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Sociolinguistics

Soziolinguistik

HSK 3.2
2nd edition
2. Auflage


Handbücher zur
Sprach- und Kommunikations-
wissenschaft
Handbooks of Linguistics
and Communication Science

Manuels de linguistique et
des sciences de communication

Mitbegründet von Gerold Ungeheuer (†)


Mitherausgegeben 1985⫺2001 von Hugo Steger

Herausgegeben von / Edited by / Edités par


Herbert Ernst Wiegand

Band 3.2
2. Auflage

Walter de Gruyter · Berlin · New York


Sociolinguistics
Soziolinguistik
An International Handbook of the Science
of Language and Society
Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft
von Sprache und Gesellschaft
2nd completely revised and extended edition
2., vollständig neu bearbeitete und erweiterte
Auflage

Edited by / Herausgegeben von


Ulrich Ammon · Norbert Dittmar
Klaus J. Mattheier · Peter Trudgill

Volume 2 / 2. Teilband

Walter de Gruyter · Berlin · New York



앝 Printed on acid-free paper which falls within the guidelines
of the ANSI to ensure permanence and durability.

Library of Congress Cataloging-in-Publication Data

Sociolinguistics : an international handbook of the science of language


and society ⫽ Soziolinguistik : ein internationales Handbuch zur
Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft / herausgegeben von Ul-
rich Ammon ... [et al]. ⫺ 2nd completely rev. & extended ed.
p. cm. ⫺ (Handbooks of linguistics and communication science ;
3.2)
Contributions in German and English.
Includes bibliographical references.
ISBN-13: 978-3-11-017148-8 (v. 2 : cloth. : alk. paper)
ISBN-10: 3-11-017148-1 (v. 2 : cloth. : alk. paper)
1. Sociolinguistics. I. Ammon, Ulrich. II. Title: Soziolinguistik.
III. Series: Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissen-
schaft ; Bd. 3.2.
P40.S564 2005
306.44⫺dc22
2005024673

Bibliographic information published by Die Deutsche Bibliothek


Die Deutsche Bibliothek lists this publication in the Deutsche Nationalbibliografie;
detailed bibliographic data is available in the Internet at ⬍http://dnb.ddb.de⬎.

ISBN-13: 978-3-11-017148-8
ISBN-10: 3-11-017148-1

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Cover design: Rudolf Hübler, Berlin
Typesetting: Dörlemann Satz GmbH & Co. KG, Lemförde
Printing: Tutte Druckerei GmbH, Salzweg
Binding: Lüderitz & Bauer classic GmbH, Berlin
Printed in Germany
Contents / Inhalt V

Contents / Inhalt

Volume 2 / 2. Teilband
VI. Neighbouring Disciplines
Nachbarwissenschaften
89. Christine A.Monnier, Cultural Sociology / Kultursoziologie . . . . . . 855
90. Carl-Friedrich Graumann, Sozialpsychologie / Social Psychology . . . 865
91. Volker Heeschen, Ethnology and Anthropology / Ethnologie und
Anthropologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 870
92. Hannes Scheutz, Dialektologie / Dialectology . . . . . . . . . . . . . . 879
93. Rainer Dietrich / Patrick Grommes / Jürgen Weissenborn, Psycho-
linguistik / Psycholinguistics . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 892
94. Wilfried Krings, Sozialgeographie / Human Geography . . . . . . . . . 910

VII. Sociolinguistic Methodology


Soziolinguistische Methodologie
95. Hartmut Haberland, Research Policy / Forschungspolitik . . . . . . . 917
96. Norbert Dittmar, Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen
Theorie / The Possibilities and Limits of a Sociolinguistic Theory . . . 930
97. Hans Goebl, Forschungsethische Probleme / Issues in Research
Ethics . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 946
98. Matthew J. Gordon, Research Aims and Methodology / Forschungsziele
und Methodologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 955
99. Toni Rietveld / Roeland van Hout, Quantitative Methods / Quantitative
Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 965
100. Werner Kallmeyer, Qualitative Methoden / Qualitative Methods . . . . 978
101. Peter Schlobinski, Phasen des Forschungsprozesses / Stages of
Research . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 992
102. David Sankoff, Problems of Representativeness / Probleme der
Repräsentativität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 998
103. Gillian Sankoff, Cross-Sectional and Longitudinal Studies /
Querschnitt- und Längsschnittuntersuchungen . . . . . . . . . . . . . 1003
104. Aaron V. Cicourel, Elicitation as a Problem of Discourse / Elizitierung
als ein Diskursproblem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1013
105. Heinrich Löffler, Forschungsplanung bei Mikro- und Makrostudien /
Research Planning in Micro- and Macro-Studies . . . . . . . . . . . . 1023
106. Hartmut Lüdtke, Beobachtung / Observation . . . . . . . . . . . . . . 1033
107. Charles L. Briggs, Sociolinguistic Interviews / Soziolinguistisches
Interview . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1052
VI Contents / Inhalt

108. Peter Atteslander, Schriftliche Befragung / Written Investigations . . . 1063


109. Manfred Auwärter, Experiment / Experiments . . . . . . . . . . . . . . 1076
110. Bernard Spolsky, Tests / Test . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1085
111. Edward Finegan, The Possibilities and Limits of Corpus-Linguistic
Description / Möglichkeiten und Grenzen korpuslinguistischer
Beschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1095
112. John de Vries, Language Censuses / Sprachenzensus . . . . . . . . . . 1104
113. Marlis Hellinger, Contrastive Sociolinguistics / Kontrastive
Soziolinguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1117
114. Helmut Richter, Transkriptionssysteme / Transcription Systems . . . . 1126
115. Roeland van Hout, Statistical Descriptions of Language / Statistische
Sprachbeschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1134
116. Roeland van Hout, Linguistische Messverfahren / Linguistic
Measurements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1140
117. David Sankoff, Variable Rules / Variablenregeln . . . . . . . . . . . . 1150
118. Wolfgang Klein, The Grammar of Varieties / Varietätengrammatik . . 1163
119. Norbert Dittmar / Peter Schlobinski, Implikationsanalyse /
Implicational Analysis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1171
120. Romuald Skiba, Computeranalyse / Computer Analysis . . . . . . . . 1187
121. Frederick Erickson, Ethnographic Description / Ethnographische
Beschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1197
122. Werner Kallmeyer, Konversationsanalytische Beschreibung /
Conversational Analysis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1212
123. Kristin Bührig / Jan D. ten Thije, Diskurspragmatische Beschreibung /
Discourse-Pragmatic Description . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1225
124. Peter Garrett, Attitude Measurements / Messung von Einstellungen . . 1251
125. Eugene Casad, Analyses of Intelligibility / Verständlichkeitsanalyse . . 1261
126. Cailin Kulp / Karen M. Cornetto / Mark L. Knapp, The Description of
Non-Verbal Behavior / Beschreibung nonverbalen Verhaltens . . . . . 1273

VIII. Findings of Sociolinguistic Research


Ergebnisse der soziolinguistischen Forschung
127. Basil Bernstein †, Social Class and Sociolinguistic Codes / Sozial-
schicht und soziolinguistische Kodes . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1287
128. William F. Mackey, Multilingual Cities / Mehrsprachige Städte . . . . 1304
129. Ulrike Altendorf, Stadtdialektforschung / Urban Sociolinguistics . . . 1312
130. Sonja Vandermeeren, Research on Language Attitudes / Sprach-
einstellungsforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1318
131. Wolfgang Wildgen, Sprachkontaktforschung / Research on Language
Contact . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1332
132. Peter Hans Nelde, Research on Language Conflict / Sprachkonflikt-
forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1346
133. Françoise Gadet, Research on Sociolinguistic Style / Soziolinguistische
Stilforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1353
134. Harald Haarmann, Research on National Languages / National-
sprachenforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1361
Contents / Inhalt VII

135. Peter Mühlhäusler, Research on Pidgins and Creoles / Pidgin- und


Kreol-Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1377
136. Lothar Hoffmann, Fachsprachenforschung / Research on Languages
for Special Purposes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1385
137. Gudrun Held, Ethnographie des Sprechens / The Ethnography of
Speaking . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1394
138. Penelope Brown, Linguistic Politeness / Sprachliche Höflichkeit . . . . 1410
139. Jürgen Streeck, Ethnomethodologie / Ethnomethodology . . . . . . . 1416
140. Iwar Werlen, Linguistische Relativität / Linguistic Relativity . . . . . . 1426
141. Klaus J. Mattheier, Dialektsoziologie / Dialect Sociology . . . . . . . . 1436
142. Patrick Renaud, Domain and Role Specific Research / Domänen- und
rollenspezifische Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1447
143. Peter Schlobinski, Netzwerk-Untersuchungen / Research on
Networks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1459
144. Jeanine Treffers-Daller, Code-Switching / Sprachwechsel . . . . . . . . 1469
145. William F. Mackey, Bilingualism and Multilingualism / Bilingualismus
und Multilingualismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1483
146. Jannis K. Androutsopoulos, Research on Youth-Language /
Jugendsprach-Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1496
147. Guus Extra / Durk Gorter, Linguistic and Ethnic Minorities /
Sprachliche und ethnische Minderheiten . . . . . . . . . . . . . . . . 1506
148. Harald Haarmann, Linguistic Barriers between Speech Communities
and Language Choice in International Contacts / Sprachbarrieren
zwischen Sprachgemeinschaften und Sprachwahl in internationalen
Kontakten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1521
149. Ulrich Ammon, Pluricentric and Divided Languages / Plurizentrische
und geteilte Sprachen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1536
150. E. Annamalai, Communities with „Undeveloped Languages“ / Gemein-
schaften mit „unentwickelten Sprachen“ . . . . . . . . . . . . . . . . 1543
151. Harald Haarmann, Roofless Dialects / Dachlose Dialekte . . . . . . . 1545
152. Jenny Cheshire, Age- and Generation-Specific Use of Language /
Alters- und generationsspezifischer Sprachgebrauch . . . . . . . . . . 1552
153. Gisela Klann-Delius, Gender and Language / Geschlecht und Sprache 1564
154. Monica Heller, Language and Identity / Sprache und Identität . . . . . 1582
155. Richard Y. Bourhis / Anne Maass, Linguistic Prejudice and Stereotypes /
Linguistisches Vorurteil und Stereotyp . . . . . . . . . . . . . . . . . 1587
156. Rick Jedema / Ruth Wodak, Communication in Institutions /
Kommunikation in Institutionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1602
157. Ulrich Schmitz, Sprache und Massenkommunikation / Language and
Mass Communication . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1615
158. Dieter Nerius, Gesprochene und geschriebene Sprache / Spoken and
Written Language . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1628
159. Rudolf de Cillia / Ruth Wodak, Political Discourse / Politischer
Diskurs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1638
160. Harald Haarmann, The Politics of Language Spread / Sprach-
verbreitungspolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1653
VIII Contents / Inhalt

161. Florian Coulmas, Economic Aspects of Languages / Ökonomische


Aspekte von Sprachen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1667
162. Karen Risager, Cross- and Intercultural Communication / Trans- und
interkulturelle Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1674
163. Dennis R. Preston, Perceptual Dialectology / Perzeptive Dialektologie 1683
164. Suzanne Romaine, Historical Sociolinguistics / Historische Sozio-
linguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1696
165. Hannes Scheutz, Aktuell stattfindender Lautwandel / Sound Change in
Progress . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1704
166. Peter Auer, Sound Change / Lautwandel . . . . . . . . . . . . . . . . 1717
167. Helmut Lüdtke, Grammatischer Wandel / Grammatical Change . . . . 1727
168. Malgorzata Fabiszak, Semantic and Lexical Change / Bedeutungs- und
Wortschatzwandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1737

Volume 1 / 1. Teilband
Preface . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . V
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XVIII

I. The Subject Matter of Sociolinguistics


Der Gegenstand der Soziolinguistik
1. Peter Trudgill, Sociolinguistics: An Overview / Soziolinguistik: Ein
Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
2. William Labov, Quantitative Analysis of Linguistic Variation /
Quantitative Analyse sprachlicher Variation . . . . . . . . . . . . . . 6
3. Paul Kerswill, Social Dialectology / Sozialdialektologie . . . . . . . . 22
4. David Britain, Geolinguistics – Diffusion of Language / Geolinguistik –
Sprachdiffusion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
5. Suzanne Romaine, Language-Contact Studies / Sprachkontaktstudien 49
6. John Holm, Pidgin and Creole Studies / Pidgin- und Kreolstudien . . . 58
7. Karol Janicki, The Sociology of Language / Sprachsoziologie . . . . . 67
8. Deborah Tannen, Interactional Sociolinguistics / Interaktionale
Soziolinguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
9. Deborah Schiffrin, Discourse Analysis and Conversation Analysis /
Diskurs und Konversationsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
10. Howard Giles / Jennifer Fortman, The Social Psychology of Language /
Sozialpsychologie der Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
11. Muriel Saville-Troike, Anthropological Linguistics and the Ethno-
graphy of Speaking / Anthropologische Linguistik und Ethnographie
des Sprechens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
12. J. R. Martin / G. Williams, Functional Sociolinguistics / Funktionale
Soziolinguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120
13. Colin H. Williams, The Geography of Language / Geographie der Sprache 130
Contents / Inhalt IX

II. Basic Sociolinguistic Concepts


Soziolinguistische Grundbegriffe
14. Joachim Raith, Sprachgemeinschaft – Kommunikationsgemeinschaft /
Speech Community – Communication Community . . . . . . . . . . . 146
15. Georg Kremnitz, Diglossie – Polyglossie / Diglossia – Polyglossia . . . 158
16. Hitoshi Yamashita / Kayoko Noro, Kommunikative Kompetenz –
Sprachliche Kompetenz / Communicative Competence – Linguistic
Competence . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165
17. Hideaki Takahashi, Language Norms / Sprachnorm . . . . . . . . . . 172
18. Ulrich Ammon, Funktionale Typen und Statustypen von Sprach-
systemen / Functional Types and Status Types of Linguistic Systems 179
19. Gaetano Berruto, Sprachvarietät – Sprache (Gesamtsprache,
historische Sprache) / Linguistic Variety – Language (Whole Language,
Historical Language) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188
20. Martin Durrell, Linguistic Variable – Linguistic Variant / Sprach-
variable – Sprachvariante . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195
21. Martin Durrell, Sociolect / Soziolekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200
22. Bernd Spiller, Stil / Style . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206
23. Norbert Dittmar, Register / Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
24. Martin Pütz, Sprachrepertoire / Linguistic Repertoire . . . . . . . . . 226
25. Lothar Hoffmann, Fachsprache / Language of Specific Purposes . . . . 232
26. Harald Haarmann, Abstandsprache – Ausbausprache / Abstand-
Language – Ausbau-Language . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
27. Norbert Dittmar, Umgangssprache – Nonstandard / Vernacular –
Nonstandard . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250
28. Connie Eble, Slang and Antilanguage / Slang und Argot . . . . . . . . 262
29. David Britain, Dialect and Accent / Dialekt und Akzent . . . . . . . . 267
30. Ulrich Ammon, Standard Variety / Standardvarietät . . . . . . . . . . 273
31. Ronald Butters, Focussing and Diffusion / Konzentration und Diffusion 283
32. Stephen Barbour, National Language and Official Language / National-
sprache und Amtssprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288
33. Michael G. Clyne, Pluricentric Language / Plurizentrische Sprache . . 296
34. Bettina Migge, Pidgin Language and Creole Language / Pidginsprache
und Kreolsprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 300
35. Rainer Dietrich, Erstsprache – Muttersprache / First Language – Mother
Tongue . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 305
36. Rainer Dietrich, Zweitsprache – Fremdsprache / Second Language –
Foreign Language . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311
37. Alberto M. Mioni, Classical Language – Dead Language / Klassische
Sprache – Tote Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314
38. Ingwer Paul, Ritualsprache / Ritual Language . . . . . . . . . . . . . 323
39. Lars Vikør, Lingua Franca and International Language / Verkehrs-
sprache und Internationale Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 328
40. Iwar Werlen, Domäne / Domain . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335
41. Georges Lüdi, Code-Switching / Sprachwechsel . . . . . . . . . . . . . 341
X Contents / Inhalt

III. Sociological Concepts


Soziologische Begriffe
42. Gary D. Bouma / Haydn Aarons, Religion / Religion . . . . . . . . . . 351
43. Ana Deumert, Ethnicity / Ethnizität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 355
44. Hans Heinrich Blotevogel, Region / Region . . . . . . . . . . . . . . . 360
45. Andreas Gardt, Nation / Nation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369
46. Werner Georg, Schicht / Class . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 378
47. Uta Gerhardt, Rolle / Role . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 384
48. Klaus Gloy, Norm / Norm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 392
49. David Lasagabaster, Attitude / Einstellung . . . . . . . . . . . . . . . 399
50. Lothar Krappmann, Identität / Identity . . . . . . . . . . . . . . . . . 405
51. Hermann Strasser / Norbert Brömme, Prestige und Stigma / Prestige and
Stigma . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 412
52. Ute Schönpflug, Individuum / Individual . . . . . . . . . . . . . . . . 417
53. Rudolf Fisch, Gruppe / Group . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 423
54. Uta Gerhardt, Situation / Situation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 430
55. Michael Schenk / Alexander Bergs, Netzwerk / Network . . . . . . . . 438
56. Hartmut Häußermann, Stadt / City . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 443
57. Hermann Strasser / Norbert Brömme, Stand und Kaste / Orders and
Castes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 461
58. Hans J. Hummell, Institution / Institution . . . . . . . . . . . . . . . . 467
59. Wolfgang Lipp, Subkultur / Subculture . . . . . . . . . . . . . . . . . 478
60. Rosita Rindler Schjerve, Minderheit / Minority . . . . . . . . . . . . . 480
61. Glyn Williams, Community / Gemeinschaft . . . . . . . . . . . . . . . 486

IV. The Social Implications of Levels of Linguistic Analysis


Soziale Implikationen von Sprachanalyse-Ebenen
62. Ernest W.B. Hess-Lüttich, Die sozialsymbolische Funktion der Sprache /
The Social Symbolic Function of Language . . . . . . . . . . . . . . . 491
63. Bernd Pompino-Marschall, Phonetics / Phonetik . . . . . . . . . . . . 503
64. Silke Hamann / Marzena Zygis, Phonology / Phonologie . . . . . . . . 512
65. Rüdiger Harnisch, Morphologie / Morphology . . . . . . . . . . . . . 522
66. David Singleton / Jeffrey L. Kallen, Lexicon / Lexikon . . . . . . . . . 530
67. Werner Kummer, Syntax / Syntax . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 540
68. Martina Rost-Roth / Almut Zwengel, Semantik / Semantics . . . . . . 546
69. Jochen Rehbein / Shinichi Kameyama, Pragmatik / Pragmatics . . . . . 556
70. Shana Poplack, Code-Switching / Sprachwechsel . . . . . . . . . . . . 589
71. Deborah Schiffrin, Discourse / Diskurs . . . . . . . . . . . . . . . . . 597
72. Sachiko Ide / Chikako Sakurai, Politeness Forms / Höflichkeitsformen 605
73. Konstanze Jungbluth / Brigitte Schlieben-Lange †, Text / Text . . . . . 614
74. Utz Maas, Geschriebene Sprache / Written Language . . . . . . . . . 633
75. Gerhard Augst, Orthografie / Orthography . . . . . . . . . . . . . . . 646
76. Hartmut Traunmüller, Paralinguale Phänomene / Paralinguistic
Phenomena . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 653
77. Harald G. Wallbott †, Nonverbale Phänomene / Nonverbal Phenomena 666
78. Bencie Woll / Rachel Sutton-Spence, Sign Language / Zeichensprache 677
Contents / Inhalt XI

V. The History of Sociolinguistics


Geschichte der Soziolinguistik
79. Hans Goebl, Vorsoziolinguistische Entwicklungen in der Erforschung
von Sprache und Gesellschaft / Pre-Sociolinguistic Developments in
the Research on Language and Society . . . . . . . . . . . . . . . . . 684
80. Norbert Dittmar, Forschungsgeschichte der Soziolinguistik (seit Ver-
wendung dieses Ausdrucks) / History of Research on Sociolinguistics
(after the Coining of the Term) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 698
81. Raphael Berthele, Dialektsoziologie – Soziolinguistische Aspekte
der Dialektologie / Dialect Sociology – Sociolinguistic Aspects of
Dialectology . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 721
82. Fritz Schütze / Jörg Meindl, Die Rolle der Sprache in der soziologischen
Forschung – historisch gesehen / The Role of Language in Sociological
Research – in a Historical Perspective . . . . . . . . . . . . . . . . . . 739
83. Harald Haarmann, Sociolinguistic Aspects of Cultural Anthropology /
Soziolinguistische Aspekte der Kulturanthropologie . . . . . . . . . . 769
84. Martin Steinseifer / Jean Baptiste Marcellesi / Abdou Elimam,
Marxian Approaches to Sociolinguistics / Marxistische Ansätze der
Soziolinguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 786
85. Michael Clyne, History of Research on Language Contact / Geschichte
der Sprachkontaktforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 799
86. Ian Hancock / Ana Deumert, History of Research on Pidgins and
Creoles / Geschichte der Pidgin- und Kreolforschung . . . . . . . . . 806
87. Harald Haarmann, Geschichte der Anwendungen der Soziolinguistik /
History of Application of Sociolinguistics . . . . . . . . . . . . . . . . 818
88. Wolfgang Serbser, Forschungsgeschichte des symbolischen Inter-
aktionismus / History of Research on Symbolic Interaction . . . . . . 836

Volume 3 / 3. Teilband

IX. Regional Overview


Regionaler Überblick
169. Lars Vikør, Scandinavia / Skandinavien
170. Li Wei, The British Isles / Die Britischen Inseln
171. Roland Willemyns, The Low Countries / Niederlande
172. Ulrich Ammon, Die deutschsprachigen Länder / The German-
Speaking Countries
172a. Walter Haas, Die Schweiz / Switzerland
173. Françoise Gadet, France / Frankreich
174. Edgar Radtke, Italy / Italien
175. Juan Andrés Villena Ponsoda, The Iberian Peninsula / Die Iberische
Halbinsel
176. Miklós Kontra, Hungarian In and Outside Hungary / Ungarisch in und
außerhalb Ungarns
XII Contents / Inhalt

177. Klaus Steinke, Rumänien und Moldau / Romania and Moldavia


178. Gerhard Neweklowski, Die südslawische Region / The South-
Slavic Area
179. Wladyslaw Lubaś, Die westslawischen Sprachen / The West-
Slavic Languages
180. Karl Gutschmidt, Die ostslavische Region / The East-Slavic Area
181. Ina Druviete, The Baltic States / Die baltischen Staaten
182. Ian Hancock, Gipsy Languages / Zigeunersprachen
183. Victor A. Friedmann, Albania / Albanien
184. Peter Trudgill / Daniel Schreier, Greece and Cyprus / Griechenland
und Zypern
185. Lars Johanson / Elisabetta Ragagnin, Central Asia and Mongolia /
Zentralasien und Mongolei
186a. George Hewitt, Georgia / Georgien
186b. Jos. J. S. Weitenberg, Armenia / Armenien
187. Birgit N. Schlyter, Turkey / Türkei
188. Yahya Modarresi, Iran, Afghanistan and Tajikistan / Iran,
Afghanistan und Tadschikistan
189. Enam Al-Wer, The Arabic-speaking Middle East / Der arabisch-
sprachige Mittlere Osten
190. Bernard Spolsky, Israel and the Jewish Languages / Israel und die
jüdischen Sprachen
191. Clive Holes, The Arabian Peninsula and Iraq / Die Arabische
Halbinsel und der Irak
192. Keith Walter, North Africa / Nordafrika
193. Louis-Jean Calvet, Francophone West Africa / Das frankophone
Westafrika
194. Ronny Meyer, Sudan and the Horn of Africa / Sudan und das Horn
von Afrika
195. Magnus Huber, Anglophone West Africa / Das anglophone Westafrika
196. Silvester Ron Simango, East Africa / Ostafrika
197. Louis-Jean Calvet, Democratic Republic of Congo, Rwanda and
Burundi / Die demokratische Republic Congo, Ruanda und Burundi
198. Emilio Bonvini, Lusophone Africa / Das lusophone Afrika
199. Tore Janson, Southern Africa / Südliches Afrika
200. Robert Chaudenson, Madagascar and the Comoros / Madagaskar
und die Komoren
201. Robert Chaudenson, The Indian Ocean / Der Indische Ozean
202. Braj B. Kachru, South Asia / Südasien
203. Cheng Tien-mu / Fritz Pasierbsky China / China
204. David Bradley, Mainland Southeast Asia / Südostasiatisches Festland
205. Lars Vikør, Malaysia and Insular Southeast Asia / Malaysia und
insulares Südostasien
206. Shinji Sanada, Japan und Korea / Japan and Korea
Contents / Inhalt XIII

207. Anne Pauwels, Australia and New Zealand / Australien und Neuseeland
208. Andrew Pawley, The South Pacific / Der südliche Pazifik
209. John Edwards, Canada / Kanada
210. Lyle Campbell, The USA / Die USA
211. Cecilia Cutler / Stephanie Hackert / Chanti Seymour, Bermuda and
the Bahamas / Bermuda und Bahamas
212. Yolanda Lastra, Mexico and Central America / Mittelamerika
212a. Ralph Penny, The Hispanophone Caribbean / Die hispanophone
Karibik
213. Hubert Devonish, The Anglophone Caribbean / Die anglophone
Karibik
214. Jean Bernabé, The Francophone Caribbean / Die frankophone Karibik
215. Marta Dijkhoff / Silvia Kouwenberg / Paul Tjon Sie Fat, The Dutch-
speaking Caribbean / Die niederländischsprachige Karibik
216. Rainer Enrique Hamel / Pedro Martín Butragueño, Hispanophone
South America / Hispanophones Südamerika
217. Maria Marta Pereira Scherre, Brazil / Brasilien
218. Daniel Schreier / Andrea Sudbury / Sheila Wilson, English in the South
Atlantic Ocean / Englisch im Süd-Atlantik

X. Linguistic Change, Sociolinguistic Aspects


Sprachwandel, soziolinguistische Aspekte
219. Ana Deumert, The Relationship between Linguistic and Social Change /
Das Verhältnis von sprachlichem und sozialem Wandel
220. Utz Maas, Der Übergang von Oralität zu Skribalität in soziolinguisti-
scher Perspektive / The Change from Oral to Written Communication
from a Sociolinguistic Perspective
221. Joachim Gessinger, Alphabetisierung von Sprachgemeinschaften /
The Alphabetization of Speech Communities
222. Edgar Radtke, Konvergenz und Divergenz regionaler Varietäten /
Convergence and Divergence of Regional Varieties
223. František Daneš, Herausbildung und Reform von Standardsprachen
und Destandardisierung / Development and Reform of Standard
Languages and Destandardization
224. Jiři V. Neustupný, Sociolinguistic Aspects of Social Modernization /
Soziolinguistische Aspekte gesellschaftlicher Modernisierung
225. Jiři Nekvapil, The Development of Languages for Special Purposes /
Herausbildung von Fachsprachen
226. Robert Phillipson, Colonisation and Decolonisation / Kolonisation
und Dekolonisation
227. Rainer Enrique Hamel, The Development of Language Empires /
Entwicklung von Sprachimperien
228. Wolfgang Dressler / Rudolf de Cillia, Spracherhaltung – Sprachverfall –
Sprachtod / Language Maintenance, Language Decline and Language
Death
XIV Contents / Inhalt

229. Paul Kerswill, Migration and Language / Migration und Sprache


230. Marinel Gerritsen / Roeland van Hout, Sociolinguistic Developments as
a Diffusion Process / Soziolinguistische Entwicklungen als Diffusions-
prozesse
231. Robert Phillipson, Language Spread / Sprachverbreitung
232. Paul T. Roberge, Language History and Historical Sociolinguistics /
Sprachgeschichte und historische Soziolinguistik

XI. Application
Anwendung
233. John Gibbons, Forensic Sociolinguistics / Forensische Soziolinguistik
234. Roger W. Shuy, Discourse Analysis and the Law / Diskursanalyse
und Recht
235. Nikolas Coupland / Virpi Ylänne-McEwen, The Sociolinguistics of
Ageing / Soziolinguistik des Alterns
236. Jenny Cheshire, Sociolinguistics and Mother-tongue Education /
Soziolinguistik und Muttersprachdidaktik
237. Sarah Michaels / Richard Sohmer / Mary Catherine O’ Connor,
Discourse in the Classroom / Diskurs im Schulunterricht
238. Marilyn Martin-Jones, Sociolinguistics and Second Language
Teaching / Soziolinguistik und Zweitsprachunterricht
239. Helga Bister-Broosen, Sociolinguistics and Foreign Language Teaching /
Soziolinguistik und Fremdsprachenunterricht
240. Helge Omdal, Language Planning: Standardization / Sprachplanung
und Standardisierung
241. Ana Deumert, Language Planning – Language Determination /
Sprachplanung – Sprachdeterminierung
242. Harald Haarmann, Language Planning: Graphization and the
Development of Writing Systems / Graphisation und die Entwicklung
von Schreibsystemen
243. Rodolfo Jacobson, Language Planning: Modernization / Sprach-
planung: Modernisierung
244. Götz Kaufmann, Language Maintenance and Reversing Language
Shift / Spracherhalt und Umkehr von Sprachumstellung
245. Aaron Bar-Adon, Language Revival / Sprachwiederbelebung
246. František Daneš, Sprachpflege / Language Cultivation
247. Ulrich Püschel, Lexikographie und Soziolinguistik / Lexicography
and Sociolinguistics
248. Ludwig Eichinger, Soziolinguistik und Sprachminderheiten / Socio-
linguistics and Linguistic Minorities
249. Claude Piron, Choosing an Official Language
250. Helga Kotthoff, Angewandte feministische Linguistik / Applied
Feminist Linguistics
251. Walt Wolfram, Sociolinguistics and Speech and Language Pathology /
Soziolinguistik und Sprachtherapie
252. Robin Tolmach Lakoff, Therapeutic Discourse / Therapeutischer Diskurs
Contents / Inhalt XV

253. Helen Spencer-Oatey, Sociolinguistics and Intercultural Communi-


cation / Soziolinguistik und interkulturelle Kommunikation
254. Carolyn Temple Adger / Donna Christian, Applied Social Dialectology /
Angewandte Sozialdialektologie
255. Reinhard Fiehler, Rhetorik / Rhetoric
256. Matthias Jung, Aufklärung von ideologischem Sprachgebrauch /
Revealing the Implications of Ideological Language Use
257. Tove Skutnabb-Kangas, Linguistic Human Rights / Sprachliche
Menschenrechte

Index of Subjects / Sachregister


89. Cultural Sociology 855

VI. Neighbouring Disciplines


Nachbarwissenschaften
89. Cultural Sociology / Kultursoziologie

1. Defining culture and meaning – The differentiated approach of culture and so-
dilemma ciety that is able to grasp – make available
2. Bourdieu, culture and power: an overview for sociological / anthropological examin-
3. Language and symbolic power ation – the socially constructed aspects of
4. The contemporary relevance of Bourdieu’s linguistic productions.
approach to language
5. Conclusion
1. Defining culture and meaning –
6. Literature (selected)
The dilemma
Conceptualizations of culture and its rela- The concept of “culture” itself is utterly
tionship to language have long been ridden problematic. In the opening paragraphs of
with theoretical and methodological diffi- his essay on “thick description” (Geertz
culties. Such apories have prevented an inte- 1973), Clifford Geertz lists the different defi-
grated but differentiated examination of lan- nitions of this concept as mentioned in
guage and linguistic productions in a Clyde Kluckhohn’s Mirror for Man –
properly epistemologically defined cultural “(1)‘the total way of life of a people’; (2) ‘the
context. The following discussion will show social legacy the individual acquires from
that sociological approaches that have fo- his group’; (3) ‘a way of thinking, feeling
cused on language and culture almost in- and believing’; (4) ‘an abstraction from be-
variably position themselves on different havior’; (5) a theory on the part of the an-
sides of the old objectivism / subjectivism thropologist about the way in which a group
debate without providing conceptualiz- of people in fact behave; (6) a ‘storehouse of
ations of either culture or language that pooled learning’; (7) ‘a set of standardized
would allow the overcoming of this episte- orientations to recurrent problems’; (8)
mological division. Such an analytical ‘learned behavior’; (9) a mechanism for the
stance can only provide one-sided views of normative regulation of behavior; (10) ‘a set
culture and social uses of language, and pre- of techniques for adjusting both to the exter-
vents any attempt at constructing a coherent nal environment and to other men’; (11) ‘a
and integrated approach of such issues. precipitate of history’” (Geertz 1973, 4, 5).
Moreover, such partial views of the ways in This list perfectly illustrates a point made
which culture and linguistic productions are by Orville Lee III (Lee 1988), that anthro-
related to social structure necessarily pre- pologists and sociologists are better at dis-
clude scientific examinations of the social cussing what culture does than at defining
conditions of production of cultural / lin- what it is. Additionally, these different defi-
guistic products. The discussion will show nitions conceptualize culture as either the
that Pierre Bourdieu’s conceptualizations of normative framework for behavior or the
the relationships between culture, social behavior itself without clearly specifying the
structure and linguistic productions provide conditions of possibility of moving from one
an epistemologically satisfying resolution of level to the other. In other words, these defi-
traditional dilemmas in the study of culture nitions distinguish between two domains
and society – objectivism / subjectivism, under the jurisdiction of culture without es-
structure / agency, determination / freedom, tablishing the relationships between them;
to mention only a few formulations of these that culture regulates behavior is obvious;
dilemmas. As a result, Bourdieu is able to how it does so cannot be explained away by
provide a coherent and, at the same time, learning or internalization. This conceptual
856 VI. Neighbouring Disciplines

difficulty reflects the broader dilemma of At the other end of the spectrum, we find
the sociological study of culture: either to the subjectivist side of the epistemological
study the abstract normative framework dilemma. Approaches such as Sartre’s exis-
that accounts for statistical regularities (the tentialism, phenomenological sociology, as
objectivist level) or to examine social actors’ illustrated by the work of Alfred Schutz
actual behavior and thinking patterns (the (Schutz 1970), ethnomethodology (even
subjectivist level) with specific attention to though different branches of the ethnome-
processes of interactions and intersubjective thodological program could be classified
understanding / construction of these ab- differently), all interpretive approaches or
stract structures; each approach annihilat- rational actor theory are representative of
ing the relevance of the other in the process. this trend. These approaches emphasize vol-
Of course, the objectivist approach to cul- untarism, interactions, intersubjectivity and
ture par excellence is structuralism, illus- social actors’ understanding of their circum-
trated particularly the towering figure of stances basis for meaning and action. The
Claude Levi-Strauss (Levi-Strauss 1969). implication of such an analytical stance is
Structural anthropology is the translation to that meaning – as created in and through ac-
the field of social sciences of Saussure’s for- tions – is immediately and visibly available
mal linguistics. Saussure’s (Saussure 1974) and constitutive of culture, thereby rejecting
distinction between language (la langue) the deep / surface structures division. Such a
and speech (la parole) proved seminal for conception is present in Geertz’s essay on
the scientific study of language. Language, “thick description” (Geertz 1973, 5): ‘The
for structural linguistics, is the abstract concept of culture I espouse (…) is essen-
mental structure, the whole linguistic sys- tially a semiotic one. Believing, with Max
tem, the deep structure. Speech is the surface Weber, that man is an animal suspended in
manifestation, defined as the temporary, webs of significance he himself has spun, I
partial use of the system in real situations of take culture to be those webs, and the analy-
linguistic use. For Saussure, only the struc- sis to be therefore not an experimental
ture of the former is the proper object of science in search of law but an interpretive
scientific study. Further more, the linguistic one in search of meaning.’
system is composed of linguistic signs, them- However, it should be noted that there are
selves based on the arbitrary relationship differences between Geertz’s conceptualiz-
between a signifier and a signified. Meaning ation of meaning and that of rational action
is established as relationships between lin- theories or phenomenology. On the one
guistic signs, not by speakers’s intentions or hand, for rational action theories (Elster
reflection of reality. Therefore, the logic of 1986), man is mostly homo economicus,
the system is based on relationships of op- consciously devising strategies to maximize
positions and differences. profits. Such individual motivations pro-
Levi-Strauss (Levi-Strauss 1969) applied duce individual strategies and intentional
this logic of distinction and opposition to actions. On the other hand, Alfred Schutz’s
the different components of cultural sys- (Schutz 1970) phenomenological sociology
tems: kinships structures and myths are ana- focuses its analysis on action as experienced
lyzed in relational terms rather than, re- by the actor from within the natural attitude
spectively, in terms of filiation or content. of everyday life. The natural attitude is the
Moreover, the formal models derived from experience of the world as given, factual,
such coding of oppositions and differences real, stable, ‘out there’, external to the indi-
reflect the universal reasoning mechanisms vidual, experienced in common. From this
of the human mind; this is why such systems perspective, culture and social structure are
of oppositions can be found in all kinship experienced in this taken-for-granted basis
structures and mythologies. In other words, and constitute the stable and familiar back-
from a structuralist perspective, individual ground for action. Meaning is the product
cultural systems and elements are the equiv- of both the natural attitude and the actor’s
alent of speech, a specific manifestation of use of commonsense knowledge. Common-
the general system, not to be analyzed in sense knowledge consists of typifications,
terms of their unique content but as part of social in nature, stored in a stock of knowl-
a larger system of oppositions to be unveiled edge whose structure varies according to
(because not publicly or consciously avail- practical relevances. Most of these typifi-
able to agents) through structural analysis. cations are acquired through language and
89. Cultural Sociology 857

only some of these from direct observations. able as meaningful actions? In other words,
In addition, as part of the natural attitude, where Geertz assumes the existence of struc-
actors operate under the assumption of tures of meaning, ethnomethodologists in-
‘reciprocity of perspectives’ – things appear vestigate the interactional and situational
to be the same for ego and alter; hence, mu- productions of such structures.
tual understanding is possible. The most empirically prolific branch of
Such a conception seems close to Geertz’s ethnomethodology to study culture and ac-
idea that ‘culture consists of socially estab- tion is conversation analysis. Conversation
lished structures of meaning’ (Geertz 1973, analysis assumes that meaning is produced
12) with the noticeable difference that according to the methodical use of a sequen-
Geertz emphasizes the social, as opposed to tial order that constitutes an ‘architecture of
individual or psychological, basis of mean- intersubjectivity’ (Heritage 1984). Determi-
ing (Lee 1988, 117). For Geertz, endorsing nation of meaning of objects, utterances and
here Wittgenstein’s claims against mentalist events are decided based on their location
depictions of meaning in favor of praxeo- within a given organizational context. If
logical accounts (Wittgenstein 1958, also, there is to be a structural context, this con-
for a detailed explanation of Wittgenstein’s text is elaborated and produced in situ,
ideas, see Monnier 1998), there is no need to through the turn-taking organization of in-
focus on individual experience since ‘culture teractions (Sacks/Schegloff/Jefferson 1974).
is public because meaning is’ (Geertz 1973, As Peter Eglin explains, ‘members’ knowl-
12); therefore, all meaningful behavior is edge of their society – culture – is methodo-
cultural because it is intelligible only by vir- logical and reflexive, rather than substan-
tue of embedded in structures of meaning tive. Not that as members we do not know
that are cultural / social in nature. As a me- substantive ‘things’. Rather ‘knowing that’
thodological policy, ‘thick description’ (a is embedded in ‘knowing how’ (Eglin 1980,
term borrowed from British analytical phil- 126). ‘Methodological’ means here the pro-
osopher Gilbert Ryle – Ryle 1957) is the abil- cedures to assign meaning to events. Se-
ity to interpret signs and actions within their quential location is one such procedure for
structures of meaning, or, to use the now fa- understanding. In a sense, with all necessary
mous example described by Geertz, to be cautions, the poststructuralist slogan, ‘there
able to make the difference between a twitch is nothing outside the text’, could apply
and a wink (Geertz 1973, 6); ‘Analysis, then, here: there is nothing outside the interaction
is sorting out the structures of signification and more specifically, outside of the turn-
(…) and determining their social ground taking system. Analysis of culture and lin-
and import’ (Geertz 1973, 9), in other guistic productions starts and ends with
words, finding the proper public / available situated interactions.
frame of interpretation for actions and be- To summarize these developments, when
haviors. we try to define culture, we are left with the
Finally, ethnomethodology radicalizes alternative of either focusing on uncon-
such assumptions one step further by ex- scious structures and systems that deny the
ploring the ways in which meaning and possibility of agency, as structuralism would
other cultural elements are emergent prod- have it, or eliminating the structure alto-
ucts of social situations and interactions. In gether and focusing on individuals’ volun-
other words, if culture is a normative order, tarist / economic choices (rational actions),
it is not an order external to situations but individuals’ sense making experiences as a
an order produced from within social situ- concerted interactive accomplishment with-
ations. Harold Garfinkel’s project, when he in a sequential order (phenomenology / eth-
wrote his Studies in Ethnomethodology (Gar- nomethodology). Both types of approaches
finkel 1984), was to make empirically visible fail to provide a satisfactory theoretical or
and available for examination presupposi- methodological solution for a coherent, in-
tions of common culture at the basis of the tegrated and differentiated conception of
production of meaning and action. If mean- culture that would allow the study of cul-
ing is an emergent product of social situ- ture, social structure and linguistic produc-
ations and interactions, then, this is where tions. Indeed, it seems that each perspective,
the analytical focus should be: how do culture-as-structure or culture-as-method,
members of society produce their actions so involves an epistemological impossibility to
as to make them understandable / recogniz- conceptualize the other side of the dilemma.
858 VI. Neighbouring Disciplines

Such an impossibility, we will argue, has organization shows that objective structures
been overcome by Pierre Bourdieu in his are the first order of analysis while represen-
sociology of culture and power. tations are a second order. This organization
also establishes the absence of separation
2. Bourdieu, culture and power: an but the relational logic between structures
and agency. This relational logic is best illus-
overview
trated by Bourdieu’s central concepts of
Pierre Bourdieu is first and foremost a soci- habitus and fields, which represent the con-
ologist of culture, but to him, culture is more ceptual solution to the objectivism / subjec-
than just what we all share by virtue of being tivism dilemmas.
members of a society, language, symbols, in- As the now famous definition indicates,
stitutions. Culture is a symbolic order. Cul- habitus is system of ‘durable, transposable
ture also provides the basic elements of dispositions, structured structures predis-
domination and of reproduction of that posed to function as structuring structures,
domination. Culture determines the way we that is as principles which generate and or-
experience and understand reality, through ganize practices and representations that
communication and interaction. However, can be objectively adapted to their outcomes
through communication and interaction, without presupposing a conscious aiming at
among other cultural elements, are also es- ends or an express mastery of the operations
tablished and reproduced social hierarchies. necessary in order to attain them’ (Bourdieu
In other words, culture embodies power. 1990, 53). Habitus is a set of dispositions
Bourdieu provides a conceptualization of that incline agents to act (speak, move, ges-
culture and linguistic productions that clar- ture) and react in certain ways (appreciate,
ifies the relationships between structural de- dislike, contempt, etc.). These dispositions
termination and possibility of action while generate practices and attitudes that are
avoiding the traps of objectivism and subjec- regular, and seemingly natural and subjec-
tivism, in other words, a conceptualization tive, without being consciously controlled
that takes into account both the existence of by the individual. In Reproduction, Bour-
unobservable and unconscious structures dieu defines habitus as ‘product of struc-
and agents’ interpretations. As Loic Wac- tures, producer of practices, and reproducer
quant indicates, this involves a double me- of structures’ (Bourdieu/Passeron 1977).
thodological movement: ‘First, we push To say that these dispositions are incul-
aside mundane representations to construct cated means that they are acquired through
the objective structures (spaces of posi- the process of socialization: children are in-
tions), the distribution of socially efficient culcated a sense of the social hierarchies and
resources that define the external con- of their own position, through the acquisi-
straints bearing on interactions and repre- tion of ways of speaking, table manners, cul-
sentations. Second, we reintroduce the im- tural tastes (Bourdieu 1984). The body and
mediate, lived experience of agents in order mind are socialized such that actors learn to
to explicate the categories of perception and feel “naturally” at ease in certain settings
appreciation (dispositions) that structure (close to their own habitus) and “out of
their actions from inside’ (Bourdieu/ Wac- place” in others (distant from their own habi-
quant 1992, 11). This double move is illus- tus). The dispositions produced through so-
trated particularly well by the impressive cialization are also structured in the sense
collective work under Bourdieu’s direction, that they necessarily reflect the social condi-
La Misere Du Monde (Bourdieu 1995). In tions within which they were acquired. An in-
this work, each chapter, corresponding to dividual from a working-class background
different interviews and addressing different will have acquired dispositions which are dif-
aspects of the research, is composed of two ferent from those acquired by individuals
parts: an objectivist moment, abstracted brought up in a middle-class environment.
from agents’ representations but framing From the start, the individual’s subjectivity is
these at the same time (epistemological in fact, the product of being socialized into a
break), and a more subjectivist moment specific part of a stratified social order. This
where the text of the interviews is extensively explains why people belonging to the same
transcribed to reflect agents’ formulations social background usually feel comfortable
of their situation within the objective condi- with one another; having experienced the
tions specified in the first moment. Such an similar material and social conditions create
89. Cultural Sociology 859

common dispositions (again, cultural tastes sets of positions, their differential distribu-
and ways of being). These dispositions are tion of capital and the value of the different
also durable in that they constitute the indi- products, evaluated according to a logic spe-
vidual’s long-lasting ways of doing, being, cific to each field and which is not necess-
perceiving, speaking; acquired during child- arily an economic logic in the usual sense.
hood, they are not conscious, therefore not Social agents use strategies to increase their
easy to change. These dispositions are gen- amount of the kind of capital valued in the
erative and transposable; this means that specific field, this may not necessarily be
they endow the actor with a capacity to act economic capital or to impose their defini-
and perceive in many different situations tion of what is legitimate in the field. En-
(agency). Habitus is what gives consistency dowed with different amount of different
to a social actor’s persona. kinds of capital, social agents are not
For Bourdieu, and this will be a central equally positioned in a field, so that the
consideration when applied to language, chances of modifying the distribution of
habitus is not just a way of thinking and capital and of improving their position with-
feeling, this is also a way of the body. This is in the field may be limited.
easy to understand when we compare the For instance, in the educational field, as
way boys and girls are socialized to eat, developed in Reproduction (Bourdieu/Pass-
walk, sit, laugh, talk differently. Social hier- eron 1977), middle-class and upper-class
archies are incorporated in the body, – a children are better positioned to take the
bodily hexis, the socially structured habits of most advantage of the settings and to suc-
the body; as Bourdieu defines it, ‘bodily ceed because there is a consistency between
hexis is political mythology realized, em- their habitus and the educational field; their
bodied, turned into a permanent disposi- productions are more likely to be valued
tion, a durable way of standing, speaking, than those of working-class or lower-class
walking, and thereby of feeling and think- students whose habitus place them at dis-
ing’ (Bourdieu 1990, 69, 70). These hier- tance from what is valued in the field. The
archies are reproduced through the minute homology between the habitus of middle-
practices of agents, unwittingly. class and upper class students places them in
The habitus is the set of dispositions that the best positions within the educational
endows actors with a capacity to act, but field, where their economic advantage is re-
they do so in specific settings and situations inforced by their easier access to the rewards
that may or may not be consistent with the provided by the educational system (cultural
settings in which the habitus was acquired. capital). And in turn, this cultural advan-
Thus, an actor’s practice will not be just a tage can be translated into economically ad-
product of habitus but a product of the re- vantageous positions on the job market; that
lation between habitus and the specific con- is, the cultural capital can be translated into
text at hand (here, the structuralist influence economic capital, hence the reproduction of
is clear). social stratification.
In Bourdieu’s words, such settings are In addition, because of this homology be-
fields or market: ‘field defines the structure tween middle-class habitus and educational
of the social setting in which habitus oper- field, middle-class and upper-class students
ates’ (Swartz 1997, 117) or a structured are more likely to feel “naturally at home”
space of positions hierarchically interrelated within the educational system because of the
(dominant / dominated) on the basis of the correspondence between their academic
unequal distribution of different kinds of re- products (in terms of speaking and writing
sources or capital: economic (material in the way valued by the system) and the ex-
wealth), cultural (knowledge, skills, edu- pectations and requirements of the edu-
cational credentials), social (relationships, cational setting. Conversely, because their
networks, connections), symbolic (prestige) products, especially linguistic or intellec-
or linguistic. Through their habitus, social tual, are devalued, working-class and lower
actors are endowed different amounts of dif- class students are more likely to feel alien-
ferent capitals and different types of capital ated and that school ‘is not for people like
have different values depending on the field. them’ (self-defeating strategy), with the con-
The economic sphere, literature, arts, re- sequence of leaving the field at an early
ligion, politics are examples of fields; each stage. In other words, they are more likely to
of these fields are characterized by their own experience symbolic violence – defined as
860 VI. Neighbouring Disciplines

the shift, in advanced societies ‘from overt product of rules of grammar and not as a so-
coercion and the threat of physical violence cial and practical phenomenon, as it should
to forms of symbolic manipulation’ (Swartz be for Bourdieu.
1997, 82). Placed in a situation of cultural What constitutes the proper object of
and educational disadvantage because of an analysis, for Bourdieu, is the way language is
initial economic handicap, working-class used in the production and reproduction of
and lower-class students are unable to ac- domination; language, as part of the bodily
quire the cultural capital translatable into hexis, is one of the cultural and symbolic re-
economic capital, hence again, the repro- sources through which actors can achieve
duction of social stratification, in addition profits of distinction, that is, mark them-
to the feeling of not belonging. selves linguistically within a specific field. In
Concepts of habitus, field and capital are other words, there is, for Bourdieu, a lin-
Bourdieu’s successful transcendence of the guistic habitus, a set of dispositions to speak
objectivism / subjectivism dilemma. These (that is, to articulate) in a certain manner, to
concepts account for the existence of uncon- say certain things, and a learned capacity to
scious objective structures at the same time properly use linguistic resources in certain
that they provide for the actions, as de- situations without embarrassing oneself or
scribed by the famous formula: [(habitus) feeling out of place and having to stay mute
(capital)] + field = practices (Swartz 1997, (Thompson 1991, 37).
141). Any linguistic expression is not used in
abstracto but in specific fields or in specific
3. Language and symbolic power linguistic markets where these products take
their specific values, sanctions and rewards
Culture, of course, involves language; for according to the specific configuration of
Bourdieu, language and culture cannot be the market, organized as a field of struggle
analyzed separately; the specificity of Bour- and power. The most common example that
dieu’s approach is that language has to be can be given is the educational situation
analyzed in the context of its conditions of where linguistic expressions are not just
production and reception. In this respect, products of rules of grammar but a reflec-
Bourdieu integrates some insights from the tion (and a reproduction) of the relations of
formalist linguistics initiated by Saussure power specific to that field. The educational
but clearly rejects basic assumptions from situation is a setting where authority is
this approach (Bourdieu 1991, 54). unevenly distributed among the participants
Without entering into the details of for- and that authority is recognized as legit-
mal linguistics, a summary of the basic imate by the dominated participants (stu-
points that Bourdieu challenges can be pro- dents). The authority whose “natural” in-
posed: for Saussure (Saussure 1974), speech cumbent is the teacher, far from being a
is not the proper object of analysis because “natural” fact, reflects historical institu-
it does not give access to the fundamental tionalized power relations. This authority
underlying linguistic structures; actual takes its “naturalness” from the fact that it is
speech acts are just one of many possible recognized as legitimate, that is, misrecog-
combinations of linguistic elements; the lin- nized as arbitrary. For Bourdieu, there is no
guist has to access the whole system, the better and more absolute dominance than
deep structure rather than the surface ex- the one that takes on the clothes of natural-
pressions. The same methodological stance ness.
was later captured by Chomsky’s distinction The linguistic market determines what
between competence (deep structure) and can be said and what values are attributed to
performance (speech) (Chomsky 1965). The the linguistic products. Therefore, the actors
general point is that formal linguistics estab- endowed with a linguistic habitus with a
lished as its proper object an abstract con- structure close to that of the linguistic mar-
struct that has no practical existence. For ket in question will see their products highly
Bourdieu, this methodological move detach- valued, while those actors with a linguistic
es analytical activity from the reality of lin- habitus at odds with the structure of lin-
guistic activity as struggle for distinction in guistic market will see their linguistic prod-
specific fields. What is lost in the process is ucts poorly valued and dismissed. The deter-
the cultural and social nature of linguistic mination of what is valued and what is not is
activities. Language is treated just as the the result of political struggle.
89. Cultural Sociology 861

The best example of such a struggle is legitimate by the audience), under the ap-
given by Bourdieu himself in his description propriate circumstances (a wedding and not,
of the historical and political processes at say, a mass), at the appropriate time in the
work (and their correlative relations of situation. If these conditions are not met,
power) in the constitution of a unified lin- the utterance will fail to perform the ex-
guistic market in France, where the use of pected action.
standard French would be valued and the The problem that Bourdieu sees in Aus-
use of local or regional dialects would be dis- tin’s conceptualizations and the speech act
missed as of no value. People in positions of approach (Searle’s work, for instance), is
power would be the ones speaking French. that these insights on the institutional and
Those actors who already possessed it were social nature of felicity conditions are not
given a privileged position in the establishing developed and retreat back to the strictly
of the nation-state, while those lacking this linguistic dimension of performative utter-
linguistic competence would occupy domi- ances (as in Searle’s work on the promise,
nated positions; only the linguistic compet- Searle 1969). Rather than focusing on the
ence in French mattered, the ability to speak external factors that give language and ut-
several local dialects would be devalued. terances their authority and performative
Linguistic differences were thereby reflec- capacity, speech act theorists return to the
tions of social differences. linguistic model and focus on internal fac-
The educational system would play an tors of performativity.
important part in this constitution of the The power of words, for Bourdieu, does
linguistic market by inculcating the domi- not reside in the words themselves, but in
nant language (presented as national lan- the social, political and institutional real-
guage). The educational system would legit- ities of the fields in which these words are
imate the use of French at the expense of uttered. This is why neither formal lin-
dialects; the only language worth being guistics, nor interactional and pragmatic
taught by professionals would be standard approaches – such as conversation analysis –
French. The educational system worked as a get to the real social nature of linguistic ex-
huge normalizing machine for the new uni- changes, which is a political economy, with
fied labor market. This move also corre- its power relations situated on specific mar-
sponded to the development of an import- kets. For Bourdieu, there can be no ideal
ant state bureaucracy whose members were speech situations (Habermas 1984) that
chosen on the basis of their educational cre- would allow expressions free from con-
dentials. straints and power relations. Ideal speech
If Bourdieu is critical of formal lin- situations are abstractions that also miss
guistics, he is also critical of approaches to the fundamental nature of linguistic activ-
language that were more attentive to speech ities as products of culture: to produce and
activities and social conditions of produc- reproduce relations of power and domi-
tion. Austin (Austin 1962) is certainly the nance.
philosopher that initiated the analysis of There is clearly a conjunction between
speech acts. The notion of “performative” is Bourdieu’s approach to language and the
designed to capture the notion that utter- work of sociolinguists like William Labov
ances are not just correct grammatical ex- (Labov 1972). In his studies of language in
pressions of meaning; utterances are speech department stores and language in Inner
acts, that is, activities in their own right, pro- Cities, Labov identified the different ways of
duced and treated as such by speakers and speaking of middle-class and working-class
hearers. and the logic of dominance in linguistic ex-
But performatives are not utterances that changes. Labov aptly located these differ-
accomplish certain activities by themselves; ences not so much in what is spoken but on
specific conditions have to be met in order different articulatory styles. Both noticed
for the performative to really “perform”. the tendency to euphemism used by middle-
These felicity conditions are not specifically class speakers, the use of hedges and phrase
grammatical, they are institutional and so- fillers, in Labov’s terms. But where Labov
cial; the utterance “I declare you husband only sees bourgeois verbosity – which Bour-
and wife” is a performative only if said by dieu defines as ‘populism’: ‘the inverted cel-
the appropriate person (a priest) authorized ebration of the autonomy and integrity of
to perform a ceremony (and recognized as popular cultural forms’ (Bourdieu/Wac-
862 VI. Neighbouring Disciplines

quant 1992, 84n.29) – and tries to rehabili- schools. Research has shown that the elimin-
tate popular speaking, Bourdieu sees a strat- ation of bilingual programs is positively cor-
egy of distinction, the way through which related with dropping out of school. What is
middle-class speakers mark their distance to ironic is that most immigrants not only rec-
language, just as they are able to mark their ognize that English is the language of social
distance to economic necessity without os- and official discourse in the US, but learn it.
tentation. The attention to style at the ex- Last year, 40,000 immigrants were turned
pense of content is a specificity of bourgeois away or were on waiting lists for adult Eng-
speaking, but not simply as verbal inflation, lish classes in Los Angeles alone.
but as distinction, the capacity to distance The debate over bilingual education
one’s speech from its pure function of com- clearly indicates the relevance of Bourdieu’s
munication. conceptualizations on language. The insist-
If Bourdieu is in agreement with Labov’s ence on English as the only language to be
insights, the point of contention is, for taught in indicates a struggle for dominance
Bourdieu, Labov’s insistence to rehabilitate in the field of education. The acceptance of
popular language and ways of speaking bilingual programs, where teachers use both
(Bourdieu 1991, 82, 89). For Bourdieu, language and children are also supposed to
Labov forgets what his own studies have learn both would mean the loss of a ‘natural’
shown: that the linguistic norm is accepted advantage for English-speaking students
and recognized as legitimate by the whole over the peers with limited English profi-
linguistic community, including those who ciency. In an educational context where
occupy a dominated position. For instance, standard English is the norm, middle-class
in Labov’s study of department stores, he and upper-class students possess the ‘right’
showed that working class salespersons kind of habitus, homologous to the require-
confronted with upper-class customers ments of the field. The insistence on the ex-
adopt the linguistic style of their customers, clusive use of standard English reflects the
at the expense of their own working-class struggle for the maintenance of this advan-
accent, thereby accepting unwittingly the tage given to middle-class and upper-class
necessity for them to modify their linguistic students with an Anglo background.
expressions, that is to normalize their lin- The rejection of bilingual education is the
guistic products according to the logic of rejection of a reorganization of the field
the field. Therefore, for Bourdieu, class where the linguistic expressions and products
domination runs deeper than Labov seems of the usually dominated and devalued stu-
to estimate; the dominated seem to have no dents would suddenly gain value. To produce
interest in rehabilitating their own linguistic valued linguistic expressions, for middle-class
practices but feel the need to normalize and upper-class students, would mean to
their speech in ‘formal’ situation, thereby place themselves in a not-so-dominant posi-
accepting their linguistic / symbolic domi- tion, since they would have to face the same
nation. kind of obstacles Latino students do. The
positions and their interrelations within the
4. The contemporary relevance of field would be modified in favor of students
from non-Anglo background. Moreover, if
Bourdieu’s approach to language
bilingual education implies the use by teach-
In 1986, California passed a ballot proposi- ers of Spanish or Ebonics, this would chal-
tion that declared English to be the official lenge the idea of standard English as the de-
language of the state, as a result of lobbying sirable norm and dominant language.
by English-only organizations. In 1998, We realize that what is at stake for the
English-only organizations pressed for Cali- English-only organizations, is not so much a
fornia ballot initiative, Proposition 227, to rapid assimilation of immigrant children, but
limit instruction of immigrant children to maintenance of an educational status quo
one year in their native language before they beneficial to certain categories of students, a
moved into classes taught in English. They status quo that maintains unequal education,
argue that they are not trying to discrimi- therefore unequal opportunities for students.
nate against immigrants but trying to inte- It is a known fact that Latino students have
grate them more quickly. Latino civil rights the highest dropping-out-of-school rate. This
leaders have pointed out the discriminatory could be explained by the feeling of alien-
nature of bilingual programs in public ation that such students feel in an environ-
89. Cultural Sociology 863

ment where their linguistic and intellectual As Farley (Farley 2000, 398 f.) has aptly
products are not valued, where their lin- described, Black English is not an inferior
guistic competence in their native language is version of standard English, even though it
treated as a handicap rather than an asset, is often considered as such by educators.
that is, where they are most likely to experi- Black English was considered to be anarch-
ence symbolic violence. ic, not adequately structured and not to have
We find again here the shortcomings the syntactic richness of standard English
Bourdieu found in Labov: the positive ree- (Deutsch 1963, 174), resulting in children
valuation of dominated students’ linguistic with poor linguistic capacities. Subsequent
products does not change the basic fact that research in sociolinguistics has shown that
English is the dominant language, the for- this is not the case; Black English is a struc-
mal language. The norm is something that tured language, with rules comparable to
imposed itself as natural to the whole lin- those of standard English; it is a variation of
guistic community; immigrants themselves standard English, not an inferior or de-
want their children to learn English, as a graded version of it; Black English is also a
pathway to economic opportunities. They cultural product in that it integrates el-
recognize standard English as the dominant ements rooted in Western African languages.
language. The fact of Latino students speak- It still remains that students using Black
ing English does not have the same meaning English were considered culturally deprived
as American students speaking Spanish. To and this often resulted in tracking decisions
understand this idea, it is enough to re- based on the idea that black students were il-
member presidential candidates Al Gore literate or slow learners. It is a known fact
and George W. Bush addressing Latino that minority students are more likely to be
audiences in Spanish; the fact that this was defined as learning-disabled on the basis of
noticed by the media involves what Bour- their scores on standardized testing. This, in
dieu calls the “symbolic negation of the hier- turn, created low expectations from teachers
archy” (Bourdieu 1982, 62). For Bourdieu, for these students, and consequently, lower
only people sure of their status and their achievements. This self-fulfilling prophecy is
dominance can pretend to deny the existence common knowledge among social scientists
of linguistic hierarchies that reflect social specialized in education. The stigma at-
hierarchies; Latinos addressing these candi- tached to the use of Black English creates
dates (one is Vice-President, the other is conditions under which black students
Governor of Texas) would certainly never achievement is made more difficult and less
think of doing so in Spanish. Thus, by using expected and considered.
a dominated language, both officials rein- Farley (Farley 2000, 399) also noticed a
force the objective hierarchy by pretending class difference: middle-class black students
to ignore it. Only they can step out of for- were more adept at code-switching (Bern-
mality, precisely by virtue of their authority. stein 1964) than lower-class black students.
Another area of linguistic contention in Middle-class black students were able to
the contemporary debate about education gain mastery of both Black English and
in the United States has to do with the use standard English and to use either one of
of Ebonics, or Black English. This contro- them in appropriate situations (standard
versy is reminiscent of Basil Bernstein’s English being used mostly in formal situ-
(Bernstein 1964) conceptualization of lin- ations and white-dominated settings). For
guistic codes that translate into educational lower-class black students, the mastery of
disadvantage for already socially disadvan- code-switching was not as easy; they seemed
taged students. This issue has to do with the to have trouble learning standard English,
labeling and tracking of minority students that is, they were more likely to use Black
within the educational system if they do not English in school (formal situation) where
know how to speak standard English and that specific “code” was labeled inappropri-
use another language (Spanish) or dialect ate and reflecting poor linguistic abilities on
(Black English). And because the system is the part of the student. For Farley, this re-
unable to teach minority children to speak flects a difference in the cultural capital of
and write standard English, it reproduces the parents. Black middle-class parents
the social inequality it is supposed to re- speak both Black English and standard
duce, placing minority students at a disad- English, while poor children’s parents
vantage. usually speak only Black English.
864 VI. Neighbouring Disciplines

It appears that, in the end, the cultural roles are produced from within the situ-
capital of the parents (a class matter) is more ation.
relevant than the strict racial factor: it is ea- Against these one-dimensional visions of
sier for middle-class students (whatever social reality, Bourdieu’s relational and dif-
their race) to learn standard English, be- ferentiated yet coherent conceptualization
cause it reflects their own habitus, which is of culture and cultural products thematizes
dominant habitus; it is more difficult for both the unconscious and the visible aspects
lower-class black students to learn standard of practices. It delineates the relationships
English because it is not part of the cultural between structure and agency, mediated by
capital transmitted to them by their parents, the concepts of habitus and field and rees-
thereby participating in the social reproduc- tablishes the primacy of power and domi-
tion of inequality in the American class nation relations at the core of social life and
structure. However, even if class is a key fac- as an essential component of culture.
tor, race is still important in that white
working-class children do not suffer from 6. Literature (selected)
the disadvantage suffered by black working-
class students. The white working-class Austin, John L. (1962) How to Do Things With
habitus, even if it is a dominated habitus, is Words, Oxford.
closer to the dominant habitus than that of Bernstein, Basil (1971–1975) Class, Codes and
working-class black students. Consequently, Control: Theoretical Studies towards a Sociology
in the social reproduction of inequality, the of Language, London.
disadvantage of class is combined with the Bourdieu, Pierre (1977) Outline of A Theory of
disadvantage of race for lower-class and Practice, Cambridge, Mass.
poor black students. –, (1982) Ce Que Parler Veut Dire. L’économie des
Echanges Linguistiques, Paris.
5. Conclusion –, (1984) Distinction. A Social Critique of the
Judgement of Taste, Cambridge, Mass.
It is obvious that Bourdieu’s conceptualiz- –, (1990) The Logic of Practice, Stanford, Califor-
ation of culture and linguistic products nia.
overcomes the theoretical and methodologi-
–, (1991) Language and Symbolic Power, Cam-
cal dilemmas mentioned earlier. As opposed bridge, Mass.
to structuralism, Bourdieu’s conception of
–, (1993) The Field of Cultural Production, New
culture does not require the building of the-
York.
oretical models, completely detached from
social reality, and to be applied back to this –, (1995) La Misere du Monde, Paris.
social reality – what Bourdieu (Bourdieu Bourdieu, Pierre/Passeron, Jean-Claude (1977)
1977) calls the ‘intellectualist fallacy’, when Reproduction in Education, Society and Culture,
‘theoretical explanation is substituted for London.
the practical mastery or practical intelligi- Bourdieu, Pierre/Wacquant, Loic J.D. (1992) An
bility that actors employ in their actions’ Invitation to Reflexive Sociology, Chicago.
(Swartz 1997, 59). On the other hand, ap- Calhoun, Craig/LiPuma, Edward/Postone,
proaches that assume meaning to be visible, Moishe (1993) Bourdieu: Critical Perspectives,
public, self-evident and self-constructing, Chicago.
not only miss the presence of unconscious Chomsky, Noam (1965) Aspects of the Theory of
structures, that notions such as habitus and Syntax, Cambridge, Mass.
fields permit to rescue, but they also, by the Deutsch, Martin (1963) “The disadvantaged child
same token, ignore the fundamental dimen- and the learning process: some social and devel-
sion of social life: domination. Indeed, when opmental considerations”, in: Education in De-
conversation analysis focuses exclusively on pressed Areas, Passow, A.H., ed., New York.
turn-taking systems, it dismisses the pres- Eglin, Peter (1980) “Culture as Method: Location
ence of preexisting institutional constraints as An Interactional Device”, in: Journal of Prag-
on speech; it ignores the differential abilities matics 4, 121 – 135.
to speak, the fact that not all actors enter in- Elster, Jon (1986) Rational Choice, New York.
teractions endowed with the same linguistic Farley, John (2000) Majority-Minority Relations,
capital is not addressed. Conversation Upper Saddle River, New Jersey.
analysis does not deny the existence of insti- Garfinkel, Harold (1984) Studies in Ethnometho-
tutional roles; rather it assumes that these dology, Oxford.
90. Sozialpsychologie 865

Geertz, Clifford (1973) The Interpretation of Cul- Ryle, Gilbert (1957) The Concept of Mind, Ox-
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90. Sozialpsychologie / Social Psychology

1. Einführung und Begrenzung des Themas sie an verschiedenen universitären Institu-


2. Sozialpsychologie in ihren tionen mit hinreichend verschiedenen Curri-
Forschungsschwerpunkten cula, unterschiedlichen Literaturen, also in
3. Literatur (in Auswahl) durch Autoren, Theorien und methodologi-
sche Präferenzen durchaus unterscheidba-
1. Einführung und Begrenzung des ren Referenzsystemen, gelehrt und gelernt
Themas werden. Hinzu kommt, was den denkbaren
Vorteil zweier konkurrierender Orientierun-
Im Rahmen eines Handbuchs, in dem gen fast wieder zunichte macht, dass die bei-
Sprach- und Gesellschaftswissenschaften den Sozialpsychologien sich weitgehend
vereint zu Wort kommen, darf ein Kapitel voneinander abgeschottet haben, so dass
über Sozialpsychologie nicht fehlen. Dies Jones (1998, 5) dieses Resultat getrennt lau-
festzustellen, mag einem Kenner der Mate- fender Institutionalisierungen als „mutuelle
rie überflüssig erscheinen. Doch lässt die Isolierung und disziplinäre Inzucht“ cha-
Tatsache, dass die Psychologie weder zu den rakterisieren kann. Die Gründe für dieses
Sprachwissenschaften zählt, noch ihr Status Schisma liegen in der Geschichte (Grau-
als Sozialwissenschaft konsensuell gesichert mann, 1979; 2001), auf die hier nur insoweit
ist, eine Vorüberlegung angeraten erschei- eingegangen werden soll, als historische
nen. Denn die Sozialpsychologie, um die es Entwicklungen die in diesem Kapitel darzu-
im Folgenden geht, ist stärker aus psycholo- stellenden Spielarten und Schwerpunkte so-
gischer als aus soziologischer Perspektive zialpsychologischer Forschung verständli-
entwickelt worden, wobei „stärker“ sowohl cher machen können.
die Menge sozialpsychologischer Publika- Neben der Artikulation der heutigen So-
tionen wie den Einfluss von Theoriebildung zialpsychologie nach Perspektiven und For-
und Forschung meint. Doch es geht nicht schungsschwerpunkten soll, wo es vertret-
nur um Fragen der Gewichtung. Beide, die bar ist, die Sozialpsychologie der Sprache
psychologische wie die soziologische Sozial- thematisiert werden. Diese Akzentsetzung
psychologie sind auch disziplinär unter- lässt sich nicht nur mit der Rahmen-thema-
schiedlich zu verorten. Das aber heißt, dass tik dieses Handbuches rechtfertigen. Viel-
866 VI. Neighbouring Disciplines

mehr hat Sprache, vor allem Sprachge- denkbar gering. Die Hauptthemen, die die
brauch, seit der letzten Auflage von 1987 in Allgemeine differenzieren, gliedern auch die
der Sozialpsychologie deutlich an Promi- Sozialpsychologie: Wahrnehmung, Kogniti-
nenz gewonnen, so dass sie heute als Thema on, Emotion, Motivation werden durch Vo-
nicht mehr aus ihr wegzudenken ist (vgl. Se- ranstellung des Attributs „sozial“ zu Haupt-
min/Fiedler, 1992). kapiteln der Sozialpsychologie. Wurde im
Rahmen des behavioristischen Paradigmas
ein „Reiz“ zu einem „sozialen Reiz“, wenn
2. Sozialpsychologie in ihren er der „Reaktion“ eines anderen Individu-
Forschungsschwerpunkten ums zuzuordnen war, so heißt in der heuti-
gen kognitiven Sozialpsychologie (oder Psy-
Was im Folgenden als Forschungsschwer- chologie der Informationsverarbeitung) eine
punkte der Sozialpsychologie angesprochen „Kognition“ bzw. „Information“ immer dann
und skizziert wird, lehnt sich an mittlerweile „sozial“, wenn sie auf Andere (und das heißt
üblich gewordene Differenzierungen der So- in der Regel auf andere Individuen) verweist.
zialpsychologie an (Graumann 2001; Doise Was die frühe Sozialpsychologie (etwa F.H.
1986; Higgins/Kruglanski 1996; Stephan/ Allports) in terminis von „responses“ am Indi-
Stephan/ Pettigrew 1991). Die Schwerpunk- viduum festmachte, ist durch den gegenwärti-
te der Forschung ergeben sich aus unter- gen Fokus auf „(soziale) Kognition“ vollends
schiedlichen Orientierungen bzw. Analyse- in das Innere des homo psychologicus verlegt,
ebenen, je nachdem, ob das Erkenntnis- so dass man ohne Übertreibung sagen kann,
interesse sich auf das Individuum, auf inter- dass die kognitive Sozialpsychologie der
individuelle Prozesse und Beziehungen oder Untersuchung intrapersonaler Prozesse und
auf soziale Strukturen, wie Gruppen oder Strukturen dient.
im (sozialpsychologischen) Grenzfall auf die Diese Untersuchung hat seit den zwanzi-
Gesellschaft im Ganzen richtet. ger Jahren das wissenschaftliche Profil der
Sozialpsychologie geprägt. Von Anfang an
2.1. Schwerpunkt auf dem Individuum und über Dekaden hinweg war die Erfor-
Was die heute dominante Individuumszen- schung sozialer Einstellungen oder Attitü-
triertheit der Sozialpsychologie betrifft, ist den so zentral, dass sie fast zur Definition
ein kurzer historischer Hinweis unvermeid- der Sozialpsychologie diente. Den Grund
lich. Denn sowohl aus der Innen- wie der für das starke Interesse an der Erforschung
Außenperspektive ist die sich zu Anfang des (und nicht zuletzt der Messung) sozialer
20. Jahrhunderts bildende Sozialpsycholo- Einstellungen, die heute, kurz gesagt, als
gie Individualpsychologie gewesen. Die Au- evaluative Reaktionstendenzen begriffen
ßenansicht mag der für die Gründung der werden, war in der für die Praxis relevanten
Soziologie wesentliche Georg Simmel (1908, Annahme zu finden, dass (1), wer die Ein-
425) repräsentieren; für ihn war die Sozial- stellung eines Individuums zu einem sozia-
psychologie nicht einmal „ein nebengeord- len Sachverhalt kennt, auch dessen diesbe-
netes Pendant der individuellen Psycholo- zügliches Verhalten vorhersagen könne und
gie, sondern … ein Teilgebiet eben dieser“. (2), um das Verhalten von Menschen zu än-
Alles, was über die (eng gezogenen) Grenzen dern, man zuerst einmal deren Einstellung
des Individuums hinausreicht, wie schon verändern müsse. Bei einer derartigen An-
das einander Anblicken, zählt zur „Verge- nahme verwundert es nicht, dass, wer immer
sellschaftung“ und gehört damit für Simmel daran interessiert ist, aus politischen, wirt-
in die Soziologie. Aber dass die Sozialpsy- schaftlichen, pädagogischen oder anderen
chologie „eine Wissenschaft vom individuel- sozialen Interessen das Verhalten seiner
len Verhalten und Bewußtsein“ sei, betont Mitmenschen im Sinne dieser Interessen zu
auch F.H. Allport (1924, 1) in dem ersten verändern, zu den Mitteln der Einstellungs-
und lange Zeit einflussreichen Lehrbuch der messung und -änderung gegriffen hat und
Sozialpsychologie. Dieser theoretische und dies auch heute noch tut, obwohl die Bezie-
schon bei Allport methodologische Indivi- hung zwischen Einstellung und Verhalten
dualismus, den die Sozialpsychologie also inzwischen als differenzierter und komple-
mit der Allgemeinen Psychologie teilt, hat xer verstanden wird (Eagley/Chaiken, 1993).
bis heute die dominante Perspektive gesetzt. Jüngeren Datums, doch seit den siebziger
Innerhalb dieses Rahmens ist der Unter- Jahren von beachtlichem Einfluss auf die so-
schied zur Allgemeinen Psychologie auch zialpsychologische Forschung, ist das Inte-
90. Sozialpsychologie 867

resse an einem intrapersonalen Prozess der schen Individuen ist methodologisch, wenn
Erklärung fremden und eigenen Verhaltens nicht ontologisch, nichts Psychisches oder
durch dessen Zuweisung (Attribution) zu Soziales, also nichts, das für eine Sozialpsy-
mutmaßlichen (äußeren wie inneren) Ursa- chologie relevant wäre.
chen. Die heute miteinander konkurrieren- Doch gibt es, seit Wilhelm Wundt, einer
den (hauptsächlich vier) Attributionstheo- der Begründer einer wissenschaftlichen Psy-
rien beleuchten unterschiedliche Facetten chologie, den Versuch machte, diese auf zwei
alltäglicher Handlungserklärungen, sind – komplementäre Fundamente zu stellen, ne-
vielleicht aus diesem Grunde – bisher nicht ben einer individuellen und experimentellen
zu einer Integration gekommen, finden aber Psychologie eine (damals „Völkerpsycholo-
auf jeder analytischen Ebene sozialpsycho- gie“ genannte), deren Forschungsschwer-
logischer Forschung Verwendung, also auch punkte die „Wechselwirkung“ zwischen vie-
auf dem interindividuellen, dem Intergrup- len Einzelnen, zwischen Einzelnen und ihrer
pen- und dem Gesellschafts-Niveau (Hew- Gemeinschaft und die aus solchen Wech-
stone, 1989; Försterling, 2001). selwirkungen resultierenden (kulturellen)
Mit Einstellung und Attribution sind nur Produkte waren. Unter den nur aus interin-
zwei, wenngleich historisch bedeutsame, dividueller Wechselwirkung verstehbaren
Themen des zentralen, sehr umfangreichen Erzeugnissen stand bei Wundt (1900–1920)
und forschungsintensiven Bereiches der so- an erster Stelle die Sprache. Sie ist insofern
zialen Kognition angesprochen. Unter die- Modellfall für die Psychologen interessie-
sem Titel werden alle (intrapersonalen) Pro- rende Wechselwirkung, als sie
zesse und Strukturen behandelt, die dem (a) aus der Interaktion vieler entsteht,
Erwerb, der Speicherung, der Repräsentati- (b) die Voraussetzung für zwischenmensch-
on und dem Abruf sozialen Wissens dienen, liche Kommunikation ist und
bei der Wahrnehmung und der Beurteilung (c) als entwickeltes Gebilde selbst in Wech-
anderer und der eigenen Person (Selbst). selwirkung mit den sich ihrer bedienen-
In dieser weiten Fassung läuft das Kon- den Individuen steht.
zept der „sozialen Kognition“ die gleiche Ähnliches gilt für die anderen aus der Wech-
Gefahr wie vor Dekaden das der „sozialen selwirkung vieler entstehenden kulturellen
Einstellung“, nämlich ein Synonym zu wer- Gebilde wie Mythos, Religion, Sitte und
den für Sozialpsychologie. Der Primat des Recht.
Kognitiven hat einigen Themen der zeitge- Noch einen theoretisch bedeutsamen
nössischen Sozialpsychologie eine besonde- Schritt weiter als Wundt ist George H. Mead
re Prominenz verliehen, etwa dem der sozia- (1978) gegangen, für den das menschliche
len Kategorisierung, die man als Herzstück Bewusstsein sozial, d. h. interaktional, kon-
der Repräsentation der Wirklichkeit anse- stituiert wird. Diesem Primat des Sozialen
hen kann. Mit Hilfe sozialer Kategorien entspricht, dass die an Mead und dem ihm
ordnen und vereinfachen wir die Mannigfal- folgenden „symbolischen Interaktionismus“
tigkeit der physischen wie der sozialen Reiz- anschließende empirische Forschung sich
welt. Der dabei ins Spiel kommenden Mittel vorwiegend in der soziologischen Sozialpsy-
und Techniken, wie Schemata, Stereotype, chologie findet.
Heuristiken und Urteilstendenzen (biases) In der psychologischen Sozialpsychologie
sind wichtige Kapitel der Kognitionsfor- finden sich Untersuchungen echter Wechsel-
schung der Sozialpsychologie gewidmet wirkung, also reziproker Interaktion, am
(vgl. Wyer/Srull, 1994). ehesten im Bereich interpersonaler Kommu-
nikation und Beziehungen und, teilweise, in
2.2. Schwerpunkt auf interpersonalen der Kleingruppenforschung. Doch schon der
Beziehungen und Interaktionen Schwerpunkt auf dem Individuum, der den
Die Idee, das Forschungsinteresse vom Indi- überwiegenden Teil der experimentellen sozi-
viduum weg auf das zu verlagern, was sich alpsychologischen Forschung ausmacht, ist
zwischen Individuen oder zwischen Indi- nicht auf die Untersuchung intrapersonaler
viduen und sozialen Aggregaten und Struk- Prozesse und Strukturen beschränkt. Ein ei-
turen abspielt, mag für den eingefleischten gener Akzent liegt auf der Analyse der Kon-
methodologischen Individualisten eine hoff- zeption, die Individuen von sich selbst, von
nungslose, wenn nicht sinnfreie Utopie sein: ihrer Identität haben und miteinander teilen.
Wo anders als am Individuum kann man Be- Nicht zuletzt durch den Kontext und den
obachtungen und Messungen machen? Zwi- wachsenden Einfluss der auf Tajfel und Tur-
868 VI. Neighbouring Disciplines

ner zurückgehenden „Theorie der sozialen bei der Vermittlung sozialer Kognitionen
Identität“ (Abrams/Hogg, 1990) ist die Fra- mit in die Forschung einzubeziehen. Vor al-
ge der Identität in den Kontext der Bezie- lem Robert Krauss und seine MitarbeiterIn-
hungen zwischen Personen bzw. Gruppen nen haben die wichtigen Fragestellungen im
gerückt worden. Dabei wird jeweils das Kontext Sprache und soziales Verhalten ex-
Selbstverständnis aus dem sozialen Ver- pliziert. Davon können hier nur wenige an-
gleich (und entsprechenden Kategorisierun- gesprochen werden. Am Anfang steht ihr
gen) gewonnen: im Falle der persönlichen Versuch, Forschungsansätze und -ergebnis-
Identität aus dem Vergleich mit (meist nahe- se in eine nach vier Kommunikationsmodel-
stehenden) Individuen und deren Persön- len konzipierte Ordnung zu bringen.
lichkeit(sstruktur). Im darauf nicht redu- Kurz skizziert, handelt es sich bei dem,
zierbaren Fall sozialer Identität geht es was Krauss et al. (1996; 1998) das Enkodier-
dagegen um ein Gruppenphänomen (s. 2.3.). Dekodier-Modell nennen, um das ursprüng-
Im Bereich interpersonaler Phänomene ha- lich im Kontext der Informationstheorie
ben bis in die heutige Sozialpsychologie Pro- entworfene Modell der Nachrichtenvermitt-
bleme der sozialen Beeinflussung, des proso- lung. Modelle, die sie als „intentionalisti-
zialen (altruistischen) und des antisozialen sche“ bezeichnen, gehen davon aus, dass er-
(aggressiven) Verhaltens, sowie der wechsel- folgreiche Kommunikation den Austausch
seitigen Anziehung einen festen Platz auf von „kommunikativen Intentionen“ im-
der Forschungsagenda. Lediglich im Bereich pliziert, als dessen Paradigma die an das
der interpersonalen Kommunikation hat „Kooperationsprinzip“ gebundenen Kon-
sich eine Neuerung durchgesetzt. Neben die versationsmaximen, aber auch die „Spre-
immer schon betriebene Erforschung der chakttheorie“ gelten kann. Ein wiederum
nonverbalen Kommunikation ist (man ist anderer Akzent, nämlich der Orientierung
versucht zu sagen: endlich) auch die der am Adressaten, kennzeichnet alle „Modelle
sprachlichen Kommunikation getreten, was der Perspektivenübernahme“, die einem
eine eigene Zeitschrift (The Journal of Grundgedanken von George Herbert Mead
Language and Social Psychology, seit 1982), (1978) verpflichtet sind, aber vor allem in
ein spezielles Handbuch (Giles/Robinson der Sozialpsychologie angewendet werden.
1990), repräsentative Kapitel in den Hand- Der auf Bachtin zurückgehende Typus des
büchern der Sozialpsychologie (Krauss/ dialogischen Modells, der wohl als letzter in
Chiu 1998; Krauss/Fussell 1996) und eine der Sozialpsychologie Fuß gefasst hat (Mar-
Reihe von Forschungsmonographien sozial- kova/Foppa 1990; Markova et al. 1995;
psychologischer Orientierung (z. B. Marko- Wertsch 1991), setzt als für das Verständnis
va et al. 1995; Semin/Fiedler 1992) doku- von Sprache verbindliches Bezugssystem
mentieren. (Auf rein sprachpsychologische den Dialog an, dessen Sinn nicht wie bei den
Publikationen gehe ich in diesem Kontext genannten Modellen in der Übermittlung
nicht ein.) von Information, sondern primär in der
Das erstaunlich späte Interesse der Sozi- Konstitution von Intersubjektivität zu sehen
alpsychologie an sprachlicher Kommunika- ist. Diesem Ziel dient die zu jeder Kommu-
tion hat einmal methodologische Gründe. nikation gehörende Übermittlung von In-
Sowohl der Primat des Experiments wie die formation, deren Reziprozität im dialogi-
Komplexität und Kulturspezifität der Spra- schen Modell besonders betont wird.
che ließ die auf Dyaden beschränkte nonver-
bale Kommunikation als bevorzugtes For- 2.3. Schwerpunkt auf Gruppe und Kollektiv
schungsparadigma erscheinen. Doch mit Während am Anfang der modernen Sozial-
dem Interesse an sozialer Kognition stellte psychologie das Interesse an der sogenann-
sich immer dringender die Frage, wie Kogni- ten Kleingruppe so stark war, dass ihre Er-
tionen sozial auch im Sinne ihrer Verbrei- forschung, speziell der „Gruppendynamik“,
tung werden: Was man je nach Theorie „so- als ein neues und zukunftsweisendes Para-
ziale Repräsentation“ (Moscovici) oder digma angesehen wurde, spielen heute weni-
„sozial geteilte Kognition“ (Resnick et al., ger die Gruppen als Einheit als vielmehr die
1991) nennt, bedarf der sprachlichen Ver- Gruppenzugehörigkeit und die damit ver-
mittlung. bundenen Identifikations- und Kategorisie-
Es ist also ein letztlich genuin sozialpsy- rungsprozesse der Gruppenmitglieder eine
chologisches Interesse, die Rolle der Sprache Rolle. Wie schon angedeutet, wird (im Un-
und die Modalitäten des Sprachgebrauchs terschied zu personaler) die soziale Identität
90. Sozialpsychologie 869

aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe her- untersuchten sozialen Strukturen und Insti-
geleitet. Entsprechend den verschiedenen Zu- tutionen. Stattdessen erfolgt eine Rückbesin-
gehörigkeiten bzw. Mitgliedschaften haben nung auf eine soziokulturelle Matrix indivi-
Individuen auch mehrere verschiedene so- duellen Erlebens und zwischenmenschlichen
ziale Identitäten. Verhaltens. Die Aufmerksamkeit des Sozial-
Bei den zu solchen Identitäten führenden psychologen richtet sich stärker als bisher auf
Identifikationsprozessen spielt die Sprache die Dualität und Interaktion von kognitiver
mehrfach entscheidend mit. Schon die Kate- Verarbeitung und sozialer Regulation.
gorisierungsprozesse, die mit jeder Identifi- Wie vollzieht sich der tatsächlich beob-
kation einhergehen, setzen je nach Benen- achtbare und der fälschlich, aber öffentlich
nung andere Akzente und vor allem andere propagierte soziale Wandel konkret als
Werte. Je nach Kategorisierung als „Frei- Wandel von Wert- und speziell Moralvor-
heitskämpfer“, als „Rebell“, „Aufrührer“ stellungen, von sozialen Repräsentationen
oder gar als „Terrorist“ wird ein Kämpfer in und naiven Theorien über natürliche, ökol-
einem Krieg oder Bürgerkrieg nicht nur an- logische, ökonomische, allgemein: soziale
ders wahrgenommen und beurteilt, sondern Sachverhalte? Ändert sich die Realität (neh-
auch anders behandelt. Unterschiedliche men wir das Beispiel „wachsende Jugendkri-
Namen sind nicht nur linguistische (seman- minalität“) oder ändert sich nur unsere
tische), sondern auch soziale Markierungen. Wahrnehmung? Und wieviel davon ist wirk-
Das im Enddefekt diskriminierende Belegen lich unsere Wahrnehmung, wieviel veröf-
mit pejorativen sprachlichen Etiketten ist fentlichte Meinung?
eine vielgeübte Technik sprachlicher Ag- Solche von einer auf die Gesellschaft ge-
gression (Graumann 1998), die oft der phy- richteten Sozialpsychologie aufgeworfenen
sischen Aggression vorausgeht bzw. sie Fragen legen eine Vereinigung (oder Wie-
bekräftigt. Eine Reihe von empirischen Un- dervereinigung) sozial- und kulturpsycholo-
tersuchungen der letzten Jahre hat den gischer Perspektiven nahe. Die lange Zeit
Nachweis erbracht, dass „subtile“ Diskrimi- dekontextualisierten (vorwiegend intraper-
nierungen, die im Sinne der Sprechakttheo- sonalen) Phänomene der Sozialpsychologie
rie indirekt und implizit sind, sozial genau bringen mit dem Versuch, sie wieder stärker
so wirkungsvoll werden können wie direkte im gesellschaftlichen Kontext zu sehen, die
und explizite Diskriminierungen der Zuge- „kulturelle Matrix“ sozialen Erlebens und
hörigkeit zu einer anderen ethnischen, reli- Verhaltens auf die Agenda der Sozialpsy-
giösen, politischen oder Geschlechter-Kate- chologie. Mit einer stärker kulturpsycholo-
gorie. gischen Orientierung verbinden denn auch
die jüngsten Handbücher der Sozialpsycho-
2.4. Psychologie der Gesellschaft logie ihre Zukunftserwartungen.
Mit der analytischen Ebene einer Psycholo- Wie schon bei der „Völkerpsychologie“
gie der Gesellschaft vollziehen wir entweder kommt dabei der Sprache eine zentrale Be-
den (als kontinuierlich anzusetzenden) deutung zu. Eine Sozialpsychologie, die
Übergang zu einer soziologischen Sozial- sich, wie es Hilde Himmelweit (1990) gefor-
psychologie, zu dem im Französischen als dert und zu realisieren begonnen hat, der ge-
socio-psychologie bezeichneten Zwischen- sellschaftlichen Realität öffnet, wird sich al-
reich zwischen Soziologie und Psychologie lerdings auch stärker als bisher den Chancen
oder aber den Rückgang auf Anfänge der und dem Risiko der Interdisziplinarität öff-
Sozialpsychologie, die zumindest das Pro- nen.
gramm einer „Psychologie der Gesellschaft“
hatte. Wenn in der modernen Psychologie 3. Literatur (in Auswahl)
die Rede von einer societal psychology ist
(Himmelweit/Gaskell 1990), dann ist die Abrams, Dominic/Hogg, Michael A., eds., (1990)
schon in der „Völkerpsychologie“ themati- Social Identity Theory: Constructive and Critical
sierte Wechselwirkung gemeint, die wir zwi- Advances, New York.
schen den kulturellen Gebilden einer Gesell- Allport, Floyd H. (1924) Social Psychology, Bos-
schaft und ihren Mitgliedern ansetzen. Sie ton.
verlagert den Fokus der Forschung weg von Doise, Willem (1986) Levels of Explanation in So-
dem in der (psychologischen) Sozialpsycho- cial Psychology, Cambridge.
logie favorisierten Individuum, aber auch Eagley, Alice/Chaiken, Shelly (1993) The Psycho-
weg von den in der Soziologie bevorzugt logy of Attitudes, Fort Worth, TX .
870 VI. Neighbouring Disciplines

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91. Ethnology and Anthropology /Ethnologie und Anthropologie

1. Introduction: the scope of the disciplines lishing the identity of groups and peoples.
2. Methods and themes Differences and, consequently, similarities
3. Unity and diversity of speech during as starting-points hint at the paradox that
evolution and in different cultures ethnology as a science can hardly transcend
4. Conflicting methods, difficult delimitations, the observer’s viewpoint. Stating differences
shared subjects tempts observers to ask whether matters
5. Literature (selected) could be different in one’s own society: the
understanding of differences leads to uto-
1. Introduction: the scope of the pian ideas. Otherness can be partial, detach-
disciplines ed from the territory occupied by a group or
tribe, consisting in bundles of self-ascribed
Ethnology originates from the discovery of characteristics: ethnology studying ethnicity
“the other”: otherness is manifested by ot- fades into culture studies and sociology. The
her cultures, other societies, other behavio- favoured object of American cultural an-
urs, the way of life of individuals within the- thropology since Boas was “culture”: the
se systems and the mechanisms of estab- variability of cultures and the pliability of
91. Ethnology and Anthropology 871

Homo sapiens by culture. British social an- ity within otherwise uncontrollable variability.
thropology was dominated by the search for Sign systems express cultures, thus, one could
social structures and man’s forming part of think of ethnosemiotics as a kind of meta-eth-
structured groups (see Eriksen 1995; Hen- nology (Singer 1994; Parmentier 1997). Eth-
dry 1999). Anthropology quite simply ac- nological facts lend themselves to being used,
cumulates cultural and biological anthro- ordered, and interpreted by other disciplines,
pology, archaeology, and linguistics. The probably all of them reducing, explaining (and
terms for the discipline(s) merge and become covering up) otherness, which remains the eth-
irrelevant due to and the disappearence of nologist’s primal object (philosophy: Cassirer
the traditional societies as main subjects, 1923–1929; biology: Eibl-Eibesfeldt 1997; psy-
multiple and contradicting methods and chology: Wundt 1900–1920; Bischof 1996;
theories, the rise of sub-disciplines, e.g. eth- law: Fikentscher 1995). No clear-cut bound-
nolinguistics and linguistic anthropology, aries to other disciplines seem to exist, these
the development of new paradigms, e.g. cog- disciplines easily exploit ethnological facts,
nitive and evolutionary anthropology, and and ethnological works may be undetermined
the changing relationships to sociology, psy- by theory and epistemology: all this suggests
chology, and biology (see Fischer 2003). that methods, objects, and themes are of prime
Ethnology and sociology have common importance for ethnology.
ancestors, e.g. E. Durkheim and M. Weber;
social anthropology giving priority to social 2. Methods and themes
organization was at times not distinguish-
able from sociology. In France institutions Ethnologists have studied “tribal societies,
and researchers suggest the unity of the dis- peasant villages, or bands of hunter-ga-
ciplines (Poirier 1968). A division (of la- therers in remote parts of the world” (Salz-
bour) can only be made by degrees along the mann 1998, 2); insofar as they study also
scales concerning the field of study and modern societies they would turn into soci-
methods, e.g.: tribe or band, small size of ologists if they were not committed to a
speech community, segmentary society – “holistic approach”: they study kinship,
state society, nation; egalitarian society – marriage, socialization, rites of passage, co-
stratification, hierarchical organization; de- operation, conflict management, exchange
scent – history; ritual – institutions; nar- and trading-partnerships, ritual, magic, dis-
ratives – interviews, quantifiable statements; ease, curing-ceremonies, religion, myths,
holistic study of one society – study also of dance, worldview, cognition, classification,
subdivisions (e.g. age groups); field work symbols, reference to space and time – to
and participant observation (of unstaged name some of the most important and per-
behaviour) – interviews (giving accounts of sistent themes – in order to place all these
opinions), statistical methods. – In other components into their cultural context and
words: while ethnology has a well defined to treat them as parts of a whole or a system.
subject of study, namely a tribe and its terri- E.g. economic exchange is related with mar-
tory, “the social” must be established as an riage and trading-partnerships as well as
autonomous domain. The distinctions col- with ritualized ways of exchanging objects,
lapse with respect to epistemology, the phe- that is with dance and its aesthetic compo-
nomenology of strangeness or otherness nents and with religion and myths, which de-
does not change when attention shifts from scribe and sustain primordial identity and
understanding another individual of one’s social security. Or, to give another example,
own group to reconstructing another tribe’s individual health and beauty are guaranteed
universe of meaning. Discovering, describ- by the well-being of the whole society which
ing, and evaluating concrete otherness is in turn is the outcome of carrying out all
above all the practical deconstruction of ceremonies related to gardening, initiating
one’s own position and of balancing indeter- the boys, and worshipping the ancestors.
minacies, while theoretical questions can be Ethnologists tend to treat what could be a
handed over to hermeneutics and postmod- singular theme in other disciplines as “phé-
ern epistemologies. nomène social total” (M.Mauss, see Poirier
Understanding is mediated through sign 1968, 129–130). The “holistic approach means
systems as well as by placing facts within ex- emphasizing the connections among the
panded frameworks of psychology, biology, many different facets of the human condi-
history, law, providing epistemological secur- tion” (Salzmann 1998, 2).
872 VI. Neighbouring Disciplines

Furthermore, ethnology is set apart from cardinal directions) and relative models
the other social sciences by a “strong field- (deictic systems like ‘here and there’) (Levin-
work component”. The ethnologist lives for son 1997, Goddard 1998).
extended periods of time in the society he The fieldworker turns ephemeral utter-
studies, participating in, and being immersed ances into systematized statements and oral-
by, its everyday activities. The unique mixture ity into textuality. Besides necessarily being
of distanced observation and sharing experi- a translator he also studies processes of en-
ences with the people observed is called par- textualization and contextualization. By
ticipant observation (see Salzmann 1998, generalizing observations and decontextual-
2–4; Stagl 1993; Illius 2003). The procedures izing utterances seemingly permanent valu-
of the participant observer can be thought of es, ideas, in one word: shareable culture is
as a kind of initiation into the life of the constructed. By (re-)contextualizing every-
‘other’ society or as a second socialization. day accounts as well as sacred and non-
Several developments occur during these sacred narratives the ethnologist studies the
steps from observation toward understand- means of mediation and transmission dur-
ing, translating, and writing down results. In ing ritual, performance, and rhetorics. Fin-
the past, ethnologists took their informants ally, he has to be aware of the fact that the
as representatives of the other culture; now- presentation of the data could be ascribed
adays informants are turned into collabor- the mere status of a literary genre or that of
ators and colleagues: into indiviuals whose a scientific description. Probably, all ethno-
statements should be supplied by series of logical works show an imbalance between
interviews or even tests (Wassmann 1992). personal accounts and distanced scientific
The observer will learn to draw a distinction presentation, maybe, this kindles the aware-
between etic/emic features, between univers- ness of “otherness” as a prerequisite for all
ally given and culturally defined and rel- ethnological work, because it consists in
evant sets of behavioural acts or symbols, “Auslegung”, in the interpretation of differ-
e.g. to express one’s thanks (or to apologize) ences (Kohl 1993). For this “Auslegen” the
words and idioms, formulas of address, ges- role of language as a universal means, as pre-
tures, and gifts may be used. However, a spe- condition of culture and as part of culture
cific culture selects specific acts, for instance has increasingly been taken into account, giv-
only a (return) gift instead of words or the ing rise to subdisciplines like ethnolinguistics,
facial expression of emotions, only this gift the ethnography of speaking, and discourse
being emically meaningful in the contexts of studies.
thanking or apologizing. The observer con-
structs a model of how to behave as a native
and models the knowledge required for 3. Unity and diversity of speech
members of one culture (such construction during evolution and in different
and modelling being the aim of cognitive an- cultures
thropology). Research specifying and evalu-
ating differences presupposes the com- In the recent decades the supposed differ-
parative method, which shows, how cultures ences between Homo sapiens and the non-
transform biologically given facts, respond human primates vanished little by little; fea-
to basic needs in different ways, establish tures like play, tool use, war, communication
different symbol systems in the same en- and manipulation by communication, rit-
vironments and construct different uni- ualization, tradition and material culture
verses of meaning in response to the ends of have been discovered in the animal kingdom
balancing the individual’s and the commu- (e.g. McGrew 1992). The features which
nity’s interests. E.g. genetics would affirm characterize only human beings are symbol
that ego is related to father’s brothers in (al- use and the development of a unique sym-
most) the same way as to mother’s bothers, bolic code, namely language, as a precondi-
yet kinship studies show that numerous cul- tion of culture, for the tradition and shaping
tures make a rigorous distinction. Kinship of culture, and as a storehouse of culture
and marriage also react to the social needs (see Deacon 1997). Language is a crucial
of exchange and alliance (Lévi-Strauss component of culture, it is, consequently, a
1949). Languages refer to the given geo- means of laying bare cultural structures, of
graphical space in rather different ways discovering culturally specific constellations
using absolute models (with terms for the of symbol codes, and of stumbling on cul-
91. Ethnology and Anthropology 873

tural peculiarities. The term linguistic an- own past or the ancestors’ world), language
thropology well captures the wide scope of and communication (memorizing interac-
all kinds of combining anthropology and tions of one’s lifetime), and, finally, the ‘kul-
linguistics (see Salzmann 1998, 3). The so- turelles Gedächtnis’, consisting of myths,
cial uses of the symbolic code are the main images, dance, sacred artefacts or mnemo-
field of the ethnography of speaking, which topes which establish sense and meaning
studies speaking as a cultural practice and beyond one’s lifetime and the individual’s
speech as social performance (see Duranti space (Assmann 1992, 20–60). As far as the
1997, 2–9), while recent discourse studies whole of a culture is aimed at, linguistic an-
stress the fact that culture is located in signs, thropology must be supplemented by se-
which circulate and are pieced together in miotics, oral tradition, nonverbal signs and
social practices, the symbolic code being a systems of transmission. Again, ethnology
vehicle of social interaction and a matter of favours a holistic approach against research
negotiation (Urban 1996). Cultural lin- strategies of delimiting special areas or par-
guistics proposes a new synthesis of (lin- ticular subjects.
guistic) anthropology and cognitive lin- Linguistic anthropology forming part of
guistics treating speech acts, ways of cultural anthropology as formed by Boas,
speaking, and communicative genres as continued by Hymes, and displayed by Salz-
scripts, schemas, and models (Palmer 1996, mann and Foley tends to look for specific
36). Besides that linguistic method influenced ethnographies of communication neglecting
the models and paradigms of (social and universal rules of speaking. Language must
cultural) anthropology, the most prominent have developed in small bands of up to
examples being given by Lévi-Strauss, who 25 members and in alliances of such bands
correlated the structure of phonemic sys- of at least 175 members. Only that size guar-
tems mainly consisting of oppositions, the antees marriage, avoidance of incest, and the
abstract interplay of signs in cultural struc- likelihood of the tribe’s survival. The size of
tures, the rules of the exchange of women today’s last hunter-gatherers and peasant
and the circulation of goods (Hymes 1983, villages exactly corresponds to the prehis-
192–3; Hainzl 1997). The term culture which toric figures. Associations of above 450
linguistic anthropology loosely defines as members tend to separate in case of conflict
social use of specific sign systems can be and in the absence of conflict-managing in-
grounded on the systematic whole of all sign stitutions. The average size of a language
systems and communicative behaviours in community, at least that of a communi-
a given culture. If culture consists of that cation unit, could have been around
whole, namely the symbolic meaning of 450 members (for references see Heeschen
objects, non-verbal signs and communication, 2001b). The size correlates with the import-
symbolic actions, rites, ceremonies, and lan- ance of nonverbal communication in dyads,
guage, specific cultures originate from the families, and intimate circles of related indi-
“verschiedene Zuordnung von ‘Präsenz’ und viduals. First, verbal communication in
repräsentierenden Systemen,” from “Komple- face-to-face interaction is characterized by a
mentarität, Korrelierbarkeit, Reflexivität, high degree of indirection, avoidance of ex-
Generalisierbarkeit und Aufgabenspezifik pressing needs and desires, of asking ques-
der verschiedenen Codes und der kommu- tions, and of uttering direct requests. Sec-
nikativen Verhaltensweisen” (Heeschen, ond, allusion, veiled speech and discourse
2003). E.g. in tribal societies the initiation of freed from the burden of regulating behav-
boys may symbolize renewal, rebirth, growth, iour or expressing criticism is favoured:
and continuity of the society, while in western proto-aesthetic, distanced forms of speaking
societies these notions are expressed by ab- and the artistic handling of speech develop.
stract reasoning, statistics, health indices or Third, information is not freely given, se-
rather strange objects (like flags for identity). crecy, thriftiness, riddles, metaphors, pre-
In the same way Halbwachs’ ‘mémoire collec- tence, evasive lies and stories told in the
tive’ or Assmann’s ‘kulturelles Gedächtnis’ is simulative mode thrive. Fourth, language
not served by language only, but also by differ- has the purpose of modelling and mapping
ent and culture-specific symbol systems: the environment, of referring to space, to
mimesis (learning and memorizing by imi- movements, to human and other living
tation of actions and ceremonies), objects beings, and of enabling human beings to tell
(tools, houses, cities, roads indicating one’s stories. Fifth, one of the main functions
874 VI. Neighbouring Disciplines

speech developed from, or is a by-product guarantee reliability – an unusual feature in


of, is the artistic handling of speech and the evolution of communication (Zahavi/
everyday storytelling: the phatic commu- Zahavi 1998, 371–3). Verbal signals only be-
nion realized by speaking, that is, the bonds come reliable when they are ritualized and
and the feeling of togethernes established by reintroduced into functional cycles (like
speaking, as well as the means of harmoniz- greeting formulas), when cultures specify
ing life in groups (Malinowski 1935; see also the situatedness and institutionalize the set-
Senft 1997, 10–14). Sixth, a speaker who ad- ting, choose certain contents, define the
dresses himself to a member of another speaker and the style, restrict the audience,
band or tribe cannot rely on nonverbal combine speech acts with other symbolic
means for the expression of needs and de- codes or create composite signals (complete
sires, but has to apply oratory, distanced list of components in Hymes 1974, 45–65).
speech, irony, allusions, in short Bühler’s Although speech may have developed into
representational function of language is an independent urge, which is the antagonist
required. Seventh, the survival value of lan- of threatening silence, curbs aggression and
guage is proved by stories: by myths describ- fosters bonding, it is not – or never was –
ing paths, areas of abundance, places of sufficient, when it comes to comforting,
meetings of lost bands in empty spaces; by teasing, criticising, choosing between flight
accounts of settlement and early migrations, and approach in encounters with strangers,
which, e.g., yield rules for settling questions leave taking, courting, begging, sharing, ad-
of ownership; by establishing a time depth, monishing, exchange cycles, and managing
such accounts remembering the doings of conflicts. In situations I have labelled the
the ancestors, past alliances, obligations, Bruchzonen (the danger zones) of social life
and claims. Eighth, speech constructs reality culturally specified ways of speaking and the
turning fiction into social facts: to say that creation of composite signals guarantee the
somebody has stolen creates the unalterable reliability of speech and restrict the power of
fact of ‘thievishness’. constructing fictive realities. Examples of
Unlike signals in the animal kingdom lan- such composite signals are as follows: smil-
guage is decoupled from the functional ing while begging, the combination of eye-
cycles like eating or copulating, it is in- brow flash, eye contact and greeting formu-
herently equivocal, and only achieves full la, a song castigating a miserly neighbour,
functionality – and acquires adaptive value – an institutionalized interrogation for which
when simulating a reality outside the inter- place, participants, and wordings are de-
actional context. In order to achieve social limited and where relaxed non-verbal behav-
aims speakers are confronted with the task iour is prescribed. Some features of the ver-
of making language suitable for social uses. bal code are probably universal, the degree
They do this by digressing and making de- of complementarity of the codes as well as
tours. They refer to objects outside the im- the composition of signals are highly cul-
mediate interaction, to past events, to absent ture-specific. Even speech, the onset or use
or never seen objects; they tell stories to ap- of speech, in particular situations is a con-
pease anger and manage conflict, and they scious or ritualized choice: in order to ac-
chat to establish amicable relations prior to cuse somebody one may plant a sign in front
reaching decisions. They divert attention of the accused person’s hut or the commu-
from the immediate interaction, thereby ren- nity may invite him to join a more or less
dering future interaction possible. However, formal round of talks. Thus, contrary to
by making detours, i.e. by means of digres- what the size of speech communities, low
sion, misdirection, and play, language be- population density, and the efficiency of non-
comes suited to communicating desires, verbal communication suggest, the findings of
achieving goals, and expressing consent or ethnographies of speech and communication
disapproval. The development of speaking are not uniform, speakers are always caught in
amounts to a continual levelling out of the the web of their cultural specifities. Speech is
differences between the mapping function of always performed, enacted, situated according
language and its (logically or historically) to cultural resources and practices (see Bau-
subsequent social uses. In this levelling out man 1986; 2001).
the general functions of language are cul- The resulting differences are shown by
turally specified or adapted to specific cul- comparing rather complete ethnographies
tures. During interaction speech does not of communication (Eibl-Eibesfeldt/Schie-
91. Ethnology and Anthropology 875

fenhövel/ Heeschen 1989; Hoëm 1995; Illius meral classifiers may influence the inform-
1999; Sherzer 1990; see also Urban 1991). In ants’ awareness of, and treating, numbers in
one society begging is a highly developed tests. Thought individually develops in dia-
verbal art, in another all signs of begging be- logues, ‘texts’, and speech, thus, according
haviour are banished, speakers of one so- to Humboldt, form guarantees freedom of
ciety artfully enact storytelling, in another use. Language is supplemented by non-ver-
society stories are informal expansions of bal codes. The speakers of a language with
everyday talk. The rules of differentiation only two colour adjectives may show high
are not yet fully understood. All these eth- awarenes of, and preoccupation with, col-
nographies demonstrate that in order to ours as displayed in ornaments, the colours
understand and adequately describe speech of fruits or the shades of the skin. Speakers
and communication, the whole of a culture of a language without verbal tenses may be
is presupposed; there is a close and neces- preoccupied with the flow of time because of
sary relationship between language and cul- the seasons and seasonal activities. In aes-
ture, yet this relationship is not only a simple thetic forms of communication or in trying
correlation. First of all, from W. v. Hum- out new wordings in problem-solving and
boldt via Boas into modern introductions philosophy the awareness may be kindled,
into ethnology, language can be understood and turned to, linguistic form: thinking is
as a heuristic means of ‘hiking through’ carried out for speaking, that is, thought is
otherness, finding ideas and understanding guided and conditioned by the search for
worldviews (Humboldt’s Vehikel-These, s. suitable grammatical forms; whatever lin-
Heeschen 1977). Language is “an important guistic structures propose, it can be ques-
adjunct to a full understanding of the cus- tioned and clarified by reducing or de-
toms and beliefs of the people we are stu- stroying the structures and falling back on
dying. But in all these cases the service the semantics of a proposition (see Slobin
which language lends us is first of all a prac- 1996). Fourth, language is a storehouse of
tical one – a means to a clearer understand- culture embodying “the intellectual wealth
ing of ethnological phenomena which in of the people who use it” (Hale 1992, 36). As
themselves have nothing to do with lin- far as aesthetic forms are concerned, lan-
guistic problems.” (Boas 1991, 52) Second, guage form and the intellectual production
the ways of speaking, the communicative are inseparable. “Some forms of verbal art –
genres and the elaboration or poorness of verse, song, or chant – depend crucially on
parts of the lexicon either form part of a cul- morphological and phonological, even syn-
ture or are keys to such parts. In Boasian tactic properties of the language in which it
formulations grammar may be included: “If is formed.” (Hale 1992, 36)
ethnology is understood as the science deal- Fifth, modes of thought (e.g. the totem-
ing with the mental phenomena of the life of istic mode of thought, the mode of thought
the peoples of the world, human language, based on ancestor worshipping) may oper-
one of the most important manifestations of ate above the level of single language com-
mental life, would seem to belong naturally munities and influence or determine the
to the field of work of ethnology.” (Boas thinking of rather different language com-
1911, 52) Third, the question whether gram- munities in the same way (see Fikentscher
mar presents, or leads to, ethnological facts 1995, 18–36). Sixth, language is an open
is still unsolved. The discussion culminated code, not restricted like, for instance, the set
in the so-called linguistic relativity or Sapir- of facial expressions, the symbols of man-
Whorf hypothesis (Humboldt’s Weltan- hood or the symbols used for marking
sichts-These, see Heeschen 1977; Koerner boundaries. It is reflexive and generalizing;
1998; Lee 1996; Lucy 1992a; Slobin 1996): speakers may discuss, interprete, redefine,
linguistic structures determine (or lead to, and question the validity and meaning of the
favour or suggest) opinions, ideas or even non-verbal symbols. They may even tran-
worldviews. In this case language would scend the common world and explore the
not be only part of culture, but a precon- non-worlds and alternative worlds. “Evol-
dition of culture. The strong hypothesis was utionsbiologische und systemtheoretische
repeatedly “rethought”, weakened, and sup- Überlegungen” lead Eibl (1995, 16) to the
plemented (Gumperz/Levinson 1996; Levin- conclusion: “Unser Erleben und Handeln ist
son 1997; 2000; Lucy 1992a; b; Palmer begleitet von dem mehr oder weniger deut-
1996). Subparts of the grammar like nu- lichen Bewußtsein, daß alles auch irgendwie
876 VI. Neighbouring Disciplines

anders sein könnte. […] Nichtwelt ist das sentational function, which implies that di-
Andere, Undefinierte, Unbestimmte.” Lan- rect interactional, communicative or ma-
guage, then, could be a means of abolishing nipulative signals are given up; cultures
limitations, i.e. of questioning the specifities make social use of this code by restricting
of a culture. This relationship is not yet well this function and by creating composite sig-
understood. The dialogue between ethnol- nals in performances, institutions, and en-
ogy and “otherness” is founded on the open- actments. The representational function is
ness of the linguistic code and the limi- universal; the social uses are culture-spe-
tations of the other codes. From this follows cific. Communication in face-to-face inter-
the dilemma of ethnology scrutinizing action either uses composite signals or
‘otherness’, relying on fieldwork, and coping prefers non-verbal signals, while communi-
with the singularities of informants and cation with strangers, with members outside
friends: it can break closed systems and limi- one’s group, band, or tribe, relies on the
tations, yet the process is irreversible, a gen- careful, if not artistic handling of speech
eralized reflexive code operates above single and its representational function. Non-ver-
cultures. bal signals are reliable, speech is unreliable
The different systems of combining the in the danger zones of a society and must be
verbal and the non-verbal symbolic codes as made unequivocal by ritualization and insti-
well as the distinct correlations between lan- tutionalization. Different cultures combine
guage and culture lead to the diversity of in different ways the symbolic codes accord-
cultures and to variations within specific ing to task-specificity and appropriate func-
cultures. Ethnology and anthropology de- tional load. This differentiation leads to sig-
vote themselves to the diversity of cultures nalling one’s identity, which is a way of
and to the otherness expressed in different encapsulating oneself in a culture and pro-
symbol systems and transmitted from one tecting oneself against strangers, other
system to the other, either within a speech groups, or tribes. However, man also trans-
community or from one group to the other. lates, interpretes, clarifies and overcomes
barriers, non-verbal symbols being used for
4. Conflicting methods, difficult identity and encapsulation, while language is
especially suited for negotiation, dialogues,
delimitations, shared subjects
repairs, symbol creation, transferring the
I believe that essentialistic definitions of meaning of the other codes into a general
what human beings are or what culture is one and expressing one’s own interests in fic-
cannot be of great value; we have seen that tion and aesthetic forms. If culture is really
features which seemed to characterize hu- located in signs, in the transmission of signs
manity were detected in the animal king- and the negotiation of their meaning in so-
dom. Collecting and evaluating features in cial life, speech may be the only key to cul-
order to establish typological order and to ture. However, the relationships of language
create continua seems to be much more ef- and culture are manifold, speech is always
fective. The only feature which still distin- supplemented in different ways by other
guishes human beings from animals is sym- codes. All codes could be translated into,
bol use. Human beings “have language” and and described by, language. The reflexivity
are “political animals”. The creation and of language ensures a kind of meta-code for
use of symbols is connected with the numer- ethnology. Thus discovering, understand-
ous ways of creating “differences” and dif- ing, and explaining “otherness” as the task
ferent cultures. Without looking back at and subject of ethnology is a matter of
biological foundations, at basic needs, and choice between several codes and languages,
at possible evolutions in small bands spread it is a way of translating the culture-specific
over vast and sparsely populated areas eth- complementarity of several codes within one
nology and anthropology would run the risk culture into a meta-code of another commu-
of studying only pseudo-speciation. As to nity. Ethnology is a method of adequation
language and culture, the subject of ethnol- starting from “differences”, while other dis-
ogy, the following contrasting statements ciplines – biology, semiotics, probably also
may indicate how cultures are differentiated sociology – start from universal processes of
by assembling different features. The evol- differentiation. So far there has been a lack
ution of language seems to aim at creating a of theoretical studies related to the diversity
symbolic code suitable for serving a repre- of languages and cultures; descriptive
91. Ethnology and Anthropology 877

studies prevailed. A closer look at the pro- und Überblick. Neufassung, Beer Bettina/Fischer
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92. Dialektologie 879

92. Dialektologie / Dialectology

1. Zum Verhältnis von Dialektologie und eine Abgrenzung der Gegenstandsbereiche


Soziolinguistik von Dialektologie und Soziolinguistik be-
2. Zur Rekonstruktion soziolinguistischer dacht: Die Dialektologie habe sich auf die
Parameter und Kategorien in der Untersuchung räumlich gebundener Sprach-
Wissenschaftsgeschichte der Dialektologie formen zu beschränken; eine Ausweitung auf
3. Entwicklungen und Aspekte einer soziolinguistische Parameter brächte einen
kommunikationsorientierten Dialektologie Identitätsverlust der dialektologischen Dis-
4. Literatur (in Auswahl) ziplin mit sich (Goossens 1981). Nach wie
vor werden – einen entsprechend kleinen
1. Zum Verhältnis von Dialektologie regionalen Ausschnitt vorausgesetzt – Dia-
und Soziolinguistik lekte als homogene Systeme verstanden, Va-
riabilität hauptsächlich als Form von
Die Wissenschaftsgeschichte der Dialekto- Sprachmischung – dem sich überschneiden-
logie ist seit ihren Anfängen zu Beginn des den Vorkommen unterschiedlicher homoge-
19. Jhds. eng verwoben mit der Entwicklung ner Varietäten – begriffen: „Die traditionelle
der Sprachwissenschaft insgesamt; wech- Dialektologie als sprachgeographische Diszi-
selnde Forschungsinteressen, Methoden und plin beschäftigte sich – obwohl ein soziolin-
theoretische Grundannahmen der verschie- guistisches Mißverständnis immer wieder zur
denen linguistischen Richtungen finden ihren entgegengesetzten Behauptung führt – nicht
Niederschlag auch in den Beschreibungen der oder nur am Rande mit sprachlicher Variati-
Dialekte, wie umgekehrt auch die Erfor- on“ (Goossens 1986, 257). Diese Position per-
schung von räumlich gebundenen Varietäten petuiert Erkenntnisinteresse und Forschungs-
wichtige Impulse für die Entwicklung von ziele der „klassischen“ Dialektologie, die im
sprach- und insbesondere sprachverände- Wesentlichen auf die sprachgeographische
rungstheoretischen Konzeptionen beisteuert. Verteilung und historische Entwicklung ein-
Die wissenschaftsgeschichtliche Entwicklung zelner (phonologischer, morphologischer, lexi-
der Dialektologie – in Deutschland noch ver- kalischer) Merkmale der dialektalen „Grund-
schärft durch die Isolierung ab den 1930er schicht“ gerichtet sind.
Jahren – zeigt im Laufe des 20. Jhds. eine zu- Nun ist weder zu bestreiten, dass der Re-
nehmende Abkoppelung vom Entwicklungs- gionalität von Merkmalen tatsächlich eine
gang der allgemeinen Linguistik. Die weitge- wichtige Rolle im sprachlichen Repertoire
hende Fixierung auf Dialektgeographie, das einer Sprechergemeinschaft zukommt, noch
teilweise zum Selbstzweck gewordene Sam- sind die herausragenden Ergebnisse dialek-
meln von lokal-idiosynkratischen Datenkor- tologischer Forschungsarbeit unter den Prä-
pora ruraler Provenienz und eine ausgeprägte missen des Homogenitätspostulats zu be-
Theorieabstinenz – all dies sind Entwicklun- zweifeln. Nicht zu bestreiten ist allerdings
gen, die die Dialektologie vom inneren Be- auch die Problematik einer sprachtheoreti-
reich der sprachwissenschaftlichen Diskussi- schen Position, die von der empirisch auf-
on und Theoriebildung sukzessive an deren findbaren mehrdimensionalen Variabilität
Peripherie rücken. abstrahiert und diese systematisch unbe-
Durch die verstärkte Urbanisierung und rücksichtigt lässt. Der variationslinguisti-
den damit verbundenen Rückgang des strikt sche Gegenentwurf zur dominierenden Ho-
kleinräumig gebundenen Dialekts, beson- mogenitätsannahme der „Systemlinguistik“
ders aber durch die Etablierung der Sozio- beruht demgegenüber auf dem Postulat
linguistik seit den 1960er Jahren, gerät die der prinzipiellen Variabilität, dem „Variabi-
Erforschung ruraler Dialekte in eine Krise, litätsaxiom“ natürlicher Sprachen. Diese
die vor allem im anglo-amerikanischen Be- sprachtheoretische Fundierung verschiebt
reich eine grundlegende Neuorientierung das Forschungsinteresse auf die verschiede-
hin zu einer stark variationistisch ausgerich- nen Parameter und Ordnungsstrukturen der
teten „urban dialectology“ zur Folge hat sprachlichen Heterogenität. Trotz dem Pri-
(Chambers/Trudgill 1998). Im Gegensatz mat des räumlichen Variationsparameters
dazu bleibt die deutsche Dialektologie zu- weitet sich damit der Gegenstandsbereich
nächst mehrheitlich auf die Fokussierung einer auf das Variabilitätsaxiom gegründe-
der traditionellen Fragestellungen und auf ten „kommunikationsorientierten“ Dialek-
880 VI. Neighbouring Disciplines

tologie: Es geht nicht mehr nur darum, die net finden. So wird etwa die Verschiedenheit
raumgebundenen Merkmale auszumachen der „National- und Provincialsprachen“ –
und ihre geographische Verteilung darzu- entgegengesetzt zur damaligen Mehrheits-
stellen, sondern ihre Verortung – formal und meinung – aus den sozialen und geschicht-
funktional – im individuellen und kollekti- lichen Bedingungen heraus erklärt, sie ergebe
ven sprachlichen Repertoire aufzuspüren. sich „notwendig … aus der Natur ihrer
Ein solches Verständnis von Dialektologie producierenden Umstände“ (Schmeller 1803,
zeitigt weitreichende Konsequenzen sowohl 40). Er unterscheidet bereits verschiedene
in der Auswahl der Informanten und der Sprachschichten – „die gemeine ländliche
Aufnahmesituation als auch in der Wahl ge- Aussprache, die Aussprache der Bürgerklasse
eigneter Beschreibungs- und Darstellungs- in den Märkten und Städten, die Aussprache
methoden; die soziale Wertigkeit unter- der Gebildeten“ (1821, 465) – und darf damit
schiedlicher Varietäten und ihr funktionaler den Originalitätsanspruch für jene soziolin-
Einsatz in spezifischen konversationellen guistische Kategorisierung für sich reklamie-
Aktivitätstypen werden genauso zum Un- ren, die gemeinhin einer späteren Äußerung
tersuchungsgegenstand wie die Entstehung Wegeners zugeschrieben wird („der dialect
von Sprachwert- und Sprachgebrauchs- des gebildeten, der des halbgebildeten städt-
strukturen in verschiedenen kommunikati- lers, die bauernsprache“ – Wegener 1880,
ven – auch komplexen urbanen – Netzwer- 465). – Bemerkenswert ist dabei die dezidiert
ken. Schließlich ergeben sich auch neue deskriptive, non-pejorative Sicht unterschied-
Zugänge zu den Prozessen der Sprachverän- licher Varietäten, denen jeweils das gleiche
derung, die im Zusammenhang mit synchro- Leistungspotential zugestanden wird; jede
ner Sprachvariation zu untersuchen und als Sprachvarietät könne genauso gut zur nor-
multiple Diffusionsprozesse zu begreifen mativ geltenden Schriftsprache werden, man
sind. brauche in ihr nur „zu schreiben, zu dichten,
Auf dieser Basis wird auch eine neue in ihr zu predigen, zu philosophieren“, zu-
Sichtweise des Verhältnisses von Dialektolo- dem seien alle Varietäten im Hinblick auf ihre
gie und Soziolinguistik jenseits von wechsel- „grammatikalischen Spracheigenschaft[en]“
seitiger Ausgrenzung möglich. Es geht für die gleichwertig (Schmeller 1803, 41). Mit die-
Dialektologie nicht um die Auslieferung an ser „Differenzkonzeption“ steht Schmeller
modernistische Strömungen mit der Gefahr ganz im Gegensatz zur „defizittheoretischen“
eines Identitätsverlustes der gesamten Diszi- Mehrheitsmeinung seiner Zeit, die die Mund-
plin, sondern um deren grundsätzliche Posi- arten als „verderbte Hochsprache“, als roh,
tionierung als jenes Teilgebiet der Sprachwis- verkommen, fehlerhaft bewertet. – Mit Be-
senschaft, dessen Gegenstandsbereich nicht strebungen der angewandten Soziolinguistik
die Norm der Schrift- und Standardsprache verbinden sich schließlich Schmellers sprach-
ist, sondern das weite Spektrum der nicht pädagogische und -emanzipatorische Inten-
standardsprachlichen – und damit in jedem tionen: Seine Arbeiten sollten durch die Ein-
Falle regional gebundenen – Varietäten in al- sicht in die sprachlichen Gegebenheiten des
len ihren Bezügen. Damit lässt sich auch ein Dialekts nicht zuletzt auch den Mundartspre-
Bogen spannen zur wissenschaftshistori- chern die Möglichkeit eröffnen, einen leichte-
schen Frühzeit der Dialektologie, in der be- ren Zugang zur Schriftsprache zu finden.
reits viele „moderne“ Fragestellungen und Ganz ähnlichem Engagement entspringt die –
Einsichten zu finden sind. im Gefolge der soziolinguistischen Sprachbar-
rierendiskussion der 1970er Jahre entstande-
ne – Schriftenreihe „Dialekt-Hochsprache
2. Zur Rekonstruktion sozio- kontrastiv“ (vgl. 3.2.).
linguistischer Parameter und
2.2. Der variationistische Ansatz
Kategorien in der Wissenschafts-
geschichte der Dialektologie Ein Meilenstein in der Entwicklung einer
variationistischen Sprachtheorie ist das in
vielerlei Hinsicht bahnbrechende Werk
2.1. Die Anfänge: J.A. Schmeller Hugo Schuchardts, das auf die Dialektolo-
Als Begründer einer wissenschaftlichen Dia- gie entscheidenden Einfluss ausübt. Ihm
lektologie gilt Johann Andreas Schmeller, in verdanken wir u. a. die früheste Formulie-
dessen Werken sich wesentliche Denkansät- rung einer variationistischen Sprachverände-
ze der modernen Soziolinguistik vorgezeich- rungstheorie, die – als scharfe Gegenposition
92. Dialektologie 881

zur junggrammatischen Auffassung – die Stadtsprachen als dialektale Störzonen)


Diffusion (lexikalisch und sozial) als gene- auch einige Stadtuntersuchungen. Dabei
relles Prinzip der Durchführung von Wan- nötigt die Suche nach der „echten“ Stadt-
delvorgängen postuliert (Schuchardt 1885). mundart zwangsläufig zur Reflexion über
Verbunden damit ist auch die Kritik am Be- die Auswahl geeigneter Gewährspersonen,
griff des Dialekts selbst, der als bloße Abs- die teils in der gebildeten bürgerlichen Mit-
traktion erscheint: „Das Alte und Neue er- tel- und Oberschicht (Hoffmann 1890), teils
scheint aber innerhalb eines Dialektes nicht in der Arbeiterschicht (Frank 1898) gesehen
bloß nach dem Alter, sondern auch nach Ge- werden. Bemerkenswert ist Sexauers (1927)
schlecht, Bildung, Temperament, kurz in Untersuchung von Pforzheim, in der die
der verschiedenartigsten Weise verteilt“; „Landmundart“ alter Leute aus der einge-
„Sprachmischung nehme ich […] auch in- meindeten Vorstadt, die „Stadtmundart“
nerhalb der homogensten Verkehrsgenos- der älteren Arbeiter in der Innenstadt, die
senschaft an“ (Schuchardt 1885, 62f.; 64). – städtische „Halbmundart“ der jüngeren Ar-
Weiter zugespitzt und empirisch untermau- beiter in anderen Stadtteilen und die „Um-
ert werden diese Thesen durch dialektolo- gangssprache“ der Zuzügler unterschieden
gische Untersuchungen, wobei sich insbe- und beschrieben werden. – Insgesamt führt
sondere die romanische Dialektologie dem jedoch die bereits am Beginn des 20. Jhds.
Einfluss von sozialen Faktoren im engeren einsetzende Dominanz der Dialektgeogra-
Sinne zuwendet. So belegt Rousselot (1891) phie zur Abwertung der Ortsgrammatiken
mithilfe des Einsatzes selbst erfundener pho- und einem entsprechenden Rückgang ein-
netischer Messgeräte, dass sich in Abhängig- schlägiger Forschungsanstrengungen.
keit von Geschlecht, Alter und Beschäftigung
sogar zwischen einzelnen Mitgliedern einer 2.3. Der ethnographische Ansatz
Familie erhebliche Sprachunterschiede nach- Das etymologische Interesse Schuchardts
weisen lassen; Gauchat (1905) untersucht in und seines Umfeldes, zusammen mit der
seiner berühmten Studie über die frankopro- Überzeugung, dass die Herkunft eines Wor-
venzalische Mundart von Charmey im Kan- tes dann am besten zu erfassen sei, wenn man
ton Fribourg (Schweiz) erstmals genauer gleichzeitig möglichst genauen Aufschluss
Zusammenhänge zwischen Dialektvarianten über den jeweils bezeichneten Gegenstand –
und sozialen Variablen wie Alter, Geschlecht, sein Aussehen, seine Herstellung, seine Ver-
sozialer Stellung und Beruf. Er kann zeigen, wendung etc. – erhalte, bewirkt eine verstärk-
dass auch innerhalb eines Dorfes nachhaltige te Hinwendung zur „Realienkunde“, zur
sprachliche Unterschiede bestehen – die Idee Volks- und Völkerkunde: Sprachgeschichte
von der sprachlichen Einheit einer zusammen- und Kulturgeschichte gelten als untrennbarer
gehörenden Gruppe oder eines Dialekts war Konnex. Dieser „proto-ethnographische“ An-
damit widerlegt. – Hermann (1929) überprüft satz gipfelt in dem klassischen „Sprach- und
die sprachlichen Verhältnisse in Charmey er- Sachatlas Italiens und der Südschweiz“ der
neut nach einer Zeitspanne von mehr als Gauchat-Schüler Jaberg und Jud (Jaberg/Jud
zwanzig Jahren und liefert damit ein Modell 1928–40). – In der deutschen „kulturmor-
für „real-time“ Untersuchungen aktuell vor phologischen Schule“ der Dialektologie wird
sich gehender Sprachveränderungen. ebenfalls die Interdependenz von Gesell-
In der deutschen Dialektologie entstehen schaft, Kultur und Sprache in den Mittel-
ebenfalls mehrere Ortsmonographien, in de- punkt gerückt; die Koinzidenz historischer
nen die soziale Schichtung und Gebunden- Territorialgrenzen, volkskundlicher Raum-
heit verschiedener Sprachvarietäten zumin- strukturen und dialektaler Isoglossenverläu-
dest gesehen und angesprochen wird; als fe bestätigen die zugrundeliegende These,
herausragende Beispiele seien die Arbeit des dass Sprachgrenzen als Kulturgrenzen,
Gauchat-Schülers Enderlin (1913) über Sprachräume als Kulturräume aufzufassen
Kesswil und Hotzenköcherles (1934) bei- sind (vgl. Aubin/Frings/Müller 1926; Bach
spielhafte Studie über die sprachlichen Ver- 1950; Grober-Glück 1982).
hältnisse in Mutten genannt (vgl. dazu auch
Reiffenstein 1982). – Dem dialektologischen
Postulat folgend, dass der Forscher mög-
lichst jenen Dialekt beschreiben solle, von
dem er selbst Kenntnis habe, finden sich
(trotz der grundsätzlichen Abwertung von
882 VI. Neighbouring Disciplines

3. Entwicklungen und Aspekte einer der städtischen Alltagssprache in Hessen“


kommunikationsorientierten (Friebertshäuser/Dingeldein 1988); als Daten-
grundlage dienen die gebräuchlichen alltags-
Dialektologie
sprachlichen Realisierungen jeweils mehrerer –
Der kurze wissenschaftsgeschichtliche Ex- jüngerer – Informanten in jedem der 61 ausge-
kurs macht deutlich, dass viele jener Frage- wählten Zentralorte Hessens.
stellungen, die die Variations- und Soziolin- 3.1.2. Von ganz anderer Art sind jene
guistik seit 1960 bestimmen, zum ersten Mal wenigen Arbeiten, die – abseits jeder her-
in der älteren dialektologischen Forschung kömmlichen Dialektgeographie – möglichen
thematisiert wurden. Es bedurfte allerdings regionalen Unterschieden in interaktiven
des entschiedenen Anstoßes von außen, um Prozessen und Strukturen nachgehen; hier
auch innerhalb der gegenwärtigen Dialek- erfolgt eine Erweiterung bzw. Überwindung
tologie die Entwicklung „kommunikations- der traditionellen Areallinguistik nicht im
orientierter“ Ansätze voranzutreiben. Im Sinne einer größeren sozialen Streuung des
Folgenden sollen die wichtigsten Gegen- Informantenkreises, sondern durch die Be-
standsbereiche und Forschungsperspektiven handlung neuer, kommunikationsorientierter
einer solchen Dialektologie skizziert wer- Fragestellungen. So fordern etwa Schlieben-
den, wobei wir uns weitestgehend auf die Lange/Weydt (1978) programmatisch die
Darstellung der Verhältnisse im Deutschen Untersuchung „pragmalinguistischer“ Regu-
beschränken. laritäten; als Beispiele werden Merkmale
von „adjacency pairs“ genannt: regional un-
3.1. Kommunikationsorientierte Parameter terschiedliche Begrüßungsformeln oder Re-
in arealer Perspektive aktionen auf Dankesbezeigungen, Fragen
u. dgl. – In diesem Zusammenhang sind auch
3.1.1. Die Beschränkung der dialektgeogra- bislang kaum untersuchte Bereiche wie Mo-
phischen Informantenauswahl auf alte Bau- dal- oder Diskurspartikeln von Interesse;
ern wird bereits früh in der romanischen dabei geht es nicht nur um das Vorkommen
und – beeinflusst davon – auch in der ameri- regionalspezifischer Ausdrücke (z. B. eh,
kanischen Dialektologie als Manko angese- halt, fei als süddt.-bair. Partikeln mit je
hen; so legt etwa Kurath (1939) für seinen unterschiedlicher regionaler Reichweite),
„Atlas of New England“ drei unterschiedli- sondern auch um die regional oder sozial/
che Informantengruppen fest – neben gering subkulturell unterschiedliche kommunikati-
Ausgebildeten mit wenig Leseerfahrung und ve Funktion gleicher Ausdrucksformen. – In
wenigen Sozialkontakten sollten auch Leute prinzipiell gleicher Weise gilt dies auch für
mit High-school-Ausbildung und mit Col- bisher weitgehend vernachlässigte syntakti-
lege-Ausbildung berücksichtigt werden, jede sche Strukturen der gesprochenen Sprache,
dieser Gruppen wird zudem in zwei unter- die im Sinne der Standardsprachnorm als
schiedliche Altersklassen eingeteilt. – Die „Normverstöße“ geahndet werden, sich aber
Einbeziehung und systematische Auswer- aus interaktionsanalytischer Perspektive im
tung von altersspezifischen und z. T. diastra- Kommunikationsprozess als geordnete, struk-
tischen Unterschieden wird in Deutschland turierte Muster nachweisen lassen. Diese
erstmals beim „Mittelrheinischen Sprachat- Muster sind jeweils mit spezifischen konversa-
las“ (vgl. Bellmann 1994) angewendet. Ne- tionellen Aktivitäten verbunden und können
ben alten Bauern berücksichtigt eine zweite als interaktiv relevante, systematisch auf die
Aufnahmeserie auch jüngere, mobile Hand- Erfordernisse der Gesprächsorganisation zu-
werker und Arbeiter; in beiden Fällen wird geschnittene grammatische Phänomene re-
die jeweils dialektalste Variante der Infor- konstruiert werden. Als mögliches Beispiel ei-
manten erhoben. Die kontrastive Karten- ner regional differierenden Verwendung sei die
darstellung der Ergebnisse beider Aufnah- kausale Konjunktion weil genannt, die sowohl
men ermöglicht die Visualisierung arealer in Verb-Letzt- als auch in Verb-Zweit-Sätzen
und – in eingeschränkter Form – auch auftritt. Standardsprachlich verpönt und zu-
sprachsoziologischer Verhältnisse (durch meist als regionale Spezifität des Süddeutsch-
die Beschränkung auf manuell Tätige tritt Österreichischen abgetan, zeigen neuere Stu-
die soziale Stratifizierung gegenüber der Al- dien das Vorkommen dieses Merkmals auch
tersschichtung deutlich in den Hinter- im mittel- und norddeutschen Bereich – aller-
grund). – Stärker variationslinguistisch aus- dings gegenüber süddeutschen Vorkommen
gerichtet ist der Atlas zur „Wortgeographie mit einer Umkehrung des quantitativen Ver-
92. Dialektologie 883

hältnisses von Verb-Zweit zu Verb-Letzt- Fähigkeit zu standardsprachlicher Kommu-


Stellung. Nicht restlos geklärt ist, inwieweit nikation beschränke sich auf die rezeptive,
sich hinter diesem Unterschied funktionale passive Komponente. Diese Thesen werden
Differenzen verbergen: Während im Norden durch empirische Stichproben im schwäbi-
der Unterschied zwischen weil-Verbletzt vs. schen und fränkischen Dialektgebiet bestä-
weil-Verbzweit vorwiegend den Unterschied tigt. Trotz aller Einwände, die gegen die
von propositionaler vs. epistemischer Begrün- Code-Theorie Bernsteins und deren Über-
dung abzubilden scheint, liegen im Mittel- tragung auf das Verhältnis von Dialekt und
bairisch-Österreichischen die entsprechenden Standardsprache im Deutschen vorgebracht
funktionalen Unterschiede in jenen konver- werden können, zeitigte diese Arbeit doch
sationellen Ressourcen, die mit weil-Verb- nachhaltige Folgen: Vor allem im schul-
letzt als unselbständiger, primär retrospek- pädagogischen Bereich wurde der Dialekt
tiver, potentiell turnbeendender Struktur als soziale Ungleichheit perpetuierende
gegenüber weil-Verbzweit als selbständiger, „Sprachbarriere“ in den Vordergrund der
potentiell turn- bzw. sequenzerweiternder damals allgemein geführten Sprachbarrie-
Struktur gegeben sind (vgl. Scheutz 2001). ren-Diskussion gerückt. Es entstand eine ei-
Grundsätzlich geht es in den hier ange- gene Schriftenreihe „Dialekt/Hochsprache –
sprochenen Bereichen um Kontextualisie- kontrastiv“ (Besch/Löffler/Reich 1976–81),
rungskonventionen – die im Sozialisations- die die sprachdidaktische Forderung nach
prozess zu erlernende Verbindung von Berücksichtigung jeweils unterschiedlicher
Kontextualisierungsmitteln und Bedeutung –, regionalsprachlicher Voraussetzungen für
die weitgehend sprach- und kulturspezifisch den Erwerb der Standardsprache begleitend
geprägt sind. So verstanden, wäre damit das unterstützte. In kontrastiver Analyse wer-
Programm einer dialektbezogenen „interkul- den standardsprachliche und dialektale
turellen Kommunikationsforschung“ umris- Strukturen verglichen, aus der Dokumenta-
sen, die jene Ansätze, die üblicherweise für tion der Unterschiede ergeben sich bessere
den Vergleich unterschiedlicher Sprachen Einsichten in die spezifischen Schulschwie-
verwendet werden, auf die soziale und regio- rigkeiten dialektsprechender Kinder und
nale Varietätenlandschaft innerhalb eines entsprechend auch neue Möglichkeiten für
Sprachgebietes überträgt (vgl. auch 3.6.). die Erstellung geeigneter sprachdidak-
tischer Materialien (vgl. dazu auch Sieber/
3.2. Soziale Verteilung von Dialekt und Sitta 1986).
Standardsprache 3.2.2. Die Frage der makrosozialen Ver-
3.2.1. Die Rezeption der Soziolinguistik im teilung von Dialekt- und Standardsprach-
deutschsprachigen Gebiet war in ihren An- kompetenz und deren regionale Unterschied-
fängen wesentlich geprägt von der Code- lichkeit steht auch im Mittelpunkt der
Theorie des britischen Soziologen Bernstein, dialektsoziologischen Forschungsarbeit (vgl.
die auf die hiesigen Sprachverhältnisse anzu- dazu Mattheier 1980, 59ff.). Abgesehen von
wenden versucht wurde; es ging dabei vor bundesweiten und großregionalen demosko-
allem um den Nachweis einer schichtspezi- pischen Erhebungen innerhalb Deutschlands
fischen Verteilung von Dialekt und Stan- basieren auch einschlägige dialektologische
dardsprache und eine Klärung der Frage, ob Arbeiten (vgl. Überblick in Niebaum/Macha
der Dialekt als Sprachbarriere im Sinne eines 1999, 144–152) vorwiegend auf subjektiven
restringierten Codes zu werten sei. Einfluss- Sprachdaten, deren Aussagekraft allerdings
reich war die Untersuchung von Ammon äußerst prekär ist: Zum einen bleibt der zen-
(1972), die von einer strikten Korrelation trale Untersuchungsgegenstand „Dialekt“
zwischen sozioökonomischer Schicht und undefiniert und dem individuellen Interpre-
Sprachkompetenz ausgeht. Lediglich sozio- tationsspielraum der Befragten überlassen,
ökonomisch höheren Schichten komme – zum anderen sagen die mithilfe von Frage-
bedingt durch größere kommunikative An- bögen erhobenen Selbsteinschätzungen von
forderungen in ihrem Berufsfeld und entspre- Dialektkompetenz und Dialektgebrauch mehr
chend größerer regionaler Mobilität – stan- über das soziale Selbstbild und das Aspira-
dardsprachliche (z.T. zusätzlich dialektale) tionsniveau der Befragten aus als über deren
Kompetenz zu; die durch manuelle Berufstä- tatsächliches Sprachverhalten. Trotz dieser
tigkeiten gekennzeichnete Unterschicht da- notwendigen Einschränkungen ergibt sich in
gegen bleibe vorwiegend an den nur kleinräu- regionaler Hinsicht insgesamt das Bild einer
mig verwendbaren Dialekt gebunden, ihre Art Zweiteilung: Während in Nord- und Mit-
884 VI. Neighbouring Disciplines

teldeutschland nur etwas mehr als ein Drittel sche Bereich (vgl. Wiesinger 1988), in dem es
der Bevölkerung „gute“ Dialektkompetenz eine Art Varietätenkontinuum gibt, aus dem je
für sich beansprucht, nimmt diese Zahl nach nach Kommunikationsanlass eine standard-
Süden hin kontinuierlich zu; in der Schweiz oder dialektnähere Variante ausgewählt wird,
schließlich dürfte das Merkmal der Dialekt- wobei die Bandbreite des zur Verfügung ste-
kompetenz für alle Sprecher zutreffen. Hin- henden sprachlichen Repertoires – abhängig
sichtlich der alters-, ausbildungs- und berufs- vom sozialen Hintergrund der Sprecher – indi-
spezifischen Verteilung der Dialektkompetenz viduell unterschiedlich ausfällt.
finden wir die erwartete Abnahme der Dialekt-
kompetenz bei jüngeren, besser ausgebildeten 3.3. Soziolinguistisch orientierte
und nicht manuell Tätigen; der geschlechtsspe- Variationsuntersuchungen:
zifische Vergleich weist für Männer einen hö- Ortssprachenforschung
heren Anteil an Dialektsprechern aus. 3.3.1. Während besonders im angloamerika-
3.2.3. Gleichlaufend mit der Erhebung nischen Raum die traditionelle Dialektologie
der sozialschichtspezifischen Verteilung der mit der zunehmenden Etablierung der Sozio-
Dialektkompetenz wurde auch der Frage linguistik an Bedeutung verlor und eine
des regional unterschiedlichen Dialektge- nachhaltige Umorientierung im Sinne einer
brauchs, des situativen Einsatzes von Dia- urbanen soziolektalen Varietätenforschung
lekt und Standardsprache nachgegangen. stattfand (vgl. Labov 1966; 1972; Trudgill
Dabei spielt das Konzept der Diglossie (Fer- 1974; Milroy 1984), blieb in der deutschspra-
guson 1959; vgl. Schiffman 1997) eine wich- chigen Dialektologie zunächst die Untersu-
tige Rolle, das in der ursprünglichen Fas- chung heterogener sprachlicher Verhältnisse
sung eine Sprachsituation bezeichnet, in der in größeren Ortschaften weitgehend ausge-
sich funktional und strukturell streng ge- klammert. Zwar führt die verspätet einset-
trennte, mit unterschiedlichem Prestigewert zende Rezeption des Strukturalismus zu einer
ausgestattete H(igh)- und L(ow)-Varietäten Renaissance der Ortsmonographien, For-
gegenüberstehen. Dieses Modell, das sich schungsinteresse und empirischer Zugang
u. a. auf die Verhältnisse in der deutschspra- bleiben jedoch arealbezogen und folgen der
chigen Schweiz bezog, wurde im Hinblick bewährten Strategie, eine bestimmte Sprach-
auf seine Anwendbarkeit auch auf andere varietät als gültig für die gesamte lokale
regionalspezifische Dialekt/Standard-Ver- Sprechergemeinschaft anzusetzen. In glei-
hältnisse im Deutschen diskutiert und modi- cher Weise verfahren auch noch spätere
fiziert. – Wenngleich auch hier die verwen- Orts- bzw. Stadtdialektbeschreibungen un-
deten subjektiven Sprachdaten nur eine sehr terschiedlicher theoretischer Provenienz und
oberflächliche Orientierung erlauben (wel- auch in gegenwärtigen dialektgeographi-
che sprachlichen Eigenschaften sind etwa schen Großprojekten werden kleine Ort-
tatsächlich gemeint, wenn jemand angibt, schaften, größere Gemeinden und Städte
mit dem Arzt „Dialekt“ bzw. „Hochsprache“ prinzipiell gleich behandelt (z.B. beim Baye-
zu sprechen?), kann man – stark vereinfa- rischen Sprachatlas; lediglich München und
chend – davon ausgehen, dass sich innerhalb Nürnberg werden gesondert untersucht; vgl.
des deutschen Sprachgebietes drei unter- Stör 1999). Das dialektgeographische Inte-
schiedliche diglossische Räume festmachen resse an der Stadt richtet sich hauptsächlich
lassen: der schweizerdeutsche Bereich, in dem auf die Beeinflussung der Umgebung im Sin-
der Gebrauch des Dialekts mittlerweile – ent- ne einer Ausstrahlung stadtsprachlicher For-
gegen Fergusons ursprünglicher Diagnose – men auf die umliegenden ländlichen Gebie-
nahezu alle mündlichen Kommunikationsan- te – grundlegend ist dabei die These, dass die
lässe umfasst, so dass häufig von „medialer“ Stadt als Ausgangspunkt von Neuerungen
Diglossie gesprochen wird (d.h. Verwendung jene Veränderungen vorwegnimmt, die die
der Standardsprache in der schriftlichen, des ländliche Peripherie erst allmählich nachvoll-
Dialekts in der mündlichen Kommunikation); zieht. Diese sprachlichen Unterschiede mani-
der norddeutsche Bereich, in dem gewisserma- festieren sich in den Sprachatlas-Karten in
ßen das umgekehrte Verhältnis gilt – spezifischen Isoglossen-Formationen, die die
(sub)standardsprachliche Varietäten dominie- Städte als Neuerungs-Enklaven ausweisen
ren weitgehend, Plattdeutschsprecher verwen- (vgl. dazu Debus 1962; 1978; Renn 1994).
den nur in wenigen Kommunikationsanlässen 3.3.2. Abseits des dialektologischen main-
den niederdeutschen Dialekt (vgl. Stellmacher streams entstehen seit 1950 mehrere Arbei-
1995); und schließlich der mittel- und süddeut- ten, die die sprachliche Variabilität innerhalb
92. Dialektologie 885

der Ortssprachen aus unterschiedlicher Per- zu Grunde liegenden Dialektgebiete und des
spektive thematisieren. Neben Höh (1951), in ihnen geltenden Stellenwerts des Dialekts
der Zusammenhängen zwischen sozialen bestätigen die Ergebnisse in ähnlicher Weise
Faktoren und Sprachverhalten in einem die Relevanz der sozialen und situativen
pfälzischen Dorf nachgeht, ist hier vor allem Faktoren für den Dialektgebrauch. Einiger-
Hofmann (1963) zu nennen, die das Ausmaß maßen unterschiedlich sind die jeweiligen
der Übernahme stadtsprachlicher Wetzlarer Erkenntnisinteressen und Datengrundlagen:
Lautformen durch pendelnde Arbeiter aus Das Erp-Projekt befasst sich neben der Kor-
einer dörflichen Umlandgemeinde unter- relation von sozialen und sprachlichen
sucht. Besonders bemerkenswert ist schließ- Merkmalen hauptsächlich mit Fragen der
lich Wolfensbergers (1967) Untersuchung Spracheinstellung als interpretative Res-
des aktuell vor sich gehenden Sprachwan- source; die Projektergebnisse in Hufschmidt
dels in einer dörflichen Schweizer Gemein- et al. (1983) beruhen ausschließlich auf sub-
de. Er fordert programmatisch die Berück- jektiven Sprachdaten aus der gleichzeitig
sichtigung der sprachlichen Variabilität – durchgeführten Fragebogenerhebung. Erst
die „Ortsmundart“ sei nichts anderes als die Lausberg (1993) zieht für die Untersuchung
„Gesamtheit der in einem Ort gesproche- des individuellen Variationsverhaltens ausge-
nen Individualmundarten“ (Wolfensberger wählter Sprecher Daten aus den Sprachauf-
1967, 4) – und vergleicht das Sprachverhal- nahmen heran, Kreymann (1994) vergleicht
ten unterschiedlicher Gruppen, wobei die objektsprachliche Daten des Erp-Projektes
dialektgeographischen Aufnahmen für den mit den Ergebnissen späterer Erhebungen. Im
Schweizerdeutschen Atlas eine historische Ulrichsberg-Projekt (Scheutz 1982; 1999)
Kontrastfolie abgeben. Alter und Ortsansäs- dient die Variationsanalyse hingegen als Aus-
sigkeit der Probanden erweisen sich für die- gangspunkt für die Modellierung von Laut-
sen Ort als wichtigste Steuerungsfaktoren, veränderungsprozessen in der Auseinander-
wogegen sich der soziale Status kaum im setzung mit Theorien des Lautwandels bzw.
Dialektgebrauch niederschlägt. der Phonologie; dies setzt eine detailgenaue
Ansätze dieser Art weisen in eine Rich- Analyse des Variationsverhaltens unterschied-
tung, die in den 1970er Jahren im Kontext licher phonologischer Regeln, ihrer möglichen
des allgemeinen Interesses an Soziolinguis- Hierarchisierung und ihrer spezifischen Kook-
tik zunehmend an Bedeutung gewinnt: die kurrenzrestriktionen am objektiven Sprach-
Entwicklung einer vor allem durch die Ar- material voraus.
beiten Labovs inspirierten Ortssprachenfor- Zu verweisen ist auch auf eine Reihe von
schung, die die wechselseitigen Bezüge von Arbeiten, die sich auf bestimmte Ausschnit-
sprachlichen und sozialen Merkmalen in- te sprachlicher Repertoires von Ortsgesell-
nerhalb einer Sprechergemeinschaft in den schaften bzw. auf den Einfluss einzelner
Vordergrund rückt und erstmals Tonbandauf- spezifischer sozialer Variationsparameter
nahmen aus natürlichen Gesprächen als konzentrieren; so etwa analysieren Senft
Sprachdatengrundlage heranzieht. Als erste (1982), Macha (1991) und Steiner (1994) das
einschlägige Untersuchung ist Stellmacher Sprachverhalten jeweils spezifischer Berufs-
(1977) (Niedersachsen) zu nennen, größer an- gruppen; Scholten (1988), Burger/Häcki Bu-
gelegte Ortssprachenprojekte sind das Erp- hofer (1992) gehen der Entwicklung dialek-
Projekt (Rheinland) und das Ulrichsberg-Pro- taler bzw. substandardsprachlicher Formen
jekt (Mittelbairisch/Oberösterreich). Hier im Spracherwerb nach; Geschlechterdiffe-
wird mit jeweils unterschiedlichen Schwer- renzen im Dialektgebrauch untersuchen –
punktsetzungen das Sprachverhalten ver- allerdings wiederum nur an subjektiven
schiedener sozialer Gruppen fokussiert; die (Selbsteinschätzungs-) Sprachdaten – Frank-
Konstituierung dieser Gruppen erfolgt nicht Cyrus 1991, Sieburg 1992; zum Einfluss so-
auf der Grundlage unspezifischer soziologi- zialpsychologischer Faktoren wie der „Orts-
scher Schichtmodelle, sondern auf Grund von loyalität“ vgl. Mattheier (1985), Leuenber-
Faktoren wie Berufs- und Ausbildungsstand, ger (1999).
von denen eine direkte Beeinflussung des 3.3.3. Die Untersuchung großer Städte
Sprachgebrauchs zu erwarten ist. Gemeinsam unter spezifisch sozio- und variationslin-
ist diesen Studien auch die Erhebung der si- guistischer Perspektive setzt in Deutschland
tuativen Sprachvariation durch die Aufnahme vergleichsweise sehr spät ein. – In der Tradi-
von Gesprächen unterschiedlichen Formali- tion von Labovs Forschungen zum „urban
tätsgrades. Trotz der Unterschiedlichkeit der vernacular“ steht Schlobinskis (1987) Ana-
886 VI. Neighbouring Disciplines

lyse des Berlinischen, wobei die soziale Stra- interaktionsanalytisch ausgerichtete ethno-
tifizierung dialektaler Merkmale in einem graphische Studien die kommunikative
Arbeiterbezirk, einer „bürgerlichen“ Wohn- Funktion von sprachlichen Ausdrucksmit-
gegend und einem Ostberliner Arbeiterbezirk teln, die soziale Bedeutung von Sprachfor-
verglichen wird. Das Informantensample ist men als Ausdruck der Verdeutlichung und
sozial nach dem Kriterium des Berufsstandes Bewertung sozialer Zugehörigkeit (vgl.
und weiter nach Alter und Geschlecht ge- 3.6.). – So werden etwa komplementär zur
schichtet; verschiedene Merkmale des Berli- quantifizierenden Untersuchung Schlobin-
nischen werden quantifiziert und mit sprach- skis im Projekt „Stadtsprache Berlin“ auch
internen und sprachexternen Faktoren sprachliche Verhaltensformen – beispiels-
korreliert. Zur Interpretation der vorgefun- weise der „großschnauzige“ Sprechstil als
denen Unterschiede zwischen den einzelnen spezifische Form der Selbstbehauptung –
Bezirken werden die ebenfalls vorgenomme- ethnographisch beschrieben; die Ergebnisse
nen Spracheinstellungstests herangezogen; von Spracheinstellungstests lassen Sprach-
dabei zeigt sich, dass eine stärker dialektale wertstrukturen erkennen, die als Interpreta-
Sprechweise je nach untersuchtem Bezirk mit tionsgrundlage unterschiedlichen Sprachge-
differierenden sozialen Konnotationen und brauchs dienen können (vgl. Dittmar/
entsprechend unterschiedlichen Prestigebe- Schlobinski/Wachs 1986; Dittmar/Schlobin-
wertungen besetzt ist (vgl. zum Berlinischen ski 1988). – Dezidiert interaktionsanalytisch
auch Schönfeld 1989). – In der Ausrichtung ausgerichtet ist das umfangreiche Mannhei-
der Untersuchung auf den Zusammenhang mer Projekt „Kommunikation in der Stadt“
von sozialen und sprachlichen Merkmalen (vgl. Kallmeyer 1994–95). Dabei geht es um
ähnlich, jedoch aus gänzlich anderer theore- die ethnographische Beschreibung von ein-
tischer Fundierung mit Schwerpunktsetzung zelnen Stadtteilen, von jeweils typischen
auf der Struktur des Dialekt-Umgangsspra- Kommunikationssituationen, die als konsti-
che-Standard-Verhältnisses, entstehen eine tutiv für das Stadtteilleben gelten können,
Reihe von Untersuchungen zum Wieneri- und von spezifischen Gruppen, deren sozia-
schen. Ausgehend vom Ansatz der Natürli- ler Zusammenhang sich über personale
chen Phonologie und deren unterschiedli- Netzwerke und eine gemeinsame Interak-
chen phonologischen Regeltypen bzw. deren tionsgeschichte herstellt (z.B. eine „Kegel-
Hypothesen zum Zusammenhang von sozia- gruppe“ von Berufskollegen etc.). Dialek-
ler und phonologischer Natürlichkeit, wird tales Sprechen und seine Strukturen
ein differenziertes „zweidimensionales“ Mo- interessieren hier nicht per se, sondern wer-
dell des sprachlichen Repertoires (vgl. dazu den als einer von mehreren interaktionsana-
3.4.) entworfen (Dressler/Wodak 1982); die- lytisch relevanten Parametern in die ethno-
ses Konzept ist auch die theoretische graphische Beschreibung mit einbezogen.
Grundlage für Moosmüllers (1987) Studie Dies gilt auch für die Untersuchung unter-
zur soziophonologischen Variation im Wie- schiedlicher lokaler Kommunikationskultu-
nerischen. – Eine bemerkenswerte Umkeh- ren in Bern (vgl. Lieverscheidt et al. 1995);
rung der traditionellen soziolinguistischen dabei stehen individual- bzw. gruppenspezifi-
Kategorienbildung legt Hofer (1997) seiner sche Modi der Selbstdarstellung, der Verbali-
Untersuchung im Rahmen des Basler Stadt- sierungsfreudigkeit, der Themeneinführung
sprachenprojektes (vgl. Löffler 1998) zu und Themenbehandlung etc. im Mittelpunkt.
Grunde: Hier werden nicht sprachexterne Eine von den bisher dargestellten Ansät-
Faktoren zur Gruppenbildung verwendet zen abweichende Richtung der Stadtspra-
und mit sprachlichen Merkmalen korreliert, chenforschung verfolgt Auer (1990) in seiner
sondern die Ergebnisse der quantitativen Analyse der Konstanzer Alltagssprache. Die
Sprachanalyse werden einer Clusteranalyse detaillierte Analyse unterschiedlicher pho-
unterzogen, die dann als Ausgangspunkt für nologischer Regeln und des Grades ihrer
die Konstituierung von Sprechergruppen wechselseitigen Korreliertheit dient nicht
dienen. Diese Gruppen gleichen Sprachver- dem Nachweis des sozialen Symbolisie-
haltens werden erst in einem nächsten rungswertes einzelner Regeln für je spezifi-
Schritt mit unterschiedlichen sozialen Kate- sche Sprechergruppen, sondern der mög-
gorien korreliert. lichst adäquaten Erfassung der Struktur
Im Gegensatz zu diesen Untersuchungen, des alltagssprachlichen phonologischen Re-
deren Interesse der quantitativ feststellba- pertoires der Konstanzer „Sprechgemein-
ren Struktur der Variation gilt, fokussieren schaft“ – der Erfassung jener Möglichkeiten
92. Dialektologie 887

also, die dem Sprachbenutzer insgesamt zur Angriff zu nehmen. Das innerhalb des La-
Verfügung stehen (vgl. 3.4.). bovschen Paradigmas postulierte „eindimen-
sionale“ Variationsmodell, das von einer ein-
3.4. Strukturen sprachlicher Repertoires zigen zu Grunde liegenden Grammatik und
Die zuletzt angesprochene Frage der Struk- entsprechenden – mit unterschiedlichen Fak-
turierung des Varietätenraumes zwischen toren kovariierenden – variablen Regeln aus-
Dialekt und Standardsprache gehört zu den geht, ist für die Beschreibung und Erklärung
zentralen Forschungsaufgaben der deutsch- der deutschsprachigen Dialekt/Standard-
sprachigen Dialektologie, Variations- und Variation und ihrer lokal differierenden
Soziolinguistik (vgl. Überblick in Munske Struktur ungeeignet. Von Seiten einer theore-
1983; Auer 1990; Christen 1998; Spangen- tisch interessierten Dialektologie und Varia-
berg 1998; Scheutz 1999). Nach wie vor tionslinguistik sind dafür ungleich plausible-
dominant ist dabei die Vorstellung verschiede- re „zweidimensionale“ Modelle vorgeschlagen
ner quasi-homogener Sprachschichten zwi- worden, die die Existenz zweier unterschied-
schen den beiden sprachlichen Polen. Neben licher – dialektaler vs. standardsprachlicher –
der lange tradierten und populären Dreitei- zugrundeliegender Strukturen postulieren.
lung Dialekt – Umgangssprache – Hoch- Diese Strukturen dienen jeweils als Aus-
sprache sind auch Gliederungen mit bis zu gangspunkt inhärent variabler (intrasystema-
sechs unterschiedlichen Sprachschichten vor- rer) standard- bzw. dialektspezifischer pho-
geschlagen worden. Problematisch daran ist nologischer Regeln unterschiedlichen Formats
allerdings, dass sich eine solche Varietät (z. B. prälexikalische – lexikalische – postlexi-
durch klare strukturelle Merkmale – etwa kalische Regeln); von ganz anderer Art sind
eine Menge von Kookkurrenzrestriktionen, dagegen jene (intersystemaren) Korrespon-
die nur für diese Varietät gelten – von an- denzregeln, die jeweils dialektale und stan-
deren Varietäten abgrenzen lassen müsste. dardsprachliche Entsprechungsformen einan-
Die plakative Demonstration der möglichen der zuordnen (vgl. dazu den Überblick in
Realisierung einzelner Wörter oder Sätze Auer 1990, 257ff.).
in unterschiedlichen „Dialektniveaus“ kann
jedoch keine ausreichende Evidenz für das 3.5. Sprachvariation und Sprachwandel
Postulat diskreter, grammatisch definierter Die Konstruktion einer Sprachverände-
Sprachschichten sein (vgl. die Kritik in rungstheorie gehört zu den essentiellen Auf-
Scheutz 1999, 106ff.). Die soziolinguistische gaben der allgemeinen Linguistik und der
Alternative liegt im Konzept des differenzier- Soziolinguistik (zum Lautwandel vgl. Art.
ten „sprachlichen Repertoires“ – eine para- 166). Die Konzentration auf die Erstellung
digmatisch geordnete Menge von Ausdrucks- eines universellen Katalogs möglicher Ver-
alternativen –, das den einzelnen Sprechern änderungen, die Suche nach (sprachinter-
zur Verfügung steht. Die traditionellen Kon- nen) Erklärungen für einzelne Verände-
strukte von Umgangssprache, Verkehrsspra- rungstypen, und nicht zuletzt die Art der zur
che, Halbmundart u.dgl. lösen sich damit auf Verfügung stehenden Daten ließen inner-
in ein höchst komplexes Konglomerat ver- halb der allgemeinen Linguistik notorisch
schiedener und verschiedenartiger Regeln die Fragen nach der Entstehung und Aus-
und Formen innerhalb eines multidimensio- breitung von Veränderungen in den Hinter-
nalen Variationsraumes. Hier finden Konver- grund treten. Das Interesse der Soziolin-
genz- und Divergenzprozesse statt, die aus der guistik richtet sich nun vornehmlich auf
Wechselwirkung einzelner konfligierender diese prozessualen Aspekte von Verände-
(artikulationsphonetischer, phonologischer, rungen. Da auffindbare Sprachvariation
morphologischer, kognitionspsychologischer, und aktuell vor sich gehender Sprachwandel
soziolinguistischer) Parameter resultieren. in einem wechselseitigen Bedingungsgefüge
Um die Struktur der sprachlichen Variation stehen, kann mit den Methoden der synchro-
erkennen und adäquat beschreiben zu kön- nen Variationsforschung auch der diachrone
nen, ist es notwendig, die Anwendungsbedin- Veränderungsvorgang empirisch untersucht
gungen und Kookkurrenzbeziehungen der werden: Schnitte durch das gegenwartssprach-
einzelnen Regeln und Merkmale und ihre so- liche Varietätenspektrum reflektieren eine
zialstilistische Wertigkeit möglichst detail- „Momentaufnahme“ unterschiedlicher Ver-
liert zu erfassen. Komplementär dazu ist es änderungsstadien in Sprachveränderungspro-
notwendig, eine theoretisch plausible Model- zessen. Mit der Konstruktion einer „sozial
lierung dieses sprachlichen Gesamtgefüges in realistischen“ Sprachveränderungstheorie ist
888 VI. Neighbouring Disciplines

ein direkter Bezug zu den in Kap. 2 angespro- meist eher forschungspraktischen Zweckmä-
chenen Fragestellungen und Einsichten aus ßigkeiten als theoretischen Begründungen ge-
der Frühzeit der allgemeinen Linguistik und schuldet. Eine entsprechende Fundierung,
der Dialektologie hergestellt: Schuchardts Po- verbunden mit differenziertester empirischer
sition nimmt das moderne Verständnis von Analysearbeit, scheint jedoch notwendig, um
Veränderungen als multidimensionale Diffusi- zu einem tieferen Verständnis von Verände-
onsprozesse vorweg; die besonders innerhalb rungsvorgängen zu gelangen (vgl. etwa La-
der romanischen Dialektologie untersuchten bovs Auseinandersetzung mit der Theorie des
sozialen Einflussfaktoren werden in rezenten „junggrammatischen“ Wandels und der „lexi-
sozio- und variationslinguistisch ausgerichte- kalischen (und sozialen) Diffusion“ 1981;
ten dialektologischen Projekten im Detail zu 1994; 2001). – Analog zu der im vorangegan-
ergründen versucht. Während sich angloame- genen Abschnitt diskutierten Notwendigkeit
rikanische Arbeiten zunehmend mit der Er- eines zweidimensionalen Modells für die Be-
kundung des konkreten Vorgangs der Entste- schreibung und Erklärung von lautlichen
hung und der Weitergabe von Neuerungen Variationsstrukturen im Deutschen muss auch
beschäftigen – also der Frage, wie aus der für Wandelprozesse zwischen intrasystemarer,
ungerichteten Variation von Merkmalen tat- inhärenter Variabilität und entsprechenden
sächlich spezifisch gerichtete Variation und Veränderungen und intersystemaren Substitu-
damit Sprachwandel entsteht und welche Pa- tionsvorgängen unterschieden werden (vgl.
rameter diese Variation steuern (vgl. Milroy Scheutz 1982); die theoretisch präzise Diffe-
1992; Labov 2001) –, steht in der deutschen renzierung unterschiedlicher phonologischer
Soziodialektologie nach wie vor die Doku- Regeltypen erweist sich als entscheidend für
mentation des unterschiedlichen Gebrauchs die Interpretation ihrer spezifischen Variati-
von dialektalen Merkmalen in Abhängigkeit onsstruktur in Akkomodations- und Wand-
von sprachinternen und -externen Faktoren lungsprozessen (vgl. Hinskens’ (1996) vorbild-
im Mittelpunkt. Die Ergebnisse lassen sich hafte Studie über Dialektausgleichsvorgänge
zumeist als Prozesse des Dialektabbaus inter- im Limburgischen und den in Hinskens (1998)
pretieren. Dieser Dialektabbau führt nicht nur aufgezeigten Zusammenhang von unterschied-
zum Verschwinden dialektaler Merkmale und lichen Lautveränderungstypen mit post-
Regeln, sondern kann sich auch als Etablie- lexikalischen, lexikalisch diffundierenden und
rung neuer „umgangssprachlicher“ Aus- lexikalisierten phonologischen Regeln).
gleichsformen im Spannungsverhältnis von Die angesprochene zweidimensionale Sicht-
Dialekten und überregionaler Standardspra- weise taucht in der Wissenschaftsgeschichte
che niederschlagen (vgl. 3.4.). Es handelt sich der Dialektologie ebenso auf wie die „jung-
somit um Konvergenzvorgänge, die Unter- grammatische“ Kontroverse um unterschied-
schiede zwischen Varietäten verringern. Ne- liche Formen von Lautveränderungen – die
ben solchen vertikalen Konvergenzprozessen dialektologische Unterscheidung zwischen
treten jedoch auch varietäteninterne Verände- „Lautwandel vs. Wortverdrängung“ (Haag
rungen (sowohl in Dialekten als auch in (re- 1929/30) bzw. „Lautwandel vs. Lautersatz“ in
gional)standardsprachlichen Varietäten) auf, der Wiener Schule der Dialektologie (Lessiak,
die zu Divergenzentwicklungen führen kön- Pfalz, Kranzmayer in Wiesinger 1983) nimmt
nen; auch zwischen benachbarten Dialekten zentrale Themen der rezenten sprachwandel-
sind Konvergenz-/Divergenzprozesse zu beob- theoretischen Forschungsdiskussion vorweg. –
achten. Trotz zahlreicher einschlägiger Vorar- Die einschlägige Relevanz dialektologischer
beiten bleibt für eine sprachwandeltheoretisch Vorarbeiten erweist sich auch noch in anderer
interessierte Dialektologie noch viel zu tun. Hinsicht: Die alten Ortsaufnahmen der tradi-
Ein zentrales Desiderat liegt dabei in der tionellen Dialektologie bieten mit ihrem z.T.
Überwindung der bestehenden Barrieren zwi- reichhaltigen Datenmaterial die Vorausset-
schen Soziolinguistik und theoretisch orien- zungen für einen Vergleich mit gegenwärtigen
tierter allgemeiner Linguistik. So wertvoll und Verhältnissen; der verschiedentlich beklagte
aufschlussreich einzelne Arbeiten zweifellos Umstand, dass sich aus forschungsprakti-
sind, bleibt doch kritisch anzumerken, dass schen Gründen meist keine „real time“, son-
nur in seltenen Fällen die deskriptive Ebene dern lediglich „apparent time“ Untersuchun-
transzendiert wird; die Auswahl der unter- gen zum Sprachwandel anstellen ließen,
suchten – meist phonologischen – Merkmale verlöre damit zumindest für gut dokumen-
erfolgt häufig ohne Bezugnahme auf die tierte Dialektlandschaften an Brisanz.
Strukturen des Gesamtsystems und ist zu-
92. Dialektologie 889

3.6. Sprachvariation als linguistische als unmarkierte Varietät und wechselt so-
Ressource wohl situativ als auch innerhalb eines gleich-
bleibenden Aktivitätstyps in den Dialekt.
Die Grenzen des Labovschen quantitativen Dies macht deutlich, dass die kontextuelle
Paradigmas der Soziolinguistik liegen in der Einbettung der Interaktion nicht nur an au-
dezidierten Orientierung am soziologischen ßersprachlichen Faktoren festzumachen ist,
Schichtenmodell; Sprachverwendung und sondern von den Gesprächspartnern selbst –
soziale Kategorien sind direkt aufeinander u.a. durch die Verwendung bestimmter Va-
bezogen. Daraus ergibt sich folgerichtig rianten aus dem verfügbaren sprachlichen
auch das Postulat, dass sich der Prestigewert Repertoire – interaktiv produziert wird. Die
einzelner sprachlicher Merkmale zwangs- Variantenwahl fungiert somit als Kontex-
läufig aus seiner sozialschichtspezifischen tualisierungshinweis, als linguistische Res-
Verortung ableiten lasse und für alle Gesell- source zur Definition der Situation und zur
schaftsmitglieder in gleicher Weise gültig adäquaten Bedeutungszuschreibung und In-
sei. – Interaktionsanalytische Ansätze set- terpretation von Äußerungen (vgl. Gumperz
zen dem gegenüber auf die Beobachtung 1982). Das Verstehen von Kontextualisie-
von Kommunikationsprozessen in sozialen rungshinweisen setzt das Vorhandensein
Beziehungsnetzwerken – hier ist der Ort, an jeweils gleicher sozialer Wert- und Wissens-
dem jene gruppenspezifische Wertvorstel- systeme voraus, die in sozialen Beziehungs-
lungen, Einstellungen und Verhaltensmuster Netzwerken durch regelmäßige Kommunika-
entstehen, die auch für das individuelle tion mit spezifischen Kommunikationszielen
Sprachverhalten ausschlaggebend sind; die und entsprechenden Kommunikationsverfah-
soziale Schichtzugehörigkeit erweist sich da- ren ausgebildet werden. – Wenngleich der
bei vielfach als zweitrangig. Von besonderer überwiegende Teil der Untersuchungen zum
Bedeutung für diesen interaktionsanalyti- Code-switching bi- und multilinguale Spre-
schen Ansatz der Sprachvariationsfor- chergemeinschaften betreffen (vgl. Auer
schung sind die Arbeiten von Gumperz; in 1998), ist dieser Ansatz zweifellos auch für –
unserem Zusammenhang interessieren vor lokal unterschiedliche – sprachliche Reper-
allem seine Untersuchungen zum Code- toires im Spannungsverhältnis von Dialekt
switching. Die einflussreiche Studie zur und Standardsprache von zentraler Relevanz.
kommunikativen Funktion von Dialekt und Für das Deutsche liegen mit der Studie von
Standardsprache in einem kleinen norwe- Auer (1986) und z.T. auch mit dem Mannhei-
gischen Ort (Blom/Gumperz 1972) zeigte mer Stadtsprachenprojekt (vgl. 3.3.) erste An-
eindrücklich die Bedeutung von Bezie- wendungen vor.
hungsnetzwerken für die Ausbildung von
Kommunikationsverfahren, die als rhetori- 4. Literatur (in Auswahl)
sche Strategien den Einsatz der unterschied-
lichen Sprachvarietäten steuern. Obzwar Ammon, Ulrich (1972) Dialekt, soziale Ungleich-
alle Informanten in der dialektologischen heit und Schule, Weinheim/Basel.
Befragung annähernd dieselben dialektalen Aubin, Hermann/Frings, Theodor/Müller, Josef
Merkmale produzierten, ergaben sich in der (1926) Kulturstömungen und Kulturprovinzen in
verbalen Interaktion gravierende Unter- den Rheinlanden. Geschichte. Sprache. Volkskunde,
schiede: Während eine Gruppe den Dialekt Bonn.
als unmarkierte Varietät in den meisten Auer, Peter (1986) „Konversationelle Standard/
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schränkt („situatives“ Code-switching), tersuchung zur Standard/Dialekt-Variation am
verwendet eine andere Gruppe, für die eben- Beispiel der Konstanzer Stadtsprache, Berlin/New
falls der Dialekt in den meisten Situationen York.
als unmarkierte Varietät gilt, die Standard- –, ed., (1998) Code-switching in Conversation.
sprache nicht nur in offiziellen Situationen, Language, Interaction and Identity, London/New
sondern wechselt auch innerhalb des glei- York.
chen konversationellen Aktivitätstyps vom Bach, Adolf (1950) Deutsche Mundartforschung.
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892 VI. Neighbouring Disciplines

93. Psycholinguistik / Psycholinguistics

1. Einleitung punktbildung Carroll (1999), Dietrich


2. Sprachliches Wissen (2002) und Whitney (1998) im Überblick
3. Spracherwerb dar. Mit soziolinguistischen Phänomenen
4. Sprechen und Sprachverstehen sind Spracherwerb und Sprachverarbeitung
5. Literatur (in Auswahl) enger verbunden als die anderen psycholin-
guistischen Arbeitsgebiete. Sie stehen des-
1. Einleitung halb in diesem Artikel im Mittelpunkt.

Die Psycholinguistik als eine Kognitionswis- 2. Sprachliches Wissen


senschaft beschäftigt sich mit der Frage,
welches Wissen und welche kognitiven Pro- Im Spracherwerb wird das sprachliche Wis-
zesse die Sprachfähigkeit des Menschen aus- sen erworben, das dann seinerseits für die
machen. Nach dem Stand der Forschung ist Sprachverarbeitung grundlegend ist. Wenn
davon auszugehen, dass Menschen, die in wir mit jemandem reden – selbst etwas
den ersten Lebensjahren störungsfrei ihre sagen oder hören, was gesagt wird – liegt
Muttersprache erworben haben, über ein unsere Aufmerksamkeit auf den Sachver-
umfassendes und differenziertes, systemati- halten, von denen die Rede ist, und nicht
sches Sprachwissen verfügen und in der auf der Sprache selbst. Auf Laute, Wörter,
Lage sind, die hoch routinisierten kogniti- Sätze und Texte und auf die Fähigkeit, sie
ven Programme sowie die jeweils passenden fließend auszusprechen und zu verstehen,
sprachlichen Mittel in der Kommunikation wird man im Allgemeinen erst unter Bedin-
zu verwenden, also sowohl zu äußern als gungen aufmerksam, die der Kommunika-
auch in den Äußerungen der Gesprächs- tion fremd sind. Dieser Tatsache wird man
partner zu verstehen. Auch wenn die Psy- sich eigentlich erst bewusst, wenn man sich
cholinguistik in ihrer wissenschaftlichen z. B. in einer Fremdsprache übt, wenn man
Systematik eine vergleichsweise junge Diszi- die Ausdrucksweise eines Kindes beobach-
plin ist, so ist doch festzuhalten, dass das In- tet, wenn man sich beim Lösen eines Kreuz-
teresse von Wissenschaftlern seit der Antike worträtsels versucht oder eine schwer les-
auf kognitive Vorgänge des Spracherwerbs bare Handschrift entziffert. Intuitiv und
und der Sprachverarbeitung sowie auf ande- ungewollt, nimmt man diese Beobachtungs-
re sprachliche Phänomene gerichtet wurde; perspektive auch leicht dann ein, wenn man
vgl. die Artikel in den Kapiteln I bis XII des einen der seltenen und meist erheiternden,
Handbuchs ,Geschichte der Sprachwissen- ungewollten Versprecher hört wie in dieser
schaften‘ (Auroux/Koerner/Niederehe u. a. Konzertansage eines Rundfunksprechers:
2001). Zu einem systematischen, empiri- „Sie hören nun die h-Mess-Molle, Verzei-
schen, heute vorwiegend experimentell ar- hung, die h-Moss-Melle, ich bitte sehr
beitenden Forschungsgebiet hat sich die um Entschuldigung, die h-Moll-Messe von
Psycholinguistik unter dem Einfluss der na- Johann Sebaldrian Bach – ich häng mich
turwissenschaftlichen Revolution seit der auf!“ (Leuninger 1993, letzte Umschlag-
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Mit seite).
einer geradezu rasanten Differenzierung der Dass solche Lautvertauschungen passie-
Methoden gingen einerseits rasche und ren, lässt darauf schließen, dass die komple-
reichhaltige Erkenntnisfortschritte, anderer- xe Wortform h-Moll-Messe für den Zweck
seits aber auch eine deutliche Spezialisie- der aktuellen Äußerung zusammengesetzt
rung einher. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt worden ist und dass die Verarbeitung nicht
haben sich die folgenden Schwerpunkte in planmäßig abgelaufen ist. Darin zeigt sich,
der Psycholinguistik als forschungsrelevante dass die menschliche Sprachfähigkeit auch
Gegenstandsbereiche etabliert: Spracher- die kognitiven Prozeduren des Sprechens
werb, sprachliches Wissen und Sprachverar- und Hörens sowie des Lesens und Schrei-
beitung, die jeweils in ihren normalen Aus- bens umfasst. Die Selbstkorrektur wieder-
prägungen sowie in den verschiedenen um zeigt, dass die korrekte Form dem Spre-
Störungs- und Krankheitsbildern untersucht cher bekannt, also irgendwo in seinem
werden. Den derzeitigen Stand der For- sprachlichen Wissen gespeichert ist.
schung stellen bei wechselnder Schwer-
93. Psycholinguistik 893

2.1. Inhalt und Aufbau des sprachlichen Menge von Informationen, unter anderem
Wissens über die Verwendungsbedingungen und die
Bedeutung eines Wortes sowie über das ggf.
Das sprachliche Wissen ist in erster Linie
damit bezeichnete Konzept. Sie enthalten
nicht bewusstes Wissen, sondern Wissen
aber auch Informationen über alle gramma-
ähnlich der unbewussten Kenntnis der drei-
tisch relevanten syntaktischen Eigenschaf-
dimensionalen Gliederung des Raumes bei
ten eines Wortes sowie über alle für die Arti-
der Durchführung von Bewegungen oder
kulation bzw. die Schreibung relevanten
der Beherrschung der Schwerkraftverhält-
lautlichen bzw. graphematischen Eigen-
nisse bei der Manipulation von Objekten im
schaften. Dabei haben allerdings die lautli-
Raum. Bestandteile des sprachlichen Wis-
chen Eigenschaften Vorrang. Wir müssen
sens sind eine quasi ,selbstverständliche‘
also, entsprechend der Vielfalt der gespei-
Kenntnis des Sprachsystems mit all seinen
cherten Information für die Gliederung des
Produktions- und Rezeptionsprozessen, so-
mentalen Lexikons eine komplexe Struktur
wie ein ebenso selbstverständliches Wissen
annehmen. Stand der Forschung ist es, zu-
über Einheiten und Strukturen mitsamt der
nächst eine horizontale Gliederung in Ebe-
Frequenz ihrer Verwendung. In diesem Ab-
nen je nach Art der Information anzuneh-
schnitt wird dieser letztere Komplex be-
men. Demnach gliedert sich das Lexikon in
trachtet. Ihm liegt wiederum eine Zweitei-
eine konzeptuelle Ebene, eine syntaktische
lung zugrunde, und zwar in einerseits das
Ebene und eine phonologische Ebene, die
Inventar der sprachlichen Einheiten, d. h. le-
auch Information über Verwendungshäufig-
xikalisches Wissen, das als sog. mentales Le-
keiten enthält. Hinzu kommt eine vertikale
xikon im Langzeitgedächtnis gespeichert ist,
Gliederung, die durch die Verknüpfung der
und in andererseits grammatisches Wissen,
zu einer lexikalischen Einheit gehörenden
das Kombinationsregeln für die Verknüp-
Information orthogonal zu den Ebenen ent-
fung dieser Einheiten in der Form einer
steht. Daraus ergibt sich in grober Annähe-
mentalen Grammatik bereit stellt. Evidenz
rung schematisch das folgende Bild vom
für diese Wissensbestände gewinnt man im
Aufbau des Lexikons (Abb. 93.1).
Wesentlichen aus zwei Quellen. Eine nahe
Für die Stichhaltigkeit der Annahme,
liegende erste Quelle ist die Beobachtung
dass es so etwas wie lexikalische Einheiten
des alltäglichen Umgangs mit Sprache. So
gibt, spricht ganz allgemein, dass gesunde,
verwenden Menschen einer Sprachgemein-
erwachsene Menschen in der Lage sind, Ob-
schaft für dieselben Sachen im Großen und
jekte eindeutig zu benennen. Abstraktere
Ganzen dieselben Wörter und sprechen sie
Evidenz beschrieb schon Cattell (1885). Die
übereinstimmend aus. Sie konstruieren ihre
Beobachtung war, dass unter bestimmten
Sätze nach denselben Kombinationsregeln.
Bedingungen die Verarbeitung einzelner
Auch erkennen Menschen Abweichungen in
Buchstaben beim Lesen länger dauerte als
Versprechern, in den Äußerungen von Fremd-
die Verarbeitung ganzer Wörter. Es zeigte
sprachensprechern und in dem sprachlichen
sich später auch, dass Reihen von Buchsta-
Verhalten von Sprachkranken. Weitere Evi-
benfolgen, die sog. Non-Wörter ergeben,
denz entstammt systematischen Beobachtun-
langsamer verarbeitet werden als gleich lan-
gen, den Ergebnissen zahlreicher Sprachver-
ge Ketten tatsächlicher Wörter. Von Reicher
stehens- und Sprachproduktionsexperimente.
(1969) wurde nachgewiesen, dass diese Ef-
Auf einzelne Experimente wird jeweils im Zu-
fekte nicht etwa auf Häufigkeitsphänomene
sammenhang mit dem untersuchten Phäno-
beim Übergang von einem zum anderen
men eingegangen.
Buchstaben zurückgehen, sondern dass sie
in der Tat mit der Worthaftigkeit zu tun ha-
2.1.1. Lexikalisches Wissen
ben. Dieser sog. Wortüberlegenheitseffekt
Das mentale Lexikon eines Individuums zeigt sich darin, dass Wörter, die zunächst
verfügt durchschnittlich über 50.000 lexika- vollständig und dann teilweise maskiert prä-
lische Einheiten. Hierbei ist zu berücksichti- sentiert werden, häufiger richtig mit einem
gen, dass die individuelle Ausstattung des zur Auswahl angebotenen Buchstaben aus
mentalen Lexikons durch soziale Faktoren der ersten Präsentation ergänzt werden als
erheblich variieren kann. Die lexikalischen Non-Wörter. Dieser Effekt erklärt sich wahr-
Einheiten stellen nun nicht einfach eine Lis- scheinlich dadurch, dass bei der Worterken-
te von Wörtern einer bestimmten Sprache nung immer auch auf Bedeutungsvorstellun-
dar. Vielmehr repräsentiert jede Einheit eine gen zurückgegriffen wird. Sein genaues
894 VI. Neighbouring Disciplines

Abb. 93.1: Schema des in lexikalische Einheiten (vertikale Gliederung) und in Ebenen gegliederten Netz-
werks von Informationen im mentalen Lexikon.

Zustandekommen, auch bei akustischer Wesentlichen zwei Hypothesen, die Full-


Wahrnehmung, ist Gegenstand andauernder Parsing-Hypothese und die Full-Listing-
Forschung (vgl. Krueger 1992, Hildebrandt/ Hypothese. Erstere besagt, dass zumindest
Caplan/Sokol et al. 1995, und kritisch Balota komplexe Wortformen im Verarbeitungs-
1994, 310). Dafür, dass Bedeutungsinforma- prozess stets analysiert und anschließend
tion in die lexikalische Einheit integriert ist, mit Lexikoneinträgen abgeglichen werden.
spricht der sog. Stroop-Effekt (vgl. Stroop Evidenz hierfür liefern sog. Stranding-Ver-
1935). Er äußert sich darin, dass die Farbe, in sprecher wie Stanislaw Lem verglühe ich eh-
der ein Farbwort schriftlich präsentiert wird, rend (Leuninger 1993, 69), bei denen Mor-
schwieriger zu benennen ist, wenn die Bedeu- phemvertauschungen vorliegen. Das lässt
tung des Farbwortes mit der Schriftfarbe auf einzeln gespeicherte Morpheme und de-
nicht übereinstimmt (vgl. ausführlicher Mil- ren fehlerhafte Zusammensetzung im Pro-
ler 1991/1993, 148). Dass auch Lautinforma- duktionsprozess schließen. Man kann aber
tionen in der lexikalischen Einheit kodiert auch annehmen, dass die Vertauschung erst
sind, zeigt sich daran, dass Laute in Wörtern auf der phonologischen Ebene erfolgte, also
identifiziert werden können, auch wenn sie nach Abruf der komplett gespeicherten Ein-
durch Geräusche überlagert werden. Werden heit und vor der phonologischen Kodierung.
aber einzelne Laute komplett durch Geräu- Dies spricht für die zweite Hypothese, nach
sche ersetzt, fällt die Worterkennung schwer. der die lexikalischen Einheiten mit allen
Ein Effekt, der bei Non-Wörtern nicht auf- Strukturinformationen en bloc gespeichert
tritt (vgl. Samuel 1986). sind. Beide Annahmen konfligieren in ihrer
Mit dem Nachweis lexikalischer Einhei- Reinform mit der strikt ökonomischen Or-
ten ist allerdings noch nicht bestimmt, wie ganisation des menschlichen Geistes. Die
komplexe lexikalische Gebilde im mentalen Full-Listing-Annahme impliziert eine Ver-
Lexikon repräsentiert sind. Dazu gibt es im letzung des Ökonomieprinzips, weil aus ihr
93. Psycholinguistik 895

folgt, dass im mentalen Lexikon unökono- tem Prime-Wort und gelesenem Zielwort
misch viel Speicherkapazität belegt wird, die tritt dieser Effekt auf. Demnach hängen un-
Full-Parsing-Annahme impliziert einen un- ter anderem semantische, phonologische
ökonomisch hohen Zeitaufwand als Folge und graphematische Informationen einer le-
des aufwendigen Rechenaufwandes in jedem xikalischen Einheit zusammen (vgl. Seiden-
Verwendungsfall der komplexen Einheit. berg/Mc Clelland 1989; kritisch Besner 1990).
Mittlerweile weiß man, dass einiges für Die horizontale Gliederung lässt sich am
den folgenden Ausweg aus dem Dilemma einfachsten vom Lemma her veranschauli-
spricht: Speicherung der komplexen Form chen. Dieses verknüpft die Ausdrucksseite
wird angenommen, wenn es um nicht trans- einer lexikalischen Einheit nach oben mit se-
parente Wortformen, wie unregelmäßige mantischer Information, die je nach Modell
Tempusformen geht, die zu hohen Analyse- auch auf übereinzelsprachlicher, konzeptu-
aufwand bedeuten und sie wird ebenfalls an- eller Ebene angesiedelt sein kann. Nach
genommen aufgrund von Häufigkeitseffek- „unten“ stellt das Lemma die Verbindung
ten wie sie plural- oder singulardominan- zur syntaktischen Information, d. h. Infor-
te Wortformen zeigen. Insbesondere der mation über Wortart, Genus, Argumente,
schnellere Zugriff auf die Pluralform bei her. Weiter unten schließt sich die im Lexem
pluraldominanten Wörtern im Vergleich zu kodierte lautliche Information an (vgl. Dell
deren Singularform spricht dafür, dass die 1990). Evidenz für diese Ebenen, die als ver-
eigentlich komplexere Form nicht zerlegt schiedene Prozessphasen in der Sprachpro-
worden sein kann. Experimentell nachge- duktion effektiv werden, sah Garrett (1980)
wiesen wurde dies von Schreuder/Baayen in Versprechern wie Liebling, ich gehe die
(1995) in einem lexikalischen Entschei- Mülltüte holen und in einem die Post wegwer-
dungsexperiment, bei dem die Versuchsper- fen; ausführlich referiert ist Garretts Ver-
sonen visuell oder auditiv präsentierte Sti- sprecheranalyse in Dietrich (2002, 145 ff.).
muli so schnell wie möglich als Wörter oder Solche Wortvertauschungen, die zu einer
Non-Wörter ihrer Sprache identifizieren syntaktisch wohlgeformten Struktur führen,
sollen. Die wesentlichen Faktoren bei der können nur stattfinden, wenn die syntakti-
Speicherung lexikalischer Einheiten schei- sche Kodierung vor der lautlichen Kodie-
nen demnach Frequenz und Analyseauf- rung abgeschlossen ist. Experimentelle Evi-
wand zu sein (vgl. zur gesamten Problematik denz für diese Unterscheidung, die auch auf
Schriefers 1999); für Full-Listing argumen- die semantische Information ausgedehnt
tieren Butterworth 1983; Seidenberg 1987, werden kann, fanden Levelt/Schriefers/Vor-
für Full-Parsing Pinker/Prince 1991, für eine berg et al. (1991). Neben einer Objektbenen-
Synthese Caramazza/Laudanna/Romani nungsaufgabe sollte hier in einigen Fällen
1988; Chialant/Caramazza 1995). eine lexikale Entscheidungsaufgabe ausge-
Die grundlegende Gliederung des menta- führt werden, bei der das zu entscheidende
len Lexikons in einen lautlichen Bereich, die Testitem entweder semantisch oder phono-
Lexemebene, und einen nicht-lautlichen Be- logisch ähnlich oder identisch zum Objekt-
reich, die Lemmaebene, gilt inzwischen als begriff war oder völlig beziehungslos dazu.
gesichert. Einfache Evidenz dafür findet Es zeigte sich, dass die semantisch bzw. pho-
sich im Alltagsphänomen des Auf-der-Zun- nologisch ähnlichen Testitems die Entschei-
ge-Liegens eines Wortes, dem Tip-of-the- dungszeit unterschiedlich beeinflussten.
Tongue- oder TOT-Phänomen, bei dem Wenn das Lemma des Zielwortes, also auch
man zwar Bedeutung und Syntaxinformati- die semantische Information, schon ausge-
on zum gesuchten Wort angeben kann, die wählt wurde, kann demnach nur ein dem
Lautform aber, zumindest vorübergehend, Zielwort lautlich ähnliches Testwort die
nicht. Brown/McNeill (1966) haben dieses Entscheidungszeit verkürzen, weil dann
Phänomen auch experimentell bestätigt. ähnliche Lexeme ko-aktiviert sind. Die hier
Dass die Informationen einer lexikalischen vorgestellte Gliederung des mentalen Lexi-
Einheit vertikal verknüpft sind, zeigt sich in kons findet ihre Entsprechung in Annahmen
Priming-Experimenten, bei denen in einer über den Sprachverarbeitungsprozess.
lexikalen Entscheidungsaufgabe, vor der
Präsentation des Zielwortes ein semantisch 2.1.2. Grammatisches Wissen
ähnliches Wort gezeigt wird. Dies führt Bezüglich des grammatischen Wissens ist
dann zur schnelleren Entscheidung zwi- zwischen Art und Inhalt des Wissens einer-
schen Wort und Non-Wort. Auch bei gehör- seits und der Art und Weise seiner Repräsen-
896 VI. Neighbouring Disciplines

tation andererseits zu unterscheiden. Den erwerbsmechanismus an, die letzte Silbe ei-
Inhalt des grammatischen Wissens betref- ner Einheit besonders zu beachten. Als
fend, unterscheidet man weiter zwischen Resultat zeigt sich, dass post-verbale und
den universalen Wissensbeständen, die zur post-nominale Markierungen eher als prä-
kognitiven Grundausstattung des Menschen verbale und prä-nominale erworben werden,
gehören und den einzelsprachlichen Spezi- und dieses auch sprachübergreifend (vgl.
fizierungen. Für diese Unterscheidung Slobin 1985, 1164 ff.). Trotz aller Unter-
spricht unter anderem, dass einerseits alle schiede ist festzuhalten, dass es einen uni-
bekannten Sprachen praeter propter über versalen Wissensbestand geben muss, der
Kategorien wie Nomina und Verben verfü- den Spracherwerb steuert und schließlich zu
gen, andererseits aber deren Anordnung im einzelsprachlichem grammatischen Wissen
Satz, z. B. Subjekt-Verb-Objekt oder Sub- führt.
jekt-Objekt-Verb, Sprachen typologisch Dieses einzelsprachliche Wissen war bis-
unterscheidet. Was unter dem universalen her nur in begrenztem Umfang Gegenstand
grammatischen Wissen genau zu verstehen psycholinguistischer Forschung. Die we-
ist, ist umstritten. Die nativistische, mit dem sentlichen Aussagen über dieses Wissen, das
Namen Chomsky (1993, 1995) verbundene Wissen über die gesamte Kombinatorik für
und im eigentlichen Sinne universalgram- Satzbau, Wortbildung und Phonotaktik ei-
matische Position geht davon aus, dass ner Sprache umfasst, entstammt der Lin-
dieses Wissen als Manifestation der mensch- guistik. Allerdings haben einige psycholin-
lichen Sprachfähigkeit ein vom übrigen Pro- guistische Experimente deren Erkenntnisse
blemlösewissen isoliertes kognitives Modul bestätigt oder auch zu Anpassungen der lin-
darstellt. Evidenz dafür wird im Spracher- guistischen Theorie geführt. Schon Levelt
werb gesehen, da dieser beim gesunden (1983) hat anhand von Selbstkorrekturen,
Kind immer stattfindet und immer zum Er- die regelmäßig mehr als nur den defekten
folg führt, obwohl die Inputdaten unterde- Ausdruck umfassen, gezeigt, dass Wissen
terminiert sind, also an der Oberfläche nicht über die phrasale Gliederung von Äußerun-
alle notwendigen Strukturbildungsprozesse gen vorhanden sein muss. Das deckt sich mit
erkennen lassen, und obwohl sie defizient Garretts (1980) Analyse von Versprecherda-
sein können, also ungrammatische Struktu- ten, die auch auf phrasales Wissen, aber
ren aufweisen können. Außerdem fehlt dem auch auf Wissen über deren Reihungsmög-
Kind die sog. negative Evidenz, d. h. dem lichkeiten hindeuten. Nach neueren Expe-
Kind begegnen im Input keine expliziten rimenten, wie in van Nice/Dietrich (im
Hinweise auf kombinatorisch mögliche aber Druck) dokumentiert, scheint aber bei den
umgebungssprachlich ,falsche‘ Strukturen, Linearisierungsprozessen nicht nur syntak-
die es bei der Ausbildung seiner grammati- tisches Wissen, sondern auch semantisches
schen Kenntnisse leiten könnten. Die bloße Wissen wie beispielsweise solches über Fak-
Abwesenheit formal möglicher, aber nicht toren wie Belebtheit vs. Unbelebtheit, eine
zielsprachlicher Strukturen im Input reicht Rolle zu spielen.
nicht aus, um zu erklären, dass sie vom Kind Weit weniger Einigkeit besteht bei den
nicht als nicht wohlgeformt abgelehnt wer- Annahmen darüber, wie das grammatische
den. Beobachtungen, die diese Annahmen Wissen mental repräsentiert ist. Hier stehen
stützen, finden sich unter anderem in Fodor sich zwei Modelle gegenüber, die sich hin-
(1983), Pinker (1994) und in den kontrover- sichtlich ihrer Erklärungsstärke unterschei-
sen Diskussionen in Eubank (1991). Die ko- den, aber auch mit Blick darauf wie gut sich
gnitivistische Gegenposition, vertreten in mit ihrer Hilfe Produktionsabläufe model-
Slobin (1985) und Klein (1991) und – im lieren und simulieren lassen. Für letzteren
Blick auf den Zweitspracherwerb – in Klein/ Zweck eignen sich die sog. konnektionis-
Perdue (1997), sieht das universale Wissen tischen oder Netzwerk-Modelle. Danach
als die Fähigkeit an, Wahrnehmungen kate- ist das grammatische Wissen in den Knoten,
gorisieren und ggf. Funktionen zuordnen zu den Verbindungen und den Aktivations-
können. Bezogen auf Sprache werden sog. werten dieser Knoten und Verbindungen
Operationsprinzipien als Verarbeitungsma- kodiert. Die Aktivation kommt durch Fre-
ximen angenommen, die es ermöglichen für quenzeffekte zustande und führt zu stärke-
den Aufbau sprachlichen Wissens relevante ren und damit schnelleren Verbindungen.
Daten aus dem Input zu isolieren. Beispiels- Einheiten von Knoten repräsentieren kate-
weise weist ein solches Prinzip den Sprach- goriales Wissen und die Verbindungen
93. Psycholinguistik 897

repräsentieren Strukturwissen. Auf diese 3. Spracherwerb


Weise gruppieren sich Knoten und Verbin-
dungen zu Schichten (engl. layer), die dann Die zentrale Aufgabe, die das sprachlernen-
das Konzept-, Syntax- und Phonologiewis- de Kind zu lösen hat, besteht darin, heraus-
sen bilden. Als probabilistisches Modell eig- zufinden, welche Regeln der Beziehung zwi-
net es sich vor allem, um den Zeitbedarf von schen Laut und Bedeutung in seiner Sprache
Produktionsabläufen zu erfassen und zu zugrundeliegen. Im Mittelpunkt der aktuel-
qualitativen Aussagen zu kommen, die expe- len Spracherwerbsforschung stehen unter
rimentell ermittelten menschlichen Produk- anderem die beiden folgenden Fragen:
tionsdaten nahe kommen. Dagegen können (1) Welche Arten von Wissen muss das
die konkurrierenden Symbolverarbeitungs- Kind erwerben, wenn es eine Sprache lernt?
modelle eher Prinzipien und strukturelle Res- (2) Wie gelingt dies dem Kind, d. h. wel-
triktionen einer Grammatik rekonstruieren cher Art sind die zugrundeliegenden Lern-
(vgl. Fodor/Pylyshyn 1988). Sie setzen sich prozesse?
nämlich aus modular organisierten formalen Was die erste Frage anbelangt, so müssen
Teilsystemen zusammen, die jeweils intern wenigstens zwei Arten von Wissen unter-
Rechenprozesse über einem festen Inventar schieden werden. Erstens, das sprachliche
aus Konstanten und Variablen durchführen, Wissen im engeren Sinn, das in der Phono-
deren Ergebnisse dann als Input an das logie, Morphologie, Syntax und Semantik
nächste Teilsystem weitergegeben werden. der zu lernenden Sprache besteht. Dabei
Mit solchen Modellen ist nun wiederum sind die spezifischen Annahmen, die über
noch nichts über die neurophysiologische das vom Kind zu erwerbende sprachliche
Repräsentation sprachlichen Wissen und Wissen und die beteiligten Lernprozesse ge-
seine Lokalisation im Gehirn gesagt. Lange macht werden, nicht unabhängig davon, im
Zeit ging man von einer linkshemisphäri- Rahmen welches linguistischen Modells
schen Verortung des sprachlichen Wissens man das sprachliche Wissen des Erwachse-
aus, wobei man annahm, dass im linken nen zu erfassen versucht. Zweitens muss
mittleren Stirnlappen, dem Broca-Zentrum, vom Kind die Verwendung des sprachlichen
eher grammatisches Wissen gespeichert ist Wissens beim Sprechen und Verstehen er-
und im linken Hinterhauptlappen, und hier lernt werden. Auch diese Komponente des
im sog. Wernicke-Zentrum, lexikalisches Spracherwerbs kann nicht unabhängig von
Wissen. Diese Annahmen gehen zurück auf einer Theorie der Sprachverwendung beim
Untersuchungen der Neurologen Broca und Erwachsenen untersucht werden. Im Mittel-
Wernicke im 19. Jh., die bei Patienten, punkt der Spracherwerbsforschung steht die
die entsprechende sprachliche Störungen Beantwortung der zweiten Frage. In seiner
hatten, Läsionen in der jeweiligen Region allgemeinen Form ist dieses Problem Gegen-
feststellten. Aufgrund neuerer und detail- stand der Lernbarkeitstheorie, die unter-
lierterer Untersuchungsmethoden mithilfe sucht, wie menschliche Sprache unter be-
bildgebender Verfahren (vgl. Überblick in stimmten Inputbedingungen, Annahmen
Crystal 1997, Kap. 45) wird diese Zuord- über die Natur des zu erwerbenden Wissens,
nung inzwischen kritischer gesehen. Bei Fähigkeiten des Kindes, usw. erworben wer-
Sprachverstehensexperimenten zeigte sich, den kann (Wexler/Culicover 1980; Pinker
dass die Aktivationen der Hirnzellen we- 1984; Bertolo 2001). Was den konkreten Er-
sentlich größere Bereiche erfassen, aller- werbsprozess anbelangt, so stellen sich zwei
dings keineswegs immer exakt dieselben. Hauptfragen:
Sprachproduktionsexperimente lassen sich (1) Über welche Fähigkeiten verfügt das
wegen der aufwendigen Messmethoden bis- Kind zu Beginn des Spracherwerbsprozes-
her noch kaum durchführen. Auch ist die ses?
zeitliche Auflösung dieser Methoden noch (2) Auf welche Informationen im sprach-
sehr gering, so dass sich auch noch keine lichen und nichtsprachlichen Input greift
völlig verlässlichen Aussagen über Hirnre- das Kind beim Aufbau des sprachlichen
aktionen bei einzelnen Prozessschritten wie Wissens zurück?
der syntaktischen oder lautlichen Verarbei- Spracherwerbstheorien unterscheiden sich
tung treffen lassen. hauptsächlich darin, wie sie diese Fragen be-
antworten. Vor allem die Annahmen über
die anfänglichen Fähigkeiten des Kindes ha-
ben weitreichende theoretische und empi-
898 VI. Neighbouring Disciplines

rische Konsequenzen: je mehr sprachbe- erst Jahre nach der Geburt zum ersten Mal
zogenes Wissen man beispielsweise dem mit Sprache in Berührung kamen und so
neugeborenen Kind zuschreibt, umso weni- erst verspätet mit dem Spracherwerb begin-
ger wird es aufgrund von Erfahrungen er- nen konnten. Die sprachlichen Fähigkeiten
werben müssen, und umgekehrt. Vieles deu- dieser Kinder erreichen vor allem im syntak-
tet darauf hin, dass der Spracherwerb tischen Bereich keine normalen Werte (Cur-
zumindest teilweise genetisch determiniert tiss, 1977). Auch hängt das Maß, in dem
ist (Lenneberg 1967; Rice 1996; Stromswold Kinder Sprachverluste, die durch Eingriffe
2001). Erstens lernt nahezu jedes entwick- im Gehirn verursacht wurden, im Laufe der
lungsunauffällige Kind die wesentlichen le- späteren Sprachentwicklung wieder ausglei-
xikalischen und grammatischen Eigenschaf- chen können, von dem Zeitpunkt des Ein-
ten seiner Sprache innerhalb des gleichen griffs ab; d. h. die negativen Auswirkungen
Zeitraums, nämlich den ersten drei Lebens- sind umso geringer, je früher der Eingriff
jahren, und das unabhängig davon, welche stattgefunden hat (Bates/ Vicari /Trauner
Sprache erworben wird (Slobin 1985 ff.). 1999). Daraus kann geschlossen werden,
Zweitens ist die Fähigkeit zum Spracher- dass sich die Sprachlernfähigkeiten im Lau-
werb sehr robust. Sie wird in vielen Fällen fe der Entwicklung verändern, ohne dass
selbst durch starke Beeinträchtigungen geis- bisher klar ist, worin diese Veränderungen
tiger oder perzeptueller Fähigkeiten oder im Einzelnen bestehen. Möglicherweise hän-
große Unterschiede bei den externen Er- gen sie mit der zerebralen Entwicklung, z. B.
werbsbedingungen nicht wesentlich beein- der Lateralisierung der Sprachzentren in der
trächtigt. linken Hemisphäre zusammen (Locke 1997;
So erwerben Kinder mit dem genetisch Friederici/Penner/Weissenborn 2002). Die
bedingten Williams-Beuren-Syndrom bei Fähigkeit zum Erwerb einer Sprache wie der
geistiger Behinderung, die im allgemeinen menschlichen ist vermutlich gattungsspezi-
mit schweren kognitiven Defiziten verbun- fisch. Tiere können ihr Verhalten mithilfe
den ist, erstaunliche sprachliche Fähigkei- eines zahlenmäßig beschränkten Inventars
ten. Dabei ist noch offen, ob dies auf gleiche von situationsspezifischen Signalen koordi-
Art und Weise wie bei unauffälligen Kin- nieren. Ihrem Kommunikationssystem fehlt
dern geschieht (Clahsen/Almazan 1998). jedoch die Eigenschaft, die das menschliche
Diese Fälle legen auch nahe, dass die Fähig- auszeichnet, nämlich die Möglichkeit zur
keit, sprachliches Wissen zu erwerben, rela- Bildung einer unendlichen Menge unter-
tiv unabhängig von der übrigen kognitiven schiedlicher Mitteilungen auf der Basis einer
Entwicklung ist, d. h. sie sind Evidenz für endlichen Zahl diskreter Elemente. Diese
eine eine modulare Organisation der Eigenschaft erlaubt es dem Menschen, ko-
menschlichen Kognition. operative Problemlösungen zu finden, die
In Bezug auf die perzeptuellen Beein- über biologisch vorprogrammierte hinaus-
trächtigungen zeigt sich, dass der Spracher- gehen. Alle Versuche Primaten Kommuni-
werb blinder Kinder von dem sehender kationsformen beizubringen, die über diese
Kinder nicht wesentlich verschieden ist Eigenschaft verfügen, sind bisher geschei-
(Landau/Gleitman 1985). Und auch der Er- tert (Hauser 2001; Jackendoff 2002). Diese
werb der Gebärdensprache bei gehörlosen Tatsachen legen nahe, dass das Kind von An-
Kindern zeigt weitgehende Gemeinsamkei- fang an keine ,tabula rasa‘, kein unbeschrie-
ten mit dem der gesprochenen Sprache (Leu- benes Blatt ist, das sprachliches Wissen über
ninger 2000). Was die externen Erwerbsbe- generelle, für alle Lerninhalte gleiche beha-
dingungen anbelangt, so scheint etwa der vioristische Reiz-Reaktions-Lernmechanis-
simultane Erwerb mehrerer Sprachen keine men erwirbt, sondern dass es über initiale
größeren Veränderungen im Erwerbsverlauf Fähigkeiten verfügen muss, die den zu beob-
der beteiligten Sprachen gegenüber der mo- achtenden relativ schnellen und fehlerfreien
nolingualen Erwerbssituation mitsichzu- Spracherwerb unter wechselnden Erwerbs-
bringen (Meisel 2001; Tracy 1995). bedingungen möglich machten. Deshalb ist es
Drittens gibt es Hinweise darauf, dass nur plausibel anzunehmen, dass die kognitiven
bis zu einem bestimmten Alter ein sponta- Fähigkeiten des Menschen wenigstens teil-
ner, erfolgreicher Spracherwerb möglich ist, weise modular strukturiert sind, d. h. dass
ebenfalls auf eine genetische Determinie- sie bis zu einem gewissen Grade auf infor-
rung des Erwerbsprozesses hin. Dies zeigen mationsspezifischen Subsystemen beruhen,
unter anderem die Fälle von Kindern, die die sich auf der Basis genetisch determinier-
93. Psycholinguistik 899

ter initialer Fähigkeiten entwickeln. Ein ebenen des Inputs stehen. Das Kind nutzt
zentrales Ziel der Spracherwerbsforschung also beim Spracherwerb die regelhaften Be-
ist es, zu erfassen, worin diese initialen per- ziehungen aus, die zwischen unterschied-
zeptuellen und kognitiven Fähigkeiten be- lichen linguistischen und nichtsprachlichen
stehen, die es dem Kind ermöglichen, die für Komponenten des Inputs bestehen (Weissen-
den Erwerb des grammatischenWissens not- born/Höhle 2001). Ein Beispiel hierfür ist
wendigen Informationen im sprachlichen der detailliert untersuchte Parallelismus
und nicht-sprachlichen Input zu identifizie- zwischen der prosodischen Struktur einer-
ren. Weiterhin muss geklärt werden, wie das seits und der lexikalischen und syntakti-
Kind aufgrund dieser Informationen das schen Struktur andererseits (Jusczyk 1997;
zielsprachliche Wissen aufbaut. Man geht Höhle/Weissenborn 1999). So zeigen etwa
davon aus, dass dem sprachlernenden Kind deutsche und englische Kinder schon im
anfänglich in unterschiedlichem Maße pho- ersten Lebensjahr eine Präferenz für Laut-
netisch-phonologische, konzeptuell-seman- kombinationen, die aus einer betonten An-
tische, morphologisch-syntaktische, sowie fangssilbe und einer unbetonten Folgesilbe
pragmatische Informationen zur Verfügung bestehen. Diese Präferenz ermöglicht es
stehen, die im Spracherwerbsprozess mit- dem Kind, zweisilbige Wörter, wie Katze,
einander interagieren (Hirsh-Pasek /Golin- die die gleiche lautliche Struktur haben, im
koff 1996). Diese Interaktion unterliegt zeit- sprachlichen Input zu erkennen. Das heißt,
lichen Beschränkungen. So muss das Kind schon Säuglinge sind in der Lage, das konti-
als Erstes sprachlich relevante lautliche Ein- nuierliche Sprachsignal aufgrund von Ei-
heiten wie potentielle Morpheme und Wör- genschaften wie Grundfrequenz, Lautstärke
ter im Input identifizieren, bevor es se- und Dauer in potentielle sprachliche Einhei-
mantisch-konzeptuelle Repräsentationen mit ten wie Silben und Wörter zu segmentieren
lautlichen Repräsentationen verbinden, d. h. und wesentliche Strukturmerkmale der Ziel-
lexikalische Bedeutungen aufbauen, und sprache werden schon vor dem Einsetzen
aus dem Mit-einander-Vorkommen sprach- der eigentlichen Sprachproduktion, d. h. im
licher Einheiten die zugrundeliegenden ersten Lebensjahr erworben. Dabei scheint
grammatischen Regeln ableiten kann. Zum die Bedeutung zunächst noch keine erkenn-
Beispiel muss es zunächst über die lautliche bare Rolle zu spielen. Die Sensibilität des
Einheit /bal/ verfügen, bevor es sie mit dem Kindes für die akustischen Eigenschaften
unabhängig entwickelten Begriff BALL ver- des Inputs, verbunden mit sehr effizienten
binden kann. Und um die Einheit /bal/ syn- Mechanismen zu Erkennung von Vorkom-
taktisch kategorisieren zu können, muss es mensmustern sprachlicher Elemente, ist so-
unter anderem auch schon Einheiten wie mit eine der wichtigsten Voraussetzungen
/de:r/ identifiziert haben, um etwa aufgrund für die Identifikation erster sprachlicher
des gemeinsamen Vorkommens von /de:r/ Einheiten und die ihrer Kombination zu-
und /bal/ die Einheit /bal/ als Substantiv zu grundeliegenden Regeln. Vermutlich lassen
klassifizieren. sich charakteristische Eigenschaften des
Vermutlich ist das Kind schon sehr früh Spracherwerbsprozesses, wie die von An-
in der Lage, die Bedeutung einer Äußerung fang an weitgehende Übereinstimmung der
wenigstens teilweise aufgrund bekannter kindlichen Äußerungen mit Strukturen der
Wörter und dem Verständnis der Sprechsi- Erwachsenensprache, auf diese Sensibilität
tuation zu erschließen. Das bedeutet, dass für die phonetisch-phonologische Inputin-
der Input für die Lernmechanismen des formation zurückführen. Die Beobachtung,
Kindes in zunehmendem Maße aus Paaren dass das kindliche Sprachlernen zunächst
von Bedeutungen und Äußerungen (,Laut- vor allem auf distributionelle und häufig-
ketten‘) besteht. Der Lernmechanimus stellt keitsbezogene prosodisch-segmentale, d. h.
dann versuchsweise Verbindungen zwischen lautliche Eigenschaften des Inputs zurück-
den Bedeutungselementen und den zu- zugreifen scheint, legt nahe, dass die ersten
vor identifizierten lautlichen Einheiten des mentalen Repräsentationen und vermutlich
sprachlichen Inputs her. Eine zentrale Funk- auch die ersten Kombinationsregeln für
tion des Sprachlernmechanismus des Kindes sprachliche Einheiten, nicht primär konzep-
ist es somit, aufgrund von perzeptueller In- tuell-semantisch oder pragmatisch motiviert
putinformation Repräsentationen zu bilden, sind. Weiterhin deutet die Beobachtung,
die in einem systematischen Verhältnis zu an- dass, wenn die ersten Wortkombinationen
deren linguistisch relevanten Repräsentations- auftreten, diese in den meisten Fällen mit
900 VI. Neighbouring Disciplines

der Wortstellung der Zielsprache überein- ren von Fehlern des Kindes durch Erwach-
stimmen (Weissenborn 2000), darauf hin, sene Schwierigkeiten machen würde
dass das Kind schon sehr früh Regeln folgt, (Brown/ Hanlon 1970). Somit stellt sich die
die auf generellen Wortklassen beruhen. Frage, wie die dennoch zu beobachtenden
Auch wenn anfänglich bei Verben, die der Übergeneralisierungen in der Kinderspra-
gleichen syntaktischen Klasse angehören, che im Verlaufe der Sprachentwicklung wie-
zunächst nur ein Teil der bei dieser Klasse der eliminiert werden. Unter anderem wurde
möglichen Konstruktionen verwendet wird vorgeschlagen, dass der Lernmechanismus
(Tomasello/ Brooks 1999), schließt dies die des Kindes bewirkt, dass selbstgenerierte
Existenz allgemeiner Verbklassen in der Formen, die mit bestehenden, synonymen
mentalen Grammatik des Kindes nicht aus. Formen der Zielsprache konkurrieren, wie-
Was den nicht-sprachlichen Input an- der aufgegeben werden (Clark 1993; Pinker
belangt, so verfügen schon Säuglinge über 1999). Zu den charakteristischen Abwei-
Repräsentationen für Objekte, Handlungen, chungen von der Erwachsenensprache gehö-
Zeit, Raum, Kausalität, usw., aufgrund de- ren unvollständige Äußerungen. Typisch
rer sie ihn bis zu einem gewissen Grad ana- hierfür ist ein Infinitivsatz wie „maria buch
lysieren können. Inwiefern diese Repräsen- lesen“, der im Kontext unter anderem Maria
tationen das Ergebniss der Interaktion des liest ein Buch bedeuten kann. Äußerungen
Kindes mit seiner Umwelt sind, oder ob es wie diese können durch ein Prinzip der mini-
sich um zumindest teilweise angeborenes malen Struktur erklärt werden. Es gründet
Wissen handelt, ist noch nicht ausreichend sich auf die Beobachtung, dass das Kind an-
geklärt (Kellman/Arterberry 1998). Dass im fänglich Äußerungsstrukturen wählt, deren
kindlichen Erstspracherwerb bestimmte Ab- Produktion den geringsten Aufwand an
weichungen von der Zielsprache praktisch grammatischen Regelanwendungen erfor-
nicht auftreten, obwohl der sprachliche In- dert. So vermeidet das Kind durch die Ver-
put des Kindes aufgrund des Vorkommens wendung des Infinitivs die im deutschen
struktureller Mehrdeutigkeiten zu falschen finiten Hauptsatz obligatorische Realisie-
Generalisierungen Anlass geben könnte, rung der Verbzweitstellung und der Subjekt-
legt weiterhin nahe, dass die Lernmechanis- Verb-Kongruenz, die mit der Wahl einer
men stark kontextgebunden sind. Das heißt, finiten Verbform verbunden ist (Weissenborn
Kinder scheinen aus dem Vorkommen eines 2000). Wichtig ist hier die Beobachtung, dass
sprachlichen Phänomens in einem gegebe- auch die reduzierten Konstruktionen des
nen Kontext nicht so leicht darauf zu schlie- Kindes schon erwachsenensprachlichen Re-
ßen, dass es auch in einem anderen Kontext geln gehorchen: so zeigen die infinitivischen
verwendet werden kann. So finden sich etwa Konstruktionen nahezu ausnahmslos die
im Input des deutschen Kindes sowohl finite Wortfolge (Subjekt) Objekt Verb und nicht
Sätze mit, als auch finite Sätze ohne Sub- (Subjekt) Verb Objekt: „Maria lesen Buch“.
jekt: vgl. „Hans spielt Ball“ gegenüber Das heißt, Abweichungen der Kinderspra-
„spielt Ball“ als Antwort auf die Frage „Was che von der Sprache der Erwachsenen beste-
macht Hans gerade?“. Anders jedoch als im hen vor allem im Auslassen obligatorischer
Italienischen, wo das Subjekt in finiten Sät- Elemente und nicht etwa in der inkorrekten
zen in jeder Position im Satz ausgelassen Verwendung von in der Äußerung realisier-
werden kann, beschränken sich in der deut- ten Elementen (Maratsos 1998). Im Gegen-
schen Kindersprache die Auslassungen des satz zum Erstspracherwerb lassen sich im
Subjektes von Anfang an im Wesentlichen Fremdspracherwerb von Erwachsenen, in-
auf die Kontexte, in denen sie auch in der korrekte Verwendungen vorhandener Ele-
Erwachsenensprache möglich sind (Roeper/ mente, wie Wortstellungsfehler, vgl. z. B.
Weissenborn 1991; Weissenborn 1990a; *Bert sagt, dass Maria liest ein Buch häufi-
1990b; 1992). D.h. das Kind nimmt trotz sei- ger beobachten. Dies deutet auf unterschied-
nes anfänglich sehr häufigen Auslassens von liche Lernprozesse im Erst- und Fremd-
Subjekten in initialer Position in finiten Sät- spracherwerb hin (Weissenborn 2000; zu den
zen keine Verallgemeinerung auf andere Gemeinsamkeiten Klein/Perdue 1997). Das
Kontexte vor. Damit stellt sich für das Kind gelegentliche Auftreten der gleichen Verben
auch nicht das Problem, eine inkorrekte Ver- in finiten Verbzweit-Sätzen (Verrips/ Weis-
allgemeinerung korrigieren zu müssen, was senborn 1992), und die Tatsache, dass Infi-
aufgrund des Fehlens von expliziten, syste- nitivsätze auch dann noch häufig benutzt
matischen, grammatikbezogenen Korrektu- werden, wenn das Kind schon überwiegend
93. Psycholinguistik 901

finite Sätze verwendet, zeigen, dass das an- nes Verb bezeichnet: [Zustand], [Vorgang
fängliche Überwiegen von infinitivischen ohne Endzustand], [Vorgang mit End-
Äußerungen nicht auf fehlendes grammati- zustand], usw. Die anderen Bedeutungs-
sches Wissen des Kindes zurückgeführt wer- komponenten des Verbs, nämlich die Kern-
den kann. Möglicherweise ist das Prinzip bedeutung und die Argumentselektion,
der minimalen Struktur Ausdruck einer noch werden erst später für den Erwerbsprozess
nicht vollzogenen, bei Erwachsenen jedoch aktuell (Schulz/ Wymann/ Penner 2001). Vor
anzunehmenden, die kognitive Belastung allem der Erwerb der Bedeutung von Verben
der Sprachproduktion durch morphosyn- bedarf noch detaillierter Untersuchungen.
taktische Operationen wie Subjekt-Verb- Der Zeitpunkt, wann eine Regel erworben
Kongruenz reduzierenden Automatisierung wird, hängt unter anderem davon ab, wann
grammatischer Prozesse (Friederici 1994; das Kind Zugang zu den Informationen im
Friederici/Penner/Weissenborn 2002). Was Input hat, die es ihm erlauben, das betref-
den Wortschatzerwerb anbelangt, so muss fende Regelwissen aufzubauen. Untersu-
von einer engen Beziehung zwischen kon- chungen zeigen, dass dies von Faktoren wie
zeptueller und lexikalischer Entwicklung der Häufigkeit und der Eindeutigkeit der
ausgegangen werden. Unklar ist noch, in notwendigen Informationen abhängt (Pen-
welcher Form der Erwerb des Vokabulars, ner/Weissenborn 1996).
aber auch der Grammatik selbst wieder die Das stetige quantitative Anwachsen des
konzeptuelle Entwicklung beeinflussen kann sprachlichen Wissens des Kindes wird be-
(Weinert 2000). Allgemein lässt sich bei der sonders im Bereich des Lexikonerwerbs
Bedeutungsentwicklung, wie schon beim deutlich. Wichtige empirische Fragen sind,
Syntaxerwerb, eine frühe Übereinstimmung ob sich dieses Wissen auch qualitativ ver-
mit der Bedeutungsstruktur des Lexikons der ändert, und inwiefern es im Verlauf der
Zielsprache beobachten. Auch im Bereich des Entwicklung mit dem des Erwachsenen
Wortschatzerwerbs geht man davon aus, dass übereinstimmt, oder von ihm abweicht. Im
das Kind bei der Bedeutungszuschreibung zu ersteren Fall spricht man von Kontinui-
einem Wort von bestimmten, möglicherweise tät, im letzteren von Diskontinuität der
angeborenen Präferenzen geleitet wird, die Entwicklung (Weissenborn/Goodluck/Roe-
die gerade zu Anfang des Bedeutungser- per 1992). Die Kontinuitäts- wie die Dis-
werbs aufgrund der erst rudimentären Ana- kontinuitätshypothese stehen im Mittel-
lysefähigkeiten des Kindes besonders hohe punkt intensiver aktueller Forschungen
kontextuelle Mehrdeutigkeit des sprach- (Penner/Weissenborn 1996). Was die eben-
lichen und nichtsprachlichen Inputs ein- falls in diesen Problemkontext gehören-
schränken. So nimmt man z. B. an, dass beim de Frage nach der individuelle Variation
Erwerb der Bedeutung von Nomina diese von Erwerbsverläufen anbelangt, so bedarf
Präferenzen die Aufmerksamkeit des Kindes es hierzu vor allem noch einer grossen
beim Hören des betreffenden Wortes auf Zahl vergleichender Langzeitstudien (Tra-
eine kleine Untermenge von eindeutigen cy 1991). Während unser Verständnis der
Objektmerkmalen (z.B. Objektganzheit oder frühen Phasen der Sprachentwicklung in
Form bei rigiden Objekten) beschränken den letzten Jahren erhebliche Fortschritte
und somit die Referenzmöglichkeiten einen- gemacht hat, ist unsere Kenntnis der späte-
gen. Aufgrund dieser anfänglichen Beschrän- ren Entwicklung, vor allem soweit sie über
kungen entstehen die typischen Übergenera- die deskriptive Erfassung von Erwerbsver-
lisierungen des frühen Wortschatzes wie z.B. läufen hinaus eine Klärung der dabei betei-
„Ball“ als Bezeichnung aller kugelförmigen ligten Erwerbsmechanismen betrifft, noch
Gegenstände. Irreversible, falsche Verallge- sehr lückenhaft. Was letztere anbelangt, ist
meinerungen (wie beispielsweise „Pferd“ für anzunehmen, dass hier der Erwerb von
„Gras“) werden hingegen durch diese Lern- Eigenschaften einzelner lexikalischer Ein-
prinzipien ausgeschlossen (Markman 1994; heiten eine wichtige Rolle spielt. Er ermög-
Bloom 2000). Auch bei dem Erwerb von licht vermutlich dem Kind, die sprachspe-
Verbbedeutungen werden vergleichbare Prä- zifischen Ausprägungen von syntaktischen
ferenzen angenommen. So steht zu Beginn Regularitäten, wie sie etwa durch die Bin-
des Verblexikonerwerbs vermutlich die so dungsprinzipien erfasst werden sollen, die
genannte ,Ereignisstruktur‘ im Mittelpunkt die Verwendung und Interpretation prono-
des Lernprozesses. In diesem Bereich lernt minaler Elemente regulieren, zu determi-
das Kind, welchen Ereignistypus ein gegebe- nieren (Guasti 2002).
902 VI. Neighbouring Disciplines

4. Sprechen und Sprachverstehen chen nicht unbedingt das Sprachsystem mit


betreffen. Diese Annahmen sind nach wie
Sprechen und Sprachverstehen sind Millise- vor forschungsleitend. Überzeugende, prä-
kunden schnelle, komplexe Informations- zise Evidenz liefern neuerdings auch neuro-
umwandlungsvorgänge. Der bewussten Kon- physiologische Untersuchungen. So konnte
trolle sind diese Vorgänge nur auf höheren van Turennout (1997) mittels Messung elek-
Planungsebenen zugänglich. Schon Gold- trischer Hirnpotenziale nachweisen, dass die
mann-Eisler (1968) zeigte, dass sich Pla- Lauterkennung der Genusentscheidung im
nungsaktivitäten, anders als die syntakti- Processing zeitlich nachgeordnet ist. Inde-
sche Komplexität, auf die relative frey/Levelt (2000) gelang durch Aktivie-
Pausenlänge in Äußerungen als Indikator rungsmessungen eine grobe Zuordnung von
für bewusste Eingriffe auswirken. Butter- Hirnarealen der linken Hemisphäre zu ein-
worth (1980) konnte des Weiteren zeigen, zelnen Phasen der Sprachproduktion, von
dass Funktionswörtern, die grammatische der Wahl lexikalischer Mittel bis hin zur Ar-
Relationen ausdrücken, kürzere Pausen vo- tikulation. Dennoch fällt eine eindeutige
rausgehen als Inhaltswörtern, die auch auf Isolierung der Module noch schwer. Das
abstraktere Konzepte referieren können. zeigen nicht zuletzt Sprachstörungen, die
Die Pausenverteilung zeigte aber keinen Zu- zwar im Kern jeweils ein Teilsystem betref-
sammenhang mit der internen Struktur von fen, aber beispielsweise für mündliche und
Sätzen oder Phrasen (vgl. Butterworth 1980, schriftliche Sprachverarbeitung unterschied-
168 f.). Daraus kann geschlossen werden, lich ausfallen können oder nur entweder die
dass die oberflächennahen Prozesse hoch Produktions- oder die Rezeptionsseite be-
automatisiert sind. Dass offenbar unter- treffen (vgl. den Überblick in Dietrich 2002,
schiedlich gut in den Produktionsprozess 235 ff. oder eingehend Blanken/Dittmann/
eingegriffen werden kann, legt nahe, dass er Grimm et al. 1993).
seinerseits aus Teilprozessen besteht, die je-
weils spezifische Information verarbeiten 4.1. Sprechen
und als Output weitergeben. Dieser Gedan- Sprechen ist nicht nur das Resultat eines Ar-
ke wird seit Fodor (1983) unter dem Stich- tikulationsvorgangs, sondern eine Kombi-
wort „Modularitätshypothese“ diskutiert. nation von Prozessen, die sich nach Inhalt
Demnach setzt sich das Sprachproduktions- und nach Nähe zum Artikulationsgeschehen
und auch das Sprachrezeptionssystem aus in drei Gruppen gliedern. Da sind zunächst
autonomen Modulen zusammen, was wie- die sprachfernen Prozesse der Kommunika-
derum zu Vorhersagen über Eigenschaften tionsplanung. Von diesen zu unterscheiden
des Sprachsystems führt, die dieses mit an- sind die sprachnahen Planungsprozesse, die
deren modularen Systemen teilt. Das Makroplanung, die zur kognitiven Reprä-
Sprachsystem arbeitet somit domänenspezi- sentation eines äußerungsgerechten Aus-
fisch, d.h die darin ablaufenden Prozesse schnitts aus dem Sachverhalt führt, dem In-
greifen auf spezifisch sprachliches Wissen put der Mikroplanungsprozesse. Bei der
und nicht auf das übrige Informationsverar- Mikroplanung wird zum ersten Mal auf das
beitungswissen des menschlichen Geistes mentale Lexikon, genauer auf die Konzepte,
zurück. Ferner nimmt das Sprachverarbei- zugegriffen. Das Ergebnis der Mikropla-
tungssystem unverzüglich und zwangsläufig nung ist eine strukturierte, begriffliche Re-
seine Arbeit auf, sobald sprachbezogener präsentation, die Äußerungsbedeutung und
Input vorliegt. Und wie bei den Pausen ihre situationelle Einbettung, zusammen ge-
schon diskutiert, unterliegt das System kei- nommen Message genannt. Diese Message
ner zentralen Kontrolle. Es arbeitet schnell, wird dann als Input von den direkt sprachli-
zumindest wenn man in Rechnung stellt, chen Prozessen verarbeitet. Zunächst erfolgt
wieviele Prozesse von der Veranlassung zur die syntaktische Kodierung, nach deren
Rede bis zur vollständigen Äußerung ablau- Vorgaben die phonologische Kodierung er-
fen. Außerdem wird angenommen, dass die folgt. Am Ende steht ein phonetischer Plan,
einzelnen Module auch als solche neuronal der vom Artikulationssystem umgesetzt
repräsentiert sein sollten. Störungen können wird. Eine empirisch gut bestätigte Annah-
einzelne Module betreffen oder auch das me ist, dass das direkt sprachliche Teilsys-
ganze System. Sie betreffen aber nicht not- tem zeitlich seriell-parallel, gewissermaßen
wendigerweise auch andere kognitive Berei- fließbandartig, arbeitet, wodurch die Äuße-
che, wie auch Störungen in anderen Berei- rung ,stückweise‘ (inkrementell) entsteht. Es
93. Psycholinguistik 903

werden also in jedem Teilsystem des Pro- eine lineare Abfolge gebracht wird. Krite-
duktionsapparates Teilstücke, Inkremente, rien dafür sind bei narrativen Aufgaben die
der zu produzierenden Äußerung bearbei- chronologische Abfolge von Ereignissen, bei
tet. Dies geschieht nacheinander von Teil- anderen, wie etwa Personenbeschreibungen
system zu Teilsystem, also seriell; da aber oder Spielanweisungen eher Schemawissen.
zugleich jedes Teilsystem nach Abgabe eines Ein weiterer Teilprozess der Makroplanung
Inkrements an den ,nächsten Arbeitsplatz‘, ist die Segmentierung in äußerungsgerechte
das nächste Teilsystem, ohne Unterbre- Einzelsachverhalte.
chung das nächste Teilstück aufnimmt und Durch die Mikroplanung werden diese
bearbeitet, arbeiten alle Teilsysteme dau- Segmente auf eine Bedeutungsstruktur aus
ernd: man nennt diese Dynamik seriell-pa- funktionalen, miteinander verbundenen
rallel. Komponenten abgebildet. Typische Kompo-
nenten sind Satzmodusinformation, Moda-
4.1.1. Die Schritte im Einzelnen litätsinformation und Referenzen auf Orte,
Die Kommunikationsplanung ist eine Reak- Zeit(räume), Personen und Objekte und auf
tion auf Veränderungen in gegebenen Si- darüber prädizierte Ereignisse, Zustände
tuationsbedingungen, die eine sprachliche oder Vorgänge (vgl. Dietrich 2002, 135; von
Aktivität erfordern. Eine solche Situations- Stutterheim 1997, 59; zu Makro- und Mi-
veränderung kann etwa die Bitte um eine kroplanung vgl. Levelt 1989, Kap. 4). Wegen
Wegauskunft sein. Daraus ergibt sich für der seriell-parallelen Arbeitsweise des
den Sprecher ein globales Ziel, nämlich die Sprachsystems ist anzunehmen, dass diese
erfolgreiche Beschreibung des gesamten We- propositionale Struktur als Message schon
ges und darin Äußerungsabsichten für jede für jede Äußerungseinheit, und nicht erst
Einzeläußerung. Um das Ziel zu erreichen, nach Bearbeitung der gesamten Aufgabe, an
muss der Sprecher Wissen aus verschiedenen die direkt sprachlichen Prozesse weitergege-
Wissensbeständen aktivieren und außerdem ben wird. Experimentelle Evidenz für diesen
die aktuellen Gesprächsbedingungen, z. B. Ablauf erbrachten Timmermans/Schriefers/
persönlich vs. telefonisch, und das unter- Sprenger et al. (1999). Sie konnten zeigen,
stellte Hörerwissen berücksichtigen. Dieses dass bei starker zeitlicher Versetzung zwi-
Wissen wird während der weiteren Produk- schen Objektpräsentationen die Ereignisse
tion ständig aktualisiert. Eine kompakte um das erste Objekt schon vollständig enko-
Darstellung dieser Vorgänge findet sich in diert werden, so dass schließlich beide Vor-
Clark (1996); einen groben Überblick bietet gänge in separaten, koordinierten Sätzen
dort das erste Kapitel (Clark 1996, 3 ff.). Die ausgedrückt werden, während bei kürzerer
Kommunikationsplanung führt zu einer Versetzung beide Objekte in einer koordi-
abstrakten, gedanklichen, inneren ,kommu- nierten Nominalphrase in einem Satz ausge-
nikativen Aufgabe‘, die die konzeptuelle drückt werden.
Vorbereitung (Makroplanung und Mikro- Das direkt sprachliche, formgebende Teil-
planung) inhaltlich und strukturell ein- system hat die Aufgabe, die Bedeutungs-
schränkt. Durch die Makroplanung wird struktur auf eine syntaktische Stuktur abzu-
festgelegt, welche Informationen unter den bilden, zu kodieren, wie es technisch heißt,
situativen Bedingungen geeignet sind, die und diese dann auf eine phonologische
kommunikative Aufgabe zu lösen und wel- Merkmalkette und diese schließlich auf mo-
che dieser Informationen unmittelbar auf torische Programme zu beziehen, die die Ar-
die Aufgabe bezogen sind. Diese bilden die tikulation steuern. In welcher Reihenfolge
Hauptstruktur. Je nach Diskurstyp und die Bedeutungsbestandteile syntaktisch ko-
Wissensverteilung zwischen Sprecher und diert und dann in die Satzkette eingefügt
Hörer kann es auch Nebenstrukturäußerun- werden, ist bekanntlich von mehreren Fak-
gen, die auch Hintergrundäußerungen ge- toren abhängig. Die bestuntersuchten sind
nannt werden, geben. Aus der kommunikati- einerseits die konzeptinhärenten semanti-
ven Aufgabe leiten sich ferner die Topik- schen Merkmale und Rollen (Agens, Patiens
und die Fokusbedingungen ab: Das heißt, etc., belebt/unbelebt u. a.), aktuelle, kon-
dass zur Beantwortung der kommunikativen textuell bestimmte Merkmale (relativ zum
Aufgabe notwendige Information als Fokus- Diskursstand neu eingeführte vs. bekannte
information gekennzeichnet wird. Dann Information) und andererseits syntaktische
muss entschieden werden, in welcher Rei- Präferenzen wie ,Subjekt voran‘ und die Ba-
henfolge die Information präsentiert, also in siswortstellung der jeweiligen Sprache (SVO,
904 VI. Neighbouring Disciplines

SOV etc.). An der Modellierung dieses Zeit- trisch organisierte Silbenkette muss nun so
ablaufs wird seit Garrett (1980) intensiv ge- aufbereitet sein, dass sie als sog. präartikulato-
arbeitet; vgl. Bock/Loebell/Morey (1992), rische Repräsentation für artikulationsmoto-
Dietrich/van Nice (im Druck) van Nice/Die- rische Prozesse lesbar ist; für die hier invol-
trich (im Druck), Feleki/Branigan (1997), vierten psychomotorischen Prozesse vgl.
Prat-Sala/Branigan (2000), Pickering/Brani- Herrmann/Grabowski (2001). Die schließlich
gan/McLean (2002) und speziell zur Kodie- produzierte, akustisch wahrnehmbare Laut-
rung der syntaktischen Phrase Pechmann kette stellt den Input für das Sprachverste-
(1995). Diskutiert werden zwei Modelle. Ein henssystem dar.
Zwei-Stufen-Modell (Garrett 1980; Bock/
Loebell/Morey 1992) postuliert, dass die 4.2. Sprachverstehen
Message zunächst in eine ungereihte, mobi- Nicht unplausibel wäre die Annahme, dass
le-artige hierarchische syntaktische Struk- das Sprachverstehen einfach der zum Spre-
tur überführt wird (function assignment) chen spiegelbildliche Prozess ist und dass
und diese dann nach rein syntaktischen auch dieselbe kognitive Apparatur benutzt
Prinzipien (Subjekt voran etc.) in eine mor- wird wie beim Sprechen. Dem steht aller-
phosyntaktische Kette. Das damit konkur- dings schon die einfache Beobachtung ent-
rierende Einstufen-Modell (Branigan und gegen, dass man sich beim Sprechen selbst
Mitarbeiter, Dietrich und Mitarbeiter) zuhören kann. Sprachstörungen, die entwe-
postuliert die Möglichkeit eines pipeline- der nur die Produktions- oder nur die Re-
artigen Ablaufs, nach dem die Wortkette we- zeptionsseite betreffen können, lassen den
sentlich durch die Reihenfolge der Verfüg- Schluss zu, dass das Ausmaß der Überlap-
barkeit von konzeptuellen Elementen der pungen eher gering ist (vgl. Harley 2001,
Message direkt bestimmt wird. Nach beiden 395). Vielmehr ist das Sprachverstehenssys-
Modellen liegt als Ergebnis der syntakti- tem ein eigenes kognitives System, das mit
schen Kodierung eine Kette von Wortfor- dem Produktionssystem lediglich das lexi-
men mit Satzstrukturinformation vor, in der kalische Wissen und die Mechanismen der
auch alle Lemmainformationen bezüglich ,hohen‘ konzeptuellen Repräsentationen
Wortart, Argumentstruktur und morpholo- teilt. Ähnlich dem Produktionssystem um-
gischer Merkmale enthalten sind. Dies ist fasst das Verstehenssystem eine Kombinati-
nun der Input für die phonologische Ko- on von in sich geschlossenen Teilsystemen,
dierung. Dazu müssen zunächst die zum die sich nach Inhalt und Nähe zur auditiven
Lemma gehörigen Lexemmerkmale mit In- Wahrnehmung in zwei große und mehrere
formationen über Lautmerkmale und Sil- kleinere Systeme gruppieren, die lexikali-
benstruktur abgerufen werden. Außerdem sche Erkennung mit Lauterkennung und
muss die Intonationskontur der gesamten Worterkennung, sowie das Satzverstehen
Äußerung passend zur Informationsstruk- mit syntaktischem Verstehen und den Proze-
tur festgelegt werden. Das Problem hierbei duren des Bedeutungsverstehens. Die Frage,
ist, dass die Lexeme in anderer Form artiku- ob der Worterkennung prälexikalische Pro-
liert werden als sie im Lexikon gespeichert zesse, die auf Silbenerkennung basieren, vo-
sind. Augenfällig ist das beispielsweise bei rausgehen, ist noch umstritten. Bei der Satz-
der Auslautverhärtung, die bei einigen Fle- erkennung muss die syntaktische Gliederung
xionsformen nicht vorhanden ist, z. B. bei der Äußerungen analysiert werden und
Rand vs. Ränder, sowie bei Assimilations- darauf aufbauend muss ein Verständnis des
prozessen. In diesen Fällen wird die Silben- Inhalts entwickelt werden. Dazu müssen Re-
struktur aufgelöst und umgestaltet, was u. a. ferenzen erkannt werden und ggf. Inferenz-
in Levelt (1989, Kap. 8–10) unter dem Be- ziehung erfolgen.
griff Resilbifizierung diskutiert wird. Eine Die Lauterkennung setzt voraus, dass der
solche Prozedur wäre aber hochkomplex Schallstrom segmentiert wird und dass den
und mit der Schnelligkeit der Artikulation so ermittelten Segmenten mittels Kategori-
nicht gut vereinbar. Neuerdings wird ver- sierung eine Funktion zugewiesen wird. Das
sucht mit der Annahme eines Sprechsilben- klingt einfacher als es ist. Denn einerseits
lexikons zu arbeiten, das Silbifizierungswis- stellt jeder Laut akustisch ein spezifisches
sen im phonologischen Wissen verankert Schwingungsbild dar (vgl. Pompino-Mar-
und das die Lexeminformation metrisch an schall 1995), andererseits unterscheidet sich
die Intonationskontur anpasst (vgl. Levelt/ jedes individuelle Lautvorkommen von an-
Roelofs/Meyer 1999, Abschn. 6.4). Die me- deren durch stimmliche Eigenschaften des
93. Psycholinguistik 905

Sprechers und durch Situationsbedingun- Dies führt allerdings zu einer unökonomisch


gen, z. B. bei einem Telefongespräch, von hohen Zahl an Aktivierungen. Daher liegen
dieser Reinform. Noch unentschieden ist, ob vielleicht Modelle, die prälexikalische Pro-
es ausreicht, wenn eine kritische Merkmals- zesse annehmen, die zwischen Phonem- und
menge vorliegt, ob Hörer den Artikulations- Lexemerkennung geschaltet sind, näher an
prozess unbewusst nachvollziehen, ob ein den Fakten. Danach wird der lautliche In-
Lautereignis immer als Allophon zu einem put zunächst in Silben segmentiert, wobei
gespeicherten Phonem wahrgenommen wird metrische Information u. U. schon vor der
oder ein Mischsystem vorliegt (vgl. Remez Isolation von Phonemen wirksam wird und
1994, 15). Um nun aber Lemmata identifi- dazu verwendet wird, Lemmakandidaten
zieren zu können, also um zur Worterken- einzugrenzen, daher heißt es metrisches Sil-
nung zu kommen, müssen die erkannten benerkennungsmodell (vgl. Cutler / Norris
Phoneme mit Lexemen im lexikalischen 1988; McQueen / Norris / Cutler 1994; zum
Langzeitwissen des Hörers assoziiert wer- Überblick über alle Theorien Cutler 1999).
den. Dieser Prozess, so wird allgemein ange- Sobald alle Lemmata eines Satzes identi-
nommen, beginnt unmittelbar mit der Iden- fiziert sind, liegt dem Sprachverstehenssys-
tifizierung des ersten Phonems, läuft also tem eine linear geordnete Wortfolge vor, die
on-line ab. Dafür spricht neben der Alltags- allerdings immer noch nicht der komplexen
erfahrung, nach der wir nicht das Gefühl ha- Bedeutung der Äußerung entspricht. Um zu
ben, mit dem Verstehen bis zum Ende einer dieser zu gelangen, muss zunächst die syn-
Äußerung zu warten, experimentelle Evi- taktische Struktur der Wortfolge errechnet
denz. Ein klassisches Experiment ist das werden, um die grammatischen Bezüge zwi-
sog. Gating-Experiment. Dabei wird der schen den Äußerungsteilen zu erkennen, be-
Versuchsperson ein Wort ,stückweise‘ prä- vor inhaltliche Relationen erkannt werden
sentiert, in wachsenden Segmenten, und sie können. Die syntaktische Analyse, das Par-
soll es benennen, sobald sie genügend Infor- sing, führt das menschliche Satzanalysesys-
mation hat. Marslen-Wilson/Tyler (1980) tem, der menschliche Parser, durch. Dieser
haben erkannt, dass es für jedes Wort einen benötigt spezifisches, also Syntaxwissen, um
lexikalisch bestimmten Diskriminations- arbeiten zu können. Dieses kann Konstitu-
punkt gibt, ab dem es sich von allen anderen entenstrukturwissen über alle möglichen
Wörtern des Lexikons unterscheidet. Oft- Konstituenten und ihre Kombinatorik in
mals entscheiden sich Versuchspersonen einer Sprache sein. Das scheint aber wenig
aber schon vor der Wahrnehmung dieses plausibel, wenn man beispielsweise den rela-
Punktes für ein Wort. Die Logik dahinter tiv schnellen Erstspracherwerb in Beziehung
scheint die zu sein, dass mit dem ersten Pho- setzt zu den ungefähr tausend Kategorien
nem eine ,Kohorte‘ von lautlich gleich be- und ihren möglichen Kombinationen, die
ginnenden Wörtern aktiviert wird, die Brockhaus (1971, 69) für einen Ausschnitt
schrumpft, je mehr Phoneme wahrgenom- der deutschen Syntax postuliert. Ökonomi-
men werden, und die bei Erreichen des Dis- scher scheint die Annahme von Prinzipien-
kriminationspunktes nur noch ein Element wissen über den Strukturaufbau zu sein, wie
umfasst. Folgeuntersuchungen haben erge- es u. a. im Rahmen der Generativen Gram-
ben, dass Frequenzeffekte die Festlegung matik vorgeschlagen wird (vgl. einführend
auf einen Kandidaten beschleunigen können Grewendorf / Hamm / Sternefeld 1987 / 1999,
(vgl. Marslen-Wilson 1990). Problematisch Kap. IV ). Für das Verständnis der Prozesse
bleibt dabei die korrekte Worterkennung des Sprachverstehens interessant ist aber
beispielsweise bei Assimilationen, bei denen eher der Vorgang des Parsings selbst. Auch
die Lautform u. U. zu keinem passenden hier ist wieder anzunehmen, dass der Pro-
Kandidaten führt. Daher hat Marslen-Wil- zess on-line verläuft und schon mit der ers-
son (1987) postuliert, dass Lemmainforma- ten verwertbaren Einheit beginnt. Evidenz
tion und sogar auch Kontextinformation dafür stammt aus Experimenten und Stu-
zur Lexemerkennung gewissermaßen top- dien zu Problemfällen des Parsings. Diese
down mitaktiviert wird. Im TRACE -Modell liegen bei mehrdeutigen Sätzen und bei den
(McClelland/Elman 1986) wurde diese An- sog. Garden-Path-, zu deutsch Holzweg-
nahme zu einem vollständig interaktiven oder Sackgassensätzen vor. Der Holzweg-
Modell ausgebaut, in dem jedes Phonem in Effekt tritt bei Sätzen auf, die über eine lan-
einem Netzwerk Verbindungen zu jedem ge Anfangskette des Satzes hinweg eine be-
Lemma, in dem es vorkommt, unterhält. stimmte Analyse nahe legen, die sich aber
906 VI. Neighbouring Disciplines

schließlich als falsch herausstellt. Das führt verglichen mit Der Junge sah das Mädchen
zum Zusammenbruch des Parsingvorgangs mit dem Fernglas. In diesen Fällen kommt
oder sogar zur Ablehnung des Satzes als un- Weltwissen ins Spiel, z. B. darüber, dass man
grammatisch. Ein Beispiel ist der Satz Hans mit Hilfe von Blumen nicht mehr sieht oder
versprach Maria im Urlaub keine Zigaretten auch Situationswissen, z. B. wenn im bisheri-
mehr anzuvertrauen (Dietrich 2002, 216). gen Diskursverlauf schon von einem Mäd-
Hier wird zunächst Maria als Argument zu chen mit Fernglas die Rede war. Damit
versprechen analysiert, eine Analyse, die sich wird in einem letzten Schritt des Sprachver-
erst mit dem Auftauchen von anzuvertrauen stehens wieder die konzeptuelle Ebene akti-
als falsch herausstellt. Seit Frazier (1979) viert.
wird angenommen, dass dieser Effekt auf
zwei Arbeitsprinzipien des Parsers beruht:
5. Literatur (in Auswahl)
Minimal Attachment und Late Closure. Ers-
teres besagt, dass die nahe liegendste struk- Auroux, Sylvain/Koerner, Konrad/Niederehe,
turelle Verknüpfung vorgenommen wird Hans J. et al., eds., (2001) History of the Language
und letzteres besagt, dass neu eintreffendes Sciences – Histoire des sciences du langage – Ge-
lexikalisches Material so lange wie möglich schichte der Sprachwissenschaften, Bände 1 und 2,
in die bisherige Analyse integriert wird. Eine Berlin/New York.
weitere Annahme dieses Garden-Path-Mo- Balota, David A. (1994) „Visual word recogniti-
dells der syntaktischen Analyse ist, dass der on: the journey from features to meaning“, in:
Parser in zwei Schritten arbeitet, erst Phra- Handbook of Psycholinguistics, Gernsbacher, M.
sen analysiert und diese dann zu Sätzen A., ed., San Diego, 303–358.
montiert. Ist nun wie oben schon die Analy- Bates, Elizabeth/Vicari, Stefano/Trauner, Doris
se einer Phrase fehlgegangen, kommt es (1999) „Neural mediation of language develop-
auch zu gestörtem Satzzusammenbau. Ein ment: perspectives from lesion studies of infants
alternatives Modell schlagen Tanenhaus/ and children“, in: Neurodevelopmental Disorders,
Tager-Flusberg, H., ed., Cambridge, MA ,
Spivey-Knowlton/Hanna (2000) vor. Hier
533–581.
arbeitet der Parser nicht strikt seriell, son-
dern teilweise parallel, und zwar werden Bertolo, Stefano, ed., (2001) Language Acquisiti-
mögliche alternative Analysen gleichzeitig on and Learnability, Cambridge.
gestartet, wobei die unter den gegebenen Be- Besner, Derek (1990) „Does the reading system
dingungen wahrscheinlichste weiter verfolgt need a lexicon?“, in: Comprehension Processes in
wird. Die Wahrscheinlichkeit errechnet sich Reading, Balota, D.A./Flores d’Arcais, G.B./ Ray-
aus Häufigkeiten von Strukturmustern oder ner, K., eds., Hillsdale, 73–95.
darüber, dass es in einer gegebenen Sprache Blanken, Gerhard/ Dittmann, Jürgen/ Grimm,
wahrscheinlicher ist, dass das Agens an ers- Hannelore et al., eds., (1993) Linguistic Disorders
ter Stelle im Satz steht. Damit erklären sie and Pathologies. An International Handbook, Ber-
den Holzweg-Effekt in dem bekannten eng- lin u. a.
lischen Beispielsatz The horse raced past the Bloom, Paul (2000) How Children Learn the Mea-
barn fell, in dem das Pferd als Agens ver- ning of Words, Cambridge, MA .
standen wird und nicht als Patiens des Ge- Bock, Kathryn/ Loebell, Helga/ Morey, Randal
jagtwerdens. Ihr Modell erklärt auch, wa- (1992) „From Conceptual Roles to Structural Re-
rum der strukturgleiche Satz The landmine lations: Bridging the Syntactic Cleft“, in: Psycho-
buried in the sand exploded keinen Holzweg- logical Review 99 (1), 150–171.
Effekt auslöst. In ihrem interaktiven Modell Brockhaus, Klaus (1971) Automatische Überset-
hat nämlich auch semantische Information zung, Braunschweig.
Einfluss auf Entscheidungen des Parsers, die Brown, Roger/Mc Neill, D. (1966) „The ,Tip of
es in diesem Beispiel wahrscheinlich macht, Tongue‘ Phenomenon“, in: Journal of Verbal
dass die Landmine nicht selbst gegraben hat Learning and Verbal Behavior 5, 325–337.
(Tanenhaus/Spivey-Knowlton/Hanna 2000, Brown, Roger/ Hanlon, Camille (1970) „Deriva-
93). Dass nicht-syntaktische Information tional complexity and order of acquisition in
spätestens nach der erfolgreichen Syntax- child speech“ in: Cognition and the Development
analyse benötigt wird, zeigen mehrdeutige of Language, Hayes, J.R., ed., New York, 11–53.
Sätze, die teilweise spontan als wohlgeformt Butterworth, Brian (1980) „Evidence from pauses
akzeptiert werden, obwohl sie strukturell in speech“, in: Language Production Vol. I: Speech
mehrdeutig sind wie Der Junge sah das Mäd- and Talk, Butterworth, B., ed., New York etc.,
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161–190. ihrer inhaltlichen und sprachlichen Bearbeitung
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wicklung. Linguistische und kognitionspsychologi-
sche Aspekte einer Theorie des Erstspracherwerbs, Rainer Dietrich/Patrick Grommes/
Tübingen. Jürgen Weissenborn, Berlin (Deutschland)
910 VI. Neighbouring Disciplines

94. Sozialgeographie / Human Geography

1. Begriffsentwicklung und -verständnis desrepublik Deutschland, wo er an die Kon-


2. Arbeitsgebiete junktur der Soziologie angekoppelt war und
3. Die Sprache als Untersuchungsobjekt in der blieb. Dass die damalige, aus der verbreite-
Sozialgeographie ten ahistorischen Zeitströmung hervorge-
4. Perspektiven gangene Tendenz, Sozialgeographie als
5. Literatur (in Auswahl) etwas Neues, als Nachkriegsprodukt hinzu-
stellen, den Tatsachen nicht entsprach, hat
1. Begriffsentwicklung und Rössler (1991) aufgezeigt. – In seiner weites-
-verständnis ten Auslegung wird der Begriff Sozialgeo-
graphie verwendet, um die gesamte nicht-
Der Begriff Sozialgeographie tauchte im naturwissenschaftliche Komponente der
Laufe des 19. Jahrhunderts in Frankreich Allgemeinen Geographie zu bezeichnen.
zum ersten Mal in der wissenschaftlichen Dies gilt für die ,sociale geografie‘ der Nie-
Terminologie auf, und zwar in der Sozio- derlande (vgl. de Pater/Sint 1982). In diesem
logie bei Vertretern der Le Play-Schule so- Fall steht Sozialgeographie für die im Deut-
wie bei dem Geographen Elisée Reclus schen üblichen Begriffe Anthropo- oder
(1830–1905) (vgl. Dunbar 1977; Werlen Kulturgeographie oder Geographie des
2000, 40 f.). Die mit dem Begriff verknüpften Menschen. In der Bundesrepublik hat die
Anregungen wurden vereinzelt aufgegriffen, Abwertung der historisch-genetisch ausge-
jedoch nicht zu einem fest umrissenen Kon- richteten Kulturlandschaftsgeographie zeit-
zept ausgebaut. Der Begriff selbst hat im weise dem Hendiadyoin Wirtschafts- und
Laufe der Zeit eine sehr unterschiedliche, Sozialgeographie Auftrieb gegeben, mit dem
sich schon bald auf die Geographie be- eine neue, überlegene Wissenschaftlichkeit
schränkende Verbreitung und inhaltliche demonstriert werden sollte (Bartels 1970;
Ausfüllung erfahren. Dabei machte sich nicht vgl. Wirth 1979, 28). Ein Anspruch auf
nur der Einfluss einzelner Wissenschaftler methodische Erneuerung lag auch der Auf-
und Schulen geltend, auch nationale For- fassung zu Grunde, derzufolge die Sozial-
schungs- und Ausbildungstraditionen sowie geographie „den gemeinsamen gesellschaft-
die jeweilige politisch-ideologische Orientie- lichen Urgrund und Rahmen für die
rung spielten eine Rolle. Ein verbindendes einzelnen Funktionsgruppen (Wirtschaft,
Leitmotiv blieb bis heute die Diskussion des Siedlung, Verkehr usw.) aufzuzeigen“ habe
Verhältnisses zu den Sozialwissenschaften. (Bobek); sie erhalte dadurch eine zentrale
Bereits 1931 beispielsweise formulierte Fried- Bedeutung innerhalb der Anthropogeogra-
rich Metz (1890–1969), der Kulturgeograph phie (Ruppert 1973, 290). Sie ist demnach
werde „nicht so rasch nach Regeln, Gesetz- als Betrachtungs- und Erklärungsweise zu
mäßigkeiten und Verallgemeinerungen stre- charakterisieren, die auf sämtliche Teilge-
ben, wie das nun einmal im Wesen der Sozio- biete der Anthropogeographie angewendet
logie liegt“ (Rezension in Zs. d. Ges. f. Erdk. werden kann (vgl. Ruppert et al. 1987). Eine
zu Berlin 1931, 70). Je nach Selbstverständ- weitere, dritte Möglichkeit ist die, unter So-
nis führt sich die heutige Sozialgeographie zialgeographie lediglich ein Teilgebiet neben
auf verschiedenartige Wurzeln zurück. Zu der Bevölkerungs-, Wirtschafts- oder Sied-
diesen gehören z. B. die ,géographie humai- lungsgeographie zu verstehen (vgl. Wirth
ne‘ des Franzosen Paul Vidal de la Blache 1979, 79). – In den kommunistischen Län-
(1845–1918) und sein Konzept der Lebens- dern verhinderte nach Hottes (1973, 339)
formengruppen (genres de vie), die in Ams- „die Wertung sämtlicher sozialer Prozesse
terdam von Sebald Rudolf Steinmetz als ökonomische Prozesse … ex verbo die
(1862–1940) begründete ,soziographische‘ Entstehung einer Sozialgeographie“; im
Schule oder die auf Robert Ezra Park Rahmen der herrschenden Ökonomischen
(1864–1944) zurückgehende Chicagoer Schu- Geographie seien aber durchaus auch „sozi-
le der ,human ecology‘ (vgl. Thomale 1972; algeographische“ Themen aufgegriffen wor-
Werlen 1995). Der Höhepunkt in der Be- den. Erst nachdem die sowjetische Geogra-
liebtheit des Begriffs Sozialgeographie lag in phie im Zusammenhang mit dem XXIII .
den 60er und 70er Jahren in einigen Ländern Internationalen Geographenkongress, der
des westlichen Europa, darunter der Bun- 1976 in Moskau stattfand, eine gewisse Öff-
94. Sozialgeographie 911

nung eingeleitet und dabei vor allem die So- landschaft, vor allem in ihrer Sonderausfor-
zialgeographie rezipiert hatte (vgl. Stadel- mung als Agrarlandschaft, im Mittelpunkt
bauer 1980, 45), konnte dem Vorbild gefolgt der Forschung, die sich bemühte, die indivi-
werden. So überrascht es nicht, dass Neu- duellen Gegebenheiten zu erfassen und zu
mann/Krönert (1980, 107), Angehörige des erklären. Zu diesem Zweck müssen die Ein-
Instituts für Geographie und Geoökologie zelbestandteile der Kulturlandschaft, z. B.
der Akademie der Wissenschaften der DDR , bestimmte formale Erscheinungen (Orts-
die Ansicht vertraten, die Anerkennung und Flurformen) oder großräumige Er-
und Praktizierung sozialer Aspekte in der schließungsmuster (Städte- und Verkehrs-
geographischen Forschung erforderten netze, landwirtschaftliche Betriebssysteme),
„Überlegungen zur Einordnung sozialgeo- historisch-genetisch eingeordnet und auf die
graphischer Betrachtungsweisen in die Öko- für ihre Entstehung und Fortentwicklung
nomische Geographie und […] längerfristig verantwortlichen Faktoren, zu denen auch
auch die Ausarbeitung einer Konzeption der die gesellschaftlichen zählen, zurückgeführt
,Sozialgeographie‘ auf marxistisch-leninisti- werden. Als Beispiel sei eine Studie (Kuls/
scher Grundlage.“ Dass es dazu gekommen Tisowsky 1961) über das Rhein-Main-Ge-
wäre, ist nicht ersichtlich. Zwar erschien biet angeführt. Dort ließ sich bei landwirt-
zum 40jährigen Jubiläum der DDR eine schaftlichen Spezialkulturen (Feldgemüse-,
neue – und wie sich zeigen sollte, letzte – Obstbau) eine deutliche zentral-periphere
Landeskunde unter der Firmierung „ökono- Zonierung feststellen. Normalerweise sind
mische und soziale Geographie“ (Scherf solche Zonierungen im Sinne des Thü-
1990), aber der damit suggerierte Anspruch nen’schen Modells mit der wachsenden Ent-
wurde nicht eingelöst. Das Unterkapitel fernung vom Markt zu erklären; hier jedoch
„Sozialräumliche Gliederung“ (s. u. 2.3) be- erwies sich die agrarsoziale Sortierung, und
gnügte sich mit einer einzigen Seite (von ca. zwar die wechselnde Bedeutung der Feier-
500). – Der erste, nach der „Wende“ erschie- abendlandwirte, als ausschlaggebend. Dies
nene deutsche Studienführer Geographie heißt zugleich, dass es sich um eine relativ
macht klar, dass derzeit Übersichtlichkeit junge, an eine fortgeschrittene Phase der In-
nicht erwartet werden sollte (Heinritz/ dustrialisierung gebundene Erscheinung
Wiessner 1994, 9–10). Welche Fachvertreter handelte.
Sozialgeographie als einen ihrer „themati-
schen Arbeitsbereiche“ betrachten, ist dem 2.2. Sozialräumliche Wandlungsprozesse
Mitgliederverzeichnis des Verbands der Den Anstoß zu einer Interessenverlagerung,
Geographen an Deutschen Hochschulen zu die über die traditionelle Kulturlandschafts-
entnehmen (Dittmann/Kraas/Schmiedecken forschung hinauswies, gab in den 50er Jahren
1999, 420). Wolfgang Hartke (1908–1997). Er verstand
die Kulturlandschaft als ,Registrierplatte‘ so-
2. Arbeitsgebiete zial gesteuerter Prozesse (vgl. Werlen 2000,
143 ff.). Folglich können bestimmte kultur-
Angesichts der Vielzahl von Ansätzen und landschaftliche Erscheinungen Indikatoren
Interpretationen können die folgenden Aus- für gesellschaftliche Veränderungen darstel-
führungen nicht mehr als eine grobe Orien- len, die in ihrem raum-zeitlichen Ablauf an-
tierungshilfe bieten. Sie berücksichtigen die derweitig nicht oder nur schwer nachweisbar
wichtigsten seit dem 2. Weltkrieg festzustel- sind. Das Auftreten von Brachflächen in der
lenden Arbeitsgebiete der Sozialgeographie Agrarlandschaft zum Beispiel kann sozial be-
im engeren Sinne. Als bibliographisches dingt sein und zeigt in diesem Fall den Über-
Hilfsmittel ist die Bibliographie Géographi- gang vom Arbeiterbauerntum zur reinen au-
que Internationale (zuletzt 107, 2002) zu ßerlandwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit an.
nennen, die ab 82, 1977 Géographie sociale/ Hartke hat diese Erscheinung als Sozialbra-
Social geography als Unterkategorie von che bezeichnet; im Nachhinein hat sie sich als
Géographie Humaine ausweist. vorübergehend herausgestellt. Sie trat nicht
überall gleichzeitig und vor allem nicht in
2.1. Soziale Faktoren in der gleicher Intensität auf. Ein Raum, der bei
Kulturlandschaft wichtigen sozialen Wandlungsprozessen (wie
Unter Kulturlandschaft ist ein von mensch- dem oben erwähnten) eine einheitliche Ten-
lichen Gesellschaften gestalteter Erdraum denz aufweist, galt nach Hartke als ,Raum
zu verstehen. Lange Zeit stand die Kultur- gleichen sozialgeographischen Verhaltens‘.
912 VI. Neighbouring Disciplines

Das Problem der Mehrdeutigkeit kultur- chen. Die Mehrzahl der Gliederungen
landschaftlicher Erscheinungen wurde me- bezieht sich allerdings auf vergleichsweise
thodisch dadurch bewältigt, dass die Kartie- kleine Raumausschnitte und beruht auf ad-
rung dieser Erscheinungen, also z. B. der ministrativen Gebietseinteilungen, vorzugs-
Brachflächen, mit einer parzellengenauen weise den Gemeinden (soziale Gemeinde-
Besitzkartierung nach agrarsozialen (oder typisierungen). Da viele Großstädte ein
generellen sozialen) Kategorien kombiniert kleinteiliges Mosaik von statistischen Zähl-
wurde. Erst die vergleichende Auswertung bezirken aufweisen, hat sich die Forschung,
ergibt eine sichere Beurteilungsgrundlage. begünstigt durch den EDV-Einsatz, bevor-
Der mit diesem Verfahren verbundene hohe zugt dieser Raumkategorie zugewandt, zu-
Aufwand schränkt den Indikatorenansatz mal sie hier an klassische Modelle der städ-
auf räumliche Einheiten in der Größenord- tischen Raumstruktur anknüpfen konnte.
nung von Gemarkungen ein (vgl. Dege Der Aussagewert der Gliederungen hängt
1982). Der Identifizierung von ,Räumen weitgehend davon ab, was die amtliche Sta-
gleichen sozialgeographischen Verhaltens‘ tistik an Daten bereitstellt. Da sie soziale
waren daher enge Grenzen gesetzt. Seitdem Gruppenzugehörigkeiten und Verhaltens-
Datenschutz praktiziert wird, sind entspre- weisen nicht direkt erfassen kann, muss mit
chende Analysen zusätzlich erschwert. – Die Hilfsgrößen (z. B. Stellung im Beruf, Aus-
Brücke zu einer großräumigen Perspektive bildungsniveau) oder Merkmalskombina-
bietet die Innovationsforschung, die sich mit tionen operiert werden. Als Beispiele für
Regelhaftigkeiten bei der Ausbreitung (Dif- unterschiedliche Methoden seien die Dar-
fusion) von Neuerungen befasst. Sie ist auf stellungen von Braun (1968) für Hamburg,
zeitlich gestaffelte und räumlich fixierte Da- De Lannoy (1978) und Kesteloot (1980) für
ten angewiesen, d. h. sie muss wissen, wann Brüssel oder Pacione (1998) für Rom ange-
und wo eine Neuerung angenommen wor- führt. – Möglichkeiten einer sozialgeogra-
den ist. Sofern geeignetes Material verfüg- phischen Auswertung bieten auch die Resul-
bar ist, lassen sich, wie Bartels (1968) an- tate politischer Wahlen. Mit ihrer Hilfe
hand der Aufbruchentschlüsse türkischer ermittelte z. B. Ganser (1966) für München
Gastarbeiter aus der Region Izmir zeigen eine Gliederung, die Kategorien wie ,Mobi-
konnte, Rückschlüsse auf soziale Wand- lität‘, ,soziale Integration‘ oder ,soziale Ni-
lungsprozesse ziehen. vellierung‘ heranzieht. – Eine Sonderform
der sozialräumlichen Gliederung stellen Un-
2.3. Sozialräumliche Gliederung tersuchungen dar, die sich mit dem Phänom
Den oben skizzierten Ansatz ordnete Hartke der sozialen bzw. ethnischen Segregation
einer traditionellen Aufgabe der Geogra- auseinandersetzen (vgl. Lichtenberger 1998
phie, nämlich ,der beschreibenden und a, 239 ff.; Rudolph/Lentz 1999).
erklärenden Gliederung der Welt‘, zu. Zu
sehen ist dies vor dem Hintergrund wieder- 2.4. Gruppenspezifische
holter Bemühungen des Faches um Raum- Funktions-Standort-Systeme
gliederungen, denen wirtschaftliche Krite- In den 60er Jahren trat die heute so genann-
rien zugrunde lagen (wirtschaftsräumliche te Münchner Schule mit einem Konzept
Gliederungen) und die sinnvollerweise um auf den Plan, das einen damals bestimmen-
solche mit sozialer Dimension zu ergänzen den Aspekt der städtebaulichen Diskussion
waren. Anders als bei dem Nachweis einzel- reflektierte, nämlich die Forderung nach
ner sozialräumlicher Prozesse kommt es hier räumlicher Trennung der städtischen ,Funk-
darauf an, bestehende Differenzierungen tionen‘ Wohnen, Arbeiten und sich Erholen.
flächendeckend zu erfassen. Dies kann auf Es wahrte zugleich die Nähe zu den An-
verschiedenen Maßstabsebenen und sowohl schauungen der sogenannten funktionalen
quantifizierend als auch nicht-quantifizie- Phase der Anthropogeographie (vgl. Maier/
rend erfolgen. Eine vielbeachtete nicht- Paesler/Ruppert u. a. 1977, 16–20, 23; Wer-
quantifizierende Gliederung im Weltmaß- len 1995, 517 f.), insofern nach den Funktio-
stab hat Hans Bobek (1903–1990) vorgelegt nen selbst und den mit ihnen zusammenhän-
(1959). Er unterschied dabei mehrere gesell- genden ,verorteten Einrichtungen‘ nunmehr
schaftliche Entfaltungsstufen, die von der deren Träger in den Vordergrund traten.
Wildbeuterstufe bis zur Stufe des produkti- Das Münchner Konzept hat zumindest in
ven Kapitalismus, der industriellen Gesell- der (alten) Bundesrepublik viel Anklang ge-
schaft und des jüngeren Städtewesens rei- funden und wurde nicht selten mit der Sozi-
94. Sozialgeographie 913

algeographie schlechthin gleichgesetzt. Ihm Kaufkraft. Es gibt Gruppen, die einen aus-
war auch das erste deutschsprachige Lehr- gedehnten räumlichen Aktionsradius ha-
buch der Sozialgeographie verpflichtet (Mai- ben, während andere innerhalb eines sehr
er/Paesler/Ruppert u. a. 1977). Die Autoren engen Areals agieren und zudem wenig zur
definierten ihren Gegenstand als „die Wis- Entstehung oder Aufrechterhaltung eines
senschaft von den räumlichen Organisati- differenzierten Warenangebots beitragen.
onsformen und raumbildenden Prozessen Jede Gruppe prägt somit die Einzelhandels-
der Daseinsfunktionen menschlicher Grup- standorte, wenn auch selten in reiner Form,
pen und Gesellschaften“ (a.a.O. 1977, 21). da sie in der Regel von verschiedenen Grup-
Mit ,Daseinsgrundfunktionen‘ (anfangs pen in Anspruch genommen werden. Das
Grunddaseinsfunktionen) sind die einzelnen Beispiel verdeutlicht zugleich, was mit grup-
menschlichen Daseinsäußerungen gemeint: penspezifischen Funktions-Standort-Syste-
,in Gemeinschaft leben‘, ,wohnen‘, ,arbei- men gemeint ist.
ten‘, ,sich versorgen‘, ,sich bilden‘ und ,sich
erholen‘, d. h. Aktivitäten, „die allen sozia- 2.5. Wahrnehmung und Bewertung
len Schichten immanent, massenstatistisch räumlicher Gegebenheiten
erfaßbar, räumlich und zeitlich meßbar sind Die gruppenspezifische Reichweite wird ge-
und sich raumwirksam ausprägen“ (a.a.O., filtert durch die jeweilige Wahrnehmung und
100). Jeder der Grundfunktionen wird eine Bewertung der räumlichen Gegebenheiten.
eigene Arbeitsrichtung zugeordnet, also eine Gehandelt wird auf diese Weise nur inner-
Geographie des Konsum-, Bildungs- oder halb eines bestimmten Informationsfeldes
Freizeitverhaltens. Obwohl betont wird, es (Wirth 1979, 206 ff.). In jüngster Zeit hat sich
gebe keine ,Hierarchie der Grundfunktionen‘, die Forschung zunehmend Fragen zuge-
sind die Forschungserträge im Einzelnen un- wandt, die sich aus diesem Umstand erge-
terschiedlich hoch. Profilieren konnte sich ben. Das Ziel ist zunächst die empirische
die Münchner Schule hauptsächlich mit „Erfassung der Signale und Symbole, die
Studien zur ,Geographie der Freizeitstand- direkt oder indirekt auf die Informationen
orte und des Freizeitverhaltens‘ (vgl. dazu des Individuums einwirken“ (Hagel/Maier/
Hagel/Maier/ Schliephake 1982, 160–273). – Schliephake 1982, 23). Dazu stehen verschie-
Das raumwirksame Verhalten wird in seinen dene Techniken zur Verfügung, unter denen
gruppenspezifischen Ausprägungen unter- Mental-Map-Analysen, Bildserien-Tests und
sucht. Dabei gilt als ,sozialgeographische semantische Profile hervorzuheben sind. Sie
Verhaltensgruppe‘ eine Anzahl von Men- vermitteln einen Eindruck von dem Vorstel-
schen, die sich ,in einer vergleichbaren so- lungsbild (Image), das sich bei den befrag-
zialen Lage‘ befinden und „infolgedessen ten Individuen oder Personengruppen über
Verhaltensweisen entwickeln, die vergleich- Räume bzw. Raumausschnitte entwickelt hat
bare Einflüsse auf räumliche Prozesse und (vgl. Klüter 1994). Als Beispiel sei eine empi-
Strukturen ausüben“ (Maier/Paesler/Rup- rische Untersuchung über Ostfriesland (Da-
pert u. a. 1977, 50). Diese Bestimmung wirft nielzyk/Krüger/Schäfer 1995) genannt.
Fragen auf, und zwar erstens, wie lassen sich
Gruppen von Menschen in vergleichbarer 2.6. Räumliche Konzentrationen sozialer
sozialer Lage identifizieren (bzw. für speziel- Probleme und Konflikte
le Untersuchungszwecke isolieren), zwei- In den 70er Jahren verstärkte sich besonders
tens, mit wie vielen derartigen Gruppen ist in der nordamerikanischen und britischen
in den einzelnen Raumkategorien (z. B. Geographie der Trend, sozialräumliche Mus-
Großstadt, Dorf) zu rechnen, und drittens, ter nicht nur zu erfassen und zu erklären (vgl.
bedingt die vergleichbare soziale Lage tat- 2.3.), sondern auch kritisch hinterfragen zu
sächlich eine vergleichbare Raumwirksam- wollen. Darin zeigt sich ein verändertes, nor-
keit? Diese Fragen sind bis heute nicht matives Wissenschaftsverständnis, das da-
befriedigend geklärt. – Unterscheidungs- rauf angelegt ist, „to try and help produce a
merkmal zwischen den ,sozialgeographi- fairer, more just society, a society which allo-
schen‘ Gruppen ist ihre Reaktions- oder cates scarce resources on a more equitable ba-
Reichweite, d. h. die effektive Distanzüber- sis“ (Jones/Eyles 1979, 221f.). Praktisch äu-
windung und Prägekraft. Für die Versor- ßerte sich dieses Bemühen um eine gerechtere
gungsfunktion zum Beispiel bedeutet das: Gesellschaft in Untersuchungen, die beste-
die Wegstrecke, die zum Einkaufen üblicher- hende bzw. als solche bewertete sozialräum-
weise zurückgelegt wird, und die verfügbare liche Ungerechtigkeiten oder – neutral aus-
914 VI. Neighbouring Disciplines

gedrückt – räumliche Disparitäten in den 247–253) ist sie neben der Religion eines der
Lebensbedingungen aufdecken (vgl. Johns- wichtigsten Kriterien für den Vorgang der
ton/Gregory/Smith 1994, 562f.). Das geläu- kulturellen Differenzierung der Erde. Er
figste Verfahren ist dabei die Berechnung so- bringt u. a. ein Schema der Hauptfaktoren,
genannter Sozialindikatoren nach dem die zu linguistischen Veränderungen führen.
Vorbild der Sozialwissenschaften (vgl. Thie- Vor allem in landeskundlichen Arbeiten
me 1985). Daneben ist die Kartierung von sind sprachliche Raummuster zu verschiede-
Konfliktfällen und -potentialen zu erwäh- nen Zwecken herangezogen worden (vgl.
nen. Der Optimismus der Anfangsphase Hard 1966, 62). Ein breiteres eigenständiges
scheint, was die Veränderbarkeit räumlicher Forschungsgebiet hat sich daraus jedoch
Strukturen angeht, inzwischen einer nüchter- nicht entwickelt, trotz nachdrücklicher Auf-
nen Betrachtungsweise gewichen zu sein. Sie forderungen, die Ansätze systematisch aus-
wird bekräftigt durch die Erkenntnis, dass zubauen. So sah Hard (1966, 64) in der Me-
sich räumliche Disparitäten oft über längere thode der Mundartforschung „ein eigentlich
Zeiträume und verschiedenartige politische unentbehrliches Instrument der Sozialgeo-
Systeme hinweg als persistent erweisen. graphie […], ein Instrument, das sie sehr zu
ihrem Schaden vernachlässigt“. Er meinte,
2.7. Sozialgeographie „alltäglicher keines der seinerzeit gebräuchlichen physio-
Regionalisierungen“ gnomischen und statistischen Kriterien be-
In den 1980er und 1990er Jahren trat Benno sitze „die Empfindlichkeit, die Vielseitigkeit
Werlen (*1952) mit mehreren Veröffentli- und den indikatorischen Wert dieses sprach-
chungen (1995; 1995–98; 1997; 2000) in Er- lichen Reagens“ (a.a.O., 65). – Die Arbeiten
scheinung, in denen er das „alltägliche Geo- der Münchner Schule (vgl. 2.4.) sind unter
graphie-Machen“ (Begriff von Anthony diesem Aspekt unergiebig. Bei deren Fixie-
Giddens) thematisiert. Dieses soll die So- rung auf Funktions-Standort-Systeme
zialgeographie auf wissenschaftliche Wei- könnte die Sprache am ehesten einen Platz
se untersuchen. Die handlungstheoretische unter dem Thema Verkehrs- und Kommuni-
Konzeption definiert als Ziel die Herstel- kationsverhalten finden. Nach Maier/Paes-
lung, Nutzung und Bedeutungskonstitution ler/Ruppert u. a. (1977, 30) stand allerdings
räumlicher Bedingungen (Werlen 1995, gerade dieses Thema noch ganz in den An-
Abb.3). Dem Ziel kann auf verschiedenen fängen, und bezeichnenderweise fehlt bei
Maßstabsebenen (lokal, regional, global) den Nachbarwissenschaften, von denen Ele-
nachgegangen werden. Gerade bei den zu mente und Erkenntnisse einbezogen werden
ermittelnden „Einbettungen in globale müssten, die Linguistik. Dennoch ist mitt-
Handlungszusammenhänge“ seien die han- lerweile ein Zugewinn nicht von der Hand
delnden Subjekte auch „mit jenen Folgen zu weisen, so etwa, wenn unter dem Titel
ihres Tuns zu konfrontieren, die sich außer- „Territorialität auf dem Mikromaßstab“ –
halb ihres unmittelbaren Erfahrungsbe- es handelt sich um die Fallstudie eines
reichs äußern“ (a.a.O., 520). Inwieweit sich Zweitwohnsitz-Komplexes in Schweden –
die handlungstheoretische Neuorientierung soziolinguistische „Grenzen“ thematisiert
sozialgeographischer Forschung, wie sie werden (Geipel 1989). – Aus dem Blickwin-
Werlen propagiert, längerfristig durchsetzen kel der Theoretischen Geographie wusste
kann, muß sich erweisen. Eugen Wirth Eugen Wirth (1979, 192–196) die Sprach-
(1998, 61) beispielsweise äußerte sich in dem und Mundartforschung, die sich mit kultu-
Sinne, dass beim Bemühen um Erklärung rellen Ausgleichsvorgängen und Entmi-
kulturgeographischer Sachverhalte Hand- schungsprozessen befasst, zu würdigen. Er
lungstheorie durchaus zum „Königsweg“ entdeckte in ihr einen Ausgangspunkt, ,der
werden könne. zu weiteren fruchtbaren Fragen anregen
kann‘. Zu denken wäre an die Auswertung
linguistischer Forschungsergebnisse unter
3. Die Sprache als dem Aspekt des Informations-, Kontakt- und
Untersuchungsobjekt in der Interaktionsfeldes gesellschaftlicher Grup-
Sozialgeographie pen (vgl. Wirth 1979, 206–228). Entspre-
chende Studien entstanden besonders in
Als raumrelevantes gesellschaftliches Phä- Großbritannien, wo Withers (1984) für
nomen findet die Sprache in der Geographie Schottland in diachronischer Betrachtung
durchaus Beachtung. Für Haggett (1979, über einen Zeitraum von knapp 300 Jahren
94. Sozialgeographie 915

hinweg auf parish-Ebene den Rückgang des Welt“. Eine Untersuchung zum Verhältnis von All-
Gälischen verfolgte, oder Aitchison/Carter tag, Kultur und Politik im regionalen Maßstab, Ol-
(1999) die Verhältnisse in Wales behandel- denburg.
ten. Dege, Eckart (1982) Filsen. Bodennutzung und
Träger der Bodennutzung 1870/79 und 1965, Köln.
4. Perspektiven De Lannoy, Walter (1978) Sociaalgeografische At-
las van Brussel – Hoofdstad l Atlas socio-géographi-
Sozialgeographie, wie immer verstanden, que de Bruxelles-Capitale, Antwerpen/Amsterdam.
hat heute im universitären Lehrbetrieb und de Pater, Ben/Sint, Marjanne, eds., (1982) Rond-
bis in die Höheren Schulen hinein einen fes- gang door de sociale geografie, Groningen/Ams-
ten Platz; daran wird sich wohl nicht so terdam.
rasch etwas ändern. In der theorieorientier- Dittmann, Andreas/Kraas, Frauke/Schmiedecken,
ten Forschung hingegen herrscht zur Zeit, Wolfgang, eds., (1999) Wer ist wo? Geographinnen
von Einzelvorstößen abgesehen (vgl. 2.7), und Geographen an Universitäten, Hochschulen und
eher Zurückhaltung. Der Erfolg der Münch- Forschungseinrichtungen in Deutschland, Österreich
und der Schweiz, Bonn. Neuauflage, Dittmann,
ner Schule (vgl. 2.4), auch wenn er letztlich Andreas (2002).
einem „Siegeszug ins Abseits“ (Heinritz
1998) gleichkam, scheint noch immer dämp- Dunbar, Gary S. (1977) „Some early occurrences
of the term ,Social Geography‘“, in: Scottish Geo-
fend nachzuwirken. So befindet sich unter graphical Magazine 93, 15–20.
den zahlreichen Arbeitskreisen der Deut-
schen Gesellschaft für Geographie, der Deut- Ganser, Karl (1966) Sozialgeographische Gliede-
rung der Stadt München aufgrund der Verhaltens-
schen Akademie für Landeskunde, des Deut- weisen der Bevölkerung bei politischen Wahlen,
schen Verbands für Angewandte Geographie Kallmünz/Regensburg.
sowie im Bereich der Hochschulgeographie
Geipel, Robert (1989) „Territorialität auf dem
keiner, der ausdrücklich als sozialgeogra- Mikromaßstab“, in: Münchener Geogr. Hefte 62,
phisch deklariert wäre (Dittmann/Kraas/ 111–129.
Schmiedecken 1999, 432–443). Dennoch sind
Hagel, Jürgen/Maier, Jörg/Schliephake, Konrad
mancherlei weiterführende Ansätze festzu- (Bearb.) (1982) Sozial- und Wirtschaftsgeographie
stellen. So beschäftigt sich Elisabeth Lichten- 2. Einführung in die Sozialgeographie, Verkehrsgeo-
berger (1998b) mit der sehr lohnenden Auf- graphie, Freizeitstandorte und Freizeitverhalten,
gabe, die Sozialgeographie in die boomende Raumordnung und Landesentwicklung, München.
Stadtökologie einzubauen. Nicht zuletzt wird Haggett, Peter (1972/1979) Geography. A Modern
jenseits aller Grundsatzdiskussionen ein Be- Synthesis, 3. Aufl., New York/Hagerstown/Phila-
darf an Untersuchungen fortbestehen, die delphia/San Francisco/London.
sich ganz pragmatisch und mit bewährten Hard, Gerhard (1966) Zur Mundartgeographie. Er-
Methoden der vielfältigen regionalen Proble- gebnisse, Methoden, Perspektiven, Düsseldorf.
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916 VI. Neighbouring Disciplines

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95. Research Policy 917

VII. Sociolinguistic Methodology


VII. Soziolinguistische Methodologie
95. Research Policy / Forschungspolitik
1. Introduction stage (for some examples in connection with
2. Sociological models of research processes linguistics, see Sampson 1980). This doesn’t
3. Morals and autonomy mean that we have come to a postmodern
4. Institutional framework disillusionment about the connections bet-
5. Two case studies ween social history and research history;
6. Conclusion the case of sociolinguistics is a good ex-
7. Literature (selected) ample of a branch of science whose inaugur-
ation and original blossoming was sup-
1. Introduction ported by a clearly perceived, and also real,
need for knowledge about language use in
When an earlier version of this article was society, especially in connection with foreign
written for the first Edition of the Handbuch and post-colonial policy, the management of
Soziolinguistik, the author still felt it was social unrest and the planning of more effi-
necessary to argue that scholarly research cient education. Although one could not say
practices had to be understood on the back- that sociolinguistics was born out of an ex-
ground of societal demands that it was sup- plicit research policy, sociolinguistics has in
posed to serve. Although this view was its early decennia clearly benefitted from
hardly new, even in linguistics (the Norwe- such policies.
gian linguist Hans Vogt hat already argued Already in the 1980’s it was very difficult
for this in 1935, cf. Vogt 1973), it had got a to find clear statements of formulated re-
new momentum in many publications in the search policy for sociolinguistics. This could
1970’s and 1980’s, as witnessed by some of in part be explained by the difference be-
the references in the earlier article, as those tween natural science on the one hand (es-
to Kjolseth (1971), Bratt Paulston (1971), pecially ‘big science’, for which those state-
Newmeyer/Emonds (1971), Eisenberg/Haber- ments can be found, cf. Bush 1945), and the
land (1972), the introduction in Simon social sciences or even the humanities.
(1975), Dittmar (1975), contributions in Bol- Cherns (1974, 13) claimed that in the West-
inger et al. (1976) and Wunderlich (1976), ern countries, no formulated research pol-
Haberland/Skutnabb-Kangas (1981, reprinted icies for social sciences existed at that time.
1996), contributions in Finke (1983), Phillip- Such policies only existed in the socialist
son/Skutnabb-Kangas (1985) and Hujanen countries, since they simply had policies
and Peura (1983). for everything. If one could talk about so-
By now it is commonplace that knowl- ciolinguistic research policy at all, one had
edge is a social and socially produced phe- to refer to the fact that policies are not ex-
nomenon. It is equally commonplace – as it clusive to governments. Among those or-
was not for many people twenty years ago – ganisations which have shown an interest in
that there is no deterministic relationship sociolinguistics and which follow an explicit
between the need of a society for particular or implicit policy of supporting socioling-
knowledge and the actual knowledge pro- uistic research could be singled out inter-
duced, which could be channelled through national (usually USA -based) organizations
what we might term the ‘research policy’ of like the philanthropical foundations (Fox
governments and other agents. All too often 1975a; 1975b; Fisher 1982). To mention one
governments and others have not seen the example, the Ford Foundation in particular
light and failed to commission research that showed a keen interest in the development of
might have proven extremely useful at a later sociolinguistics. At that time, it was necess-
918 VII. Sociolinguistic Methodology

ary to broaden the scope of ‘research policy’ 2. Sociological models of research


by referring to all external factors relevant processes
for the formulation of research aims in so-
ciolinguistics. “The man who pays the fiddler calls the tune” –
In the meantime, things have become even old American saying, quoted after Bowen (1975,
more difficult. This can in part be explained 15).
by the general post-Cold War tendency to
abolish grand-scale government policies Sociologists of science (both professional
even for ‘big science’, as claimed by Fuller ones, and researchers reflecting on their
(2000). But especially for sociolinguistics, practice) differ in their attitude to ‘external
the central issues that could justify even factors’. There are those who hold that
lukewarm government support and that so- tracking down the source of research funds
ciolinguistics could offer a help in solving will lead to establishing who has an interest
(minority education planning, social crisis in what kind of research. Thus said Wunder-
management, linguistic integration of mi- lich, “We already have part of the answer to
grant workers and immigrants, as well as the question ‘Who has what interest in this
post-colonial language policy), are not at kind of science?’ when we have discovered
the very core of sociolinguistic research any the sources of financial support for a par-
more, at least not with a direct focus on ap- ticular institute.” (1979, § 1.4) or, even more
plication. The occasional flaring up of lan- radically, Dittmar referring to the research
guage-related conflicts (like in the ‘Ebonics’ reported in Labov (1972), “essential parts of
debate of 1996/7, cf. Pullum 1997) is rather Labov’s investigations were financially sup-
the exception than the rule and has not had ported by governmental institutions. It is
any impact on mainstream sociolinguistic clear that such support was given in order to
research comparable to the impact of similar resolve urgent social problems. These sociol-
issues in the 1960’s and 1970’s. Even the inguistic studies are then, obviously enough,
European Science Foundation, which earlier social crisis management.” (1975, 260)
organised research in the sociolinguistics of On the other hand, one can like Sampson
migration, has not continued this support. in his critique of Wunderlich, maintain that
Not that these problems do not exist any- “though material motives play some part in
more, but sociolinguistics is not any more – influencing academic life, they are only one
inside or outside the discipline – considered class of factors and often not the most im-
as a provider of basic research for solving portant. The purely intellectual pleasure of
these problems. There is, of course, and exploring new and rich structures of ideas is
maybe paradoxically, no lack of socially re- itself a powerful motive, and one which
sponsible sociolinguists that address prob- often succeeds in attracting a share of a so-
lems with societal relevance: I only want to ciety’s resources in competition rather than
mention the work on Critical Discourse collaboration with material motives.” (1980,
Analysis by Fairclough, Wodak, van Dijk 168)
and many others, the work of Phillipson and The two competing positions have been
Skutnabb-Kangas on language rights (Skut- described as externalism and internalism,
nabb-Kangas/Phillipson eds. 1994; Skut- where externalism stresses the influences on
nabb-Kangas 2000) and the engagement for the research process from outside, whereas
endangered languages (e.g. Robins/Uhlen- internalism stresses its intrinsic determi-
beck 1991; Haberland 1999). None of this nation. (In the form represented by Samp-
can be called the outcome of an explicit re- son, internalism is compatible with an at-
search policy, though, although research on tack on the sociology of knowledge and thus
endangered languages has got some UN- apparently on sociological models of the re-
ESCO support now. search enterprise in general. What Sampson
In view of this changed situation since the sets up against the proponents of the sociol-
1980’s, I have changed this new version of ogy of knowledge is a sociological model of
the handbook article only slightly, not mak- research in itself.) – Externalism comes in
ing any attempt to bringing it up to date, in two variants. Strong externalism claims that
recognition of the fact that the original ar- social factors influence the cognitive struc-
ticle not only dealt with the period of time it ture of a science. Weak externalism claims
was written in, but also was an obvious only that social factors influence the choice
product of its own historical context. between the options open to researchers at
95. Research Policy 919

any given point (Schäfer 1978, 384). An- the pains taken by sociological writers to
other question then is where the available state otherwise. By now this particular battle
options come from. The theory of finaliz- has been fought too many times that it is
ation of science (Böhme/van den Daele/ pointless to do more than reiterate: socio-
Krohn 1976; Schroyer 1984) claims that at a logical accounts have no bearing upon what-
certain stage of the development of a par- ever evaluations one may wish to put upon
ticular science even these options come from science.” (Shapin 1982, 187)
the outside, so the apparently scholarly Talking about internal factors, one can
choices now have become essentially politi- turn one’s interest to the group dynamic pro-
cal ones. But this stage is only reached as a cesses within the researchers’ own group.
final phase in the development of science, (See Jernudd 1983 for an analysis of this
after earlier phases first of Darwinist (or kind for language planners.) Darnell (1969),
chance) production of choices and then of and, following her, Murray (1983) consider
‘normal’, or ‘paradigmatic’ science. When the stage of ‘professionalization’, i.e. the re-
this model of developmental dynamics is ap- searchers’ group becoming independent
plied to linguistics, linguistics is usually clas- from the “judgment of outsiders”, as the
sified as ‘preparadigmatic’ and is therefore true hallmark of mature science. For them,
not considered a ‘post-paradigmatic’ disci- statements like the one by Dittmar (1975)
pline to which alternatives or options are quoted above, if accepted, would imply that
presented from outside (Lang 1976). But so- sociolinguistics still has the status of a ‘gov-
ciolinguistics being a social science, Berger’s ernment science’, like anthropology in the
remark about social sciences in general United States up to Franz Boas. In this view,
applies equally to sociolinguistics: “Social ‘external’ and ‘internal determination’ are
scientists typically provide three rather dif- not alternative views of research processes,
ferent kinds of assistance to policy-makers: but successive historical stages. Murray’s
knowledge, legitimation, and partisanship” central concept is that of ‘group formation’,
(Berger 1980, 3). and he is concerned with establishing these
Externalism meets with a number of groups’ “autonomy from judgement by non-
problems. One of them is that it often is professionals” which he considers “a prin-
identified with a theory of external determi- ciple [sic!] component of professionaliz-
nation, i.e. what Shapin (1982) calls the ‘co- ation” (1983, 397). To put it very bluntly: the
ërcive model’. In this form, externalism is fact that Gumperz, Bright, Ferguson and
offensive to the feelings of many researchers some other linguists met in India, at the
who do not feel ‘determined’: this model Deccan College in Poona, some time in the
“portrays the role of the social and of socio- 1950’s, where they were “confronted with
logical explanation in unpalatable normative linguistic diversity even within villages”
light: as if it were said that ‘no rational per- (1983, 234), and acted as catalysts for the de-
son would ever allow himself to be socially velopment of each other’s ideas, is more im-
determined.’” (1982, 195) This leads to an- portant to Murray than what brought them
other problem: externalist analyses are often there and who supported their activities in
interpreted as if they implied moral criticism India. A statement like the following by
of researchers who do not maintain their au- Bright takes on for Murray (1983, 235) the
tonomy. status not just of an anecdote, but of central
“One traditional source of difficulty in evidence:
sustaining a sociological approach to scien- “South Asia was an area where the phe-
tific knowledge comes from the view that the nomena of language contact and linguistic
power and validity attributed to science is area were impossible to ignore […]. And it
guaranteed by its freedom from ‘social in- was also an area where the sociolinguistic
fluences’. In this account social consider- phenomena of language variation were im-
ations can only work to corrupt proper possible to ignore. One day in 1956, in
science; the scholar convinced of the value Poona, a conversation with John Gumperz
of science and concerned to defend it from inspired me to explore the role of those so-
attack must therefore take great care before ciolinguistic phenomena in language his-
showing the presence of social interests in tory.” (Bright 1976, 271)
scientific activity. Writers in this tradition One should not forget, though (as has
tend to read sociological accounts of scien- been pointed out by Shapin (1982) and Sö-
tific knowledge as aspersions, however great derqvist (1986)), that ‘internal’ factors are
920 VII. Sociolinguistic Methodology

as ‘social’ or ‘material’ as ‘external’ factors; 3. Morals and autonomy


that is, to reject or relativize externalism
does not mean to reject social models, or to Although research ethics clearly is an issue
deny that ‘interests’ are factors that deter- that deserves discussion (cf. art. 97), the is-
mine the research process. Söderqvist could sues discussed here have often been blurred
show for the development of ecology in by being considered moral issues, and quite
Sweden that the researchers’ interest in rec- mistakenly so. Pointing out that somebody
ognition both within their academic en- did research while working for this or that
vironment and vis-à-vis the funding institu- government agency (especially when De-
tions can be as powerful a factor in partments of Defence, as they are called, are
determining the direction in which a science involved) can be interpreted as criticism,
develops as the demands made on this and may very often be intended as such. But
science from those funding institutions. if one is to interpret it as criticism, one has
Those institutions not only ‘buy’ researchers to presuppose that research should not be in-
to solve their problems; researchers have volved with any extraneous agents or fac-
also offered themselves as those who can tors. Pointing out such connections is only a
solve the problems identified by the funding criticism per se, if the very assumption is
institutions, and part of their academic made beforehand that scientific truth is ab-
work consists in convincing the external solute, and not dependent on any external
world that they have something to offer. factors (where this assumption is not to be
Science is as much a seller’s as a buyer’s considered as an empirical observation, but
market. One should compare CAL director rather as a normative claim). Naturally, such
Troike’s (1976) complaint about the lack of an autonomy is illusory. This does, of
job opportunities for linguists in the then course, not mean that there are no moral
just started bilingual programs in US, with questions connected with research, es-
Cawson’s pronouncedly critical evaluation pecially not in sociolinguistics. The sociol-
of the role of linguists and educationalists inguist faces a moral dilemma, but this di-
in the promotion of TEFL (1975, 405–407). lemma is not the choice between pure,
Troike points out that linguists are not in- disinterested truth-seeking, and custom-
volved in bilingual education as much as one made investigations ‘on demand’, but rather
should expect: the one described by Bratt Paulston (1971),
“The United States is almost alone namely between investigations that might
among countries with bilingual programs – support long-term visions, and a kind of ‘so-
including such places as Mexico, Peru, cial bricolage’ which might or might not
India, the Philippines, and Zaire – in not help on short terms, but which inevitably
recognizing the importance of linguistics in will be conservative in the sense that it will
bilingual education, and in not utilizing lin- help in perpetuating the existing social and
guists in key policymaking, materials devel- political structures. A possible consequence
opment, teacher training, and evaluation ef- of the postulate of scholarly autonomy is
forts.” (Troike 1976, 2) that the assumption of external determining
Cawson (1975) essentially states that lin- factors implies the attribution of ‘wicked-
guists had come into the field of language ness’ to a group of people (governments,
teaching in the US in the 1940s at a point foundations, other funders of research).
when educators had little to offer. After this, This kind of wickedness is assumed to thrive
linguists continued to identify any problem in an atmosphere of clandestine conspiracy,
area as a basically linguistic one, whereas but the interesting – and for many people
educators persisted in ignoring language. quite surprising – fact is that most would-be
For Cawson as a representative of a funding conspirators talk quite openly about their
agency (the Ford Foundation), struggling interests and how they are going to channel
for funds by way of claiming problem areas them into research programs. – The idea that
as falling within one’s own domain appears research should be autonomous is probably
little helpful to the furthering of aims more typical for European scholars, and can be
general than the promotion of professional partly explained in terms of how the ‘repu-
employment. tational system’ (Whitley 1982) for research
organisation works in Europe. The same
problem does not usually exist for North
Americans, who against the background of a
95. Research Policy 921

considerably different system of research or- ‘ordering’ the results of the research.
ganisation and financing discuss matters Allowing a certain measure of freedom of
about research policy very openly. This action and control on the part of the re-
makes it possible, for example, for the Ford searchers themselves, even at the cost of fi-
Foundation to state its research policy in a nancing mutually contradictory results,
way that Europeans rather would expect might even make good sense. Between 1965
from ‘opting-out’ left wing critics. – One and 1969, the Ford Foundation funded
should not forget that ‘autonomy’ of the re- Basil Bernstein’s research unit in London
searcher is not a recognised value in some with US$ 21.6620 (Fox 1975a, 33). While
societies. After a trip to the People’s Repub- thus supporting ‘deficit hypothesis’ re-
lic of China, Ferguson reported to his search, the very same Foundation also gave
American colleagues about a country where huge grants to the Center for Applied Lin-
needs defined, and priorities set by society guistics in the United States which was host
are implemented directly in the research to so many ‘difference hypothesis’ research
process, projects. This is a contradiction only for
“I found myself in a society in which the those who imagine that research funding by
only use of linguistics is to ‘serve the people’ non-university agents is motivated by the
[…]. In fact, language research is so appli- need for results immediately useful to the
cation oriented that linguistics as a scholarly funder.
discipline or body of theory seems not to
exist in the People’s Republic.” (Ferguson 4. Institutional framework
1975, 3)
In Western societies, the question is how Most academic research in most countries is
much and what kind of autonomy the re- still carried out within universities. Depend-
search scholar has. That there is a relative ing on the model for university research
autonomy of some kind, is not denied by planning and funding which is standard in
anybody. One has also to keep in mind that the several countries, this implies varying
the desire to paint the lack of autonomy of degrees of dependence on extramural guid-
the researcher in too dark colours can be an ance and pressure. In the classical (Prussian)
attempt to evade the responsibility of the model, which represents one extreme, all
scholar (by claiming that everything is deter- research within the universities is state-
mined by external, ‘objective’ factors any- funded, but the internal distribution is the
way). People like Sampson seem to insist exclusive privilege of those who have at-
that developments in research are non-pre- tained a certain position in the reputational
dictable, since they only depend on the whim system acknowledged by the state in the
of the researcher. People like Murray and form of a professorship (Whitley 1982).
Darnell are mainly interested in the group- University-based and university-funded re-
internal processes and the point where these search is the type of research that is under
processes become independent of external least control from outside. To a certain de-
domination. Still others like the ‘finalists’ gree, universities can formulate their own re-
argue that only ‘mature’ disciplines such as search policies, although they often enough
physics can be subjected to external control choose not to do so. University research can
and that linguistics is too immature to be often be residual research where research in-
more than an amateurs’ playground (Lang). terests hibernate as soon as public interest in
This might be true of ‘theoretical lin- some research topics has faltered. In almost
guistics’, but hardly applies to socioling- all countries of the world where it has exist-
uistics. In the 1970s, this was pointed out ed, this type of completely self-controlled re-
several times in connection with the econ- search administration is being more and
omic motivation of much sociolinguistic re- more reduced. – Alternative models occur
search, namely where it is associated with where one or more of the constitutive fea-
the problem of “qualification and dequalifi- tures of the classical model vary: In many
cation” (to borrow a phrase from Lenders/ countries, universities, or some universities
Mazeland/van Nieuwstadt (1978)). But one are not state-funded, but privately owned to
would have to subscribe to conspiracy-the- some degree. This does not seem to affect re-
ory ideas about the machinations of a ‘sur- search policies significantly, since the inter-
plus value gang’ in order to believe that re- ests represented among the trustees or in the
search funding means ‘buying’ or even governing bodies of the universities usually
922 VII. Sociolinguistic Methodology

do not differ radically from those repre- versity research, it could take on other re-
sented in government. – In many cases, re- sponsibilities (see below and Shuy 1979). In
search is carried out in Academies of the CAL , both state funding and support
Science and similar national or supra- through foundations like the Ford Foun-
national state-funded institutes. Since these dation have always been significant. This
institutions are not committed to the unity model was sometimes quoted as being par-
of teaching and research, their programs, ticularly well suited for “emergency re-
budgets etc. can be changed more easily and search” (Shuy 1979), as in connection with
are therefore subject to more control from the language problems of Cuban (in the
non-academic instances. Therefore, at least 1960s) and Indochinese (in the 1970s) refu-
in theory, they can be used to implement or gees in the USA . – Research can be carried
prepare policies to a higher degree than uni- out at universities but still be funded by
versity research. This model has been chosen sources outside the ordinary budget of the
increasingly in Western Europe, and is to be institution. Sources can be non-university
found elsewhere, and was firmly established state finds, or private funds like the Rock-
in the socialist countries (for a survey of the efeller Foundation (anthropology), Ford
PR China in the 1970’s, cf. Lehmann 1975). Foundation (sociolinguistics), Carnegie Cor-
A country which has a central research insti- poration (anthropology, bilingualism), Volk-
tute which does much sociolinguistic work is swagenstiftung (sociolinguistics). The fund-
Japan with its National Language Research ing history of the British Linguistic
Institute (Watanuki 1984). India has both its Minorities Project (Couillaud et al. 1985)
Central Institute for English (and, since can be used as an illustration here: although
1972 Foreign Languages), Hyderabad, es- the project was based at a university, fund-
tablished by the Indian government in 1958 ing sources of the project itself and associ-
in order to improve the teaching of English ated projects included the British Depart-
in India, and the Central Institute of Indian ment of Education and Science, the (then)
Languages (Mysore) established in 1969 by EEC, and the British Social Sciences
the Indian government for teachers’ training Research Council (Linguistic Minorities
in regional Indian languages. Both Indian Project 1984, 365). – In the United States,
institutes have in their history received government agencies interested in socioling-
money from the Ford Foundation and other uistic research results supported socioling-
sources, but maintain that they have been uistic research at universities like the Office
able to keep their independence from both of Education of the Department of Health,
state and sponsor interference. Literacy re- Education and Welfare (until 1979), fol-
search (Jalaluddin 1983) is done in State Re- lowed by the Department of Education cre-
source Centers in adult education like the ated by the Carter administration, as did re-
“Literacy House” in Lucknow, Uttar Pra- search councils and similar institutions (in
desh. – A variant on the state-funded, non- the US, the National Science Foundation, cf.
university research model is found where re- Schaffter 1977; cf. also National Academy
search is not carried out directly in state in- of Sciences 1964). Joint financing was a
stitutions but in nominally independent model found in many countries; in 1967,
agencies like the Center for Applied Lin- when a Bilingualism Center was started at
guistics (CAL ) in Washington, D.C., USA . Laval University in Québec (Canada), it was
These are neither universities (and have funded partly by the Ford Foundation,
therefore no teaching commitments), nor partly by the university itself; and partly by
government research institutes, although other sources (Mackey (1967, 3)). – A still
their budgets are partly state-supplied, different model was later developed in
which means that there is a possibility of Sweden, where the term sektorforskning
state influence not so much on single re- (‘sector research’) is applied to research or-
search projects, but on the general level and ganised by a government department either
range of research commissioned. The Center through its own research institutes (as is the
for Applied Linguistics was set up in 1959 case in the defense ‘sector’), or the tradi-
on the initiative of the Ford Foundation in tional research agencies (like universities).
order to coordinate research and develop- The idea is to separate pure research from
ment activities concerned with the Teaching sektorforskning whose “results have to be
of English as a Foreign Language (TEFL ). suitable to serve as a basis for the measures
Later on, due to its independence from uni- of authorities or various organizations”
95. Research Policy 923

(Royal Commission on Immigration, ap- anthropological training for officials and for
pointed in 1968, quoted in Peura 1988). missionaries.” (1984, 58) Even though many
In the autonomous university model, es- ‘native’ peoples have become independent
pecially under a strictly hierarchical univer- since, the anthropological (and socioling-
sity system, principal researchers and dis- uistic) research deemed necessary for their
tributors of research funds are ideally welfare by external agents is still paid for,
identical, which minimises the need for an and conducted by, those very external
explicit formulation of an (external) re- agents. – So the ‘subjects’ of research mostly
search policy, at least as different from the appear as its ‘objects’. This applies to the
formulation of (internal) research strategy, countries of the centre as much as it applies
and even for actual decisions about the to the periphery. Fox (1979, 4) talks about
placement of funds. This does not apply to the “racial disturbances of the 1960’s” as
the other models, where policies emerge motivating factors behind linguistic re-
more clearly, either through formulated pol- search in minority languages and dialects.
icies or through the actual placement of What he refers to are the racial conflicts in
money: as soon as research funds appear or the United States which, among others, cul-
disappear, one can be sure that somebody minated in the events at Watts in 1968. Here
will be commenting on this fact. the minorities of the United States are only
Within these different institutional visible as ‘outsiders’ causing ‘troubles’. It is
frameworks, sociolinguistics is placed in dif- mainstream society, upset by the unrest,
ferent sub-departments, varying from “lin- which commissions research in order to
guistics”, via “language policy”, “language forestall future troubles; those who pro-
planning”, “language in education” (this the tested are not seen as people who could
title of a Ford Foundation publication, Fox order research themselves in order to re-
1975 a), to special terms like gengo seikatsu, move the reasons for their protest.
“language life”, coined by Sibata for the sur-
veys of the (Japanese) National Language 5. Two case studies
Research Institute at the end of the 1940s
(Sibata 1951; 1983). In a country like North Although much and important socioling-
Korea (Mou 1984, 171), linguistics as a uistic work has been done in many other
whole is identified with “language plan- countries (e.g. in Western Europe the re-
ning” and placed as part of the social search occasioned by the language problems
sciences. The status of linguistics in the of migrant workers and their children),
People’s Republic of China is similar. Much some of the main theoretical developments
linguistic research there is concerned with in sociolinguistics have been started in the
implementing the policy of proliferation of United States. It is therefore not too much
putonghua (since 1956) and, on a lesser scale, beside the point to look at two particular
of the pinyin writing system (since 1958) cases where social problems have triggered
(Barnes 1983), and with language planning off research initiatives.
for minority languages (Coulmas/Thümmel/
Wunderlich 1981). – One has also to take 5.1. Case I: sociolinguistics and the global
into account that many countries lack insti- national interest of the USA
tutions which could formulate, or even im- It is interesting that the United States of
plement, a sociolinguistic research policy. America, which very often invokes the con-
Many Third World countries, although in- cept of ‘the national interest’, obviously
dependent in name, are still dependent on does not seem to see anything crude or ob-
help from external agents for research. In jectionable in the fact that pursuing this
the case of sociolinguistics, these are often national interest very often implies extensive
missionaries (Gilliam 1984). The situation activities abroad. The term ‘sociolinguistics’
which is described by Encel (1984) for the can be traced back to the end of the 1940s,
Pacific region in the 1920’s has not changed and it makes sense to reconstruct the devel-
that much. At that time, “the second Pacific opment of the discipline internally (see, e. g.
Science Congress, held in Australia, strongly Neustupný 1975). Still there is an alternative
urged the Australian Federal Government account of the history of sociolinguistics,
to develop anthropology. The congress re- suggested by an official historian of the in-
solved that governments responsible for the volvement of the Ford Foundation in lin-
welfare of ‘native’ peoples should support guistic research in the USA , namely that so-
924 VII. Sociolinguistic Methodology

ciolinguistics came into being as an answer dominant position of English as a world lan-
to certain needs having become obvious in guage was to be maintained, a position
the pursuit of the ‘national interest’ of the which was not only in the interest of Great
USA . According to Cawson (1975), sociol- Britain, but also of the United States. Brit-
inguistics really got off the ground as a spin- ain had earlier used American experiences
off of the activities of the Center for Applied with the blacks of the South in the develop-
Linguistics: “In 1963–64 the bibliographical ment of her own colonial policy in Africa,
resources of the CAL were used to prepare partly with help from the Rockefeller Foun-
for the full-scale seminar at Bloomington, dation (Cawson 1975, 408–410; Fisher 1977;
Indiana. Seventeen linguists and sociol- 1982); one of the recommendations of the
ogists met daily for 8 weeks … It may be an Phelps-Stokes report (Jones 1922; 1925) was
over simplification to say this meeting cre- to ‘restrict’ the role of English in the col-
ated Sociolinguistics. It was certainty the onies to the powerful role of a second lan-
first full-length exploration of the field. It guage and to boost the local vernaculars in
got off to a slow start, but when it finished, primary education: basically an apartheid
the outlines of a new discipline had become policy. The Phelps-Stokes recommendations
apparent, and a theoretical base had been were adopted in 1925 as the basis of colonial
established for field operations that were to education policy in a White Paper of the
influence language work for a decade or British Government, and a Department of
more” (1975, 449). Colonial Education was established within
The first time sociolinguistics came into the London Institute of Education. (On the
the picture within the activities of the CAL role of anthropology in British colonial
was in connection with the Survey of Second politics in general, see Forde 1953.) After
Language Teaching in Asia, Africa, and the Second World War, American resources
Latin America conducted by the Center in could help to continue where the British had
the period December 1959 to March 1961. left off.
As an unsigned notice in the Linguistic Re-
porter states, “In carrying out the survey, the 5.2. Case II : sociolinguistics and the
Center repeatedly found that one of the American disadvantaged
most serious gaps in available information In the 1960s, the problem of integrating eth-
was the ‘language situation’ in a given nic minorities in the USA became urgent;
country or area. This includes not only basic and soon two different, but related lin-
crude data, such as what languages are guistic problems were identified in connec-
spoken where and by how many people in a tion with it: that of bilingual subcultures,
given area, but also information on the use and that of speakers of non-standard dia-
of different languages and dialects, on the lects. As to the first, Charles Hockett had
content and functions of multilingualism, stated already in 1959: “There are millions
and the attitudes of speakers toward their of American citizens who speak Spanish
own language and toward other languages, natively. There are at least ten thousands
on the linguistic channels of communication who speak Italian. There are a good many
throughout the society and on the corre- who know Japanese. Our traditional melt-
lation of linguistic factors with other aspects ing pot has tended to conceal this from us.
of society” (anon. 1962, 6). We need, I suspect, to turn the fire off under
The identification of a lack of knowledge that pot; to modify our national character
about what here is called the “language situ- just enough that we glory in our heterogen-
ation” as a major obstacle for a survey of the eous cultural heritage instead of rendering
state of the teaching of second languages second and third generation hyphenated
lead to the instigation of sociolinguistic sur- Americans always just a bit ashamed of
veys in the countries concerned; in the fol- their backgrounds. A million dollars spent
lowing years the Ford Foundation funded in furthering the economic and social wel-
sociolinguistic surveys in five African coun- fare of our Puerto Rican citizens – not in
tries (see Whiteley 1972; 1974; Ohanessian/ ‘Americanizing’ them, but in promoting
Ferguson/Polomé 1975). The original inter- their participation in collective national life
est in the role of second languages around without losing their own heritage – would
the world goes back to the period of the serve the national interest more than the
break-up of the British Empire, when it was same amount spent in improving the teach-
obvious that new ways had to be found if the ing of Spanish” (1959, 6).
95. Research Policy 925

As to the second, J. L. Dillard commented required by federal law to take positive ac-
in 1966 on the CAL’s Urban Language tion to help children who do not speak Eng-
Study whose immediate application was lish”. This was the outcome of the Lau vs.
“the development of teaching materials in a Nichols case brought against the San Fran-
‘Standard English’ for speakers – predomi- cisco schools on behalf of the city’s Chinese
nantly Blacks of a low socio-economic stra- children (cf. anon. 1974). Immediately after,
tum – of disadvantaging varieties of Eng- the Center for Applied Linguistics was asked
lish” (Twaddell 1975, 443), to implement the new policy. Again, this
“It seems fortunate that such a study was meant more development work than basic
conceived, on partly independent grounds, research. A high level of interest in socioling-
at about the time that the educational and uistic research even from government agen-
social problems of these Negroes began to cies was maintained, until the Reagan ad-
assume importance to the nation as a whole. ministration’s cutbacks in 1981/82 started to
Members of the Urban Language Study hit the bilingual programs, mostly as a con-
staff do not, of course, think that language is sequence of severe cutdowns in the whole
the only key to the solution of these prob- sector of Education. The question is what
lems; they do think, however, that it is an im- made these cuts possible. ‘Public opinion’ is
portant key, and perhaps the one most ac- sometimes given great weight here; cf. the
cessible” (Dillard 1966, 1). discussion about an article in the New York
So it was again the Center for Applied Times in November 1976, where fears were
Linguistics that organized research in these articulated that bilingual programs might
areas, helped with substantial contributions create ‘divisiveness’ in the US along ethnic
from the Ford Foundation and from the lines (comparable to Québec nationalism)
Carnegie Corporation. But other institu- (Fishman 1977) – a discussion that is still
tions soon took over (Shuy 1969). In 1967, going on. Still, what is articulated in news-
Joshua Fishman, whose book on language paper articles only reflects attitudes towards
loyalty in the US had been published in research, and towards policies supposed to
1966, received the largest single grant under be based on research, that have their roots in
the National Defense Education Act for his more basic developments in a society.
study of bilingualism among Puerto Ricans
in the mainland United States. In 1968, The 6. Conclusion
Bureau of Indian Affairs of the US Depart- The curious fact cannot be escaped that lan-
ment of the Interior commissioned CAL re- guage planning has existed for a long time,
search which resulted in a publication on the long before sociolinguistics came into the
problems of teaching English to American picture. Language policy does not have to
Indians (Ohanessian 1968). Also in 1968, presuppose linguistic research, not to men-
the US Congress passed the Bilingual Edu- tion a language research policy. This is
cation Act and recognized “the special edu- rather the way sociolinguists would like to
cational needs of the large numbers of have it: that language policy should be scien-
children of limited English-speaking ability tifically based. There is no particular evi-
in the United States.” “Congress declared it dence that politicians take research results
to be the policy of the United States to pro- particularly seriously; researchers are often
vide financial assistance to local educatio- in the position that the expertise they can
nal agencies to develop and carry out new provide is called upon when it fits the politics
and imaginative elementary and secondary decided upon on independent grounds, and
school programs designed to meet these dismissed as ‘utopian’, ‘unrealistic’ or ‘irrel-
special educational needs.” (Molina 1973) In evant’ if it does not. So it seems that the real
the following years, a number of projects battlefield is not so much research, but the
were started to implement this policy. It is im- area where experts really are indispensible:
portant to note though that direct funding of the preparation of teaching materials, the de-
projects (e.g. through the Department of velopment of teaching programs, and the ac-
Health, Education and Welfare, or its suc- tual teaching. This fits in nicely with the im-
cessor (from 1979), the Department of Edu- pression given by even a superficial analysis
cation) concentrated heavily on development of the money spent in the US for bilingual
rather than basic research. programs etc., namely that much more
In January 1974, the Supreme Court of money is spent on ‘development’ than on
the US ruled that “public school systems are hardcore ‘research’.
926 VII. Sociolinguistic Methodology

In some cases, sociolinguistic problems sociolinguist’s dilemma has often been that
are purely functional and therefore only lin- the actual funding of research rather had
guistic problems. As Mackey (1983, 193) to go through group (a)’s channels than
suggests, “American traditional tolerance through group (b), which rarely has suffi-
toward language minorities has always been cient funds even to support research that
more pragmatic than legalistic. If Spanish could identify which problems are language-
safety signs on aircraft might actually save related and which are not.
lives, why not install them?” In 1989, I ventured the prediction that the
This is hardly the whole story. Very often, following areas of potential language con-
sociolinguistic problems are social problems flict will be defined as so important that so-
in the first place, with a language problem ciolinguistic research will be considered
accompanying it, ensuing or being at the necessary, or helpful, in order to avoid open
root of it. In these cases, it is often a ques- social conflicts:
tion of who identifies social and political In the center countries, bilingual and dig-
problems as language problems and who de- lossic situations will continue to be perceiv-
cides that sociolinguists can help solving ed as potentially disintegrating. There is a
them. Basically, three groups can be in- certain tendency today to encourage diver-
volved in this decision: sity (cf. National Heritage Project in Cana-
(a) Mainstream society and its agents da, Linguistic Minorities Project in Great
(from government institutions to philan- Britain), rather than to call for ‘compensa-
thropical foundations), i.e. those concerned tory’ linguistic integration. This applies at
with the ‘troubles’ that may be caused by least to those countries which have recog-
language-connected problems, nised their minorities as groups which are
(b) those affected by the problems and there to stay. Relatively fast shifts of politi-
their agents (trade unions, minority organiz- cal attitudes are not to be excluded, though,
ations etc.), and especially if governments eager to restrain
(c) sociolinguistic researchers. their budgets can eye a possibility to save a
The question as to how far groups (a) and penny here or there by cutting down on re-
(b) are different is, of course, a question of search funds.
the degree of antagonism between the rel- In the periphery countries, a lot of survey-
evant groups in a given society. In the case of ing has still to be done. The centers have
international language problems, group (a) ample funds for supporting English lan-
corresponds most closely to ‘motherland’ or guage teaching and similar activities, but no
‘center’ countries, and group (b) to ‘pe- clear idea of which research policy to pursue
riphery’, ‘colony’ or ‘dependent’ countries. – (apart from the fact that some rearguard
It is obvious that group (c) is the one that fighting goes on about which is ‘world lan-
is most likely to identify a social problem as guage #2’). The open question is whether to
a language problem. It depends on the de- push English not just as a language of wider
gree of rationalism one attributes to institu- contact between countries, but also within
tions of group (a) whether one takes the fact multilingual countries. Some scholars in
that a problem has been defined as a lin- Third World countries feel that multilingual
guistic problem by them as proof that it and multicultural development only can
really is one. The amount of money spent by gain from using English as a second lan-
group (a) agents on sociolinguistic research guage in limited internal use (Afolayan
has in the past been taken as a proof that the 1984). Others point out that while the pro-
problems attacked by this research are basi- cess of ‘retribalization’ triggered off by the
cally language problems; it could also be a resurgence of ethnic minority nationalism
measure of the degree of desperation in may have positive effects in First World
group (a) agents and of the ability of sociol- Countries, it can come into conflict “with
inguists to sell themselves, and it looks by the process of detribalization as a prerequi-
now as if both this desperation and the abil- site for national unity in Third World coun-
ity of sociolinguists to sell themselves have tries” (Srivastava 1983, 99). Whatever lan-
decreased significantly in the last decades of guage policy a country chooses will of
the 20th Century. Group (c) people have oc- course also have effects on its language re-
casionally associated themselves with group search policy. – In countries like the former
(b) in order to turn their research from ‘af- USSR , the People’s Republic of China and
firmative’ into ‘emancipatory’ research; the India, which define themselves as multilin-
95. Research Policy 927

gual, a lot of practical problems have to be Acknowledgement


solved and are being worked on; changes in The first version of this article benefitted in
policies vis-à-vis the different languages will 1988 from discussions with Margaret Ma-
of course affect the research being done, but lone, Markku Peura, Robert Phillipson,
apparently only in the long term. – Smaller Tove Skutnabb-Kangas, Thomas Söder-
Third World countries have so few resources qvist, and Thomas W. Webb.
of their own all the research they can afford
is too little anyway; they will for some time
be dependent on foreign (center) scholars 7. Literature (selected)
looking for a topic for a thesis or other aca- [anon.] (1962) “New Center study treats the role
demic kudos. These expatriate researchers of second languages”, in: The Linguistic Reporter
have often been suspected of exclusively pur- 4(5), 6.
suing their own private interests (cf. an ar-
[anon.] (1974) “Supreme Court rules in Lau vs.
ticle in the Nairobi Sunday Post of July 9 Nichols case”, in: The Linguistic Reporter 16 (3),
1972 quoted by Bowen 1975, 26), and it is 6–7.
not sure at all whether the ‘subjects’ benefit
from this kind of research at all. Fur- Afolayan, Adebisi (1984) “The English language
in Nigerian education as an agent of proper multi-
thermore, it is doubtful whether much of lingual and multicultural development”, in: Jour-
this research, motivated by the researcher’s nal of Multilingual and Multicultural Develop-
aspirations in the academic reputational ment 5, 1–22.
system, is ever in fact used by those who
Barnes, Dayle (1983) “The implementation of lan-
might be able to use it. – Research on minor- guage planning in China”, in: Progress in Lan-
ities in those countries which do not con- guage Planning. International Perspectives, Cobar-
sider themselves bilingual, and where mi- rubias, J./Fishman, J., eds., Berlin, 291–308.
norities either are not recognized (Koreans
Berger, Suzanne (1980) “Introduction”, in: The
in Japan, Kurds in Turkey), or are not given Utilisation of the Social Sciences in Policy Making
any special attention (Albanians in Greece), in the United States, OECD, Paris, 7–25.
will be dependent on those groups them-
selves calling upon researchers (which is un- Böhme, Gernot/van den Daele, Wolfgang/Krohn,
Wolfgang (1976) “Finalization in science”, in: So-
likely given their resource status), on aca- cial Science Information 15, 301–330.
demic idealists full of curiosity, and on
foreign institutions seeking ‘intelligence’. Bolinger, D. et al. (1976), Lingüística y sociedad,
From the vantage point of the year 2002, Madrid.
these predictions seem to have held (apart Bowen, J. Donald (1975) “Organizing inter-
form the fact that the political context in national research in sociolinguistically oriented
some countries, especially the former social- language surveys”, in: Language Surveys in Devel-
ist countries of Eastern Europe and Asia, oping Nations. Papers and Reports on Socioling-
uistic Surveys, Ohannessian, S./Ferguson, C.A./
has changed, without basically affecting the Polomé, E.C., Washington, D.C., 13–29.
language situation, though). But it doesn’t
seem that the continued existence of these Bratt Paulston, Christina (1971) “The moral di-
research desiderata has led to any imple- lemma of the sociolinguist”, in: Language Learn-
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mentation of new large scale research pol-
icies. Much of the research that indeed has Bright, William O. (1976) Variation and Change in
been done has happened within the already Language, Stanford.
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control of budgets through Research Coun- vey of Ford Foundation Language Projects
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though, as if his situation has led a formu- Cherns, A.B. (1974) “Analytical introduction”, in:
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930 VII. Sociolinguistic Methodology

96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie


The Possibilities and Limits of a Sociolinguistic Theory
1. Problem- und Phänomenebene Schnittpunkt unterschiedlicher Forschungs-
2. Theorie in den Verhaltenswissenschaften: perspektiven (Lieb 1998; Berruto 1995; Ditt-
Zur Theoretisierbarkeit des Verhältnisses mar 1999 in Stevenson 1999).
Sprachstruktur – Sozialstruktur Entwicklungsgeschichtliche Vorbedingung
3. Wege zur Theorie: heuristische der soziolinguistischen Theoriebildung ist so-
Überlegungen, Hypothesenformulierungen mit eine empirisch fundierte paradigmatische
4. Kontext- und interaktionssensitive Ausdifferenzierung. Die theoretische Reflexi-
Soziolinguistik
on ist aus der Not der Faktenverortung gebo-
5. Ausblicke und Desiderate
ren. Diese wissenssoziologische historiogra-
6. Literatur (in Auswahl) phische Ausprägung werte ich als Bestätigung
der Erlanger Philosophie der existenz-, wirk-
1. Problem- u. Phänomenebene lichkeits- und interaktionsbezogenen wissen-
schaftlichen Propädeutik (Kamlah & Loren-
,Theoriebildung‘ ist eine immanent ,logische‘ zen 1973). Ein Forschungsgegenstand und das
und nicht ,zeitgeist-abhängige‘ Aufgabe einer Bedürfnis nach „abstrakter“ Verortung seiner
(Teil-)Disziplin. Dennoch zeigt ein historio- Einzelerkenntnisse gründet in menschlichen
graphisches und wissenssoziologisches Studi- Bedürfnissen, die den Antrieb für eine zuneh-
um geisteswissenschaftlicher Einzeldiszipli- mende Kumulation von Wissen motivieren. In
nen, dass ,Theoriebildung‘ eine Funktion des der jungen Existenzgeschichte der Soziolin-
Entwicklungsstandes einer Disziplin ist. In- guistik setzt die theoretische Reflexion natür-
stitutionelle lehr- und forschungsspezifische lich und notwendigerweise als Krisenpräventi-
Gestalt nahm die Soziolinguistik in den sech- on ein. Welcher Ordnungsdimension soll das
ziger Jahren an (vgl. Art. 80 in diesem Band). neue Wissen einverleibt werden? Welche Res-
In kreativer Weise wurden Aufgaben und wis- sourcen sind für eine systemische Orientierung
senschaftlicher Arbeitsbereich der Soziolin- relevant? Theoriebildung ist also nicht nur ein
guistik skizziert. In der 20jährigen Spanne immanent fachwissenbezogenes, sondern auch
einer forschungsintensiven empirischen For- interaktiv relevantes Orientierungsbedürfnis.
schungsphase (1970–1990) wurden makro- Eine zweite wissenssoziologische Prämisse
und mikrosoziolinguistische, qualitative und der Soziolinguistik ist ihre aus der Gesell-
quantitative Ansätze und Methoden in para- schaftspraxis motivierte Forschungsgeschich-
digmatischer Form etabliert. Forschergrup- te. Neue Variationsforschung entstand aus
pen und Projekte sammelten sich hinter Ori- Kommunikationskonflikten in städtischen
entierungsetiketten wie ,Varietäten- oder Zentren. Sprachgemeinschaftsprofile wurden
Variationslinguistik‘, ,Ethnographie der in Regionen zunehmender Mehrsprachigkeit
Kommunikation‘, ,soziale Stilistik‘, sprach- aufgestellt. Die Sprachbarrierendiagnose war
soziologische Typologie von Sprachgemein- eine Reaktion auf sprachbedingtes Versagen
schaften‘ etc. Die zunehmende Grundstän- in der Mobilisierung von Bildungsreserven.
digkeit dieser Teilgebiete und die Kumulation ,Code-switching‘-Untersuchungen resultieren
empirischer Ergebnisse führte in den neunzi- aus dem Zuwachs nicht-muttersprachlicher
ger Jahren in Anbetracht der Fülle deskrip- Schüler in europäischen Schulklassen. ,Gen-
tiv-empirischer Details zu vertieften Erklä- derlect‘-Forschungen haben ihre Quelle in zu-
rungsbedürfnissen und einem Atemholen in nehmendem Bedürfnis nach Befriedung ge-
theoretischer Reflexion. Zeugnisse dieser schlechtsspezifischer Konflikte. Der aktuelle
neueren Phase sind Versuche der Theoretisie- Boom in der Entwicklung valider Testinstru-
rung der sprachlichen Relativität (Lucy 1972; mente zur Diagnose einzelsprachlicher Kennt-
Gumperz & Levinson 1996), des interakti- nisse dient der Verbesserung der Unterrichts-
onsbezogenen Ansatzes der Kontextualisie- methoden im gemischten, muttersprachlichen
rung (Gumperz 1992; Auer 1992), der Typo- und nicht-muttersprachlichen Sprachunter-
logie von Sprachgemeinschaften (Ammon, richt. Mit der Soziolinguistik liegt somit ein
1992; Dittmar 1997; vgl. auch Art. 113), die stark anwendungsbezogenes Forschungspara-
Theorie der soziolinguistischen Variablen digma vor. Hierin liegt die Identität der Diszi-
(Chambers 1995) sowie des theoriefähigen plin, vor allem die Antriebskraft zur For-
sozio- und variationslinguistischen Kerns im schung. Was nun an soziolinguistischer
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 931

Theorie(bildung) zumutbar, d. h. aus der Eine logisch fundierte Theorie, die im We-
Perspektive lebensweltlichen Zuschnitts sentlichen den Begriff der wissenschaftli-
konstituiert oder aus wissenschaftstheoreti- chen Erklärung zum Gegenstand hat, for-
scher Sicht systemisch aufgebaut werden mulierten Hempel und Oppenheim (vgl.
kann, ist die theoriepolarisierende Quaestio: Stegmüller, a.a.O., 459 ff.). Die Beschreibung
disziplinimmanente Abstraktion vs. lebens- stellte das Ergebnis von Wahrnehmungen
weltliche Rekonstruktion. und Beobachtungen in einer sprachlichen
Aussage als Antwort auf die Frage „Was ist
der Fall?“ dar. Die Erklärung, das so ge-
2. Theorie in den Verhaltens- nannte Explanandum, ist die Antwort auf
wissenschaften: Zur Theoretisier- die Frage „Warum ist/war dies der Fall?“
barkeit des Verhältnisses Sprach- Um nun ein Explanandum (eine Erklärung)
struktur – Sozialstruktur zu formulieren, werden zwei Klassen von
Aussagen benötigt: 1. Antecedensbedingun-
In einer Theorie können zum Zusammen- gen A1, A2, …, AK (konkrete, die Art der Be-
hang von Sprache und Gesellschaft nur „Sät- obachtungen betreffende Bedingungen);
ze“ formuliert werden. Solche Sätze können eine zweite Klasse wird benötigt, die allge-
aber nur durch andere Sätze überprüft wer- meinen Gesetzeshypothesen, die G1, G2, …,
den. Beobachtungen, Tests und Experimente Gr genannt werden. Die beiden Antecedens-
stellen keine Aussagen dar, sondern Handlun- bedingungen heißen Explanans, der aus ih-
gen und Erlebnisräume. „Erst die Aussagen, nen zu schließende gültige Satz Explanan-
in denen die Ergebnisse von Beobachtungen dum (E). „Eine wissenschaftliche Erklärung
und Experimenten sprachlich festgehalten besteht also in einer logischen Ableitung des
wurden, kann man zur Nachprüfung von em- Explanandums aus dem Explanans“ (Steg-
pirischen Hypothesen und Theorien verwen- müller 1965, 451). Nicht nur sind viele wei-
den. Die Gesamtheit der Aussagen, welche tere theoretische Zusätze zu diesen Elemen-
für derartige Überprüfungen benutzt werden, taraussagen nötig (vgl. Stegmüller Kap.
nennt man die Basis der wissenschaftlichen VIIII und X), vor allem gibt es Besonderhei-
Erkenntnis“ (Stegmüller 1965, 446). Carnap, ten für die engeren Disziplinen ,Soziologie‘
Schlick, Neurath, Popper u.a. arbeiteten im und ,Linguistik‘. Was empirische Linguistik
Rahmen des bekannten Wiener Kreises an bedeute, dies eine eminent grundlegende
einer Theorie der erfahrungswissenschaft- Frage der Soziolinguistik, wird mit beispiel-
lichen Erkenntnis. Unter den unterschied- loser Aufmerksamkeit, ja politischer Lei-
lichen Meinungen der Mitglieder des Wiener denschaft, in den siebziger Jahren disku-
Kreises hebt sich Poppers Auffassung als in tiert. – „Inwiefern ist Linguistik empirisch“?
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigt Thomas Ballmer (1976) einmal
besonders folgenreich ab: seiner Meinung in Bezug auf die von ihm für falsch gehalte-
nach sollen erfahrungs- u. verhaltensbezoge- ne Homogenitätsannahme von Chomsky im
ne Sätze als Basissätze formuliert werden, de- Unterschied zu der fundamentalen Hetero-
ren Erkenntnisse intersubjektiv verständlich genitätsannahme von Labov, zum anderen
und nachprüfbar als Aussagen formuliert in Bezug auf das Problem, welche Wahr-
sein müssen (offensichtliche Implikationen: heitsbedingungen für richtig erhobene und
sie müssen in einer allgemeinverständlichen, ausgewertete und gültig beschriebene Daten
nicht-privaten, konventionellen Formulie- erfüllt sein müssen, um einer Sprachtheorie
rung vorgelegt werden. Die Basissätze be- der Sprachverwendung dienen zu können.
schrieben nach Popper „beobachtbare Ereig- Er diskutiert also in Begriffen von Hempel
nisse und werden am besten in der Gestalt und Oppenheimer die Antecedensbedingun-
singulärer Existenzsätze formuliert: ,an der gen, die ja empirischer Art und überprüfbar
und der Raum-Zeit-Stelle gibt es das und sein müssen, als Voraussetzungen für Expla-
das‘“ (Stegmüller 1965, 447). Carnap hat gro- nanda. „Eine wissenschaftliche Theorie [Rb,
ßen Wert auf die Feststellung gelegt, dass so- Th, Sb] ist empirisch genau dann, wenn die
wohl Allaussagen als auch Einzelaussagen Spielregeln (Sp) denjenigen Wissenschaft-
mit konventionellen Argumenten überprüft lern, die gewöhnt sind, die Regeln (Sp) bei
und die Geltung von gewissen Voraussagen der Prüfung der formalen Aussagen oder der
verifiziert werden muss. Er glaubte nicht an Theorie (Th) auf Wahrheit – das heißt doch
die Möglichkeit positiver Verifizierung von Übereinstimmung mit der Wirklichkeit Sb –
Aussagen, sondern nur an ihre Falsifizierung. einzuhalten, keine Immunisierungsstrate-
932 VII. Sociolinguistic Methodology

gien gestatten“ (Ballmer 1976, 33). Ein gül- Becker, Dittmar und Klein führen über den
tiges (valides, reliables) Argumentieren mit Umweg einer kritischen Diskussion ver-
sprachlichen Daten verlangt eine Definition schiedener linguistischer Theorien des
der Empirizität von Theorien: 20. Jahrhunderts zu den Grimshawschen
„Eine Theorie, die als Menge von Aussa- Hypothesen aus: „Aussagen wie, dass die
gen bezüglich eines materialen Realitätsbe- Sozialstruktur X die Sprachstruktur Y de-
reichs und der akzeptierten Spielregeln auf- terminiert, oder dass überhaupt die Sprach-
gefaßt wird, ist empirisch, wenn die (unter struktur der Sozialstruktur folgt, wirken so
Umständen unendliche) Konjunktion der lange merkwürdig, als sie sehr allgemein
Aussagen empirisch ist. Eine Theorie, die als und unbestimmt sind“ (1978, 164). Welcher
Prädikat bezüglich eines materialen Reali- Zusammenhang besteht aber im Einzelnen
tätsbereichs und der akzeptierten Spielregeln zwischen der Ausbildung von Nasalen in ei-
aufgefaßt wird, ist empirisch, wenn die Aus- nem Sprachsystem und einer feudalistischen
sage, daß das Prädikat auf die materiale Rea- Gesellschaftsordnung? Oder: Wenn man
lität zutrifft, empirisch ist“ (Ballmer 1976, z. B. feststellt, dass in Japan ein komplexes
41). Ballmers Vorschläge sind weitgehend sozialverbindliches Anredesystem besteht
und gehören sicher zu den Rahmenbedin- (a) und gleichzeitig eine hoch komplexe hie-
gungen einer Theoretisierung empirischer rarchische Gesellschaft im Sinne einer Sozi-
Linguistik. Besonders wertvoll sind seine alstruktur existiert, so können diese beiden
Überlegungen zur Überprüfung des Wahr- Aussagen (a) und (b) im Sinne des HO -Sche-
heitsgehalts empirischer Beobachtungen und mas als Antecedensbedingungen gelten,
Aussagen. Eine Umsetzung des Ballmerschen dennoch ist überhaupt nicht klar, welchen
Konzepts auf empirische Untersuchungen Schluss (E = Explanandum) man hieraus
der Soziolinguistik liegt nicht vor. Das Pro- ziehen soll – bedingt die komplexe hierar-
blem der ,Empirie‘, das ja nur ein Teil der so- chische Gesellschaftsstruktur die Anrede-
ziolinguistischen Theorie sein kann, ist al- formen und die Anredeformen umgekehrt
lerdings unter dem Begriff ,Methodologie‘ die Gesellschaftskomplexität? Hier fehlen
wieder in den Fokus soziolinguistischen Inte- uns genaue Kenntnisse über die zugrunde
resses geraten. Unter dem Titel „Corpus Lin- liegenden Gesetzmäßigkeiten. Becker, Ditt-
guistics. Investigating Language Structure mar und Klein schließen sich der Anwen-
and Use“ haben Biber, Conrad und Reppen dung des HO -Schemas in Einzeluntersu-
(1998) einen methodologisches Kompendium chungen an. Unter „explanativer Funktion“
zur empirisch gehaltvollen Beschreibung von verstehen sie zweierlei:
Sprachgebrauch (Register, Varietäten, gram- „Einerseits können soziale Fakten unter
matische Strukturen) geschrieben, das zen- Rückgriff auf sprachliche Gegebenheiten er-
trale Standards für empirisches Arbeiten klärt werden – z. B. soziale Benachteiligung
formuliert, allerdings ohne weitreichende aus Nichtbeherrschung eines bestimmten
theoretische Ansprüche. Soziolinguistische Wortschatzes.“ Andererseits kann man auch
Theoriebildung wurde, wie schon erwähnt, in „strukturelle Züge einer Sprache unter
den siebziger Jahren als große Herausfor- Rückgriff auf soziale Gegebenheiten“ erklä-
derung empfunden. Uta Quasthoff (1978) ren (vgl. das Beispiel Japan und Anredefor-
widmet die Herausgabe eines Buches dem men, siehe oben). Diese schwierigen Fragen
Problem „Sprachstruktur – Sozialstruktur. können wohl im Augenblick nur durch Hy-
Zur linguistischen Theorienbildung“. Becker, pothesenbildungen am Beispiel von Einzel-
Dittmar und Klein (1978) gehen einleitend zu untersuchungen voran gebracht werden –
einer empirischen Untersuchung von Lerner- für stark strukturierte, strenge Explikatio-
varietäten auf die von Grimshaw (1971) for- nen fehlen jegliche Hinweise auf strukturelle
mulierten Generalhypothesen ein und fragen Gesetzmäßigkeiten; weder ,Sprachstruktur‘
sich, ob diese (im Folgenden wiedergegeben) noch ,Sozialstruktur‘ wurden in den beiden
verifiziert werden können: beteiligten Wissenschaften bisher annä-
– Sprachverhalten reflektiert die Sozial- hernd modelltheoretisch formuliert. Die
struktur Linguistik hat es sicherlich einfacher, forma-
– Sprachverhalten bedingt soziales Ver- le Theorien von Sprache aufzustellen und
halten diese in einem theoretischen Modell explizit
– Sozialstruktur bedingt Sprachverhalten darzustellen. Viele Versuche gibt es hierzu,
– Sprachverhalten und Sozialverhalten aber selbst die besten würden es nicht erlau-
bedingen sich gegenseitig ben, Gesetzmäßigkeiten zu formulieren, die
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 933

zu strukturellen Aussagen über den Zusam- Versuch, Beziehungen explizit zu machen


menhang von Sprachstruktur und Sozial- und deren Wirkung zu erklären. Wissen-
struktur führen könnten. Becker, Dittmar schaftliche Theorien basieren auf Gesetzes-
und Klein (1978, 164, 165) sehen daher in hypothesen und Fakten, die durch empiri-
Aussagen wie „die Sozialstruktur X bedingt sche Beobachtung gewonnen werden … (es
in dem Maße q die Sprachstruktur Y“ eine folgen viele Beispiele) … eine Theorie fasst
„didaktisch-expositorische Funktion“ (164): alle diese Teilerklärungen zusammen und
gewisse Einzelergebnisse werden in plakati- bezieht sie aufeinander“(a.a.O. 24). Als wis-
ver, leicht erfassbarer und didaktisch ver- senschaftliche Methode hierzu bietet Joas
ständlicher Weise auf den Punkt gebracht. (2001, 25) das folgende Schema:
Solche Aussagen können auch eine „prak-
tisch-politische Funktion“ haben, in dem A. empirische B. logische Analyse
beispielsweise auf Benachteiligungen be- Beobachtung
stimmter Gruppen aufmerksam gemacht
und ein gesellschaftliches Korrektiv einge- 1. Abstraktion Abgrenzung der
fordert wird (vgl. die erfolgreiche Produkti- Analyseeinheiten
on der Sendung „Sesamstraße“ auf dem 2. Interpretation 2. Ermittlung der
Hintergrund der Feststellung von sprachli- Beziehungen
chen und kommunikativen Defiziten von
Schwarzen in amerikanischen Ghettogebie- 3. Replikation 3. Theorienbildung
ten). Ganz sicher ist zum gegenwärtigen
Zeitpunkt die „heuristische Funktion“ von Abb. 96.1: Die wissenschaftliche Methodik
Relevanz: es gilt, über viele Einzelstudien
Hypothesen zu bilden und die Erklärungs- In der derzeitigen Soziolinguistik gibt es
kraft einzelner Parameter herauszuarbeiten. verschiedene Ansätze, die aufgrund ver-
Will man allerdings eine im wissenschaftli- schiedener einzelner Ergebnisse Konzepte
chen Sinne höhere und bedeutendere Funk- und Modelle formulieren, die zu Hypothe-
tion erfüllen, nämlich die „deskriptive senbildungen beitragen. Ausgewählte Vor-
Funktion“ (1978, 164), so setzt dies immer- schläge exemplarisch im folgenden Kapitel.
hin voraus, dass „(a) es klar ist, was unter
Sprachstruktur und was unter Sozialstruk- 3. Wege zur Theorie: heuristische
tur verstanden werden soll – also beispiels- Überlegungen, Hypothesen-
weise Sprachstruktur im Sinne der Monta- formulierungen
gue-Grammatik; es liegen (b) abgesicherte
Beschreibungen der Struktur einer Sprache Die späten achtziger und die neunziger Jah-
und der entsprechenden Gesellschaft vor; es re dokumentierten ein neues und vertieftes
ist (c) gezeigt worden, dass zwischen Ele- Interesse an soziolinguistischer Theoriebil-
menten dieser Strukturen bestimmte Zu- dung. In Becker, Dittmar und Klein (1978,
sammenhänge bestehen – z. B. zwischen dem 166) wurde nach langer Auseinandersetzung
Kasussystem und den Herrschaftsverhält- mit Möglichkeiten und Grenzen soziolin-
nissen, dem Bau von Nebensätzen und der guistischer Theorie schließlich die „sehr be-
Produktionsweise, den Wortbildungsmus- scheidene These“ formuliert:
tern und den Familienstrukturen …“ (a.a.O. „Was man im Bereich ,Zusammenhang
164 f.). von Sprachstruktur und Sozialstruktur‘ der-
Was ,Sozialstruktur‘ angeht, so können zeit tun kann und tun soll, ist: konkrete Ein-
wir natürlich auf die bedeutenden Arbeiten zeluntersuchungen durchführen und Punkt
von Luhmann verweisen, insbesondere auf für Punkt feststellen, ob und wo es derartige
Luhmann (1997). Joas (2001) nennt fünf Zusammenhänge gibt. Dabei kann man den
Schlüsselbegriffe für eine Theorie der Ge- technischen Apparat der neuesten linguisti-
sellschaft: (1) Sozialstruktur, (2) soziales schen Theorien … heranziehen; man sollte
Handeln, (3) Kultur, (4) Macht und (5) es sogar“.
funktionale Integration. Unter „Methodo- Ein Dutzend Jahre später stehen die So-
logie“ führt Joas die Bedeutung empirischer ziolinguisten vor einer Vielzahl von feingra-
Beobachtung und logischer Analyse aus nulierten Einzelergebnissen: Wie werden
(2001, 23–24). Unter „Organisation des diese erklärt? Welche theoretischen Vorga-
Wissens“ versteht er dann die „Theoriebil- ben ermöglichen es, sie in sozio- kognitive
dung“: „eine Theorie ist der systematische Erklärungsschemata einzuordnen und wel-
934 VII. Sociolinguistic Methodology

che Modelle bieten sich als Interpretations- Profile weiter ausgebaut. Zunächst werden
folie an? Die Fülle der Einzelergebnisse vier Skalen unterschieden, die zu spezifizie-
zwingt zur Reduktion der Fakten und zu ih- ren sind:
rer Zuspitzung auf Hypothesen und Theore- 1. die Korpusdimension,
me. Fishman unterschied in seinem frühen 2. Sprachfunktionen,
Entwurf einer Makro-Soziolinguistik die de- 3. die Skala der Autorität/Legitimität,
skriptive Sprachsoziologie von der dynami- 4. das sprachliche kommunikative Reper-
schen Sprachsoziologie. Die Makro-Sozio- toire und
linguistik, so Fishman, sei mit der Vertei- 5. die Relation unter den Kategorien (1)
lung von Sprachen und Varietäten, ihrem bis (4).
Status und ihren Funktionen in Sprachge- Mittels Attributen definiert Dittmar (1997,
meinschaften befasst. 158–160) dann die relevanten Eigenschaften
der nationalen, offiziell, territorialen, ver-
3.1. Status und Funktion von Sprachen und kehrssprachlichen, minoritären und regio-
Varietäten nalen Funktionen von L. Wie schwierig es
Stewart (1968) und Ferguson (1966) unter- ist, in soziolinguistische Profile neben den
schieden Mehrheiten- und Minderheitenspra- qualitativen Ausprägungen (siehe relevante
chen, Verkehrssprache, Standard, Pidgin, Eigenschaften, Fasold 1984; Dittmar 1997)
Creole, ,klassische‘ Sprache (= tote Sprache) qualitative Verhältnisse zu berücksichtigen,
etc. Schließlich diskutierte Ferguson (1966, geht aus der kritischen Diskussion von Zen-
314 ff.) Typen von Funktionen, die von einer sus und Surveys von Sprachgemeinschaften
Sprache erfüllt werden können (offizielle hervor. Als experimentellen Testfall für
Funktion, Gruppenfunktion, Funktion der quantitative Formeln/Ausprägungen mag
überregionalen Kommunikation, bildungs- man Afrika wählen. Hier gibt es verschiede-
u. erziehungspolitische Funktion, religiöse ne statistische Angaben zu Mehrheiten- u.
Funktion, internationaler Gebrauch und in- Minderheitensprachen, Varietäten (Dialek-
ternationale Verwendung, etc. Fasold ten) und Funktionszuschreibungen für
(1984), der diese neueren Arbeiten aufgreift Sprachen und Varietäten. Relevante Aspek-
und in eine formale Gesamtschau bringt, te mit qualitativ erklärbaren Ausprägungen
formuliert die Formel für Taiwan: „5X L = sind statistisch schwer zu erfassen. Häufig
3L maj (Sow, 2Vg) + 0+Lmin ([V]) + 2Lspec geben Zensus- und Survey-Daten grober
(Cr, Ssi)“ (a.a. O. 64). Diese Formel ist nach Verzerrungen der wirklichen Verhältnisse
Ferguson, zitiert nach Fasold (1984, 64), fol- wieder. Es werden statistische Analysen
gendermaßen zu lesen: „There are five auch durch große Wanderbewegungen im
languages, + a block, of which three major Innern Afrikas erschwert, deren Dynamik
languages, one a standard language full fil- so groß ist, dass statistische Angaben schon
ling the official and wider communication in der Regel eine gewaltige Standardverzer-
functions, and two vernaculars full filling rung aufweisen. Ammon (1989) bietet einen
the group function; there are no minor Ansatz für die Beschreibung von Status und
languages, but there is a block of vernacular Funktion (soziale Position) einer Sprache
languages that, taken together, qualify as a innerhalb eines Landes. Ausgehend von der
minor language; and there are two langua- theoretisch relevanten Literatur definiert
ges of special status, the other a classical Ammon mit Hilfe der Logik den Begriff
language full filling the religious function Sprache (L), Nähe und Distanz zwischen
and one a standard language full filling the Sprachen und ihren Varietäten und kontext-
school-subject and international communi- bedingt Probleme der Funktionsbestim-
cation functions“ (a.a.O. 64). Fasold greift mung. So gibt es Varietäten, die kein
die Perspektive auf und formuliert soge- „Dach“ haben (z. B. Deutsch als Minderhei-
nannte qualitative Formeln, die Sprach- tensprache in Südbrasilien). Außerdem gibt
funktionen mit Attributen verbinden. Die es neben den monozentrischen Sprachen
„offizielle Funktion“ einer Sprache ist dann (z. B. Französisch) plurizentrische (Eng-
verbunden mit den soziolinguistischen At- lisch, Deutsch etc.). Hier zerfällt eine Ein-
tributen „(1) hinreichende Standardisierung, zelsprache nicht nur in Varietäten, sondern
(2) Wissensbestand bei einem gesellschaft- auch in nationalspezifische Zentren mit un-
lichen oder Gruppenkader von Gebildeten terschiedlichen Normen sprachlicher Legiti-
selber.“ Dittmar (1997) hat die Überlegun- mität und Autorität. Ammon unterscheidet
gen zur Formulierung soziolinguistischer soziolinguistische Profile, soziolinguistische
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 935

Typen (Status und Funktion) und die Kon- Gestalt einer Sprachgemeinschaft in
takthaftigkeit von Sprachen untereinander. Form eines systemischen Puzzle aufzu-
Weitere Dimensionen sind: soziokulturelle stellen ohne einen spezifischen sozio-
Attribute der Sprecher (Ruf, Geschlecht, so- kulturellen Fokus? McConnell nennt
ziale Schicht, Religion etc., Ammon: a.a.O. einen solchen Ansatz „global scale so-
67), Sprachgebrauch in Domänen (Typolo- ciolinguistics“, stellt jedoch in den Mit-
gie von Gebrauchssituationen), wobei je- telpunkt seiner Betrachtung die Vitali-
weils zwischen monoaktiv und interaktiv tät von Sprachen und Varietäten, die
unterschieden wird (73–76), Grad der Kulti- von ihrem Status, ihrer Demographie
viertheit/der ,Gebildetheit‘, legaler Status und ihrer institutionellen Unterstüt-
einer Sprache L oder Varietät V (z. B. Ge- zung (für diese drei Dimensionen gibt
brauchsverbote), territoriale/regionale Ver- es viele Unterkategorien) abhängen. Ist
breitung/Ausdehnung (Unterscheidung von es nicht sinnvoll, eine Gewichtung der
nativen und nicht-nativen Sprechern), Ein- Faktoren vorzunehmen, z. B. im funk-
stellungen etc. Die von Ammon aufgeführ- tionalen Sinne von „language power“
ten Dimensionen sind skaliert und listenar- oder „cultural and linguistic vitality“?
tige Konfigurationen; sofern möglich, Ein Faktor wie „Vitalität“ einer Spra-
werden die Listeneinträge nach Komponen- che kann man natürlich nur axioma-
ten hierarchisch geordnet und mit numeri- tisch begründen; allerdings besitzt er
schen Werten versehen. Ob nun Profilbil- Erklärungskraft. Die rein deskriptive
dungen durch numerische gehaltvoll sind, Sprachsoziologie scheint zur Zeit Ante-
müssen Einzelbeschreibungen ergeben. Die cedensbedingungen zu erfüllen, nicht
deskriptive Adäquatheit der aufgestellten jedoch jene, die die Gesetzmäßígkeiten
Listen und der skalierten Dimensionen muss betreffen und damit das Explanandum
empirisch validiert werden; es besteht ja die liefern.
Frage, ob die einzelnen gewählten Katego-
rien und Unterkategorien genügend univer- 3.2. Theorie der sprachlichen Anpassung
sell sind, um die jeweils relevanten Eigen- und „Acts of Identity“
schaften und Merkmale einer Gesellschaft Giles’s „accomodation theory“ betrifft In-
zu erfassen. Die genannten Arbeiten stehen teraktionsereignisse und interaktives Ver-
stellvertretend für viele weitere. Ammon hat halten und beruht letztlich auf einer Defini-
z. B. die Rolle des Deutschen als internatio- tion der ethnischen Gruppe als „those
nale Wissenschaftssprache sehr detailliert individuals who preceive themselves to be-
untersucht und die Kriterien, der er für Sta- long to the same ethnic category“ (Giles
tus und Funktion von Sprachen im Rahmen 1979a; 1979b) spezifiziert „accomodation
soziolinguistischer Profile erarbeitet hat, theory“ folgendermaßen:
auf den einzelsprachlichen Fall des Deut- „A basic postulate of accommodation
schen angewandt. Wichtige Fragen bleiben theory is that people are motivated to adjust
jedoch Mittelpunkt: their speech style, or accommodate, as
(1) Kann die so konzipierte Soziologie der means of expressing values, attitudes and in-
Sprache(n) auch zu Sprachgebrauchs- tentions towards others. It is proposed that
u. Varietätenanalysen verpflichten? the extent to which individuals shift their
(2) Mit allen konzipierten Komponenten speech styles toward or away from the
und Kategorien (Attributen) handelt es speech styles of their interlocutors is a
sich um vom Forscher extern an Spre- mechanism by which social approval or dis-
cher, Kommunikationssituationen und approval is communicated. A shift in speech
Sprachen-Varietätenkonstellationen style toward that of another is termed con-
angelegte Begriffe. Würde man den Be- vergence and is considered often a reflection
griff des ,Repertoires‘ (siehe Gumperz of social integration, whereas a shift away
1972; Auer 1990) anwenden, würde man from the other’s style of speech represents
zu sprecherbezogenen und sprechergrup- divergence and is considered often a tactic
penbezogenen Urteilen und sozialen Ka- of social dissociation“ (1982, 105).
tegorisierungen kommen. Diese wären si- Unter den vielen Beispielen, die Giles zu
cher anderer Art als die von Ammon seiner Theorie anführt, finden wir auch je-
vorgeschlagenen (und quantifizierbaren). nes, dass Giles und Byrne zu zwei recht ähn-
(3) Ist es wirklich möglich, eine neutrale, lichen, aber sprachlich distinktiven Gemein-
multiperspektivische, multifaktorielle schaften geben. Die Autoren erläutern,
936 VII. Sociolinguistic Methodology

unter welchen Bedingungen sich eine starke lisation of the world and to share his
Vitalität positiv auf die muttersprachliche attitudes towards“ (Le Page & Tabouret-
Kompetenz auswirkt und welche Faktoren Keller 1985, 181). „There is no system for
zu einer schwachen Ausprägung der Identi- the speaker to internalise other than that
fizierung mit der Sprache führen. Die Dyna- which he has himself created, which is alrea-
mik dieses Prozesses führen Giles u. a. zu der dy internal, and is already the idiosyncratic
Unterscheidung von ,convergence‘ und ,di- expression of this research for identify and
vergence‘. ,Konvergenz‘ wird die Anpassung role. To the extent that he is reinforced, this
von Einzeldialekten an die Regeln der regio- behaviour in a particular context may beco-
nalen Umgangssprache oder des Standards me more regular, more focused; to the extent
genannt, umgekehrt können Gruppen oder that he modifies his behaviour to accommo-
Kommunikationsgemeinschaften einer Ein- date to others it may for a time become more
zelsprache aus dem Konsens ausscheren und variable, more diffuse, but in time the beha-
divergieren (z. B. das Schweizerdeutsche in viour of the group – that is he and those with
den letzten 50 Jahren). Konvergenz und Di- whom he is trying to identify – will become
vergenz sind inzwischen auf die Sprachen more focused. Thus linguistic systems, both
und Varietäten Europas fruchtbar ange- in individuals and in groups, may be consi-
wandte Begriffe. Sie stehen für die Tendenz dered as focused or diffuse“ (Le Page et al
der zunehmenden Übereinstimmung mit 1974, 14).
oder der Distanzierung von Sprachen und In makrosoziolinguistischer Perspektive
Varietäten. Eine Übersicht über die neueste haben wir zahlreiche externe Faktoren für
empirische und theoretische Literatur findet Sprachfunktionen angeführt. Es ist schier
sich in Auer & Hinskens (1996). Der Theorie unmöglich, zum gegenwärtigen Zeitpunkt
der sprachlichen Anpassung liegen Prozesse unseres empirischen Wissens eine Hierar-
der Identifizierung oder der Distanzierung chie der Bedeutung dieser Faktoren zu in-
zugrunde. Auf der Ebene des Individuums formieren, geschweige denn Faktoren zu-
haben sich Le Page und Tabouret-Keller gunsten anderer in ihrem theoretischen
(1985) mit sprachlicher Identität auseinan- Gewicht zu streichen. Auf der Folie dieser
dergesetzt. Sie unterscheiden sich von Giles Schwierigkeiten hält Fasold (1992, 351) eine
u. a. dadurch, dass sie den Sprecher selber in soziolinguistische Theorie nicht für mög-
den Mittelpunkt der Theorie stellen. Er oder lich. Mit Bezug auf die Theoriebildung
sie bringt sein oder ihr linguistisches System schreibt er: „Is there such a thing? Can there
selbst hervor und die Sprechhandlungen, die be such a thing? Should there be such a
in Diskursen geäußert werden, sind Projek- thing? It is clear to me that the answer to the
tionshandlungen. Eine soziale Gruppe muss first question is ,no‘ but to understand why I
nicht durch den Forscher von „außen“ defi- say that, I need to give some idea of my view
niert werden; der Sprecher selber und seine of set of phenomena can be explained by
„Existenz“ sind das grundlegende Postulat means of the interaction of a very small set
dieser Theorie. Le Page hebt hervor, dass of principles. A theory that had a different
„the individual creates for himself the pat- principle for every observation would not be
terns of his linguistic behaviour so as to re- worthy of the name. One that could explain
semble those of the group or groups with a vast number of different observations by
which from time to time he wishes to be means of a single grand principle would be
identified, or so as to be unlike those from impressive indeed. A theory, then, is more
whom he wishes to be distinguished“ (Le successful the greater its scope and the fewer
Page & Tabouret-Keller 1985, 181). Grup- its arbitrary or axiomatic principles. There
pen oder Kommunikationsgemeinschaften are those who do not accept this intellectual
und die für sie zutreffenden Attribute haben style, but I personally cannot imagine pro-
keine andere existenzielle Origo als den ceeding in any other way. If there were a uni-
Geist der Individuen; Gruppen oder Ge- fied sociolinguistic theory of language, it
meinschaften reagieren gerade so wie eben would consist of a small number of princi-
Individuen untereinander. Sprechhandlun- ples, perhaps a score or so, involving social
gen werden als Projektionshandlungen ver- context, that would account for a range of
standen: „The speakers projected their inner phenomena that might include diglossia,
universe, implicitly with the invitation to ot- conversational turn-taking, and consonant
hers to share it, at least in so far as they re- cluster reduction in non-standard dialects“
cognise his language as an accurate symbo- (Fasold 1992, 352). Und in einem späteren
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 937

Kommentar erläutert Fasold weiter „Alt- für die formulierten sechs Großparameter in
hough most linguistic explanation of spezifischen Subkategorisierungen beschrie-
language as a device for human communica- ben werden, können Sprachen und Sprachge-
tion, it is my view that it is far too early to meinschaften miteinander verglichen werden,
accept this conclusion without question. We wobei Gemeinsamkeiten und Unterschiede
need some linguists who are willing to try to jeweils zu Bausteinen einer Theorie beitragen
discover if there are structural principles ha- können. In ähnlicher Weise, allerdings auf
ving nothing to do with communication. If dem Hintergrund der Ausführungen von
there are, and we succeed in identifying and Ammon (1989), hat Hellinger im Artikel 113
characterizing them, then and only then will Prinzipien der „kontrastiven Soziolinguistik“
it be time to work on a meta-theory – a uni- formuliert. Auch hier geht es um die Idee,
fied sociolinguistic theory of language – that zentrale Parameter, die für alle Sprachen und
can account for when principles from one Sprachgemeinschaften gelten, zu spezifizie-
set apply rather than principles from the ot- ren und in ihren unterschiedlichen Ausprä-
her“ (a.a.O., 355). Fasold unterstreicht, wie gungen vergleichend zu erfassen. Natürlich
schon Becker, Dittmar und Klein (1978), hat diese Methodologie das Problem, das
dass zunächst einmal kein von außen oder sogenannte tertium comparationis zu finden
äußeren sozialen Parametern motivierter (ein Problem, das alle kontrastiven Analysen
Faktor vorliegt, der das Kasussystem, den haben). Während Hellingers Ansatz (vgl.
Relativsatz, grammatische Kongruenzprin- Art. 113) das Problem aller kontrastiven An-
zipien (unter anderem) erklärt – offenbar sätze hat, nämlich die Tatsache, dass der An-
handelt es sich hier um intern motivierte for- satz statisch ist, Prozesse nicht einbezogen
male linguistische Parameter. Erst wenn die- sind, die aufgestellten Parameter in der sozia-
se spezifiziert sind und sich daraus ein Er- len Dynamik des jeweiligen Kontextes eine
klärungsbedarf ergibt, z. B. Erklärungen ganz unterschiedliche Rolle spielen können,
durch Kontext oder soziale Faktoren, dann ist eine solche enge kontrastive Perspektive in
wäre eine solche Theorie sozialer Parameter Dittmar (1989) nicht angelegt; vielmehr ist
vonnöten. Es gibt durchaus Überlegungen, bei diesem Ansatz an quantitative und quali-
die außersprachlichen Faktoren auf solche tative, statische und dynamische Aspekte des
zu reduzieren, die zentrale Erklärungskraft Vergleichs gedacht.
haben. Hierzu gehören die bereits erwähn-
ten Größen ,Vitalität‘, ,Demographie‘ und 3.3. Beiträge zu einer Theorie der Variation
,Institutionelle Unterstützung‘. Andere Über- Seit Humboldt und Schuchhardt im letzten
legungen sind jedoch in Dittmar (1989) an- Jahrhundert legen Linguisten immer wieder
gestellt worden. Unter Rückgriff auf Haber- Wert auf die Feststellung, dass Sprache vari-
mas (1981) wurden in Dittmar (1989) sechs iert und Kommunikation ohne Variation
zentrale Faktoren isoliert, die im Wesent- „dysfunktional“ (Labov) sein würde. Wie
lichen die Variation des Sprachgebrauchs, Fasold (1992) schon erläuterte, sehen die
aber auch die Verbreitung, Ausbreitung und meisten Variationsbeschreibungen linguis-
Verschwinden von Sprachen in einem signi- tische Modelle vor, die im Bereich der all-
fikanten Maße erklären. Diese Faktoren gemeinen Sprachwissenschaft aufgestellt
sind: wurden und mit einer bestimmten Erklä-
(1) soziale Integration rungskraft für sprachliche Fakten mit be-
(2) kommunikative Fähigkeiten und sozia- stimmten Bezug zu Form und Funktion for-
les Handeln muliert wurden. Diese trivial anmutende
(3) Identität Bemerkung belegt immerhin, dass linguis-
(4) Strukturen sprachlicher Variation tische Theorien, d. h. die Regeln und der
(5) Verbreitung Beschreibungsapparat selbst, nicht von Va-
(6) Wandel riationstheoretikern innovativ formuliert
Diese Faktoren werden – im Einzelnen wurden. In der Regelformulierung werden
unterspezifiziert – zu einer Art Matrix bestehende Beschreibungssysteme benutzt
verarbeitet, die in einem jeweiligen Fall tat- und teilweise geringfügig verändert, um
sächlicher sprachlicher Vorkommen das Fak- Phänomenen der Variation gerecht werden
torenbündel spezifiziert, das die Sprachpro- zu können. Solche Methoden und Methodo-
duktion erklärt. Die Idee in Dittmar (1989) logien nenne ich hier konservativ. So hat De
ist eine methodologische: Indem die sprachli- Camp die Beschreibung durch Implikations-
chen und außersprachlichen Ausprägungen skalen eingeführt und damit einen Apparat
938 VII. Sociolinguistic Methodology

geschaffen, der im Rahmen der generativen den dabei ignoriert, der quantitative
Grammatik auf Variation angewandt wer- Wert und die Interpretation als Gewicht
den kann (vgl. Art. 119). Die Anordnung an sich gewertet.
von Regeln wird durch solche Implikations- (3) Es wird mehr oder weniger streng da-
skalen im Sinne der Beschreibung von Varia- rauf geachtet, dass die Bedeutung der
tion genauer gefasst. Ähnlich sieht es aus Einheiten, deren Variation untersucht
mit der sogenannten Variablenregel, die in wird, die gleiche ist/konstant gehalten
Art. 117 beschrieben ist. Zwar beziehen sich wird. Das Problem der Bedeutung kann
Variablenregeln auf eine phonologische allerdings einer Konzeption wie der der
oder morphologische Regel, deren Varia- Varietätengrammatik durch rein forma-
nten unterschiedliche quantitative Gewich- le syntaktische Analysen neutralisiert
tungen im Auftreten innerhalb eines Korpus werden. Das Problem der „Statik“ von
haben, aber die gewählte Beschreibungsme- Bedeutungen ist damit jedoch nicht ge-
thode entspricht dem der Varietätengram- löst. – Qualitative Aspekte der Interak-
matik, die allerdings im Bezug auf die Be- tion sowie der lokalen Bedeutung von
schreibung von Vorkommen eine etwas Wörtern in der zeitlichen Abfolge
weiter gefasste, vor allem syntaktisch moti- sprachlicher Handlungen werden damit
vierte Variationskomponente hat. Beide ausgeblendet. Im Grunde handelt es
Modelle (siehe die Art. 117 und 118) sind sich bei diesen Ansätzen zur Beschrei-
keine aus der Variation geborene innovative, bung von Variation um eine realitätsbe-
alternative Art der Grammatikschreibung, zogene, sprachgebrauchsspezifische Re-
sondern eine Erweiterung vorhandener Mo- adjustierung der an sich apriorischen
delle auf Sprachgebrauchskorpora, d. h. ge- Grammatiken. In diesem Sinne sind Va-
wisse Vorkommen in diesen Korpora werden rietätengrammatiken weniger idealis-
korpuslinguistisch als Sprachverwendungs- tisch und realitätsbezogener, jedoch
muster mit quantitativen Methoden (Statis- wiederum im Bezug auf die Dynamik
tik, Häufigkeitsanalysen) beschrieben (vgl. der Kommunikation und Interaktion
auch Biber, Conrad und Reppen 1998). zu grob und zu wenig dynamisch. Dies
soll nicht bedeuten, dass Studien von
Trotz wichtiger methodischer Unterschiede Biber et al., Klein (siehe Art. 118), Labov,
zwischen den Instrumenten Variablenregel, Sankoff, van Hout u.a. nicht spezifische
Varietätengrammatik, Implikationsskala und interessante Aspekte aufdecken und am
„semantischer Netzwerkanalyse“ (Hasan Sprachgebrauch erfassen; allerdings müs-
1992) und die damit verbundenen Vor- u. sen erst die Qualitäten beschrieben wer-
Nachteile in den Aussagen (siehe die Diskus- den (im Sinne von Fasold 1992), die das
sionen in den Beiträgen in diesem Handbuch), Verhalten im komplexen Zusammenwir-
ist die Grundlage dieser Ansätze ähnlich: ken semiotischer Kommunikationssyste-
(1) Sprachgebrauch, die Konstitution der me bedingen. So lange solche Qualitäten
Bedeutung im Akt des Sprechens in so- nicht genau beschrieben sind, können Va-
zialen Kontexten, wird als ein System ge- riationsstudien kein kategorisches, deter-
fasst, dem statisch gleichförmig wirkende ministisches Explanandum liefern. An
Faktoren zugrunde liegen, die statistisch dieser Gesamtsituation der Modellierung
(als relative Häufigkeiten) erfasst werden sprachlicher Variation ändert auch der
können. Damit werden systemlinguisti- mit logischer Stringenz formulierte An-
sche Konzepte an Sprachgebrauchsbe- satz von Lieb (1998) nichts. Liebs Ver-
dingungen durch quantitative Gewich- dienst liegt darin, die vielfältigen, explizi-
tungen angepasst. ten empirischen Arbeiten auf dem
(2) die soziale Gewichtung und Bedeutung Gebiet der Variationslinguistik mit ei-
eines Merkmals/einer Regel in einem nem mengentheoretischen „Dach“ zu
Korpus ergibt sich aus ihrer Verwen- versehen. Natürlich ist Lieb (1998) nur
dungshäufigkeit in der Produktion. Ei- ein Teil und eine Art Übersicht über die
nerseits bleibt dabei die rezeptive Seite/ detaillierteren theoretischen Darlegun-
die Pragmatik des Hörers ausgeschlos- gen in Lieb (1993). Zunächst einmal
sen, andererseits wird der Häufigkeit stellt der Ansatz von Lieb keine eigen-
an sich ein explikativer Wert beigemes- ständige neue Modellierung des Be-
sen – kontextspezifische, unterschiedli- reichs ,Variation‘ dar. Es geht also nicht
che Bedeutungen eines Merkmals wer- grundsätzlich um das Verhältnis von
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 939

sprachlichen und nichtsprachlichen Va- nal‘ wird ja von den neueren Arbeiten zu
riablen, um die Grenzen des Qantifi- ,Substandard‘ substantiell berührt, auch die
zierbaren bzw. qualitativ zu Beschrei- Diskussion um die Theoretisierung der Be-
benden, um die Explananda, seien sie griffe ,Konvergenz‘ und ,Divergenz‘ bleibt
nun sprachlicher Art und von nicht- bei Liebs Konzeption außen vor. Daher ist
sprachlichen Verhältnissen abhängig der Eindruck nicht ganz falsch, dass grund-
oder in einem gegenseitigen Bedin- legend Abstraktionen in einer empirischen
gungsverhältnis. Untersuchungen wie Disziplin wie der Soziolinguistik erst erfol-
die von Labov, Sankoff, Eckert, Biber gen können, nachdem es ca. 20 bis 30 Jahre
etc. stellen für Lieb faktisch ausgewie- Vorlauf ,Empirie‘ gegeben hat. – Wenn man
sene Oberflächenstrukturbeschreibun- Lieb und Chambers (1995) als zwei Seiten
gen der gesprochenen Sprache dar. Im der gleichen Münze nimmt, dann handelt es
Wesentlichen rekonstruiert er auf expli- sich bei Lieb um eine konservativ-reduktive
zite, formal-logische Weise die Grund- formale Explikation unmittelbarer und nur
lagen dieser Arbeiten; das Gleiche gilt sprachwissenschaftlich relevanter Teile der
für das Konzept der historischen Spra- Soziolinguistik, der sprachlichen Variation.
che von Coseriu. Mit Hilfe der Begrif- Bei Chambers handelt es sich um eine Dis-
fe „Allophon“/„allophon“ rekonstru- kussion aller sozial signifikant oder sich als
iert Lieb die bei Labov mangelnde Un- solche erweisender Faktoren im Sinne deter-
terscheidung zwischen phonetischen minierender Parameter sprachlicher Alter-
und phonologischen Variablen. Die Lo- nativen/an soziale Kontexte gebundene Va-
gik leuchtet ein, für Soziolinguisten, die rianten. Wie bei Lieb ist die ,linguistische
an der Lösung von Beschreibungspro- Variable‘ im Zentrum des Interesses. Anstatt
blemen des Sprachgebrauchs arbeiten, aber seine Form und Funktion im Rahmen
wäre es nun sehr nützlich gewesen, sprachlicher Strukturen zu diskutieren, in-
wenn Lieb sich einige bedeutende quan- teressiert Chambers die nichtsprachlichen
titative Arbeiten herausgegriffen hätte, Korrelate der Variablen. Hier werden an-
um an ihrem Beispiel aufzuzeigen, was hand vorliegender Studien diskutiert:
an Unterschieden in der Beschreibung Schicht, Netzwerk und Mobilität, Ge-
und in der Erklärung aufgrund der „al- schlecht, Alter und schließlich die von Giles
lophonischen“ Unterscheidungen an- u. a. formulierte sozialpsychologische De-
ders wäre. Würden die theoretischen terminante ,Anpassung‘ (Akkommodation).
Vorschläge zu substantiell anderen em- Lieb und Chambers Arbeiten sind komple-
pirischen Ergebnissen und Erklärungen mentär – wie eben die zwei Seiten einer glei-
führen? chen Münze. Beide behandeln linguistische
Der zweite Gesichtspunkt betrifft den „Va- Variablen, bei Chambers ist die Theorie je-
rietätenansatz“ im Rahmen der von Coseriu doch lediglich ein nicht explizierter, ohne
formulierten ,historischen Sprache‘, die al- Anbindung im Raum hängender Aufhänger,
lerdings von Coseriu anders als von Lieb der motiviert, die bestehenden Forschungen
verstanden wird. Lieb kommt zu der Dicho- mit ihrer sozialen Signifikanz darzustellen
tomisierung zwischen Epochengliederung und daran anschließend zu fragen, was an
(holistischer Ausdruck) und die „Gliede- den jeweiligen Feststellungen unhinterfragt
rung in Individualsprachen (persönliche ist und hinterfragt werden müsste. Das Buch
Ausprägung)“ (Lieb 1998, 11). Liebs theore- beginnt auch bezeichnenderweise mit fol-
tische Konzeption bietet eine logische gendem Satz „the correlation of dependent
Grundlage für die Varietätenarchitektonik linguistic variables with independent social
von Coseriu. Konservativ sind seine Ausfüh- variables, the subject matter of this book,
rungen aber insofern, als keine die Realität has been the heart of sociolinguistics …“
reflektierende, den sprachsoziologischen (Chambers 1995, Xvii). Mit anderen Wor-
IST-Bestand theoretisierende Innovation ten: es ist das Labov-Sankoffsche Thema der
erfolgt. Mit Bezug auf die Arbeiten von qualitativen Variation und ihrer Beschrei-
Mattheier u. a. seit Ende der neunziger Jahre bung: was aber ist hier von Theorie geleitet
und den Überlegungen in Dittmar (1997) so- und was sind theorieleitende Prinzipien? Er-
wie die theoretischen Reflexionen von Ber- gebnisse eines Experiments X können durch
ruto (1995) zur Diglossie gibt es keine Fort- Ergebnisse eines Experiments Y korrigiert
schritte. Das Verhältnis von Grunddialekten werden, wenn man die Art die Anlage des
und den Attributen ,regional‘ vs. ,überregio- Experiments, seine Signifikanz unter Ge-
940 VII. Sociolinguistic Methodology

sichtspunkten der Validität und Reliabilität riablen) wie soziales Netzwerk (Erklärungs-
diskutiert und dem einen Experiment höhe- variable mit hohem Prestige), Alter (vgl.
re Güte als dem anderen zuweist. Dann aber Eckert 1997), soziale Schicht (Chambers
müssen Validität und Reliabilität, wenn es 1995, 34–80), Geschlecht (Chambers 1995,
sich um qualitative Studien handelt, auch an 102–145; Wodak u. Benke 1997, 127–150),
Kriterien gemessen werden, die zu formulie- um nur die wichtigsten zu nennen. Unter
ren und zu explizieren sind. In dem Buch den genannten Variablen ist nur Alter eine
von Chambers ist dies nicht der Fall. So metrische, Geschlecht ist eine ordinale Va-
bleibt ein Hin- und Herwenden empirischer riable und soziale Schicht bzw. Netzwerk
Studien, die eine gegen die andere ausspie- eine nominale Variable, die durch Indika-
lend, aber kein Modell theoretischer Reich- toren eine empirisch handhabbare Operatio-
weite wie wir dies in der Linguistik oder in nalisierung erfährt. Die jeweiligen Indikato-
der Logik gewöhnt sind. Chambers kann ren werden als ,soziale Fakten‘ gehandhabt,
man als einen Überblick oder eine Zusam- die, gemessen an einem geeichten sprachli-
menfassung verschiedener in der Literatur chen Nullpunkt, Abweichungen auf der
bekannter großer Studien sehen – mit ent- Skala der Variation messen. Alter und Ge-
sprechenden historischen und literarisch schlecht sind relativ günstig als universale
fundierten Kommentaren. Nicht nur fehlt soziale Faktoren handhabbar (sie sind in je-
ihm eine Theoriekonzeption, es fehlen auch der Gesellschaft vertreten, ihre Kategorisie-
die Impulse, die zu einer Korrektur beste- rung ist eindeutig und es handelt sich um
hender Konzepte zugunsten einer theoreti- natürliche soziale Parameter). In welchem
schen Modellbildung vonnöten wären. Im Maße nun sprachliche und kommunikative
Unterschied zu Lieb (hohe Abstraktion, jen- Ausprägungen für Geschlecht und für Alter
seits der mühevollen Niederungen empiri- eine vergleichbare Rolle spielen, hängt von
scher Daten) und Chambers (Enthusiast Art, Typ und Geschichte der jeweiligen Ge-
der korrelativen Soziolinguistik, auf der Su- sellschaft ab.
che nach einem Mosaik zusammenwirken- Auf dem Gebiet dieser beiden Variablen
der sozialdeterminierender Faktoren) stellt lassen sich jedoch sicher hoch signifikante
Downes in seiner umfangreichen Monogra- vergleichende Studien durchführen.
phie „Language and Society“ (1998) mehr- Bei den beiden anderen Variablen (hier
fach und mit sowohl philosophischem als nur stellvertretend für weitere wichtige so-
auch verhaltenswissenschaftlichem Know- ziolinguistische Variablen, (vgl. Chambers
How die Frage nach der Erklärung sprachli- 1995 u. a.) kann nicht mit Hilfe von Natür-
cher Variation (Kap. 11: Language and So- lichkeit kategorisiert werden (im Sinne der
cial Explanation). Wie schon Dittmar (1996, social categorization von Sacks), viel mehr
115 ff.) unterscheidet Downes zwischen kor- müssen mehr oder weniger plausible Indika-
relativen kausalen Erklärungen und die toren gewählt werden, um das Konstrukt
teleologischen, handlungsbezogenen Er- ,soziale Schicht‘ oder ,soziales Netzwerk‘
klärungen. Die pragmatische, telelogische genauer zu erfassen (vgl. für eine höchst sen-
Spielart soll im Kapitel 4 erläutert werden. sible Netzwerkkonzeption (Barden & Groß-
Im Kontext dieses Kapitels spielt die kausa- kopf 1998). Viele quantitative Studien
le, meist mit quantitativen Argumenten ver- deuten ganz klar darauf hin, dass kommuni-
bundene korrelative Sicht eine dominante kative Netzwerke beispielsweise eine grund-
Rolle. In dieser Sicht sind die sprachlichen ständige hoch signifikante, erklärungsstarke
Faktoren die abhängigen und die nicht- soziale Variable darstellen. Das Gleiche gilt
sprachlichen die unabhängigen. Dieser Typ für Geschlecht und Alter. Dennoch ist z. B.
von Erklärung, sucht Erklärungen durch ,Alter‘, wie Eckert (1997) ausführt, keine
positive Belege sozialer Fakten. Das Ziel ist leicht zu kategorisierende Variable. Und die
es, empirische Theorien zu entwickeln, die quantitativen Indikatoren für soziale Netz-
strukturelle Muster sozialen Verhaltens für werke lassen recht unterschiedliche In-
große gesellschaftliche Gruppen voraussa- terpretationen zu. Die Frage ist nun, wie
gen und erklären. Die Legitimität solcher kausale Erklärungen zu teleologischen im
Erklärungen ist beispielsweise durch die sta- Verhältnis stehen. Kausale verhaltenswis-
tistische Prozedur der Signifikanz gegeben. senschaftliche Erklärungen bündeln einzel-
Sprachliche Ausprägungen korrelieren hoch ne soziale Fakten zu komplexen zusammen
oder nur in geringem Maße mit gesellschaft- und konstruieren Zusammenhangsmaße
lichen Konstrukten (außersprachlichen Va- zwischen wohl definierten komplexen sozia-
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 941

len Fakten (Sprache, Verhaltensmanifestati- Gumperz und (als neueren Vertreter dieser
on). Ein Laut, ein Morphem, eine syntakti- Richtung) Auer ein. – Der Ansatz des kon-
sche Konstruktion, eine Handbewegung, textsensitiven Kommunizierens („con-
eine Kopfnicken, ein bestimmter Blickkon- textualization approach“) hat in Europa,
takt etc. werden immer wieder in einer ganz aber auch in den USA große Wirkung und
bestimmten Ausprägung mit einer durch In- etabliert sich als Zwischenglied/Link/Brücke
dikatoren operationalisierten sozialen Va- zwischen der Variationslinguistik und der
riable als „ideelle Merkmalausprägungen“ soziolinguistischen Interaktionsanalyse. Im
miteinander korreliert. Es spricht vieles da- Klartext heißt dies: Auf der einen Seite wird
für, dass die Menge gleichartiger oder eben der Prozess der Interaktion als Produktion
andersartiger Ereignisse eine Bedeutung ha- und Rezeption, als Handeln und Widerhan-
ben, sozusagen soziale Signifikanz für grö- deln, als Organisieren von Diskursen, von
ßere Mengen von Individuen (Gruppen). gemeinschaftlichen Reden etc. begriffen; auf
Andererseits ist natürlich gemäß der Frage der anderen Seite geht es nicht nur um holis-
der Relevanztheorie eine tiefergehende Er- tische Äußerungen und Redeteile, sondern
klärung darin zu sehen, wie Menschen Ver- auch um sprachliche und nichtsprachliche
halten und dessen Ergebnisse über Hand- Zeichen, insbesondere auch um bisher weni-
lungen längerfristig aufbauen. Dieser Frage ger gut untersuchte Bereiche wie Prosodie,
widmet sich die qualitative, interpretative Rhythmus etc. Grundlegende Beiträge zur
oder teleologische Soziolinguistik. Methodik und Theorie, aber auch mit empi-
rischen Beiträgen finden sich in Auer und Di
4. Kontext- und interaktionssensitive Luzio (1992).
Als späte Frucht der ethnographischen
Soziolinguistik
Untersuchungen zur Variation in Hemnes-
Die korrelative Soziolinguistik wurde mit berget (Norwegen) sowie in Indien und in
Recht auch als sprecher- oder produktions- anderen Kontexten konzipierte John Gum-
bezogene Soziolinguistik bezeichnet (vgl. perz einen kontextsensitiven Ansatz in der
hierzu Dittmar 1996). Die Sprecheräuße- Soziolinguistik, der die soziale Bedeutung
rung schneidet ja die Äußerungsintention alternativer Varianten im Sprachgebrauch-
auf einen jeweiligen Hörer zu, der wiederum system mit ihrer pragmatischen Funktion
die Äußerung selber und den gesamten Kon- im interaktiven Austausch verbindet. Ein
text interpretiert und daraufhin neue Äuße- Schlüssel zu seinem Ansatz ist sicher die kul-
rungen produziert. Dieser interaktive Pro- turelle Relativität, die den sprachlichen Zei-
zess hat natürlich auf das Verhalten via chen als Formen anhaftet und als unver-
Handeln einen erheblichen Einfluss. Lin- brüchliche, unübersetzbare, eigenständige,
guisten, Philosophen und Sozialwissen- interpretative Perspektiven in die interkultu-
schaftler haben das schon seit langem er- relle Kommunikation (Muttersprachler –
kannt und in der einen oder anderen Weise Nichtmuttersprachlerkommunikation, z. B.)
in ihren Arbeiten/Theorien zur Interaktion eingeht. Die Gumperzsche Konzeption be-
formuliert. Downes (1998) erläutert dieses zieht sich auf nicht-referentielle Mittel
Paradigma auf den Seiten 419 – 432. Ditt- (Schlüsselwörter, die auf situative oder so-
mar (1994) gibt für Sprecher- Hörerinterak- ziale Aspekte einer aktuellen Sprechsituati-
tionen mit entsprechenden diskursiven Aus- on verweisen), wobei prosodische Eigen-
tauschprozessen den Regeltyp III an (1996, schaften von Äußerungen und diskursiven
140 ff.). Mit diesem Regeltyp III werden Einheiten eine besondere Rolle spielen. So
ganz spezifische Handlungs- u. Organisati- würde eine Äußerung, die als Sprechhand-
onsprinzipien im Diskurs erfasst. Auer lung einer Bitte bedeutungsspezifisch ausge-
(1999) führt 22 Klassiker der Diskurs- Kon- drückt wird, bei einem starken Senken der
versations- u. Interaktionsanalyse auf. Stimme im Kontext muttersprachlicher
Schiffrin, Tannen und Hamilton (2001) ge- deutscher Sprecher fehlschlagen, da ein He-
ben eine umfassende Übersicht aller mit ben der Stimme am Ende der prosodischen
Diskurs und Interaktion verbundenen Phrase erwartet würde. Nun gibt es zahlrei-
sprachlichen, kommunikativen und sozial- che ,gate keeping‘-Situationen, in denen die
wissenschaftlichen Methoden und Theo- Sprache, z. B. in Bewerbungsgesprächen,
rien. Im Folgenden gehe ich auf die Konzep- eine Schlüsselrolle spielt. Wenn in solchen
tion des kontextsensitiven Sprechens via Bewerbungsgesprächen, wie es Gumperz für
Analyse der „contextualization cues“ von Pakistani (Urdu-Sprecher) in London auf-
942 VII. Sociolinguistic Methodology

zeigte, mit der prosodischen Gestalt entge- wusst oder geplant waren und die unab-
gen den muttersprachlichen Erwartungen hängig von der jeweiligen Interaktions-
Bedeutungen ausgedrückt werden, die ganz situation bestehen. Jedenfalls können
andere Interpretationen nach sich ziehen, die emergenten Kontextparameter auf
als die Sprecher selber intendiert haben, so sprachliche Aktivitäten verweisen, die
muss von interkulturellen Fehlschlägen ge- durch soziale oder materielle Mittel/
sprochen werden. An der Aufdeckung sol- Umstände der Interaktion nicht vo-
cher interkultureller Fehlschläge, insgesamt rausgesagt werden können. Sie bezie-
aber an der sozialen Bedeutung stilistischer hen sich auch auf soziales Wissen, das
Varianten und ihrer kontextspezifischen die Teilnehmer miteinander teilen, aber
Bedeutung, ist Gumperz interessiert; sein aus den nicht sichtbaren kognitiven
Ansatz der Kontextualisierung (Gestalt Dispositionen oder Ressourcen der
sprachlicher Zeichen in einem spezifischen Sprecher in gemeinsam geteilte Hinter-
aktuellen Kontext) beschreibt die Relation gründe und kognitive Schemata konver-
sprachlicher Zeichen mit situativen und in- tiert werden müssen. In seinem die
teraktiven Bedingungen des Kontextes, aus Theorie von John Gumperz rekonstru-
deren spezifischer Relation Hörer gewisse ierenden Beitrag (Auer 1992) formuliert
Schlüsse ziehen (inferencing). Nach Auer er erste Komponenten einer Typolo-
(1992, 4) umfasst der Begriff ,Kontextuali- gie von ,Kontextualisierungshinweisen‘
sierung‘ „all activities by participants which (contextualization cues). Kontextuali-
make relevant, mentain, revise, cancel. Any sierungshinweise können definiert wer-
aspect of context which, in turn, is responsi- den als eine Beziehung zwischen einem
ble for the interpretation of an utterance in Sprecher, einem Kontext, einer Äuße-
its particular locus of occurrence“. Die je- rung und einem (nicht-referentiellem)
weilige Kontextspezifik wird flexibel und Kontextualisierungshinweis: „contextua-
reflexiv genannt. Zwischen Kontext und lization cues are used by speakers in or-
Diskurs muss eine multidimensionale Bezie- der in enact a context for the interpreta-
hung angenommen werden und nicht nur, tion of a particular utterance“ (Auer
wie Gumperz zunächst meinte, eine unidi- 1992, 31).
rektionale (einseitig gerichtete). Kontext ist Nach Auer können drei Gruppen von Kon-
vielmehr ein ständig sich veränderndes Kon- textschemata unterschieden werden. Die
tinuum in der Zeit und bildet damit unter- erste Gruppe bezieht sich auf intra-episodi-
schiedliche szenische Hintergründe für Äu- sche Kontextualisierungsarbeit. Hier han-
ßerungen. Ein bedeutender theoretischer delt es sich um kulturelles Wissen, z. B. wie
Punkt in Gumperz’ Ansatz ist die Annahme, Erzählungen in einem kulturellen Kontext
dass die Beziehung zwischen Äußerungen hervorgebracht werden, wie man deiktisch
und Kontext reflexiv ist, d. h. sie beeinflus- auf die äußere Welt referiert, was zuerst und
sen einander; Sprache ist nicht nur vom danach erzählt werden soll etc. Die zweite
Kontext determiniert, sondern trägt ihrer- Gruppe solcher kontextuellen Schemata, die
seits zur Konstruktion von Kontexten in sogenannten „default-Zuweisungen“, die
grundlegender Weise bei. Somit ist der Kon- routinierte Annahmen über die Welt impli-
text in seiner Sicht nicht nur eine soziale Fa- zieren. Diese Schemata gehören zum
cette der Interaktion sondern ein Ergebnis „default-Wissen“, das das Wissen über typi-
der Beteiligten und ihrer sozialen Anstren- sche Objekte und Situationen impliziert
gungen, wesentliche Eigenschaften eines (dieses Wissen ist ein grundlegender Teil un-
Kontextes miteinander zu teilen. Daher ma- seres Allgemeinwissens und tritt immer dann
chen soziale und materielle Fakten nicht al- in Aktion, wenn Lücken zwischen Handlung,
lein die Relevanz einer Interaktion zu einem Interpretationen etc. entstehen und mit ent-
gegebenen Zeitpunkt aus, sondern eine sprechendem Sinn gefüllt werden müssen).
Sammlung kognitiver Schemata und Model- Hierzu gehören auch die Themaerwartungen
le. Der Kontext umfasst: im Rahmen von Institutionen etc. Eine dritte
(1) gewisse materielle und soziale Fakten Gruppe von Kontextparametern beziehen
der Interaktion, die durch objektive Be- sich auf den physischen Kontext der Interak-
obachter beschrieben/erfasst werden tion, auf die Zeit, auf die sichtbaren Merk-
können; male der Teilnehmer (ethnische Gruppe, Ge-
(2) Informationen, die von den Beteiligten schlecht, Alter etc.). Deiktische Mittel,
vor Beginn der Interaktion nicht be- Gesten, Blickkontakt etc. sind Manifestatio-
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 943

nen der dritten Gruppe von Kontextgrößen. es aber nicht. Wir würden hier wie in der
In der mikroethnographischen Soziolinguis- Medizin so argumentieren, dass ausschließ-
tik stellen die Textualisierungshinweise eine lich homöopathische Mittel nicht der richti-
Brücke zwischen linguistischen und nicht-lin- ge Weg sein können, ausschließlich schulme-
guistischen Verhaltensmerkmalen dar, indem dizinische Mittel sind aber auch nicht immer
sie Variation, Prosodie, Gesten und Körper- die beste Lösung. So kommt es darauf an,
bewegungen in die Typen sozialer Bedeutung auf den jeweiligen Zweck der Mittel, den
von Äußerungen einschließen. Ausgehend Kontext, die Anwender etc. genauer zu
von geteilten Hintergrundannahmen und schauen. Wenn man ein Gebiet neu
einer interaktionsspezifischen Type von Kon- erforscht, z. B. (wir konstruieren) den Zu-
textualisierungshinweisen spricht man in An- sammenhang zwischen Handicap/Art des
lehnung an Deborah Tannen in erweiterter Behindertseins und sprachlicher Variation/
Funktion des Gumperzschen Kontextuali- sprachlichen Ausprägungen dieses Behin-
sierungsansatzes auch von soziolinguisti- dertseins, so ist es ganz sicher von großem
schen Stilen. Dabei bewahren Autoren wie Nutzen, erstmal mit relativ großen Stichpro-
Kallmeyer, Keim u. a. aus dem Mannheimer ben und repräsentativ bestimmte Typen von
Stadtsprachenprojekt (vgl. Kallmeyer 1994) Vorkommensweisen, von stilistischen Mus-
die enge Verzahnung von sprachlichen Mus- tern, von phonetischen Eigenheiten etc. zu
tern und Kontextmerkmalen, andere wie erfassen. Wenn genügend breite Informatio-
Selting, Kotthoff u. a. interpretieren Kon- nen über das Phänomen vorliegen und ziem-
textbezüge in engem Zusammenhang mit lich deutlich wird, was eine große und was
dem konversationanalytischen Ansatz. eine kleine Rolle spielt, was sehr abweichen-
Während Auer eine Theorie der Kontextua- de und weniger abweichende Merkmale
lisierung versucht, wird im Rahmen der Stil- sind, dann empfiehlt es sich, mit ethnogra-
analyse mit konversationeller Prägung die phischen und qualitativen Untersuchungen
Bedeutungskonstitution im Verlauf der In- in die Tiefe zu gehen und den Phänomenbe-
teraktion durch wechselseitige Äußerungen reich mikroanalytisch zu erklären. Die
von Sprecher und Hörer in den Vordergrund Grenzen der quantitativen Beschreibung
gestellt; eine Theorie wird gerade abgelehnt, und Erklärungen liegen immer in der Sta-
da jeder Akt ein gemeinsames, in der Inter- tisch-Zusammenfügung nicht-natürlicher,
aktion vollzogenes Ereignis mit einer be- operationalisierter Konstrukte unter Ver-
stimmten Organisationsform darstellt. Die nachlässigung der Dynamik der Entwick-
theoretisch wie empirisch fundiersten Stil- lung, der Genese in Handlungen und Inter-
analysen sind im Rahmen des Mannheimer- aktionen etc. gibt es z. B. immer wieder
Projektes zu kommunikativen Routinen und gewisse statistische Ausprägungen, so ist des
zu Gesprächsaktivitäten im spezifischen öfteren die quantitative Seite relativ klar
Kontextrahmen und ihren Wechselstruktu- und eindeutig erfasst; hier gibt es dann kei-
ren je nach Aktivität und Gruppe in Mann- nen Erkenntnisfortschritt mehr, außer dass
heim entstanden (vgl. Kallmeyer et al. die Handlungs- u. Motivationsdimensionen
1994). In Dittmar (1997) wird stringent dar- in ein bestimmtes Verhalten genauer erfasst
gestellt, dass Stile mit Persönlichkeits- u. und erklärt werden (hier sollte man sich am
Ausdrucksvariablen zu tun haben, während Erstspracherwerb orientieren, der genau
Register nicht sprecherspezifisch, sondern diesen Weg geht). Mit anderen Worten:
nach Maßgabe von Sprachgebrauchstypen quantitative, insbesondere statistische Un-
und Mustern organisiert sind. tersuchungen haben eindeutige Grenzen: sie
machen Sprachverhaltensfotos von außen,
5. Ausblicke und Desiderate sie nehmen aus unterschiedlichen Perspekti-
ven als auf Fotos fixierte Fakten des Verhal-
Ein kohärentes Bild notwendiger theoreti- tens wahr und bringen die so veräußerlich-
scher Orientierung und einer obligatori- ten Verhaltensweisen in eine Erklärung der
schen Vorgehensweise bei der Modellbil- quantitativen Korrelation. Hier fehlen dann
dung gibt es nicht. Im Folgenden sollen die Innenseiten der Außenseiten, d. h. der
einige Anregungen für die Weiterarbeit ge- Anteil der intentionalen Akte und die Ge-
geben werden. Vielerorts hat sich die Ideolo- schichte/Dynamik ihrer Entwicklung im
gie eingebürgert, man müsse entweder quan- Individuum, in seinem Handeln und in der
titativ oder qualitativ arbeiten – eine Brücke Interaktion. Zweitanalysen kann man mit
zwischen diesen beiden Königswegen gebe differenzierten Indikatoren durchführen,
944 VII. Sociolinguistic Methodology

Tagebücher der an Netzwerken Beteiligten, 6. Literatur (in Auswahl)


innere Wahrnehmungen von Kontakten, In-
terpretationen der Relation/Beziehung zu Ager, Dennis (1996) Language policy in Britain
anderen etc. sind wertvolle Ergänzungen and France: The processes of policy, London/New
York.
und tiefergehende Korrekturen für die
quantitativen Ausprägungen. Ammon, Ulrich. (1972) Dialekt, soziale Ungleich-
Unter den fruchtbaren neueren Theore- heit und Schule, Weinheim.
tisierungen finden sich die von Bartsch be- –, ed., (1989) Status and Function of Languages
gonnenen und Ammon fortgesetzten An- and Language Varieties, Berlin.
sätze, Varietäten bzw. Funktionen von –, (1989) „Towards a descriptive framework for
Sprachen und Varietäten explizit zu bestim- the status/function (social position) of a language
men/zu definieren. Solche Definitionsversu- within a country“, in: Ammon, U., ed., Berlin,
che zeigen uns, wie weit wir empirische Ele- 21–106.
mente solcher Definition belegen können
–, (1991) „The status of German and other
oder bisher nicht belegt haben (Hinweis auf languages in the European Community“, in: A
zukünftige Forschung). Folgende Arbeits- Language Policy for the European Community:
bereiche haben m. E. Priorität: Prospects and Quandaries, Coulmas, F., ed., New
Die Untersuchung von Varianten/Varia- York, 241–54.
blen syntaktischer Art und über die Syntax
–, (1995) Die deutsche Sprache in Deutschland, Ös-
hinausgehend (semantische und diskursive terreich und der Schweiz: Das Problem der nationa-
Phänomene). Über das, was geleistet wurde len Varietäten, Berlin.
auf diesem Gebiet, geben Du Bois und San-
koff (2001) Auskunft. Die Untersuchungen –, (1995) „To what extent is German an interna-
tional language“, in: The German Language and
sind auch hier richtungweisend. Die meisten the Real World. Sociolinguistic, Cultural and Prag-
soziolinguistischen Beschreibungen bezie- matic Perspectives on Contemporary German, Ste-
hen sich auf soziale Bedeutungen der vom venson, P., ed., Oxford, 25–53.
Sprecher produzierten Varianten. Zuneh-
mend sollte die Rolle des Hörers einbezogen –, (1996) „Typologie der nationalen Varianten
des Deutschen zum Zweck systematischer und er-
werden; wie weit hat der Variantenzuschnitt klärungsbezogener Beschreibung nationaler Va-
mit Zuhörern und Kontext zu tun? Theore- rietäten“, in: Zeitschrift Für Dialektologie und
tisierungen über den Kontext scheinen wich- Linguistik LXIII .
tig.
Auer, Peter (1990) Phonologie in der Alltagsspra-
In Bereichen, in denen quantitative Quer-
che: eine Untersuchung zur Standard/ Dialektvaria-
schnittstudien vorliegen, sollten fundierend tion am Beispiel der Konstanzer Stadtsprache, Ber-
qualitative, semantisch und pragmatisch rele- lin.
vante Untersuchungen durchgeführt werden.
Hier könnte eine größere Erklärungstiefe er- Auer, Peter (1999) „Sprachliche Interaktion: Eine
Einführung anhand von 22 Klassikern“, Tübin-
reicht werden. Die Oberfllächenuntersuchun-
gen.
gen wären zu ergänzen durch quantitative
Beschreibungen, die die kommunikativen Auer, Peter/di Luzio, Aldo (1992) The Contextua-
Funktionen von Varianten kontextspezifisch lization of Language, Amsterdam/ Philadelphia.
erfassen. Gillian Sankoff hat in ihrem Beitrag Auer, Peter/ Hinskens, Frans (1996) „The conver-
(vgl. Art. 103) deutlich gemacht, dass wir die gence and divergence of dialects in Europe: New
gesellschaftlichen Antriebskräfte und Fakto- and not so new developments in an old area“, in:
ren nur in Längsschnittuntersuchungen in real Sociolinguistica 10, Ammon, U./Mattheier, K. J./
time differenziert erfassen und damit die pri- Nelde, P., eds., Tübingen., 1–30.
mären, sekundären und tertiären Faktoren in Balmer, Thomas (1976) „Inwiefern ist Linguistik
der Zusammensetzung ihrer auf Sprache wir- empirisch?“, in: Wissenschaftstheorie der Linguis-
kenden Schubkraft differenzieren können. tik, Wunderlich, D., ed., Kronberg, 6–53.
Erste empirische Ergebnisse machen Mut, die- Becker, Angelika/ Dittmar, Norbert/ Klein, Wolf-
se Linie fortzusetzen und für die Theorie gang (1978) „Sprachliche und soziale Determinan-
fruchtbar zu machen. Eine soziolinguistische ten im kommunikativen Verhalten ausländischer
Theorie oder eine Theorie des Sprachwandels Arbeiter“, in: Sprachstruktur – Sozialstruktur.
dürfte es somit nicht geben. Zur linguistischen Theorienbildung, Quasthoff, U.,
ed., 158–192.
Berruto, Gaetano (1995) „Fondamenti di sociolin-
guistica“, Bari.
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 945

Biber, Douglas/Conrad, Susan/Reppen, Randy Gumperz, John J./Levinson, Stephen (1996) Ret-
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946 VII. Sociolinguistic Methodology

97. Forschungsethische Probleme / Issues in Research Ethics

1. Vorbemerkung glattweg unübersehbar geworden (cf. die


2. Ethik als Leitprinzip in Wissenschaft und exemplarische Auswahl bei Nida-Rümelin
Forschung 1996, die „Encyclopedia of Applied Ethics“
3. Ausgewählte Fallstudien [EAE ], den Sammelband von Morscher/
4. Schlussfolgerung Neumaier/Simons 1998 und das „Jahrbuch
5. Literatur (in Auswahl) für Wissenschaft und Ethik“ [seit 1996]). All
das ist aber nicht nur der inneren „Nor-
1. Vorbemerkung mal“-Dynamik der Wissenschaftsentwick-
lung zuzuschreiben, sondern unzweifelhaft
Ich habe für die erste Ausgabe dieses Hand- auch als Antwort bzw. Reaktion auf die im-
buchs vor etwa 20 Jahren einen gleichbetitel- mer dringlicher werdenden kontinentalen
ten Kurzartikel (Goebl 1988) verfasst, in und weltweiten Herausforderungen im Be-
dem ich vor dem Hintergrund einer für Fra- reich von Wirtschaft, Demographie, Medi-
gen genuiner Ethik damals noch recht wenig zin, Technik, Ökologie, Ökonomie etc. auf-
interessierten Soziolinguistikszene versucht zufassen. Und schließlich scheint dieser
habe, einen gerafften Problem-, Methoden- Zuwachs zusätzlich durch die großen politi-
und Literaturüberblick zu geben und einige schen Umbrüche von 1989/90 und die damit
im weitesten Sinn als „soziolinguistisch“ verbundenen politischen, wirtschaftlichen
einzustufende Beispielsfälle hinsichtlich ih- und gesellschaftlichen Verwerfungen und
rer forschungsethischen Relevanz zu be- Neuorientierungen beschleunigt und inten-
leuchten. Wiewohl der damals bereits deut- siviert worden zu sein.
lich erkennbare Aufwärtstrend der Ethik – Auf der anderen Seite hat sich im Bereich
verstanden als wissenschaftliche Beschäfti- der Soziolinguistik durch die immer stärker
gung mit allen Fragen von Moral – sich in beachtete handlungsorientierte und wirk-
der Zwischenzeit überaus stürmisch fortge- lichkeitsstiftende Funktion des Sprechens
setzt hat, ist es im seit der Mitte der 80-er das methodische und empirische Spektrum
Jahre unzweifelhaft stark erweiterten Ein- jener Forschungen enorm erweitert, denen in
zugsbereich der Soziolinguistik rund um der einen oder anderen Form (real)politische
ethische Probleme nach wie vor recht still Relevanz zuzuschreiben ist. Damit stehen
geblieben. Somit hat sich ein erstaunlicher viele Soziolinguisten de facto vor Dilemma-
Hiat aufgetan: ta, die durchaus analog zu jenen einzustufen
Auf der einen Seite haben sich inner- und sind, vor denen sich Genforscher, Ökonomen
außerhalb von Universitäten und wissen- oder Ingenieure befinden, wenn sie die kon-
schaftlichen Großinstituten (wie Max- kreten Folgen ihres wissenschaftlichen Tuns
Planck-Gesellschaft [München], Frauenho- sub luce ethicae abzuschätzen haben. In der
fer-Gesellschaft [München], Ludwig-Boltz- Soziolinguistik ist diese Entwicklung grosso
mann-Gesellschaft [Wien], Joanneum Re- modo im Schlagschatten des „linguistic
search [Graz] etc.) sowie wissenschaftlichen turn“ abgelaufen, also einer in Philosophie
Organisationen (wie Deutsche Forschungs- (Diskussionsethik von J. Habermas [z. B.
gemeinschaft [Bonn], Centre National de la 1992] und K.-O. Apel [z. B. 1988]), Politolo-
Recherche Scientifique [Paris], European gie, Historie, Publizistik (Medienwissen-
Science Foundation [Straßburg] etc.) Ethik- schaft) diesseits und jenseits des Atlantiks
Kommissionen etabliert, die sich mit institu- entstandenen Rückbesinnung auf spezielle
tions- und/oder disziplinrelevanten Ethik- soziale und pragmatische (Zusatz)Funk-
Kodizes (cf. Deutsche Forschungsgemein- tionen von Sprache: das gilt ganz besonders
schaft 1998 und Max-Planck-Gesellschaft für deren realitätskonstituierenden Cha-
1999) versehen haben, ist ferner innerhalb rakter sowie die Öffentlichkeits- und Kon-
des engeren Fachbereichs der Philosophie textgebundenheit politischer Sprache. Am
weltweit die (theoretische und praktische) kompaktesten tritt im Umfeld der Soziolin-
Ethikforschung enorm angewachsen (Kurz- guistik diese neue Optik im Rahmen der
überblick bei Gil 1993) und dazu auch die „Kritischen Diskursanalyse – Critical Dis-
Publikationstätigkeit im Bereich der soge- course Analysis“ (cf. hier unter 3.4.) zutage.
nannten „Bereichsethiken“ (wie z. B. Medi- Wie weit sich in den letzten drei Lustren
zin-, Gen-, Medien-, Ökonomie- [etc.] ethik) das Spektrum der mit konkreten Anwen-
97. Forschungsethische Probleme 947

dungen (und damit ethisch bewertbaren den Kosten bzw. dem Schaden, den diese
Eingriffen in die soziale Wirklichkeit) be- Forschung den untersuchten Menschen be-
fassten Bindestrich-Linguistiken geöffnet reitet, 3) mit dem Verhältnis von allgemein-
hat, zeigt exemplarisch ein Vergleich der ethischen bzw. moralischen Werthaltungen
Aktivitäten der (bundes)deutschen „Gesell- zu jenen Fragen, die bei der Anwendung jeg-
schaft für Angewandte Linguistik“ (gegrün- licher wissenschaftlicher Fachkompetenz im
det 1968) einerseits und des (US )amerika- realen Leben aufkommen. Am bekanntesten
nischen „Center of Applied Linguistics“ sind diesbezüglich genetische und medizini-
(gegründet 1959) andererseits, der über das sche Forschungen und alle Fragen der
Internet jederzeit leicht durchführbar ist. „Technikfolgenabschätzung“.
Trotz dieses überaus beachtlichen ange- Unzweifelhaft ist zum ersten Bereich ein
wandten Engagements einer ursprünglich allgemeiner Konsens in der Fachkollegen-
nur theoretisch begründeten Wissenschaft schaft leichter zu etablieren als zum zweiten,
hat sich – in erstaunlichem Kontrast zu zahl- wo zahlreiche inhaltliche und prozedurale
reichen anderen, nicht direkt mit Sprache Unsicherheiten und damit Möglichkeiten
befassten Sektoren der Geistes- und Kultur- zum Dissens bestehen. So müsste zunächst
wissenschaften – im engeren Bereich von So- hinsichtlich des Umfangs und der Gültigkeit
zio-, Ethno- oder Kontaktlinguistik – abge- der ethischen bzw. moralischen Grundorien-
sehen von Initiativen zugunsten bedrohter tierungen eine begriffliche und sachliche
Sprachen („Gesellschaft für bedrohte Spra- Übereinkunft hergestellt werden. Dies inter-
chen (GBS )“, Köln, ab 1997; „Dokumenta- national zu erreichen ist schon deshalb
tion bedrohter Sprachen“ (DOBES )), Nim- schwer bis unmöglich, weil derartige Orien-
wegen, ab 2001) – keine eigenständige tierungen sehr stark von kulturell-sprachli-
Ethikdiskussion etabliert. Auf dieses Defizit chen, disziplinspezifischen und auch zeitge-
wurde von mir bereits 1995 (Vortrag dazu bundenen A prioris abhängig sind (cf. dazu
schon 1993 gehalten) und erneut im Jahr Gumperz/Levinson 1996 passim und – nur
1996 von H. Kniffka hingewiesen. Bei der exempli causa – die forschungsethischen Re-
Literatursuche ist allerdings auch zu beach- gelungen der Universität Montréal: „Ethi-
ten, dass zahlreiche thematisch hierher pas- que de la recherche avec des êtres humains:
sende Reflexionen nicht unter dem Label der [URL 2002] http://www.fas.umontreal.ca/
„Ethik“, sondern unter jenem der „Verant- fas/fasinfo/docethique.htm).
wortung“ bzw. „Verantwortlichkeit“ der Zudem stellt sich zusätzlich ganz massiv
Wissenschaft laufen (cf. z. B. Max-Planck- das uralte und von zahlreichen großen Geis-
Gesellschaft 1985; Barta/Ernst/Moser 1994; tern von Immanuel Kant (1724–1804; cf. be-
Mittelstraß 1996 oder Skutnabb-Kangas sonders seine Opera von 1785 und 1788),
2000). über Max Weber (1864–1920; cf. seine Auf-
sätze von 1904 und 1917) bis Karl Popper
2. Ethik als Leitprinzip in (1902–1994; cf. Adorno 1969) immer wieder
evozierte Dilemma zwischen der (wertfrei
Wissenschaft und Forschung
bzw. voraussetzungslos durchgeführten)
Vorauszuschicken ist, dass jegliche Wissen- empirischen Suche nach einem IST und der
schaftsethik vornehmlich mit drei Bereichen anschließenden (wertgesteuerten bzw. inte-
konfrontiert ist: 1) mit dem Ethos der wis- ressensgeleiteten) Einflussnahme auf dieses
senschaftlichen Praxis, verstanden als ein IST mittels der präskriptiv-normativen Set-
regelgeleitetes Handeln inmitten der Ge- zung eines spezifischen SOLLS. Gerade für
meinschaft der übrigen Wissenschaftler die Sozio-, Kontakt- und Ethnolinguistik
(scientific community). Dazu gehören alle ergeben sich hier durch deren traditionelles
die intellektuelle und kollegiale Redlichkeit Interesse für sozial, sprachlich und ethnisch
des einzelnen Wissenschaftlers bestimmen- diversifizierte Objektlagen sehr explizit
den Verhaltensweisen (wie z. B. die Vermei- wahrnehmbare Herausforderungen. Ich ver-
dung von Plagiat und Datenverfälschung, weise dazu auf Stichwörter wie „Kulturrela-
die Respektierung von Prioritäten etc.) und tivismus“ (Vivelo 1981) oder „Ethnozentris-
auch spezielle Regeln zur „korrekten“ An- mus“ (Preiswerk/Perrot 1973), für die in den
wendung der jeweiligen facheinschlägigen letzten Jahrzehnten durch die Etablierung
Methoden; 2) mit dem Verhältnis zwischen einer vergleichenden Stereotypen-, Image-
dem wissenschaftlichen Nutzen der an bzw. und Wahrnehmungsforschung (i. e. zu den
über Menschen betriebenen Forschung und représentations sociales) wertvolle Ergän-
948 VII. Sociolinguistic Methodology

zungen (cf. z. B. Fischer 1981) entstanden zivilisatorische und politisch veredelnde bzw.
sind. regulierende Kraft der französischen Spra-
Das hier angezeigte Dilemma ist anhand che. Auch dafür findet man zahlreiche vor-
verschiedener Einzelbeispiele vor allem seit bereitende Stimmen im Verlauf des 18. Jahr-
der Aufklärung immer wieder aufzeigbar, hunderts (cf. Certeau/Julia/Revel 1975,
wo der stürmisch voranschreitende Impetus passim).
wissenschaftlicher Eliten sehr oft mit der ra- Was nun die Abschätzung der konkreten
dikalen Absolutsetzung der eigenen Wert- Beeinflussung der realen Welt durch wissen-
haltungen und dem festen Willen verbunden schaftliches Tun betrifft, so ist im Fall sozio-
war, durch eine massive politische Einfluss- linguistischen Forschens die Lage bei wei-
nahme auf die als rückständig und schlecht, tem nicht so klar wie in den prominenten
jedenfalls aber als unbedingt verbesserungs- Bereichsethiken (Politische Ethik, Rechts-
würdig angesehene Wirklichkeit diese nach ethik, Wirtschaftsethik, Ökologische Ethik,
Maßgabe der eigenen Ideale zu verändern. Tierethik, Genethik etc.) Und zwar nicht al-
Als hierfür klassische Zeit ist die Epoche der lein deshalb, weil die Forschungsfolgen im
Französischen Revolution anzusehen, die Bereich der Soziolinguistik oft nur schwer
zahlreichen bürgerlichen (aber auch adeli- erkennbar sind, sondern auch, weil deren
gen!) Intellektuellen die Chance bot, die zu- ethische Beurteilung bisweilen diffizile Pro-
vor im Zeichen der Aufklärung durch 50 bleme aufwerfen kann. Unmittelbar auffäl-
oder mehr Jahre gehegten Ideale mit Hilfe lig sind Forschungsfolgen während bzw. bei
der neu etablierten politischen Systeme der Durchführung sozio-(etc.)linguistischer
(Convention, Herrschaft von Napoleon etc.) Forschungen, wo es um den direkten Um-
Wirklichkeit werden zu lassen. Aus soziolin- gang mit den Gewährs- und/oder Versuchs-
guistischer Perspektive ist diesbezüglich das personen geht. In diesem Fall kommen Nor-
Schicksal von Henri Grégoire (1750–1831), men zur Anwendung, die in Soziologie oder
seines Zeichens (Revolutions)Bischof von Psychologie wohlerprobt und selbstver-
Blois, exemplarisch, der sich nach 1790 ständlich sind: vorhergehende Informierung
massiv in drei Richtungen engagierte: 1) für der Gewährspersonen über die Methoden
die Ausrottung aller im weitesten Sinn als und Forschungsziele sowie Einholung von
„französisch“ anzusprechenden galloroma- deren Zustimmung zum Untersuchungsde-
nischen Substandardvarietäten („patois“) sign, Vermeidung jeglicher Täuschung, kei-
zum einen und aller nicht-französischen ne versteckten Beobachtungen oder Bild-/
Sprachen zum anderen sowie für die paralle- Tonaufzeichnungen, Wahrung der persönli-
le, massive Diffusion des Französischen in cher Integrität und Würde der Versuchs-
ganz Frankreich, 2) für die bürgerliche oder Gewährspersonen, menschlicher Res-
Emanzipation der Juden, 3) für die Freilas- pekt vor diesen selber bzw. vor ihrer Kultur,
sung der schwarzen Sklaven in den französi- Zusicherung des Anonymats, Beachtung ei-
schen Überseekolonien. Während man heut- ner ausbalancierten Schaden-Nutzen-Rela-
zutage den beiden letzten Aktivitäten tion etc. (cf. dazu z. B. Schuler 1980; Barnes
uneingeschränkt Beifall zollen wird, trifft 1977; den Sammelband von Lenk 1991 oder
dies für die zuerst genannte Zielsetzung – die weiter oben zitierten Bestimmungen der
wenigstens aus der Sicht der mitteleuropäi- Universität Montréal).
schen Soziolinguistik (wo die funktionale Dass es diesbezüglich immer stringenten
Mehrsprachigkeit, die multiple Kompetenz Handlungsbedarf geben wird, ist seit dem in
der Sprecher, die kommunikative Pluralität den 70-er Jahren durchgeführten Milgram-
etc. sehr positiv besetzte Werte sind) – ganz Experiment auch einer breiteren Öffentlich-
sicher nicht zu. Vom Standpunkt des abbé keit wohlbekannt (cf. Milgram 1974 und
Grégoire und zahlreicher anderer führender Lenk/Maring 1991). Eher mittelbar sind
Köpfe der französischen Aufklärung war jene Beeinflussungen einzustufen, die sich
aber einerseits die Koexistenz zweier oder aus der Expertenfunktion bzw. aus der „in-
mehrerer Idiome in einem Kopf ein entschie- formiert-allwissenden“ Rolle des Soziolin-
denes Manko und andererseits die alleinige guisten ergeben. Das Spektrum der diesbe-
Präsenz des Französischen in diesem Kopf züglichen Möglichkeiten ist relativ breit. Es
nicht nur ein Vorteil durch das Faktum des reicht von „patriotisch“ induzierten Stel-
eliminierten Sprachen„chaos“, sondern vor lungnahmen und Expertisen von Wissen-
allem auf Grund eines geradezu messianisch schaftlern zugunsten der eigenen und zuun-
anmutenden Glaubens an die intellektuelle, gunsten einer fremden Sprache oder Kultur
97. Forschungsethische Probleme 949

in Krisenzeiten (cf. hier unter 3.2.) – wie das Lehrprogramme zur kontrastiven Vermitt-
unzählige Male im Rahmen der diversen lung von Ebonics und Standardenglisch er-
Nationalphilologien vor dem Hintergrund arbeitet und in den Unterricht eingebracht.
der bewegten Staatengeschichte des 19. und Unmittelbar darauf (Jänner 1997) hat die
20. Jahrhunderts geschehen ist – bis zu ge- „Linguistic Society of America“ beschlos-
nuin forensischen Expertisen eines soziolin- sen, diese Initiative durch eine spezielle Ent-
guistisch ausgewiesenen Fachmanns, wo- schließung zu unterstützen, in der unter Be-
durch die Rechtssprechung unterstützt und rufung auf die internationale linguistische
damit die Verurteilung bzw. Freisprechung Forschung sozusagen ex cathedra festge-
von Menschen ermöglicht wird (cf. Kniffka stellt wurde, dass Ebonics genau wie allen
2000). Dazu gehören aber auch die Analyse, anderen Sprachen dieser Welt „systematic
Entlarvung und Abwehr rassistischer, xeno- and rule-governed“ sei und unter keinen
phober oder sexistischer Diskurse, wie sie im Umständen als „slang, mutand, lazy, de-
Rahmen der „Kritischen Diskursanalyse“ fective“ bzw. „ungrammatical“ oder gar als
betrieben werden. Doch ist dabei auffällig, „broken English“ qualifiziert werden dürfe.
dass bislang dazu keine (selbst)kritische Me- Zugleich wurde festgestellt, dass „speakers
taebene errichtet wurde, von der aus bei- of other varieties [als die nationale Mehr-
spielsweise untersucht wird, inwiefern die heitssprache] can be aided in their learning
zur Abwehr der eben zitierten Diskurse ein- of the standard variety by pedagogical ap-
gesetzten Mittel ihrerseits wissenschafts- proaches which recognize the legitimacy of
ethisch relevant bzw. einzustufen sind. the other varieties of a language“. Im Grun-
de handelt es sich bei dieser Causa, die im
3. Ausgewählte Fallstudien Internet zu zahlreichen sehr engagierten
Pro- und Contra-Leserbriefen geführt hat,
Die in der Folge streiflichtartig vorgestellten um eine indirekte Fortsetzung zum 1977–79
Problemlagen haben nur illustrativen Cha- abgeführten Ann Arbor-Prozess, wo eine
rakter; sie schließen im übrigen zum Teil an analoge schulische Problematik durch ein
die bereits 1988 und 1995 von mir bespro- Gerichtsgutachten des bekannten Sozio-
chenen Situationen an und ergänzen diese. und Geolinguisten W. Labov (1982) unter
expliziter Berufung auf ethische Maßstäbe
3.1. „Ebonics“ befördert worden war (cf. auch Baugh
„Ebonics“ ist einer der zahlreichen Namen 2000).
für das „African American Vernacular Eng-
lish“, also einer Substandardvarietät des 3.2. Sprache und Landgewinn: das
ˇ
Stokavische als Definiens für die
US -Englischen, die von weiten Teilen der
schwarzen Bevölkerung der USA gespro- neuen Grenzen Serbiens
chen und von vielen direkt damit Befassten Der Zerfall des Ostblocks (nach 1989) und
(Eltern, Schüler, Lehrer) und auch von jener Jugoslawiens (nach 1991) haben zahl-
Außenbeobachtern als soziales bzw. sogar reiche Nationalismen und die damit verbun-
kognitives Handikap für den Schulerfolg der denen Irrationalismen freigesetzt, von deren
afro-amerikanischen Jugend angesehen Existenz die westliche Öffentlichkeit bis zu
wird. Letztendlich handelt es sich bei diesem diesem Zeitpunkt entweder nichts mehr wis-
Problemfall um eine popularisierte Spielart sen wollte oder – vermöge einer während der
der alten Defizit-Hypothese, bei der sprach- Zeit des Kalten Krieges sehr flach geworde-
liche Differenzen sehr eng – und vor allem nen Kenntnis der Welt hinter (und neben)
kausal – mit sozialen Differenzen verbunden dem Eisernen Vorhang – konnte. Für den in
werden. Im Dezember 1996 hat eine kalifor- der Folge vorgestellten Fall kann man in fast
nische Schulbehörde in Oakland angesichts allen der in den 90-er Jahren neu entstande-
unübersehbarer Probleme von schwarzen nen Staaten analoge Beispielsfälle finden.
Schülern beim Erwerb des Standardeng- Hier geht es um die ethisch eindeutig klassi-
lischen beschlossen, deren Alltagsidiom fizierbare Aktion eines auch international
(„Ebonics“ etc.) dadurch „anzuerkennen“, gut bekannten serbischen Linguisten – Pavle
als es fortan vom Lehrpersonal im Unter- Ivić –, der als Mitglied der Serbischen Aka-
richt als Vermittlungssprache verwendet demie der Wissenschaften einerseits bereits
und somit nicht mehr als tabuisierte bzw. 1985/86 am Zustandekommen eines poli-
diskriminierte Sprechweise angesehen wer- tisch hochbrisanten Memorandums zur
den solle. In der Folge wurden spezielle künftigen Entwicklung Serbiens beteiligt
950 VII. Sociolinguistic Methodology

war und andererseits 1991/92 unter Vorbrin- (aber bei weitem nicht von allen) Staaten
gung zweifelhafter wissenschaftlicher Argu- Europas gesetzt. Nun ist in diesem Zusam-
mente dafür plädierte, dass all jene, die in- menhang die „Europäische Sprachenchar-
nerhalb Ex-Jugoslawiens einen štokavischen ta“ deshalb besonders interessant, weil sie
Dialekt sprechen, eo ipso – d. h. nach der an mehreren Stellen auf den Schiedsspruch
ˇ
Gleichung Stokavisch = Serbisch – Serben von Experten verweist, den die Streitpartei-
seien, und dass somit, da Sprache (= Ser- en zwecks Konfliktlösung anfordern sollten.
bisch) und Territorium (= Serbien) ein un- Wenn also ein soziolinguistischer Experte in
trennbares Konglomerat darstellten, die einer solchen Causa sein Parere abzugeben
künftige Nordgrenze des vor allem gegen hat, so sind die damit verbundenen Folge-
Kroatien kriegerisch durchzusetzenden neu- wirkungen ganz eindeutig nicht unbeträcht-
ˇ
en Serbiens mit der Nordgrenze des Stoka- lich.
vischen zusammenfallen müsse. Bemerkens-
wert ist – wie Erdmann-Pančić in ihrer 1996 3.3. „The strange case of Sonderführer
erschienenen Analyse dieser Causa deutlich Weisgerber“
gemacht hat – nicht nur, dass die Argumen- In den letzten 15 Jahren wurde die wissen-
tation von P. Ivić auf geistigen Strömungen, schaftsgeschichtliche Aufarbeitung der NS -
Definitionen und Texten beruht, die schon Zeit massiv vorangetrieben. Anhand der da-
in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei zutage geförderten historischen Fakten
akut waren, und dass Ivić in der serbischen hinsichtlich des Verhaltens verschiedener
Öffentlichkeit für seine „Beweisführung“ Linguisten während der NS -Zeit selber und
die breiteste Zustimmung erfuhr, sondern hinsichtlich deren Umgangs damit nach
vor allem die Tatsache, dass dadurch – er- 1945 wurden kritische Standards erarbeitet,
neut unter Fortführung älterer Vorstellun- die auch für die Belange der Forschungs-
gen und Programme – die Idee (und spätere ethik relevant sind. Unter den zahlreichen
Realisierung) der „ethnischen Säuberung“ dabei entdeckten bzw. – soweit nicht schon
durch eine linguistische Fachexpertise ope- vorher bekannt – genauer ausgeleuchteten
rativ unterstützt wurde. Im vorliegenden Fällen ist die Causa des Indogermanisten,
Fall wurden auch sämtliche Standards der Germanisten und Keltologen Leo Weisger-
„good scientific practice“ insoferne verletzt, ber (1899–1985) besonders markant. Dies
als sich Ivić im Rahmen seiner „Beweisfüh- vor allem deswegen, weil Weisgerber, der
rung“ begrifflich weitab von den seit Jahr- sich in der Zwischenkriegszeit als Keltologe
zehnten international etablierten sozio- und internationale Notorietät erworben hatte,
ethnolinguistischen Normen bewegte. nach der deutschen Besetzung Frankreichs
Der hier geschilderte Fall mag als extrem im Jahr 1940 sich massiv in kulturpolitische
gelten. Weniger virulente, aber inhaltlich Belange der Bretagne (bretonnante) ein-
durchaus vergleichbare Situationen können mischte, wobei er speziellen Wert auf die
in Europa vor allem im Einzugsbereich des Schaffung einer einheitlichen gesamtbreto-
früheren Ostblocks vorgefunden werden. Im nischen Graphie legte. Er trat dabei als mit
westlichen und zentralen Teil Europas sind besonderen politischen Vollmachten verse-
die um die diversen Regional- und Minder- hener „Sonderführer“ auf und kam als sol-
heitensprachen geführten Diskurse heute in cher mit zahlreichen intellektuellen Führern
der Regel deutlich weniger heftig, wiewohl des bretonischen Autonomismus in Kon-
sich auch hier immer wieder sehr fragwürdi- takt, die bereits vorher wenig freundliche
ge Schieflagen finden (cf. Skutnabb-Kangas Gefühle gegenüber dem französischen Staat
2000, passim). 1992 wurde vom Europarat gehegt hatten. Er ermunterte diese sowohl in
im Wege der Durchsetzung europaweiter ihrer antifranzösischen Haltung als auch in
Normen für eine minoritätenfreundliche Po- ihren (oft sehr irreal-mythischen) Bemühun-
litik aller Staaten Europas der Text einer gen um eine sprachliche und kulturelle
„Europäischen Charta der Regional- oder Emanzipation des Bretonischen von der vie-
Minderheitensprachen“ beschlossen und den le Jahrhunderte alten „Bevormundung“
diversen europäischen Regierungen und durch das Französische. Er verfolgte damit
Parlamenten mit der Aufforderung zur Un- einerseits geopolitische Zielsetzungen, die
terzeichnung und nachfolgenden Ratifika- für das NS -Regime strategische Bedeutung
tion übergeben. Beide Schritte wurden zwi- hatten, und griff andererseits im Sinne älte-
schenzeitlich – nach z. T. ausführlichen rer, in der deutschen Keltologie gehegter
innenpolitischen Diskussionen – von vielen bzw. entwickelter Vorstellungen von einer
97. Forschungsethische Probleme 951

germanisch-keltischen Ur-Allianz anti-latei- 352). Damit verbunden sind die folgenden


nischer (bzw. anti-romanischer) Ausprägung acht Forschungspostulate: „1. CDA addres-
in das (kultur)politische Alltagsgeschehen ses social problems, 2. Power relations are
der von den deutschen Truppen besetzten discursive, 3. Discourse constitutes society
Bretagne ein. Zahlreiche seiner damaligen and culture, 4. Discourse does ideological
bretonischen Gesprächspartner wurden work, 5. Discourse is historical, 6. The link
nach dem Krieg wegen Kollaboration mit between text and society is mediated, 7. Dis-
dem Feind zu hohen Strafen verurteilt oder course analysis is interpretative and expla-
gingen in die Emigration. In der Bretagne natory, 8. Discourse is a form of social acti-
selber ist die Erinnerung – ob negativ oder on.“ (van Dijk 2001, 353).
positiv – an Weisgerbers Aktionen heute Daraus ergibt sich eine klare Positionie-
noch recht lebendig. rung der CDA -Forscher, die mit der ein-
Bemerkenswert ist erneut die Verflech- gangs erwähnten Wertfreiheit im Sinne von
tung genuin linguistischen Fachwissens, Kant, Weber oder Popper nichts mehr ge-
mythischer Irrationalität, und eines auf mein hat. Methodisch ist die Arbeitsweise
konkrete (hier: sprachpolitische) Folgen ab- sehr interdisziplinär; zahlreiche Kernbegrif-
zielenden außerwissenschaftlichen Aktio- fe wie power, dominance, hegemony, ideology,
nismus. Dass dabei das Postulat der Kant- class, gender, race, discrimination, interests
Weber-Popper’schen Wertfreiheit und jenes etc. stammen ursprünglich von außerhalb
der wissenschaftlichen Verantwortlichkeit der Linguistik, sind aber seit einiger Zeit –
auf der Strecke bleibt, ist evident. Ich frage allerdings nicht in dieser Kompaktheit – Be-
mich aber auch hier, ob mit dem bei solchen standteile des soziolinguistischen Begriffsin-
Aufarbeitungen immer vorzufindenden fi- ventars. Ein spezieller Schwerpunkt der
nalen „Verdammungs“-Gestus wirklich all CDA ist das Verhältnis von Macht und der
das gesagt bzw. zur Information der Nach- damit angepeilten Kontrolle, welch letztere
welt herauspräpariert wurde, was aus for- sich über Texte, Gespräche und letztendlich
schungsethischer Sicht darin insgesamt ent- über die Köpfe der Menschen erstreckt. Die
halten ist; cf. dazu zuletzt Hutton 1999, CDA interessiert sich schließlich dafür, wel-
106–143 und Heinz/Braun 1999. che kognitiven Prozesse in den solcherart
dominierten Köpfen ablaufen, und bemüht
3.4. Die „Kritische Diskursanalyse/Critical sich, diese vor allem in den Domänen gen-
Discourse Analysis (CDA )“ der, inequality, ethnocentrism, antisemitism,
In meiner Darstellung von 1988 habe ich als nationalism und racism aufzuzeigen. Beson-
Beispiele für eine „sociolinguistique enga- dere Beachtung wird dabei den zu die-
gée“ – also eine gegen Machtmissbrauch sen Themen in den Medien, der Politik und
und (kultur)politische Ungleichheit auftre- auch in verschiedenen Alltagssituationen
tende Soziolinguistik – die in Katalonien abgeführten Diskursen gewidmet. Histo-
und Okzitanien (Südfrankreich) von einhei- risch gesehen hat die CDA Bezüge zur Kriti-
mischen Forschern praktizierten Ange- schen Theorie der „Frankfurter Schule“
wandten Linguistiken (vor allem sozio- und (Max Horckheimer [1895–1973], Theodor
ethnolinguistischer Ausrichtung) zitiert (cf. W. Adorno [1903–1969], Jürgen Habermas
Badia i Margarit 1977 und Lafont 1974). [1929-]), ist aber in der Substanz in Großbri-
Zwischenzeitlich hat sich international mit tannien und Australien entstanden und erst
der CDA ein Forschungsparadigma etab- darnach auf die USA und Europa überge-
liert, das ähnliche Ziele mit viel ausgefeilte- sprungen. Mit Blick auf das Thema dieses
ren und auch radikaleren Methoden anpeilt. Beitrags kann gesagt werden, dass die meis-
Einer der prominentesten Vertreter der CDA ten Vertreter der CDA im Grunde zwar mit
definiert diese jüngst so: „Critical Discourse klaren moralischen und politischen Vorstel-
Analysis is a type of discourse analytical re- lungen zu Werk gehen, sich aber recht wenig
search that primarily studies the way social um eine explizite (forschungs- bzw. wissen-
power abuse, dominance and inequality are schafts-)ethische Begründung ihrer Tätig-
enacted, reproduced and resisted by text and keit bemühen: cf. z. B. Fairclough 1995; Jä-
talk in the social and political context. With ger/Link 1993; Tannen 1994; van Dijk 1993
such dissident research, critical discourse oder Wodak 1997.
analysis take explicit position, and thus
want to understand, expose and ultimately
to resist social inequality.“ (van Dijk 2001,
952 VII. Sociolinguistic Methodology

3.5. Deutsche Sprach- und wird hier weiters unterstellt, dass Sprachwis-
Kommunikationserfahrungen zehn senschaftler eine größere Verantwortung für
Jahre nach der „Wende“ alles Sprachliche tragen als beispielsweise
Chemiker. Damit ist die Verantwortung von
Diese Problematik – die hier mit dem Titel
Linguisten für die Erhaltung der Glottodi-
eines 2001 dazu erschienenen Sammelban-
versität (cf. dazu Skutnabb-Kangas 2000,
des bezeichnet wird – involviert forschungs-
63 f.; Calvet 1974 oder die eingangs [1.] zitier-
ethisch relevante Fragen in den folgenden
ten Initiativen GBS und DOBES) dieser Welt –
Bereichen: Berücksichtigung bzw. Bewusst-
in Analogie zu jener von Biologen für deren
machung der persönlichen Herkunft und
Biodiversität (cf. Lee 1998) – angesprochen.
Betroffenheit bzw. von biographisch beding-
Die Alltagserfahrung eines jeden Sprach-
ten Vorabeinstellungen der Forscher (hier:
wissenschaftlers zeigt, dass im Publikations-
von germanophonen Germanisten) bei der
wesen der „Linguistik“ – verstanden als
Wahrnehmung und anschließenden wissen-
Obermenge für die Allgemeine und Ange-
schaftlichen Verarbeitung der diesseits und
wandte Sprachwissenschaft sowie für zahl-
jenseits der (1989 gefallenen) „Mauer“ exis-
reiche partikuläre Philologien und Einzel-
tierenden Sprachunterschiede; Valorisierung
linguistiken (wie Romanistik, Slawistik,
von v. a. identitäts- und perzeptionsspezifi-
Germanistik, Orientalistik, Keltologie etc.) –
schen Differenzen hinsichtlich der kommu-
eine im 19. und frühen 20. Jahrhundert auf-
nikativen Funktion bestimmter situativ, the-
gekommene Vielfalt an Publikationssprachen
matisch etc. determinierter Sprachstile
langsam aber stetig vor der Dominanz des
(„Situlekte“), sensible Abtönung von Diver-
Englischen zurückweicht (cf. z. B. Ammon
genz – und Konvergenz-Aussagen zur BRD -
1998), sowie dass parallel dazu allem An-
DDR -Deutsch-Problematik in Anbetracht
schein nach auch die Breite der effektiven
des weitgehend außer Frage stehenden Hin-
Sprachenkenntnisse der Linguisten im welt-
tergrund-„Tabus“ der nach 1945 ungebro-
weiten Durchschnitt zurückgeht. Es mag
chen aufrechtzuerhaltenden sprachlichen
sein, dass daran die Imitation US-amerikani-
Einheit der (deutschen) Nation, Augenmaß
scher Kommunikationsnormen beteiligt ist.
beim Ziehen entsprechender Vergleiche
„Learning dominant languages additively, in-
(z. B. mit dem Schicksal oder der heutigen
cluding English for everyone, is OK. It is sub-
Lage anderer politisch geteilter [Kultur]Na-
tractive dominant language learning (where
tionen) etc. Konkret geht es dabei vor allem
for instance English is learned at the cost of
um die Hintanhaltung von für die Bewohner
the mother tongues, not in addition to them)
der Ex-DDR und deren sprachliche Belange
that kills other languages.“ (Skutnabb-Kan-
subkutan negativen Diskursen bzw. um die
gas 2000, XXXIII). Dieses allmählich viru-
Herstellung einer wissenschaftlichen Ge-
lent werdende Defizit wirft zahlreiche auch
sprächskultur „auf gleicher Augenhöhe“ (cf.
ethisch relevante Probleme auf. In grober
dazu Antos/Fix/Kühn 2001, passim).
Vereinfachung lässt sich die anstehende Pro-
blematik durch drei Argumente beleuchten:
3.6. English only – zulässig auch für
durch ein historisches, ein kognitives und ein
Linguisten?
professionelles Argument.
Diese Frage zielt auf den sich derzeit lang- 1) das historische Argument: alle (west)eu-
sam durchsetzenden Trend, global, konti- ropäischen Großsprachen sind im Wege einer
nental, national und subnational unter Lin- langsamen, aber bewussten Abkehr der
guisten – also unter erklärten Fachleuten für schreibkundigen Eliten von der früheren la-
Sprache[n] – immer mehr zur exklusiv ein- teinischen Einschriftigkeit durch einen pro-
sprachigen (aktiven und passiven) Kommu- grammatisch vorangetriebenen Ausbau ihrer
nikation auf Englisch überzugehen. Zugleich grammatischen, stilistischen, lexikalischen
soll hier aber mit Nachdruck festgehalten und textologischen Potentiale entstanden.
werden, dass sich das Problem der sprachli- Die damit verbundenen Kulturleistungen
chen Form der internationalen Kommunika- sind unschätzbar groß; sie haben zur Berei-
tion bei Naturwissenschaftlern, Ärzten oder cherung der betreffenden Sprachgruppen so-
Ingenieuren ziemlich anders als bei Linguis- wie der übrigen Welt beigetragen und werden
ten präsentiert (bzw. präsentieren sollte), bei somit zu Recht in den einschlägigen Sprach-
welch letzteren Forschungsgegenstand und geschichten entsprechend laudativ hervorge-
Kommunikationsmedium immerhin mitei- hoben. Doch damit nicht genug: das bei
nander identisch sind bzw. sein können. Es „alten“ Großsprachen wie z. B. Deutsch,
97. Forschungsethische Probleme 953

Französisch oder Englisch seit dem Hoch- liches Fachtraining. Der praktische Um-
und Spätmittelalter entfaltete Bemühen um gang mit Sprachen (ob aktiv oder passiv, ge-
Sprachausbau kann auch heute – d. h. vor lesen oder gesprochen) ist nicht nur für
unser aller Augen – bei praktisch all jenen Sprachschüler, sondern auch für Linguisten
Kleinsprachen beobachtet werden, deren eine conditio sine qua non bzw. sollte dies –
Träger sich nach Maßgabe ihrer jeweiligen ethisch betrachtet – wenigstens sein. Im üb-
politischen, demographischen oder mate- rigen haben die Linguisten eine zusätzliche
riellen Möglichkeiten nicht auf die (Mit)Be- Sonderverantwortung für ihre eigene Erst-
nützung einer fremden (vollausgebauten) oder Muttersprache. Als Gegenargument
Dachsprache beschränken wollen, sondern hört man oft, dass sich Linguisten vor allem
vielmehr auf den proprialen Sprachausbau deshalb nur mehr des Englischen bedienten,
und dessen Popularisierung bzw. Diffusion „um international wahrgenommen“ zu wer-
innerhalb der eigenen Sprachgruppe hinar- den. Aus ethischer Perspektive kann das fol-
beiten. Durch die (direkte oder indirekte) gendermaßen beurteilt werden: wer so
Vernachlässigung der im Zuge solcher Sprach- denkt, schätzt den Umfang dieses individu-
und Kulturausbau-Aktivitäten geschaffenen ell wirksamen Nutzens höher ein als jenen
patrimonia linguistica entstehen zahlreiche des kollektiv relevanten Schadens, der lang-
Probleme, die unter anderem auch ethisch fristig aus der Nichtbenützung einer altetab-
relevant sind. Dabei unterstelle ich in diesem lierten nicht-englischen Wissenschaftsspra-
Zusammenhang, dass Sprachwissenschaft- che entstehen könnte. Im übrigen zeigen
ler eher als beispielsweise Physiker imstande sziento- und bibliometrische Beobachtun-
sind, diese Probleme zu erkennen und da- gen immer wieder, dass zwischen der von
raus die nötigen Konsequenzen zu ziehen. den Autoren wissenschaftlicher Texte er-
2) das kognitive Argument: alle Sprachen hofften Breitenwirkung ihrer Produkte und
sind Träger spezieller Weltbilder und zu- deren tatsächlicher Rezeption ein tiefer Gra-
gleich Speicher des gesamten dazugehören- ben klafft, und zwar ziemlich unabhängig
den Wissens (cf. Gumperz/Levinson 1996 von der verwendeten Publikationssprache.
passim). Durch Vernachlässigung oder glat- Oft findet ein (durchaus hervorragender)
te Ignoranz von Sprachen (vonseiten Frem- Artikel im Durchschnitt nur eine Handvoll
der oder gar der eigenen Sprecher) wird der Leser. Auf eine durch die Verarmung der Le-
Zugang zu diesen Weltbildern und Wissens- sekompetenzen der Fachkollegenschaft re-
schätzen verstellt. Wer als Linguist heutzu- duzierte Breite von deren Fachkompetenz
tage nur Lesekenntnisse aus Englisch hat, kann als nächster Schritt das Vergessen und
wird beispielsweise nicht imstande sein, die damit Verschwinden weiter Sektoren von
volle Spannweite der Entwicklung der euro- (unter großen Mühen) bereits erarbeitetem
päischen Sprachwissenschaft im 19. Jahr- Wissen folgen. Dadurch entstehen einsichti-
hundert zu verstehen, als Deutsch und Fran- gerweise materielle und immaterielle Kosten
zösisch gerade für Philologie und Linguistik der verschiedensten Art, die natürlich eben-
zu Wissensspeichern allerersten Ranges ge- so ethisch bewertbar sind. Zwar mag es ku-
worden sind, die zusätzlich durch zahlreiche rios klingen: doch offenbar sollte die Emp-
historisch, philosophisch und ideologisch fehlung der EU, dass jeder ihrer Bürger
relevante Komponenten angereichert wur- neben seiner Muttersprache und dem Engli-
den. Da zudem unbestritten ist, dass Spra- schen mindestens noch eine weitere Fremd-
chen ihre Weltbild- und Memoria-Funktion sprache „beherrschen“ möge, eindrücklich
nur dadurch aufrechterhalten können, dass gerade den Linguisten in Erinnerung geru-
sie verwendet (d. h. gesprochen, verstanden, fen werden (cf. Gerechtfertigte Vielfalt 1988
geschrieben oder gelesen) werden, ergibt und English only? in Europa/in Europe/en
sich ein weiterer ethisch relevanter Stimulus Europe 1994).
für ein verstärktes Engagement der Linguis-
ten zugunsten einer lebendigen Sprachen- 4. Schlussfolgerung
vielfalt (d. h. vor allem in ihren eigenen
Köpfen und auch in ihrer Berufswelt). Die am Ende meines Beitrags von 1988 prä-
3) das professionelle Argument: die alltäg- sentierte „Zusammenfassung“ hat nichts
liche Lektüre von linguistischen Fachtexten von ihrer damaligen Aktualität verloren: ich
in einem halben Dutzend Groß- und etli- resümiere daher in der Folge erneut deren
chen Kleinsprachen ist ohne jeden Zweifel Quintessenz. Da im Sinne der Lehre Kants
für jeden Sprachwissenschaftler ein vortreff- die Soziolinguistik wie jede Wissenschaft
954 VII. Sociolinguistic Methodology

durch eine Menge individuell und/oder sozial senschaft und Verantwortlichkeit“ an der Univer-
verankerter traditioneller Vorprägungen, sität Innsbruck, Innsbruck.
Einstellungen und Wissensinhalte konditio- Baugh, John (2000) Beyond Ebonics. Linguistic
niert ist, sollte sie ihre Erkenntnis-, Theorie- Pride and Racial Prejudice, New York.
und Handlungsfähigkeit durch die Entwick- Calvet, Jean-Louis (1974) Linguistique et colonia-
lung und Schärfung ihres Problembewusst- lisme. Petit traité de glottophagie, Paris.
seins für ethische Aspekte erweitern. Es sollte Certeau, Michel de/Julia, Dominique/Revel, Jacques
eine retroaktiv wirksame Spirale in Gang ge- (1975) Une politique de la langue. La Révolution fran-
setzt werden: 1) höheres ethisches Problem- çaise et les patois: l’enquête de Grégoire, Paris.
bewusstsein, 2) höhere intellektuelle und Deutsche Forschungsgemeinschaft, ed., (1998)
pragmatische Akzeptanz ethischer Probleme, Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher
3) höheres Verantwortungsbewusstsein der Praxis. Empfehlungen der Kommission „Selbstkon-
Wissenschaft gegenüber dem eigenen Tun. Es trolle in der Wissenschaft“. Proposals for Safegu-
kann dies im innerwissenschaftlichen Bereich arding Good Scientific Practice. Recommendations
und an der Schnittstelle zwischen der Sozio- of the Commission on Professional Self Regulation
in Science, Denkschrift, Weinheim.
linguistik und der von ihr beobachteten Rea-
lität geschehen. Zu hoffen wäre, dass eine EAE: Encyclopedia of Applied Ethics, Chadwick,
Schärfung des Problembewusstseins der So- Ruth/Hedgecoe, Adam/Callahan, Dan/Singer, Pe-
ter, eds., San Diego/London/Boston etc. 1998,
ziolinguistik in der hier geforderten Art zu-
4 vol.
sätzlich eine Vertiefung des wissenschafts-
historischen Bewusstseins zur Folge hat. English only? In Europa/in Europe/en Europe
(1994), in: Sociolinguistica 8, 1–135.
Allerdings wäre – in Anspielung auf den im
Rahmen der Ökologie zwischenzeitlich aus- Erdmann-Pančić, Elisabeth von (1996) „Von der
führlich diskutierten Problemfall der „tech- Wissenschaft zum Krieg. Zu einer Ideologie von
Vuk bis Radovan Karadžic“, in: Die Slawischen
nokratischen Illusion“ – vor einer unbe- Sprachen 50, 13–61.
dacht-voreiligen Weltverbesserei im Sinne
einer „glottokratischen Illusion“ zu warnen, Fairclough, Norman. L. (1995) Critical Discourse
Analysis: the Critical Study of Language, Harlow.
deren Problematik eingangs am Beispiel des
französischen Revolutions-Bischofs Henri Fischer, Manfred. S. (1981) Nationale Images als
Grégoire aufgezeigt worden war. Gegenstand vergleichender Literaturgeschichte.
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98. Research Aims and Methodology


Forschungsziele und Methodologie
1. Introduction tion. Which factors influence language
2. Speaker sampling choice among bilinguals? How does lin-
3. Data collection guistic change spread across speakers and
4. Data analysis across communities? How is language used
5. Case studies in the construction of social identity? Such
6. Literature (selected) general questions are narrowed as the re-
searcher begins to develop an approach to
1. Introduction answering them. Particular languages or lin-
guistic forms are specified as are the individ-
Sociolinguistic research, like research in uals or groups among whom they will be in-
other fields of inquiry, begins with a ques- vestigated. From this point, the researcher
956 VII. Sociolinguistic Methodology

decides on procedures to be followed in a speaker sample. I will use ‘speaker’ as a


carrying out the investigation. Thus, the general term for research subject acknowl-
methods adopted in a given study flow more edging the fact that investigators might be
or less directly from the research aims (for a interested in linguistic elements other than
detailed discussion of the stages in the re- speech (e.g., written usage, nonverbal com-
search process see art. 101). This statement, munication, language attitudes).
however, presents the process as deceptively The need for sampling arises (cf. art. 103)
straightforward. In fact, the researcher’s from the practical constraints we face in in-
task is complicated by the fact that answers vestigating the questions of broad theoretical
to a given research question can be sought in interest that drive our research. Even the
myriad ways. In choosing among the various most ambitious (and best-funded) studies
approaches, researchers must bear in mind cannot gather data from every relevant speak-
the implications of the available methods er. In this sense sampling is an issue with
and ground their decisions in a defensible which all researchers must come to terms.
theoretical framework. In constructing a sample, questions of rep-
This chapter explores dimensions of the re- resentativeness are always of fundamental
lationship between research aims and concern. The strength of a sample depends
methods. The objective is to illustrate how on the extent to which it can be said to be rep-
decisions at various stages of the research resentative of some larger population. The
process are guided by theoretical interests goal is a sample that accurately reflects the
even when those interests must be tempered range of characteristics found in the broader
by practical concerns. The basic model of the group. For this reason, the challenge of at-
research process that is assumed here clearly taining a representative sample grows in pro-
does not apply across the entire diversity of portion to the size and heterogeneity of the
approaches practiced under the banner of so- population about which one wishes to gen-
ciolinguistics. Nevertheless, the general issues eralize (see further art. 102; Hatch/Farhady
raised are intended to be relevant to socio- (1982); Seliger/ Shohamy (1989)).
linguists working in a variety of paradigms. The standard social scientific response to
One characteristic of sociolinguistic re- such a challenge is to adopt formal pro-
search that distinguishes it from work in cedures for random sampling. Early sociol-
many other subfields (e.g., generativist syn- inguistic projects such as Labov’s New York
tax and phonology) is the nature of the data City study and Shuy/Wolfram/Riley’s Det-
considered. Sociolinguists generally take as roit work followed that model. At the time,
the object of their analysis data collected these pioneering efforts represented a tre-
empirically rather than data constructed on mendous step forward from earlier dialecto-
the basis of intuition. This commitment logical research in terms of the social range
typically entails finding subjects who can of speakers who were sampled. Neverthe-
serve as sources, collecting useful data from less, such projects illustrate the difficulty of
these subjects, and applying appropriate applying random sampling to this style of
analytical tools to make sense of the observ- investigation which relies on relatively time-
ed data (cf. art. 95). In the following sec- consuming face-to-face interviews for data
tions, I explore some of the methodological collection. It can be a significant challenge
choices presented at each of these stages. to find subjects willing to sit for an interview
The chapter concludes with a comparative of 1–2 hours using strict random sampling;
examination of two case studies. moreover, the analysis of the conversational
data gathered in such interviews can take
2. Speaker sampling 10 times as long. It is perhaps not surprising
that although the Detroit researchers con-
Operating on the fundamental assumption ducted an impressive 702 interviews, due to
that language must be considered in its so- data-handling constraints they selected a
cial context, sociolinguists pay careful atten- much smaller sample, 60, on which to base
tion to the question of whose language is their analysis. Similarly, for much of his
being investigated. The conclusions that the analysis, Labov drew on data from 81 speak-
researcher can draw depend greatly on the ers, a sample pared down an original group
speakers studied, and the connectedness of of 340 subjects.
research aims and methods is perhaps no- Random sampling (cf. art. 99) is today
where more clear than in the construction of rarely used in sociolinguistic research except
98. Research Aims and Methodology 957

in macro-level survey projects (e.g., the necessary. I structured my sample to include


Hungarian National Sociolinguistic Survey two generations: adolescents (16–18 years)
(see Kontra 1995). Most investigators em- and middle-aged speakers (40–55 years).
ploy instead some form of quota or judg- The objective was to compare two clearly
ment sampling. In this approach the re- separated groups. While the chronological
searcher typically determines in advance the difference between these groups is not as
social characteristics to be investigated and great as if elderly speakers had been examin-
structures a sample accordingly. So, for ed, they were predicted to demonstrate the
example, a researcher who wishes to exam- greatest contrast in terms of their speech be-
ine both gender- and class-based variation havior. Adolescent speech is typically most
might seek equal numbers of males and fe- innovative as this group seems to play a
males representing the working and middle critical role in the advancement of language
classes. Subjects who fit the categories of in- change. By contrast, the speech of middle-
terest are recruited until the predetermined aged adults is often found to be more con-
quotas are met. The investigator obviously servative even than that of older speakers
has much greater control over the sampling owing to the demands of the linguistic mar-
process in this situation than when random ketplace in which working adults participate
sampling is employed – a fact that rightly (see Chambers 1995).
raises questions about the potential for re- In structuring their samples, researchers
searcher bias. To combat the threat of bias, may also be motivated by circumstances that
the researcher must be careful to make prin- are more local as was Hazen (2000) in his
cipled decisions and to demonstrate that the study of grammatical variation among resi-
judgments made are justified by the aims of dents of a rural North Carolina county.
the study. Hazen sought to examine cross-generational
By way of illustration, we can consider changes, but his principal concern lay with
three studies that incorporate different ap- the linguistic construction of ethnic identity.
proaches to sampling the same social vari- He sampled European-, African-, and
able: age. Speakers differing in age are com- Native-American subjects and stratified the
monly sampled in studies of language sample according to age. Still, in this he was
change as a means of gaining some perspec- guided by his focus on ethnicity. Rather than
tive into apparent time. One such example is using more arbitrary chronological distinc-
Britain’s (1992) investigation of the inton- tions, Hazen divided his subjects according
ational feature known as the high rising ter- to whether they had gone through the public
minal contour (HRT ) in New Zealand Eng- schools before, during, or after the period of
lish. This feature had been examined in racial integration that began in the 1960s.
other dialects, including Australia, but had The transition from segregated to integrated
not been extensively studied in New Zeal- schools was a powerful event shaping ethnic
and. In order to establish the general social relations in this community (as elsewhere).
distribution of HRT, Britain needed to in- For this reason, constructing a sample that
vestigate a fairly broad range of speakers. was sensitive to the historical context of-
He collected data from speakers represent- fered Hazen more concrete explanations of
ing three generations aged 20–29, 40–49, changes suggested by the data.
and 70–79, and his results showed a steady These examples illustrate some of the
increase in the use of HRT across the gener- ways in which methodological decisions
ations. The structure of his sample thus about sampling are guided by the goals of
allowed him to establish that HRT is a the project. Each of these cases sought to
change in progress. uncover sociolinguistic patterning in the
A rather different situation obtained in usage of particular linguistic features and
the case of my research in the state of Michi- constructed a sample that accomplished that
gan (Gordon 2001). This study investigated aim. It is probably true that some social
the Northern Cities Shift, a pattern of sound scientists, including some sociolinguists,
change affecting 6 vowels and heard across may discount approaches like these that do
the northern U.S. Unlike HRT in New Zeal- not employ random sampling. Still, if ran-
and, the Northern Cities Shift was fairly dom sampling had been done in these cases,
well established to be a change in progress in it is not clear that the picture of the sociol-
this dialect. Therefore, a broad continuum inguistic situation to emerge would have
of speakers in terms of age was not felt to be been any richer or even as rich.
958 VII. Sociolinguistic Methodology

Regardless of the procedures used, what is home, in the classroom, with their doctor) is
crucial is that researchers be careful in mak- more likely to produce useful results than
ing generalizations on the basis of their one phrased more generally (e.g., when do
samples and that they provide details about you speak Spanish?).
their sampling procedures in published re- As an explicitly metalinguistic procedure,
ports so that others can judge the validity of surveys also impose limitations on the kinds
the claims. When writing these reports, re- of data they can gather. One rather obvious
searchers should attend to what Johnstone point here is that respondents can provide
(2000) calls the “grammar of particularity” information only about things of which they
and clearly distinguish particular observa- are aware. So, for example, a researcher in-
tions from generalized speculations (e.g., terested in pronunciation could examine fea-
“The men in this study interrupted more tures involving relatively clear-cut choices
than the women in these conversations” vs. (e.g., Does your pronunciation of route
“Men interrupt more than women in conver- rhyme with boot or with bout? Do cot and
sation”). caught sound the same to you or different?).
Features involving more subtle – often sub-
3. Data collection phonemic – distinctions may be harder to
examine at least through a written question-
Prefacing any decisions about data collec- naire.
tion is the question of which kinds of data Moreover, it is well known that speakers
will be most useful, and like all questions of do not always accurately assess their own
method it can only be answered by consider- usage, particularly as regards socially
ing the general aims of the project. The charged features. Recall Trudgill’s Norwich
variety of linguistic data of interest to so- research (1972) in which he found women
ciolinguists is great as are the methods em- tended to misreport their own speech as
ployed for collecting them. Discussed here being closer to the standard usage while men
are examples of several approaches though tended to misreport theirs as closer to the
no attempt is made to represent the wide local vernacular. Responses to direct ques-
range of current methods. tions about usage cannot, therefore, auto-
matically be taken at face value. By the same
3.1. Surveys token, surveys can be profitably employed in
One approach familiar to many branches of the study of language attitudes and stereo-
social science is the survey (cf. art. 101; 106). types. For example, Dubois/Melaçon (2000)
In linguistic research, surveys are perhaps examined attitudes regarding the relation-
best known from the work of dialect ship between Creole identity and language
geography. We can distinguish two basic ap- use in Louisiana using a questionnaire ad-
proaches to surveying based on their admin- ministered by fieldworkers.
istration. Some surveys are of the question- Surveys generally seek categorical re-
naire type and are typically distributed in sponses, and, thus, are not useful instruments
written form and completed by the respon- in the examination of stylistic contrasts or
dents and returned to the investigator. other kinds of intraspeaker variation. Re-
Others are administered directly either in spondents might be asked which of several
person or over the telephone by the investi- forms they use; if they use different forms to
gator or fieldworker. different degrees in different social or lin-
Survey methods (cf. art. 103) offer an ex- guistic contexts, such details are not easily
tremely efficient means of gathering data captured in a survey. Investigators can en-
from a large sample of respondents in a courage multiple responses by using more
relatively short amount of time. Neverthe- open-ended questions (e.g., what word(s) do
less, they do present certain restrictions on you use for X), but respondents cannot be re-
the researcher. A major limitation stems lied on to describe the relative frequency of
from the fact that survey questions are pre- use of alternative forms or stylistic differ-
pared in advance. The investigator needs to ences among them.
have a good sense of which issues will be rel- Despite their limitations, surveys can be a
evant for the surveyed population. For valuable technique for sociolinguists. They
example, in studying language choice, a sur- are well-suited to macro-level research in-
vey that asks respondents which language cluding studies of societal bi-/multilingual-
they use in particular contexts (e.g., in the ism. In one recent example, Dakubu (2000)
98. Research Aims and Methodology 959

reports on survey projects investigating project for nearly a decade under the direc-
changing patterns of language use in Ghana. tion of Walt Wolfram (see e.g., Wolfram/
Surveying has also been profitably em- Hazen/Schilling-Estes 1999). Throughout
ployed in recent projects examining the this period, a number of fieldworkers have en-
status of particular linguistic features. For gaged in data collection, making repeated vi-
example, Chambers (1994; 1998) has di- sits to the community and staying for up to
rected a project that surveys the Golden two weeks at a time. It is unusual for partici-
Horseshoe region of Canada (near Toron- pant observation to involve several field-
to). This study employs a written question- workers, though this community seems to
naire containing 76 items investigating mor- have become accustomed to the presence of
pho-syntactic, lexical, and phonological researchers (and their tape recorders) and
variables. In form, this survey resembles new faces fit into established roles. The fact
those employed by dialectologists. It in- that the fieldworkers are students or associ-
cludes, for example, labeling questions (e.g., ates of Wolfram, who has developed a strong
“What do you call the upholstered piece of rapport with the islanders, also serves to en-
furniture that two or three people sit on in sure their goodwill.
the living room?” as well as some forced- One of the benefits of participant obser-
choice type (e.g., “The little devil sneaked/ vation is the wealth of data this approach
snuck into the theatre”). The project differs produces. In the Ocracoke case, the long-
from traditional dialectology, however, in term nature of the project has allowed the
that it seeks a broad social range of respon- researchers to record hundreds of hours of
dents. The survey contains 11 questions speech representing a wide range of con-
covering demographic information includ- texts. In many cases the same individuals
ing age, sex, occupation, and education, and have been recorded in situations varying
this information plays a central role in the from relatively formal interviews with un-
analysis. familiar fieldworkers to free-form conver-
Surveys can serve as an efficient instru- sations with fellow islanders. Among many
ment when the aim is to gather a relatively other things, these materials have inspired
circumscribed set of data from a large intriguing reexaminations of the nature of
number of people. It is fitting that Chambers stylistic variation (see below).
refers to his approach as “dialect topogra- The other significant benefit of conduct-
phy” since it produces “a description of sur- ing participant observation stems from the
face features” (1994, 36). Such studies can depth of insight one gains into the commu-
serve to highlight issues to be pursued in fol- nity under study. Here the goal is to access, at
low-up, micro-level research. least to some degree, local knowledge, or, as
the Ocracoke team states “to understand the
3.2. Participant observation sociolinguistic dynamics of the community
In terms of the level of interaction between from the perspective of the community
the researcher and the subjects, participant itself ” (Wolfram/Schilling-Estes 1996, 106).
observation (cf. art. 106) lies at the far end Local knowledge expands researchers’ ex-
of the continuum from survey methods. Par- planatory possibilities by leading them
ticipant observers seek to become members beyond the usual macro-social categories
of the communities they investigate in order like age, sex, and socioeconomic class. On
to gain insight into local practices and Ocracoke, for example, the investigators en-
norms. Traditionally associated with eth- countered a network of men who meet regu-
nography, participant observation is an ap- larly to play poker. While these men come
proach that seems to be gaining in popular- from different educational backgrounds and
ity among sociolinguists (see also art. 106). have varying degrees of contact with non-
Eckert’s (2000) study of a Detroit-area islanders, they share a “strong belief in the
high school, which I discuss below, has been positive value of being true islanders” (Wolf-
an influential example of an ethnographic ap- ram/Schilling-Estes 1996, 106). Given these
proach to sociolinguistic research. Sharing facts, it is not surprising that the speech of
this orientation but utilizing quite different these men displays strong use of traditional
methods of investigation is the work done on vernacular features. Nevertheless, their lin-
Ocracoke, an island community off the coast guistic similarity might seem anomalous to
of North Carolina. The sociolinguistic inves- an investigator armed only with the usual
tigation of Ocracoke has been an on-going demographic profiles of these men.
960 VII. Sociolinguistic Methodology

Given the tremendous demands partici- least in Western society). In this model, the
pant observation places on the researcher’s topics are set by the interviewer who asks
time and energy (cf. art. 106), it clearly is not questions, and a cooperative interviewee
suited to all situations. It works best when gives clear and concise responses to those
examining fairly small, well-delineated com- questions. This structure would seem to in-
munities. Such communities are typically hibit rather than elicit the kind of speech
difficult for outsiders to approach and may sought by sociolinguists.
not be accessible through other methods. A number of techniques have been devel-
Researchers should also bear in mind that as oped to counteract the formalizing effects of
an ethnographic endeavor, participant ob- the interview format. One strategy attempts
servation is essentially exploratory. It serves to produce emotionally charged responses.
different aims than those guiding survey re- A well-known example is Labov’s “danger
search. As Eckert explains, “Rather than of death” question (1972) which asks inter-
testing hypotheses against predetermined viewees to recount situations in which they
categories, ethnography is, among other feared for their lives. Similarly, the Ocracoke
things, a search for local categories. Thus researchers had subjects tell ghost stories.
while survey fieldwork focuses on filling in a Another strategy involves changing the
sample, ethnographic fieldwork focuses on dynamics of the usual one-on-one interview.
finding out what is worth sampling” (2000, This can be accomplished by using teams of
69). interviewers, an approach taken by the
Ocracoke project. Alternatively, the subjects
3.3. Interviews can be interviewed in groups. Group
Interviewing is probably the most com- sessions allow the researcher to record the
monly used method of collecting socioling- subjects speaking to each other rather than
uistic data (see also art. 107). Like survey- just to the less familiar interviewer. Fur-
ing, it is a technique familiar in sociology thermore, the peer pressure imposed by the
and related fields. However, the socioling- group helps ensure more natural speech; in-
uistic interview is unique in that the investi- dividuals are likely to feel constrained to
gator is typically as interested in the form as act, and of course speak, normally and to
in the content of the interviewee’s responses. avoid the appearance that they are putting
In most cases, the principal purpose of the on airs for the interviewer (Nordberg 1980).
sociolinguistic interview is to produce ex- Given such problems, the interview is
tended stretches of unscripted speech. Inter- most often not the ideal method of collect-
viewing is, thus, similar to participant obser- ing sociolinguistic data. However, it offers
vation in terms of the linguistic data sought. tremendous practical advantages over time-
However, in terms of the actual event – often consuming ethnographic approaches like
a question-and-answer session – interview- participant observation. If the research aims
ing can resemble a survey administered by a call for samples of conversational speech, in-
fieldworker. terviewing offers a good compromise. More-
Traditionally the type of speech of grea- over, we should not underestimate the
test interest to sociolinguists has been the in- amount of ethnographic information that
formal, everyday, conversational style which can be gleaned from sociolinguistic inter-
Labov (1972) labels “the vernacular.” views. Interview questions are certainly de-
Nevertheless, the interview is not an instru- signed to get the subjects to talk, but they
ment particularly well suited to eliciting this are also used to provide insight into the so-
style of speech (see further Milroy/Gordon, cial dynamics of the community and the
2003). On this point, two issues deserve brief subject’s role in it. In my interviews with Mi-
mention. First is the observation that in chigan adolescents, for example, I asked
most cases the interviewer is an outsider to about the kinds of activities and groups they
the community under study and thus a participated in as well as about the general
relative stranger to the interviewees. This is social structure of their high schools. This
problematic because conversations among information proved useful in understanding
strangers typically have a more formal tone. some of the linguistic patterns I observed as
Secondly, the structured nature of the inter- my analysis could draw on social distinc-
view as a speech event is not conducive to tions uncovered in my questioning (see
free-flowing conversation. The model of the further Gordon 2001). The popularity of the
interview is one familiar to most people (at interview in sociolinguistic research is no ac-
98. Research Aims and Methodology 961

cident; it is a flexible instrument that offers a that appears over the course of a conver-
convenient means of gathering data suitable sation.
for a range of research purposes. Much of Schilling-Estes’ treatment con-
cerns O’Neal’s use of “performance speech”
4. Data analysis in which he puts on a display of the local
dialect. While such consciously constructed
Data do not speak for themselves; every set speech has often been dismissed by sociol-
of data requires some degree of analysis to inguists in favor of the “true” vernacular,
make it meaningful. Unlike during the sam- Schilling-Estes argues that it displays regu-
pling and data collection stages, the re- lar patterning. More importantly, the ap-
searcher engaged in analysis is generally pearance of performance speech in these
more conscious of the influence of theory on conversations raises questions about the na-
methods. We recognize that our theoretical ture of style shifting. Previous models, in-
goals govern to a large extent which aspects cluding Labov’s, have viewed shifting as a
of the data we examine and how we pursue reactive process – speakers adjust their style
those examinations (cf. art. 99; 100). In this in response to aspects of the situation (e.g.,
section I illustrate how theory can influence the task, the audience). In the conversations
analytical methods by considering research with O’Neal, however, the context remains
in two areas: style shifting and phonological more or less constant. Schilling-Estes argues
variation (for a more comprehensive dis- that O’Neal’s shifts into performance speech
cussion of data analysis see art. 120). are done as a proactive move: “He has a
Until recently, theories about how and choice as to how he wishes to appear … and
why speakers shift their usage between dif- he opts to assume the role of the quintessen-
ferent styles or registers had not received tial quaint islander” (1998, 75).
nearly as much attention as theories about For our purposes, Schilling-Estes’ study
interspeaker distinctions. In North America is significant as an illustration of the value
and elsewhere, Labov’s (1972) “attention to of applying a fresh analytical perspective to
speech” model was very influential. This a problem. She looked for style shifting in
model proposed a stylistic continuum from contexts where previous models suggested it
casual to careful speech based on the degree should not appear, and she chose to examine
of the speaker’s self-consciousness. Thus, a form of speech that other analysts might
speakers pay little attention to their usage in disregard.
an informal conversation in contrast to a As a second example we may consider a
more formal task like reading aloud a list of more technical aspect of data analysis, one
words. Labov’s model has been criticized as taken from the study of phonological vari-
overly simplistic and rightly so. Nevertheless, ation. Researchers in this area deal with two
it was developed to serve the general goals of basic types of variables. Some involve alter-
Labov’s research. Style shifting was investi- nations between two or more apparently dis-
gated in order to shed light on the larger pat- crete forms. Cases of segment deletion, such
terns of sociolinguistic variation and change. as “h-dropping” in British English, are of
In this sense, evidence of stylistic variation this type. Other variables display a more con-
was more of an analytical tool than an object tinuous pattern in which pronunciations
of analysis in its own right. seem to range across some dimension of pho-
Several recent studies have altered that netic space. This is often the case with vo-
focus to explore directly the motivations calic variables where a vowel is fronted,
that influence style shifting. Schilling-Estes backed, raised or lowered to varying degrees.
(1998) presents such an exploration in her For the analyst seeking to assess a given
study of the speech of an Ocracoke native speaker’s usage, quantitative methods can
named Rex O’Neal. She analyzed nearly serve in both cases. With discrete variables,
4 hours of conversations with O’Neal. This the researcher simply counts the number of
choice of materials for analysis signals an times each form appears and typically re-
aim distinct from Labov’s. In Labov’s work, ports the results as percentages. With con-
style shifting is controlled during data col- tinuous variables, the analytical process is
lection by engaging the subjects in different more complicated. One option that is in-
tasks (e.g., answering questions, reading creasingly popular especially in the U.S. is to
from wordlists) whereas Schilling-Estes is apply instrumental acoustic techniques (see
interested in the more naturalistic shifting Milroy/Gordon (2003) for a critical assess-
962 VII. Sociolinguistic Methodology

ment). I wish to focus here on a more tradi- approach in their study of /o:/, the vowel of
tional, but still useful approach that relies goat, in the northern English city of New-
on usage indices. castle. The authors distinguish four variants
A usage index serves to rank a speaker’s of this variable: a long monophthong [o:], a
pronunciation on the phonetic continuum closing diphthong [oυ], a centering diph-
displayed by the variable under investi- thong [υə], and a fronted long mono-
gation. To clarify how this technique works phthong [ɵ:]. These forms certainly do not
we can consider an example related to the lend themselves to ranking on a single pho-
Northern Cities Shift, a pattern of vowel netic dimension since they involve differ-
change mentioned earlier. One of the vowels ences of height and frontness as well as the
affected by this shift is // which undergoes presence and the direction of gliding. Rather
raising. In my analysis of this vowel, I con- than impose a continuum on this variation
structed a classification of variants that in- and calculate usage indices, Watt/Milroy
cluded the conservative form [], and three simply recorded the number of times each
raised forms [], [ε], and [ε]. Each of this variant appeared and reported their results
forms was assigned a value from 0 for [] to in terms of percentages.
3 for [ε]. I classified about 50 tokens of // In making this analytical decision, the in-
for each speaker according to this system, vestigators also considered the social signifi-
and a usage index was calculated by averag- cance of the variants, particularly their geo-
ing across these tokens. These indices, thus, graphical associations. Prior dialectological
provided a measure of how often and how research had noted [o:] as a form quite wide-
high a speaker shifted the vowel; an index spread throughout the north of England
near 0 indicated a conservative speaker, and whereas [υə] and [ɵ:] were more localized to
an index closer to 3 indicated a speaker who the area around Newcastle. The closing
consistently produced the most extreme diphthong [oυ] is southern in origin and is
forms. Such indices allow for easy cross- the form used in the standard accent (RP ).
speaker comparisons. By analyzing each form as a discrete variant,
My approach was by no means novel; Watt/Milroy were able to reference the
Labov used similar techniques in his New broader social meanings of the forms in the
York City study. Still, it is essential to recog- interpretation of their results. For example,
nize some of the assumptions involved in they found that [υə] and [ɵ:] were used pri-
this analysis. The researcher must break up a marily by men especially older working-
phonetic continuum into a series of points class men, a pattern that fits with the com-
(variants) and judge the speaker’s produc- mon finding of men’s preference for local
tion according to this classification. In this vernacular forms. The data from this project
way, the continuous variable is treated like a suggest that local variants such as these are
discrete one. There is, however, a crucial dif- receding from use. Interestingly, as speakers
ference in that for the continuous variable, abandon the vernacular forms, they tend to
the analysis assumes a linear relationship replace them with the broader regional vari-
among the variants. Measuring speakers’ ants, such as [o:], rather than with forms
usage along a scale like that described above from the standard dialect. Such findings lead
implies that the variation occurs in a single Watt/Milroy to the interpretation that New-
dimension. More significantly, it implies castle speech, like that of other cities, is
that the social evaluation of the variation undergoing a process of dialect leveling as a
can be mapped onto the same scale. In the regional norm develops across the North.
case of //, then, this treatment assumes that This conclusion would likely have been
[ε] is evaluated by community members as much harder to establish had the authors
more extreme than [ε] in terms of whatever not employed an analytical approach that
social meaning it bears, and that [ε] is evalu- permitted them to consider the individual
ated as more extreme than []. While this in- variants on their own sociolinguistic terms.
terpretation may be appropriate in cases of As the examples discussed in this section
sound changes of this type, it can be prob- remind us, there are multiple ways of ap-
lematic in other instances. proaching any kind of sociolinguistic data.
An alternative approach rejects the as- Often it seems our theoretical biases blind us
sumption that the variants of a given vari- to the range of analytical possibilities as well
able operate in a single sociolinguistic di- as to the implications of adopting one ap-
mension. Watt/Milroy (1999) illustrate this proach over another. As in the other stages
98. Research Aims and Methodology 963

in the research process, the methodological For data collection, TELSUR employed a
decisions involved in data analysis cannot be combination of survey and interview tech-
made uncritically. niques. Some of the questions were designed
to elicit particular forms while others were
5. Case studies more open-ended and sought to gather ex-
tended stretches of speech. The researchers
By way of conclusion, we turn to a compari- were able to incorporate questions of the
son of two case studies illustrating very dif- former type because they were studying lin-
ferent methodological approaches. It is, of guistic features with which they already had
course, not difficult to find examples of dif- some familiarity. As mentioned above, sur-
fering approaches in a field as heterogeneous vey techniques work best in targeting fea-
as contemporary sociolinguistics. What mak- tures that have been identified ahead of
es these studies intriguing, however, is the time. The questions of the latter type, which
fact that they deal with the same linguistic are more common in sociolinguistic inter-
phenomena and that the investigators in both views, not only produced data related to a
cases work within the same general para- range of additional features but also pro-
digm. Nonetheless, the researchers in these vided examples of the targeted features in a
studies are guided by quite distinct objec- somewhat different speech context. In this
tives, and thus these cases serve to highlight way, they might offer evidence of style shift-
the central theme of this chapter. ing, which, as noted earlier, figures promi-
The first of the cases to be considered is a nently in Labov’s theory of language change.
project directed by Labov and known as The analysis of the TELSUR data relies in
TELSUR . This ambitious study examines large part on instrumental acoustic tech-
phonological variation in North America by niques. Since most of the features studied
means of a telephone survey (hence the involve vowel changes, the researchers
name). One of the goals of this project is to measure formant frequencies in order to
document the progress of active sound produce a picture of each speaker’s vowel
changes such as the Northern Cities Shift. system. This approach allows for fairly pre-
Here progress is measured primarily in the cise characterization of the spatial relations
geographical dimension. In this respect, among vowels, at least within an individual’s
TELSUR resembles traditional dialectologi- system. Cross-speaker comparisons are
cal research, and in fact results of the project more problematic (see further Milroy/Gor-
will appear in the form of an atlas with maps don, 2003). Examining vowel systems in this
displaying isoglosses for the features investi- way provides a perspective on the internal
gated. From a broader perspective, this dynamics of sound change. This perspective
largely descriptive material is intended as a seems particularly valuable in the study of
resource in the investigation of theoretical chain shifts and mergers, both of which in-
issues related to linguistic change. TEL- volve vowels encroaching on the space of
SUR , then, is in keeping with Labov’s inter- their neighbors. In this way, the analytical
est in establishing general principles of approach serves the project’s broader theor-
change (see Labov 1994). etical goals of understanding the mechan-
The methods employed in the TELSUR isms driving sound change.
project reflect these research aims. For Eckert’s research (2000) in a Michigan
example, in deciding which types of speakers high school illustrates a very different ap-
to sample, the researchers were guided by proach to the study of sound change. The
their interest in on-going sound changes. linguistic focus of Eckert’s project is the
The survey concentrates on urban speakers Northern Cities Shift, a set of features that
because cities seem to provide a more fertile also figures prominently in TELSUR . Un-
social context for the development and like Labov and his colleagues, however, Eck-
spread of language change than do rural ert’s primary concern lies with the social dy-
communities. Furthermore, within each lo- namics of language change. Changes like the
cale, the TELSUR investigators specifically Northern Cities Shift introduce variation
targeted younger women for their sample. into a community, and Eckert explores how
This decision was motivated by the expec- members of that community exploit the lin-
tation that active sound changes would be guistic resources stemming from variation
most advanced among this group – a finding and change to construct social meaning.
common in studies of linguistic change. Eckert’s objectives in this project were
964 VII. Sociolinguistic Methodology

shaped by her theoretical interest in the ac- structs. Eckert’s work illustrates this benefit
tive role that speakers play in creating so- in her consideration of the social divide
ciolinguistic variation. Her project “aims to within the school between the jocks and the
treat the speaker as a linguistic agent, to burnouts. These groups instantiate a com-
treat speech as a building of meaning, and to mon distinction in American high schools
treat the community as mutually engaged in between students who embrace and partici-
a meaning-making enterprise” (2000, 4). pate in the institutional culture of the school
In line with these objectives, Eckert de- (the jocks) and those who reject that culture
signed her investigation as an in-depth study (the burnouts). In order to explore the so-
of a single community. Her interest in ex- ciolinguistic dimensions of the jock-burnout
ploring the sociolinguistic construction of divide, Eckert carried out a quantitative
meaning necessitated her identifying a com- analysis in which usage of the linguistic vari-
munity in which the dynamics of this process ables (the Northern Cities Shift features)
could readily be observed. Adolescents pres- was measured through auditory coding, an
ent an ideal group for such a study. As Eckert approach that facilitates comparison across
notes, adolescence is a period of “transition a sample of speakers (cf. instrumental
from childhood to adulthood, and from the acoustic procedures). In this way, she was
family social sphere to a peer-based social able to establish correlations between the so-
order” (2000, 4). During this stage of life, cial categories and the linguistic variables.
identities are created and reshaped, a process Still, such statistical data cannot convey the
in which language serves as a key symbolic full significance of the jock-burnout distinc-
resource. Eckert chose as a research site a tion. Eckert argues that, “The two cat-
public high school in suburban Detroit be- egories are based in practices that unfold in
cause it offered access to adolescents from a daily and mundane activity, interaction and
relatively broad social spectrum. movement” (2000, 74). To shine light on
Eckert engaged in participant observa- these social dynamics, Eckert draws on a
tion for her data collection. She spent two range of ethnographic observations. She
years studying the community, visiting the considers, for example, the territorial divi-
school on a daily basis for much of that time. sions within the school building, styles of
Her research was sanctioned by school auth- dress and personal adornment, friendship
orities though she purposefully avoided networks, and a host of qualitative state-
adopting an official role (e.g., teacher, coun- ments from the students regarding their own
selor). She was concerned that such a role experience of the school’s social order. This
might inhibit the open communication she information works together with the lin-
hoped to establish with students. She col- guistic data to paint a richly detailed picture
lected much of her speech data by talking of “the meaning-making enterprise” which
casually with the students during their free Eckert set out to explore.
time. Eckert’s fairly long-term participant As the case studies discussed in this sec-
observation was thus crucial to her research tion and the previous examples illustrate, a
needs because it allowed her to establish a wealth of approaches is available to the so-
strong rapport with the subjects. Moreover, ciolinguistic researcher. Indeed the range of
her methods were significant in terms of the approaches practiced today is surely greater
non-linguistic data they made available. than at any previous time, and the field con-
Over the course of her investigation, Eckert tinues to attract innovative researchers to its
was able to observe firsthand the actions ranks. The expansion of the methodological
and interactions of the students. As a result, possibilities makes all the more relevant the
her ethnographic approach provided a much central theme of this chapter that method is
deeper appreciation for the social dynamics never divorced from theory. Sound metho-
of the community than might have been dological decisions are guided by research
gained through survey methods or sociol- aims and are grounded in a defensible
inguistic interviews. framework. The choices made at every stage
The real value of participant observation of the research process have implications
becomes apparent in the analysis of the data that must be considered in the larger critical
collected. The insight gained through ethno- context of the project.
graphic methods allows the researcher to Many of the ideas discussed here were de-
examine categories of local relevance rather veloped in the course of writing Milroy/Gor-
than just those defined by broad social con- don (2003), and I gratefully acknowledge
99. Quantitative methods 965

Lesley Milroy’s influence in shaping my Past and Present ‘be’. Publication of the American
thinking on these issues. Dialect Society, 83, Durham, NC.
Johnstone, Barbara (2000) Qualitative Methods in
Sociolinguistics, New York/Oxford.
6. Literature (selected)
Kontra, Miklós (1995) “On current research into
Chambers, Jack K. (1994) “An introduction to spoken Hungarian”, in: International Journal of
dialect topography”, in: English World-Wide 15, the Sociology of Language 111, 9–20.
35–53. Labov, William (1972) Sociolinguistic Patterns,
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99. Quantitative Methods /Quantitative Methoden

1. Introduction at the same time it is clear that the key tech-


2. Basic components nique in the social sciences is analysis of va-
3. One-way analysis of variance riance. The same can be said for the analysis
4. Testing effects of empirical language data in general. Ana-
5. One-way analysis of variance in SPSS
lysis of variance is not uncommon in applied
6. Post hoc comparisons
7. Multi-factorial designs and interaction
linguistics, but its popularity can be noted in
8. Testing effects in a two-factor design language attitude studies as well, or in stu-
9. Assumptions in analysis of variance dies on language loss or shift. In psycholin-
10. Unbalanced designs guistics, it is undisputably the standard sta-
11. Other design types tistical technique. Rather surprisingly,
12. Related techniques although analysis of variance is common in
13. Literature (selected) sociolinguistics in general, it is rare in socio-
linguistic studies on variation and change.
1. Introduction Its role as the standard or basic technique
seems to be taken over there by variable rule
In sociolinguistic studies, a variety of quan- analysis.
titative, statistical techniques can be found. All techniques related to variable rule
The same applies to the social sciences, but analysis can be subsumed under the heading
966 VII. Sociolinguistic Methodology

of frequency analysis. The dependent varia- Our introduction to analysis of variance is


ble commonly is the occurrence or non-oc- organized as follows. Section 2 of this chap-
currence of a linguistic phenomenon, for in- ter introduces the basic concepts in analysis
stance the deletion of a word final [t] in a of variance. In Section 3 we discuss a one-
consonant cluster. Such a binomial outcome way analysis of variance, in which subjects,
seems to be alien to the requirements of ana- respondents or informants belong to a single
lysis of variance, as the latter statistical tech- set of different groups. Testing effects is de-
nique assumes the dependent variable to monstrated in Section 4, followed in Section
have a more gradual character (interval le- 5 by an application of the statistical package
vel). The borderline between variable rule SPSS (version 11.1). We do not intend to
analysis and analysis of variance, however, is give a general introduction to SPSS. On the
harder to draw than many sociolinguists contrary, we present examples in a way
perhaps think. This may become clear from which presupposes some level of understan-
the examples we discuss in this contribution. ding as to how database programs work.
The main aim of this contribution, however, Section 6 explains how a significant effect
is to point out the power of analysis of va- can be analyzed in further detail by applying
riance for a range of quantitative research so-called post-hoc comparisons.
questions which typically occur in sociolin- Section 7 discusses multifactorial designs
guistics. Its possibilities neatly demonstrate and the phenomenon of interaction, which
the merits of quantitative methods in socio- is crucial in evaluating the effect of external,
linguistic research. social factors in sociolinguistic research.
The popularity of analysis of variance in Section 8 shows how to carry out two-way
empirical reserach does not mean that it can analysis of variance, in which the informants
be regarded as a simple technique. Never- are divided in different groups by using two
theless, the basic concepts are quite straight- factors. Section 9 deals with the meaning of
forward. Analysis of variance can be applied the assumptions underlying analysis of va-
if two or more groups of participants, infor- riance, the role of transformations, and the
mants, respondents or subjects are compa- impact of dependency in the data. Section
red on the basis of a so-called dependent va- 10 is devoted to the consequences of une-
riable. This may be reaction times in a word qual cell sizes, a quite frequently occurring
recognition experiment, the performance on situation in sociolinguistic research.
a language proficiency test, the acceptability Section 11 focuses on other design types
scores of regional accents, attitude measure- and on repeated measures in particular. In
ments, a measure of syntactic complexity, or section 12 we put analysis of variance in the
realization indices of a linguistic variable. It broader perspective of multiple regression
can be applied as well when a group of par- and multilevel analysis.
ticipants is studied in two or more situations To get a first feeling of the power of the
or conditions. Both effects between groups technique of analysis of variance, one can
of subjects as effects within subjects are fa- see it as an extension of the well-known t
miliar in sociolinguistic research. ‘Between’ test, which is used to compare scores in two
factors are for instance age, gender, socio- groups. A design in which analysis of varian-
economic status, ethnicity, and regional ori- ce is the appropriate technique can involve
gin. more than two groups (for instance infor-
Four data characteristics are essential to mants from three or more dialect back-
analysis of variance: grounds), and the groups can even be defi-
(1) a participant (subject, informant) be- ned along more than one independent
longs to only one of the groups defined variable. The former example with four dia-
in the design. lect backgrounds involves one independent
(2) participants are randomly assigned to variable (dialects); adding gender we intro-
the groups/conditions (experimental duce a second independent variable which
design) or are part of a random sample might affect the scores. These independent
(quasi-experimental design). variables are called factors. Like in a t test,
(3) the response or performance of the par- we have to distinguish between designs wit-
ticipant on the dependent variable, is hout or with repeated measures. Again, with
measured or determined by an index or analysis of variance we can go beyond the
score at the interval level. two repetitions of measurements allowed for
(4) the observations are independent. in a t test. Thus analysis of variance is a
99. Quantitative methods 967

good technique to analyze data obtained in the value of the differences between the me-
longitudinal research in which the measure- ans. It is not unlikely that the variation in
ments are carried out at more than two mean number of speech characteristics is
points in time, or in research in which parti- brought about by the variation between the
cipants have to respond to more than two individual subjects. In that case, the variati-
groups of items, or in research in which on between the means only reflects indivi-
speakers are investigated in different style dual differences, not differences between the
conditions (minimal pairs, word list, sponta- three social status groups. The second data
neous speech). set offers a sounder basis for the conclusion
In all of these sections, we restrict oursel- that the three status groups differ, because
ves to a presentation of the main parts of the variation within the groups is limited.
analysis of variance. We cannot presume to Because of the restricted amount of variati-
give a full account of this powerful techni- on within the groups in comparison with the
que. The reader who is interested in a com- differences or variation between the groups,
plete overview is referred to the standard it is more acceptable to reject the hypothesis
textbooks of Winer, Brown & Michels that no differences occur between the
(1991) and Kirk (1995). An introductory groups. This line of reasoning brings us to
text book from a linguistic point of view is the essence of analysis of variance: it invol-
Rietveld & Van Hout (1993). ves the comparison of sources of variation.
In our example two possible sources of va-
2. Basic components riation can be distinguished: variation
brought about by effects induced by the so-
The basic ideas in analysis of variance can called independent variable (the group), and
be illustrated by a simple example. Assume variation which is not influenced by the in-
that we are interested in the effects of so- dependent variable and which is brought
cial status on the occurrences of a series about by individual differences between sub-
of speech characteristics in spontaneous jects: the error. In the following section the
speech. Suppose, for sake of simplicity, that elements are presented which are necessary
only three informants per group were ran- to draw a meaningful comparison between
domly selected (3x3 = 9 subjects). Social sta- the two types of variation mentioned here.
tus runs from low to high. Table 99.1 con-
tains two hypothetical data sets with data. 3. One-way analysis of variance
Table 99.1: Two hypothetical data sets of data, In analysis of variance several terms are
both for three groups of three subjects used to indicate the independent variable
(representing the different groups compa-
data set 1 data set 2 red) and its values. When we say that treat-
group group ment j (representing one of the values of the
I II III I II III independent variable) influences the magni-
9 10 1 3 7 1 tude of the scores, it is said to constitute an
1 2 5 4 6 2
effect. If that treatment is one of a series of
treatments, the series constitute a factor, and
2 6 0 5 5 3 the treatments are called the levels of that
X¯ 4 6 2 X¯ 4 6 2 factor. Factors or independent variables are
generally referred to by Greek letters: , 
Both data sets in Table 99.1. have the same etc.; the levels of the factors are indicated by
means for the three groups. Given the outco- subscripts. The first level or value of factor a
mes in both data sets, it is tempting to con- is referred to by 1; 2 represents the second
clude that the subjects belonging to group II level of that factor and so on. The symbols
have the highest number of speech characte- are used to formulate models for the data or
ristics. Given the outcomes of the first data scores observed. In fact, formulating and te-
set only, however, such a conclusion is hard- sting models for the observed scores consti-
ly warranted. Especially the large diffe- tutes the underlying idea of analysis of va-
rences or variation in scores between the riance, although the reports in which this
subjects within the groups compared to the technique is used often suggest otherwise.
differences or variation in the mean scores What is a plausible model of the data given
between the groups cast serious doubts on in Table 99.2? The scores can be symbolized
968 VII. Sociolinguistic Methodology

by Xij, in which i refers to the score of indi- The error can take any value, whereas the
vidual i and j to the level or treatment of the treatment effects are assumed to have a con-
factor or independent variable investigated. stant value in each group. This last model
So, every score has a unique identity. can be applied to the two data sets of Table
99.3 using 1 = 0, 2 = +2 and 3 = –2 as esti-
Table 99.2: Hypothetical data set for three groups mated values. These values are obtained by
– –
of subjects or treatments Xj – X. The results are given in Table 99.3.
Table 99.3. shows how all individual sco-
data set 3 res are partitioned or decomposed. A score
group I group II group III is considered to be the sum of separate com-
X11 = 4 X12 = 6 X13 = 2 ponents. In this table we assumed specific
X21 = 4 X22 = 6 X23 = 2 values for  and j. In empirical research,
X31 = 4 X32 = 6 X33 = 2
however, we do not know these values. They
can only be estimated on the basis of the
X¯ j X31 = 4 X32 = 6 X33 = 2 patterns present in the data. If the research
design contains one factor or one series of
We can assume a model in which every score treatments only, as in the examples given,
Xij equals an overall mean called . In such a the crucial question is whether an effect j
model all data or scores observed are equal exists or not. It has to be decided which mo-
and the variation found is supposed to be del underlies the observed data, model 1 or
caused by irrelevant individual differences model 2:
between the subjects. Clearly, the model Xij
=  does not suffice for the data of Table Xij =  + ij MODEL 1 (3)
99.2, as the three subpopulation means dif- Xij =  + j + ij MODEL 2 (4)
fer from each other fairly systematically. A
term or effect has to be included which re- What can be observed in the data is (1) the
presents the value added to or subtracted variation between the subjects or informants
from the overall average, according to the within the groups and (2) the variation in
specific treatment: j = j – . This yields the mean scores or values between the groups. If
following extended model: there is no effect j, the variation observed
between the mean scores of the groups (the
Xij =  + j (1) between group variation) is brought about
by the variation in the error component (the
Given the scores in Table 2, we can assign
within group variation). If an effect j is pre-
the s the values 0, +2 and –2; a perfect match
sent, the variation between the groups in-
results between the scores predicted by the
creases because of the differences between
model and the scores observed. In real life,
the groups. The variation between the
however, scores do exhibit variation within a
groups now consists of error variation plus
group of subjects. The model needs to be ex-
variation caused by the effect j.
tended further by a supplementary term re-
How can the variation between the
presenting an error component: ij. It indica-
groups be compared with the variation wit-
tes the amount of random variation for
hin the groups? We have to find a statistic
subject i in group (or treatment) j. The full
which applies to our data and whose distri-
model of the scores takes on the following
bution is known if the null hypothesis is true
form:
(= model 1: there is no effect j and the bet-
Xij =  + j + ij (2) ween group variation is equal to the within

Table 99.3: The full model (= MODEL 2) specified for two hypothetical data sets of test scores (see Table 99.1),
assuming that 1 = 0, 2 = +2 and 3 = –2

data set 1 data set 2


I II III I II III
4+0+5 = 9 4+2+4 = 10 4–2–1 = 1 4+0–1 = 3 4+2+1 = 7 4–2–1 = 1
4+0–3 = 1 4+2–4 = 2 4–2+3 = 5 4+0+0 = 4 4+2+0 = 6 4–2+0 = 2
4+0–2 = 2 4+2–0 = 6 4–2–2 = 0 4+0+1 = 5 4+2–1 = 5 4–2+1 = 3
X¯ j 4 6 2 4 6 2
99. Quantitative methods 969

group variation). In order to arrive at this (N – k). The total number of degrees of free-
statistic, we have to decompose the observed dom is equal to the number of degrees of
(deviation) scores into parts. This can be freedom associated with the between groups
done in the following way: sum of squares plus the number of degrees
– – – – of freedom associated with the within
Xij – X = (Xj – X) + (Xij – Xj) (5)
groups sum of squares.

X is the general or ‘grand’ mean of all the
observations in the different groups. The In actual experiments the means of the MS s
above equation is in fact a simple identity, are not available, but we do know the distri-
but the interesting point is that the deviation bution of the ratio of both mean squares un-
score (on the left) is partitioned into a part der discussion if the H0 is true, i. e. the F dis-
which contains the difference between the tribution. The F distribution permits us to
– –
group mean and the grand mean (= Xj –X), determine to what extent the observed ratio
plus a part which contains the difference of MS s is a probable result under the H0. If
between the individual score and its group that result is not ‘probable enough’, the H0 is

mean (=Xij–Xj). The first part is the between rejected, and the alternative hypothesis is
group component, the second part is the accepted.
within group component.
Squaring and summing this identity over 4. Testing effects
nj informants and k groups results in the fol-
lowing: The statistical distribution of the quotient of
two variances is known as the F distribution.
k n j
– k
– – k n j
– This distribution is in fact a family of distri-
 (Xij – X)2 = nj (Xj – X)2 +  (Xij – Xj)2 (6)
j=1i=1 j=1 j=1i=1 butions. The form of the F distribution is a
SS total = SS between + SS within function of two elements, the degrees of
freedom associated with the mean square in
The term in the left-hand part of the equati- the numerator and the degrees of freedom
on is the total sum of squares: the sum of associated with the mean square in the de-
squares of all the observations with respect nominator, df1 and df2 respectively. The dis-

to the grand mean X. The right-hand part of tribution can be computed if both mean
the equation contains two terms: the first squares or variance estimates have the same
term represents the sum of squares between expected value. This is the case in our one-
groups, the second one represents the sum of way analysis of variance if H0 is true; both
squares within groups. The total sum of variances have the same expected value and
squares can be partitioned into two additive the expected F value is 1.
and independent components: the between What is of interest here is that the between
groups sum of squares (SS between) and the wit- variance is increased by an additional com-
hin groups sum of squares (SS within). Each ponent if H0 is not true, and that this additi-
sum of squares has to be divided by its asso- on is caused by a group effect j. The decisi-
ciated degrees of freedom to obtain a va- on strategy with respect to H0 and H1 is
riance estimate. The result is a so-called based on the value of the quotient between
mean square (MS ). The number of degrees of the within and between groups variance
freedom for the total sum of squares is the (MS between/MS within). If the value exceeds a
total number of observations minus 1: N – 1. critical value, H0 is rejected (= model 1) and
One degree is lost because of the presence of H1 is accepted instead (= model 2).
the grand mean. The number of degrees of This decision strategy can be illustrated
freedom for the within groups sum of squa- by the outcomes for the data set given in Ta-
res is the number of observations within a ble 99.1. In Table 99.4. the relevant part of
group minus 1. Given k groups the number the SPSS output of the ANOVA procedure
of degrees of freedom is N – k; k degrees are (= AN alysis Of VA riance) for data set 1 is re-
lost because of the presence of k group me- produced.
ans. The number of degrees of freedom asso- In Table 99.4. three sources of variation
ciated with the between groups sum of squa- are mentioned. The ‘group’ part relates to
res is the number of groups minus 1: k – 1. the effect ; the residual part represents the
One degree is lost here because of the pre- error (the ‘within variance’). Adding the
sence of the grand mean. The degrees of sum of squares of both parts together gives
freedom are additive too: N – 1 = (k – 1) + the total sum of squares; the same holds for
970 VII. Sociolinguistic Methodology

the number of degrees of freedom. The window Data View click on Analyze
group effect is tested by dividing the mean go to General Linear
square of the group effect a by the mean
square of the residual part. go to +
click on Univariate
Table 99.4: (Part of the) SPSS output from an window Univariate click on the variable
analysis of variance (GLM UNIVARIATE ) the dependent ACCENT
applied to data set 2 in Table 99.1. variable:
insert under dependent
Source Sum of df Mean F Sig.
Squares Square the independent click on the variable AGE
variable:
Group 24.000 2 12.000 12.000 0.008
insert under fixed
Error 6.000 6 1.000
click on OK
Total 30.000 8 8.750

Table 99.5: Relevant parts of SPSS data matrix


The resulting F ratio in Table 99.4. is signifi- representing data set 1 from Table 1
cant; H1 (= model 2) is accepted. When an F
ratio turns out to be significant, we have rea- age accent
son to reject the H0 that both mean squares 1 9
have the same expected value. For instance,
if the F value resulting from MS between/MS wit- 1 1
hin is significant, and if the expected values 1 2
are E (MS between) =  2 + n2 and E (MS within) =
 2 , we may assume that n2 § 0. This as- 2 10
sumption means that there is a difference 2 2
between the levels or treatments of a factor 2 6
somewhere. It does not mean that all levels
or treatments of a factor have different ef- 3 1
fects! In the case of more than two levels, it 3 5
is quite possible that some of them do not
differ from each other. When one wants to 3 0
assess the difference between specific levels,
so-called post hoc tests (also called a-poste- The output will appear in an output file on
riori or unplanned tests) have to be used. the screen. SPSS can also run in syntax
Data set 1 in Table 99.1. does not produce a mode, where the commands have a text for-
significant effect. mat. Window commands can be translated
into syntax format by the option PASTE .
5. One-way analysis of variance in Our Univariate example delivers the follo-
wing syntax: by clicking on PASTE
SPSS
UNIANOVA
A statistical computer package widely used ACCENT BY AGE
is SPSS. The analyses presented in this chap- /METHOD = SSTYPE (3)
ter are all done in SPSS, but many other /INTERCEPT = INCLUDE
packages are capable of performing the /CRITERIA = ALPHA (.05)
same statistical analyses. The relevant parts /DESIGN = age .
of the SPSS data matrix are reproduced in
Table 99.5. The matrix consists of variables The first component, ACCENT BY AGE ,
(GROUP and TEST ) and cases (the partici- specifies the dependent variable which is
pants). Other statistical packages use com- split up in the groups defined by the variable
parable data formats. Properties or variables AGE . The significance level (alpha) is set at
are represented columnwise; cases (partici- .05 by the criteria specification. We will re-
pants, informants, subjects) are represented turn to the meaning of the other compo-
rowise. nents of the command later. Syntax com-
The following steps lead to an analysis of mands can be set to work by clicking on
variance in SPSS : RUN in the window of the syntax file.
99. Quantitative methods 971

6. Post hoc comparisons may wish to know which areas do not differ
from each other and should, therefore, be re-
As mentioned before, a significant F ratio garded as equivalent. In other words, we
only leads to the rejection of the global hy- want to compare the areas I, II, III and IV
pothesis that all effects or levels of a specific pair-by-pair. We have to resort to procedu-
factor are equal to zero. We have not asses- res which aim at keeping  at an acceptable
sed which specific effects are present. In ot- level. There are quite a few of these availa-
her words, a significant F ratio very often ble. For a review we refer to Jaccard et al.
calls for a further, more elaborate analysis. (1984). Fortunately, the literature on this to-
The procedures which are used for that sub- pic suggests that Tukey’s HSD test and the
sequent kind of analysis are called post hoc Turkey-Kramer modification of it (TK ) in
comparisons. It is a crucial problem to con- the case of unequal sample n’s are a good bet
trol the probability level of rejecting a true for most occasions.
H0 hypothesis when one makes a series of In Tables 99.7., 99.8., and 99.9. part of the
comparisons. output of the SPSS procedure is reproduced
The application a series of t tests would in which a one-way analysis and associated
bring about a high probability level of com- post hoc comparisons were carried out for
mitting a Type I error. Various tests have the data of Table 99.6. The analysis of va-
been proposed to maintain a significance le- riance results are presented in Table 99.7.
vel of .05 in a series of (post hoc) statistical The analysis of variance results in Table
tests. Maintaining this level of significance 99.7 show that the between groups factor
will always imply, however, that post hoc (‘urban area’) is significant. In the next step
comparisons are based upon relatively con- we asked for the Tukey HSD test ( = .05).
servative tests. How a statistical test for post The result of the multiple comparisons ana-
hoc comparisons should be applied is illu- lysis according to the HSD test is given in
strated with the one-factor data set in Table Table 99.8.
99.6. Table 99.9. points to two homogeneous
subsets: one contains the means of areas I, II
Table 99.6: Fictituous data set for post hoc and III, and the other area IV. Consequent-
ly, the first three areas should be considered
Urban areas
equivalent.
Posthoc comparisons can be defined as
I II III IV procedures to assess which treatments are
6 8 7 2 considered to be similar or dissimilar in
5 7 6 3 their effects on the dependent variable. All
4 6 5 1 treatments must be taken into account, and
3 5 5 2
a ‘yardstick’ is calculated for pairwise com-
parisons. These procedures can in fact be
X¯ j 4.50 6.50 5.75 2.00 seen as specific cases of a more general ap-
proach to the assessment of differences bet-
After determining that the ‘area’ factor is si- ween treatment means: contrast analysis
gnificant at the .05 level (F3,12 = 12.66), one (see Rietveld & Van Hout 1993).

Table 99.7: (Part of) the SPSS analysis of variance table for the data of Table 99.6.

Source Type III Sum of df Mean Square F Sig.


Squares
Corrected Model 46.688 3 15.563 12.661 .001
Intercept 351.563 1 351.563 286.017 .000
AREA 46.688 3 15.563 12.661 .001
Error 14.750 12 1.229
Total 413.000 16
Corrected Total 61.438 15
972 VII. Sociolinguistic Methodology

Table 99.8: Post hoc comparisons (HSD test) for data Table 99.6.

95% Confidende Interval


(I) AREA (J) AREA Mean* Std. Error Sig. Lower Upper
Difference* Bound Bound
(I-J)*
1 2 –2.0000* .7840 .102 – 4.3275 .3275
3 –1.2500* .7840 .417 –3.5775 1.0775
4 2.500* .7840 .034 .1725 4.8275
2 1 2.0000* .7840 .102 –.3275 4.3275
3 .7500* .7840 .776 –1.5775 3.0775
4 4.500* .7840 .000 2.1725 6.8275
3 1 –1.2500* .7840 .417 –1.0775 3.5775
2 –.7500* .7840 .776 –3.0775 1.5775
4 3.750* .7840 .002 1.4225 6.0775
4 1 –2.5000* .7840 .034 – 4.8275 –.1725
2 – 4.5000* .7840 .000 –6.8275 –2.1725
3 3.750* .7840 .002 –6.0775 –1.4225

Table 99.9. Output post hoc comparisons (Turkey Table 99.10: Single-factor
HSD test) for data Table 99.3 design with three age groups
(I = young, II = middle, III =
Subset old)
AREA N 1 2
age
4 4 2.000 I II III
1 4 4.5000 4 7 4
3 4 5.7500 3 8 2
2 4 6.5000 11 9 8
6 10 10
Sig. 1.000 .102

7. Multi-factorial designs and bers of each group are male, whereas the last
interaction two are female. Consequently, part of the
variation within the groups might be due to
Thus far only a single-factor design (also a gender factor we did not take into account
called a one-way design) has been discussed. in the original model. The scores, originally
The power of analysis of variance, however, displayed in a single- or one-factor design,
lies in the ability to investigate the effects of can be rearranged in a two-factor design as
more than one independent variable on the shown in Table 99.11.
dependent variable simultaneously. The The rearranged data in Table 99.7. clearly
multi-factorial approach is popular in socio- suggest that the original one-factor design
linguistic research, the most frequent varia-
bles being gender, age and educational level Table 99.11: Two-factor design for the data of
or socio-economic status. Suppose that the Table 99.10
data given in Table 99.10. were sampled in a
single-factor experiment with three treat- age
ments. gender I II III
There seems to be a ‘break’ in the scores male 4 7 4
within the groups in Table 99.11. The first 3 8 2
two subjects achieved lower scores than the
female 11 9 8
last two. By inspecting their personal profi-
les, it might turn out that the first two mem- 6 10 10
99. Quantitative methods 973

Table 99.12: Cell means of two data sets, showing interaction (b) and no interaction (a)

data set (a): no interaction data set (b): interaction


B1 B2 B3 B1 B2 B3
A1 10 15 8 A1 7 10 13
A2 15 20 13 A2 9 14 25

has to be replaced by a two-factor design. What do the data and their associated
The scores seem sensitive to the effects of graphs suggest? Interaction is said to occur
two factors: age and gender. The model te- in those cases where the differences between
sted should be expanded by including an ef- the levels of one factor are not equal for all
fect ßj for gender: levels of another factor. In data set (a), for
instance, the difference between A1 and A2 is
Xijk =  + i + j + ijk (7)
3 for all levels of B: 11 – 8 = 3, 16 – 13 = 3,
Apart from the question how such a model 21 – 18 = 3. In data set (b), on the other
with two effects can be tested, an additional hand, the differences between A1 and A2 are
complication may arise when two factors are not the same for all levels of factor B: the
involved. difference at level B1 is 9 – 7 = 2, at B2 14 – 10
An important concept, not only in the = 4, and at B3 25 – 13 = 12. In that case the
context of analysis of variance, but also in two factors are said to interact.
that of many other techniques (variable rule Interactional patterns cannot be reprodu-
analysis, logit analysis, regression analysis) ced by an additive score model in which only
is that of interaction. To illustrate this con- the two main effects i and ßj are included. A
cept, the cell means of four data sets are gi- supplementary term has to be included in
ven in Table 99.8., followed in Figure 99.1. addition to the terms i and ßj. A systematic
by a graphical representation. In Table difference emerges between the scores pre-
99.12., the variable A is the row variable and dicted by the model and the scores observed.
variable B the column variable; the row va- An interaction term ()ij has to be included
riable receives the subscript i, the column to obtain a perfect fit:
variable the subscript j. –
Xij. =  + i + j + ()ij (8)
Both data sets of Table 99.12. have two
factors. Factor A has two levels, factor B For data set (b), 1 = –3 and 2 = 3; 1 = –5,
three. The means of the six cells are display- 2 = –1, and 3 = +6. Given these values and
ed in Figure 99.1.; the ordinate (y axis) rela- the mean cell scores, the values of the inter-
tes to the cell values, the abscissa (x axis) to action term can be determined. For instan-
the levels of factor B. ce,

Figure 99.1.: Graphical representation of the mean cell values of the two data sets of Table 99.9.; the ordi-
nates represent the dependent variable; panel (b) displays interaction
974 VII. Sociolinguistic Methodology


X12. = 13 – 3 – 1 + 1 = 10 Any order will produce the same results in

X23. = 13 + 3 + 6 + 3 = 25 applying an analysis of variance.
The relevant SPSS output for the analysis
The terms +1 and +3 are specific to the cells of the data from Table 99.11. is given in Ta-
(1,2) and (2,3) respectively. More precisely, ble 99.14.
they belong to specific combinations of le- Table 99.14. shows that the SPSS output di-
vels i and j of the factors A and B. stinguishes a number of sources of variation:

8. Testing effects in a two-factor – The effects we implemented in our score


design model, and which are written in capi-
tals: GENDER , AGE and their interac-
How can an analysis of variance be carried tion: AGE *GENDER .
out in SPSS on the data of Table 99.11.? The – Corrected Model: this source of variati-
relevant parts of the SPSS DATAMATRIX on is the total amount of variation asso-
are reproduced in Table 99.13. ciated with the effects that have been in-
The data matrix in Table 99.13. shows corporated in the score model. In our
how the two independent variables, AGE example the sums of squares of the two
and GENDER , should be coded. It is im- main effects (GENDER and AGE ) plus
portant to note that the order of the cases is the sum of squaress of the two-way in-
not relevant for the outcome of the analysis. teraction give the SS of the ‘Corrected
Model’ (sometimes called: ‘explained
variation’): 34.667 + 48.000 + 6.000 =
Table 99.13: Relevant parts of SPSS data matrix 88.667.
representing data in Table 99.11. – Intercept: the associated F ratio tests
AGE GENDER DEP whether there is reason to assume that
the cell means differ from the overall
1 1 1
mean; normally not relevant.
2 1 3 – Error: refers to the SS obtained by sub-
3 1 9 tracting the SS of the corrected model
1 2 2 from SS total.
2 2 4 – Corrected Total: the associated SS is
obtained by summing the SS of the
3 2 10
Corrected Model and that of Error.
1 1 4 R is the correlation between the observed
2 1 8 values and the values predicted by an equa-
3 1 14 tion with the terms of the score model; R2 is
1 2 5 the square of this correlation and expresses
the percentage of the total variation accoun-
2 2 9
ted for by the score model. If you want to
3 2 15 use R2 as an estimate of that percentage in

Table 99.14: (Part of the) SPSS output from an analysis of variance (GLM UNIVARIARTE ) applied to the
data in Table 99.11.

Source Type III Suma df Mean Square F Sig.


of Squaresa
Corrected Model 88.667a 5 17.733 17.733 .002
Intercept 533.333a 1 533.333 533.333 .000
AGE 34.667a 2 17.333 17.339 .003
GENDER 48.000a 1 48.000 48.000 .000
AGE * GENDER 6.000a 2 3.000 3.000 .125
Error 6.000a 6 1.000
Total 628.000a 12
Corrected Total 94.667a 11

a R Squared = .937 (Adjusted R Squared = .884)


99. Quantitative methods 975

the population, you should use the adjusted Another type of dependence is ‘nonindepen-
R 2. dence due to sequence’. This may arise when
Most statistical tests are based on a num- observations which are repeatedly taken
ber of assumptions. These can pertain to the from single experimental units, exhibit spe-
measurement scale (nominal, ordinal, inter- cific patterns. These patterns may show, for
val, ratio), the method of sampling and/or instance, that adjacent observations are lin-
assigning subjects to treatments (randomly ked. Notably in rating experiments we can
or non-randomly), the selection of factor le- find this type of nonindependence, for in-
vels, the distribution of the populations stance when subjects are asked to rate series
from which the samples are drawn, the dis- of synthesized utterances or samples of pa-
tribution of the error, etc. thological speech. It is conceivable that sub-
jects try to vary their ratings in order to
9. Assumptions in analysis of variance create ‘different looking’ scores. This could
create a sequence where low ratings are fol-
There are three general assumptions on lowed by relatively high ones.
which analysis of variance is based: Dependence between observations should
(1) the normality assumption: the observa- be avoided in collecting data, because it in-
tions are drawn from normally distribu- troduces a strong bias in the statistical inter-
ted populations; pretation of the results. That is why sam-
(2) the homogeneity of variance assumpti- pling methods in which previously selected
on: the variances of all (sub)-populati- informants are used to find new potential in-
ons are equal; formants should be avoided in language be-
(3) the independence assumption: the ob- haviour studies.
servations are independent. On the other hand, there are many situa-
What can be done if any of these assumpti- tions in which dependence is an essential
ons is violated or, rather, should anything be part of the phenomenon we want to investi-
done? In general, analysis of variance is said gate. An example is the study of interactio-
to be robust against violations of its assump- nal patterns between persons. Dependency
tions. The qualification ‘robust’ means that here means that people in interaction influ-
the nominal  level (the level assumed by the ence each other’s verbal behaviour. When in-
researcher) is very close to the actual  level terruptive verbal behaviour is investigated in
(the level which holds in a concrete applica- opposite-sex dyads, one may think that the
tion). Nonnormality hardly appears to af- role of the factor sex has to be analysed by
fect the  level. The F statistic is robust comparing the scores of the male and female
against heterogeneous variances too, provi- groups; consequently, a straightforward
ded the cell frequencies are equal. For furt- one-way analysis of variance for indepen-
her information, see Rietveld & Van Hout dent groups will be applied. But beware, this
(1993, Chapter 4). is wrong. The basic units are not separate
In terms of robustness, the independence subjects but dyads of subjects, each dyad
assumption is by far the most important one consisting of a male and a female subject.
(cf. Stevens 1986, 202 ff., Kenny & Judd The variable sex, represented within each
1986). Even small violations can have a dra- dayad, has to be treated like a repeated mea-
matic effect. When groups are sampled, the sure (the data should be analysed as a ran-
individual observations may turn out to be domized block design with k dyads and one
dependent because subjects influence or af- within-block factor with two levels). A dis-
fect other subjects within the same group cussion of design issues in dyadic research
with respect to the variable on which they can be found in Kenny (1990).
are measured. This type of dependence is
called ‘nonindependence due to groups’ by 10. Unbalanced designs
Kenny & Judd (1986). This may occur when
subjects of specific groups have something Unequal cell sizes often create considerable
in common, for instance the textbook they problems. In such unbalanced (= nonortho-
have been using, their teacher, and even the gonal) designs a dependency or correlation
specific social interaction they have been ex- may arise between the explanatory factors
posed to. Stevens (1986, 204–205) suggests (= independent variables). A correlation
taking the group mean as the unit of analysis between the explanatory variables leads to
when within-group dependencies occur. problems in the partitioning of the sums of
976 VII. Sociolinguistic Methodology

squares of the dependent variable in a uni- can be related to the informant characteri-
que way. Where two or more factors are cor- stics ‘gender’ and ‘social network’ (the two
related, the factors involved explain similar factors). Milroy operationalised the factor
parts of the dependent variable. Conse- ‘social network’ on the basis of the multiple-
quently, there is no unique procedure to de- xity and density of informant’s contacts with
termine which factor influences the depen- other persons. A higher score indicates a
dent variable and to what extent. more open network, a lower score a more clo-
To make this more concrete we present sed one. The data analysed here are given in
data from the sociolinguistic study of Milroy Table 99.15. The network scores are divided
(1980) on the urban vernacular of Belfast. into two levels: low scores and high scores.
Central factors investigated by Milroy to ex- The original data can be found in the Ap-
plain linguistic variation were ‘gender’ and pendix in Milroy (1980). In Table 99.15., the
‘social network’. She collected informal network scores, which in fact range from 0
spontaneous speech from 46 informants. to 5, are divided into two levels: low scores
Their speech was analysed for nine so-called (a score of 2 or lower) and high scores (a sco-
linguistic variables, among them the realizati- re of 3 or higher).
on of /a/. This variable measures the degree of Table 99.15. contains unequal cell fre-
retraction and back-raising in items such as quencies. These point to a correlation bet-
‘hat’, ‘man’, ‘grass’. The phonetic realisation ween network and gender: most female in-
of every occurrence of this variable was sco- formants have a low network score, whereas
red on a five-point scale, ranging from 1 (ap- most male informants have a high network
proximating the prestige norm) to 5 (approxi- score. If the data are submitted to the
mating the vernacular norm). On the basis of UNIANOVA procedure in SPSS with SS =
these scores a mean was calculated for every Type III, the results are given as presented in
informant, provided the variable occurred in Table 99.16.
the spontaneous speech material collected. A Table 99.16. gives the outcomes for an al-
mean score could be calculated for 37 infor- ternative treatment of the sums of squares,
mants. The scores on the linguistic variable Type I, as well. Under the Type I approach

Table 99.15: Data from Milroy (1980) on the linguistic variable (a); independent variables are gender and
network score (low, high); N = 37
sex
network female male
1.73 2.13 2.16 2.38 2.65 2.73 2.45 2.85
1.45 2.63 1.75 1.05 3.05 2.73
low score 2.25 2.42 2.78

(n = 11, X¯ = 2.07) (n = 6, X¯ = 2.74)


2.33 2.48 2.75 2.70 2.83 3.78 3.13 3.43
2.35 2.33 2.50 3.15 3.03 2.75 3.03
high score 2.30 2.55 2.12 2.78
2.18
(n = 7, X¯ = 2.49) (n = 13, X¯ = 2.85)

Table 99.16: Sums of Squares (SS ) associated with the factors NETWORK , GENDER and their interaction
in the study by Milroy (1980) according to Type I and Type III of the procedure GLM in SPSS.
Type I Type II
Source SS Model SS Model
NETWORK 1.619 R (|) 0.594 R (|, , )
GENDER 2.155 R (|, ) 2.250 R (|, , )
N×S 0.211 R (|, ) 0.211 R (|, )
99. Quantitative methods 977

network is not significant; under the Type values of F1 and F2. The F1 and F2 values
III approach, network is significant. The re- are the dependent variable and other varia-
searcher has to argue which approach is to bles are used to explain differences in the vo-
be prefered. wel formant values. Multiple regression is a
technique which is in many ways compara-
11. Other design types ble to analysis of variance. The latter can in
fact be seen as a special case of multiple re-
Our introduction to analysis of variance was gression. Any analysis of variance can be
based on a specific type of design, i. e. the so- carried out by multiple regression. However,
called completely randomized factorial de- multiple regression analysis can do more: (1)
sign. This design is marked by two characte- it is applicable to designs in which the inde-
ristics: (1) the subjects are selected randomly pendent variables are continuous, categori-
within the groups or they are assigned ran- cal, or combinations of both; (2) it is also
domly to the different treatments; conse- applicable to designs in which the indepen-
quently, every subject is measured only dent or predictor variables are correlated.
once; (2) if more than one factor is involved, However, the occurrence of correlations bet-
all its levels are crossed with all the levels of ween the independent variables does not
another factor; thus, every level of one fac- make the interpretation of the results any
tor is combined with all the levels of the ot- easier. It is not our aim to demonstrate ex-
her factors. Randomized block designs, inclu- actly how all kinds of designs in analysis of
ding designs with repeated measures, differ variance can be transormed into a multiple
with respect to the first characteristic men- regression analysis (see Pedhazur 1982).
tioned. They are characterized by the use of A fairly recent development which is im-
so-called blocks. The subjects are distinguis- portant to sociolinguistic research is the de-
hed by these blocks in such a way that the velopment of advanced techniques to test
units within a block are as similar as possi- causal models. The most famous one is LIS-
ble with respect to the dependent variable REL , which is extremely popular in the soci-
while the units in different blocks are less si- al sciences. The low impact of these models
milar. Homogeneity within blocks can be in sociolinguistics must be related to the ab-
achieved by using: sence of a deep interest in quantitative me-
– litter mates or identical twins thods, but also to the tradition of sampling
– matched subjects (e. g. matched by test small numbers of speakers.
scores) A relatively new technique to be mentio-
– repeated measures of a subject ned is multilevel modelling (hierarchical li-
Hierarchical designs differ with respect to near models), with many promising applica-
the second characteristic. They are marked tions. We want to mention the following one.
by the presence of nested factors. A factor is In Section 11 we presented analysis of va-
called nested when the levels of that factor riance as a technique which can be used to
or treatment occur only within specific le- detect effects of within-subject factors (re-
vels of another factor or treatment. peated measures). In many research settings
The type of design has consequences for the within-subject factors under study re-
the calculation of the mean squares, the de- flect individual change which may be or may
grees of freedom, the expected values of the be not affected by between-subjects factors.
mean squares and the F ratios. It is impor- Very often the levels of the within-subject
tant, therefore, to be able to specify the na- factor represent different points in time, and
ture of the design to be analysed exactly. the score models underlying individual
There is a wide variety of designs in which change in time are, in fact, ‘growth models’.
data can be collected and analysed. The way The score model used in the traditional, so-
more complicated designs can be worked called mixed-ANOVA is assumed to incor-
out and analysed is explained in standard porate a number of relevant factors: the sub-
textbooks, such as Winer, Brown & Michels jects’ personal bias (a random factor, mani-
(1991) and Kirk (1995). festing the unobserved heterogeneity), the
between-subject factor(s), the within-sub-
12. Related techniques ject factor and an interaction of between
and within-subject factors. If the latter turns
Labov (1994; 2001) frequently applies multi- out to be significant, we have reason to assu-
ple regression analysis to the vowel formant me that the between-subject factor(s) affec-
978 VII. Sociolinguistic Methodology

ted the time course of the scores (the within- Kenny, David A. (1990) “Design issues in dyadic
subject factor). However, this approach has reserach”, in: Research Methods in Personality and
a number of limitations, associated with Social Pychology, Hendrick, C./Clark M. S., eds.,
three assumptions underlying analysis of va- Beverly Hills, 164–184.
riance with repeated measurements: Kenny, David A./Judd, Charles M. (1986) “Con-
– Equal variances: the sphericity-as- sequences of violating the independence assump-
sumption states that the variances of tion in analysis of variance”, in: Psychological
the differences between the levels of the Bulletin 99, 422–431.
within-subject factor(s) are equal; this Kirk, Roger E. (1995) Experimental Designs: Pro-
assumption is not a realistic one, as we cedures for the Behavioral Sciences, 3rd ed., Bel-
may expect that subjects will diverge in mont.
their scores in the course of time. Labov, William (1994) Principles of Linguistic
– Equal growth rates: a related phenome- Change. Internal Factors, Malden/Oxford.
non is that subjects tend to exhibit indi- – (2001) Principles of Linguistic Change. Social
vidual growth rates, which may be a Factors, Malden/Oxford.
function of categorical or continuous Levine, Gustav (1991) A Guide to SPSS -X for
background variables. In analysis of va- Analysis of Variance, Hillsdale, New Jersey.
riance these individual growth rates can-
Milroy, Leslie (1980) Language and Social Net-
not be incorporated in the score model. works, Oxford.
– Equal time spacing: spacing between
measurement occasions and the num- Pedhazur, Elazar J. (1982) Multiple Regression in
ber of occasions are assumed to be Behavioral Research. Explanation and Prediction,
New York.
equal. Especially the last assumption
(no missing data) is awkward, as in Rietveld, Toni/van Hout Roeland (1993) Statisti-
many research settings missing data do cal Techniques in the Study of Language and
occur. Language Behaviour, Berlin/New York.
Stevens, James P. (1986) Applied Multivariate Sta-
tistics for the Social Sciences, Hillsdale, New Jer-
13. Literature (selected) sey.
Bryck, Anthony S./Raudenbusch, Stephan W. Winer, Benjamin J./Brown, Donald/Michels, Ken-
(1992) Hierarchical Linear Models: Applications neth M. (1991) Statistical Principles in Experi-
and Data Analysis Methods, Newbury Park, CA. mental Design, New York.
Jaccard, James/Becker, Michael A./Wood, Gordon
(1984) “Pairwise multiple comparison procedures: Toni Rietveld/Roeland van Hout,
a review”, in: Psychological Bulletin 96, 589–596. Nijmegen (The Netherlands)

100. Qualitative Methoden /Qualitative Methods

1. Einführung konstruierende, von der Beobachtung der


2. Grundannahmen qualitativer Forschung Gegenstände angeleitete und auf die Typik
3. Alltagsweltliche und wissenschaftliche der Gegenstände und nicht auf statistisch
Methoden abgesicherte Repräsentativität ausgerichtete
4. Verfahren der Beobachtung, Befragung und
Verfahren, die insofern in Opposition stehen
Analyse
5. Modelle qualitativer Forschungsprozesse zu quantitativ messenden, nomothetisch ab-
6. Entwicklungsperspektiven leitenden und experimentell überprüfenden
7. Literatur (in Auswahl) Forschungsverfahren.
Qualitative Forschung hat ihre Ursprün-
ge im 19. Jahrhundert und fußt in der gegen-
1. Einführung
wärtigen Ausprägung vor allem auf den Ar-
Qualitative Forschung ist ein Sammelbegriff beiten von Max Weber, George Herbert
für relativ unterschiedliche Ansätze in einer Mead, Alfred Schütz, der Chicago Schule
ganzen Reihe von kultur-, gesellschafts- und der Soziologie, dem Symbolischen Interak-
humanwissenschaftlichen Disziplinen. Der tionismus, der „dichten Beschreibung“ von
Begriff ,qualitativ‘ bezeichnet verstehend re- Geertz in der Ethnographie, weiter der Her-
100. Qualitative Methoden 979

meneutik, der Ethnomethodologie von Ha- rement“ bezeichnet; vgl. Bergmann 1993,
rold Garfinkel sowie der Psychoanalyse (zu 285) erzwingt, dass die wissenschaftlichen
Ansätzen des Sinnverstehens vgl. auch Methoden jeweils in Auseinandersetzung
Graumann/Métraux/Schneider 1991). Qua- mit den Spezifika der zu untersuchenden
litative Ansätze wurden lange durch das do- Gegenstände entwickelt werden. Erforder-
minante naturwissenschaftliche, nomothe- lich ist nicht eine einheitliche Methode für
tisch-deduktive und experimentell-messende alle Gegenstände, sondern unterschiedliche
Paradigma an den Rand gedrängt. Seit den Methoden für verschiedene Typen von Ge-
1970er Jahren ist die qualitative Forschung genständen.
in den Sozial-, Erziehungs- und Kommuni- (b) Soziale Realität ist von den Mitglie-
kationswissenschaften wieder verstärkt prä- dern konstitutiert und daher in ihrer Sicht
sent (vgl. Matthes/Schütze 1973; Schütze und mit ihren Verfahren zu analysieren. Die
1975), zunächst verbunden mit einer strik- Konstitutionsweise der sozialen Wirklich-
ten Opposition von quantitativer und quali- keit ist wesentlich kommunikativ; daher sind
tativer Forschung, seit ca. 15 Jahren aber die für die Analyse entscheidenden Verfah-
auch verknüpft mit einer Diskussion um das ren auch kommunikative Verfahren. „Die
Verhältnis von qualitativen und quantitati- soziale Wirklichkeit kann zureichend nur als
ven Verfahren, ihre wechselseitige Durchläs- sinnhaft durch Kommunikation und Inter-
sigkeit und Kombinierbarkeit in einem For- aktion der Menschen konstitutiertes Gebil-
schungsprozess. de begriffen werden; sie kann nur auf dem
Zeichen für das gegenwärtige Interesse Wege der Rekonstruktion kollektiver Deu-
und das Bemühen um eine weitergehende tungsmuster verstanden werden“ (v. Kar-
Klärung offener methodologischer Fragen dorff 1991, 7). Das Prinzip der qualitativen
sind u. a. Lehrbücher und Handbücher Forschung wird daher auch als „methodisch
(Lamnek 1988; 1995; Flick/v. Kardorff/ kontrolliertes Fremdverstehen“ bezeichnet
Keupp u. a. 1991; Maxwell 1996; Cresswell (Matthes/Schütze 1973; Schütze/Meinefeld/
1998; Crabtree/Miller 1999; Flick 1999 u. Springer/Weymann 1973; Schütze 1975).
2002; Silverman 2000; Denzin/Lincoln 2000 Der wissenschaftliche Zugriff des metho-
u. 2002; Holliday 2001; Hubermann/Miles disch kontrollierten Fremdverstehen muss
2002). In allen einschlägigen Handbüchern sich „an die dem Forschungsprozess vorgän-
der Gesprächsforschung und Soziolinguis- gigen Regeln der alltagsweltlichen Kommu-
tik sind Artikel zu Fragen der qualitativen nikation anpassen“ (Schütze/Meinefeld/
Forschung vertreten (vgl. Esser/Esser 1988; Springer/Weymann 1973, 434). In besonders
Dittmar 1988; Gülich 2001; Thimm 2002). pointierter Weise ist die auf die alltagsweltli-
Weiter erscheinen im deutschprachigen chen Herstellungsverfahren der Gesell-
Raum Zeitschriften wie z. B. die Zeitschrift schaftsmitglieder ausgerichtete Forschungs-
für qualitative Bildungs-, Beratungs- und perspektive in der Ethnomethodologie zum
Sozialforschung sowie online-Zeitschriften Programm erhoben worden. Ihr Untersu-
und Diskussionsforen wie das Forum Quali- chungsgegenstand sind „Ethnomethoden“
tative Sozialforschung (<http://www.quali- (Vgl. Garfinkel 1967 u. 1974), d. h. „die von
tative-research.net/fqs>). den Mitgliedern einer Gesellschaft im
In der Soziolinguistik spielen qualitative Handlungsvollzug praktizierte Methodolo-
Methoden vor allem in ethnographisch ori- gie, über welche die – von den Handelnden
entierten Untersuchungen und bei der Ver- als vorgegeben erfahrene und selbstver-
wendung von Gesprächsanalyse in der inter- ständlich hingenommene – gesellschaftliche
aktionalen Soziolinguistik eine Rolle Wirklichkeit und soziale Ordnung erst pro-
(Kallmeyer 1994/1995; Keim 1995; Schwi- duziert werden“ (Bergmann 1981, 11 f.; vgl.
talla 1995). auch Sacks: Aufgabe ist, „to describe me-
thods persons use in doing social life“, 1984,
2. Grundannahmen qualitativer 21).
(c) Als Konsequenz für die Untersuchung
Forschung
der kommunikativ konstituierten sozialen
Die qualitative Forschung fußt auf folgen- Wirklichkeit „von innen“ (Blumer 1973) er-
den Grundannahmen: gibt sich, dass die Alltagsmethoden der Ge-
(a) Die Anforderung der Gegenstandsan- sellschaftsmitglieder die Grundlage für alle
gemessenheit wissenschaftlicher Verfahren wissenschaftlichen Methoden bilden. Wis-
(von Garfinkel als „unique adequacy requi- senschaftliche Methoden sind Weiterent-
980 VII. Sociolinguistic Methodology

wicklungen und Spezialisierungen von all- 1989, 12). Statt statistischer Repräsentativi-
tagsweltlichen Methoden. Sie können sich tät geht es um das Typische. Im Gegensatz
durch unterschiedlich starke Abstraktion zur Orientierung am Zufall (bei Zufalls-
gegenüber den Alltagsmethoden auszeich- stichproben) hat eine theoretisch-syste-
nen. matische Auswahl Priorität. „Ziel der
(d) Die Gegenstandsangemessenheit wird Typenbildung ist – im Unterschied zum Re-
durch eine Ausrichtung auf die Beobach- präsentativitätskonzept –, nicht die Über-
tung von Verhalten in natürlichen, ökologi- tragung von Begrenztem auf Allgemeines,
schen Kontexten eingelöst im Unterschied sondern das Auffinden von Allgemeinem im
zu experimentellen Verfahren. Höchste Priori- Besonderen (Kudera 1989, 12; vgl. a. Lam-
tät hat das Validitätskriterium, d. h. dass das nek Bd. 1, 192/193). „Die Typenbbildung
Untersuchungsverfahren wirklich das er- zielt auf Repräsentanz, nicht Repräsentati-
fasst, was mit ihm erforscht werden soll. vität (im statistischen Sinne). Generalisiert
Diese sog. Inhaltsvalidität wird durch die wird nicht wie in quantitativer Forschung
oben offene Auseinandersetzung mit den durch einen bedingten Rückschluss vom
Gegenständen und durch die Beobachtung Teil aufs Ganze, sondern durch „Abstrak-
von Verhalten im ökologischen Kontext und tion aufs Wesentliche“. (Kudera 1989, 12).
seine Interpretation durch die Akteure gesi- (i) Qualitative Forschung wird als „huma-
chert (vgl. v.Kardorff 1991, 7). Gegenüber nistic approach“ betrachtet im Unterschied
der starken Betonung der internen Validität zu einer Forschung, die durch die sozialtech-
z. B. beim Experiment spielt in der qualitati- nologische Ausrichtung auf das gesellschaft-
ven Forschung die externe Validität eine liche Funktionieren der Subjekte bestimmt
zentrale Rolle als Voraussetzung für die ist. Diese Orientierung auf den unmittelba-
Gültigkeit der Ergebnisse für natürliche Ver- ren Bezug zur Praxisbezug spiegelt sich auch
hältnisse, d. h. auch unter den komplexen in der Bedeutung von Handlungsrelevanz
Bedingungen der sozialen Alltagswelt. und -angemessenheit der Ergebnisse für die
(e) Die Inhaltsvalidität der analytischen Gesellschaftsmitglieder als ein Qualitätskri-
Aussagen hat Priorität vor der Einordnung terium.
in allgemeine Theorien. Die Besonderheit
der beobachteten Gegenstände ist entschei- 3. Alltagsweltliche und
dend, nicht die theoretische Ableitbarkeit
wissenschaftliche Methoden
von zu prüfenden Annahmen darüber.
(f) Dementsprechend lässt sich die Analy- Der qualitativen Forschung stellt sich, ausge-
se von den Beobachtungen an den Daten an- hend von der Herstellung der sozialen Welt
leiten und vermeidet strikte Vorgaben für durch die Beteiligten, die Aufgabe einer Re-
die Relevanz von Beobachtungen. Das Prin- konstruktion der sozialen Welt „von innen“,
zip einer möglichst nicht vorstrukturierten d. h. einer Rekonstruktion der Art und Weise,
Beobachtung wird u. a. unter Bezug auf das wie die Beteiligten die komplexe Herstel-
Konzept der „gleichschwebenden Aufmerk- lungsarbeit leisten. In besonders pointierter
samkeit“ formuliert (Freud 1904; vgl. a. v. Weise ist die auf die Herstellungsverfahren
Kardorff 1991, 19 ff.). ausgerichtete Forschungsperspektive in der
(g) Im Unterschied zu der in der quantita- Ethnomethodologie zum Programm erhoben
tiven Methodologie der Sozialwissenschaf- worden. Ihr Untersuchungsgegenstand sind
ten dominierenden Hypothesenprüfung be- „Ethnomethoden“ (vgl. Garfinkel 1967 u.
tont qualitative Forschung die empirisch 1974), d.h. „die von den Mitgliedern einer
fundierte Theoriebildung (vgl. die „disco- Gesellschaft im Handlungsvollzug prakti-
very of grounded theory“ von Glaser/Strauss zierte Methodologie, über welche die – von
1973). Dabei können sowohl qualitative als den Handelnden als vorgegeben erfahrene
auch quantitative Befunde benutzt werden. und selbstverständlich hingenommene – ge-
(h) Ein viel diskutierter Punkt ist die Fra- sellschaftliche Wirklichkeit und soziale Ord-
ge der Repräsentativität und Generalisier- nung erst produziert werden“ (Bergmann
barkeit der Untersuchungsergebnisse. „Im 1981, 11f.); vgl. auch die Formulierung von
Bereich qualitativer Forschungsstrategien Sacks (1984, 21), wonach die Aufgabe darin
geschieht die Sicherung von Allgemeinheit besteht „to describe methods persons use in
durch rekonstruktive Verfahren. Medium ist doing social life“.
dabei Kommunikation auf der Grundlage Im Sinne des qualitativen Paradigmas sind
abstrahierender Typenbildung“ (Kudera wissenschaftliche Methoden Weiterentwick-
100. Qualitative Methoden 981

lungen und Spezialisierungen von alltags- mithilfe der Aufhebung der Ablaufdynamik
weltlichen Methoden (vgl. a. Hitzler 1993; bei der Analyse.
Gülich 2001). Für das methodisch kontrol- (b) Die Offenheit der Wahrnehmung ge-
lierte Fremdverstehen genügt es allerdings genüber den Daten kann als eine Spezialisie-
nicht, alltagsweltliche Interpretationen zu re- rung des alltagsweltlichen Erstaunens bzw.
produzieren und die soziale Welt so zu sehen, „Sich-Wunderns“ darüber angesehen wer-
wie die Beteiligten das tun, vielmehr sind die den, dass etwas so ist, wie es erscheint, auch
alltagsweltlichen Interpretationen als Verfah- wenn es alltagsweltlich vielleicht als trivial
rensweise zu rekonstruieren. (Bergmann eingeschätzt wird (z. B. das sich Sprecher in
1981, 23f.). Die Rekonstruktion ist letzt- der Interaktion abwechseln). Damit hängt
lich immer strukturanalytisch und nicht ein- unmittelbar das Durchbrechen der Selbst-
fach interpretativ nachvollziehend. Im For- verständlichkeit („taken for granted“, Gar-
schungsprozess werden die Konstrukte erster finkel 1967) zusammen. In diesem Sinne ist
Ordnung im Sinne von Schütz (die Sinnpro- ein wesentlicher Bestandteil des methodisch
dukte der Beteiligten) in Konstrukte zweiter kontrollierten Fremdverstehens das Kontrol-
Ordnung (wissenschaftliche Konstrukte) lieren eigener alltagsweltlicher Reaktions-
überführt. Für die teilnehmende Beobach- und Interpretationsweisen. Die verstehende
tung z. B. gilt: „So kann es sicherlich nicht Analyse stützt sich auf die alltagsweltliche
genügen, anzunehmen, der Forscher werde Interpretationskompetenz des Forschers und
nach einer gewissen Zeit des Zusammenle- erfordert zugleich eine schrittweise Auflö-
bens mit der untersuchten Gruppe ,gültige sung des eigenen Vorverständnisses im Pro-
Interpretationen‘ erbringen, die mit denen zess der systematischen Analyse.
der Handelnden übereinstimmen – es müs- (c) Ein wirksames Element von Entde-
sen auch Regeln entwickelt werden, nach ckungsverfahren ist die systematische Verän-
denen eine Überprüfung dieser Interpreta- derung der alltagsweltlichen Aufmerksam-
tionen durch andere Forscher ermöglicht keitsspanne. Zu den markanten Stärken der
wird, und es müssen des weiteren Regeln für Konversationsanalyse gehört z.B. die mikro-
den Wechsel zwischen ,Innenperspektive‘ skopische Wahrnehmung von kleinen Details
und äußerer Analyse angegeben werden“ bei der Untersuchung der Produktion von so-
(Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen 1976, zialer Ordnung in der sprachlichen Interakti-
S. 43; vgl. Lamnek S. 156). Die Explizie- on. Derartige Details (wie hm, Verzögerun-
rung der Beziehungen zwischen den beiden gen, das ungeheuer präzise Timing bei
Typen von Konstrukten wird als eine Überlappungen und anderen Phänomenen
schwierige Aufgabe angesehen (vgl. u. a. im Zusammenhang mit Sprecherwechseln)
Schütze 1994). erscheinen aus der Teilnehmerperspektive in
Die Spezialisierung wissenschaftlicher vielen Fällen nebensächlich und bleiben un-
Methoden gegenüber den zugrunde liegen- terhalb der Aufmerksamkeitsschwelle. Auf
den alltagsweltlichen basiert u. a. auf folgen- der anderen Seite kann bei der Untersuchung
den Prinzipien und Vorkehrungen: der Verlaufstrukturen von weitgespannten
(a) Die Entlastung vom Handlungsdruck Ereigniszusammenhängen die Aufmerksam-
als Beteiligter schafft Möglichkeiten der keitsspanne meso- oder makroskopisch er-
Veränderung der Wahrnehmung von sozia- weitert werden, um übergreifende Konturen
len Ereignissen. Beobachtungsmethoden wie sichtbar werden zu lassen. Derartige Hand-
die teilnehmende Beobachtung erreichen – lungs- und Ereignisstrukturen werden typi-
zugunsten von anderen Beobachtungsvor- scherweise aus einer quasi-naturgeschichtli-
teilen – nur eine partielle Freistellung des chen Perspektive als Verlauf betrachtet, d.h.
Beobachters, während überall dort, wo so- unabhängig von der Sinnkonstitution der
ziale Ereignisse aufgezeichnet und damit als Beteiligten (vgl. Symbolischer Interak-
Dokument reproduzierbar sind, mit der tionismus, Chicago Schule der Soziologie;
Wiederholbarkeit und der gezielten Verän- eine soziolinguistische Anwendung in Kall-
derbarkeit der Betrachtungsweise bei der meyer/Keim 1996). In analoger Weise gilt
Analyse einen maximalen Freiraum nutzen das auch für die Untersuchung von Prozess-
kann. In markanter Weise ist das z. B. der strukturen des Lebensablaufs in der Bio-
Fall in der Gesprächs- und Interaktions- graphieforschung, die aus rekonstruktiven
analyse bei der Rekonstruktion der strikt Texten, d. h. der Raffung langer Ereignis-
zeitlich-sequenziellen Herstellung, der die strecken in biographischen Erzählungen,
Interaktionsbeteiligten unterworfen sind, Verlaufmuster herausarbeitet.
982 VII. Sociolinguistic Methodology

(d) Eine weitere Abweichung durch Spe- wechselseitig. Dabei treten neben den Her-
zialisierung ist das generelle Prinzip der sys- vorbringungen von Sinn auch die Beschrän-
tematischen Anwendung der gewählten kungen der Beteiligten bei der Wahrnehmung
Analyseverfahren im Sinne einer lückenlo- der sozialen Welt zutage. Die Herstellungs-
sen Analyse aller unter der gewählten Pers- prozesse sind in den meisten Fällen nur wenig
pektive in Betracht kommenden Phänome- bewusst und steuerbar. Typischerweise sind
ne, im Unterschied zu alltagsweltlichen die Akteure schon in einfachen Gesprächs-
Beschränkungen der Beobachtung auf ein verläufen in Prozesse eingebunden, die sie
für die Durchführung der pragmatischen nur partiell kontrollieren und steuern kön-
Belange ausreichendes Maß. nen. Zudem sind die Ereignisse und insbe-
Die strukturanalytische Auseinanderset- sondere Ereignisfolgen übergreifenden Steu-
zung mit den Besonderheiten der Gegen- ermechanismen und Entwicklungsprozessen
stände führt zur Entdeckung von grundle- ausgesetzt, die die Akteure im Zweifelsfall
genden Eigenschaften und Verfahren der nur bedingt begreifen.
Konstitution der sozialen Welt. Eine zentra-
le Rolle spielen in der ethnomethodologi-
schen Gesprächsanalyse z. B. „formale 4. Verfahren der Beobachtung,
Strukturen“ (vgl. Garfinkel / Sacks 1970) als Befragung und Analyse
stabiles Gerüst der Konstitution von Sinn
und sozialen Zusammenhängen durch die Im Folgenden sollen nur einige wenige mar-
Beteiligten. Die Einsicht in formale Struktu- kante Verfahren qualitativer Forschung auf-
ren wird wiederum für die Entwicklung spe- geführt werden, die jeweils in einer umfang-
zialisierter wissenschaftlicher Methoden be- reichen Literatur dargestellt und diskutiert
nutzt. So ist die Sequenzanalyse in der werden. Sie werden hier nur aspektuell, im
Konversationsanalyse durch die Erkenntnis Hinblick auf ihre Kerneigenschaften, ihr
der grundlegend sequenziellen Ordnung der Leistungsspektrum und ihren Einsatz im
Interaktion bestimmt und leitet wirksame Rahmen soziolinguistischer Untersuchun-
Analyseprinzipien davon ab. In analoger gen besprochen.
weise sind die formalpragmatischen Eigen-
schaften von zusammenhängenden Sachver- 4.1. Beobachtungsverfahren
haltsdarstellungen, insbesondere des Erzäh- Ein Schlüsselverfahren der Feldforschung
lens mit den Anforderungen der Konstitution ist die teilnehmende Beobachtung. Es wurde
bestimmter kognitiver Figuren und den geprägt von der ethnologischen / anthropo-
damit zusammenhängenden Darstellungs- logischen und soziologischen Ethnographie
zwängen (der sog. Zugzwänge; Kallmeyer / (vgl. Art. 121 u. 137). Den Ursprung der
Schütze 1977) für die Methode des narrati- teilnehmenden Beobachtung markiert die
ven Interviews und seiner Analyse grundle- Aufgabe der Beobachtungsdistanz wie z. B.
gend (Schütze 1976 u. 1987). Die qualitati- in der sog. Lehnstuhlethnologie, bei der
ven Verfahren sind immer dort analytisch Mitglieder der untersuchten Population
besonders stark, wo sie auf solchen forma- dem Forscher Informationen zutrugen bzw.
len Strukturen basieren und diese „ausnut- mit dem Beschaffen von Informationen be-
zen“ (vgl. auch Kap. 3). auftragt wurden, die der Forscher dann aus
Die strukturanalytische Betrachtung der analytischer Distanz ordnete und auswerte-
Hervorbringung der sozialen Wirklichkeit te. Teilnehmende Beobachtung zeichnet sich
deckt unterschiedliche Aspekte bzw. Schich- demgegenüber durch die Teilnahme am so-
ten ihrer Konstitutionsweise auf: die Sinn- zialen Leben der Population aus, das zu un-
produktion der Beteiligten, d. h. die produ- tersuchen ist (Spradley 1979).
zierten Sinngehalte und die Verfahren der Die klassische teilnehmende Beobach-
Sinnkonstitution; Prozessstrukturen von so- tung liefert Beobachtungen und Interpreta-
zialen Ereignissen, übergreifender Ereignis- tionen, z. B. in Feldnotizen und Beobach-
verläufe und sozialer Entwicklungen sowie tungsprotokollen, aber keine Rohdaten der
des Lebensablaufs; darüber werden auch Beobachtung in Form von Ton- und Video-
Tiefenstrukturen des sozialen Geschehens Aufnahmen. Das ist einmal historisch durch
und seiner Konstitutionsweise zugänglich. den Stand der Aufnahmetechnik bedingt,
Diese Untersuchungsgegenstände sind eng zum anderen aber auch durch den Primat
miteinander verzahnt, und die sukzessiven der verstehenden Auseinandersetzung in der
analytischen Fokussierungen bedingen sich Teilnahmeerfahrung. Allerdings liegt im
100. Qualitative Methoden 983

Verzicht auf die Aufnahme von Rohdaten in die Gefahren der Verzerrung durch Gegen-
der Beobachtungssituation eine grundlegen- übertragungen und den problematischen
de Schwäche dieser Vorgehensweise. Rückzug in die scheinbare Objektivität der
Als erfolgreich hat sich folgende Vorge- distanzierten Beobachtung hinweist und
hensweise erwiesen: (a) Auf teilnehmende Ängste, Irritationen und Gegenübertra-
Beobachtung auch ohne mitlaufende Auf- gungsreaktionen des Forschers als eine ei-
nahme kann nicht verzichtet werden, wenn genständige Erkenntnisquelle betrachtet
anders keine Beobachtung möglich ist; teil- (S. 191). Insofern kann aus der Not der Sub-
nehmende Beobachtung kann Einblick in jektivität durch Selbstaufklärung des For-
Vorgänge bieten, die anders nicht beobach- schers eine Tugend gemacht werden (vgl.
tet werden können. (b) Wo immer möglich auch Habermas 1973). (f) Andererseits er-
wird die Feldforschung mit Ton- und ggf. streckt sich die Kontroll- und Reflexionsan-
Bildaufnahmen durchgeführt. Um das Risi- forderung auch auf die wachsende Vertraut-
ko der Beeinträchtigung oder sogar des heit, im Sinne des „going native“ als
Scheiterns der Feldforschung zu verringern, Aufgabe der analytischen Distanz zum Ob-
bietet sich häufig an, zunächst klassische jekt, und des mit dem Teilnahme- und Beob-
Feldforschung zu betreiben und in einem achtungsrecht fast regelmäßig verbundenen
zweiten Durchgang Aufnahmen zu machen, Involviertwerdens: als Helfer, Berater, inof-
ggf. auch beschränkt auf besonders interes- fizieller Sozialarbeiter oder auch als Doku-
sante und dafür geeignete Situationen. Auch mentar und Publizist bzw. Sprachrohr und
Ton- und Bildaufnahmen sind durch eine damit Mitspieler bzw. Instrument in einem
perspektivische und selektive Wahrneh- politischen Spiel der beobachteten Popu-
mung geprägt, gestatten aber immerhin für lation.
die vorliegenden Ausschnitte einerseits eine Die Dokumenation der Beobachtungs-
Konfrontation von Interpretationsresulta- umstände zusammen mit der Analyse der
ten mit den Rohdaten und andererseits die Notizen und ggf. der Aufnahme sollte eine
jederzeit wiederholbare Anwendung detail- Einordnung des beobachteten Ereignisses in
lierter Analyseverfahren, die andere Eigen- den untersuchten sozialen Zusammenhang
schaften des beobachteten Ereignisses her- geben, einschließlich seiner Regelhaftigkeit
vortreten lassen, die der flüchtigen und der oder Außergewöhnlichkeit. Daraus ableiten
Dynamik der Teilnahme unterworfenen Be- lassen sich auch Einschätzungen dazu, unter
obachtung des Feldforschers nicht zugäng- welchen Bedingungen entsprechende Beob-
lich sind. (c) Teilnehmende Beobachtung achtungen wiederholbar sind. Auch wenn
wird auch bei mitlaufenden Aufnahmen das in vielen Fällen faktisch nicht ohne Wei-
oder ausschnittweisen Aufnahmen im Feld teres möglich ist, weil die Situations- und
nach den üblichen Regeln dokumentiert Beteiligungsbedingungen immer wieder spe-
durch Feldnotizen, Protokolle (teilweise zifisch sind, ergibt sich über die Typisierung
während der Beobachtung, häufiger nach- der Bedingungen doch die Möglichkeit, die
träglich formulierte), ggf. auch situations- Vergleichbarkeit von Folgebeobachtungen
nah auf Tonband gesprochene Kommentare. einzuschätzen und ihre stützende oder kriti-
(d) Dokumentiert werden sowohl die ob- sche Kraft bei der Analyse zu bewerten.
jektivierende Situationswahrnehmung, die Teilnehmende Beobachtung ist hinsicht-
sich auf konkrete Umstände unter Verzicht lich der Wahrnehmungsspanne der jeweiligen
auf höherstufige Interpretationen konzen- Situationsbeobachtung ein mikrostrukturel-
triert, gleichsam mit einem „registrierenden les Verfahren. Aber durch die Ausweitung
Blick“, als auch die eigene Interpretation und Streuung der Beobachtung im Verlauf ei-
des beobachteten Ereignisses und die eige- nes längeren Beobachtungsprozesses wird
nen Reaktionen, z. B. Fremdheit, Staunen, zumindest ein mesostruktureller Zugriff auf
Verunsicherung usw. und ihrer Anlässe. Gemeinschaften und soziale Welten möglich
(e) Fremdheitsgefühle und Handlungsunsi- (vgl. Strauss 1993). Die Rekonstruktion der
cherheit beeinträchtigen im Zweifelsfall die Referenzwelten der Beteiligten leitet die wei-
Beobachtungsmöglichkeiten, sind aber auch tere Beobachtung an; der Feldforscher wan-
hochgradig aussagefähig und stellen einen dert durch diese Welten und sucht alle von
zentralen Beobachtungs- und Reflexionsge- den Beteiligten als relevant dargestellten Ob-
genstand dar. Vgl. dazu auch die psycho- jekte des sozialen Raumes auf. Hinzu kommt,
analytische Ethnologie von Georges Dever- dass teilnehmende Beobachtung in der Regel
eux (1967; vgl. a. Legewie 1991, 190), der auf nur Teil eines Beobachtungs- und Erhe-
984 VII. Sociolinguistic Methodology

bungsprozesses ist zusammen mit Interviews u. a. eine herausragende Rolle in der Biogra-
unterschiedlichen Typs und anderen Ver- phieforschung. Grundlage ist die Stegreifer-
fahren wie z. B. der Konfrontation der Mit- zählung einer selbsterlebten Geschichte in
glieder mit Beobachtungen, ggf. auch Grup- Reaktion auf eine allgemeine Themenfrage,
pendiskussionen (vgl. a. Schütze 1994). die erzählgenerierende Frage. Narrative In-
Teilnehmende Beobachtung spielt in der So- terviews haben eine charakteristische Pha-
ziolinguistik überall dort eine Rolle, wo mit senstruktur: erster Erzähldurchgang, nur
ethnographischen Ansätzen gearbeitet wird. mit Unterstützung und einfachen Verste-
hensrückfragen des Interviewers, wobei der
4.2. Befragungsverfahren Interviewer so lange nicht mit themensteu-
Im Gegensatz zu standardisierten Befragun- ernden Fragen eingreift, wie der Erzählvor-
gen benutzt die qualitative Forschung offene gang des Interviewten läuft; Phase der Ver-
Interviews mit dem Ziel, dass der Inter- tiefung, in der zu Stellen nachgefragt wird,
viewte die Chance hat, eigene thematische an denen Zusammenhänge undeutlich bzw.
Relevanzsetzungen einzubringen und seine Entwicklungen nicht plausibel sind, wobei
Perspektive darzustellen. Der Interviewer der Interviewer Detaillierungen und Hinter-
beschränkt sich nach dem thematischen Sti- grundgeschichten zur Auffüllung der Ge-
mulus am Start auf Interesse-Bekundungen samtdarstellung auslöst. Während dieses Er-
und Nachfragen sowie eine thematische zählvorganges gilt eine Priorität für konkrete,
Mit-Steuerung durch das Einführen von In- auf unmittelbare Erfahrung bezogene und
formationen aus der voraufgehenden Feld- explizit situierte Darstellungen gegenüber
arbeit. Oberstes Gebot ist, den Interviewten abstrahierenden Reflexionen und theoretisie-
keine Kategorien und Relevanzen als ver- renden Erklärungen. Diese sind vielfach
bindlich vorzugeben und die Antwortmög- ebenfalls als Ausdruck der Interviewtenper-
lichkeiten nicht auf vorgegebene Möglich- spektive und seiner Orientierungen von Be-
keiten einschränken, sondern Gelegenheit deutung, aber nicht als abgelöste Meinungen,
geben zur Entfaltung eigener Relevanzen. sondern im Bezug auf Verarbeitungs- und Er-
Der Interviewer gibt nur relativ offene An- klärungsanforderungen in Handlungs- und
stöße, aber gerade genug, dass der Inter- Erfahrungskontexten. Bei offenen wie narra-
viewte seine eigenen Darstellungsaktivitäten tiven Interviews folgt in der Sequenzstruktur
und den Austausch mit dem Interviewer als dann eine argumentative Phase, in welcher
relevant empfindet und nicht mit Ratlosig- der Interviewer auch Zweifel oder mögliche
keit reagiert und/oder das Interview vorzei- Alternativsichten einbringt und den Inter-
tig abbricht. viewten zu Begründungen und damit auch zu
Bei offenen Interviews steht in der Regel stärker abstrahiert-theoretischen Aussagen
zumindest am Beginn ein thematisches Inte- veranlasst. Die Stärken des narrativen Inter-
resse beim Interviewer im Hintergrund. Die- views als Erhebungsinstrument gehen darauf
ses Interesse kann als ein thematischer Leit- zurück, dass die zusammenhängende Dar-
faden formuliert sein, der aber nur im stellung von Sachverhalten bestimmten Ver-
Hintergrund zur Kontrolle dient, inwieweit fahren und den sog. Zugzwängen des Erzäh-
die vorab als relevant eingeschätzten The- lens unterliegt wie dem Detaillierungszwang,
men vom Interviewten angesprochen wer- der zu einer fortschreitenden Auffüllung von
den. Im Zweifelsfall reagiert der Interviewer einfachen Ereigniszusammenhängen führt.
in enger Anlehnung an die vom Interviewten Narrative Interviews sind im Normal-
produzierte Themenstruktur mit thematisch fall zeitaufwändig und können erheblich in
steuernden Rückfragen bzw. Zusatzfragen. das Selbstverständnis und die psychische
Der Gewinn ist, dass die im voraufgehenden Befindlichkeit des Interviewten eingreifen.
Untersuchungsprozess bereits erkannten Insbesondere im Zusammenhang mit proble-
thematischen Relevanzen nicht „vergessen“ matischen und teilweise systematisch ausge-
werden. Eine Funktion des Leitfadens ist, blendeten Erlebnissen kann ein narratives
dass mehrere Interviewer in etwa vergleich- Interview für den Erzähler ein starkes Mit-
bar vorgehen (vgl. a. die kritische Auseinan- tel der Klärung sein, z. B. wenn er – wie
dersetzung in Hopf 1978). sehr häufig der Fall ist – den gesamten Ge-
Von den unterschiedlichen Varianten von schichtenkomplex vorher noch nicht im Zu-
intensiven Tiefeninterviews ist das narrative sammenhang dargestellt hat. Verschüttetes
Interview wohl die prominenteste Form Wissen und übersehene oder verdrängte Zu-
(Schütze 1977; Hermanns 1982). Es spielt sammenhänge werden durch die Dynamik
100. Qualitative Methoden 985

des Erzählverfahrens bewusst. In diesem Sin- Die soziolinguistische Feldforschung hat


ne können narrative Interviews im Zweifels- wesentliche Einsichten über die Aufnahme
fall ein wichtiger Schritt der biographischen von natürlichen Gruppengesprächen ein-
Arbeit oder auch der Krisenbewältigung sein schließlich von Gruppendiskussionen ge-
und haben ggf. eine therapeutische Funktion. wonnen, die den oben genannten Kriterien
Offene Interviews spielen soziolinguis- entsprechen mit Ausnahme der Moderation
tisch vor allem im Rahmen von ethnogra- bzw. thematischen Steuerung durch den
phischen Untersuchungen eine Rolle. Sie lie- Forscher (vgl. u. a. Kallmeyer 1994/1995).
fern reiches Material zu den relevanten Allerdings sind häufig auch Interventionen
sozialen Kategorien, Bewertungskriterien, des teilnehmenden Beobachters wie interes-
Spracheinstellungen und Elementen des sierte Nachfragen, Erstaunen usw. belegt,
Kommunikationswissens und der Kommu- die im Rahmen der legitimen Beteiligungs-
nikationsideologie, z. B. Angemessenheits- rolle bleiben, im Zweifelsfall aber eine wei-
vorstellungen. Narrative Interviews bieten tergehende Funktion der thematischen
große Möglichkeiten bei der Biographie- Steuerung haben können; z. B. wenn eine
Analyse, wobei die Biographiekonstruktion Nachfrage zeigt, dass dem Beobachter Hin-
sowohl als Rahmen für sprachlich-soziale tergrundinformationen fehlen, die für die
Orientierungen bedeutsam ist als auch un- Gruppenmitglieder selbstverständlich sind,
mittelbar im Sinne einer Sprachbiographie, was eine lange Folge des Wiedererzählens
ebenso für die Erhebung von Hintergrund- von „alten Geschichten“ auslösen kann, zur
wissensbeständen. Allerdings werden narra- Freude der Feldforscher und auch der Grup-
tive Interviews in einem technischen Sinne penmitglieder, welche die Gelegenheit genie-
in der Soziolinguistik bislang noch relativ ßen, noch einmal ihr Repertoire an Ge-
selten verwendet. schichten und Vergangenheitsdarstellungen
Das gilt noch mehr für gesteuerte Gruppen- ausbreiten zu können. Gesteuerte Gruppen-
diskussionsverfahren. Dieses in den USA ent- diskussionen stellen einen starken Eingriff
standene Verfahren wurde in Deutschland als in die beobachtete soziale Welt dar aufgrund
Bestandteil des Programms der Kommuni- des expliziten Situationsarrangements und
kativen Sozialforschung in Bielefeld entfal- der Steuerungsfunktion des Moderators. Im
tet (Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen Rahmen der Feldforschung liegt es daher
1976). Es gibt eine fortlaufende Diskussion nahe, dieses Verfahren im Zweifelsfall rela-
und Weiterentwicklung sowohl im angel- tiv spät einzusetzen.
sächsischen als auch im deutschsprachigen
Raum (Fern 1988; Bohnsack 1997 u. 2000; 4.3. Analyseverfahren
Barbour/Kitzinger 1999; Bloor/Thomas/ Die Befragungsverfahren sind jeweils mit
Robson 2001). Gruppendiskussion wird da- Aufnahmen (in den meisten Fällen Tonauf-
bei definiert als Kommunikation einer Real- nahmen, teilweise auch Videoaufnahmen,
gruppe, die vom Gegenstand der Diskussion z. B. von Gruppendiskussionen) verbunden.
als Gruppe betroffen ist. Ein wichtiges Merk- Diese Aufnahmen sind zusammen mit den
mal ist die Spontaneität der Äußerungen der Feldaufnahmen das Rohmaterial für die
Beteiligten. Die Dynamik der Diskussion un- weitere Analyse. Grundsätzlich wird von al-
ter im Prinzip Eingeweihten fördert viele als len verwertbaren Materialien eine einfache
relevant angesehene Informationen zutage; Verlaufsanalyse und Charakterisierung der
die Experten in der Runde kontrollieren sich Segmente im Sinne eines Verlaufsprotokolls
gegenseitig, d.h. es wird erkennbar, inwieweit durchgeführt. Dieses dient wiederum zur
es sich um geteiltes Wissen und anerkannte Auswahl und Lokalisierung von analytisch
Positionen oder um abweichende Meinungen interessanten Stellen.
und ggf. Idiosynkrasien handelt. Tragendes Inhaltsorientierte Verfahren der Textaus-
Interpretationsschema ist das Argumentati- wertung spielen häufig bei der Interviewaus-
onsverfahren. Die Beteiligten bringen ihren wertung sowie bei der Dokumenten- / Ak-
Standpunkt ein, begründen ihn und setzen tenanalyse eine Rolle. In ethnographischer
sich mit den anderen Standpunkten ausei- Soziolinguistik werden sie vor allem in rela-
nander. Dabei hat die argumentative Ausei- tiv informeller Weise benutzt, um zentrale
nandersetzung oft eine Doppelfunktion als Inhaltselemente und wichtige Kategorien
Informationsquelle für den Forscher und als explorativ aus dem Material zu gewinnen. In
Klärungs- und Lernprozess für die Teilneh- der Soziolinguistik findet eine formellere In-
mer (Vgl. u.a. Flick 2002, 168–187). haltsanalyse als regelgeleitetes Verfahren
986 VII. Sociolinguistic Methodology

mit einem Kategoriensystem und dem Zerle- Wohl bislang das präziseste und zugleich
gen des Materials in Bearbeitungseinheiten variabelste Analyseinstrument für sprachli-
(vgl. Mayring 1990) wenig Anwendung, u. a. che Interaktion ist die Konversations- oder
wegen der strukturanalytischen Schwächen Gesprächsanalyse in ihren unterschiedli-
des Verfahrens, das bestimmte inhaltliche chen Spielarten (vgl. a. Art. 122). Schwer-
Items erfasst, ggf. in Kollokationen und punkt ist die Analyse von sequenziellen
nach Häufigkeiten, aber jeweils nicht als Teil Strukturen unterschiedlicher Reichweite
eines lokalen Strukturzusammenhanges. von ganz lokalen Phänomenen über Muster
Ethnographie der Verknüpfung der Auf- für Aktivitätskomplexe (z. B. Erzählen) bis
nahmesituationen bzw. aufgenommenen zum Verlauf von komplexen Ereignissen und
Personen und Ereignisse zu einem sozialen Ereignisfolgen. Konversationsanalyse, soweit
Zusammenhang eine reichhaltige Kon- sie ganz allgemeine Strukturen und Verfah-
textualisierung der jeweiligen Rohmateria- ren analysiert (vgl. die „formal structures of
lien. Eine wiederholt diskutierte Frage ist, practical action“; Garfinkel/Sacks 1970),
inwieweit bzw. wann und in welcher Form konzentriert sich auf eine Analyse des de-
von diesen Kontextualisierungsmöglichkei- kontextualisierten Materials. Die Rekon-
ten Gebrauch gemacht werden soll. Generell textualisierung ist in der Mikro-Ethnografie
kann man sagen, dass das Kontextwissen, und in der Folge in der ethnographischen
d. h. Wissen über den erfassten sozialen Zu- Anwendung der Gesprächsanalyse wieder
sammenhang, eine zentrale Rolle bei der eingeführt worden. Die Objektive Herme-
Ordnung des Gesamtkorpus, der Orientie- neutik, die eine Alternative zur Gesprächs-
rung darin und der Auswahl von Materialien analyse bietet, ist durch eine Analyse von
für die detaillierte Analyse spielt; dass aber kleinen dekontextualisierten Materialaus-
der Einfluss dieses Vorwissens bei der tech- schnitten gekennzeichnet, für die alle ver-
nischen Detailanalyse vorübergehend aus- nünftigerweise als möglich anzusehenden
zuschalten bzw. seinen Einfluss genau zu Lesarten gesucht werden; diese Lesarten
kontrollieren ist. Die verschiedenen Ansätze werden anhand einer fortschreitenden se-
der Analyse von Gesprächs- und Inter- quenziellen Analyse überprüft und auf die
viewmaterial verfolgen in dieser Hinsicht für das faktische Geschehen relevante Les-
unterschiedliche Strategien. Für alle gilt je- art reduziert. Anschließend wird eine exten-
doch, dass eine im technischen Sinne strikte sive Kontextualisierung durchgeführt, um
Strukturanalyse ohne jede Kontextberück- die sozialstrukturelle Interpretation des Er-
sichtigung durchgeführt wird mit dem Ziel zu eignisses zu vertiefen und Verallgemeinerun-
erfassen, was tatsächlich „im Material“ ist. gen zu erreichen (vgl. Oevermann/Allert/
In einem weiteren Schritt kann das Material Kronau/ Krambeck 1979; Reichertz 1991).
dann wieder kontextualisiert werden, um Zu den wichtigen Verfahrensregeln der
offen gebliebene Rätsel aufzulösen (z. B. un- Analyse von Erhebungsmaterialien gehört,
klare Referenzen, spezifische Redeweisen, dass in allen Fällen das Zustandekommen
in der Interaktion nicht aufgelöste An- der Informationen dadurch kontrolliert
deutungen), die Befunde weitergehend zu wird, dass alle kommunikativen Erhebungs-
interpretieren (z. B. vor der Folie bisheriger verfahren wiederum als Kommunikations-
Einsichten in die sozialen Kategorien, Wert- vorgang der Gesprächs- und Interaktions-
vorstellungen und sprachlich-sozialen Orien- analyse unterworfen werden. Interviews z. B.
tierungen der Beteiligten Akteure) und das werden als Gespräch analysiert zur Bestim-
analysierte Ereignis einzuordnen in den so- mung der Beteiligungsweise des Interviewers
zialen Zusammenhang und seine Dynamik und seines Anteils am Zustandekommen der
(z. B. als dramatischer Höhepunkt einer Kon- Auskünfte. In analoger Weise ist die Beteili-
fliktgeschichte zwischen Protagonisten un- gung des teilnehmenden Beobachters und
terschiedlicher Handlungsorientierungen in sein Einfluss auf das beobachtete Ereignis
einer in die Krise geratenen Institution, wo- zu analysieren, zumindest soweit Ton-/Bild-
bei der Konflikt von den Akteuren u.a. mit dokumente vorhanden sind. Auf diese Weise
Fragen der Sprachverwendung und der kom- können auch „Pannen“ der Feldforschung
munikativen sozialen Stilistik verknüpft wird in Situationen, in denen der Feldforscher
und die Konfliktgeschichte aus der Analyse- mit seinem Erhebungsinteresse zum Spiel-
perspektive als Bestandteil eines übergrei- ball subversiver Interaktionen der Zielak-
fenden sozialen Prozesses gedeutet werden teure wird, sehr aussagekräftig sein für die
kann. Vgl. z.B. Kallmeyer/Keim 1996). Orientierungen und Verfahren in der beob-
100. Qualitative Methoden 987

achteten sozialen Welt (vgl. u. a. Schwitalla/ tekriterien qualitativer Forschung veran-


Streeck 1989). kert sind.
Ein wesentliches Element der qualitativen Als Ausgangspunkt wird im Allgemeinen
Forschung sind Vergleichs- und Triangulati- Max Webers idealtypisches Verstehen, an-
onsverfahren (vgl. u. a. Glaser/Strauss 1967; gewendet auf Prozessstrukturanalyse, ge-
Glaser 1978). Vielfältig diskutiert werden nommen (Weber 1904). Danach lassen sich
z. B. Verfahren des maximalen und minima- folgende forschungslogische Schritte unter-
len Vergleichs: Durch maximalen Vergleich scheiden: (a) Fallrekonstruktion und Fallkon-
(mit sehr unterschiedlichen Materialien bzw. trastierung. Jeder einzelne Fall wird rekon-
Typen) ist die Kontur und der Kern des un- struiert, dann werden die rekonstruierten
tersuchten Typs gut erfassbar, während über Fallverläufe nach dem Prinzip der maximalen
minimalen Vergleich sich Details der inne- und minimalen Konstrastierung verglichen.
ren Struktur und Varianten ergeben. Trian- (b) Ermittlung „reiner“ Fälle / Fallverläufe.
gulation, ein aus der Trigonometrie entlehn- Dafür werden besonders klare und einfache
ter Begriff, bezeichnet den Vergleich von Ausprägungen der vermuteten Strukturen in
unterschiedlichen Perspektiven, d. h. Wahr- bestimmten Fällen zur Grundlage genommen.
nehmungen der Welt von unterschiedlichen (c) Einzelfallverstehen. Die Spezifika des Ein-
Akteuren oder Standpunkten aus. In der zelfalles werden aus der Differenz gegenüber
Ethnographie gilt z. B. die Anforderung, die dem Idealtypus interpretiert, um „nicht das
Perspektive aller relevanten Akteure bei der Gattungsmäßige, sondern umgekehrt die
Rekonstruktion eines komplexen Ereignis- Eigenart von Kulturerscheinungen scharf zu
zusammenhanges zu erfassen und mit einan- Bewusstsein zu bringen“ (Weber 1904, 202).
der zu vergleichen (Kallmeyer 1995). Die (d) Strukturverstehen. Im untersuchten Fall
Strategie der Triangulation wurde auf unter- werden die sozialen Strukturen identifiziert,
schiedliche Gegenstände ausgedehnt wie aus denen sich der Einzelfall (oder die Menge
z. B. Materialtypen (Aktualkommunikation, der Einzelfälle) erklären lässt. Dazu wird das
Dokumente, Rekonstruktion im narrativen Material neu gruppiert, nicht mehr idealty-
Interview, ggf. auch Befragungen im Feld pus-orientiert, sondern nach bestimmten Aus-
und Konfrontation von Mitgliedern mit ei- prägungen bzw. Spuren von sozialstrukturel-
genen oder fremden Äußerungen usw.) oder len Einflüssen.
auch Forschungsmethoden. Triangulation Das gegenwärtig verbreitetste Prozess-
gestattet, einerseits die Perspektivenabhän- modell für qualitative Forschung ist die
gigkeit von Wahrnehmungen herauszuarbei- „Discovery of grounded theory“ (Glaser/
ten und andererseits auch darüber wieder Strauss 1967; Glaser 1978; Strauss 1987; vgl.
Analysebefunde abzusichern (z. B. die Rele- auch Wiedemann 1991). Die zentralen Ele-
vanz bestimmter Konfliktgegenstände im mente sind hier:
sozialen Leben, die von allen – in jeweils ty- (a) Theoretisches Sampling im Sinne
pischer Weise – gesehen werden mit Ausnah- einer theorie- bzw. hypothesengeleiteten
me von Angehörigen einer sozialen Katego- Auswahl von Untersuchungseinheiten. Der
rie, deren Nicht-Wahrnehmung als aktive Umfang der Grundgesamtheit und ihre
Ausklammerung erkennbar wird). Merkmale sind vorab unbekannt; es erfolgt
eine mehrmalige Ziehung von Stichproben-
5. Modelle qualitativer elementen nach jeweils neu festzulegenden
Kriterien; die Stichprobengröße ist vorab
Forschungsprozesse
nicht definiert. Das Sampling wird beendet,
Es liegen einige Modellierung qualitativer wenn theoretische Sättigung erreicht ist
Forschungsprozesse vor, welche die Spanne (d. h. wenn neue Fälle / Befunde nicht mehr
zwischen der Ausgangsanforderung von zur Veränderung bzw. Entwicklung der
Offenheit und gleichschwebende Aufmerk- Theorie beitragen (vgl. a. Wiedemann 1991,
samkeit als Strategie der Entdeckung von 441). (b) Theoretisches Kodieren. Die Kate-
Eigenschaften des Gegenstandes und der gorienbildung erfolgt in Auseinanderset-
Theoriebildung (unterschiedlicher Reich- zung mit dem Material. Drei Stufen des
weite, d. h. eher gegenstandsnahen Theo- Kodierens sind zu unterscheiden: offenes
rien geringer Reichweite oder stärker all- Kodieren, das einer möglichst reichen Kate-
gemeinen, „formalen“ Theorien im Sinne goriengewinnung in Auseinandersetzung
von Glaser/Strauss 1967) als ein struktu- mit den Spezifika des Materials dient; axia-
riertes Verfahren darstellen, in dem die Gü- les Kodieren, bei dem einigene Kategorien
988 VII. Sociolinguistic Methodology

schwerpunktmäßig ausgearbeitet werden; 6. Entwicklungsperspektiven


theoretisches Kodieren, bei dem die axialen
Kategorien in einen theoretischen Zusam- Qualitative Methoden haben unbestreitbare
menhang integriert werden und Basiskon- Stärken bei der Erschließung von Arbeitsbe-
zepte gewählt werden (ein oder zwei für eine reichen und der Entwicklung einer angemes-
Untersuchung). Dann folgen noch die Aus- senen („realistischen“) Sicht auf die unter-
arbeitung der Basiskonzepte sowie die Ver- schiedlichen Weltausschnitte, d. h. eine hohe
dichtung und Integration der theoretischen explorative Kraft. Charakteristisch ist wei-
Konstrukte im Hinblick auf eine Theorie. ter die Verbreitung in der Erforschung der
Ein Hilfsmittel dafür sind: (c) Theoretische Handlungspraxis in bestimmten Tätigkeits-
Memos. Diese sind kurze Skizzen, die der feldern, z. B. in den „studies of work“ (vgl.
Entwicklung von Hypothesen und methodi- im Überblick Bergmann 1991) und in der
schen Überlegungen dienen. Die Memos praxisnahen, angewandten Forschung, bei
werden nach theoretischen Gesichtspunkten der die Handlungsrelevanz der Ergebnisse
sortiert und im Hinblick auf die Theoriebil- ein wesentliches Gütekriterium darstellt, so
dung ausgewertet. Es folgt das theoretisches in der Sozialarbeit, der Beratungsforschung,
Schreiben bis zur Zusammenfassung der in zunehmendem Maße auch als Verfahren
Theorie. der Evaluation in beruflichen Kontexten
Als Weiterentwicklung dieser Entwürfe (z. B. Schule).
entstehen Schritt für Schritt weiter ausdif- Wichtig für die Soziolinguistik sind vor
ferenzierte Prozessmodelle, die Aspekte allem die Kombination von teilnehmender
der fortschreitenden Methodenreflexion und Beobachtung und Analyse von dokumen-
-entwicklung inkorporieren und die Beson- tierten Rohdaten, die eine Wiederholung
derheiten von verschiedenen Untersuchungs- und Überprüfung der Analyse gestatten, so-
typen wie Sampleanalyse und Fallanalyse be- wie Triangulationsverfahren mit dem Ver-
rücksichtigen (vgl. u.a. Flick 1991; Schütze gleich von ethnographischen Situations-
1993). Eine solche ausdifferenzierte Variante interpretationen und dem analytischen
kann man so charakterisieren: (a) Klärung Nachweis der Relevanz von Interpretions-
des Gegenstandsbereichs, Überblick, Samm- kategorien in der aufgenommenen Interak-
lung, vorläufige Abgrenzung. (b) Reflexion tion.
von Anlass/Motivation, Überprüfung des In den letzten Jahren eine verstärkte Ent-
theoretischen Vorwissens, Reduktion der Ka- wicklung in der Methodologie; insbesondere
tegorien für die erste Beschreibung. Insbe- in Europa, vor allem Deutschland. Qualitati-
sondere auch: Überprüfung von impliziten ve Verfahren sind im Forschungsprozess
Annahmen über den Gegenstand, die einen ständig Gegenstand der Beobachtung und
Bias verursachen können. (c) Exemplarische Reflexion, als Selbstbeobachtung (und Pro-
Analysen, Feststellung relevanter Phäno- tokollierung), als wechselseitige Beobach-
mentypen, Überprüfung der Beschreibungs- tung in Dialogverfahren der Offenlegung und
kategorien und erneute Öffnung. (d) Analyse Begründung oder auch Formen der Supervi-
einer Fallmenge, Vergleich, Befunde und Re- sion im Sinne eines Arrangements, dass in
flexion des Ansatzes. (e) Modellierung auf kontrollierter Weise die Reflexion des Vorge-
der Grundlage der Befunde und der darüber hens und der Methodenentwicklung stützt.
gebildeten Kategorien. (f) Ausdifferenzieren Wichtigstes Element ist in diesem Zusam-
des Modells, ggf. mit Rückgang in die Mate- menhang weniger die leitfadenartige Ent-
rialanalyse oder auch gezielter Erweiterung wicklung und Vorgabe von konkreten Ar-
der Materialauswahl. (g) Modellformulie- beitsschritten als vielmehr die Explizierung
rung. (h) Neue Belegung des Modells durch von Logik und Ablauf der Untersuchung. Bei
frisches Material. der Explizierung der Forschungslogik und
Bei der Fallanalyse spielt die Erfassung der Gütekriterien sowie insbesondere der
der Komplexität der Fallkonstitution die Überprüfungsverfahren besteht noch ein De-
zentrale Rolle. Dem Vergleichsverfahren in fizit.
der Analyse von Fallmengen entspricht hier Gegenstand verstärkter Klärungsbemü-
die Spiegelung, d. h. Abbildung von Elemen- hungen sind in den letzten Jahren das Ver-
ten in anderen Zonen des Fallzusammenhan- hältnis und die Kombinierbarkeit von quali-
ges (z. B. Aufscheinen derselben Falleigen- tativen und quantitativen Verfahren. Nach
schaften in unterschiedlichen Perspektiven, der Frontstellung früherer Jahre zwischen
Vorstufen und späte Verarbeitungen usw.). den beiden Paradigmen gibt es eine neue
100. Qualitative Methoden 989

Diskussion um die mögliche wechselseitige deutschtürkischen Jugendlichen der zweiten


Durchlässigkeit der beiden Paradigmen Migrantengeneration; vgl. Kallmeyer/Keim/
(vgl. auch Esser/Esser 1988). Die geläufige Aslan/Cindark 2002); die den Präferenzen
Vorstellung von einer sinnvollen Kombina- der Ausdruckswahl entsprechenden Men-
tion qualitativer und quantitativer Methoden genverhältnisse sind für die Typenbildung
ist, dass qualitative Methoden der Explora- relevant. Darüber hinaus sind Tendenzen,
tion und auch der schnellen Hypothesenge- allmähliche Verschiebungen und sukzessive
winnung dienen und quantitative und ggf. Veränderungen, die Gegenstand von quali-
experimentelle Methoden der Hypothesen- tativen „naturgeschichtlichen“ Prozessbe-
überprüfung. Aber auch die umgekehrte obachtungen sind, ebenfalls nur mit (einfa-
Reihenfolge kann sinnvoll sein, d. h. dass chen) quantitativen Verfahren zu erfassen
quantitative Beobachtungen anschließend (z. B. schon die Veränderung der Sprachva-
mit qualitativen Methoden vertieft und hin- riationsmuster bei den deutsch-türkischen
sichtlich der involvierten Konstitutionspro- Jugendlichen über ca. 10 Jahre, unter dem
zesse geklärt werden (vgl. auch v. Kardorff Einfluss der Kommunikationserfahrungen
1991, 8). Denkbar ist immer die Einbezie- in der Schule und anderen Situationen au-
hung von Beobachtungen unterschiedlicher ßerhalb des familiären Bereichs; vgl. Kall-
methodologischer Herkunft in die Triangu- meyer/Keim/Aslan/Cindark 2002).
lation, bei der ja gerade auch das Zustande- Angesichts der Tatsache, dass der Sozio-
kommen der verglichenen Befunde in Be- linguistik hin und wieder ein Mangel an
tracht gezogen wird. Theoriebildung vorgeworfen wird, können
Einen Ansatzpunkt für die engere Ver- die Verfahren einer „discovery of grounded
knüpfung der unterschiedlichen Verfahren theory“ als Stützung einer dezidierten Theo-
bietet der Umstand, dass Zählen im einfa- riebildung für die Weiterentwicklung der
chen Sinne implizit oder explizit in vielen Soziolinguistik bedeutsam werden. Das gilt
qualitativen Beobachtungen enthalten ist, insbesondere für die Erfassung und Konzep-
z. B. wenn in der Konversationsanalyse kon- tualisierung komplexer Zusammenhänge
statiert wird, dass in einem Korpus Phäno- wie z. B. des Zusammenhangs von Kommu-
mene „in the vast majority of cases“ oder nikationsstrukturen und sozialen Strukturen,
„overwhelmingly“ auftreten im Unterschied d. h. von Ausdrucksformen, rhetorischen
zu wenigen Abweichungen. Vorstellungen Verfahren, Strategien des kommunikativen
von Normalität bzw. Regelhaftigkeit und Handelns, Kommunikationstypen/Gattun-
Abweichung sind auch gegründet auf die gen/Genres, Typen von Kommunikationssi-
Wahrnehmung von Quantitäten. Allerdings tuationen und -rollen in der sozialen Organi-
erfüllen derartige einfache Mengenbeobach- sation und situationsübergreifende Bögen
tungen noch nicht die Anforderungen von von Interaktionsprozessen mit ihrem Bezug
statistischen Verfahren. In der Konversati- auf Prozesse des sozialen Wandels.
onsanalyse wir die Einbeziehung von quan-
titativen Verfahren noch skeptisch diskutiert
7. Literatur (in Auswahl)
unter Hinweis darauf, dass man die Beob-
achtungsphänomene erst verlässlich kodie- Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen, ed., (1973)
ren und zählen kann, wenn man genug über Alltagswissen, Interaktion und gesellschaftliche
sie weiß; andernfalls besteht die Gefahr, Wirklichkeit. Band 1 Symbolischer Interaktionis-
dass die interessanten Besonderheiten bei mus und Ethnomethodologie. Band 2 Ethnotheorie
der Anwendung von schon vorhandenen und Ethnographie des Sprechens, Reinbek.
Kategorien verdeckt werden (vgl. Schegloff –, (1976) Kommunikative Sozialforschung, Mün-
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101. Phasen des Forschungsprozesses / Stages of Research

1. Einführung Rahmen eines quantitativen oder qualitati-


2. Quantitative Forschung ven Forschungsansatzes (s. auch Art. 99 und
3. Qualitative Forschung 100 in diesem Band) gelöst werden soll.
4. Literatur (in Auswahl) Klassisch und paradigmenbildend für die
Soziolinguistik ist der lineare Phasenablauf
1. Einführung in der quantitativen Forschung; daneben
stehen rekursive Phasenabläufe in qualitati-
Jeder Forschungsprozess unterliegt for- ven Ansätzen (s. Punkt 3).
schungslogischinternen und -externen Fakto-
ren, die den Ablauf einer empirischen Un- 2. Quantitative Forschung
tersuchung strukturieren. Zu den externen
Faktoren gehören Forschungsressourcen Die Durchführung einer empirischen Unter-
(Zeit, Personal, Sachmittel) und Projektvor- suchung in der Perspektive der quantitati-
gaben (Zwischen- und Abschlussberichte ven Forschung lässt sich in aufeinanderfol-
etc.). Forschungslogischintern durchläuft gende Schritte gliedern, die den zeitlichen
jeder Forschungsprozess grob vier Haupt- Ablauf und internen logischen Aufbau einer
phasen, unabhängig davon, um welchen Typ Untersuchung widerspiegeln (vgl. im Ein-
von Forschung es sich handelt: zelnen Schlobinski 1996, 19 ff.). Im ersten
(1) Problemfindung und präzise Formulie- Schritt der Untersuchung werden die Ideen
rung des Forschungsproblems, konzeptualisiert, die allgemeinen und spe-
(2) Planung und Vorbereitung der Erhe- ziellen Ziele der Untersuchung festgelegt
bung, und der Untersuchungsgegenstand definiert
(3) Datenerhebung, und operationalisiert. Anschließend werden
(4) Datenauswertung. Hypothesen formuliert, die bei statistischen
Welche Entscheidungen in diesen Haupt- Untersuchungen getestet, d.h. durch die Un-
phasen im Einzelnen zu treffen sind und wie tersuchung geprüft werden sollen. Die präzi-
die Phasen strukturiert sind, hängt aller- se Formulierung der Hypothesen (und Ge-
dings auch davon ab, ob das Problem im genhypothesen) ist für statistische Analysen
101. Phasen des Forschungsprozesses 993

von zentraler Bedeutung. Im zweiten Schritt empirischen Materials. Präzise Fragestel-


erfolgt die Planung und Durchführung der lungen stehen dann nicht am Anfang der
Datenerhebung. Zunächst wird die Stich- Untersuchung, sondern ergeben sich mögli-
probe (Art und Umfang) festgelegt, es wer- cherweise erst als Resultat der Studie