Sie sind auf Seite 1von 34

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

3 ANGEWANDTE HOLZBAUSYSTEME

3.1

Vorbemerkung

In diesem Abschnitt werden ausschließlich moderne und aktuelle Holzbauverfahren be- handelt. Der sehr traditionsreiche Holzblockbau hat in Südtirol nur mehr untergeordnete Bedeutung, weil derartig erstellte Wohnhäuser Einzelfälle sind. Sehr wohl werden noch auf Almen und in hochalpinen Gegenden Blockhäuser für Alpgebäude, Heustadel oder Schutzhütten gebaut. Der reine Fachwerkbau hingegen erfuhr in Südtirol nicht jene Verbreitung, wie er in Mittel- und Norddeutschland gefunden hatte. Die häufigste Art der Errichtung von landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäuden erfolgt aber immer noch mit Bauweisen, die dem Fachwerkbau sehr ähnlich sind. Die Holzständerbauweise wurde durch den neuen Holzskelettbau ersetzt und findet ebenfalls nur mehr im landwirtschaftli- chen Bauwesen Anwendung.

Zur einfacheren Identifizierung der Bauverfahren sind kleine Symbole am Beginn eines jeden Abschnittes rechts oben angeführt. Die folgende kurze Aufstellung soll einen Über- blick über die angeführten Bauweisen verschaffen.

Holzrahmen-

Holzskelettbau

und Holztafelbau

Holzrahmen- Holzskelettbau und Holztafelbau Brettlagenbauweise Brettstapelbauweise Holz-Beton-
Holzrahmen- Holzskelettbau und Holztafelbau Brettlagenbauweise Brettstapelbauweise Holz-Beton-

Brettlagenbauweise

Brettstapelbauweise

Holz-Beton-

 

Verbundtechnik

und Holztafelbau Brettlagenbauweise Brettstapelbauweise Holz-Beton-   Verbundtechnik Seite 17
und Holztafelbau Brettlagenbauweise Brettstapelbauweise Holz-Beton-   Verbundtechnik Seite 17

Seite 17

und Holztafelbau Brettlagenbauweise Brettstapelbauweise Holz-Beton-   Verbundtechnik Seite 17

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

3.2 Holzrahmen- und Holztafelbau

NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS 3.2 Holzrahmen- und Holztafelbau Der Holzrahmenbau entstand in Nordamerika, wo bereits Anfang

Der Holzrahmenbau entstand in Nordamerika, wo bereits Anfang des 19. Jahrhunderts der Fachwerkbau durch eine Leichtkonstruktion mit Holzstehern und Bretterverschalung er- setzt wurde. Sind beim Fachwerkbau noch allein die Steher und Streben die Haupttragele- mente, so kann beim Holzrahmenbau bereits von einer „Scheibenbauweise“ und insofern auch von einem Flächentragwerk gesprochen werden. Die aussteifenden Streben können aufgrund der Scheibenwirkung der diagonal ausgerichteten Bretter ersetzt werden.

Das Bauverfahren erwies sich als kostengünstig und rationell, wodurch die Siedlungsakti- vität in den nordamerikanischen Ländern beschleunigt wurde. Mit nur sehr wenigen Handwerkzeugen entstanden ganze Dörfer und Städte. Mit Säge, Hammer und Nägel wur- de Rundholz geschnitten und verbunden. Die industrielle Entwicklung standardisierte das Hausbauverfahren, sodass letztendlich mit zwei Profilgrößen für Wände und Decken ge- baut wurde.

So wie der Fachwerkbau nach Amerika „exportiert“ – wurde der Holzrahmenbau in Euro- pa „importiert“: Anfänglich in den nordeuropäischen Ländern wie Finnland, Schweden und Norwegen mit ihren riesigen Waldvorkommen, wo schon immer traditionellerweise mit Holz gebaut wurde (vgl. Stabkirchen in Norwegen).

immer traditionellerweise mit Holz gebaut wurde (vgl. Stabkirchen in Norwegen). Seite 18 Abb.10 – Holzrahmenbauweise

Seite 18

Abb.10 – Holzrahmenbauweise

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Erst allmählich breitete sich diese erfolgreiche und beliebte Bauweise auch in Mitteleuropa aus. In Deutschland wurden eigene Arbeitsgruppen zur Förderung des Holzrahmenbaus gegründet. Ausgearbeitet wurden verschiedene Schriften und Kataloge (vgl. Informations- dienst Holz) sowie Teil 3 der DIN 1052. Diese Grundlagen bilden auch für Südtiroler Ver- hältnisse den Maßstab zum fachgerechten Bauen mit der Holzrahmenbauweise.

Wie bereits eingangs erwähnt, wird das Holzrahmenbausystem aus tafelförmigen Elemen- ten mit tragendem Rahmen (Rippen) und aussteifender Beplankung gebildet. Die Beplan- kung kann aus diagonal verlaufenden Brettverschalungen, aus Holzwerkstoffen – z.B. Mehrschichtplatten, Bau-Furniersperrholz, Spanplatten und OSB-Flachpressplatten – oder faserverstärkten Gipsplatten bestehen. Die Holzrahmen werden möglichst aus standardi- sierten Holzquerschnitten, wie 6/12, 6/16, 6/18 oder 8/16 in Anpassung an gebräuchliche Plattenmaße der Beplankung gefertigt. Aus dieser Randbedingung entsteht das Konstrukti- onsraster von 62,5 cm (seltener 81,5 cm) für die senkrechten Rahmenhölzer, wobei die vereinheitlichte Plattenbreite 125 cm beträgt. Verschiedene Grundrisslösungen und die Positionierung von Fenster und Türen sind durch sogenannte Wechsel trotzdem möglich.

Querschnitt einer Holztafel Beplankung Rippe (Steher) Verbindungsmittel (Nagel) Fensteröffnung Türöffnung 62,5 =
Querschnitt einer Holztafel
Beplankung
Rippe (Steher)
Verbindungsmittel (Nagel)
Fensteröffnung
Türöffnung
62,5
= Achsmaß

Abb. 11 – Wandtafel im Holzrahmenbau

Seite 19

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Die Wärmedämmung wird platzsparend in den freien Räumen („Gefache“) der Holzrah- men untergebracht. Zusätzlich benötigte Dämmstärken für die Niedrig-Energie-Bauweise sind sowohl an der Außen- wie auch an der Innenseite möglich. Bei Außenwänden wird innenseitig eine Dampfbremse und außenseitig eine Windsperre angebracht, damit es zu keiner Tauwasserbildung innerhalb der Wärmedämmung kommt und die kalte Luft von außen nicht eindringen kann. Bei Verwendung von offenporigen Wärmedämmungen, z.B. Holzfaserplatten, kann auf den Einbau einer Dampfbremse verzichtet werden, sodass nur eine außenseitige diffusionsoffene Windsperre erforderlich wird. Die Innenbekleidung erfolgt – wie bei allen Holzbauweisen – entweder mit Holzsichtschalung, Gipswerkstoffen oder auch mit einer Verputzschicht. Dasselbe gilt für die Außenbekleidung, wobei auch hier aufgrund der Möglichkeit von Putzfassaden ein Holzhaus nicht mehr von einem Haus in Massivbauweise zu unterscheiden ist. Das Besondere eines Holzhauses ist jedoch deren äußeres Erscheinungsbild: ein Holzhaus kann und soll sich sehen lassen! Eine Stülpscha- lung in Lärche oder eine Boden-Deckel-Schalung bietet denselben Wetterschutz wie eine Putzfassade.

Deckenaufbau: Deckenaufbau: Boden nach Wahl 1. 1. Boden nach Wahl 2. Gipsfaserplatte 2. Gipsfaserplatte 3.
Deckenaufbau:
Deckenaufbau:
Boden nach Wahl
1. 1. Boden nach Wahl
2.
Gipsfaserplatte
2.
Gipsfaserplatte
3.
Dämmplatte
3.
Dämmplatte
4.
Holzschalung
4.
Holzschalung
5.
5.
Luft oder
Luft oder
leichte Schüttung
leichte Schüttung
6.
6.
Schwere Schüttung
Schwere Schüttung
7.
7.
Rieselschutz
Rieselschutz
8.
8.
Holzwerkstoffplatte
Holzwerkstoffplatte
9.
9.
Installationsebene
Installationsebene
10. Gipsfaserplatte
10. Gipsfaserplatte
Außenwand:
Außenwand:
Innenwand:
Innenwand:
1. 1.
Verputz
Verputz
1. 1.
Gipsfaserplatte
Gipsfaserplatte
2. 2.
Wärmedämmung
Wärmedämmung
2. 2.
Holzwerkstoffplatte
Holzwerkstoffplatte
3. 3.
Diagonalschalung
Diagonalschalung
3. 3.
Wärmedämmung
Wärmedämmung
4. 4.
Wärmedämmung
Wärmedämmung
4. 4.
Installationsebene
Installationsebene
5. 5.
Installationsebene
Installationsebene
5. 5.
Holzwerkstoffplatte
Holzwerkstoffplatte
6. 6.
Luftdichtung
Luftdichtung
6. 6.
Gipsfaserplatte
Gipsfaserplatte
7. 7.
Holzwerkstoffplatte
Holzwerkstoffplatte
8. 8.
Gipsfaserplatte
Gipsfaserplatte

Abb. 12 – Detailplanung im Holzrahmenbau

Seite 20

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Die Decken werden bei der Holzrahmenbauweise sehr häufig als Balkendecken ausge- bildet. In letzter Zeit ist aber auch eine Kombination mit Brettstapeldecken zu beobachten, wie sie im Kapitel 3.7 näher beschrieben sind.

beobachten, wie sie im Kapitel 3.7 näher beschrieben sind. Abb. 13 – Zusammenfügen der Wandelemente auf

Abb. 13 – Zusammenfügen der Wandelemente auf der Baustelle

Während beim klassischen Holzrahmenbau noch sämtliche Holzteile an Ort und Stelle, d.h. auf der Baustelle, zusammengefügt werden (Nordamerika), so werden bei uns in Mitteleu- ropa ganze Holzrahmenelemente für Wände, Decken, aber auch Dächer, im Zimmereibe- trieb vorgefertigt und anschließend in wenigen Tagen an der Baustelle zusammengebaut – sprich verschraubt. Das hat den Vorteil, dass im Betrieb mit größeren stationären Maschi- nen, sogenannten Abbundanlagen, wetterunabhängig gearbeitet werden kann, was schließ- lich eine bessere und präzisere Bearbeitung ermöglicht. Für das Zusammenfügen auf der Baustelle genügt ein LKW-Ladekran und wenige Handwerkzeuge für die Verschraubung bzw. Vernagelung.

Seite 21

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS Als erster Schritt wird die sogenannte Schwelle auf der Rohdecke des Kellers

Als erster Schritt wird die sogenannte Schwelle auf der Rohdecke des Kellers bzw. der Bodenplatte lage- und höhenmäßig befestigt. Mit kleinen Holzkeilen wird eine exakt waag- rechte Ebene hergestellt. Das Schwellenholz - meistens in Lärche - wird zusätzlich durch einen Dämmstreifen vor aufsteigender Feuchtigkeit geschützt.

Abb. 14 – Bauphase 1: Holzschwellen ausrichten

Seite 22

einen Dämmstreifen vor aufsteigender Feuchtigkeit geschützt. Abb. 14 – Bauphase 1: Holzschwellen ausrichten Seite 22

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS Die im Zimmereibetrieb vorgefertigten Wandtafeln werden auf die Schwellen aufgesetzt,

Die im Zimmereibetrieb vorgefertigten Wandtafeln werden auf die Schwellen aufgesetzt, verschraubt und vorübergehend abgestützt. Die Wandelemente werden durch eine über- greifende Beplankung gestoßen. Nach Aufrichten sämtlicher Wandtafeln werden abschlie- ßend oberseitig sogenannte Rähme angebracht, die sämtliche Wandelemente zusammen- halten und vorhandene Horizontalkräfte weiterleiten.

Abb. 15 –Bauphase 2: Wandtafeln aufrichten und Rähme verschrauben

Seite 23

vorhandene Horizontalkräfte weiterleiten. Abb. 15 –Bauphase 2: Wandtafeln aufrichten und Rähme verschrauben Seite 23
vorhandene Horizontalkräfte weiterleiten. Abb. 15 –Bauphase 2: Wandtafeln aufrichten und Rähme verschrauben Seite 23

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS Jetzt werden die Deckenbalken bzw. Deckenelemente mit einer Bretterschalung oder mit

Jetzt werden die Deckenbalken bzw. Deckenelemente mit einer Bretterschalung oder mit Holzwerkstoffplatten verlegt, höhenmäßig ausgerichtet und verschraubt. Mit der Herstel- lung der ersten Geschossdecke ist das Gebäude vorerst ausgesteift („Schachtel“).

Abb. 16 –Bauphase 3: Deckenbalken mit Schalung montieren

Seite 24

das Gebäude vorerst ausgesteift („Schachtel“). Abb. 16 –Bauphase 3: Deckenbalken mit Schalung montieren Seite 24
das Gebäude vorerst ausgesteift („Schachtel“). Abb. 16 –Bauphase 3: Deckenbalken mit Schalung montieren Seite 24

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS Das nun fertiggestellte erste Geschoss bildet die „Arbeitsbüh- ne“ für die Montage
Das nun fertiggestellte erste Geschoss bildet die „Arbeitsbüh- ne“ für die Montage der Wandelemente des
Das nun fertiggestellte erste Geschoss bildet die „Arbeitsbüh-
ne“ für die Montage der Wandelemente des folgenden Stock-
werks.
Abb. 17 –Bauphase 4: Folgende Geschosse erstellen

Seite 25

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS Nach Fertigstellung sämtlicher Geschosse wird die Dach- konstruktion so weit erstellt,

Nach Fertigstellung sämtlicher Geschosse wird die Dach- konstruktion so weit erstellt, dass die darunterliegenden Bauteile ausreichend vor Feuchtigkeit geschützt sind. Jetzt kann mit den Ausbauarbeiten – Wärmedämmung, Wind- schutz, Installationen und weitere Beplankungen – begon- nen werden.

Abb. 18 –Bauphase 5: Ausbauarbeiten mit Wärmedämmung und Installationen

Seite 26

Beplankungen – begon- nen werden. Abb. 18 –Bauphase 5: Ausbauarbeiten mit Wärmedämmung und Installationen Seite 26

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Der Hausbau erfolgt immer stockweise, beginnend ab Kellerdecke bzw. Bodenplatte: die erste Decke bildet wiederum eine Plattform für das folgende Geschoss. In den USA wird dieses Bauverfahren auch Platform-Frame-System genannt. Mit der Holzrahmenbauweise lassen sich dadurch mehrgeschossige Wohnungsbauten errichten, wobei ab 4 Vollgeschos- se zusätzliche Maßnahmen zur Gebäudeaussteifung notwendig sind. Wirtschaftlich sinn- voll eingesetzt werden kann dieses Bausystem im Ein- und Zweifamilienhausbau, bei Rei- henhausanlagen und für Gebäudeaufstockungen, weil es heute noch zu den individuellen und flexiblen Holzbauweisen gehört.

Der Holztafelbau ist eng verwandt mit dem Holzrahmenbau: der Unterschied liegt einzig und allein in der Vorfertigung. In der Fertighausindustrie werden ganze Fassaden mit Be- kleidung, Türen und Fenstern, Decken und Dächern im Werk gefertigt. Der hohe Vorferti- gungsgrad eines Fertighauses hat jedoch seinen Preis bei gestalterischen und individuellen Wünschen. Nach der Herstellung im Werk sind nur mehr geringfügige Änderungen mög- lich. Dieser Umstand könnte so manchen Bauherrn zum Verzweifeln bringen, da in der Praxis häufig noch auf der Baustelle verändert wird (siehe Varianteprojekte). Auch der Eigenleistungsanteil wird bei Fertighäusern verringert, da meistens „schlüsselfertig“ ge- baut wird.

Seite 27

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

3.3

Holzskelettbau

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS 3.3 Holzskelettbau Der Name Holzskelettbau leitet sich von seinem charakteristischen

Der Name Holzskelettbau leitet sich von seinem charakteristischen Tragsystem mit vertikalen Stützen und horizontalen Trägern ab. Es besteht eine konstruktive Verwandt- schaft zum Fachwerkbau, doch geht der Ursprung bereits auf die Jungsteinzeit zurück: Der Pfahlbau mit einem Tragskelett aus eingestemmten Pfählen und horizontalen Dachpfetten war neben dem Blockbau die Grundform frühzeitlicher Behausungen. Weidengeflecht und Lehm dienten als Gebäudehülle gegen Witterungseinflüsse. Der Pfahlbau hatte seine we- sentliche Schwäche in der geringen Einspannung an den Pfahlfüßen, die außerdem noch einem ständigen Verfaulungsprozess ausgeliefert waren. Die „elastische“ Ausfachung mit dem lehmverputzten Flechtwerk bildete keinen ausreichenden Widerstand.

Erst viel später entwickelte sich daraus der Fachwerkbau, wo zusätzliche Streben die Maß- haltigkeit (Steifigkeit) der Stützen und Riegel garantierten. Der Skelettbau mit mechani- schen Stahlverbindungen, den wir heute kennen, entwickelte sich vor etwa 40 Jahren, wo der Versuch unternommen wurde, filigrane Bauwerke einmal nicht in Stahl, sondern in Holzbauweise zu errichten. Der Skelettbau gehört deshalb in Mitteleuropa zu den am längsten angewandten Bauweisen im modernen Holzhausbau.

am längsten angewandten Bauweisen im modernen Holzhausbau. Abb. 19 – Beispiele (1) für moderne Knotenanschlüsse im
am längsten angewandten Bauweisen im modernen Holzhausbau. Abb. 19 – Beispiele (1) für moderne Knotenanschlüsse im

Abb. 19 – Beispiele (1) für moderne Knotenanschlüsse im Holzskelettbau [4]

Seite 28

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS Abb. 20 – Beispiele (2) für moderne Knotenanschlüsse im Holzskelettbau [4] Die
DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS Abb. 20 – Beispiele (2) für moderne Knotenanschlüsse im Holzskelettbau [4] Die

Abb. 20 – Beispiele (2) für moderne Knotenanschlüsse im Holzskelettbau [4]

Die Entwicklung durch das Aufkommen des Brettschichtholzes und der mechanischen Verbindungsmittel ermöglichte den Architekten eine freiere Wahl des Grundrissrasters und folglich nahezu unbegrenzte Gestaltungsmöglichkeiten. Der Holzskelettbau eignet sich für leichte und elegante Konstruktionen vor allem in Verbindung mit großen Glasflächen. Durch den Einsatz von Brettschichtholz sind auch gekrümmte Elemente keine Seltenheit, was mit natürlich gewachsenem Vollholz nicht möglich ist.

Die Skelettbauweise zählt zum Ingenieurholzbau, da ähnlich wie bei Hallentragwerken, größere Stützenabstände und infolgedessen höher belastete Verbindungen vorkommen. Der Tragwerksplanung kommt im Holzskelettbau sicherlich größere Bedeutung als bei allen anderen Holzbauverfahren zu.

Irrtümlicherweise wird mit Skelettbau jede Holzkonstruktion mit einem Traggerippe be- zeichnet, obwohl auch der Holzrahmen- und der Fachwerkbau ein derartiges Gefüge auf- weisen. Die charakteristischen Merkmale des Holzskelettbaus sind ein großer, weiter Ras- terabstand von Stützen und Träger, die Unabhängigkeit der Gebäudehülle vom Haupttrag- werk, biegesteife Holzverbindungen und eine Gebäudeaussteifung mit Diagonalverstre- bungen in Stahl oder Holz. Anstelle der Verstrebungen können auch einzelne Wandele- mente oder ein biegesteif ausgebildetes Stiegenhaus („Kern“) eingefügt werden.

Seite 29

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Haupt- und Nebentragwerk können voneinander unabhängig ausgebildet werden, es lassen sich - gleich wie bei der Holzrahmen-/Holztafelbauweise - auch Kombinationen mit der Brettstapel- oder der Brettlagenbauweise konstruieren. Für die ergänzenden Nebentrag- werke wie Deckenbalken, Dachsparren und Dachpfetten wird anstelle des Brettschichthol- zes natürlich gewachsenes Vollholz verwendet. Die Anordnung von Stützen und Trägern richtet sich üblicherweise nach dem Entwurf von Fassaden und Trennwänden, sowohl in der Form als auch im Material. Demzufolge können raumbildende Wände als Fertigteil- wände in Ständerbauart oder als Glaselement eingesetzt werden. Das Haupttragwerk kann sich auch außenseitig vor der Gebäudehülle befinden, eine Bauweise, die nur mit Holzske- lettbau realisierbar und ebenso als charakteristisches Erscheinungsbild ersichtlich ist. Al- lerdings müssen der Witterung ausgesetzte Bauteile konstruktiven, gegebenenfalls auch chemischen Holzschutzmaßnahmen unterzogen werden.

gegebenenfalls auch chemischen Holzschutzmaßnahmen unterzogen werden. Abb. 21 – Montage und Detailausbildung Seite 30
gegebenenfalls auch chemischen Holzschutzmaßnahmen unterzogen werden. Abb. 21 – Montage und Detailausbildung Seite 30

Abb. 21 – Montage und Detailausbildung

Seite 30

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Die Lastabtragung erfolgt bei der Skelettbauweise über stabförmige Tragglieder mit der funktionellen Trennung von Raumabschluss und Tragwerk, ganz im Gegensatz zum Holz- rahmenbau, wo scheibenförmige Tragelemente hergestellt werden, die gleichzeitig auch raumabschließend sind. Die konstruktive Trennung sämtlicher Wände vom Tragsystem hat den Vorteil, dass nicht nur deren Lage im Bauwerk, sondern auch deren Versetzbarkeit vollkommen flexibel ist. So können ohne Bedenken ganze raumteilende Wände, aber auch Decken je nach Gebäudenutzung verändert werden. Der Holzskelettbau ist eine Bauweise für weite offene und hohe Räume mit viel Glas und sichtbarer Konstruktion.

Auch Holzskelettbauten können in einzelnen Abschnitten im Zimmereibetrieb vorgefertigt werden, auch wenn der Anteil der Vorfertigung nicht so hoch wie beim Holzrahmenbau ist. Bohrungen und Schlitze werden passgenau im Werk angefertigt, sodass die spätere Zusammensetzung der einzelnen Tragglieder mit Schraubbolzen, Stab- oder Ringdübel auf der Baustelle ohne größere Schwierigkeiten durchgeführt werden kann.

Die Wirtschaftlichkeit des Skelettbaus hängt letztendlich vom Grundrissraster und von der Anzahl der Verbindungen ab: Ein größerer Raster bedeutet einen höheren Holzverbrauch, jedoch weniger Knotenpunkte und dadurch geringere Gesamtkosten. Spannweiten größer als 8 m hingegen führen zu unproportional großen Trägerquerschnitten, was wiederum ästhetische Probleme mit sich bringt.

Der Holzskelettbau verlangt bereits im Entwurfsprozess nach einer „konstruktiven“ Zu- sammenarbeit zwischen Architekt und Tragwerksingenieur.

Seite 31

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

3.4

Brettlagenbauweise

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS 3.4 Brettlagenbauweise Die Brettlagenbauweise – auch bekannt unter den Namen

Die Brettlagenbauweise – auch bekannt unter den Namen Kreuzlagenholz oder Dickholz – ist eine Massivholzbauweise, zu deren Vertreter auch der Blockbau und die Brettstapel- bauweise zählen. Im Gegensatz zu Holzrahmen- und Holzskelettbau ist die Brettlagenbau- weise mit durchgehend gleich starken Holzflächenteilen aufgebaut. Die Bausysteme sind produktabhängige Bauweisen, d.h. die „Rohware“ der unbearbeiteten Massivholzplatten sind nur über den entsprechenden Hersteller zu beziehen, der selbstverständlich auch über eine entsprechende Zulassung verfügt. Eine Eigenherstellung wäre auch nicht sinnvoll, zumal die Investitionen erst ab einer Herstellung in größerem Maße rentabel wären.

Die Entwicklung der Massivholzplatten begann als Forschungsprojekt Anfang der neunzi- ger Jahre. In den Jahren 1997 und 1998 wurde dann die neue Bauweise mit den innovati- ven Massivholzplatten der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Fast zur gleichen Zeit wurde sowohl in Österreich als auch in Deutschland dasselbe Produkt, nur mit unterschiedlichem Namen je nach Hersteller, präsentiert: Kreuzlagenholz und Dickholz.

kreuzweise gestapelte kreuzweise Bretterlagen gestapelte Bretterlagen Abb. 22 – Aufbau der Massivholzplatte
kreuzweise
gestapelte
kreuzweise
Bretterlagen
gestapelte
Bretterlagen
Abb. 22 – Aufbau der Massivholzplatte

Seite 32

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Die Brettlagenbauweise mit den Massivholzplatten als Ausgangsprodukt kann als wesent- liche Weiterentwicklung des modernen Holzhausbaus angesehen werden. Erst mit diesem Bausystem wurde so mancher Bauherr von der Sinnhaftigkeit der Holzbauweise überzeugt. Nahezu jede Grundrissform ist möglich und das bei kürzester Bauzeit und Kosten, die im Marktsegment der Fertighausindustrie (vgl. Holztafelbau) liegen. Vorliegende Gründe sind mitunter entscheidend, dass mittlerweile in Südtirol nahezu 1/3 aller Holzhäuser mit der Brettlagenbauweise erstellt werden.

Holzhäuser mit der Brettlagenbauweise erstellt werden. Abb. 23 – Innenansicht eines Holzhauses in

Abb. 23 – Innenansicht eines Holzhauses in Brettlagenbauweise (Rohbau)

Die Massivholzplatten werden aus kreuzweise übereinander gestapelten und miteinander verleimten Brettern, häufig fünf- oder siebenlagig hergestellt. Die Verleimung erfolgt mit formaldehydfreiem PUR-Klebstoff oder mit Melamin-Harz. Maßgebend für ein hochwer- tiges Produkt hinsichtlich Festigkeit und Steifigkeit ist dabei der Pressdruck während der Verleimung. Das Ausgangsmaterial ist – ähnlich wie bei der Brettstapelbauweise – die Brettseitenware aus den Randzonen des Holzstammes. Das Quellen und Schwinden (vgl.

Seite 33

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Brettstapelbau) der Massivholzplatte wird aufgrund der kreuzweisen Verleimung auf ein Minimum reduziert.

Mit der Brettlagenbauweise lassen sich Wände, Decken und Dächer, aber auch auskragen- de Bauteile wie Balkone konstruieren. Die Massivholzplatte ist ein industrielles Rohpro- dukt, das in den meisten Fällen zu verschalen oder zu verputzen ist, denn Sichtflächen sind derzeit noch relativ aufwendig zu realisieren; diese Anstrengung führt noch zu unbefriedi- genden Resultaten.

Anstrengung führt noch zu unbefriedi- genden Resultaten. Abb. 24 – Balkone in Brettlagenbauweise mit Putzträger

Abb. 24 – Balkone in Brettlagenbauweise mit Putzträger

Aufgrund der Formstabilität können innenliegende Gipskarton- oder Holzwerkstoffplatten direkt auf der Massivholzplatte befestigt werden. Die Wärmedämmung wird außenliegend unabhängig von der Tragebene angeordnet. Das hat den Vorteil, dass zum einen die Dämmstärke reduziert werden kann, da auch die Massivholzplatte dämmende Wirkung besitzt, und zum anderen, aufwändige Sperrsysteme für die Anforderung an die Winddich- tigkeit entfallen.

Seite 34

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Außenwand Außenwand 1. 1. Verputz Verputz 2. 2. Wärmedämmung Wärmedämmung 3. 3. Luftdichtung Luftdichtung
Außenwand
Außenwand
1. 1.
Verputz
Verputz
2. 2.
Wärmedämmung
Wärmedämmung
3. 3.
Luftdichtung
Luftdichtung
4. 4.
Massivholzplatte
Massivholzplatte
5. 5.
Gipsfaserplatte
Gipsfaserplatte
Abb. 25 – Schnitt Brettlagenbauweise

Seite 35

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Die kurze Bauzeit ergibt sich aus dem Umstand, dass sämtliche Wand- und Deckenöffnun- gen, wie Fenster, Türen und Treppen, bereits im Zimmereibetrieb teilweise mit computer- gesteuerten Abbundanlagen millimetergenau hergestellt werden. Wände, Decken und Dä- cher werden alsdann auf die Baustelle transportiert und zusammengebaut bzw. miteinander verschraubt. Mit Plattenlängen bis 15 m lassen sich gebäudehohe Bauteile als Wände aus- bilden, wo anschließend die Decken eingehängt werden. Für die Montage der Plattenele- mente wird ein LKW-Ladekran oder ein Baustellenkran verwendet.

Die Brettlagenbauweise eröffnet im modernen Holzbau eine neue Dimension in der Trag- werksplanung: die zweidimensionale Lastabtragung. Die Belastung innerhalb eines Ele- mentes kann nach allen Richtungen hin abgetragen werden, was einer richtigen Platten- und Scheibentragwirkung gleichkommt. Bisher konnte diese Wirkung nur bei kleinforma- tigen dünnen Holzwerkstoffplatten erzielt werden, die aber im Holzbau nur für Beplankun- gen Anwendung finden. Mit einzelnen Massivholzplatten sind sogar punktgestützte Trag- systeme machbar. Vor allem bei „schmalen“ Deckenscheiben kann dies von Vorteil sein, weil durch die Umfangslagerung an Konstruktionshöhe eingespart werden kann. Die ma- ximale Elementbreite von 3 m schränkt jedoch diesen wesentlichen statischen Vorteil ein.

Abb. 26 – Eckausbildung

Elementbreite von 3 m schränkt jedoch diesen wesentlichen statischen Vorteil ein. Abb. 26 – Eckausbildung Seite

Seite 36

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Massivholzplatten sind in einer Stärke bis 50 cm erhältlich, wobei ab 26 cm Höhe Brett- schichtholzrippen aufgeleimt werden, damit größere Spannweiten und Belastungen erreicht werden können. Im gewöhnlichen Wohnbau sind somit sämtliche Deckenelemente ohne zusätzliche Verstärkungen – wie Einbau von Unterzügen oder Holz-Beton-Verbundtechnik – möglich. Auch größere Aussparungen in Decken, z.B. für Wendeltreppen, sind ohne weiteres zu realisieren. Die sogenannte schwache Brettlage reicht in den meisten Fällen als Tür- oder Fensterüberleger aus.

Die Planung von Bauvorhaben mit der Brettlagenbauweise ist relativ einfach: es genügen die Kriterien der traditionellen Massivbauweise, mit dem Unterschied, dass Wände und Decken geringere Stärken aufweisen. Neuerdings lassen sich auch vollkommen runde oder gekrümmte Bauteile konstruieren, was bisher im Wohnhausbau nur mit Ziegelmauerwerk oder Stahlbeton möglich war.

Die Brettlagenbauweise gehört neben der im folgenden Abschnitt beschriebenen Brettsta- pelbauweise sicherlich zu den innovativsten Erfindungen des modernen Holzbaus. Die Massivholzplatte ist ein anerkannter ökologischer Baustoff, der aufgrund seiner großen Holzmasse CO 2 speichern kann.

In den nächsten Jahren wird die Massivholzplatte noch weitere Entwicklungen durchfah- ren, im Besonderen werden Oberflächen in bester Sichtqualität z.B. für Deckenuntersich- ten erwartet. Die Brettlagenbauweise ist heute die am häufigsten angewandte Methode für den Bau eines zeitgenössischen Holzhauses.

Seite 37

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

3.5

Brettstapelbauweise

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS 3.5 Brettstapelbauweise Die Brettstapelbauweise ist die jüngste Entwicklung im Bereich der

Die Brettstapelbauweise ist die jüngste Entwicklung im Bereich der modernen Holzbausys- teme. Eine der möglichen Ursachen dafür mag der Umstand sein, dass heutzutage Einzel- bretter aus sogenannter Seitenware weitaus günstiger zu haben sind, als die vergleichbare Menge an Kernholz. Eine weitere Erklärung könnte auch sein, dass in früheren Zeiten die „Wandersäge“ zur Baustelle kam, Bretter nur in verschiedenen Stärken und Längen ver- fügbar waren und es unüblich war, Kernholz zu Brettern zu verarbeiten. Angesichts unse- res eklatanten Holzüberschusses und einer verbesserten Transportlogistik kommen heute die Bretter in gleicher Länge und Stärke auf die Baustelle bzw. in den Zimmereibetrieb.

Es gab zwar im 18. und 19. Jahrhundert bereits Decken mit nebeneinanderliegenden Bal- ken, die jedoch selten direkt miteinander verbunden waren, sondern mit einer zusätzlichen oberseitigen Bretterlage vernagelt wurden. Außerdem dominierten noch mehrheitlich die reinen Holzverbindungen, weshalb eine großflächige Vernagelung nicht in Frage kam.

weshalb eine großflächige Vernagelung nicht in Frage kam. Abb. 27 – Gebäude in Brettstapelbauweise [4] Seite

Abb. 27 – Gebäude in Brettstapelbauweise [4]

Seite 38

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Heute unterstützt diese „massive“ Holzbauweise die Rentabilität einheimischer Wälder, da große Mengen an geschnittenen Brettern benötigt werden. Die Brettstapelbauweise mit dem vermehrten Einsatz von Holz kommt dem Ziel der Reduzierung des CO 2 -Gehaltes der Luft entgegen. Ein Kubikmeter Brettstapel vermag ca. 930 kg CO 2 [4] zu binden! Die Ö- kobilanz der Brettstapelbauweise dürfte im allgemeinen Interesse sein und zeichnet dieses Bauverfahren neben der Holzrahmenbauweise als besonders umweltgerecht aus.

Bei der Brettstapelbauweise werden einzelne Brett-Stapel aus hochkant nebeneinander gestellten und mit Nägeln oder Hartholzstabdübeln verbundenen Brettern oder Bohlen her- gestellt. Der Brettstapel ist ein massives flächiges Bauteil, mit dem sich - wiederum anei- nandergereiht - Decken, Wände oder ganze Fassaden fertigen lassen. Die Herstellung der einzelnen Elemente ist sehr einfach und wirtschaftlich, denn als Gerät wird nur ein soge- nannter Nagler benötigt.

denn als Gerät wird nur ein soge- nannter Nagler benötigt. Abb. 28 – Baustellenanfertigung einer Brettstapeldecke

Abb. 28 – Baustellenanfertigung einer Brettstapeldecke im Frauenmuseum in Meran

Seite 39

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS Abb. 29 –Frauenmuseum in Meran mit neuer Zwischendecke in Brettstapelbauweise Die

Abb. 29 –Frauenmuseum in Meran mit neuer Zwischendecke in Brettstapelbauweise

Die Brettstapelbauweise ist ebenso wie die Holzrahmenbauweise äußerst flexibel, was sich besonders bei der Sanierung von Decken in Altbauten gezeigt hat. Einzelne Bretter können leicht von Hand an jede noch so beengte Einbaustelle ohne Hebezeug transportiert und stützenfrei vernagelt werden.

Seite 40

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Zick-Zack-Nagelung Zick-Zack-Nagelung Nägel Nägel scharfkantig scharfkantig gefast gefast
Zick-Zack-Nagelung
Zick-Zack-Nagelung
Nägel
Nägel
scharfkantig
scharfkantig
gefast
gefast

Querschnittsausbildung

Querschnittsausbildung

verschwenkt verschwenkt
verschwenkt
verschwenkt

Abb. 30 – Nagelbild und Querschnittsformen des Brettstapels

Seite 41

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Bei Neubauten empfiehlt sich jedoch nicht die Baustellenanfertigung. Wirtschaftlich ist vielmehr das Zusammenfügen der vorgefertigten Brettstapel zum flächigen Bauteil einer Decke oder einer Wand. Dazu wird, aufgrund des hohen Gewichtes der einzelnen Stapel, ein Hebezeug, vorzugsweise ein LKW-Ladekran, oder auch ein Baustellenkran benötigt. Die Montagezeit ist vergleichbar mit jener der zuvor beschriebenen Brettlagenbauweise.

Die Brettstapelbauweise lässt ästhetisch anspruchsvolle Oberflächen zu: Durch Hobelung und Fasung einer Stirnseite können Deckenuntersichten hergestellt werden, die dem Stab- parkett sehr nahe kommen. Weitere Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich durch die Aus- bildung eines Akustikprofiles oder durch Verschwenkung der Einzelbretter, was gleichzei- tig einer Erhöhung der Steifigkeit (Trägheitsmoment) gleichkommt. Bei Verwendung von ungehobelten Brettern wird unterseitig eine Beplankung mit Gipskarton oder Holzsicht- schalung angebracht.

mit Gipskarton oder Holzsicht- schalung angebracht. Für den Tragwerksplaner eröffnen sich mit der

Für den Tragwerksplaner eröffnen sich mit der Brettstapelbauweise neue Möglichkeiten bei der baulichen Durchbildung. Durch die weitaus geringere Konstruktionshöhe gegenüber kon- ventionellen Holzdecken verringert sich auch die Gebäudehöhe. Bei einer Spannweite von 5 m reicht aufgrund des geringen Eigengewichtes der Decke bereits eine Höhe von 14 cm. Das geringe Gewicht der tragenden Konstruktion hat somit auch gegenüber dem Massivbau mit dessen Betondecken entscheidende Vorteile.

Abb. 31 –Befestigung für Balkonbalken quer zur Deckenspannrichtung (Entwurf Dr.Ing. Thomas Schrentewein)

Bei höheren Nutzlasten oder schall- und brandschutztechnischen Anforderungen ist der Einsatz von Brettstapelelementen bei Holz-Beton-Verbundkonstruktionen sinnvoll, wobei an dieser Stelle auf die anschließend folgende Bauweise – siehe Abschnitt 3.6 - verwiesen sei.

Seite 42

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Mit der Brettstapelbauweise kann im Allgemeinen jede Grundriss- oder Gebäudeform verwirklicht werden. Rechtwinklige Grundrissbereiche sollten jedoch aus wirtschaftlichen Gründen bevorzugt werden. Da die Brettstapelelemente einachsig gespannte Tragsysteme mit nur geringer Steifigkeit in Querrichtung sind, sollten Decken möglichst parallel zu Treppenöffnungen oder Wänden mit großen Öffnungen (große Fenster etc.) erstellt wer- den. Auch sollten tragende Wände übereinander gestellt werden und, falls dieser Grundsatz nicht umsetzbar ist, in Deckenspannrichtung verlaufen.

Zur Herstellung der Brettstapelelemente ist die Brettstärke frei wählbar. So werden Holz- dicken von 24 bis 60 mm angewandt, wobei man ab 40 mm bereits von Bohlen spricht. Die Bretthöhe variiert bei Brettstapelwänden zwischen 8 und 12 cm. Brettstapeldecken oder – dächer werden mit Konstruktionshöhen zwischen 12 und 24 cm je nach Spannweite und Belastung ausgeführt. So wie Deckenhöhen geringer als 10 cm aufgrund des Schwin- gungsverhaltens zu vermeiden sind, können Decken höher als 26 cm aufgrund der Materi- albeschaffung nicht herstellbar werden, da ja schließlich Seitenware verwendet wird.

Eine besondere Eigenschaft der Brettstapelbauweise ist das natürliche Schwinden und Quellen der Holzmasse. Dies ist bereits in der Herstellungsphase zu berücksichtigen. Be- sonders Verformungen in Querrichtung d.h. in Richtung der Deckenbreite müssen bauseits ermöglicht werden, da es ansonsten zu Zwangsspannungen (= Verschiebungen) kommen kann. Beeinflussende Faktoren sind die Holzfeuchte im Einbauzustand, die Brettstärke, die Art und Anordnung des Verbindungsmittels und zusätzlich vorhandene Aussteifungskon- struktionen. Jedenfalls sind Brettstapelelemente immer vor Feuchtigkeit zu schützen. Diese Grundregel sollte beim Einsatz der Brettstapelbauweise Berücksichtigung finden.

Der Brettstapelbau ist eine einfache und wirtschaftliche, jedoch arbeitsintensive Bauweise, die jedem Zimmereibetrieb als echte Alternative frei zur Verfügung steht. Bei Berücksich- tigung der konstruktiven Voraussetzungen erfüllt dieses Bauverfahren die Anforderungen an den modernen Holzbau.

Seite 43

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

3.6

Holz-Beton-Verbundtechnik

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS 3.6 Holz-Beton-Verbundtechnik Im vorliegenden Abschnitt von Betondecken zu berichten, bedarf

Im vorliegenden Abschnitt von Betondecken zu berichten, bedarf einiger Überwindung, weil der Beton beim „klassischen“ Holzhaus mit der Errichtung des Kellers bzw. der Bo- denplatte endet. Sehr häufig werden dann aber Zementestriche in Unterböden eingebaut. Es stellt sich nun die Frage, ob dieser Estrich nicht sinnvoller eingesetzt werden kann, an- statt nur „totes“ Gewicht einer Decke zu sein. Ein weiterer heikler Aspekt sind die Stahl- einlagen im Aufbeton; auch hier ist beispielsweise eine Gegenüberstellung mit den vielen Nägeln einer Brettstapeldecke anzustrengen.

mit den vielen Nägeln einer Brettstapeldecke anzustrengen. Abb. 32 – Brettstapel-Beton-Verbunddecke Holz in

Abb. 32 – Brettstapel-Beton-Verbunddecke

Holz in Balkenquerschnitten oder massiv, mit Brettstapel- sowie Brettlagenelementen, lässt sich mit einem Aufbeton und einer schubfesten Verbindung zu einem Verbundquer- schnitt kombinieren. Vergleichbar wie beim Stahlbeton übernimmt in unserem Falle der Holzquerschnitt die Zugkräfte.

Seite 44

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Die Kombination beider Baustoffe nützt deren Tragverhalten, Beton auf Druck – Holz auf Zug belastet, entsprechend aus. Mit der Holz-Beton-Verbundtechnik können dadurch hoch belastbare Deckenkonstruktionen hergestellt werden. Der Verbundquerschnitt eignet sich zudem besonders bei höheren Anforderungen an den Schall- und Brandschutz.

Die Holz-Beton-Verbundtechnik eignet sich für Decken und Dächer: Eine Herstellung von Wänden mit dem Verbundsystem erübrigt sich, da eine derartige Anwendung statisch und bauphysikalisch unsinnig und gleichfalls mit allen anderen Baustoffen besser zu realisieren ist.

Der Anwendungsbereich der Holz-Beton-Verbundbauweise liegt heute zum Teil auch in der Sanierung und Verstärkung von bestehenden alten Holzdecken, wo häufig als Alterna- tive nur deren Abbruch in Frage kommt. Bei historisch bedeutenden und denkmalgeschütz- ten Bauwerken stellt diese Bauweise die einzige Möglichkeit dar, bestehende Decken für die heutigen Anforderungen an Tragfähigkeit und Gebrauchtauglichkeit in Gebäuden zu belassen.

Für den Tragwerksplaner gibt es zur Zeit wenig Erfahrungswerte und Forschungsarbeiten, geschweige denn eine Norm zum Thema Holz-Beton-Verbund. War bisher die schubfeste Verbindung zwischen dem Holz- und dem Betonquerschnitt das wesentliche Problem, so gibt es hierfür mittlerweile eine ganze Reihe von technischen Lösungsansätzen.

Das Verbindungsglied zwischen Holz und Beton wird durch einen Schubdübel aus Stahl gebildet. Der Markt bietet zur Zeit die unterschiedlichsten Formen von Dübeln und Syste- men an. Vielfach werden auch nur winkelförmige Betonstähle für die Herstellung der schubsteifen Verbindung angewandt. Die Verklebung der Schubdübel im Holz mit Epo- xydharzen hat sich bei allen Systemen bewährt. In den kommenden Jahren sind sicherlich einige neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu erwarten.

Durch die Inhomogenität des Verbundquerschnittes und wegen des Phänomens des Beton- schwindens bei dessen Erhärtung muss auf die daraus resultierende Verformung geachtet werden. Dieser Verformungsanteil kann jedoch durch Vorspannung der Schubdübel stark reduziert werden. Eine Unterstützung der Decke ist jedenfalls bis zur ausreichenden Fes- tigkeit (28 Tage) anzuordnen.

Seite 45

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Kerven oder Ausfräsungen im Bereich der Schubdübel verbessern die „Verzahnung“ zwi- schen Holz und Beton. Die zusätzliche Bewehrung in Form einer Baustahlmatte erreicht eine Lastverteilung auch quer zur Deckenspannrichtung und vermeidet die Rissbildung im Aufbeton.

und vermeidet die Rissbildung im Aufbeton. Abb. 33 – Möglichkeiten zur Ausbildung schubfester

Abb. 33 – Möglichkeiten zur Ausbildung schubfester Verbindungen zwischen Holz und Beton [7]

Seite 46

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Die derzeitige Anwendung der Holz-Beton-Verbundtechnik stützt sich großteils auf Erfah- rungswerte ausgeführter Projekte. Hierbei kann eine sogenannte statische Kollaudierung von großem Vorteil sein: Nach der Herstellung der Decke wird mit dem Aufbringen einer Last die Verformung gemessen, um so auf das Tragverhalten der Decke rückzuschließen. Diese Vorgehensweise findet auch im Massivbau aufgrund deren gesetzlichen Regelung Anwendung.

In der Holz-Beton-Verbundbauweise steckt noch großes Entwicklungspotential; die zahl- reich ausgeführten Beispiele zeigen jedoch, dass bereits heute viele Bauvorhaben realisier- bar sind.

Seite 47

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

3.7 Anwendung der Bauweisen in Südtirol

Die intensive Beobachtung des Holzbaugeschehens der letzten Jahre zeigt deutlich, dass sich in Südtirol zwei Bauverfahren durchsetzen: Die Brettlagenbauweise und eine Kombi- nation aus Holzrahmen- und Brettstapelbauweise.

Selbstverständlich werden auch Holzhäuser mit der Holzskelettbauweise und verschiede- nen Kombinationen mit der Holz-Beton-Verbundtechnik ausgeführt. Da bei letzteren die tragenden Wände häufig im Holzrahmenbau und die Verbunddecken im Brettstapelbau erstellt werden, soll an dieser Stelle keine weitere Unterteilung der Bauverfahren vorge- nommen werden.

Die Anwendung der Brettstapelbauweise bei der Erstellung von Wänden ist eng mit der Problematik des Schwind- und Quellverhaltens des Holzes verbunden. Der Feuchteschutz und die unzureichende Maßhaltigkeit bei Fenstern und Türen bereiten noch große Proble- me. Tatsächlich gibt es Holzhäuser, wo sämtliche tragende Strukturen im Brettstapelbau errichtet wurden. Diese Objekte haben jedoch mehr Pilotcharakter, als dass man von einer vermehrten Anwendung sprechen kann.

Warum sich letztendlich nur zwei Bauverfahren durchgesetzt haben, kann auch damit zu- sammenhängen, dass in Südtirol die Holzhausentwicklung im Vergleich zu anderen Län- dern zeitverschoben stattfindet. Der rasante Aufschwung der letzten fünf Jahre ließ kein großes Experimentieren mit Bausystemen zu. Gleichzeitig verschwindet mehr und mehr die klassische Holzbalkendecke, die nun fast immer durch die Brettstapeldecke ersetzt wird. Die Kombination aus Holzrahmen- und Brettstapelbauweise nützt schließlich die jeweiligen Vorzüge der einzelnen Bauverfahren.

- Brettlagenbauweise:

Der Erfolg der Brettlagenbauweise ist in Südtirol wie auch in anderen Ländern zu beo- bachten und hängt hauptsächlich von der Produktinnovation „Massivholzplatte“ ab. Ein weiterer, nicht unwesentlicher Grund für die große Beliebtheit dieses Bauverfahrens ist den heute vielfach jungen Bauherren zu verdanken, die zunehmend auf zeitgenössische Archi- tektur setzen und diese ist wiederum prädestiniert für die moderne Brettlagenbauweise.

Seite 48

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

Für den Zimmereibetrieb ist die Brettlagenbauweise in einfacher Art und Weise zu hand- haben, weil die Voraussetzungen für den Bau eines Holzhauses relativ bescheiden sind und der einzelne Betrieb die Unterstützung des Massivholzplatten-Herstellers in Anspruch nehmen kann. Die Kalkulation ist mit relativ geringen Unsicherheiten verbunden; die Ma- terialkosten sind zum größten Teil Fixkosten und der Arbeits- bzw. Montageaufwand ist gut abschätzbar.

- Holzrahmen-/Brettstapelbauweise:

Die Holzrahmen-/Brettstapelbauweise hingegen erfordert einige Erfahrung und auch ent- sprechendes know-how. Viele Zimmereibetriebe haben ihr eigenes System im Holzhausbau entwickelt. Für Neueinsteiger bringt die Holzrahmen-/Brettstapelbauweise nicht immer den wirtschaftlichen Erfolg, weil sehr oft auf eine detaillierte Kalkulation verzichtet wird. Die Holzrahmen-/Brettstapelbauweise ist ein handwerklich traditionelles Hausbauverfah- ren, was sich letztendlich auch im Arbeitsaufwand niederschlägt.

Seite 49

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS

DAS NEUE SÜDTIROLER HOLZHAUS Abb. 34 – Schnitt Holzrahmen-/Brettstapelbauweise Seite 50

Abb. 34 – Schnitt Holzrahmen-/Brettstapelbauweise

Seite 50