im vergange- Krug: Durchaus. Ein Beispiel: Während
nen Jahr waren eine Handvoll Fußar- einer Übung 1986 im Raum Jüterbog habe
tilleristen mit ihrer Kanone angereist, ich mein Bataillon aus der Lage genom-
die sich im Unterschied zu den eben- men und abends am Denkmal für die
HINTERGRUND falls im Gefecht befindlichen zehn Schlacht bei Dennewitz einen stimmungs-
vollen Appell durchgeführt.
Schlacht bei Wartenburg 1813 Kurmärkern historisch am richtigen
M&G: Wie ist Ihnen das bekommen?
Abb.: Norbert Weise (4), Archiv Klaus-Dieter Krug (2), Archiv Jörg Mückler (1)

Ort befanden. Neben Geschützführer


Wartenburg liegt etwa zwölf Kilometer südöstlich von Krug: Es gab zunächst eine riesige Auf-
Seconde-Lieutenant „Paul“ (siehe In-
Lutherstadt Wittenberg am Westufer der Elbe. Im Herbst regung bei den politischen Bedenken-
terview rechts) fochten noch drei wei- trägern wegen der „Preußen-Ehrung“.
1813 lagen in diesem Raum französische Truppen sowie
tere Kanoniere an der Elbe. Bedauert Die Befreiungskriege gehörten allerdings
verbündete Württemberger und Italiener. Zuvor hatten
sich Napoleons Armeen insgesamt nach einigen ver- wurde allgemein, dass diesmal der zur Tradition der NVA. Ich konnte
lorenen Schlachten hinter die Elbe zurückziehen müssen. Flussübergang aus Kostengründen schließlich allen dummen Fragen mit
Ende September nahte nun von Osten Blüchers Schlesi- nicht wie zuletzt 2013 auch mit Flö- dem Hinweis auf die deutsch-russische
sche Armee, zu der auch das Korps Yorck gehörte. ßen und Pferden nachgestellt werden Wafenbrüderschaft ausweichen. 2013
Ihm oblag es, am Morgen des 3. Oktober bei Wartenburg konnte. Dennoch konnte man den rutschte ich dann über einen Kameraden
den Fluss zu überqueren, um die französischen Linien zu zahlreichen Zuschauern auch dies- aus dem FJB-40 in den Verein, der dort
durchstoßen und sich anschließend mit der Nordarmee mal wieder mit Geschützdonner und Feldwebel war. Inzwischen bin ich zum
vereinen zu können. Secondelieutnant der „6-pfündigen
Bajonettgeplänkel ein beeindrucken-
Beim Flussübergang und anschließend in und um Fußbatterie Nr. 3“ avanciert.
des Spektakel liefern – und damit ei-
Wartenburg wurde das Korps in schwere Gefechte ver-
nen lebhaften Einblick in eine längst
wickelt, aus denen es nach Stunden siegreich hervor- Jörg Mückler arbeitet
ging – unter dem Verlust von etwa 2.000 Toten und vergangene Epoche ermöglichen.
als Publizist und
Verwundeten. Bei den Franzosen ielen 1.000 Mann, Historiker mit den
weitere 1.000 gingen in Gefangenschaft, der Rest zog KONTAKT Schwerpunkten deutsche
sich zurück. General Ludwig Yorck brachte diese wichtige Kurmärkische Landwehr 1813 e.V. Militär- und frühe
Schlacht den Namenszusatz „von Wartenburg“ ein. 14979 Großbeeren, Berliner Straße 22–24 Luftfahrtgeschichte.
www.kurmaerkische-landwehr.de

Militär & Geschichte 71


SPEZIAL

FEBRUARKÄMPFE IN ÖSTERREICH, 1934

Häuserkampf
an der Donau
Im Februar 1934 kam es in Österreich zum gewaltsamen Konflikt zwischen der
autoritären Regierung und dem sozialdemokratischen Lager. Die linke Partei-
miliz war personell dreimal so stark wie das Bundesheer und bis an die Zähne
bewaffnet. Doch würden die Genossen im Ernstfall wirklich ihr Leben riskieren?

ichard Bernaschek konnte ein- haftet werden sollten, wird gewalt- nachdem man sich jahrelang so in-

R fach nicht mehr länger still-


halten – und so nahm das Ver-
hängnis seinen Lauf. „Ich habe mich
samer Widerstand geleistet und in
Fortsetzung dieses Widerstandes
zum Angriff übergegangen werden.“
tensiv auf den Entscheidungskampf
gegen den „Klassenfeind“ vorbereitet
hatte. Aber nicht mit Bernaschek! Der
heute Vormittag mit fünf gewissen- gelernte Schlosser war bereit, den Bür-
haften, der Partei völlig treu ergebe- Die Lage spitzt sich zu gerkrieg notfalls im Alleingang vom
nen Genossen besprochen“, schrieb Der 45-jährige Bernaschek, in seinem Zaun zu brechen.
der Linzer Sozialdemokrat an die Bundesland Führer des „Republikani- Diese Zuspitzung überrascht
Zentrale in Wien, „und mit ihnen schen Schutzbundes“, der bewaffne- kaum, betrachtet man die politische
nach wirklich reiflicher Überlegung ten Miliz der Sozialdemokratischen Geschichte der ersten österreichi-
einen Beschluss gefasst, der nicht Arbeiterpartei (SDAP), hatte genug Der Mannlicher schen Republik. Schon während diese
mehr rückgängig gemacht werden von allen Kränkungen der letzten Mo- Karabiner M89 am 12. November 1918 proklamiert
kann (…). Wenn morgen in einer ober- nate. Seine einst so stolze Organisati- war sowohl wurde, kam es vor dem Wiener Parla-
österreichischen Stadt mit einer Waf- on war zu Beginn des Jahres 1934 auf auf Seiten der ment zu Schießereien zwischen den
fensuche begonnen wird oder wenn dem besten Weg, sich von ihren Aufständischen politischen Lagern. Neun Jahre später
Vertrauensmänner der Partei bezie- Gegnern völlig widerstandslos den als auch der forderte ein Polizeieinsatz gegen De-
hungsweise des Schutzbundes ver- Schneid abkaufen zu lassen – und das, Regierungs- monstranten vor dem Wiener Justiz-
truppen zu inden

Koloman Wallisch,
Der Sozialdemokrat einer der führen-
Abb.: Slg. M&G, p-a/Imagno/A.A., MIREHO

Richard Bernaschek den Köpfe des Auf-


wollte als regionaler standes, wurde
Anführer des am 18. Februar ver-
„Republikanischen haftet, von einem
Schutzbundes“ einen Standgericht zum
Bürgerkrieg in Tode verurteilt und
Österreich entfachen am folgenden Tag
hingerichtet

72
ZAHLEN, DATEN, FAKTEN
Nationalratswahlen vom 9. November 1930
Bürgerlicher Block aus Christlichsozialen,
Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund: 47,3 %
SDAP: 41,1 %
Die Fahne des austro- Heimatblock (politischer Arm der Heimwehren): 6,2 %
faschistischen „Stände- NSDAP: 3,0 %
staats“ trug ab 1936 KPÖ: 0,6 %
das Kruckenkreuz
Abb.: p-a/Imagno/NB, Slg. M&G

Engelbert Dollfuß war von 1932 bis zu seiner Ermordung


am 25. Juli 1934 Bundeskanzler des Ständestaats, den er
zuletzt diktatorisch regierte. Sein autoritäres Regime trieb
die Sozialdemokraten im Februar 1934 auf die Barrikaden

Militär & Geschichte 73


SPEZIAL

Aufmarsch der zivilen Heimwehr, die als Hilfspolizei diente und in Das Bundesheer errichtete in den größeren Städten zahlreiche Straßen-
Marxisten und Sozialdemokraten ihre Hauptfeinde sah sperren und konnte die Auftstandsherde lokal eingrenzen

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

Österreich 1934
Einwohner: 6,6 Mio.
Bundesheer: 25.000 Mann
Heimwehren: 110.000 Mitglieder
Republikanischer Schutzbund: 95.000 Mitglieder
Todesopfer in den Februarkämpfen: etwa 360

74
palast sogar 89 Menschenleben. Klas- beiteten Bürgerkriegsplan, der unter
senkampf war in der Alpenrepublik anderem vorsah, die Bundesheer- so-
nicht nur eine Redensart. wie Polizeikasernen handstreichar-
Das linke Milieu sah sich im We- tig zu besetzen.
sentlichen durch die Sozialdemokra- Turnusmäßig wurden Übungen
tie und den ihr unterstellten Schutz- abgehalten. An einem Manöver vor
bund vertreten, das rechte durch die den Toren Wiens im Juni 1932 nah-
sogenannten „Heimwehren“ – kon- men fast 17.000 Schutzbündler teil.
servative Milizen, die genau wie der Finanziert wurde dies alles durch
Schutzbund aus Selbsthilfetruppen Mitgliedsbeiträge der Genossen. Zwar
der unmittelbaren Nachkriegszeit verfügten die rechten Heimwehren
hervorgegangen waren. Zwischen über ein ähnlich großes Personal-
reservoir, doch waren diese Organisa-
tionen weit weniger homogen als der
Abzeichen des straff geführte Schutzbund.
Republikanischen
An die Wand gestellt: Mit aufgegrifenen Schutzbundes, be- Ein ständiger Unruhefaktor
Kämpfern des Schutzbundes machte man wafneter Arm des Für den österreichischen Staat waren
oftmals kurzen Prozess linken Spektrums diese Milizen nach 1918 zunächst
überaus nützlich, bildeten sie doch
eine Art Schattenarmee, die nicht den
den Fronten stand die seit 1920 fast Waffenstillstandsbeschränkungen
Verteilung von Waffen an das österreichische durchgehend amtierende christlich- unterlag. Erst später gerieten sie zu
Bundesheer. Gegen diese Macht hatten die soziale Regierung (welche ideologisch einem ständigen Unruhefaktor, den
isoliert kämpfenden Arbeiter keine Chance den Heimwehren zuneigte), während zu beseitigen mit beträchtlichen Ri-
Kommunisten und Nationalsozialis- siken verbunden war.
ten die extremen Enden des politi- Als die Regierung Dollfuß sich im
schen Spektrums verkörperten. März 1933 stark genug fühlte, den
Schutzbund zu verbieten, dürften si-
Ausreichend bewaffnet cherlich einige der Verantwortlichen
Lange Zeit neutralisierten sich diese den Atem angehalten haben. Doch
Kontrahenten gegenseitig, doch als der befürchtete Gewaltausbruch blieb
im Frühjahr 1933 die Regierung Doll- aus. Bemüht um politische Verstän-
fuß den autoritären „Ständestaat“ digung, untersagten die sozialdemo-
ausrief (siehe Infokasten Seite 76), kratischen Parteioberen den Schutz-
kippte der fragile Bau. Der Schulter- bündlern den Griff zu den Waffen –
schluss zwischen Christlichsozialen und vieles spricht dafür, dass sie

Teile der Arbeiterschaft bereiteten sich


Abb.: Interfoto/Austrian National Library, Interfoto/Imagno/Votava, p-a/ZB, Interfoto/Friedrich, MIREHO

planmäßig auf den Bürgerkrieg vor.


und Heimwehrbewegung bedeutete bereits dadurch den Ausgang der
für die österreichische Sozialdemo- späteren Kämpfe vorherbestimmten.
kratie eine ernste Herausforderung, Denn die Folge der Stillhaltepolitik
der sie sich stellen musste, wollte sie war ein Massenexodus: Am Ende des
nicht einer überaus düsteren Zukunft Jahres 1933 hatte die SDAP ein gutes
entgegengehen. Drittel ihrer Mitglieder verloren. Viele
Die Mittel dazu waren vorhanden. der verhinderten Kämpfer waren
Seit sich revolutionäre Arbeiter im durch das Lavieren der eigenen An-
Herbst 1918 die Bestände des Wiener führer desillusioniert, manch einer
Arsenals mit fast 600.000 Infanterie- schloss sich den Kommunisten oder
gewehren hatten sichern können, Nationalsozialisten an.
war die Armierung des Schutzbundes
niemals ein Problem. Auch bei der Verhaftungswelle rollt an
Mannschaftsstärke übertraf die Or- Ermutigt durch diese Entwicklung,
ganisation das auf gerade mal 30.000 zog die Regierung die Schlinge all-
Soldaten beschränkte österreichi- mählich enger: Ende Januar 1934 be-
sche Bundesheer bei Weitem. In Spit- gannen Polizei, Bundesheer und die
zenzeiten konnte der Schutzbund auf inzwischen zur Hilfspolizei erhobe-
mehr als 90.000 Mann zurückgreifen. nen Heimwehren mit einer Serie von
Diese wurden von ehemaligen Hausdurchsuchungen im sozialde-
Heeresoffizieren generalstabsmäßig mokratischen Milieu. Auch eine Ver-
geführt. Es gab Unterabteilungen für haftungswelle rollte an. Bis Anfang
Taktik, Ausbildungs- oder Nachrich- Februar landeten allein in Wien rund
tenwesen und auch einen ausgear- 200 Personen aus der Führungsriege

Militär & Geschichte 75


HISTORISCHES LEXIKON
Der „Ständestaat“
Der Börsencrash von 1929 zog auch die sowie des SDAP-nahen Republikani-
Republik Österreich in den Abgrund. schen Schutzbundes.
SPEZIAL

Massenarbeitslosigkeit und eine starke Ziel der Regierung Dollfuß (nach dessen
politische Polarisierung führten im März Ermordung ab Juli 1934 von Kurt Schusch-
1933 zur Handlungsunfähigkeit des Wie- nigg geführt) war ein katholisch-bürgerli-
ner Parlaments. Bundeskanzler Engelbert cher Ständestaat, dessen Gesetzgebung
Dollfuß ermächtigte seine Regierung, ih- in den Händen von Dachverbänden der
re Geschäfte fortan autoritär zu führen. einzelnen Berufsgruppen liegen sollte.
Außenpolitischen Rückhalt erhielt er Sämtliche Parteien, sofern nicht verbo-
vor allem aus dem faschistischen Italien. ten, fasste man unter einer sogenannten
Binnen weniger Wochen folgten Verbote „Vaterländischen Front“ zusammen,
der Kommunistischen Partei, der NSDAP deren Symbol das Kruckenkreuz war.

des Schutzbundes im Gewahrsam, Stacheldraht, Schaufeln, Krampen,


darunter auch dessen Stabschef, Ale- Stricke, Nägel gegen Berittene usw. Im
xander Eifler. Tausende von Geweh- Kampf gegen das Bundesheer sind
ren und Hunderttausende Schuss Mu- die Offiziere sofort unschädlich zu
nition wurden beschlagnahmt. Doch machen, bei der Polizei alle Vorgesetz-
damit war noch nicht Schluss: Am ten bis zum Leutnant. Soldaten und
10. Februar entzog das Kanzleramt Wachleute sind zu entwaffnen und
dem sozialdemokratischen Bürger- zu zwingen, mit uns zu gehen. Jene,
meister Wiens, Karl Seitz, die Polizei- die uns durch Gemeinheiten bekannt
gewalt, gleichzeitig beschloss die Re- sind, sofort bestrafen. (…) Die Stadt ist
gierung, alle sozialdemokratischen in eine Kriegsfalle zu verwandeln, um
Landeshauptleute abzusetzen. den Gegner zu vernichten.“
All dies traf auf keinen nennens-
werten Widerstand – erst Richard Ber- Generalstreik fehlgeschlagen
nascheks Temperament, eingangs ge- Doch ganz so einfach, wie sich die
schildert, gab die Initialzündung: Als Schutzbundstrategen das vorgestellt
sich am Morgen des 12. Februar 1934 hatten, ließ sich die Konterrevolution
die Linzer Polizei anschickte, das dor- nicht zurückdrängen. Denn nicht nur
tige Hotel „Schiff“, einen Treffpunkt war aufgrund der Verhaftungen die
der Sozialdemokraten, zu durchkäm- zentrale Leitung ausgefallen (sämtli-
men, ließ Bernaschek wie angekün- che Ortsgruppen führten die Kämpfe
digt das Feuer eröffnen. Die Schutz- in eigener Regie), auch der landes-
bündler wehrten sich mit einem Ma- weite Generalstreik, einer der wich-
schinengewehr, es gab einen Toten. tigsten Bausteine des sozialdemo-
„Wir gehen nicht mehr zurück“, be- kratischen „Kriegsplanes“, kam nicht

Wien sollte in eine „Kriegsfalle“ verwandelt


werden, um den „Gegner zu vernichten“.
stimmte Bernaschek. „Wenn die Wie- in Gang. Und dies nicht nur, weil es an
ner Arbeiterschaft uns im Stich lässt, der Alarmierung haperte. Große Teile
Schmach und Schande über sie.“ Und der Arbeitschaft, vor allem die wichti-
tatsächlich verbreitete sich die Nach- gen Eisenbahner, folgten dem Streik-
richt über die Kämpfe in Linz blitz- aufruf einfach nicht – eine Folge der
artig über das ganze Land: Noch am Desillusionierung der vergangenen
12. Februar griffen auch die Schutz- Monate. Die Regierung konnte daher
Abb.: p-a/Imagno/Austrian Archives (2), p-a/ZB

bündler in Wien, Graz, Steyr und rasch und problemlos eigene Truppen
anderen Städten zu den Waffen. Im in die Zentren der Kämpfe verlegen.
Zentrum der Kämpfe stand jedoch Überhaupt zögerte Dollfuß keines-
ohne Frage die Hauptstadt. wegs, das Bundesheer einzusetzen.
Schon am Nachmittag des 12. Februar
Gewehre, Messer, Schlagringe befanden sich die sechs Brigaden der
Martialisch liest sich ein Schutzbund- Armee an all ihren Standorten im
„Aktionsplan für Wien“: „Die Arbeiter- Kampf. Auch die noch nicht einmal
schaft hat bei der Alarmierung alles, offiziell formierten Luftstreitkräfte
was sie hat, mitzubringen. Gewehre, flogen mit ihren wenigen Fiat- und
Revolver, Bomben, Messer, Schlagrin- Caproni-Doppeldeckern eifrig Feind- Die Arbeiterquartiere, in denen sich die Aufständischen
ge, mit Petroleum getränkte Fetzen, aufklärung. zuletzt verschanzt hatten, gerieten unter schweren Beschuss

76
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Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurden Arbeiter, die infolge der Unruhen 1934 ent- Jetzt gratis downloaden!
lassen worden waren, „auf Wunsch des Führers“ publikumswirksam wieder eingestellt

Der Schutzbund sah sich sehr bald Eisenbahntrassen gelegene Arbeiter-


überall in die Defensive gedrängt. Un- häuser unter Feuer nahmen.
ternahmen einzelne Gruppen in den Es ist müßig zu erwähnen, dass der

GeraMond Verlag GmbH, Infanteriestraße 11a, 80797 München


ersten Stunden des Aufstandes noch Widerstand der isolierten Schutz-
Versuche, gemäß den ursprünglichen bündler unter diesem Druck bald er-
Planungen bestimmte Verkehrskno- lahmte. Bis zum 15. Februar streckte
ten und Polizeistationen zu besetzen, jeder der belagerten Wohnhöfe die
wurden diese bald von zahlenmäßig Waffen; entweder weil die Munition
überlegenen Heeres- und Polizeikräf- ausgegangen war, die Kämpfer ge-
ten unterbunden. In Linz kam Berna- flohen waren oder weil man die unbe-
schek schon um 7:30 Uhr morgens in teiligte Zivilbevölkerung nicht weiter

Es war aussichtslos: Ein Wohnblock nach


dem anderen musste die Waffen strecken.
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Haft, kaum eine halbe Stunde nach dem Kreuzfeuer aussetzen wollte.
Abgabe der ersten Schüsse. Ähnlich Auch so hatten die Kämpfe allein in
lief es in den meisten kleineren Orten Wien knapp 210 Todesopfer gefordert,
und Städten des Landes. davon rund 80 Unbeteiligte. Hinzu ka- Da ist viel für Sie drin:
In Wien nahmen von den 40.000 men noch etwa 150 Tote in den übri-
Mann, die der Schutzbund Ende 1932 gen Städten des Landes; Zahlen, über
eine komplette Ausgabe
noch als verfügbar gemeldet hatte, die in Österreich noch nach Jahrzehn- Militär & Geschichte kostenlos
tatsächlich nur etwa 5.000 an den ten intensiv gestritten wurde und die 10 Seiten jeder Ausgabe
Kämpfen teil. Sie hatten es mit über auch deswegen unklar sind, weil viele ab 1/17 gratis
20.000 Polizisten, Heimwehrlern und Verletzte auf sozialdemokratischer
Heeressoldaten zu tun. Seite aus Angst vor Repressalien die alle Ausgaben ab 1/17 zum
Einlieferung in städtische Kranken- günstigen eMag-Vorzugspreis
Rückzug in Arbeiterviertel häuser scheuten.
Versuche, ein provisorisches Haupt- Im Gefolge der Kämpfe kam es zu nur hier, nur digital: im Handel
quartier einzurichten, scheiterten be- zahlreichen Verhaftungen, die einige vergriffene Ausgaben von
reits nach wenigen Stunden an feh- der ehemaligen Schutzbündler sogar Militär & Geschichte Extra
lenden Kommunikationsmitteln.Völ- noch bis in die Konzentrationslager
interessante und praktische
lig auf sich allein gestellt, mussten des NS-Staates führen sollten. Dieses
sich die einzelnen Kampfgruppen un- Ende ist zugleich auch ein Hinweis
Funktionen: immer und
ter dem Druck der Exekutive sehr bald darauf, dass die Ängste, die Männer überall, online oder offline
in die großen Wohnhöfe der Arbeiter- wie Bernaschek zu den Waffen grei- lesen, Lesezeichen setzen,
viertel, nach Meidling, Ottakring oder fen ließen, nicht unbegründet waren. im Archiv suchen
Floridsdorf, zurückziehen. Um Verlus- Ihre Landsleute wählten jedoch letzt-
te bei einer Erstürmung dieser Wohn- lich einen anderen Weg.
burgen zu vermeiden, gestattete Doll-
fuß den Einsatz von Heeresartillerie. Christian Kättlitz hält den inneren
Auch sechs bereits im Januar vorberei- Zerfall des Republikanischen Schutz-
tete „Panzerzüge“ (jeweils eine Loko- bundes sowohl für ein Lehrstück
motive und zwei mit MG besetzte in Sachen Massenmanipulation als
Güterwagen) beteiligten sich an den auch über die Haltbarkeit politischer
Überzeugungen in Krisenzeiten.
Kämpfen, indem sie an den Wiener

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EXTRA-TIPP der Redaktion
Dieter Langewiesche
Der gewaltsame Lehrer
Dieses Werk analysiert nicht etwa den Verlauf von
Kriegen und Schlachten, sondern die vielfache Ge-
SERVICE

staltungskraft, die Kriegen innewohnt und die von


ihnen ausgeht. Der Autor durchmisst dafür Europa
MAGAZIN vom 18. bis zum 20. Jahrhundert und beantwortet
die Frage, weshalb die Menschen immer wieder
Kriege geführt haben, um ihre – meist politischen –
Ziele zu erreichen. Das gelingt ihm ohne zu mora-
lisieren und zu belehren und vor allem mit einer
wohltuend nüchternen Sprache. Empfehlenswert!
512 Seiten, Verlag C. H. Beck, München 2019, 32 Euro

Jens Müller-Bauseneik
NEUE BÜCHER Stellv. Chefredakteur

Vincenz Oertle
Soldatenalltag:
Besatzungszeit in Paris, Russen am Atlantikwall
Vormarsch auf Witebsk Auf Seiten der deutschen Wehrmacht
(rechts), Kämpfe bei haben auch Hunderttausende Sowjet-
Statiskiai (unten) bürger gekämpft – nicht nur in den
Weiten des Ostens, sondern sogar am
Atlantikwall. Diesem unterschätzten
Kapitel des Zweiten Weltkriegs geht
der Schweizer Vincenz Oertle hier auf
den Grund, indem er schwerpunkt-
mäßig und mit vielen Dokumenten
und Fotos die Einsätze der 1. Batterie/
Ost-Artillerie-Abteilung 621 verfolgt.
381 S., Appenz. Volksfreund, ca. 35 Euro
Abb.: Mook wi Publishing (3)

Bertrand Michael Buchmann


Insel der Unseligen
Während die Dollfuß-Schuschnigg-
Diktatur in den 1930er-Jahren die
Einheit Österreichs beschwor, zerfiel
die Gesellschaft in verfeindete Lager,
und letztlich ließ sich nicht einmal
die Souveränität dieses vermeintlich
20. Infanterie-Division „besseren“ deutschen Staates
erhalten. Der Autor beleuchtet jene
Vor drei Jahren hatten wir an dieser Stelle (M&G 4/2016) dramatischen Entwicklungen und
eine in den Niederlanden entstandene Fotodokumenta- legt dabei die Mechanismen einer
tion der 20. Infanterie-Division (mot) vorgestellt, die den autoritären Staatsführung offen.
Werdegang dieses Verbandes von 1936 bis zum Westfeld- 256 Seiten, Molden Verlag, 2019, 26 Euro
zug 1940 abbildete. Nun hat der Autor wie angekündigt
den zweiten Teil vorgelegt, der den Zeitraum 1940 bis Alexander Losert
1941 abdeckt, genauer die ersten Besatzungsmonate in
Frankreich und den Aufmarsch für den Russlandfeldzug, Stalingrad
gefolgt vom Beginn des „Unternehmens Barbarossa“ bis Zwischen Anfang Oktober 1941 und
zu den Kämpfen um Witebsk im Juli 1941. dem 31. Dezember 1942 schickte der
Leider muss der Leser wiederum auf einen zumindest später kriegsvermisste Funker Rudolf
Roger de Rijke: kurzen Einführungstext verzichten, der die Ereignisse je- Theiß Feldpostbriefe an seine Familie,
20. Infanterie- ner Monate nachzeichnen und in einen übergeordneten die letzten stammen aus dem Kessel
Division in Fotos, Kontext stellen würde. Der Band konzentriert sich allein von Stalingrad. Anhand dieser
Band 2, 549 Seiten, auf die vielen Hundert Fotos – aber die haben es in sich! Quellen rekonstruiert der Autor das
Mook wi Publishing Wieder kann man als Leser unmittelbar in die Welt der Schicksal dieses Landsers, das
(Hg.), 2019, Soldaten eintauchen, zusehen, wie sie Frankreich genie- stellvertretend für Hunderttausende
zirka 76 Euro ßen, den Kasernenalltag ertragen und kämpfend in der Opfer stehen soll – für all jene, die an
Sowjetunion vorstoßen. Den Höhepunkt bilden zweifel- der Wolga kämpften und starben.
los die Fronteindrücke vom Sommer 1941. JMB 132 Seiten, Helios, 2019, 19,80 Euro

78
MUSEUM AKTUELL

Schutz und Hilfe


Als Österreich 1955 seine volle Souveränität erreichte,
konnte es endlich eine eigene Armee aufbauen. Sie sollte
der Landesverteidigung dienen, verfassungsmäßige
Einrichtungen schützen, Ordnung und Sicherheit im
Inneren aufrechterhalten, bei Katastrophen Hilfe leisten
und (ab 1965) sogar an Einsätzen im Ausland teilnehmen.
Wie sich das Österreichische Bundesheer dann im Laufe
der Jahrzehnte bis 1991 entwickelte und in welchen
Krisenfällen es zum Einsatz kam, ist seit 3. März Thema
einer Sonderausstellung des Heeresgeschichtlichen
Museums in Wien. Untergliedert ist sie in zwei große
Bereiche, die sich zum einen den Einsatzszenarien wid-
men (mit Schwerpunkt auf dem Raumverteidigungs-
konzept) und zum anderen die persönlichen Zugänge zum
Bundesheer aufzeigen, beispielsweise Ausbildung,
militärischer Alltag, Bewaffnung, Uniformierung, Standort-
entwicklung usw. Einige Waffenexponate im Außen-
bereich verdeutlichen zudem, dass die Erstausstattung von
Die Engländer konnten dank ihrer massenhaft eingesetzten den einstigen alliierten Besatzungsmächten stammte.
Langbögen viele Schlachten gewinnen, so auch 1346 bei Crecy
Heeresgeschichtliches Museum
Arsenal 1, 1030 Wien
DAS MILITÄRHISTORISCHE STICHWORT www.hgm.at

Langbogen
Bevor im späten Mittelalter die ersten Feuerwafen aukamen,
war der Langbogen die gebräuchlichste Distanzwafe der Fuß-
soldaten. Seinen Namen erhielt er ganz zu Recht: Bögen dieser
Art erreichten eine Höhe von 1,80 Meter, manche waren gar
zwei Meter hoch und überragten damit deutlich ihre Schützen.
Hergestellt wurden sie zumeist aus dem Stammholz der Eibe,
die Sehnen bestanden aus Lein oder Brennesselfasern. Bei
entsprechender Spannung konnten die Bögen eine Zugkraft
Abb.: HGM Wien (3), Sammlung Militär & Geschichte

von 35 Kilogramm, teilweise sogar über 50 Kilogramm entfalten.


Wissenschaftler haben diese Werte anhand von Skelettver-
letzungen und einigen Jahrhunderte alten Bauhölzern nachge-
wiesen, in denen noch eiserne Pfeilspitzen steckten, die dort
mit Geschwindigkeiten von rund 150 km/h eingedrungen wa-
ren. Ketten- und Plattenrüstungen sowie zwei Zentimeter dicke
Eichenbretter ließen sich damit im Regelfall durchschlagen.
Ein Langbogenschütze konnte bis zu zehn Pfeile pro Minute
abschießen, die Reichweite betrug rund 200 Meter. Obwohl
die Langbögen wirksamer waren als die frühen Arkebusen,
wurden sie rasch von diesen verdrängt, weil die Ausbildung
daran viel schneller ging als bei einem traditionellen Bogen.

ab 03. März 2019

»Schutz & Hilfe«


Das Österreichische Bundesheer 1955 –
1991
Korrekturen zu Ausgabe 3/2019
Das Foto auf Seite 61 zeigt eine Versammlung auf dem Danziger www.hgm.at

Langen Markt, nicht auf dem Heumarkt.


Die Herstellerfirma der Patrone „7,92 mm Kurz“ (Seite 49) hieß Zur Schau gestellte
Polte, nicht Poelte. Der Firmensitz war in Magdeburg. Waffen veranschau-
lichen neben vielen
Statt „Fester Platz Kowno“ (Seite 17) muss es „Kowel“ heißen.
anderen Exponaten
Einen herzlichen Dank an alle Leser, die uns auf diese Fehler die Geschichte
aufmerksam gemacht haben. des Bundesheeres

Militär & Geschichte 79


EINST & JETZT

80
Der Grenzübergang heute: Wo vor 76 Jahren Schweizer
Soldaten noch ein bewafnetes Grenzregime führten
(links), wird heute kaum noch kontrolliert. Das weiße
Gebäude rechts blieb bis auf den Vorbau unverändert

SCHAANWALD, LIECHTENSTEIN

Das Licht
in den Alpen
Unzählige Menschen machten sich
1945 auf, die letzten vermeintlich
sicheren Häfen Europas zu
erreichen – darunter Liechtenstein
Anfang Mai 1945 ging der Krieg in Europa zu
Ende. Für das neutrale Liechtenstein hingegen
schien er gerade erst zu beginnen.
So machten sich Tausende von Kriegslücht-
Abb.: Baron Eduard von Falz-Fein/Amt für Kultur/Liechtensteinisches Landesarchiv, JMB

lingen aus dem zerfallenden Deutschen Reich


auf, das sichere Fürstentum zu erreichen. Ihr
Ziel war der Grenzübergang in Schaanwald, der
links im Bild zu sehen ist. Bewacht wurde
er von Schweizer Beamten, die insgesamt gut
10.000 Menschen nach Liechtenstein hinein-
ließen – darunter befanden sich allerdings nur
42 Deutsche. Während deutsche Staatsbürger
für die Dauer der letzten Kriegstage in der
Schweiz Zulucht fanden, strandeten in Liech-
tenstein vor allem Franzosen (über 3.000),
Russen (1.200) und weitere Flüchtlinge aus
den unterschiedlichsten Ländern. In der Regel
waren es ehemalige Kriegsgefangene und
Zwangsarbeiter. Aufregung gab es am letzten
Tag der Flüchtlingswelle, dem 3. Mai 1945,
als plötzlich 500 bewafnete Russen in Wehr-
machtuniform um Asyl baten – sie hatten auf
Seiten Deutschlands gekämpft und fürchteten
Stalins Rache. Liechtenstein internierte die
Soldaten, die teils bis 1947 im Land blieben. SK

Militär & Geschichte 81


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Verdun: Kampf um Fort Douaumont IMPRESSUM


Nr. 105 | 04/2019 | Juni–Juli 2019 | 17. Jahrgang
Militär & Geschichte, Tel. +49 89 130699-720
Bei den Kämpfen um Verdun konnten die Deutschen Ende Februar 1916 Fort Douaumont Infanteriestraße 11a, 80797 München
einnehmen – wo sie dann monatelang unter stärkstem Beschuss ausharren mussten Herausgeber Dr. Guntram Schulze-Wegener
Redaktion Markus Wunderlich (Chefredakteur Luftfahrt,
Geschichte, Schiffahrt und Modellbau),
Jens Müller-Bauseneik M. A. (Stellv. Chefredakteur)
Wissenschaftlicher Beirat Prof. Dr. Jürgen Angelow,
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Produktion/Chef vom Dienst Christian Ullrich
Layout Ralf Puschmann
Schlussredaktion Helga Peterz
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Verlag Geramond Verlag GmbH
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Die 8,8-cm-Flak war das beste Geschütz des Bei der Kavallerie herrschte eine große Zeitschriftenhandel: MZV, Unterschleißheim
Zweiten Weltkriegs. Was konnte man damit Vielfalt. Wir zeigen, wie sich die Truppen- Vertriebsleitung Dr. Regine Hahn
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