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Lungiarü

im Naturpark Puez-Geisler | Dolomiten


FSC zertifiziert
Dieses Papier stammt aus verantwortungsvollen Quellen.
www.fsc.org

Die Initiative „Bergsteigerdörfer” ist ein Projekt des Österreichischen Alpenvereins, des Deutschen
Alpenvereins, des Alpenverein Südtirol, des Slowenischen Alpenvereins (Planinska Zveza Slovenije)
und des Club Alpino Italiano.
Inhalt

Bergsteigerdörfer und Alpenkonvention 04


Vorworte06
Lungiarü – tl Parch Natural Pöz Odles | Dolomites  08
Geschichtliches10
Besonderheiten15
Das Ladinische 22
Tourentipps Sommer 26
Tourentipps Klettern 37
Freiheit mit Rücksicht 39
Tourentipps Winter 40
Alternativen für weniger gutes Wetter 46
Anreise48
Karten & Führer 48
Partnerbetriebe49
Alm- und Schutzhütten 52
Wichtige Adressen 53
Impressum, Literatur, Bildnachweis 54
Bergrettung San Martin de Tor 55

Druck gefördert durch die Gemeinde St. Martin in Thurn

2. aktualisierte Auflage 2020


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Bergsteigerdörfer. Mosaiksteine
einer gelebten Alpenkonvention
!

Legend Augsburg
!
Linz
!
!
Wien
National border
München
GERMANY
!
Perimeter Alpine Convention
Freiburg
!
! City
River Kempten
!
Salzburg
!
Lake Basel
! Bregenz Leoben
Glaciated area (> 3000 m) ! !
Zürich
!
Innsbruck
S WI TZ E R LAN D Vaduz
!
AUST RIA !
Graz
Luzern !

Bern !
!
LIECHTENSTEIN
Thun
!
Villach Klagenfurt Maribor
! !
!
Lausanne
! Bolzano Jesenice
! !

Kranj
Genève !
!
Ljubljana
Trento !
! Nova Gorica
Annecy ! Zagreb

!
Lyon
!
SLOVENIA !

Bérgamo Trieste
Chambéry ! !
!
Bréscia
Milano
Novara Pádova ! Venézia
!
! Verona Rijeka
! ! ! !
Grenoble
!

Torino
!

Parma
ITALY !

FRANCE
Bologna
!
Génova
!

La Spézia
!

Nice Firenze
!
!

MONACO
Marseille

O
Scale: 1 : 3,300,000
!

0 25 50 100 150 200


km

Anwendungsbereich der Alpenkonvention; Quelle: 2. Alpenzustandsbericht der Alpen­konvention –


Wasser, 2008; Autor: Umweltbundesamt Austria.

Die Alpenkonvention – ein völkerrechtlicher Es gilt, die Protokolle der Alpenkonvention


Vertrag der acht Alpenstaaten und der Euro- wo auch immer möglich anzuwenden, nicht
päischen Gemeinschaft; eine Vereinbarung nur im Rahmen von Genehmigungsverfah-
mit höchsten Zielsetzungen für die nach- ren, sondern insbesondere im Hinblick auf
haltige Entwicklung im alpinen Raum, ein innovative Ideen für eine nachhaltige wirt-
Meilenstein in der Geschichte des Umwelt- schaftliche Entwicklung auf lokaler Ebene.
schutzes ... möchte man meinen. Ganz so ist Der Österreichische Alpenverein war maß-
es aber leider nicht. geblich am Zustandekommen der Alpen-
Seit den 1950er Jahren, in denen die Idee konvention mit ihren Protokollen beteiligt.
zur Alpenkonvention erstmals in den Grün- Seit jeher versucht er, die Alpenkonvention
dungsdokumenten der internationalen für die breite Öffentlichkeit fassbar zu ma-
Alpenschutzkommission CIPRA aufscheint, chen, sie von dem – zugegebenermaßen
bis zum Inkrafttreten 1995 und bis zum Be- zum Teil sehr komplizierten Juristenlatein
ginn der Umsetzung 2002 war und ist es ein – loszulösen und in ganz konkreten Pro-
langer Weg. Aber gerade jetzt, wo die sozia- jekten mit der Bevölkerung umzusetzen.
len Probleme der Welt jeden Umweltschutz- Eines dieser Beispiele ist die Initiative „Berg-
gedanken mehr denn je in den Hintergrund steigerdörfer”. Im mittlerweile internationa-
drängen, gewinnt die Alpenkonvention als len Projekt legen die Alpenvereine bereits
Entwicklungsinstrument neue Bedeutung. bei der Auswahl der Bergsteigerdörfer in
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Österreich, Deutschland, Italien und Slowenien dem Programm. Auch abseits des Bergsports
besonderes Augenmerk auf die Geschichte ist einiges geboten: Mit geführten geologi-
der Gemeinden, auf ihre Entscheidungen in schen oder ornithologischen Wanderungen,
der Vergangenheit und ganz besonders auf Besuchen von Bergwerksstollen, Museen
ihre zukünftigen Entwicklungsziele. und alten Werkstätten gibt es eine Vielzahl
Denn nicht jedes Bergsteigerdorf aus den von Möglichkeiten. Oft reichen aber auch
Anfangsjahren des Alpintourismus ist bis schon ein warmes, trockenes Plätzchen am
heute ein solches geblieben. Viele Gemein- Ofen, eine Tasse Tee und ein gutes Buch, zum
den haben sich ganz dem Wintertourismus Beispiel über die Alpingeschichte der Region,
verschrieben, haben die Berghänge planiert, um einen verregneten Nachmittag zu genie-
entwässert, Speicherseen gegraben, ge- ßen.
sprengt, Seilbahnen errichtet, Hotelburgen Kurzum, die Bergsteigerdörfer sollen eine
gebaut – „alles für den Gast". Für die ortsan- Gästeschicht ansprechen, die sich Urlaubs-
sässige Bevölkerung resultiert daraus die orte aussucht, in denen es noch einiger-
Abhängigkeit von einem sich immer schnel- maßen „normal” zugeht. Gäste, die einen
ler drehenden Erschließungs-Kapital-Krei- Aktivurlaub in der Natur erleben wollen, die
sels, dessen Höhepunkt noch nicht erreicht Eigenverantwortung und Umweltbewusst-
scheint. sein mitbringen oder zumindest sehr offen
Mit den Bergsteigerdörfern nehmen sich dafür sind. Und mit dem Besuch in einem
die projekttragenden Alpenvereine mit den der Bergsteigerdörfer entsteht eine echte
Sektionen und dem Ständigen Sekretariat Symbiose: Denn während der Gast endlich
der Alpenkonvention sowie mit Hilfe ande- den Alltag hinter sich lassen kann, werden
rer Partner aus öffentlicher Verwaltung und in den Gemeinden Arbeitsplätze gehalten,
Tourismus jenen Gemeinden an, die sich können kleine Gastronomiebetriebe ihr Aus-
bewusst für eine nachhaltige, eigenständige kommen finden, werden Nächtigungen auf
und selbstbewusste Entwicklung entschie- Schutzhütten gebucht, findet das regionale,
den haben. kulinarische Angebot seine Abnehmer – und
Merkmale aller Bergsteigerdörfer sind ihre genau DAS entspricht einer gelebten Umset-
Kleinheit und Ruhe, ihre Lage im Alpenraum zung der „Alpenkonvention” – die Balance
mit einer entsprechenden Reliefenergie, ihr zwischen Schutz der Gebirgsregionen und
harmonisches Ortsbild, ihre alpine Geschich- einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung.
te, ihre gelebten Traditionen und ihre starke Oberstes Ziel ist es, die Wertschöpfung in der
Alpinkompetenz. Zusammen mit den Sek- Region zu halten und nicht an regionsfremde
tionen des Alpenvereins wird an einer um- Investoren abzugeben.
fangreichen Angebotspalette an Aktivitäten, Die Zeit wird zeigen, ob sich Geduld und
die ohne technische Hilfsmittel auskommen, Fleiß auszahlen, aber wir – das internationale
gearbeitet. Je nach Charakter des Bergstei- Projektteam Bergsteigerdörfer – sind davon
gerdorfes kann sich der Gast in einer wei- überzeugt: Die Bergsteigerdörfer können eine
testgehend unverbrauchten Landschaft ak- echte Vorreiterrolle für die Umsetzung der
tiv erholen: Wandern, Bergsteigen, Klettern, Alpenkonvention im Alpenraum einnehmen.
Bouldern, Skitourengehen, Schneeschuh-
wandern, Langlaufen und Rodeln stehen auf
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Bёgngnüs a Lungiarü!

Als AVS-Ortsstellenleiter bin ich sehr stolz Es freut mich sehr, dass unser Dorf Lungiarü
auf die Aufnahme von Lungiarü in den Kreis das erste Bergsteigerdorf in den Dolomiten
der Bergsteigerdörfer. Unser kleines Dorf ist ist. Das Netzwerk der Bergsteigerdörfer setzt
dieser Auszeichnung zweifelsohne würdig! sich für einen nachhaltigen und umweltver-
Lungiarü ist authentisch und steht mit sei- träglichen Alpentourismus ein. Die Aufnah-
nem natürlichen Umfeld im Einklang – ein me von Lungiarü bedeutet eine große Auf-
sehenswerter Ort für jeden, der nach unbe- wertung für die ganze Dorfgemeinschaft: Wir
rührter Natur sucht. sehen es als Zeichen der Wertschätzung für
In den Dolomiten, die zu den einzigartigen die bisher geleistete Pflege des Dorfes und
Gebirgsgruppen der Ostalpen zählen, ist es der Landschaft und können nun mit Stolz die
heute keine Selbstverständlichkeit mehr, ein Früchte dieser Arbeit ernten.
Landschaftsbild vorzufinden, das frei von Seil- Lungiarü ist nicht nur in einer wunderbaren
bahnen oder anderen Großbauten ist. Natur- und Kulturlandschaft eingebettet,
Giovanni Costa und Christoph Alfreider hatten sondern auch ein bäuerlich geprägtes Dorf
die Idee, Lungiarü als Bergsteigerdorf vorzu- mit vielen Besonderheiten wie den traditio-
schlagen. Einige Mitglieder der AVS-Ortsstelle, nellen Viles oder dem Val di Morins/Mühlen-
Mitarbeiter des örtlichen Tourismusvereins tal. Das Dorf, das sich am Eingang zum Natur-
und engagierte Einheimische bilden zusam- park Puez-Geisler befindet, ist umgeben von
men eine lokale Arbeitsgruppe. Wir kümmern Wiesen, Almflächen und Wäldern.
uns zusammen mit der AVS-Projektkoordina-
tion um die Umsetzung der Initiative vor Ort. Wir freuen uns, Sie im Bergsteigerdorf Lun-
giarü willkommen zu heißen und wünschen
Besuchen Sie Lungiarü mit seinen einzigar- Ihnen Erholung, Entschleunigung und blei-
tigen Bergen, Wiesen, Wanderwegen und bende Eindrücke.
Klettersteigen. Gönnen Sie sich etwas und be-
freien Sie sich vom Stress und der Hektik des Giorgio Costabiei
Alltages! Bürgermeister
Gemeinde St. Martin in Thurn
Elmar Dapoz
Ortsstellenleiter
AVS-Ortsstelle St. Martin in Thurn
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Paisc dl alpinist tles Dolomites

Die alpine Landschaft und unsere gewach- Es ist für uns eine besondere Freude Lungiarü
sene Kultur, die von den Menschen gelebt als das erste Dorf in den Dolomiten und im
wird, sind unser Kapital. Diese Einzigartigkeit ladinischen Sprachraum in den erlesenen
der Alpen ist schwer nachzuahmen. Der Al- Kreis der Bergsteigerdörfer aufnehmen zu
penverein Südtirol zählt zu den Tourismus­ können. „Lungiarü, ein bäuerlich geprägtes
pionieren, weil er es seit seiner Gründung Bergdorf mit einer hochwertigen alpinen
den Mitgliedern aber auch unseren Gästen Natur- und Kulturlandschaft und mit einem
ermöglicht, „Berge zu erleben“. hervorragenden stimmigen Gesamtein-
Mit der Umsetzung der Initiative Bergsteiger- druck“, so die Begründung der Alpenvereine
dörfer trägt der AVS die Idee des Österreichi- zur Wahl. Die ladinische Sprache, Kultur und
schen Alpenvereins zur Regionalentwicklung Tradition sowie Besonderheiten wie die tra-
und einem nachhaltigen Tourismus in den ditionellen Viles und auch La Val di Morins
Alpen über die Grenzen nach Süden. Es freut zeichnen den Ort zusätzlich aus. Lungiarü ist
mich, dass das Projekt in Südtirol mit dem Bei- ideal für all jene, die Entschleunigung suchen
tritt von Matsch 2017 erfolgreich Fuß gefasst und den sanften Tourismus bevorzugen. Her-
hat. Die Bergsteigerdörfer sind eine wertvolle ausragend für unser Südtirol gliedert sich ne-
Stärkung für den Tourismus in Südtirol. ben Matsch nun auch Lungiarü in den Kreis
Die Initiative Bergsteigerdörfer ist gelebte der für den Alpenraum authentisch und in-
Alpenkonvention und bietet Gemeinden, takt gebliebenen Orte ein.
Orten und Talschaften eine Chance, ihre Zu-
kunft selbstbewusst und nachhaltig zu ge- Ich wünsche der Bevölkerung von Lungiarü,
stalten und Bestehendes in Wert zu setzen. der Gemeindeverwaltung und dem Touris-
musverein viel Freude und Erfolg und eine
Al me fej plajëi che le Südtirol fejes n ater vare gedeihliche Weiterentwicklung dieses Pro-
devers de n svilup sostenibl cun l’adejiun de jektes.
Lungiarü ala rëi di paisc dl alpinist.
Georg Simeoni
Arno Kompatscher Präsident
Landeshauptmann von Südtirol Alpenverein Südtirol (AVS)
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Lungiarü
tl Parch Natural Pöz Odles | Dolomites

Geislergruppe und im Süden von der Puez-


gruppe umschlossen.
Umgeben vom Naturpark Puez-Geisler (Do-
lomiten UNESCO Welterbe) verfügt Lungiarü
nicht nur über atemberaubende Naturschät-
ze, sondern gewährt auch einen guten Ein-
blick in die ladinische Kultur.

GEMEINDE/FRAKTION
Drei Dörfer bzw. Fraktionen zählen zur Ge-
meinde San Martin de Tor/St. Martin in Thurn:
Lungiarü/Campill, Antermёia/Untermoj und
LAGE San Martin de Tor/St. Martin in Thurn. Das Ge-
Lungiarü (dt. Campill) liegt auf 1.400 Me- meindegebiet erstreckt sich über 76 km² und
tern im Val da Lungiarü/Campiller Tal, einem zählt über 1.700 Einwohner, etwa 600 davon
Seitental des Gadertales in den westlichen entfallen auf Lungiarü.
Südtiroler Dolomiten. Er verläuft von der Ort-
schaft San Martin de Tor/St. Martin in Thurn GEBIRGSGRUPPE
in südwestlicher Richtung bis hin zur Puez- Die Puez- und Peitlerkofelgruppe befinden
gruppe. Lungiarü wird im Nordwesten von sich in den westlichen Dolomiten.
der Peitlerkofelgruppe, im Westen von der
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WICHTIGE GIPFEL
Piza de Pöz/Östliche Puezspitze (2.913 m)
Piz Duleda (2.909 m)
Pütia/Peitlerkofel (2.875 m)
Picia Pütia/Kleiner Peitlerkofel (2.813 m)
Capuziner (2.736 m)
Col dala Soné (2.633 m)
Piza de Antersasc (2.471 m)
Crëp dales Dodesc/Zwölferkofel (2.384 m)

SCHUTZHÜTTEN
Puezhütte (2.475 m)
Schlüterhütte (2.297 m)

ALMEN
Antersasc (2.397 m)
Ütia Ciampcios (2.030 m)
Ütia Vaciara (2.110 m)
Ütia Medalges (2.293 m)
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Geschichtliches

Historisches Foto von Lungiarü um 1900

Besiedelung gelassen haben, zählen eine Bronzefibel in


In welcher Zeit und von wo die ersten Siedler Form eines Reiters, die noch zur Römerzeit
in diese Gegend gezogen sind, darüber gibt gegossen wurde, und ein Ohrring. Wie vie-
es heute nur Mutmaßungen. Frühere Gene- le Leute sich zur Römerzeit in dieser Region
rationen wussten zu erzählen, dass die ersten niedergelassen haben, ist schwer zu sagen.
Bewohner von Lungiarü die salvans und die Eine größere Anzahl wird wahrscheinlich erst
ganes gewesen sein sollen – damit befinden zur Zeit der Völkerwanderung vom Eisacktal
wir uns jedoch noch vollständig im Reich der über das Würz- und Kreuzjoch oder vom Pus-
Mythologie. tertal gekommen sein.
Archäologische Funde belegen, dass die Die letzte Einwanderungswelle erfolgte um
Besiedlung des Campiller Tales schon um das Jahr 1000. Zu dieser Zeit förderten die
ca. 7000 v. Chr. begonnen hat. In den Som- damaligen Grundherren die interne Koloni-
mermonaten wurden die Wiesen unter dem sierung der Täler, um den Bodenertrag und
Pütia/Peitlerkofel von Jägern und Sammlern die Bevölkerungszahl zu vermehren. Aus
aufgesucht. Hier kamen Reste von Stein- dieser Zeit existieren auch die ersten schriftli-
werkzeugen ans Tageslicht, deren Rohma- chen Dokumente mit Grenzbeschreibungen.
terial zum Teil aus den Lessinischen Bergen Im Jahr 1027 wird das Dorf Lungiarü zusam-
bei Verona und vom Monte Baldo stammt. men mit der orografisch linken Seite des un-
Zu den ersten Spuren von Menschen, die das teren Gadertales unter die Verwaltung des
Tal durchzogen oder sich in Lungiarü nieder- Bischofs von Brixen gestellt.
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Der Bischof von Brixen war nicht nur kirchli- dem Namen „Campil“ zurück, wohl auszu-
che Obrigkeit, sondern auch Grundbesitzer sprechen als „Ciampëil“, heute „Ciampëi“.
und Richter. Seine Güter im Campiller Tal Der Name „Lungiarü“ hingegen tritt erstmals
wurden vom Pfleger in Thurn bis zum Jahre in einer Urkunde des Jahres 1831 auf, was
1803 verwaltet. Aus dem Jahr 1580 ist eine aber nicht ausschließt, dass die Bevölkerung
Zeichnung erhalten, die das Ergebnis der diesen Namen schon vorher gebraucht hat.
ausgedehnten Rodungstätigkeit dieser Zeit Im Jahre 1349 ist erstmals auch die Rede von
zeigt: An den südexponierten Hängen rund einer Wirtsfrau: „Elspet“ (Elisabeth), die Wirtin
um das Dorf wurden Felder und Mähwie- Simons von Campill. Wie aus der Pfarrchronik
sen angelegt und von der höher gelegenen hervorgeht, stand das erste Gasthaus beim
Waldweide und den Almen abgetrennt. Flur- heutigen Hof „Ostì Vedl“ (Alter Wirt).
namen mit dem Basiswort runcé ( < lat. run- Infolge der Säkularisierung der Verwaltung
care = roden) wie Plan da Runch, Chi Runc, und Gerichtsbarkeit im 19. Jahrhundert
Runciadücia sind lebende Kulturzeugen, gingen die Güter des Bischofs von Brixen
die an diese Rodungstätigkeit erinnern. Ne- schließlich rechtlich auf den Staat über. Die
ben einer allgemeinen Bodenverbesserung Ortschaften San Martin de Tor mit Picolin,
strebte man mit der Abholzung der Wälder Lungiarü, Antermëia und Rina, die früher das
die Nutzung der am günstigsten gelege- Gericht Thurn an der Gader bildeten, wurden
nen Flächen an. Die urkundliche Nennung zu einer einzigen Gemeinde zusammenge-
von Hofnamen im 14. Jahrhundert wie z.B. legt. Im Jahre 1854 wurden Lungiarü und
Col de Tolp, Corona, Costa, Seres und Tlisöra Rina von San Martin de Tor abgetrennt, um
lässt auf eine stabile Besiedlung in dieser Zeit jeweils eine eigene Gemeinde zu bilden. Im
schließen. Im Volksmund wird Tolp, ein Hof Jahre 1930 wurde Lungiarü wieder zu San
oberhalb des Weilers Vi, als älteste Siedlung Martin de Tor/St. Martin in Thurn geschlagen
von Lungiarü angesehen. und Rina kam zur Gemeinde Mareo/Enne-
Die erste sichere Erwähnung des Dor- berg.
fes Lungiarü reicht auf das Jahr 1312 mit

Das Dorf Lungiarü/Campill mit der Kirche in einer Darstellung aus dem Jahre 1580. Die Zeichnung wurde unter
Matthäus Prack, Pfleger des Gerichtes Thurn an der Gader, angelegt.
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Kirche Katastrophen
Im Jahr 1371 wurde erstmals die Existenz ei- Neben den Kriegen, Seuchen und Dürren, die
nes Gotteshauses in Lungiarü erwähnt. Die viele Tote und schwere Notlagen verursach-
Kirche war dem hl. Jodok und der hl. Luzia ten, musste Lungiarü mehrere Unwetterka-
geweiht. Damals versprach der Pfarrer von tastrophen erdulden. Vor über 500 Jahren im
La Pli de Mareo/Enneberg jährlich acht Mes- Jahr 1490 wurde die erste Kirche und mit ihr
sen in der Kirche von Lungiarü zu lesen und sicherlich ein Teil der Dorfsiedlung durch ei-
andere Seelsorgearbeiten zu verrichten. Die- nen Murbruch zerstört. Ebenso vor 100 und
ser erste Bau wurde durch einen gewaltigen vor 45 Jahren, als Überschwemmungen und
Murbruch um das Jahr 1490 jedoch vollkom- Murbrüche große Schäden an Feldern und
men zerstört. Die Kirche wurde daraufhin an Gebäuden verursachten. Bei den Schnee-
sichererer Stelle weiter taleinwärts an ihrem katastrophen von 1916/17, 1951 und 1986
heutigen Standort im gotischen Stil erbaut. rissen große Lawinenabgänge Gebäude mit
Als diese zweite Kirche bald zu klein war, sich und bedrohten ganze Weiler. 1942 gin-
wurde laut Pfarrchronik in den Jahren zwi- gen bei der großen Feuerbrunst im Ortszen-
schen 1862–1864 der heutige Kirchenbau im trum ein Gasthof und mehrere Wohn- und
neuromanischen Stil errichtet. Wirtschaftsgebäude in Flammen auf und der
gesamte Dorfkern war in höchster Gefahr.

Das erste Gasthaus in Lungiarü wurde schon 1349 erwähnt.


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Hans Pescoller nach der Erstbesteigung der Nordwand am Capuziner 1971

Alpinismus – Gestern und heute die Besteigung der Peitler-Nordwand über


Der Pütia/Peitlerkofel (2.876 m) wurde schon die Hruschkaführe zusammen mit Heini Hol-
von Johann Santner 1884 als „Aussichts- zer im Jahr 1968 als „Erfüllung seines ehema-
punkt ersten Ranges“ bezeichnet. Wegen ligen größten Bergwunsches“. Hans Pescoller,
seiner Randlage gilt der weithin sichtbare Autor von Tourenführern und Bildbänden,
markante Gipfel als nordwestlicher Eckpfei- war 1963 Erstbesteiger der Nordostwand des
ler der Dolomiten. Kaum bekannt ist, dass Crëp dales Dodesc/Zwölferkofel (2.403 m) im
er sich zur Gänze im Fraktionsgebiet von III. Schwierigkeitsgrad und 1971 der Nord-
Lungiarü befindet und dessen Hausberg wand am Capuziner (2.710 m) zusammen mit
ist. Die meisten Kletterrouten befinden sich Hans Steger im V. Schwierigkeitsgrad. Dass
auf seiner Nordseite, wie die Messner-Route der Pütia/Peitlerkofel noch immer alpinis-
an der direkten Nordwand im VI. Schwierig- tisch interessant ist, zeigen die Erstbegehun-
keitsgrad, benannt nach den Erstbesteigern gen im Jahr 2015 an der Südwand „Traverso
Reinhold und Günther Messner im Jahr 1968 al Cielo“ von Simon Kehrer und Christoph
aus dem benachbarten Villnösstal. Auch an Hainz im Schwierigkeitsgrad 7b (obbl. 6c)
der Nordseite befindet sich die am meisten und die Route „Fornella Express“ am Peitler-
bestiegene Hruschka-Route im IV.–V. Schwie- kofelturm im VII. Schwierigkeitsgrad von Alex
rigkeitsgrad. Der in Lungiarü geborene Hans und Kurt Pfattner.
Pescoller beschrieb in seinem Tourenbuch
14

Die AVS-Ortsstelle San Martin de Martin de Tor/St. Martin in Thurn gegründet,


Tor/St. Martin in Thurn Ortsstellenleiter ist Elmar Dapoz aus Lungi-
Die erste Sektion im Gadertal wurde be- arü. Die Ortsstelle zählt derzeit 236 Mitglie-
reits im Jahre 1886 gegründet, damals im der, wobei ca. ein Drittel Lungiarü anzurech-
Deutsch-Österreichischen Alpenverein unter nen ist.
Jan Batista Alton aus Calfosch/Kolfuschg. Mit Am 1. Juni 2016 wurde ein weiterer Schritt
dem 1. Weltkrieg wurde das Vereinswesen gesetzt: Die AVS-Ortsstellen Mareo/Enne-
verboten. Diese Situation währte bis zum berg und La Val/Wengen schlossen sich mit
2. Weltkrieg, auch wenn in der Zwischen- den neu gegründeten Ortsstellen San Mar-
zeit das Bergsteigen ohne offizielle Vereins- tin de Tor/St. Martin in Thurn und der Orts-
struktur weiter betrieben wurde. Im Jahre stelle Fodom/Buchenstein zusammen und
1954 wurde der Alpenverein CAI Val Badia gründeten die neue AVS-Sektion Ladinia. Die
gegründet und bald darauf der AVS Mareo/ 130-jährige Geschichte des Alpenvereins im
Enneberg und AVS La Val/ Wengen, beide als Gadertal hat einen kontinuierlichen Aufbau
Ortsstellen der Sektion Bruneck. erfahren und aus den bescheidenen Anfän-
Die Alpenvereine des Gadertales, AVS und CAI gen ist die Interessensgemeinschaft zu einer
sind seit 2012 in einem Verein, der Lia da Munt großen Familie gewachsen. Mit den Orts-
Ladinia Val Badia, zusammengeschlossen. stellen zählt die Sektion Ladinia mittlerweile
Am 20. Mai 2016 wurde die Ortsstelle San 1.367 Mitglieder, Tendenz steigend.

Gruppenfoto Gründungsfeier Sektion Ladinia 2016


15

Besonderheiten

Die Viles finden sich überwiegend auf den klimatisch begünstigten Südhängen über dem Dorfkern im
Talboden. Im Bild der Weiler Seres.

Das ladinische Dorf Lungiarü zeichnet sich Viles – Jahrhundertealte Siedlungskultur


durch seine hochwertige Natur- und Kultur- Weitum bekannt sind vor allem die Viles, die
landschaft sowie durch seine Lage am Fuße zu den ältesten Siedlungen dieses Gebietes
der Dolomiten aus. gehören. Die Viles sind Gehöftegruppen bzw.
Weiler, die an den Hängen auf der Sonnensei-
Ladinische Sprache te errichtet wurden. Viele Hofnamen reichen
Das Gadertal – somit auch Lungiarü – ge- bis ins 13. und 14. Jahrhundert zurück. Sie ge-
hören zu den fünf dolomitenladinischen hören zu den wertvollsten Kulturzeugnissen
Tälern in Italien. Hier wird Ladinisch (ladin) des Campiller Tales und sind heute beliebte
gesprochen. Seit 1951 ist das Ladinische in Ausflugsziele: Lagoscel, Ví, Grones, Seres und
der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol als Miscí. Die Viles wurden in Rodungsinseln, wo
eigene Sprachgruppe anerkannt. Entstanden der Wald dem Getreide- und Ackeranbau
ist die Sprache, als die Römer die Regionen weichen musste, bis auf knapp 1.600 Metern
entlang des Alpenhauptkammes eroberten. Höhe erbaut. Das typische Bauernhaus be-
Die Urbevölkerung hat in den nachfolgen- steht aus einem gemauerten Untergeschoss
den Jahrhunderten das Volkslatein der römi- und einem vorkragenden Obergeschoss aus
schen Soldaten, Beamten und Händler in ih- Holz, wodurch es die eigentümliche „Pilz-
ren Wortschatz integriert. Die übernommene form“ erhält. Unmittelbar an das Wohnhaus
lateinische Sprache wandelte sich so allmäh- schließt meist das Wirtschaftsgebäude an.
lich zum Ladinischen. Das Ladinische gehört Mindestens drei Bauernhöfe sind dabei nicht
damit zur Familie der romanischen Sprachen. allein durch bauliche Nähe und gemeinsame
Einrichtungen wie Durchgänge und Innen-
höfe, sondern auch durch eine ökonomische
16

Beziehung zueinander verbunden, wie durch in so stattlicher Anzahl anzutreffen sind.


einen gemeinsamen Backofen und Brunnen Die am besten erhaltenen Mühlen befinden
und durch gemeinsame Nutzungsrechte. sich südlich des Dorfes am Seresbach, wo
Diese Siedlungsdenkmäler zeugen vom Zu- sich nach Westen hin ein kleines Tal öffnet.
sammengehörigkeitsgefühl und sparsamen Hier stehen bachaufwärts insgesamt acht
Umgang mit dem Boden als einst einziger perlenschnurartig aneinandergereihte Ge-
Lebensgrundlage. Eine besondere Note ver- treidemühlen. Nach einer Generalsanierung
leihen den kompakten Weilern die noch gut erfreuen sie sich eines sehr guten baulichen
erhaltenen sieben bis acht Meter hohen Tro- Zustandes und sind auch voll funktionstüch-
ckengestelle, die Favas – auch als Harpfen be- tig. Von den einst vorhandenen Venezianer-
kannt –, die für die Trocknung von Getreide sägen und Hammerschmieden hingegen
und Futterbohnen verwendet wurden. zeugen heute nur mehr spärliche Reste.
Infolge des starken Rückganges im Getreide-
Val di Morins/Mühlental anbau, der agrarischen Umstellung auf die
Von alters her musste sich die Bevölkerung Viehwirtschaft und nicht zuletzt auch wegen
dieses entlegenen Bergtales auf die eigenen der Ableitung der Bäche zur Stromgewin-
Ressourcen besinnen. Ein weiterer Ausdruck nung ist es in den letzten 20 bis 30 Jahren
für die einstige Selbstversorgung und wirt- aber auch um die Mühlen im Val di Morins/
schaftliche Unabhängigkeit in Lungiarü sind Mühlental recht still geworden.
vor allem die zahlreichen Wassermühlen.
Südtirolweit gibt es nur wenige Bergbachläu-
fe, an denen Haus- oder Bauernmühlen noch

Blick in das Mahlwerk einer Getreidemühle im Val di Morins/Mühlental


17

Auf den Dolomitenfelsen fühlen sich auch tierische Kletterspezialisten wohl: die Gämsen.

Cialciara Naturpark Puez-Geisler


Symbolhafte Objekte für die einstige Autar- Lungiarü liegt am Eingang zum Naturpark
kie sind auch die Kalkbrennöfen (lad. cialci- Puez-Geisler. Der Naturpark wurde im Jahre
ara). Ihre Verbreitung lässt sich in Lungiarü 1978 ausgewiesen und 1999 auf die heutige
auf etwa acht bis neun Stück schätzen. Beim Größe von 10.722 ha erweitert. Mehr als die
Besuch der Standorte fällt ins Auge, dass die Hälfte des Fraktionsgebietes von Lungiarü
Öfen immer abseits der Siedlungen – zu- liegt im Naturpark Puez-Geisler. Im Norden
meist im Walde, wo auch reichlich Holz zum wird das Parkgebiet vom Würzjoch, im Süden
Heizen vorhanden war – errichtet wurden. vom Grödner Joch, im Osten vom Gadertal
Darüber hinaus wurden vor allem jene Plätze und im Westen vom Villnösstal und Gröden
vorgezogen, wo das erforderliche Kalkgeröll begrenzt. Aufgrund seiner interessanten
in möglichst greifbarer Nähe und auch in Geologie wird dieses Schutzgebiet auch als
hinlänglicher Quantität anzutreffen war. Kalk „Geschichtsbuch der Erde“ bezeichnet: Sämt-
gebrannt wurde in Lungiarü besonders im liche für die Dolomiten typischen Gesteins-
Frühjahr vor dem Beginn der Feldarbeit und arten, Ablagerungsschichten und Verwitte-
auch im Herbst. Die Kalkbrennöfen wurden rungsformen finden sich hier. Aber auch die
nicht gewerblich betrieben, sondern ledig- Fauna und die Flora des Naturparks weisen
lich zur Deckung des Eigenbedarfes bei an- eine einzigartige Artenvielfalt auf. Seit 2009
fallenden Bautätigkeiten. ist der Naturpark Puez-Geisler Teil des Dolo-
miten UNESCO Welterbe.
18

Artenreiche Bergwiesen, Almen und Lär- wie Antersasc, Funtanacia, Medalghes, Poz
chenwälder oder Munt de Ví besteht die Möglichkeit, in
Rund um Lungiarü wechselt das Landschafts- authentische Almhütten ohne Massenabfer-
bild von der lieblichen Tallandschaft zum ty- tigung einzukehren und mit den bäuerlichen
pischen alpinen Hochgebirge ab. Am Fuße Wurzeln dieser Gegend in Berührung zu
der bekannten Dolomitenmassive Pütia/ kommen.
Peitlerkofel oder den Gipfeln der Puezgrup-
pe breiten sich artenreiche Bergmähder aus. Der Wald hat in Lungiarü immer vielfälti-
Ausgedehnte Waldbestände mit Latschen, ge Formen der Nutzung durch den Men-
Lärchen und Zirben runden das Bild ab. schen erfahren. Als eine Besonderheit der
Landschaft gilt jedoch der Lärchenwald mit
Die traditionellen Bewirtschaftungsformen seinen aufgelockerten Beständen. Eng ver-
haben es ermöglicht, ein wirkliches ökolo- zahnt mit der traditionellen landwirtschaft-
gisches und landschaftliches Gleichgewicht lich genutzten Umgebung im Bereich der
zwischen Mensch und Natur zu erhalten. Viles leistet der Lärchenwald eine wichtige
Die Almwirtschaft hat – wie in ganz Südti- Schutzfunktion. Die Geschichte der Bewoh-
rol – auch in Lungiarü eine lange Tradition ner von Lungiarü ist mit der Geschichte des
und zählt zu den ältesten Nutzungsformen Waldes untrennbar verknüpft. Vor allem in
im Alpenraum. Bei Wanderungen auf Almen der mittelalterlichen Landschaft spielte hier

Lärchenwald im goldenen Herbstkleid


19

der Wald eine wichtige Rolle: Jahr für Jahr Campiller Schichten
waren die Siedler bemüht, die Fläche des Lungiarü weist zwei geologische Besonder-
Kulturlandes um ein neues Stück zu erwei- heiten auf: die bei Picolin/Pikolein verlau-
tern. Es entstanden auf diese Weise kleine fende Grenzlinie zwischen dem Quarzphyllit
Rodungsinseln mit den ersten Bauernhöfen. und dem Dolomitgestein und die bekannten
In Lungiarü wurde so im Laufe der Jahrhun- Campiller Schichten (lad. func da Lungiarü).
derte durch den Einfluss des Menschen aus Letztere türmen sich im Campiller Tal mit ei-
einer Naturlandschaft eine Kulturlandschaft, ner Mächtigkeit von etwa 300 Metern auf. Es
die durch wechselnde Nutzung stetig ihr Ge- ist eine sandig-mergelig-kalkige Gesteinsart
sicht verändert hat. von rötlicher Tönung mit Fossilien wie Mu-
Erwähnenswert sind für Lungiarü auch die scheln und Gastropoden. In den Campiller-
beiden unter Landschaftsschutz gestellten Schichten eingelagert sind die Bellerophon-
Quellgebiete Les Cialdires und Lagac auf Schichten, die eine Mächtigkeit von bis zu
1.580 Metern. 100 Metern erreichen.

Im Naturpark Puez-Geisler finden sich alle für die Dolomiten typischen Gesteinsarten.
20

Trachten sind gelebtes Brauchtum.

Tradition und Brauchtum Landwirtschaft, Handwerk und Tourismus


Das Campiller Tal zählt zu jenen dolomitenla- In Lungiarü standen über Jahrhunderte fast
dinischen Tälern, die noch an Bräuchen und ausschließlich die traditionelle Land- und
Traditionen festhalten. Sie haben in der dörf- Almwirtschaft und das dörfliche Handwerk
lichen Gemeinschaft einen hohen Stellen- im Mittelpunkt des Erwerbslebens. Früher
wert. Die meisten Bräuche und Traditionen gingen viele Handwerker auf die „Stör“, die
folgen dem Jahreslauf und größtenteils dem Materialien und Werkstoffe wurden in hei-
kirchlichen Kalender. Wegen der Abgeschie- mischer Arbeit hergestellt. Importiert wur-
denheit des Tales und des geringen Touris- de fast nichts. Dadurch hat sich eine solide
tenstromes ist in Lungiarü das heimische Handwerkstradition entwickelt, die häufig
Brauchtum noch in einer sehr authentischen vom Vater auf den Sohn übergegangen ist.
Form erhalten geblieben. Auch heute noch gibt es in Lungiarü Betrie-
be, die in dieser Tradition stehen.

Erst im Laufe der letzten 30 bis 40 Jahren ist


der Tourismus in Lungiarü als wirtschaftlicher
Faktor dazugekommen. Das Unterkunftsan-
gebot weist kleine Strukturen in Form von
Familienbetrieben auf, die für ein besonders
herzliches Verhältnis zwischen Betreibern
und Gästen sorgen. Es ist gelungen, eine klei-
ne aber feine Sommer- bzw. Wintersaison auf
die Beine zu stellen.
21

Vergleicht man die Vergangenheit mit der


Gegenwart, hat das bäuerlich geprägte Lun-
giarü mit seiner typischen Kulturlandschaft
bis heute zwar sein Gesicht verändert, es
aber nicht verloren. Dies muss auch das Ziel
für die Zukunft sein: Auf eine gesunde und
nachhaltige Entwicklung hinzuarbeiten, da-
mit die Einheimischen auch weiterhin sagen
können: „Hier gefällt es mir, hier will ich auch
weiterhin bleiben“.

Viele Bräuche und Traditionen sind mit der Stube


verbunden, dem Mittelpunkt des familiären Lebens
auf den Höfen.

Bauern auf den Pra de Pütia/Peitlerwiesen


22

Das Ladinische
Sprache als Teil der Identität

Das Ladinische (lad. Ladin), auch Rätoroma- und südlichen Nachbarn allmählich zum La-
nisch genannt, ist in seiner Grundsubstanz dinischen um.
eine romanische Sprache, also mit dem Fran- Ursprünglich gab es ein geschlossenes ladi-
zösischen, Italienischen, Spanischen usw. nisches Sprachgebiet, das von der Donau im
verwandt. Entstanden ist die Sprache in jener Norden bis zum Gardasee im Süden und vom
Zeit, als die Römer die Regionen entlang des St.-Gotthard-Pass im Westen bis Triest im Os-
Alpenhauptkammes ihrem Reich einver- ten gereicht hat. In der Zeit der Völkerwan-

RAIUN DI LADINS DLES DOLOMITES


leibten. Die vorrömische Urbevölkerung hat derung erfolgten jedoch eine Einengung des
in den nachfolgenden Jahrhunderten das Sprachgürtels und eine Assimilierung von
Volkslatein der römischen Soldaten, Beam-Sprachgebiet
Teilen derder
ladinischsprachigen
Dolomitenladiner Bevölkerung.
ten und Händler in ihren Wortschatz integ- In der Folge kam es zu einer Unterbrechung
riert. zwischen den Dolomitenladinern mit jenen
Die übernommene lateinische Sprache form- in Graubünden und jenen im Friaul.
te sich unter den Einflüssen der nördlichen

RAIUN DI LADINS DLES DOLOMITES


Sprachgebiet der Dolomitenladiner
Karte des ladinischen Sprachgebietes in den Dolomiten
23

Die ca. 30.000 Dolomitenladiner verbindet


nicht nur ihre Sprache, sondern auch die ein-
zigartige Dolomitenlandschaft. Das Gebiet
umfasst rund um den Sellastock neben dem
Gadertal in Südtirol auch Gröden sowie das
Fassatal im Trentino, Buchenstein und Cortina
d’ Ampezzo in der Provinz Belluno (Venetien).
Galt das Ladinische früher noch als Dialekt, ist
es heute in Südtirol neben Deutsch und Itali-
enisch als dritte Landessprache anerkannt
und wird in den Schulen der ladinischen Ort-
schaften im Gadertal und im Grödner Tal als
Pflichtschulfach gelehrt. Damit geraten Spra-
che und Kultur nicht in Vergessenheit. Außer-
dem wird die Sprache durch verschiedene
Publikationen und regelmäßige Radio- und
Fernsehsendungen gefördert. Die ladinische Fahne ist Ausdruck von
Bewusstsein und Identität.

So klingt Gadertaler Ladinisch:

Bitte (als Antwort auf „Danke“) = Sprechen Sie Ladinisch/Deutsch? = Baiëise


nia da dí!; de nia! ladin/todësch?
Bitte! (als Bitte) = prëitambel! Ich möchte ein Einbettzimmer. = i oress na
Danke = dilan! ciamena da un n let
Es ist schönes Wetter. = al é bel tëmp Wohin gehen Sie heute? = Olá jëise pa
Es ist warm. = al é cialt incö?
Es regnet. = al plöi Bergschuhe = cialzá da munt
Es schneit. = al nëi Bergspitze = piza dl crëp
Es weht der Wind. = al vá da vënt Bergwanderung = jita sö por munt
Haben Sie gut geschlafen? = Ëise dormí Klettern = jí a crëp, jí a arpizé
bun? Kletterschuhe = cialzá da jí a crëp
Wie geht es? = co vára pa? Kletterseil = corda da arpizé
Gut/schlecht = bun/mal Kommst du zum Mittagessen? = vëgneste
Gute Nacht = bona nöt a marëna?
Guten Abend = bona sëra Schutzhütte = ütia da munt
Guten Nachmittag = bun domisdé! Sehen wir uns beim Abendessen?
Guten Tag = bun de = S’odun pro cëna?
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Das Ladinische
Kurze Grammatik: Die Zahlen:

ESTER (sein) 0 – zero 20 – vint


Präsens/Indikativ 1 – un 30 – trënta
2 – dui 40 – caranta
Iö sun – ich bin 3 – trëi 50 – cincanta
Tö es – du bist 4 – cater 60 – sesanta
Ël/ëra é – er/es/sie ist 5 – cinch 70 – setanta
Nos sun – wir sind 6 – sis 80 – otanta
Os sëis – ihr seid 7 – set 90 – nonanta
Ëi/ëres é – sie sind 8 – ot 100 – cënt
9 – nü 1000 – mile
10 – diesc
AVËI (haben)
Präsens/Indikativ

Iö á – ich habe
Tö as – du hast
Ël/ëra á – er/es/sie hat
Nos un – wir haben
Os ëis – ihr habt
Ëi/ëres á – sie haben

Im nachfolgenden Gedicht ruft der Roma- Oh, prosc Ladins,


nist und Heimatkundler Janbatista Alton d’osc bel lingaz tignide cunt!
(1845-1900) aus Calfosch/Kolfuschg seine Tignide cunt plü che i podëis dl tesur,
Landsleute auf, für die ladinische Sprache che é plü prezius de tröp co döt le lüch da
Sorge zu tragen, sie an die nachfolgen- Sompunt
den Generationen weiterzugeben und Co plü de chël che regnëia le mon:
wie einen wertvollen Schatz zu hüten. arjënt y or!

Der Aufruf ist heute aktueller denn je und Oh, brave Ladiner,
soll alle Ladiner zum Nachdenken über haltet eure schöne Sprache in Ehren!
den Wert ihrer Muttersprache anregen, Wahrt diesen Schatz so gut ihr könnt,
damit sie sich für deren Pflege und Erhal- der weitaus wertvoller ist als der ganze Hof
tung verwenden. Sompunt,
auch mehr als das, was die Welt beherrscht:
Silber und Gold!
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Ciastel de Tor/Schloss Thurn

Untrennbar verbunden mit der Geschich- Es handelt sich um eine Anlage, deren Ge-
te von Lungiarü ist auch das Ciastel de Tor/ schichte bis in das 12. Jahrhundert zurück-
Schloss Thurn. Da im Gericht „Thurn an der reicht. Romanische, gotische, barocke und
Gader“ der Bischof von Brixen Grundbesitzer neuzeitliche Bauelemente erzählen die
und Richter war, unterlag auch das Campiller Vergangenheit dieses Schlosses, das einst
Tal seiner Verwaltung. Die Güter und Besitz- Verwaltungsmittelpunkt des Gerichtes war.
tümer wurden vom bischöflichen Gerichts- Durch die Säkularisierung im Jahre 1803 kam
pfleger, der auf dem Ciastel de Tor/Schloss das Schloss in Privatbesitz zweier St. Martiner
Thurn saß, verwaltet. Bauernfamilien, deren Nachkommen es bis
zum Jahre 2000 noch bewohnt haben. Im
Das Schloss liegt auf einer kleinen An- Jahre 1997 wurde die gesamte Schlossanlage
höhe oberhalb des Dorfes San Martin de vom Land Südtirol käuflich erworben. Heute
Tor/St. Martin in Thurn und gilt als das ge- ist im Schloss das Museum Ladin, das Lan-
schichts- und symbolträchtigste Bauwerk desmuseum für die Kultur und Geschichte
des Gadertales. der ladinischen Volksgruppe, untergebracht.

Das Ciastel de Tor/Schloss Thurn beheimatet das Ladinische Landesmuseum in


San Martin de Tor/St. Martin in Thurn.
26

Tourentipps Sommer

Von gemütlich bis Adrenalin pur – Wande- Für die anspruchsvollen Touren ist immer die
rungen für alle Ansprüche Verwendung von Kartenmaterial empfoh-
len. Die Wanderungen und Bergtouren sind
Das naturbelassene Lungiarü ist ein wahres nach Ausgangspunkten gruppiert.
Kleinod für Erholungssuchende, Wanderer
und Bergsteiger. Eingebettet in die atembe-
raubende Kulisse der Dolomiten – seit 2009
UNESCO-Weltnaturerbe – finden sich hier
zahlreiche Tourenmöglichkeiten. Extrem,
gemütlich oder einfach nur zum Seele bau-
meln lassen. Rund um das Bergsteigerdorf
abseits von der Hektik des Alltages kommt
garantiert jeder Naturliebhaber auf seine
Kosten.

Die nachfolgenden Angaben zu Zeit- und


Höhenunterschied beziehen sich immer auf
die eigentliche Tour, nicht auf die Varianten
und sind als Richtwert zu verstehen. Artenvielfalt erleben auf den Bergwiesen von Lungiarü.
27

Panorama genießen am Dolomiten Höhenweg.

WEITWANDERUNGEN

Dolomiten Höhenweg Nr. 2 – Von Brixen in


Südtirol nach Feltre in Venetien

Eine spektakuläre Höhenwanderung mit un- Sella, Padon, Marmolada, Bocche, Pala, Fel-
vergesslichen Ausblicken! triner Alpen). Zwei Etappen verlaufen zum
Auch „Weg der Sagen und Legenden“ ge- Teil auf dem Gebiet von Lungiarü: Würzjoch–
nannt, bietet der Dolomiten Höhenweg Nr. 2 Schlütterhütte–Puezhütte. Ausgelegt ist der
neben abwechslungsreichem Wandern und Höhenweg erfahrungsgemäß auf etwa vier-
Klettern auch einige kulturelle Höhepunk- zehn Tage. Für Rast und Ruh sowie Speis und
te. Der Startpunkt liegt in der Bischofsstadt Trank ist mit 18 bewirtschafteten Hütten
Brixen, eine der ältesten Städte Tirols, das und zwei Biwaks ausreichend gesorgt. Wei-
Ziel ist der Fluss Piave mit der kleinen Stadt tere Informationen unter:
Feltre. Die Höhenwanderung verteilt sich auf www.dolomiten-hoehenweg.net
rund 185 Kilometer über drei Provinzen (Bo-
zen, Trient und Belluno) sowie zehn Gebirgs-
gruppen (Plose, Peitlerkofel, Geisler, Puez,
28

Val di Morins/Mühlental

RUNDWEGE

1. Roda dles Viles 2. Val di Morins/Mühlental


Bei der Roda dles Viles handelt es sich um Das Tal entlang des Seresbaches wird wegen
eine gemütliche Wanderung vom Dorfzen- der vielen Wasserkraftmaschinen auch Müh-
trum zu den charakteristischen ladinischen lental genannt. Die Mühlen wurden nur im
Viles. Entdecken wir die traditionellen Höfe Herbst über den notwendigen Zeitraum, um
dieser Gegend und ihre typische Bauweise das Korn zu mahlen, in Betrieb genommen.
mit Wirtschaftsgebäuden, Stadel, Backofen Am Rande des Naturparks Puez-Geisler und
und Mühle, tauchen wir ein in die jahrhun- am Fuße des Pütia/Peitlerkofels zählen das
dertealte Bergbauernkultur. Auf den Feldwe- Mühlental und die Weiler Seres und Miscí
gen zwischen den Viles können wir noch Na- zu den interessantesten ländlichen Sied-
tur erleben und einen herrlichen Rundblick lungsformen des Gadertales. Der Rundweg
auf die umliegende Bergwelt genießen. Die beginnt an der kleinen Brücke am Seresbach
Wanderwege verlaufen ohne große Steigun- bei der ersten Mühle. Der Rückweg führt ab-
gen, sodass dieser Ausflug für alle gut geeig- seits des Baches zum Weiler Seres und zum
net ist. Kalkofen.
Höhenunterschied: 684 m, Zeit: 4 h Höhenunterschied: 100 m, Zeit: 45 min
29

Open Air Museum

WANDERUNGEN

Ausgangspunkt Dorfzentrum

1. Lungiarü – Spizan – Lungiarü 1.835 m 2. Lungiarü – Göma 2.111 m


Hierbei handelt es sich um eine herrliche Bei dieser Tour fahren wir mit dem Linienbus
Rundwanderung über den Ostkamm von Richtung Nachbardorf Antermëia/Untermoj
Lungiarü. Vom Zentrum aus führt die Strecke bis zur Haltestelle „Plans da Mirí“. Dort geht
zunächst über die Hauptstraße talauswärts. man ein kurzes Stück gegen die Fahrtrich-
Von Ties geht es rechts über eine Forststraße tung zurück und trifft bald auf den Weg
Richtung Chi Jus, von dort aus weiter nach Nr. 35 (Forcela de Göma). Durch den Wald
Süden über Spizan (1.835 m). Die fantasti- steigen wir auf nach Göma, wo wir auf den
sche Aussicht auf das gesamte Campiller Peitlerkofel-Rundweg stoßen. Von dort geht
Tal sowie auf die Nachbargemeinden La Val/ es über wunderbare Bergwiesen abwärts bis
Wengen und Badia/Abtei genossen, gelangt zur Forststraße, die weiter Richtung Ví bis
man der Richtung Cëindles folgend bis nach Lungiarü führt.
Juvel. Von dort erfolgt die Rückkehr über die Diese Forststraße wird auch „Open Air Mu-
Rodelbahn bis nach Lungiarü. seum“ genannt, bietet sie doch neben einer
Höhenunterschied: 440 m, Zeit: 4-5 h gemächlichen Wanderung interessante Ein-
blicke in die heimische Kulturszene: Entlang
des Weges finden sich nämlich zahlreiche
aus Holz gefertigte Kunstwerke, Skulpturen
30

und Fassadengestaltungen eines heimi- 4. Val di Morins/Mühlental – Schlüterhütte


schen Künstlers. 2.297 m
Als Alternative führt der Rückweg von Göma Die Wanderroute führt vom Parkplatz Pares
zur Ütia Vaciara Hütte (den Weg 4A bis in das ausgehend durch das Val di Morins/Mühlen-
Val di Morins/Mühlental nehmen) wieder ins tal hinauf. Immer links haltend auf dem Weg
Dorf zurück. Nr. 4 folgen wir dem etwas steileren Steig bis
Höhenunterschied: 650 m, Zeit: 4 h zur Waldgrenze, von wo aus es dann flacher
wird. Über prächtige Bergwiesen und vorbei
an urigen Heuhütten gelangen wir auf eine
Ausgangspunkt Pares Scharte, und von dort führt ein kurzer Ab-
stieg auf der Villnösser Seite bis zur Schlüter-
3. Munt d’Adagn 2.293 m hütte. Der Abstieg kann auf dieselbe Weise
Eine durchaus empfehlenswerte Tour auch erfolgen, es empfiehlt sich jedoch der Ein-
für Familien mit Kindern! stieg auf den Dolomiten Höhenweg, hinauf
Vom Parkplatz Pares starten wir auf der auf die Juvac-Scharte mit einer atemberau-
Forststraße Nr. 5 taleinwärts. Nach ca. 1 km benden Aussicht auf die Puezspitzen. Der
nehmen wir die Abzweigung rechts und Rückweg verläuft über Medalges und die
wandern entlang des Forstweges durch den Forststraße Nr. 5 bis zum Ausgangspunkt.
kühlen Wald bis sich der Blick zu den ersten Höhenunterschied: 800 m, Zeit: 5-6 h
Almwiesen eröffnet. Von dort ist es nicht
mehr weit zur bewirtschafteten Ütia Ciamp- 5. Peitlerkofel Rundweg 2.357 m
cios Hütte. Das nächste Ziel ist die Medalges Vom Parkplatz Pares ausgehend steigen wir
Alm. Wer noch genügend Kraftreserven üb- durch das Val di Morins/Mühlental auf. Bei
rig hat, kann sich auch den Gipfel Piza de der zweiten Kreuzung folgen wir jedoch
Medalges (2.454 m) mit einer wunderschö- rechts dem Weg Nr. 4B bis zur Forcela de
nen Sicht auf das Villnösstal vornehmen. Der Pütia/Peitlerscharte. Von dort steigen wir
Rückweg erfolgt zunächst über den gleichen ab und folgen dem Weg Nr. 8A am Munt de
Weg bis zur Waldgrenze. Von dort aus folgen Fornella vorbei Richtung Ütia Göma Hütte,
wir der etwas flacheren Forststraße Nr. 5A bis von wo aus wir auf die Göma-Scharte stei-
zum Parkplatz. gen. Nun geht es etwas flacher weiter, zuerst
Höhenunterschied: 700 m, Zeit: 4 h bis zur Ütia Vaciara Hütte und anschließend
über die Pra de Pütia/Peitlerwiesen, die von
Frühjahr bis Sommer in vollster Pracht erblü-
hen. An der Kreuzung folgen wir wieder dem
Weg Nr. 4B bis ins Tal hinunter.
Höhenunterschied: 900 m, Zeit: 5-6 h

Typische Heuschupfen und Kochhütten unter dem


Pütia/Peitlerkofel
31

Der etwas versteckte Talkessel von Antersasc im Natura-2000-Gebiet

Ausgangspunkt Cialdires

6. Antersasc 2.085 m Umgeben von prächtigen Felswänden in


Vom Parkplatz Cialdires dem Weg Nr. 6 zu der auch unter dem Namen Zwischenkofel-
einer etwas breiteren Forststraße und einer alm bekannten Gegend von Antersasc spürt
Zaunbegrenzung folgen. Durch ein Tor ge- man unweigerlich die Magie und die Kraft
langt man auf einem etwas schmaleren Weg der Natur und erlebt ein noch weitgehend
bis zur Antersasc-Alm hinauf. Der mystische unerschlossenes Tal. Der Abstieg erfolgt auf
Ort Antersasc besticht nicht nur aufgrund die gleiche Weise wir der Aufstieg.
seiner zahlreichen Wandermöglichkeiten, ist Höhenunterschied: 500 m, Zeit: 2 h
er doch Ausgangspunkt für mehrere Gipfel
(siehe Bergtouren), sondern gerade auch
wegen seines idyllischen und romantischen
Flairs.
32

Sonnenuntergang genießen am Crëp dales Dodesc/Zwölferkofel.

BERGTOUREN

Ausgangspunkt Cialdires

1. Crëp dales Dodesc/Zwölferkofel 2.384 m 2. Piza de Pöz/Östliche Puezspitze 2.913 m


Der Crëp dales Dodesc/Zwölferkofel gilt als Zwar hat sich die Piza de Pöz/Östliche Pu-
einfache Bergtour und ist somit problemlos ezspitze vor allem im Winter als beliebte
auch für Kinder zu bewältigen. Der Gipfel Skitour einen Namen gemacht, sie ist aber
verspricht eine einmalige Aussicht über das durchaus auch im Sommer einen Aufstieg
Campiller Tal und ist auch bei Einheimischen wert. Vom Parkplatz Cialdires führt die Tour
ein echter Geheimtipp für einen wunder- zunächst zur Antersasc-Alm (siehe Wande-
schönen Sonnenuntergang. Ausgehend rungen). An der alleinstehenden Zirbe am
vom Parkplatz Cialdires führt die Tour auf Fels vorbei führt der Weg Nr. 9 links haltend
die Antersasc-Alm (siehe Wanderungen). Richtung Forcela de Pöz/Puezscharte. Von
Von dort steigt man bei der alleinstehenden dort geht es weiter zum Puezhochplateau
Zirbe am Fels, gut markiert, rechts hinauf und auf die nahe gelegene Puezhütte. Der
Richtung Gipfel. Der Abstieg erfolgt auf dem Weg Nr.14 führt am Col de Puez/Puezkofel
gleichen Weg. (2.725 m) vorbei bis zur Piza de Pöz/Östli-
Höhenunterschied: 800 m, Zeit: 2-3 h chen Puezspitze.
Für den Abstieg gibt es zwei Varianten: ent-
weder Rückweg laut Aufstieg oder die etwas
längere Alternative von der Hütte Richtung
Forcela Nives/Nives-Scharte aufsteigend
33

Das Puez-Plateu erinnert an eine Mond- oder Vulkanlandschaft, links der Col dala Soné.

und über die Forcela dla Roa/Roa-Scharte 4. Lungiarü – Puez – Grödnerjoch 2.528 m
absteigend zurück zum Ausgangspunkt. Als Stützpunkt für den Dolomiten Höhen-
Höhenunterschied: 1.400 m, Zeit: 5-6 h, weg zwischen den Massiven der Puezgrup-
Variante: 7-8 h pe bietet die Puezhütte jedem Wanderer
prächtige Natur- und Bergeindrücke. Der
3. Col dala Soné 2.633 m Aufstieg bis zur Hütte erfolgt auch in diesem
Vulkanartig mitten im Puezhochplateau allei- Fall laut der Tour zur Piza de Pöz/Östlichen
ne aufragend ist der Col dala Soné nicht nur Puezspitze. Bei der Hütte steigen wir auf
eine imposante Erscheinung, sondern auch den Höhenweg Nr. 2 ein und erreichen am
aus geologischer Sicht äußerst interessant. Crespeinasee vorbeiwandernd das Crespei­
Der Aufstieg erfolgt zunächst bis zur Puez- najoch. Bestärkt von der wunderschönen
hütte (siehe Tour Östliche Puezspitze). Von Aussicht auf das Sellamassiv geht es abwärts
dort Richtung Osten auf dem Weg Nr. 15 er- zu Jimmys Hütte und weiter zum Grödner
hebt sich alsbald der einsame Gipfel. Für den Joch. Die Heimfahrt nach Lungiarü erfolgt
Abstieg bietet sich dieselbe Route an. Alter- mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
nativ führt der Weg nach Norden zu einem Höhenunterschied: 940 m, Zeit: 5-6 h
weiteren Gipfel, dem Ciampanì (2.668 m) mit
toller Aussicht auf das Antersasc-Tal.
Von dort auf dem Weg Nr.1 hinab bis zur For-
cela de Pöz/Puezscharte.
Höhenunterschied: 1.000 m, Zeit: 4-5 h
34

Ausgangspunkt Pares Mehrtagestour: Lungiarü – Regensburger-


hütte – Glatschalm – Lungiarü
5. Forcela dla Roa/Roa-Scharte – Piz Dule- Diese Dreitagestour führt durch die beein-
da 2.909 m druckende Felsszenerie der Geislergruppe
Diese anspruchsvolle Tour erfordert die nö- und entlohnt jegliche Mühen mit unver-
tige Ausdauer und Kondition. Der Start er- gesslichen Impressionen.
folgt von Pares taleinwärts, die Forststraße
Nr. 5A entlang. Der Dolomiten Höhenweg Tag 1: Vom Ausgangspunkt Pares wandern
Nr. 2 führt dann bis zur Forcela dla Roa/Roa- wir auf dem Weg Nr. 5A, bis wir den Dolomi-
Scharte – und somit zur Grenze zum Grödner ten Höhenweg kreuzen. Nach wenigen Me-
Tal – und weiter Richtung Forcela Nives/Ni- tern zweigen wir rechts ab und steigen dem
ves-Scharte auf dem Weg Nr. 3A über einen Weg Nr. 13 folgend zur Forcela de Munt dal'
kleinen gesicherten Steig. Von der Scharte Ega /Wasserscharte (2.642 m) hinauf. Einge-
geht es links weiter auf den Piz Duleda. rahmt von zahlreichen Felstürmen wech-
Die Belohnung: eine grandiose Aussicht auf seln wir die Talseite und steigen über steile
die Villnösser Geisler, auf das Sellamassiv, Schotterfelder auf dem Weg Nr. 13 Richtung
auf die Marmolada und noch viele weitere Regensburger Hütte ab.
bekannte Bergformationen! Tag 2: Von der Regensburger Hütte kann
Der Rückweg kann entweder über dieselbe man den Klettersteig über den Ostanstieg
Route angetreten werden oder über Puez auf den mächtigen Sas Rigais (3.025 m) be-
und Antersasc. Höhenunterschied: 1.310 m, zwingen oder, alternativ dazu, über die et-
Zeit: 7-8 h was leichtere Südwestflanke.

Unwiderstehliche Farbkombination: Alpenrosenpracht und Piz Duleda


35

Pütia/Peitlerkofel: der Hausberg von Lungiarü

Vom Gipfel steigen wir zur Mittagsscharte 7. Günther-Messner-Steig 2.646 m


(2.597 m) ab und erreichen über anfangs Bei dieser wunderschön angelegten, aber
steil angelegte Kehren den Adolf-Munkel- anspruchsvollen Tagestour wechseln sich
Weg, der sich am Fuße der Geislergruppe unter anderem ungesicherte Steige mit seil-
von Ost nach West zieht. Wir folgen dem versicherten Passagen ab. Der Mühe Lohn ist
Fußweg bis zur Abzweigung linker Hand in die oftmals unterschätze Naturschönheit der
den Steig Nr. 36 zur Glatschalm (1.902 m). Aferer Geisler.
Tag 3: Von der Glatschalm folgen wir zu- Vom Ausgangspunkt Pares folgt man der
nächst dem Weg Nr. 36B, bis wir auf den Route durch das Mühlental auf dem Weg
Adolf- Munkel-Weg (Nr. 35) treffen. Von dort Nr.4B bis zur Forcela de Pütia/Peitlerscharte.
geht es weiter bis Tschantschenon. Über den Von dort erfolgt der Abstieg bis zur Abzwei-
schön angelegten Steig Nr. 33 genießen wir gung. Linkshaltend dem mit GM markier-
den Aufstieg hinauf zur Forcela de Furcia/ ten Pfad folgen, vorbei am tiefstgelegenen
Kreuzjoch (2.293 m), wo sich uns ein wun- Punkt, dem Russiskreuz. Nun geht es auf-
derschönes Panorama auf die Puezspitzen wärts bis zu einer weiteren Weggabelung
bietet. Über sanfte Bergwiesenhänge kehren (links Aufstieg möglich zum Tullen 2.653 m).
wir auf dem Weg Nr. 5 wieder nach Lungiarü Von dort einfach dem Aufstieg über man-
zurück. cherorts mit Drahtseil gesicherte Passagen
36

Seres liegt neben dem Val di Morins/Mühlental und ist Ausgangspunkt für viele Touren.

gerade weiter folgen. Der Weg verläuft teils lung zwischen dem Großen und dem Klei-
nord-, aber meist südseitig. Anschließend nen Peitlerkofel, während der Aufstieg zum
gelangt man über die südseitigen Almwie- Hauptgipfel über einen gut gesicherten
sen wieder zurück zur Forcela de Pütia/Peit- Klettersteig verläuft. Vom Gipfel aus genießt
lerscharte. Der Abstieg führt durch das Val di man ein einzigartiges Panorama: Im Norden
Morins/Mühlental. sieht man den Großglockner und den Groß-
Höhenunterschied: ca.1.700 m, Zeit: 8-9 h venediger, im Westen die Ötztaler Alpen, die
Ortler- und die Brentagruppe, im Süden und
Osten die restlichen Dolomiten. Wer sich
Ausgangspunkt Ví den Aufstieg zum Hauptgipfel nicht zutraut,
der kann problemlos zum Picia Pütia/Kleinen
8. Pütia/Peitlerkofel 2.875 m Peitlerkofel (2.813 m) hinüberwandern. Der
Der Pütia/Peitlerkofel markiert nicht nur Abstieg erfolgt wie der Aufstieg.
das nördliche Ende der Südtiroler Dolomi- Höhenunterschied: 1.300 m, Zeit: 5-6 h
ten, sondern gilt zweifelsohne als einer der
schönsten Aussichtsberge der Dolomiten
– seine Sonnenaufgänge sind fast schon le-
gendär.
Wir starten beim Ausgangspunkt Ví und
folgen der Forststraße Nr. 9, bis wir auf den
Peitlerkofel-Rundweg (Nr. 35) treffen. Die
Ütia Vaciara Hütte hinter uns gelassen, führt
der etwas flachere Weg über die Pra de Pü-
tia/Peitlerwiesen Richtung Scharte.
In vielen Kehren und nur mäßig steil bringt
uns der Weg Nr. 4B hinauf in die Einsatte-
37

Klettern

Sonnenuntergang mit Sicht auf Piz Duleda und die Cresta de Lungiarü

KLETTERN ↗ St. Martin in Thurn


San Martino in Badia

1. Sportklettern in Lungiarü CAMPILL


Nicht weit vom Ausgangspunkt Cialdires LUNGIARÜ

entfernt, befindet sich ein beliebter Kletter-


garten, der in drei Sektoren unterteilt wird. Misci-Seres
Der größte davon heißt „Il Tempio“ und
bietet Ausdauerrouten im mittleren und im
oberen Schwierigkeitsbereich. Die zwei klei-
neren Sektoren „Lacrime di Giada“ und „Me- Reitschule
tropolis“ sind mit ihren technischen Routen Maneggio
im mittleren Schwierigkeitsbereich anzusie-
deln. Detaillierte Informationen finden sich
im Führer „Sportklettern in Südtirol“.

2. Crëp dal Ora 2.361 m


Dieser Klettertipp zeichnet sich vor allem
durch seine besondere Lage aus. Auf den
Crëp dal Ora führt eine schöne Route im
V. Schwierigkeitsgrad. Der Gipfel wird rela-
tiv wenig bestiegen und liegt im Antersasc- Cialdires
Tal, eindrucksvoll und imposant mitten im
Il Tempio
Schutthang der schroffen Felswände des Metropolis

Puezmassivs.
Lacrime di Giada

Anfahrtsgrafik zum Klettergarten von Lungiarü


38

Pütia/Peitlerkofel: noch heute alpinistisch interessant. Im Bild Simon Kehrer bei der Erstbegehung „Traverso al Cielo“

3. Piza de Antersasc 2.471 m 4. Pütia/Peitlerkofel 2.875 m


Der etwas längere Zustieg zur Wand führt Die meisten Routen befinden sich auf der
von Pares taleinwärts links durch einen Lat- Nordseite des Pütia/Peitlerkofels. Die wohl
schenkieferwald und über den Schutthang bekannteste und somit auch die meistbe-
zum Einstieg hinauf. Die alpine Route im stiegene ist sicherlich die Hruschka-Route.
V. Schwierigkeitsbereich verläuft entlang Mit 16 Seillängen auf ausgezeichnetem Fels
des nach Norden gerichteten Gipfelgrades. verläuft die Route meist im IV.-V. Schwierig-
Der Abstieg erfolgt auf der Südseite durch keitsgrad, die Schlüsselstelle im VI+ Bereich
das Antersasc-Tal. kann aber auch A0 bezwungen werden.
Weitere bekannte Routen an der Nordwand
sind die „Messner-Route“, „Der Weg durch die
schwarzen Wassersteifen“ sowie die „Pinatu-
bo“. Auf der Südseite befindet sich die „Via
Traverso al Cielo“, am Peitlerkofelturm die
Route „Fornella Express“.
39

Freiheit mit Rücksicht


HINWEIS FÜR SKITOURENGEHER UND
SCHNEESCHUHWANDERER Beherzige bitte folgende Tipps:

Der Bergwinter – eine harte Zeit für Wildtiere 1 Verschneite Hänge oberhalb der Wald-
Die Wildtiere in den Alpen haben sich im Lau- grenze: Meide felsige und schneefreie
fe ihrer Evolution an die harten Lebensbe- Flächen! Hier halten sich die Wildtiere be-
dingungen im Winter angepasst. Ein dickes vorzugt auf.
Winterfell und die angefressene Fettschicht
isolieren das Tier gut, der Wärmeverlust ist 2 Der Waldrand ist im Winter ein beson-
minimal. Um möglichst viel Energie zu spa- ders wichtiges Rückzugsgebiet für Wild-
ren, bewegen sie sich in den Wintermonaten tiere. Denke an einen Trichter, wenn du
wenig. An besonders kalten und windigen dich von oben kommend der Waldgrenze
Wintertagen werden sogar der Pulsschlag näherst! Schränke deinen Bewegungsra-
und die Körpertemperatur heruntergefah- dius möglichst ein und durchquere die-
ren – selbst Hirsche, Gämsen und Steinböcke sen Bereich auf kürzestem Weg!
können so in eine Art Winterruhe fallen. Be-
sonders überlebenswichtig ist aber die Ruhe 3 Auch der Wald ist ein wichtiger Rück-
in ihren Rückzugsgebieten. Dies sind vor al- zugsraum, bewege dich deshalb nur auf
lem steile, sonnige Hänge an der Waldgrenze Skirouten, Forstwegen oder offenen
und windexponierte Rücken, an denen sich Schneisen! Dadurch wirst du für die Tiere
der Schnee nicht lange halten kann. berechenbar und es besteht für sie kein
Du hilfst den Wildtieren, den langen Berg- Grund zur Flucht.
winter zu überstehen, wenn du dich in ihren
Lebensräumen rücksichtsvoll bewegst.
I.R.
Fuchs
Aufstiegsroute
Abfahrt
Schneeschuhwanderung

1
neehuhn

Freiheit
mit Rücksicht
Raum für Mensch und Wild

AVS-Sensibilisierungskampagne „Freiheit mit Rücksicht“


40

Tourentipps Winter

Lungiarü bietet im Winter viele Skitourenmöglichkeiten.

Für Wintersportbegeisterte und stille Ge- Ausgangspunkt Muntcörta


nießer
Auch in der kalten Jahreszeit büßt Lungiarü 1. Piza de Antersasc 2.471 m
nichts von seinen Reizen ein. Im Gegenteil. Vom Parkplatz steigen wir über sanfte Wie-
Umrahmt von den bizarren Dolomitenfor- sen bis zur Forststraße hinauf. Nach einem
mationen gilt Lungiarü als Geheimtipp für kurzen Abstieg folgen wir rechts dem Som-
Skitourengeher und Naturliebhaber im All- merweg Nr. 6, der uns ins Antersasc-Tal hin-
gemeinen. aufführt. Oberhalb der Waldgrenze erreichen
wir alsbald die Antersasc-Alm, eine der we-
nigen noch unberührten Almen der Dolo-
SKITOUREN miten. Bei der alleinstehenden Zirbe führt
die Tour dann rechts über die Südhänge
Lungiarü weist eine beträchtliche Zahl an in- hinauf. Am Grad angekommen gibt es zwei
teressanten Skitouren auf. Speziell die Nord­ Möglichkeiten: entweder rechts hinauf zur
rinnen zwischen den unzähligen Felsnadeln Aussichtsplattform Crëp dales Dodesc (mit
in diversen Steilheiten und Schwierigkeiten Gipfelkreuz) oder links den Grad entlang bis
laden im Winter zu lohnenden Skitouren ein. zum Gipfel hinauf. Die Abfahrt erfolgt über
Hier ist sowohl für den Rinnen-Anfänger et- die Aufstiegsroute oder, bei guten Schnee-
was dabei als auch für den absoluten Profi. verhältnissen, über die Nordrinne.
Höhenunterschied: 1.000 m, Zeit: 4 h
41

Rinnenfestival in der Puezgruppe

2. Capuziner 2.738 m
Diese Tour erfordert sowohl Kondition als
auch Geschick, da sie an einigen steilen Stel-
len nur mit geschulterten Skiern zu meistern
ist. Aber gerade das macht die Skitour zu ei-
nem echten Erlebnis.
Der Aufstieg erfolgt im Grunde wie jener zur
Piza de Antersasc. Kurz vor dem Grat hält man
sich jedoch links und folgt über die anfangs
eher flacheren Südhänge der Richtung zum
Gipfel. Dabei müssen bei einigen schwieri-
gen Passagen Felsen umgangen werden.
Die Abfahrt erfolgt südlich, zunächst durch
ein paar schwierige Passagen (je nach
Schneelage) und dann weiter durch die Tal-
mulde zur Antersasc-Alm bzw. den Aufstiegs-
weg zurück.
Höhenunterschied: 1.300 m, Zeit: 4-5 h

Blick durch die bizarren Felsnadeln der Dolomiten


42

3. Piza de Pöz/Östliche Puezspitze 2.913 m oder, alternativ für geübtere Tourengeher,


Mit 2.913 Höhenmetern ist die Piza de Pöz/ durch die Nordrinne.
Östliche Puezspitze der höchste Gipfel im Höhenunterschied: 1.400 m, Zeit: 5-6 h
Grenzgebiet zu Lungiarü und gilt deshalb
fast schon als Klassiker für Skitourengeher.
Spektakulär ist der 360-Grad-Blick auf zahl-
reiche Dolomitengipfel.
Beim Parkplatz Muntcörta steigen wir Rich-
tung Antersasc hinauf (siehe Skitour Piza de
Antersasc) und gehen bei der alleinstehen-
den Zirbe weiter über den linken Hang bis
zur sehr steilen und immer schmäler wer-
denden Rinne, die eine gute Spitzkehren-
technik erfordert.
Die letzten Meter müssen meist mit geschul-
terten Skiern bezwungen werden. Am Ende
der Rinne führt die Tour rechts weiter über
einen kleinen ausgesetzten Hang bis zu ei-
ner Ebene, von der aus sowohl der Gipfel als
auch der letzte Anstieg zu sehen sind. Die
Abfahrt kann über den Aufstieg erfolgen
Verschnaufpause mit Dolomitenpanorama

Piza de Pöz/Östliche Puezspitze , Canale Nord


43

Ausgangspunkt Pares

4. Forcela dla Roa/Roa-Scharte 2.617 m


Die Forcela dla Roa/Roa-Scharte befindet
sich zwischen der Geisler- und der Puezgrup-
pe. Von Pares folgen wir der Forststraße 5A,
die im Winter auch als Rodelbahn genutzt
wird. Bei der ersten Rechtskehre biegen wir
links auf einen ausgeprägten Hangweg ab,
der zunächst durch den Wald führt. Am Fuße
der Nordhänge in Richtung Talschluss, am
Fuße des Piz Duleda, wird es dann ein wenig
steiler. Der breite Hang bis zur Scharte hinauf
ist anschließend mit Spitzkehrentechnik zu
bewältigen.
Die Abfahrt erfolgt über die breiten Nord-
hänge des Aufstiegs. Beliebt ist übrigens
auch der Aufstieg von der Grödner Seite aus.
Höhenunterschied: 1.000 m, Zeit: 4-5 h

Unterwegs zur Forcela dla Roa/Roa-Scharte

Puezhütte
44

Lungiarü im Winterkleid

5. Piza de Medalges 2.454 m Mit den ersten Almwiesen offenbart sich uns
Diese Tour ist auch als Sonntagsausflug ge- eine großartige Sicht auf die Puezspitzen. An
rade bei den Einheimischen sehr beliebt, da der Ütia Ciampcios Hütte vorbei steigen wir
meist bis auf 2.100 Metern Meereshöhe eine über weitläufige Wiesen zur Forcela de Fur-
relativ geringe Lawinengefahr besteht. Bis cia/Kreuzjoch hinauf, von dort geht es rechts
zur Ütia Ciampcios Hütte (zurzeit im Winter weiter bis zum Gipfel. Die Abfahrt erfolgt wie
nur sonntags geöffnet) kann man auch zu der Aufstieg, wobei sie ab der Waldgrenze
Fuß, mit Schneeschuhen oder mit der Rodel über die Rodelbahn führt.
wandern. Höhenunterschied: 850 m, Zeit: 3-4 h
Vom Parkplatz ausgehend folgen wir der
Forststraße taleinwärts bis wir nach ca. 1 km
an einem großen Felsblock rechts in den Weg
Nr. 5 einbiegen. Zunächst durchwandern wir
einen märchenhaften Lärchenwald, der in
der Höhe dann den Zirben weicht.
45

Abfahrt von der Piza de Antersasc

6. Pütia/Peitlerkofel 2.875 m SCHNEESCHUH- UND


Diese anspruchsvolle Tour ist nur bei besten WINTERWANDERUNGEN
Schneeverhältnissen zu empfehlen, da der
gesamte Aufstieg südseitig verläuft und die Auch für Schneeschuhwanderer bietet Lun-
Peitlerhänge besonders lawinengefährdet giarü eine bunte Palette an Tourenzielen an.
sind. Äußerst beliebt ist beispielsweise der Auf-
Wir starten durch das Val di Morins/Müh- stieg von Ví auf die Göma-Scharte, da die
lental hinauf, folgen dem Weg Nr. 4B bis zur Route zu Gänze auf der Sonnenseite verläuft.
Scharte und von dort weiter dem Sommer- Auf die Ütia Ciampcios Hütte kann man je
weg bis zum Klettersteigeinstieg. Sich links nach Schneelage mit Schneeschuhen oder
haltend ist der Picia Pütia/Kleine Peitlerkofel auch mit Bergschuhen hinaufwandern, wo-
mühelos zu erreichen. Alternativ dazu kann bei die Abfahrt auf der Rodel natürlich mehr
man die Skier am Einstieg abstellen und ge- Spaß macht. Zudem wird der Rundweg auf
sichert dem Drahtseil hinauf zum Gipfel fol- dem Pré dai Corf wöchentlich als geführte
gen. Abgefahren wird auf der gleichen Route. Schneeschuhwanderung angeboten, was
Höhenunterschied: 1.300 m, Zeit: 4-5 h insbesondere bei Mondschein ein unver-
gessliches Erlebnis ist.
46

Alternativen
für weniger gutes Wetter
Museum Ladin Ciastel de Tor Hofmuseum Lüch de Oriana
Die Geschichte der mehr als 30.000 Dolo- Leben am Bauernhof: früher und heute. Im
mitenladiner wird im Ciastel de Tor/Schloss rustikalen Hofmuseum Lüch de Oriana, mit-
Thurn dargestellt. Hier bekommen die Besu- ten im Weiler Seres, kann man alte landwirt-
cher einen guten Einblick über die Geschich- schaftliche Geräte und Haushaltsutensilien
te, die Sprache, die Kultur, die Sagenwelt, die bewundern und wiederentdecken. Besichti-
Archäologie, die Geologie, den Tourismus gungen nur nach Voranmeldung.
und das Handwerk Ladiniens.
Fam. Clara
Torstr. 65, I-39030 St. Martin in Thurn Seres-Miscí 26, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 0474 524 020 Tel.: +39 0474 590 161
www.museumladin.it Tel.:+39 331 215 75 91

Ladinisches Kulturinstitut Micurá de Rü Öffnungszeiten:


Das Ladinische Kulturinstitut Micurá de Rü ist Mai-Oktober: 10-12 Uhr
eine wichtige Informationsstelle für all jene, jeden Sonntag
die mehr über die ladinische Sprache erfah-
ren möchten. Die Fachbibliothek bietet eine Schnitzkurs in Lungiarü mit Hubert Pezzei
umfassende Sammlung an Büchern in ladini- Beim Schnitzkurs mit dem Bildhauer Hubert
scher Sprache oder mit Bezug zu Ladinien in können Erwachsene und Kinder ein Kunst-
anderen Sprachen. Darüber hinaus können werk aus Holz schaffen und das geschnitzte
auch Kinderbücher, DVDs sowie Belletristik Objekt mit nach Hause nehmen. Der Kreativi-
in mehreren Sprachen ausgeliehen werden. tät sind keine Grenzen gesetzt, um dieses alte
Handwerk in einem Grundkurs zu erschnup-
Str. Stufles 20, I-39030 St. Martin in Thurn pern. Kurse werden im Sommer und Winter
Tel.: + 39 0474 523 110 immer freitags auf Anfrage angeboten. Infos
www.micura.it und Anmeldungen: siehe unter Partnerbe-
triebe „Holzschnitzereien, Hubert Pezzei“.

Naturparkhaus Puez-Geisler
Das Naturparkhaus in Villnöss befasst sich
vor allem mit der Geologie und Natur der
Dolomiten. Der aus Villnöss stammende und
weltweit bekannte Alpinist Reinhold Mess-
ner erklärt in einem Kurzfilm von seinen
Erfahrungen in den Bergen. Für Kinder ist
besonders die „Wunderkammer Natur" inter-
essant: Hier befinden sich viele Tierexponate,
die erkundet werden können.

St. Magdalena - Trebich 1, I-39040 Villnöss


Tel.: +39 0472 842 523
47

Naturparkhaus Fanes-Sennes-Prags das Schloss Bruneck, das vom Bergsteiger


Das Naturparkhaus in St. Vigil in Enneberg ist Reinhold Messner als Museum eröffnet wur-
für die Besucher wie ein offenes Fenster zum de. Das MMM Ripa beinhaltet Exponate von
Naturpark Fanes-Sennes-Prags. Verschiede- verschiedenen Bergvölkern der Erde.
ne Ausstellungsbereiche bieten umfassende
Informationen über die Entstehung der Do- Tourismusverein Bruneck
lomiten, den Höhlenbären der Conturines, Rathausplatz 7
die wichtigsten Lebensräume im Naturpark I-39031 Bruneck
sowie die Morphologie des Schutzgebietes. Tel.: +39 0474 555 722
Für Kinder gibt es eine Kinderecke mit Spie-
len und Bastelmaterialien. Kletterzentrum Bruneck
Das Kletterzentrum in Bruneck ist der ideale
Catarina-Lanz-Str. 96, Ort, um das Sportklettern zu üben. Hier fin-
I-39030 St. Vigil in Enneberg den sowohl die Anfänger wie auch die Profis
Tel.: +39 0474 506 120 Kletterrouten und Boulderflächen.
Kletterausrüstung kann in der Halle auch
Stadt Bruneck ausgeliehen werden.
Die mittelalterliche Stadt Bruneck bietet
zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Die histori- AVS-Sektion Bruneck
sche Stadtgasse zählt zu den schönsten Ein- Josef-Ferrari-Straße 36, I-39031 Bruneck
kaufsstraßen in Südtirol und lädt zu einem Tel.: +39 0474 055 005
Einkaufsbummel. Oberhalb der Stadt thront www.kletterzentrum-bruneck.it

Handgefertigte Klosterarbeiten schmücken die Trachtenhüte.


48

Anreise
München
Anreise mit Bahn und Bus Rosenheim
Salzburg
Norden/Süden: Vom Brenner oder von Bozen Innsbruck
A12
A8

mit der Bahn kommend in Franzensfeste um- A10


steigen und weiter mit der Pustertaler Bahn A13
(Linie 400) Richtung Innichen. In St. Lorenzen Franzensfeste
Spittal
an der Drau
Toblach
umsteigen auf die Buslinie 460 Richtung Cor- Brixen
St. Lorenzen

vara. Bei der Abzweigung St. Martin in Thurn St. Martin Villach
auf die Buslinie 464 Richtung Lungiarü/ Bozen
in Thurn
A 23
Antermёia umsteigen. A 22 Lungiarü Cortina
d`Ampezzo
Osten: Über Lienz mit der Pustertaler Bahn Belluno

(Linie 400) nach St. Lorenzen. Dort umsteigen Trento


A 27 Udine

auf die Buslinien 460 Richtung Corvara. Bei Venezia

der Abzweigung St. Martin in Thurn umstei-


gen und weiter mit der Buslinie 464 nach
Lungiarü. Die Mobilcard ermöglicht die unbegrenzte
Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel in
Überregionaler Zugverkehr: ganz Südtirol entweder für einen Tag, drei
Italienische Bahn – Ferrovie dello Stato: oder sieben aufeinanderfolgende Tage. Infos
www.trenitalia.com dazu unter: www.mobilcard.info
Österreichische Bundesbahnen: www.oebb.at
Deutsche Bahn: www.bahn.de

Öffentliche Verkehrsmittel in Südtirol:


www.suedtirolmobil.info

Karten & Führer


Freytag-Berndt, Blatt WK S5 (Grödner Tal) Tappeiner, Nr.129
Maßstab 1:50.000 (Alta Badia und Umgebung)
Maßstab 1:25.000
Kompass, Nr. 51 (Gadertal)
Maßstab 1:25.000 Es gibt keinen Wanderführer für Lungiarü.
Verschiedenste Touren finden sich in den
Tabacco, Blatt 07 gängigen Wanderführern unter dem Schlag-
(Alta Badia, Arabba-Marmolada) wort Lungiarü/Campill. Tourenbeschreibun-
Maßstab 1:25.000 gen sind online verfügbar im Tourenportal:
www.alpenvereinaktiv.com
Tappeiner, Nr.158
(Fanes, Senes, Prags, Puez Geisler)
Maßstab 1:30.000
49

Partnerbetriebe
Bergsteigerdorf-Partnerbetriebe gehen Außerdem erhalten Sie als Mitglied eines Al-
speziell auf die Bedürfnisse von Wanderern, pinen Vereins DAV, ÖAV, AVS, PZS oder CAI
Bergsteigern und Skitourengehern ein. Ein (Projektpartner, Stand 2020) 10% Ermäßigung
frühes Frühstück, Informationen zu Leih- auf das Standardangebot (Übernachtung mit
material, Tipps zu Berg-und Wanderführern Frühstück, Ferienwohnung etc.).
sowie zu Touren gehören ebenso zur Ser- Bitte geben Sie Ihre Mitgliedschaft bereits
viceleistung wie die Verwendung vieler regi- bei der Buchung bekannt und legen Sie bei
onaler Produkte in der Küche. der Ab­rechnung den gültigen Mitgliedsaus-
weis vor.

Detaillierte Informationen zu allen Partnerbetrieben in Lungiarü finden Sie unter:


www.bergsteigerdoerfer.org/lungiarue

Berghotel Sanví Pension Odles***


Fam. Tavella Fam. Clara
S. Lizia 160, I-39030 Lungiarü Seres-Misci 23, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 0474 590 104 Tel.: +39 0474 590 152
info@hotelsanvi.it info@odles.it
www.hotelsanvi.it www.odles.it

App. Ciasa Elke


Fam. Clara
Str. Frëina 13, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 0474 590 069
Tel.: +39 348 960 44 85
info@elke.it
www.elke.it

Ciasa Linda
Restaurant im Winter (auf Bestellung)
Fam. Moling
S. Lizia 144, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 0474 590 021
Tel.: +39 348 693 99 19
info@ciasalinda.it
www.ciasalinda.it

Residence Chalet Morná****


Fam. Clara
Str. Pecëi 8, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 0474 590133
Tel.: +39 340 9634800
info@chaletmorna.it
www.chaletmorna.it
50

Partnerbetriebe
Urlaub auf dem Bauernhof:

App. Confolia Ciasa Medalghes


Anneliese und Erwin Clara Fam. Costa
Ties 25, I-39030 Lungiarü S. Lizia 164, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 328 453 40 55 Tel.: +39 0474 590 140
Tel.: +39 0474 590 180 Tel.: +39 347 258 15 41
info@confolia.it info@ciasa-medalghes.it
www.confolia.it www.ciasa-medalghes.it

App. Grones Coristeles


Fam. Othmar Daporta Fam. Siegfried Moling
Str. Frëina 52, I-39030 Lungiarü Ties 15, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 0474 523 172 Tel.: +39 0474 590121
info@grones.it info@coristeles.it
www.grones.it www.coristeles.it

App. Laguscel Feur Hof


Fam. Clemente Clara Fam. Gabriel Rungger
Vi-Laguscel 21, I-39030 Lungiarü Str. Pecëi 11, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 0474 453 000 Tel.: +39 0474 590 011
+39 347 115 10 88 info@feurhof.com
info@laguscel.it www.feurhof.com
www.laguscel.it
Lüch de Camura
Porta-Kaiser Fam. Giuseppe Pezzei
Fam. Francesco Schanung Vi-Laguscel 38, I-39030 Lungiarü
Vi-Laguscel 36, I-39030 Lungiarü Tel.: +39 0474 590 017
T: +39 0474 590 001 Tel.: +39 320 013 95 55
info@porta-kaiser.it info@luech-de-camura.it
www.porta-kaiser.it www.luech-de-camura.it
51

Weitere Partner:

Lüch da Fossé Bar Pizzeria Fornata


Fam. Clara Giorgio Moling
Str. Frëina 16, I-39030 Lungiarü S. Lizia 119, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 0474 590 060 Tel.: +39 0474 590 015
info@afosse.it info@pizzeria-fornata.it
www.afosse.it www.pizzeria-fornata.it

Lüch de Vanc Hofmuseum Lüch de Oriana


mit Restaurant Fam. Clara
Fam. Clara Seres-Miscí 26, I-39030 Lungiarü
Seres-Misci 22, I-39030 Lungiarü Tel.: +39 0474 590 161
Tel.: +39 0474 590 108 Tel.:+39 331 215 75 91
info@vanc.it
www.vanc.it Holzschnitzereien
Hubert Pezzei
Saliëta S. Lizia 5, I-39030 Lungiarü
Fam. Clara Tel.: +39 0474 590 105
Ties 31, I-39030 Lungiarü Tel.: +39 339 504 20 83
Tel.: +39 0474 646 049 hubert.pezzei@dnet.it
Tel.: +39 338 670 91 28 www.woodartcreation.it
info@salieta.it
www.salieta.it Minimarket d. Ferdigg Anneliese
S. Lizia 141, I-39030 Lungiarü
Tieshof Tel.: +39 0474 523 312
Fam. Carlo Castlunger
Ties 27, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 0474 590 091
info@tieshof.com
www.tieshof.com

Tlisöra – Speckstube
mit Hofschank
Fam. Walter Chiusura
Seres-Misci 17, I-39030 Lungiarü
Tel.: +39 0474 590 145
info@tlisora.it
www.tlisora.it
52

Alm- und Schutzhütten


Almhütten (Partnerbetriebe) Schutzhütten

Ütia Ciampcios Schlüterhütte (2.306 m)


Rafael Clara Autonome Provinz Bozen – Südtirol
Vi-Laguscel 3, I-39030 Lungiarü Tel.: +39 0472 670 072
Tel.: +39 335 786 64 36 Tel.: +39 347 266 76 94
Tel.: +39 340 632 85 86 info@schlueterhuette.com
info@uetiaciampcios.com www.schlueterhuette.com
www.uetiaciampcios.com
Puezhütte (2.475 m)
Ütia Vaciara CAI Sezione di Bolzano
Fam. Zingerle T: +39 0474 646 427
Mirí 47, I-39030 St. Martin in Thurn info@rifugiopuez.it
Tel.: +39 339 702 60 03 www.rifugiopuez.it
info@gscnara.it
53

Wichtige Adressen

Tourismusgenossenschaft San Vigilio - Bergrettung St. Martin in Thurn


San Martin NOTRUF: 112
St. Tor 18/C, I-39030 St. Martin in Thurn Ortstellenleiter: Othmar Castlunger
Tel.: +39 0474 501 037 Via Frёina 25, I-39030 St. Martin in Thurn
info@sanvigilio.com Tel.: +39 349 6032065
www.sanvigilio.com info@holzmar.it

AVS-Ortsstelle San Martin de Tor/St. Martin Amt für Natur


in Thurn Landhaus 11, Rittner Straße 4
Ortstellenleiter: Elmar Dapoz I-39100 Bozen
Str. Frёina 30, I-39030 Lungiarü Tel.: +39 0471 417 770
st.martininthurn@alpenverein.it natur.bozen@provinz.bz.it

Gemeindeamt San Martin de Tor/St. Martin Südtiroler Wanderleiter


in Thurn www.bergfuehrer-suedtirol.it
Str. Tor 25, I-39030 St. Martin in Thurn
Tel: +39 0474 523 125
www.comun.sanmartindetor.bz.it

Landesberufskammer der Südtiroler Berg- und Skiführer


Messeplatz 1, I-39100 Bozen
Tel.: +39 0471 976 357 - www.bergfuehrer-suedtirol.it

Bergführer:
Simon Kehrer Max Willeit Ingo Irsara
Tel.: +39 389 422 30 62 Tel.: +39 335 684 94 22 Tel.: +39 328 828 86 49
info@simon-kehrer.it max.willeit@rolmail.net info@ingoirsara.com
www.simon-kehrer.it www.mydolomitiguide.com www.ingoirsara.com
54

Impressum, Literatur, Bildnachweis


Impressum: Bildnachweis:
Herausgeber: Alpenverein Südtirol, Titelbild: Viles im Herbstkleid mit Piz Duleda,
Giottostraße 3, I-39100 Bozen, Hans Pescoller
Tel. 0471 978 141, www.alpenverein.it, Bild Rückseite: Frühlingskuschellen, Mario
natur-umwelt@alpenverein.it Clara
Für den Inhalt verantwortlich: Lokale
Arbeitsgruppe Lungiarü, AVS-Referat für Alfreider Christoph: S. 32, S. 33, S. 40, S. 42
Natur & Umwelt (o.), S. 45
Texte: Giovanni Mischí, Hermann Dapoz, Alpenverein Südtirol: S. 39
Christoph Alfreider, Sara Ploner, Anna Pich- AVS-Sektion Ladinia: S. 14
ler, Ingrid Beikircher (AVS) Clara, Mario: S. 17, S. 18, S. 20 (o.), S. 26/27, S.
Layout und Redaktion: Anna Pichler, Lucia 26 (u.), S. 28, S. 30, S. 31
de Paulis (AVS) Clara, Marlis: S. 21 (o.), S. 29, S. 53
Titelfoto: Hans Pescoller Clara, Noemi: S. 23, S. 49, S. 50, S. 52
Grafik und Koordination: Werbeagentur Clara, Samuel: S. 9 (u.), S. 19, S. 37
Mediapool GmbH/Srl, Frangart Dapoz, Hermann: S. 41 (u.), S. 42 (u.)
Druck: Südtirol Druck OHG, Tscherms Ferdigg, Bruno: S. 22
Papier: Nautilus® classic Ferrari, Bruno: S. 16
(aus 100 % Altpapier; FSC-zertifiziert) Hainz, Christoph: S. 38
Auflage: 7.500 (11/20), Nachdruck, auch aus- Hipp, Tobias: S. 41 (o.)
zugsweise, nur mit vorheriger Genehmigung Lokale Arbeitsgruppe Lungiarü: S. 8/9
des Herausgebers Pescoller, Hans: S. 13, S. 15, S. 34, S. 36, S. 47,
S. 51
Literaturangaben: Pichler, Anna: S. 20 (u.), S. 44
- Landschaftsplan St. Martin in Thurn. Auto- Ploner, Sara: S. 35
nome Provinz Bozen-Südtirol (Hrsg.), Amt Madem: S. 24
für Landschaftsökologie, Bozen, 2009, 23 S. Mischí, Giovanni: S. 10, S. 12, S. 21 (u.)
- Menara, Hanspaul; Hager, Hansjörg: Berge NordNordWest CC-BY-SA, GFDL: S. 8
und Bergsteiger-Alpingeschichte Südtirols. Staatsarchiv Bozen, Bischöfliches Archiv
Hrsg. von der Sektion Bozen des Alpenver- Brixen, Lade 72, 2A: S. 11
eins Südtirols, Bozen, Athesia, 1994, 273 S. Südtiroler Berg- und Höhlenrettung des
- Mischí, Giovanni: Lungiarü. Die Pfarrkirche CNSAS/CAI: S. 55
St. Luzia Lungiarü, 2014, 51 S. Tourismusverein San Vigilio-San Martin: S.
- Schweiggl, Martin: Naturparke in Südtirol. 25, S. 46
Autonome Provinz Bozen-Südtirol (Hrsg.), Vertical-Life Verlag: S. 37
Amt für Naturparke. Bozen, Athesia, 2005,
272 S.
- Sportklettern in Südtirol. Alpenverein Südtirol
(Hrsg.), Vertical-Life, Brixen, 2015, 608 S.
- www.alpenvereinaktiv.com
- verschiedene Wanderbücher und
Skitourenführer
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Bergrettung
San Martin de Tor
Das Bergsteigerdorf Lungiarü hat mit San Bergretter und Bergführer deutscher, italie-
Martin de Tor/St. Martin in Thurn eine Berg- nischer und ladinischer Muttersprache aktiv.
rettungsstelle der Südtiroler Berg- und Die Bergrettungsstelle San Martin de Tor/
Höhlenrettung des CNSAS/CAI. Das ist eine St. Martin in Thurn besteht derzeit aus 16 ak-
Freiwilligenorganisation der Nationalen tiven Bergrettern. Sie wurde 1968 gegründet
Berg- und Höhlenrettung (CNSAS) in der Pro- und feiert somit 2018 ihr 50-jähriges Beste-
vinz Bozen und eine Sondersektion des Club hen. Zusammen mit 17 Bergrettungsmann-
Alpino Italiano (CAI). Die Tätigkeit besteht – schaften, vorwiegend aus dem ladinischen
wie auch beim Bergrettungsdienst (BRD) des Gebiet der Dolomiten, ist sie auch Mitglied
Alpenvereins Südtirol (AVS) – in der Vorbeu- der Hubschrauberrettung des Aiut Alpin Do-
gung von Bergunfällen und in der Rettung lomites (ladinische Bezeichnung für „alpine
und Bergung von Verunglückten, Gefährde- Hilfe in den Dolomiten“, eine gemeinnützige
ten und Vermissten. In den 21 landesweiten Vereinigung ohne Erwerbszweck).
Bergrettungsstellen des CNSAS/CAI sind

Bei einem Unfall wählen Sie die Nummer 112 (eins-eins-zwei)


und geben Sie folgende Informationen an:
Wo? Beschreibung des Unfallortes
Was? ist wie, wann geschehen
Wie viele? sind die Verletzten
Welche? Verletzungen
Die Bergsteigerdörfer

Ginzling im Zillertal Matsch


Großes Walsertal Mauthen
Grünau im Almtal Ramsau bei Berchtesgaden
Gschnitztal Region Sellraintal
Hüttschlag im Großarltal Sachrang – Schleching
Jezersko St. Jodok, Schmirn- und Valsertal
Johnsbach im Gesäuse Steinbach am Attersee
Kreuth Steirische Krakau
Lesachtal Tiroler Gailtal
Luče Val di Zoldo
Lungiarü Vent im Ötztal
Lunz am See Villgratental
Mallnitz Weißbach bei Lofer
Malta Zell-Sele
Stand 2020

www.bergsteigerdoer fer.org