Sie sind auf Seite 1von 18

Mark MazowerMilitärische Gewalt und

nationalsozialistische Werte'
Die Wehrmacht in Griechenland 1941 bis [944

Am 16. August 1943, kurz vor Sonnenaufgang, fuhren einige Mann­


schaftstransporter auf einer unbefestigten Straße südlich von Arta, einer
Stadt im Nordwesten Griechenlands. Vor Kommeno, einem Dorf, das in
der Ebene im Mündungsgebiet des Arachthos gelegen ist, machten sie
halt. Der vorangegangene Tag war ein hoher griechisch-orthodoxer Fei­
ertag gewesen, und die meisten Dorfbewohner lagen noch im Schlaf, um
sich von den Festlichkeiten zu erholen. Knapp über hundert Wehr­
machtssoldaten aus einer Elitetruppe, die 12. Kompanie des 98. Regi­
ments der 1. Gebirgs-Division, kletterten von den Lastwagen und nah­
men von Oberleutnant Ludwig Röser, dem befehls habenden Offizier,
ihre Einsatzbefehle entgegen.
Sie kreisten das Dorf ein und stellten bewaffnete Posten auf, um die
verschiedenen Fußwege, die aus dem Dorf hinausführten, zu decken.
Dann wurden zwei Leuchtraketen abgefeuert, die das Signal für die mit
Granaten, Gewehren und Maschinenpistolen bewaffneten Sturmtrupps
waren, in die Häuser einzudringen. Bei dem folgenden Blutbad brachten
die Soldaten 317 Menschen unterschiedlichen Alters, Männer wie Frau­
en, von insgesamt knapp über sechshundert Einwohnern um. Die mei­
sten, die fliehen konnten, entkamen über einen unbewachten Fußpfad,
der durch hohes Schilf an den Fluß führte, den sie schwimmend über­
querten. Bei den Deutschen gab es keine Verletzten, und die Sanitäter
standen untätig um die Lastwagen herum, von wo aus sie die Schießerei
hören konnten und die Häuser des Dorfes in Flammen aufgehen sahen.

". Frühere Fassungen dieses Aufsatzes habe ich bei Seminaren an der City U niver­
sity of New York und dem Davis Center, Princeton University, vorgetragen. An
dieser Stelle möchte ich mich bei Harry Psomiades und Lawrence Stone für die
Einladung und bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Seminare für ihre
Kommentare bedanken. Mein Dank gilt auch David Alberman, Omer Banov,
Gary Gerstle, Fclix Gilben, Arno Mayer, Ben Mazower, Rcid Mitchell und vor
allem Stephen Kotkin für ihren Rat und ihre Hilfe. Übersetzung aus Past and
Present, no. 134, 1992, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

157
Nach etlichen Stunden hörten die Schüsse auf, und während die hat ja mit einer Kriegsführung nichts mehr zu tun.« Derselbe Zeuge
Sturmtrupps im Schatten der Orangenbäume Rast machten, zogen behauptete zudem, daß er während der Schießerei die Männer schreien
Hilfstruppen in das Dorf ein, um das Vieh, das Geflügel und das Haus­ hörte: »Schieß doch Du! Ich kann das nicht! Du hast doch ein Maschi­
haltsgerät der Dorfbewohner zu beschlagnahmen. Ein Angehöriger die­ nengewehr oder eine Maschinenpistole, da geht das einfacher. Ich muß
ser Truppe, Karl S., beschrieb viele Jahre später, was er damals dort sah: doch zielen.« Laut Franz T. waren »die meisten Soldaten mit dieser
»Überall lagen Leichen herum. Vor und in den Häusern. Wenn ich das Aktion nicht einverstanden. [...] Viele sprachen es offen aus, daß das
noch richtig in Erinnerung habe, dann befand sich am Hauptplatz oder ganze eine Schweinerei sei, wehrlose Zivilisten zu erschießen. Andere,
Dorfplatz [... ] eine Kirche oder kleine Kapelle und vor dieser Kirche einige wenige, waren wieder der Ansicht, daß das alles potentielle Feinde
([...] Ich glaube, es war das einzige Gebäude das nicht gebrannt hat.) gewesen seien, die nur die Partisanen gegen uns Soldaten unterstützten.
lagen ein großer Haufen von Leichen. Soviel ich aus dem Menschenlei­ Die Auseinandersetzung war so heftig, daß ich in diesem Zusammen­
berwirrwarr ersehen konnte, dÖrften unter den Leichen viel mehr Frau­ hang eher bereits von einer >Meuterei< sprechen möchte.«}
en und Kinder gewesen sein, Als Männer. Das Kirchentor war offen, und Um die Zuverlässigkeit dieser Aussagen einschätzen zu können, soll­
auch in der Kirche lagen Leichen.«' te man sich zwei Dinge vor Augen führen. Zum einen wurden die Aus­
Diese Schilderung von Karl S. ist einer eidesstattlichen Versicherung sagen von Männern gemacht, die ihren eigenen Anteil an dem Massaker
bei der österreichischen Polizei von 1971' entnommen, die Teil einer Vor­ nicht verleugneten. Sie waren also nicht darauf angelegt, den Zeugen
untersuchung zum Kommeno-Massaker war. (Es kam nie zur Verhand­ oder jemand anders zu entlasten. Zum anderen wurden sie unabhängig
lung.) Zwischen 1971 und 1973 spürten die westdeutsche und dieöster­ voneinander gemacht. Selbst wenn wir Ungenauigkeiten und Übertrei­
reichische Polizei praktisch alle Überlebenden der 12. Kompanie auf und bungen einräumen, vermitteln die Aussagen - wie auch zu erwarten
befragten sie. Die Untersuchungsbeamten wollten vor allem herausfin­ war - immer noch den Eindruck, daß die Soldaten von dem, was sie ge­
den, wer den Befehl für die Operation gegeben hatte. In dieser Hinsicht sehen und getan hatten, nicht unbeeindruckt blieben. Eine solche Inter­
ergaben die Befragungen ein unklares Bild, denn obwohl sich die mei­ pretation wird auch von zeitgenössischem dokumentarischem Material
sten einig waren, daß Oberleutnant Röser, der 1944 starb, an jenem unterstützt. Im Oktober 1943 schrieb der evangelische Pfarrer der I. Ge­
Morgen die Anordnung gegeben hatte, »daß alle niedergemacht werden birgs-Division (Geb.-Div.) mit ausdrücklichem Bezug zu den Aktivitä­
müssen«,' herrschte Uneinigkeit darüber, inwieweit der Bataillons­ ten der vorangegangenen drei Monate: »Eine schwere innere Belastung
kommandeur K. und Rösers Stellvertreter, Leutnant D., die beide noch ihres Gewissens bedeutet für viele [...] das Tötenmüssen von Frauen und
leben, involviert waren. Doch beim Lesen dieser Aussagen fällt die allen Kindern bei den Unternehmen gegen die Banden.« Das waren starke und
gemeinsame Erwähnung eines anderen Aspekts auf: der Effekt, den das \lngewöhnliche Worte für einen offiziellen Bericht, der dem Verfasser
Massaker auf die Soldaten selbst hatte. einiges an Mut abverlangte, vor allem weil der General, der den Bericht
Karl D. erinnerte sich: »Nach dem Einsatz ist es innerhalb der 12. empfing, deY Kirche nicht freundlich gesonnen war. 4
Kompanie zu Auseinandersetzungen gekommen. Fast alle Soldaten Nach dem Massaker von Kommeno scheinen einige Soldaten erwo­
haben diesen Einsatz abgelehnt. Nur wenige haben diese Vergeltungsak­ gen zu haben, vom Protest zu konkreteren Aktionen überzugehen. »Wir
tion für richtig gehalten. [...] Ich selbst war von den Grausamkeiten so hatten genug, wir wollten von der ganzen >Scheiße< nichts mehr wissen«,
angewidert, daß ich erst nach Wochen wieder mein seelisches Gleichge­ erinnerte sich Otto G. »Aber schließlich hatte uns dann doch der Mut zu
wicht fand.« August S.: »Es war nach der wüsten Schießerei sehr still einer Desertation gefehlt. Nicht ein Mann hat die Flucht ergriffen.« Mit
geworden. Die meisten Kameraden waren sehr bedrückt. Fast keiner war. den Worten von August S.: »Schließlich haben wir uns alle auf den [.. .]
mit dieser Aktion einverstanden. [...] Alle hatten Gewissenskonflikte bis Standpunkt zurückgezogen, daß wir ja nur befehlsgemäß gehandelt
auf wenige Ausnahmen.« Nach Aussage von Johann E. warf ein Unter­ haben.« Dennoch war das Vertrauen zwischen Röser und seinen Män­
offizier Röser s.eine Mütze vor die Füße und sagte: »Herr Oberleutnant, nern erschüttert, und kurz danach wurde Röser in eine andere Einheit
nehmen Sie zur Kenntnis, das war das letztemal, daß ich an so etwas teil­ versetzt)
genommen habe. Das war ja eine Schweinerei sondergleichen [...], das Zusammengenommen vermitteln diese Dokumente den Eindruck,

15 8 159
daß es Grenzen dessen gab, was einfache Soldaten mit ihrem Gewissen gegen Hitler zu gewinnen, erst erfolgreich waren, nachdem mit Stalin­
vereinbaren konnten. Doch trotz ihrer moralischen Empörung hatten grad die deutsche Niederlage, in welcher Form auch immer, unaus­
die Soldaten die Befehle befolgt und - wie viele der eidesstattlichen Ver­ weichlich geworden war. 8
sicherungen offen bezeugen - auf Zivilisten geschossen. Ihre Taten Bei der Ersetzung des alten Bildes von der »antinazistisch« durch das
waren weder spontane, von den Anspannungen eines Partisanenkriegs neuere einer »pronazistisch« eingestellten Wehrmacht hat sich die jüng­
ausgelöste Ausbrüche wütender Gewalt, noch wurden sie unter vorge­ ste Forschung auf die hochrangigen Beziehungen zwischen dem Regime
haltener Pistole von Männern ausgeführt, die nur unter Androhung von und dem Offizierskorps konzentriert. Sofern er überhaupt vorkommt,
Strafmaßnahmen und Kriegsgericht zusammenblieben. Keine Armee, erscheint der einfache Soldat als willenloses Werkzeug in den Händen
am allerwenigsten die Wehrmacht mit ihrem ungeheuren Grad an seiner Offiziere. Doch reicht es nicht aus zu zeigen, daß das NS-Regime
Zusammenhalt, funktioniert allein aufgrund von Disziplin. Mit welchen sich ein politisches Heer wünschte - es muß auch gezeigt werden, wie es
Mitteln, unter Berufung auf welche Werte waren diese Soldaten dazu ihm gelang, eines aufzubauen. Die kürzlich entstandene Flut von Arbei­
gebracht worden, ihre menschlichen Instinkte zu unterdrücken? ten über die Alltagsgeschichte des Dritten Reichs hat deutlich gemacht,
Diese Frage führt uns ins Zentru~~er gegenwärtigen. Debatte über wie wichtig es ist, allgemein verbreitete Ansichten in jede Debatte, die
die Rolle der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und das Wesen der klären soll, wie sich der Nationalsozialismus an der Macht hielt, einzu­
Beziehungen zwischen dem Heer und dem NS-Regime. Lange Zeit war beziehen. Jüngste Studien zur politischen Haltung der Zivilbevölkerung
man der Meinung, daß die Wehrmacht gegert den NS-Virus immun war: im Dritten Reich deuten darauf hin, daß es, vor allem nach Ausbruch des
Wenn die SS - wie Gerald Reitlinger es ausdrückt - das »Alibi einer Nati­ Krieges, eine gewisse Ambivalenz gegenüber dem Regime gab. Sowohl
on«6 war, dann war das deutsche Heer ihr »makelloser Schutzschild«/ vor als auch während des Zweiten Weltkrieges bildete sich eine Band­
dessen vorgeblich aristokratische Führungsschicht dazu beitrug, ein breite von politischen Haltungen aus, die vom »inneren« Widerstand
erhabeneres Konzept vaterländischer Pflicht zu bewahren. Die Ver­ (der gelegentlich auch sichtbar wurde) bis zur Zustimmung und Koope­
schwörung des 20 . Juli gegen Hitler bestärkte die Vorstellung, daß die ration in Form politischer Denunziation reichte.9
Wehrmacht ein Zentrum des Widerstands gegen die NS-Führung war, Obwohl das Konzept der Alltagsgeschichte bei der Analyse des Drit­
eine Institution, die aufrecht kämpfte, um die Russen aus Europa fern­ ten Reichs Spuren hinterlassen hat, hatte es nur einen geringen Einfluß
zuhalten, die mit dem Holocaust und anderen unsoldatischen Vorgängen auf unser Verständnis des deutschen Heeres. Dies ist kaum erstaunlich:
aber nichts zu tun hatte. Ein Ansatz, der sich auf den sozialen Protest konzentrierte, der den
Vor einiger Zeit konnte nachgewiesen werden, daß diese Einschät­ Widerstand gegen die Autorität betonte und dessen »ethnologische
zung in vielerlei Hinsicht falsch war. Mittlerweile ist klar, daß Wehr­ Wende « bedeutete, »das Subjekt ernst zu nehmen«, eignete sich nicht für
macht und SS-Einheiten oft zusammenarbeiteten, daß die Wehrmacht eine Untersuchung des deutschen Soldaten. Wenn man nicht nach Berei­
schon zu einem frühen Zeitpunkt half, die Massenmorde an Juden in Ser­ chen des »Widerstands« innerhalb der Truppen suchte, fiel es nicht
bien zu organisieren, und die mörderischen Aktivitäten der Einsatz­ leicht, sich in Individuen »einzufühlen«, denen die ideologische Attrak­
truppen an der Ostfront unterstützte. Jüngere Studien haben nicht nur tivität des »antifaschistischen Arbeiters« fehlte. l o
gezeigt, wie stark die politische Indoktrination in das Offizierskorps Das führt manchmal zu einer recht einseitigen Wiedergabe militäri­
eingedrungen und dort sogar institutionalisiert worden war, sondern schen Verhaltens. Hans-Peter Klausch hat sich auf die Geschichte der
auch, wie sich die NS-Ideologie in den Befehlen und Aktivitäten der sogenannten 99ger Brigaden konzentriert, zu denen auch politische
militärischen Befehlshaber spiegelte. Die Konzeption des Krieges im Gefangene des antifaschistischen Widerstands gehörten. In ihrer Kritik
Osten als Vernichtungskrieg wurde von der politischen und der militäri­ am Regime und ihrer Kooperation mit lokalen Widerstandsgruppen
schen Führung des Reichs geteilt. Die Verschwörung des 20. Juli taugt waren sie kaum typische Produkte der Wehrmacht. Auf etwas allgemei­
weitaus weniger als Beweis für die Abneigung der Militärs gegen die NS­ nerer Ebene hat Theo J. Schulte ein revisionistisches Bild vom Leben der
Politik, wenn man bedenkt, daß die Versuche, hochrangige Wehr­ wachhabenden Landser im besetzten Rußland gezeichnet, das sich durch
machtsoffiziere für eine nur minimale Unterstützung im Widerstand Langeweile und ideologische Apathie ausgezeichnet habe. Deutsche

160 I6I
Konservative haben Belege für den Widerstand gegen Hitler meist im immer »eine universelle Verhaltensdeterminante« 16 sei. Ein solcher
Offizierskorps gefunden; von einem ganz anderen Ausgangspunkt aus Ansatz vermittelt den Eindruck, als sei die Moral unter den Soldaten
halten nun die oben genannten jüngeren Historiker Ausschau nach ähn­ niedriger gewesen als im allgemeinen, und gründet sich zudem auf ein
lichen Kräften innerhalb der Mannschaften, die von Trägheit bis zu akti­ monolithisches und unrealistisches Konzept von Ideologie. Der Natio­
vem Widerstand reichten. II
nalsozialismus hatte einen weitreichenden und tiefen Einfluß auf allge­
Das Problem mit solchen Interpretationen ist jedoch, daß sie die Ursa­ mein verbreitete Überzeugungen: die Auffassung von Patriotismus, die
chen des Widerstands gegen die Befehlsgewalt und ihre ideologischen Einstellung zu Frauen, die Begriffe von Recht und militärischer Ehre
Imperative in einem Heer suchen, das sich durch einen in jeder Hinsicht waren allesamt von der nationalsozialistischen Doktrin beeinflußt.
bemerkenswerten Zusammenhalt auszeichnete. Mehrere Historiker Neben dem Fanatismus hat es wahrscheinlich noch andere Faktoren
haben auf die Wichtigkeit eines »natio~lsozialistischen Konsenses« gegeben, mit denen sich die Neigung der Wehrmacht zur Gewalt gegen
innerhalb der Wehrmacht hingewiesen.'?Es stellt sich die Frage, auf wel­ Zivilisten erklären läßt, und auch sie könnten zumindest teilweise von
chen Überzeugungen dieser Konsens beruhte. '
faschistischem Gedankengut herrühren. Zwischen Omer Bartovs Beto­
lan Kershaw wendet sich dem gleichen Problem im Kontext des nung einer existentiellen, quasireligiösen Bindung an die NS-Weltan­
gesamten Dritten Reiches zu und argumentiert, daß die Verherrlichung schauung und Hans Mommsens Bild vom Landser, der sich der auf ihn
Hitlers »ein entscheidender integrativer Faktor im NS-Herrschaftssy­ abzielenden Flut von Propaganda phlegmatisch widersetzt, liegt ein
stem«'3 war. Bei der Wehrmacht mag es ein ähnliches Phänomen gege­ ganzer Bereich von Überzeugungen, der darauf wartet, erforscht zu wer­
ben haben, doch ist schwer einzuschätzen, wie die Soldaten auf die Pro­ den. '7
paganda-Anstrengungen des Regimes reagierten. Der»Hitler-Mythos«
scheint im Reich seit Ende 1941 an Anziehung verloren zu haben. Auch
die Soldaten wurden immer unzufriedener. '4 Grundlegender ist die I
Überlegung, daß, obwohl Hitler bei bestimmten Gruppen, vor allem bei
den jüngeren Offizieren, immer noch populär gewesen sein mag, der Im Juni und Juli I943 zog die I. Geb.-Div. in den Nordwesten Grie­
Führermythos allein nicht die Grenzen des Zulässigen bestimmte. In chenlands, um die Küste gegen die erwartete Landung der Alliierten zu
Deutschland mußte das Regime angesichts öffentlicher Proteste zum sichern. Sie begann mit einer Reihe von Säuberungsaktionen gegen die
Beispiel sowohl das Euthanasieprogramm als auch die während des Partisanen, die die Verteidigung der Küste durch die Achsenmächte vom
Krieges geführte Kampagne gegen die Kirche fallenlassen. '5 Wenn Ker­ Inland her bedrohten. Der erste große Einsatz, die Operation »Au­
shaw den »Hitler-Mythos« so sehr betonte, dann deshalb, weil er über­ gustus«, dauerte fünf Tage, in denen die deutschen Einheiten mehrere
zeugt war, daß die ideologische Zustimmung der deutschen Öffentlich­ hundert Meilen kargen Terrains besetzten, zahlreiche Dörfer nieder­
keit zum Nationalsozialismus übertrieben worden ist. Vielleicht ist es brannten und mehr als hundert »Banditen« töteten. Doch nur wenige
jetzt an der Zeit, von neuem zu untersuchen, auf welche Weise die ideo­ Waffen wurden beschlagnahmt, und die Operation wurde als Fehlschlag
logische Dynamik des Regimes sich mit allgemein verbreiteten Denk­ bewertet, weil sich die Partisanen einfach ins Landesinnere zurückgezo­
weisen verband.
gen hatten. ,8
Wenn man sich anschaut, auf welche Weise sich das Regime der Am 12. August, während der Operation »Augustus«, fuhr ein deut­
Zustimmung seiner Soldaten versicherte, so bedeutet das, einen weiter­ scher Spähtrupp unerwartet auf den Hauptplatz von Kommeno. Dies
gefaßten und differenzierteren Blick auf die NS-Ideologie zu werfen, als waren seit langem die ersten Deutschen. Seit 1941 war die Region von
das in den bisherigen Debatten geschehen ist. Eine erst kürzlich erschie­ italienischen Truppen und Carabinieri kontrolliert worden, die den
nene Arbeit macht sich daran, das Stereotyp von der Wehrmacht als einer Dorfbewohnern gegenüber eine tolerante Haltung an den Tag gelegt hat­
»unbarmherzigen und disziplinierten homogenen Einheit« in Frage zu ten. Zweifellos waren die deutschen Soldaten überrascht, griechische
stellen. Doch geht der Autor von der Unzufriedenheit und Apathie Partisane\} vorzufinden, die ihre Waffen an den Dorfbrunnen gelehnt
innerhalb der Truppe aus und argumentiert damit, daß Ideologie nicht hatten, während sie bei den örtlichen Händlern Nahrungsmittel requi­
I62
16 3
rierten. Es gab einen Moment der Anspannung, aber die Dorfbewohner ihres Kommandeurs, Oberst Salminger, bei einem Partisanenüberfall an,
konnten beide Seiten davon abhalten, aufeinander zu schießen. Einge­ ein Ereignis, das tatsächlich Vergeltungsmaßnahmen nach sich zog, aller­
schüchtert wendeten die Deutschen ihr Fahrzeug und fuhren davon. Die dings erst nach Kommeno, nämlich am I. Oktober. Es gab auch andere
folgende Nacht verbrachten die nervösen Dorfbewohner auf den Fel­ Erinnerungen. Nach Aussage von K., der es als Bataillonskommandeur
dern, und sie kehrten erst zurück, nachdem der italienische comman­ eigentlich wissen mußte, hatte Salminger selbst am Vorabend eine feuri­
dante in Arta ihnen versichert hatte, daß sie nichts zu fürchten hätten. '9 ge Rede an die Soldaten gehalten, in der er ihnen sagte, daß sie deutsche
Doch der Italiener hatte unrecht. Berichte über die Sichtung der Soldaten zu rächen hätten, die in Kommeno angegriffen worden seien.
Partisanen erreichten den Divisionsstab und höhere Stellen, und am (Wir wissen, daß dort nie Soldaten angegriffen wurden, für die Soldaten
14. August ging an OberstleutnantJosef Salminger, der das Gebirgsjäger­ muß das nicht unbedingt zutreffen.) Die Version, daß die 12. Kompanie
Regiment (GJR) 98 befehligte, die Anweis~ng, sich für einen »Über­ den Tod von anderen Soldaten vergelten sollte, die im Dorf getötet
raschungsangriff« auf Kommeno vorzubereiten....Nur wenige Tage zuvor worden wären, wurde von einer Reihe von Zeugen wiederholt. Erstaun­
hatte die I. Geb.-Div. von General Alexander Löhr in Saloniki die lich sind nicht so sehr das Durcheinander und die Abweichungen zwi­
Anordnung erhalten, die Sühnemaßnahmen »mit den härtesten Mitteln« schen den Schilderungen, erstaunlich ist vielmehr die fast einhellige
· durchzuführen. Nach den allgemein geltenden Befehlen hatte die Tatsa­ Meinung, daß das Blutbad in Kommeno eine Form der Vergeltung
che, daß in Kommeno Partisanen gesichtet worden waren, das Dorf und war.
seine Bewohner zu einem potentiellen Angriffsziel gemacht. 20 Mit den Begriffen »Vergeltungsaktionen«, »Sühnemaßnahmen« und
Die·Gewalt, die in Kommeno verübt wurde, war nicht spontan oder »Säuberungsunternehmen«, die in den Zeugenaussagen von Ludwigs­
unkontrolliert, sondern in ihr drückten sich die Ziele einer stark büro­ burg immer wieder auftauchen, wird jeder vertraut sein, der sich mit den
kratisierten militärischen Struktur aus. Das wird an der Zusammenset­ NS-Besetzungen in Ost- und Südosteuropa beschäftigt. Es waren weni­
zung der Einheit deutlich, die in das Dorf geschickt wurde; einige Sol­ ger die Fronteinsätze als vielmehr diese Maßnahmen, die unter der Zivil­
· daten wurden abgeordnet, um nach der Operation die Beute bevölkerung in den besetzten Gebieten durchgeführt wurden und größ­
sicherzustellen; das Kantinenpersonal stand bereit, um die Soldaten mit tenteils gegen sie gerichtet waren, die der Wehrmacht den Ruf der
Reispudding und Obstkompott zu versorgen, bevor sie ins Lager Brutalität und der Gewalttätigkeit einbrachten.
zurückkehrten. 2I Außerdem vergingen mehr als vier Tage zwischen der Die Ursprünge dieser Maßnahmen sind in der Reaktion der Deut­
ersten Sichtung der Partisanen und dem »Überraschungsangriff« auf sie. schen auf die französischen Franktireurs 1871 und 1914 zu sehen. In bei­
Da sie in Kürze eine Landung der Alliierten an der Küste von Epirus den Kriegen hatten die deutschen Streitkräfte Vergeltungsmaßnahmen
erwarteten und es nicht geschafft hatten, die Partisanen, die ihre rück­ .durchgeführt, verglichen mit dem, was kommen sollte, jedoch in einem
wärtigen Linien bedrohten, niederzuschlagen, mögen die Planer der geringen Ausmaß. Paradoxerweise hatten die durch diese früheren Maß­
Wehrmacht in Ioannina und Athen die völlige und beispiellose Zer­ . nahmen hervorgerufenen Proteste dazu geführt, daß die militärischen
störung von Kommeno als Mahnung und als Bekräftigung deutscher Vorschriften zur Erschießung von Zivilisten bei der Reichswehr stren­
Macht angelegt haben, als eine schreckliche Warnung an die Region, wel­ ger wurden; erst nach 1939 wurde diese Entwicklung rückgängig
che Konsequenzen die Unterstüzung der Partisanen haben würde. So gemacht. 23 Die entscheidende Phase des Umschwungs war die erste
zumindest wurde das Massaker von den lokalen Anführern des Wider­ Hälfte des Jahres 1941, in die sowohl die Invasion Jugoslawiens und
stands interpretiert. 22 Griechenlands als auch die Planung und schließlich die Durchführung
Doch was war nach Ansicht der Soldaten der 12. Kompanie das Motiv des Unternehmens »Barbarossa« fiel. Zu den ersten Beispielen für die
für den Angriff? Bei der Befragung in den frühen siebziger Jahren erklär­ neue Politik gehörten die Anweisungen, die Ende April 1941 im gerade
· ten fast alle, daß es eine Vergeltungsaktion gewesen sei, obwohl sie sich erst besetzten Jugoslawien an die deutschen Truppen ausgegeben wur­
nicht einig waren, wessen Tod angeblich gesühnt werden sollte. Die mei­ den. Generalfeldmarschall Maximilian von Weichs, der später Oberbe­
sten erinnerten sich an den Tod eines hohen Offiziers, der von den Par­ fehlshaber Südost werden sollte, gab den Befehl aus: "Wenn in irgend­
tisanen ermordet worden war. Offenbar spielten sie damit auf den Tod einem Gebiet eine bewaffnete Bande auftaucht, dann sollen selbst die

16 4 16 5
waffenfähigen Männer, die gefaßt wurden, weil sie sich in der Nähe der Kollaborateure für sich gewinnen könnte; andere verlangten hingegen
Bande aufhielten, erschossen werden, auch wenn sich nicht unmittelbar eine Ausweitung des Terrors.
feststeHen läßt, daß sie etwas mit der Bande zu tun haben.«'4 Solche Debatten entstanden nach den Massakern in Kragujevac und
Obwohl von Weichs damit aus eigener Initiative gehandelt zu haben Kraljevo im Oktober 1941, wo deutsche Truppen - im Bemühen,
scheint, arbeitete das OKW für das Unternehmen »Barbarossa« ähnlich ihre Vergeltungsquoten zu erfüllen - mehr als viertausend Einwohner
drakonische Weisungen aus: Am 13. Mai 1941 ermächtigte es die Trup­ erschossen. Dazu gehörte die gesamte serbische Belegschaft einer
pen, die sich an der Ostfront sammelten, Partisan91-z.u »liquidieren«, Flugzeugfabrik, die im Zuge der deutschen Kriegsanstrengungen über­
und wies die Feldkommandeure an, Geiseln zu nehmen, um sie zur Ver­ nommen worden war. Kaum mehr als zwei Jahre später gab es in Grie­
geltung von Angriffen auf deutsche Wehrmachtsa~gehörige zu er­ chenland einen Aufruhr, als Soldaten der I 17. Jäger- Division die Ermor­
schießen. ' ! dung von circa siebzig Männern aus ihren Reihen durch die Partisanen
In seiner Analyse des Verhaltens der Wehrmacht in Serbien im Jahr rächten, indem sie siebenhundert Griechen, darunter die gesamte männ­
194 I hat Christopher Browning gezeigt, daß selbst eiri kultivierter und liche Bevölkerung von Kalavrita, erschossen.' 8
religiöser Mann wie Generalfeldmarschall Wilhelm List, der »weder ein Beide Vorfälle führten kurzfristig dazu, daß die Militärbefehlshaber
Nazi noch ein traditioneller preußischer Offizier« war, bereit war, auf Befehle erließen, die auf eine Modifikation der bestehenden Praxis
dem zu bestehen, was sein eigener Stabs chef als »glatte Gewalt« bezeich­ abzielten. Das mag zeitweilig zwar diejenigen beschwichtigt haben, die
nete. Browning hebt eine Vielzahl von Faktoren hervor, die zu diesem eine größere Sensibilität für das Ansehen vor Ort verlangt hatten, hatte
Verhalten beigetragen haben: Lists Mangel an politischer Sensibilität, die aber keine erkennbare Auswirkung auf das Verhalten der Wehrmacht.
Sorge um das Wohlergehen seiner Soldaten, die Entrüstung über die hin­ Weder machten die neuen Befehle den Massenerschießungen ein Ende
terhältige Taktik des Widerstands und die Angst vor den nachteiligen noch zogen sie eine Bestrafung der verantwortlichen Offiziere nach sich.
Auswirkungen, die die Erfolge der Partisanen auf das Ansehen der deut­ Nur Monate nach den beiden Greueltaten kam es zu weiteren Massa­
schen Wehrmacht haben würden. Im Herbst 1941 wurden Lists Befehle kern. '9
auf dem griechischen Festland erstmals von der 164. Infanterie-Division Um erklären zu können, wieso die Debatten immer wieder auf diese
umgesetzt: Sie brannte mehrere Dörfer in der Nähe von Saloniki nieder Weise endeten und eher für Gewalt als für Verhandlung optiert wurde,
und erschoß über vierhundert männliche Dorfbewohner, nachdem ge­ reicht die Behauptung, dies sei einfach eine »normale« militärische Reak­
meldet worden war, daß Partisanen in der Umgebung Rast gemacht hat- tion auf die Probleme des Partisanenkriegs gewesen, nicht aus. Partisa­
ten. 'G .
nenkrieg ist, wie der Krieg selbst, eine eigene Kategorie; er umfaßt eine
Sowohl in Serbien als auch in Griechenland etablierten die deutschen . ganze Bandbreite von Situationen und möglichen Reaktionen. Weder in
Behörden ein Terrorsystem, als die Aktivitäten der Partisanen zunah­ Griechenland noch in der italienischen Besatzungszone Jugoslawiens
men. Die deutsche Besatzung hatte zu einem gesellschaftlichen Zusam­ . reagierte die italienische Armee in gleicher Weise wie die Deutschen auf
menbruch geführt, der in seinen Ausmaßen in Westeuropa beispiellos die Partisanen. Ihre militärische Reaktion war viel zurückhaltender, und
war: Eine umfassende ökonomische Enteignung und die daraus resultie­ die italienischen Ortskommandanten waren eher geneigt, stille Abkom­
rende rasche Inflation führten zum Zusammenbruch der Binnenmärkte. men mit den potentiellen Führern des Widerstands zu treffen. Tatsäch­
Das wiederum hatte Hungersnöte in den städtischen Zentren zur Folge, lich gerieten die italienischen Befehlshaber in Epirus mit der I. Geb.-Div.
belastete die bestehenden staatlichen Behörden bis zum Zerreißen und wegen der Taktik der Partisanenbekämpfung heftig aneinander und
bewirkte letztlich die Ausbildung alternativer gesellschaftlicher Organi­ bestanden auf einem korrekten Verhalten gegenüber der Zivilbevölke­
sationsformen im Untergrund - mit anderen Worten, einen Massen­ rung. Jo Demnach gab es also Alternativen zur vorherrschenden Politik
widerstand. '7 Innerhalb der Besatzungsverwaltung drängten einige der Deutschen. Sogar einige Wehrmachtsoffiziere argumentierten, daß es
Beamte darauf, daß die Vergeltungsstrategie zugunsten einer Suche nach sinnvoller gewesen wäre, die Truppen unten in der Ebene einzusetzen,
politischen Lösungen reduziert werden sollte,' mit denen man, meist auf um die Ernte zu bewachen und die Partisanen auf diese Weise aus­
der Grundlage einer antikommunistischen Kampagne, ortsansässige zuhungern, statt ihnen erfolglos in den Bergen hinterherzujagenY Es

166 167
gab einen Grund, warum diese Stimmen ignoriert wurden: Es handelte Uns~huldige mit. - Da darf es gar keine Frage geben! Er muß es anzün­
sich nicht um einen Partisanenkrieg,bei dem die Aggressio~en durch die den.« Genau diese Haltung steckt hinter Rösers drakonischen Anwei­
Spannung und den Druck ausgelöst wurden, dem die Bodentruppen aus­ sungen an seine Männer vor Kommeno. 34
gesetzt warenY In der im Entstehen begriffenen »Neuen Ordnung« der In einem Wortwechsel, der die oben beschriebene Auseinander­
Nationalsozialisten, zumindest wie sie sich in weiten Teilen Osteuropas setzung illustriert, erwiderte Jodl, daß ein gemäßigteres Vorgehen viel­
entwickelte, wurde Brutalität nicht nur geduldet oder toleriert. Sie leicht verhindern könnte, die Bevölkerung in die Arme der Partisanen zu ,
wurde ermutigt. Hinter den »Vergeltungsaktionen « -~nd den »Sühne­ treiben. Hitler war anderer Meinung und tat bald seine Wünsche kund.
maßnahmen« steckten die Überzeugungen des Nationalsozialismus, ja Innerhalb von zwei Wochen hatte das OKW neue Richtlinien zur Parti­
Hitlers selbst. sanenbekämpfung erlassen. In diesen wurde - mit ausdrücklicher Billi­
gung des Führers - angeordnet, daß »die Soldaten das Recht und die
Pflicht haben, in diesem Kampf selbst gegen Frauen und Kinder alle
II Mittel einzusetzen, vorausgesetzt, sie führen zum Erfolg. [ ...] Kein
Deutscher, der an Unternehmungen gegen die Banditen oder ihre
In vieler Hinsicht war Hitler ein typischer ehemaliger Frontkämpfer. In Verbündeten teilnimmt, ist für Gewaltakte verantwortlich zu machen,
den Schützengräben von Ypern hatte er sich mehrere Auszeichnungen weder in disziplinarischer noch in rechtlicher Hinsicht.« Im »Führer­
erworben, und sein Krieg war sehr risiko reich und voller Bewegung staat« bestand also ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen
gewesen. Wie andere Frontsoldaten wurde er nicht nur von den ihm vor­ Hitlers eigenen Ansichten und den offiziellen Richtlinien der Wehr­
gesetzten Offizieren, sondern auch von den Umständen an die Notwen­ macht)!
digkeit von »Kampfgeist« und »Siegeswillen« erinnert. Einige Soldaten Diese Direktiven und Einsatzbefehle enthielten gewisse wieder­
kehrten 19 18 mit einem ständigen Mißtrauen gegenüber Gewaltaufrufen kehrende Motive - »Härte«, »rücksichtslose Strenge « -, die Hitler und
nach Hause zurück, andere aber schienen mit ihn~n wie verwachsen zu seine Generäle offenbar für die Tugenden hielten, die für diese Art des
sein. Hitler schrieb die Niederlage Deutschlands einer Willensschwäche Kampfes erforderlich waren. Der deutsche Soldat mußte - laut den für
zu, einem Zurückscheuen vor den Anforderungen des Krieges, und das den Balkan ausgegebenen Richtlinien - »noch verschlagener und rück­
Ergebnis war eine Philosophie, die nach einer so gut wie ungezügelten sichtsloser« sein und dazu bereit, »alle Mittel « im Kampf gegen einen
Aggression im Streben nach militärischem Sieg verlangte. »Man kann »hinterhältige[n] und verschlagene[n] Gegner « einzusetzen.36
einen Krieg nicht mit den Methoden der Heilsarmee führen «, war Hit­ In Griechenland war »Härte« besonders verlangt, denn der dortige
lers Antwort auf Proteste angesichts der Brutalität der SS im November allmähliche Verfall der öffentlichen Ordnung wurde 1943 dem Fehlen
1939)3 dieser Tugend bei den Italienern zugeschrieben. Beim Gipfeltreffen in
Eine Reihe von Autoren hat zu Recht betont, wie wichtig es Hitler . Salzburg im April 1943 warnte Ribbentrop einen hohen italienischen
während der Vorbereitungen zum "Unternehmen Barbarossa« war, dem Diplomaten, daß man »zu brutalen Aktionen greifen müßte, wenn die
Oberkommando der Wehrmacht klarzumachen, daß dies eine neue Art Griechen sich überschätzen sollten. Er war der Meinung, daß [.. .] den
von Krieg sein sollte, ein Vernichtungskrieg. Hitler war ähnlich direkt, Griechen mit eiserner Hand gezeigt werden müßte, wer der Herr im
was den Umgang mit der Bedrohung durch die Partisanen anging. Im Land war.« 37 Ausnahmsweise befand sich der Außenminister in Über­
Dezember 1942 kam die Partisanenfrage zum Beispiel bei einer U nter­ einstimmung mit seinen Kollegen bei der Wehrmacht, die beunruhigt
redung zwischen ihm und Alfred Jodl, dem Chef des Wehrmachts­ waren, weil es Anzeichen dafür gab, daß die Griechen ihre Verachtung
führungsstabes, zur Sprache. Der Führer entwarf das folgende Szenario, für die Italiener auf die Deutschen übertrugen, während der Wider­
um zu illustrieren, wie mit den Partisanen umzugehen sei: »Was wollen standsgeist sich verbreitete. In jenem Sommer war in Argos ein neu
Sie machen: die Schweine sind in einem Hause und verbarrikadieren sich, eingetroffener deutscher Soldat am hellichten Tag von einem griechi­
und in diesem Hause sind auch Weiber und Kinder. Darf der Mann das schen Zivilisten zusammengeschlagen worden. Der deutsche Orts­
Haus anzünden oder nicht? Wenn er es anzündet, verbrennt der kommandant verlangte eine harte Antwort. Als die Italiener, die for­

168 169
mal immer noch zuständig waren, die Sache schleifenzulassen drohten, ste von Hitlers Feldmarschällen«44 erlangen sollte. Schörner, ein Verdun­
sorgte er dafür, daß die Exekutivgewalt auf ihn übertragen wurde Veteran und Angehöriger des Freikorps Epp, war einer der wenigen
und ordnete sofort die Hinrichtung von drei >>Verdächtigen« an. 38 ranghohen Wehrmachtsoffiziere, für die Hitler nie die Begeisterung
Einige Wochen später behauptete ein Nachrichtenoffizier in Athen, verlor, und er hatte enge Beziehungen zur NSDAP: Er wurde zum Chef
daß im Umgang mit den Griechen eher Gewalt als Worte gefordert seien: des NS-Führungsstabs, das heißt der politischen Propagandaabteilung
»Die Zeit, in der wir uns auf Verhandlungen verlassen konnten, ist vor­ innerhalb der Wehrmacht, ernannt, und nach seinem Rücktritt betonte
bei. Der Grieche will immer noch mehr und benutzt Verhandlungen, um er weiterhin, wie wichtig es sei, der Wehrmacht die nationalsozialistische
sein Ziel zu erreichen, und das führt dazu, daß er den Respekt für die Weltanschauung einzuprägen.
Deutschen verliert.« Ein Flugblatt, das in den Dörfern auf dem Pelo­ Schörners mächtiger Einfluß wirkte nach seinem Weggang 1940 in der
ponnes verteilt wurde und davor warnte, die Partisanen zu unterstützen, I. Geb.-Div. fort: Mit Walter von Stettner als Divisionskommandeurund
drückte es einfacher aus: »Die Deutschen lassen die Waffen sprechen. «39 Salminger als Kommandeur des GJR 98 waren drei Jahre später Männer
In Griechenland wurde diese Gewaltideologie ebenso wie an der an der Macht, die unter ihm gedient hatten -letzterer sogar als Chef der
OstfrOnt durch das rangniedere Offizierskorps vermittelt, das, nach 12 . Kompanie. Beide Männer legten zudem; auf unterschiedliche Weise,
Bartovs Worten, das Rückgrat der deutschen Wehrmacht war. 40 Diese
Offiziere sollten ihren Männern durch ihr Verhalten demonstrieren, wie
\ jene Art von Einstellung an den Tag, die der Wehrmacht half, mit dem
NS-Regime zurechtzukommen.
der Krieg zu kämpfen war, und das beinhaltete die Fähigkeit, notfalls General von Stettner, der aus einer angesehenen Soldatenfamilie kam
»hart« zu seinY Das Regime betonte die zentrale Rolle, die dieses Seg­ und im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte, war ein kleiner penibler Mann,
ment der Wehrmacht spielte, und gewährte ihnen praktisch rechtliche dessen Minderwertigkeitskomplex und brennender Ehrgeiz dazu führ­
Immunität. Sie wurden, nach den Worten eines deutschen Nachkriegs­ ten, daß er seine persönlichen politischen Ansichten für sich behielt und
richters, zu »Herrn über Leben und Tod«.4' von seinen Untergebenen unerschütterlichen Gehorsam gegenüber Hit­
Nach einem Massaker in Griechenland, das energische Proteste beim lers Befehlen verlangte. Er mißbilligte die Rolle, die die Divisionsgeistli­
deutschen Auswärtigen Amt hervorrief, weil es seine Politik der politi­ chen im Leben der I. Geb.-Div. spielten. In den Richtlinien, die er für die
schen Kollaboration bedroht sah, wurde der verantwortliche Regi­ Operation »Augustus « ausgab, verlangte er, daß die Soldaten auf jedes
mentskommandeur von seinem Vorgesetzten mit dem Argument vertei­ Anzeichen oder selbst den Verdacht von Partisanenaktivitäten mit
digt, daß er, obwohl er ein »besonders strenger Vorgesetzter« sei, der oft standrechtlichen Erschießungen von Verdächtigen und der Zerstörung
zu »drakonisch harten« Maßnahmen greife, stets »um das Wohlergehen der Häuser in der Umgebung reagieren sollten. 45 Das führte dazu, daß er
seiner Männer besorgt sei und seine Handlungen auf diese Einstellung . mit seinem unmittelbaren Vorgesetzten, dem frommen katholischen
zurückzuführen« seien. Ein anderer junger Leutnant der Waffen-SS General Hubert Lanz, wegen der Behandlung der Zivilisten in Epirus
entging der Strafe für ein Massaker in Distomon im Juni 1944, weil er, aneinandergeriet. Nach Auskunft des katholischen Divisionsgeistlichen
obwohl er »den Rahmen, den die Befehle für Sühnemaßnahmen ziehen, nahm dieser Disput im Laufe der Zeit die Dimension einer »ideologi­
zweifellos überschritten« hatte, aufgrund der Überzeugung gehandelt schen Spaltung« innerhalb des Offizierskorps an. 46
hätte, »ein Exempel statuieren zu sollen, durch welches die Besatzungs­ Oberst Salminger, der kaum über dreißig gewesen sein kann, als er
macht mit aller Schärfe beweist, daß sie auch der hinterhältigsten und einige Wochen nach Kommeno bei einem Partisanenüberfall getötet
gemeinsten sogenannten >Kriegsführung<zu begegnen weiß«.43 wurde, war ganz anders als Stettner. Ebenso wie Schörner war er mutig,
Der ideologische Einfluß Hitlers auf das Offizierskorps wird deut­ impulsiv und brutal. Er war in die Reichswehr als Unteroffizier einge­
lich, wenn man die Schlüsselfiguren in der Einheit untersucht, die für das treten, wurde 1936 aber zum Offizier ernannt und stieg erstaunlich
Massaker in Kommeno verantwortlich . waren. Als das GJR 98 vor schnell auf, um in Schörners eigenem Regiment das Kommando zu über­
Kriegsbeginn im Zuge der Erweiterung der I. Geb.-Div. gegründet nehmen. Nach Aussage von K., dem Bataillonskommandeur, der unter
wurde, wurde Ferdinand Schörner sein erster Kommandeur, ein Mann, ihm diente und bei Kommeno mit dabei war, sah Salminger in Hitlerden
der später, nach seiner steilen Kriegskarriere, einen Ruf als »der brutal­ Retter Deutschlands und ließ seiner Begeisterung freien Lauf. »Dieses

17° 17 1
Regiment ist nicht bloß ein deutsches Regiment, es ist ein Hitler'sches so außerordentlich wichtig waren, den Ton angaben. In Salmingers »Hit­
Regiment«, soll er seinen Untergebenen im GJR 98 in Griechenlancl'ver­ ler'schem Regiment« sympathisierten viele von ihnen in ähnlichem
kündet haben. Solche Ansichten riefen ein Stirnrunzeln bei den konser­ Maße mit den nationalsozialistischen Zielen: Einem Landser wurde die
vativeren Offizieren hervor, korinten seine Beliebtheit unter seinen Beförderung verweigert, nachdem Leutnant D., Rösers Stellvertreter,
Männern aber kaum schmälern. 47 seine politischen Akten beim lokalen Parteibüro überprüft hatte. Ein
Einen Eindruck von Salmingers Direktheit geben die Nachrichten, die anderer Soldat erinnert sich an Röser als einen» hundertfünfzigprozen­
er während einer der ersten Einsätze gegen die Partisanen in Epirus an tigen Nazi«. Major K., der Röser gut kannte, charakterisiert ihn eben­
von Stettner schickte, einige Wochen vor Kommeno, als er versuchte, die . falls in politischer Hinsicht: Obwohl er kein Parteiaktivist gewesen sei,
Bergstraße, die südlich von Joannina nach Arta führte, zu räumen. Die also nicht die Art von Offizier, der seine Männer aufgrund defätistischer
Straßen waren schlecht, es war furchtbar heiß, und das Wasser war Aussagen der Gestapo übergab, war er ein ehemaliger HJ-Gruppenfüh­
knapp; es gab keine Dolmetscher, und für die Truppen war es schwer, an rer, der viele Ideale aus der Hitlerjugend mitbrachte. Bei Ausbruch des
zuverlässige Informationen zu kommen. Die Partisanen mieden jeden Krieges hatte er sich freiwillig zum Dienst in der Wehrmacht gemeldet,
Kontakt und zogen sich in die Berge zurück. Frustriert funkte Salmin­ wo er sich - nach Aussagen von K. - als ein ~nständiger und rücksichts­
ger an von StettnerinJoannina zurück: »Herr General! So wie die Ver­
hältnisse zur Zeit liegen, ist bestimmt der ganze Einsatz, obwohl er unter
'\ voller Kompaniechef erWies, der »von seinen Soldaten als Kamerad
angesehen wurde«. Diejenigen, die geneigt sind, die Solidarität innerhalb
größten Anstrengungen durchgeführt wird, nach meinem Gefühl völlig der Einheit und den Zusammenhalt in der Wehrmacht allein dem Zwang,
zwecklos. Es gibt hier nur eins: die gesamte männliche Bevölkerung fest­ der Überwachung und der strengen Disziplin zuzuschreiben, sollten
zunehmen, wer sich am Kampf beteiligt oder die Banditen unterstützt, sich klarmachen, für wie wichtig man es hielt, daß die niederen Offizie­
müßte sofort erschossen werden.«4 8 re eine Beziehung des Vertrauens, der Achtung und sogar der » Liebe« zu
Schon einige Tage lang hatte er auf ein solches Vorgehen gedrängt, den Männern unter ihrem Kommando aufbauten. Zugleich war Röser
allerdings mit wenig Erfolg, da die Italiener, deren Kommando die Re­ derjenige, der den Dorfgeistlichen am Dorfeingang von Kommeno aus
gion nominell immer noch unterstellt war, es als zu hart erachteten. Um nächster Nähe erschoß und K. später in das Dorf einlud, um ihm zu zei­
seine Frustration an einem »akzeptableren« Angriffsziel abzulassen, gen, »wie seine Männer das hingekriegt hatten«.5°
hielt Salminger einen Wagen an, dessen Fahrer sich, obwohl er einen Pas­
sierschein für die Straße besaß, aus anderen Gründen als verdächtig her­
ausstellte: Er war »ein einwandfreierJude [...]. Das wurde mir dann doch III
zu viel, ich habe diesen Burschen mit Wagen festnehmen und zur Divi­
sion bringen lassen.«49 Der Einfluß des Nationalsozialismus zeigte sich also am Verhalten ver­
Es sollten noch sieben Monate vergehen, bis die Juden von Ioannina . schiedener Offiziere aus der gesamten Hierarchie der 1. Geb.-Div. Aber
zu den Todeslagern deportiert wurden. In Salmingers Vorgehensweise ­ die Art des Kontakts, die ein Offizier, ob aktiv oder Reserveoffizier, zum
den jüdischen Fahrer festzunehmen, ihn aber nicht gleich zu töten - spie­ Regime und seiner Id~ologie hatte, unterschied sich erheblich von dem
gelt sich vielleicht die Ambiguität von Griechenlands Lage zwischen der Mannschaften. Salminger war trotz seiner Herkunft aus der Unter­
dem Osten, wo es gut hätte sein können, daß der arme Mann auf der Stel­ schicht schon vor 1936 in der Wehrmacht gewesen. Männer wie Leut­
le erschossen worden wäre, und Westeuropa, wo man ihn vielleicht gar nant D. (Rösers Nachfolger als Chef der 12. Kompanie) oder Karl Roth­
nicht erst festgenommen hätte. Auf derselben Straße sollte Salminger fuchs, der Nachrichtenoffizier der Division, hatten vor dem Krieg im
gegen Ende des Sommers selbst ums Leben kommen, als er auf dem Dritten Reich eine Laufbahn als Lehrer bzw. als Rechtsanwalt ein­
Rückweg nach Ioannina, den er in seiner impulsiven Art ohne Eskorte geschlagen. Sie waren Mitte Zwanzig oder Anfang Dreißig und mit den
machte, in einen Hinterhalt der Partisanen geriet. Verpflichtungen und Kompromissen vertraut, die für ein Vorwärtskom­
Es waren von Stettner und Salminger, die bei den untergebenen Offi­ men im Nationalsozialismus erforderlich waren. .
zieren, die täglich mit den Mannschaften in Kontakt stariden und deshalb Die Wehrpflichtigen hingegen waren jünger und weniger gut aus ge­

17 2 173
bildet. Diejenigen, die mit der 12. Kompanie nach Kommeno kamen, Zum einen wurde ihnen gesagt, daß alle Zivilisten als potentielle Fein­
waren im allgemeinen Anfang Zwanzig und stammten aus Dörfern und de zu gelten hätten. »Jeder Umgang mit Griechen ist verboten. Jeder
kleinen Marktflecken in Bayern und dem Westen Österreichs. Die mei­ Grieche, auch wenn er sich dem deutschen Soldaten anbiedert, will etwas
sten waren 1941 oder 1942 im Alter von neunzehn Jahren einberufen von ihm. Für jedes Geschenk erwartet der Grieche eine Gegengabe.
worden, hatten irgendeine Art von weiterführender Schulbildung und Deutsche Gutmütigkeit den Griechen gegenüber ist immer falsch. Lie­
erste Erfahrungen mit körperlicher Arbeit oder einer Anlerntätigkeit ber einmal zu viel als einmal zu wenig schießen.« Das waren die Instruk­
hinter sich. Nach dem Krieg sollten sie Bäcker, Bauern, Fabrikarbeiter tionen, die an die Soldaten ausgegeben wurden, als sie Anfang 1943 zum
oder Eisenbahner werden - der Prototyp des »kleinen Mannes«, so wür­ ersten Mal in Griechenland einmarschierten. 55
den viele über sich selbst gedacht haben. 51 Ihnen fehlte die Hingabe eines Diese Botschaft wurde durch vertraute Muster der Klischeebildung
Salminger oder eines Röser, und es ist kaum verwunderlich, daß S., einer verstärkt, die den anfänglich gezeigten Philhellenismus der Nazis über­
der Divisionsgeistlichen, kurz vor dem Einzug der Truppen in Grie­ lagerten, als der Widerstand breiter wurde. Gerade die Unsichtbarkeit
chenland Anzeichen von Kriegsmüdigkeit bei ihnen bemerkte. Die des Partisanen ermöglichte es, ihn zu dämonisieren. Obgleich primitiv,
immer schlechter werdende Disziplin sollte, so schrieb er, dadurch war er angeblich allmächtig, mit dem Terrain vertraut, mobil und - auf­
wiederhergestellt werden, daß ihr »Verantwortungsgefühl« gesteigert ~ grund seiner hervorragenden Informationsquellen - in der Lage, jeden
deutschen Angriff vorherzusehen. Seinen Balkan-Eigenschaften untreu,
würde - obwohl alle wüßten, »um was es in diesem Kriege geht«. Er
drängte die Offiziere zu mehr Rücksicht gegenüber ihren Soldaten. 52 neigte er zu Grausamkeit und zu einer »Kriegsführung«, die »von einer
Solche Beobachtungen legen die Vermutung nahe, daß es wohl keinen kaum vorstellbaren Unbarmherzigkeit und Unmenschlichkeit war«.
Bruch zwischen Offizieren und Mannschaften gab, ihre Einstellung zum Gelegentlich wurde er auf eine Weise charakterisiert, die mehr als mir
Krieg aber bestimmt unterschiedlich war. Die Soldaten nahmen im Den­ eine flüchtige Ähnlichkeit zu stereotypen antisemitischen Propaganda­
ken des Regimes keine so wichtige Position ein wie das Offizierskorps, motiven des Dritten Reichs hatte. Zahllose Geschichten über die
und der Einfluß des Nationalsozialismus auf sie war weniger direkt. Wie Mißhandlung gefangener Soldaten durch die Partisanen machten die
nahmen sie die Idee eines Weltanschauungskrieges auf? Ist es plausibel, Runde; mehr als ein Wehrmachtssoldat, der in Gefangenschaft geraten
sie entweder als Fanatiker, die einen Glaubenskrieg kämpften, oder als war, drückte sein Erstaunen darüber aus, daß die Partisanen ihn nicht
jeder Ideologie abholde »Pantoffelsoldaten« zu charakterisieren?53 schonungslos umgebracht hatten,56
Für den belagerten deutschen Soldaten verstärkten praktische Maß­
nahmen dieses Gefühl ständiger Bedrohung noch. Den Soldaten wurde
IV (wie den Italienern vor ihnen) verboten, allein auf die Straße zu gehen
oder sich unter Kompaniestärke in die Berge zu wagen. Wo eine ständi­
Beim Einmarsch in Griechenland im Frühjahr 1943 erhielten die Offi­ " ge Garnison oder Wachtposten eingerichtet werden mußten, um wichti­
ziere der 117. Jäger-Division detaillierte Anweisungen, wie sie ihren ge Straßen in verlassenen Gegenden zu schützen, wurden »Stützpunkte«
Männern durch einen »totalen Krieg«, in dem sie »Führung, Antworten errichtet, Blockhäuser mit dicken Betonwänden, die eine allgemeine
und eine klare Ausrichtung« bräuchten, helfen sollten: »Besonders wich­ Angst vor der Außenwelt ausdrückten. Auch die Partisanen nutzten das
tig ist es, immer wieder den Kampfeswillen zu stählen und die soldati­ Gefühl der Isolation und der Verwundbarkeit auf seiten der Soldaten
schen Tugenden herauszustellen. Die Erziehung zur Krisenfestigkeit, aus. Ein deutschsprachiges Propagandaflugblatt des griechischen"Wider­
Härte und einer gewissen Brutalität ist unbedingt erforderlich.«54 Aber stands zeigte zwei deutsche Soldaten, die eine dunkle Straße herunter­
wie sollten die Soldaten den Feind, den zu hassen von ihnen erwartet kamen, einer guckte nervös über seine Schulter, und die Bildunterschrift
wurde, erkennen? Was war unter »soldatischer Tugend« und was unter lautete: »Deutscher Soldat! Sei stets auf der Hut. Du bist ganz allein.«57
»Brutalität« zu verstehen? Wie sahen in einem Partisanenkrieg die Kri­ Aber auch wenn man vom einzelnen Soldaten erwartete, daß er seinen
terien für Schuld und Unschuld aus? Auf dies"e" Fragen erhielten die Wachtposten nicht verließ und bereit war, auf jeden Angriff hart zu rea­
Landser widersprüchliche Antworten. gieren, durfte er "seinem Aggressionstrieb nicht nachgeben. Truppen­

174 175
kommandeure waren ängstlich darum bemüht, die Disziplin zu wahren. ursprünglich für die Hochgebirgsbataillone rekrutiert worden, unter
Sie fürchteten jenen Abstieg in die Anarchie, die den Gebietskomman­ Hitlers Horst in Berchtesgaden ausgebildet, hatten sie 1942 dann den
danten in Korinth veranlaßte, von den »Gangstermethoden« einzelner Sturmangriff der Deutschen durch den Kaukasus auf Baku angeführt.
Soldaten im Umgang mit der Bevölkerung und einem Verhalten zu Typisch für ihre Kriegsauffassung war die ungewöhnliche Episode im
reden, das »förmlich an Wildwest-Sitten« erinnere. Direktiven zur Par­ August 1942, als die Gebirgstruppen sich vom Vorstoß nach Süden
tisanenbekämpfung versuchten zwischen Vergeltungsmaßnahmen und absetzten, um auf dem Gipfel des Elbrus die Hakenkreuzflagge zu his­
»unbegründetem Mord «, der »natürlich untersagt « war, zu unterschei­ sen - eine Leistung, die in Deutschland viel Aufsehen erregte, obwohl sie
den. Solche Unterscheidungen standen jedoch in ständigem Wider­ Hitler selbst unbeeindruckt ließ.
spruch zur Billigung von Gewalt. Als General Löhr imJuli 1943 anord­ Für diese Männer bedeutete Krieg, sowohl die Natur als auch einen
nete, daß »das Ausmaß einer Sühnemaßnahme klar anzuordnen ist [und) technisch ebenbürtigen Gegner zu besiegen. Die Artilleriegefechte mit
ihre Durchführung zu überwachen ist, um Exzesse bei unseren eigenen den Gebirgstruppen der Roten Armee in den großen Höhen des Kauka­
Truppen zu verhindern«, fügte er die Drohung hinzu, daß Soldaten, sus waren eine Herausforderung an die körp~rliche Tüchtigkeit, Fähig­
denen es nicht gelang, »jede Form aktiven Widerstands seitens der '\ keit und Ausdauer, die das Selbstbild der Gebirgstruppe bestätigte. 61 Die
Bevölkerung unmittelbar und schonungslos mit Waffengewalt zu bre­ I Reise von den Schneernassen des Elbrus zu den von Malaria geplagten
chen«, vor ein Kriegsgericht gestellt würden. Auf ähnliche Weise warn­ Ebenen von Epirus war mehr als eine rein geographische Veränderung:
te General Hellmuth Felmy von Athen aus, daß »Übergriffe der Trup­ Bei Morgengrauen in Lastwagen die Ebene siidlich von Arta entlangzu­
pe« wie Plünderungen, Beutemachen und Grausamkeiten verhindert fahren war der Beginn eines weniger heroischen Unternehmens.
werden müßten, denn sie »wirken sich [... ) nachhaltig auf Disziplin und Nichtsdestoweniger hielt dieses heldenmütige und ehrenhafte Selbst­
innere Haltung aus und schwächen dadurch die Truppe für ihren späte­ bild - das nur eine extreme Form jenes Bildes war, das in der ganzen
ren Einsatz gegen gleichwertige Gegner«. Doch konnte er sich des fol­ Wehrmacht vorherrschte - die Soldaten des GJR 98 nicht davon ab, sich
genden Zusatzes nicht enthalten: »Beim Bandenkampf ist jedoch Weich­ an zahlreichen Vergeltungsaktionen zu beteiligen. Seit dem Frühjahr
h~it ebenso falsch wie zu harte Maßnahmen.«5 8 . 1943 nahm die 12. Kompanie an einer Reihe von Säuberungsaktionen
Felmys wirre Anweisungen illustrieren die einander widersprechen­ gegen Partisanen teil, die sie durch Serbien und Montenegro bis nach
den Überzeugungen und Werte, die in Kommeno zur Geltung kommen Griechenland führten. Ende Juli führte Salminger sie in einem ersten
sollten. Zwar fürchtete Felmy die Auswirkung der »Übergriffe« auf die Vorstoß gegen die dortigen Partisanen die Straße nach Arta hinunter.
»innere Haltung«, doch die Angst, der Schwäche bezichtigt zu werden, Alle diese Einsätze hatten Verluste unter der Zivilbevölkerung zur Folge.
war stärker. Und der Unterschied, den er zwischen »Banden« und künf­ Was also war so besonders an der Kommeno-Operation, daß sie die Sol­
tigen »gleichwertigen« Gegnern machte, ist Indiz für einen Begriff von daten, nach den Worten von Johann E., »vollkommen demoralisiert«
Soldatenehre, dessen Gebote in einemPartisanenkrieg nicht leicht zu zurückließ?63 Die Antwort darauf ist, daß dies keine gewöhnliche Ver­
erfüllen waren.5 9 geltungsaktion war.
Der Nationalsozialismus hatte den Soldaten zu einer privilegierten Vergeltungsmaßnahmen sollten Terror mit Terror beantworten. Die
Position in der Gesellschaft verholfen. Der Landser konnte daraus Zahl der Geiseln oder anderer verfügbarer Opfer, die für jeden Angriff
Befriedigung gewinnen, Teil einer angesehenen Institution zu sein. Er auf Mitglieder der Besatzungstruppen erschossen werden sollten, wurde
wurde ständig daran erinnert, daß »der Soldat seine seelische Kraft aus in Quoten festgelegt. Zum Beispiel nahmen die Männer der 117· Jg.-Div.
den ewigen soldatischen und ethischen Werten der Nation «60 beziehe. am 5. Dezember 1943 in dem Dorf Andritsa als Vergeltung für einen
Der Stolz der I. Geb.-Div. hatte ganz besondere Gründe. Das Leben in Angriff auf einen Wachtposten der Eisenbahn fünfzig Geiseln und häng­
den Bergen und die Reinheit und ungeheure Ausdauer, die damit asso­ ten sie entlang den Gleisen auf. Drei Tage später veranlaßte die Meldung,
ziiert wurden, hatten in der nationalsozialistischen Ikonographie einen daß weitere deutsche Soldaten getötet worden waren, den Divisions­
hohen Symbolwert. 61 Viele Männer waren eigens aufgrund ihrer alpini­ kommandeur, die »Erschießung der männlichen Bevölkerung und [das)
stischen Fähigkeiten für die 12. Kompanie ausgewählt worden. Sie waren Niederbrennen der Ortschaften«64 in dem Gebiet zu befehlen, in dem

17 6 177
man seine Männer tot aufgefunden hatte. Männliche Zivilisten, vor allem bestand - ebenso wie Röser - einfach darauf, daß der Landser sich von
die waffenfähigen, galten als geeignete Ziele und machten die Mehrheit solchen Überlegungen nicht beeinflussen lassen sollte. Umgekehrt hatte
der Opfer aus. Männliche Dorfbewohner wurden oft an Ort und Stelle, die Vorstellung weiblicher Soldaten etwas Unnatürliches an sich. 67 Weib­
ohne Verhör oder Verhandlung, getötet. Es war zwar ungewöhnlich, liche Widerstandskämpfer waren ein monströses Phänomen, Teil einer
aber durchaus kein Einzelfall, daß alle Männer eines Dorfes erschossen Politik der Hinterlist, die bewußt darauf angelegt war, sich die »mensch­
wurden, wenn die Quote es verlangte. lichen Instinkte« der deutschen Soldaten zunutze zu machen. 68
Hingegen kam es äußerst selten vor, daß sich die Maßnahmen in Wir haben bereits gesehen, daß die Vergeltungspolitik einen gewissen
großem Ausmaß gegen Frauen und Kinder richteten. Im Winter 194 I /42 Ehrbegriff implizierte. Die Partisanen selbst waren »unwürdige« Geg­
hatte in Serbien der Widerwille der Offiziere, die Soldaten auf jüdische ner, die auf Hinterlist und Überraschung statt auf einen ehrlichen offe­
Frauen und Kinder schießen zu lassen, nachdem die dazugehörigen nen Kampf setzten. Fattig zieht in seiner Studie Zur Vergelrungspolitik
Männer alle erschossen worden waren, dazu geführt, daß erstmals Gas­ den Schluß, »daß die deutschen Befehlshaber mit der Anordnung [von
wagen eingesetzt wurden. An der Ostfront hatten einige Soldaten ähnli­ Sühnemaßnahmen] nicht gegen den Ehrenkodex ihrer Soldaten ver­
che Skrupel. Im August 1941 wurde ein Divisionsoffizier gerügt, als er stießen, sondern ihn vor den Kräften der Barbarei schützten«.69 Wenn
seine Männer daran erinnerte, daß es wegen ihrer »sauberen soldatischen
Gesinnung« ausgeschlossen sei, »Gewalt und Roheit« gegen eine unbe­
", dem so war, dann schloß das Denken, das Vergeltung als Reaktion auf
Angriffe gegen deutsche Soldaten rechtfertigte, Frauen als Opfer viel­
waffnete Bevölkerung anzuwenden: Maßnahmen gegen Frauen und leicht nicht aus, es erhöhte zumindest aber die Hemmschwelle, sie dazu
Kinder würden sich in nichts von den Greueln ihres Gegners unter­ zu machen. Der Divisonspfarrer hatte, wie weiter oben gezeigt, bei sei­
scheiden. 65 ner Erklärung für die psychologischen Probleme, von denen die Solda­
In Griechenland, wo die Rassenverachtung der Deutschen weniger ten berichteten, ausdrücklich auf das »Töten müssen von Frauen und
ausgeprägt war als im Osten, kam es während der Besetzung nur selten Kindern« angespielt.7° Es bestand also ein Widerspruch zwischen der
zu solchen Greueltaten wie in Kommeno. Gewöhnlich verließ die männ­ Philosophie ungehemmter Gewalt gegen den »gesamten Gegner« und
liche Bevölkerung die Dörfer, durch die die Deutschen kamen, und ließ der Überzeugung zumindest eines Teils der Soldaten, daß ihr Kampf von
Frauen, Kinder und ältere Menschen zurück - offenbar in der Annahme, »soldatischen Prinzipien« geleitet sei.
daß diese Bevölkerungsgruppen sicher wären. Eine Frau, die Kommeno Ein anderer Aspekt hing hiermit eng zusammen: die Frage der Grau­
überlebt hat, erinnert sich: »Mein Ehemann schlief zu dem Zeitpunkt auf samkeit. Einige Soldaten behaupteten, besonders erschütternd seien in
dem Feld. Meine Tochter war bei ihm. Er sagte ihr, sie solle zurück ins Kommeno vor allem die von ihnen beobachteten Anzeichen von mut­
Dorf gehen - er würde sich nach einem Versteck umsehen für den Fall, williger Grausamkeit - wie etwa die bewußte Verstümmelung der Lei­
daß die Deutschen beginnen würden, die Männer zu verhaften. Wie soll­ chen - gewesen. August S. »hatte bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewußt,
ten wir wissen, daß sie auch auf Frauen und Kinder schießen würden?« daß sich bei der 12. Komp. auch einige Sadisten befanden«. Er war ent­
Ihre Worte bestätigen die Aussage von Rudolf L., der an dem Massaker setzt, »wie sich einige Soldaten über die Leichen lustig gemacht haben
beteiligt war. Zur Erklärung für die spätere Unruhe in der Truppe mein­ und Witze >rissen«<. Wenn Karl D. »von den Grausamkeiten [...] ange­
te er: »Wir waren uns alle darüber im klaren, daß man bei Frauen und widert war«, dann lag das nicht an den Morden selbst, sondern an der Art,
Kindern nicht von >Feinden< sprechen kann; [es] ist diese Aktion insbe­ wie sie ausgeführt worden waren. Die Haltung, die solchen Kommenta­
sondere deshalb von den Soldaten verurteilt worden, weil alte Leute, ren zugrunde liegt, wird exemplarisch an einem Gerichtsbeschluß aus der
Frauen und Kinder erschossen worden sind.«66 Nachkriegszeit deutlich, der befand, daß ein Offizier für das Erschießen
Der Begriff der soldatischen Ehre und das NS-Bild von Frauen als von Zivilisten nicht zu belangen sei, weil man nicht beweisen könne, daß
passiven Wesen, die eher der Privatsphäre als der Öffentlichkeit er es »in böser Absicht« getan habeJ' Körperliche Verstümmelungen und
zugehörten, waren der Grund für die Abneigung, Frauen als legitime bewußte Grausamkeit waren Dinge, die die Deutschen immer wieder den
Ziele zu betrachten. Selbst Hitler unterstellte in dem oben bereits zitier­ Partisanen zum Vorwurf machten: Sie selbst ließen sich - so wollten sie
ten Gespräch mit Jodl, daß Frauen und Kinder unschuldig seien; er zumindest glauben - von rein sachlichen Überlegungen leiten. »Hinter­

17 8 179
list«, »Falschheit« und mangelnde Selbstbeherrschung waren unverein­ Das Ausmaß, in dem Gewalt im Dritten Reich vor 1939 zum Wohle
bar mit der hehren Rolle des Soldaten.7 ' der Volksgemeinschaft »legalisiert« worden war, bietet "eine Erklärung
Zwei weitere Überlegungen mögen die Männer der 12. Kompanie dafür, wie die Soldaten den Auftrag, gegen den Widerstand auf dem Bal­
beunruhigt haben. Die erste war, daß sie, indem sie sich dem Dorf bei kan vorzugehen, auffaßten. »Die nationalsozialistische Revolution«, so
Morgengrauen und zu Fuß näherten und die Häuser stürmten, während Hitler in einer Vorkriegsrede, »hat [...] dem Rechte, der Rechtswissen­
ihre Bewohner noch schliefen, ebenfalls - wie die Parti~anen, deren Tak­ schaft sowohl als der Rechtssprechung, einen eindeutigen klaren Aus­
tik sie verachteten - Überraschung und Hinterlist gegen ihre Feinde ein­ gangspunkt gegeben: Es ist die Aufgabe der Justiz mitzuhelfen an der
gesetzt hatten. Das war kaum eine »mannhafte« Förm der Kriegführung. Erhaltung und Sicherung des Volkes vor jenen Elementen, die sich als
Die zweite Überlegung war noch beunruhigender: War es richtig, daß es Asoziale entweder den gemeinsamen Verpflichtungen zu entziehen
sich, wie man ihnen erzählt hatte, um einen Stützpunkt der Partisanen trachten, oder sich an diesen gemeinsamen Interessen versündigen. «75
handelte, an dem deutsche Soldaten erschossen und ermordet worden Von 1941 an wurden die Aufständischen in den Balkanländern auf ähn­
waren? Angesichts des mangelnden Widerstands von ~eiten der Bevöl­ liche Weise eingeschätzt wie zuvor die »asozialen Gruppen«.
kerung und des offensichtlichen Fehlens von Waffen im Dorf - was im Das Vokabular sozialer Devianz aus den Vorkriegsjahren des Dritten
späteren Truppenbericht bestätigt wurde - , muß es mehreren ergangen ) Reichs wurde nunmehr in einen neuen Kontext gestellt. Ein Stabsoffi­
sein wie Franz T., der glaubte, »es habe sich um nichts weiter als um zier aus Athen notierte, daß es unter den Partisanen »etliche entwurzel­
einen Raubzug gehandelt unter dem Vorwand, daß es sich um eine Ver­ te Individuen, die selbst unter normalen Umständen keine Stelle gefun­
geltungs aktion [...] handelte«.7J den hätten«, gab. Vom Peloponnes berichtete die I 17. Jäger-Division:
An genau diesen Worten aber läßt sich der starke Einfluß des Natio­ »Die Banden rekrutierten sich nach Angaben fast aller Bevölkerungstei­
nalsozialismus auf allgemeine Überzeugungen, wie sie in den Mann­ le hauptsächlich aus den Gangstern griechischer Großstädte.« Einfache
schaften verbreitet waren, ermessen. Indem er zeigte, wieviel er und Soldaten sprachen unbefangen von der Exekution von »Delinquenten«
seine Kameraden für gerechtfertigt hielten, zog Frank T. die Grenze des­ und »todeswürdigen Kriminellen«, wenn sie sich auf die zivilen Opfer
sen, was sie als ein zulässiges Maß an Gewalt erachteten. Für die Männer der Vergeltungsmorde bezogen. Von griechischen Zivilisten wurde re­
der 12. Kompanie waren die Sühnemaßnahmen und Vergeltungsaktio­ gelmäßig berichtet, daß sie »auf der Flucht erschossefl« worden seien ­
nen moralisch zu rechtfertigende Handlungskategorien, und ihr U nbe­ ein Euphemismus, der auch im Reich geläufig war. Leutnant P., ein jun­
hagen nach Kommeno war in dem Verdacht begründet, daß das, was sie ger Kompaniechef auf dem Peloponnes, brachte seinen Männern zyni­
getan hatten, außer halb dieser Grenzen läge. scherweise auf Kosten eines gefangenen jungen griechischen Zivilisten
die korrekte Terminologie bei: »Schau, so macht man das. Gibst ihm
einen Tritt in den Hintern ... und schießt ihm nach, daher ist er dann >auf
v der Flucht erschossen<.«76
Die Gleichsetzungvon Partisanentum mit Kriminalität fand bei den
Ernst Fraenkel machte 1941 die Beobachtung, daß »die Identifizierung gemeinen Soldaten weitgehend Anerkennung. Es ist kein Zufall, daß der
von Recht und Sittlichkeit im Dritten Reich zu einer Angleichung >der stärkste Widerstand von Soldaten kam, die im Reich selbst ausgegrenzt
Sittlichkeit< an das nationalsozialistische Recht geführt hat«. Er behaup­ und entfremdet waren - so die Männer der 99ger Strafbataillone, die sich
tete, daß die Grenzen dessen, was gesamtgesellschaftlich stillschweigend aus gewöhnlichen Kriminellen und politischen Gefangenen zusammen­
geduldet wurde, unter dem steten Druck des nationalsozialistischen setzten. Viele der 99ger, die in Griechenland dienten, waren mindestens
Radikalismus erweitert wurden. Es bestand kein Widerspruch zwischen zehn Jahre älter als der Durchschnitt der Wehrpflichtigen und zuvor
der Brutalität des NS-Regimes und seinem Ruf als dem »Garanten von Sozialisten und Kommunisten gewesen. G., der von 1939 bis 1943 in
öffentlicher Moral sowie von Recht und Ordnung«: im Gegenteil, gera­ Buchenwald interniert war, erinnert sich, wie er reagierte, als er hörte,
de dieses Bild erlaubte den Soldaten, viele ihrer brutalsten Handlungen daß seine Einheit nach Griechenland abkommandiert worden war: »Als
zu rechtfertigen.7 4 wir von Strafexpeditionen hörten, bei denen in umliegenden Dörfern

180 181
Greise und Kinder, die ganze männliche Bevölkerung vor den Augen Anmerkungen
aller Frauen,. die mit Gewehrkolben zusammengetrieben worden waren,
erschossen wurde, überkam uns eine maßlose Erbitterung, daß ausge­ Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen, Ludwigsburg (ZSt), 508 AR
rechnet wir derartige Einsätze machen sollten.« Aufgrund solcher Emp­ 1462/68, S. 153 (eidesstattliche Versicherung von Karl S.). Bei allen Referenzen
auf dieses Archiv werden die Namen der Augenzeugen jeweils in Klammern
findungen liefen G. und mehrere seiner Freunde nach einigen Wochen
angegeben.
zu den Partisanen über. Doch während Desertion in den 99ger Bataillo­ 2 Ebenda, (Otto G.) S. 79.
nen an der Tagesordnung war, kam sie in den anderen Wehrmachtsein­ 3 Ebenda, (Karl 0 .) S. 43, Gohann E.) S. 58f., (August S.) S. 164, (Franz T.) S. 182.
heiten auffallend selten vor. Wie oben bereits erwähnt, zogen Soldaten 4 National Archives, Washington, D.C. (NA), Records of German Field Com­
der 12. Kompanie eine Fahnenflucht im Gefolge von Kommeno zwar in mands (GFC) (Divisions), T-315/72/1259 [Mikrofilm], Evangl. Pfarrer, 1. Geb.­
Betracht, ließen den Gedanken letztlich aber fallen.7 7 Div., an 1. Geb.-Div.!Ib, »Tätigkeitsbericht für die Zeit vom 21.6.-30.9.43«
Die Landser der I. Geb.-Div. waren weder unzufriedene Gegner des vom 15.10. 1943; Brief von Herrn S. (Verfasser des Berichts) an den Autor vom
20.7. 1989.

Regimes wie die 99ger noch fanatische Nazis. In ihrem Verhältnis zu den
ZSt, 508 AR 1462168, (Otto G.) S. 77, (August S.) S. 164; ebenda, S. 169; Land­

Sühnemaßnahmen vermischten sich Auffassungen von Gerechtigkeit,


Moral und soldatischer Ehre mit weitverbreiteten Vorstellungen von ras­ )
6 gericht München I, »Ermittlungsverfahren «, 8.6.1972.

Gerald Reitlinger, Die SS: Tragödie einer deutschen Epoche. 1922-1945, Mün­
sischer Minderwertigkeit und sozialer Devianz. »Die Deutschen sind chen u. a. 1957. Anm. d. Ü. : Mazower bezieht sich hier auf den englischen Titel:
sehr hart«, notierte ein griechischer Romancier am 26. September 1943 Alibi of a Nation.
in seinem Tagebuch. »Doch ihre Härte rührt nicht von Haß her. Sie ist 7 Richard J. Evans, Im Schatten Hitlers? Historikerstreit und Vergangenheitsbe­
kalt und mechanisch, das Ergebnis der Umsetzung einer vorgegebenen wältigung in der Bundesrepublik, Frankfurt am Main 1991.
8 Christopher Browning, Wehrmacht Reprisal Policy and the Mass Murder of
Formel, die auf die Erfüllung eines Ziels abzielt, an das sie glauben.«7 8
J ews in Serbia, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen, XXXIII (1983), S. 31-49;
Wenn etliche Soldaten der Wehrmacht den Glauben des Regimes an die Gerhard Hirschfeld (Hg.), The Policies of Genocide, London 1986; Manfred
Transformationskraft der Gewalt und ihren Anteil an der Herausbildung Messerschmidt, Die Wehrmacht im NS-Staat. Zeit der Indoktrination, H am­
eines »neuen Menschen« auch nicht teilten, so akzeptierten sie doch die burg 1969; Omer Bartov, The Eastern Front, 1941-1945 . German Troops and
»legalen« Rechtfertigungen für eine Politik der umfangreichen Gewalt the Barbarisation ofWarfare, New York 1986.
gegen die von ihnen kontrollierte Zivilbevölkerung. Und sie taten dies 9 Detlev Peukert, Everyday Life in the Third Reich, London 1987; Ian Kershaw,
zumeist mit wenigen Skrupeln über die Richtigkeit ihrer Handlungen. Der Hitler-Mythos. Volksmeinung und Propaganda im Dritten Reich, Stuttgart
1980 (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Nr. 41, hrsg. von
Nur gelegentlich, wenn die Aggression ihrer Offiziere sie, wie in Kom­
Karl Dietrich Bracher und Hans-Peter Schwarz); R. Mann, Protest und Kon­
meno, über die Grenzen, bis zu denen sie gehen wollten, hinaustrieb, trolle im Dritten Reich, Frankfurt am Main 1987; vgl. Geoffrey Eley, Labor
können wir beobachten, wie solche Skrupel an die Oberfläche treten. History, Social History, Alltagsgeschichte: Experience, Culture arid the Politics
Die Haltung der Wehrpflichtigen zum Krieg war vielleicht weniger ein~ of the Everyday - A New Direction for German History?, in: The Journalof
seitig als die des Offizierskorps und ließ etwas Raum für Dissens. Aber Modern History, LXI (1988),5. 385-389; Dick Geary, Image and Reality in Hit­
es gab genug Gemeinsamkeiten zwischen Offizieren und Mannschaften, ler's Germany, in: European History Quarterly, XIX (1989), S. 385- 389. Zur
um der Wehrmacht zu ermöglichen, in einem Krieg von beispielloser Denunziation vgl. Robert Gellately, The Gestapo and German Society: Politi­
cal Denunciation in the Gestapo Case Files, in: The Journal of Modern History,
Brutalität einen auffallend hohen Grad an Zusammenhalt zu wahren.
IX (1988), S. 654-695; Robert Gellately, Die Gestapo und die deutsche Gesell­
schaft. Die Durchsetzung der Rassenpolitik 1933-1945, Paderborn 1993.
Aus dem Englischen von Doris Janhsen 10 Vgl. Eley, a. a. 0., S. 316f., 323; Eve Rosenhaft, History, Anthropology and the
Study of Everyday Life, in Comparative Studies in Society and History, XXIX
(1987), S. 99-1°5. In dieser Hinsicht kann »Alltagsgeschichte« als eine Reaktion
auf das zuvor vorherrschende psychologistische Erklärungsmodell individuel­
len Verhaltens im Dritten Reich gelten. Vgl. G. M. Gilert, Psychology of Dicta­
torship, New York 1950; Theodor W. Adorno u. a., Der autoritäre Charakter:

182 18 3
Studien über Autorität und Vorurteil, 2 Bde., Amsterdam 1968 und 1969. Die 24 Trial of War Criminals before the N uernberg Mili tary Tribunal (TW C), I 5 Bde.,
Grenzen dieses Ansatzes werden deutlich in P. H . Merkl, Political Violence Washington 1951 / 52, Bd. XI, S. 799.
under the Swastika: 581 Early Nazis, Princeton 1975, S. 446-552 (bes. S. 532 H., 25 Arno J. Mayer, Der Krieg als Kreuzzug: Das Deutsche Reich, Hitlers Wehr­
"As the Leaders So the Men«). macht und die "Endlösung«, Reinbek 1989; Browning, "Wehrmacht Reprisal
II Hans-Peter Klauseh, Die 99ger, Frankfurt am Main 1986; Theo]. Schulte, The Policy, a. a. o.
German Army and Nazi Policies in Occupied Russia, O xford 1989. 26 Browning, Wehrmacht Reprisal Policy, a. a. 0., S. Hf.; hinzukommen mag eine
12 Der Ausdruck, der sich auf die Wehrmacht insgesamt bezieht, stammt aus C. W. mangelnde Ausbildung in irregulärer Kriegführung. Vgl. dazu das Eingeständ­
Syndor, Soldiers of Destrucuon: The SS Death's Head Division, 1933-1945, nis von Gen.Lt. Friedrich Stahl, einem von Lists Untergebenen in Serbien: ,,[ ... ]
Princeton 1977, S. 346; Bartov, Eastern Front, a. a. 0 ., passim; vgl. Martin L. van in den achtunddreißig Jahren meiner militärischen Laufbahn war ich nie für
Creveld: Kampfkraft: militärische Organisation und militärische Leistung; den Kampf gegen die Partisanen ausgebildet worden. [...] in militärisch-takti­
1939-1945, Freiburg im Breisgau 1989 (= Einzelschriften zur Militärgeschichte, scher Hinsicht waren wir der Partisanenanlage nicht gewachsen« (NA,
Bd. 3 I). T-I I 19123/0227). Zu den Massakern in Mazedonien vgl. NA, GFC (Div.),
13 lan Kershaw, Hitler-Mythos, a. a. 0., S. I f. T-3 I 5!I474/496-8, 164. Inf.Div.lla, 20. 10.1941; Imperial War Museum, Lon­
14 Ebenda, S. 149-195. don (IWM), box H9/FO 646, "Case VII: Hostages«, Prosecution Document
15 lan Kershaw, Pupular Opinion and Political Dissent in the Third Reich, Oxford
19 83. ) Book 2, NOKW-1380: Die 164. Inf.Div. gab an, daß sie am 17. Oktober 207, am
23. Oktober 142 und am 25. Oktober 1941 67 Männer zwischen sechzehn und
16 Schulte, German Army and Nazi Policies, a. a. 0., S. 149. sechzig Jahren erschossen hatte.
17 Bartov, Eastern Front, a. a. 0., passim; Hans Mommsen, Kriegserfahrungen, in: 27 Die Bezüge zwischen ökonomischem Zusammenbruch, der Delegitimierung
Überleben im Kriege, hrsg. von U. Borsdorf und M. Janin, Reinbek 1989, S. 13. des bestehenden Staatsapparats und dem Widerstand sind aufgearbeitet in S. B.
18 L. Craig, German Defensive Policy in the Balkans, a Case Study: The Build-Up Theomadakis, Black Markets, Inflation and Force in the Economy of Occupied
in Greece, 1943, in: Balkan Studies, XXIII (1982), S. 4°3-420;]. Hondros, Occu­ Greece, in:]. latrides (Cd.), Greece in the 1940s: A Nation in Crisis, Hanover,
pation and Resistance, New York 1983, S. 85-90; NA, Rear Area Commands N.H. 1981, S. 61-81; für einen soziologischen Abriß dieses Prozesses in einem
(RAC), T-50I/330/959, Kriegstagebuch (KTB), Deutscher Generalstab beim ähnlichen Kontext vgl. J. Gross, Pälish Society under German Occupation,
ital. I I. AOK, 5.-7.8.1943; T-50I/33 11212-13, Dt. GenStab beim ital. I I. Princeton 1979.
AOK/la an OB Südost/ra, Tagesmeldung vom 13. 8.43. 28 Browning, Wehrmacht Reprisal Policy, a. a. 0., S. 40-41; H. Neubacher, Son­
19 Gespräch mit Alexandros Mallios, Kommeno, 18.3.1988 (ich bin Herrn und derauftrag Südost: 1940-45, Göttingen 1956; Hagen Fleischer, Im Kreuzschat­
Frau Mallios sehr dankbar für ihre Unterstützung); NA, Records of U.5. Nürn­ ten der Mächte: Griechenland, 1941-1944, Frankfurt am Main 1986, S. 372, 547;
berg War Crimes Trial (War Crimes), U.5. v. List et. al., M-893/41r68-88, eides­ Hondros, Occupation and Resistance, a. a. 0 ., S. 153-159; Hans SafrianIWalter
stattliche Versicherung von S. Pappas, 17.8. 1947. Deutsche Dokumente bestäti­ Manoschek, Österreicher in der Wehrmacht, in: E. Hanisch u. a. (Hg.), NS­
gen sowohl die Sichtung der Partisanen als auch das Ausbleiben von Schüssen Herrschaft in Österreich, Wien 1988, S. 33 1-360.
und Toten oder Verletzten: NA, GFC (Div.), T-3 I 512 3051r 549, I. Geb.-Div.llc 29 Nach Kalavrita hatte der Kommandeur der 11 7. Jg.-Div. persönlich zugegeben,
an Dt. GenStab beim ital. 11. AOK, Tagesmeldung, 12.8.1943; T-3 I 5/64/3 I 7, I. daß "wir auf dem falschen Weg« sind (NA, GFC [Div.], T-3151r300/HI-4,
Geb.-Div., KTB, 12.8.1943. 117. Jg.-Div.lKomm. »Bandenbekämpfung«, 20.12.1943); zu den von General
20 Institut für Zeitgeschichte, München (HZ), Nuremberg Trials Coll.; NOKW­ Löhr (Kommandeur der Heeresgruppe E in Saloniki) ausgegebenen Befehlen
155> 10.8.1943; am 8.8.1943 war ein neuer Führerbefehl an die Truppen gegan­ vgl. TWC, XI, S. 826, 1306-7; zu den anschließenden Grausamkeiten und der
gen: NA, GFC (Div.), T-3 I 5/65/741, Dt. GenSt b. ital. I I. AOKIla an I. Geb.­ Reaktion von Hermann Neubacher, dem Sonderbevollmächtigten des Auswär­
Div.lla, 8.8.1943. tigen Amtes für den Südosten und führenden Befürworter eines »politischen«
21 ZSt, AR 1462/68, (August E.) S. 53, (Hans K.) S. 1°5-1°7. Vorgehens, vgl. vor allem: A,kten zur deutschen auswärtigen Politik, Serie E,
22 Benaki-Museum, Athen, Archiv Heraklis Petimezas, Akte 5, Zervas an das Alli­ VIII, Göttingen 1979, Nr. 27, Neubacher an Auswärtiges Amt (Berlin),
ierte Hauptquartier Naher Osten, 2 I. 8. 1943; Apoyevmatini, I. 8.1961 (Zervas' 15. 5· I 944; Trial of the Maj or War Criminals before the International Military
Tagebucheintrag zu Kommeno). Für weitere Einzelheiten zur Befehlskette der Tribunal (TMWC), 42 Bde., Nürnberg 1947-1949, Bd. XXXVIII, S. 425-428.
Achsenmächte zu diesem Zeitpunkt vgl. Mark Mazower, Wald heim Goes to 30 NA, GFC (Div.), T-315/65/747, Gen.Kdo. 26. AK/la an I. Geb.-Div.lla,
War, in: London Review of Books, 26. Juni 1988. 29.8.1943; siehe auch R. E. Herzstein, Waldheim: The Missing Years, New York
23 R. C. Fattig, Reprisal: The German Army and the Execution of Hostages du ring 1988, S. 95-98; Jonathan Steinberg, Deutsche, Italiener und Juden. Der italieni­
the Second World War, Diss. Univ. of California, San Diego 1980, Kap. I. sche Widerstand gegen den Holocaust, Göttingen 1992. Die nützlichste Quelle

18 4 18 5
für den Vergleich zwischen beiden ist R. B. Asprey, War in the Shadows: The 44 S. J. Micham, Hitler's Field Marshals and their Battles, London 19 89, S. 339-355;
Guerilla in History, 2 Bde., New York 1975> Bd. I, passim. Hubert Lanz, Gebirgsjäger, Bad Nauheim 1954, S. 304-33 I; E. Kern[mayr),
31 HZ, 1043/ 54, HGr. »E« Ic/AO, »Feindnachrichtenblatt (Griechische Banden), Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner, Ohlendorf 1976; Messerschmidt,
Nr. 9: April/Mai 1944«, S. 9· Wehrmacht im NS-Staat, a. a. 0 ., S. 379-382.
32 Für ein typisches Beispiel eines solchen Konflikts vgl. M. Fellman, Inside War: 45 Brief von Herrn S. an den Autor, 18+1989; NA, GFC (Div.), T-315/65/787,
The Guerilla Conflict in Missouri during the American Civil War, New York I. Geb.-Div.lIa, 7.8.1943.
1989, S. I I2-1 16,171 . 46 IWM, box 345/FO 646, »Case VII: Hostages«, Defence Document Book I,
33 Zu Hitlers Erfahrungen im Ersten Weltkrieg vgl. John Keegan, The Mask of eidesstattliche Versicherung von G. Lipp, 12.7.1947; ebenda"Defence Docu­
Command, New York 1987, S. 243-258; ebenfalls wichtig sind in diesem ment Book 5, eidesstattliche Versicherung von H. Groth, 29. 10. 1947; Brief von
Zusammenhang E. ]. Leed, No Man's Land: Combat and Identity in World Herrn S. an den Autor, 18.4.1989; Brief von Herrn K. an den Autor, 13· 3· 1990.
War I, Cambridge 198 I, A. E. Ashworth, The Sociology of T rench Warfare, 47 Brief von Herrn K. an den Autor, 13· 3· 1990.
1914-1918, in: British Journal of Sociology, XIX (1968), S. 4°7-424; Merkl, 48 NA, GFC (Div.), T-3 I 5/65/359, G.J.R. 98/Komm., »Bericht über die Säuberung
Political Violence under the Swastika, a. a. 0., S. 138-23°; Nazism: A History vom 22.-26·7· 1943 «·
in Documents and Eyewitness Accounts: 1919- 1945> hsrg. von]. Noakes und 49 Ebenda, T-315/64h84, I. Geb.-Div., KTB, 18·7· 1943; T-315/691I248, Salmin­

34
G . Pridham, 2 Bde., New York 1988, Bd. II, S. 941.
Hitlers Lagebesprechungen. Die Protokollfragmente seiner militärischen Kon­ ) ger an von Stettner, 24· 7· 1943·
50 ZSt, 508 AR 1462/68, S. 57 Oohann E.), 133 (Friedrich P.); Brief von Herrn K.
ferenzen 1942-1945, hrsg. von Helmut Heiber, Stuttgart 1962, S. 67. Zu dem an den Autor, 13.3.199°, über die Notwendigkeit für den Kompanie­
Zusammenstoß zwischen Reformern und Hitler in bezug auf die Partisanen fra­ Chef, die »Liebe« seiner Untergebenen durch »Selbstlosigkeit« und »energi­
ge vgl. auch T. Mulligan, The Politics of Illusion and Empire: German Occupa­ sches und aufmunterndes Auftreten« zu gewinnen. Vg. NA, GFC (Div.),
tion Policy in the Soviet Union, 1942-1945, New York 1988, S. 139; vgl. auch T-315h275/598-601, Sturmdivision Rhodos/rc, »Divisions-Befreiungs-Befehl
Fattig, Reprisal, a. a. 0 ., S. 45-47, 62-68; vgl. H.-D . Betz, Das OKW und seine Nr. 2«, 15.2.1943; T -3 rs/r 299/r0P-4, I 17. Jg.Div.lKomm., »Dienstaufsicht«,
Haltung zum Landkriegsvölkerrecht, Würzburg 1970; zu Rösers Anweisungen 18 .9. 1943; BDC, Personalakte Fritz Lautenbach.
vgl. ZSt, 508 AR 1462/ 68, S. 168 (August S.). 51 Siehe dazu die Zeugenaussage von Otto G.: "Wenn in meiner nun folgenden
35 M. Cooper, The Nazi War against Soviet Partisans: 1941- 1944, New York 1979, Schilderung der durchgeführten Vergelrungsaktion einige für die Zusammen­
S. 80-8 I; NA, GFC (Div.), T -315 /65/741, Dt. GenSt. bei ital. I I. AOK/ra an I. hänge wichtige Einzelheiten - wie z. B. wer der Kommandant war, wer die Akti­
Geb.-Div.lla, 8.8.1943' on angeordnet hat usw. - fehlen, dann bt. ich zu berücksichtigen, daß ich als
36 NA, GFC (Arrnies), T-312/ 465/8053722, Obfh. 12. Armee/la, »Richtlinien für >kleiner Mann<, ich war ja nur Gefreiter, nicht die Übersicht über die ganze Akti­
die Behandlung der Aufständischen in Serbien und Kroatien«, 19.3.1942 (hs. on haben konnte. Ich war dabei und habe einiges gesehen, über das kann ich
Entwurf). Angaben machen, mehr nicht« (ZSt, 1462/68, S. 77).
37 Nazi Conspiracy and Aggression, 10 Bde., Washington 1946, Bd. VII, D-740. 52 NA, GFC (Div.), T-315/64/57, Evang. Div.-Pfarrer, I. Geb.-Div. an 1. Geb. ­
38 NA, War Crimes, M-893/4hI7, I. Pz.Div., KTB, 23.8.1943; M-893/4h36, 68. Div.llb, »Tätigkeitsbericht für die Zeit vom 9·4·-30.6·43«, 21 1943 .
AK, KTB, 24.8.1943; RAC, T-501/33r1436, 68. AK/Ic, »Lagebericht«, 53 Die Vorstellung von einem Glaubenskrieg findet sich bei Bartov, Eastern Front,
4.9.1943; GFC (Div.), T-315/r300/756-7, 68 . AK/Ia, »Lagebeurteilung«, a. a. 0 ., S. 104; das andere Extrem find~t sich bei Schulte, German Army and
18 1 1943 . Nazi Policies, a. a. 0., passim.
39 NA, RAC, T-50I/33 1/442, S. 68 AKllc, »Lagebericht «, 4.9. 1943; War Crimes, 54 NA, GFC (Div.), t -315/r299/ 35 2-9, I 17. Jg.-Div.lIa, »Besprechung am 28/4
M-893/4h22 (ohne Zeitangabe, wahrscheinlich Herbst 1943). beim Befehlshaber Südgriechenland«. Die Militärpsychologie im Dritten Reich
40 Bartov, Eastern Front, a. a. 0 ., S.'40. bedarf einer weiteren Erläuterung. Das Regime konnte sich nicht entscheiden,
41 Der Kommandeur der 164. ID instruierte seine untergebenen Offiziere in die­ ob Brutalität erwünscht war oder nicht. Die oben angeführte Passage sollte mit
sem Sinne: NA, GFC (Div.), T-3 15/r474/462-6, 164. Inf.-Div.lla »Offiziersbe­ dem Urteil eines SS-Tribunals gegen den SS-Untersturmführer Max Taubner
sprechung des Herrn Div.-Kommandeurs in Saloniki am 24.9.41, 17.00 Uhr«, vom Mai 1943 verglichen werden, bei dem dieser für die »innere Verrohung«
28.9.1941; vgl. die Anweisungen des Kommandeurs der II 7. Jg.-Div., kritisiert wurde, die ihn im Zuge seiner Pflichtausübung zu Akten der Grau ­
T-315/r 299/r05 1-3, 117· Jg.-Div.lKomm., »Dienstaufsicht«, 18·9· 1943· samkeit verleitet habe: »Schöne Zeiten«: Judenmord aus der Sicht der Täter und
42 ZSt, AR 508 2056/67, S. 169, Landgericht München I, 1971. Gaffer, hrsg. von E. Klee, W. Dreyßen und V. Reiß, Frankfurt am Main 1988,
43 TMWC, XXXVII, 425-8; ZSt, AR 12/62, VII, S. 314 (Werner S.), 357 (F. Huse­ S. 189; vgl. ebenda, S. 14f.
mann), ZSt, 30rlJ- VÜS (Staatsgericht Koblenz, I Js 3496/52); Berlin DQcument 55 NA, GFC (Div.), T -3 15 II 299/36 I, I 17.Jg.-Div.lIa, »Besprechung am 28/4 beim
Center (BDC), Persönalakten von Georg Weichennieder, Fritz Lautenbach. Befehlshaber Südgriechenland «.

186 r87
56 NA, Historical Division European Command (Foreign 'Military Studies Entschlossenheit der Freunde, im Krieg einander zu bekämpfen; eher veredelt
Branch), Record Group 338 (RG 338), H. Lanz, Partisan Warfare in the Balkans, sie diesen Kampf, verwandelt ihn in eine tragische Pflicht, ein höheres Opfer.
Ms. P-05 5a, S. 8, 10; ebenda, Einleitung von Hans v. Greiffenberg, S. VIII; vgl. Trenkers Bergsteiger ist der Typ, auf den Regierungen sich, wenn Krieg ist und
auch TWC, XI, S. 890-892, 1°56. Zur Behandlung der deutschen Kriegsgefan­ Not am Mann, verlassen können«, Kracauer, Von Caligari zu Hitler, a. a. 0.,
genen vgl. IWM, box 343/FO 646, Zeugenaussage von Erhard Glitz, 13. 10. 1947, S. 275. Ähnliches Gedankengut findet sich in den Ausgaben der Veteranen­
in der deplazierte antisemitische Untertöne nicht zu übersehen sind; NA, War zeitschrift Die Gebirgstrupppe: Mitteilungsblatt des Kameradenkreises der
Dept.l7th Army Interrogation Centre, RG 1651r79, box 651, »Interrogation Gebirgstruppe, München 1952 ff.
Report on 5 German POWs«. Die Art und Weise, wie Soldaten Feindbilder prä­ 63 NA, War Crimes, M-8931r7/669, Obfh. Südost an o KWIWFSt, 2·7· 1943;
gen, ist ein eigener umfassender Themenbereich; . in dieser Hinsicht war die NOKW-921, 1. Geb.-Div., KTB, 24.-261 1943; ZSt, 508 AR 1462/68, Qohann
Wehrmacht nicht einmalig. Vgl. dazu J. W. Dower, War without Mercy: Race E.) S. 59.
and Power in the Pacific War, New York 1986; C. Thorne, Racial Aspects of the 64 NA, GFC (Div.), T-3 151r300/63-5, 117. Jg.-Div.lra, »Tätigkeitsbericht«.
Far Eastern War of 1941-1945, in: Proceedings of the British Academy, XVI 65 Christopher Browning, Fateful Months: Essays in the Emergences of the Final
(1980), S. 329-377. . Solution, New York 1985; Klee, Dreyßen, Reiß (Hg.), Schöne Zeiten, a. a. 0.,
57 Public Record Office, London (PRO), War Office files, WO 204/8869, »Report S. 14 2, 144.

by Lt.-Col. R. P. McMullen on Present Conditions in the Peloponnese«,


15.2.1944; Flugblatt der ELAS (Griechische Volks befreiungs-Armee) aus der )
66 Gespräch mit Eleni Pappas, Athen, 15.2.1988; ZSt, AR 1462/68, (Rudolf L.)

S. II9f.
Sammlung des verstorbenen Arthur Wickstead (einem früheren Mitglied der 67 Das OKW wehrte Vorschläge, daß Frauen zur Wehrmacht zugelassen werden
britischen Militärrnission in Griechenland). Ich denke voller Dankbarkeit für sollten, mit dem Argument ab, daß »sich der >weibliche Soldat< nicht mit unse­
seine Unterstützung an ihn zurück. . rer nationalsozialistischen Auffassung vom Frauenturn verträgt«, zitiert nach
58 NA, GFC (Army Groups), T-3IIIr79/1266-8, Feldkommandantur 1042/Pelo­ Marlis G. Steinert, Hitlers Krieg und die Deutschen. Stimmung und Haltung der
ponnes, lC, »Lagebericht«, 3 1. 12.1943; IWM, box 3 50/FO 646, "Case VII: Hos­ deutschen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg, DüsseidorflWien 1970, S. 505;
tages«, Prosecution Book 12, NOKW-1079, Löhr an 1. Pz.Div.lla, 14·7· 1943; vgl. Bartov, Eastern Front, a. a. 0 ., S. 126-129;J. Stephenson, The Nazi Orga­
Klausch, 99ger, a. a. 0., S. 138-140. nization of Women, London 1981, besonders Kap. 6.
59 Der Konflikt zwischen »traditionellen« und nationalsozialistischen Vorstellun­ 68 IWM, box 352/ FO 646, Prosecution Book 21, NOKW-467> SS-Pz.Gren.
gen vom Soldaten taucht in den Direktiven auf, die im Zusammenhang mit »Bar­ Rgt.lKomm. an 68. AK/Komm., »Vorgänge in Distomon am 10.6.1944«,
barossa« ausgegeben wurden. Ranghohe Wehrmachtsgeneräle, vor allem von 21.7.1944; Bartov, Eastern Front, a. a. 0., S. 126-128.
Reichenau und von Manstein, hatten die Truppen angewiesen, daß sie den Sol­ 69 Fattig, Reprisal, a. a. 0., S. 221; vgl. Michael Walzer, Gibt es den gerechten
daten über den Imperativ des Soldatentums und die Regeln des Krieges hinaus Krieg?, Stuttgart 1982.
als den »Träger einer unerbittlichen völkischen Idee und [...] Rächer für alle 70 NA, GFC (Div.), T-315/72/ 1259 (siehe Anm. 3); vgl. Schulte, German Army
Bestialitäten, die dem deutschen und artverwandtem Volkstum zugefügt wur­ and Nazi Policies, a. a. 0., S. 144,164-17°.
den«, erachten sollten. Christian Streit, Keine Kamerad<;:rt". Die Wehrmacht und 71 ZSt, 508 AR 1462/68, (August S.) S. 164, (Karl D.) S. 43; AR II87/68, S. 112 (Ein­
die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945, Stuttgart 1978, S. 115. stellungsverfügung, Landgericht München I, 11. Sept. 1972, S. 21).
60 NA, GFC (Div.) T -3151r474/ 572, 164. Inf.-Div.llc, ~ Weltanschauliche Erzie­ 72 Militärrichter der SS waren in der Lage, ähnliche, wenn nicht noch feinere
hung und geistige Betreuung«, 6. 11. 1941. Unterscheidungen zum Beispiel zwischen »Sadismus« und »wirklichem Juden­
61 Zur Bergsymbolik vgl. George Mosse, War and the Appropriation of Nature, haß« zu treffen, vgL Klee, Dryßen und Reiß (Hg.), Schöne Zeiten: a. a. 0.,
in: V. Berghahn und M. Kitchen (Hg.): Germany in the Age ofTotal War, Lon­ S. 18 4- 191.
don 1981, S. 102-i22; vgl. auch Siegfried KraC<luer, Von Caligari zu Hitler. Eine 73 508 ZSt, 1462/68, S. 182 (Franz T.), vgl. Schulte, German Army and Nazi Poli­
psychologische Geschichte des deutschen Films, in: .ders., Schriften, hrsg. von cies, a. a. 0., S. 144.
Karten Witte, Bd. 2, Frankfurt am Main 1979. 74 Ernst Fraenkel, Der Doppelstaat, Frankfurt am Main/Köln 1974, S. 140. Ker­
62 Vgl. Kracauers aufschlußreiche Anmerkungen zu dem Film »Berge in Flam­ shaw hat gezeigt, daß ein Aspekt des »Mythos Hitler« die Überzeugung war,
men« (1931), dessen Kameramann, Sepp Allgeier, später die Anfangsszene von daß der Führer nur »rechtmäßige, rationale Handlungen« dulde, lan Kershaw:
»Triumph des Willens« drehte. »Berge in Flammen« fängt mit der gemeinsamen Hitler and the Germans, in: Richard Bessel (Hg.), Life in the Third Reich,
Bergtour eines österreichischen und eines italienischen Offiziers kurz vor Aus­ Oxford 1987, S. 51; Detlev J. Peukert, Volksgenossen und Gemeinschaftsfrem­
bruch des Ersten Weltkriegs an. Kracauer kommentiert: »Freundschaft zwi­ de: Anpassung, Ausmerze und Aufbegehren unter dem Nationalsozialismus,
schen Soldaten verschiedener Länder während des. Friedens schwächt nicht die Köln 1982; in dieser Hinsicht ebenfalls wichtig ist James J. Weingartner; Law

188 18 9
and Justice in the Nazi SS: The Case of Konrad Morgen, in: Central European Die Ermordung italienischer
Manachem Shelah
History, XVI (1983), S. 276-295, wo behauptet wird, d~ß »Dualität jedoch kein
Gleichgewicht bedeutete, da das Recht größtenteils als willkürliches Instrument Kriegsgefangener, September-November 1943
totaler Macht fortbestand« (ebenda, S. 276). Bessel bezieht sich auf den Wider­
spruch zwischen Brutalität und dem Bild von Recht und Ordnung, siehe die
Einleitung zu Bessel (Hg.), Life in the Third Reich, a. a. 0., S. XV.
75 Fraenkel, Doppelstaat, a. a. 0., S. 137. Zur Instrumentalisierung des Begriffs der
Volksgemeinschaft durch die Wehrmacht vgl. Manfred Messerschmidt, The
Wehrmacht and the Volksgemeinschaft, in: Journal of Contemporary History,
XVIII (1983), S. 719-744. Seine Rede am Heldengedenktag im April 1940, in der
er die Funktion der Streitkräfte bei dieser Aufgabe hervorhob, beschloß Hitler In der militärgeschichtlichen Forschung über die Zeit des Zweiten Welt­
mit der Mahnung, daß »unser Wille die nationalsozialistische Volksgemein­ krieges ist in jüngster Zeit viel über die Kriegsverbrechen der Wehrmacht
schaft« ist. Wie Messerschmidt nachwies, wurde dieses Konzept auch die
im Osten und die Morde an Kriegsgefangenen gearbeitet worden. I
Grundlage für das Kriegsrecht; Omer Bartov, Indoctrination and Motivation in
Unerwähnt geblieben sind bisher die Mordaktionen an Offizieren und
the Wehrmacht: The Importance of the Unquantifiable, in: Journal of Strategie
Studies, IX (1986), S. 16-34; Manfred Messerschmidt, German Military Law in ) Mannschaften der italienischen Armee, die auf dem Balkan nach dem
the Second World War, in: W. Deist (Hg.), The German Military in the Age of Ausscheiden Italiens aus dem Krieg im September 1943 stattfanden.
Total War, Leamington Spa 1985, S. 325. Außer in der italienischen Geschichtsforschung finden diese Gescheh­
76 IWM, box 34 3/FP 646, Defence Document Book 2, eidesstattliche Versicherung nisse nur beiläufige Erwähnung. 2
von G. Kleykamp, 25.10.1947; NA, GFC (Div.), T-3151r300/378, Kampfgrup­ Im Laufe eines Monats erschossen Wehrmachtssoldaten etwa 6300
pe Glitz, »Abschluß bericht«, 18.12.1943; ZSt, 508 AR 12/62, S. 68 (Walter V.);
italienische Kriegsgefangene. Weitere 17°00 Italiener ertranken oder
Oberst Salminger und G.J.R. 98 berichteten von »87 Verdächtigen«, die am
4.7.1943 »auf der Flucht« erschossen worden seien (NA, War Crimes, wurden absichtlich während des Transports in die Gefangenschaft
M-8931r7/671). Zu Leutnant P., wie er von einem Zeugen erinnert wurde, vgl. ertränkt. Dab~i sind jene Tausende Gefangene, die in den Lagern um­
ZSt, AR 2°56/67, (Alois W.) S. 98. kamen, nicht genannt)
77 Wien er Lib., London P III, g. 470: »Interview with non-Jewish ISK member«,
26.10.1955; NA, GFC (Div.), T-3151r 3°01260-1, Festungs-Regt. 965, »Meldung
vom 1. Dez. 1943"; weitere Zeugenaussagen der 99ger finden sich in RG Die deutsche Reaktion auf den italienischen» Verrat«
1651r79, boxes 650-651; Klauseh, 99ger, passim.
78 G. Theotakas, Tetradia inerologiou (1939-1953) [Tagebuchnotizen (1939 bis
1953)], Athen o. J., S. 443· Nachdem sich die Streitkräfte der Achsenmächte in Nord<lfrika ergeben
hatten, erwog die Reichsleitung und als erster Hitler selbst die Möglich­
keit, daß die Stellung Mussolinis gefährdet sein könnte. Die alliierte
Invasion in Sizilien am 10. Juli 1943 bestärkte die deutschen Befürch­
tungen. Vorbereitungen für das Ausscheiden Italiens aus dem Kreis der
Achsenmächte wurden getroffen. Ein Sonderstab mit Feldmarschall
Erwin Rommel an der Spitze bezog Stellung nahe der Nordgrenze itali­
ens. Im Oberkommando der Wehrmacht (OKW) wurde ein Opera­
tionsplan unter dem Namen »Alarich« ausgearbeitet. Darin war beab­
sichtigt, in Italien sowie in die von Italien eroberten Gebiete in
Südfrankreich, Jugoslawien, Albanien und Griechenland einzumar­
schieren, die italienischen Streitkräfte zu entwaffnen und die Herrschaft
über Italien zu ergreifen. 4 Beschleunigt wurden die Vorbereitungen der
deutschen Wehrmacht in der Phase zwischen der Absetzung und Ver­

190 19 1