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Das Fundament 4/2007

Serie: Neutestamentliche Heilsgeschichte (4)

Die Stellung der Gemeinde


Erich Sauer (1898-1959) war als Leiter des Missionshauses Bibelschule Wiedenest
weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt als scharf denkender, aber
immer bibelbezogener Theologe. Seine Gedanken sind nicht abgehoben, aber eine
stille Ecke, eine aufgeschlagene Bibel und ein wenig Zeit sind nötig, die Pinselstri-
che Sauers nachzuvollziehen.

Unendlich mannigfaltig sind die


  es, die „Lehrer“ unseres Heiland-
Beziehungen zwischen Christus Gottes zu „zieren in allem“ (Titus
und seiner Gemeinde, besonders 2, 10). Die Gemeinde ist eine Schu-
Lehren und Lernen (Jüngerschaft, le, eine Jüngerschaft.
Schule), Führen und Folgen (Her-
de), Herrschen und Gehorchen
(Staatswesen, Volk), Lieben und
Wiederlieben (Braut, Weib), Be- Führen und Folgen
leben und Belebtsein (Weinstock,
Leib), Gründen und Aufbauen Christus ist der Hirte und wir sind
(geistliches Haus), Segnen und ein seine Herde. Aus der israelitischen
Segen sein (Priestertum, Tempel). Hürde (Johannes 10, 1 - 5) und den
Hürden der Weltkultur (Johannes
10, 16) hat er die Seinen zu einer
Herde zusammengebracht (Jo-
hannes 10, 16). Als der gute Hirte
Lehren und Lernen lässt er sein Leben für seine Schafe
Christus ist der Meister, und wir (Johannes 10, 12). Als der „große“
sind seine Schüler (Matthäus 23, Hirte ist er der Auferstandene, kraft
8). Er ist unser Vorbild (Johannes des Blutes des ewigen Bundes (Heb-
13, 14 - 15; 1. Petrus 2, 21). Er sagt: räer 13, 20 - 21). Als der „Erzhirte“
„Lernet von mir“ (Matthäus 11, 29; kommt er einst wieder und gibt
Epheser 4, 20). Unsere Aufgabe ist seinen Unterhirten den Ehrenkranz

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Die Stellung der Gemeinde

Hirtendienst
(1. Petrus 5, 4 vergleiche 2, 3). In der Christus ist der „Gebieter“, und wir
Gegenwart aber vollführt er einen sind seine Untertanen (Judas 4).
siebenfachen Hirtendienst: Er ruft Christus ist der Feldherr, und wir
uns (Johannes 10, 3), er führt uns sind seine Krieger (2. Timotheus
(Psalm 23, 3), er ernährt uns (Psalm 2, 3 - 4; vergleiche Epheser 6, 10 - 17;
23, 2), er kennt uns (Johannes 1. Thessalonicher 5, 8 - 9; 2. Ko-
10, 14. 15. 27), er bewahrt uns rinther 6, 7). Die Erlösten sind ein
(Johannes 10, 28 - 30), er heilt uns „Volk“ (Apostelgeschichte 15, 14; 2.
(Matthäus 18, 12) und er trägt uns Korinther 6, 16; 1. Petrus 2, 9; Titus
nach Hause (Lukas 15, 5 - 6; Jesaja 2, 14), „Mitbürger“ der Heiligen
40, 11). (Epheser 2, 19) und ein „Königreich
von Priestern“ (Offenbarung 1, 6;
1. Petrus 2, 9). Die Gemeinde ist
ein Staatswesen. Ihr „Bürgertum“
Herrschen und ist im Himmel (Philipper 3, 20).
Sie ist im „Königreich des Sohnes“
Gehorchen (Kolosser 1, 13). Das „Reich Gottes“
Christus ist der Herr, und wir sind soll sie offenbar machen (Römer
seine „Diener“ (1. Korinther 4, 1). 14, 17; 1. Korinther 4, 20). Darum

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Das Fundament 4/2007

predigt sie das „Reich“ (Apostel- Das neue Gesetz


geschichte 20, 25; 28, 31; Kolos-
ser 4, 11). Zum Reich gehört ein Seinem Ursprung nach ist es
Gesetz, zum „Reich des Sohnes“ Gesetz „Christi“ (Galater 6, 2),
das „Gesetz Christi“ (Galater 6, 2). seinem Wesen nach Gesetz der
Darum ist „Glauben“ zugleich „Freiheit“ (Jakobus. 1, 25; 2, 12),
„Gehorchen“, und „Vertrauen“ ist seinem Inhalt nach Gesetz
zugleich „Treue“.1) Gerade Paulus, der „Liebe“ (Römer 13, 8 - 10;
der Apostel der Freiheit, spricht vom Jakobus 2, 8; 1. Timotheus 1, 5;
„Halten der Gebote“ (1. Korin- Galater 6, 2),
ther 7, 19). Er selber „gebietet“ (2. seiner Kraft nach Gesetz des
Thessalonicher 3, 6). Unglaube ist „Geistes“ (Römer 8, 2)
ihm dasselbe wie „Ungehorsam“ seiner Wirkung nach Gesetz des
(Römer 10, 3). Die Bekehrung ist „Geistes des Lebens“ (Römer 8, 2),
ihm ein Gehorsams- und Unterwer-
seinem Wert nach das „vollkom-
fungsakt (Apostelgeschichte 26, 19),
mene Gesetz“ (Jakobus 1, 25),
die Evangeliumsverkündigung ein
Buße-Gebieten (Apostelgeschichte seiner Würde nach das „könig-
17, 30)! Vom „Gesetz der Sünde und liche Gesetz“ (Jakobus 2, 8).
des Todes“ erlöst (Römer 8, 1 - 2)
und auch vom mosaischen Gesetz Im Alten Testament stand der
frei (Römer 3, 21; 7, 1 - 6; 10, 4), ist Mensch dem Gesetz Gottes als natür-
der Gläubige nun nicht etwa „ohne licher Mensch gegenüber; er war im
Gesetz“ (1. Korinther 9, 21; Galater Fleische; daher die Kraftlosigkeit des
5, 13), sondern „Christo gesetz- Gesetzes (Römer 8, 3). Im Neuen
mäßig unterworfen“ (1. Korinther Bund aber ist er ein neuer Mensch (2.
9, 21). Er hat das „Gesetz Christi“ Korinther 5, 17); er ist „im Geiste“;
zu erfüllen (Galater 6, 2) und im daher sein Sieg (Römer 8, 1 - 4). Im
„Glaubensgehorsam“ zu wandeln Alten Bund trat das Gesetz an den
(Römer 1, 5; 15, 18; 16, 26). Die Menschen von außen heran, auf stei-
Gnade will „königlich herrschen“ nernen Tafeln, als Buchstabe, der da
(Römer 5, 21). tötet (2. Korinther 3, 3. 6). Im Neuen
Bund ist es ihm in den Sinn gegeben
(Hebräer 8, 10; Römer 6, 17), ge-
schrieben auf „fleischerne Tafeln des

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Die Stellung der Gemeinde

Das Gesetz Christi

Herzens und mit dem Geist des le- ihr Gebiet die ganze Erde
bendigen Gottes“ (2. Korinther 3, 3). (Römer 10, 18),
ihre Hauptstadt das himmlische
Jerusalem (Galater 4, 20).

Die Gemeinde
Sie ist ein wunderbares Volk, eine
Lieben und
„heilige Nation“ (1. Petrus 2, 9):
Wiederlieben
ihr Gebieter ist der Herr Christus
(Judas 4), Christus ist der Bräutigam, und die
Gemeinde ist seine Braut (2. Korin-
ihr Gesetz sein Wille
ther 11, 2 - 3). Christus ist der Ehe-
(Galater 6, 2),
herr, und sie ist seine Frau (Epheser
ihr Reichtum seine Herrlichkeit 3, 31 - 32). Als Braut hat sie die reine
(Epheser 3, 16), und wartende Liebe (2. Korinther
ihr Ruhm seine Ehre 11, 2 - 3), als Frau die besitzende und
(1. Korinther 1, 31), genießende Liebe. Wie Eva aus Adam
ihre Volksgemeinschaft seine war, als dieser von Gott in tiefen
Liebe (Johannes 13, 34), Schlaf versenkt worden war (1. Mose
2, 21 -  22; 1. Korinther 11, 8), so

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Das Fundament 4/2007

kommt die Gemeinde von Christus Ehe


her, der als der Auferstandene den
Todesschlaf überwunden hat. Darum Im Bilde der Ehe
bezieht Paulus das Begrüßungswort haben wir das gan-
des ersten Adam auf Christus, den ze Werk Christi für
letzten Adam, und sagt: „Wir sind seine Gemeinde:
Glieder seines Leibes, von seinem Ihre Erwählung durch seine Liebe
Fleisch und von seinem Gebein“ (ver- (Epheser 5, 25a),
gleiche 1. Mose 2, 23!). „Um deswil- ihre Erlösung durch seine Hingabe
len wird ein Mensch verlassen Vater (Epheser 5, 25b),
und Mutter und seiner Frau anhan-
ihre Heiligung durch seine Herr-
gen und werden die zwei ein Fleisch
schaft (Epheser 5, 26. 24. 33),
sein (vergleiche 1. Mose 2, 24!). Das
Geheimnis ist groß. Ich aber sage ihre Verherrlichung durch seine
es in Bezug auf Christus und die Wiederkunft (Epheser 5, 27).
Gemeinde“ (Epheser 5, 30 - 32). Wie
wenn ein orientalischer Fürst auf Wie schon Augustinus sagt: „Wen
dem Sklavenmarkt ein Sklavenmäd- Gott verordnet hat vor der Welt,
chen sieht und, von plötzlicher Liebe den hat er auch berufen von der
entflammt, sie um teuren Preis kauft, Welt, gerechtfertigt in der Welt
um sie dann reinigen und in Pracht- und wird ihn verherrlichen nach
gewänder einhüllen zu lassen (Esther der Welt“ (Römer 8, 29 - 30). Ihm
2, 3 - 4. 12) und sie zuletzt als seine allein gehört darum unser Leben. In
Frau auf den königlichen Thron zu der „ersten Liebe“ soll unsere Seele
erheben: also auch Christus und die ewig glühen (Offenbarung 2, 4).
Gemeinde. Er hat sie als die einstige Sie ist die Liebe, wie sie zuerst war,
Sklavin der Sünde „geliebt“, hat sich als unsere Verbindung mit Christus
dann selbst für sie als Kaufpreis „da- zustande kam. Im Sendschreiben an
hingegeben“, „reinigt“ sie nun durch Ephesus wird sie mit dem Lebens-
die Waschung mit Wasser durch baum des Paradieses zusammenge-
das Wort und wird sie dereinst „sich stellt (Offenbarung 2, 4. 7). Denn
selbst verherrlicht darstellen“, ohne Liebe ist Leben, und „wer nicht
Flecken und Runzeln, das heißt in liebt, lebt nicht. Wer durch das
Heiligkeit und ewiger Jugendschön- Leben lebt, der kann nicht sterben“
heit (Epheser 5, 25 - 27). (Raimundus Lullus, † 1315). 2)

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Die Stellung der Gemeinde

Schon in der alttestamentlichen tus und die Gemeinde“ (Epheser


Zeit bestand ein Liebesverhältnis 5, 31 - 32). Auch hier hat das Neue
zwischen Jahwe und seinem Volk. Testament eine reichhaltige Bilder-
In viel herrlicherem Maße besteht es sprache: Christus ist der „Wein-
heute zwischen Christus und seiner stock“ und wir sind die Reben
Gemeinde. Darum nimmt der Geist (Johannes 13, 1 - 5). Christus ist das
Gottes die höchste Liebesbeziehung, „Haupt“ und wir sind die Glieder
die das menschliche Dasein über- (Epheser 1, 22 - 23). Die Gemeinde
haupt kennt, und wendet sie sowohl ist ein Baum, „gewurzelt“ in ihm
auf Israel (Hosea 2, 21; 22; Hesekiel (Kolosser 2, 7). Der Einzelne ist eine
16; 23; Jesaja 62, 5; Psalm 45; Ho- Pflanze (Matthäus 15, 13; 1. Korin-
helied) als auch auf die Gemeinde ther 3, 6 - 9), mit ihm „zusammen-
an (2. Korinther 11, 2 - 3; Epheser gepflanzt“ (Römer 6, 5 wörtlich).
5, 31 - 32). Die Zusammenfassung Sie alle sind „in Christo“.
von beiden aber ist das himmlische
Jerusalem, die Stadt, in der einst die
Erlösten aus Israel wohnen werden
(Offenbarung 21, 12), und die Die Beziehungen der
auch für die Gemeinde „unser aller
Mutter“ ist (Galater 4, 26; Hebräer
Glieder zum Haupt
12, 22; Offenbarung 3, 12): sie ist Das wichtigste Bild ist das des
die „heilige Stadt“, „die Braut und Leibes. Es wird ausschließlich von
die Frau des Lammes“ (Offenba- Paulus gebraucht. Es stellt, wie kein
rung 21, 9 - 10; 19, 7). anderes, die Segnungen der Chris-
tusgemeinschaft dar:
1. Zugehörigkeit zu Christo:
Die Gemeinde ist „sein“ Leib
Einheit des Lebens (Epheser 1, 23).
Der Urgrund von allem aber ist die 2. Abhängiger Dienst: In einem
organische Lebensgemeinschaft der Leibe regiert nur ein Wille, und
Gemeinde mit Christus. Schon im das Haupt ist der Wille des
Bilde der Ehe deutet sie sich an: Leibes (Kolosser 1, 18).
„Die zwei werden ein Fleisch sein. ...; 3. Unmittelbare Gemeinschaft: Das
ich aber sage es in Bezug auf Chris- einzelne Glied steht in direkter Be-

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Das Fundament 4/2007

ziehung zum Haupt. Kein Mensch 7. Die Gemeinde ist das Offenba-
oder Engel steht dazwischen (1. rungsmittel des Christuslebens.
Timotheus 2, 5; Kolosser 2, 18). Schon im irdischen Leben ist der
Darum gilt es, in allem das Haupt Leib das Kundgebungsorgan des
festzuhalten (Kolosser 2, 19). Geistes. So soll auch im Geistli-
4. Liebe und Pflege: „Niemand hat chen durch die Gemeinde die gar
jemals sein eigenes Fleisch gehasst, mannigfaltige Weisheit Gottes
sondern er nährt und pflegt es, kundgemacht werden (Epheser
gleichwie auch Christus die Ge- 3, 10). Das erhöhte „Haupt“ setzt
meinde“ (Epheser 5, 29). „Er ist des durch seinen „Leib“ sein hei-
Leibes Heiland“ (Epheser 5, 23). liges Leben hier unten fort. Die
5. Belebung und Aufbau: Das Haupt Gemeinde ist „der Lebensbaum
ist für den Leib die Quelle der Gottes in der Geschichte“, die
Selbstauferbauung. Schon im Fortsetzung der Menschwer-
irdischen Leib ist die Seele das dung Christi auf Erden. Sie lebt
leibbildende Element. So wächst durch den Geist sein Leben hier
auch der Leib Christi aus dem unten weiter. Sie ist nicht nur „in
Haupt heraus sein gottgeordnetes Christo“, sondern Christus ist
Wachstum (Kolosser 2, 19). Nur auch „in“ ihr (Kolosser 1, 27). Er
aus ihm heraus bewirkt er seine gewinnt in ihr Gestalt (Galater
„Selbstauferbauung in Liebe“ 4, 19), drückt sein Wesen in ihr
(Epheser 4, 16). 3) aus, und das Haupt offenbart
6. „Fülle“ des Hauptes: Nicht als sich durch seine Glieder.
göttliche Person, wohl aber als
„letzter Adam“ wäre Christus
nicht „vollständig“ ohne seinen
„Leib“; das Weizenkorn ohne die Die Beziehungen der
Frucht wäre „allein“ (Johannes
12, 24). Ein Erlöser ohne Erlöste
Glieder untereinander
wäre kein „Erlöser“ mehr. So ist Die Erlösten sind eine Einheit,
die Gemeinde „die Fülle dessen, viel tiefer als alle Volks- und viel
der alles in allem erfüllt“, das heißt weltweiter als alle Völkergemein-
„die volle Ausgestaltung von Ihm, schaft (Galater 6, 10). Sie sahen
der alles in allem zu voller Ausge- sich nie, und sie kennen sich doch
staltung bringt“ (Epheser 1, 23). (2. Korinther 6, 9). Sie sind sich

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Die Stellung der Gemeinde

ganz fremd, und lieben sich! (Ko- Die Einheit der Erkenntnis wird
losser 2, 1 - 2; 1, 9.) Denn „gleichwie da sein. Sie ist unser Ziel, ein Teil
der Leib einer ist, obwohl er viele unserer Hoffnung (Epheser. 4, 13).
Glieder hat, also auch der Christus“ Die Einheit des Lebens ist das,
(1. Korinther 12, 12). Er ist ein was wir haben, die „Grundlage“, die
Organismus und keine Organisa- zurückschaut auf die Vergangenheit,
tion, eine Schöpfung Gottes und das Werk von Golgatha (Johannes
kein Werk der Menschen. Chris- 11, 52). Die Einheit der Gesinnung
tus, das Haupt, ist die Einheit des ist das, was wir haben sollen, die
Leibes; sein Leib ist der „eine neue „Aufgabe“, die uns gestellt ist in
Mensch“ (Epheser 2, 15). Besonders der Gegenwart. Die Einheit der
sieben Stücke machen die Einheit Erkenntnis ist das, was wir haben
der Gemeinde aus. „Da ist ein Leib werden, das „volle Maß“ (Epheser
und ein Geist, wie ihr auch berufen 4, 13), das erreicht sein wird in
worden seid in einer Hoffnung eurer der Zukunft. Für die Gegenwart
Berufung: ein Herr, ein Glaube, aber gilt das Wort Augustins: „Im
eine Taufe, ein Gott und Vater unser Notwendigen Einheit, im Zweifel-
aller, der da ist über euch allen und haften Freiheit, in allem Liebe.
durch euch alle und in euch allen“
(Epheser 4, 4 - 6).

Vielfalt
„Auch der Leib ist nicht ein Glied,
Einheit sondern viele. Wenn der ganze Leib
Die Einheit der Gemeinde ist eine Auge wäre, wo bliebe das Gehör? So
dreifache: er ganz Gehör wäre, wo bliebe der
Die Einheit des Geistes (des Geruch?“ (1. Korinther 12, 14 - 20;
Lebens) ist da. Sie ist eine fertige Römer 12, 4 - 8.) Wie auf dem
Tatsache, die wir haben durch den Brustschild des Hohenpriesters
Glauben (Epheser 4, 3). zwölf verschiedene Edelsteine
Die Einheit der Gesinnung glänzten, als Darstellungen der
soll da sein. Sie ist unsere Pflicht, zwölf Stämme Israels (2. Mose
die wir erfüllen durch die Liebe 28, 15 - 21), so werden auch die
(Philipper 1, 27; 2, 1 - 4; 4, 2). Glieder des neuen Bundes auf der

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Das Fundament 4/2007

den Kleinsten, und gerade die


Geringsten hat Gott mit besonderer
Ehre bedacht, „damit die Glieder
einträchtig füreinander sorgen“ (1.
Korinther 12, 22 - 25).

Mitgefühl
„So ein Glied leidet, leiden alle
Glieder mit, und so ein Glied wird
herrlich gehalten, so freuen sich alle
Glieder mit“ (1. Korinther 12, 26).

Edelsteine - keiner wie der andere

Brust des melchisedekschen Ho-


Dienst
henpriesters getragen: Sie sind alle Jedes Glied dient dem anderen und
verschieden; aber sie alle leuchten. sie alle der Gesamtheit; und so wird
Und die Einheit ihres Lichtes ist die der ganze Leib „durch die Gelenke
Einheit der Sonne. und Bänder versorgt“ (Kolosser
2, 19) und „zusammengehalten mit
Hilfe aller Gelenke, die ihren Dienst
verrichten nach der besonderen Tä-
Abhängigkeit tigkeit, die jedem Gliede zugewiesen
Jeder Einzelne ist einseitig. Darum ist“ (Epheser 4, 16). Alle Glieder
brauchen sie sich alle. „Es kann haben Aufgaben. Nicht ein einziges
nicht das Auge zu der Hand sagen: darf abseits stehen. Reichsgottesge-
Ich bedarf deiner nicht; oder das meinschaft ist Arbeitsgemeinschaft.
Haupt zu den Füßen: Ich bedarf Nur dadurch wird sie auch Sieges-
euer nicht“ (1. Korinther 12, 21). gemeinschaft.
Nein, sie sind alle aufeinander
angewiesen, auch der Größte auf

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Die Stellung der Gemeinde

Wachstum das Zeugnis der ersten Generation.


Darum ist alles, was darauf folgt,
Dies alles aber, „bis dass wir alle „aufgebaut auf der Grundlage der
hingelangen zur Einheit des Glau- Apostel und Propheten“ (Epheser
bens und der Erkenntnis des Sohnes 2, 20). Die Wahrheit des Petrusbe-
Gottes, zur vollkommenen Mannes- kenntnisses ist der Felsengrund der
reife, zum Vollmaß des Wuchses in Gemeinde: die übergeschichtliche
der Fülle Christi“ (Epheser 4, 13). Gottessohnschaft und die heilsge-
schichtliche Messiasschaft Jesu von
Nazareth. „Du bist der Christus (der
Messias), der Sohn des lebendigen
Gründen und Gottes!“ „Auf diesen Felsen will ich
Aufbauen meine Gemeinde bauen“ (Matthäus
16, 16 - 18).
Mit dem Bild des „Leibes“ ist in der Die Steine kommen aus zwei
Schrift eng das Bild des „Haus- „Steinbrüchen“, den Juden und
baues“ verbunden. Beide Bilder Heiden (Epheser 2, 11 - 12), und
werden sogar ineinander verwoben: werden zu einem heiligen Tem-
Das Haus „wächst“ (Epheser 2, 21); pel „zusammengefügt“ (Epheser
der Leib wird „gebaut“ (Epheser 2, 21 - 22). Sie kommen als tote
4, 12). Christus ist der „Eckstein“, Steine zu ihm, dem Lebendigen,
und wir sind der Aufbau (1. Petrus und werden durch den Geist seines
2, 6). Die Gemeinde ist ein Got- Lebens lebendig gemacht (1. Petrus
teshaus, ein Tempel. Dies Bild 2, 4). Ihr Glauben an Christum ist
gilt in dreifacher Weise, in Bezug zugleich Glauben auf Christum (1.
auf die Gesamtgemeinde (Ephe- Petrus 2, 6; Römer 9, 33), ein Sich-
ser 2, 21 - 22; 1. Petrus 2, 4 - 5), Stützen und „Aufgebautwerden“
die Ortsgemeinde (1. Korinther (Epheser 4, 29; Judas 20; 1. Korin-
3, 16 - 17; 1. Timotheus 3, 15), den ther 14, 12. 26) auf den „Eckstein“
Einzelchrist (1. Korinther 6, 19; in Zion (Jesaja 28, 16).
Kolosser 1, 27; Epheser 3, 17). Die Der Zweck dieses Hauses ist,
Grundlage ist der Herr selbst. „Ei- ein „Tempel“ zu sein. Es ist ein
nen anderen Grund kann niemand „geistliches“ Haus (1. Petrus 2, 5),
legen außer dem, der gelegt ist“ (1. und die „Steine“ in der Wand sind
Korinther 3, 11). Von ihm spricht zugleich „Priester“ am Altar (1. Pe-

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Das Fundament 4/2007

trus 2, 5; Hebräer 13, 10), und Beten


die Führer sind „Säulen“ in dem
Tempel ihres Gottes (Galater 2, 9; Die Gläubigen beten für andere.
Offenbarung 3, 12). Sie „danksagen“ für andere (1. Ti-
motheus 2, 1 - 2). Im stillen Käm-
merlein umspannen sie die ganze
Welt (1. Timotheus 2, 1 - 2), und
im Himmel vertritt sie der Geist
Segnen und ein mit unaussprechlichem Seufzen
Segen sein und verleiht ihren Gebeten gottge-
Die Gemeinde ist ein Priestertum. mäße Kraft (Römer 8, 26 - 27).
Christus ist der Hohepriester, und
wir sind die Priester (Hebräer 8, 1;
Offenbarung. 1, 6). Die Gemeinde
ist ein „heiliges“ Volk (1. Petrus Bekennen
2, 9). Als Priester haben ihre
„Die Lippen des Priesters sollen Er-
Glieder einen vierfachen Dienst:
kenntnis bewahren, und das Gesetz
sucht man aus seinem Munde; denn er
ist ein Bote des Herrn“ (Maleachi 2, 7).

Opfern
Ihr Leben ist ein Schlachtopfer
(Römer 12, 1. 15. 16), ihre Hingabe
ein Brandopfer (Markus 12, 33),
ihr Dienst ein Trankopfer (2. Ti-
motheus 4, 6; Philipper 2, 17), ihre
Taten geistliche Opfer (1. Petrus
2, 5; Hebräer 13, 16), ihre Gebete
ein Rauchopfer (Psalm 141, 2;
Offenbarung 8, 3 - 4), und ihre
Anbetung ein Lobopfer (Hebräer
13, 15). Segnen
„Rede zu Aaron und zu seinen
Söhnen und sprich: So sollt ihr die

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Die Stellung der Gemeinde

Kinder Israel segnen ... Sie sollen Korinther 9, 13). Sie sind alle, was
meinen Namen auf die Kinder Israel Israel sein sollte, „ein Königreich
legen, und ich will sie segnen“ (4. von Priestern“ (2. Mose 19, 6). Und
Mose 6, 23 - 27). 4) Im Neuen Bund so kann auch im Kleinsten von ih-
aber gibt es ein allgemeines Priester- nen die Verheißung erfüllt werden:
tum (1. Petrus 2, 9; Offenbarung „Ich will dich segnen, und du sollst
1, 6). Sie alle genießen den Priester- ein Segen sein“ (1. Mose 12, 2). 
anteil am Altar (Hebräer 13, 10; 1.

Anmerkungen:
1) Für „Glaube“ und „Treue“ hat das Griechische ein und dasselbe Wort (pistis).
2) Der Einwand, die Gemeinde könne als Leib Christi doch nicht auch Braut
oder Frau sein, beruht auf einer Verkennung der Beweglichkeit orientalischer
und biblischer Bildersprache. Der Acker ist im Gleichnis vom Sämann das
menschliche Herz“ (Matthäus 13, 19), im Gleichnis vom Unkraut die „Welt“
(Vers 38). Die Vögel sind zuweilen Sinnbilder des Guten (Matthäus 6, 26;
10, 16); woanders aber stellen sie das Böse dar (Matthäus 13, 4. 19). Der Adler
ist als unreines Tier den Kindern Israel ein Gräuel (3. Mose 11, 13). Trotzdem
wird er als Bild der kraftvollen Fürsorge Gottes gebraucht (2. Mose 19, 4). So
ist auch die paulinische Bildersprache durchaus flüssig, lebendig und beweglich.
Der Sklavenstand ist bald ein Bild davon, wie unsere Beziehungen zu Gott
nicht sind (bezüglich innerer Fremdheit und Furcht: Galater 4, 7; Johannes
15, 15), bald, wie sie doch sind (bezüglich Eigentum, Gehorsam und Schutz:
Römer 6, 15 - 23). Zu sagen: weil die Gemeinde Leib Christi ist, kann sie nicht
auch ,,Braut“ sein, wäre genauso vorschnell, wie zu sagen, weil sie ein Leib
ist, kann sie nicht Säule oder „Haus“ sein (1. Timotheus 3, 15). Bei all diesen
Ausdrücken — natürlich nicht den hinter ihnen liegenden, geistigen Realitäten
— handelt es sich doch eben um Bilder. Und das Bild der „Braut“ und der Frau
liegt unverkennbar in 2. Korinther 11, 2 - 3 und Epheser 5, 31 - 32 vor.
3) So ist sowohl Christus der Bauende (Matthäus 16, 18), als auch wir sind die
Bauenden (1. Korinther 3, 10 - 15). Das Bild des Bauens wird im Neuen Testa-
ment nur auf die Gemeinde, nicht aber auf das Reich Gottes angewandt.
4) „Segnen“ heißt also, „den Namen Gottes auf jemand legen“. Nur der ist ein Se-
gen, der andere Menschen durch Wort und Wandel mit Gott in Berührung bringt.

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