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Schmitt, Rüdiger (1991b): Ein Stück indogerma- nischer Kultur: das Personennamensystem. In: Ri- costruzione culturale e Ricostruzione linguistica. Atti del Congresso del Circolo Glottologico Paler- mitano, Palermo, 20—22 ottobre 1988. Palermo,

9—51.

Schmitt, Rüdiger (1992): Das indogermanische und das alte lateinische Personennamensystem. In: La- tein und Indogermanisch. Akten des Kolloquiums der Indogermanischen Gesellschaft, Salzburg, 23.—26. September 1986. Innsbruck, 369—393. Schrader, O. (1929): Reallexikon der Indogerma- nischen Altertumskunde. Zweite vermehrte und umgearbeitete Auflage, herausgegeben von A. Neh- ring. Zweiter Band. Berlin/Leipzig. (103—109:

Name (Namengebung)).

95. Kleinasiatische Onomastik (Hethitisch)

1. Nichtindogermanisches Substrat (Protohat- tisch u. a.)

2. Indogermanisch-kleinasiatische Sprachen

3. Adstrate (Kaskäisch, Akkadisch, Hurritisch, Indoiranisch)

4. Nebenüberlieferung

5. Weiterleben hethitisch-luwischen Namenguts in griechischen Quellen

6. Literatur (in Auswahl)

1. Nichtindogermanisches Substrat (Protohattisch u. a.)

Daß Kleinasien entgegen in jüngster Zeit ge- äußerter Meinung (Gamkrelidze, Ivanov 1984) sicherlich nicht als Urheimat der In- dogermanen anzusehen ist, zeigen schon die zahlreichen Substratelemente in der hethiti- schen Onomastik. Diese sind ihrerseits von unterschiedlicher Natur (Carruba 1983), sind also offensichtlich verschiedenen sprachlichen Gruppen zuzuschreiben. Genauer läßt sich dabei allerdings lediglich das hattische (= „protohattische“) Element bestimmen, das als unmittelbarer Vorgänger des Hethiti- schen im anatolischen Kerngebiet gelten kann und das auch im heth. Schrifttum realiter greifbar ist. Diesem sind Götternamen (GN) wie štanu (‚Sonne’) Katta a (‚Königin’) oder Ǖelipinu (Vegetationsgott) zuzuordnen (Laroche 1947; 1966). Morphologisch ist v. a. das protohatt. Zugehörigkeitssuffix -el, -il wichtig, mit dem Götter- und Personennamen

VIII. Historische Entwicklung der Namen

Schramm, Gottfried (1957): Namenschatz und Dichtersprache. Studien zu den zweigliedrigen Per- sonennamen der Germanen (Ergänzungshefte zur Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiet der indogermanischen Sprachen 15). Göttingen.

Solmsen,

Felix

(1922):

Indogermanische

Eigenna-

men

als

Spiegel

der

Kulturgeschichte.

Herausge-

geben

und

bearbeitet

von

Ernst

Fraenkel.

Heidel-

berg. van Velze, Jacob Antoon (1938): Names of Persons in Early Sanscrit Literature. Proefschrift. Utrecht. Zimmer, H. (1893): Keltische Studien. 10. Zur per- sonennamenbildung im Irischen. In: Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 32, 158—197.

Rüdiger chmitt, aarbrücken (Deutchland)

(PN) von Ortsnamen (ON) sowie von Appel- lativen abgeleitet werden, vgl. ON attuš > PN attušil > heth. attušili. Dieses Suffix wird im Hethitischen zu -ili- umgebildet und in dieser Form produktiv, vgl. ON Ǔerik > heth. thematisiert Ǔerikka > heth. PN Ǔe- rikkaili. — Es ist anzunehmen (Forlanini 1987), daß auch die Namen einiger der wich- tigsten heth. Städte protohatt. Ursprungs sind, so attuš, Kaniš/Ǔeša, ǔalpa, Ǔerik, ǒnkuǑa usw., auch wenn sich dies vorerst auf Grund unserer nur rudimentären Kenntnis des Protohattischen noch nicht zwingend be- weisen läßt.

Indogermanisch-kleinasiatische

Sprachen

Zur hier allein berücksichtigten Gruppe der indogermanisch-kleinasiatischen oder indo- germanisch-anatolischen Sprachen gehören das aus dem 16.—15. Jahrhundert überlieferte Palaische, das Hethitische (16.—13. Jh.), das Keilschrift-Luwische (16.—13. Jh.), das Hie- roglyphen-Luwische (13.—8. Jh.), Lykisch A und Lykisch B (dieses in geographisch un- richtiger Weise auch Milyisch genannt; aus dem 6.—4. Jh.), das Lydische (7.—4./3. Jh.) sowie das Karische (8.—4./3. Jh.). Zu diesen Sprachen, die deutlich untereinander ver- wandt sind und zusammen die hethitisch-lu- wische Sprachgruppe bilden, sind noch wei- tere Sprachen zu rechnen, die aber zumeist nur durch onomastische Zeugnisse in anders-

2.

95. Kleinasiatische Onomastik (Hethitisch)

sprachigen (überwiegend griechischen) Texten bekannt sind, so das Sidetische (auch einige kurze Inschriften und Münzaufschriften in eigenständiger Schrift; aus dem 5.—2. Jh.), das Pisidische sowie die Sprachen oder Dia- lekte in Pamphylien, Lykaonien, Isaurien und Kilikien. Zur Gruppe der indogermanisch-kleinasia- tischen Sprachen im weiteren Sinne gehören aber auch solche idg. Sprachen, die erst nach dem politischen Ende des hethitischen Staats- wesens vom Westen her nach Kleinasien ein- gedrungen sind. In erster Linie ist hier das vergleichsweise gut bezeugte Phrygische zu nennen, das hier aber nicht weiter behandelt werden soll. Eine Sammlung und Deutung phrygischer Glossen und Namen findet sich bei Haas 1966, 157—172; zur Abgrenzung der phrygischen Namen von der hethitisch-luwi- schen Onomastik einerseits und vom Grie- chischen andererseits vgl. Neumann 1988 (mit weiterführender Literatur).

2.1. Namen der hethitischen (keilschriftlichen) Überlieferung (Allgemeines und Forschungslage)

Das in hethitischen Quellen überlieferte ono- mastische Material ist sehr reichhaltig; über

6000 Namen sind in den edierten Texten bis-

her belegt, und durch jeden neu herausgege- benen Editionsband vermehrt sich dieses Ma- terial. Quantitativ überwiegen dabei die PN (etwa 2500 Namen, davon etwa 15ȍ weib- lich), es folgen die Toponyme (etwa 2400, davon etwa 10ȍ Gewässernamen und eben- soviel Bergnamen), und den dritten Platz neh- men statistisch gesehen die GN (etwa 1100) ein. Dieses reichhaltige Material ist nur teil- weise aufgearbeitet: Am besten ist die Situa-

tion im Falle der PN, die Laroche 1966 nicht nur gesammelt, sondern auch sprachlich ana- lysiert hat; als inzwischen auch bereits über- holte Supplemente sind Laroche 1981 a (bloße Auflistung neuer Namen) sowie Tischler

1982 a (mit sprachlicher Analyse der neuge-

fundenen Namen) anzusehen. Nur formal besser ist die Situation bei den Toponymen. Hier liegt mit Del Monte, Tisch- ler 1978 zwar eine vollständige Sammlung vor, die durch Cornil 1990 aktualisiert wor- den ist, es fehlt hier jedoch eine sprachliche Analyse des umfangreichen Materials; bisher liegen lediglich Behandlungen ausgewählter

Bildungen durch Laroche 1957 und 1961 so- wie von Neumann 1988 a/b vor. Auch für die heth. GN hat Laroche 1946/

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47 eine erste Sammlung und sprachwissen- schaftliche Gliederung vorgelegt, in der etwa 550 Namen behandelt sind. Angesichts des in der Zwischenzeit auf das Doppelte angewach- senen Materials muß eine erneute Behandlung als dringendes Desiderat bezeichnet werden.

2.1.1. Hethitische Personennamen

Ein großer Teil der im hethitischen Schrifttum belegten Personennamen ist aus dem bekann- ten heth.-luw. Wortschatz erklärbar. Dabei sind Benennungsmotive und Bildungsprinzi- pien durchaus mit anderen idg. Sprachen ver- gleichbar. Es können also Adjektive oder Sub- stantive entweder äußerlich unverändert als Namen verwendet werden (Ura ‚groß’, Maš- uiluǑa ‚Maus’), oder aber sie können durch Suffixe bzw. vermittels Komposition zu Ei- gennamen umgebildet werden. Ihre Flexion entspricht der der zugrundeliegenden No- mina, wobei allerdings häufig — ausgehend von akkadischen syntaktischen Konstruktio- nen — auf die Anfügung der Kasusendungen verzichtet wird und die bloße Stammform erscheint, vgl. UMMǒ D UTU Š Šuppiluliuma LUGAL KUR URU atti ‚folgendermaßen (spricht) die Majestät Suppiluliuma, der Kö- nig des Landes Hatti’. Speziell „onomastische“ Suffixe sind nicht auszumachen. Auch das vieldiskutierte und traditionell als „-umna-“ angesetzte Her- kunftssuffix vom Typus attušum(n)a ‚aus Hattusa stammend’, das sich häufig allein in PN erhalten hat, ist ein „normales“ Wortbil- dungselement (Oettinger 1982). Für die Morphologie der heth. PN ist die Nominalkomposition von Bedeutung. Hier ist sie wichtiger als im appellativischen Bereich, wo die Zahl der gesicherten Nominalkom- posita begrenzt ist (Tischler 1982 b). Das wohl wichtigste Kompositionselement ist muǑa- ‚Kraft, Stärke’: Häufig erscheint es in Kom- bination mit geographischen Namen, vgl. alpa-muǑa oder Mittanna-muǑa. Sodann finden sich Verbindungen mit Götternamen, vgl. ǒrma-muǑa oder ǕiǑat-muǑa diese theophoren Bildungen sind als Satznamen aufzufassen: ‚Gott X (ist) die Lebenskraft (des Namensträgers)’ (Neumann 1978; 1979). Schließlich sind auch Verbindungen mit Ap- pellativa belegt, vgl. r a-muǑa von ir a- ‚Grenze’. Von besonderer Bedeutung wäre Pariya-muǑa, der möglicherweise im bekann- ten Namen Πρίαμος des Königs von Troja fortlebt. — Chronologisch ist bemerkenswert, daß dieses Element bereits in den kappadok.

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Urkunden vereinzelt (Puna-muǑa-ti, f MuǑa- nanni) auftritt, in der Großreichszeit immer häufiger wird und auch in der späteren al- phabetschriftlichen Überlieferung eines der wichtigsten Wortbildungselemente darstellt.

2.1.2. Hethitische Toponyme

Zahlreiche Toponyme des hethitischen Kern- gebiets können direkt aus dem heth. Lexikon erklärt werden, vgl. substantivierte Adjektive wie alluǑa (von allu- ‚tief) oder Ǖalukaya (von daluki- ‚lang; weit; hoch’), sodann Sub- stantive wie Lapana ‚Weide’, aršumna ‚Quel- lengebiet’ und Komposita wie Šuppiluliya

‚reine

Quelle’

oder

Šuppitaššu

‚rein (und)

stark’.

Sodann

gehören hierher zahlreiche Topo-

nyme auf -išša-, -ušša- und -ašši- bzw. auf -nta-, denen auf der späteren Ebene der al- phabetschriftlichen Überlieferung Namenfor- men mit den Suffixen -ασα, -ασσα, -ισσα, -ασος, -ασσος, -ησσος, -ισσος sowie -νδα und νδος (nicht -νθος, dies nur in griech.- ägäischen Namen) entsprechen und die von Kretschmer 1896 vor dem Bekanntwerden der heth. keilschriftlichen Quellen einem vorin- dogermanischen Substrat zugeschrieben wor- den waren. Dabei setzen die Namen auf -išša- und -ušša- konkretisierte Abstrakta auf -eššar bzw. -u(e)ššar fort, bei denen das auslautende -r geschwunden ist und die anschließend in die a-Klasse überführt wurden (Neumann 1988 b), die Toponyme mit dem Suffix -ašši- hingegen enthalten häufig die Entsprechung des im Luwischen produktiven Suffixes zur Bildung der genetivischen Adjektive vom Ty- pus tiyammašši- ‚zur Erde (tiyammi-) gehö- rig’. Die Toponyme auf -nta- (Entsprechun- gen der klassischen Formen auf -νδα und -νδος) wiederum stellen teilweise Zugehörig- keitsbildungen mit dem aus der Grundsprache ererbten Suffix -Ǒant- dar oder sie gehen auf „animierende“ -nt-Erweiterungen vom Typus Ǒatar ntr. ‚Wasser’ : Ǒetenant- c. ‚Wasser’ (als belebt gedachte Naturkraft) zurück.

2.1.3. Hethitische Götternamen

Die Zahl der in heth. Texten belegten GN hat sich seit der Zusammenstellung von Laroche 1946/47 durch Neufunde stetig erhöht und beträgt nun mehr als 1100; es ist also wörtlich zu nehmen, wenn in heth. Texten von den „tausend Göttern des Landes Ȏatti“ (LM DINGIR MEȏ KUR URU atti) die Rede ist. Ihrer Herkunft nach ist diese onomastische Gruppe besonders heterogen (vgl. Laroche

VIII. Historische Entwicklung der Namen

l. c.; Steiner 1957—1971; Von Schuler 1965), was sich durch die Bereitschaft erklärt, mit der die Hethiter fremde religiöse Vorstellun- gen und Gebräuche aufnahmen. Es finden sich hier sowohl Namen, die von der einhei- mischen Vorbevölkerung übernommen wor- den waren, sodann viele hurritische Namen sowie syrische und schließlich auch sume- risch-akkadische Gottheiten. Vergleichsweise gering ist demgegenüber die Anzahl „echter“ heth.-luw. Namen. Hier sind v. a. vergöttlichte Begriffe der umgeben- den Natur wie D ǒruna ‚Meer’ oder D alki ‚Getreide’ zu nennen. Aus der Grundsprache ererbt ist z. B. der Name des Sonnengottes Šiu, etymologisch entsprechend dem idg. Lichtgott *dyēu (gr. Ȑεύς usw.).

2.2. Hieroglyphenschriftliche Überlieferung

Hier spielen PN auch forschungsgeschichtlich eine große Rolle, weil die Herrschernamen der digraphen Siegel mit ihren Entsprechungen in den keilschriftlichen Beischriften entschei- dend zur Entzifferung der Hieroglyphen- schrift beigetragen haben. Da derartige In- schriften aus über 60 verschiedenen Fund- stätten stammen, die über ein weites Gebiet von Zentralanatolien bis Nordsyrien und Pa- lästina verstreut sind, ist auch das in ihnen enthaltene Namenmaterial inhomogen: Wäh- rend die Inschriften im eigentlich heth.-luw. Gebiet nur ausnahmsweise fremdes Namen- gut wiedergeben (vgl. die hurr. GN Šauška und ǒštabi im Felsheiligtum Yazȑlȑkaya bei BoȒazköy), überwiegen semitische bzw. hur- ritische Namen gegenüber den heth.-luw. auf den Siegeln der nordsyrischen Archive (in Meskene-Emar etwa ist das Verhältnis 15:11:4; Laroche 1981 b). Das hier.-luw. onomastische Material ist zum Großteil bereits bei Meriggi in seinem Glossar (1962) registriert. Dort ist indes noch das veraltete Transkriptionssystem ange- wandt, das nach den Ausführungen von Haw- kins, Morpurgo Davies und Neumann (1974) gerade bei den häufigsten Zeichen zu korri- gieren ist, was zwangsweise auch zu sprach- lich völlig unterschiedlicher Beurteilung der Namen führt. Eine durchgehende Neuinter- pretation des reichhaltigen hier.-luw. ono- mastischen Materials ist daher ein dringendes Desiderat.

2.3. Alphabetschriftliche Überlieferung

2.3.1. Lykisch

Die meisten der etwa 170 bekannten lykischen Inschriften sind Grabinschriften. Sie stellen

95. Kleinasiatische Onomastik (Hethitisch)

eine wichtige onomastische Quelle dar, da in ihnen der Name des Bestatteten und seiner nächsten Angehörigen genannt wird. Insge- samt sind in diesen Inschriften etwa 350 PN (viele davon mehrfach) belegt. Ein Großteil dieser Namen ist aus ererbtem heth.-luw. Ma- terial erklärbar, vgl. etwa Mutli entsprechend keilschriftlichem MuǑatalli, worin erweitertes muǑa- ‚Kraft, Stärke’ vorliegt. Daneben fin- den sich aber Spuren des zunehmenden frem- den Einflusses, vor allem von seiten des Grie- chischen, vgl. ǒla  ntra (: Ἀλέÿανδρος) oder Ǖ negure (: Ἀθηναγόρας). Geringer ist demgegenüber der persische Einfluß, aber im- merhin sind etwa 15 gesicherte Fälle von Adaption iranischer Namen nachweisbar, vgl. tarijeu für Dārayavauš ‚Dareios’. Gelegentlich sind in den Inschriften auch ON überliefert, meist formal in Herkunfts- benennungen verbaut. Auf diese Weise sind uns die Namen der wichtigsten lyk. Orte, in denen auch überall Inschriften gefunden wur- den und die fast alle eine eigene Münzprägung hatten, in ihrer einheimischen Form überlie- fert, vgl. ǒrñna ‚Xanthos’ oder Pinale (Dat.- Lok. Pl.) ‚Pinara’ mit Ethnikon pilleñni- (aus *pinaleǑanni-) usw. Eine weitere onomastische Quelle des Ly- kischen stellen die rund 180 Münzlegenden (Mørkholm, Neumann 1978) dar, die entwe- der den Namen des ausgebenden Ortes (Prä- gestätten waren Xanthos, Patara, Pinara, Tlos, Araxa, Telmessos, Kadyanda und Kan- dyba) oder den des lokalen Fürsten tragen. Leider sind die Namen aus Platzgründen oft sehr stark verkürzt, so daß in manchen Fällen Unsicherheiten bei der Interpretation bleiben.

2.3.2. Lydisch

In den etwa 110 lydischen Inschriften dürften insgesamt etwa 70 Namen überliefert sein (ge- sammelt und z. T. gedeutet von Gusmani 1964). Bei den PN fällt auf (Gusmani 1988), daß sie in der Regel in einer zweigliedrigen Konstruktion aus PN + adjektivischem Pa- tronymikon verwendet werden, wobei das Pa- tronymikon formal als Possessivadjektivum auf -li- erscheint, also rkatuś Katovali ‚rkatuś, [Sohn] des Katovaś’ usw. Ihrer Herkunft nach sind diese PN überwiegend aus dem ererbten idg.-kleinasiat. Namen- gut erklärbar, vgl. ǒrm v- (heth.-luw. arma- ‚Mond’) oder Mane- (luw. maššana- ‚Gott’). Für eine Reihe von Namen kommt persische Herkunft in Frage, vgl. ǒrtakśaa für den Königsnamen ǒrtaxerxe oder ǒrtab na (* tapāna- ‚den Schutz der Wahrheit ha- bend’).

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2.3.3. Karisch

Eigennamen (vorwiegend wohl PN) spielen für die Erforschung des Karischen eine noch größere Rolle als für die des Lykischen und Lydischen. Die überwiegende Mehrzahl der über 200 bekannten karischen Inschriften, von denen nur etwa 50 aus Kleinasien selbst, der größere Teil dagegen aus Ägypten (von in ägyptischen Diensten stehenden karischen Söldnern) stammen, ist nämlich sehr kurz. Ein neuer Ansatz zur Deutung der karischen Schrift geht von den Transkriptionen kari- scher Namen in ägyptischer Hieroglyphen- schrift auf zweisprachigen Inschriften in Ägypten aus, also ägypt. Pm k ‚Psammetich’ entsprechend kar. Pmšk usw. (Ray 1987, 1990; Adiego 1993). Wie ersichtlich, wird da- bei eine defektive Graphie angenommen, in- dem (in Anlehnung an Usancen der ägypti- schen Hieroglyphenschrift) schwach betonte bzw. unbetonte Vokale unausgedrückt blei- ben. Angesichts dieser Unsicherheiten muß sich die Beurteilung des Karischen als Mit- glied des idg.-anatol. Sprachzweigs auf die Interpretation des in griechischen Quellen überlieferten Namenmaterials stützen, wie zu- letzt Neumann 1988 a an Hand der karischen ON gezeigt hat.

3. Adstrate (Kaskäisch, Akkadisch, Hurritisch, Indoiranisch)

Die Sprache der im Norden des heth. Sied- lungsgebietes zu lokalisierenden Kaskäer hat im heth. Onomastikon keine realen Spuren hinterlassen, zumindest sind sie für uns nicht von denen des protohatt. Substrats zu unter- scheiden. Dies liegt daran, daß sich die Kas- käer als späte Eindringlinge rasch der Vor- bevölkerung assimiliert zu haben scheinen, wovon protohatt. Substrat und hethitischer Einfluß im kaskäischen Onomastikon zeugen (Von Schuler 1965). Semitische, d. h. akkadische Einflüsse sind im heth. Onomastikon kaum nachweisbar. Akkad. PN und GN im Schrifttum von Bo- ȓazköy sind auf Texte in akkad. Sprache (in- ternationale Korrespondenz, Vertragstexte, Übersetzungen mesopotam. literarischer Vor- lagen) beschränkt. Theophore PN, die scheinbar die Namen mesopotam. Gott- heiten enthalten, sind in der Regel als gra- phische Maskierungen einheimischer Äqui- valente zu interpretieren, vgl. mD AMAR.UTU ( D AMAR.UTU Sumerogramm für den GN Marduk), zu lesen als m Šanta.

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Anders steht es um das hurritische Adstrat, da die Hethiter mit den Hurritern im Süd- osten in direktem Kontakt standen und von diesen starke kulturelle Impulse empfingen. Dementsprechend zahlreich sind daher hurrit. PN und GN im heth. Schrifttum: Wichtig sind hierbei die zahlreichen hurrit. Götter, die von den Hethitern übernommen wurden und von denen in Bogazköy Ǖešub, epat, Šarrumma und Šauška die größte Rolle spielen. Zahlrei- che theophore PN enthalten die Namen sol- cher Gottheiten sowie hurrit. Lexeme als Kompositionsglieder, vgl. E li-Ǖešub (e li ‚Heil’) oder Ǖalmi-Šarrumma (talmi ‚groß’). Die indoarischen Namen der keilschriftli- chen Überlieferung (PN Piriyašauma, UǑan- ta, Urutitti, UǑagazzana, GN Mitraššil, Uru- Ǒanašel, ndar, Ǔašatiyanna, ǒkni) haben in der heth.-luw. Onomastik keine Nachahmung gefunden. Sie haben andererseits in der Dis- kussion um die Art und Intensität des Ein- flusses von Indo-Ariern im Alten Vorderasien eine Rolle gespielt (Mayrhofer 1959; 1966; 1974, 1982; Kammerhuber 1968). Fast ein Jahrtausend später dagegen ist das Iranische des Perserreichs eine reale Größe, dessen Spu- ren in der lydischen und lykischen Onomastik nachweisbar sind.

4.

Nebenüberlieferung

Unter ‚Nebenüberlieferung’ sind hier fremd- sprachige Quellen zu verstehen, die idg.-ana- tol. Namengut überliefern. Dazu gehören so- wohl fremdsprachige Quellen in Kleinasien selbst (die „kappadokischen“ Texte aus den Archiven der assyrischen Handelskolonien) als auch solche außerhalb Kleinasiens, also aus Mesopotamien, Syrien-Palästina und Ägypten.

4.1. Akkadische Texte der kappadokischen Archive

Die in akkadischer Sprache verfaßten Wirt- schaftstexte der altassyrischen Handelskolo- nien (20.—18. Jh. v. Chr.), die in der Haupt- sache im kārum Kaniš (heute Kültepe), in geringerer Anzahl in AliȔar und in Boȓazköy gefunden wurden, gehen der eigentlich hethi- tischen Textüberlieferung voraus. Sie enthal- ten in großer Zahl Eigennamen (Garelli 1963) und sind kulturhistorisch von höchstem In- teresse, nicht nur, weil die in den Texten vor- kommenden ON die Ausdehnung des assyri- schen Handels in Kleinasien erweisen, son- dern auch deswegen, weil in ihnen neben den

VIII. Historische Entwicklung der Namen

assyrischen PN auch einheimisch-kleinasiati- sche PN erhalten sind (Bilgiç 1945—51). Diese wiederum spiegeln teilweise das proto- hattische Substrat wider, teilweise jedoch zei- gen sie deutlich idg.-anatol. Gepräge und stel- len so — gemeinsam mit einigen in eben die- sen Texten gleichfalls belegten „einheimi- schen“ Appellativen (Bilgiç 1954) — die frü- heste Quelle für indogermanisches Sprachgut überhaupt dar.

4.2. Akkadische Texte der syrischen und mesopotamischen Archive

Die akkadischen Texte der nordsyrischen Archive enthalten zahlreiche kleinasiatische Namen. Dies gilt besonders für die in den Archiven von Ugarit/Ras Shamra gefunde- ne internationale Korrespondenz, deren rei- ches onomastisches Material bereits im PN- Werk von Laroche 1966 berücksichtigt ist. Zur Rolle kleinasiatischer Namen (teilweise in hieroglypenluwischer Schrift) in Mes- kene-Emar s. Laroche 1981 b. Inwieweit in den eigentlichen mesopotamischen Archiven kleinasiatische Namen zu finden sind, bleibt zu klären. — Zu kleinasiatischen PN in spät- babylonischen Geschäftsurkunden der Achä- menidenzeit (z. B. kar. Luku entsprechend dem Namen von Herodots Vater þύÿης, Midā entsprechend heth. Mita, phryg. Μίδας usw.) s. Eilers 1940. — Wegen der heth.-luw. PN in akkad. Texten aus Amarna (Lupakku, Šuppiluliuma, Ǖar undaradu und einige frag- liche Namen) s. Hess 1984.

4.3. Hurritische Quellen

Hurritische Texte kommen (dem allgemeinen Kulturgefälle entsprechend) kaum als Quelle für idg.-anatol. Sprach- oder Namengut in Frage, wohingegen umgekehrt der hurrit. Einfluß auf das Hethitische im Laufe der be- obachtbaren Sprachgeschichte deutlich zu- nimmt. Nur ausnahmsweise erscheinen „echt“ heth. Namen in hurrit. Kontext und mit deut- lichen Merkmalen hurrit. Adaption. — Das reichhaltige und seit langem gut erschlossene Onomastikon von Nuzi (Purves 1943; vgl. noch Cassin, Glassner 1977) enthält zahlrei- che Elemente, die in der Literatur als „ana- tolisch“ angesprochen wurden; diese haben zwar in der Tat oft Parallelen in Namengut aus Bogazköy, es handelt sich dabei indes vorwiegend um hurritische Lexeme oder Wortbildungselemente, die seinerzeit noch nicht eindeutig dieser Sprache zugeordnet werden konnten.

95. Kleinasiatische Onomastik (Hethitisch)

4.4. Ägyptische Quellen

In den Inschriften, die sich auf den Baudenk- mälern Ramses II befinden, werden zahlreiche hethitische Könige und Würdenträger mit Namen genannt, so die vier Könige (a)-ta-

-l = attušili, á-pá-lú-lú = Šuppiluliuma,

Mu-r- -l = Muršili sowie Mu-ta Α -l Α = Mu-

Ǒatalli. Die Art der Graphie scheint dabei eine sprachlich modernere Form der Namen als die aus dem hethitischen Schrifttum be- kannte widerzuspiegeln (Helck 1984). Des- wegen und wegen der defektiven Schreibweise sind die Namen weniger bekannter Personen nicht mit Sicherheit zu interpretieren (Edel 1973). Für heth. ON in ägyptischen Ortsna- menlisten vgl. Haider 1984.

4.5. Sonstige Quellen

In aramäischen Briefen des Satrapen Arsames aus dem späten 5. Jh. v. Chr., die in Ägypten gefunden wurden, finden sich gelegentlich luw. PN, so ǒrma-piya oder MuǑa-šarma. Auf Grund des zur Wiedergabe derartiger Na- men nicht optimal geeigneten defektiven Schriftsystems sind einige dieser Namen schwierig zu interpretieren (Kitchen 1965). Unbeweisbar (nicht zuletzt wegen des ge- ringen Wortkörpers) ist dagegen, daß auf einem den Philistern zugeschriebenen Ostra- kon aus Palästina luwische Namen enthalten sind (Kempinski 1987: anš = ǒnna, yymš = yama, ppš = Pappa, šlš = Šalli, das auslau- tende deutet auf idg. Flexionsformen, d. h. Genitiv). Im Zuge früher kultureller Beziehungen zwischen Kleinasien und Etrurien können kleinasiat. Namen ins Etruskische gelangt sein. Dies gilt v. a. für die weitverbreitete Sippe um den GN Ǖar unt-, der als männli- cher PN *Ǖar u übernommen wurde, von dem wiederum die Gentilizia Ǖar vetena (alt- etr.) sowie Ǖar na (jungetr.) abgeleitet sind. Auf diese beiden Gentilnamen bauen die be- kannten Latinisierungen Ǖar uitu sowie Ǖar- uiniu auf (De Simone 1982). Wegen der in den verschiedenen keilschrift- lichen Literaturen der Nachbargebiete über- lieferten geographischen Namen sind die ent- sprechenden Bände des Répertoire Géogra- phique des Textes Cunéiformes (Tübinger At- las des Vorderen Orients, Beihefte B, Wies- baden 1974 ff.; bis jetzt sind die Bände 1, 2, 3, 5, 6, 8 und 9 erschienen) sowie (für neu- assyr. Toponyme in Ermangelung des ent- sprechenden Répertoire-Bandes) Parpola 1970 einzusehen.

641

5. Weiterleben hethitisch-luwischen Namenguts in griechischen Quellen

Schon lange vor dem Bekanntwerden der keil- schriftlich überlieferten idg.-anatol. Sprachen war die Besonderheit der kleinasiatischen Onomastik aufgefallen. Da aber die alpha- betschriftlich überlieferten idg.-anatol. Spra- chen Lykisch und Lydisch damals noch nicht als indogermanisch erkannt waren, wurde mit einem kleinasiatischen „Volkstum sui generis“ gerechnet, das weder mit den indogermani- schen noch mit den semitischen „Stämmen“ zu tun habe. Diese Theorie wurde von Kretschmer 1896 zur festen Lehrmeinung auf der Grundlage des in den griechischen Quel- len überlieferten Namenguts ausgebaut. Kretschmer selbst war indes der erste, der sich Hroznȕ anschloß, als dieser 1915 den In- dogermanismus des Hethitischen beweisen konnte. Eine erste systematische Sammlung des gesamten kleinasiatischen Namenmate- rials aus den alphabetschriftlichen Quellen legte Sundwall 1913 (mit Nachträgen von 1950) vor. Da diese Materialsammlung indes in vielerlei Hinsicht fehlerhaft war, zahlreiche Fehllesungen und unerkannte griechische Na- men mitschleppte und bei weitem nicht voll- ständig war, legte Zgusta 1964 a; b eine grundlegende neue Sammlung und Gliede- rung der nichtgriechischen kleinasiatischen Personennamen vor, der 1984 eine entspre- chende Bearbeitung der Ortsnamen folgte. Für die kleinasiatischen Gewässernamen (so- wohl nichtgriechische als auch griechische) vgl. Tischler 1977. Eine entsprechende Samm- lung und Behandlung der kleinasiatischen Gebiets- und Bergnamen (ihre Zahl liegt bei etwa 500) steht aus; Carmody 1972 versucht lediglich, die klassischen Provinzgrenzen auf der Grundlage der Beschreibungen von Stra- bon, Plinius und Ptolemaeus zu definieren.

5.1. Anthroponyme

Die Anzahl der in den griechischen Inschrif- ten Kleinasiens enthaltenen Eigennamen ist vorerst nicht genau bestimmbar, da ein zu- sammenfassendes Editionswerk aussteht. Al- lein die Zahl der nichtgriechischen PN dürfte gegen 3000 gehen, wobei viele Namen mehr- fach belegt sind. Besonders zahlreich sind da- bei die von jeher als „typisch kleinasiatisch“ angesehenen Lallnamen, die jeweils hunderte Male und in allen Landschaften belegt sind. Ihre wichtigsten Vertreter sind Namen vom Typus AMA, APA, ATA, BA, BABA, DA, DADA, IMA, LA, LALA, MA, MAMA,

642

NA, NANA, PAPA, TA und TATA, die alle in den verschiedensten Ausformungen belegt sind. Diese Lallnamen haben zumeist bereits Vorläufer auf der keil- und hieroglyphen- schriftlichen Ebene. Für die Kontinuität der idg.-anatol. Sprachgruppe sind aber solche Namen wichtiger, die auf Appellativa zurück- führbar sind. Auch hier sind eine Reihe von PN-Sippen nachweisbar, die vor allem im süd- lichen Kleinasien von Lykien über Pamphy- lien bis nach Kilikien belegt sind. Die wich- tigste dieser Sippen enthält die Entsprechung von keilschriftlich muǑa- ‚Kraft, Stärke‚, wo- von mehr als 100 verschiedene Bildungen im gesamten südlichen Bereich Kleinasiens be- legt sind, vgl. Μοας entsprechend keilschrift- lichem MuǑa oder Μοταλις (bzw. in epich. lyk. Schrift Mutli) entsprechend keilschriftli- chem MuǑatalli. Sehr häufig findet sich muǑa- als Hinterglied in komponierten PN, vgl. Ερμαμοας entsprechend ǒrma-muǑa usw. Methodisch besonders wichtig ist schließlich (Neumann 1972), daß heth.-luw. Morpheme sich gelegentlich verselbständigt haben und an griechische Grundwörter antreten können, wodurch also hybride Bildungen entstehen, vgl. -ασι- als Entsprechung des heth.-luw. Ethnikonsuffixes -ašši- in lyk. Μανδαλασις zu gr. μἄνδαλος ‚Riegel’ oder pisid. Κωμασις zu gr. κώμη ‚Dorf’.

5.2. Toponyme

5.2.1. Sprachliches

In den griechischen literarischen Quellen, den Inschriften und den Münzlegenden finden sich etwa 1500 ON, die nicht aus dem Griechischen selbst erklärt werden können. Sie sind von Zgusta 1984 gesammelt, in Untergruppen ge- gliedert und kommentiert worden. Im Gegen- satz zu den von Zgusta 1964 a; b zusammen- gestellten PN steht hier jedoch eine sprachwis- senschaftliche Auswertung noch aus. Rein formal fallen als typisch idg.-klein- asiat. die Toponyme mit den Suffixen -ασα, -ασσα, -ισσα, -ασος, -ασσος, -ησσος, -ισσος sowie -νδα und -νδος auf, deren heth.-luw. Grundlage bereits oben erwähnt wurde. Sie nehmen auch rein quantitativ eine besondere Stellung ein ein (ca. 150 = 10ȍ mit -σ(σ)- und etwa 115 = 7,5ȍ mit -νδ-, vgl. Tischler

1975).

Die meisten im griechischen Schrifttum be- legten kleinasiatischen Gewässernamen sind auch aus dem Griechischen erklärbar: Sofern

VIII. Historische Entwicklung der Namen

es sich um primäre Gewässernamen handelt, sind sie entweder aus dem appellativischen Sprachgut erklärbar (þύκος, ĉλαῦκος usw.), oder es handelt sich um aus Griechenland übertragene Namen (Ἀλϕειός, Στύÿ usw.). Der verbleibende (kleinere) Teil der Namen (etwa 120) ist etymologisch unklar und auch nicht aus dem Sprachgut der vorhergehenden idg.-anatol. Ebene erklärbar. Auf die Ahhiyawa-Frage, also auf das Pro- blem, inwieweit in hethitischen Texten Grie- chen erwähnt werden, kann hier nur andeu- tungsweise hingewiesen werden: Zwar wird heute meist anerkannt, daß Namen wie heth.

ǒ iyaǑa und gr. ἈĀαίȖα oder ǒlakšandu

und Ἀλέÿανδρος usw. zusammenhängen. In- wieweit die in den heth. Texten genannten Lokalitäten oder Persönlichkeiten aber real identifiziert werden können, ist mit dem bis- her vorliegenden Material allein nicht zu ent- scheiden und muß künftigen Textfunden (viel-

leicht auch im Westen Kleinasiens) vorbehal- ten bleiben (vgl. einstweilen Steiner 1964).

5.2.2. Identifizierung der Toponyme und ihr Weiterleben

Nur wenige heth. ON können mit absoluter Sicherheit einer genau fixierten Lokalität zu- geordnet werden. Das liegt vor allem darin, daß archivmäßig aufbewahrte heth. Texte bis- her nur in der Hauptstadt Hattuša sowie in der Provinzgarnison Ǖapikka = Ma at gefun- den wurden und daß lediglich die Identität von attuša = Bo azköy und Kaneš/Ǔeša = Karahüyük/Kültepe durch die archäologische Evidenz bestätigt ist. Besser ist die Situation im Falle der hieroglyphenschriftlichen Quel- len (dort ist die Zahl der überlieferten Topo- nyme aber viel geringer) und auf der alpha- betschriftlichen Ebene, wo viele in situ erhal- tene Inschriften von Toponymen sprechen. Nur eine geringe Zahl von Gleichsetzungen wird allgemein als gesichert angesehen (be- merkenswert optimistisch Forlanini, Marazzi 1986). Unter den in der Literatur oft genann- ten Gleichungen befinden sich manche, die genaugenommen als unbewiesen angesehen werden müssen, so kkuǑaniya : ȅκόνιον(das moderne Konya), Ǘazziura : ĉαἅίουρα im Pontus, Lazpa : Insel þέσβος, Lukka : þυκία ‚Lykien’, Lamiya : kilik. þἄμος. Bemerkenswert ist, daß selbst die hethiti- schen Benennungen der einzelnen Landschaf- ten, deren Lage heute zumindest ungefähr als gesichert angesehen werden kann (šuǑa, Kaška, Še a, Maša, MillaǑanda, Ǖar undašša usw.), sich nicht erhalten haben. Ausnahmen

95. Kleinasiatische Onomastik (Hethitisch)

wären diesbezüglich vielleicht ON Malitiya :

(vgl.

auch

Βλαηνή und Ǖummanna : Δομἄνιτις in Paph- lagonien, Karkiša : Καρία ‚Karien’. Bei den Gewässernamen ist — dies ein we- sentlicher Unterschied zur „Alteuropäischen Hydronymie“ — keine Kontinuität von der keilschriftlichen über die alphabetschriftliche Ebene zu den heutigen Formen festzustellen:

:

Μελιτηνή

im

östlichen

ON

Kappadokien

Malatya),

den

modernen

Pala

Lediglich der Name des Euphrat (keilschrift-

lich Purattu u. ä., gr. Εὐϕρἄτης, türk. Ǚ rat) und des bithynischen Σαγγἄριος (wenn iden- tisch mit dem keilschriftlichen Ša iriya und dem modernen akarya) hat sich über alle drei Ebenen, der des Mäander immerhin von der griechischen (Μαίανδρος) in die moderne Zeit (Mendere) gehalten (Tischler 1977).

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